Read the book: «Zwangsstörung»

Die Herausgeber

Dr. phil. Charles Benoy ist Psychologe, psychologischer Psychotherapeut, Verhaltenstherapeut. Absolvent der Universitäten Luxemburg, Fribourg und Basel. Seine klinische Tätigkeit absolviert er in der Rehaklinik des Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique (CHNP) in Ettelbrück in Luxemburg. Er forscht am Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie an der Klinik für Erwachsene der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel in der Schweiz. Darüber hinaus ist er als verhaltenstherapeutischer Supervisor tätig, hat verschiedene Lehraufträge inne und ist Past-Präsident und ordentliches Mitglied des Vorstandes der Schweizerischen Gesellschaft für Zwangsstörungen (SGZ).

Prof. Dr. med. Marc Walter ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und psychoanalytischer Psychotherapeut. Er ist Klinikleiter und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Basel. Wissenschaftlich war er an der Charité in Berlin und an der Harvard Medical School in Boston tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind Persönlichkeitsstörungen, Psychotherapie und Suchtmedizin.
Charles Benoy Marc Walter (Hrsg.)
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Pharmakologische Daten, d. h. u. a. Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen, verändern sich fortlaufend durch klinische Erfahrung, pharmakologische Forschung und Änderung von Produktionsverfahren. Verlag und Autoren haben große Sorgfalt darauf gelegt, dass alle in diesem Buch gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, können Verlag und Autoren hierfür jedoch keine Gewähr und Haftung übernehmen. Jeder Benutzer ist daher dringend angehalten, die gemachten Angaben, insbesondere in Hinsicht auf Arzneimittelnamen, enthaltene Wirkstoffe, spezifische Anwendungsbereiche und Dosierungen anhand des Medikamentenbeipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen und in eigener Verantwortung im Bereich der Patientenversorgung zu handeln. Aufgrund der Auswahl häufig angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.
Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.
Dieses Werk enthält Hinweise/Links zu externen Websites Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat und die der Haftung der jeweiligen Seitenanbieter oder -betreiber unterliegen. Zum Zeitpunkt der Verlinkung wurden die externen Websites auf mögliche Rechtsverstöße überprüft und dabei keine Rechtsverletzung festgestellt. Ohne konkrete Hinweise auf eine solche Rechtsverletzung ist eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten nicht zumutbar. Sollten jedoch Rechtsverletzungen bekannt werden, werden die betroffenen externen Links soweit möglich unverzüglich entfernt.
1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-038732-4
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-038733-1
epub: ISBN 978-3-17-038734-8
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Backenstraß, Matthias, Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych.
Psychologischer Psychotherapeut, Institutsleiter
Institut für Klinische Psychologie
Zentrum für Seelische Gesundheit, Klinikum Stuttgart
Prießnitzweg 24, D-70374 Stuttgart
m.backenstrass@klinikum-stuttgart.de
Benoy, Charles, Dr. phil.
Psychologischer Psychotherapeut
Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique Luxembourg
Rehaklinik
17, avenue des Alliés, L-9012 Ettelbrück
und
Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel
Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie ZPP
Wilhelm Klein-Str. 27, CH-4002 Basel
charles.benoy@chnp.lu
Brancato, Christine, M.Sc.
Psychologin, Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin
Praxis Psychotherapie und Paartherapie
Horburgstr. 105, CH-4057 Basel
christine.brancato@hin.ch
Brezinka, Veronika, Dr. phil. Dr. (PhD)
Psychologin, Verhaltenstherapeutin
Spezialsprechstunde für Tics und Zwänge
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Eisengasse 16, CH-8008 Zürich
Dammann, Gerhard, PD Dr. med. Dipl.-Psych. (†)
Psychiatrische Dienste Thurgau (Akad. Lehrkrankenhaus der PMU Salzburg)
Psychiatrische Klinik Münsterlingen
Seeblickstr. 3, CH-8596 Münsterlingen
Dürsteler, Kenneth M., Dr. phil.
Leitender Psychologe ADS/AfS/Janus
Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen
Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel
Wilhelm Klein-Str. 27, CH-4002 Basel
und
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
kenneth.duersteler@upk.ch
Egger, Stephan T., Dr. med.
