Read the book: «40 Tage Wanderschaft»
SIMON & SIMONE MAYER

40 TAGE WANDERSCHAFT

SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
ISBN 978-3-417-23000-0 (E-Book)
ISBN 978-3-417-26967-3 (lieferbare Buchausgabe)
Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck
© 2021 SCM Verlagsgruppe GmbH · Max-Eyth-Straße 41
71088 Holzgerlingen
Internet: www.scm-brockhaus.de; E-Mail: info@scm-brockhaus.de
Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen:
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlags-gruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen (ELB)
Weiter wurden verwendet:
Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (LUT) Bibeltext der Schlachter Bibelübersetzung, Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. (SCHL) NEÜ bibel.heute © 2010 Karl-Heinz Vanheiden, www.derbibelvertrauen.de und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, www.cv-dillenburg.de (NEÜ)
Alle Zitate der Pilgerreise wurden entnommen aus:
John Bunyan, Die Pilgerreise, SCM R.Brockhaus, Holzgerlingen, 2021
Lektorat: Mirja Wagner, www.lektorat-punktlandung.de
Umschlaggestaltung & Illustrationen: Maikel Karkoush, Holzgerlingen
Autorenfoto: © Christoph Busch
Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach
INHALT
Über die Autoren
Prolog
1. Etappe:
Aufbruch in ein neues Land
2. Etappe:
Den Blick aufs Ziel richten
3. Etappe:
Ein Helfer in der Hoffnungslosigkeit
4. Etappe:
Der Versuchung widerstehen
5. Etappe:
Freiheit aus eigener Kraft?
6. Etappe:
Ein Wegweiser auf dem Weg
7. Etappe:
Echte und tiefe Wahrheiten
8. Etappe:
Geduldig warten
9. Etappe:
Ermutigung und Ermahnung
10. Etappe:
Mit Hoffnung dem Gericht entgegen
11. Etappe:
Errettung nur durch Jesus und das Kreuz
12. Etappe:
Wachsam bleiben
13. Etappe:
Gegenseitige Unterstützung
14. Kapitel:
Jesus an erster Stelle
15. Etappe:
Mutig dem Gegner entgegentreten
16. Etappe:
Im Leiden Gott erleben
17. Etappe:
Falsche und richtige Scham
18. Etappe:
Richtig zuhören, verstehen und anwenden
19. Etappe:
Den Dauerlauf beenden
20. Etappe:
Die Nichtigkeiten dieser Welt
21. Etappe:
Die Feinde lieben
22. Etappe:
Zuversicht im Angesicht des Todes
23. Etappe:
Gegen den Strom
24. Etappe:
Kosten-Nutzen-Rechnung des Glaubens?
25. Etappe:
Die Gefahr von Geld und Reichtum
26. Etappe:
Gemeinsam auf sich achtgeben
27. Etappe:
Hoffnung in Zeiten des Zweifels
28. Etappe:
Ein Ermutiger an der Seite
29. Etappe:
Gottes Verheißungen im Herzen bewahren
30. Etappe:
Himmel auf Erden
31. Etappe:
Irrwege erkennen
32. Etappe:
Geld oder Leben?
33. Etappe:
Nicht im Schauen, sondern im Glauben leben
34. Etappe:
Schmerzhafte Erkenntnis
35. Etappe:
Keine Erlösung durch fromme Taten
36. Etappe:
Durch das Hören von Gottes Stimme erkennen
37. Etappe:
Trügerisches Herz
38. Etappe:
Eine Zeit lang ist nicht genug
39. Etappe:
Hoffnungsaussicht im Sterben
40. Etappe:
Willkommen in der Ewigkeit
Epilog
Anmerkungen
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ÜBER DIE AUTOREN

SIMON UND SIMONE MAYER sind verheiratet und leben mit ihrem Sohn in Niederbayern. Simon (Jg. 1990) ist Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik und studiert berufsbegleitend Theologie am Martin Bucer Seminar. Simone (Jg. 1991) ist Gymnasiallehrerin für Chemie und Biologie.
