Read the book: «Der Ballettmeister: Erotische Novelle»
Marguerite Nousville
Der Ballettmeister: Erotische Novelle
Übersetzerin: Rebecca Jakobi
Lust
Der Ballettmeister: Erotische Novelle ÜbersetzerRebecca Jakobi Original BalletmesterenCopyright © 2019, 2019 Marguerite Nousville und LUST All rights reserved ISBN: 9788726301274
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.
Für mich ging es beim Ballett immer darum, das Erhabene zu erreichen. Mein Körper war mein Instrument, das ich durch diszipliniertes Training, Mühe und Geduld bis zur Perfektion in jedem einzelnen Ton stimmte. Ein nie endender Drahtseilakt, sowohl auf, als auch hinter der Bühne, ob ich trainierte oder nicht.
Ich wusste genau, wie viel ich üben, wie viele Proteine und Kohlehydrate zu mir nehmen, und wie viel ich schlafen musste. Stadtbummel und Sahnetorten waren nicht Bestandteil meines Programms. Aber trotzdem war ich es nie leid. Dem Tanz zog ich ohnehin nichts vor.
Davon abgesehen war die Kontrolle, die ich im Gegenzug über meinen Körper erlangte, allein berauschend genug. Wenn ich die Stärke in meinen Muskeln fühlte, die mich unbeschwert vom Boden abheben und durch die Luft schweben, wie eine perfekte Schneewehe herumwirbeln ließen, war ich glücklich. Ich überwand die Schwerkraft für das höhere Wohl. Ich setzte einen Fuß vor den anderen und tanzte mir unbeschwert meinen Weg unter den Solotänzerinnen nach oben. Für mich gab es nichts Schweres, nichts, was mich aus dem Gleichgewicht bringen konnte.
Bis zum Sommer mit der Hitzewelle. Das Theater nahm an einem Austausch teil, und wir hatten einen Ballettmeister aus New York zu Besuch, der Solotänzer für die Herbstsaison auswählen sollte. Trotz Mangels an Klimaanlage, Ventilatoren oder irgendetwas, das die überhitzten Säle herunterkühlen konnte, hatten wir eine Probe nach der anderen, damit er seine Tänzer auswählen konnte. Normalerweise hatte ich nichts gegen Proben einzuwenden. Wo Tanz war, war alles gut. Aber ich ertappte mich selbst dabei, wie mich dieser unbeeindruckte Typ aus New York zu nerven begann. Das lag vermutlich an der Wärme, aber ganz ehrlich, wie schwer konnte es sein, eine Auswahl zu treffen? Warum musste das so lange dauern? Seinem Gesicht war nicht der Hauch einer Reaktion abzulesen. Er bat uns einfach wieder und wieder zu tanzen.
Für gewöhnlich vergaß ich jeden Gedanken über Konkurrenzkämpfe und Ambitionen, sobald ich tanzte. Es ging dann nicht länger um meine Karriere, sondern darum, eins mit der Musik und dem Tanz zu werden, mich der Kunst hinzugeben. Doch dieses Mal war es anders.
Wir tanzten eine moderne Interpretation von La Sylphide, in der die männlichen und weiblichen auf eine meines Erachtens törichte Weise getauscht worden waren. Gleichzeitig hatte ich noch nie so sehr für eine Rolle gebrannt wie jetzt. Zwar war ich immer mal wieder eifersüchtig, wenn eine Kollegin eine Rolle bekam, die ich mir erhofft hatte, doch das Gefühl hielt selten so lange an.
Die Wärme und meine Gereiztheit machten mich jedoch merkwürdig stur. Zum ersten Mal seit meiner Kindheit verspürte ich starke Nervosität und Angst, wenn ich tanzen sollte.
Die Wärme kroch mir unter die Kleidung und schmiegte sich an meinen Körper, sodass überall Schweißperlen hervortraten. Auch auf der Kleidung meiner Kollegen konnte ich große Schweißflecken sehen, und die Hitze machte mich schwindlig. Die engen Strumpfhosen klebten an unseren Beinen. In gewisser Weise wollte ich alles hinschmeißen, doch gleichzeitig spürte ich den Antrieb, die Rolle zu ergattern, komme was wolle.
Endlich bedankte sich der Ballettmeister und bat uns, Pause zu machen. Wir sanken auf den Boden, lehnten ausgestreckt mit Handtüchern an den Wänden oder an den Stangen.
„I shall dance the male part myself“, sagte er und stand von seiner Bank auf.
Was für ein Arsch, dachte ich. Ich konnte meinen Kollegen ansehen, dass sie das gleiche dachten. Da hatte er uns schon tagelang vor Schweiß triefend durch die Gegend springen lassen, und trotzdem war dem feinen Herrn keiner gut genug. Wenn er das ganze Ballett selbst tanzen könnte, hätte er das sicher auch gemacht. Er überging die Unzufriedenheit in den Augen aller Anwesenden, in den Spiegeln bis ins Unendliche erweitert, bewusst und fuhr mit dem gleichen ausdruckslosen Gesicht fort:
The free sample has ended.