Read the book: «Auf eigenen Füßen»

Font::

Susanne Ahrndt

Auf eigenen Füßen

Die erfolgreiche Praxisgründung für Podologie und Fußpflege

Verlag Neuer Merkur GmbH

Impressum

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

© 2020 Verlag Neuer Merkur GmbH

Verlagsort: Postfach 12 53, DE-82141 Planegg

Alle Urheberrechte vorbehalten. Vervielfältigungen bedürfen der besonderen Genehmigung.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Alle in dieser Veröffentlichung enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden vom Autor nach bestem Wissen erstellt und von ihm und dem Verlag mit größtmöglicher Sorgfalt überprüft. Gleichwohl sind inhaltliche Fehler nicht vollständig auszuschließen. Daher erfolgen alle Angaben ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages oder des Autors. Sie garantieren oder haften nicht für etwaige inhaltliche Unrichtigkeiten (Produkthaftungsausschluss). Im Text sind Warennamen, die patent- oder urheberrechtlich geschützt sind, nicht unbedingt als solche gekennzeichnet. Aus dem Fehlen eines besonderen Hinweises oder des Zeichens ® darf nicht geschlossen werden, es bestehe kein Warenschutz.

Susanne Ahrndt

Auf eigenen Füßen – Die erfolgreiche Praxisgründung für Podologie und Fußpflege

ISBN 978-3-95409-807-1

2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage

Konzeption, Umschlaggestaltung und Layout: Dagmar Papić

Korrektorat: Stefanie Guim Marcé, Dr. Martina Kliem

E-Book: Mirjam Hecht

Titelfoto: pixabay – Autorenfoto: © privat

Druck: Beltz Grafische Betriebe GmbH, Bad Langensalza

Der einfacheren Lesbarkeit wegen verwendet der Ratgeber das generische Maskulinum und damit die verallgemeinernde, grammatikalisch männliche Bezeichnung. Das heißt, überall dort, wo Podologe, Fußpfleger, Gründer oder Unternehmer etc. steht, sind natürlich alle Menschen – unabhängig vom Geschlecht – angesprochen.

Inhalt

Impressum

Existenzgründung? Jetzt erst recht!