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PROLOG
Als ich durch die Wüste dieser Welt zog, gelangte ich an einen Ort, in dessen Nähe eine Höhle war. Dort legte ich mich zum Schlafen nieder und hatte einen Traum, als ich schlief.
Ich sah einen Mann, der ein schmutziges und zerrissenes Kleid trug; er stand da, von seinem Haus abgewandt, mit einem Buch in der Hand und einer großen Last auf seinen Schultern. Ich sah, wie er das Buch öffnete und darin las, und während er las, weinte er, und er zitterte, und als er nicht länger an sich halten konnte, brach er in lautes Klagen aus und rief: »Was soll ich nur tun?« In diesem traurigen Zustand ging er ins Haus und beherrschte sich, solange es ihm möglich war, damit Frau und Kinder seine Not nicht bemerkten. Aber dann hielt er es nicht mehr aus. Seine Unruhe zwang ihn, sein Herz vor ihnen auszuschütten. »Ach, liebe Frau und meine lieben Kinder, es ist aus mit mir. Die Last, die ich tragen muss, ist zu schwer. Aber das ist nicht alles: Man hat mir berichtet, dass Feuer vom Himmel unsere Stadt verzehren wird und dass wir alle – ich, du, meine gute Frau, und ihr, meine Kinder – bei dieser schrecklichen Katastrophe elend umkommen werden, wenn wir nicht einen Weg zu unserer Rettung finden, den ich nur noch nirgends sehe.«
Da machte seine Familie sich große Sorgen; nicht etwa, weil sie glaubte, was er sagte, sondern sie meinte, er sei verrückt geworden. Doch da gerade die Nacht hereinbrach, hofften sie, der Schlaf würde ihm helfen, wieder zu sich zu kommen, und so sorgten sie dafür, dass er sich bald zur Ruhe legte. Doch die Nacht war für ihn so unruhig wie der Tag. Statt zu schlafen, weinte und seufzte er unentwegt, und als ihn seine Familie am nächsten Morgen fragte, wie es ihm gehe, antwortete er: »Nur schlimmer und schlimmer!«, und fing aufs Neue an, ihnen zuzureden. Aber sie weigerten sich, ihn anzuhören. Ja, um ihn von seiner Verstimmung zu kurieren, verspotteten sie ihn, dann wieder fielen sie zornig über ihn her, und schließlich beachteten sie ihn gar nicht mehr. Da zog er sich in sein Zimmer zurück, um für sie zu beten und sein eigenes Elend zu beklagen, ging danach hinaus aufs Feld und verbrachte lesend und betend einige Tage. So sah ich ihn in meinem Traum in seinem Buch lesen und hörte ihn aus tief bekümmertem Herzen rufen: »Was soll ich nur tun, dass ich gerettet werde?« Er blickte umher, als wollte er fliehen, blieb jedoch stehen, ungewiss, welchen Weg er einschlagen sollte. Da sah ich einen Mann auf ihn zukommen. Der fragte ihn: »Warum weinst du?«
»Ach, Herr, ich lese in diesem Buch, dass ich verurteilt bin, zu sterben und dann vor Gericht zu erscheinen, und bin doch weder zu dem einen willig noch zu dem anderen bereit.«
Darauf antwortete der Evangelist – so hieß der Mann: »Warum bist du nicht bereit zu sterben, da dieses Leben doch so hart und voller Übel ist?«
»Weil ich fürchte, die auf meinem Rücken liegende Last wird mich tiefer sinken lassen als in das Grab und mich in die Höllengrube hinabstürzen; und wie ich mich fürchten würde, in ein Gefängnis zu gehen, so fürchte ich mich auch vor dem Gericht und vor dem Vollzug der Strafe. Diese Gedanken sind’s, die mich verzweifeln lassen.«
»Wenn das so ist«, sagte der Evangelist, »warum bleibst du dann hier?«
»Ach, ich weiß nicht, wohin ich gehen soll.«
Daraufhin gab ihm der Evangelist einen Briefbogen, auf dem stand: »Entfliehe dem zukünftigen Zorn.«
Der Mann las dies, sah den Evangelist besorgt an und fragte: »Wohin soll ich denn fliehen?«
Der Evangelist deutete mit dem Finger weit, weit hinaus über das Feld. »Siehst du jene enge Pforte?«
»Nein«, erwiderte der Mann.
