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David Poppen
Animalische Hexen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
1
Österreich, Tirol,
Gemeinde Stans im Bezirk Schwaz
Dichter Nebel zog durch die schmalen Gassen der Gemeinde Stans in Tirol. Das düsterte Licht der Straßenbeleuchtung schimmerte in den kleinen Rinnsalen, die sich durch den kurzen, aber heftigen Platzregen gebildet hatten. Unaufhörlich suchte sich das kühle Nass seinen Weg in den Untergrund.
Die Straßen waren wie ausgestorben. Die Menschen blieben lieber in ihren warmen Häusern, keiner wollte bei diesem nasskalten düsteren Wetter noch unterwegs sein. Selbst die streunenden Hunde und Katzen hatten sich in ihre Löcher verkrochen und wagten sich nicht wieder heraus.
Die achtzehnjährige Anna Moser kuschelte sich gerade unter die warme Decke ihres Bettes. Sie hörte die dumpfen Glockenschläge der Kirche, es schlug Mitternacht.
Steh auf, es ist so weit.
Anna öffnete ihre Augen und blickte sich in ihrer dunklen Schlafkammer um. Woher kam diese Stimme? Ihre Eltern schliefen einen Stock tiefer, konnten es nicht gewesen sein. Sie schloss ihre Augen, versuchte sich schöne Dinge vorzustellen. In diesem Sommer hatte sie die Matura bestanden und wollte ab dem Herbst an der Universität Innsbruck Biologie und Umweltkunde studieren.
Steh auf Anna, wir warten auf dich.
Sie setzte sich auf und schlug die Bettdecke zur Seite. Bildete sie sich diese Stimme nur ein? Sie erhob sich und trat an das Fenster. Das Mädchen erkannte durch den Nebel nur die Umrisse der gegenüber liegenden Häuser. Sie blickte zum Himmel und suchte den schwarzen Neumond, konnte aufgrund des bewölkten Himmels jedoch nichts erkennen.
Mit ihrer linken Hand strich sie eine Strähne ihrer langen dunkelbrauen Haare aus dem Gesicht. Sie drehte sich um, stellte sich vor die verspiegelte Schranktür in ihrer Schlafkammer. Ihr starrender Blick, mit den leblosen Pupillen betrachtete ihr Spiegelbild. Vor ihr stand ein schlankes Mädchen mit langen dunkelbraunen Haaren. Dieses Mädchen trug nur ein weißes, knielanges Nachthemd.
Wer war das Mädchen, fragte sich Anna verwirrt, ohne sich selbst zu erkennen.
Komm Anna, wir sind bereit.
Sie nickte mechanisch mit dem Kopf, verließ ihr Schlafgemach, schritt langsam die knarzende Treppe herunter und verließ ihr Elternhaus.
Ihre nackten Füße bewegten sich mechanisch vorwärts. Sie wirkte wie ein Roboter, der durch eine Fernbedienung von einer anderen Person gelenkt wurde.
Sie schritt durch den dichten Nebel. Ihr keuchender Atem hinterließ kleine weiße Dampfwölkchen in der Luft. Sie brauchte keine Orientierung, eine unheimliche Macht lenkte ihre Schritte.
Sie verließ den kleinen Ort Stans und erreichte einen schmalen Waldweg. Anna wusste weder, was sie in diesen Wald verschlagen hatte, noch wer ihre Schritte lenkte.
Plötzlich verhedderte sie sich in einem Dornengestrüpp und fiel der Länge nach hin. Ein scharfer Schmerz bohrte sich durch ihr linkes Bein und ließ sie vor Schreck aufschreien. Durch die Wunde an ihrem Oberschenkel tropfte ihr Blut auf den Waldboden. Ohne darauf zu achten richtete sie sich wieder auf und ging weiter.
Sie wurde von etwas angezogen, wie ein Stück Metall von einem Magneten. Durch den dichten Nebel erkannte sie schemenhaft eine beleuchtete Lichtung. Das Licht wurde durch eine Vielzahl brennender Fackeln erzeugt, die in einem kreisförmigen Muster im Waldboden steckten.
Anna trat zwischen den Bäumen hervor und blickte auf eine Gruppe Frauen, die auf der Erde knieten und ein unheimliches Lied sangen.
Alles fühlte sich richtig an, sie wollte hier sein und spürte keine Furcht.
Sie schritt durch den Kreis der knienden Frauen. In der Mitte befand sich ein Erdhaufen, etwa in der Größe eines menschlichen Grabes.
Anna stellte sich direkt vor diesen Erdhaufen und schloss ihre Augen. Die Kälte kroch unter ihr dünnes Nachthemd und verursachte eine Gänsehaut. Eine der Frauen erhob sich und trat hinter das Mädchen.
Es war eine große schwarzhaarige Frau mit einer machtvollen Präsenz. Sie trug einen schwarzen Umhang und hielt einen silbern glänzenden Dolch in ihrer rechten Hand.
„Wir haben dich bereits erwartet“, flüsterte die Schwarzhaarige.
Anna erkannte die Stimme wieder. Es war eindeutig die Stimme, die vor wenigen Augenblicken in ihrem Schlafzimmer zu ihr gesprochen hatte.
Die Frau öffnete die Knöpfe von Annas Nachthemd. Der Stoff glitt langsam auf den Boden und entblößte den nackten Körper des jungen Mädchens.
„Du bist wunderschön, kleine Anna aus Stans“, flüsterte die unheimliche Frau.
Sie trat hinter das junge Mädchen, umfasste sie mit ihren Armen und streichelte über die Rundungen der Brust. Der Atem von Anna beschleunigte sich unbewusst. Die streichelnden Hände der Frau fühlten sich richtig an.
„Wir danken dir für dein Opfer“, flüsterte die Schwarzhaarige zärtlich.
Anna wusste von keinem Opfer, wollte auch nicht nachfragen. Sie wollte einfach nur die streichelnde Hand der Frau auf ihrem Körper genießen. Die Fingerkuppen wanderten massierend über den flachen Bauch. Die streichelnde Hand erreichte den dichten Busch ihres braunen Schamhaares. Anna öffnete unbewusst ihre Schenkel um die fremde Frau willkommen zu heißen. Die Finger suchten sich den Weg zwischen die feuchten Schamlippen.
Anna begann leise zu stöhnen, als der Finger in ihre Scheide drang. Sie spürte, wie ihr Lustzentrum Feuchtigkeit und Wärme produzierte.
Außer dem Stöhnen des jungen Mädchens waren auf der Waldlichtung keinerlei Geräusche zu hören. Alles geschah in völliger Stille, sogar das Rauschen des Windes hatte aufgehört.
Die anderen Frauen begannen wieder zu singen. Sie reckten ihre Arme dem schwarzen Himmel entgegen. Es klang anfangs wie ein merkwürdiges Gemurmel, steigerte aber stetig die Lautstärke und Dringlichkeit.
Der Finger in Annas Lustzentrum bewegte sich immer schneller. Das Mädchen konnte bereits den nahenden Höhepunkt spüren. Sie schloss ihre Augen und sah leuchtende Sterne.
„Du bist jetzt soweit“, flüsterte die Schwarzhaarige, zog ihren Finger aus Annas Vagina. Sie reichte dem nackten Mädchen den silbernen Dolch, trat zurück und kniete sich neben die anderen Frauen auf den Waldboden.
Anna wusste was sie zu tun hatte. Jede ihrer Bewegungen führte sie mechanisch und gesteuert aus.
Sie kniete sich auf den Erdhügel, setzte den Dolch an ihrem linken Arm an. Mit einem sicheren Schnitt öffnete sie die Haut an ihrem Unterarm. Aus der tiefen Wunde floss ihr Blut. Sie legte sich mit dem Bauch flach auf den Erdhügel und presste den blutenden Arm in die Erde. Ihr Blut floss aus ihrem Körper und versickerte direkt in dem Erdhaufen.
Anna schloss ihre Augen. Sie spürte, wie die Lebensenergie ihren Körper verließ.
Aber es war richtig so!
Der Gesang der Frauen wurde immer lauter und hysterischer. Es entstand ein anschwellendes tiefes Grollen.
Der Erdhaufen hob sich. Was zum Vorschein kam, war eine Hand.
Die Hand eines Toten!
Gespenstisches Licht entstand über dem Grab. Die Luft war von wispernden Stimmen erfüllt. Die Hand streichelte über den nackten Körper von Anna. Sie fühlte sich kalt und leblos an. Das Mädchen spürte wie die Hand durch die Haut über ihrem Brustkorb in das Innere ihres Körpers drang. Die Finger des Toten suchten nach ihrem schlagenden Herzen.
Anna spürte tiefe Glücksgefühle durch ihren Körper jagen, als die fremde Hand ihr schlagendes Herz umgriff. Ihr pochendes Organ wurde langsam aus ihrem Körper gezogen und verschwand in dem unter ihr befindlichen Grabhügel.
