Read the book: «Sinn gesucht - Gott erfahren Kids»

Font::

In unseren Veröffentlichungen bemühen wir uns, die Inhalte so zu formulieren, dass sie Frauen und Männern gerecht werden, dass sich beide Geschlechter angesprochen fühlen, wo beide gemeint sind, oder dass ein Geschlecht spezifisch genannt wird. Nicht immer gelingt dies auf eine Weise, dass der Text gut lesbar und leicht verständlich bleibt. In diesen Fällen geben wir der Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes den Vorrang. Dies ist ausdrücklich keine Benachteiligung von Frauen oder Männern.

Für in diesem Titel enthaltene Links auf Websites/Webangebote Dritter übernehmen wir keine Haftung, da wir uns deren Inhalt nicht zu eigen machen, sondern sie lediglich Verweise auf den Inhalt darstellen. Die Verweise beziehen sich auf den Inhalt zum Zeitpunkt des letzten Zugriffs: 20.01.2022.

Die Herstellung dieser Arbeitshilfe wurde gefördert aus Mitteln des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS).

Impressum


© 1. Auflage 2022

buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart 2022

All rights reserved.

buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart

www.ejw-buch.de ISBN Buch 978-3-86687-317-9 ISBN E-Book 978-3-86687-318-6

Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

www.neukirchener-verlage.de ISBN Buch 978-3-7615-6839-2 ISBN E-Book 978-3-7615-6840-8

Lektorat: buch+musik – Tamara Müller, Stuttgart

Umschlaggestaltung: buch+musik – Daniela Buess, Stuttgart

Satzprogrammierung: X1-Publishing, Stuttgart

Satz Downloads: buch+musik – Daniela Buess, Stuttgart

Bildrechte Umschlag: iStock, Halfpoint; Unsplash, Galeno Areliano

Bildrechte Illustrationen: Simone Struve, Grafik+Illustration, Renningen

Bildrechte Autorenfotos: Link: anja kirschner photography – Jakob und Anja Kirschner GbR; Wahl: Ulrich Graf, Stuttgart; Westhauser: CVJM-Hochschule, Kassel; andere: bei den Autorinnen und Autoren


Überblick

Vorwort

„Sinn gesucht – Gott erfahren“ geht weiter

Erlebnispädagogik im christlichen Kontext entwickelt sich ständig weiter. In den vorangehenden Bänden wurden Grundlagen für die Verknüpfung von Erlebnispädagogik und Glaube formuliert und viele konkrete Praxisideen zusammengestellt. „Sinn gesucht – Gott erfahren KIDS“ greift diese bewährte Kombination auf und entwickelt sie weiter. Die Herausgeber wagen sich an eine neue Zielgruppe, die bisher wenig Beachtung in der Literatur und in erlebnispädagogischen Settings findet.

Herausforderung „Erlebnispädagogik mit Kindern“

Viele Jahre waren sich Erlebnispädagoginnen und Erlebnispädagogen einig, dass erlebnispädagogisches Arbeiten mit Kindern nur sehr begrenzt möglich ist. Verständlich, wenn dabei primär an archaische Rucksacktouren, komplexe Problemlöseaufgaben oder selbstverantwortete Abseilmanöver gedacht wird. Doch nicht nur die „klassischen“ Handlungsfelder, auch die Reflexion stellt für Kinder oft eine Überforderung dar, zumindest wenn sie nicht kindgerecht aufbereitet ist.

Doch in den letzten Jahren wurde das Verständnis erlebnispädagogischer Arbeit immer breiter. Viele neue Handlungsfelder und Zielgruppen kamen hinzu. So ist es naheliegend, dass der Fachausschuss Erlebnispädagogik im Ev. Jugendwerk in Württemberg, beheimatet in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit, endlich ein Buch mit konkreten Übungen und Ideen für die Arbeit mit Kindern auf den Markt bringt.

Von der Idee zum Buch

Neue Wege zu gehen, ist kein Selbstläufer. Erste Ideen führten zu einem mehrjährigen, deutschlandweiten Prozess. Dabei diskutierten Expertinnen und Experten förderliche Rahmenbedingungen für Erlebnispädagogik mit Kindern und erarbeiteten darauf aufbauend Übungen, die mit Kindern durchgeführt und reflektiert werden können. Herausgekommen ist ein hilfreiches und inspirierendes Praxisbuch. Sehr herzlich danke ich den Autorinnen und Autoren, insbesondere den Herausgebern, für ihren Mut, neue Wege zu gehen. Wieder einmal begeistern mich die fachliche Expertise, der Ideenreichtum und letztlich der Kraftaufwand, der nötig ist, dieses Buch nun in Händen zu halten.

Gott erfahren

Mithilfe dieses Buches können Gruppenleitungen Kindern wertvolle Erfahrungen ermöglichen und sie auf ihrem Lebensweg begleiten. Gott segne diese wichtige Arbeit und wirke durch sie!

Simon Wöhrbach

Vorsitzender Fachausschuss Erlebnispädagogik im Ev. Jugendwerk in Württemberg

Inhaltsverzeichnis

1  Titel

2  Impressum

3  Überblick Vorwort Inhaltsverzeichnis Downloads zum Buch Übersicht über die Übungen Bibelstellenverzeichnis

4  Einführung: Erlebnispädagogik in der Arbeit mit Kindern Welt der Kinder heute: Wie Kinder in Deutschland aufwachsen Konsequenzen daraus für die Arbeit mit Kindern: Was Kinder brauchen Erlebnispädagogik im christlichen Kontext mit Kindern Ganz praktisch – eine kleine Handreichung

5  Übungen: Dynamisch und inspirierend A band of misfits – ein seltsamer Haufen Auf dem Weg sein Aufbruch und Segen Aus dem Vollen schöpfen Ballast loswerden! Connect – Bleibe im Gespräch mit Gott Freundschaft, die trägt Für alle Fälle gewappnet Gott im Alltag hören Gott passt auf mich auf! Ich bin wertvoll! Regelwidrig!? Sei mutig und stark! Verloren und gefunden Wirf deine Sorgen weg Wo ist David?

6  Übungen: Naturerlebnisse Übungen: Naturerlebnisse – Einführung Feuer und Licht Genial gemacht Naturbegegnung Schöpfung im Detail Schwarz-Weiß Versteckt – Entdeckt!

7  Übungen: Die Josefs-Geschichte Übungen: Die Josefs-Geschichte – Einführung Übungen: Die Josefs-Geschichte – Theologische Einführung Triff Josef Küss mich Träume (be-)greifen Mit dem Zollstock durch die Wüste Versöhnung ins Rollen und zum Ziel bringen Versöhnungswege

8  Übungen: Psalmverse Übungen: Psalmverse – Einführung Übungen: Psalmverse – Theologische Einführung Psalm 1 – Laufend entschieden Psalm 8 – Wertvoll Psalm 22 – (Nicht) enttäuscht Psalm 23 – Behütet Psalm 28 – Unterstützt Psalm 50 – Ausweglos Psalm 63 – Gehalten Psalm 91 – Beschützt Psalm 104 – Dankbar Psalm 139 – Entscheidend

9  Anhang Literaturempfehlungen Die Herausgeber Die Autorinnen und Autoren

Downloads zum Buch



Unter download.ejw-verlag.de und unter www.neukirchener-verlage.de/sinngesuchtkids können zur Durchführung der Übung notwendige Vorlagen als digitale Daten heruntergeladen werden. Der Kauf des Buches berechtigt zum Downloaden, Ausdrucken, Kopieren und Verwenden dieser Daten, sofern sie zur Vorbereitung und Durchführung der Inhalte dieses Buches verwendet werden. Eine Vervielfältigung, Verwendung oder Weitergabe darüber hinaus ist ohne Erlaubnis ausdrücklich nicht gestattet.

Übersicht über die Übungen


ÜbungArt der ÜbungPersonenDauer in MinutenGelände
A band of misfits – ein seltsamer Haufen KooperationMetaphorikProblemlösungWahrnehmung4 – 2445drinnen, draußen
Auf dem Weg sein KooperationVertrauen4 – 2035großer Raum, große Freifläche
Aufbruch und Segen KooperationSoloerfahrungWahrnehmung8 – 3090großer Raum, große Freifläche
Aus dem Vollen schöpfen MetaphorikWahrnehmung8 – 3040große Freifläche
Ballast loswerden! MetaphorikWahrnehmung2 – 1015drinnen, draußen
Connect – Bleibe im Gespräch mit Gott KommunikationKooperation2 – 1020 – 45drinnen, draußen
Feuer und Licht KooperationKoordination4 – 890Außengelände mit Feuerstelle
Freundschaft, die trägt KooperationVertrauenWahrnehmung7 – 2820 – 45langer Gang, große Freifläche
Für alle Fälle gewappnet MetaphorikWahrnehmung6 – 1460 – 90Freifläche mit Bäumen
Genial gemacht Naturwahrnehmung3 – 1290abwechslungsreiche Natur
Gott im Alltag hören KooperationWahrnehmung12 – 3630großer Raum, große Freifläche
Gott passt auf mich auf! KooperationKoordination40 – 15015 – 30großer Raum, große Freifläche
Ich bin wertvoll! Wahrnehmung12 – 2490drinnen
Küss mich KooperationKoordinationProblemlösung4 – 3060 – 90drinnen, draußen
Mit dem Zollstock durch die Wüste KooperationKoordinationProblemlösung5 – 3035großer Raum, große Freifläche
Naturbegegnung MetaphorikNaturwahrnehmung4 – 3030 – 45abwechslungsreiche Natur, Wald
Psalm 1 – Laufend entschieden Soloerfahrung1+25drinnen, draußen
Psalm 8 – Wertvoll Soloerfahrung2+25drinnen, draußen
Psalm 22 – (Nicht) enttäuscht Soloerfahrung1+15drinnen, draußen
Psalm 23 – Behütet Kooperation2+30großer Raum, große Freifläche
Psalm 28 – Unterstützt Soloerfahrung5+25drinnen, draußen
Psalm 50 – Ausweglos Soloerfahrung1+20drinnen, draußen
Psalm 63 – Gehalten Soloerfahrung3+25drinnen, draußen
Psalm 91 – Beschützt Soloerfahrung4+25drinnen, draußen
Psalm 104 – Dankbar Soloerfahrung1+30drinnen, draußen
Psalm 139 – Entscheidend Soloerfahrung1+30Wald, großer Raum
Regelwidrig!? KooperationWahrnehmung7 – 1045drinnen, draußen
Schöpfung im Detail KooperationWahrnehmung6 – 3030 – 45Wald
Schwarz-Weiß Naturwahrnehmung8 – 3045abwechslungsreiches Waldstück
Sei mutig und stark! KooperationVertrauen3 – 2045draußen
Träume (be-)​greifen KooperationMetaphorikProblemlösung6 – 2545großer Raum, große Freifläche
Triff Josef KooperationMetaphorik9 – 3045großer Raum, große Freifläche
Verloren und gefunden MetaphorikProblemlösung5 – 2015 – 30drinnen, draußen
Versöhnung ins Rollen und zum Ziel bringen KooperationProblemlösung4 – 3045drinnen, draußen
Versöhnungswege KooperationMetaphorikProblemlösungVertrauen12 – 1845großer Raum, große Freifläche
Versteckt – Entdeckt! KooperationWahrnehmung5 – 3030 – 45abwechslungsreiches Waldstück
Wirf deine Sorgen weg KooperationMetaphorik6 – 2030 – 45großer Raum, große Freifläche
Wo ist David? KommunikationKooperationProblemlösung6 – 3030großer Raum, große Freifläche

Bibelstellenverzeichnis


BIBELSTELLEÜBUNG
1. Mose 1,11-12Schöpfung im Detail
1. Mose 1,31aSchwarz-Weiß
1. Mose 12,1Auf dem Weg sein
1. Mose 12,1-4Aufbruch und Segen
1. Mose 37Triff Josef
1. Mose 39Küss mich
1. Mose 41Träume (be-)​greifen
1. Mose 42Mit dem Zollstock durch die Wüste
1. Mose 43Versöhnung ins Rollen und zum Ziel bringen
1. Mose 45Versöhnungswege
2. Mose 2,1-9Gott passt auf mich auf!
Josua 1,9Sei mutig und stark!
Richter 7,15Wo ist David?
1. Samuel 24,0Wo ist David?
Psalm 1,5-6Psalm 1 – Laufend entschieden
Psalm 8,5-6Psalm 8 – Wertvoll
Psalm 18,36Psalm 28 – Unterstützt
Psalm 18,17-18Psalm 63 – Gehalten
Psalm 22,5-6Psalm 22 – (Nicht) enttäuscht
Psalm 23,4Psalm 23 – Behütet
Psalm 28,7Psalm 28 – Unterstützt
Psalm 50,15Psalm 50 – Ausweglos
Psalm 63,9Psalm 63 – Gehalten
Psalm 91,2Psalm 91 – Beschützt
Psalm 118,22Psalm 8 – Wertvoll
Psalm 139,3.24Psalm 139 – Entscheidend
Psalm 139,14Genial gemacht
Matthäus 5,14-16Feuer und Licht
Markus 2,1-12Freundschaft, die trägt
Regelwidrig!?
Markus 10,46-52Ich bin wertvoll!
Lukas 5,17-26Regelwidrig!?
Lukas 15,3-7Versteckt – Entdeckt!
Lukas 15,8-10Verloren und gefunden
Lukas 24,13-34Ballast loswerden!
Johannes 10,27Gott im Alltag hören
Römer 1,20aNaturbegegnung
2. Korinther 12,7-9A band of misfits – ein seltsamer Haufen
Epheser 4,32A band of misfits – ein seltsamer Haufen
Epheser 6,10-16Für alle Fälle gewappnet
1. Thessalonicher 5,17Connect – Bleibe im Gespräch mit Gott
1. Petrus 5,7Wirf deine Sorgen weg


Einführung: Erlebnispädagogik in der Arbeit mit Kindern

Welt der Kinder heute: Wie Kinder in Deutschland aufwachsen

In der Beschäftigung mit Kindern ist es wichtig, einiges über ihre Lebenswelt zu wissen. Wie wachsen Kinder in Deutschland auf? Was bewegt sie? In welchen Lebensräumen bewegen sie sich und was spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle? All diese Themen spielen in die erlebnispädagogischen Übungen, insbesondere in ihre Reflexion und Auswertung, mit hinein.

Familie

Nichts ist im Leben von Kindern so wichtig wie ihre Kernfamilie. Sie zieht sich bei Kindern durch alle Lebensbereiche. Eltern sind nach wie vor die wichtigsten Bezugspersonen der Kinder.1 Je kleiner Kinder sind, desto mehr Zeit verbringen sie in ihrer Familie. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zeit, die Kinder mit ihrer Kernfamilie verbringen, ab. Sie orientieren sich dann verstärkt auch an Menschen außerhalb ihres engeren familiären Umfelds.

Dabei hat sich Familie in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Hier geht es vor allem um die Frage, welche Form des Zusammenlebens als Familie gezählt wird. Neben der etablierten Vater-Mutter-Kinder-Familie innerhalb einer Ehe, die auch heute noch den Großteil der Formen des Zusammenlebens in Deutschland ausmacht (70%)2, sind eine Vielzahl anderer Formen entstanden. Dazu gehören Alleinerziehende, Paarbeziehungen außerhalb einer Ehe, gleichgeschlechtliche Beziehungen und Patchworkfamilien in vielen Varianten. Darum ist es wichtig, beim Begriff „Familie“ nicht direkt an eine Ehegemeinschaft mit Kindern zu denken, sondern an eine Vielfalt unterschiedlicher (familialer) Lebensformen, die jede für sich eine gewisse soziale Legitimität beansprucht.

Familie heute heißt auch, dass häufig beide Elternteile erwerbstätig sind, was in 68% der Familien in Deutschland der Fall ist. Dabei arbeitet in den meisten Fällen die Mutter in Teil- und der Vater in Vollzeit. Die meisten Kinder in Deutschland wachsen mit Geschwistern auf, lediglich jedes vierte Kind hat keine Geschwister. Die Wichtigkeit von Geschwisterbeziehungen für Kinder ist hier zu betonen: Beziehungen unter Geschwistern halten am längsten und gehören zu den intensivsten. Mit Geschwistern haben Kinder wichtige Mitstreiterinnen und Mitstreiter, Vertrauenspersonen, Rivalinnen und Rivalen, Hilfe und Vorbilder in einem. Auseinandersetzungen unter Geschwistern sind elementare Übungsfelder für den Umgang mit Konflikten.3

Weitere wichtige Bezugspersonen neben den Eltern und Geschwistern sind die Großeltern, da diese oft Ansprechpersonen für Fragen und Probleme sind, die Kinder zwar mit einer Vertrauensperson, nicht aber mit den Eltern besprechen wollen.4

Auch der Umgang innerhalb der Familien hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Eltern sind heute nicht nur Autoritätspersonen, sondern auch Partnerin und Partner der Kinder. Familien tauschen Erfahrungen aus, suchen Lösungen für Probleme gemeinsam und treffen Entscheidungen zusammen. So hat sich das Familienkonzept von einer „Vorgabefamilie“ zu einer „Verhandlungsfamilie“ gewandelt.5 Die Kinder unserer Gesellschaft sind es gewohnt, Entscheidungen mitzutragen und ihre Meinung kundzutun.

Freundinnen und Freunde

Neben den Eltern und Großeltern sind besonders Gleichaltrige wichtige Bezugspersonen für Kinder. Freundinnen und Freunde zu haben, ist nicht nur den Kindern selbst wichtig, sondern auch aus entwicklungspsychologischer Sicht elementar: Mit Freundinnen und Freunden redet man anders, lernt Konfliktfähigkeit, hat ein ebenbürtiges Gegenüber mit ähnlichen Interessen und lernt, Beziehungen aufzubauen und diese zu halten. Für Kinder in unserer Gesellschaft spielen Freundinnen und Freunde eine große Rolle: Weit über die Hälfte der 6- bis 11-Jährigen geben an, sechs bis zehn Freundinnen/Freunde zu haben,6 die sie auch gern und häufig treffen.7 Dabei ist interessant zu beobachten, dass bereits 20% der Kinder dieser Altersgruppe ihre Freundinnen und Freunde mehrmals in der Woche auch online treffen, Trend steigend.8 Dies heißt aber nicht, dass Kinder ihre Freundinnen und Freunde nicht mehr im realen Leben treffen; vielmehr ergänzen sich beide Varianten der Freundschaftspflege. Dass die Digitalisierung selbst vor Kindern nicht haltmacht und dies nicht nur negativ zu sehen ist, hat sich spätestens in den Pandemiejahren 2020/21 gezeigt: Wenn Homeschooling die Regel ist und Kontakte möglichst strikt beschränkt werden sollen, kann sich jedes Kind glücklich schätzen, wenn es die Möglichkeiten und Fähigkeiten hat, auf digitalem Wege zu kommunizieren. Wobei in dieser Zeit auch deutlich wurde, dass Kinder reale Treffen mit Freundinnen und Freunden nicht weniger schätzen und wahrnehmen, wenn sie die Wahl haben, sondern vielmehr froh sind, wenn ihnen beide Möglichkeiten offenstehen. Mit ihren Freundinnen und Freunden entdecken Kinder spielerisch die Welt und tauschen sich mit zunehmendem Alter mehr und mehr über existenzielle Fragen aus. Kindergruppen sind meist geschlechtshomogen, was sich mit dem Übergang ins Jugendalter ändert. Es gibt verschiedene Orte, an denen Freundschaften zwischen Kindern entstehen können. Bildungsinstitutionen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Schule

Die Schule ist der Hauptaufenthaltsort von Kindern, gleich nach ihrer Kernfamilie. Außerhalb der Familie bestimmt die Schule das Leben der Kinder wesentlich. Freundschaften werden geknüpft und gepflegt, Beziehungen zu anderen Kindern entstehen und werden immer wichtiger. Schule ist mehr als nur ein Ort der Bildung, denn Kinder lernen hier Sozialverhalten im Umgang mit Gleichaltrigen und das Auftreten gegenüber Autoritätspersonen. Kinder lernen, wie man sich in einer Gruppe verhält, und das besonders auch im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel, wie etwa den Abschluss eines Schuljahres. Auch Freizeitaktivitäten in Gruppen fördern Grundlagen für ein soziales Miteinander. Die Erlebnispädagogik kann einen wichtigen Beitrag für ein gutes Gruppengefüge leisten.

Die Schule hat gesellschaftlich gesehen einen hohen Stellenwert. Kindern wird früh nahegelegt, einen hohen Bildungsabschluss, inklusive Studium, anzustreben. Das Ziel von Schule ist es, Kinder an vielen Stellen zu fördern und zu fordern, was schon in der Grundschule beginnen kann. Deshalb ist es wichtig, in der Freizeitgestaltung mit Kindern immer auch die Schule im Blick zu haben. Wenn Kinder schulisch voll beschäftigt sind, bleibt wenig Zeit und Geduld für ein (über-)forderndes Programm in der Freizeit. Erlebnispädagogische Übungen sollten entsprechend gewählt werden.

Gesellschaft

Betrachtet man die Gesellschaft Deutschlands, fällt eines besonders auf: Kinder machen im Vergleich zu den Erwachsenen verschiedener Altersgruppen nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung aus. 2016 gehörten zur Gruppe der 6- bis 17-Jährigen nur knapp 11% der Gesamtbevölkerung. Wie alles, von dem es nur wenig gibt, sind auch Kinder heiß begehrt: Alle wollen sie haben. Musikverein, Sportgruppe, Kirche – sie alle werben um Kinder.9 Kinder haben in unserer Gesellschaft damit einen großen Wert und viele Wahlmöglichkeiten – vorausgesetzt, sie gehören zu den Kindern, deren Familien sich all diese Freizeitbeschäftigungen leisten können.

Leider wachsen in Deutschland rund 20% der Kinder in Armut auf10 und sind damit in quasi allen Lebensbereichen benachteiligt, wobei Kinder sowohl die Armut als auch die damit einhergehende Benachteiligung spüren.11 Dabei ist zu beachten, dass man hier von relativer Armut spricht. Diese schließt im Gegensatz zur absoluten Armut auch mangelnde Teilhabemöglichkeiten (Sportverein usw.) ein. Zwar besuchen auch arme Kinder die Schule, haben dabei aber meist weniger Unterstützung, weniger Selbstvertrauen in ihre Leistung und weniger Bildungsaspiration. Das heißt, sie wissen meist schon sehr früh ganz genau, dass ihre Chancen schlechter stehen als die anderer Kinder und streben gar nicht erst einen hohen Bildungsabschluss (wie z. B. das Abitur) an.

Auch in ihren Freizeitaktivitäten sind Kinder mit konkretem Armutserleben eingeschränkter. Oft fehlt einfach das Geld für Musikunterricht, Vereinsmitgliedschaften und die entsprechende Ausrüstung für diverse Hobbies. Kinder, die in Armut aufwachsen, wissen das. Sie fühlen sich ausgegrenzt und benachteiligt. Wichtig ist es daher, gerade sozial benachteiligte Kinder mit unseren Angeboten im Blick zu haben und allen Kindern eine Teilnahme zu ermöglichen.

Lea-Manon Burrer

1 Vgl. Corsa, Mike / Freitag, Michael (Hg.): #immerandersweiter. Bericht über die Lage der jungen Generation und die evangelische Kinder- und Jugendarbeit 2018, Arbeitsgemeinschaft d. Ev. Jugend, Hannover 2018, S. 26.

2 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 1.

3 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 29.

4 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 29.

5 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 31.

6 Vgl. Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 32.

7 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 2

8 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 8

9 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 14.

10 Nach Definition des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gilt in Deutschland als armutsgefährdet, wer weniger als 60% des Medians des Nettoequivalenzeinkommens zur Verfügung hat. Vgl. dazu auch: www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Indikatoren/Armut/Armutsrisikoquote/A01-Indikator-Armutsrisikoquote.html;jsessionid=3F6B360C1082C33E90E46484D5BAE4E9.

11 Vgl. www.worldvision.de/sites/worldvision.de/files/pdf/World-Vision-Zusammenfassung-vierte-Kinderstudie.pdf, S. 12 und Corsa/Freitag: #immerandersweiter, S. 29.

Age restriction:
0+
Release date on Litres:
25 June 2025
Volume:
287 p. 79 illustrations
ISBN:
9783761568408
Copyright Holder::
Bookwire
Download format:

Similar books