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Christina Tempest

Handwerker gesucht - Teil 1: Erotische Novelle

Lust

Handwerker gesucht - Teil 1: Erotische Novelle ÜbersetztPatrick Zöller Original Håndværker søges, del 1Coverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 2019, 2020 Christina Tempest und LUST All rights reserved ISBN: 9788726389746

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Als es an diesem Morgen klingelt, hat Stina ganz vergessen, dass sie einen Termin vereinbart hatte. In ihrem neuen Kleid, das sie am Samstag auf der Geburtstagsfeier tragen wird, steht sie vor dem Spiegel. Genau das, was das Herz begehrt! Dazu die schwarzen Stilettos mit den extrahohen Absätzen. Sie hatte drei Kleider im Internet bestellt, aber es besteht kein Zweifel, dass dieses ultrakurze das Rennen macht. Ihr Ex wird sich ärgern.

„Ja?“ Mit einer barschen Bewegung reißt Stina die Tür auf. Sie hat nur einen Tag pro Woche Homeoffice und heute schon eine halbe Stunde dafür verwendet, das genau richtige Outfit zu finden. Sie hat keine Zeit für weitere Störungen.

Vor ihr kniet ein junger Mann und versucht, den Namen auf dem Briefschlitz unten in der Tür zu entziffern. „Stina Rosenkrantz. Sie haben einen Bodenleger bestellt?“

Während es Stina allmählich dämmert, dass sie vorige Woche auf einer Homepage war, auf der man einen Fachmann für Böden und Reparaturen bestellen kann, um einen unverbindlichen Kostenvoranschlag zu erstellen, kommt der Kerl vor ihr auf die Beine. Er ist einen Kopf größer als sie und … attraktiv. Sie findet kein besser passendes Wort. Ja, schon, sexy vielleicht. Aber das trifft es nicht genau. Er hat blondes, halblanges verwuscheltes Haar und ist unverschämt braun - dafür, dass der Sommer noch so jung ist. Er sieht aus wie ein Surfer. Oder wie ein nordischer Gott.

„Hallo?“ Er sieht sie an, als sei sie schwer von Begriff. „Ich heiße Thor. Ich bin von Boden gut, alles gut. Sie brauchen einen Kostenvoranschlag?“

Natürlich heißt er auch noch Thor. Als Stina klar wird, dass sie nur dasteht und ihn anstarrt, macht sie hastig Platz, sodass er hereinkommen kann.

„Ja, richtig.“ Sie schließt die Tür hinter ihm und steht plötzlich sehr dicht vor ihm in dem kleinen Flur. „Ich bin Stina. Kommen Sie einfach herein.“

Thor lässt seinen Blick an ihr herab und wieder nach oben gleiten, mit einem Ausdruck, den sie nicht recht deuten kann. Dann schaut sie an sich herunter. Oh, Mist! Sie trägt ein Paar turmhoher, schwarzer Stilettos und ein ultrakurzes, eng sitzendes schwarzes Kleid. Und es ist Donnerstagmorgen. Was wird er denken? Sie wird ihm erklären, dass sie nur Sachen für eine Feier am Wochenende anprobiert und vergessen hatte, dass er um neun hier sein wollte. Aber etwas in dem Blick, mit dem er sie scannte, hält sie zurück. Was hatte das zu bedeuten?

Stattdessen geleitet sie ihn in die Küche und beobachtet, wie sich die Muskeln in seinem Oberarm anspannen und den Stoff des T-Shirts dehnen, als er seinen Werkzeugkasten auf den Küchentisch stellt.

Als er sich zu ihr umdreht, macht er einen kaum merklichen Schritt zur Seite und streift sie mit dem Arm, und er sieht ihr eine lange Sekunde in die Augen, bevor er den Blick abwendet.

„Da haben wir ja das Problem.“ Er zeigt in eine der Ecken der Küche, wo am Boden deutliche Spuren eines Wasserschadens zu erkennen sind.

„Ja.“

„Lassen Sie mich mal sehen.“ Thor schiebt sich dicht an ihr vorbei, um die Ecke genauer zu inspizieren.

War das wirklich notwendig? Stina spürt, wie ihr Körper spontan auf die federleichte Berührung reagiert, als er an ihr vorbeigeht. Gleichzeitig irritiert es sie, denn jetzt weiß sie, was sein Gesichtsausdruck vorhin zu bedeuten hatte, als er die Wohnung betrat. Natürlich. Er schien beinahe gelangweilt zu sein. Als ob ihm das andauernd passiere. Dass Frauen alleine zu Hause auf den Handwerker warten, aufgebrezelt bis zum Geht-nicht-mehr, und hoffen, dass er gut aussieht und Single ist. Oder zumindest bereit, darüber hinwegzusehen, falls er es nicht ist.

„Ich fürchte, es wird nicht reichen, nur die Ecke auszubessern.“ Er steht ihr direkt gegenüber.

Wieder spürt sie, wie ihr Körper reagiert, als ob er sich danach sehnt, den Mann zu fühlen. Es scheint, als spiele er das Spiel mit, aber auf eine sonderbar faszinierende Weise. Stina verschränkt die Arme vor der Brust, um nicht ganz so einladend zu wirken. Sie zweifelt keine Sekunde daran, dass sie ihn haben kann. Wenn sie es will, kann sie ihn dazu bringen, sie mit seinen starken Armen zu packen, auf den Küchentisch zu knallen und sie gut und gründlich durchzuficken. Und sie hat Lust darauf. Ihr Körper zittert innerlich vor Lust danach, ihm das Signal zu geben, auf das er wartet.

Aber seine etwas gelangweilte, herablassende Miene hält sie zurück. Er kennt dieses Spiel zu gut, hat es ein paar Mal zu oft gespielt. Als ob er ihr einen Dienst erweisen würde.

„Nein, das dachte ich mir schon.“ Resignierend breitet sie die Arme aus. „Die Spülmaschine war kaputt gegangen und ist fast zwei Tage lang am Stück gelaufen, weil ich nicht da war.“

Er runzelt ein wenig die Stirn, als sei er nicht sicher, ob er sie richtig eingeschätzt hat, jetzt, da sie doch nur über den Boden redet. Misstrauisch fliegt sein Blick über ihr Kleid und die hohen Absätze, die an einem Donnerstagmorgen in einer kleinen Wohnung in Vesterbro hoffnungslos deplatziert wirken.

„Können Sie das denn vielleicht irgendwie anders hinkriegen?“ Sie sieht ihn an, eine Augenbraue hochgezogen, als ob sie sein Zögern überhaupt nicht verstehen könne. Sie stemmt die Hände in die Hüften um anzudeuten, dass es ja wohl ganz normal ist, zu Hause in so einem Outfit herumzulaufen. Schon mit dieser kleinen Geste fühlt sie sich besser. Zum Teufel, er soll nicht dastehen und sie anglotzen und pflichtschuldig ein wenig mit ihr flirten, nur weil sie in ihrer Wohnung Stilettos trägt.

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