Read the book: «CBRN-Schutz in der Gefahrenabwehr»

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Andreas Kühar Klaus Ehrmann

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1. Auflage 2020

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-030975-3

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-033198-3

epub: ISBN 978-3-17-033199-0

mobi: ISBN 978-3-17-033200-3

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Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

2  1 Von der CBRN-Gefahr zum CBRN-Schutz

3  1.1 Das CBRN-Gefahrenpotenzial

4  1.2 Von der Gefahr zum Risiko

5  1.3 Maßnahmen der Risikominimierung

6  1.4 Der Prozess der Abwehr von CBRN-Gefahren

7  1.5 Das System der CBRN-Gefahrenabwehr

8  2 Radiologische und nukleare Gefahren

9 Michael Weigle

10  2.1 Radioaktivität

11  2.2 Strahlungsarten

12  2.3 Wechselwirkung ionisierender Strahlung mit Materie

13  2.4 Wechselwirkung der Radioaktivität mit dem menschlichen Gewebe

14  2.5 Maßeinheiten im Strahlenschutz

15  2.6 Quellen der Strahlenexposition

16  2.7 Auftreten von radiologischen und nuklearen Gefahren in Einsätzen

17  2.8 Strahlenschutz

18  3 Biologische Gefahren

19 Remko Pijnenborgh

20  3.1 Arten biologischer Agentien

21  3.2 Medizinische Mikrobiologie

22  3.3 Auftreten biologischer Gefahrstoffe

23  3.4 Biologische Kampfstoffe

24  3.5 Schutz vor biologischen Gefahren

25  4 Chemische Gefahrstoffe

26  4.1 Gefahreneigenschaften chemischer Stoffe

27  4.2 Einsatzrelevante Eigenschaften von Gefahrstoffen

28  4.3 Beurteilungswerte zur Abschätzung gesundheitlicher Gefahren

29  4.4 Chemische Gefahrstoffe und Güter

30  4.5 Chemische Kampfstoffe und Reizstoffe

31  5 Umwelteinflüsse auf die Ausbreitung von Gefahrstoffen

32  5.1 Wettereinflüsse auf freigesetzte Stoffe

33  5.2 Geländeeinflüsse

34  5.3 Einfluss der Temperatur des freigesetzten Stoffes

35  5.4 Ausbreitungsabschätzung und -berechnung

36  6 Schutzmöglichkeiten vor CBRN-Gefahren

37  6.1 Individualschutz – Persönliche Schutzausrüstung

38  6.2 Atemschutz

39  6.3 Körperschutz

40  6.4 Kollektivschutz

41  6.5 Schutz durch Entfernen aus dem Gefahrenbereich

42  7 Feststellen von CBRN-Gefahren

43  7.1 Der Nachweis von CBRN-Gefahren

44  7.2 Vorgehen beim Nachweis von Gefahrstoffen

45  7.3 CBRN-Probenahme

46  7.4 Wetterbeobachtung

47  7.5 Markieren

48  7.6 Dokumentieren und Melden

49  7.7 Geräte und Mittel zum Nachweis von CBRN-Gefahren

50  8 Die Dekontamination von CBR-Gefahrstoffen

51  8.1 Die Dekontamination in der Gefahrenabwehr

52  8.2 Kontaminationen und ihre Eigenschaften

53  8.3 Gefahren durch Kontaminationen

54  8.4 Dekontamination

55  8.5 Methoden der Ausbringung von Dekontaminationsmitteln

56  8.6 »How clean is clean?« – die Überprüfung des Dekontaminationserfolges

57  9 Führen im CBRN-Einsatz

58  9.1 Die Führungsorganisation in CBRN-Lagen

59  9.2 Der Führungsvorgang in CBRN-Lagen

60  9.3 Führungsmittel

61  10 CBRN-Einsatzmaßnahmen

62  10.1 Vorbereitende/unterstützende Einsatzmaßnahmen

63  10.2 Erstmaßnahmen an der Einsatzstelle

64  10.3 Ergänzende Maßnahmen

65  10.4 Spezielle Maßnahmen

66  10.5 Abschließende Maßnahmen

67  10.6 Maßnahmen zur Unterstützung anderer Behörden

68  10.7 Nachbereitung

69  11 Planung, Durchführung und Auswertung der CBRN-Erkundung

70  11.1 Die Führungsorganisation von CBRN-Erkundungskräften

71  11.2 Vorbereitende Maßnahmen zur CBRN-Erkundung

72  11.3 Planung von CBRN-Erkundungsmaßnahmen

73  11.4 Festlegung der Erkundungsverfahren

74  11.5 Einsatzarten der CBRN-Erkundung: abgesessen und fahrzeuggestützt

75  11.6 Räumliche Festlegung der CBRN-Erkundung

76  11.7 Messung und Probenahme

77  11.8 Erfassung von Wetterdaten

78  11.9 Markieren und Sperren betroffener Gebiete

79  11.10 Melden der Erkundungsergebnisse

80  11.11 Schutz bei der CBRN-Erkundung

81  11.12 Folgemaßnahmen

82  11.13 Abschätzung des Zeitbedarfs für die CBRN-Erkundung

83  11.14 Anzahl, Stärke und Ausstattung der Erkundungsteams

84  11.15 Darstellung und Bewertung der Erkundungsergebnisse

85  12 Planung und Durchführung von Dekontaminationsmaßnahmen

86  12.1 Die Führungsorganisation im Dekontaminationseinsatz

87  12.2 Planung von Dekontaminationsmaßnahmen

88  12.3 Dekontamination von Einsatzkräften unter PSA und ungeschützten Personen

89  12.4 Dekontamination von Geräten, Fahrzeugen und Infrastruktur (Dekon G)

90  12.5 Ermittlung des Zeitbedarfs

91  12.6 Auswahl, Erkundung und Aufbau von Dekontaminationseinrichtungen

92  12.7 Schutz des Personals während der Dekontamination

93  12.8 Abschließende Maßnahmen

94  13 Besondere Einsatzsituationen

95  13.1 Anschläge mit Freisetzung von CBRN-Stoffen

96  13.2 Der Notfallschutz bei Störfällen in kerntechnischen Anlagen

97  13.3 Die Desinfektion im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung

98  13.4 Auslandseinsätze von Hilfsorganisationen in Gebieten mit CBRN-Gefahrenpotenzial

99  14 CBRN-Ausbildung

100  14.1 Rahmenbedingungen der CBRN-Ausbildung

101  14.2 Ausbildungsebenen

102  14.3 Die Planung und Durchführung von CBRN-Ausbildungen

103  14.4 Schadendarstellung

104  14.5 Sicherheitsbestimmungen für die CBRN-Ausbildung

105  Nachwort

106  Literaturverzeichnis

107  Stichwortverzeichnis

Vorwort

Die Kräfte der Gefahrenabwehr sind täglich mit CBRN-Stoffen konfrontiert. Die Bandbreite der Gefährdung kann dabei von kleinräumigen Ereignissen wie Transportunfälle bis hin zu großflächigen Freisetzungen nach Störfällen in der chemischen Industrie oder kerntechnischen Anlagen reichen. Neue Bedrohungen wie die Verwendung von Giftstoffen zur Selbsttötung, die Herstellung von Drogen mit der damit verbundenen illegalen Chemikalienlagerung bis zum Einsatz von chemischen und radioaktiven Gefahrstoffen durch Terrorgruppen, aber auch Geheimdienste sind in den letzten Jahren dazugekommen. Die Ablösung der alten Bezeichnung ABC- durch CBRN-Gefahren ist ein Resultat dieses erweiterten Bedrohungsspektrums. Die Abwehr von CBRN-Gefährdungen gehört zu den Kernaufgaben der Feuerwehren, allerdings müssen auch die Rettungsdienste, das Technische Hilfswerk und die Polizei Aufgaben im CBRN-Schutz wahrnehmen können.

Ziel des Buches ist es, Führungskräfte ab Zug-Ebene, im CBRN-Schutz tätige Einsatzkräfte und die Experten in den Stäben der Gefahrenabwehr bei der Planung und Durchführung von CBRN-Einsätzen zu unterstützen. Dazu wird ein Überblick über die naturwissenschaftlichen Grundlagen und die technischen Möglichkeiten der Gefahrenabwehr gegeben und die Umsetzung in Einsatzmaßnahmen detailliert beschrieben. Neben der Auswertung der zahlreichen in der Bundesrepublik und den Bundesländern existierenden Vorschriften und Regelungen zum CBRN-Schutz sind auch die Kenntnisse aus der Mitarbeit in nationalen und internationalen Fachgremien und der langjährigen praktischen Erfahrung der Autoren bei CBRN-Einsätzen eingeflossen.

Aufgrund des Umfangs und der Komplexität der Thematik konnten manche Gebiete, wie die Gefährdung durch Sprengstoffe oder der Einsatz bei großflächigen B-Lagen, nur angeschnitten werden.

Danksagung:

Bei der Entstehung dieses Fachbuchs haben viele Fachleute beratend, korrigierend und ermutigend mitgewirkt. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen des Vorworts sprengen, deshalb soll hier allen Beteiligten auf das herzlichste gedankt werden.

1 Von der CBRN-Gefahr zum CBRN-Schutz
1.1 Das CBRN-Gefahrenpotenzial

Das CBRN-Gefahrenpotenzial umfasst alle CBRN-Bedrohungen natürlichen und zivilisatorischen Ursprungs. Bei den natürlichen CBRN-Bedrohungen stehen besonders die biologischen Gefahren im Vordergrund. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Bedrohung durch Krankheitserreger aufgrund der erhöhten globalen Mobilität der Menschen und durch klimatische Veränderungen zunehmen wird. Die zivilisatorischen CBRN-Gefahren lassen sich in das zivile/industrielle Gefahrenpotenzial und militärische CBRN-Gefahren (zumeist synonym für Massenvernichtungswaffen) unterteilen. Die zivilen Gefahren sind die Folge von Produktion, Transport und Gebrauch radiologischer, biologischer und chemischer Gefahrstoffe sowie der Nutzung der Kernenergie.

Die militärische Bedrohung war in der Vergangenheit auf den Einsatz von ABC-Kampfmitteln in einem Krieg beschränkt. Heute steht die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen (Proliferation) und der zur Produktion erforderlichen Technologien in Verbindung mit dem internationalen Terrorismus im Fokus. Die daraus resultierende so genannte asymmetrische Bedrohung durch einen möglichen CBRN-Einsatz seitens terroristischer Gruppen und Einzeltäter führt zu einer Verwischung der Grenze zwischen zivilen und militärischen CBRN-Gefahrenpotenzialen.

Asymmetrische CBRN-Gefahren

Terrorgruppen können aufgrund ihrer begrenzten militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten keinen offenen Schlagabtausch mit einem industriell entwickelten Staat wagen. Daher weichen Terroristen auf zivile Ziele aus, mit der Absicht symbolträchtige Orte zu treffen und/oder eine hohe Zahl an Opfern zu verursachen. In der Vergangenheit haben Einzeltäter, Geheimdienste und terroristische Gruppen bereits CBR-Stoffe für Anschläge und gezielte Attentate genutzt (nukleare Einsatzmittel wurden aus diesem Spektrum noch nicht zum Einsatz gebracht).

Aktuell wird davon ausgegangen, dass CBRN-Stoffe weiterhin im Focus von Terrorgruppen stehen, besonders vor dem Hintergrund der medialen Wirkung von Anschlägen mit Gefahrstoffen. Deshalb rechnen Experten langfristig mit der Zunahme des Risikos einer terroristischen CBRN-Nutzung. Allerdings lässt der erhebliche Verfolgungsdruck auf diese Gruppen ein eigenes CBRN-Entwicklungsprogramm kaum zu. Aufgrund der technischen Herausforderungen wird deshalb die Wahrscheinlichkeit einer terroristischen Verwendung nuklearer Einsatzmittel als sehr gering erachtet. Auch der Einsatz biologischer Gefahrstoffe erscheint eher unwahrscheinlich, da eine erfolgreiche Ausbringung (Dispersion) nur schwierig zu bewerkstelligen ist. Eher ist die Nutzung toxischer Industriechemikalien oder radioaktiver Quellen, z. B. aus Abfällen, zu erwarten, deren Beschaffung einfacher möglich ist.

Vor diesem Hintergrund der gewandelten Bedrohungslage führt die Rahmenkonzeption für den CBRN-Schutz die folgenden CBRN-Szenarien als Planungsgrundlage für den Bevölkerungsschutz auf:

Auftreten von CBR-Gefahrstoffen natürlichen Ursprungs (z. B. Epidemien),

Freisetzung von industriell genutzten CBRN-Gefahrstoffen,

Transportunfälle in Verbindung mit Gefahrstoffen,

Freisetzung von CBRN-Kampf- oder Gefahrstoffen durch militärische Angriffe oder terroristische Anschläge.

1.2 Von der Gefahr zum Risiko

Das Vorhandensein einer CBRN-Gefahr besitzt für sich noch keine Aussagekraft bezüglich der von ihr ausgehenden tatsächlichen Auswirkungen. Dies erfordert eine Abschätzung des zu erwartenden Schadenumfangs in einem Ereignisfall und deren Korrelation mit der Eintrittswahrscheinlichkeit. Daraus ergibt sich das Risiko, an dem sich die Planung des Bevölkerungsschutzes orientiert. Dieser Planung liegt das Schutzziel der Begrenzung, Eindämmung und Beseitigung von Gefahrenquellen, die von CBRN-Stoffen ausgehen, zugrunde.

Der CBRN-Schutz steht vor der Herausforderung, auf die gesamte Bandbreite der Bedrohungsszenarien vorbereitet zu sein, die von der unfallbedingten Freisetzung von Schadstoffen mit geringer Gefährlichkeit und kleinräumiger Beeinträchtigungen, über schwere Unglücksfälle bis hin zu einer militärischen Auseinandersetzung unter Einsatz von Massenvernichtungswaffen reichen. Da ein alle Bedrohungsbilder umfassendes Sicherheitssystem flächendeckend nicht bereitgehalten werden kann, ist es erforderlich, für den CBRN-Schutz auf Basis einer Risikoanalyse Schwerpunkte zu bilden. Industrieanlagen und Lagerstätten sind hinsichtlich des Ortes und des Gefahrstoff-Inventars bekannt, was eine detaillierte Abschätzung der möglichen Auswirkungen von Störfällen ermöglicht.

Die terroristischen Anschläge der vergangenen Jahre haben vorrangig in Ballungszentren stattgefunden. Hierbei dürfte auch das beabsichtigte Medieninteresse eine Rolle spielen. Zwar ist es durchaus denkbar, dass Attentäter aufgrund eines erhöhten Fahndungsdrucks in Ballungsräumen ein Ausweichen auf Ziele in Sekundärzentren planen, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hier deutlich geringer. Problematisch sind dagegen Ereignisse, die räumlich nur schwer vorhersehbar sind. Darunter fallen beispielsweise Transportunfälle oder mögliche Freisetzungen während der Anwendung durch die industriellen Endnutzer. Diese Einsatzsituationen machen die Verfügbarkeit von Kräften zur Bewältigung von CBRN-Lagen auch in der Fläche erforderlich.


Bild 1: Das Risiko als Funktion der Auswirkungen von CBRN-Ereignissen in Relation zur deren Eintrittswahrscheinlichkeiten (Quelle: Benjamin Hövel)

Die Notwendigkeit der flächendeckenden Verfügbarkeit zeigt sich in der Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), die für das Jahr 2016 insgesamt 7.269 meldepflichtige Arbeitsunfälle unter Beteiligung gefährlicher Stoffe ausgewiesen hat (https://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/12643-au-statistik-2016.pdf). Zwar ist diese Zahl, verglichen mit mehr als 802.000 Arbeitsunfällen, insgesamt eher bescheiden, allerdings nehmen Gefahrstofffreisetzungen bei den Unfallereignissen, die zu einem Massenanfall von Verletzten (MANV) führen, mit einem Anteil von 25 bis 30 Prozent eine Spitzenstellung in den Statistiken der Rettungsdienste ein.

1.3 Maßnahmen der Risikominimierung

Auf der Basis einer Analyse der vorliegenden Gefahren und der unterschiedlichen Schadenauswirkungen können Möglichkeiten abgeleitet werden, die zu einer Minimierung der daraus resultierenden Gefährdung geeignet sind. Der CBRN-Schutz baut auf der Abwehr »konventioneller« Gefahren auf. Dazu sind die bestehenden Vorbereitungen, wie Maßnahmen zur Warnung der Bevölkerung, durch spezifische Fähigkeiten zum Schutz vor CBRN-Gefahren zu ergänzen. Dies sind:

das Erkennen und Beurteilen von CBRN-Bedrohungen und die Umsetzung in Maßnahmen der Gefahrenabwehr,

das Generieren eines CBRN-Lagebildes durch Ausbreitungsprognosen und Gewinnung von Hintergrundinformationen,

der Schutz der Einsatzkräfte und der Bevölkerung vor der Einwirkung durch Gefahrstoffe, beispielsweise durch die Persönliche Schutzausrüstung (PSA),

die Beseitigung von aufgetretenen CBRN-Gefahrenquellen,

die Gefahrenfeststellung durch CBRN-Erkundung,

die Dekontamination,

Maßnahmen des gesundheitlichen CBRN-Schutzes einschließlich der psychosozialen Betreuung,

die Information der Öffentlichkeit über die aufgetretene Gefährdung und die zu ihrer Abwehr getroffenen Maßnahmen.

1.4 Der Prozess der Abwehr von CBRN-Gefahren

Die Gefahrenabwehr kann als Prozess betrachtet werden, der sich in drei Segmente unterteilt:

Prävention und Vorbereitung,

Bewältigung und

Nachbereitung.

1.4.1 Prävention und Vorbereitung

Unter Prävention fallen alle Maßnahmen, die darauf abzielen, mögliche Bedrohungen bereits im Vorfeld auszuschließen bzw. zu minimieren, bevor diese sich auswirken können. Das Präventionsprinzip ist in der Abwehr ziviler CBRN-Gefahren fest etabliert. Darunter lassen sich unter anderem die Regelungen des Arbeitsschutzes und der Anlagensicherheit sowie deren Überwachung im Rahmen der behördlichen Aufsicht zusammenfassen. Zur Prävention können auch die internationalen Bemühungen zur Verringerung einer Gefährdung durch Massenvernichtungswaffen gezählt werden. Besondere Bedeutung kommt der Überwachung der Nichtverbreitung von CBRN-Waffen, deren Herstellungstechnologie und deren Trägermittel zu.

Bild 2: Der Prozess der Gefahrenabwehr (Quelle: Benjamin Hövel)

Auf Ebene der NATO wird der Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen eine große Bedeutung beigemessen. In der Vergangenheit wurden wiederholt auch aktive Präventionsmaßnahmen ergriffen, die sich von der Durchsetzung von Embargos bis hin zur Zerstörung von Produktionseinrichtungen erstreckten.

Innerstaatlich fällt unter Prävention auch die polizeiliche Ermittlungsarbeit, um die Vorbereitung und Durchführung von terroristischen oder kriminellen Anschlägen zu verhindern. Allerdings können präventive Maßnahmen nicht alle Gefährdungen ausschließen. Das verbleibende Restrisiko zwingt zur Vorbereitung von Schutzmaßnahmen. Dazu gehört die Ausbildung der Gefahrenabwehrstäbe und CBRN-Einheiten anhand realistischer Lagebilder. Um auch in einer CBRN-Lage handlungsfähig zu sein, sollten keine neuen Strukturen und Prozesse etabliert werden, sondern bereits in der alltäglichen Gefahrenabwehr bewährte Verfahren der Führung und Zusammenarbeit Anwendung finden.

Die Zusammenarbeit der Kräfte unterschiedlicher Organisationen und Befähigungsstufen erfordert regelmäßiges gemeinsames Üben, um im Einsatzfall eine verzugslose Integration überörtlicher Spezialkräfte in die örtliche Gefahrenabwehr sicherzustellen. Die Einheiten der CBRN-Gefahrenabwehr und die Führungseinrichtungen sind durch die Bereitstellung von professioneller CBRN-Beratung und wissenschaftlicher Fachexpertise zu unterstützen. Deren Nutzung ist bereits im Vorfeld zu planen und bei Übungen einzubeziehen. Die Bewältigung großflächiger CBRN-Lagen erfordert die Zusammenarbeit unterschiedlicher Behörden und Hilfsorganisationen und kann die Kooperation über Ländergrenzen hinweg notwendig machen. Besonders der Anwendung gleicher Standards bei der Beurteilung der Lage kommt eine große Bedeutung zu. Um die erforderliche Kompatibilität zu erzielen, wurden durch Bund und Länder bereits verschiedene Regelungen, wie die Feuerwehrdienstvorschrift 500 – Einheiten im ABC-Einsatz –, gemeinsam erarbeitet. In Zuge der abgestimmten Vorbereitung ist auch die Information der Bevölkerung (und der Einsatzkräfte) hinsichtlich möglicher Risiken und der geplanten Schutzmaßnahmen vorzubereiten.

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Age restriction:
0+
Release date on Litres:
18 December 2025
Volume:
409 p. 199 illustrations
ISBN:
9783170331990
Publishers:
Copyright Holder::
Bookwire
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