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Sarah Skov

Koch für mich: Erika Lust-Erotik

Lust

Koch für mich: Erika Lust-Erotik Übersetzung Rebecca Jakobi Original Spis med mig Copyright © 2018, 2019 Sarah Skov und LUST All rights reserved ISBN: 9788726076219

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach

Absprache mit LUST gestattet.

Koch für mich

Die Stilettos drücken nach dem langen Tag. Ich ziehe sie aus und stelle sie in den Schrank. Ich bewege die Zehen – lasse sie in der Luft tanzen. Die Füße sind geschwollen und taub und der kühle Holzboden unter meinen Fußsohlen fühlt sich ungewohnt aufregend an. Die ersten Schritte tun weh. Der Schmerz wandert von den gequetschten Zehen in den Fuß und von dort bis ins Knie. Hier nistet er sich ein und wächst im Laufe des Abends. Wenn der Morgen anbricht, wird er wie immer auf eine Art und Weise verwelkt und vergessen sein, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Werktags komme ich spät nach Hause. Ich esse etwas Einfaches zu Abend, entweder habe ich unterwegs etwas besorgt oder ich bestelle etwas vom Lieferdienst. Ich trinke ein oder zwei Gläser Wein, während ich ihn auf dem Bildschirm betrachte. Ich sehe zu, wie seine Hände den Pizzateig kneten, wie er behutsam die Salatblätter wendet und wie er leidenschaftlich an den Zutaten riecht, sie berührt und von ihnen kostet. Seine Sinnlichkeit lässt mich feucht werden und ich spüre das Verlangen nach Berührung. Ich lasse meine Hand ihren Weg finden und die Finger beginnen zu arbeiten. Wenn er in der Küche herumhantiert, schneidet, zupft und hackt, sehe ich das Lächeln in seinem Bart und die Lust in seinen Augen. Wenn ich mir vorstelle, dass er zwischen meinen Beinen begraben liegt, an mir saugt, mich leckt und von mir probiert, ergibt sich mein Körper der Berührung meiner Finger und ich komme.

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Bevor die Sendung beginnt, gehe ich in die Küche und backe. Ich fordere mich mit Rezepten und Zutaten heraus, deren Namen ich nicht einmal aussprechen kann. Ich entspanne mich, lasse den Tag, die Gerichtsverfahren und Sorgen laufen. Mitten am Tag, wenn meine Kollegen sich nach Kaffee sehnen, sehne ich mich nach meiner kleinen Küche und den süßen Zutaten. Niemand weiß, dass ich das mache – also, dass ich backe. Nicht, weil es ein Geheimnis ist, sondern weil ich es ihnen einfach nicht erklären kann. Ich bin sicher, sie würden lachen und mit Kommentaren kommen, wie „An dir ist ja noch eine echte Hausfrau verlorengegangen“ oder „Wow, ich wünschte, ich hätte die Zeit dazu – aber gut, du hast ja auch keine Kinder“. Tatsächlich sollte es kein Geheimnis sein, aber es ist trotzdem eines geworden.

Die Schürze liegt zusammen mit Nudelholz, Kuchenformen und Ausstechförmchen in der Backschublade. Als ich die Schlaufe über den Kopf ziehe und sie mir fest umbinde, sehe ich ihn. Seine weiße, spröde Schürze, die unter seinen Händen nachgibt, wenn er sie beinahe synchron mit den anderen Köchen strammzieht. Ich sehe sein strahlendes Lächeln mitten im dunklen Bart. Ich nehme mir etwas kaltes Mehl und klatsche in die Hände. Eine weiße Wolke stäubt auf und verbreitet sich in der kleinen Küche. Niemand sonst ist da, niemand, der das Bild des über meinen Händen schwebenden Mehls verewigen könnte. Dennoch tue ich es jedes Mal, wenn ich das Mehl zur Hand habe. Es ist schon fast zum Ritual geworden, zu einer Art Startschuss für den Abend. Bald beginnt die Sendung. Bald steht er in seiner weißen Schürze und mit konzentriertem Blick vor mir. Bald verfliegen meine Gedanken und Fantasien. Die Fantasien, den Fernsehkoch zu treffen, ihn zu berühren und ihn zu schmecken – sie nehmen mich mit.

Die Butter ist kalt und die Kälte überrascht meine Hände, die sich schnell verfärben. Ich ordne den Teig um die geschnittene Butter an und beginne auszurollen. Um sicherzugehen, dass ich es noch schaffe, werfe ich einen Blick auf die Wanduhr. Das Rezept verrät mir, dass ich den Teig auf eine bestimmte Art und Weise zu falten habe. Ich studiere die Anweisungen wie einen komplizierten Gesetzestext. Ich verarbeite jeden einzelnen Schritt in meinem Kopf und beginne zu falten. Als der Teig im Kühlschrank ruht, mache ich mir einen Espresso. Die Maschine brüllt laut auf, woraufhin das Wasser zu gluckern beginnt. Ich trinke ihn im Stehen und genieße, wie sich die Wärme in meinem Körper ausbreitet. Ich spüre, wie der intensive Geschmack meinen Mund erfüllt und wie meine Wangen langsam erröten. Wenn ich die Tasse gleich abstelle und prüfend die Hände auf meine Wangen lege, wird sich bestätigen, was ich längst weiß. Die stimulierende Wirkung von Kaffee, Rotwein oder Sex strömt für gewöhnlich unkontrolliert durch meinen Körper und bringt mich dazu, dumme Entscheidungen zu treffen. Anschließend legen sie sich in der Röte meines Gesichts zur Ruhe und erinnern an Vergangenes. Ich schaue auf die Uhr und nehme den Teig aus dem Kühlschrank. Ich rolle ihn nochmals aus und falte ihn nach den Anweisungen des Rezepts. Dann stelle ich die Eieruhr und platziere sie auf dem Küchentisch. Während ich warte, esse ich mein Abendessen, einen Fertigsalat. Er ist lasch und schmeckt nach Nichts. Ich vermute, er wurde gewaschen, aber nicht geschleudert. Ohne das ganze Wasser auf den Salatblättern wäre er knackig und frisch. Sein Salat knackt, wenn er auf die Zähne des Jurors trifft. Seinen Salat wenden sie geduldig im Mund, sodass sich alle Aromen entfalten können. Er legt die grünen Blätter sorgfältig in das säuerliche Dressing. Er spreizt die Finger und formt seine Hände zu Schalen, die die Blätter sanft wenden. Dann wiederholt er das Manöver mit der anderen Seite der Blätter, bis das Dressing gleichmäßig verteilt ist. Ehe der Salat den Tisch der Jury erreicht, schmückt er ihn behutsam mit essbaren Blumen. Die anderen Teammitglieder benutzen eine Pinzette, er aber benutzt seine Hände und ich kann kaum die Augen von ihm lassen.

Ich schalte das Radio ein. Es läuft ein Nachrichtensender, der den ganzen Tag lang das Gleiche erzählt. Sie sprechen mit Experten, Politikern und anderen Beteiligten. Es ist mein Frühstückssender. Der Sender, der mich auf dem Laufenden halten soll. Der Sender, der mir die jüngsten Neuigkeiten und die ersten Stimmen dazu liefern soll. Er soll mich täglich wecken und auf den Tag vorbereiten. Ich wechsle den Kanal von reinem Sprechradio zu sanftem Jazz. Kurz danach kann ich beruhigenden Regen an die Scheiben schlagen hören, den Staub von dicken, alten Büchern riechen und Zigarrenrauch in meinen Augen spüren. Ich drehe die Musik auf und atme tief ein. Für einen Moment, hebt sich mein Brustkorb schnell, aber die Töne des Jazz lassen ihn sich langsam und in einer fließenden Bewegung wieder senken.

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