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Katja Slonawski

Silvesternacht: Erotische Novelle

LUST

Silvesternacht: Erotische Novelle ÜbersetztGesa Füßle Original NyårsnattenCopyright © 2018, 2019 Katja Slonawski und LUSTAll rights reservedISBN: 9788726151633

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Silvesternacht

Es war kurz vor Weihnachten. Noch war kein Schnee gefallen. Stattdessen war wieder kühler Regen über die Stadt gezogen und drohte damit, bis Heiligabend zu bleiben. Milla hatte ein halbes Jahr im voraus Pläne für Weihnachten und Silvester gemacht. Pläne, die sich in Luft aufgelöst hatten, als ihr Freund ihr vor einem Monat mitgeteilt hatte, dass er sie nicht mehr liebte und ihr gemeinsames Heim durch die Tür verlassen hatte. Es war schon lange nicht mehr gut gelaufen, und Milla ließ ihn ohne großes Drama gehen. Sie verstand, dass es vorbei war und wusste warum. Sie setzten ein Datum fest, wann sie ihre Sachen auseinandersortieren würden, stornierten die Silvesterreise nach Berlin und beschlossen, dass Milla erst mal in der Wohnung weiterwohnen würde. Es war eine kurze und undramatische Trennung. Sorgen gab es fürs Erste keine. Aber jetzt, zwei Wochen vor der Feierzeit, hatte sie keine Gesellschaft für die beiden größten Feste des Jahres.

Milla hatte eigentlich nie ein Problem damit gehabt, allein zu sein. Tatsächlich war sie eher ein einsamer Wolf. Ihre Freundinnen und Freunde – die alle in festen Beziehungen waren – sagten ihr, dass sie sich nur wieder auf den Datingmarkt begeben müsste – als ob das ein klassischer Markt wäre, den man samstags zwischen zwölf und vier besuchen könnte. Klar hatte sie es versucht. Dadurch, dass sie als freiberufliche Fotografin flexible Arbeitszeiten hatte, hatte sie viel Wartezeit bei ihren unterschiedlichen Aufträgen, und sie begann, sich die Zeit damit zu vertreiben, das Angebot auf den verschiedenen Datingapps anzusehen. Irgendwie fühlte es sich dennoch merkwürdig an. Milla hatte ihren Ex vor fast sieben Jahren über gemeinsame Freunde kennengelernt, und sie war keineswegs daran gewöhnt, sich selbst online bei Fremden anzupreisen. Das Ganze schien doch sehr intim zu sein. Gleichzeitig wollte sie sehr gern jemanden treffen, mit dem sie Silvester verbringen könnte, auch wenn es nur ein einziges Date wäre, das zu nichts Weiterem führen würde. Es fühlte sich an, als ob die Trennung sie aus der Sicherheitszone gezogen und sie in eine harte und kalte Wirklichkeit geworfen hätte: Wer war sie? Was sollte sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen? Wie sollte sie bis Silvester ein Date an Land ziehen?

Genau dieser Gedanke brachte ein Gespräch in ihrem Töpferkus in Gang. Milla ging seit einem Jahr zu einem Töpferkurs an einer Kunstschule für Hobbykünstler. Nachdem sie ihr ganzes Erwachsenenleben lang Objekte fotografiert hatte, die als Bild flach waren, interessierte sie sich mehr und mehr für dreidimensionales Schaffen, und Töpfern wirkte sich fast therapeutisch auf ihr oft stressiges Leben aus, mit seinen frühen Morgen und unsicheren Freiberufleraufträgen. Abgesehen von einer Handvoll Rentnerinnen, die alle möglichen Kurse gemeinsam zu besuchen schienen, gab es da drei andere Personen in Millas Alter. Es erfolgte immer eine natürliche Gruppenbildung zwischen den jüngeren und älteren Personen im Kurs, und in der Kaffeepause saß die jüngere Gruppe – also die von Milla – zusammen und unterhielt sich über alles Mögliche. Diesmal ging es um Weihnachts- und Silvesterfeierlichkeiten. Reihum erzählten sie, was sie während der Ferien machen würden.

„Ich fahre zu meiner Tochter nach Lund“, sagte Gisela, eine große, blonde Frau um die vierzig, die Milla ziemlich dominant fand. „Sie wollte nicht ihren Freund in Skåne zurücklassen, also fahre ich stattdessen hin. Sie sind seit zwei Monaten zusammen“, fügte Gisela hinzu und verdrehte die Augen.

„Ich feiere bei meiner Schwester und ihrer Familie. Meine Kinder feiern bei ihrem Vater. Es wird das erste Weihnachten ohne sie, das ist also neu“, sagte Soraya, von der alle wussten, dass sie im Sommer geschieden worden war. Soraya rückte ihre Brille zurecht und zupfte an einer ihrer dunkelgrauen Locken.

Karin, eine kurzhaarige Frau mit glanzlosem Haar, die stets wie eine graue Maus gekleidet war, sagte wie immer nichts. Milla vermutete, dass sie sehr schüchtern war. Gisela knuffte Karin in den Arm. Karin blickte zu den anderen hoch und ihre Augen flackerten.

„Papa“, sagte sie. „Ich feiere mit meinem Vater.“

Milla erzählte, dass sie zu Weihnachten allein sein würde, aber dass sie darüber nachdachte, bei der Armenspeisung zu helfen, da sie nichts Besseres vorhatte. Als sie damit fortsetzten, über Silvester zu diskutieren, stellte sich heraus, dass weder Gisela, noch Soraya etwas zu Silvester vorhatten.

„Ich auch nicht“, sagte Milla.

Karin schüttelte den Kopf. In Giselas Augen leuchtete etwas auf. Milla hatte das schon früher gesehen, wenn Gisela eine neue Idee für ein Keramikkunstwerk hatte und einen damit überrumpelte.

„Hört mal, Mädels“, sagte Gisela verschwörerisch, „sollen wir nicht ein gemeinsames Blinddate organisieren? Wir könnten eine Zeitungsannonce aufgeben und so tun, als wären wir nur eine Person, die Gesellschaft sucht, und dann entscheiden wir vor Ort, wer mit wem zusammenkommt.“

„Wer würde denn an Silvester auf ein Date gehen wollen? Besteht da nicht das Risiko, dass man an einen verzweifelten Verlierer ohne Freunde und Familie trifft?“, fragte Milla.

„Jemanden wie uns?“, erwiderte Gisela säuerlich.

Milla verstummte.

„Wir können das wie ein Gruppendate handhaben: Wenn bei einer jemand anbeißt, kann sie gehen, wenn nicht, haben wir gemeinsam Spaß.“

„Und wenn eine von uns allein übrig bleibt?“, sagte Karin leise, die sich damit offensichtlich auf sich selbst bezog.

„Das sehen wir dann“, sagte Gisela und wischte Karins Bedenken fort. „Das Wichtigste ist, dass wir Spaß haben, oder? Was meint ihr, legen wir los?“

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