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LEON SCHULZ

PRAXISGUIDE
FAHRTEN SEGELN

VOM TRAUM ZUM TÖRN



Für Gaby, die sich zu jedem Segel-Saisonstart einen kompakten Refresher wünscht. Mögen wir noch viele Jahre gemeinsam, sicher, komfortabel und gemütlich die Welt mit unserem Segelboot bereisen und erkunden.

INHALT

Einleitung

Das Segelrevier

Das Fahrtenschiff

Konstruktion und Ausbau

Innenausstattung

Sicherheit des Schiffes

Gebrauchtboote

Sicherheits- und Notfallausrüstung

Kompetenz

Ausrüstung

Die Rettungsweste

Die Rettungsinsel

Notsender

Blitzeinschlag

Feuer und Gas

Wartung, Pflege und Zustand

Vor dem Ablegen

Der Bootscheck

Der Motor

Planung

Der Crewcheck

Kleidung

Seekrankheit

Wachen, Aufgaben und Regeln

Der Wettercheck

Das globale Wetter

Mittelmeerwetter

Atlantische Küste

Ost- und Nordseewetter

Wellen

Nebel

Wetter-Apps, Wetterbesprechung und Planung

Der Navigationscheck

Grobe Abschätzung des Törns

Gefahren und Funkfrequenzen

Gezeitenhöhen

Gezeitenströmung

Der zu steuernde Kurs – Course to Steer (CTS)

Geschätzte Position – Estimated Position (EP)

Pilotage- und Passageplan

Der Törn

Hafenmanöver

Anlegen

Ablegen

Segeln

Segel setzen und trimmen

Segel reffen

Navigieren

Ausguck und Kollisionsverhütung (KVR)

Nachtsegeln

Nebel und Radar

Aufstoppen und MOB

Ankern

Der Sundowner

Danksagung

Register

EINLEITUNG
Was bedeutet eigentlich das Wort »Fahrtensegeln«?

Das aus »Fahrt« und »Segeln« zusammengesetzte Wort will viel mehr zum Ausdruck bringen als Boot fahren oder einfach nur segeln. Es steckt so viel Dynamik darin, so viel Abenteuer und so viel Freiheit.

Ein Leben in harmonischer Verbundenheit mit der Natur lässt uns echter, ehrlicher und aufmerksamer leben. Wir spüren die natürlichen Wurzeln unserer Existenz. Prioritäten verschieben sich wie selbstverständlich von materiellen und existenziellen Aspekten hin zur Freude an der Natur und allem Lebendigen. Damit kommen wir – vielleicht für manche überraschend – auch unserem eigenen Selbst näher. Wer die Natur und das Leben um sich herum wertschätzend wahrnimmt, wird auch sich selbst gegenüber eine akzeptierende, wohlwollende und liebevolle Haltung einnehmen. Vielleicht ist es das, was einen großen Teil der Faszination des Fahrtensegelns ausmacht und der Grund dafür ist, warum man nicht selten auch schwer kranke Fahrtensegler antrifft, die mit dem Wissen ihrer eigenen prognostizierten Endlichkeit noch extrem wertvolle Erfahrungen suchen.

Fahrtensegeln riecht nach aktiver Selbstbestimmung, aber ohne zu viel Anstrengung. Der Wind generiert die Fahrt, wir selbst die Erlebnisse. Fahrtensegeln kann für manche auch nach Schönwettersegeln klingen. Auf jeden Fall steckt Bewegung dahinter, die lebensbejahende Fantasien weckt. Diese können nicht nur während kommenden kalten Winterabenden, sondern vielleicht auch an unserem eigenen Winterabend des Lebens noch lange in Erinnerung gerufen werden, um so wunderschön auf eigene Freizeiterlebnisse zurückzublicken. Fahrtensegeln kann zur eigenen Entwicklung und vielleicht sogar zur Selbstverwirklichung führen. Es riecht nach Entdeckungslust und Achtsamkeit. Zurück zur Natur und individuellen Gestaltung des Lebens oder zumindest der Freizeit! Allein, mit seinem Partner, der Familie oder mit besten Freunden.

Was charakterisiert einen Fahrtensegler?

Fahrtensegler sind im Gegensatz zu Regattaseglern eher gemütlich unterwegs und vor allem das: unterwegs. Unterwegs mit einer Einschränkung: temporär, also auf Zeit. Genauer: auf eher kurze Zeit, also mal über Nacht, mal im Rahmen eines (normalen) Urlaubs. Das Überqueren von Ozeanen wird lieber den Blauwasserseglern überlassen, die zum Aussteigen oder zumindest für ein Sabbatical auf lange Zeit ihren Lebensstil verändern wollen.