Anna überlegte gerade, wie sie dem Professor an der Universität Innsbruck erklären sollte, dass der menschliche Körper auch ohne Herz weiterleben kann. Denn sie lebte noch. Oder war sie bereits tot?
Unter ihr entstand ein starkes Beben. Der Grabhügel öffnete sich und schleuderte die Erde einige Meter auf die Lichtung.
Aus dem geöffneten Grab trat eine gebeugte Gestalt. Der Tote sah grässlich aus. Jetzt schlug er die Augen auf.
Anstelle normaler Augäpfel waren zwei taubeneigroße, glutrote Steine zu sehen. Jedenfalls wirkte es so. Dumpfe Laute drangen aus seiner Brust, als er den Mund öffnete.
Seine Augen suchten die Lichtung ab. Als er die liegende Anna fand, kniete er sich neben das Mädchen. Seine knochige Hand drang erneut in ihren Brustkorb ein. Er wühlte zwischen ihren Organen, bis er fand, was er suchte. Die Hand verließ ihren Körper. Sie hielt eine leuchtende Kugel zwischen den Finger. Der Glanz dieser durchschimmernden Kugel schien die Lichtung zu erhellen. Der Tote öffnete seinen Mund, legte seine Beute auf die Zunge und schluckte sie herunter. Dann richtete er sich grollend auf. Sein zerfressener Körper begann sich zu regenerieren. Doch bekam er kein frisches Aussehen, sondern die Farbe von Fleisch, dass in Salz konserviert worden war.
Die Frau mit den langen schwarzen Haaren stand auf und verbeugte sich vor dem Untoten. Sie murmelte voller Ergebenheit: „Willkommen im Reich der Lebenden, Meister!“
Der Tote hatte sich zwischenzeitlich in einen großen, starken Mann verwandelt. Er hatte lange schwarze Haare und stechend grüne Augen.
„Lange Zeit war ich im Limbus Cognitionem Potentiae gefangen“, seine Worte strengten ihn sichtlich an. „Du, Hexe, hast es mir ermöglicht, wieder Kontakt mit dem Dasein zu bekommen.“
Mit gebrechlichen Schritten umkreiste er die dunkelhaarige Hexe. Er ballte die bleichen, kalten Hände zu Fäusten.
„Wo sind wir? Wie ist dein Name?“
Die schwarzhaarige Hexe betrachtete bewundernd den wiedergeborenen Leichnam und antwortete:
„Wir befinden uns in Österreich, Meister. Nur wenige Meter vom Kloster St. Georgenberg, dem Hauptsitz unserer Sekte, entfernt. Mein Name ist Angéle de la Barthe. Ich wurde im Jahr 1275 wegen Unzucht mit dem Teufel verbrannt. Unser Fürst, Asmodeus Asmoday Aschmoday, schickte mich im Jahr 1445 mit dem Bakterium Yersinia pestis auf die Erde zurück. Ich brachte die Pest über die Menschen, so dass ich ungestört unsere Sekte aufbauen konnte. Wir haben auf Sie gewartet, Meister, denn wir brauchen Ihre Führung und Hilfe.“
Der Tote nickte langsam mit seinem Kopf.
„Bring mich in das Kloster. Ich muss mich ausruhen und zu Kräften kommen. Dafür brauche ich die Lebensenergie von Menschen.“
Er drehte sich um und schritt, begleitet von der Schwarzhaarigen, in Richtung Kloster St. Georgenberg.
Anna hatte alles bewusst erlebt. Ihr Körper schien nur noch aus Schmerz zu bestehen. Sie sehnte sich nur noch den Tod herbei.
Diese Pein war unerträglich.
Sie spürte, wie ein Schwall Blut aus ihrer Nase lief.
Die anderen Frauen hatten sich zwischenzeitlich erhoben und blickten gierig auf die liegende Anna herab. Wie ein Rudel hungriger Hyänen fielen die Hexen über das Mädchen her.
Anna konnte spüren, wie die Frauen an ihren Gliedern zerrten und rissen.
Sie schien mittlerweile über ihrem Körper zu schweben. Wie durch eine Nebelwand konnte sie ihren liegenden, geschundenen Körper erkennen. Sie sah, wie die Hexen Stücke aus ihrem Fleisch rissen und in ihre gierigen Mäuler stopften.
Dann versank die junge Anna in tiefer Finsternis.
Alles wurde schwarz.
Die dunkle Zeit hatte begonnen!
2
Der Wald lag in tiefer Ruhe.
Im Unterholz war das Knacken von Zweigen zu hören. Kleine Tiere huschten auf der Jagd nach Beute zwischen den Bäumen herum.
Doch das war nicht das Einzige, was sich zu dieser späten Stunde im Wald und der näheren Umgebung aufhielt.
„Aber das ist doch wahnsinnig. Hör auf mit dem Mist!“
Die Stille der Natur wurde von menschlichen Stimmen unterbrochen.
„Erzähl du mir nicht, was Wahnsinn ist und was nicht. Ich gehe und versuche mein Glück. Du kannst ja weiter für deinen Vater in der Bäckerei arbeiten. Aber komm mir nicht an und bettle bei mir, wenn ich zurückkomme und reich bin.“
„Das ist es ja gerade, was ich versuche dir zu erklären. Du wirst nicht zurückkommen. Jedenfalls nicht lebend. Die Leute ...“
„Pah! Was interessieren mich die Leute? Sollen sie doch reden. Über mich werden sie bald reden. Über mich und mein Geld, dass ich bald besitzen werde. Ich werde mir alles kaufen können, was ich will. Merk dir das.“
Der achtzehnjährige Toni blickte seinen Freund traurig an. Jedenfalls hatte er bis vor wenigen Augenblicken geglaubt, dass Hannes sein Freund gewesen sei. Nun war er anderer Meinung. Er wollte seinem Freund beistehen und ihn mit Worten dazu bewegen, sich die ganze Angelegenheit noch einmal gründlich durch den Kopf gehen zu lassen und die Finger von der Sache zu lassen.
„Sie werden dich umbringen, Hannes! So wie sie alle umgebracht haben, die versucht haben, auch nur in die Nähe des Klosters zu kommen. Was meinst du wohl, warum die Leute nur hinter vorgehaltener Hand über die Sekte reden? Kein Mensch, der auch nur einen winzigen Funken Verstand besitzt, würde seinen Fuß freiwillig in das Kloster setzen.“
„Na, umso besser. Wenn vor mir noch niemand da war, dann bleiben noch mehr von den Schätzen für mich, ha!“
Der junge Toni blickte seinen Freund traurig an.
„Hannes, sei doch vernünftig. Du wirst nichts von all den Schätzen haben, wenn sie dich umbringen. Ich glaube auch nicht, dass im alten Kloster überhaupt Schätze sind. Die Mönche hätten bei ihrem Auszug doch alles mitgenommen. Denk doch mal nach!“
Verächtlich schnaufte Hannes aus, schüttelte mit dem Kopf und ging weiter.
„Ich weiß, dass dort ein Schatz versteckt ist. Geh du zurück nach Jenbach. Morgen früh komme ich dich in der Bäckerei besuchen.“
Mit großen Schritten verschwand Hannes im dunklen Wald. Er war nur noch zwei Kilometer vom Kloster St. Georgenberg entfernt.
„Hannes, komm zurück!“
Die Worte von Toni verklangen in der Dunkelheit, die mit jeder Sekunde mehr von der Gestalt seines Freundes verschluckte. Bis er schließlich ganz verschwunden war.
Traurig wandte sich Toni um und ging mit hängenden Schultern und im Schutz der Dunkelheit zurück nach Jenbach. Bei der elterlichen Bäckerei angekommen, kroch er durch ein Kellerfenster zurück in das Haus. Sein letzter Gedanke galt seinem Freund Hannes, bevor ein einschlief.
Der neunzehnjährige Hannes, Sohn vom Gastwirt in Jenbach, bewegte sich langsam durch den dunklen Wald in Richtung Wolfsklamm.
Soll er doch zweifeln, sprach Hannes leise mit sich selbst, wohl auch, um sich im dunklen Wald Mut zuzusprechen. Wenn ich aus dem Kloster zurück bin, werde ich in aller Munde sein!
Der Weg schien, mit jedem Meter den er voranschritt, steiler zu werden. Prustend blieb der junge Mann einen Moment hinter einem Gebüsch hocken um zu verschnaufen. Von hier aus hatte er einen großartigen Blick über die kleine Gemeinde Stans, die vom Licht des Mondes erhellt wurde.
Wenig später erreichte er die Rückseite des Klosters.
