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Blut und Feuer
Dreya Love Buch 2
Dana Lyons


Impressum

Blut und Feuer Dreya Love Buch 2

Eine Wandler-umgekehrter Harem-Reihe

Copyright © 2018 by Dana Lyons

Titel der englischen Originalausgabe: »Blood And Fire Dreya Love Book 2«

Einband Design von Ivan auf:

https://www.bookcoversart.com/

Bei diesem Werk handelt es sich um Fiktion. Namen, Orte, Charaktere und Vorkommnisse sind entweder Produkte der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv genutzt und jede Ähnlichkeit zu tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Einrichtungen, Ereignissen oder Örtlichkeiten sind völlig zufällig.

Alle Rechte vorbehalten unter den International and Pan-American Copyright Conventions. Kein Teil dieses Buchs darf in keiner Form oder Weise ohne die schriftliche Zustimmung des Verlags vervielfältigt oder übertragen werden, weder elektronisch noch mechanisch, was Fotokopien, Aufnahmen oder jede Datenspeicherung und Datenabfragesysteme beinhaltet.

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Für die deutschsprachige Ausgabe:

Copyright Übersetzung © 2020 by Carolin Kern

Alle Rechte vorbehalten

Herausgegeben von TekTime

Kein Teil dieses Buches darf auf irgendeine Weise ohne die schriftliche Erlaubnis der Autorin durch elektronische oder mechanische Mittel vervielfältigt werden, inklusive Datenspeicherungen und Datenabfragesystemen, außer zur Nutzung von kurzen Zitaten in Buchrezensionen.

Erstellt mit Vellum

Unmenschlich? Außergewöhnlich? Nobel?

Sie suchen nach ihrem Schöpfer.

Auf einer im Geheimen operierenden Raumstation ist ein nach Blut dürstender Drachen-Wandler verantwortlich für eine Mordserie – bis ihm Dreya und ihr Team in die Quere kommen.

Willkommen auf der Rückseite der Hölle – Draco Station.

Draco Station, eine ultrageheime Einrichtung über dem Planeten Draco Prime, die Vulkillium abbaut, ist ein Mega-Milliarden-Dollar-Geschäft. Aber um die Oberfläche zu bearbeiten, braucht man eine spezielle Art von Menschen – einen Draco Dämon.

Als auf der Raumstation anfangen Leichen aufzutauchen, brechen Dreya Love und ihr Team auf, um zu ermitteln, und werden mit Dr. Anthony Lazar konfrontiert. Dr. Lazar ist brillant. Unglücklicherweise für die Menschheit ist er auch verrückt. Er hat eine Vision der Zukunft der Menschheit und die Werkzeuge, um seine verdrehten Ideale umzusetzen. Immerhin ist er klüger als Gott.

Ein Verrückter, ein Drache mit Träumen von Blut und Feuer und ein Sheriff mit einem Groll – alle verkomplizieren die Suche nach Antworten. Wenn Dreya nicht vorsichtig ist, könnten sie und ihr Team tot enden … oder Schlimmeres.

Folgen Sie Special Agent Dreya Love und ihren Männern, Rhys Morgan und Quinn Kingston, als sich ihre Leben für immer … verändern und verflechten … auf Arten und Weisen, die sie sich niemals vorstellen konnten!

Inhalt

BLUT UND FEUER

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Über den Autor

BLUT UND FEUER

Errette mich von den Übeltätern

und hilf mir von den Blutgierigen.

1

1992

Dr. Anthony Lazar starrte auf die flache Linie auf dem Herzmonitor seiner Schwester. Es würde keinen allmächtigen Funken geben, um ihr Herz in Gang zu bringen; keinen göttlichen Segen, um ihre Seele wiederauferstehen zu lassen; keine Gnadenfrist vor dem Tod. Gott hatte seine Schwester aufgegeben, bevor er sie retten konnte.

Was bringt ein solcher Gott?

Er schnaubte vor Selbstverachtung.

Ich gebe Gott die Schuld … wo war ich? Was habe ich getan, um sie zu retten?

»Ich hätte sie retten können«, murmelte er. »Wenn ich nur ein wenig mehr Zeit gehabt hätte –« Sie zogen das Laken hoch über Ninas Gesicht und er wandte sich ab.

»Sohn, du weißt, dass es nichts gab, was du hättest tun können«, sagte sein Vater mit einfacher Logik. »Ihr Zustand war inoperabel und unbehandelbar. Nicht einmal du, so brillant du auch bist, hättest diesen Moment verhindern können.«

Anthony ging rückwärts aus dem Raum. »Was bringt meine Genialität, wenn ich nicht jemanden retten kann, den ich liebe?« Er erschauderte, hinterfragte seinen eigen Wert, als Kummer durch seine Seele wogte. »Warum brillant sein, wenn man nicht etwas, etwas … Nobles in der Abwesenheit Gottes tun kann?«

Seine Schwester in der Abwesenheit Gottes retten; der packende Gedanke schenkte ihm Trost, denn er glaubte mehr an seine Genialität als an Gott. Plötzlich war die Idee eine Abrissbirne, die durch seinen Verstand schwang und die Begrenzungen seiner Gedanken in Stücke zertrümmerte –Stücke, die sich in einer gewagten neuen Gestaltung wiederverbanden.

Nicht retten … in Ordnung bringen.

Der Weg sie zu retten war klar – einfach das Problem eliminieren, bevor es sich manifestiert. Traurigerweise kam diese Erleuchtung zu spät für Nina, aber er konnte für andere da sein.

Er schenkte seiner Schwester einen letzten durch Tränen getünchten Blick. Zumindest hat ihr zerbrechlicher Körper jetzt Frieden gefunden. Im Tod gab es keinen Schmerz, keinen Kummer, kein verzweifeltes Festklammern am Leben. Aber in der Leere, welche ihr Verscheiden hinterlassen hat, entstand in seinem Herz und Verstand eine neue Verpflichtung. Er starrte aus dem Fenster, während Tränen von seinem Gesicht fielen.

Ich brauche Gott nicht.

»Ich hätte sie in Ordnung bringen können.«


2000

Dr. Anthony Lazar begutachtete den Raum und hob seine Nase, schnüffelte leicht.

Ah, der Geruch von Geld, das Gefühl der Macht.

Trotz seiner Abscheu, denn er verachtete es diese Menschen zu befriedigen, trug er ein Lächeln. Trotz seiner Freude hielt er sein Lächeln gedämpft.

Mit Geld war im Leben alles leuchtender, so viel war offensichtlich, während er herumblickte. Die Glaswaren funkelten, der Goldschmuck und die Manschettenknöpfe glänzten, die schönen Frauen sahen in ihrer makellosen formellen Kleidung wie Models aus. Alles waren Zeichen der noblen Klasse.

Dennoch hat es nie einen Raum gegeben, der leerer vor noblen Taten, noblen Gedanken, noblen Handlungen war. Unter diesen Menschen war er der alleinige Inhaber dieser Qualitäten.

Sie brauchen mich; ich brauche sie. Das Ende wird die Mittel rechtfertigen.

In jeder Ecke waren Köpfe in geheimem Gemurmel zusammengeworfen, ohne Zweifel hoch lukrative Handel eintauschend und erschaffend. Jenseits der Ecken neigten Vorstandsmitglieder des Unternehmens ihre Gläser mit den politisch Ultramächtigen.

»Stinkreich« kam ihm bei diesen Zusammenkünften immer in den Sinn. Obwohl er den finanziell erhabenen Abschaum mit Verachtung betrachtete, war ihre Firma notwendig, um das Nobility-Projekt abzuschließen. Was mit Ninas Tod begonnen hatte, war zu seinem Lebensziel geworden, einem Ziel, das beträchtliche Förderungen erforderte.

Diese Menschen werden mir geben, was ich brauche, um die Nobility-Rezeptur zu erschaffen.

Senator Sanford Stanton kam mit einem Lächeln voller Zähne näher. »Dr. Lazar, wir sind so erfreut Sie hier zu haben.«

Lazar schenkte das erforderte Nicken des Respekts. »Es ist ein neuer Tag für uns alle, Senator«, erwiderte er, bemerkte den ehrerbietigen Tonfall, der in seine Richtung gehebelt wurde. Diese Darbietung des Respekts wurde durch die enormen Profite genährt, welche die Anwesenden dieses Raums aufgrund seiner Arbeit kassierten. Seit sechs Jahren treiben seine umwerfenden Fortschritte für Hammer Industries ihr Genetikprogramm auf der supergeheimen Draco Raumstation an. Seine einzigartige Vision und bahnbrechende Forschung erschufen die enorm produktiven, doch problematischen Draco Dämonen.

Er bahnte sich einen Weg durch die Menge, nickte Menschen zu, die mehr Geld hatten als sie jemals ausgeben konnten, Menschen, die ihren gewaltigen Reichtum aufgrund seiner Errungenschaften vervielfachten. Sie sollten ehrerbietig sein, dachte er.

Ich bin der Einzige, der in Ordnung bringen kann, was sie verloren haben – die Kontrolle über Draco Station und die Draco Dämonen.

Senator Stanton stand auf, um einen Toast auszubringen. »Auf Dr. Anthony Lazar – die Zukunft der Draco Station.« Er hob sein Glas.

Lazar verankerte sein Lächeln und machte mit, neigte ihnen sein Glas zu. Nach sechs Jahren Entwicklung der Draco Dämonen wurde er nun mit seinem eigenen Labor auf der Draco Station belohnt, die Gelegenheit, die er brauchte. Auf Draco Station würde er ihr Problem mit den Dämonen in Ordnung bringen, während er seine Nobility-Rezeptur vollendete.

Nobel durch Nobility, ob die Menschheit es will … oder nicht.

Stanton fuhr fort. »Wie Sie wissen hat Hammer Industries die Kontrolle über die Station verloren.«

Ein Gemurmel des Untergangs durchlief die Menge.

»Ja, wir alle haben unsere Gewinne durch den Verlust der Draco Station schwinden sehen«, bedauerte Stanton. Er streckte seine Hand aus, schlug dramatisch den Strom des Kummers zurück. »Jedoch darf das kollektive und gottgegebene Talent bei Hammer Industries nicht verleugnet werden.«

Er hob sein Glas zu Lazar. »Der angesehene Doktor hat zugestimmt an Bord zu kommen, die wissenschaftlichen Fortschritte sondergleichen, die er zu Draco und Hammer Industries gebracht hat, weiterzuführen. Wir heißen Dr. Lazar als Leiter des Genetiklabors für die neue Pantheon Corporation willkommen. Auf Dr. Lazar und Pantheon! ›Wo sich Götter versammeln – die Grenzen der Menschheit durch Wissenschaft neu definieren.‹«

Lazar verbeugte sich. Danach suchte er die Menge ab. Senator Stanford erregte seine Aufmerksamkeit und er bedeutete ihm mitzukommen. Er folgte dem Senator den Flur hinab und in ein Büro, wo sich einige der reichsten Männer des Planeten im Gespräch befanden. An einem Tisch in der Ecke beim Fenster hielt ein junges Mädchen, vielleicht acht oder neun, ihren Kopf über ein Ausmalbuch und eine Anordnung von Buntstiften gebeugt.