»Siehst du auch nicht das Licht?«
»Doch, ich glaube, ich sehe es.«
»Behalte jenes Licht im Auge und geh gerade darauf zu. So wirst du bald die kleine Pforte sehen; und wenn du dort anklopfst, wird man dir sagen, was du zu tun hast.«
Pilgerreise S. 13-15

Liebe Leserin, lieber Leser,
mit diesen einleitenden Worten aus der Pilgerreise möchten wir dich herzlich zu unserer 40-tägigen Wanderschaft durch eines der meistverkauften und einflussreichsten Werke der Weltliteratur begrüßen. Unzähligen Menschen wurde John Bunyans Pilgerreise schon zum Segen, unzählige Menschen lernten durch dieses Buch wichtige Prinzipien des christlichen Lebens kennen. Seit der Erstveröffentlichung des englischen Originals im Jahr 1678 wurde es immer wieder neu aufgelegt – und wie wir meinen, vollkommen zu Recht. Es ist ein Werk, das uns persönlich in unserer eigenen Nachfolge gestärkt, getröstet und herausgefordert hat.
Als wir angefragt wurden, ein Andachtsbuch zu diesem Klassiker zu schreiben, haben wir deshalb voller Freude zugestimmt. Auch wenn uns schon im Vorfeld klar war, dass wir in diesem Buch auf keinen Fall die tausend Nuancen von Bunyans Allegorien erschöpfend beschreiben können, gingen wir dieses Abenteuer dennoch begeistert an.
Ja, es sind fragmenthafte Gedanken zur Pilgerreise, die wir hier aufgeschrieben haben, dennoch hoffen wir, dass sie für dich ein Segen sein dürfen – und ein Anreiz, dich noch tiefergehender mit dem Original zu befassen.
Wir sind davon überzeugt, dass die Pilgerreise manche notwendige Korrektur für die deutsche Christenheit des 21. Jahrhunderts bereithält. Deshalb haben wir uns entschieden, in 40 ausgewählten Abschnitten besonders vier Aspekte der Pilgerreise zu betonen, die unserer Meinung nach in der heutigen Verkündigung oftmals untergehen, aber auch für unser christliches Leben, also für unsere eigene Pilgerreise, so entscheidend sind:
| Unsere Pilgerreise ist eine Antwort auf Gottes Wort. Es ist immer wieder notwendig, dass wir auf die Bibel als Wort Gottes hören und entsprechend handeln. In insgesamt zehn Abschnitten stellen wir uns deshalb der Frage, warum wir Gottes Stimme hören müssen. | |
| Unsere Pilgerreise ist ein Gemeinschaftsprojekt. Den Weg der Nachfolge können wir nicht alleine gehen, wir brauchen vielmehr Geschwister, mit denen wir die Reise gemeinsam beschreiten können. In zehn Abschnitten wollen wir darauf eingehen, warum wir einander so sehr brauchen. | |
| Unsere Pilgerreise ist ein Dauerlauf. Bunyan macht an vielen Stellen deutlich, dass das Christsein mehr einem Marathonlauf als einem Sprint gleicht. Zehn Abschnitte sollen die Frage beantworten, warum Kampf und Ausharren notwendig sind. | |
| Unsere Pilgerreise hat die Perspektive Ewigkeit. Als Christen sind wir Fremdlinge in dieser Welt, wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern suchen die zukünftige. Weitere zehn Abschnitte zeigen auf, warum wir den Himmel im Blick haben sollen. |
John Bunyan wusste um die Wichtigkeit dieser Aspekte nicht nur aus der Bibel, sondern auch aus seinem eigenen Leben. Als Sohn eines ungläubigen Kesselflickers wuchs Bunyan zur Zeit des britischen Bürgerkriegs auf. Er konnte aufgrund der familiären Situation nur kurz zur Schule gehen, sodass es vermutlich gerade zum Lernen von Lesen, Schreiben und Rechnen reichte. Während seiner Zeit in der Armee begann er, in der Heiligen Schrift zu lesen. Zu einer Veränderung in seinem Leben kam es allerdings zunächst noch nicht. Erst als er in der Gemeinschaft mit echten