1 Einleitung: Die Gründung der eigenen Praxis

2 Die Gründerperson

2.1 Selbstständig oder doch besser angestellt?

2.2 Persönliche Erfolgsfaktoren

2.3 Zusätzliche Faktoren

2.4 Das Gründerprofil im Test

2.5 Das Scheitern von Gründungen

3 Die Geschäftsidee

3.1 Tipps zur Ideensuche

3.2 Erfolg durch Marktforschung

4 Frauen als Gründerinnen

4.1 Gründerinnen 45+ im Kommen

4.2 Typische Merkmale von weiblichen Gründungen

4.3 Spagat zwischen Familie und Beruf

4.4 Der maßgeschneiderte Arbeitsplatz

4.5 Die Absprache mit der Familie

4.6 Die Organisation der Kinderbetreuung

4.7 Die Organisation des Haushalts

4.8 Die Haushaltshilfe

4.9 Die Netzwerkverknüpfung

4.10 bundesweite gründerinnenagentur

4.11 Frauen unternehmen

4.12 eTraining: Gründerinnen

5 Einzelkämpfer oder Teamplayer

5.1 Die Vorteile der gemeinsamen Gründung

5.2 Den passenden Teampartner finden

5.3 Ziele und Vorstellungen

5.4 Aufgabenteilung

6 Die Wahl der Rechtsform

6.1 Freiberufler oder Gewerbetreibender

6.2 Einzelunternehmen

6.3 GbR oder BGB-Gesellschaft

6.4 Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft

6.5 Die Partnerschaftsgesellschaft

6.6 Die GmbH

6.7 Offene Handelsgesellschaft (OHG)

6.8 Kommanditgesellschaft (KG)

6.9 Kleine Aktiengesellschaft (Kleine AG)

6.10 Stille Gesellschaft

6.11 Ein Name für die Praxis

7 Der Kauf einer bestehenden Praxis

7.1 Die geeignete Praxis finden

7.2 Den Anderen verstehen

7.3 Vor- und Nachteile einer Praxisübernahme

7.4 Die Prüfung der Praxis

7.5 Der Wert der Praxis

7.6 Häufige Bewertungsverfahren

7.7 Formen der Übergabe

7.8 Nicht vergessen – Neuzulassung beantragen!

8 Die Standortwahl

8.1 Der optimale Standort

8.2 Kunden-/Patientenpotential abschätzen

8.3 Synergien nutzen, Konkurrenz prüfen

8.4 Die Erreichbarkeit

8.5 Die Räumlichkeiten

8.6 Bau- und Gewerbevorschriften einhalten

8.7 Standortkosten

8.8 Gewerbemietvertrag

8.9 Die weichen Standortfaktoren

8.10 Standortbewertung

9 Einrichtung und Ausstattung

9.1 Die Eignung der Räume als Arbeitsstätte

9.2 Die Mindestanforderungen der gesetzlichen Krankenkassen

9.3 Funktionalität und Ambiente

9.3.1 Farben

9.3.2 Beleuchtung

9.3.3 Dekoration

9.3.4 Musik und Düfte

9.4 Der Empfangsbereich

9.5 Der Behandlungsraum

9.6 Anforderungen an die Hygiene

9.7 Instrumente und Co.

9.8 Überblick gewinnen

10 Kapitalbedarf, Kosten, Umsatz

10.1 Der Kapitalbedarfsplan

10.2 Der Mindestgewinn

10.3 Die Rentabilitätsvorschau

10.3.1 Die Kostenplanung

10.4. Der Liquiditätsplan

11 Das Startkapital

11.1 Das Eigenkapital

11.2 Das Fremdkapital

11.3 Wichtige Finanzierungsregeln

11.4 Fördermöglichkeiten

11.5 Mikrokreditfonds Deutschland

11.6 Aus der Arbeitslosigkeit gründen

11.7 Der Bankkredit

11.8 Die Sicherheiten?

11.9 Bonität und Rating

11.10 Die Vorbereitung auf das Bankgespräch

12 Der Businessplan

12.1 Die Grundlagen

12.2 Die äußere Form

12.3 Aufbau und Inhalt

12.4 Hilfe beim Businessplan?

12.5 Die Bausteine für einen überzeugenden Businessplan

12.6 Die Präsentation

13 Die wichtigsten Versicherungen

13.1 Die Absicherung des Praxisbereichs

13.2 Die private Vorsorge

13.3 Beratung, Informationen, Kontakte

14 Die Steuern

14.1 Steuerliche Basics

14.2 Steuerberatung

15 Die Formalitäten

15.1 Podologie und Fußpflege

15.2 Gewerbeamt

15.3 Finanzamt

15.4 Handwerkskammer

15.5 Registereintragungen

15.6 Gesundheitsamt

15.7 Bauamt

15.8 Gewerbeaufsichtsamt

15.9 Berufsgenossenschaft

15.10 Bundesagentur für Arbeit

15.11 Wahl des Berufsverbandes

15.12 Rundfunkbeitrag und GEMA

15.13 Strom, Wasser, Telefon

15.14 Das Institutskennzeichen für die Praxis

15.15 Die Krankenkassenzulassung

15.16 Zulassung durch die Berufsgenossenschaften

15.17 Sachkundeprüfung für freiverkäufliche Arzneimittel

15.18 Sachkundenachweis zur Aufbereitung von Medizinprodukten

16 Die Mitarbeiter

16.1 Wichtige Rechtsvorschriften

16.2 Der Arbeitsvertrag

16.3 Flexibilität im Personaleinsatz

16.4 Anmeldungen und Beiträge

16.5 Mitarbeiter einstellen

17 Die Praxis verwalten und organisieren

17.1 Organisationsprobleme

17.2 Vorteile guter Organisation

17.3 Termine vergeben und verwalten

17.4 Daten verwalten und dokumentieren

17.5 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)