Alle Unterhaltungen waren gedämpft. Nicht genau Geflüster, aber das Gespräch war … leise. Lazar setzte sich auf einem Ledersessel zurück, auf welchen der Senator wies, während dieser sich auf ein angrenzendes Sofa neben Oliver Gates, dem drittreichsten Mann der Erde, setzte. »Ich bin von den Ergebnissen der DNS-Modifizierung durch Impfstoffe beeindruckt«, sagte Oliver. »Was ist Ihre Lösung, um das Problem auf Draco Prime mit den Dämonen in Ordnung zu bringen?«

»Ich glaube die Antwort ist es ihnen Flügel zu geben.«

»Flügel?«

»Flügel kommen mit Lungen – Lungen, die in der Lage sind auf der Oberfläche zu atmen, ohne einen Luftvorrat zu tragen. Diese neue Kreatur wird weitaus fortgeschrittener sein, als die Oberflächen-Kriecher, die wir momentan haben. Der modifizierte Draco Dämon wird eine wunderschöne fliegende Kreatur sein, die hochintelligent ist. Das wird den Verhandlungspunkt der Dämonen nach einer fortgeschrittenen Evolution als Spezies zufriedenstellen.«

»Faszinierend«, sagte Stanton. »Welche anderen bahnbrechenden Einblicke bringen sie mit zu Pantheon?«

»Senator, ich beabsichtige Pantheons Stall zu vergrößern. Warum nur Draco Dämonen haben, wenn es endlose Vorlagen in der Schöpfung gibt?« Er lehnte sich vor, aber sprach laut genug, so dass seine Stimme trug. »Sie werden nicht glauben, welche Federn ich erschaffen kann. Sobald Pantheon mit der Draco Station einen Vertrag aushandelt, werde ich Ihnen Kreaturen bringen, die Sie sich niemals vorstellen könnten. Der Wohlstand wird kein Ende nehmen.«

Die Ehrfurcht auf ihren Gesichtern massierte sein Ego. Er lächelte und blickte sich um – sogar das junge Mädchen am Tisch in der Ecke beobachtete ihn.

Pantheon würde den Dämonen auf Draco Station einen Handel vorschlagen, den sie nicht abschlagen konnten, weil die Profite aus Vulkillium grenzenlos waren –aber nur solange die Dämonen die Oberfläche bearbeiteten. Sobald er die Kontrolle vom fortschrittlichsten Genetiklabor, das man mit Geld kaufen konnte, auf Draco Station übernahm, würde er seinen Traum fertig stellen. Er nippte mit einem Lächeln an seinem Champagner.

Die Grenzen der Menschheit neu definieren? Ich habe gerade erst angefangen.


2014 Draco Station im Orbit über Draco Prime

Im Genetiklabor fragte ein junger Mann: »Ich werde einer der neuen ›Draco Dämonen‹ sein?«

Dr. Anthony Lazar tätschelte den Arm des jungen Mannes. »Der Beste und der Neueste; Sie sollten ein langes und produktives Leben hier auf der Draco Station haben. Sie treffen die richtige Entscheidung; es wird sich ein Leben lang um Sie gekümmert.«

»Legen Sie los, Doc.« Der junge Mann schloss seine Augen.

Lazar schob eine Spritze in den Infusionszugang. »Sie werden etwas Unwohlsein während der genetischen Verwandlung verspüren, aber das wird vorbeigehen. Wir bringen sie in einen ruhigen Raum, wo wir Sie während ihrer Wandlung überwachen können.« Er injizierte langsam die neueste Version der Draco Dämon-Lösung in die Infusion. »Wenn ich Sie das nächste Mal sehe, werden Sie brandneu sein.«

Das Bett des jungen Manns wurde zu einer isolierten Kammer davon geschoben, wo seine Schreie nicht gehört werden konnten. Hinter Lazar murmelte die Ansammlung an besuchenden Würdenträgern. Er riss seine Handschuhe ab und entsorgte sie im Abfallkorb. Er rief über seine Schulter: »Hier entlang, Gentlemen.«

Er hasste diesen vierteljährlichen Werbezirkus, aber Unternehmens-Normalos erforderten mehr Aufmerksamkeit als seine neuen Drachen. Er öffnete die Tür und führte seine Gäste in den Schlüpf-Flügel. »Hier ist es, wo neue Drachen für die ersten paar Tage bleiben.«

Sie hielten vor einem Beobachtungsfenster an, das auf eine niederere Ebene blickte, wo ein dutzend würfelförmige Käfige mit Betten, Toiletten und Waschbecken einen frisch gewandelten Draco Dämon beherbergten. Lazar trat zur Seite, so dass die Unternehmensherde seine neueste Schöpfung betrachten konnte.

Diese Drachen waren in verschiedenen Stadien ihre neue DNS zu ›äußern‹. Manche wachten gerade aus ihrer Wandlung auf, andere waren mit dem Verändern vollständig erfahren, huschten in Sekunden vom Menschen zum Drachen und zurück.

»Wie Sie sehen können, sind sie –«

»Spektakulär«, murmelte einer der Unternehmer.

Sehr menschlich in ihrer Form, hatten diese Drachen vier menschliche Extremitäten mit großen Flügeln, die mit ihrem Rücken verbunden waren. Ihre Brust war übergroß, ihre Arme und Beine muskulös und ihre Haut eine glatte, glänzende reptilische Schuppe, die in einem Regenbogen aus Farben schimmerte.

Einer der geübten Drachen verwandelte sich und öffnete seine Flügel zu ihrer vollen Ausdehnung von dreieinhalb Metern. Mit den Händen auf seinen Hüften drehte er sich auf zwei stark muskulösen Beinen, brüstete sich, um seine Nackenkiemen mit ihren glänzenden rotgoldenen Schuppen zu präsentieren.

»Er war ein großer Mann«, sagte Lazar, während er auf ihn zeigte. »Deshalb seine maximale Flügelspannweite.«

Der Drache blickte hoch, als er seine Flügel mit einem Knacken beugte, dabei ein lautes Krachen verursachte. Er zwinkerte Lazar zu, bevor er seine Flügel einzog und sich zurück zum Menschen wandelte.

»Was ist er wert? Der eine da unten?«, fragte ein Unternehmer.

Lazar wusste, dass sie den Wert des Drachens in Profiten hören wollten. »Die Vulkillium-Produktion dieses Draco Dämons wird sich auf eine Milliarde Dollar pro Jahr beziffern. Das macht ihn zu einem zwanzig-Milliarden-Dollar Drachen. Darum werden sie so gut bezahlt.«

»Wie lange arbeiten sie pro Schicht?«

Er musste nach unten blicken, um eine scharfe Erwiderung zu kaschieren, die herauszubrechen drohte. Egal wie produktiv er seine Drachen machte, die Unternehmer wollten mehr. Unglücklicherweise für Pantheon und die Draco Dämonen zollten die Unternehmer der Gewinnspanne mehr Aufmerksamkeit, als den teuflischen Details. »Ich mache konkrete Empfehlungen für sichere Arbeitspensen für Draco Dämonen, Warnungen über Überexposition eingeschlossen.«

»Aber wie entscheidend ist es innerhalb Ihrer Empfehlungen zu bleiben?«

»Drängen Sie die Arbeitspensen außerhalb meiner Empfehlungen und Sie werden das mit beträchtlicher Gefahr tun.«

»Gefahr für was, Dr. Lazar? Können Sie das verdeutlichen?«

Seine Drachen waren menschengemacht, obgleich von einem brillanten Mann. Aber ohne einige Millennien der Evolution, um die Genetik herauszufordern und zu perfektionieren, gab es Einschränkungen.

Die Psychologie davon beides zu sein, Tier und Mensch, war ein schwieriges Konstrukt für manche menschlichen Psychen, um sich daran anzupassen. Während genetische Tests Fehlermarker im Genom eines Individuums für körperliche Ausschlüsse identifiziert, gab es keine solche Mittel den Verstand zu garantieren. Letztendlich war es das Beste die emotionalen und geistigen Grenzen eines Drachen nicht herauszufordern, indem man den physischen Körper belastet.

Er starrte den Fragesteller über seine Nase an. »Die Gefahr für das zwanzig-Milliarden-Dollar Individuum, die Station und Pantheons Quintessenz. Nur ein Idiot würde das Risiko eingehen. Verdeutlicht das die Situation für Sie?«

Stille kroch in den Beobachtungsraum. Er bemerkte, dass ihre Gesichter nicht länger Neugierde zeigten.

Ah. Es ist gut in den Zoo zu gehen; aber noch besser ihn hinter sich zu lassen.

»Halten Sie sich die Gefahr vor Augen, wenn sie die Produktionsforderungen erhöhen.«


Gegenwart Draco Station

Nate Givens, Vorarbeiter und hochrangiger Draco Dämon, atmete die heiße Luft von Draco Prime ein und öffnete krachend seine Flügel. Die hochgefährliche Oberfläche mit ihren atmosphärischen Gasen, die für Menschen so giftig sind, war Balsam für seine Sinne. Er atmete ein, sog die Mischung tief in seine Lungen und flatterte mit seinen Flügeln, hob gerade genug vom Boden ab, um auf seinen Zehenspitzen zu tanzen. Er war versucht hoch in den Himmel zu fliegen, obwohl ein solches Verlangen zutiefst ursprünglich und drachenartig war.

Und von Pantheon strengstens verboten.

Behaltet eure Menschlichkeit bei.

Er hatte nichts außer Verachtung für die Protokolle übrig, die geschaffen wurden, um die Menschlichkeit beizubehalten. Die Oberfläche auf Draco Prime war die Hölle und hier war er ein Drache, kein Mensch.

Verdammt seien die Protokolle.

Er flüchtete von der roten Oberfläche, faltete seine Hände hinter seinem Rücken, während seine Flügel hart arbeiteten, um Auftrieb zu bekommen. Er atmete ein, ließ seine Brust anschwellen, um mehr Luft aufzunehmen, trieb Kraft in seine Flügel. Sein Blut sang bei dem Kitzel des Fliegens, während er durch die Luft kletterte und tauchte, seine Drachenmuskeln und den Teil seines Gehirns, der die Flugfähigkeit kontrollierte, trainierte.

Verboten, flüsterte sein menschlicher Verstand. Zu fliegen lässt den Drachen frei.

Sie hatten Recht. Zu fliegen baut die reptilischen Verlangen aus und mindert die menschlichen Hemmungen, was es dem Drachen erlaubt sich über den Menschen hinwegzusetzen, das Tor zum Drachenverhalten öffnete – besonders dem Blutdurst. Er kam auf die Oberfläche herunter und ließ sich auf einem hohen Punkt nieder, auf welchem er den großen Kessel überblicken konnte, den die Draco Dämonen im Namen von Vulkillium gegraben hatten. Er warf seinen Kopf zurück und schrie eine drachenartige Freudenerklärung, bevor er seine Flügel einzog.

»Mich zu verhalten wie ein Drache ist mein Recht«, rief er, während er eine Faust erhob.

Sie können mir nicht Flügel geben und es mir verbieten zu fliegen.

Er stützte seine Hände auf seine Hüfte, spürte die undurchdringlichen Schuppen, die seine Gestalt bedeckten, wenn er ein Drache war. Er hatte sich niemals weniger menschlich gefühlt.

Ich bin zu lange auf Draco gewesen.

Sein letztes Mal auf der Erde war eine verblasste Erinnerung. Jahrelang lebte er auf der Station, verwandelte sich unter Lazars Ermutigung zu einem Drachen, als er die Drachen-Rezeptur perfektioniert hatte. Einer der vielen Vorteile ein Draco Dämon zu sein, war der Ruhestand; um Drachen wurde sich bis zum Tod gut gekümmert. Die Arbeit war hart, aber sein Drachenkörper liebte es an die Oberfläche zu kommen und eine volle Schicht in reptilischer Form zu verbringen.

Dann gab es da die erotischen Vorteile, die in der menschlichen Form vorkommen. Es war allgemein auf Draco bekannt, dass, sobald eine Frau einen Drachen hatte, sie selten ihren Drachenliebhaber verließ.

Ein gutturaler Schrei formte sich in seinen Lungen. Er musste noch einmal fliegen, bevor er seine Schicht beendete und das Shuttle zurück zur Station bestieg – auch wenn es gegen die Regeln war. Er ließ seine Flügel aufschnappen und hob ab.

Er stieg über den Bergbaubetrieb und drehte über die Ebene ab, wo er außer Sichtweite fliegen konnte. Der heiße Wind riss an seinem Gesicht und sein Drachenherz hämmerte, stieß Blut in seine Flügel. Die Fläche seiner Flügel trug ihn schneller und schneller, ließ den menschlichen Aspekt seines Gehirns zusätzlich hungern. Ein von Hormonen getriebener Rausch ursprünglicher Kraft verzehrte ihn, während er in der Luft herumtollte. Der Drache übernahm vollständig, als Visionen von Blut und Feuer seinen Geist füllten. Er brüllte vor Drachen-Entzücken.

Blut und Feuer; Feuer und Blut.

Der Stoff aus Drachenträumen.


An der Shuttle-Abholstelle auf der Oberfläche von Draco Prime schloss David Armstrong seine Drachenflügel und trat hinein. Er wandelte sich zum Menschen und griff nach seinem Rucksack in der Ablage über ihm. Er zog schnell seinen Overall an, nahm Platz und schnallte sich an. Gegenüber von ihm war der Vorarbeiter und hochrangige Draco Dämon, Nate Givens.

David drehte sich, so dass er Nate aus seinem Augenwinkel beobachten konnte. Nate war einer der älteren Draco Dämonen. Seine Produktionsstände waren unter den Besten, während er eine beispielhafte Akte beibehielt. Er hatte eine dauerhafte Frau, die er mit zwei anderen Dämonen teilte und seine Ansammlung an Credits war der Stoff aus Legenden.

Nate war das Pantheon Aushängeschild.

Aber ich kenne dein Geheimnis.

David spielte am Ende seines Gurts herum. Es war verboten zu fliegen, doch er hatte Nate gesehen, wie er jenseits des Tagebaufelds aufgestiegen war. Der Anblick von Nate, wie er wild flog, rüttelte in ihm das Verlangen wach mitzumachen, um wissentlich trotz der Auflagen zu fliegen, sein Drachenblut singen zu hören.

»Nein«, murmelte er. Als Drache zu fliegen ging auf die Kosten des sinnlichen Menschen. Wenn Dämonen ihrem Drachenverstand nachgaben, litt der menschliche Verstand. Schade dem menschlichen Verstand und alles andere litt dementsprechend … besonders der Sex.

Lazar hatte es in der Tiefe erklärt. »Dieses Unterstützungssystem – gestaltet, um die Balance im Verstand zu erhalten, ist im Labor unberechenbar. Als ich die menschliche und tierische Natur kombiniert habe, hat Mutter Natur entschieden, wie sich der neue Organismus an diesen Mix anpassen würde. Dieser Schutzmechanismus spielt die Freude des Drachen am Fliegen gegen die Freude des Menschen am Sex aus. Diese zwei sind unaufhaltsam miteinander verschlungen. Es ist der Balancepunkt zwischen dem reptilischen Verstand und dem menschlichen Verstand.«

Hilde, dachte David. Eine Welle des Verlangens erfüllte seine Lenden. Der Gedanke an sie schenkte ihm immer eine Erektion.

Ich kann fliegen oder ich kann Hilde haben.

Für ihn gab es keine Alternative; Hilde war exotisch und wunderschön und er liebte sie. Er würde sie oder seinen Verstand nicht gegen die Freude des Fliegens eintauschen. Er blickte schnell zu Givens, fragte sich –

Wie viel deines menschlichen Verstands hast du wegen diesem einen Flug eingebüßt? Wie viele weitere Flüge hast du gestohlen?

Der Verstand eines Drachen war zerbrechlich.

Ein Schauer schüttelte seine Wirbelsäule.


»Leonard, wie geht es dir heute?«

Leonard Jeffrey nahm Platz in der Bar in Dracos beliebtestem Feierort, dem End of the Line. Er lächelte den Barkeeper an. »Kepler, ich bin ein Mann, der hier mit dem Anfang der Schlange im Visier in der buchstäblichen Endstation sitzt.«

»Oh, denkst du das?« Kepler wischte über die Bar und warf eine Serviette hin. »Soll ich dir den Anfang-der-Schlange-Drink machen?«

»Nein.« Leonard streckte seine Hand aus. »Ich will es nicht verschreien, weißt du. Die Liste ist noch nicht raus. Aber ich bin genau in der Schlange. Bring mir ein Bier und behalt es für dich, über was wir gesprochen haben, okay?«

Kepler schenkte ein Bier ein und stellte es vor Leonard. »Du bist ein abergläubischer Kerl, mein Freund.«

Leonard nippte an seinem Bier. Sein Fünfjahresvertrag war vorbei und er wollte von der Draco Station herunter. Manche würden dafür töten auf Draco zu bleiben, andere würden dafür töten zu gehen.

»Also ist dein Vertrag und deine Credits alles aufgestellt?«, stupste Kepler.

»Jep, warte einfach meine Zeit ab, bis der nächste Flug raus geht«, sagte er.

»Kein Risiko in den Limbus zu fallen?«

Leonard erschauderte. Ein Schauer krachte seine Wirbelsäule herunter wie ein Brocken arktisches Eis. Limbus war eine von Pantheon ausgeklügelte Todesspirale, welche viele dazu zwang einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Für ihn wären das weitere fünf Jahre auf der Station.

»Ich nicht«, platzte er heraus. »Ich nicht.« Der Gedanke an einen weiteren Fünfjahresvertrag ließ ihm den Atem stocken und brachte seine Augen zum Tränen. Er nippte an seinem Bier, zwang ein Lächeln auf sein Gesicht.

Ich bin ein Kurzzeitler. Alles was ich tun muss, ist den Anfang der Schlange zu erreichen.


Hilde Martin saß vor ihrem Schminktisch, wartete auf David, ihren Drachenliebhaber, dass er nach seiner Schicht hereinkam. Sie kämmte langsam ihr langes schwarzes Haar, Augen geschlossen, wagte es nicht ihr Spiegelbild anzublicken.

Dieser Ort hat mich verändert.

Draco Station war ein abhängig machender, verführerischer und hedonistischer Außenposten, wo die Zeit vorgab nicht zu existieren. »Oh, aber die Zeit ist ganz sicher hier.« Sie legte die Bürste ab und zwang ihre Augen auf. Ihr Spiegelbild war ehrlich, zeigte eine gerunzelte Stirn und einen zögerlichen Blick.

Mit David zusammen zu sein war unglaublich. Aber die größere Wahrheit war, dass sie nicht bleiben konnte und er nicht gehen konnte. Sie befürchtete, dass wenn sie nicht in den nächsten Flug kam, sie Dracos abhängig machende Natur einsaugen würde und sie niemals von der Station herunterkam und auf die Erde zurückkehrte.

»Wenn ich bleibe … wird die Zeit vergehen und eines Tages werde ich verrunzelt und alt sein, und wenn ich auf der Station sterbe, wird mein Körper in den Weltraum ausgeworfen.«

Sie ächzte bei dem entsetzlichen Traumbild, das sich in ihrem Verstand verwurzelt hatte. Wenn man auf der Station stirbt, gab es keinen Freifahrtschein nach Hause für eine irdische Beerdigung. Dein Körper wurde durch eine Luftschleuse mit dem Müll über Bord geworfen, um für immer alleine in der gefrorenen Weite des Weltalls zu treiben. Die Vorstellung ihrer Überreste in den endlosen Tiefen des Weltalls versetzte sie in Angst. Aber Draco Station zu verlassen, würde Davids Herz brechen.

Meins auch, ich liebe ihn. Aber sogar noch mehr fürchte ich, dass ein auf dieser Station verbrachtes Leben ein verschwendetes Leben ist.

»Verdammt.« Sie hasste sich selbst. Zu bleiben bedeutete ein Leben endloser leidenschaftlicher und erotischer Liebe. Die Entscheidung, ob sie bleiben oder gehen soll, hatte sie seit Beginn ihrer Beziehung verfolgt. Aber sobald David sie in die sinnlichen Vergnügen eines Drachenliebhabers eingeführt hatte, konnte sie sich nicht dazu bringen zu gehen, in der Hoffnung die Entscheidung zu vertagen.

Aber er hat ihr einen Ring gekauft.

Plötzlich tickte die Uhr.

Sie starrte unnachgiebig auf ihr Bild. Konnte sie ihn tatsächlich verlassen? Glücklicherweise, wie alle weiblichen Unterhaltungs-Dienstleister, war sie in der Lage Draco zu jeder Zeit zu verlassen. Sie schaute auf ihre Uhr.

Ich muss meinen Namen auf die nächste Abflugliste bekommen.

2

Draco Station

Hilde fuhr zum obersten Deck von Ebene 3, wo das Pantheon Management residierte. Sie glättete ihr Kleid über ihrer Hüfte und als die Aufzugtüren sich öffneten, schaute sie rasch nach rechts und links, da sie nicht wollte, dass man sie sah.

Sie wusste, dass sie kurz davor war etwas moralisch Falsches und explizit entgegen der Regeln der Station zu tun, aber sie ging geradewegs zu Mr. Meyers’ Tür, dem für den Transport zuständigen Personalmanager. Letzte Nacht, nachdem David mit ihr geschlafen hatte, wie es nur ein sinnlich verstärkter Drache konnte, sah sie, wie er auf den Ring spähte, den er neben dem Bett versteckt hatte.

Auf Meyers zuzugehen, um auf die Liste zu kommen, machte ihren Magen nervös und Schweiß befeuchtete ihre Handflächen. Sie hatte ein schlechtes Gefühl bei dem, was sie tun würde, aber sie konnte das Bild von ihrer Leiche, die ewig durch den Weltraum schwebte, nicht auslöschen.

Sie atmete aus und leckte sich über ihre Lippen.

Ich will runter von der Draco Station, bevor ich hier sterbe.

Sie drückte den Klingelknopf.

»Wer ist da?«

»Hilde Martin, Mr. Meyers. Ich bin eine der Entertainerinnen. Ich muss mit Ihnen sprechen.«

»Kommen Sie morgen in mein Büro, Hilde.«

»Sir, es ist persönlich.« Sie hasste es zu betteln. Sie schloss ihre Augen, sah umgehend ihren Leichensack völlig alleine dahintreiben. Das Bild ließ sie sich mulmig fühlen und sie legte eine Hand über ihren Mund – aber die Vorstellung wollte nicht weggehen. »Bitte, darf ich hereinkommen?«

Die Tür öffnete sich und Meyers prüfte sie sorgfältig von oben bis unten. Er hatte Knopfaugen und seine Haut war blass. Sie unterdrückte einen Schauer, fühlte sich, als ob eine Ratte ihr Kleid hochgekrochen war. Sie lächelte stattdessen.

Er lehnte sich gegen die Türzarge, witterte einen Handel in der Luft. Sex war eine häufige Währung auf der Station. Aber Sex, um die Abflugliste zu ändern, war streng verboten. Wenn David, oder irgendjemand, herausfand, was sie tat, würde es sie teuer zu stehen kommen. Vom Ausdruck auf Meyers’ Gesicht konnte sie sagen, dass er sich im Moment nicht um die Rechnung sorgte.

»Hilde, Sie sind eine Tänzerin, oder?« Er trat zurück und bedeutete ihr hereinzukommen.

Dankbar aus dem Flur draußen zu sein, trat sie über die Schwelle. Er schloss die Tür und sie schluckte. »Mr. Meyers –«

»Bitte, nennen Sie mich Chuck.«

Chuck war weich, einer der wenigen übergewichtigen Menschen auf Draco. Er war verschwitzt und seine Finger waren wie Würstchen. Nachdem sie von einem Dämon geliebt worden war, war das, was sie gleich mit diesem abstoßenden Menschen tun würde, nicht lieben. »Ich muss auf den nächsten Flug kommen.«

»Hilde, die Liste ist voll. Als eine Entertainerin können sie die Station zu jeder Zeit nach ihrem Vertrag verlassen ohne die Gefahr des Limbus’. Ich kann Sie ganz oben auf die nächste Liste setzen. Wozu die Eile?«

»Wie ich sagte, es ist persönlich«, stammelte sie. Sie wusste, dass er sie in seinem Geist bereits auszog und ihr Entschluss wankte. Da sie befürchtete aufgrund des Gestanks, der von ihm kam, zu würgen, schloss sie ihre Augen.

Ihr dahintreibender Leichensack wartete … und würde weiterhin warten, bis sie auf diese Liste kam. Sie öffnete ihre Augen und ließ ihr Kleid vorsichtig über einer Schulter herunter, entblößte dabei ihre Haut für seinen ekelhaften Blick. »Können Sie mir helfen, Chuck?«


Leonard Jeffrey entspannte sich in dem Wissen, dass seine Zeit auf Draco beinahe vorbei war, in seiner Wohnung. Mit Pantheon hierherzukommen war ein entsetzlicher Fehler gewesen, aber zu gehen würde alles korrigieren und sein Leben zurück in die Spur bringen.

»Hmh«, grunzte er. »Pantheon, du unternehmerische Schlampe; von dir loszukommen ist wie sich scheiden zu lassen. Ohne Zweifel wirst du mich ausbluten, wenn du die Chance bekommst.«

Der nächste Flug auf Draco war eine Woche entfernt. Das Schiff würde zehn Tage lang für den Ladungstransfer an der Station sein und dann würde er rechtzeitig an Bord sein, um es zu vermeiden in den Limbus zu fallen und einen weiteren Vertrag zu unterschreiben.

»Ich entwische dir, Schlampe«, murmelte er. »Ich werde nicht weitere fünf Jahre im Fegefeuer verbringen.« Er zog sich für seine Schicht an und sammelte seinen Rucksack ein.

Da er auf die Ebene 5 herunter musste, wartete er an der Aufzugbatterie. Die erste Kabine, die einlief, kam von den Residenzen des Managements auf dem obersten Deck. Seltsam, dachte er, als er auf seine Uhr blickte. Selten kam irgendjemand vom obersten Deck auf diese Ebene herunter und Arbeitern wurde davon abgeraten das obere Management außerhalb ihrer Büros zu kontaktieren.

Die Aufzugtüre öffnete sich. Ein Mädchen, die er als eine der Tänzerinnen erkannte, stürzte heraus, streifte ihn dabei. Sie weinte und ihre Kleider waren verknittert. Als sie an ihm vorbeiging, bemerkte er, dass einer ihrer Ohrringe fehlte.

Er betrat den Aufzug, drückte den Knopf für Ebene 5 und lächelte.

Jemand wurde flachgelegt.


Im Genetiklabor ließ Dr. Lazar die neuesten Unternehmensforderungen in den Abfalleimer fallen. »Diese Idioten von Pantheon werden Draco schneller zerstören als die Dämonen.«

Er ging zu seinem privaten Arbeitsplatz in geschlossener Umgebung, tippte Kommandos für die Roboterarme ein, trat zurück und beobachtete, wie Perfektion erschaffen wurde.

Dies war die neueste Nobility-Rezeptur, angepasst, nachdem die Untersuchung einer vorigen Probe eine Fehlberechnung in der Formel enthüllte, die ernste Todesfälle verursacht hätte. Bevor er die tödliche Mischung zerstörte, hatte er eine Probe zur Analyse beiseitegelegt. Aber als er die Probe holen wollte –

Fehlte sie. Genau als diese bedauernswerte Frau Annie Cooper im Labor hingefallen ist und sich ihren Kopf aufgeknackt hat.

Die Roboterarme vollendeten ihre Anweisungen und eine dicht versiegelte Röhre der Nobility-Rezeptur war produziert. Er nahm die Verpackung und legte sie in seinen privaten Safe. »Endlich, das Noble der Menschheit ist fertig.«

Im Vorzimmer trat der Manager der Station Ryan Thomas ein und gaffte umher. Lazar erschauderte innerlich, da er wusste was kam.

»Lazar«, rief Thomas. Er bedeutete dem Doktor zu kommen, um zu sprechen.

Lazar ging hinaus, entsann sich der neuen Unternehmensforderungen, die er gerade in den Müll geworfen hatte. »Ryan«, grüßte er und täuschte ein Lächeln vor.

»Ich schätze, Sie haben die neuen Verfügungen gesehen.«

»Ja, und sie gehen über meine Empfehlungen hinaus. Ich werde dafür nicht verantwortlich gemacht werden.« Er erklärte dies kategorisch.

Thomas zog sich bei Lazars Tonfall zurück. »Sind Sie plötzlich vom Gewinnbeteiligungs-Wagen gefallen?«, prustete er amüsiert und bleckte die Zähne.

Lazar ließ ihn glucksen. Er wusste, dass die Drachen kurz davor waren unter den beständig ansteigenden Unternehmensforderungen zu brechen, aber es war ihm egal. Er hatte Nobility und brauchte Pantheon nicht länger. Er würde gehen.

Draco Station konnte zur Hölle fahren.


Auf der Oberfläche von Draco Prime schaltete Nate Givens seine Maschine ab und schaute auf seine Uhr.

Wenn ich fliege, werde ich mein Zeitlimit überschreiten.

Das Hochgefühl des Flugs war zum süchtig machenden Ruf des Wunsches seiner sich ausbreitenden Drachen DNS nach »Ausdruck« geworden. Jedes Mal, wenn er flog, gab er dem Sehnen seines Herzens nach Blut und Feuer nach … und kehrte ein bisschen weniger menschlich zurück.

Er sprang in die Luft und flog über das steinige rote Terrain der Oberfläche. Er behielt seine Hände hinter seinem unteren Rücken und ließ seine Brust den Weg weisen, während seine Flügel schwer schlugen, um Höhe zu erlangen. Er sog die schwere Luft tief in seine Lungen, wo die giftigen Chemikalien durch seinen Körper segelten und dabei mit jedem Schlag seiner Flügel menschliche Gehirnzellen zerstört wurden.

Er flatterte heftiger und erhob sich weiter in die Luft, verwüstete mehr menschliche Zellen, öffnete den Weg für einen weiteren Drachenangriff in seinem menschlichen Gehirn. Mit seiner neuralen Erweiterung kam ein ursprünglicher Rausch … der Blutdurst.

Lazar hatte vehement beteuert, dass die Entwicklung von Blutdurst unerwartet war, als er in den ersten fliegenden Drachen aufkam.

Oder vielleicht wusste Lazar schon die ganze Zeit von diesem Durst.

Möglicherweise, dachte Nate, konnte Lazar sich überrascht geben und den Blutdurst als Erwiderung des Drachen darauf, dass er mit der menschlichen Natur kombiniert wurde, erklären. Wie es zustande kam, ob durch die Natur oder das Labor, war Nate egal. Er wusste nur, dass sich der Durst intensivierte, wenn er flog.

Der Piepser an seiner Uhr verkündete, dass er über sein Zeitlimit für diesen Tag war. Sein erster Gedanke war die Uhr von seinem Arm zu reißen, aber die Uhr war sein Ticket zurück nach drinnen. Mit einem Knurren drehte er nach links ab und kehrte auf die Oberfläche zurück. Er schnappte seinen Rucksack und stellte sich in der Schlange zum Shuttle an.

Im Shuttle wandelte er sich zusammen mit den anderen zurück in die menschliche Form und zog sich an. Sein Herz hämmerte, aufgestachelt vom Geruch menschlichen Bluts in den nicht-Drachen-Arbeitern. Er musste sich auf seine Hände setzen und seine Augen schließen, um sich davon abzuhalten zu schreien und sie alle zu verschlingen.

Bewahrt eure Menschlichkeit.

Alle frisch verwandelten Drachen werden angewiesen eine Collage aus Erinnerungen an ihr Leben als Mensch zu erschaffen; rennen, um einen Football zu fangen, ein Pferd reiten, schwimmen, auf der Erde wandern –

Nicht fliegen.

Bewahrt eure Menschlichkeit.

»Sind Sie okay, Mann?«

Nate zuckte zusammen, blickte finster drein, bis er den Shuttle Doktor erkannte. »Oh, hey Doc«, besserte er lächelnd nach.

»Ihre Uhr sagt, dass Sie heute wieder draußen geblieben sind. Sie sind in letzter Zeit oft draußen geblieben. Was ist los?« Er leuchtete mit seinem kleinen Licht über Nates Augen und spähte genau auf sein Gesicht.

»Ich hatte etwas Ärger mit meiner Maschine – Steine hatten sich in die Laufflächen gesetzt. Meine Maschine muss funktionieren, also bin ich länger geblieben, um sie herauszunehmen.«

Der Doktor schenkte ihm einen langen, studierten Blick. Nate blickte mit aller Unschuld zurück, die er aufbringen angesichts dessen konnte, wie sehr er die Kehle des Doktors herausreißen wollte. Er zuckte mit den Schultern. »Mir geht es gut. Sprechen Sie mit den Unternehmern über die Erhöhung unserer Arbeitspensen.«

»Erhöhungen der Arbeitspensen sind der Grund, warum Sie nicht über Ihre Zeitlimits draußen bleiben. Wenn Sie Steine haben, nehmen Sie die während Ihrer Schicht raus –«

»Aber das frisst meine Ausbringung.«

Er setzte Nates Uhr zurück. »Bekommen Sie es hin, Nate, oder ich werde Sie unter Arrest stellen.« Er bewegte sich entlang der Reihe, überprüfte die Uhr jedes Dämons.

Nate behielt das Lächeln fest auf seinem Gesicht, obwohl das Geräusch von Blut, das durch die Adern des Doktors pumpte, seine Ohren mit einem Lied erfüllte –

Die Blutdurst-Symphonie.

Er schloss seine Augen und spielte sein menschliches Video ab, befahl dem Drachen zurückzutreten. Der Forderung wurde mit Widerstand begegnet und für einen heißen Moment dachte er, dass er die Kontrolle verlieren und sich wandeln würde.

Bewahrt eure Menschlichkeit.

Er stellte sich seine Mutter vor. Den Geruch ihrer Haare und die komische Art, wie sie ihm zuzwinkerte. Er erinnerte sich an den Tag, als sie in den Wasserpark gegangen sind. Er lächelte, sah einen kleinen Jungen, der vor Frohlocken kreischte, während er die steilste Wasserrutsche hinabschoss.

Der Durst schwand.

Er atmete langsam, linste durch Schlitzaugen, um zu sehen, ob er Aufmerksamkeit erregte. Niemand beobachtete ihn. Er atmete wieder auf.

Das Shuttle landete und die Drachen erhoben sich alle und gingen der Reihe nach hinaus. Er hielt seinen Blick vom Doktor fern und war dankbar aus seinem Sichtfeld zu kommen. Er mied den Aufzug und nahm die Treppe, zwei Stufen auf einmal, musste spüren, wie sein menschliches Herz Blut in sein menschliches Gehirn pumpte. Er brach auf dem Verkehrsknotenpunkt von Ebene 5 heraus und stürzte auf den ersten offenen Aufzug hoch zu Ebene 3.

Auf Ebene 4 stieg ein junger Mann zu, mit rosa Wangen und nach Erdboden riechend, der von der gartenbaulichen Lebensmittelproduktion der Station kam. Nate las den Ausweis um den Hals des Mannes: Gärtner 4B. Der Drache in ihm konnte riechen, dass der Mensch neu auf der Station war.

Frisch.

Er blickte nach unten und weg von dem Menschen, aber der Puls seines Bluts und sein frischer Geruch schrie förmlich nach dem Drachen.

Auf Ebene 3 trat der junge Mann aus dem Aufzug. In einer drachenschnellen Bewegung nahm Nate Notiz von dem leeren Bereich, ergriff den jungen Mann und zog ihn zurück in den Aufzug. Er schloss die Tür und riss dem Menschen die Kehle heraus.


2018 Washington, DC

Dreya untersuchte ihr Abbild im Spiegel. »Ich versuche diese irren Augen zu verstecken. Wie sehe ich aus?« Hinter ihr spähten Rhys und Quinn auf ihr Spiegelbild.

Rhys nickte. »Die Linsen funktionieren gut. Deine Augen sind hübsch, aber nicht außergewöhnlich.«

»Man kann nicht sagen, dass ich Linsen trage?«

»Nö.«

»Ausgezeichnet«, sagte sie. »Eine Sonnenbrille auf einer Raumstation zu tragen ist schwer zu erklären. Deine Freunde vom Sirup-Laden machen gute Arbeit.«

»Der Sirup-Laden?«, fragte Quinn.

»Ich habe Verbindungen zu Geheimdienstoperationen«, sagte Rhys. »Wir treffen uns bei einem Waffel-Schuppen. Als ich nach einem Augenarzt fragte, der keine Fragen stellen würde, stellte sich heraus, dass unsere Draco-Sicherheitsfreigabe uns eine Blankovollmacht gewährt, ohne dass Fragen gestellt werden.«

»Der US-Geheimdienst trifft sich also in einem Waffel-Laden?«, prustete Quinn mit einem Grinsen.

Sein trockener Humor war beruhigend. In dieser letzten Woche war sie einige Nächte aufgewacht, um ihn in menschlicher Gestalt am Fenster sitzend zu sehen, umwölkt von einer Collage an Emotionen. Er war ein Fremder, der plötzlich ein Teil ihrer Familie war, ein Fremder mit Geheimnissen. Sie hatte Angst seine Akte anzuschauen. Wenn er Geheimnisse hatte, musste sie diese von ihm selbst hören. Da sie an ihm und Rhys hing, trug alles Neue, was sie lernte, emotionales Gewicht.

»Normale Augen. Das ist, was ich will«, sagte sie. »Keine genaue Untersuchung. Wir gehen nur nach Draco, stellen Fragen und bekommen Antworten.« Sie blickte sie fest mit ihren irren neuen Augen an, in der Lage mit ihrer neuen verbesserten Sicht einen großen Teil aus ihren Gesichtern zu ermitteln. Was sie im Spiegel sah, tröstete sie – das Bedürfnis nach Antworten von Lazar war auch ihre Priorität Nummer eins.

Sie gingen hinaus in ihr Wohnzimmer. Seit der Wandlung durch die Nobility-Droge, hatten Rhys und Quinn in ihrem Zuhause kampiert. In dieser ersten Nacht war Rhys zu seinem eigenen Apartment gegangen, aber innerhalb einer Stunde zurückgekehrt. Sie war dankbar ihn zu sehen, denn Quinn hatte sich gewandelt und wollte nicht zur Ruhe kommen. Ein auf und ab gehender Wolf ist nicht förderlich für den Schlaf.

Als Rhys an ihre Tür zurückkehrte, fragte sie. »Was ist los?«

Er kam herein, eine Schamesröte breitete sich über seine Wangen aus, während er eine Erklärung stammelte. »Es fühlte sich nicht richtig an zu gehen. Je weiter ich fuhr, desto schlechter fühlte ich mich.«

Quinn klopfte mit seinem Schwanz auf den Boden und stupste Rhys Hand mit der Schnauze an. Ich auch. Unruhe. Danke fürs Zurückkommen.

Dieses Band zwischen ihnen wuchs in Richtungen, die sie nicht vorhersehen konnte. Ebenso die sexuelle Spannung. Quinn und Rhys wollten sie, aber nicht in einer sexuellen gesetzesfreien Zone, wie sie spürte. Das neue emotionale Terrain von Nobility war unbehaglich, doch sie fanden noch immer ihren Weg. Die Probleme sich beim Schlafen zu arrangieren waren gelöst, indem sich die Jungs bei Nacht wandelten. Quinn schlief im Bett. Rhys hockte auf dem Kopfbrett.

Sie fragte sich: Was in meinem Leben hat mich auf diese bizarre Beziehung vorbereitet? Ihre Männer, oder Tiere, sie hatte noch nicht entschieden, wie sie über sie dachte, warteten an der Tür. Sie scheute ihre Antworten, aber da sie fragen musste, sagte sie: »Sind wir bereit für Pantheon?«

Quinn verlagerte sich unruhig von einem Fuß zum anderen. »Antworten. Ich brauche Antworten.«

»Das tun wir alle«, fügte Rhys hinzu. »Lasst uns gehen. Ich will das hinter mich bringen.«

»Welchen Teil?«, fragte er. »Heute oder die ganze Reise?«

»Alles davon«, erklärten sie stereo.


Pantheon Unternehmenszentrale

»Für diese Mission erhalten Sie eine Sicherheitsfreigabe, die nicht einmal der Präsident hat.«

Dreya, Rhys und Quinn saßen gegenüber Pantheons Firmen-Sprachrohr, Mr. Jones. Sie spähte ihn spekulativ an. Anhand von dem, was sie über Pantheon und dessen gesetzeswidrigem Aushandeln von Deals wusste, vermutete sie, dass Mr. Jones völlig bankrott an Moral, Gewissen und Integrität war. Ihr neues Sehvermögen sah nichts in seinem Gesicht, das diese Einschätzung widerlegte.

Sie schoss Rhys einen Blick zu, um zu sehen, wie er den Unternehmensabkömmling aufnahm. Sein Gesicht war unbeweglich, während er absichtlich geradewegs Mr. Jones anstarrte, bereit Jones’ Augen auszuhacken. Sie musste wegschauen, bevor sie in Gelächter ausbrach.

»Achten Sie auf das Kleingedruckte der Geheimhaltungsvereinbarung«, sagte Jones.

Sie lehnte sich herüber und überprüfte Rhys und Quinns Dokumente, um zu sehen, ob diese ihrem glichen. Ein Blick auf Quinn zeigte, dass seine Augenbrauen bereit schienen aus der Tür zu marschieren. Sie konnte spüren, dass sein innerer Wolf sich auf Jones stürzen wollte.

Jones räusperte sich laut, bis alle Augen auf ihn gerichtet waren. »Die Vertraulichkeitsklausel ist nicht aufhebbar.« Langsam, als ob sie dumm wären oder nicht hören konnten, wiederholte er: »Nicht aufhebbar.«

»Nicht aufhebbar?«, fragte Rhys. »Was zur Hölle bedeutet das?«

Die Erwiderung von Jones war kühl und flach. Er blickte über den Rand seiner Brille über seine Nase hinweg auf den Detective. »Es bedeutet es gibt null Toleranz – Sie können diese Bedingungen des Vertrags nicht auf irgendeine Weise nichtig machen. Brechen Sie die GHV und Sie wandern direkt ins Gefängnis, genau genommen Ebene 5 auf Draco Station. Bis zum Ende Ihrer Tage.«

Rhys legte einen Finger an seine Lippen, sperrte einen verbalen Ausbruch ein. Quinn, seinen inneren Wolf zurückhaltend, kritzelte seine Unterschrift auf seine GHV. Er reichte ihr den Stift. Sie unterschrieb und wandte sich Rhys zu. Als sie ihm den Stift anbot, zog er sich zurück, als ob sie ihm einen Korb voller Schlangen hinhielt.

Komm schon. Wir müssen auf die Draco Station … um Antworten zu finden.

Sie hatte nicht die volle Kontrolle über ihre Telepathie. Wenn Rhys und Quinn in tierischer Form waren, war der Pfad zwischen ihren Geistern frei. Aber Telepathie von Mensch zu Mensch war ein wenig komplizierter. Sie blinzelte langsam, die universelle Tiergeste für Ruhe, und stupste ihn geistig an.

Er nahm den Stift und unterschrieb, wobei ein tiefer mürrischer Gesichtsausdruck sein Gesicht säumte. Sie sammelte ihre Formulare ein und reichte sie Mr. Jones.

»Nun da wir diese Formalität hinter uns haben«, sagte er, »kann ich Ihnen ein wenig mehr Informationen geben.« Er reichte jedem eine Broschüre. »Alle Materialen werden als Teil der GHV betrachtet. Stellen Sie sicher, dass sie diese Broschüren zurück an Pantheon geben, bevor Sie gehen. Außer Sie wollen permanent auf Draco ziehen.« Er lächelte, aber die Geste enthielt nur wenig Humor.

Quinn schloss seine Broschüre. »Was können Sie uns über unsere Mission sagen, das nicht in der Broschüre ist?«

Jones legte ihre unterzeichneten GHV-Dokumente in eine abgeschlossene Schublade und lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück. »Sie werden einen Mord, eigentlich zwei Morde, auf der Draco Station untersuchen. Aufgrund ihrer Beteiligung bis zu diesem Punkt, hat Senator Stanton das Gefühl, dass Sie die beste Wahl für diesen Job sind.«

»Sie haben niemanden auf der Station dafür?«, fragte Quinn.

Jones’ Erwiderung kam unverfroren mit einem emotionslosen Gesichtsausdruck. »Im Grunde nein. Wir haben ein Individuum, den wir Sheriff nennen, aber er ist eigentlich der Doktor und der Rechtsmediziner. Also nein, es gibt keine Gesetzesvollstreckung auf Draco.

Jetzt sahen Rhys’ Augenbrauen bereit aus das Zimmer zu verlassen. »Keine Gesetzesvollstreckung?«

»Draco Station ist nicht die Internationale Raumstation«, erwiderte Jones.

Dreya lehnte sich vor, fragte sich, wie weit Mr. Jones gehen würde.

»Draco ist eine Einrichtung im Privatbesitz. Der grundlegende Rechtsgrundsatz wird von Pantheon in jedem ihrer Verträge von der Haftung freigestellt. Die Strafe dafür den Betrieb zu stören und den Nettoprofit des Unternehmens zu beeinflussen ist die Gleiche, wie die GHV zu brechen – eine lebenslange Freiheitsstrafe auf Ebene 5. Die Androhung dieser Strafe ist die beste Gesetzesvollstreckung, die möglich ist. Bis jetzt.«

»Zwei Morde sagen Sie?«, fragte sie.

»Ja, eine Annie Cooper, vor ein paar Monaten.« Er reichte ihnen Fotos. »Und ein weiterer Mord kürzlich.« Er gab ihnen einen zusätzlichen Stapel Bilder.

Diese wurden von Dreya zu Rhys und Quinn gereicht. »Sie glauben, dass diese in Verbindung stehen?«, fragte sie. »Ich sehe keine Gemeinsamkeit.«

»Das liegt an Ihnen dies zu ermitteln.« Er reichte ihnen Ausweisschildchen aus Plastik mit ihren Namen und Fotos.

Dreya untersuchte ihren Ausweis. Von einer möglichen 1 bis 5 und entweder A, B, C oder D, war ihrer bei 1A angehakt. »Wofür steht 1A?«

»Der numerische Wert zeigt an, auf welcher Ebene sie vertraglich verpflichtet sind, von Verwaltung zu Kellnerin zu Dämon. Das Alpha zeigt den Wert Ihres Zwecks an, weswegen Sie auf der Station sind.«

»Erklären Sie das.« Rhys’ mürrischer Gesichtsausdruck vertiefte sich.

»Alles Leben auf der Station muss seinen Wert verteidigen. ›A‹ indiziert Entscheidend; ›B‹ ist Notwendig; ›C‹ ist Austauschbar und ›D‹ bedeutet Dämon.« Er räusperte sich. »Mir wurde gesagt, dass Sie über die Draco Dämonen unterrichtet wurden.«

Quinn rutschte auf seinem Sitz umher. »Wer bestimmt diese Werte?«

Mit seiner Firmenstimme sagte Jones: »Es ist ein komplexer standardisierter Algorithmus, der jährlich von den Zahlenakrobaten des Unternehmens generiert wird.« Seine Augen nahmen den emotionslosen Ausdruck von zuvor an, boten keinen Halt für Anfechtung oder Beschwerde.

»Was ist mit der Reise?«, fragte Dreya.

»Ja. Die erste Etappe ist zur Vulkillium-Basis auf dem Mars mit der RocketX. Ich höre, dass es sehr wie eine Zugfahrt ist, die aus fünf Tagen Reise besteht. Von da wechseln sie die Schiffe und überqueren ein Wurmloch, was sie rechtzeitig zum Frühstück auf die Station bringt.«

Sie kämpfte darum ihr betäubtes Gehirn in Schach zu halten. Sobald Jones begann nonchalant die Details ihrer kommenden Raumfahrt zu erklären, vermied sie es Rhys oder Quinn anzublicken. Neben den emotionalen Prügeln, die von ihnen kamen, war ihr Kopf voll mit ihren eigenen Gedanken, die sie verarbeiten musste.

»Haben Sie noch irgendwelche Fragen?« Bevor sie sprechen konnte, schnitt er ihre Möglichkeit für mehr Befragung ab und platzte heraus: »Oh, alles auf der Station wird zur Verfügung gestellt. Sie sollten ein wenig Kleidung einpacken für die … Zugfahrt.«


Sechs Tage später

An Bord des Transports in die Tiefen des Weltraums, der sie durch das Wurmloch brachte, packte Dreya ihre kleine Tasche mit Kleidung. Sie wartete in ihrer Kabine darauf, dass Rhys und Quinn sich zu ihr zu gesellten, bevor sie an der Draco Station ausstiegen. Ein Klopfen an ihrer Kabinentür und sie ließ sie herein. Nachdem sie ihre Gesichtsausdrücke mit ihrem neuen Sehvermögen ausgewertet hatte, fragte sie: »Bereit?«

Quinn grunzte und blickte unbeteiligt weg. Sie spürte, dass sein Wolf kurz vorm Explodieren war, etwas brauchte, um es mit seinen Zähnen zu zerreißen. Rhys war das Gegenteil, verschlossen und unglücklich darüber »in einem großen Käfig« zu sein, wie er es ausdrückte, als ihre Reise zur Draco Station zum ersten Mal erwähnt wurde.

Sie musste mit ihrer eigenen Aufgeregtheit umgehen. Trotz dem, was Gideon ihnen an dem Tag, an welchem er Selbstmord beging, sagte, war die unausgesprochene Furcht, dass auch sie empfänglich für dieses mörderische Verhalten waren.

Die Schlussfolgerung von Pantheon war, dass ein Draco Dämon zumindest einen dieser Morde begangen hatte. Ausgehend von den Fotos des Tatorts war es nicht schwer sich einen Drachen vorzustellen, der das Opfer im Aufzug auseinanderreißt. Das andere Opfer, Annie Cooper, wurde von Smith beansprucht, bevor er sich umbrachte.

Sie sagte: »Wir halten unsere Münder geschlossen und ziehen keine Aufmerksamkeit auf uns, untersuchen nur diese Straftat auf Draco Station wie jeden anderen Mord. Im Verlauf dieser Ermittlung haben wir eine Plattform für unsere eigenen Fragen.« Sie nahm ihre Tasche. »Sollen wir?«

Rhys murmelte. »Das nächste Mal, wenn ich eine Beschwerde über fossile Brennstoffe höre, werde ich –«

»Deine GHV für nichtig erklären?«, beendete sie.

Entrüstet über die erzwungene Geheimhaltung plusterte er sich auf, bereit Sarkasmus herauszulassen, aber sie zog ihre Finger wie einen Reißverschluss über ihre Lippen und nahm somit die Luft aus seiner Pose. Mit einer Grimasse öffnete er die Tür zu ihrer Kabine und verkündete: »Draco Station, wir sind da.«

3

Draco Raumstation

Dreya, Rhys und Quinn betraten den Empfangsbereich für Neuankömmlinge auf der Draco Station. Sie hielt plötzlich an, was verursachte, dass Rhys und Quinn um sie herum liefen. »Äh, haben wir unseren Halt verpasst?«

»Und sind im Ritz Carlton gelandet«, murmelte Quinn.

»Es ist –«, begann sie, nicht in der Lage die Realität mit ihren Erwartungen in Einklang zu bringen.

»Sexy«, sagte Quinn.

Er hatte Recht. Aber sexy entsprach nicht ihren Erwartungen oder war auf ihrer Liste – erlange ein paar persönliche Antworten, löse ein Verbrechen und komm zurück auf die Erde war auf ihrer Liste. »Sexy?«

»Na ja, die gedämpften Töne, die gewölbten Wände und die schnittigen metallischen Akzente präsentieren alle eine verführerische komm-nur Art von Reiz. Oder vielleicht nimmt der Hund Pheromone auf.« Er zuckte mit einer Schulter.

»Jep«, sagte Rhys. »Wir sind nicht mehr in Kansas.«

Ein lächelnder junger Mann kam näher. »Agent Love, ich bin Scott Williams, Ihre Kontaktperson, während Sie auf der Station sind. Willkommen auf Draco.«

Er schüttelte rundherum Hände, strahlte vor Freude. Dreya konnte nicht anders als zu lächeln, sein lebhaftes Auftreten erinnerte sie an einen Autoverkäufer.

»Zuerst lassen Sie mich dafür sorgen, dass Sie sich einleben. Ich habe Ihnen eine Suite mit angrenzenden Zimmern auf jeder Seite. Sie sollten sich recht wohl fühlen.« Er reichte ihnen Bänder für ihre Ausweise und führte sie dann zu einer Aufzugbatterie. »Haben Sie Ihre Ausweise zu jeder Zeit bei sich – damit können Sie in der Station frei herumlaufen.«

Er wippte auf seinen Fußballen nach hinten und strahlte Stolz aus, während sie auf den Aufzug warteten. »Stellen Sie sich die Station als das Gerüst eines gigantischen Tennisballs vor. Es gibt einen Deckel oben und unten, mit drei Ringen, die das Gerüst zwischen den zwei Deckeln umkreisen.«

Er veranschaulichte es, indem er seine Hände ausstreckte, als ob er eine Kugel einkreiste. »Verwaltung und Ingenieurwesen sind ganz oben auf Ebene 1, Draco Prime Oberflächenarbeit ist auf Ebene 5 ganz unten. Wissenschaft, Wohnstätten und Gartenbau, Ebenen 2, 3 und 4, sind die Ringe.«

Sie betraten den Aufzug und er fuhr nach unten, schenkte damit Dreya ein unbehagliches Bild, wie sie durch den Boden krachten und durch den Weltraum sausten. Sie schüttelte einen Schauer ab und konzentrierte sich auf Williams.

»Alle Ebenen sind farblich gekennzeichnet. Blau für Wissenschaft, grün für Wohnstätten und gelb für Gartenbau, also ist es unmöglich sich zu verlaufen. Sie können sich jedoch fühlen, als ob sie sich im Kreis bewegen.« Er lachte leise. »Stationswitz, Kreise … Sie wissen schon.«

Der Aufzug hielt an, zu Dreyas Erleichterung, und sie stiegen aus.

Williams fuhr fort. »Aber bevor sie auf Ebene 5 hinuntergehen, bitte kontaktieren Sie mich oder Sheriff Sinclair. Firmenvorschriften verlangen eine Eskorte für alle nicht ausgebildeten Personen auf Ebene 5.«

»Warum benötigen wir eine Eskorte für Ebene 5?«, fragte Rhys.

»Oh, das Fegefeuer kann gefährlich sein, wenn man sich nicht auskennt.«

»Fegefeuer?«, wiederholte Quinn.

»Ja, wir nennen Ebene 5 Fegefeuer. Es ist der letzte Halt vor der Hölle, der Draco Prime Oberfläche«, sagte er mit einem gewinnenden Lächeln. Die Tür öffnete sich und er führte sie hinaus.

»Ich habe Sie zu ihrer Bequemlichkeit nahe der Aufzugbatterie angesiedelt.« Er näherte sich der ersten Tür. Er zog Dreyas Ausweis durch den Schlitz. »Dies speichert ihren Fingerabdruck am Türschloss ein. Gentlemen, wenn Sie so gut sein würden?« Er nahm ihre Ausweiskarten und wiederholte den Vorgang. »Um in Ihr Zimmer zu kommen, ziehen sie die Karte durch und winken Sie mit Ihrer Hand vor dem Bildschirm.«

Die Tür öffnete sich und Dreya warf ihre Tasche auf das Bett, während Rhys und Quinn die angrenzenden Türen öffneten. Sie versammelten sich, um zuzusehen, wie Williams die Ausstattung erklärte. »Jede Wand ist ein Endlos-Bildschirm und alles, was Sie tun müssen, ist die Wand zu berühren und fragen.«

Dreya versuchte nicht ignorant zu wirken, aber wusste, dass sich ein leerer Ausdruck auf ihrem Gesicht bildete. Sie spähte zu Rhys und Quinn; sie waren gleichermaßen im Dunkeln.

»Ich zeige es Ihnen«, sagte Williams. Er tippte an die Wand. »Kosmos.«

Die Wand leuchtete auf und eine sinnliche weibliche Stimme fragte: »Welcher Sektor?«

»Deine Wahl«, antwortete Williams.

Die Wand zeigte einen Blick auf die Milchstraße. »Etwas von Zuhause?«, fragte die Stimme.

»Nein, Blumen«, verlangte er. Ein Blumenfeld bedeckte die Wand.

Dreya schnüffelte. »Was ist das? Rieche ich etwa Blumen?«

»Ja. Der Endlos-Bildschirm kann alles sein, visuell, auditiv und olfaktorisch.« Er tippte an die Wand und der Bildschirm ging blinkend aus. »Sie können nach jedem Unterhaltungsprogramm fragen, das auf der Erde verfügbar ist. Wir bekommen jedes Mal, wenn das Schiff hereinkommt, die neuesten Shows. Sie können alles bekommen, aber keine Mord- oder Slasher-Filme. Diese Art blutrünstiges Zeug ist nicht erlaubt.«

Sich an den blutigen Tatort im Aufzug erinnernd, verstand Dreya. Macht keinen Sinn die Einheimischen aufzurühren.

Williams räusperte sich und beschäftigte sich mit Gegenständen, die auf einem Beistelltisch lagen. »Dies sind Ihre Uhren, Sie sollten die anbehalten. Sie werden Ihre Anpassung an die Stationszeit in der Abwesenheit von Sonnenaufgang und -untergang weiterführen. Wie bei den Uhren, die sie auf der Reise von der Erde trugen, ist das Ziffernblatt zur Tageszeit beleuchtet und bei Nacht verdunkelt.« Er verteilte diese und wartete bis sie fest an ihren Handgelenken verankert waren.

»Vielleicht möchten Sie den Endlos-Bildschirm benutzen, um Ihnen in den ersten paar Nächten beim Schlafen zu helfen. Programmieren Sie einfach die Anzahl an Stunden, die Sie schlafen wollen. Alles andere ist mit Stimmaktivierung. Sie werden es herausbekommen«, bot er an. »Kommen Sie, ich zeige Ihnen die Station und stelle Ihnen Personal vor.«

Sie gingen an etwas vorbei, das wie eine endlose Reihe Unterkünfte schien. »Ebene 3 hat zwei Decks, alles Wohnstätten, Einzelhandel und Unterhaltung. Wir haben beinahe zweieinhalbtausend an Personal auf der Station. Davon leben dreihundert aus dem oberen Management in Wohnstätten auf dem oberen Deck dieser Ebene. Alle anderen leben auf diesem Deck.«

»Wie viele Draco Dämonen sind hier?«, fragte Rhys.

»Ungefähr achthundert und alle Drachen sind dauerhafte Bewohner.« Das sie umgebende Dekor veränderte sich und eine Rampe brachte sie hoch zu einem Geschäftsbezirk. »Hier finden Sie Essenseinrichtungen, Kinos, Virtual-Reality-Räume, eine Bowlingbahn, Las Vegas artige Nachtclubs mit Musik, Tanz und Unterhaltung aller Arten. Wir haben Einzelhandelsgeschäfte, die alles bieten, was Ihr Geld wünscht.«

Dreya musste ihre Ausrufe zurückhalten. Wo sie einen dunklen und trostlosen Platz aus der Hölle erwartet hatte, fand sie stattdessen das strahlende und einnehmende Szenario gänzlich verlockend. Sie begann den Reiz zu sehen, über den Quinn gesprochen hatte.

Williams erklärte eindringlich: »Draco Dämonen geben ihre Menschlichkeit und ihr Recht auf die Erde zurückzukehren auf. Um sich erkenntlich zu zeigen, ist Pantheon bestrebt die Station zu einem Hafen zu machen, wo Drachen ein Leben in Luxus und Komfort leben können.«

Verführung war in die Atmosphäre der Station gewoben. Dreya entzog sich dem verlockenden Ambiente, erinnerte sich daran, warum sie hier waren. »Jetzt da wir das Leben auf Draco gesehen haben, können wir die Leichen sehen?«

Der Jubel floss aus Williams’ Gesicht, aber er brachte rasch einen überraschenden Grad an Enthusiasmus auf. »Ja, das bringt uns hoch auf die nächste Ebene und zu Dr. Sinclair im medizinischen Labor. Sie werden die medizinischen Einrichtungen lieben.«

Eine weitere Fahrstuhlfahrt nach oben und sie betraten die Ebene der Laboratorien. »Zur Rechten ist Dr. Lazar und das Genetiklabor. Zur Linken ist, wo wir die Leichen finden werden.«

Bei der Erwähnung von Lazar fühlte Dreya einen sofortigen emotionalen Druck, der sie drängte nach rechts in Lazars Reich abzudrehen und ihre Antworten zu holen. Der emotionale Druck entwickelte sich rasch in ein ursprüngliches Bedürfnis den Flur hinab zu rennen und den Mann zu packen, und zwar bei den …

Aber sie atmete langsam aus und stählte ihren Entschluss Williams zu folgen. Da sie das Ziehen emotionalen Widerstands hinter sich spürte, blickte sie über ihre Schulter. Rhys war langsamer geworden, verweilte an der Gabelung der Laboratorien. Quinn hielt an und starrte auf die Genetikabteilung, sein Sehnen Lazar nachzustellen war ein Surren in ihrem Geist.

Sie räusperte sich, zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. ›Kommt hier rüber‹, gab sie ein Zeichen. Sie schlossen sich widerwillig an, folgten als Letzte in den medizinischen Bereich.

»Dr. Simon Sinclair«, verkündete Williams.

Der Doktor blickte auf. Er hatte überraschend lange, sandblonde Haare und kühle haselnussbraune Augen über einem gemeißelten Kiefer oben auf einer muskulösen Statur.

Dreyas Pupillen weiteten sich, erhaschten eine Flut an gefälligen und attraktiven Mikro-Reaktionen in seinem Gesicht. Ihr Herz antwortete in natura, indem es gegen ihre Brust hämmerte. Alarmiert von ihren körperlichen Reaktionen wischte sie ihre schwitzigen Handflächen an ihrer Hose ab.

»Wen haben wir hier, Scott?« Sinclair erhob sich hinter seinem Schreibtisch und streckte seine Hand aus. Seine Stimme war tief und schroff, sein Griff fest, als er rundherum Hände schüttelte. »Sie müssen die Ermittler sein. Ich war wirklich froh zu hören, dass Sie kommen. Sie nennen mich gerne Sheriff, aber in Wirklichkeit bin ich Rechtsmediziner.«

»Dr. Sinclair, das sind Special Agent Love, Detective Morgan und Agent Kingston.«

»Doktor, können wir die Leichen sehen?«, fragte Dreya. Sie wandte ihren Blick auf die Kühlanlage, um es zu vermeiden Sinclair anzuschauen. Ihre Reaktion auf ihn brachte sie durcheinander.

Verdammtes Nobility, zeigt mir Dinge, die nicht dafür gedacht waren, gesehen zu werden.

Sie musste diesen neuen Körper in den Griff bekommen; die Nobility-Zeitbomben hauten sie täglich aus der Fassung. Ein schneller Blick auf Rhys und Quinn und sie atmete kurz erleichtert aus, da sie bei keinem von beiden ihre Bedrängnis entdeckte.

»Habe die Leichen alle bereit«, sagte Sinclair. Er trat zum Kühlbehälter und zog die Lade heraus. »Das ist Annie Cooper, Alter achtundzwanzig.« Er öffnete den Reißverschluss des Sacks. »Sie wurde im Genetiklabor gefunden, war anscheinend gestolpert und hat ihren Kopf gegen die Wand gehauen, wobei sie ein tödliches Hämatom im Gehirn erlitt.«

Dreya konzentrierte sich auf das Opfer und untersuchte die Kopfwunde. Sie nickte Rhys zu. Er untersuchte auch die Wunde.

»Ich habe ihren Autopsiebericht, wenn Sie fertig sind«, sagte Sinclair. Er schloss die Lade und öffnete die nächste. »Das ist Sean Murphy, dreiundzwanzig, ein Farmarbeiter. Er war erst seit ein paar Wochen auf der Station.« Er zog den Reißverschluss auf.

Sie hatte ihren Anteil an Leichen gesehen, aber diese war zu viel des Guten. Die ganze Kehle, inklusive der Speiseröhre, Luftröhre und dem Kehlkopf, fehlte, was ein klaffendes Loch hinterließ, das die Wirbelsäule hinten am Hals offenlegte. Das umgebende Gewebe war zerfetzt; das extrem bleiche Gesicht des Opfers in überraschtem Schrecken erstarrt.

»Es gab keine andere Verletzung am Körper, jedoch wurden nicht alle Körperflüssigkeiten nachgewiesen«, sagte Sinclair.

Sie schloss ihre Augen, fürchtete die Antwort. Dennoch musste sie fragen. »Von welchen Flüssigkeiten sprechen wir – Blut?« Sie erinnerte sich an Williams’ Warnung, dass keine blutigen Filme erlaubt waren, und hielt ihren Atem an, bis der Doktor antwortete.

»Blut. Ungefähr ein Liter war mit den Spritzern nachgewiesen worden.«

»Von möglichen fünf«, fügte sie hinzu.

»Was, glauben Sie, ist mit den anderen vier plus Litern Blut passiert?«, fragte Rhys.

Eine pulsierende Stille folgte auf die Frage. Sie tauschte Blicke mit Rhys und Quinn aus. Eine emotionale Kuppel aus Druck bildete sich – Furcht und Verwirrung von Quinn, Wut von Rhys. Sie musste die emotionale Arena beruhigen.

Wir sind nicht so gemacht. Erinnert euch daran, was Smith sagte.

Eine sofortige Erleichterung floss zwischen ihnen. Sie leckte sich über die Lippen, um Zeit zu schinden, befürchtete, was ihr vielleicht hinausschlüpfen und sie laut sagen konnte, während sie zwei Unterhaltungen weiterführte, eine interne und eine externe. Die Telepathie, so lernte sie gerade, aktivierte sich nicht nur, wenn sie in tierischer Form waren, sondern auch als Mensch in Momenten hoher Emotion.

Das ist nicht unsere Zukunft.

Sie blickte Sinclair an. Seine Arme waren verschränkt und er starrte sie aufmerksam an. Und Rhys. Und Quinn.

»Nun«, sagte Williams, brach damit den Moment und schien nicht interessiert an vermisstem Blut. »Ich werde Sie Ihrer Ermittlung überlassen. Die Station ist gut mit farblich gekennzeichneten Diagrammen markiert. Erinnern Sie sich daran eine Eskorte mitzunehmen, wenn Sie auf die Ebene 5 herunter gehen.« Er reichte jedem von ihnen eine Plastikkarte. »Wenn Sie irgendetwas benötigen, ich bin einen stimmaktivierten Anruf entfernt. Fragen?«

Dreya wollte, dass er wegging, so dass sie die echten Fragen stellen konnte. »Nein, ich denke wir sind in Ordnung. Ich danke Ihnen.« Sie blinzelte und suggerierte ihm sich umzudrehen und wegzugehen.

Hör auf damit, tadelte sie sich selbst. Probiere es nur mal, verteidigte sie.

»Genießen Sie Ihren Aufenthalt«, sagte Williams strahlend. Er hielt inne, als sein Blick auf die Leiche auf dem Tisch fiel und sein strahlendes Lächeln schwand. Er sammelte sich für einen Moment, bis seine Hochstimmung zurückkehrte. »Wenn Sie irgendetwas benötigen, rufen Sie an.«

Nachdem er ging, kehrte eine spekulative Stimmung in den Raum zurück. Die vier standen um den Tisch und blickten auf das Opfer. »Wurde irgendwelche DNS auf der Leiche sichergestellt?«

»Ich habe die Wundränder abgetupft«, antwortete Sinclair. »Warte noch auf die Testergebnisse. Wenn man die Stärke bedenkt, die erforderlich ist, um eine komplette Kehle so ganz bis zum Knochen zu entfernen, denke ich, dass man alle Frauen auf der Station ausschließen kann. Und die meisten Männer.«

Das ließ Drachen übrig. Die offensichtliche Frage wartete darauf gehört zu werden. Sie atmete sanft aus, versuchte ihr Herz zu verlangsamen. »Da einige Liter Blut fehlen, gibt es irgendetwas im Drachenverhalten, das für einen solchen Blutverlust verantwortlich ist?«

Er zeigte ein halbes Lächeln, das sie sich wundern ließ, was er zurückhielt.

»Für Fragen über Drachen werden Sie mit Lazar sprechen müssen. Ich bringe Sie hinüber.« Er schloss den Reißverschluss am Sack und schloss die Lade. Auf dem Weg zum Genetiklabor fragte sie: »Sagten Sie, dass Sie Sheriff genannt werden?«

Er schnaubte. »Jaah. Die Station ist eigenständig und jeder wird auf ansteckende Krankheiten durchleuchtet, bevor er eingeschifft wird, also fängt sich eigentlich niemand eine Erkältung ein oder wird krank. Es gibt ein paar versehentliche Verletzungen, gebrochene Arme, es muss etwas genäht werden, eine Verbrennung, aber die sind selten genug. Manchmal bringe ich ein Kind zur Welt.« Er zuckte mit den Schultern. »Also schätzten sie, dass ich Zeit hätte, um auch Sheriff zu sein.«

Quinn sagte: »Mir scheint es, dass die vertraglichen Buchstaben des Gesetzes ziemlich abschreckend für gesetzeswidrige Aktivitäten wären.«

»Oh, glauben Sie das nicht. Es gibt eine Menge gesetzeswidriger Aktivitäten, aber solange besagte gesetzeswidrige Aktivität die Gewinnbeteiligung nicht stört, bleibt diese Aktivität unbeachtet. Manche würden dafür töten auf der Station zu bleiben, andere würden töten, um zu gehen. Bis jetzt hat niemand tatsächlich einen Mord begangen. Hier ist das Labor, ich werde Sie Lazar vorstellen. Erwarten Sie nicht von ihm, dass er Ihnen alles erzählt, was er weiß.«

»Ein richtiger Unternehmer?«, fragte Rhys.

»Man nennt es Gewinnbeteiligungsfieber.«

Mit ihrem Geplapper im Hintergrund wappnete Dreya sich dafür Lazar zu treffen. Sollte sie ihn als ihren Schöpfer betrachten? Er war ein Genie, das war bekannt. War er auch ein Geisteskranker?

Sie wurden in ein Gewirr aus Kabinen, Büros und Arbeitsplätzen mit Glaswänden geführt. Sinclair hielt an einem Büro und pochte an die Wand. »Hey Doc, habe ein paar Leute, die Sie treffen wollen.«

Der Mann, der zu ihnen hochblickte, überraschte Dreya, denn er war unerwartet jung und jungenhaft. Schwarzes Haar, blaue Augen, gutaussehend und überraschend gut gebaut für eine Laborratte. Sie runzelte die Stirn und legte ihren Kopf schief.

Er ist jung. Nicht, was ich erwartet habe.

Sie kniff die Augen zusammen, um ihn mit ihren irren Augen zu untersuchen, wollte hinter sein Gesicht tauchen, um seinen Geist zu sehen.

Sinclair sagte: »Doc, das sind die Ermittler –«

Lazar war zügig dabei zu antworten. »Willkommen«, sagte er, während er aufstand.

»Das sind Special Agent Love, Detective Morgan und Agent Kingston.«

Sie schüttelte als Erste Lazars Hand, bemerkte den festen Griff und Finger ohne Schwielen. Aber als sie ihn hätte loslassen sollen, hielt er sie fest, starrte aufmerksam in ihr Gesicht. Ihre Pupillen reagierten und sie wurde mit tausend Mikro-Botschaften überflutet. Abrupt entließ er ihre Hand.

Oh mein Gott, er weiß es.

Sie blinzelte, um sich zu beruhigen, und schickte die Warnung.

Vorsichtig sein!

Aber sie war zu spät. Lazar wandte bereits seine Inspektion auf Rhys und Quinn. Er schüttelte deren Hände über den Schreibtisch hinweg. Er spähte aufmerksam auf ihre Gesichter, neigte seinen Kopf … und lächelte.

Er kam hinter dem Schreibtisch hervor und setzte sich auf die vordere Kante. »Wie kann ich Ihnen helfen, Agents, Detective?« Seine Arme waren verschränkt, sein Gesichtsausdruck offen und … ziemlich zufrieden. Seine Haltung strahlte Zuversicht und Zufriedenheit aus.

Er ist stolz!

Sie schaute auf ihre Füße, um ihrem Herz die Chance zu geben sich zu beruhigen, jede Faser ihres Körpers wollte ihn anfallen. Sie räusperte sich und erinnerte sich an die toten Opfer. »Wir haben Fragen zu dem Mord an Sean Murphy und der entfernten Möglichkeit, dass diese Tat von einem Drachen verübt worden ist, einem Ihrer Draco Dämonen.«

Mit zu einem halben Lächeln geschürzten Lippen nahm er sich Zeit zu antworten. »Diese ›entfernte Möglichkeit‹, wie sie es nennen, basiert auf was?«

»Blut oder eher gesagt den Mangel an Blut am Tatort«, sagte Rhys. »Haben Sie einen Grund anzunehmen, dass ein Drache menschliches Blut begehrt?«

»Meine Empfehlungen sind gut dokumentiert, ebenso meine Warnungen davor die Drachenzeit auf der Oberfläche zu überdehnen. Es gibt Grenzen, die man im Tausch für Zweckmäßigkeit respektieren muss. Missachte diese Grenzen und es hat Konsequenzen.« Er zeigte auf eine Kiste. »Meine Labordokumentation. Bitte, nur zu.«

Dreyas Brauen schossen hoch. »Können Sie es für uns zusammenfassen?«

Sein Fokus ruhte auf ihrem Gesicht, was sie sich wünschen ließ, dass sie seine Aufmerksamkeit nicht auf sich gezogen hätte. Sie zwang sich selbst sich nicht zu winden.

»Wenn Sie meiner Dokumentation folgen, werden Sie verstehen, was ich getan habe.«

Sein Tonfall war persönlich; er wollte, dass sie seine Motivationen kannten. Sie fühlte sich, als ob er ihre Gedanken las. In ihrem peripheren Sichtfeld sah sie, dass Rhys sie beobachtete. Er sprach, zog Lazars Aufmerksamkeit auf sich.

»Wir müssen eine Sache wissen. Gibt es einen Grund, dass ein Drache einen solchen Blutdurst entwickeln könnte? Eine Frage, die für den Schöpfer des Drachen einfach genug ist, denke ich.«

Der Fehdehandschuh war geworfen. Lazar ließ eine Augenbraue nach oben schnellen.

Sie hielt ihren Atem an. Eine gereizte Stille. Rhys und Lazar waren aufeinander eingeschossen.

»Ja«, sagte Lazar plötzlich. »Es gibt einen Grund die Drachen als Verdächtige zu betrachten. Nun haben Sie achthundert.«

»Und die Ursache für diese Entwicklung in den Drachen?«, fragte Quinn. Seine Frage war bedacht und spitz. Er bekam Lazars Inspektion voll ab und erwiderte diese mit den kalten Augen eines Wolfs.

Lazar lächelte. Seine Haltung wandelte sich von Wissenschaftler zu Elternteil, seine Stimme wurde sanft. »Sie müssen sich keine Sorgen machen.«

Ein Schauer lief Dreyas Wirbelsäule herunter.

Er spricht zu uns. Er versteht unsere Angst.

»Sind Sie sicher?«, fragte sie leise.

»Ja.«

Sie wagte es nicht Sinclair anzublicken, behielt ihre Augen auf Lazar. Der Unterton wirbelte um sie herum wie ein Sturm.

Sinclair räusperte sich plötzlich. »Wenn es etwas gibt, womit ich helfen kann, ich bin im End of the Line.« Er zog sich aus dem Büro zurück und ging zügig davon.

Dreya hatte so viele Fragen, sie hatte Angst anzufangen. Quinn sah bereit aus Lazar anzuspringen und Rhys würde den Kampf seinen Mund geschlossen zu halten verlieren. Sie fragte: »Können wir irgendwo privater hingehen?«

Er führte sie aus den Laboren und einen mit Teppich belegten Flur hinab zu einem Büro, auf dessen Tür Stabschef stand. Er hielt die Tür für sie alle auf, und als sie vorbeiging, sah sie den beschäftigten Ausdruck auf seinem Gesicht – er hatte seine eigenen Fragen. Sie und Rhys nahmen Platz, während Quinn hinter ihnen stand. Strudelnde Emotionen von beiden bombardierten sie.

Beruhigt euch.

Lazar setzte sich hinter seinen Schreibtisch und stützte sein Kinn in eine Hand. Rhys hockte sich auf die Kante seines Stuhls, wartete. Quinn hielt seine Arme verschränkt, seine Augen mit Herausforderung gefüllt.

»Wie?«, fragte Lazar.

»Gideon Smith«, sagte sie.

»Dieser Dummkopf, Smith –« Lazar schüttelte seinen Kopf.

»Er ist tot. Warum wir nicht?«, forderte Rhys ein.

»Gute Frage. Die Probe, die er gestohlen hat, war verdorben.« Lazar schoss auf seinem Sitz vor. »Wie viele sind aus wie vielen Dosen gestorben?«

Dreya fragte sich, was wohl seine Gedanken waren. »Acht Tote aus elf.«

»Nur drei aus elf haben überlebt, das ist statistisch korrekt.« Er fuhr mit seinem Blick über sie. »Sie sind sicher, dass es keine anderen ›Überlebenden‹ gab?«

Ihre irren Augen konnten sehen, wie die Räder in seinem brillanten Kopf arbeiteten.

»Drei Überlebende«, wiederholte Lazar. »Es scheint, dass die Probe einen entweder besser gemacht oder getötet hat. Interessant. Aber Sie müssen sich keine Sorgen machen.«

»Worüber?«, erfragte Quinn.

»Darüber den Blutdurst eines Drachens zu entwickeln. Sie … werden sich in den besten Menschen weiterentwickeln, der Sie nur sein können.«

»Nobility –«

»Ist ein evolutionäres Zündschloss«, sagte Lazar. »Der Prozess, den Nobility gestartet hat, ist fortlaufend.« Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und lächelte wieder väterlich. »Sie werden bemerken, wie der Ausdruck der tierischen DNS durch eine Verminderung negativer menschliches Motive steigt, so wie Gier, Eifersucht, Neid … sogar Völlerei wird sich auflösen. Noblere tierische und menschliche Attribute werden an deren Stelle treten. Sie haben bereits den Rudelinstinkt gespürt – getrennt zu sein ist unerträglich, habe ich Recht?«

Lazar war entgegenkommend, mehr als sie erwartet hat. Das Problem war, dass sie die Antworten, die er gab, nicht mochte. Sie lehnte sich zurück und rieb sich über ihr Gesicht.

Etwas Fortlaufendes passiert in meinen Körper und ich habe nicht die Kontrolle.

Nicht die Kontrolle über eine Situation zu haben war erschreckend. Nicht die Kontrolle über ihren Körper zu haben ließ sie in Flammen stehen. Sie ächzte und bedeckte ihre Augen. Quinn legte eine Hand auf ihre Schulter. Rhys drückte ihr Bein.

»Da!«, rief Lazar aus. »Das ist tierisches Verhalten. Sie haben Ihnen unverzüglich Beistand geleistet. Haben Sie sich bereits gepaart?«

Sie würgte. »Was?«

Rhys Gesichtsausdruck weitete sich zu Schock aus. Quinn verschränkte seine Arme und trat zurück.

»Sobald Sie sich paaren, ist das telepathische Band zementiert. Anders als nicht noble Menschen binden Sie sich in einem Rudel, brauchen einander, ohne Eifersucht und Gerangel. Sie«, sagte er zu ihr, »sind das Alphaweibchen, um welches das Rudel sich dreht.«

Ihr Mund wurde trocken und ein Summen von geschäftigen Gedanken füllte ihr Gehirn. Sie hatte versucht ihre Sehnsüchte zu ignorieren, aber der zwingende – nein instinktive Drang sich mit Quinn und Rhys zu paaren hatte an ihr genagt. Sie brauchte sie, wollte sie beide. Nicht zur gleichen Zeit … und nicht nur einmal. Sondern für immer. Sie hatte niemals eine solch verstörende Neigung gehabt.

»Sie müssen sich einzeln paaren. Sobald Sie es tun, wird ihre Verbindung als Rudel fest verankert sein. Auf Lebenszeit.« Er lächelte wohlwollend, stolz ihnen dieses Geschenk gemacht zu haben.

Aus Angst davor, was sie ihm antun würde, musste Dreya wegschauen. Anfangs hatte sie ihr sich außerhalb ihrer Kontrolle verändernder Körper massiv verärgert. Nun war ihr berufliches und privates Leben außer Kontrolle. Sogar ihre Augen waren … illegal.

Ich werde nie sein, was ich war. Aber ich werde … was hat er gesagt? Ich werde mich in den besten Menschen weiterentwickeln, der ich nur sein kann?

Sie wurde still, nicht in der Lage zu leugnen, dass sie dachte, dass er Recht hatte. Sie konnte auch ihre Abneigung darüber ein Versuchskaninchen zu sein nicht bewältigen. Auf perverse Weise mit dieser verworrenen Schlaufe verbunden war die Tatsache, dass sie sich zum Besseren veränderte.

Wie schwer auch immer es war die vertraute Vergangenheit aufzugeben, die verlockenden Vorteile ihrer neuen Zukunft waren zunehmend attraktiv. Zumindest verstand sie jetzt ihren Wunsch mit Rhys und Quinn zu schlafen und sie zu behalten.

Im Zimmer wurde es still, während die Paarungs-Bombe die Landschaft umgestaltete. Quinn war ruhelos hinter ihr, seine Gedanken bearbeiteten ihren Verstand. Er fragte: »Wir sind nicht wie Drachen? Wir müssen uns nicht darum sorgen Blutgier zu entwickeln? Lassen Sie mich verstehen, warum dies nicht passieren wird.«

»Sie laufen keine Gefahr dieses Verhalten zu zeigen. Die Drachen haben fremde DNS in ihre Sequenz eingefügt. Sie haben DNS aus Ihrer eigenen Sequenz aktiviert. Hierin liegt der entscheidende Unterschied.«

Rhys sagte: »Also ist unser Killer einer Ihrer Draco Dämonen.«

Lazar seufzte und schüttelte seinen Kopf vor Abscheu. »Ich habe die Firmenidioten gewarnt, dass dies passieren würde.«

Dreya erinnerte sich an die Tatortfotos. »Hätten Sie sie nicht eindringlicher warnen können?«

»Oh, das habe ich. Aber sie haben beschlossen meine Warnungen zu ignorieren. Gewinnbeteiligungsfieber ist ein verheerender Zustand. Eventuell werden sie mir jetzt glauben.«

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Release date on Litres:
17 December 2020
Volume:
194 p. 8 illustrations
ISBN:
9788835409069
Copyright Holder::
Tektime S.r.l.s.
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