Read the book: «Heloise»

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Karoline von Woltmann

Heloise


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066114169

Inhaltsverzeichnis

Vorrede.

I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

VIII.

IX.

X.

XI.

XII.

XIII.

XIV.

XV.

XVI.

XVII.

XVIII.

XIX.

XX.

XXI.

XXII.

XXIII.

XXIV.

XXV.

XXVI.

XXVII.

XXVIII.

XXIX.

XXX.

XXXI.

XXXII.

XXXIII.

XXXIV.

XXXV.

XXXVI.

XXXVII.

XXXVIII.

XXXIX.

XL.

XLI.

XLII.

XLIII.

XLIV.

XLV.

XLVI.

XLVII.

Vorrede.

Inhaltsverzeichnis

Im Jahr 1804 erschien ein liebliches Produkt, »Euphrosyne,« worin zarter und tiefer Geist die schönsten Geheimnisse des weiblichen Herzens ausgehaucht hatte.

Aber eine dürftige Fabel und nichtige männliche Charaktere waren eine unangenehme Erscheinung in dem reinen Aether, welcher durch genialisches Gefühl und gedankenvolle Phantasie hingeströmt war.

Jene herbe Masse ist nun hinweggenommen, und eine bestimmte Wirklichkeit ist nur in soweit angedeutet, als die Empfindung, derselben wie eines Anlasses bedarf, um sich auszusprechen. Das Gefühl ist sich hier selbst der Gegenstand, und das Heldenmäßige in dieser Dichtung ist nicht der Geliebte, sondern die Liebe.

Dadurch wird zugleich das tiefste Geheimniß des weiblichen Herzens verrathen, nämlich, daß es mehr um die Liebe, als den Geliebten sorget, es jener in ihrer schönen Eigenthümlichkeit bedarf und in ihr selig ist, wenn der Geliebte in der Wirklichkeit dem Bilde des zarten und tiefen Busens auch wenig entsprechen sollte.

Alles hat das weibliche Gemüth, welches hier redet, durch die Liebe begriffen, und diese ist das Genie, welches hier schaffet.

Das jugendliche Herz, dem zuerst eine Wirklichkeit gegeben wurde, aus welcher die Phantasie schlechterdings keinen Geliebten bilden konnte, giebt seine Liebe an die Natur und die Sehnsucht. Dadurch bekommt sie etwas Allgemeines und Wehmütiges, und so ist der Grundton der ganzen Dichtung angegeben, welcher selbst aus dem Jubel über den gefundenen Geliebten hervorhallt. Er bleibt wie ein Glockenklang, der von dem Grabe herkommt, in welches die Freuden dieser Liebe früh versinken sollen.

Selbst diesen Freuden entzieht sich die Geliebte, um der Freundin wohlzuthun. Das weibliche Gemüth kann die Wonne der Liebe, nur nicht die Liebe aufopfern, um Pflicht und Wohlwollen zu üben.

Die Sprache dieses Buchs ist wie die Liebe selbst. Heloise heißt seine Ueberschrift; denn dieser Name ist Symbol für die weibliche Liebe geworden.

Berlin im December 1808.

Woltmann.

I.

Inhaltsverzeichnis

So hat denn der Tod das Band einer unglücklichen Ehe gelöset, und ich bin Wittwe, bin frei. Ist es Betrübniß, was ich empfinde? Die Freude wenigstens ist meinem Herzen ferner, als der Gram: ich bin sanft zur Wehmuth gestimmt.

Auch wenn man nicht glücklich im ehelichen Verhältniß war: so schlingen doch tausend Erinnerungen, worin des Gatten Bild verwebt ist, tausend kleine Gewohnheiten, die auf ihn Bezug hatten, ein Band um Vermählte, dessen Auflösung dem fühlenden Herzen schmerzlich wird. Das Licht der gesenkten, verlöschenden Fackel, fällt auf das Gute des Sterbenden, auf unser Unrecht gegen ihn; und der Schatten des Todes bedeckt seine Fehler. Ich habe nie am Abend meinen Gemahl verlassen können, wenn er mich beleidigt oder gekränkt hatte, ohne ihm versöhnt eine gute Nacht zu wünschen; und nun sollte er den langen Todesschlaf schlummern, ohne daß ich ihm vergäbe, ihn von ganzem Herzen beweinte? Ich habe nie seinen Tod gewünscht: das Gefühl des Daseyns, das ich am Busen der ewigen Natur dankbar mit jedem Athemzug der balsamischen Luft in meine Seele trank; das Geräusch der leisen ahnungsvollen Stimmen der lebendigen Schöpfung, das mich oft in Träume wiegte, und meinen Geist in schwellender Sehnsucht nach einem unbekannten Etwas, durch das weite Weltall hinauf zum Vater der Liebe trug; dies alles soll er nicht mehr empfinden? diese Luft nur das Gras auf seinem Hügel berühren? diese Töne sollen über sein Grab verklingen, ohne daß sie ihn wecken; und ich soll ihn nicht beklagen? mich nicht anklagen, daß durch mich sein Daseyn nie so süß ward, als ich es ihm hätte machen können? Nein, Guter! ich darf nicht sagen, Geliebter! wenn dein Geist von mir weiß, so nimm in meinen Thränen, in Deinem unentweihten Andenken, den letzten Zoll der Freundschaft, der Achtung!

Es ist mir, als müßte er in jenen Gefilden, eine Ahnung von meinem Kummer, und Freude daran haben. Wir alle scheiden doch ungern aus dem Lebensreiche, ohne betrauert zu werden; und sanft und freundlich geleitet der Gedanke an den Schmerz der Hinterlassenen, uns hinab in das stille Land des Friedens.

II.

Inhaltsverzeichnis

Meine Lage wird sich verändern, und ungern vertausch ich das Land mit der Stadt, ungern meine stille Freiheit mit den Fesseln, worin die Gesellschaft mich schmieden wird. Hier sah ich Menschen, wann ich wollte, und kehrte in meine Einsamkeit wieder zurück, so bald es mir gefiel. Diejenigen, welche mich umgaben, waren lebendig genug, mich so lange zu fesseln, als sie gegenwärtig waren; doch ihre Abwesenheit ließ keine Leere in meiner Brust zurück. Ich fand mich immer gern selbst wieder, unter meinen Bäumen, meinen Blumen, am Busen meiner ewigen Freundin, der Natur. Wenn vor mir die Sonne groß und glänzend hinuntersank; wenn leichte Abendflocken sich um sie drängten, und von ihrem Scheideblick angelächelt, sanft verglühend durch den stillen Himmel zogen; vor mir alles Glanz und Glut war, und hinter mir das Thal von dunkelblauen Bergen eingeschlossen, in duftiger, ruhiger Dämmerung schwamm, wie eine schöne Vergangenheit; zu meiner Rechten der Strom den Abendhimmel in klaren Wellen zwischen den üppigen Ufern dahintrug: wie habe ich mich da selig, näher allem Großen und Guten gefühlt! Wie strebte mein innerstes Wesen, hinauszudringen aus dem Kerker, sich ganz in sie zu ergiessen, sie ganz zu fassen, die göttliche Natur. Diese Freuden muß ich nun entbehren, und welchen Ersatz beut mir die Stadt?

Ich bin ungerecht! komme ich nicht zu einer Freundin, die meine Jugend erzog?

Schönes Land, das ich verlasse, freundlicher Fluß, ahnungsvolle Berge, schönes himmlisches Land, ein Land der Sehnsucht wirst du mir seyn, wenn ich entfernt von dir nun leben werde.

III.

Inhaltsverzeichnis

Jenen Augenblick vergessen? und wäre es möglich, sein Glück zu vergessen? Wie oft, in Gedanken, habe ich ihn aufs neue durchlebt; meine Seele hat ihn aus dem Flug der Zeit gerettet, und ewig festgehalten.

Es war der schönste Sommermorgen. Bunte Schmetterlinge flatterten im Sonnenstrahl zwischen dem klaren Himmel, und der tausendfarbigen Wiese umher, schwangen sich auf, und sanken nieder, wechselsweise vom Himmel und von der Erde angezogen. Ich schlich über die Wiese meinem Wäldchen zu. Lieblich spielte um mich das wechselnde Grün des Laubes, vom Winde durch einander bewegt, Vögel schlüpften durch die Zweige, ihr frischer abendtheuerlicher Waldgesang ertönte nah und fern, und unterbrach die Stille und das summende Geschwirr der Insekten. Und ich ließ mich von diesen Eindrücken allen, hinschaukeln in die selige Träumerei ihres Genusses, dessen Fülle immer regsamer, und durch das ferne Murmeln des Waldbachs immer geistiger wurde.

Da lag der Held, über die Quelle gebeugt: mit den edlen Zügen gaukelten die Gewässer, und er löschte seinen Durst, den klaren Kristall mit der Hand schöpfend. Seine Flinte ruhte im Grase, und zwei schöne Doggen spielten um ihn her.

Ohne Theilnahme hatte ich von seinem Aufenthalt in der Gegend gehört. Ich sah ihn zum ersten mal, und doch war er mir, als hätte ich ihn schon lange gekannt. Er begleitete mich aus dem Gebüsch; als wir die Wiese erreicht hatten, verließ er mich mit großem Blick, und verschwand bald in den Bäumen.

Erst als er fort war, empfand ich die Leere, welche nun in mir war. Immer wiederhohlte ich mir seine Worte, und ahmte die liebe Stimme nach.

Er verließ die Gegend: ich sah ihn nicht wieder. O Theurer! wo du auch weilest, meine Seele ist bei dir!

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Age restriction:
18+
Release date on Litres:
17 January 2025
Volume:
50 p. 1 illustration
ISBN:
4064066114169
Publishers:
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Bookwire
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