Read the book: «Effektive Teamarbeit»

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Die Autor*innen


Annika Lantz ist Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin und lehrt als Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Stockholm. Ihre Hauptforschungsinteressen sind Teamentwicklung, Führung und Innovationsprozesse. Daneben arbeitet sie als Beraterin für Fritz Change AB und war als Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig.


Daniela Ulber ist Diplom-Psychologin, Kommunikationswirtin und systemische Therapeutin und als Professorin für Institutionsentwicklung und Management an der HAW Hamburg tätig. Ihre Interessen liegen in den Bereichen Qualitätssicherung, Organisationsdiagnostik, Führung sowie Organisations- und Teamentwicklung. Darüber hinaus ist sie freiberuflich als Coach und Dozentin für Leitungskräfte im Bildungsbereich tätig.


Peter Friedrich, Dr. Ing., ist Senior Consultant bei Fritz Change AB, Schweden, mit Expertise in den Bereichen Organisationsentwicklung, Aktionsforschung und interkulturelle Studien zu Innovationsprozessen. Er ist Diplom-Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau) und war 20 Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Swedish National Institute of Occupational Health and Safety und an der Wiesbaden Business School tätig.

Annika Lantz, Daniela Ulber, Peter Friedrich

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1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-035689-4

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-035690-0

epub: ISBN 978-3-17-035691-7

mobi: ISBN 978-3-17-035692-4

Inhaltsverzeichnis

1  Einleitung: Probleme mit Teamarbeit – und effektive Lösungen

2  I Gründe für Teamarbeit – welche Vorteile haben Teams?

3  1 Warum sollte in Teams gearbeitet werden?

4  1.1 Das »soziale Gehirn« und die soziale Natur von Menschen

5  1.2 Effektivere Arbeit

6  2 Was unterscheidet Teams von anderen Arten von Gruppierungen?

7  2.1 Definition von Team

8  2.2 Jedes Team ist anders

9  3 Was ist Teamarbeit?

10  3.1 Teamarbeit beinhaltet Engagement in interpersonellen und Arbeitsaufgaben-bezogenen Prozessen

11  3.2 Prozesse generieren emergente Zustände

12  3.3 Effektive Teams wechseln zwischen Handlungs- und Übergangsphasen

13  4 Ergebnisse von Teamarbeit

14  4.1 Was bedeutet Arbeit in Teams für Individuen?

15  4.2 Outcomes für das Team

16  4.3 Outcomes für die Organisation

17  4.4 Outcomes auf verschiedenen Ebenen sind miteinander verbunden

18  4.5 Die Outcomes hängen vom organisationalen Kontext ab

19  4.6 Negative Seiten von Teamarbeit

20  5 Was bedeuten Leistung, Effektivität und Effizienz eines Teams?

21  6 Ein Modell zur Beschreibung effektiver Teamarbeit

22  7 Ziel und Konzept des Buches

23  II Das Problem mit der Problemlösung

24  Der Problemlösungszyklus

25  Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben

26  Schritt 2: Kernprobleme identifizieren

27  Schritt 3: Ursachenanalyse

28  3.1 Vereinfachende Erklärungen

29  3.2 Mangel an validierten Erhebungsverfahren

30  3.3 Kognitive Barrieren behindern die Problemlösung

31  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

32  Schritt 5: Lösungen identifizieren

33  Schritt 6: Intervention(en) planen

34  Schritt 7: Intervention(en) implementieren

35  Schritt 8: Evaluieren

36  Schritt 9: Intervention(en) beenden

37  III Wir haben zwar Teams, aber wenig Teamarbeit

38  Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben

39  Schritt 2: Kernprobleme identifizieren

40  Schritt 3: Ursachenanalyse

41  3.1 Kein Konsens über das erwartete Ergebnis der Teamarbeit

42  3.2 Es fehlen grundlegende Voraussetzungen für die Arbeit im Team

43  3.3 Mangelnde Passung der Merkmale der Arbeit und der Organisation

44  3.4 Diagnose der Teamziele und der Arbeitsgestaltung

45  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

46  Schritt 5: Lösungen identifizieren

47  Schritt 6: Intervention(en) planen

48  Schritt 7: Intervention(en) implementieren

49  Schritt 8: Evaluieren

50  Schritt 9: Intervention(en) beenden

51  IV Teamzusammensetzung – die Teammitglieder profitieren nicht voneinander

52  Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben

53  Schritt 2: Kernprobleme identifizieren

54  Schritt 3: Ursachenanalyse

55  3.1 Teammitgliedern fehlen Eigenschaften guter »Teamplayer«

56  3.2 Die Zusammenstellung der Teammitglieder ist ungünstig für die Teameffektivität

57  3.3 Diagnose der Teamzusammensetzung

58  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

59  Schritt 5: Lösungen identifizieren

60  5.1 Wie kann das richtige Individuum für ein Team gefunden werden?

61  5.2 Wie kann die richtige Zusammenstellung eines Teams gefunden werden?

62  5.3 Wie können Individuen bei der Entwicklung teamrelevanter Kompetenzen unterstützt werden?

63  5.4 Wie können Teams bei Problemen unterstützt werden, die aus der Teamzusammensetzung resultieren?

64  V Dem Team gelingt es nicht, seine Aufgaben reibungslos zu koordinieren

65  Schritt 1: Die aktuelle Situation beschreiben

66  Schritt 2: Kernprobleme identifizieren

67  Schritt 3: Ursachenanalyse

68  3.1 Fehlendes gemeinsames Verständnis darüber, was wie zu tun ist

69  3.2 Es gibt Mängel beim emotionalen Klima

70  3.3 Es gibt Mängel dabei, wie das Team Routineaufgaben ausführt

71  3.4 Diagnose bei Problemen mit der Bearbeitung von Routineaufgaben

72  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

73  Schritt 5: Lösungen identifizieren

74  5.1 Entwicklung von mentalen Teammodellen (TMM)

75  5.2 Entwicklung des Teamklimas

76  5.3 Entwicklung eines transaktiven Gedächtnisses

77  5.4 Entwicklung von Vertrauen und psychologischer Sicherheit

78  5.5 Entwicklung von Kommunikation

79  5.6 Entwicklung von Kooperation

80  5.7 Entwicklung von Koordination

81  VI Ein ungünstiges Teamklima und zahlreiche Konflikte beeinträchtigen die Kooperation im Team

82  Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben

83  Schritt 2: Kernprobleme identifizieren

84  Schritt 3: Ursachenanalyse

85  3.1 Das Teamklima ist nicht offen, vertrauensvoll und unterstützend

86  3.2 Dysfunktionale Konflikte reduzieren die Teameffektivität

87  3.3 Diagnose von Teamklima und Konflikten

88  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

89  Schritt 5: Lösungen identifizieren

90  5.1 Präventive Strategien

91  5.2 Reaktive Strategien – bestehende Konflikte konstruktiv lösen

92  VII Das Team kann sich nicht anpassen

93  Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben

94  Schritt 2: Kernprobleme identifizieren

95  Schritt 3: Ursachenanalyse

96  3.1 Bestimmte Voraussetzungen schränken das Anpassungsvermögen des Teams ein

97  3.2 Es gibt Mängel bei Prozessen der Handlungsphase

98  3.3 Es besteht ein Mangel an adaptiven Prozessen

99  3.4 Wissensstrukturen und affektive Zustände behindern Adaptionsprozesse

100  3.5 Diagnose der Anpassungsfähigkeit von Teams und von Adaptionsprozessen

101  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

102  Schritt 5: Lösungen identifizieren

103  VIII Dem Team fehlt eine gute Führung

104  Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben

105  Schritt 2: Kernprobleme identifizieren

106  Schritt 3: Ursachenanalyse

107  3.1 Die Teamführung unterstützt das Team nicht angemessen in der Handlungs- wie auch in der Übergangsphase

108  3.2 Führungsstil bzw. -verhalten sind inadäquat

109  3.3 Die Führungsstruktur ist unklar oder unangemessen

110  3.4 Diagnose der Teamführung

111  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

112  Schritt 5: Lösungen identifizieren

113  5.1 Führungskräftecoaching

114  5.2 Führungskräftetraining

115  5.3 360-Grad-Feedback

116  IX Organisationales Lernen durch Teamlernen

117  Was ist Organisationales Lernen und wie entsteht es?

118  Ein Modell für Organisationales Lernen

119  Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben

120  Schritt 2: Kernproblem(e) identifizieren

121  Schritt 3: Ursachenanalyse

122  3.1 Teams verfügen über keine klaren Ziele für ihren Beitrag zum Organisationalen Lernen

123  3.2 Mangel an Team-Aktivitäten zur Verknüpfung von Teamlernen und Organisationalem Lernen

124  3.3 Diagnose des Teambeitrags zu OL

125  Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen

126  Schritt 5: Lösungen identifizieren

127  5.1 Angabe von Zielen für das Team, um zu OL beizutragen

128  5.2 Spezifikation von Aktivitäten des internen und externen Teamlernens

129  X Anforderungskatalog für systematische Teamentwicklungsmaßnahmen

130  1 Was sind Teamentwicklungsmaßnahmen (TEM)?

131  1.1 Systematische Teamentwicklungsmaßnahmen und der Problemlösungszyklus

132  1.2 Was Teamentwicklungsmaßnahmen nicht sind

133  2 Entwicklung des TEM-Inhalts mithilfe der Schritte 1 bis 4 des Problemlösungszyklus: Bedarfsspezifikation

134  3 Veränderungen in Angriff nehmen: Empfehlungen für die Gestaltung einer logischen Vorgehensweise der Schritte 5 bis 9

135  3.1 Identifizierung von Lösungen in unterschiedlichen Domänen

136  3.2 Umsetzung von Lösungen für die Teamentwicklung

137  3.3 Mechanismen, die Teams bei ihrer Entwicklung durch TEM unterstützen

138  3.4 Empfehlungen für die Gestaltung von TEM

139  4 Planung (Schritt 6) und Implementation der TEM (Schritt 7)

140  5 Evaluieren (Schritt 8)

141  6 Abschluss der TEM (Schritt 9)

142  XI Effektivität von Teams im Zeitverlauf

143  1 Teamentwicklung im Zeitverlauf: Verschiedene Modelle dafür, wie Teams sich entwickeln

144  2 Teamentwicklung durch Feedback, Interventionen, Anpassung im Team und systematisches Monitoring

145  2.1 Wie Aspekte der Teameffektivität (Output) als zweiter Input die Teamentwicklung vorantreiben

146  2.2 Teamentwicklungsmaßnahmen in einer zeitlichen Perspektive

147  3 Das Monitoring des zeitlichen Verlaufs von Teamarbeit

148  4 Unsere Botschaften

149  Literaturangaben

Einleitung: Probleme mit Teamarbeit – und effektive Lösungen

In diesem Buch wird beschrieben, wie mithilfe einer systematischen und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauenden Vorgehensweise häufig auftretende Probleme bei der Teamarbeit gelöst werden können. Das Buch basiert auf einer umfassenden Übersicht über Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Teamarbeit. Im Hinblick darauf, dass die Verfasser*innen selbst auf diesem Gebiet forschend tätig sind, mag dies selbstverständlich erscheinen. Dennoch stellt evidenzbasierte Praxis bei der Einführung und Entwicklung effektiver Teamarbeit leider eher die Ausnahme als die Regel dar. Ausgangspunkt des Buchs sind häufig auftretende Probleme, mit denen Teams und ihre Führung konfrontiert sind. Diese Herangehensweise ist das Ergebnis unserer langjährigen konsultativen Arbeit und der Erfahrung, dass es ein Problem damit gibt, wie Probleme der Teamarbeit angegangen werden, d. h. mit dem eigentlichen Problemlösungsprozess. Wir möchten mit fundiertem Wissen dazu beitragen, Problemursachen auf Basis von Erkenntnissen der empirischen Forschung zu erkennen, und aufzeigen, wie man Schritt für Schritt diese Ursachen bearbeiten und das Problem lösen kann. Außerdem möchten wir Wissen darüber vermitteln, wie Teams funktionieren und wie Teamberatung auf der Basis ethischer und professioneller Standards erfolgen kann. Darüber hinaus werden Interventionen zur Teamentwicklung und Problemlösung beschrieben, die das Ziel verfolgen, die Arbeit von Teams so zu verändern, dass sie in ihrem Zusammenspiel ihre Ressourcen optimal nutzen können.

Zielgruppe dieses Buchs sind Studierende, die mit den Themen Teamarbeit befasst sind, wie auch Praktiker*innen, die in und mit Teams arbeiten oder Teams beraten. Es umfasst sowohl grundlegendes und erklärendes Wissen über den theoretischen Hintergrund als auch konkrete Hinweise zur systematischen Entwicklung von Teamarbeit mittels gezielt ausgewählter und gestalteter Interventionen.

Organisationen, die auf Beratungsleistungen zurückgreifen, um Teamarbeit einzuführen und zu optimieren, müssen wissen, worauf es bei qualitativ guter Beratung ankommt. Das vorliegende Buch stellt auch eine Art Anforderungsliste dar, wie gute Teamberatung aussieht, so dass Kriterien für die Auswahl einer adäquaten Beratungsleistung bekannt sind und an Beratungsfirmen kommuniziert werden können. Es gibt leider meist keine schnellen, einfachen Lösungen, die im Handumdrehen greifen.

In diesem Buch werden häufig im Kontext von Teamarbeit auftretende Probleme behandelt, z. B. dass es ein Team gibt, aber keine Teamarbeit, Konflikte in Teams oder dass sich ein Team nicht an neue Situationen anpasst. Die einzelnen Problembereiche werden mit authentischen Fallstudien illustriert. Wir haben Fälle mit ganz unterschiedlichen Teamtypen ausgewählt, z. B. heterogene Teams, die mit sozial benachteiligten Jugendlichen arbeiten, Führungsteams und virtuelle Teams. Theoretische Grundlagen werden mit praktischer Umsetzung gekoppelt und für die Ursachen konkreter Probleme werden Hinweise in den Ergebnissen aktueller Forschungsprojekte gesucht. Dabei ergibt sich in jedem Kapitel eine kognitive Landkarte zu möglichen Ursachen für Probleme im Themenbereich dieses Kapitels. Dies ist dann Ausgangspunkt dafür, effektive Interventionen auszuwählen und durchzuführen. Die Ausführungen zur Ursachenanalyse enthalten Zusammenstellungen aktueller Forschungsergebnisse und mögen mehr Geduld, Ausdauer und Entdeckerlust erfordern als herkömmliche Beratungsliteratur, die vereinfachte, rezeptartige Lösungsschemata enthält, die dann aber häufig nicht zur Komplexität der organisationalen Wirklichkeit passen. In diesem Buch wird Teamarbeit nicht unkritisch als Allheilmittel für alle Probleme betrachtet, sondern es wird aufgezeigt, was für effektive Teamarbeit wichtig ist und wie sie entwickelt werden kann.

Es ist unser Wunsch, dass die Lektüre dieses Buches – trotz seines theoretischen Tiefgangs – stimulierend für alle ist, die sich mit der schwierigen Kunst der Entwicklung von Teamarbeit befassen.

Initiatorin und Hauptautorin des Buches ist Annika Lantz, sie ist hauptverantwortlich für die Kapitel I, II, III, V und VII sowie Mitverfasserin von Kapitel XI. Daniela Ulber ist hauptverantwortlich für die Kapitel IV, VI und VIII sowie Mitverfasserin von Kapitel XI. Hauptverantwortlich für die Kapitel IX und X ist Peter Friedrich, er ist zudem Mitverfasser von Kapitel XI.

Besonderer Dank gilt den vielen Teams und Manager*innen, die mit uns kooperiert und uns dabei die Gelegenheit gegeben haben, Beispiele für Teamarbeit im wirklichen Leben zu finden. Unser Dank gilt zudem Claudius Riegler, der mit seinem enormen Wissen über den Stand der Forschung und die Forschungspolitik auf unserem Gebiet in Deutschland und Europa sowie durch eine sorgfältige Lektorierung größerer Teile des Buches zur inhaltlichen und sprachlichen Qualität beigetragen hat.

I Gründe für Teamarbeit – welche Vorteile haben Teams?

Häufig wird der Leitsatz »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile« zur Begründung für die Implementierung von Teamarbeit herangezogen. Aber führt Teamarbeit zu besseren Ergebnissen für die Organisation, das Team und die Mitarbeiter*innen als individualisierte Arbeit? Dies ist eine zentrale Fragestellung, da die folgenden Kapitel auf der Annahme basieren, dass sich die Einführung und Förderung von Teamarbeit lohnt. Das allgemeine Ziel des Buches ist es, darzustellen, wie effektive Teamarbeit umgesetzt und unterstützt werden kann. In diesem Kapitel werden zuerst Gründe für Teamarbeit und deren Effekte beschrieben. Dann wird das Konzept der Teameffektivität diskutiert, dabei wird zwischen effektiveren und weniger effektiven Teams unterschieden. Jedes Team ist anders und Teamarbeit ist ein dynamischer Prozess sozialer Interaktion, der in einem organisationalen Kontext stattfindet. Deshalb kommt ein Modell für effektive Teamarbeit zur Darstellung, das diesen Kontext berücksichtigt. Das Modell wird auch in späteren Kapiteln genutzt, um unterschiedliche Kernprobleme der Teamarbeit zu behandeln und adäquate Lösungen aufzuzeigen.

1 Warum sollte in Teams gearbeitet werden?

Im Folgenden werden zwei Begründungsmuster für organisationale Teamstrukturen ausgeführt: die evolutionsbedingte soziale Natur des Menschen sowie Effektivitätsgesichtspunkte.

1.1 Das »soziale Gehirn« und die soziale Natur von Menschen

Im Laufe der gesamten Evolution haben Menschen in Familien und Gruppen gelebt und gearbeitet. Es hat sich gezeigt, dass es lohnender und effektiver ist, gemeinsam statt isoliert zu handeln – sei es bei der Jagd, beim Bau von Behausungen oder bei der Erziehung von Kindern. Maslow (1943) hat grundlegende menschliche Bedürfnisse, z. B. nach Liebe und Wertschätzung, als Motive identifiziert. In der von ihm entwickelten Bedürfnispyramide bilden physiologische und sicherheitsbezogene Bedürfnisse die Basis. Soziale und selbstwertbezogene Bedürfnisse sind höher in der Pyramide situiert, an der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Diese höheren Bedürfnisse sind gemäß dem Modell nicht überlebensnotwendig. Lieberman, ein Psychologe und Neurowissenschaftler, argumentiert dagegen: »Our biology is built to thirst for connection because it is linked to our most basic survival needs.« (Lieberman 2013, S. 43). Der Autor erläutert, wie drei zentrale Adaptionen im Gehirn dazu führen, dass Individuen mit der sozialen Welt verbunden sind, Vorteile aus sozialen Verbindungen ziehen und Gruppen bilden sowie in ihnen arbeiten. Im Laufe der Evolution haben sich Säugetiere so entwickelt, dass sie positive und negative soziale Emotionen empfinden. Auch das menschliche Wohlbefinden ist mit dem Wunsch gekoppelt, sozial verbunden zu sein. Primaten haben die Fähigkeit entwickelt, Gedanken und Gefühle anderer zu erkennen. Diese Fähigkeit ermöglicht es, strategisch zu interagieren und die Bedürfnisse anderer zu antizipieren – ein wesentlicher Bestandteil von emotionaler Intelligenz. Neuronale Anpassungen im Laufe der Evolutionsgeschichte ermöglichen es Menschen, von anderen beeinflusst und sozialisiert zu werden. Harmonisierung ist für die Interaktion in Gruppen unerlässlich.

Age restriction:
0+
Release date on Litres:
03 September 2025
Volume:
510 p. 34 illustrations
ISBN:
9783170356917
Publishers:
Copyright Holder::
Bookwire
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