Fahrtensegler wollen weder aussteigen noch sich großartig verändern. Sie möchten nur ab und zu dem Alltag entrinnen und genussvoll reisen. Das Ganze gern versehen mit einem Hauch von Abenteuer: aber bitte ohne jegliche Angst! »Abenteuer ohne Schiss« eben, das heißt beispielsweise auch, möglichst ohne Wetterüberraschungen oder Stürme!

Es geht um eine Art von Urlaub, der für einige wie eine kleine Zeitreise in die eigene Kindheit oder Jugend wirken kann. Wieder darf man erfahren, dass man noch einiges zu lernen hat. Aber statt Mathe, Erdkunde, Physik oder Fremdsprachen in der Schule zu büffeln, geht es nun um praktisches Wissen und dessen alltägliche Anwendung. Erneut darf man wieder von Zielen träumen. Neue Freundschaften mit anderen Seglern werden geknüpft, wobei die gegenseitige Unterstützung ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit schenkt. Herausforderungen werden überwunden, Grenzen verschoben, Ängste bewältigt, Reparaturen am eigenen Schiff vorgenommen. All dies führt zu einer tiefen inneren Befriedigung.

Warum ist es so reizvoll, ein eigenes Boot zu besitzen?

Mit einem Schiff unterwegs zu sein oder es sogar selbst zu besitzen, ist etwas ganz anderes, als auf vier Rädern zu reisen oder mit dem Flugzeug kurzerhand an einen neuen Ort hingeworfen zu werden. Ein Schiff bekommt einen Namen (traditionell einen weiblichen), man spricht von »ihr«, sie wird gepflegt, um sie dann aktiv entweder allein, mit dem Partner oder mit Freunden so oft wie möglich zu nutzen. Statt sich bei seiner Familie für eine Woche »Männerchartertörn« zu verabschieden, will der Fahrtensegler den Partner und die Familie wortwörtlich mit an Bord nehmen, um möglichst viel Zeit zusammen auf dem Boot zu verbringen. Die Unterschiede zwischen einem Wochenendsegler, Chartersegler, Fahrtensegler und Blauwassersegler sind natürlich fließend1.

Ein eigenes Boot zu besitzen, ist ein großer und gleichzeitig wunderschöner Schritt. Die Konsequenzen sind jedoch nicht zu unterschätzen, denn natürlich ist es praktisch, alles Komplizierte dem Vercharterer zu überlassen und nur mit einem Segelsack mit persönlichen Utensilien für eine Woche an Bord zu steigen. Ein Charterskipper übernimmt für eine kurze Zeit die Verantwortung für das Charterschiff. Ein Bootseigner hingegen ist ganzjährig für sein Schiff, dessen Ausrüstung, Pflege, Wartung und für die Planung der nächsten Segelsaison verantwortlich.

Und wem der Schritt zum eigenen Schiff noch zu groß erscheint, der kann gern erst einmal mit anderen Schiffsbesitzern reden, um von ihnen inspiriert zu werden, zu lernen und Tipps über Bootswahl und -pflege zu erhalten. Hierfür eignen sich insbesondere Segelclubs und Vereine wie auch ein Gespräch mit Bootseignern beim Spaziergang in der Marina. Segler sind oft sehr gesprächig und reden gern über ihre Boote. Hat man Glück, wird man vielleicht sogar zu einem Probetörn eingeladen. Auf diese Weise sammelt man immer mehr unterschiedliche Erfahrungen, die hilfreich sind, um die persönlichen Vorlieben bzw. das individuell zu einem passende Boot zu finden.

Muss ich viel lernen, um mit dem eigenen Schiff auf Fahrt zu gehen?

Die komplexen Kompetenzen, die nötig sind, um dem eigenen Schiff gerecht zu werden, entwickeln sich langsam aus der Summe der über die Jahre gemachten Erfahrungen – und eigenen Fehler! – sowie des theoretisch angeeigneten Wissens aus Büchern, Seminaren und Kursen.

Fahrtensegeln ist vielschichtig, grenzenverschiebend und ein fortlaufender Prozess, in dem man stetig dazulernt. Mit anderen Worten: Es wird nie langweilig!

So ist beispielsweise die Beurteilung des Wetters Erfahrungssache. Für den einen mag ein Gegenankreuzen bei 1,5 m Welle und 15 kn wahrem Wind schon abenteuerlich sein, während es dem Erfahrenen höchstens unbequem erscheinen mag.

Es gibt viele Tricks, sich aus einer ungünstigen Situation herauszuhelfen, sei es ab- oder beizudrehen, zu reffen oder schlicht in den Hafen zurückzukehren und das nächste Mal den Wettercheck genauer durchzuführen. Hauptsache, alle an Bord haben Spaß und keine Angst!

Beim Fahrtensegeln geht es nämlich gerade nicht um die Maximierung der Meilen oder der Geschwindigkeit. Vielmehr geht es um Entdeckung, Freude an der Natur und am Reisen sowie um den Mut, als Skipper unbekannte Häfen und Reviere anzulaufen und gegebenenfalls auch ursprüngliche Pläne zu verändern.

Das Können muss nicht perfekt sein, das Wissen nicht allumfänglich. Man braucht auch keinen fetten Geldbeutel, um sich ein Boot zu kaufen, denn streng genommen gibt es für jedes Budget ein Boot. Es geht generell beim Segeln, ganz besonders aber beim Fahrtensegeln, in erster Linie darum, seine eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen und verantwortungsbewusst zu handeln.

Reicht es, nur dieses Buch zu lesen?

Dieses Buch soll eine Übersicht über relevante Aspekte des Reisens mit einem Schiff vermitteln: vereinfacht, praxisnah und verkürzt dargestellt.

Wenn der Wunsch nach Vertiefung in die verschiedenen Themenbereiche ausgelöst werden sollte, gibt es viele gute und spannende Bücher über Navigation, Technik, Bootspflege, Kochen, Crewmanagement oder einfach nur das Segeln an sich.

Dieses Buch ist in der chronologischen Reihenfolge geschrieben, in der man einen Fahrtensegeltörn angehen würde: Nach der Revier- und Bootswahl wird das Boot ausgerüstet. Der Törn wird geplant und vorbereitet, bevor es dann schließlich zum eigentlichen Segeln geht – von Hafenmanövern über Segeltrimmen bis hin zum Ankermanöver. Das Buch gibt damit eine gute Übersicht über relevante Aspekte und Kompetenzen, die notwendig sind, um auf einen Fahrtentörn gehen zu können.

Durch den Aufbau des Buches im FAQ-Stil ist es nicht zwingend notwendig, das gesamte Buch auf einmal zu lesen, sondern es ist ebenso zum Querlesen oder auch Auffrischen wesentlicher Aspekte vor der neuen Segelsaison geeignet. Darüber hinaus helfen Infokästen und Eselsbrücken dem Segler, wesentliche Informationen auf einen Blick parat zu haben. Tipps und Hinweise auf typische Fehlerquellen zeigen hilfreiche Bewältigungsmöglichkeiten und warnen vor Fallen, um möglichst stressfrei zu segeln.

In diesem Buch werden an einigen Stellen englische Ausdrücke verwendet. Der pragmatische Hintergrund hierfür ist, dass viele Segler – insbesondere solche, die in Gezeitengewässern segeln – einen englischsprachigen Almanach oder Revierführer benutzen möchten. Dazu ist es hilfreich, bereits mit den wichtigsten englischen Begriffen vertraut zu sein.

Und nun: Leinen los!

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1 An dieser Stelle soll noch darauf hingewiesen werden, dass dies selbstverständlich ein Unisex-Buch ist. Wenn von »dem Skipper« oder »dem Segler« die Rede ist, ist natürlich auch jedes andere Geschlecht damit gemeint.

DAS SEGELREVIER

Was ist das Huhn und was ist das Ei? Erst das Boot oder erst das Revier entscheiden?

Der angehende Fahrtensegler tut gut daran, sich erst einmal zu überlegen, wo er sein Boot hinlegen möchte und welches Revier er bereisen will. Davon abhängig ist dann oft die Wahl des Bootstyps und der für das Revier notwendigen Ausrüstung. Natürlich ist es streng genommen sehr gut möglich, mit einem für das Mittelmeer konstruierten Schiff auch um die Britischen Inseln zu segeln oder mit einer alten, britischen, hochseetauglichen Fahrtenyacht im Mittelmeer zu schippern. Aber es ist kein Zufall, dass sich die verschiedenen Schiffstypen in den entsprechenden Revieren ansammeln.

Fahrtensegler wechseln natürlich auch ab und zu ihr Revier und kaufen deswegen nicht unbedingt gleich ein anderes Boot. Trotzdem gilt: Es gibt plausible Gründe, warum Boote in den verschiedenen Revieren oft unterschiedlich aussehen, und deshalb ist es gut – bevor sich der Fahrtensegler ein Boot kauft –, zu überlegen, wo man in den nächsten Jahren vor allem segeln möchte. Ein Kimmkieler, der im Watt wunderbar bei Niedrigwasser auf den Sandboden gesetzt werden kann, macht weniger Sinn, wenn damit in der Ostsee gesegelt werden soll, wo eher gute Kreuzeigenschaften am Wind von Bedeutung wären. Eine riesige Genua und ein kleines Großsegel sind dort besonders sinnvoll, wo meist raumschots gesegelt wird, während kleine Vorsegel oder sogar eine selbstwendende Fock, die beim Wenden rasch die Seite wechselt, vor allem in engen Sunden, wo man viel kreuzen muss (z. B. in den schwedischen Schären), die bessere Wahl sind.

Ein Boot mit kleinem, geschütztem Cockpit, vielleicht sogar mit einer Glasscheibe oder einem Hardtop zu versehen, ist im rauen Wetter des Nordens eher zielführend als bei einem typischen Mittelmeer-Boot mit riesigem (ungeschütztem) Cockpit. Dort wird besser ein festes Sonnendach (Bimini) gespannt, das eher für warme Hafentage passt.

Welches Boot und welche Ausrüstung Sinn ergeben, ist also sehr individuell. Dabei macht es natürlich einen Unterschied, ob man mit einer fahrtensegeltauglichen Jolle mit Zelt unterwegs ist oder ob eine ozeantaugliche Yacht zum Fahrtensegeln genutzt werden soll. Beides hat seinen Reiz, denn dasselbe Revier wird ganz unterschiedlich erlebt. Der gesunde Menschenverstand ist immer gefragt, und die persönlichen Bedürfnisse an Sicherheit und Bequemlichkeit sollten in jedem Fall immer berücksichtigt werden.

Wenn das Revier festgelegt ist, kann als Folgeschritt viel einfacher auf das passende Boot, dessen Ausrüstung und die Kompetenz der Crew eingegangen werden.

Was ist besser: Ein Revier in nächster Nähe oder lieber ein passenderes Revier weiter entfernt?

Für Segler Süddeutschlands, der Schweiz oder Österreichs könnte das nächste Revier im Mittelmeer liegen. Für Mittel- und Norddeutsche wären eher die Ostsee, die friesischen Küsten oder die Niederlande in nächster Nähe und mit dem Auto erreichbar. Auch Wochenendtörns sind hier denkbar.

Andere nehmen das Flugzeug, um zum Boot zu gelangen, und beginnen dort ihre Törns. Wieder andere haben die Idee mit dem festen Liegeplatz aufgegeben, segeln von Jahr zu Jahr im Urlaub zu immer neuen Winterlagern und überspringen die Wochenendtörns. Es kommt einfach darauf an, wo man im Verhältnis zum nächsten Meer wohnt, ob die Wochenenden zum Segeln genutzt werden sollen oder ob man alles auf einen oder zwei Urlaube im Jahr verlegt und keinen festen Liegeplatz haben möchte. Liegeplätze in populären Revieren sind nämlich in letzter Zeit rar und teuer geworden.

Es gibt unzählige spannende und wunderschöne Segelreviere, die ein Fahrtensegler bereisen kann. Dabei öffnet eine einzige Nachtfahrt das Tor zu weiteren, völlig neuen Revieren. Wenn man beispielsweise an einem Morgen startet und nur durch eine einzige Nacht segelt, kommt man bereits am nächsten Abend schnell an einem Ziel an, das gut und gern 200 sm entfernt liegen kann.

Beispiel:

Das Boot segelt mit 5,5 kn. Es wird morgens um 08:00 Uhr abgelegt. Nach 35 Stunden kommt man am folgenden Abend um 19:00 Uhr an und ist 35 x 5,5 = 192 sm gesegelt.

In einem Schlag – oder besser dank nur einer durchsegelten Nacht – kann man die deutsche Ostseeküste verlassen und ist schon in den Schären Schwedens. Eine weitere Nacht, und man ist bereits an der Südspitze Norwegens. Fast muss der Fahrtensegler aufpassen, nicht plötzlich zum Blauwassersegler zu mutieren!

Der Gedanke ist hierbei aber nicht, in kurzer Zeit möglichst viele Meilen zu schrubben – ganz im Gegenteil: Ist man erst in einem Revier angekommen, kann nun viel Zeit für gemütliches »Cruising« aufgewendet werden.

Was begrenzt das Segelrevier eines Fahrtenseglers?

Streng genommen eigentlich nichts! Wenn ein Fahrtensegelgebiet doch irgendwie definiert werden soll, hilft es, auf die IMO-Aufteilung der Meere zu schauen, die das Gebiet eines Küstenseglers klar festgelegt hat. Nach GMDSS-Definition (Global Maritime Distress and Safety System) bewegt man sich in Gebieten, die von der IMO (International Maritime Organisation) als »Area 1« definiert werden, oder kurz »A1«. Das sind jene Gebiete, die noch über UKW-Funk abgedeckt werden können, d. h. der nächste Seenotrettungskreuzer ist im Notfall nicht weit entfernt. Selbst, wenn dieser nie gebraucht werden sollte, ist es doch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass eine rettende Hand, eine beruhigende Stimme oder ein anderes Schiff nie weiter entfernt erscheint als der Sendeknopf der UKW-Anlage.

Die A1-Gebiete sind neben (fast) der gesamten Ostsee, die Küstengebiete des Mittelmeeres und der Nordsee. Nicht dazugehörig ist das Überqueren der Nordsee beispielsweise von Deutschland nonstop nach Schottland, und streng genommen führt auch die Überquerung von Norwegen nach Shetland kurzzeitig aus dem A1-Gebiet heraus. Die für Fahrtensegler interessanteren Überquerungen von der deutschen Ostseeküste direkt nach Schweden, von England nach Frankreich oder Irland, von Südfrankreich oder Italien nach Korsika sowie die Strecke zwischen den Balearen und dem spanischen Festland sind hingegen vollständig inbegriffen.

Jedem privaten Skipper ist es natürlich freigestellt, das persönliche Risiko abzuschätzen und sich kurzzeitig bei schönem Wetter auch außerhalb der Grenzen zu bewegen, denn illegal ist es nicht. Man sollte sich aber dessen bewusst sein, dass man sich dann außerhalb der garantierten Reichweite von UKW an Küstenstationen befindet und der DSC-Notknopf am Gerät nicht notwendigerweise bis an Land reicht. Je weiter man sich vom sicheren Hafen entfernt, desto genauer sollte man über die Großwetterlage Bescheid wissen und desto penibler sollte die mitgenommene Ausrüstung geplant werden und entsprechende Vorbereitungen getroffen sein. Wird in A1-Küstennähe gesegelt, bedeutet das nicht nur eine bestehende Kommunikationsmöglichkeit, sondern auch, dass der nächste Hafen oft in nicht mehr als maximal sechs Stunden erreicht werden kann (z. B. 36 sm bei 6 kn Fahrt). Wettervorhersagen sind heute für so kurze Schläge wie 12 bis 18 Stunden äußerst zuverlässig, und ein Rettungshubschrauber hat auch im schlimmsten Fall kein Problem, den Notgestellten zu erreichen. Wenn es der Crew unwohl werden sollte, sei es durch Seekrankheit, Angst oder medizinische Notfälle, ist es auch schön, zu wissen, dass man sich selten weiter als ein paar Stunden vom Land entfernt befindet.


Dies erhöht streng genommen allerdings nicht die Sicherheit, sondern eher das persönliche Wohlbefinden. Denn bekanntlich ist ja das gefährlichste auf See gerade Land. Blauwassersegler empfinden Küstennähe oft als viel anstrengender und aufregender als den offenen Ozean, denn plötzlich muss dem regen Schiffsverkehr ausgewichen und Untiefen müssen umfahren werden. Sich den wegen der geringen Wassertiefe in Küstennähe aufbauenden kurzen, steilen Wellen auszusetzen, empfinden viele Segler ebenfalls als unangenehmer als die lange Dünung des Ozeans.

Andererseits fühlen sich viele Segler, insbesondere Familien mit Kindern, in Küstennähe sehr wohl. Kurzfristige Landgänge sind hier jederzeit möglich. Pläne können den aktuellen Bedürfnissen spontan angepasst werden, die Tagesstrecken sind kurz, und Küstennähe ist landschaftlich reizvoll und abwechslungsreich. Nachtfahrten sind nicht notwendig, eine ständige Handy- und Internetverbindung bleibt bestehen, es gibt attraktive Ankerbuchten, die spontan zum Baden angesteuert werden können, und man muss nicht auf die Infrastruktur des Festlandes verzichten (z. B. Restaurants, Ärzte, Supermärkte).

Genres and tags

Age restriction:
0+
Release date on Litres:
12 December 2025
Volume:
420 p. 51 illustrations
ISBN:
9783667123947
Copyright Holder::
Bookwire
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