Read the book: «Theodor Storm: Novellen, Märchen, Gedichte & Briefe (Über 400 Titel in einem Band)»

Font::

Theodor Storm

Theodor Storm: Novellen, Märchen, Gedichte & Briefe (Über 400 Titel in einem Band)


Books

- Innovative digitale Lösungen & Optimale Formatierung -

musaicumbooks@okpublishing.info

2017 OK Publishing

ISBN 978-80-272-0393-2

Inhaltsverzeichnis

Märchen und Spukgeschichten:

Hinzelmeier: Eine nachdenkliche Geschichte

Nachbars Kasperle

Krahirius

Ein Meisterschuß

Die Rose

Der Eingang zum Rosengarten

Die Rosenjungfrau

Der Stein der Weisen

Die weiße Wand

Der Zipfel

Die Regentrude

Bulemanns Haus

Der kleine Häwelmann

Der Spiegel des Cyprianus

Hans Bär

Am Kamin

Schneewittchen

Novellen:

Geschichten aus der Tonne

Das Märchen von den drei Spinnfrauen

Se dohn sick wat to gude

»Dree to beed«

Der Schimmelreiter

Marthe und ihre Uhr

Im Saal

Posthuma

Ein grünes Blatt

Im Sonnenschein

Angelika

Wenn die Äpfel reif sind

Späte Rosen

Drüben am Markt

Veronika

In der Mühle

Palmsonntag

Im Beichtstuhl

Im Schloß

Von der Dorfseite

Im Schloß

Die beschriebenen Blätter

Ein anderer Tag

Es wird Frühling

Auf der Universität

Lore

In der Tanzstunde

Auf dem Mühlenteich

Im Schloßgarten

Auf der Universität

Ein Spaziergang

Draußen im Walde

Am Strande

Unter dem Tannenbaum

Eine Dämmerstunde

Unter dem Tannenbaum

Abseits

Von Jenseit des Meeres

Eine Malerarbeit

Lena Wies

Der Amtschirurgus – Heimkehr

Eine Halligfahrt

Draußen im Heidedorf

Zwei Kuchenesser der alten Zeit

Beim Vetter Christian Novelle

Von heut und ehedem

Auf der Reise

In Urgroßvaters Hause

In Großvaters Hause

Staub und Plunder

Ein stiller Musikant

Psyche

Im Nachbarhause links

Von Kindern und Katzen, und wie sie die Nine begruben

Aquis submersus

Renate

Im Brauerhause

Schweigen

»Es waren zwei Königskinder«

John Riew’

Ein Doppelgänger

Die Armesünderglocke

Zur Chronik von Grieshuus

Zur »Wald-und Wasserfreude«

Viola Tricolor

Waldwinkel

Pole Poppenspäler

In St. Jürgen

Immensee

Der Alte

Die Kinder

Im Walde

Da stand das Kind am Wege

Daheim

Ein Brief

Immensee

Meine Mutter hat’s gewollt

Elisabeth

Der Alte

Hans und Heinz Kirch

Ein Fest auf Haderslevhuus

Eine Halligfahrt

Ein Bekenntnis

Eekenhof

Die Söhne des Senators

Auf dem Staatshof

Bötjer Basch

Carsten Curator

Der Herr Etatsrat

Sylter Novelle

Bruchstücke einer eignen Lebensgeschichte

Aus der Jugendzeit

I. Von Mutters Seite

2. Westermühlen

Eine Episode aus dem Berliner Studienjahr 1839

Meine Erinnerungen an Eduard Mörike

Schleswig-Holsteinische Sagen

Die Abelssage

Die schwarze Greth

Das Glück der Grafen Rantzau

Schacken-Sage

Bredstedter Sage

Friesische Sage

Das liebe Brodt

Die Unterirdischen

Glocken im See

Gedichte:

Abends

Abschied

Was zu glücklich, um zu leben

Du weißt es, alle, die da sterben

Abseits

Agnes

All meine Lieder

Am Aktentisch

Am Fenster lehn ich

Am Geburtstage

Antwort

An Agnes Preller

An Auguste von Krogh

An diesen Blättern meiner Liebe

An Emma

An Emilie Petersen

An eine weibliche Maske

An einem schönen Sommerabende

An Erich Schmidt

An die entfernte M

An die Freunde

An F. Röse

An Frau Schlüter

An Hans

An Klaus Groth

An meine Künftige

An Theodor Mommsen

An Wilhelm Jensen

April

August

Auf dem geberg

Auf dem hohen Küstensande

Auf dem Segeberg

Auf Wiedersehen

Aus der Marsch

Aus Schleswig-Holstein

Bald ist unsers Lebens Traum zu Ende

Begegnung

Begeisterung ist schön in jungen Tagen

Beginn des Endes

Begrabe nur dein Liebstes!

Beim Pfänderspiel

Blumen

Blumenduft vom Nachbarfenster

Bettlerliebe

Brutus' Gespenst

Constanze

Cornus Suecica

Crucifixus

Dahin!

Das Edelfräulein seufzt

Das Harfenmädchen

Das Hohelied

Das ist der Herbst

Das Mädchen mit den hellen Augen

Damendienst

Deine Lippen sind entzaubert

Dem Hofe attachiert

Den teuren Namen trägt dies Buch

Der Bau der Marienkirche zu Lübeck

Der Beamte

Der Lump

Der Sänger beim Mahle

Der Weg wie weit!

Der Zweifel

Des Alten Traum

Des Kindes Gebet

Die alte Lust ist neu erstanden

Die Flöhe und die Läuse

Die fremde Sprache

Die Herrgottskinder

Die Julisonne schien auf ihre Locken

Die Jungen

Die Kinder

Auf meinem Schoße sitzet nun

Mein Haewelmann, mein Bursche klein

Die Kleine

Die Liebe

Die Möwe und mein Herz

Die Nachtigall

Die neuen Fiedellieder

Lang und breit war ich gesessen

Wenn mir unterm Fiedelbogen

Glaubt ich doch, sie waer es selber

In den Garten eingestiegen

Sind wir nun so jung beisammen

Musikanten wollen wandern

Weiter geht's und immer weiter!

Nun geht der Mond durch Wolkennacht

Morgen wird's! Am Waldesrande

Am Markte bei der Kirchen

Die Ruhestörerin

Die Stadt

Die Stunde schlug

Die Zeit ist hin

Doch du bist fern

Du bist so jung

Duett

Du hast sie, Herr, in meine Hand gegeben

Du Heißersehnte

Du schläfst

Durch die Lind' ins Kammerfenster

Du warst es doch

Du willst es nicht in Worten sagen

Dämmerstunde

Dämmerstund

Ein Epilog

Ein Grab schon weiset manche Stelle

»Ein grünes Blatt«

Ein grünes Blatt

Ein Leib und eine Seele

Ein Leichenstein

Ein Sterbender

Ein Ständchen

Eine Fremde

Eine Frühlingsnacht

Einer Braut am Polterabend

Einer Toten

Du glaubtest nicht an frohe Tage mehr

Das aber kann ich nicht ertragen

Elisabeth

Engel-Ehe

Erster Januar 1851

Es gibt eine Sorte

Es ist ein Flüstern

Es liegen Wald und Heide

Es kommt das Leid

Februar

Frage

Frauenhand

Frauen-Ritornelle

Freiheitsjubel

Freundchen, sage mir's doch auch

Friedlos bist du

Frühlingslied

Für einen Ungeliebten

Für meine Söhne

Gartenspuk

Gasel

Gedenkst du noch?

Geh schlafen, Herz!

Geh nicht hinein

Gesegnete Mahlzeit

Geschwisterblut

Sie saßen sich genueber bang

Schon war mit seinem Rosenkranz

Gesteh's!

Gern schließ ich einmal meine Türen

Glücklich wem in erster Liebe

Gode Nacht

Goldriepel

Grösser werden die Menschen nicht

Gräber an der Küste

Gräber in Schleswig

Halbe Arbeit

Hast du mein herbes Wort vergeben?

Heil dir, heil dir, hoher König!

Herbst

Schon ins Land der Pyramiden

Die Sense rauscht, die Aehre faellt]

Und sind die Blumen abgeblueht

Herbstnachmittag

Hinter den Tannen

Hyazinthen

Hörst du?

Ich bin mir meiner Seele

Ich hab ein töricht Herze

Ich hab auf deine Stirn gegossen

Ich kann dir nichts, dir gar nichts geben

Ich liebe dich

Ihr sind meine Lieder gewidmet

Im Garten

Im Golde, im Herzen

Im Herbste

Im Herbst 1850

Immensee

Im Volkston

Als ich dich kaum gesehn

Einen Brief soll ich schreiben

Im Walde

Im Zeichen des Todes

In Bulemanns Haus

In böser Stunde

In das Pilgerbuch des Pfarrers Peter Ohlhues

In das Stammbuch Ferdinand Röses

In der Fremde

In der Frühe

In die Heimat

Ins liebe Städtlein unversehrt

Inschrift

In seinem Garten wandelt er allein

In schwerer Krankheit

In Sophies Album

Jasmin und Flieder blühen

Juli

Junges Leid

Junge Liebe

Juni

Knecht Ruprecht

Komm, laß uns spielen

Kranzwinden

Kritik

Käuzlein

Lass mich zu deinen Füßen liegen

Lebwohl!

Lehrsatz

Letzte Einkehr

Liebe

Lied des Harfenmädchens

Liegt eine Zeit zurück

Liegst wohl noch im Traum befangen

Lockenköpfchen

Lose Mädchen

Lose *

Noch einmal!

Lucie

Lyrische Form

Mai

Die Kinder schreien »Vivat hoch!«

Die Kinder haben die Veilchen gepflückt

Mein jüngstes Kind

mein schönes Wunderland

Mein Talisman

Meeresstrand

Mit einer Handlaterne

Mondlicht

Morgane

Morgens

Morgenwanderung

Myrten

Mysterium

März

Märchen

Nach frohen Stunden

Nachts

Nachtgebet

Nach Reisegesprächen

Nelken

Neuer Frühling

Nur eine Locke

Nur heute ist

Notgedrungener Prolog

Nun sei mir heimlich zart und lieb.

O bleibe treu den Toten

Oktoberlied

Ostern

O süßes Nichtstun

Pech bei der Widerlegung eines Moralisten

Rechenstunde

Regine

Repos d'amour

Ritter und Dame

Rote Rosen

Schlaflos

Schleswig-holsteinische Gräber

Schließe mir die Augen beide

Schlußlied

So lange

Sommermittag

Sonntag abend

Sprich, bist du stark

Sprüche

Spruch des Alters

Vergessen und Vergessenwerden!

Dein jung Genoss in Pflichten

Ständchen

Sturmnacht

Stoßseufzer

Stünd' ich mit dir auf Bergeshöh'

Tannkönig

Am Felsenbruch im wilden Tann

Hell reißt der Mond die Wolken auf

Tiefe Schatten

So komme, was da kommen mag!

In der Gruft bei den alten Saergen

Mitunter weicht von meiner Brust

Gleich jenem Luftgespenst der Wueste

Weil ich ein Saenger bin, so frag ich nicht

Und am Ende der Qual alles Strebens

Der Geier Schmerz flog nun davon

Träumerei

Traumliebchen

Trost

Und haben wir unser Herzoglein

Und wieder hat das Leben mich verwundet

Und war es auch ein großer Schmerz

Weiße Rosen

Du bissest die zarten Lippen wund

Du gehst an meiner Seite hin

So dunkel sind die Straßen

Verloren

Verirrt

Vierzeilen

Vier Zeilen

Vision

Von Katzen

Vom Staatskalender

»Ach, die kleine Kaufmannstochter«

Ihr sagt, es sei ein Kaemmerer

Vor Tag

Wir harren nicht mehr ahnungsvoll

Und geht es noch so ruestig

Schlag erst die Stunde, wo auf Erden

Da diese Augen nun in Staub vergehen

Waisenkind

Waldweg

Walpurgisnacht

Was fehlt dir, Mutter?

Was für mein kurzes Erdenleben

Was ist ein Kuß

Was Liebe nur gefehlet

Weihnachtabend

Weihnachtslied

Weit gereist vom Nord zum Süden

Welt-Lauf

Wer je gelebt in Liebesarmen

Wichtelmännchen

Widmung

Widmung (An Frau Do)

Widmung (An Fritz Stuhr)

Wie, noch immer

Wie wenn das Leben wär nichts andres

Wiederkommen bringt Freud

Wir können auch die Trompete blasen

Wir saßen vor der Sonne

Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt

Wohl rief ich sanft dich an mein Herz

Wo ward ein Traum zur Welt geboren

Zum 9. September

Zum 5. Mai 1844

Zum Weihnachten

Zu Mutters Geburtstag

Zur Erziehung

Zur Nacht

Zur silbernen Hochzeit

Zur Taufe

Zwischenreich

Über die Heide

1. Januar 1851

1864

15. September 1857

Briefe von und an Theodor Storm:

An Theodor Storm (Zürich, 30. März 1877.)