17.6 Die Praxissoftware

17.7 Informationen zur Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen

17.8 Bezahlen ohne Bargeld

17.9 Ordnungsgemäße Kassenführung

17.10 Der Hygieneplan

17.11 Das Qualitätsmanagementsystem

17.12 Unterlagen immer im Blick

18 Marketingkommunikation

18.1 Corporate Design

18.2 Podologenliste

18.3 Wie kann man Sie finden?

18.4 Anzeigenwerbung

18.5 Flyer und Co.

18.6 Pressearbeit

18.7 Der Auftritt im World Wide Web

18.8 Empfehlungsmarketing

18.9 Rechtlicher Rahmen – nicht alles ist erlaubt!

19 Die kompetente Beratung

19.1 Die persönliche Beratung

19.2 Die Beraterwahl

19.3 Förderprogramme

20 Quellen und weiterführende Literatur

Existenzgründung? Jetzt erst recht!

Die erste Auflage dieses Buches erschien 2010 – damals spürte man sehr deutlich die globalen und nationalen Auswirkungen der wirtschaftlichen Superkrise von 2008. Heute, im Jahr 2020, stehen wir vor einer ganz anderen Herausforderungen mit ähnlichen wirtschaftlichen Folgen: der Corona-Pandemie. Damals wie heute gab und gibt es genügend Gründe, sich gegen eine Praxisgründung im Bereich des Gesundheitswesens zu entscheiden. Aber mindestens ebenso viele Gründe dafür.

Gerade in einer Krisensituation ist es wichtig, nicht den Kopf zu verlieren, sondern möglichst gelassen und rational zu reagieren. Hilfreich ist auch eine persönliche Checkliste. Was ist jetzt wichtig? Was kann warten? Wie kann ich meinen Alltag organisieren? Stimmt die Liquidität noch für mein Vorhaben, kann ich Steuern zurück stellen, auf Hilfsfonds zugreifen, wo kann ich sparen etc.?

Ganz am Anfang der Überlegungen zur Existenzgründung muss man sich klar werden über das Geschäftsmodell und ein möglichst innovatives Praxiskonzept. Damals wie heute heißt der Rat der Autorin für alle, die sich selbstständig machen wollen: sich gut informieren, sich mit Bedacht aufstellen, seine Stärken und Schwächen sehr gut kennen, sich die Frage nach dem „Warum“ der Selbstständigkeit ehrlich beantworten, auch, ob man der „Typ“ dafür ist, ob man also geeignet ist, selbstbestimmt und in Eigenverantwortung zu arbeiten. Wenn all diese Fragen geklärt sind, wird auch heute noch der Weg in die Selbstständigkeit eine attraktive Alternative zum abhängigen Beschäftigungsverhältnis sein können.

Das ebenso informative wie motivierende Buch von Susanne Ahrndt berät alle Podologen und Fußpfleger die sich mit dem Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen. Gut vorbereitet können Gründer klassische Fehler vermeiden, wie zum Beispiel einen falsch eingeschätzten Kapitalbedarf oder einen unsolide aufgestellten Businessplan. Ferner informiert die überarbeitete und ergänzte Neuauflage ausführlich über die speziellen Anforderungen in Bezug auf Standortwahl, Rechtsform, Praxiskauf, die Vor- und Nachteile eines kleinen oder größeren Teams. Wichtige Tipps zu Versicherungen, arbeits- und steuerrechtlichen Fragen, Einrichtung und Ausstattung, Krankenkassenzulassung, Praxismanagement, Softwareangeboten, Datenverwaltung, Marketing/Öffentlichkeitsarbeit, Kundenbindungsmaßnahmen, Werbung und vieles andere mehr runden diesen nützlichen Ratgeber ab. Sinnvolle Checklisten helfen beim Lösen von Schwierigkeiten; zahlreiche Hinweise auf weiterführende Informationen im Internet sowie einschlägige Fachbuchtipps unterstützen dabei, das Thema Existenzgründung zu vertiefen.

Das Besondere an diesem Ratgeber: Komplizierte Sachverhalten werden verständlich und kompakt formuliert, die wichtigsten Schritte einer Praxisgründung werden detailliert mit vielen praktischen Tipps exemplarisch durchexerziert.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre dieses wichtigen Buches. Gleichzeitig wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Glück bei der Gründung Ihrer eigenen podologischen Praxis. Ich bin sicher: Es lohnt sich!

Dr. Angelika Schaller

Chefredaktion PODOLOGIE

1 Einleitung: Die Gründung der eigenen Praxis

Jedes Jahr machen sich in Deutschland mehrere Hunderttausend auf den Weg in die Selbstständigkeit. Im Jahr 2018 waren es, wie aus dem KfW-Gründungsmonitor 2019 hervorgeht, 547.000 Menschen. Laut dieser Analyse zum Gründungsgeschehen durch die Abteilung Volkswirtschaft der KfW-Bankengruppe machten sich mit 8 von 10 so viele Gründer wie noch nie selbstständig, indem sie ein Unternehmen völlig neu gründeten und aufbauten. Ein weiteres zentrales Ergebnis des KfW-Gründungsmonitors lautet: 70 % der Gründer waren sowohl 2017 als auch 2018 Chancengründer. So werden Gründer genannt, die sich selbstständig machen, um eine Geschäftsgelegenheit (Chance) wahrzunehmen. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Sie haben einen persönlichen Traum und sehen derzeit gute Chancen, diesen zu verwirklichen. Deshalb überlegen Sie, eine eigene Fußpflege-/Podologiepraxis zu gründen und selbstständiger Unternehmer zu werden.

Sie haben eine gute Ausbildung, bringen Berufserfahrung mit und spüren, die Zeit ist reif für eine Veränderung. Da liegt der Gedanke auf der Hand, in eine eigene Existenz zu starten und Freiräume zu nutzen, die Ihnen als Angestellter bisher verwehrt waren – eigenverantwortlich entscheiden, eigene Ideen entwickeln und umsetzen oder auch die Zeit frei einteilen können. Tatsächlich geben nach dem IAB/ZEW Gründungspanel (Mai 2018), einer repräsentativen Stichprobe, die Informationen zu rund 6.000 Gründungen und jungen Unternehmen in Deutschland liefert, 47 % der Frauen und 41 % der Männer als wichtigstes Gründungsmotiv an, deshalb selbstständig gemacht zu haben, um selbstbestimmt arbeiten zu können.

Aber abgesehen vom Wunsch, eine Praxis für Fußpflege/Podologie in Eigenregie aufzubauen und zu führen, kann es noch eine Reihe weiterer Gründe geben, um sich auf den Weg in die Selbstständigkeit zu machen, wie z. B., um

◆ einen Familienbetrieb aus Tradition weiterzuführen,

◆ mehr Erfolgserlebnisse zu genießen,

◆ eine günstige Gelegenheit beim Schopf zu packen,

◆ drohender oder bestehender Arbeitslosigkeit zu entkommen,

◆ das berufliche Weiterkommen selbst in die Hand zu nehmen,

◆ berufliche Frustrationen zu vermeiden oder zu beenden,

◆ auf diesem Wege noch intensiver als bisher für die Patienten da sein zu können,

◆ die Marktchancen hinsichtlich des wachsenden Bewusstseins für Gesundheit und Wohlbefinden für die selbstständige Tätigkeit als Podologe/Fußpfleger zu nutzen und zu optimieren.

Vor allem das letztgenannte Motiv gewinnt zunehmend an Bedeutung. Denn der Bereich Gesundheit und Wellness ist ein Markt mit hohen Wachstumsraten und bietet daher eine Vielzahl von Chancen.

So ist seit Jahren ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein innerhalb der Bevölkerung zu beobachten. Die Menschen möchten immer mehr für ihre Gesundheit tun – jeder vierte Euro für Ausgaben von Gesundheitsleistungen wird inzwischen privat aufgebracht, wie ein Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums über die Gesundheitswirtschaft 2017 aufzeigt. Danach sind zwischen 2006 und 2017 die gesamten Gesundheitsausgaben um rund 150 Milliarden Euro auf knapp 452 Milliarden Euro angestiegen. Mehr als ein Viertel (26,8 %) davon wurde nicht von Krankenkassen und anderen Sozialversicherungsträgern erstattet, sondern bezahlten die Bundesbürger selbst aus eigener Tasche. Alle privat finanzierten Waren und Dienstleistungen rund um die Gesundheit werden häufig als Zweiter Gesundheitsmarkt bezeichnet. Dazu gehören beispielweise Ausgaben für nicht verschreibungspflichtige Medikamente (OTC-Präparate) und individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sowie für Fitness, Wellness und Gesundheitstourismus. Entfielen 2006 auf den Zweiten Gesundheitsmarkt laut der Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums 85 Milliarden Euro, hat er bis zum Jahr 2017 bereits ein stattliches Volumen von 121 Milliarden Euro erreicht. Das Bundesgesundheitsministerium wies im Juni 2018 darauf hin, dass die demografische Entwicklung in Deutschland, der medizinisch-technische Fortschritt und das wachsende Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zu einer zusätzlichen Nachfrage an herkömmlichen professionellen Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Betreuung, aber auch an Produkten und Dienstleistungen des Zweiten Gesundheitsmarktes führen.

Der demografische Wandel in unserer Gesellschaft ist bereits seit Jahren von einer sinkenden Anzahl von Menschen im jüngeren Lebensalter und gleichzeitig von einer steigenden Anzahl älterer Menschen gekennzeichnet. Einen Überblick über die Alterung unserer Gesellschaft vermittelt das Statistische Bundesamt in der Broschüre Ältere Menschen in Deutschland und der EU. Danach waren Ende 2014 in Deutschland 22,2 Millionen Menschen und damit mehr als jeder Vierte (27 % der Bevölkerung) 60 Jahre und älter. 2050 wird voraussichtlich sogar mehr als jeder Dritte (38 %) der Generation 60plus angehören. Besonders deutlich zeigt sich die zunehmende Alterung der Gesellschaft in der wachsenden Zahl Hochbetagter. Lebten 2014 in Deutschland gut 4,5 Millionen Menschen, die 80 Jahre oder älter waren, werden es 2050 fast 10 Millionen sein. Verantwortlich für diese Entwicklung sind mehrere Faktoren. Zu nennen sind hier die Babyboomer, wie die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre genannt werden, die inzwischen nach und nach das Rentenalter erreichen. Hinzu kommt, dass die Menschen immer länger leben. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die Lebenserwartung des Menschen mehr als verdoppelt und liegt heute für neugeborene Jungen bei 78 Jahren und für neugeborene Mädchen bei 83 Jahren. Mit höherem Lebensalter der Menschen wird auch die Nachfrage an Fußpflege im Allgemeinen und an medizinischer Fußpflege im Besonderen größer werden. Nicht nur, weil ältere Menschen gesund, fit und gepflegt sein wollen und dabei speziell auch bei der Pflege der Füße mit zunehmendem Lebensalter professionelle Unterstützung benötigen, sondern weil das Alter ebenso Krankheiten mit sich bringt, die eine Fußpflege erforderlich machen.

Zudem ist professionelle Fußpflege für eine Reihe weiterer Personengruppen von entscheidender Bedeutung. Dazu gehören Sportler, deren Füße infolge sportlicher Überbelastung durch einen Spezialisten versorgt werden müssen.

Eine andere Problemgruppe sind Menschen, deren Füße unter der Mode leiden oder gelitten haben. Aber auch Kinder können bereits mit Fußproblemen konfrontiert sein. Das Tragen unpassender Kinderschuhe ist weiter verbreitet als man annehmen möchte. Und natürlich wird Fußpflege durch einen Fachmann von Kunden einfach auch deshalb nachgefragt, um den Füßen und damit dem gesamten Körper etwas Gutes zu tun, gesunde Füße zu pflegen und gesund zu erhalten, eine entspannende Fußbehandlung zu genießen und sich über schön gepflegte Füße und Nägel zu freuen.

Es spricht also vieles dafür, sich in das Abenteuer Existenzgründung zu begeben. Allerdings nicht jeder ist für die Selbstständigkeit geeignet. Das ist selbstverständlich keine Wertung, sondern lediglich eine Feststellung. Jeder potenzielle Existenzgründer sollte zunächst herausfinden, ob eine berufliche Selbstständigkeit auch wirklich das Richtige für ihn ist, um sich später bittere Enttäuschungen zu ersparen. Niemand muss zum Unternehmer geboren sein. Auch gibt es nicht den Unternehmertyp schlechthin. Dennoch gibt es eine Reihe von Gründereigenschaften, die erfolgreiche Unternehmer auszeichnen.

Wichtige Fragen, mit denen sich angehende Unternehmer auseinandersetzen müssen, sind:

◆ Wie muss ein schlüssiges Praxiskonzept aussehen, damit es vor Banken und auf dem Markt bestehen kann?

◆ Verfüge ich über ausreichend kaufmännische Kenntnisse?

◆ Welche Fördermittel kommen für mich infrage?

◆ Wo ist der richtige Standort für meine Praxis?

◆ Wer sind meine Kunden/Patienten?

◆ Wer und wo sind meine Konkurrenten?

◆ Welche Genehmigungen brauche ich?

◆ Bringen mir Familie und Freunde Verständnis und Rückhalt entgegen?

◆ Wo finde ich kompetente Beratung?

Wer sich auf den Weg in die Selbstständigkeit macht, wird mit außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert werden und muss – vor allem in der Startphase – zu Höchstleistungen bereit sein. Neben fachlichen Qualifikationen und persönlichen Kompetenzen sind für eine erfolgreiche Gründung die Geschäftsidee, eine solide Finanzierung und betriebswirtschaftliches Know-how ebenso von Bedeutung. Entscheidend für eine erfolgreiche Gründung sind eine gewissenhafte Vorbereitung und Planung. Risiken und ein eventuelles Scheitern können dadurch zwar nicht völlig verhindert, aber auf jeden Fall deutlich minimiert werden.

Allerdings sind Existenzgründer heute bei der Bewältigung all dieser Anforderun­gen nicht mehr völlig auf sich selbst gestellt. Vielmehr wurde in Deutschland eine öffentliche Förderinfrastruktur mit einem breitgefächerten Finanzierungs- und Beratungsangebot aufgebaut, die im weltweiten Ländervergleich sogar Platz 1 belegt. Nutzen Sie das Angebot und beschaffen Sie sich all die Informationen, die Sie für die Praxisgründung benötigen. So gerüstet, gelingt es am einfachsten, die zahlreichen Fallen und Stolpersteine auf dem Weg zur eigenen Praxis zu überwinden.

Vor dem Start gilt es also, eine jede Menge von Fragen abzuklären und Informationen zu sammeln. Aber Halt! Werden Sie nicht kopfscheu! Bei all den Aufgaben, die in den kommenden Wochen und Monaten zu bewältigen sind, will dieser Ratgeber Ihnen wichtige Tipps und Hinweise geben. Übrigens: Wenn nötig, wird an verschiedenen Stellen auch auf unterschiedliche Aspekte bei der Gründung einer medizinischen und kosmetischen Fußpflegepraxis eingegangen. So richtet sich der Ratgeber nicht ausschließlich an medizinische Fußpfleger bzw. Podologen, sondern auch an Praxisgründer, die sich auf die Pflege gesunder Füße und deren Gesunderhaltung konzentrieren.

Natürlich kann dieser Ratgeber das individuelle Gespräch und die persönliche Beratung nicht ersetzen, er will Sie aber bei der Vorbereitung auf die Beratungsgespräche mit Experten vom Gründungsberater, Bankberater über Steuerberater bis hin zu Vertreter der juristischen Berufe unterstützen. Dafür bietet der Ratgeber zahlreiche Checklisten, Literaturverweise und Internet-Adressen von Anlaufstellen, die weiterhelfen können.

Mit einer Mixtur aus fundiertem Fachwissen in Theorie und Praxis, Kontaktfreudigkeit, sicherem Auftreten auf der einen Seite und unternehmerischem Know-how gepaart mit einem guten Gespür für unternehmerische Entscheidungen auf der anderen werden Sie gute Chancen haben, eine Fußpflegepraxis mit Erfolg zu gründen und mit ihr auch auf Dauer erfolgreich zu sein.

Viel Erfolg mit dem Start in die berufliche Selbstständigkeit wünscht Ihnen herzlichst

Ihre Susanne Ahrndt

München, den 29. April 2020

Age restriction:
0+
Volume:
570 p.
ISBN:
9783954098071
Copyright Holder::
Bookwire
Download format: