Read the book: «Ab in den Süden - Überwintern mit dem Wohnmobil»

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Petra Lupp & Martin Klug


ÜBERWINTERN MIT DEM WOHNMOBIL
Ab in den Süden

Alle praktischen Infos, die besten Campingplätze und Tipps zu Land und Leuten



Sonne tanken in Spanien

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Der Sonne entgegen

Wer sind diese Überwinterer eigentlich?

Genussmenschen jeden Alters

Suche nach Sinn und Engagement

Arbeiten unterwegs und überall

Vorbereitungen und Vorfreude

Start, Ziel und Dauer

Vorteile der Nebensaison

Checkliste für zu Hause und unterwegs

Checkliste fürs Wohnmobil

Mobil vor Ort

Anreise

Zeit oder Eile – Maut oder Kreisel?

Stellplatz oder Campingplatz?

Willkommen in Frankreich – Bienvenue!

Camargue, Languedoc und Okzitanien

Willkommen in Spanien – Bienvenido!

Am Mittelmeer entlang zum Atlantik

Willkommen in Portugal – Bem-vindo!

Die Algarve

Willkommen in Marokko – Marhaba!

Der Norden, die Atlantikküste und Abstecher ins Landesinnere

Überwinterer erzählen

Cerstin und Rolf: Der Weg ist das Ziel!

Susanne: Ich schlafe gern im eigenen Bett!

Doris und Manfred: Monatelang auf einem Platz? Dafür sind wir viel zu jung!

Susanne und Roland: Viel unterwegs und doch daheim!

Violetta und Wolfgang: Die Kapitänin und der Smutje

Klaus-Dieter: Na, fahr doch einfach mit!

Jacqueline und Hansjörg: Da wir noch arbeiten, darf es nicht zu weit sein

Register

Impressum



Klassisches Valencia


Strandlage Eurocamping Oliva


Denia, alter Ortskern


Modernes Valencia


Dem nasskalten Winter entfliehen


Amerikanischer RV


Der Sonne entgegen

Der Duden klassifiziert »überwintern« als sogenanntes schwaches Verb, beispielsweise im Kontext von »Vögel überwintern in Afrika« oder »Pflanzen überwintern im Keller«. An erster Stelle der Begriffsklärungen steht dort, Überwintern sei, »den Winter in Sicherheit vor den mit ihm einhergehenden Bedrohungen und Widrigkeiten zu verbringen«. Das ist doch ein erster, guter Einstieg in das Thema!

Noch zutreffender ist die Definition des englischsprachigen Pendants »Snowbird«, wie sie sich bei Wikipedia findet: »Snowbirds are typically retirees who wish to avoid the snow and cold temperatures of northern winter, but maintain ties with family and friends by staying there the rest of the year.« Also: Snowbirds sind in der Regel Rentner, die den Schnee und die kalten Temperaturen des nördlichen Winters vermeiden, aber die Verbindung zu Familie und Freunden aufrechterhalten möchten, indem sie den Rest des Jahres dort bleiben.

Ihren Ursprung hat die Überwintern-Bewegung in den nördlichen US-Bundesstaaten. Während der dort kalten Monate zog es anfangs fast ausschließlich Rentner in die wärmeren Südstaaten, die als sogenannter »Sun Belt« von Florida im Osten bis Kalifornien im Westen reichen. Bis heute ist die Zielgruppe über viele Alters- und Einkommensklassen hinweg stetig gewachsen. Ein Großteil der »Snowbirds« verbringt den Winter im Süden in ihren – im Vergleich zu europäischen Modellen – großen Wohnmobilen auf riesigen RV-Parks (Recreational Vehicle).

Eine ähnliche Entwicklung ist in Europa zu beobachten, selbstredend in bescheidenerem Ausmaß. Denn auch der mittel- und nordeuropäische Winter glänzt nicht durchgängig mit Postkartenmotiven, viele Wochen sind gekennzeichnet von trübem und nasskaltem Wetter. Glätte, Graupel, Schneematsch, Kälte und die früh einsetzende Dunkelheit sind die bitter schmeckenden Zutaten für den Winter-Blues-Cocktail daheim. Warum also nicht Minusgrade und aufkommende Winterdepression gegen einen Liegestuhl unter Palmen tauschen?

Immer mehr Wohnmobilisten entdecken für sich die Vorteile des Überwinterns.

Das Klischee des braungebrannten »Rentner-Snowbird« bekommt auch hierzulande Risse. Zunehmend wird der Personenkreis um neue Zielgruppen wie beispielweise Berufstätige und junge Familien erweitert. »Ab in den Süden!« heißt der Lockruf, dem ganze Wohnmobil-Karawanen mit Einsetzen der unbehaglichen Jahreszeit folgen.

Aus der Praxis

In den folgenden Kapiteln teilen wir unsere eigenen praktischen Erfahrungen mit Ihnen und schildern, welche Vorbereitungen zu treffen sind, was bei Anreise sowie Aufenthalt vor Ort zu berücksichtigen ist und welche Stell- oder Campingplätze empfehlenswert sind. Der Fokus liegt dabei auf Ländern, die beim Überwintern sehr stark nachgefragt sind: Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko.

Aber um es gleich vorwegzunehmen: Die vorgestellten Plätze stellen lediglich eine Auswahl dar, es handelt sich um kein Nachschlagewerk im Sinne eines Stellplatz- und Campingplatzführers. Uns ist bewusst, dass bereits erfahrene Überwinterer ihren Lieblingsplatz hier möglicherweise nicht vorfinden – das ist in Anbetracht der Angebotsfülle an manchen Standorten gar nicht möglich.

Entlang der südwesteuropäischen Mittelmeerküste und der südlichen iberischen Atlantikküste ist die Vielfalt an Plätzen unterschiedlichster Kategorien erfreulich groß. Selbst Marokko baut seine Campingplatz-Infrastruktur kontinuierlich aus. Insofern richtet sich dieses Buch einerseits an Einsteiger, die sich erstmals für das Thema erwärmen und hier inspirieren lassen möchten, andererseits an Profis auf dem Gebiet des Überwinterns, die neugierig sind auf Entdeckungen abseits des Bekannten und Bewährten.

Reisebestimmungen ändern sich

Unvermeidlich sind Anmerkungen zu der seit Frühjahr 2020 herrschenden Corona-Pandemie, durch die Reiserestriktionen zur neuen Normalität geworden sind. Eine dauerhafte Beendigung der Corona-Maßnahmen ist trotz weltweiten Impffortschritts zurzeit nicht absehbar (Stand September 2021). Das hat einerseits massive Auswirkungen auf das so selbstverständlich gewordene, weitgehend unkontrollierte Passieren von EU-Ländergrenzen. Andererseits kann unterwegs und am Reiseziel selbst nicht mehr vorausgesetzt werden, dass öffentliche Einrichtungen wie Museen oder touristische Sehenswürdigkeiten uneingeschränkt geöffnet sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich in Abhängigkeit der Virus-Verbreitung die gesetzlichen Vorschriften unter Umständen sehr kurzfristig ändern. Alle Angaben in den folgenden Kapiteln können nur Momentaufnahmen sein. Eine aktuelle und umfassende Informationsbeschaffung hinsichtlich Ein- und Ausreisebestimmungen wird deshalb für jeden Reisenden zum Pflichtprogramm. Es bleibt die Hoffnung, dass sämtliche Pandemie-Beschränkungen baldmöglichst aufgehoben werden können und wir unsere Reisegewohnheiten wieder in vertrauter Vor-Corona-Weise praktizieren können. Mit diesem Optimismus haben wir Autoren das vorliegende Buch geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Zuversicht teilen und sich für das Überwintern mit dem Wohnmobil begeistern lassen.


In Spanien bereits den Frühling genießen


Der Sonne entgegen

Der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer (1791–1872) hatte sicher noch nicht das winterliche Wohnmobilreisen im Sinn, seine Aussage dürfte jedoch zeitlos gültig sein: »Die Ärzte halten eine länger dauernde Reise, vorzüglich in südlichere Gegenden, für das einzige Mittel, meinem Körper und Geiste jene Spannkraft wiederzugeben, durch die allein alles Leben und Wirken bedingt wird.«

Gute Reise!

Nehmen Sie dieses Zitat zum Anlass, darüber nachzudenken, wie und wo Sie Ihren nächsten Winter verbringen möchten. Vielleicht bieten Ihnen auch die Erfahrungen und Erzählungen anderer begeisterter Überwinterer am Ende dieses Buches zusätzliche Inspirationen.

Mit dem Wohnmobil haben Sie die allerbesten Voraussetzungen, der grauen, kalten Tristesse daheim zu entkommen. Tauschen Sie mit einem Augenzwinkern einfach SAD gegen GLAD, traurig gegen froh. Besiegen Sie die saisonal-bedingte Störung oder Winterdepression (Seasonal Affective Disorder – SAD) und aktivieren Sie Ihre ganz persönliche, auf guter Lebensweise basierende Freude (Good Living Affective Delight - GLAD).

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vorfreude auf das erstmalige oder nächste Überwintern, eine wohltuende und abwechslungsreiche Zeit im sonnigen Süden und allzeit gute Fahrt!

Petra Lupp und Martin Klug


Einsame Strände locken

Wer sind diese Überwinterer eigentlich?


Sonne, Strand und Meer, Calpe im Winter


Genussmenschen jeden Alters

»Das ist doch nur was für Rentner«, heißt es häufig, wenn die Sprache auf das Thema kommt. »Falsch«, möchte man sofort entgegnen, wohl wissend, dass die Senioren tatsächlich den größten prozentualen Anteil aller Überwinterer stellen. Zutreffend ist aber auch, dass immer mehr Zielgruppen für sich Möglichkeiten erkennen, die Auszeit vom Winter zu realisieren.

Da sind einerseits Berufstätige, die ihre Arbeit von unterwegs aus verrichten können. Was früher ausschließlich den als »digitale Nomaden« titulierten Berufsgruppen zugeschrieben wurde, hat sich inzwischen um zahlreiche Berufsbilder erweitert. Was es da alles zu berücksichtigen gibt, schildern wir später ausführlicher (siehe S. 27).

Auszeit vom Job

Eine andere Gruppe sind Beschäftigte, die sich eine Auszeit vom Job nehmen können. Nicht jedes »Sabbatical« erstreckt sich über ein ganzes Jahr und beinhaltet exzessiven Reisekonsum exotischer Destinationen. Etliche nutzen die freiwillig arbeitslose Zeit, um einen Lebenstraum zu verwirklichen. Das kann der lang gehegte Wunsch sein, den Segelschein zu machen, eine Fremdsprache oder das Golfspielen zu erlernen oder das eigene Buch zu schreiben. Wenn sich für solche Vorhaben Wunsch, Wetter und Wohnmobil auf geradezu ideale Weise kombinieren lassen, ist die Entscheidung leicht gefällt.

Das staatlich finanziell unterstützte Angebot der Elternzeit wird von Alleinerziehenden und Paaren gern genutzt, als junge Familie intensiv Zeit miteinander zu verbringen. Was liegt näher, als durch geschickte Planung von Elternzeitansprüchen und Urlaubstagen die maximal mögliche Reisedauer für gemeinsame Erlebnisse herauszuholen? Das Reisen mit dem Campervan ist da eine oft gewählte Variante, Südeuropa das bevorzugte Ziel, der mediterrane Winter eine willkommene Reisezeit.

Weitere Gruppierungen bestehen aus Personen, die sich bereits im Vorruhestand befinden oder für ein Altersteilzeitmodell entschieden haben. Sie genießen die vorzeitig verfügbar gewordene Lebensfreizeit mit ausgedehnten, terminlich frei bestimmbaren Touren. Reisen in teuren Hochsaisonzeiten mit Staus und überfüllten Campingplätzen gehören jetzt der Vergangenheit an.


Genusszeit beim Überwintern in der Sonne


Gut unterwegs in Marokko auch ohne 4 x 4


Elternzeit im Süden


Markthalle Valencia Folgende

Das Leben genießen

Andere wiederum sind berufsunfähig geworden. Dieser unglückliche Umstand fesselt sie jedoch nicht an den heimischen Stuhl, die diesbezügliche Rente lässt sich problemlos auch ins Ausland überweisen. Manche haben körperliche Einschränkungen, die ihnen aber im wärmeren Süden weniger Schwierigkeiten bereiten. Die Orts- und Klimaveränderung führt oftmals zu geringerem Medikamentenverbrauch, einhergehend mit einem signifikant besseren Lebensgefühl für Körper und Geist.

Schließlich gibt es noch die Aussteiger, die als kreative Lebenskünstler ihre Zeit selbstbestimmt fernab der Heimat verbringen, und die glücklichen Privatiers, die ihre Lebenshaltungskosten unabhängig und aus der eigenen Tasche bestreiten.

Die zweifellos größte Gruppe unter den Überwinterern ist aber die der Rentner und Pensionäre. Sie sind die eigentlichen »Snowbirds«. Viele probieren es mit Eintritt in den Ruhestand zum ersten Mal, spätestens jetzt werden die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Wenn sich die letzten goldenen Herbsttage verabschieden, starten Tausende von ihnen aus allen mittel- und nordeuropäischen Ländern gen Süden. Aus sehr nachvollziehbaren Gründen: Die Unabhängigkeit, mit dem eigenen Wohnmobil jederzeit an jeden Ort aufbrechen zu können, übt eine große Anziehungskraft aus, die Aussicht auf warme Sonnentage sowie Urlaubsatmosphäre mit Strand und Meer ist nahezu unwiderstehlich. Ob allein, zu zweit oder im Verbund mit Freunden – zuverlässig setzt sich alljährlich im Herbst die weiße Karawane in Bewegung, um mit Beginn des heimatlichen Frühlings wieder nach Hause zurückzukehren.

Snowbirds im Alltag

Der Standortwechsel an die Mittelmeer- und Atlantikküste muss dabei nicht automatisch eine Einschränkung von Komfort und Gewohnheiten bedeuten. Zu Recht wird der temporäre Wohnmobil-Wohnsitz in Südeuropa oftmals als »zweite Heimat« tituliert. Campingplatzbetreiber haben sich optimal auf die Bedürfnisse der »Best Ager« eingerichtet. Überspitzt formuliert gleicht manch beliebter Mittelmeer-Campingplatz in Frankreich oder Spanien im Winter eher einer palmenbestückten Open-Air-Seniorenresidenz mit mobilen Wohneinheiten. Unterschiede zu daheim erschließen sich erst auf den zweiten Blick.

Beim Gästekreis der deutschsprachigen Überwinterer – stellvertretend für andere Nationalitäten und Sprachen – manifestiert sich dies in vielen Facetten des ausländischen Campingplatz-Lebens. Vieles wird in Deutsch oder mit Deutsch sprechendem Personal angeboten: Tageszeitungen und Magazine, Tagesmenüs mit vertrauter Küche, Animations- und Unterhaltungsprogramme, Bundesliga-Übertragungen mit importierten Kaltgetränken, organisierte Gruppenausflüge und vieles mehr. Selbst Kontakte zu Deutsch sprechenden Ärzten und Apothekern sind abrufbar und vermitteln Sicherheit für den Fall der Fälle. Bekannte Lebensmittel-Discounter sind in Frankreich, Spanien oder Portugal meist in gut erreichbarer Nähe angesiedelt, sodass der Wocheneinkauf ebenfalls einfach zu bewältigen ist.

Sozusagen als großen Sahneklecks obendrauf gibt es zu diesem Rundum-sorglos-Paket unbegrenzt Sonne, Wärme, Strand und Wasser gratis. Und ganz viel ausländisches Lokalkolorit, sobald die Komfortzonen der Parzelle und touristisch geprägten Einkaufs- und Gastronomieeinrichtungen verlassen werden. Besser kann die Überwintern-Sehnsucht kaum befriedigt werden.


Kilometerlange Sandstrände in Frankreich

Wem das zu viel des Guten ist, der wird seine Reiseroute auf individuelle Vorlieben abstimmen. Manch einer tingelt drei bis vier Monate von A nach B nach C und erkundet im wahrsten Sinne Land und Leute. Berufstätige und Selbstständige mit Verpflichtungen zu Hause sammeln sich die Tage und Wochen zusammen und genießen, bestens organisiert und terminiert, die Überwinterer-Auszeit im Süden, auch wenn es nur vier oder sechs Wochen sind. Was alle Gruppierungen jedoch verbindet, ist die gemeinsame Begeisterung für den Winter in der Sonne. Die anhaltend hohe Nachfrage in der Wohnmobilbranche wird diese Entwicklung in der Zukunft ganz sicher verstärken.


Auszeit als Weg, Auszeit als Lösung


Streunerkatze in Pflege

Suche nach Sinn und Engagement

Auf die Zusammenhänge von Sonne und Wohlbefinden beim Überwintern im Süden kommen wir noch zu sprechen. Aber oft sind die persönlichen Gründe, nun doch endlich loszuziehen, weitaus vielfältiger und auch altersunabhängig.