An Theodor Storm (Zürich, den 31. Dezember 1877.)

An Theodor Storm (Zürich, den 26. Februar 1879)

An Theodor Storm (Zürich, den 29. Dezember 1881.)

An Theodor Storm (Zürich, den 22. September 1882.)

An Theodor Storm (Zürich, den 21. November 1882.)

An Therese Rowohl (Kiel, Anfang 1838)

An Bertha von Buchan (Kiel, 31.01.1841)

An Hartmuth Brinkmann und Laura Setzer (Husum, Dezember 1851)

An Friedrich Eggers (Heiligenstadt, 20.12.1856)

An seine Eltern (Heiligenstadt, 20.12.1856)

An seine Eltern (Heiligenstadt, 19.12.1858)

An Ludwig Pietsch (Husum, 16.12.1864)

An Hans Storm (Husum, 16.12.1866)

An Hans Storm ( Husum, 21.12.1868)

An Ernst Esmarch (Husum, 23.12.1871)

An Ernst Storm (Husum, 29.12.1870)

An Ernst Storm (Husum. 26.-30.12.1871)

An Ernst Storm (Hademarschen, 24.12.1887)

An Erich Schmidt (Husum, 29.12.1877)

An PaulHeyse (Husum, 20.12.1876)

An Wilhelm Petersen (Hademarschen, 23.12.1887)

An Wilhelm Petersen (Husum, 23.12.1877)

An Wilhelm Petersen (Husum, 20.12. 1878)

An Wilhelm Petersen (Hademarschen, 21.12.1880)

An Wilhelm Petersen (Hademarschen, 31.12.1880)

An Gottfried Keller (Hademarschen, 22.12.1882)

Märchen und Spukgeschichten:

Inhaltsverzeichnis

Hinzelmeier: Eine nachdenkliche Geschichte

Inhaltsverzeichnis

Nachbars Kasperle

Inhaltsverzeichnis

Da dachte Hinzelmeier: »Das ist der Stein der Weisen!« und ging geradewegs auf ihn zu. Der Mensch aber beharrte in seiner nachdenklichen Stellung, nur daß er zu Hinzelmeiers Erstaunen seine große Nase wie Gummi elasticum über das Kinn herabzog.

»Ei, lieber Herr, was treibt Ihr denn da?« rief Hinzelmeier.

»Das weiß ich nicht«, sagte der Mann, »aber ich habe da eine verwünschte Glocke an der Mütze, die mich abscheulich im Denken stört.«

»warum zupft Ihr Euch denn aber so entsetzlich an der Nase?«

»Oh«, sagte der Mensch und ließ den Nasenzipfel fahren, daß er mit einem Klapps wieder in seine alte Form zurückschnellte –»da bitte ich um Entschuldigung; aber ich leide oftmals an Gedanken, denn ich suche den Stein der Weisen.«

»Mein Gott!« sagte Hinzelmeier, »da seid Ihr wohl, gar des Nachbars Kasperle; der gar nicht wieder nach Haus gekommen ist?«

»Ja«, sagte der Mensch und reichte Hinzelmeier die Hand, »der bin ich.«

»Und ich bin Nachbars Hinzelmeier«, sagte dieser, »und suche auch den Stein der Weisen.«

Hierauf reichten sie sich noch einmal die Hände und kreuzten dabei die Finger auf eine Weise, woran sie sich gegenseitig als Eingeweihte erkannten. Dann sagte Kasperle: »Ich suche den Stein der Weisen jetzt nicht mehr.«

»Da reist Ihr vielleicht nach dem Rosengarten?« rief Hinzelmeier.

»Nein«, sagte Kasperle, »ich suche den Stein nicht mehr; aber ich habe ihn bereits gefunden.«

Da verstummte Hinzelmeier eine ganze Zeit lang; endlich faltete er andächtig die Hände und sagte feierlich: »Es mußte schon so kommen, ich wußte es wohl; denn ich habe vor neun Jahren den Teufel aus der Welt geschossen.«

»Das muß sein Sohn gewesen sein«, sagte der Andere, »dem alten Teufel bin ich noch vorgestern begegnet.«

»Nein«, sagte Hinzelmeier, »es war der alte Teufel; denn er hatte Hörner vor der Stirn und einen Schwanz mit schwarzer Quaste. Aber erzählt mir doch, wie Ihr den Stein gefunden habt.«

»Das ist einfach«, sagte Kasperle; »dort unten im Dorfe wohnen lauter dumme Leute, die nur mit Schafen und Rindvieh verkehren; sie wußten nicht, welchen Schatz sie besaßen; da habe ich ihn in einem alten Keller gefunden und mit drei Sechslingen das Pfund bezahlt. Und nun denke ich bereits seit gestern darüber nach, wozu er nütze sei und hätte es vermutlich schon gefunden, wenn mich die verwünschte Glocke nicht dabei gestört hätte.«

»Lieber Herr Kollege!« sagte Hinzelmeier, »das ist eine höchst kritische Frage, woran vor Euch wohl noch kein Mensch gedacht hat! Aber wo habt Ihr denn den Stein?«

»Ich sitze darauf«, sagte Kasperle und zeigte aufstehend Hinzelmeiern den runden, wachsgelben Körper, worauf er bisher gesessen hatte.

»Ja«, sagte Hinzelmeier, »es ist kein Zweifel, Ihr habt ihn wirklich gefunden; aber nun laßt uns bedenken, wozu er nütze sei.«

Damit setzten sie sich einander gegenüber auf den Boden, indem sie den Stein zwischen sich nahmen und die Ellenbogen auf ihre Knie stützten.

So saßen und saßen sie; die Sonne ging unter, der Mond ging auf und noch immer hatten sie nichts gefunden. Mitunter fragte der Eine: »Habt Ihr’s« aber der Andere schüttelte immer mit dem Kopfe und sagte: »Nein, ich nicht; habt Ihr’s?« und dann antwortete der Andere: »Ich auch nicht.«

Krahirius ging ganz vergnügt im Grase auf und nieder und fing sich Frösche. Kasperle zupfte sich schon wieder an seiner schönen, großen Nase; da ging der Mond unter und die Sonne kam herauf; und Hinzelmeier fragte wieder: »Habt Ihr’s?« und Kasperle schüttelte wieder den Kopf und sagte: »Nein, ich nicht, habt Ihr’s?« und Hinzelmeier antwortete trübselig: »Ich auch nicht.«

Dann dachten sie wieder eine ganze Weile nach; endlich sagte Hinzelmeier: »So müssen wir erst die Brille polieren, dann werden wir hernach schon sehen, wozu er nütze sei.« Und kaum hatte Hinzelmeier seine Brille abgenommen, so ließ er sie vor Erstaunen ins Gras fallen und rief: »Ich hab es! Herr Kollege, man muß ihn essen! Nehmt nur gefälligst die Brille von Eurer schönen Nase.«

Da nahm auch Kasperle die Brille herunter und nachdem er seinen Stein eine Weile betrachtet hatte, sagte er: »Dieses ist ein sogenannter Lederkäse und muß mit des Himmels Hilfe gegessen werden. Bedienen Sie sich, Herr Kollege!«

Und nun zogen beide ihre Messer aus der Tasche und hieben wacker in den Käse ein. Krahirius kam herbeigeflogen und nachdem er die Brille aus dem Grase aufgesammelt und über seinen Schnabel geklemmt hatte, setzte er sich gemächlich zwischen die Essenden und schnappte nach den Rinden.

»Ich weiß nicht«, sagte Hinzelmeier, nachdem der Käse verzehrt war, »mir ist unmaßgeblich zumute, als wäre ich dem Stein der Weisen um ein Erkleckliches näher gerückt.«

»Wertester Herr Kollege«, erwiderte Kasperle, »Ihr sprecht mir aus der Seele. So laßt uns denn ungesäumt unsere Wanderung fortsetzen.«

Nach diesen Worten umarmten sie sich; Kasperle ging nach Westen, Hinzelmeier nach Osten und zu seinen Häupten, die Brille auf dem Schnabel, flog Krahirius.

Age restriction:
18+
Release date on Litres:
13 November 2024
Volume:
2820 p. 1 illustration
ISBN:
9788027203932
Publishers:
Copyright Holder::
Bookwire
Download format: