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Über den Autor

Farid ud-Din Attar (um 1120 – 1220) gehört – neben Hafiz und Rumi – zu den größten persischen sufimystischen Dichtern. Er lebte als Drogist, sammelte 97 Biographien klassischer Sufi-Derwische, verlor im Alter von etwa 100 Jahren im Mongolensturm sein Leben und hinterließ mehrere gereimte Mathnawi/Lehr-Epen, von denen die weltberühmten »Vogelgespräche« bisher nur auf englisch-französischen Umwegen ins Deutsche gelangten. Hier nun sein Meisterstück erstmals direkt aus dem Persischen ins Deutsche übersetzt von Katja Föllmer.

Dr. Katja Föllmer studierte Iranistik, Arabistik / Islamwissenschaft und Ethnologie in Göttingenund Teheran und promovierte im Fach Iranistik. Seit 2003 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Seminar für Iranistik in Göttingen.

Zum Buch
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»Gläubige und Ungläubige sind gleichermaßen in Blut getaucht und haben sich verirrt. Mir schwindelt. Ich bin nicht ohne Hoffnung, aber voller Ungeduld.«

Das persische Versepos des Dichterfürsten Farid ud-Din Attar aus dem 12. Jahrhundert erzählt eine poetische und religionsphilosophische Geschichte: Unter dem Vorsitz des Wiedehopfs entschließt sich die Versammlung der Vögel ihren legendären König, den Wundervogel Simurgh, im Qaf-Gebirge aufzusuchen. Auf der beschwerlichen Reise durch das Tal der Suche, der Liebe, der Erkenntnis, der Unabhängigkeit, der Einheit, des Erstaunens und des Todes – alle sieben Stadien des Sufi-Einweihungspfades -, mit vielen Gesprächen und eingestreuten religiösen, subtilen und kuriosen Geschichten, Märchen, Anekdoten, Gleichnissen, in denen Dschinne, Derwische, Scheiche, aber auch Jesus und Sokrates vorkommen, gehen tausende von ihnen zugrunde. Doch für die Überlebenden hat sich die Mühe gelohnt: Sie erreichen die höchste Stufe der Vollkommenheit und erkennen sich selbst.

Haupttitel

Impressum


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte vorbehalten
Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2011 Übersetzung: Dr. Katja Föllmer, Göttingen Nach der Ausgabe Mohammad Reza Schafi’i-Kadkani: Attar-e Neischaburi: Mantiq ut-Tair. Teheran: Sochan 1384 [2005], S. 233-446. Korrekturen: Christine Klinger, Usingen Covergestaltung: Nele Schütz Design, München Bild-Collage: Nele Schütz Design, München eBook-Bearbeitung: Medienservice Feiß, Burgwitz Gesetzt in der Palatino Ind Uni – untersteht der GPL v2 ISBN: 978-3-8438-0039-6 www.marixverlag.de