Während bei Berufstätigen drei bis vier Wochen noch eher als Urlaub gelten, sind zwei und mehr Monate – ohne unterwegs zu arbeiten – dann doch eher schon ein Sabbatical oder eine Auszeit vom Alltag. Und die wünschen sich viele Berufstätige und stark eingespannte Selbstständige sehr oft. Den Alltag hinter sich zu lassen und die Ruhe zu genießen ist dabei nur eine Facette. Neues zu erleben und zu entdecken eine weitere.

Frischer Wind für Kopf und Seele

Sich parallel auf Sinnsuche zu begeben, um Antworten zu finden – sei es im Zusammenhang mit einem Jobwechsel, der Partnerschaft oder allgemein mit der Zukunft –, kann ebenso starker Antrieb und Auslöser sein, um endlich Rucksack und/oder Wohnmobil zu packen. Im Kopf schwirren die Gedanken … eine Auszeit als Weg, eine Auszeit als Flucht, eine Auszeit als Lösung! Darum laufen so viele den Camino, also den Jakobsweg. Um sich selbst, ihre Kraft und Grenzen kennenzulernen bzw. sich (wieder) zu finden und im Idealfall mit Lösungen zurückzukehren. Etwas ebenso Alltbekanntes wie Richtiges sollte dabei aber bedacht werden: Eine Flucht vor mir und der Vergangenheit ist nicht möglich, jeder persönliche Rucksack ist immer und überall mit dabei.

Die Aus-Zeit effektiv zu nutzen bedeutet möglicherweise auch, lang ersehnte Fertigkeiten zu erlernen. Ob Yoga, Qigong, Tauchen, Kitesurfen, Töpfern, Kochen oder eine neue Sprache – erlaubt ist was gefällt oder angeboten wird. Vielleicht sind die geknüpften Kontakte und die Tätigkeit derart sinnstiftend, dass eine neue Lebensaufgabe daraus erwächst.

Ehrenamt und Projekte

Für viele ist ein Auslandsaufenthalt kombiniert mit ehrenamtlichem Engagement eine Herzensangelegenheit. Angebote gestalten sich da variantenreich: Da kann man sich um Streunerhunde oder -katzen kümmern, als Granny-Au-pair den Oma-Dienst leben oder bei Umweltprojekten mitarbeiten. Anregungen oder Interessensgruppen findet man oft über Social Media oder Gleichgesinnte.

Beliebt ist als kostengünstige Reisevariante zudem »Urlaub gegen Hand«. Hier stellt ein Suchender einen kostenlosen Stellplatz und/ oder Verpflegung zur Verfügung, als Gegenleistung hilft man stundenweise im Garten, versorgt Tiere oder – je nach Fähigkeit und Fertigkeit – assistiert bei der Renovierung von Haus oder Hühnerstall.

Die Tätigkeiten eines Housesitters sind selbstverständlich auch in dieser Variante möglich: Ausländische Hausbesitzer suchen auf Onlineportalen Freiwillige, die Haus, Hof, Garten und Tiere während ihrer Abwesenheit versorgen und betreuen. Je größer die Erfahrungen und positiven Rückmeldungen, umso schneller und einfacher wird zukünftig ein neuer Job als Housesitter gefunden. Manch einer spart sich so partiell die Reisekosten für Stell- und Campingplätze und lernt dabei noch Land und Leute hautnah kennen.

Freigeist sucht Freiraum

Die Gruppe der Aussteiger, Freigeister und (Lebens-)Künstler ist heterogen. Hat man sie früher als »Hippies« abschätzend belächelt oder fast abwertend als »Weltenbummler« tituliert, weil aus damaliger Sicht faul und damit unproduktiv für die Gesellschaft, sind sie und ihr Status heute im Ansehen enorm gestiegen. Einen Altersdurchschnitt zu definieren, ist schwierig bis unmöglich. Was vielleicht als Auszeit begann, endet manchmal mit dem Aussteigen aus Job, Partnerschaft, Gesellschaft und Heimatland. Unterschiedliche Lebensgeschichten, Krankheiten oder Schicksalsschläge, aber auch Sehnsüchte und Wünsche beeinflussen den Entschluss, neu zu beginnen und alles zu verändern. Minimalistisch oder als Selbstversorger zu leben ist für einige dann die Erfüllung. Manche Familien verschreiben sich dem freien Lernen, kehren Deutschland deshalb den Rücken und gestalten sich ihr Leben, wie es ihnen gefällt.

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Age restriction:
0+
Release date on Litres:
07 November 2024
Volume:
352 p. 254 illustrations
ISBN:
9783734323607
Publishers:
Copyright Holder::
Bookwire
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