Christen die biblischen Wahrheiten immer wieder hörte und im Leben der einfachen Gläubigen bezeugt sah, wurde er von Gottes Gnade überwältigt. Bunyan begann, auf Gottes Wort zu antworten, und war ab diesem Moment sowohl von dem Ziel der himmlischen Ewigkeit als auch dem Kampf gegen irdische Anfechtungen geprägt. Er erlebte heftige Ablehnung wegen seines Glaubens und harrte dennoch in der Gnade Gottes aus bis zum Ende. An vielen Stellen der Pilgerreise beschreibt er seine eigenen Gefühle und Erfahrungen. Bunyan war ein empfindsamer Mensch, der viele Eindrücke und Träume hatte, was sich auch in seinem Roman widerspiegelt.1
Es ist unsere Hoffnung und unser Gebet, dass dir dieses Andachtsbuch hilft, deine persönliche Pilgerreise bis zum Ziel weiterzuführen. Dabei kannst du ganz frei entscheiden, wie du dieses Buch lesen möchtest: Du kannst der Handlung der Pilgerreise folgen und dabei die verschiedenen Themenbereiche abwechselnd betrachten oder du wählst einen der Themenbereiche aus und liest gezielt, was es mit dieser Fragestellung auf sich hat. Du kannst das Buch alleine oder mit anderen zusammen lesen. So wie es dir und deiner Pilgerreise am besten dient.
Ein Hinweis noch vorweg: Die Kapitel wurden jeweils von einem von uns geschrieben und vom anderen Korrektur gelesen. Und da jeder von uns seinen eigenen Stil hat, zeigen sich auch in unseren Texten gewisse stilistische Unterschiede. Wir hoffen, dass unsere unterschiedlichen Herangehensweisen und Blickwinkel dein Leseerlebnis bereichern. Außerdem möchten wir dir Mut machen: Sei bereit, alles, was wir schreiben, an Gottes Wort zu prüfen und mit Geschwistern darüber zu diskutieren. Und nun mach dich gemeinsam mit uns und Christian2, dem Hauptcharakter der Pilgerreise, auf den Weg, Etappe für Etappe.
Gott segne dich dabei!
Simon und Simone Mayer
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1. ETAPPE:
Aufbruch in ein neues Land

Nun sah ich in meinem Traum, wie der Mann anfing zu laufen. Als aber seine Frau und Kinder das sahen, liefen sie ihm nach und riefen, er solle umkehren. Doch der Mann hielt sich die Ohren zu und lief weiter.
»Leben, Leben, ewiges Leben!«, rief er und sah nicht einmal mehr zurück.
Auch die Nachbarn kamen heraus. Als sie ihn laufen sahen, lachten ihn die einen aus, andere drohten ihm und wieder andere schrien ihm nach, er solle doch zurückkommen. Zwei von ihnen waren entschlossen, ihn mit Gewalt zurückzuholen: Der eine hieß Eigensinnig und der andere Gefügig. Der Mann war zwar schon eine gute Strecke gelaufen, aber die beiden holten ihn trotzdem bald ein.
»Warum lauft ihr mir nach, Nachbarn?«, sprach der Mann sie an.
»Um dich zu überreden, mit uns umzukehren!«
»Das kann ich auf keinen Fall! Ich weiß, dass ihr in der Stadt Verderben wohnt, die auch mein Geburtsort ist; doch wenn ihr früher oder später hier sterbt, werdet ihr tiefer hinabsinken als in das Grab und an einen Ort kommen, wo Feuer und Schwefel brennen. Überlegt nicht lange, gute Nachbarn, kommt mit!«
Eigensinnig hatte Bedenken: »Was, wir sollen unseren Freunden und allem Guten den Rücken kehren?«
»Ja!«, erwiderte Christian – so hieß der Mann –, »denn alles, was ihr verlassen werdet, ist es nicht wert, mit dem Geringsten von dem verglichen zu werden, was mich erwartet. Und wenn ihr mit mir geht, werdet ihr es auch bekommen. Da, wo ich hingehe, ist mehr als genug davon. Kommt mit, und seht, ob ich nicht recht habe.«
»Welche Dinge suchst du, dass du die ganze Welt dafür verlässt?«, fragte Eigensinnig.
»Ich suche ein unvergängliches, unbeflecktes und ewiges Erbe, das für die im Himmel aufbewahrt wird, die von ganzem Herzen danach suchen. Da, lest es selbst in meinem Buch, wenn ihr wollt.«
»Weg mit deinem Buch!«, schrie Eigensinnig. »Willst du nun mit uns umkehren oder nicht?«
»Auf keinen Fall! Ich habe meine Hand an den Pflug gelegt …«
»Dann komm, Nachbar Gefügig, lass uns umkehren und ohne ihn nach Hause gehen. Es gibt verrückte Köpfe, die, wenn sie einmal eine fixe Idee haben, sich für schlauer halten als sieben vernünftige Menschen.«
»Nur nicht gleich so ungeduldig!«, mahnte Gefügig. »Wenn wahr ist, was der gute Christian da sagt, dann sind die Dinge, nach denen er sucht, besser als die, die wir haben. Ich wäre doch interessiert, mit ihm zu gehen.«
»Wie? Noch ein Verrückter? Hör auf mich und komm mit zurück! Wer weiß, wohin dich dieser Hirnkranke führt. Kehr um! Sei klug und kehr um!«
»Nicht doch!«, wehrte Christian ab. »Komm du vielmehr mit deinem Nachbarn mit! Die Dinge, von denen ich euch erzähle, sind auf jeden Fall zu bekommen und noch viel Herrlicheres dazu! Glaubt ihr mir nicht, so lest in diesem Buch nach: Die Wahrheit, die darin steht, ist mit dem Blute dessen besiegelt, der das Buch gemacht hat.«
»Nachbar Eigensinnig«, sagte Gefügig daraufhin, »ich gehe mit diesem guten Mann und teile sein Schicksal. Aber«, wandte er sich an Christian, »weißt du denn auch den Weg?«
»Ein Mann namens Evangelist wies mir den Weg zu einer kleinen Pforte. Dort wird man uns lehren, wie der Weg weitergeht.« So gingen beide miteinander. Und Eigensinnig kehrte zurück zu seiner Familie. Er wollte nicht der Begleiter solcher Schwärmer werden.
Die Pilgerreise, Seiten 15-17

Christian lebt schon sein ganzes Leben in der Stadt Verderben. Seine Situation sieht anfangs wirklich hoffnungslos aus. Er spürt das Gewicht seiner persönlichen Last wie einen schweren Rucksack, der ihn regelrecht zu Boden zieht, fühlt, dass da etwas ist, was jeden Schritt schwer macht.
Eines Tages liest er in einem Buch von dem zukünftigen Gericht, das über ihn und alle anderen Bewohner seiner Heimatstadt kommen wird. Er ist verzweifelt und sucht einen Weg der Rettung, klagt anderen sein Leid, betet und ruft zu Gott. Christian weiß nicht mehr weiter, aber er ist sich sicher, dass er in dieser Stadt nicht bleiben kann. Nur: Wohin soll er gehen? Mitten in diese aussichtslose Situation hinein erscheint plötzlich ein Mann namens Evangelist und zeigt Christian den Weg, wie er gerettet werden kann. Evangelist gibt ihm nur einen Rat: »Flieh, Christian, hinaus aus der gottlosen Stadt, dem Licht und der engen Pforte entgegen.« (Der aufmerksame Leser wird dies nicht dem Zufall zuschreiben, sondern der gnädigen und sorgfältigen Fügung eines großen und liebenden Gottes.)
Wie hättest du an Christians Stelle reagiert? Die Stadt zu verlassen und somit der Aufforderung von Evangelist Folge zu leisten, würde schließlich bedeuten, die geliebte Familie und die gewohnte Umgebung hinter sich zu lassen. Ein Kompromiss ist dabei nicht möglich. Jesus fordert ungeteilte Loyalität und seine Worte gelten auch uns: »Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein« (Lukas 14,26).
Und Christian? Der fällt eine schnelle und klare Entscheidung: Er fängt an zu laufen! Er gehorcht, ohne Evangelists Worte zu hinterfragen. Christian handelt und macht einfach das, wozu ihn das Wort Gottes, das ihm verkündigt wurde, auffordert. Und so läuft er aus der Stadt hinaus. Darin offenbart sich sein lebendiger Glaube, der tief aus seinem Herzen kommt. Sicher hätte Christian die Worte von Evangelist auch einfach schön brav abnicken können. Doch ein Glaube, der nur aus einer intellektuellen Zustimmung besteht, führt nicht zur Errettung: »Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?« (Jakobus 2,14). Glaube und Taten gehören zusammen. Wäre Christian in der Stadt Verderben geblieben, wäre er am Ende jämmerlich umgekommen.
Immer wieder begegnen uns Menschen, die sich als Christen bezeichnen und behaupten, an Gott zu glauben. Ihr Leben spricht jedoch eine andere Sprache und ist nicht durch den Gehorsam gegenüber seinem Wort gekennzeichnet. Doch wie sieht es bei uns aus? Bei anderen sehen wir schnell, wenn etwas nicht zusammenpasst, und es ist leicht, über andere den Kopf zu schütteln. Aber seien wir auch ehrlich mit uns. Es ist eine Illusion zu meinen, nur durch ein Abnicken in der ewigen Herrlichkeit anzukommen. Wir sollten uns – genauso wie Christian – durch nichts und niemanden vom Weg der Nachfolge abhalten lassen. Nachfolge kann uns unglaublich viel kosten. Ganz bewusst hält Christian sich die Ohren zu, um die Schreie seiner Frau und seiner Kinder nicht hören zu müssen, die ihn zur Umkehr bewegen wollen. Den Spott und die Drohungen der Nachbarn, die ihm entgegenschlagen, nimmt er in Kauf. Sein Blick ist einzig und allein auf den Weg, der vor ihm liegt, und das Licht, das er erreichen möchte, fokussiert.
Als sich Eigensinnig und Gefügig zu ihm gesellen und entschlossen sind, ihn (notfalls mit Gewalt) zurückzubringen, lässt Christian sich nicht von ihnen einschüchtern. Im Gegenteil: Mutig berichtet er auch ihnen von dem schrecklichen Gericht, das der ganzen Stadt Verderben bevorsteht. Zugleich malt er ihnen die Herrlichkeit vor Augen, die auf sie wartet, wenn sie mit ihm gehen. Seine Worte laufen bei Eigensinnig ins Leere, Gefügig allerdings zeigt ein gewisses Interesse. Die Botschaft einer glorreichen Zukunft hat seine Abenteuerlust geweckt. Doch im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass die Begeisterung nicht lange anhalten wird.
Vielleicht hast du es selbst schon mal erlebt, dass dich Menschen von deiner Entscheidung für Jesus abbringen wollten. Wir alle werden auf Widerstand stoßen und müssen uns (immer wieder) die Frage stellen: Auf welche Stimme wollen wir hören? Gleichzeitig sind solch herausfordernde Begegnungen aber auch eine gute Möglichkeit, selbst die gute Nachricht weiterzugeben, dass es einen Weg der Rettung gibt. Lasst uns mutig den Weg Gottes gehen.

Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.
Lukas 14,26
Himmlischer Vater,
danke, dass du einen Weg der Errettung bereitet hast.
Danke, dass du mich aus der Vergänglichkeit dieser Welt hinausrufst.
Danke, dass du ein unvergängliches Erbe für alle bereithältst, die Jesus Christus nachfolgen.
Ich bin entschlossen, Herr, deiner Stimme zu folgen
und dir den ersten Platz in meinem Leben einzuräumen, selbst wenn ich dabei auf großen Widerstand stoßen sollte.
Hilf du mir dabei.
Amen.
