Read the book: «Rhinitis acuta - oder einfach Schnupfen»

Information zur Form der Schreibweise: Zur besseren Lesbarkeit wird im Buch die männliche Form (der Arzt, der Patient usw.) verwendet. Alle Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beide Geschlechter.
Originalausgabe
1. Auflage 2019
Verlag Komplett-Media GmbH
2019, München/Grünwald
www.komplett-media.de
ISBN E-Book: 978-3-8312-7006-4
ISBN Print: 978-3-8312-0535-6
Lektorat: Redaktionsbüro Diana Napolitano, Augsburg
Korrektorat: Korrektorat & Lektorat Judith Bingel M.A.
Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München
Satz und E-Book: Daniel Förster, Belgern
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Haftungsausschluss und allgemeiner Hinweis: Die in diesem Buch dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung von diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens!
Inhalt
Vorwort
Dr. Google – immer zur Stelle
Tipps zum Umgang mit Dr. Google
Medizinerdeutsch ohne Dr. Google – so geht’s!
Grundlagen
Präfixe und Suffixe – fix gelernt und fix gewusst
Häufig verwendete Begriffe in der Medizin von A bis Z
Basics, bevor es zum Arzt geht
Rechte eines Patienten
Behandlungsfehler
Meist beginnt alles ambulant
Die Sprechstunde
Was erwartet mich?
Beispiele aus der Sprechstunde
Arzneimittel und ihre Beipackzettel
Namenszusätze
Apparative Diagnostik
Die Vitalparameter
Die Blutuntersuchung
Blutwerte
Kleines Blutbild
Großes Blutbild (Kleines Blutbild + Differenzialblutbild)
Die Blutgerinnung (Blutstillung oder Hämostase)
Die Entzündungswerte
Elektrolyte
Spurenelemente
Fettstoffwechsel
Zuckerstoffwechsel
Hormonsystem
Weitere Hormone
Nierenwerte
Harnsäure
Leberwerte
Bauchspeicheldrüsenwerte
Herzwerte
Blutkulturen
Andere Substanzen
Andere diagnostische Verfahren
In der Kürze liegt die Würze
Gängige Abkürzungen
Lagebezeichnungen
Der Facharzt
Von Kopf bis Fuß – Begriffe auf einen Blick
Kopf
Brustkorb
Bauch- und Beckenbereich
Der Bewegungs- und Stützapparat
Die Haut
Der Krankenhausaufenthalt
Aufnahmetag
Aufstehen
Visite
Entlassung
Shared Decision-Making – zusammen besser
Literatur
Vorwort
Willkommen im Klub der Patienten
Patient ist man von Anfang an. Bereits als Neugeborenes wird man regelmäßig ärztlich untersucht – aber man erinnert sich nicht daran und hat vielleicht noch vage Erinnerungen an Impftermine im Kindesalter. Im Jahr 2006 änderte sich dies in meinem Fall. »Diagnose: Diabetes mellitus Typ 1« stand auf dem Arztbrief nach einem zweiwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus. Plötzlich war ich Patientin und gehe seitdem alle drei Monate zum Diabetologen und einmal jährlich zum Augenarzt.
Wie ich danach Ärztin wurde
Ich komme aus keiner Arztfamilie, im Prinzip gibt es in meiner Familie nicht mal annähernd jemanden, der medizinisch tätig ist. Die Idee, Humanmedizin zu studieren, war ein Mix aus einer grundlegenden Neugier auf die Funktionsweise des menschlichen Körpers, zu vielen Arztserien wie »Grey’s Anatomy« und »Dr. House«, meinen regelmäßigen Arztbesuchen, die mich automatisch mit der Medizin konfrontierten, und der generellen Lust, mit Menschen zu arbeiten, ihnen zu helfen und vor allem im Bereich der inneren Medizin tätig zu werden.
Warum dieses Buch?
»Sie haben Diabetes mellitus Typ 1 – eine Autoimmunerkrankung, bei der das Pankreas durch Autoantikörper seine Funktion verliert und kein Insulin produziert«, so die Ärzte bei Diagnosestellung.
Das Pankre-was? Insulin? Was habe ich jetzt genau? Ich traute mich nicht nachzufragen, da sich alles sehr selbstverständlich anhörte und ich dachte, dass ich das wahrscheinlich hätte wissen müssen. Ja, so fühlt man sich häufiger als Patient und es ist kein schönes Gefühl. Dabei ist die aktive Mitbeteiligung des Patienten rund um seine Gesundheit das primäre Ziel und dafür ist eine verständliche Kommunikation unabdingbar.
Wie kommt es dazu, dass Ärzte so oft in ihrer Fachsprache sprechen?
Bereits während des Medizinstudiums begleitet man Ärzte auf Visiten oder ist bei Sprechstunden dabei und auch damals stand ich als Studentin häufig daneben und habe aus dem ärztlichen Gespräch nicht alles verstehen können.
Man muss sich das vorstellen, wie wenn man eine Fremdsprache lernt. Zu Hause Vokabeln auswendig lernen und ab und an mal anwenden ist vielleicht grundlegend gut, aber man muss eigentlich erst einmal in demjenigen Land gewesen sein, um das richtige Feeling für die Fremdsprache zu bekommen.
So lernt man als Medizinstudent zunächst vieles auswendig, ohne dass man es regelmäßig anwendet. