Read the book: «Tischlein deck dich»
Brüder Grimm
Tischlein deck dich
Saga
Tischlein deck dichCopyright © 2020, 2020 Brüder Grimm und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726708943
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 3.0
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13.
Tischchen deck dich, Goldesel, und Knüppel aus dem Sack.
Vor Zeiten war ein Schneider, der drei Söhne hatte und nur eine einzige Ziege. Aber die Ziege, weil sie alle zusammen mit ihrer Milch ernährte, musste ihr gutes Futter haben und täglich hinaus auf die Weide geführt werden. Die Söhne taten das auch nach der Reihe. Einmal brachte sie der älteste auf den Kirchhof, wo die schönsten Kräuter standen, liess sie da fressen und herumspringen. Abends, als es Zeit war heim zu gehen, fragte er: „Ziege, bist du satt?“ Die Ziege antwortete:
„ Ich bin so satt,
Ich mag kein Blatt: meh! meh!“
„So komm nach Haus“, sprach der Junge, fasste sie am Strickchen, führte sie in den Stall und band sie Fest. „Nun“, sagte der alte Schneider, „hat die Ziege ihr gehöriges Futter?“ — „O“, antwortete der Sohn, „die ist so satt, sie mag kein Blatt“. Der Vater aber wollte sich selbst überzeugen, ging hinab in den Stall, Streichelte das liebe Tier und fragte: „Ziege, bist du auch satt?“ Die Ziege antwortete:
„ Wovon sollt ich satt sein?
Ich sprang nur über Gräbelein,
Und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!“
„Was muss ich hören!“ rief der Schneider, lief hinauf und sprach zu dem Jungen: „Ei, du Lügner, sagst die Ziege wäre satt, und hast sie hungern lassen?“ und in seinem Zorne nahm er die Elle von der Wand und jagte ihn mit Schlägen hinaus.
Am andern Tag war die Reihe am zweiten Sohn, der suchte an der Gartenhecke einen Platz aus, wo lauter gute Kräuter standen, und die Ziege frass sie rein ab. Abends, als er heim wollte, fragte er: „Ziege, bist du satt?“ Die Ziege antwortete:
„ Ich bin so satt,
Ich mag kein Blatt: meh! meh!“
„So kommt nach Haus“, sprach der Junge, zog sie heim und band sie im Stall fest. „Nun“, sagte der alte Schneider, „hat die siege ihr gehöriges Futter?“ — „O“, antwortete der Sohn, „die ist so satt, sie mag kein Blatt“. Der Schneider wollte sich darauf nicht verlassen, ging hinab in den Stall und fragte: „Ziege, bist du auch satt?“ Die Ziege antwortete:
„ Wovon sollt ich satt sein?
Ich sprang nur über Gräbelein
Und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!“
„Der gottlose Bösewicht!“ schrie der Schneider, „so ein frommes Tier hungern zu lassen!“ lief hinauf, und schlug mit der Elle den Jungen zur Haustüre hinaus.
Die Reihe kam jetzt an den dritten Sohn, der wollte seine Sache gut machen, suchte Buschwerk mit dem schönsten Laube aus und liess die Ziege daran fressen. Abends, als er beim wollte, fragte er: „Ziege, bist du auch satt?“ Die Ziege antwortete:
„ Ich bin so satt,
Ich mag kein Blatt: meh! meh!“
„So komm nach Haus“, sagte der Junge, führte sie in den Stall und band sie fest. „Nun“, sagte der Schneider, „hat die Ziege ihr gehöriges Futter?“ — „O“, antwortete der Sohn, „die ist so satt, sie mag kein Blatt“. Der Schneider traute nicht, ging hinab und fragte: „Ziege, bist du auch satt?“ Das boshafte Lier antwortete:
„ Wovon sollt ich satt sein?
Ich sprang nur über Gräbelein
Und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!“
„O die Lügenbrut!“ rief der Schneider, „einer so gottlos und pflichtvergessen wie der andere! Ihr sollt mich nicht länger zum Narren haben!“ und vor Zorn ganz ausser sich sprang er hinauf und gerbte dem armen Jungen mit der Elle den Rücken so gewaltig, dass er zum Haus hinaus sprang.
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