Read the book: «Sinn gesucht - Gott erfahren Kids»

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Die Herstellung dieser Arbeitshilfe wurde gefördert aus Mitteln des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS).

Impressum


© 1. Auflage 2022

buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart 2022

All rights reserved.

buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart

www.ejw-buch.de ISBN Buch 978-3-86687-317-9 ISBN E-Book 978-3-86687-318-6

Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

www.neukirchener-verlage.de ISBN Buch 978-3-7615-6839-2 ISBN E-Book 978-3-7615-6840-8

Lektorat: buch+musik – Tamara Müller, Stuttgart

Umschlaggestaltung: buch+musik – Daniela Buess, Stuttgart

Satzprogrammierung: X1-Publishing, Stuttgart

Satz Downloads: buch+musik – Daniela Buess, Stuttgart

Bildrechte Umschlag: iStock, Halfpoint; Unsplash, Galeno Areliano

Bildrechte Illustrationen: Simone Struve, Grafik+Illustration, Renningen

Bildrechte Autorenfotos: Link: anja kirschner photography – Jakob und Anja Kirschner GbR; Wahl: Ulrich Graf, Stuttgart; Westhauser: CVJM-Hochschule, Kassel; andere: bei den Autorinnen und Autoren


Überblick

Vorwort

„Sinn gesucht – Gott erfahren“ geht weiter

Erlebnispädagogik im christlichen Kontext entwickelt sich ständig weiter. In den vorangehenden Bänden wurden Grundlagen für die Verknüpfung von Erlebnispädagogik und Glaube formuliert und viele konkrete Praxisideen zusammengestellt. „Sinn gesucht – Gott erfahren KIDS“ greift diese bewährte Kombination auf und entwickelt sie weiter. Die Herausgeber wagen sich an eine neue Zielgruppe, die bisher wenig Beachtung in der Literatur und in erlebnispädagogischen Settings findet.

Herausforderung „Erlebnispädagogik mit Kindern“

Viele Jahre waren sich Erlebnispädagoginnen und Erlebnispädagogen einig, dass erlebnispädagogisches Arbeiten mit Kindern nur sehr begrenzt möglich ist. Verständlich, wenn dabei primär an archaische Rucksacktouren, komplexe Problemlöseaufgaben oder selbstverantwortete Abseilmanöver gedacht wird. Doch nicht nur die „klassischen“ Handlungsfelder, auch die Reflexion stellt für Kinder oft eine Überforderung dar, zumindest wenn sie nicht kindgerecht aufbereitet ist.

Doch in den letzten Jahren wurde das Verständnis erlebnispädagogischer Arbeit immer breiter. Viele neue Handlungsfelder und Zielgruppen kamen hinzu. So ist es naheliegend, dass der Fachausschuss Erlebnispädagogik im Ev. Jugendwerk in Württemberg, beheimatet in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit, endlich ein Buch mit konkreten Übungen und Ideen für die Arbeit mit Kindern auf den Markt bringt.

Von der Idee zum Buch

Neue Wege zu gehen, ist kein Selbstläufer. Erste Ideen führten zu einem mehrjährigen, deutschlandweiten Prozess. Dabei diskutierten Expertinnen und Experten förderliche Rahmenbedingungen für Erlebnispädagogik mit Kindern und erarbeiteten darauf aufbauend Übungen, die mit Kindern durchgeführt und reflektiert werden können. Herausgekommen ist ein hilfreiches und inspirierendes Praxisbuch. Sehr herzlich danke ich den Autorinnen und Autoren, insbesondere den Herausgebern, für ihren Mut, neue Wege zu gehen. Wieder einmal begeistern mich die fachliche Expertise, der Ideenreichtum und letztlich der Kraftaufwand, der nötig ist, dieses Buch nun in Händen zu halten.

Gott erfahren

Mithilfe dieses Buches können Gruppenleitungen Kindern wertvolle Erfahrungen ermöglichen und sie auf ihrem Lebensweg begleiten. Gott segne diese wichtige Arbeit und wirke durch sie!

Simon Wöhrbach

Vorsitzender Fachausschuss Erlebnispädagogik im Ev. Jugendwerk in Württemberg

Inhaltsverzeichnis

1  Titel

2  Impressum

3  Überblick Vorwort Inhaltsverzeichnis Downloads zum Buch Übersicht über die Übungen Bibelstellenverzeichnis

4  Einführung: Erlebnispädagogik in der Arbeit mit Kindern Welt der Kinder heute: Wie Kinder in Deutschland aufwachsen Konsequenzen daraus für die Arbeit mit Kindern: Was Kinder brauchen Erlebnispädagogik im christlichen Kontext mit Kindern Ganz praktisch – eine kleine Handreichung

5  Übungen: Dynamisch und inspirierend A band of misfits – ein seltsamer Haufen Auf dem Weg sein Aufbruch und Segen Aus dem Vollen schöpfen Ballast loswerden! Connect – Bleibe im Gespräch mit Gott Freundschaft, die trägt Für alle Fälle gewappnet Gott im Alltag hören Gott passt auf mich auf! Ich bin wertvoll! Regelwidrig!? Sei mutig und stark! Verloren und gefunden Wirf deine Sorgen weg Wo ist David?

6  Übungen: Naturerlebnisse Übungen: Naturerlebnisse – Einführung Feuer und Licht Genial gemacht Naturbegegnung Schöpfung im Detail Schwarz-Weiß Versteckt – Entdeckt!

7  Übungen: Die Josefs-Geschichte Übungen: Die Josefs-Geschichte – Einführung Übungen: Die Josefs-Geschichte – Theologische Einführung Triff Josef Küss mich Träume (be-)greifen Mit dem Zollstock durch die Wüste Versöhnung ins Rollen und zum Ziel bringen Versöhnungswege

8  Übungen: Psalmverse Übungen: Psalmverse – Einführung Übungen: Psalmverse – Theologische Einführung Psalm 1 – Laufend entschieden Psalm 8 – Wertvoll Psalm 22 – (Nicht) enttäuscht Psalm 23 – Behütet Psalm 28 – Unterstützt Psalm 50 – Ausweglos Psalm 63 – Gehalten Psalm 91 – Beschützt Psalm 104 – Dankbar Psalm 139 – Entscheidend

9  Anhang Literaturempfehlungen Die Herausgeber Die Autorinnen und Autoren

Downloads zum Buch



Unter download.ejw-verlag.de und unter www.neukirchener-verlage.de/sinngesuchtkids können zur Durchführung der Übung notwendige Vorlagen als digitale Daten heruntergeladen werden. Der Kauf des Buches berechtigt zum Downloaden, Ausdrucken, Kopieren und Verwenden dieser Daten, sofern sie zur Vorbereitung und Durchführung der Inhalte dieses Buches verwendet werden. Eine Vervielfältigung, Verwendung oder Weitergabe darüber hinaus ist ohne Erlaubnis ausdrücklich nicht gestattet.

Übersicht über die Übungen


ÜbungArt der ÜbungPersonenDauer in MinutenGelände
A band of misfits – ein seltsamer Haufen KooperationMetaphorikProblemlösungWahrnehmung4 – 2445drinnen, draußen
Auf dem Weg sein KooperationVertrauen4 – 2035großer Raum, große Freifläche
Aufbruch und Segen KooperationSoloerfahrungWahrnehmung8 – 3090großer Raum, große Freifläche
Aus dem Vollen schöpfen MetaphorikWahrnehmung8 – 3040große Freifläche
Ballast loswerden! MetaphorikWahrnehmung2 – 1015drinnen, draußen
Connect – Bleibe im Gespräch mit Gott KommunikationKooperation2 – 1020 – 45drinnen, draußen
Feuer und Licht KooperationKoordination4 – 890Außengelände mit Feuerstelle
Freundschaft, die trägt KooperationVertrauenWahrnehmung7 – 2820 – 45langer Gang, große Freifläche
Für alle Fälle gewappnet MetaphorikWahrnehmung6 – 1460 – 90Freifläche mit Bäumen
Genial gemacht Naturwahrnehmung3 – 1290abwechslungsreiche Natur
Gott im Alltag hören KooperationWahrnehmung12 – 3630großer Raum, große Freifläche
Gott passt auf mich auf! KooperationKoordination40 – 15015 – 30großer Raum, große Freifläche
Ich bin wertvoll! Wahrnehmung12 – 2490drinnen
Küss mich KooperationKoordinationProblemlösung4 – 3060 – 90drinnen, draußen
Mit dem Zollstock durch die Wüste KooperationKoordinationProblemlösung5 – 3035großer Raum, große Freifläche
Naturbegegnung MetaphorikNaturwahrnehmung4 – 3030 – 45abwechslungsreiche Natur, Wald
Psalm 1 – Laufend entschieden Soloerfahrung1+25drinnen, draußen
Psalm 8 – Wertvoll Soloerfahrung2+25drinnen, draußen
Psalm 22 – (Nicht) enttäuscht Soloerfahrung1+15drinnen, draußen
Psalm 23 – Behütet Kooperation2+30großer Raum, große Freifläche
Psalm 28 – Unterstützt Soloerfahrung5+25drinnen, draußen
Psalm 50 – Ausweglos Soloerfahrung1+20drinnen, draußen
Psalm 63 – Gehalten Soloerfahrung3+25drinnen, draußen
Psalm 91 – Beschützt Soloerfahrung4+25drinnen, draußen
Psalm 104 – Dankbar Soloerfahrung1+30drinnen, draußen
Psalm 139 – Entscheidend Soloerfahrung1+30Wald, großer Raum
Regelwidrig!? KooperationWahrnehmung7 – 1045drinnen, draußen
Schöpfung im Detail KooperationWahrnehmung6 – 3030 – 45Wald
Schwarz-Weiß Naturwahrnehmung8 – 3045abwechslungsreiches Waldstück
Sei mutig und stark! KooperationVertrauen3 – 2045draußen
Träume (be-)​greifen KooperationMetaphorikProblemlösung6 – 2545großer Raum, große Freifläche
Triff Josef KooperationMetaphorik9 – 3045großer Raum, große Freifläche
Verloren und gefunden MetaphorikProblemlösung5 – 2015 – 30drinnen, draußen
Versöhnung ins Rollen und zum Ziel bringen KooperationProblemlösung4 – 3045drinnen, draußen
Versöhnungswege KooperationMetaphorikProblemlösungVertrauen12 – 1845großer Raum, große Freifläche
Versteckt – Entdeckt! KooperationWahrnehmung5 – 3030 – 45abwechslungsreiches Waldstück
Wirf deine Sorgen weg KooperationMetaphorik6 – 2030 – 45großer Raum, große Freifläche
Wo ist David? KommunikationKooperationProblemlösung6 – 3030großer Raum, große Freifläche

Bibelstellenverzeichnis


BIBELSTELLEÜBUNG
1. Mose 1,11-12Schöpfung im Detail
1. Mose 1,31aSchwarz-Weiß
1. Mose 12,1Auf dem Weg sein
1. Mose 12,1-4Aufbruch und Segen
1. Mose 37Triff Josef
1. Mose 39Küss mich
1. Mose 41Träume (be-)​greifen
1. Mose 42Mit dem Zollstock durch die Wüste
1. Mose 43Versöhnung ins Rollen und zum Ziel bringen
1. Mose 45Versöhnungswege
2. Mose 2,1-9Gott passt auf mich auf!
Josua 1,9Sei mutig und stark!
Richter 7,15Wo ist David?
1. Samuel 24,0Wo ist David?
Psalm 1,5-6Psalm 1 – Laufend entschieden
Psalm 8,5-6Psalm 8 – Wertvoll
Psalm 18,36Psalm 28 – Unterstützt
Psalm 18,17-18Psalm 63 – Gehalten
Psalm 22,5-6Psalm 22 – (Nicht) enttäuscht
Psalm 23,4Psalm 23 – Behütet
Psalm 28,7Psalm 28 – Unterstützt
Psalm 50,15Psalm 50 – Ausweglos
Psalm 63,9Psalm 63 – Gehalten
Psalm 91,2Psalm 91 – Beschützt
Psalm 118,22Psalm 8 – Wertvoll
Psalm 139,3.24Psalm 139 – Entscheidend
Psalm 139,14Genial gemacht
Matthäus 5,14-16Feuer und Licht
Markus 2,1-12Freundschaft, die trägt
Regelwidrig!?
Markus 10,46-52Ich bin wertvoll!
Lukas 5,17-26Regelwidrig!?
Lukas 15,3-7Versteckt – Entdeckt!
Lukas 15,8-10Verloren und gefunden
Lukas 24,13-34Ballast loswerden!
Johannes 10,27Gott im Alltag hören
Römer 1,20aNaturbegegnung
2. Korinther 12,7-9A band of misfits – ein seltsamer Haufen
Epheser 4,32A band of misfits – ein seltsamer Haufen
Epheser 6,10-16Für alle Fälle gewappnet
1. Thessalonicher 5,17Connect – Bleibe im Gespräch mit Gott
1. Petrus 5,7Wirf deine Sorgen weg


Einführung: Erlebnispädagogik in der Arbeit mit Kindern

Welt der Kinder heute: Wie Kinder in Deutschland aufwachsen

In der Beschäftigung mit Kindern ist es wichtig, einiges über ihre Lebenswelt zu wissen. Wie wachsen Kinder in Deutschland auf? Was bewegt sie? In welchen Lebensräumen bewegen sie sich und was spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle? All diese Themen spielen in die erlebnispädagogischen Übungen, insbesondere in ihre Reflexion und Auswertung, mit hinein.

Familie

Nichts ist im Leben von Kindern so wichtig wie ihre Kernfamilie. Sie zieht sich bei Kindern durch alle Lebensbereiche. Eltern sind nach wie vor die wichtigsten Bezugspersonen der Kinder.1 Je kleiner Kinder sind, desto mehr Zeit verbringen sie in ihrer Familie. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zeit, die Kinder mit ihrer Kernfamilie verbringen, ab. Sie orientieren sich dann verstärkt auch an Menschen außerhalb ihres engeren familiären Umfelds.

Dabei hat sich Familie in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Hier geht es vor allem um die Frage, welche Form des Zusammenlebens als Familie gezählt wird. Neben der etablierten Vater-Mutter-Kinder-Familie innerhalb einer Ehe, die auch heute noch den Großteil der Formen des Zusammenlebens in Deutschland ausmacht (70%)2, sind eine Vielzahl anderer Formen entstanden. Dazu gehören Alleinerziehende, Paarbeziehungen außerhalb einer Ehe, gleichgeschlechtliche Beziehungen und Patchworkfamilien in vielen Varianten. Darum ist es wichtig, beim Begriff „Familie“ nicht direkt an eine Ehegemeinschaft mit Kindern zu denken, sondern an eine Vielfalt unterschiedlicher (familialer) Lebensformen, die jede für sich eine gewisse soziale Legitimität beansprucht.

Familie heute heißt auch, dass häufig beide Elternteile erwerbstätig sind, was in 68% der Familien in Deutschland der Fall ist. Dabei arbeitet in den meisten Fällen die Mutter in Teil- und der Vater in Vollzeit. Die meisten Kinder in Deutschland wachsen mit Geschwistern auf, lediglich jedes vierte Kind hat keine Geschwister. Die Wichtigkeit von Geschwisterbeziehungen für Kinder ist hier zu betonen: Beziehungen unter Geschwistern halten am längsten und gehören zu den intensivsten. Mit Geschwistern haben Kinder wichtige Mitstreiterinnen und Mitstreiter, Vertrauenspersonen, Rivalinnen und Rivalen, Hilfe und Vorbilder in einem. Auseinandersetzungen unter Geschwistern sind elementare Übungsfelder für den Umgang mit Konflikten.3

Weitere wichtige Bezugspersonen neben den Eltern und Geschwistern sind die Großeltern, da diese oft Ansprechpersonen für Fragen und Probleme sind, die Kinder zwar mit einer Vertrauensperson, nicht aber mit den Eltern besprechen wollen.4

Auch der Umgang innerhalb der Familien hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Eltern sind heute nicht nur Autoritätspersonen, sondern auch Partnerin und Partner der Kinder. Familien tauschen Erfahrungen aus, suchen Lösungen für Probleme gemeinsam und treffen Entscheidungen zusammen. So hat sich das Familienkonzept von einer „Vorgabefamilie“ zu einer „Verhandlungsfamilie“ gewandelt.5 Die Kinder unserer Gesellschaft sind es gewohnt, Entscheidungen mitzutragen und ihre Meinung kundzutun.

Freundinnen und Freunde

Neben den Eltern und Großeltern sind besonders Gleichaltrige wichtige Bezugspersonen für Kinder. Freundinnen und Freunde zu haben, ist nicht nur den Kindern selbst wichtig, sondern auch aus entwicklungspsychologischer Sicht elementar: Mit Freundinnen und Freunden redet man anders, lernt Konfliktfähigkeit, hat ein ebenbürtiges Gegenüber mit ähnlichen Interessen und lernt, Beziehungen aufzubauen und diese zu halten. Für Kinder in unserer Gesellschaft spielen Freundinnen und Freunde eine große Rolle: Weit über die Hälfte der 6- bis 11-Jährigen geben an, sechs bis zehn Freundinnen/Freunde zu haben,6 die sie auch gern und häufig treffen.7 Dabei ist interessant zu beobachten, dass bereits 20% der Kinder dieser Altersgruppe ihre Freundinnen und Freunde mehrmals in der Woche auch online treffen, Trend steigend.8 Dies heißt aber nicht, dass Kinder ihre Freundinnen und Freunde nicht mehr im realen Leben treffen; vielmehr ergänzen sich beide Varianten der Freundschaftspflege. Dass die Digitalisierung selbst vor Kindern nicht haltmacht und dies nicht nur negativ zu sehen ist, hat sich spätestens in den Pandemiejahren 2020/21 gezeigt: Wenn Homeschooling die Regel ist und Kontakte möglichst strikt beschränkt werden sollen, kann sich jedes Kind glücklich schätzen, wenn es die Möglichkeiten und Fähigkeiten hat, auf digitalem Wege zu kommunizieren. Wobei in dieser Zeit auch deutlich wurde, dass Kinder reale Treffen mit Freundinnen und Freunden nicht weniger schätzen und wahrnehmen, wenn sie die Wahl haben, sondern vielmehr froh sind, wenn ihnen beide Möglichkeiten offenstehen. Mit ihren Freundinnen und Freunden entdecken Kinder spielerisch die Welt und tauschen sich mit zunehmendem Alter mehr und mehr über existenzielle Fragen aus. Kindergruppen sind meist geschlechtshomogen, was sich mit dem Übergang ins Jugendalter ändert. Es gibt verschiedene Orte, an denen Freundschaften zwischen Kindern entstehen können. Bildungsinstitutionen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Schule

Die Schule ist der Hauptaufenthaltsort von Kindern, gleich nach ihrer Kernfamilie. Außerhalb der Familie bestimmt die Schule das Leben der Kinder wesentlich. Freundschaften werden geknüpft und gepflegt, Beziehungen zu anderen Kindern entstehen und werden immer wichtiger. Schule ist mehr als nur ein Ort der Bildung, denn Kinder lernen hier Sozialverhalten im Umgang mit Gleichaltrigen und das Auftreten gegenüber Autoritätspersonen. Kinder lernen, wie man sich in einer Gruppe verhält, und das besonders auch im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel, wie etwa den Abschluss eines Schuljahres. Auch Freizeitaktivitäten in Gruppen fördern Grundlagen für ein soziales Miteinander. Die Erlebnispädagogik kann einen wichtigen Beitrag für ein gutes Gruppengefüge leisten.

Die Schule hat gesellschaftlich gesehen einen hohen Stellenwert. Kindern wird früh nahegelegt, einen hohen Bildungsabschluss, inklusive Studium, anzustreben. Das Ziel von Schule ist es, Kinder an vielen Stellen zu fördern und zu fordern, was schon in der Grundschule beginnen kann. Deshalb ist es wichtig, in der Freizeitgestaltung mit Kindern immer auch die Schule im Blick zu haben. Wenn Kinder schulisch voll beschäftigt sind, bleibt wenig Zeit und Geduld für ein (über-)forderndes Programm in der Freizeit. Erlebnispädagogische Übungen sollten entsprechend gewählt werden.

Gesellschaft

Betrachtet man die Gesellschaft Deutschlands, fällt eines besonders auf: Kinder machen im Vergleich zu den Erwachsenen verschiedener Altersgruppen nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung aus. 2016 gehörten zur Gruppe der 6- bis 17-Jährigen nur knapp 11% der Gesamtbevölkerung. Wie alles, von dem es nur wenig gibt, sind auch Kinder heiß begehrt: Alle wollen sie haben. Musikverein, Sportgruppe, Kirche – sie alle werben um Kinder.9 Kinder haben in unserer Gesellschaft damit einen großen Wert und viele Wahlmöglichkeiten – vorausgesetzt, sie gehören zu den Kindern, deren Familien sich all diese Freizeitbeschäftigungen leisten können.

Leider wachsen in Deutschland rund 20% der Kinder in Armut auf10 und sind damit in quasi allen Lebensbereichen benachteiligt, wobei Kinder sowohl die Armut als auch die damit einhergehende Benachteiligung spüren.11 Dabei ist zu beachten, dass man hier von relativer Armut spricht. Diese schließt im Gegensatz zur absoluten Armut auch mangelnde Teilhabemöglichkeiten (Sportverein usw.) ein. Zwar besuchen auch arme Kinder die Schule, haben dabei aber meist weniger Unterstützung, weniger Selbstvertrauen in ihre Leistung und weniger Bildungsaspiration. Das heißt, sie wissen meist schon sehr früh ganz genau, dass ihre Chancen schlechter stehen als die anderer Kinder und streben gar nicht erst einen hohen Bildungsabschluss (wie z. B. das Abitur) an.

Auch in ihren Freizeitaktivitäten sind Kinder mit konkretem Armutserleben eingeschränkter. Oft fehlt einfach das Geld für Musikunterricht, Vereinsmitgliedschaften und die entsprechende Ausrüstung für diverse Hobbies. Kinder, die in Armut aufwachsen, wissen das. Sie fühlen sich ausgegrenzt und benachteiligt. Wichtig ist es daher, gerade sozial benachteiligte Kinder mit unseren Angeboten im Blick zu haben und allen Kindern eine Teilnahme zu ermöglichen.

Lea-Manon Burrer

1 Vgl. Corsa, Mike / Freitag, Michael (Hg.): #immerandersweiter. Bericht über die Lage der jungen Generation und die evangelische Kinder- und Jugendarbeit 2018, Arbeitsgemeinschaft d. Ev. Jugend, Hannover 2018, S. 26.

2 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 1.

3 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 29.

4 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 29.

5 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 31.

6 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 32.

7 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 2

8 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 8

9 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 14.

10 Nach Definition des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gilt in Deutschland als armutsgefährdet, wer weniger als 60% des Medians des Nettoequivalenzeinkommens zur Verfügung hat. Vgl. dazu auch: www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Indikatoren/Armut/Armutsrisikoquote/A01-Indikator-Armutsrisikoquote.html;jsessionid=3F6B360C1082C33E90E46484D5BAE4E9.

11 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 12 und Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 29.

Konsequenzen daraus für die Arbeit mit Kindern: Was Kinder brauchen

Kinder bewegen sich heute in einer Welt, in der viele unterschiedliche Anforderungen auf sie zukommen. Sie sind schon früh einem Leistungsdruck ausgesetzt und müssen in vielen Situationen „funktionieren“. Dabei sind Kinder eigenständige Persönlichkeiten, die wir in ihrer Entwicklung und ihrem Denken ernst nehmen müssen. Um Angebote zu schaffen, in denen Kinder sich entfalten können, müssen wir uns auf Augenhöhe mit ihnen begeben. Nur so können wir ihre Bedürfnisse und Interessen wahrnehmen und in der Programm- und Gruppengestaltung berücksichtigen. Im Folgenden betrachten wir vier wichtige Grundbedürfnisse von Kindern näher.

Beziehungen

Wie die COPSY-Studie (Corona und Psyche) aus dem Jahr 2020 eindrucksvoll belegt, sind soziale Kontakte für Kinder von großer Bedeutung. Im Miteinander lernen sie die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens. Sie machen Erfahrungen mit Nähe und Distanz und lernen die eigenen und die Grenzen anderer kennen. Im Miteinander lernen sie Vertrauen und Misstrauen und bauen Bindungen auf, die sich nicht aus Verwandtschaftsverhältnissen natürlich ergeben. Wie im Kapitel „Welt der Kinder heute: Wie Kinder in Deutschland aufwachsen“ erwähnt, sind die Beziehungen eines Kindes in den ersten Lebensjahren stark vom familiären Umfeld geprägt. Im Grundschulalter werden Gleichaltrige zu immer wichtigeren Bezugspersonen. Hier kommt unsere Arbeit mit Kindern ins Spiel.

Wie schon beschrieben, ist die Schule ein wichtiger Ort für Kinder, um soziale Kontakte zu knüpfen. An Bedeutung gewinnen zunehmend außerschulische Aktivitäten, bei denen Gleichaltrige getroffen werden können. Wenn wir auf unsere Angebote in Gemeinden und anderen kirchlichen Institutionen für Kinder schauen, dann wird deutlich, dass sie in erster Linie auf Beziehungen ausgelegt sind: Beziehungen zwischen den Kindern, aber auch Beziehungen zwischen Mitarbeitenden und Kindern. Damit greifen sie ein elementares Bedürfnis der Kinder auf, das Bedürfnis nach verlässlichen Beziehungen. Beziehungen, die tragfähig sind, Belastungen aushalten und ein unbeschwertes Zusammenleben ermöglichen, sind wichtig, damit Kinder ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln können.

Unsere Angebote für Kinder werden klassischerweise in Gruppenstrukturen angeboten. Kinder und Mitarbeitende treffen sich regelmäßig, z. B. wöchentlich, in einer festen und relativ verbindlichen Gruppe. Das meistverbreitete Modell für die Arbeit mit Kindern in Kirchen und Jugendverbänden ist die Jungschargruppe. Da Gruppenarbeit auf Dauer ausgelegt ist, bietet sie den idealen Rahmen, damit sich Kinder in Beziehungen ausprobieren können. Das können sie zwar auch im schulischen Kontext, doch gibt es zwei signifikante Unterschiede: In unseren Gruppenangeboten treffen Kinder mit Gleichaltrigen in einem Kontext zusammen, der auf Freiwilligkeit beruht. Inhalte und Angebote sind grundsätzlich frei von Zwang und Leistungsdruck. Das ermöglicht es den Kindern, sich auszuprobieren und in ungezwungenem Umfeld die eigenen Vorlieben, Gaben, Talente, Schwächen und Grenzen zu entdecken.

Um Kindern das Erlernen sozialer Kompetenzen, die die Basis für jede Beziehung bilden, zu erleichtern, sind wir Mitarbeitenden gefordert. Kinder, die unsere Angebote besuchen, stammen aus den unterschiedlichsten Verhältnissen. Ein großer Teil entstammt der Mittelschicht, lebt in gesicherten finanziellen Verhältnissen und wächst in einem liebevollen Umfeld auf. Aber auch Kinder aus schwierigen, benachteiligten und aus prekären Verhältnissen besuchen unsere Gruppenangebote. Wir wollen alle angemessen begleiten und ihnen die Chancen geben, die sie brauchen. Deshalb müssen wir in der Programmgestaltung auf Vielfalt und Abwechslung setzen und die Kinder immer wieder herausfordern. So dürfen sie z. B. einmal frei entscheiden, mit wem sie das Spiel oder die Aufgabe zusammen machen, mal werden sie von uns Mitarbeitenden eingeteilt und müssen sich mit ihren Teammitgliedern arrangieren. Die Kinder verbessern dadurch nicht nur ihre sozialen Kompetenzen, sondern können herausfinden, mit welchem Kind sie sich so gut verstehen, dass eine Freundschaft daraus entstehen kann.

Hier liegt eine weitere große Chance, denn Freundschaften, die in unseren Gruppen geschlossen werden, bauen auf Vertrauen. Dazu kommt die Komponente, die Menschen zusammenschweißt: gemeinsam Erlebtes. In gemeinsam Erlebtem gründet sich ein Wir-Gefühl. Dieses Gefühl steht für eine gemeinsame Gruppenidentität. Die Kinder fühlen sich zusammen- und zugehörig. Untereinander verbindet sie das gemeinsame Interesse an der Gruppe und dem Gruppenprogramm. Durch dieses vertrauensvolle Miteinander und die gemeinsamen Aktionen können Kinder zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen. Was in der Familie mit der Kernfamilie beginnt, wird in unseren Gruppen weitergeführt (s. auch Kap. „Welt der Kinder heute: Wie Kinder in Deutschland aufwachsen“).

Denn natürlich kommt es im Miteinander auch immer wieder zu Konfliktsituationen. Konflikte sind für den Erwerb sozialer Kompetenzen wichtig. In Auseinandersetzungen erleben Kinder, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Sie lernen, Kompromisse einzugehen, und schulen ihre Empathie. Werden sie in diesen Situationen pädagogisch begleitet, lernen sie, herausfordernde Situationen selbst zu lösen. Auch die eigene Kritikfähigkeit steigt. Diese Lernprozesse brauchen Zeit und Gelegenheit, um ausprobiert werden zu können. Gerade erlebnispädagogische Inhalte können diese Fähigkeiten in spielerischem Rahmen fördern: eine Aufgabe oder Herausforderung, die gemeinsam gelöst werden muss, anschließend ein Reflexionsprozess, der den Kindern helfen soll, das eben Erlernte zu festigen. Da es während der Übungen immer wieder zu Unstimmigkeiten kommen kann, werden in den anschließenden Gesprächen diese Situationen besprochen und reflektiert. Erlebnispädagogik kann somit einen wichtigen Beitrag zum Erlernen sozialer Kompetenzen beitragen.

Vorbilder

Nicht nur Freundinnen und Freunde sind für Kinder von großer Bedeutung, sondern auch Menschen, die sie sich zum Vorbild nehmen können. Kinder brauchen Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Sie finden diese Vorbilder überall in ihrem Umfeld: Sind es zuerst wieder die Mitglieder der eigenen Familie, deren Verhalten und Meinungen nachgeahmt und übernommen werden, wenden sich Kinder im Älterwerden dann anderen Personen zu.

Vorbilder können neben der Familie Lehrerinnen/Lehrer, Freundinnen/Freunde, Trainerinnen/Trainer, Berühmtheiten oder wir Mitarbeitende sein. Das stellt uns in eine besondere Verantwortung. Die Kinder verbringen viel Zeit mit uns. Dabei beobachten sie unser Verhalten und prüfen es auf Authentizität. Sie merken, wenn wir leere Drohungen aussprechen, die ohne Konsequenzen bleiben, oder wenn wir uns selbst nicht an die eingeforderten Werte halten. Deshalb müssen wir uns klar darüber sein, dass unsere Rolle als Vorbild verschiedene Aspekte beinhaltet.

Mitarbeitende sind Wertevermittlerinnen und Wertevermittler. Unser Zusammenleben richtet sich nach gemeinsamen Werten, die in Regeln und Verhaltensweisen ihren Ausdruck finden. Oft werden zu Beginn einer (neuen) Gruppenphase gemeinsame Regeln aufgestellt, die Ausdruck der Werte innerhalb der Gruppe sind. So ist die Regel „Wir sind pünktlich“ Ausdruck der Werte Rücksicht und Zuverlässigkeit. Die Regel „Wir benutzen keine Schimpfwörter“ weist auf Wertschätzung und Respekt hin. Haben wir solche Regeln in unserer Gruppe, sind auch wir Mitarbeitende in der Verantwortung, diese umzusetzen. Wir können kaum von den Kindern fordern, pünktlich zu sein, wenn es Mitarbeitende gibt, die ständig zu spät kommen. Kinder merken, wenn Aussagen und Verhalten nicht miteinander übereinstimmen.

Ein weiterer Aspekt in unserer Vorbildfunktion ist der der Orientierung. Die Welt der Kinder wird immer komplexer. Unsere Welt wandelt sich so schnell wie noch nie. War es Anfang der 2000er Jahre kaum möglich, gleichzeitig zu telefonieren und das Internet zu nutzen, haben mittlerweile alle ein Gerät in der Hosentasche, das ohne Probleme beides kann. Was heute noch galt, ist morgen schon überholt. Oft fällt es Erwachsenen schon schwer, hier den Überblick zu behalten. Wie soll es da Kindern gelingen? Aus diesem Grund ist es wichtig, dass es Personen gibt, an denen sich Kinder orientieren können. Hier kommen wir ins Spiel. Natürlich haben wir auch nicht auf alle Fragen eine Antwort. Es reicht aber schon, wenn wir offen und ehrlich mit den Kindern über ihre Fragen und Anliegen ins Gespräch gehen. Eine Meinung müssen sie sich selbst bilden. Trotzdem sollten wir unsere Rolle nicht unterschätzen. In den Angeboten der Kirchen und Jugendverbände spielen Fragen des täglichen Lebens eine große Rolle. Die Kinder- und Jugendarbeit möchte ja nämlich genau das anbieten: Orientierung. Angelehnt an die Hoffnung, die alle Christinnen und Christen in Jesus Christus finden, soll auch Kindern das Angebot gemacht werden, mit Jesus durchs Leben zu gehen. Wenn wir Mitarbeitenden uns bewusst sind, was wir selbst glauben, wovon wir überzeugt sind und wo wir Zweifel und Fragen haben, können wir Kindern Orientierungspersonen sein. Durch Gespräche und Impulse kann sich das Kind mit seiner eigenen Weltsicht und der der Mitarbeitenden auseinandersetzen. Wir begleiten die Kinder auf ihrem Weg. Wir stecken den Rahmen, in dem die Kinder auf Entdeckungsreise gehen können.

Mitarbeitende sind auch Vertrauenspersonen für die Kinder. Beziehungen, die verlässlich und langfristig sind, werden immer weniger. Durch die Regelmäßigkeit unserer Angebote haben Kinder Zeit, Vertrauen aufzubauen. Sie finden in uns Mitarbeitenden Personen, die sich für sie interessieren, die ein offenes Ohr für ihre Probleme und Schwierigkeiten haben. Aus dieser Akzeptanz ihrer Person heraus ergibt sich ein vertrauensvolles Miteinander.

Als letzten Aspekt greifen wir die Vorbildfunktion im Glauben auf, die uns Mitarbeitenden zufällt. Glaube und Religion sind sehr abstrakte Themen. Sie handeln von einem Wesen, das niemand sehen oder anfassen kann. Die Zugänge zum Glauben sind so unterschiedlich wie wir Menschen. Damit Kinder Gott und Jesus (be-)greifen können, orientieren sie sich an uns Mitarbeitenden. Wir sind gefragt, nicht nur unterschiedliche Methoden des Glaubenslebens anzubieten, sondern selbst Glaubensthemen umzusetzen und zu leben.

Experimentierräume

Eine Stärke in unseren außerschulischen Angeboten liegt in ihrem großen Gestaltungsspielraum. Unser Programm kann vielfältig sein. Unsere Gruppenstunden bieten viel Raum, damit sich Kinder weiterentwickeln können. Wichtigstes Tool sind Experimentierräume. Experimentierräume sind Orte, an denen Kinder die Möglichkeit haben, etwas Neues auszuprobieren. Dabei ist entscheidend, dass Kindern nicht alles vorgegeben wird, was sie ausprobieren können. Ihnen wird Freiraum gelassen. So lernen sie, selbst Entscheidungen zu treffen und sich mit wenigen Hilfsmitteln auf kreative und individuelle Art zu beschäftigen und Neues zu entdecken.

Dabei gehen wir davon aus, dass jedes Kind eine sogenannte Komfortzone hat. Das ist der Bereich, den es kennt und in dem es sich sicher fühlt. Jenseits dieser Komfortzone gibt es die Risikozone, in der das Kind leicht überfordert wird. Experimentierräume versuchen nun, aus der Komfortzone zu locken, ohne für die Kinder ein großes Risiko darzustellen. So wird Wachstum ermöglicht und die Komfortzone erweitert sich. Denn was zunächst unbekannt und vielleicht beängstigend war, ist hinterher bekannt und gehört somit zum sicheren Bereich.

Experimentierräume können ganz unterschiedlich aussehen. Grundsätzlich gilt: Ausprobieren können sich Kinder beinahe überall (selbstverständlich in einem ungefährlichen Rahmen). Wunderbar geeignet ist die Natur. Das kann in ländlichen Gegenden auf dem freien Feld oder am Bach sein, in der Stadt vielleicht eher im Park oder am Teich. Genauso eignet sich Kunst zum Ausprobieren: Räume können gestaltet werden, Kinder sich ausprobieren auf Papier oder mit verschiedenen Materialien (Ton, Pappmachee o. Ä.). Selbst mit der eigenen Sprache kann experimentiert werden, indem beispielsweise Geschichten verfasst, erzählt oder schauspielerisch dargestellt werden. Selbstverständlich bieten auch die unterschiedlichen Wissenschaften tolle Experimentierräume. Genauso dienen Medien in Form einer Fotostory oder eines Filmdrehs zum Experimentieren. In Sport und Handwerk gibt es ebenso vielfältige Möglichkeiten. Experimentierräume gibt es fast überall, man muss sie nur finden und nutzen!

Experimentierräume sind für Kinder in ihrer Entwicklung essenziell. Viele Kinder gehen den ganzen Tag zur Schule und bekommen viel Wissen „vorgesetzt“, das sie verinnerlichen müssen. Auch lassen Freizeitbeschäftigungen oft wenig Freiräume, weil das Ziel der Beschäftigung schon vorgegeben ist, z. B. das Fußballspiel im Fußballverein. Experimentierräume sollen den Kindern die Möglichkeit bieten, sich auszuprobieren, ihre Kreativität zu nutzen und Freiräume zu genießen, die im Alltag verloren gehen. Dabei ist es wichtig, dass Kinder ihre Komfortzone kennen, also wissen, wo sie Sicherheit finden.

Astrid Lindgren hat hierfür ein super Beispiel geschaffen: Pippi Langstrumpf. Pippi tut, was ihr in den Sinn kommt. Wenn sie Lust hat zu verreisen, dann macht sie das einfach. Sie probiert sich eigentlich pausenlos aus. Aber: Sie hat auch Sicherheiten. Sie weiß, dass ihr Papa immer wieder zu ihr zurückkommt, sie hat ihre Freunde Tommi und Annika und ihre große Villa Kunterbunt, die ihr Heimat und Schutz bietet. Natürlich ist Pippi ein sehr außergewöhnliches und unrealistisches Beispiel. Aber man kann an ihren Geschichten sehr schön sehen, wie viel Raum sie zum Experimentieren hat (und das macht die Geschichten letztlich auch aus). Zu den Experimentierräumen gehört die Komfortzone aber untrennbar dazu.

Experimentierräume ermöglichen, sich auszuprobieren, ohne überfordert oder ängstlich sein zu müssen. Sie stellen für Kinder unserer Gesellschaft ein wichtiges Gegenstück zu ihrem oft vollen und verplanten Alltag dar. Durch die Freiheiten, die Experimentierräume bieten, können Kinder Gaben und Fähigkeiten an sich entdecken, die sonst vielleicht verborgen blieben. Sie lernen Unbekanntes kennen und erweitern damit ihren Horizont. Dabei stellen sie fest: „Das kann ich!“ Sie sind vielleicht über sich selbst überrascht und erfreut – und das stärkt das Selbstbewusstsein. Ebenso stärkend wirkt der Mut, etwas getan zu haben, was man sich nie zugetraut hätte.

Wenn Kinder Raum haben, sich auszuprobieren, lernen sie auch, Probleme selbst zu lösen. Wenn sie mit Unbekanntem konfrontiert werden, müssen sie sich dem stellen und möglicherweise eine Lösung für eine Herausforderung finden. Dabei lernen sie auch, Entscheidungen zu treffen, und sehen meist recht unmittelbar deren Auswirkungen. Das regt zum Nachdenken an und möglicherweise auch die Überlegung zu einer neuen, vielleicht besseren Entscheidung. In dieser Entscheidungsfindung lernen Kinder, kooperativ mit anderen umzugehen und gemeinsam zu einer Entscheidung zu kommen.

Wenn wir uns über Experimentierräume Gedanken machen, merken wir, dass die Erlebnispädagogik genau hier ansetzt. Kinder sollen keinen kognitiven Lernprozessen ausgesetzt sein, sondern ganzheitliche Erfahrungen machen. Sie sollen in der Situation überlegen, wie man als Gruppe zu einer Lösung kommt. Durch Ausprobieren, Kommunizieren und auch mal in die falsche Richtung Denken lernen Kinder kreative Lösungsansätze kennen. Sie merken: Wenn sie nicht gleich aufgeben, kommen sie in der Regel trotzdem ans Ziel. Auch wenn es manchmal länger dauert, Hürden gemeistert werden müssen, wenn es Rückschläge gibt. Dabei entdecken und entwickeln sie Fähigkeiten und Stärken. Auch die ein oder andere Schwäche kann auftauchen, bei der es gut ist, dass es andere gibt, die das ausgleichen können.

Das besondere an den Experimentierräumen der Erlebnispädagogik sind die abschließenden Reflexionsrunden. Sie übertragen das eben Gelernte in den Alltag der Kinder. Dabei sind auf unterschiedliche Reflexionsmethoden zu achten. Eine rein sprachliche Reflexion wird vor allem bei jüngeren Kindern (6 bis 10 Jahre) nicht sehr nachhaltig sein. Hier braucht es ergänzende Methoden, die das Gesagte für Kinder verdeutlichen.

Konfuzius hat es einmal so formuliert:

Erzähle mir – und ich vergesse.

Zeige mir – und ich verstehe.

Lass es mich tun – und ich behalte.

Experimentierräume fordern heraus. Sie verlangen Mut, Offenheit und manchmal Überwindung. Deshalb wenden wir uns jetzt noch dem Grundbedürfnis der Sicherheit zu.

Sicherheit

Damit Kinder gut aufwachsen können, brauchen sie ein Grundmaß an Sicherheit. Sie bildet die Grundlage, damit sich Kinder zu selbstbewussten Erwachsenen entwickeln können. Wir denken im Kontext unserer Arbeit dabei vor allem an Rahmenbedingungen, Strukturen und Regeln, auf die sich Kinder verlassen können und innerhalb derer sie sich ausprobieren können.

Sicherheit und Stabilität, das sind Merkmale einer Gruppe, wie sie üblicherweise in unseren Jugendverbänden und Kirchen zu finden sind. Das ergibt sich aus der Kontinuität, auf die die Gruppen ausgelegt sind. Obwohl Sicherheit für viele Kinder eine wichtige Rolle spielt, müssen Freiräume bleiben. Die Spannung zwischen Sicherheitsgefühl und Entdeckerdrang wird bei der Beobachtung von Kleinkindern deutlich. Beim Spaziergang stapfen sie munter darauf los, laufen hierhin und dorthin und erkunden ihre Umwelt. Doch es dauert nicht lange, da drehen sie sich um und prüfen, ob die Eltern noch in der Nähe sind. Erst dann können sie gelassen und neugierig weitergehen.

In der Arbeit mit Kindern bewegen wir uns in ebendiesem Spannungsfeld. Wir sind dafür verantwortlich, dass die Gruppen und Kreise funktionieren. Wir haben eine Aufsichtspflicht und wollen die Kinder, uns und Dritte vor Schaden bewahren. Trotzdem wollen wir den Kindern Freiräume zum Experimentieren und Ausprobieren ermöglichen. Wir stehen damit auch im Gegensatz zu den Schulen. Schulen bieten maximale Sicherheit, alles läuft nach Stundenplan. Die Regeln sind unveränderlich. Der Lernstoff ist für alle gleich. Dabei sind die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten beschränkt. In unseren Gruppenangeboten sind wir freier in der Gestaltung. Wir entscheiden selbst, wie eng wir Regeln fassen und in welchem Rahmen sich die Kinder ausprobieren können. Eine gute Mischung aus Einschränkung und Freiraum befriedigt das Sicherheitsbedürfnis der Kinder und schenkt ihnen gleichzeitig unzählige Entfaltungsmöglichkeiten, um Stärken zu entdecken und Schwächen in geschütztem Rahmen zu erkennen. Erlebnispädagogik bietet genau das: Bei ihr werden Rahmenbedingungen gesetzt, die den Kindern Sicherheit bieten. Gleichzeitig bietet sie genug Spielraum, sich als Individuum zu entfalten.

Lena Bertsch

Erlebnispädagogik im christlichen Kontext mit Kindern

Das Feld der Erlebnispädagogik eröffnet viele Chancen für die Arbeit mit Kindern: Gemeinsam bewältigte Herausforderungen stärken das Wir-Gefühl und das Selbstvertrauen. Freundschaften entstehen, gemeinsame Erlebnisse schweißen zusammen und schaffen wertvolle Erinnerungen. Gaben werden entdeckt und gefördert, soziale Kompetenzen gestärkt. Erlebnispädagogik ist ein guter pädagogischer Ansatz, um Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.

Was passiert darüber hinaus, wenn Erlebnispädagogik auf biblische Inhalte trifft? Und welche Chancen bietet die Erlebnispädagogik für die Arbeit mit Kindern, wenn sie im christlichen Kontext durchgeführt wird?

Chancen

Passen Erlebnispädagogik und biblische Inhalte zusammen? An zwei Beispielen soll verdeutlicht werden, wie Jesus beides verknüpft. Dabei wird deutlich, dass Erlebnisse zu Erfahrungen werden können, die Glaubensräume öffnen.

Es ist mitten in der Nacht, es stürmt, die Wellen peitschen über den See. Petrus verlässt das Boot, weil Jesus ihn aus der Ferne gerufen hat und lässt sich auf diese Vertrauensübung ein (vgl. Mt 14,22-32). Jesus lässt Petrus auf dem Wasser gehen. Doch sobald Petrus seinen Blick von Jesus lässt und auf die Gefahr richtet, geht er unter. Im letzten Moment zieht Jesus ihn aus dem Wasser. Diese Erfahrung lässt Petrus darüber nachdenken, ob er Jesus wirklich vertraut. Denn genau dieses Vertrauen stellt Jesus infrage. Jesus lässt ihm aber die Freiheit zu entscheiden, ob er ihm künftig vertraut oder nicht.

Ein anderes Beispiel: Eine Frau soll gesteinigt werden (vgl. Joh 8,1-11). Sie war ihrem Mann untreu. Ihre zahlreichen Richter stehen direkt vor ihr, mit Steinen bewaffnet. Das Urteil: Todesstrafe durch Steinigung. Doch zuvor soll Jesus diesem Urteil zustimmen. Stattdessen malt er mit dem Finger in den Sand, hört sich ihre Fragen an, ohne zu antworten. Schließlich sagt er: „Wer von euch ohne Schuld ist, soll den ersten Stein auf sie werfen.“ Die Männer gehen alle nach Hause. Jesus spricht die Frau frei und sagt ihr, sie soll ihr Verhalten ändern. Ob sie es tut nach diesem Erlebnis? Die Entscheidung liegt bei ihr.

Wo Jesus Menschen begegnet, lässt er sie erleben, wer und wie Gott ist. Aber Jesus gibt den Menschen die Freiheit, über das Erlebte nachzudenken und es in Bezug zu Gott zu setzen. Er schenkt Räume, wo Begegnungen mit Gott möglich sind. Ob aus der Erfahrung eine Glaubenserfahrung wird, bleibt aber offen.

Am Beispiel Jesu wird deutlich, dass die Erlebnispädagogik mit biblischen Inhalten verknüpft werden kann. Dabei ist es aber wichtig, Menschen die Freiheit zu lassen, was das Erlebte für sie bedeutet. Der Glaube bleibt ein Geschenk und ist nicht „machbar“. Die Chance der Erlebnispädagogik liegt also darin, Kindern Räume zu schaffen, Gott zu begegnen und Glaubenserfahrungen zu ermöglichen.

Kindern Glaubensräume schaffen

Eines Tages stehen viele Menschen um Jesus herum, sie debattieren und diskutieren (vgl. Mk 10,1-16). Plötzlich wird es unruhig. Einige Erwachsene versuchen sich zu Jesus durchzukämpfen. Auf ihren Armen halten sie ihre Kinder. Jesus soll sie segnen. Kurz vor dem Ziel werden sie aber von den Jüngern abgedrängt. Als Jesus das mitbekommt, wird er zornig: „Lasst doch die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes da. Amen, das sage ich euch: Wer sich das Reich Gottes nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen“ (Mk 10,14b-15 BB). Und Jesus nimmt alle Kinder in seine Arme, legt seine Hände auf sie und segnet sie. Er umarmt sie, schenkt ihnen Geborgenheit und Wärme. Jesus lässt Kinder erleben, dass sie Gottes geliebte Menschen sind. Bei Jesus haben Kinder den ersten Platz in seinem Herzen, sie stehen in der allerersten Reihe. Das ist die wichtigste Nachricht für die Kinder.

Heute sind wir beauftragt, Kinder zu Jesus zu bringen. Wir schaffen den Raum, machen Platz, stellen die Kleinen in die Mitte. Kinder können in unseren Angeboten hören und erleben, dass sie bei Jesus den ersten Platz haben. Erlebnisse können (nicht müssen!) zu Glaubenserlebnissen werden. Was für eine Chance!

Wenn wir Kindern Glaubensräume öffnen, haben wir es eben nicht mit Erwachsenen zu tun. Es gilt, ihren religiösen „Entwicklungsstand“ zu beachten. Man erreicht damit, dass man den Kindern altersgerecht begegnet und gegenseitige Überforderungen bzw. Enttäuschungen vermeidet.

Die religiöse Entwicklung 6- bis 13- Jähriger

Es gibt deutliche Unterschiede in der religiösen Entwicklung von Kindern im Grundschulalter (6 bis 10 Jahre) und der darauffolgenden Zeitspanne der Young-Teens (10 bis 13 Jahre). Die meisten Kinder im Grundschulalter befinden sich in der sogenannten mystisch-wörtlichen Phase. „Mystisch“ bedeutet, dass die Wirklichkeit über in sich abgeschlossene Erzählungen erfasst und gedeutet wird. Aus Erzählungen wie z. B. dem Schöpfungsbericht bauen Kinder ihr Weltbild auf. Auch Gefühle wie Angst, Trauer und Freude werden durch Geschichten verarbeitet. Kinder entwickeln in dieser Phase die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.

„Wörtlich“ bedeutet, dass Kinder Erzählungen ganz genau so verstehen, wie sie erzählt werden, d. h. Mehrdeutigkeit, Ironie oder große Gedankensprünge sind zu vermeiden. Sie brauchen stimmige, in sich abgeschlossene Erzählungen. Sie lieben Wundergeschichten, phantasievolle Geschichten, die ihren Reiz darin haben, eben nicht erklärt und rationalisiert werden zu können.

Was und wie Gott ist, lernen Kinder primär aus Erzählungen, dann auch intuitiv über Bilder und Rituale, nicht über den Verstand und die Vernunft. Gott ist dabei in der Vorstellung vermenschlicht, nicht abstrakt. Meist denken Kinder an Gott als einen starken Menschen, dem man sich zuwenden kann. Kinder gehen bei dieser vermenschlichten Vorstellung davon aus, dass man mit Gott verhandeln und Verträge schließen kann. Ein typischer Handel heißt z. B.: „Wenn ich die Gebote erfülle, wird Gott mich belohnen. Gott ist ein gerechter Gott.“ Daher verstehen Kinder den Begriff „Gnade“ auch nicht, vielmehr geht es um das Prinzip „wie du mir – so ich dir“. Wer Regeln bricht, darf bestraft werden. Gott ist fair, gerecht und ein Verhandlungspartner.

Für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren ist ein ganzheitlicher Ansatz spannend. In einer kopflastigen Bildungslandschaft bringt ein Agieren mit Kopf, Herz und Hand eine willkommene Abwechslung. In die erlebnispädagogische Übung können dabei biblische Geschichten integriert werden. Durch eigenes Agieren und Erleben bleiben Geschichten auch besser im Gedächtnis. Kinder steuern etwa ein schwankendes Boot im Sturm, z. B. in Form einer Slackline oder eines Niedrigseils unter ihren Füßen. Wie fühlt sich das an, wenn man keinen sicheren Boden unter den Füßen hat? Und wenn einem jemand dabei hilft, dass man wieder auf sicheren Boden kommt? Kinder erleben es selbst!

Schwieriger ist es in diesem Alter, nach der Übung lange zu reflektieren, da gerade 6- bis 8-Jährige ein kurzes Konzentrationsfenster haben. Kinder lernen aber bereits im Umsetzen, beim Entdecken der Lösungen, dem gegenseitigen Helfen und der erlebten „Rettung“. Während der Aktion brauchen Kinder mehr Unterstützung in Form von Begleitung, Ermutigung, positivem Hinterfragen von Handlungen, Hilfe, wenn es gar nicht mehr weitergeht, und der Sicherheit, dass es okay ist, auszusteigen.

Ab 10 Jahren ist bei Kindern ein deutlicher Entwicklungsschub zu beobachten. Durch verschiedene Einflüsse wie etwa die sozialen Medien, der Anspruch auf gute Bildung, die Abwesenheit beider berufstätiger Eltern oder die weiteren Wege zur Folgeschule endet die Kindheit immer früher. Kinder müssen deutlich mehr Verantwortung für sich übernehmen als in der Grundschule. Daher entwickeln sich Kinder schon im Alter von 10 bis 13 Jahren zu Jugendlichen bzw. zu Young Teens.

Die kindgerechte Erklärung der Welt anhand von in sich stimmigen Geschichten und der Glaube an eine berechenbare Tauschgerechtigkeit verliert für Young Teens ihre Schlüssigkeit. Gott wird zunehmend hinterfragt und sein Eingreifen in diese Welt infrage gestellt. Eigene Erfahrungen, z. B. enttäuschte Erwartungen, dass das Leben über das Gebet beeinflussbar ist, und neue Erkenntnisse, z. B. Naturwissenschaft und Schöpfungsglaube, lassen den Kinderglauben bröckeln. Geschichten behalten ihre Relevanz, allerdings brauchen Young Teens andere Geschichten, die sie im Prozess des Heranwachsens begleiten und in denen sie sich wiederfinden. Das sind etwa Geschichten von Brüchen und Unstimmigkeiten bei gleichzeitiger Spannung und offenem Ausgang, z. B. die biblischen Geschichten von Hiob, Judas oder Petrus. Daneben eignen sich Lebensgeschichten von Franz von Assisi, Corrie ten Boom, Martin Luther King oder Vorbildern aus dem aktuellen Umfeld. Aus diesen Geschichten formt sich ein eigener Glaube. Die bisherigen biblischen Geschichten bleiben dabei aber ein wichtiger Schatz und werden im besten Fall neu für den eigenen Glauben interpretiert.

Young Teens können mehr und mehr mit symbolischen Bedeutungen agieren, was unter 10 Jahren eher weniger gelingt. Zudem können sie sich in andere hineinversetzen und verschiedene Perspektiven einnehmen. Auf der Suche nach Orientierung im eigenen Glaubensleben richten sie sich vor allem nach Bezugspersonen unter Gleichaltrigen, der sogenannten Peergroup. Was gut und richtig ist, wird immer mehr nach den Maßstäben der Gleichaltrigen bestimmt.

Spannend in diesem Alter sind herausfordernde Übungen, bei denen man über sich hinauswachsen kann, mit eigenem Scheitern umgehen lernt und sich dennoch in der Gemeinschaft aufgefangen fühlt. In dieser Lebensphase brauchen Young Teens einen sicheren Rahmen, in welchem sie Grenzen austesten und Neues ausprobieren können. Wichtig dabei ist, dass jede und jeder selbst für sich entscheidet, wie weit man gehen möchte. In geistlicher Hinsicht ist es für Young Teens prägend, wenn sich Mitarbeitende in Glaubensthemen hinterfragen lassen und gleichzeitig authentisch bleiben.

Grenzen

Ob Erlebnispädagogik im christlichen Kontext für Kinder durchführbar ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Von der Form des Angebots, den Mitarbeitenden, den Teilnehmenden und den Zielen der Übungen.

Angebote für Kinder in der kirchlichen Jugendarbeit werden klassischerweise in Gruppenstrukturen angeboten. Kinder und Mitarbeitende treffen sich regelmäßig, z. B. wöchentlich, in einer festen und relativ verbindlichen Gruppe. Das meistverbreitete Modell für die Arbeit mit Kindern in Kirchen und Jugendverbänden ist die Jungschargruppe. In diesen Gruppenzeiten sind die Inhalte frei durch die Mitarbeitenden gestaltbar. Dieser Gestaltungsfreiraum ermöglicht, auf die Bedürfnisse und Themen der Kinder einzugehen. Über die Konstanz der wöchentlichen Treffen entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Teilnehmenden und Mitarbeitenden. Vertrauen ist eine gute Basis, um erlebnispädagogische Übungen durchzuführen und Glaubensfragen aufzunehmen. Ein Vorteil der regelmäßigen Treffen ist zudem, dass daraus resultierende Erkenntnisse sofort in den Alltag einfließen können. Kinder können „ausprobieren“, wie die erlebten Glaubensaussagen in ihrem persönlichen Umfeld Relevanz finden. Die Grenze eines wöchentlichen Angebots ist der zeitlich begrenzte Rahmen von 60 bis 90 Minuten. Die Zeitspanne ist manchmal zu kurz, um Übungen auf die Teilnehmenden wirken zu lassen. Daher ist generell eine gute Planung wichtig. Weniger ist hier oft mehr.

Ein Ferienangebot hingegen, wie etwa eine mehrtägige Kinderfreizeit, bietet eine großzügigere Zeitstruktur. Die Kinder haben Zeit, mehrere Lösungswege auszuprobieren, tiefer in ein Thema einzutauchen und die Dinge auf sich wirken zu lassen. Der Nachteil: Oftmals kennen sich die Teilnehmenden und die Mitarbeitenden anfangs nicht. Vertrauen muss erst wachsen. Es braucht ein gewisses Feingefühl dafür, was Kinder brauchen, wenn man sie (noch) nicht kennt.

Überhaupt braucht es sowohl für die Durchführung erlebnispädagogischer Elemente als auch für das Hineinnehmen christlicher Inhalte gewisse Vorkenntnisse. Das setzt voraus, dass es entsprechende Bildungsangebote für Mitarbeitende gibt. Mitarbeitende wiederum brauchen die Bereitschaft und die Zeit, um sich Inhalte anzueignen. Oft beginnen Mitarbeitende ihre ehrenamtliche Gemeindetätigkeit in der Arbeit mit Kindern, d. h. viele Mitarbeitende sind zwischen 14 und 17 Jahren alt. Minderjährige Mitarbeitende stehen selbst mitten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und können manche Lebenserfahrung nicht haben. Daher braucht es neben diesen engagierten Teens auch erfahrenere, qualifizierte Mitarbeitende, die jüngeren Mitarbeitenden bei den Übungen zur Seite stehen und von denen sie selbst lernen können.

Auch den Kindern gibt es Sicherheit, wenn sie merken, dass sie von qualifizierten Mitarbeitenden angeleitet werden. Kinder brauchen klare, altersgemäß verständliche Ansagen. Den Respekt der Kinder verdient man sich, indem man seine Rolle einerseits nahbar und vertrauenswürdig und andererseits klar, gerecht und konsequent ausfüllt. Auch wenn man gut anleitet, gibt es meist Kinder, die durch ihr Verhalten aus dem Rahmen fallen. Die Gründe dafür sind so zahlreich wie Sandkörner am Meer. Während Gründe nicht immer so schnell zu finden sind, gibt es Strategien im unmittelbaren Umgang mit solchen Problemen. In den meisten Fällen helfen zunächst Einzel- und Gruppengespräche, um unangemessene Verhaltensweisen zu besprechen und gemeinsam Lösungswege zu finden. Manchmal hilft auch das Zuteilen von großen und kleinen Aufgaben, um eine Verhaltensänderung bei den Kindern zu bewirken. Manchmal liegt ein „schwieriges Verhalten“ schlicht an schwierigem Anleiten aus Kindersicht, wenn es z. B. zu viele Pausen gibt, die Aufgabe unklar bleibt oder Mitarbeitende selbst unmotiviert sind. Achtsam sollten Mitarbeitende sein, wenn die Gründe für auffälliges Verhalten tiefer liegen, etwa in der Biografie der Kinder (Trauma, Trauer, ...). Hier braucht es professionelle Begleitung, die über das normale Ehrenamt hinausgeht.

Erlebnispädagogische Übungen im christlichen Kontext stoßen gern an ihre Grenzen, wenn die Ziele im Vorhinein nicht durchdacht sind. Gibt man der Erlebnispädagogik an sich als absolutes Highlight den alleinigen Raum? Ist die Kletterwand DIE Attraktion? Und für den Inhalt hat man vielleicht noch zwei unangenehme Minuten? Dann steht die Übung an sich im Vordergrund. Das Ziel heißt dann Kletterspaß und nicht etwa die Erfahrung, gehalten zu werden, falls man fällt. Umgekehrt besteht die Gefahr der Manipulation: Durch Übungen können Situationen geschaffen werden, die zwangsläufig zu einem bestimmten Ausgang führen, z. B. angsterzeugende Situationen in der Dunkelheit, um zu zeigen, dass Gott Licht ist.

Zielführend ist es, wenn man Kindern in einer Übung neben persönlichen und sozialen Lernfeldern auch Raum gibt für Glaubenserfahrungen. Mitarbeitende sollten sich selbst dabei mehr zurücknehmen und auf die persönliche Erfahrung der Kinder mit Gott setzen. Dazu kann Gott den Kindern auch über die Natur und ihrer Wirkung begegnen. Geben wir Kindern genug Raum, um Gott zu begegnen. Ob dann aus der Erfahrung eine Glaubenserfahrung wird, liegt nicht in unserer Hand.

Antje Metzger

Ganz praktisch – eine kleine Handreichung

Wie bereits aufgezeigt, birgt erlebnispädagogische Arbeit mit Kindern großes Potenzial, weil sie viele Aspekte der menschlichen Existenz aktiviert und damit Lernprozesse in Gang setzt: Bewegung, Emotion, geistige Auseinandersetzung, gemeinschaftliches Handeln und kreative Lösungsfindung.

Wie aber kann sie dem geistigen und emotionalen Entwicklungsstand von Kindern angemessen eingesetzt werden? Auf was gilt es in Vorbereitung, Durchführung und Reflexion besonders zu achten? Wie können wir mit Kindern über Gott sprechen? Diesen Fragen will diese praktische Handreichung nachgehen, präzisiert und konkretisiert für die Arbeit mit Kindern.

Aktionen und Schwierigkeitsniveau
Vorgespräche mit unbekannten Gruppen

Es ist dann besonders herausfordernd, die allgemeine und aktuelle Situation der Kindergruppe angemessen einschätzen zu können, wenn man sie noch gar nicht kennt. Detailreiche Vorgespräche mit den Gruppenverantwortlichen sind erforderlich, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Über allgemeine Informationen hinaus geben die folgenden Fragen wichtige Aufschlüsse:

 Gibt es in der Kindergruppe verabredete Rituale (für Stille, für Pause, für Wortbeiträge)?

 Wie gehen Jungs und Mädchen miteinander um?

 Wie ist die Konzentrations- und Sprachfähigkeit der Kinder einzuschätzen?

 Wie flüssig können die Kinder lesen und schreiben?

 Gibt es Spiele, die die Kinder besonders gern spielen?

 Gibt es Kinder mit Bewegungseinschränkungen?

Alle Vorinformationen können bei der (vorläufigen) Planung und Auswahl der Aktionen helfen. Noch wichtiger ist allerdings dann im Verlauf die achtsame Wahrnehmung und ggf. Anpassung an Wollen und Können der Kinder.

Geeignete Übungen mit Gruppen

 Übungen mit wenigen, klaren Regeln.

 Übungen, die zur Bewegung anregen, bei denen es aber nicht auf besondere sportliche Fähigkeiten ankommt.

 Übungen, bei denen es nicht gegeneinander geht.

 Übungen, die eine Gesamtlänge von Aktion und Reflexion von ca. 60 Minuten nicht überschreiten (bei jüngeren Kindern eher noch weniger, bei älteren eher etwas mehr).

 Bei Aktionen mit verbundenen Augen ist die Leitung besonderes gefordert, denn jüngere Kinder können, wenn sie „Blinde“ führen, oft noch nicht die Gefahren einschätzen.

Worauf während der Aktion geachtet werden sollte

Da Kinder grundlegende Bedürfnisse nur sehr begrenzt aufschieben können (z. B. Hunger, Durst, Toilette), braucht es schnelle Berücksichtigung derselben. Auf welche Anzeichen im Verlauf eines erlebnispädagogischen Programms ist zu achten?

 Sind alle Kinder aktiv an Aktion und Reflexion beteiligt oder sind einige ausgestiegen und machen ihr eigenes Programm?

 Gibt es Ermüdungserscheinungen und Konzentrationsgrenzen (Gähnen, Räkeln, Wegschauen)?

 Sind starke Frustrationsgefühle zu erkennen (Unruhe, Wut, Fluchen, Anschuldigungen, Gerangel)?

Bei diesen Anzeichen braucht es eine Anpassung im Verlauf. Das könnte sein:

 Die Aktion abkürzen oder eine Pause einlegen.

 Nach längerer Konzentration eine bewegungsintensive Aktion durchführen, die für Spannungsabbau sorgt.

 Oder umgekehrt: Nach großer Aufregung eine Einheit einbauen, in der z. B. vor allem die Sinne angesprochen werden (Hörübung, Tastübung, Landart o. Ä.).

 Die Gruppe teilen oder in Kleingruppen weitermachen.

 Die Regeln leichter oder schwerer machen.

Konkurrenz versus Kooperation

In der Welt der Kinder gibt es wenige Bereiche, in denen sie nicht für ihr Können oder Verhalten bewertet werden, also entsprechende Prämien oder Sanktionierungen erleben. Mich selbst im Vergleich zu anderen einzuordnen oder meine Gruppe im Vergleich zu anderen, ist tiefer verinnerlicht, als wir wahrhaben wollen. Es ist eine besondere Chance, dass erlebnispädagogische Übungen die Vorteile von kooperativem Verhalten erfahrbar machen und aktiv fördern. Zugleich kann man immer wieder die Erfahrung machen, dass sich Situationen im Handumdrehen zu hitzigen Kämpfen gegeneinander auswachsen, die eigentlich als Kooperationsübung geplant waren. Damit zu rechnen und bereits im Vorfeld Handlungsalternativen bedacht zu haben, kann eine entsprechende Situation entspannen und zurück zur Kooperation führen.

Das könnte sein:

 Schon in der Anmoderation das Ziel der Aktion hervorheben. („Es geht nicht darum, wer am schnellsten im Ziel ist, sondern um das Miteinander.“)

 Bei einer Gruppenteilung darauf achten, dass sich die Kleingruppen während der Aktion nicht sehen können.

 Nicht aufgeben! Mit den Kindern weiter einüben, das konkrete hilfreiche Verhalten der anderen zu benennen – und selbst die Erfahrung zu machen, dass das ermutigt und stärkt.

 Nachdem man eine Aktion in Kleingruppen durchgeführt hat, es noch einmal mit allen gemeinsam tun.

Anmoderationen und verständliche Sprache12

Gruppenleitung und Anmoderationen für Kinder brauchen noch größere Präsenz und Klarheit der Leitung als für Erwachsene. Schon die Position vor der Gruppe ist wichtig: So, dass man wirklich alle Kinder sehen kann. Eine ruhige und klare Anweisung könnte so klingen: „Bitte stellt euch hier auf diesem Seil (im Halbkreis ausgelegt) so auf, dass ihr mich alle sehen könnt. Dann bitte nicht mehr sprechen und genau zuhören, was ich sage.“ Die Kinder erwartungsvoll anschauen und warten, bis alle stehen und es still ist. Dann: „Genau so, danke.“

So werden Anweisungen verstanden und umgesetzt:

 Die Wortwahl dem Sprachvermögen der Kinder anpassen.

 Nicht in Unruhe hineinreden, weil dann immer einige nicht erfasst haben, was zunächst zu tun ist.

 Sich mit dem ganzen Körper der Gruppe zuwenden, Augenkontakt aufnehmen, nicht halb abgewendet sprechen, sonst fühlen sich die Kinder oft gar nicht angesprochen.

 Wenn Kinder gerade noch dabei sind, etwas zu tun (z. B. ihre Vesper wieder in die Rucksäcke zu verstauen), abwarten! Sonst werden die nächsten Anweisungen ignoriert.

 Klarheit der Sprache: Genau sagen, was zunächst passieren soll. Statt: „Wir gehen jetzt mal da rüber.“, besser: „Seht ihr dort drüben den großen Baum? Bitte lasst alles hier am Sitzplatz und stellt euch unter diesen Baum.“

 Genau unterscheiden, ob man eine Frage stellt oder eine Anweisung geben möchte: Ist z. B. bei „Könntet ihr euch eine Partnerin / einen Partner für die nächste Aktion suchen?“ wirklich eine Frage gemeint oder eigentlich eine ausgesprochene Bitte? Es empfiehlt sich also eher: „Bitte sucht euch für die nächste Aktion eine Partnerin / einen Partner und stellt euch nebeneinander.“

 Kinder lieben Geschichten und haben eine reiche Phantasie! Wer eine Aktion in ein Szenario einbaut, das die Kinder interessiert, hat schon viel Aufmerksamkeit gewonnen. Wo spielt die Aktion, wer sind sie in der Aktion? So könnte sich das geschwungene Seil in ein Tor verwandeln, durch das alle hindurchkommen sollen.

 Die Anleitungen sollen kurz und die Regeln auf das Mindeste reduziert sein. Komplizierte Regelsysteme sind ungeeignet.

 Regeln sind am besten nicht nur mündlich erklärt, sondern vorgemacht, sodass es alle sehen können. Hören und sehen erhöht enorm das Verständnis. So kann z. B. mit zwei Mitarbeitenden demonstriert werden, wie Gegenstände geworfen oder gefangen werden.

Umgang mit Gefühlen: emotionale Kompetenz einüben

Oft viel unmittelbarer als viele Erwachsene zeigen Kinder in erlebnispädagogischen Settings starke Gefühle: Sie weinen, hüpfen, schreien, schimpfen. Wie können Mitarbeitende damit so umgehen, dass es für die Kinder eine Gelegenheit gibt, ihre emotionale Kompetenz auszubauen? Am besten arbeitet man zu zweit (in Gruppen größer als 25 ggf. sogar zu dritt), dann können unvorhergesehene Reaktionen aufgefangen werden.

Es hilft, sich in Erinnerung zu rufen: Es ist ein jahrelanger Prozess, mit den eigenen und fremden Gefühlen konstruktiv umgehen zu lernen. Es geht einher mit der Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins und mit Strategien, in Frust und Niederlagen weder sich selbst noch anderen zu schaden. So wächst die Fähigkeit, Beziehungen und Bindungen einzugehen. Sich in andere hineinzuversetzen lernt man, indem man es an sich selbst erlebt: Mein Schmerz, meine Angst, meine Freude wird gesehen und aufgenommen. Die angemessene Reaktion der Mitarbeitenden kann also einen wichtigen Beitrag leisten für den komplexen Lernprozess, besonders bei Kindern, die emotional verarmt aufwachsen.

Was man nicht erwarten oder fordern soll: Dass Kinder vernünftig bleiben bei starken Gefühlen, sich also im Griff haben. Wenn Kinder von ihren unangenehmen Gefühlen überschwemmt werden, können sie nicht ruhig und angemessen reagieren. In diesem Moment helfen ihnen keine Apelle („Jetzt beruhige dich mal!“), Beschwichtigungen („Der hat das nicht so gemeint!“) oder Erklärungen („Das liegt daran, dass ...“) Sie reagieren nicht auf Logik, sondern brauchen zuerst die nicht verurteilende Anerkennung ihrer Gefühle („Oh, jetzt bist du gerade sehr ärgerlich, oder?“). Das bedeutet: Anschauen und andere nonverbale Signale senden, ruhiges Abwarten, ggf. körperliche Berührung. Das bedeutet selbstverständlich auch, verletzendes Verhalten sofort zu begrenzen.

Gefühle brauchen präzise Namen. Was genau ist es gerade? Ist es eher Unruhe oder Enttäuschung, Trauer oder Peinlichkeit, Neid oder Empörung? Oft führt es schon zu einer Erleichterung, wenn das Gefühl richtig erkannt wird.

Wurden die Gefühle aufgenommen, ist der Weg frei, die (zunächst als negativ und unangenehm empfundene) Situation als Chance zum Lernen zu nutzen, indem wir „benennen, um es zu zähmen“, wie es der Neuropsychiater Daniel Siegel13 nennt. Er meint damit, Kinder die Geschichte (also das Ereignis, die Auslöser, die Gefühle) noch einmal selbst erzählen zu lassen, sie dabei zu unterstützen, die Einzelheiten in eine Abfolge zu bringen („Und was passierte dann?“) und die Erfahrung in Worte zu fassen. Statt „einfach nicht mehr daran denken“ also besser „verstehen, einordnen, neue Schlüsse ziehen“.

Reflexion mit Kindern

Genau deshalb brauchen Kinder Reflexion! Es hilft ihnen dabei, Worte für ihre Erlebnisse und Gefühle zu finden, besonders wenn unangenehme in ihnen selbst oder anderen ausgelöst wurden. Verstörendes und Frustrierendes braucht eine Auflösung, indem es nacherzählt und eingeordnet wird.

Auch bei Kindern kann Reflexion viel mehr sein als noch das notwendige Übel nach einer spannenden Übung. Es in der Anmoderation der Aktion schon vorher anzukündigen, bereitet die Kinder darauf vor. Um den Spannungs- und Konzentrationsbogen nicht zu überspannen, hilft eine Faustregel: Nicht mehr Minuten, als die Kinder alt sind. Um in dieser kurzen Zeit das Wesentliche zu besprechen, hier einige Anregungen:

 Kinder denken konkret! Deshalb gilt es, in der Auswertung zunächst bei den ganz konkreten gemeinsamen Erfahrungen aus der letzten Aktion zu bleiben und sie genau beschreiben zu lassen. Metaphern sind oft noch zu abstrakt.

 Kinder sind (oft durch schulische Erfahrungen) trainiert darin, die „richtige“ Antwort, also die von der Lehrerin oder dem Lehrer erwartete, auf die gestellte Frage zu erraten und diese dann zu äußern. Wer hat nicht schon mal als Anleitung auf die Frage „Was hat dazu geführt, dass ihr diese Aufgabe lösen konntet?“ die scheinbar immer passende Antwort „Weil wir zusammengearbeitet haben“ erhalten? Ich schlage vor, die Kinder dann herauszufordern, es anhand von konkretem Verhalten zu beschreiben. Also z. B. „Als wir nur noch drei Brettchen hatten, hat Lena mir eins von ihren abgegeben. Und dann haben wir es noch geschafft!“ Dabei geht es auch nicht um richtiges Verhalten (für das ich eine gute Note bekomme), sondern hilfreiches und zielführendes, mit dem ich und die anderen zufrieden und fröhlich sind.

Mehr als Frage – Antwort

Die Kindern sehr bekannte Situation „Lehrerin/Lehrer fragt – Schülerin/Schüler antwortet“ braucht in den Reflexionsrunden Alternativen, weil sie wenig geeignet ist, die eigenen Gedanken ans Tageslicht zu bringen oder das Interesse der Kinder an den Äußerungen der anderen Kinder zu fördern. Hier einige Vorschläge dazu:

 In Kleingruppen eine Frage miteinander bedenken oder einander erzählen, was die Kinder erlebt haben.

 Dabei kleine Rituale einsetzen, z. B. einen Sprechstab oder ein „Mikrofon“ herumgeben.

 Die Kinder selbst Fragen auswählen lassen, die besprochen werden.

 Die Kinder mit einer Frage herumgehen lassen und die anderen dazu interviewen.

 Kreative Ausdrucksformen wählen (Standbilder, malen, Bewegungen usw.).

Gott mittendrin

Und mittendrin in diesen Erfahrungen und dem Nachdenken darüber möchte sich unser Gott des Friedens zeigen, ins Gespräch gebracht werden. Ist man in einer kindgerechten Reflexion den konkreten, menschlichen Faktoren des gemeinsamen Erlebnisses nachgegangen, kann – eng anknüpfend an die aufgekommenen Themen – eine Frage darüber gestellt („Ihr habt gesagt, es war in dieser Aktion wichtig, dass ihr genau auf die Ideen der anderen gehört habt. Was denkt ihr darüber, dass uns Gott auch gute Ideen für Lösungen geben möchte?“), eine biblische Geschichte erzählt oder eine persönliche Erfahrung aus der Beziehung mit Gott erzählt werden. Es gleicht einer zu öffnenden Tür in eine Welt in und hinter den Dingen, in der Gott sich zeigt. „Das religionspädagogische Ziel ist es, die Beziehungsfähigkeit, das Vertrauen und den Glauben des Kindes in sich selbst, in die Welt, in die Menschen und in Gott zu fördern – also die Lebensbejahung in allen Dimensionen des Menschseins.“14

Besondere Aufmerksamkeit braucht es dann in Sternstunden, in denen Kinder selbst beginnen, Fragen zu stellen. Manchmal sind das auch solche nach dem Ursprung und der Zukunft der Welt, nach dem Sinn des Lebens, nach Gerechtigkeit und Leid, nach Gut und Böse, nach Schuld und Vergebung, nach Liebe und Annahme, nach dem Unsichtbaren. Das sind wunderbare Gelegenheiten, die einen geschützten und zugleich offenen Raum benötigen, in dem diese Fragen geäußert werden dürfen – ohne zu schnell beantwortet zu werden. Erst einmal gilt es, sorgfältig zu hören und ggf. auch die Frage hinter der Frage zu erfassen. Kinder haben oft eine andere Logik, ganz eigene Vorstellungen und Schlussfolgerungen als Erwachsene.

Für die Praxis einige Vorschläge:

 Es braucht keine fertigen Antworten auf komplizierte Fragen. Es geht um Anregungen für die Kinder, damit sie ihre Vorstellungen und Erfahrungen mit Gott weiterentwickeln und ihr Vertrauen in Gottes Liebe wächst.

 Das mündliche Erzählen von biblischen Geschichten birgt besonderes Potenzial! Ein reiches Repertoire hilft, um auf Fragen und Themen reagieren zu können. Geschichten, die wir auswendig erzählen können, leben in uns und stehen eher „griffbereit“ zur Verfügung. Beim Erzählen ist es gut, nah am Text zu bleiben und eventuell unverständliche Begriffe zu umschreiben.

 Konkrete biblische Erzählungen sind besser geeignet als Vergleiche, Symbole und bestimmte Gleichnisse von Jesus. Auch wenn z. B. das Gleichnis vom verlorenen Schaf Kindern besonders gern erzählt wird, ist für sie die Verstehensbrücke vom Schaf zu ihnen selbst voller Stolpersteine und Missverständnisse.

 Das Persönliche zählt: Konkrete Erfahrungen aus der Beziehung mit Gott, erzählt in allgemein verständlichen Worten, nicht frommen Begrifflichkeiten, macht Erzählungen nachhaltig für das Gedächtnis der Kinder. Es hilft, sie zuerst dem Team zu erzählen, um Rückmeldung zu bitten und sie ggf. zu überarbeiten.

Ute Paul

12 Wertvolle Anregungen habe ich von Dorothea Böhm: PU – Positiver Unterricht. Ein Coaching für den erleichterten Umgang mit unruhigen, aggressiven und/oder leicht ablenkbaren Schülern, Bielefeld 62012.

13 Siegel, Daniel / Bryson, Tina: Achtsame Kommunikation mit Kindern. Zwölf evolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung Ihres Kinds, Arbor-Verlag, Freiburg 2013, S. 47.

14 Arnold, Monika: Kinder fragen nach Gott, www.donbosco-medien.de/_files_media/mediathek/download/433.pdf, S. 7.


Übungen: Dynamisch und inspirierend

A band of misfits – ein seltsamer Haufen

Projektarbeit mit erschwerten Bedingungen: Eine Gruppe gehandicapter Teilnehmender muss gemeinsam ein Bauprojekt vollenden.


Lernziel

Die Teilnehmenden setzen sich damit auseinander, dass jede und jeder Stärken und Schwächen hat. Sie ...

 ... erfahren, dass jede/jeder in der Gruppe wichtig ist und gebraucht wird.

 ... verstehen, dass Gott einen Plan hatte, als er uns so gemacht hat, wie wir sind.

 ... lernen, einander mit ihren Stärken und Schwächen anzunehmen und einander zu vergeben, weil wir selbst auch Nachsicht brauchen.

Bibelstelle 2. Korinther 12,7-9; Epheser 4,32

Art der Übung Kooperation, Metaphorik, Problemlösung, Wahrnehmung

Gruppengröße 4 – 24

Dauer 45 Minuten

Gelände drinnen, draußen

Material 1 Set Handicap-Karten (s. „SGKids_A-Band-of-Misfits_Handicap-Karten.pdf“ im Downloadbereich); für die Schaukel pro Gruppe: 1 Seil (10 m lang), 1 Brett (50 x 15 x 2 cm); für das Nachtquartier pro Gruppe: 1 Tarp, 2 Stöcke; für den Turm pro Gruppe: 6 – 7 Wasserkästen; pro Gruppe: 1 Augenbinde, 2 Seilstücke, 2 Tücher, 1 Paar Gehörschutz; ausgedruckte und laminierte Bibelkarten (s. „SGKids_A-Band-of-Misfits_Bibelkarten.pdf“ im Downloadbereich), ggf. Reflexionsfragen (s. „SGKids_A-Band-of-Misfits_Reflexionsfragen-Gaben.pdf“ im Downloadbereich)

Aufbau

Je nach Gelände können verschiedene Bauprojekte vorgegeben werden: Hat man eine Wiese und Wald zur Verfügung, können Schaukel, Nachtquartier, Höhle oder Turm gebaut werden. Drinnen kann nur der Turm gebaut werden.

Pro Gruppe wird je ein Set Handicap-Karten und Bibelkarten (s. Downloadbereich) und Material für die entsprechende(n) Aufgabe(n) bereitgelegt.

Instruktion

„Eure Aufgabe ist es heute, in Vierer-Gruppen eine Schaukel / ein Nachtquartier / einen Turm zu bauen. Allerdings wird euch diese Aufgabe dadurch erschwert, dass jede/jeder von euch ein Handicap hat: Eine/einer von euch wird blind sein, eine/einer taubstumm, eine/einer einbeinig und eine/einer einarmig. Euer Handicap beginnt in dem Moment, in dem ihr eine dieser Karten gezogen habt. Tauschen ist nicht möglich.

Achtet gut aufeinander, besonders auf eure Blinden! Ihr habt 20 Minuten Zeit. Habt ihr noch Rückfragen?“

Sicherheitshinweis

Die Leitung sollte darauf achten, dass die Blinden von ihren Gruppen gut versorgt sind.

Verlauf

Die Teilnehmenden werden nach der Erklärung in Vierer-Gruppen eingeteilt. Sie ziehen je eine Handicap-Karte und werden entsprechend „präpariert“ (der/dem Blinden werden mit einem Tuch die Augen verbunden, der/dem Taubstummen Gehörschutz aufgesetzt und der Mund mit einem Tuch verbunden, der/dem Einbeinigen wird mit einem Seilstück ein Bein „weggebunden“ und der/dem Einarmigen wird mit einem Seilstück ein Arm „weggebunden“). Dann geht die Bauphase los.

Während der Übung hat die Leitung eine beobachtende Rolle und kann die Sicherheit der Blinden überwachen (zur Not den Hinweis geben: Wer mogelt, bekommt noch ein Zusatzhandicap!). Wenn die Gruppen verschiedene Bauprojekte als Aufgabe bekommen, ist die Motivation höher und kein Abgucken der Lösung möglich.

Hinweis: Das Herausstellen von Gaben, die Wichtigkeit des Einzelnen in der Gemeinschaft und dass jede und jeder, so wie er geschaffen ist, gut und gewollt ist, sollte definitiv vorher mit der Gruppe thematisiert worden sein. Reflexionsfragen dazu sind im Downloadbereich zu finden.

Lernimpulse/Transfer

Der Fokus dieser Übung soll darauf liegen, dass wir neben unseren Stärken auch alle unsere Schwächen haben, die den anderen auf die Nerven gehen bzw. ihnen das Leben schwerer machen. Da den Teilnehmenden hier aber auch sehr ihre eigene Begrenztheit bewusst wird (denn die ungewohnte Unfähigkeit wird sie sowohl selbst als auch den anderen gegenüber in punkto Geduld herausfordern), wird die Gleichstellung zu den anderen Gehandicapten deutlich und die Vergebungsbereitschaft auf natürliche Weise höher. Dies in der Reflexion deutlich herauszustellen, ist das Hauptanliegen.

Methodik für die Auswertung mit Kindern

Gruppengespräch mit Reflexionsfragen

Auswertung in der Gruppe

Reflexionsfragen:

 Wie hat es sich angefühlt, ein Handicap zu haben?

 Hättet ihr lieber ein anderes Handicap gehabt? Welches? Warum?

 Haben euch die Handicaps der anderen gestört?

Transfer:

 Lasst uns mal schauen, was das mit unserem Leben zu tun hat: Außer körperlichen Handicaps gibt es ja noch andere Dinge, die wir nicht können, die uns schwerfallen, die wir an uns nicht mögen oder die uns ärgern. Habt ihr da Beispiele?

 Wie steht ihr zu euren eigenen Handicaps? Und zu denen der anderen? Macht ihr da einen Unterschied?

 Wie würdet ihr euch wünschen, dass die anderen mit eurer Schwäche umgehen?

 Lasst uns mal sehen, was Gott dazu sagt: Ich lege euch hier ein paar Bibelverse hin. (Die vorbereiteten Bibelkarten aus dem Downloadbereich auf den Boden legen – bei jüngeren Teilnehmenden vereinfachte und verkürzte Version vorlesen.) Welcher davon passt für euch am besten zu der Übung? Warum?

 Wir alle haben viele Stärken, aber auch mindestens eine Schwäche. Hätte Gott die Schwächen nicht weglassen können? Will er uns damit ärgern?

 Was können wir davon für den Umgang mit unseren eigenen Schwächen und denen der anderen mitnehmen?

Silke McCormick-Smith

Auf dem Weg sein

Die Teilnehmenden begehen in Kleingruppen gemeinsam einen vorab definierten Weg. Dabei sind sie durch ein Seil miteinander verbunden. Unterwegs gibt es diverse Hindernisse, die gemeinsam überwunden werden müssen.


Lernziel

Die Teilnehmer setzen sich mit ihrer Rolle in der Gruppe auseinander. Sie erfahren, ...

 ... dass sie nur gemeinsam ihr Ziel erreichen können.

 ... dass Gott sie im Leben begleitet, egal wie unwägbar unser Weg auch sein mag.

Bibelstelle 1. Mose 12,1

Art der Übung Kooperation, Vertrauen

Gruppengröße 4 – 20

Dauer 35 Minuten

Gelände großer Raum oder große Freifläche

Material je nach Gelände versch. Hindernisse, 1 Seil (mind. 2 m lang) pro Kleingruppe, Kreppband, Kreide o. Ä. (Wegmarkierung), Aufgaben/Ereignisse für die Stationen, Gefühlskarten (s. z. B. www.gefuehlsmonster.de)

Aufbau

Für jede Kleingruppe wird das Seil bereitgelegt. Zudem sollten diverse kreative Hindernisse und Schwierigkeiten aufgebaut werden, die von der Gruppe überwunden werden müssen, z. B. (Bier-)Tische, die als Berg überquert oder als Tunnel bewältigt werden müssen. Die Freifläche draußen sollte auf mögliche Gefahrenquellen überprüft und evtl. entsprechend begrenzt werden.

Drinnen: In einem großen Raum werden mit Kreppband Wege für die Gruppen markiert. Auf diesen sollte es abwechslungsreiche Hindernisse und Stationen geben (s. oben). Alternativ wird nur ein Parcours gestaltet und die Kleingruppen starten nacheinander. Draußen: Auf dem Gelände werden die Wegstrecken mit Kreide o. Ä. für jede Gruppe markiert, die sich auch kreuzen dürfen. Dabei sollten mehrere Hindernisse (s. oben) gekreuzt werden.

Instruktion

„Heute werdet ihr euch in Gruppen auf einen abenteuerlichen Weg begeben. Genauso, wie es vor einigen tausend Jahren Abraham gemacht hat. Abraham bekam von Gott das Versprechen, dass er viele Nachkommen haben wird, so viele, dass ein großes Volk entsteht. Abraham hat auf Gott vertraut und daraufhin sein Zuhause verlassen. Mit seiner Frau und seinen engsten Verwandten hat er sich auf den Weg gemacht – ohne dass er wusste, wo Gott ihn hinführen wird. Und ganz ähnlich sollt ihr euch nun auch auf den Weg begeben. Dazu stellt ihr euch in eurer Gruppe an die Startposition, an der euer Weg beginnt. Alle halten sich mit einer Hand an dem Seil fest. Dieses darf während eures gesamten Weges von niemandem losgelassen werden. Sollte es passieren, dass jemand das Seil loslässt, muss die gesamte Gruppe ihren Weg von vorn beginnen. Während eures Weges gibt es Hinweise und plötzliche Ereignisse, auf die ihr reagieren müsst. Wichtig ist, dass ihr alle gemeinsam und gesund euer Ziel erreicht. Achtet bei allen Hindernissen und Schwierigkeiten auf eure Gruppenmitglieder. Viel Erfolg.“

Sicherheitshinweis

Das Spielfeld sollte eingegrenzt und klar markiert werden. Bei den aufgebauten Hindernissen muss auf die Sicherheit geachtet werden. Bei gefährlichen Stellen und Aufbauten muss gut aufgepasst und gegebenenfalls Hilfestellungen gegeben werden.

Verlauf

Die Gruppe wird in Kleingruppen von 4 bis 6 Personen eingeteilt. In jeder Kleingruppe sollte eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter sein, die/der die Ereignisse an den Stationen vorliest.

Die Gruppen sollen auf dem Weg am Seil ein Gefühl für sich als Team bekommen. Es ist wichtig, dass sie aufeinander achten und füreinander da sind. Es kann niemand allein erfolgreich sein, alle gemeinsam sollen das Ziel erreichen. Den Gruppen können verschiedene Hinweise und Aufgaben gegeben werden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Sinnvoll ist es, die Schwierigkeit der Hindernisse langsam aufeinander aufbauend Stück für Stück zu steigern. Bei echten Gefahren und zu waghalsig erscheinenden Lösungen der Gruppen sollte eingegriffen werden. Ansonsten darf es ruhig Phasen der Ratlosigkeit geben, bis die Gruppen selbst auf ihre eigenen Lösungen kommen.

Mögliche Ereignisse während der Übung:

Berg bei Nacht: Ihr seid spät abends noch unterwegs und müsst nun das vor euch liegende Hindernis überwinden. Es ist schon so spät, dass ihr nichts mehr sehen könnt. Schließt die Augen und helft euch, damit ihr das Hindernis gemeinsam bewältigen könnt. Wenn alle Gruppenmitglieder das Hindernis überwunden haben, bricht der Tag an und ihr dürft eure Augen wieder öffnen. Gletscherspalte: Der markierte Bereich vor euch ist eine Gletscherspalte. Niemand darf dort hineinfallen, ansonsten müsst ihr als Kleingruppe neu starten. Übernachtung in einer Höhle: Es ist spät geworden, ihr übernachtet in einer Höhle. Rückt zusammen und wärmt die Person vor euch, indem ihr ihr über den Rücken streicht. Der Abgrund: Ihr seid an einer schmalen Stelle. Links und rechts von euch ist ein Abgrund. Geht hintereinander und passt auf, dass niemand das Gleichgewicht verliert. Durchschleichen: Ihr sollt nicht gesehen werden. Macht euch ganz klein und überwindet die Passage, ohne dass euch jemand entdecken kann.

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Age restriction:
0+
Release date on Litres:
25 June 2025
Volume:
287 p. 79 illustrations
ISBN:
9783761568408
Copyright Holder::
Bookwire
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