Oberarzt
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Lenggstr. 31, CH-8032 Zürich
stephan.egger@pukzh.ch
Exner, Cornelia, Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Psych.
Psychologische Psychotherapeutin (VT), Klinische Neuropsychologin
Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Institut für Psychologie, Universität Leipzig
Neumarkt 9–19, D-04109 Leipzig
exnerc@uni-leipzig.de
Fink-Lamotte, Jakob, Dr. rer. nat. Dipl.-Psych.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Psychologischer Psychotherapeut (VT)
Institut für Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität
Leipzig
Neumarkt 9–19, D-04109 Leipzig
jakob.fink@uni-leipzig.de
Fricke, Susanne, PD Dr. phil.
Psychologische Psychotherapeutin
Privatpraxis
Hegestieg 6, D-20249 Hamburg
info@dr-susanne-fricke.de
Gocheva, Vanya, Dr. sc. med.
Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin
Praxis Qurateam AG Basel
Steinenberg 23, CH-4051 Basel
v.gocheva@qurateam.ch
Grimmer, Bernhard, PD Dr. phil.
Leitender Psychologe, Therapeutische Bereichsleitung Psychotherapie
Psychiatrische Klinik Münsterlingen
Seeblickstr. 3, CH-8596 Münsterlingen
bernhard.grimmer@stgag.ch
Carlotta Heinzel, Dr. phil.
Assistentin
Fakultät für Psychologie, Universität Basel
Missionsstr. 62a, CH-4055 Basel
carlotta.heinzel@unibas.ch
Hollmann, Karsten, Dipl.-Psych.
Ltd. Psychologe Spezialambulanz Zwangsstörungen & Bereich Telemedizin
Abteilung Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und
Jugendalter
Zentrum für Psychische Gesundheit
Universitätsklinikum Tübingen
Osianderstr. 14–16, D-72076 Tübingen
karsten.hollmann@med.uni-tuebingen.de
Jahn, Ina, Dipl.-Psych.
Psychologische Leiterin Spezialambulanz für Zwangserkrankungen
Psychologische Psychotherapeutin (VT) und Systemische Therapeutin
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Zentrum für Seelische Gesundheit
Helios Park-Klinikum Leipzig
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig
Morawitzstr. 2, D-04289 Leipzig
ina.jahn@helios-gesundheit.de
Kizilhan, Jan Ilhan, Prof. Dr. rer. soc. Dr. phil.
Direktor des Instituts für Transkulturelle Gesundheitsforschung, DHBW
Dekan des Instituts für Psychotherapie und Psychotraumatologie, Universität
Duhok, Iraq
Transkulturelle psychosomatische Abteilung, Klinik am Vogelsang, Mediclin,
Donaueschingen, Deutschland
Schramberger Str. 26, D-78054 Villingen-Schwenningen
kizilhan@dhbw-vs.de
Klesse, Christian, Dr. phil.
Psychologischer Psychotherapeut
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstr. 5, D-79106 Freiburg
christian.klesse@uniklinik-freiburg.de
Köck, Patrick, Dr. med. univ.
Stv. Oberarzt, Abteilung U2
Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen
Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel
Wilhelm-Klein-Str. 27, CH-4002 Basel
patrick.koeck@upk.ch
Lieb, Roselind, Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych.
Professorin für Klinische Psychologie und Epidemiologie
Psychologische Psychotherapeutin
Leitung Abteilung Klinische Psychologie und Epidemiologie
Fakultät für Psychologie, Universität Basel
Missionsstr. 60/62, CH-4055 Basel
roselind.lieb@unibas.ch
Maywald, Maximilian, Mag. rer. nat.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Psychologischer Psychotherapeut
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LMU Klinikum
Nußbaumstr. 7, D-80336 München
maximilian.maywald@med.uni-muenchen.de
Miché, Marcel, Dr. phil. Dipl.-Psych.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Klinische Psychologie und
Epidemiologie
Missionsstr. 62a, CH-4055 Basel
marcel.miche@unibas.ch
Pitsch, Karoline, Dr. phil. Dipl.-Psych.
Psychologische Psychotherapeutin, Stationspsychologin der Spezialstation für
Angst- und Zwangsstörungen
Psychologische Leiterin der Spezialsprechstunde für Zwangsstörungen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstr. 5, D-79104 Freiburg
Karoline.pitsch@uniklinik-freiburg.de
Pogarell, Oliver, Prof. Dr. med.
Stellvertretender Direktor
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LMU Klinikum
Nußbaumstr. 7, D-80336 München
oliver.pogarell@med.uni-muenchen.de
Poppe, Christine, Dr. med.
Leitende Ärztin
Psychiatrie St. Gallen Nord
Zürcherstrasse 30, CH-9500 Will
christine.poppe@hin.ch
Reinecker, Hans, Univ. Prof. Dr. phil.
Ausbildungsleitung und Supervisor
CIP Ambulanz Bamberg
Fleischstr. 17, D-96047 Bamberg
hans.reinecker@uni-bamberg.de
Renner, Tobias, Prof. Dr. med.
Ärztlicher Direktor
Abteilung Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kinder- und
Jugendalter
Zentrum für psychische Gesundheit
Universitätsklinikum Tübingen
Osianderstr. 14, D-72076 Tübingen
Riedel, Andreas, PD Dr. med. Dr. phil.
Leitender Arzt
Luzerner Psychiatrie, Ambulante Dienste
Löwengraben 20, CH-6004 Luzern
andreas.riedel@lups.ch
Romanczuk-Seiferth, Nina, Prof. Dr. rer. medic. Dipl.-Psych.
Psychologische Psychotherapeutin
Leitende Psychologin und Psychotherapeutin
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charité Campus Mitte
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Corporate Member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin
Charitéplatz 1, D-10117 Berlin
nina.seiferth@charite.de
Rufer, Michael, Prof. Dr. med.
Chefarzt
Triaplus AG, Klinik Zugersee
Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie
Widenstr. 55, CH-6317 Oberwil-Zug
und
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Lenggstr. 31, CH-8008 Zürich
michael.rufer@triaplus.ch
Savaskan, Egemen, Prof. Dr. med.
Chefarzt/Klinikdirektor a. i.
Klinik für Alterspsychiatrie
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Minervastr. 145, CH-8032 Zürich
egemen.savaskan@pukzh.ch
Stengler, Katarina, Prof. Dr. med.
Direktorin des Zentrums für Seelische Gesundheit
Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Helios Park-Klinikum Leipzig
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig
Morawitzstr. 2, D-04289 Leipzig
katarina.stengler@helios-gesundheit.de
Vögele, Claus, Prof. Dr. phil., Dipl.-Psych
Professor für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie
Head of Department
Department of Behavioural and Cognitive Sciences
Faculty of Humanities, Education and Social Sciences, University of Luxembourg
Maison des Sciences Humaines, 11, porte des sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette
claus.voegele@uni.lu
Wahl, Karina, Dr. Dipl.- Psych.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Senior Researcher
Fakultät für Psychologie, Universität Basel
Missionsstr. 63, CH-4055 Basel
karina.wahl@unibas.ch
Walitza, Susanne, Prof. Dr. med. Dipl.-Psych.
Klinikdirektorin, Ordinaria
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Neumünsterallee 3, Postfach 233, CH-8032 Zürich
susanne.walitza@pukzh.ch
Walter, Marc, Prof. Dr. med.
Klinikleiter und Chefarzt
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Psychiatrische Dienste Aargau AG
Königsfelderstr. 1, CH-5210 Windisch
marc.walter@pdag.ch
Weidt, Steffi, PD Dr. med.
Stv. Chefärztin
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Lenggstr. 31, CH-8032 Zürich
steffi.weidt@pukzh.ch
Geleitwort
von Ulrich Voderholzer
Zwangsstörungen und ihre verwandten Störungen zählen zu den häufigen psychischen Erkrankungen sowohl im Kindes- und Jugend- als auch Erwachsenenalter und sie zählen zu denjenigen Erkrankungen mit einem besonders häufig chronischen und manchmal lebenslangen Verlauf. Immer noch gilt, was schon Freud vor über 100 Jahren beschrieb, als er darauf hinwies, dass es mehr Patienten mit Zwangsstörungen gibt, als den Ärzten bekannt ist. Scham und Verheimlichung sind auch 100 Jahre nach Freud ein Grund, warum das Krankheitsbild häufig nicht erkannt wird.
Auch heute noch ist die Versorgungssituation bei diesem Krankheitsbild unbefriedigend. Das haben internationale Studien und solche im deutschsprachigen Raum übereinstimmend zeigen können. Zum einen nehmen viele Patientinnen und Patienten erst nach vielen Jahren eine Behandlung wahr, zum anderen ist die Behandlung dann sehr häufig nicht leitliniengerecht. Viele Betroffene nehmen Zeit ihres Lebens gar keine Behandlung war. Einem Review von Schwartz und Mitarbeitern (2013) mit zwölf internationalen populationsbasierten Studien zufolge, suchen nur 30–40 % der von einer Zwangssymptomatik Betroffenen der westlichen Welt in ihrem Leben nach medizinischer/therapeutischer Hilfe bez. ihrer Zwänge. Auch in der epidemiologischen Studie von Jacobi und Mitarbeitern (2014) waren die Behandlungsraten bei Zwangsstörungen geringer als bei den meisten anderen psychischen Störungen. Und wenn eine Behandlung wahrgenommen wird, sind schon viele Jahre ohne Therapie vergangen; nach einer deutschen Befragung von 369 Betroffenen waren es im Schnitt 5,9 Jahre (SD = 8,1 Jahre) (Voderholzer et al. 2015). Die Dauer der unbehandelten Erkrankung zu verkürzen, um Chronifizierungsprozesse zu verhindern und das Risiko negativer psychosozialer Folgen zu mindern, wird ein wichtiges Thema künftiger Versorgungsforschung sein.
In dem o. g. Survey gaben nur 37 % der 369 Patienten an, kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Expositions- und Reaktionsmanagement als Erstbehandlung erhalten zu haben, obwohl weltweit Konsens besteht, dass es sich dabei bislang um die wirksamste und am besten belegte Therapieform handelt.
Eine weitere wichtige Ursache der Unterversorgung von Patienten mit Zwangserkrankungen liegt vermutlich in der oft unzureichenden Qualifikation von Therapeuten, die auch zu Behandlungsfehlern führen. Die Ergebnisse einer anonymen Umfrage von Külz et al. (2010) an 177 ambulanten Psychotherapeuten bestätigen diese Annahmen.
All dies erscheint bitter, wenn man bedenkt, welch gute Behandlungsmöglichkeiten heute für Zwangsstörungen zur Verfügung stehen. Doch leider erreichen die effektiven Therapiemethoden letztlich nur einen kleinen Teil der Betroffenen.
Vor diesem Hintergrund begrüße ich es sehr, wenn sich Ärzte und Psychologen dafür einsetzen, wissenschaftliche Erkenntnisse und klinisches Wissen zu Zwangserkrankungen mehr zu verbreiten. Wer Betroffene mit Zwangsstörungen gut versorgen will, sollte gut über Ursachen, sowohl biologischer als auch psychologischer Art, Komorbiditäten und auch die Besonderheiten in den unterschiedlichen Lebensphasen, die in diesem Buch auch mitberücksichtigt sind, und natürlich über das Spektrum der gesamten Therapiemöglichkeiten Bescheid wissen. Nach meiner persönlichen Erfahrung sind Betroffene mit Zwangsstörung, denen es oft nicht leichtfällt, über ihre Störung zu sprechen, sehr sensibel und spüren schnell, ob sich ihr Arzt oder Therapeut mit dieser Erkrankung auskennt und sich dafür interessiert. Das vorliegende, aus meiner Sicht sehr informative und gelungene Buch informiert umfassend zu allen Aspekten dieses Krankheitsbilds.
Ich wünsche dem Buch eine starke Verbreitung und hoffe, dass es einen Beitrag leisten kann, die Versorgung von Menschen mit Zwangsstörungen zu verbessern.
Prien am Chiemsee, im Frühjahr 2022
Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer
Literatur
Schwartz C, Schlegl S, Külz AK, Voderholzer U (2013) Treatment-seeking in OCD community cases and psychological treatment actually provided: a systematic review. Journal of Obsessive-Compulsive and Related Disorders 2: 448–456.
Voderholzer U, Schlegl S, Diedrich A, Külz AK, Thiel N, Hertenstein E, Schwartz C, Rufer M, Herbst N, Nissen C, Hillebrand T, Osen B, Stengler K, Jelinek L, Moritz S (2015) Versorgung Zwangserkrankter mit kognitiver Verhaltenstherapie als Behandlungsmethode erster Wahl. Verhaltenstherapie 25: 183–190.
Jacobi F, Höfler M, Strehle J, Mack S, Gerschler A, Scholl L et al. (2014) Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul Psychische Gesundheit (DEGS1-MH). = Mental disorders in the general population. Study on the health of adults in Germany and the additional module mental health (DEGS1-MH). Der Nervenarzt 85(1): 77–87. doi: 10.1007/s00115-013-3961-y
Külz AK, Hassenpflug K, Riemann D, Linster HW, Dornberg M, Voderholzer U (2010) Psychotherapeutic Care in OCD Outpatients – Results from an Anonymous Therapist Survey. Psychother Psych Med 60: 194–201.
Inhalt
1 Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
2 Geleitwort
3 von Ulrich Voderholzer
4 Vorwort
5 Teil I Grundlagen
6 1 Erscheinungsbild und Klassifikation
7 Hans Reinecker
8 2 Epidemiologie und Verlauf
9 Roselind Lieb und Marcel Miché
10 3 Theoretische Modelle der Zwangsstörung
11 Carlotta V. Heinzel und Karina Wahl
12 4 Psychodynamische Aspekte der Zwangsstörung
13 Gerhard Dammann und Bernhard Grimmer
14 5 Systemische Aspekte der Zwangsstörung
15 Christine Brancato und Vanya Gocheva
16 6 Neurobiologie der Zwangsstörung
17 Maximilian Maywald und Oliver Pogarell
18 Teil II Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Komorbidität
19 7 Diagnostik
20 Matthias Backenstraß
21 8 Verwandte Störungsbilder der Zwangsstörung
22 Claus Vögele
23 9 Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung
24 Marc Walter
25 10 Differenzialdiagnostik und Komorbidität
26 Christian Klesse, Andreas Riedel und Karoline Pitsch
27 11 Sucht und Zwang
28 Kenneth M. Dürsteler und Patrick Köck
29 Teil III Spezifische Perspektiven
30 12 Zwangsstörung im Kindes- und Jugendalter
31 Susanne Walitza und Veronika Brezinka
32 13 Zwangsstörung im höheren Alter
33 Egemen Savaskan
34 14 Kulturspezifische Aspekte der Zwangsstörung
35 Jan Ilhan Kizilhan
36 Teil IV Behandlung
37 15 Evidenzbasierte Behandlung der Zwangsstörung
38 Charles Benoy
39 16 Kognitive Verhaltenstherapie der Zwangsstörung
40 Michael Rufer und Christine Poppe
41 17 Kognitive Ansätze in der Behandlung der Zwangsstörung
42 Jakob Fink-Lamotte und Cornelia Exner
43 18 Die dritte Welle der KVT: neue psychotherapeutische Behandlungsansätze der Zwangsstörung am Beispiel der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)
44 Nina Romanczuk-Seiferth
45 19 Pharmakotherapie der Zwangsstörung
46 Stephan T. Egger und Steffi Weidt
47 20 Psychosoziale Behandlungsinterventionen
48 Ina Jahn und Katarina Stengler
49 21 Neue Technik – neue Möglichkeiten? Technologiegestützte Behandlung der Zwangsstörung
50 Karsten Hollmann und Tobias Renner
51 22 Einbezug von Angehörigen in die Behandlung
52 Susanne Fricke
53 Sachwortregister