Er drückte sich geräuschlos an die Hauswand, lauschte und konnte Menschen in dem alten Gemäuer hören. Er schloss seine Augen und sah Bilder von unermesslichem Reichtum. Zwischen all dem Gold, Schmuck und Edelsteinen war er, Hannes, der Gastwirtssohn aus Jenbach.
Er öffnete wieder seine Augen und suchte die nähere Umgebung ab. Was mochte sich hinter den dicken Klostermauern abspielen. Ihm kamen plötzlich die Geschichten über die Sekte und dessen Gräueltaten in den Sinn.
Waren sie wahr?
Oder waren es nur Mythen, die sich im Laufe der Zeit immer tiefer in den Köpfen der Dorfbewohner eingenistet hatten?
Wie dem auch sein mochte, er konnte sich eines eisigen Schauders nicht erwehren, der ihm über den Rücken kroch.
Langsam schob er sich mit dem Rücken an der Wand entlang und horchte auf Geräusche. Er konnte leise Stimmen hinter einer geschlossenen Tür hören. Leise kroch er unter Fenstern vorbei, aus denen ein flackerndes gelbes Licht auf den Hof schien. Eine Kerze oder Laterne vielleicht.
Er schlich sich gebückt und ohne den geringsten Laut zu verursachen auf eine schmale Treppe zu, die nach unten in das Kellergeschoss führte.
Immer noch geduckt und leise atmend, erreichte er den oberen Rand der Treppe. Hannes hielt den Atem an und lauschte.
Nichts war zu hören. Langsam schritt er die Treppenstufen nach unten.
Er war stolz auf sich, hatte es fast geschafft unbemerkt in das Kloster zu gelangen.
Wenige Augenblicke später erreichte er das untere Ende der Treppe. Behutsam legte er seine Finger um den Knauf der schweren Holztür. Das Metall fühlte sich seltsam warm an, aber das konnte nicht möglich sein. Seine Gedanken schienen ihm einen Streich spielen zu wollen, er zwang sich zur Ruhe. Die Tür ließ sich ohne den geringsten Laut öffnen.
Er betrat einen düsteren Kellerraum, blickte sich vorsichtig um, konnte aber niemanden sehen oder hören. Der Raum war nicht besonders groß und spärlich eingerichtet. Mit drei Schritten hatte er ihn durchquert, öffnete die Kellertür und betrat einen Flur.
Wohin sollte er nun gehen?
Von hier aus gab es mehrere Möglichkeiten weiter zu gehen. Er tat das, was er immer tat, er schloss die Augen und vertraute auf seine innere Stimme. Im Augenblick hatte er das Gefühl, sie würde seinem Freund Toni gehören und dieser würde ihm warnend zurufen wieder umzukehren, so lange er noch die Gelegenheit dazu besaß.
Nein, jetzt ist es zu spät. Ich werde weiter gehen. Egal was kommen mag, sprach er tonlos zu sich selbst.
Sein Gefühl führte ihn durch eine Unzahl von Gängen und Fluren. An den Wänden hingen Fackeln, deren Licht den Flur unheimlich beleuchtete.
Überall standen kleinere wertvolle Gegenstände herum, die er, soweit er sie für wertvoll erachtete, in seinem Rucksack verschwinden ließ.
Kurze Zeit später hatte sich sein Rucksack bereits mit einer nicht zu verachtenden Menge von Schätzen gefüllt.
Dann stand er vor einer verschlossenen Tür, die sich von den anderen unterschied. Diese hier war wesentlich größer und erweckte den Anschein, unüberwindlich zu sein. Dicke Bolzen waren in das Holz geschlagen worden um es mit eisernen Banden zu verstärken. War hinter dieser schweren Tür der gewaltige Schatz den er suchte?
Er stellte den Rucksack mit einem klirrenden Geräusch auf den Boden.
Plötzlich bekam er ein ungutes Gefühl. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und kalte Schauer krochen seinen Rücken hinab.
Das Licht der Fackeln war vor dieser schweren Tür nicht so gelb und matt wie es bisher war. Täuschte er sich, oder hatten die Flammenzungen der Fackeln hier eine grünliche Färbung?
Er lehnte sich mit den Schultern an die Wand und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Nein, er täuschte sich nicht. Es war so.
Die Fackeln brannten grün!
Was war hinter dieser gewaltigen Tür?
Plötzlich hörte er eine unheimliche, geisterhafte Stimme:
Na, was ist? Willst du nicht wissen, welche Schätze sich hinter der Tür verbergen?
Erschrocken drehte sich Hannes um, stieß mit dem Fuß an den Rucksack und strauchelte. Es gelang ihm nicht mehr seinen Fall zu verhindern. Scheppernd fiel er bäuchlings über den Rucksack, wobei sich ein spitzer Gegenstand schmerzhaft zwischen die Rippen bohrte. Ein stechender Schmerz durchzuckte ihn, während er sich mühsam auf den Rücken rollte und mit der Hand seine Seite betastete. Er blutete nicht, dennoch war es schmerzlich. Ein Windhauch durchflutete den Gang und ließ die Flammen unruhig hin und her tanzen.
Wieder erklang diese unheimliche Stimme:
Hannes aus Jenbach. Wir warten auf dich!
Was war das? Wer rief ihn hier?
„Toni? Bist du es? Bist du mir gefolgt?“
Er traute es seinem Freund zu, dass er auf eine andere Art hierher gelangt war. „Toni?“
Keine Antwort. Woher war diese Stimme gekommen?
Er bekam es mit der Angst zu tun und versuchte mühsam auf die Füße zu kommen. Mit einem leisen Quietschen öffnete sich die gewaltige Holztür einen kleinen Spalt. Nicht sehr viel, aber genug um Licht und Bewegungen dahinter erkennen zu können.
Verflucht, ich bin nicht so weit gekommen um nun kurz vor dem Ziel die Flucht zu ergreifen, sprach er erneut zu sich selbst.
War dies die Schatzkammer?
Sein Herz schlug schneller, seine Gier auf den Schatz stieg. Er blickte auf seinen Rucksack und erkannte, dass in diesem noch Platz war.
Mit schmerzverzehrtem Gesicht griff er nach dem Rucksack und warf ihn sich über die Schulter.
Er drückte gegen die schwere Tür. Es kostete ihn mehr Mühe als er erwartet hatte, um den Flügel so weit zu öffnen, dass er hindurch passte.
Er betrat den Raum.
Was er hier erblickte, ließ ihm den Atem stocken!
„Sei gegrüßt, Hannes aus Jenbach.“
Ein Schlag mit einem Hammer direkt in den Magen hätte nicht härter sein können. Polternd schlug das Portal hinter ihm zu. Hannes hörte das metallische Klicken eines Schlüssels, der in einem Schloss gedreht wurde.
Nun bekam er es wirklich mit der Angst zu tun und sein Rucksack krachte erneut auf den Steinboden.
Doch auch dieser Boden unterschied sich von dem der Gänge draußen. Es war ein tiefschwarzer Granitboden, in dem filigrane Muster aus bunten Steinen und Glassplittern eingearbeitet waren.
Vorherrschende Farben waren rot und schwarz.
Seltsame goldene Symbole und Runen waren in kreisförmigen Mustern angeordnet. Sie alle trafen sich sternförmig in der Mitte des großen Raumes.
Raum? Das war untertrieben!
Es war eine Halle, mächtiger und höher als jede Kirche, die er bis heute zu Gesicht bekommen hatte. Säulen säumten die Wände rechts und links des Portals. Hannes zählte mindestens fünf Kamine, vier kleine in den Wänden und einen großen an der entfernten Wand ihm gegenüber.
Fenster schien es keine zu geben.
Große Körbe mit Holz für die Kamine standen überall herum. Das Zentrum der Halle, dort wo die Schlangenmuster ihren Ursprung hatten, standen sieben kunstvoll verzierte Stühle.
Auf jedem saß eine junge, bildschöne Frau!
Hannes glaubte zu träumen.
Unmerklich zwickte er sich mit der linken Hand in den Oberschenkel. Aber es war real.
„Wer seid ihr?“ fragte Hannes mit einem leichten Zittern in seiner Stimme.
„Oh, ich denke, diese Frage sollten wir dir stellen, meinst du nicht?“ antwortete eine wunderschöne Frau mit langen schwarzen Haaren.
Die anderen Frauen blickten ihn kalt und ausdruckslos an.
Plötzlich stieg wieder dieses Gefühl von Unbehagen in ihm auf. Hinter seiner Stirn schien jemand eine gigantische Glocke zu läuten.
Etwas stimmte hier eindeutig nicht! War er erwartet worden?
Er blickte sich um und suchte nach einem Fluchtweg. In den letzten Sekunden waren ihm die Schätze in seinem Rucksack, sowie die, die er hier zu finden geglaubt hatte, völlig egal geworden.
„Oh, unser Gast scheint sich nicht wohl zu fühlen“, spöttelte die dunkelhaarige Schönheit.
Plötzlich wurde es Hannes schwindlig. Alles um ihn herum begann sich zu drehen und in einem Strudel aus Farben und Lauten zu verschwimmen. Ihm wurde übel und er hatte das Gefühl, nicht mehr der Herr seines Körpers zu sein.
„Ergreift ihn, bindet ihn und lasst uns beginnen.“ befahl die Frau mit einer dominanten Stimme.
Hannes sah verschwommen wie der linke Arm der Rednerin nach vorne schnellte und auf ihn deutete. Er glaubte, so etwas wie blaue Blitze zwischen ihren Fingern zu erkennen, als er an Armen und Beinen gepackt wurde. Stechende Schmerzen loderten in seinem Körper auf, da wo ihn die feingliedrigen Finger der Frauen ergriffen. Nie zuvor gekannte Schmerzen schienen seinen Körper zu entflammen.
Er schrie seine Qualen hinaus. Dann tauchte er in tiefe Dunkelheit.
„Erwache.“
Sein Schädel schmerzte entsetzlich. Als er mit der Zunge über seine Lippen fahren wollte, hatte er alle Mühe diese überhaupt unter seine Gewalt zu bekommen. Ein widerwärtiger Geschmack erfüllte seine Mundhöhle, als habe er große Mengen Galle zu sich genommen.
Nur sehr langsam konnte er die Augen öffnen. Erkennen konnte er gar nichts. Und jetzt verstand er auch warum.
Man hatte ihm einen Sack über den Kopf gezogen!
Als er eine Hand heben wollte, um sich dieser Kapuze zu entledigen, konnte er es nicht. Eiserne Ketten banden ihn an einer harten Unterlage fest. Gemurmel und leises Lachen war zu hören. Er konnte fühlen, dass sich mehrere Personen in seiner unmittelbaren Umgebung eingefunden hatten.
„Wer ist da? Toni? Du? Hilf mir, bitte“, jammerte Hannes.
Mit einem Ruck wurde ihm die Kapuze vom Kopf gerissen. Allerdings so grob und unbeherrscht, dass sein Kopf auf hartem Stein aufschlug und ihm die Sinne zu schwinden drohten.
Was er dann jedoch erblickte, raubte ihm den Atem!
Sechs der bildhübschen jungen Frauen hatten sich um ihn gescharrt und stierten mit einer Mischung aus Lüsternheit und absoluter Mordlust auf ihn hinab. Sie trugen durchsichtige Gewänder, durch die Hannes ihre Körperformen erkennen konnte. Fließende, transparente Stoffe umhüllten ihre anmutig wirkenden Körper. Glänzende Lederbeschläge hielten den Schambereich bedeckt und zogen sich in schmalen Streifen über die dekolletierte Brustpartie. Ein nachtschwarzer Umhang wand sich über den Rücken und floss gefächert auf dem Boden auseinander.
„Was habt ihr vor?“ fragte Hannes voller Angst.
Er begann an seinen Ketten zu zerren und versuchte die Füße aus den eisernen Fesseln zu winden. Nichts half. Was geschah mit ihm?
Waren alle Geschichten wahr und würde auch er sein Ende hier finden? Das durfte nicht sein!
Plötzlich trat die dunkelhaarige Schönheit neben ihn. Sie lächelte ihn kalt an, nachdem sie ihre Kapuze zurückgeschlagen hatte. Auch sie trug ein ähnliches Gewand wie die anderen Frauen. Nur mit dem Unterschied, dass alles an ihr schwarz war. Glänzende Metallspangen in der Form von Totenschädeln hielten ihren schweren Umhang an den Schultern fest. Ein schmaler, tiefschwarzer Stahlpanzer bedeckte den Bereich des Bauches und der Taille. Ihre Brüste waren durch den schimmernden schwarzen Stoff zu erahnen. Die Füße steckten in polierten und ebenfalls schwarzen Schaftstiefeln. Alles an dieser Frau schien perfekt auf ihren Körper abgestimmt und gefertigt worden zu sein. Ihre Haut war von makelloser weißer Farbe. Hannes musste an Marmor denken. Doch sie strahlte etwas Anderes, etwas Fremdes und Feindliches aus.
Ihm schauderte, als er ihr in die Augen blickte.
„Was habt ihr mit mir vor? Lasst mich doch frei, ich habe alle Sachen in meinem Rucksack. Ich wollte nichts stehlen. Bitte tötet mich nicht.“
Die Frau lächelte. Ein diabolisches Grinsen ohne jegliche Art von Emotion.
„Hört ihr? Er will, dass wir ihn verschonen“, sprach die Frau mit einem ironischen Ton in ihrer Stimme.
Die anderen Frauen antworteten mit einem lauten Gelächter und rückten ein Stück näher zu Hannes. Einige senkten gar ihre Schultern, als würden sie ihn beschnuppern wollen.
Ruckartig zuckte er seinen Kopf hin und her, während er mit Händen und Füßen versuchte, den Fesseln zu entrinnen.
Nichts tat sich!
Einen Augenblick hatte er sogar geglaubt, spitze Fangzähne hinter den zierlichen Lippen zu erkennen.
Glomm ein rotes Leuchten in ihren Augen?
„Was habt ihr vor? Nein, nicht!“ schrie Hannes voller Furcht.
„Tschhh, keine Angst kleiner Hannes aus Jenbach. Wir werden dich nicht töten. Stimmt’s?“ fragte die dunkelhaarige Frau in die Runde.
„Natürlich. Tot nützt er uns nichts“, antwortete eine andere Frau.
„Nein? Wirklich nicht?“ fragte Hannes erleichtert.
„Nein, werden wir nicht. Aber wir werden dir etwas anderes zu Teil werden lassen. Etwas, das unzählige Male schlimmer ist als der Tod.“
Wieder fielen alle in ein gehässiges Gelächter.
Was hatte er da herauf beschworen? Was hatten diese Hexen mit ihm vor. Hexen? Ihm fiel nichts anderes ein als diese Bezeichnung.
Er begann zu schreien. Panik kam in ihm hoch und seine Augen füllten sich mit Tränen.
Plötzlich hob die schwarzhaarige Frau ihre Hände vor die Brust. Sie hatte beide Ellenbogen und die Handflächen aneinander gelegt und hob sie langsam höher. Blaue Blitze ringelten sich um ihre Handgelenke. Ein greller Ball aus weißem Licht umhüllte ihre Hände
Hannes schrie aus Leibeskräften!
Die übrigen Hexen waren ein Stück zurückgewichen. Wie Raubtiere, die bereit waren, ihre Beute zu reißen, waren sie in den Knien eingeknickt und angespannt. Und nun konnte er es mit Gewissheit erkennen. Seine Phantasie hatte ihm keinen Streich gespielt.
Die Frauen besaßen Reißzähne!
Aber da war noch etwas. Eine unheimliche Verwandlung hatte Einzug gehalten. Einige der bis vor wenigen Momenten noch wunderschön anzusehenden Frauen waren auf grässliche Art und Weise entstellt.
Ihnen hing das Fleisch in Fetzen vom Gesicht und die Augen hatten sich tief in ihre Höhlen zurückgezogen. Bei anderen waren die Augen nichts weiter als farblose weiße Kugeln, die ihn trotzdem auf grausame Weise fixierten. Ein übel riechender Gestank machte sich breit. Unerträglich kroch er in seine Lungen. Der Geruch schien seinen Körper in Brand zu setzen.
Der Ketten zum Trotz bäumte sich der junge Mann auf, bildete einen fleischgewordenen Bogen auf dem steinernen Opferaltar. Aber er konnte sich nicht bewegen. die Fesselung war zu fest.
Immer noch hielt die dunkelhaarige Hexe die Hände in die Höhe.
Blitze züngelten zwischen ihren gespreizten Fingern hervor, schossen wie lebende Schlangen durch den Raum. Rauch und Gestank erfüllten weiter seine Lungen. Ein Knistern und Prasseln drang an sein Gehör. Von innen heraus schien sein Körper der Hitze des Fegefeuers zum Opfer gefallen zu sein.
„Gleich wird dein Geist sterben. Du wirst in tiefe Dunkelheit eintauchen. Ich werde dich deiner Seele berauben um sie unserem Meister zu geben. Du darfst dich geehrt fühlen. Dank deiner Lebensenergie gewinnt der Meister an Kraft. So hatte dein erbärmliches Leben einen Sinn!“
Hannes wand sich, soweit das mit den Ketten möglich war. Er wollte schreien, treten, kratzen oder fliehen. Aber er war zur völligen Bewegungslosigkeit verdammt.
Die Hexe senkte langsam eine ihrer Hände und richtete den blauen Blitz auf die Brust des gefesselten Mannes. Schmerzen, unerträgliche Schmerzen durchflossen ihn wie flüssiges Metall. Seine Kleidung fiel in schwarzen verkohlten Fetzen von seinem Körper. Der Geruch von verbranntem Haar und versengter Haut mischte sich mit dem der Hexen.
Ohne jeglichen Widerstand öffnete sich seine Haut und legte das darunter liegende Brustbein frei. Mit dem Geräusch eines morschen, brechenden Astes brach der Knochen auseinander. Blutspritzer besprenkelten Brust und Gesicht.
Die neben ihm stehenden Hexen wurden von seinem Blut bespritzt. Sie schienen es zu genießen und leckten die rote Flüssigkeit gierig auf.
Knirschend riss seine Bauchdecke immer weiter auseinander.
Warmes Blut ergoss sich aus der offenen Wunde und lief über die Ränder des Opferaltars herunter. Am Boden angekommen, floss es in trichterförmige Vertiefungen.
Doch davon bekam Hannes nichts mehr mit!
Er dämmerte in einem Zustand voller Schmerz und sehnte sich nur noch den Tod herbei. Warum starb er nicht endlich?
Diese Pein war unerträglich. Bitte Gott, jammerte Hannes, sei so gnädig und schenke mir einen schnellen Tod. Aber Gott schien ihn in diesem unterirdischen Saal nicht hören zu können.
Er schrie weiter die Schmerzen der Qual hinaus. Seine Schreie begannen zu gurgelnden Lauten zu werden, als ein Schwall seines Blutes in Mund und Nase lief. Verbranntes Fleisch schälte sich von seinen Rippen und fiel zu Boden.
Für den Bruchteil eines Augenblicks erhaschte er das hämische Grinsen der Hexen und einen Blick auf seinen zerschundenen Körper.
Er sah, wie sich etwas Kleines aus seinem Innern löste.
Wie eine gigantische Welle brach eine neue Form der Qual über ihm zusammen. Doch diese war schlimmer als alles, was er eben zu spüren bekommen hatte. Es war der Schmerz über einen Verlust, der mit nichts auf der Welt zu vergleichen war. Der Verlust über etwas Wichtiges, etwas Persönliches.
Der Verlust seiner Seele!
Sie raubten ihm seine Seele und zerstörten seinen Körper.
Sein Geist starb. Dies war tausendfach schlimmer als der Tod.
Selbst wenn er nun sterben würde, er war verdammt.
Alles was er mitbekam war, wie sich ein leuchtendes Etwas aus seinem Körper erhob und über ihm schwebte. Trotz aller Schmerzen musste Hannes an ein Glühwürmchen denken. Sein Glühwürmchen, von dem er nicht einmal wusste, dass er es sein ganzes Leben über besessen hatte.
Die dunkelhaarige Hexe ergriff die leuchtende Kugel, umfasste sie fest mit ihren Händen, drehte sich um und verließ die Halle.
Wie ein Rudel hungriger Wölfe fielen die übrigen Hexen über ihn her.
Er konnte ihre Laute hören, fühlte wie sie an seinen Gliedern zerrten und rissen. Doch dieses Gefühl ließ ganz allmählich nach und ihm war klar, dass er niemals Frieden finden würde. Wie durch eine brennende Wand aus Feuer konnte er seinen eigenen Körper vor sich erkennen.
Er sah, wie Stücke aus ihm herausgerissen wurden und die Hexen sie in ihre Münder stopften. Dünner Rauch stieg aus der Wunde an seinem Bauch. Schmerzen, unerträgliche Schmerzen und doch kein Ende.
Die schwarzhaarige Hexe verließ den Saal und schritt eine Treppe in die oberen Gemächer hoch. Sie öffnete eine Tür und betrat ein großes Schlafgemach.
Auf dem Bett lag ein schwarzhaariger Mann. Sein nackter Körper strahlte Macht aus.
„Hast du die Seele?“ fragte er mit kraftvoller Stimme.
„Ja, Meister“, antwortete die Hexe und öffnete ihre Hand. Sie ließ die weiße, leuchtende Kugel fallen. Der unheimliche Mann öffnete seinen Mund und saugte die leuchtende Masse ein.
Die Seele von Hannes aus Jenbach wurde von dem Dämon inhaliert!
Seine Augen wurden für einen Moment noch strahlender. Sein Körper noch kräftiger und muskulöser..
„Sehr gut“, stöhnte der Mann lustvoll. „Jetzt brauche ich Sex.“
Er betrachtete die attraktive Hexe und schnalzte bewundernd mit der Zunge beim Anblick ihres schlanken Körpers.
„Bück dich nach vorne, Hexe!“
„Ja, Meister“, antwortete die dunkelhaarige Schönheit.
Sie beugte sich vor und stützte sich mit den Händen auf dem Bett ab.
Der kräftige Mann stand auf und trat hinter die Hexe. Er hob ihr Kleid an und legte den Stoff auf den Rücken. Mit lüsternen Augen betrachtete er die festen Pobacken, die sich ihm entgegenstreckten. Er umfasste ihren Slip und schob ihn langsam herunter.
„Leg dich mit dem Bauch auf das Bett!“ befahl er mit fester Stimme.
„Ja, Meister“, seufzte sie und legte sich bäuchlings auf das Bett. Er stopfte ihr einige Kissen unter den Bauch und berauschte sich am Anblick ihrer vollkommenen Gesäßbacken. Er spreizte ihre Pobacken und massierte mit den Fingern über ihren Anus. Er spürte die Enge ihres rückwärtigen Eingangs. Aus dem Schrank, der direkt neben dem Bett stand, holte er Gleitcreme hervor. Nachdem er ihren Schließmuskel ausreichend eingecremt hatte, schob er einen Finger in ihren Darm.
Die dunkelhaarige Hexe rührte sich nicht. Sie war die Sklavin ihres Meisters und hatte alles zu ertragen. Ihre Aufgabe war die Unterwürfigkeit.
Als er meinte, ihren Hintereingang ausreichend vorbereitet zu haben, öffnete er seine Hose und holte seinen gewaltigen Penis hervor. Mit festem Druck schob er seine Penisspitze in die winzige, leicht gerunzelte Öffnung.
Die Hexe kam ihm dabei entgegen. Sie hob ihr Gesäß an, sodass er mühelos seinen harten Phallus in ihren Po schieben konnte. In einem langsamen Rhythmus rammelte er seine Sklavin in den Hintern.
Dann zog er seinen Penis aus ihrem Darm, strich kurz über ihre Pobacken, suchte ihre Vagina und schob ihn langsam zwischen ihre Schamlippen.
Die Hexe zuckte erschrocken zusammen.
„Meister, ich dachte sie wollten mich von hinten...“
„Sei still! Ich entscheide was ich mache!“ fauchte er zurück.
Er gönnte sich einige kraftvolle Stöße in ihre Vagina, ehe er seinen glänzenden Penis zurückzog, um ihn erneut an ihrem Anus anzusetzen. Er trieb sein hartes Glied in seiner kompletten Länge in ihren Darm.
Die Frau ächzte dumpf und stammelte ein paar undeutliche Worte. Das Zittern, das ihren Körper überlief, zeigte ihm deutlich ihre beginnende Erregung.
Sie stützte sich mit angewinkelten Armen am Bett ab, um seinen harten Stößen besseren Halt entgegen setzen zu können.
Er machte sich daran, einen erst langsamen, dann aber allmählich schneller werdenden Rhythmus zu finden. Mit einer Hand hielt er sich an ihrer Hüfte fest, während sich seine andere Hand um die nach unten hängenden Brüste legte.
Die lustvolle Hexe konterte mit zwei überraschenden Bewegungen.
Zunächst griff sie mit einer Hand zwischen ihren Beinen hindurch an seinen heftig schwingenden, behaarten Hodensack. Dann zog sie ihre Hand zurück und fing an, sich selbst am Kitzler zu befingern. Sie spielte und massierte ihre Knospe immer heftiger, offenbar darum bemüht, ihre Lust zu steigern.
„Jaaa“, keuchte sie halb erstickt. „Ah, das ist gut, Meister. Ahhh! Tiefer! Nein, nicht so tief. Sie bringen mich um, Meister. Sie haben einen so mächtigen Schwanz. Ja, ja, ja! So ist es geil! Ich komme gleich. Oh du großer Satan, ich k-o-m-m-e.“
Nach einigen weiteren tiefen Stößen erreichte auch der Mann seinen Höhepunkt. Er pumpte sein heißes Sperma tief in ihren Darm.
Als er sein erschlafftes Glied zurückzog, fiel die Hexe erschöpft auf die untergeschobenen Kissen. Ihr zur Seite gedrehtes Gesicht hatte sich mit einem dünnen Schweißfilm bedeckt. Sie japste wie eine Hochleistungssportlerin nach einem Rekordlauf.
Der Mann zündete sich eine Zigarette an und beobachtete, wie sein Sperma langsam aus ihrem After tropfte.
„Wie weit bist du mit der Sache Vera Wallner?“ fragte er.
Die Hexe drehte sich auf den Rücken um. Sie spreizte ihre Schenkel und streichelte mit ihren Fingerkuppen durch ihr schwarzes Schamhaar.
„Das Mädchen ist noch Jungfrau, Meister“, antwortete sie und drückte einen Finger zwischen ihre Schamlippen.
„Wann bekomme ich das Mädchen? Ich brauche ein unberührte Frau!“
„Ich habe für morgen Nachmittag einen Termin mit der Mutter vereinbart. Die Tochter kommt am Abend aus dem Internat zurück.“
Während die Hexe diese Worte sprach, massierte sie ihre Vagina. Sie atmete schneller und stöhnte leise.
Der Penis des Mannes versteifte sich bei diesem Anblick erneut.
„Bitte, Meister. Ich brauche es noch einmal. Ficken sie mich!“ flüsterte die Hexe lustvoll.
Der Mann erhob sich und bestieg die Hexe erneut.
3
„Da vorn, das ist es, Meister“, sagte die dunkelhaarige Hexe von der Rückbank eines schwarzen Porsche Cayenne und deutete auf eine beeindruckende Villa am Rand der Ortschaft Jenbach.
„Gehört ihr das Haus?“, fragte der unheimliche Mann und lenkte das große Auto an den Rand des Bürgersteigs.
„Ja, Meister.“
„Wer wohnt alles in dem Haus?“
„Nur die Frau mit ihrer Tochter. Der Ehemann ist seit einigen Jahren tot. Gelegentlich kommt eine Putzfrau. Die Frau ist heute allein zu Hause. Die Tochter kommt erst am Abend aus dem Internat zurück.“
Der Meister blickte auf seine Uhr. „Es ist gleich soweit. Du hast ihr gesagt, dass ich um vier Uhr bei ihr sein werde?“
„Ja, Meister.“
„Sie hat keinen Verdacht geschöpft?“
„Nein, Meister“, antwortete die schwarzhaarige Hexe. „Sie glaubt, ihr würdet seelischen Beistand geben. Die Frau ist depressiv. Sie hat bereits versucht sich das Leben zu nehmen.“
„Gut“, antwortete der unheimliche Mann mit einem Grinsen. „Beschreib mir ihre Tochter. Wäre sie ein geeignetes Opfer?“
„Ja, Meister. Ich habe nachgeforscht. Das Mädchen ist siebzehn Jahre, sehr hübsch und schlank. Sie hat lange blonde Haare und hatte noch keinen Freund. Meiner Meinung nach ist sie noch Jungfrau.“
„Gut“, antwortete der Meister. „Das werde ich überprüfen. Aber die Mutter ist im Weg, oder?“
„Ja, Meister. Das Mädchen ist alles was sie noch auf der Welt hat. Sie würde uns niemals die Tochter übergeben. Ihr müsst vorher die Mutter beseitigen, dann ist der Weg zum Kind frei.“
„Gut, wartet hier. Es kann etwas dauern, bis ich das Mädchen bringe.“
„Ja, Meister.“
Die schwarzhaarige Hexe nickte ergeben und schenkte dem elegant gekleideten Mann einen aus Liebe und Devotion gemischten Blick.
Neben der Hexe saß ein breitschultriger Mulatte, der fast die ganze Rückbank ausfüllte. Außer seiner gewaltigen Statur waren die Augen am auffallendsten. Sie wirkten gebrochen wie die eines Toten. Der Mulatte nickte ebenfalls ergeben zu seinem Meister, ohne ein Wort zu sagen.
Der unheimliche Mann stieg aus dem Porsche und schritt auf die beeindruckende Villa zu. Vor der Haustür drückte er auf die Klingel, neben der ein Namenschild hing: Clara Wallner.
Die Frau, die ihm öffnete, war mittelgroß und kaum älter als vierzig Jahre. Sie trug ein hübsches, dunkelbraunes Tweed Kostüm, das einen angenehmen Kontrast zum Weizenblond ihres kurzgeschnittenen Haares bildete. Ihre nussbraunen Augen waren groß und ein wenig verstört. Der Mund war eher klein, aber er hatte eine hübsch geschwungene Form.
„Ich bin Hohepriester Draco Atratus vom Kloster St. Georgenberg“, stellte er sich mit einer sonoren, kräftigen Stimme vor.
„Darf ich eintreten, wir sind verabredet.“
„Oh ja, bitte“, stammelte sie und hatte Mühe, ihre innere Erregung zu verbergen. „Ich habe sie erwartet.“
Sie führte ihn in das große, zum Garten weisende Wohnzimmer. In der Nähe der offenen Terrassentüren war ein Tisch gedeckt.
Der Hohepriester trat auf die Terrasse und sagte:
„Wie schön, wie beruhigend. Kümmern sie sich selbst um den großen Garten?“
„Nein, ich verstehe nichts davon“, meinte sie. „Ich habe auch keine Lust dazu, dafür gibt es einen Gärtner.“
Der Priester drehte sich um und blickte die Frau mit seinen stechenden, grünen Augen an.
„Wenn sie sich selbst um den Garten gekümmert hätten, wäre es nicht zu jenem tragischen Vorfall am zweiten Osterfeiertag gekommen.“
Die Frau wurde leichenblass.
„Wer hat ihnen davon berichtet?“ fragte sie stotternd.
„Darf ich mich setzen?“ fragte er, ohne auf ihre Frage einzugehen. Sie nickte zustimmend mit dem Kopf. Er rückte sich einen Stuhl zurecht.
Die Frau setzte sich ihm gegenüber.
„Sie trinken doch Kaffee?“ fragte sie scheu.
„Gern, danke“, sagte er und blickte ihr erneut mit seinen unheimlichen, beschwörenden Augen ins Gesicht. Er musste innerlich grinsen, als er merkte –wie immer eigentlich- wie sehr sein imponierendes Aussehen den Frauen unter die Haut ging. Clara Wallners zitternde Hand bewies deutlich, wie beeindruckt sie von seiner kraftvollen Männlichkeit war.
„Es war nur eine Überdosis von Schlaftabletten“, murmelte sie und vermied es, ihn anzusehen. „Ich hatte mich verzählt, das ist alles.“
„Es war ein Selbstmordversuch, sie haben damit gegen die Gebote der Kirche verstoßen!“
Der Hohepriester musste innerlich lachen. Er hatte sich von der Kirche abgewandt, daher waren ihm Gebote der Kirche völlig egal.
Seine Sekte verehrt die schwarze Göttin Hekate.
„Warum geben sie es nicht zu!“
Sie erwiderte seinen Blick und fand es plötzlich erleichternd und beruhigend, sich dem Priester anvertrauen zu können.
„Ja, ich wollte aus dem Leben scheiden“, sagte sie. „Freiwillig.“
„Warum?“
„Dieses große Haus erdrückt mich. Das ewige Alleinsein war mehr, als ich ertragen konnte. Meine Tochter wird erwachsen und verbringt ihre Zeit in einem Internat. Ich bin immer allein.“
„Haben sie keine Freunde?“
„Die Frauen meines Alters sind verheiratet. Wer lädt schon gern eine Witwe ein? Man entdeckt, dass man zu einer Gesellschaftsschicht gehört, die total isoliert wird.“
„Sie könnten arbeiten, etwas Wohltätiges tun.“
„Das habe ich versucht, aber ich fühlte genau, dass ich mich ungeschickt anstellte und im Grund von niemand richtig akzeptiert wurde. Dieses Gefühl absoluter Nutzlosigkeit ließ es dann, zu Ostern, zu jenem Kurzschluss kommen.“
„Sie haben Glück, dass wir von ihnen erfahren haben. Wir können sie in unserer Gemeinschaft aufnehmen. In unserer kleinen Gemeinde im Kloster gibt es nur glückliche Frauen. Einsamkeit ist den Sektenmitgliedern zum Fremdwort geworden.“
„Ja, ihre Mitarbeiterin sagte das bereits am Telefon.“
Sie füllte die Kaffeetasse und stellte die Kanne beiseite.
„Gleichzeitig“, fuhr Clara fort, „tat sie sehr geheimnisvoll. Warum durfte sie mir am Telefon nichts über den Charakter der Sekte erzählen?“
„Weil wir vermeiden wollen, dass unsere Auffassung der Teufelsaustreibung von Ungläubigen missverstanden oder gar verhöhnt wird. Unsere Göttin Hekate akzeptiert keine anderen Götter neben sich.“
Clara Wallner lächelte matt.
„Bei mir ist kein Teufel auszutreiben“, sagte sie. „Ich lebe zurückgezogen in diesem großen Haus und habe gar keine Gelegenheit, mich zu versündigen.“
„Man kann auch in Gedanken sündigen“, sagte er, „oder in der Wärme des eigenen Bettes, ganz mit sich allein.“
Der Hohepriester musste erneut innerlich schmunzeln. Eigentlich wollte er die Frau schnell beseitigen, um sich anschließend die Tochter zu nehmen. Aber das Mädchen kommt erst am Abend nach Hause. Die Frau vor ihm erregte ihn. Ihm gefielen die schlanke Figur und ihre naive Art. Er spürte, dass Blut in seinen Schwanz floss.
Warum nicht etwas Spaß haben, bevor die Frau beseitigt wird?
Auf Clara Wallners Wangen krochen kreisrunde, rote Flecken.
„Wie soll ich das verstehen?“
„Wer masturbiert, entzieht sich der Aufgabe, andere glücklich zu machen.“
„Aber...“
Der Hohepriester hob die Hand und schnitt ihr damit das Wort ab.
„Denken sie bitte nach. Welche Gefühle sind die stärksten? Ohne Zweifel diejenigen, die mit der körperlichen Liebe zusammenhängen. Es bedarf keiner Frage, dass wir im Zeugungsakt dem Himmel und unseren Göttern am nächsten sind. Der männliche Penis ist mehr als ein bloßes Lustinstrument, es ist eine göttliche Peitsche. Ein reinigendes Gewitter, dem sich die Frau unterordnen muss.“
Clara Wallner starrte ihm sprachlos ins Gesicht. Er sah so gut aus, so imponierend und stark. Aber die Worte, die im Augenblick über seine Lippen kamen, waren so verwirrend, dass sie Mühe hatte, ihre Fassung zu bewahren.
Aber seltsamer Weise war sie nicht richtig schockiert. Die Art wie der Priester seine Argumente vorbrachte, hatte etwas Gelassenes und sogar Besänftigendes. Er sprach wie ein Arzt, der seiner Patientin mit einfachen Worten schwierige Krankheitszusammenhänge zu erklären versuchte.
„Wie lange waren sie verheiratet?“, fragte er lächelnd.
Der plötzliche Themenwechsel verwirrte sie. „Zehn Jahre.“
„Wann ist er gestorben?“
„Vor acht Jahren, an den Folgen eines Autounfalls.“
„Aus der Ehe haben sie nur die eine Tochter?“
„Ja, Vera ist jetzt siebzehn Jahre.“
„War ihr Mann sehr leidenschaftlich?“
Clara Wallner errötete. „Er war ganz normal, nehme ich an. Sie können doch unmöglich erwarten, dass ich mich über derlei intime Dinge auslasse!“
Er schaute sie zwingend an. „Es muss sein. Es gehört dazu“, sagte er.
„Sie meinen damit, es ist ein Punkt der Aufnahmebedingungen?“ fragte sie.
„Ja!“
Clara hob mit einem Ruck das Kinn. „Dann bin ich nicht sicher, ob ich bereit bin, ihrer Sekte beizutreten. Ich kann nicht sagen, dass mich das bis jetzt Gehörte dazu animiert.“
„Das liegt daran, dass sie noch von einer dummen, alten Voreingenommenheit beeinflusst werden. Gläubiges Sektenmitglied kann nur derjenige sein, der völlig gelöst über die Geschehnisse seiner Vergangenheit sprechen kann.“
„Welchen Sinn soll das haben?“
„Ich bin froh, dass sie diese Frage stellen, denn tatsächlich geht es nur darum. Um den Sinn. Sehen sie, meine Liebe, jeder von uns hat ein konstantes, drängendes Mitteilungsbedürfnis. Seltsamerweise ist es gerade jene Ebene, die von den stärksten Tabus bevölkert ist. Um es frei heraus zu sagen: es erleichtert und beglückt uns, wenn wir mit einem Beichtvater über jene Dinge reden können, die normalerweise in unseren Köpfen eingekerkert bleiben müssen und dabei viel Schaden anrichten. Ich bin ein Hohepriester, sie können mir alles anvertrauen.“
Er schmunzelte wieder innerlich, während sich sein Penis versteifte.
„Ich soll mit ihnen über die intimsten Gedanken und Geschehnisse meiner Ehe sprechen?“ murmelte sie. „Das kann nicht ihr Ernst sein!“
„Sie müssen sich dazu zwingen.“
„Das kann ich nicht.“
„Dann werden sie weiterhin unglücklich und frustriert bleiben“, sagte der Priester mit einem gemeinen Grinsen auf den Lippen.
Clara Wallner blickte aus dem Fenster. Vielleicht hat er Recht, dachte sie. Warum nicht darüber sprechen?
„Er war brutal“, flüsterte sie leise.
„Wie brutal?“
„Er nahm mich am liebsten von hinten.“
Sie blickte immer noch in den Garten. Träumte sie? War es tatsächlich die prüde, zurückgezogen lebende Clara Wallner, die jetzt einen nahezu Fremden mit so schockierenden Worten und Erlebnissen konfrontierte?
„Gegen ihren Willen?“
„Ich war am Anfang dagegen, als es schmerzte. Später machte es mir Spaß.“
„Kam es niemals zu normalem Verkehr?“
„Kaum. Ich musste seinen Penis in den Mund nehmen. Wenn er mich bestrafen oder demütigen wollte, geschahen diese Fälle von Fellatio immer dann, wenn er mich vorher anal genommen hatte.“
„Waren sie glücklich, als er tot war?“
„Nein“, gab sie stockend zu. „Nein, ich hatte mich an ihn gewöhnt. Ich weinte noch Wochen nach seinem Tod nachts in die Kissen, obwohl ich ihn nicht ernsthaft geliebt hatte.“
„Hatten sie seitdem häufig Sex mit anderen Männern?“
„Nein“, sagte sie.
„Wie oft?“
„Nur zweimal“, sagte sie stockend.
„Zweimal in acht Jahren?“ fragte er ungläubig. Er konnte sich keine zwei Tage ohne Sex vorstellen!
„Ja.“
„Wann und mit wem?“
„Das erste Mal knapp nach dem Tod meines Mannes. Da kam ein junger Mann, der Bibeln an der Tür verkaufte. Er war ein großer, lustiger Bursche, der genau wusste, was mir fehlte. Ich konnte seinen Verführungskünsten nicht widerstehen. Er nahm mich dreimal, einmal auch anal, dann drehte er mir seine teure Bibel an und verschwand für immer.“
„Und das zweite Mal?“
„Das war kurz vor Ostern“, erinnerte sie sich. „Kurz vor diesem gravierenden Tag, aber es hatte kaum etwas damit zu tun.“
„Erzählen sie.“
„Es klingt banal. Lächerlich. Es war der Milchmann, der uns mit der frischen Milch von den Almbauern versorgt. Ein Vater von vier Kindern, der mich seit Jahren beliefert. Ein freundlicher, jovialer Mann, das ganze Gegenteil eines Verführers. Er erwischte mich nackt in der Küche...“
„Sie haben sich ihm dort nackt gezeigt, ist es nicht so? Sie wollten sehen, ob sie noch auf Männer wirken“, meinte der Priester.
„Ja, das stimmt. Er hätte vor Schreck fast seinen Korb mit den Milchflaschen fallen gelassen, aber dann, als er merkte, dass ich weder schockiert noch irritiert war, sondern im Gegenteil als Verführerin auftrat, machte er blitzschnell ernst.“
Clara Wallner brachte es jetzt sogar fertig, den Mann während des Sprechens anzuschauen. Sie war verblüfft darüber. Sie berichtete ihm detailliert über Geschehnisse, die sie bislang mit Scham und Entsetzen erfüllt hatten.
Woran lag es nur, dass sie auf einmal weder Skrupel noch Mühe hatte, diese Dinge ausführlich zu behandeln? Der Hohepriester mit dem schönen, asketischen Kopf hatte Recht behalten. Es war befreiend, darüber sprechen zu können.
„Wie oft kam es ihm?“ fragte er weiter.
„Dem Milchmann? Nur einmal.“
„Und ihnen?“
„Ich weiß es nicht mehr genau“, erwiderte sie. „Nach den Jahren totaler Enthaltsamkeit hatte ich das Gefühl, unendlich kommen zu müssen. Ich verschränkte meine Beine hinter seinem Rücken, als wollte ich ihn nie wieder loslassen, aber er war zu erschöpft, um weitermachen zu können. Er schnappte seinen Korb und machte sich wortlos aus dem Staub. Seitdem vermeidet er es, zu mir ins Haus zu kommen.“
„Befriedigen sie sich manchmal selbst?“
Clara senkte den Blick. „Ja.“
„Womit?“
„Muss ich das sagen?“
„Ja!“
„Ich habe mir von einem Internetversandhaus für erotische Artikel einen Massagestab kommen lassen“, gestand sie.
„Wie oft benutzen sie ihn.“
„Fast täglich.“
„Sie werden ihn noch heute wegwerfen“, entschied der Hohepriester. „Für sie gibt es künftig etwas Besseres!“
Er stand auf, legte sein Jackett ab und lockerte den Krawattenknoten. Clara schaute ihm verwundert zu und atmete rascher, als er auch seinen Hosenbund öffnete.
„Wir kommen jetzt zur Aufnahmeprüfung“, erklärte der Priester und schaute sich nach einer Liegestätte um. Sein Blick fiel auf eine breite Couch am anderen Ende des Raumes.
„Sind sie bereit, Clara?“
„Nein“, stammelte sie. „Es kommt alles so plötzlich. Ich kann das nicht. Nicht auf diese Weise. Bitte lassen sie uns erst noch ein wenig miteinander sprechen...“
„Das hat Zeit bis später“, sagte er und ließ seine Hose herab.
Die Frau starrte auf die gewaltige Erhöhung an seinem weißen Baumwollslip. Die roten, kreisrunden Flecken auf ihren Wangen bildeten einen starken Kontrast zu ihrer transparent wirkenden Blässe.
Der Hohepriester streifte jetzt auch Hemd, Krawatte und Unterhemd ab. Dann zog er Schuhe und Socken aus. Er wusste genau, dass sein Körper eine Attraktion war, der kaum eine Frau zu widerstehen vermochte. Ein Blick in Clara Wallners begehrlich funkelnde Augen machte ihm klar, wie sehr die Frau nach seinem muskulösen Körper gierte.
Er hatte jetzt nur noch den weißen Slip an. Der Stoff kämpfte vergeblich gegen die schwellende Erektion an, die er bedeckte.
„Worauf wartest du noch?“, fragte er. „Steh auf, Schwester. Dies ist ein großer Augenblick für dich. Wenn du die Aufnahmeprüfung bestehst, wenn du Demut und Leidenschaft zeigst, wirst du das Mitglied einer Gruppe, die erkannt hat, wo die wahren göttlichen Werte liegen!“
Er war ohne ihr Einverständnis zur „Du“ Anrede übergegangen. Dies sollte seine überlegene Position bestätigen.
Clara Wallner erhob sich zitternd. Der kräftige Mann erfasste ihre Hand und führte sie durch das Zimmer zur Couch. Dort blieb er mit ihr stehen.
„Das sind die Hände deines Meisters“, flüsterte er beschwörend, als er plötzlich nach ihren Brüsten griff und sie an sich zog.
„Es sind die Hände eines Mannes, der bedingungslosen Gehorsam von dir fordert, der dir dafür aber ein Glück gibt, das keine andere Glaubensgemeinschaft verschenken kann.“
Clara Wallner war es zumute, als ob sie träumte. Warum riss sie sich nicht los von ihm, warum sagte sie ihm nicht auf den Kopf zu, dass sie seine schwülstigen Worte für albernes Geschwätz hielt, für den plumpen, untauglichen Versuch, eine alleinstehende, einsame Frau zu umgarnen?
Aber war es nicht gerade das, was sie sich wünschte?
Nach all den Jahren der Frustration und Selbstbefriedigung war sie im Grunde mehr als bereit, buchstäblich alles zu tun, was ein Mann von ihr verlangte.
Hinzu kam, dass der Hohepriester wie ein junger, griechischer Gott gewachsen war. Einen Mann seines Aussehens hatte sie noch niemals gehabt. Ob seine optischen Qualitäten mit seiner Potenz und seiner erotischen Phantasie Schritt zu halten vermochten?
Nur das Alleinsein wollte sie nicht länger ertragen, das hatte sie sich geschworen. Was war schon dabei, wenn sie das Mitglied einer obskuren und offenbar keineswegs frommen Sekte wurde? Was wirklich zählte, waren die Lust und die Befriedigung, die man aus einer solchen Verbindung gewann.
„Zieh dich aus“, sagte der Priester und trat einen Schritt zurück, um sie besser betrachten zu können.
„Aber ganz langsam, bitte.“
Clara Wallner war froh, dass sie vorher noch gebadet hatte, zudem ihre schickste Wäsche angelegt hatte. Es schien, als habe sie geahnt, welche Folgen der Besuch des Hohepriesters haben würde.
Während sie Stück für Stück ihrer Bekleidung ablegte, bis sie nur noch den weißen Spitzen-BH, den Slip, sowie ihre Strümpfe mit dem schmalen weißen Strumpfhalter anhatte, registrierte sie zufrieden, dass der Penis des Mannes sich noch weiter versteift und verdickt hatte.
Er dehnte den Slip rücksichtslos nach vorn aus. Durch die dabei entstandene Öffnung zwischen den Beinen vermochte Clara einen Teil seines behaarten Hodensacks zu sehen.
„Weiter“, drängte der Priester sie.
Seine Stimme blieb gleichbleibend dunkel und angenehm, aber in seinen Augen war jetzt ein gieriges Leuchten.
Clara öffnete den BH. Sie war mit Recht stolz auf ihre mittelgroßen, sehr schön geformten Brüste, die noch die Frische und Elastizität der Jugend hatten und sehr wohl einer viel jüngeren Frau gehören konnten.
Wieder überkam sie das große Wundern und das seltsame Empfinden, als würde sie träumen. Obwohl sie alles sehr bewusst tat, schien es ihr so, als sei ihr eigenes Ich ausgeschaltet und müsste sich damit zufriedengeben, die Ereignisse aus der Vogelperspektive mitzuerleben, verwundert, sprachlos, ohne eine Erklärung für die männliche Faszination, die dies alles zustande brachte.
„Ich glaube, das genügt“, murmelte sie und hatte plötzlich eine heftige Scheu davor, vor den Augen des Predigers ihren Slip auszuziehen.
„Runter damit!“, donnerte er in einer harten und dominanten Stimme. „Die Strumpfhalter kannst du anlassen.“
Clara erschrak, schluckte, dann streifte sie sehr, sehr langsam das weiße Höschen herab. Der dunkle Busch des Schamhaares, der sich gierig über den Gummizug schob und sich befreit entfaltete, krönte einen Venusberg von berückend vollkommener Linie.
„Leg dich hin“, sagte er streng. „Schieb dir ein Kissen unter deinen Hintern.“
„Wie soll ich mich hinlegen?“, fragte sie, vor Aufregung am ganzen Körper zitternd.
„Auf den Rücken, wie denn sonst?“
Dann grinste er gierig.
„Ich kann dich natürlich auch so befriedigen, wie du das von deinem Mann gewohnt warst und dich gleich in deinen Arsch vögeln!“
Plötzlich war auch der letzte Rest von Scham verflogen. Clara präsentierte ihm ohne Scheu ihre schwellenden Formen und starrte gierig auf den so gewaltig ausgedehnten Baumwollslip.
Der Hohepriester trat dicht an die Couch heran, dass er sie mit seinen Beinen berührte. Er baute sich in Höhe von Claras Kopf auf und sagte:
„Zieh ihn herunter!“
Sie begriff sofort was er meinte und zögerte keine Sekunde, die Aufforderung in die Tat umzusetzen. Sie streifte seine Unterhose herunter.
„Oh mein Gott, ist der groß!“ entfuhr es ihr, als sein Penis wie eine Wunderwaffe nach oben wippte, ein gewaltiges, kräftiges Werkzeug der Lust.
„Fass ihn an“, befahl er und stieg aus seinem Slip.
Das brauchte er ihr nicht zweimal zu sagen. Seitdem sie die Ausbeulung an seinem Slip gesehen hatte, drängte es sie förmlich danach, den Burschen kennenzulernen, der für die Hosendeformation verantwortlich war. Clara schob mit glänzenden Augen die samtig weiche Vorhaut vor und zurück. Lieber Himmel, wie das klopfte, pochte und pulsierte! Ihr armseliger Dildo aus Gummi nahm sich daneben erschreckend steril aus.
„Jetzt die Hoden“, befahl er weiter.
„Die sind ja riesig“, sagte sie anerkennend und drückte sie.
„Küss ihn“, forderte er sie auf.
Clara schluckte, dann setzte sie sich auf und schob sein hartes Glied gehorsam in ihren Mund. Sie umspielte die Vorhaut und die pralle, bläulich gefärbte Eichel mit ihrer Zunge und merkte aufgeregt, wie sehr sie den Mann damit reizte. Sie saugte und leckte stärker, hingerissen von der eigenen Lust und bezaubert von der Erkenntnis, dass dies nur der Anfang war. Der Anfang einer wilden Liebesstunde, der Anfang auch von einem Leben als Sektenschwester, der den Begriff Verzweiflung und Einsamkeit nicht kennen würde.
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