Read the book: «Beschwörung: Erotische Novelle»
Marguerite Nousville
Beschwörung: Erotische Novelle
Übersetzt
Kirsten Evers
Lust
Beschwörung: Erotische Novelle ÜbersetztKirsten Evers
Original
Besværgelsen
Coverbild/Illustration: Shutterstock
Copyright © 2020, 2020 Marguerite Nousville und LUST
All rights reserved
ISBN: 9788726673128
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 3.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.
Beschwörung
Das Licht des Vollmonds fällt durch das Fenster auf die weiße Haut meiner Arme. Liebkost meine Hände, die die Opfergaben auf dem Tisch ausbreiten: Eine Fuchspfote. Einen Wacholderzweig. Fette Henne. Das Horn eines Bullenkalbes. Einen Thymianzweig. Zusammen bilden sie einen mächtigen Kreis, dessen Kraft durch die dicken, vor Altertum zerfurchten Eichenplanken des Tisches verstärkt wird. Das Mondlicht zeichnet sich in weißen Säulen im Rauch der Feuerstelle ab, als ich den Kessel herausnehme und vorsichtig den Becher fülle. Ich stelle ihn in die Mitte des Zirkels und sage die verbotenen Worte:
"Tore des Waldes, öffnet euch
bei meiner Gedanken Kraft,
so verleihen des Vollmonds Geister
der Nacht ihren schöpfenden Saft."
***
Er hatte sie früh aus der Obhut ihres Vaters gestohlen. Sie wirkte noch immer kindlich, war süß und rundgesichtig, aber zugleich schon üppig und kurvig, und übte eine zugleich unschuldige und verführerische, unwiderstehliche Anziehung auf ihn und alle Vertreter des männlichen Geschlechts aus. Er wusste, dass sie schon bald von Verehrern umworben werden würde, und obwohl er Grundbesitzer war und sich aufgrund seines Standes keine Sorgen machen musste, war es gut, alles unter Dach und Fach zu bringen, ehe ihm ein Anderer zuvorkäme. Dass er selbst das Objekt von Begierde sein könnte, fiel ihm dabei nicht einmal ein. Die Hochzeit hatte vier Tage und vier Nächte angedauert, und die ganze Gemeinde war zugegen gewesen. Man hatte gelacht, getanzt und getrunken. Einige hatten ihm neidvolle Blicke zugeworfen. Andere hatten geweint. Aber von all dem hatte sich das junge Brautpaar in seliger Unwissenheit abgeschirmt. Sie hatten zuviel damit zu tun gehabt, sich gegenseitig kennenzulernen. Noch erwarteten sie kein Kind, obwohl sie überaus fleißig gewesen waren. Seine Begierde nach ihr hielt sich kaum in Grenzen, und jeden Tag dankte er Gott für das Glück, dass ihm zuteil geworden war. Hin und wieder sorgte er sich, dass er sie womöglich zu stark begehren könnte, und dass er beim jüngsten Gericht für seine irdene Lüsternheit und unkontrollierbare Begierde bestraft werden könnte. Aber sie war wie ein verspieltes Kätzchen, dass sich ihm willig hingab, wenn ihn nachts die Lust überkam, und das manchmal sogar mehrmals. Sie schnurrte nur vor Glück und Wohligkeit, und ließ sich dankbar alles gefallen.
In dieser Julinacht stand der Vollmond hoch am Himmel, und er wollte sein Licht für die Jagd nutzen. Sie klagte ihm ihr Leid.
"Willst du wirklich gehen, mein Geliebter?"
Er lachte. "Du bist wie ein gieriges Kind."
Sie blickte sich nervös um. "Aber muss es denn ausgerechnet heute Nacht sein? Kann es nicht bis morgen warten?"
"Aber der Mond scheint nur heute so klar. Ich brauche das Licht."
"Aber... du weißt doch, wer im Wald wohnt!"
Er tat ihre Angst mit einem lauten Lachen ab. "Sie? Unsinn! Wir leben doch nicht im Mittelalter. Hexen gibt es nicht."
***
Ich führe den vollen Becher zum Mund und lasse die bittere Flüssigkeit über meine Lippen laufen. Meine Zunge sucht gierig nach Tropfen, die daneben gegangen sind. Ich spüre ein Brennen, das sich in meinem Körper ausbreitet, bis es sich im Unterleib konzentriert und dort eine Urkraft erweckt, die in Form süßen Schmerzes meinen Schoß zum Glühen bringt. Ich atme tief ein. Dann nehme ich das Bündel an mich und gehe hinaus in die lichte Sommernacht. Die schwere Holztür fällt mit einem Knarren hinter mir ins Schloss. Die Nacht ist still und die Waldgeister schmiegen sich in Form des nächtlichen, silbernen Nebels um meine Beine, einige kriechen an ihnen herauf und wagen sich vor bis in die Tiefen meiner Unterröcke, wo sie meinen Schoß umschmeicheln, während ich entlang uralter, vergessener Pfade der heiligen Stätte immer näher komme. Ich breite meine Wolldecke über dem Stroh aus und steige dann auf den Hügel, wo ich meinen Körper im Mondlicht bade und mein Gebet wiederhole:
"Ich rufe dich, Göttin des Waldes,
kennst den Wunsch in meiner Brust.
Ich bitte dich, Göttin des Waldes,
erwecke diese Nacht die Lust:
Wecke die Macht der Begierde
in dem Mann, den ich begehr'.
Führ in zu mir wie ein Tier,
lass ihn knien, bring ihn her.
Dies ist mein Wunsch, dies ist mein Verlangen."
***
Er ergriff sein Gewehr und warf sich die Fallen über die Schulter, kniff ihr hart in die Pobacke und nahm Abschied.
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