Inhalt

Über den Autor

Zum Buch

Vorwort der Übersetzerin

Einleitung

Durch Brotgenuss erworbenes Recht

Zur Beschreibung des Propheten

Das Kind im Mühlbach

Zur Beschreibung Abu Bakrs des Rechtschaffenen

Zur Beschreibung von Omar

Zur Beschreibung von Osman

Zur Beschreibung von Ali

Anekdote über Omar

Anekdote über die Opferbereitschaft Alis

Anekdote über Ali

Anekdote über Bilal

Über die Zuverlässigkeit Alis und Abu Bakrs

Anekdote über Rabi’a

Gebet Mohammads

1. Anfang des Buches: Die Versammlung der Vögel

2. Die Rede des Wiedehopfs zu den Vögeln

Erzählung Simorghs

3. Die Rede der Nachtigall

Die Prinzessin und der Derwisch

4. Die Rede des Papageien

Der Irre und Chidr

5. Die Rede des Pfaus

Der Lehrer und der Schüler

6. Die Rede der Ente

Allegorische Anekdote

7. Die Rede des Rebhuhns

Der Stein des Salomon

8. Die Rede des Geieradlers

Mahmud und der Weise

9. Die Rede des Falken

Der König und sein Sklave

10. Die Rede des Reihers

Der Weise und das Meer

11. Die Rede der Eule

Über die Liebe zum Gold

12. Die Rede des Finken

Erzählung von Jakob

13. Die allgemeine Haltung der Vögel

Fragen der Vögel an den Wiedehopf

Der schöne König

Anekdote von Alexander

Mahmud und Ayaz

14. Die Antwort des Wiedehopfs

Die Geschichte vom Scheich San’an

15. Die Vögel beschließen, zum Simorgh zu gehen

Anekdote von Bayazid

16. Der Abflug der Vögel und die Ausrede des ersten Vogels

Mas’ud und der Fischerjunge

Ein Mörder im Paradies

Mahmud und der Dornensammler

17. Die Ausrede des zweiten Vogels

Anekdote vom Scheich Nuqani

Der nackte Verrückte

Rabi’a auf der Wallfahrt

Vom Irren und den Fliegen

18. Die Ausrede des dritten Vogels

Der reuige Sünder

Gabriel und der Diener Gottes, der ein Christ war

Der Sufi und der Honigverkäufer

Worte Gottes zu Moses

Erbarmen für einen Sünder

Erzählung von Abbase

19. Die Ausrede des vierten Vogels

Schibli im Haus der Ausschweifungen

Streit zwischen zwei Sufis

Der König von Ägypten und der Verliebte

20. Die Ausrede des fünften Vogels

Der Totengräber und die Triebseele

Abbase über die Triebseele

Der König und der Bettler

Die zwei Füchse

21. Die Ausrede des sechsten Vogels

Klage Iblis’ über einen Niederträchtigen

Brotessen als Gehorsam gegenüber Satan

Bitte um Erbarmen

Tod eines frommen Mannes

22. Die Ausrede des siebten Vogels

Gold im Besitz eines Schülers

Der Scheich von Basra und Rabi’a

Die Liebe zur Nachtigall

23. Die Ausrede des achten Vogels

Die Unvollkommenheit des Schlosses

Ein Verrückter lehnt eine Einladung ab

Die Fliege im Netz des Spinne

Der Derwisch in der Wüste

Das Erblicken der Welt und der Tod

Das Verbrennen von Aloeholz

24. Die Ausrede des neunten Vogels

Über den Makel der Liebe

Verkauf einer Geliebten

Der Hund des Königs

Halladsch an der Richtstätte

Dschunaid und der Kopf seines Sohnes

25. Die Ausrede des zehnten Vogels

Die Geschichte vom Phönix

Ein Sohn trauert um seinen Vater

Über den Tod

Bitteres und süßes Wasser aus einer Quelle

Sokrates’ Grab

26. Die Ausrede des elften Vogels

Die Ablehnung eines Getränks

Der verlockende Genuss von bitterem Obst

Brot und Schläge

Eine alte Frau bittet um ein Gebet für den Frohsinn

Eine Frage nach dem Frohsinn

Eine Fledermaus will zur Sonne

27. Die Ausrede des zwölften Vogels

Das geschmückte Gefängnis

Vortritt durch Gehorsam

Dienen ist besser als Herrschen

Von der Vergänglichkeit der Würde

28. Die Ausrede des dreizehnten Vogels

Von der Freude über den Verlust des Sohnes

Die Strafe für die Vorliebe von Auberginen

Die toten Derwische

29. Die Ausrede des vierzehnten Vogels

Eine Frau bietet Garn für Joseph

Erkaufte Würde

Der Scheich unter der Brücke

Die Welt als Schachtel

30. Die Ausrede des fünfzehnten Vogels

Anekdote von Ahmad b. Hanbal

Der indische König und Mahmud

Die Prüfung des Glaubenskämpfers

Die Brüder Josephs

31. Die Ausrede des sechzehnten Vogels

Ein Verrückter und die Diener von Omid

Ein Irrer bekommt einen Ziegel auf den Kopf

Die Entschädigung für einen Esel

Der kühne Verrückte

Der Irre im Aschehaus

Anekdote von Wasiti

32. Die Ausrede des siebzehnten Vogels

Ein Schüler sieht Bayazid im Traum

Leid durch die Liebe zu Gott

Mahmud zu Gast beim Heizer

Das Wasser des anderen

33. Die Ausrede des achtzehnten Vogels

Falscher Stolz

Moses löst das Geheimnis von Iblis

Das Entsagen von Wünschen

Innere und äußere Unreinheit

Die Liebe zum Bart

Der Bart wird zum Verhängnis

Von Wolke und Seife

34. Die Ausrede des neunzehnten Vogels

Von der Liebe zu Gott

Unsterblichkeit durch Liebe

Von der Suche nach Fehlern

Zwei Betrunkene

Der Fehler im Auge der Geliebten

Schläge für einen Betrunkenen

35. Die Ausrede des zwanzigsten Vogels

Die Seele lehnt das Paradies ab

Gott spricht zu David

Ayaz lehnt die Herrschaft ab

Rabi’a spricht zu Gott

Worte Gottes an David

Mahmud vernichtet den Götzen

Mahmud verteilt die Kriegsbeute

36. Die Ausrede des einundzwanzigsten Vogels

Zulaicha prüft Joseph

Wecken zum Gebet

Die Antwort der Paradies- und Höllenbewohner

Das Gebet ohne Gebetsteppich

37. Die Ausrede des zweiundzwanzigsten Vogels

38. Das erste Tal des Suchens

Die Verfluchung Iblis’

Kein Unterschied

Madschnun sucht Laila im Staub

Geduld bei der Suche

Über die Geduld und den Sinn des Suchens

Mahmud und der Staubsieber

Die Tür ist immer offen

39. Das zweite Tal der Liebe

Die Liebe zum Getränkeverkäufer

Madschnun im Schafsfell

Ein Bettler verliebt sich in Ayaz

Der Araber bei den Glücksspielern

Ein Mann will den Geliebten töten

Abraham verweigert die Seele

40. Das dritte Tal der Gotteserkenntnis

Tränen aus Stein

Der schlafende Verliebte

Die Liebe des Wächters

Das Glück der Erkenntnis

Mahmud in der Ruine

41. Das vierte Tal der Unbedürftigkeit

Der Junge im Brunnen

Die Frage nach dem Nutzen

Das Abbild der Welt

Ein Mann lehnt das Angebot Gottes ab

Die Fliege im Honig

Ein Derwisch liebt die Tochter eines Hundehüters

Keine Rede vor Ungewaschenen

42. Das fünfte Tal der Einheit mit Gott

Das Wesen der Welt

Abu Ali und das Goldblatt

Luqman bittet um seinen Freibrief

Die Verliebten im Wasser

Mahmud und Ayaz bei der Parade

43. Das sechste Tal des Erstaunens

Die Prinzessin verliebt sich in einen Diener

Die Trauer um Tote ist besser

Der verlorene Schlüssel

Ein Scheich umkreist einen Feuertempel

Ein Schüler sieht seinen Lehrer im Traum

44. Das siebte Tal der Armut und Vergänglichkeit

Dünn wie ein Haar aus Liebe

Der Traum eines Verliebten

Die Schmetterlinge und die Kerze

Der Genickstoß

Ein Derwisch verliebt sich in den Prinzen

Der Weg zur Vereinigung

45. Das Ende der Reise der Vögel

Das Lob Madschnuns

Fragen an den Schmetterling

Die Brüder Josephs werden mit ihrem Verrat konfrontiert

Die Asche Halladschs

Die Liebe zum Sohn des Ministers

Epilog

Zuhören ist besser als Reden

Aristoteles und der Tod Alexanders

Anekdote

Der letzte Wunsch

Sinnlosigkeit des Lebens

Schibli erscheint im Traum

Die Engel mit Silber und Gold

Ein Betrunkener vor dem Derwischkloster

Worte eines Sufis

Der Käufer der Wahrheit

Salomon fragt die Ameise

Der Schmutz vom Bade

Fußnoten

Kontakt zum Verlag

Vorwort der Übersetzerin

Die Konferenz der Vögel ist wohl das berühmteste epische Werk des islamischen Mystikers Farid ad-Din Attars (ca. 1142-1221 n. Chr.). Eine vollständige Übersetzung des Textes aus dem Persischen ins Deutsche ist bislang nicht erschienen. Auszüge daraus sind von Annemarie Schimmel und Helmut Ritter übersetzt worden. Die einzige vollständige Übersetzung ins Französische erfolgte von Garcin de Tassy, die wiederum die Grundlage für englische Übersetzungen bildete.

Über Attar selbst ist nicht sehr viel bekannt. Er wurde in Nischapur im Nordosten Persiens geboren, zu einer Zeit, als die Ghaznawiden ihre Herrschaft in Chorasan bereits an die Seldschuken abgetreten hatten und die Chwaresm-Schahs ihren Einfluss in der Region vergrößerten, bis sie schließlich durch die Eroberungszüge der Mongolen untergingen. Attar soll bei einem dieser Überfälle umgekommen sein. Er zählt heute neben Dschalal ad-Din Rumi und Sana’i zu den wichtigsten persischen Dichtern der Mystik.

Die Konferenz der Vögel beschreibt die Reise der Vögel zum Göttlichen, bei der sie mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert werden. Die Vögel tragen ihrem Anführer, dem Wiedehopf, zunächst ihre besonderen Eigenschaften und Stärken vor, aufgrund derer sie sich nicht auf die Reise begeben wollen. Doch schließlich gelingt es dem Wiedehopf, sie dazu zu bewegen und sich mit ihm auf den Weg zu machen. Auf der Reise erkennen die Vögel ihre Schwächen und tragen dem Wiedehopf ihre Klagen und Ausreden vor, um den Weg nicht fortzusetzen. Dieser gibt ihnen jeweils eine entsprechende Erwiderung in Form eines Rates oder einer Belehrung, die er mit Anekdoten, Gleichnissen oder Geschichten von bekannten oder weniger bekannten historischen Personen illustriert. So gelangen schließlich dreißig Vögel an ihr Ziel.

Für die Lektüre empfiehlt es sich zunächst, die umfangreiche Einleitung Attars zu überspringen, da sie für die Allegorie selbst von untergeordneter Bedeutung ist. Sie enthält eine Zusammenfassung der Schöpfung der Welt, eine Lobrede an Gott und die Propheten und geht schließlich ausführlicher auf den Propheten Mohammad und seine vier Nachfolger, die rechtgeleiteten Kalifen Abu Bakr, Omar, Osman und Ali, ein.

Die abschließenden Worte Attars im Epilog können dagegen als Einleitung für den Leser dienlich sein. Darin wird deutlich, dass er sein Werk als Ratgeber versteht. Und in der Tat hat so manche Weisheit in ihrem Kern auch heute nicht an Bedeutung verloren.

Diese Prosaübersetzung der Verse Attars basiert auf der Teheraner Textedition von Mohammad Reza Schafi’i-Kadkani, Mantiq at-Tair. Teheran: Sochan 1384 [2005]. Sie ist keine vertiefte philologische Studie, sondern so angelegt, dass sie sich vor allem an den allgemein interessierten Leser richtet. Der Leser wird an der einen oder anderen Stelle die spezifischen Argumentationen, Gedankengänge oder die verwendeten Metapher Attars kennenlernen, die nicht nur einen Blick in die mystische Welt des Dichters erlauben, sondern auch Eigenheiten des Denkens und Verhaltens jener Zeit offenbaren. Begeben Sie sich mit den Vögeln gemeinsam auf die Reise zum Unbekannten und entdecken Sie eine Welt voller Geheimnisse.

K. Föllmer

S. 233, Verse 1-14

Einleitung

Lob auf den reinen Schöpfer der Seele, der dem Staub Leben und Glauben schenkte. Er stellte den Thron1 auf das Wasser als sein Fundament, den Erdenwesen brachte Er Leben durch seinen Atem. Den Himmel ordnete Er der Überlegenheit zu, den Staub der niederen Absicht. Dem Einen gab Er ständige Bewegung, dem anderen ständige Ruhe. Den Himmel stellte Er wie ein Zelt auf, stattete es ohne Pfosten aus und platzierte es über der Erde. In sechs Tagen brachte Er sieben Planeten hervor2 und aus zwei Buchstaben3 wurden neun Himmelskuppeln. Er vergoldete die Spielsteine der Planeten und verlor jede Nacht beim Spiel an die Himmelsschichten einen Stein. Dem Netz des Körpers gab Er unterschiedliche Zustände, dem Seelenvogel machte Er den Staub zu Eigen. Das Meer schmolz in Hingabe zu Ihm. Den Berg machte Er aus Furcht vor Ihm reglos, dem Meer vor Durst die Lippen trocken, den Stein zu Smaragd und das Blut zu Moschus. Den Geist (Gabriel) setzte er vor ihr reines Angesicht.4 Dies alles schuf Er aus der Substanz des Staubes. Den mächtigen Verstand unterwarf Er dem religiösen Gesetz. Den Körper belebte Er mit der Seele und die Seele mit dem Glauben. Dem Berg gab Er sowohl Spitze als auch Mitte, damit er sie unter Seiner Leitung erhebe.5 Mal band Er über dem Feuer Blumen zu einem Strauß zusammen6, und mal baute Er eine Brücke über das Meer.7

S. 234, Verse 15-39

Er ließ eine kleine Mücke über den Feind herfallen, der sie 400 Jahre über sich hatte.8 Einer Spinne gab Er in Weisheit ein Netz, und dem Führer der Welt, Prophet Mohammad, dadurch Ruhe.9 Er band der Ameise die Taille so dünn wie ein Haar und stellte sie Salomon gegenüber.10 Er gab ihr das schwarze Ehrenkleid der Kinder von Abbas und das ta und sin der 27. Sure, ohne sie einzufangen. Wenn Er eine Nadel bei Jesus sah,11 dann hat Er sie sofort zum Vorschein gebracht. Die Bergspitze machte er blutrot von Tulpen, den lotusartigen Blumengarten holte er aus dem Rauch.12 Stück für Stück machte er den Staub zu Blut, um daraus Achat und Rubin zu gewinnen.

Um Ihn anzubeten legten Sonne und Mond Tag und Nacht ihre Stirn in den Staub des Weges. Ihr Angesicht existiert von der Anbetung.13 Wann gab es je ein Angesicht ohne Anbetung? Der Tag wurde wegen seiner Freilassung weiß, die Nacht verkohlte wegen ihrer Ergreifung. Dem Papageien flocht Er ein Halsband aus Gold, den Wiedehopf machte Er zum Boten des Propheten. Der Sonnenvogel schlug auf seinem Weg die Federn an Seiner Tür auf wie ein runder Eisenring.

Dem Firmament gab Er den Tag- und Nachtwechsel: Wenn Er die Nacht wegträgt, bringt Er den Tag und es wird hell.14 Als Er einen Atem in den Lehm hauchte, schuf Er den Menschen und aus Schaum und Rauch die ganze Welt.

Mal gibt Er einem Hund den Weg zur Schwelle frei,15 mal öffnet Er den Weg einer Katze. Wie Er den Hund seinem Besitzer nahe stellt, kann Er den starken Mann auch mit einem Hund in Verbindung bringen.

Von den Bewohnern des Himmels machte Er das Rund der Sonne zum Herrn des Firmaments. Mal gab Er einem Stock etwas von Salomon,16 mal schenkte Er der Ameise die Fähigkeit zu sprechen. Aus dem Stock ließ Er eine dicke Schlange werden17 und aus einem Ofen entfachte Er einen Windsturm.

Wenn sich ein Planet am Himmel erhebt, macht Er aus seinem Halbmond ein Hufeisen im Feuer. Aus einem Stein brachte Er eine Kamelstute und aus einem schluchzenden Klagen ein goldenes Kalb hervor.18

Im Winter streut Er Silber aus, im Herbst macht Er die Baumkronen golden. Wenn jemand eine Dolchspitze in Blut tränkt, macht Er daraus eine Knospe mit Blut an der Spitze. Dem Jasmin gibt Er vier Füße, der Tulpe eine blutgefärbte Haube. Mal gibt Er dem Scheitel der Narzisse eine gelbe Krone und mal legt Er einen Edelstein aus Tau hinein.

S. 235, Verse 40-64

Der erfahrene Verstand und die liebe Seele sind von Ihm. Der kreisende Himmel und die ruhende Erde sind von Ihm. Der Berg wurde durch Ihn zu Stein, das Meer durch einen Fingerzeig von Ihm zu Wasser. Sein Boden blieb mit Staub bedeckt und das Firmament verharrte wie ein Eisenring an der Tür. Zu Seinen acht Paradiesen gibt es nur eine Schwelle und zu den sieben Höllen nicht mehr als einen Riegel. Alle sind in Seiner Einheit versunken und was versunken ist, ist völlig vernichtet. Obgleich alle kleinen Dinge, vom Rücken des Fisches bis zum Mond, Zeugnis Seines Wesens sind, wären die Niedrigkeit des Staubes und die Höhe des Firmaments zwei ausreichende Zeugen. Er brachte den Wind, die Erde, das Feuer und das Blut und lüftete Sein Geheimnis durch alles.

Unseren Staub machte Er zu Lehm innerhalb von vierzig Morgenröten. Danach gab Er der Seele darin Platz. Sobald die Seele in den Körper trat, wurde der Körper lebendig. Er gab ihm Verstand, damit er zu Ihm sehen könne. Sobald er zu Verstand kam, kam er zur Einsicht. Er gab ihm Wissen, um Erkenntnis zu gewinnen. Sobald er Erkenntnis gewann, gab Er ihm Unvermögen; Er setzte ihn in Erstaunen und lieferte ihn dem Körper aus. Ob der Feind vom Diesseits eingenommen ist oder der Freund, alle verneigen sich vor Ihm. Seine Weisheit liegt über allen. Oh Wunder! Er ist der Wächter aller.

Den Berg nagelte Er zuerst in die Erde. Dann setzte Er das Meer darauf, während die Erde auf dem Rücken der Kuh, die Kuh auf dem Fisch und der Fisch in der Luft steht. Aber worauf steht die Luft? Auf nichts und fertig. Nichts ist nichts und alles ist nichts und fertig.

Denke über die Kunstfertigkeit dieses Königs nach, der über das alles über dem Nichts wacht. Weil all das über dem Nichts von Einem stammt, so ist dies alles zweifellos auch nichts. Teil und Ganzes ist die Vernunft Seines reinen Wesens. Himmel und Erde sind ein Lehen einer Hand voll Seines Staubes.19 Der Himmel ist über dem Wasser und die Welt über der Luft. Nicht nur Wasser und Luft, alles ist Gott. Himmel und Welt sind nicht mehr als ein Orakel, sie sind Er und fertig und dies alles ist nicht mehr als ein Name.

Schau, diese Welt und jene Welt sind Er. Es gibt nichts außer Ihm und wenn doch, ist auch das Er. Alles ist ein Wesen, aber mit verschiedenen Eigenschaften. Alles ist nur ein anderes Wort und ein anderer Ausdruck. Man muss den König kennen, damit man ihn in 100 Kleidern erkennt.

S. 236, Verse 65-89

Keinen Fehler begeht der, der weiß, wer Er ist. Weil Er alles ist, woher sollen dann Fehler kommen? Fehlerhaft zu sein ist ein Zustand aus der Sicht eines unfähigen Mannes. Oh weh! Niemand hat die Fähigkeit dazu, die Blicke sind blind und die Welt ist voller Sonne. Wenn du merkst, dass du den Verstand verlierst, siehst du alles von Ihm und verlierst dich selbst. Alle, oh Wunder, protestieren, entschuldigen sich und suchen nach Ausflüchten.

Oh, vom eigenen Sichtbaren ist so viel unsichtbar, Deine ganze Welt ist unsichtbar. Bringe die Seele in den Körper und Dich in die Seele, bringe sie hinein, Seele der Seelen. Oh, der vor allen steht und mehr als alles ist – alle sind von Ihm und Er ist von allen. Ist Dein Dach voller Wächter und ist die Tür versperrt von Aufpassern, dass niemand den Weg zu Dir findet? Für den Verstand und die Seele gibt es zu Deinem Wesen keinen Weg und niemand kennt Deine Eigenschaften. Obgleich Du der verborgene Schatz in der Seele bist, bist Du zugleich auch sichtbar durch Körper und Seele. Alle Seelen sind ohne Zeichen von Deinem wahren Wesen, aber die Propheten opfern ihr Leben dem Staub auf dem Weg zu Dir. Obgleich der Verstand durch Dich existiert, aber wie kann er jemals zu Deinem wahren Wesen gelangen? Weil Du die Unendlichkeit in allem Existierenden bist, bandest Du allen vollkommen die Hände. Du bist das Innere und Äußere der Seele. Sooft ich auch sage, das bist Du nicht, bist doch Du. Oh, der Verstand irrt auf der Suche nach Deiner Schwelle, ihm ging die Kenntnis verloren auf dem Weg zu Dir. Ich sehe klar, dass die ganze Welt von Dir ist, aber von Dir sehe ich in der Welt kein Zeichen. Jeder gibt von Dir einen Hinweis, doch selbst ist er kein Zeichen von Dir, Kenner der Geheimnisse. Trotz vieler Augen und offnenem, rundem Himmelsgewölbe, sieht man von Deinem Weg nicht das kleinste, runde Teil. Sogar die Erde sieht Dich nie, obgleich sie sich aus Schmerz um Dich Staub über das Haupt streut. Die Sonne verliert aus Liebe zu Dir das Bewusstsein. Jede Nacht färbt sie sich das Gesicht schwarz. Der Mond löst sich auf wegen Dir: Er wirft jeden Monat vor Verwunderung das Schild. Das Meer hebt aus Sorge um Dich den Kopf und ein feuchter Saum befeuchtet die trockenen Ufer. Der Berg hat hundert Unwegsamkeiten auf dem Weg und sein Fuß steckt bis zur Hüfte im Lehm. Das Feuer ist aus Leidenschaft zu Dir zu Feuer geworden, aus Eile und Aufregung wird es so mächtig.

S. 237, Verse 90-114

Der Wind ist haltlos ohne Dich und in der Substanz leer. Das Wasser und das Blut fließen aus Leidenschaft zu Dir. Der Staub Deiner Nähe bleibt vor der Tür und die Erde staubbedeckt. Wie oft ich auch sage, dass Du unbeschreibbar bist, wenn ich es doch tue, dann geschieht es, weil ich keine Gotteserkenntnis habe.

Wenn du, oh Herz, ein Suchender bist, gehe den Weg, aber schaue erst und gehe dann mit Wissen. Sieh die Reisenden, die zur Schwelle gelangten; alle sind gemeinsam gekommen. Mit jedem Atom gibt es einen anderen Ort der Erkenntnis und so gibt es auch von jedem Atom aus einen anderen Weg zu Ihm. Woher weißt du, welchen Weg du gehen sollst und von wo aus du dorthin gelangst? Wenn du Ihn zu erblicken suchst, ist Er verborgen; wenn du Ihn im Verborgenen suchst, ist das Sehen da. Wenn du nach dem Sehen suchst, ist das Geheimnis dort, und wenn du das Geheimnis suchst, ist das Sehen dort. Und wenn du beides suchst, ist Er wie nichts Vergleichbares, denn dann ist Er in beiden nicht. Solange du nichts verloren hast, suche nicht. Sagst du, dass Er nicht existiert, sage lieber nichts. Was du sagst und weißt, ist, dass du bist. Kenne dich selbst und du bist das Hundertfache davon. Kenne dich durch Ihn und nicht Ihn durch dich selbst. Der Weg führt von Ihm zu Ihm und nicht vom Kleinen aus. Die Lobpreiser können Seine Eigenschaften nicht fassen, weil jeder Mensch und Unmensch dafür nicht würdig ist. Dieses Unvermögen wurde eins mit der Erkenntnis, dass Er nicht erklärbar und nicht beschreibbar ist. Die Art Seiner Schöpfung ist nicht mehr als ein Traumbild. Von Ihm zu berichten, ist nicht mehr als Phantasie. Wenn man nur Gutes oder Schlechtes sagt, alles was man über Ihn erzählt, erzählt man auch über sich selbst. Er ist höher als die Wissenschaft und außerhalb des Sichtbaren, denn in Seiner Unfehlbarkeit ist Er beispiellos. Außer Seiner Beispiellosigkeit findet niemand einen Vergleich und außer großem Bemühen der Aufopferung findet niemand einen Ausweg. Für Niemanden, ob Sufi oder nicht, gibt es von Ihm eine Gewähr außer für Ihn.

Das kleinste Atom in den zwei Welten ist ein Trugbild von dir. Alles was du weißt, ist nicht Gott, sondern dein Verständnis. Wo Er ist, ist Er nicht Teil von jemandem. Doch wann gelangt jemandes Seele dorthin, wo Er ist. Hunderttausend Dinge stehen höher als die Seele. Alles, was ich sagen möchte ist: Er ist höher als das. Der Verstand ist über Sein Handeln verblüfft, die Seele über das Unvermögen erstaunt.

S. 238, Verse 115-139

Der Verstand bekommt den Schatz der Verbindung mit Ihm nicht zu fassen. Für die reine Seele, wenn es sie gibt, gibt es diese auch nicht. Was die Seele in Seinem Werk ist, erstaunt dich. Herz, du erträgst es und grämst dich. Vergleiche, Gotteskenner, nicht ständig das, was nicht verglichen werden kann. Seinem Glanz sind Verstand und Seele nicht gewachsen: Der Verstand ist erstaunt und die Seele verblüfft. Denn es gelang keinem der Propheten und Gesandten, nur einen Teil des großen Ganzen zu begreifen. Alle kamen unwissend auf die Erde. Sie kamen mit den Worten ›Was wissen wir von Dir?‹ Er bemerkt es, sobald ich etwas vortäuschte, und weiß, wenn es nicht mit Ihm vereinbar ist. Wenn es außer Ihm niemanden in den zwei Welten gibt, mit wem soll Er dann vereinbar sein? Wunderbar, mit Liebe und Verlangen!

Es gibt ein Meer aus wogenden Edelsteinen. Kennst du auch die richtigen Worte nicht, versuche dein Glück! Jeder, der diese Edelsteine und das Meer nicht fand, verging und außer dem Vergehen wurde ihm keine Gnade zuteil.

Wann könnte wohl alles, was einen Namen hat, leicht ausgesprochen werden? Sag nicht ›das‹, wenn es dich nicht als Zeichen erreicht. Sprich nicht, wenn es nicht als Wort zu dir kommt. Er akzeptiert weder Zeichen noch Erklärung. Niemand hat über Ihn Wissen noch Zeichen. Sei grundsätzlich nicht, denn das ist vollkommen und genug. Ziehe dich aus dir zurück, denn nur das ist die Verbindung. Verliere dich in Ihm, denn das ist das Einswerden. Alles, was nicht so ist, ist überflüssig. Gehe ins Eine und von der Zweiheit in eine Richtung. Sei ein Herz, eine Gebetsrichtung und ein Gesicht. Oh unerfahrener Nachkomme, werde eins mit dem Vater in der Gotteserkenntnis.20

Was Gott aus dem Nichts schuf, trägt Ihn in sich. Alle fielen vor Ihm im Gebet auf die Knie.21 Als Seine Schöpfung schließlich zu Adam gelangte, holte Er ihn in Seinem Eifer hinter hundert Vorhängen hervor. Er sagte: »Adam, sei ein Meer der Großmut. Sie sind alle Anbeter, mögest du der Angebetete sein.« Der eine, der in der Anbetung seinen Kopf abwendete, suchte das Schlechte und Verfluchte und fand das Geheimnis nicht.22 Als er ein schwarzes Gesicht bekam, sagte er: »Oh Allmächtiger, zerstöre mich nicht, sondern hilf mir.« Der erhabene Gott sagte: »Oh Verfluchter des Weges, Adam ist sowohl Nachfolger als auch König. Sei heute sein Schutz und verbrenne für ihn ab morgen Esfand gegen den bösen Blick.« Er wurde Teil und Ganzes, als die Seele in seinen Körper kam, und niemand sollte daraus ein wundersameres Gebilde schaffen.

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18+
Volume:
291 p. 2 illustrations
ISBN:
9783843800396
Publishers:
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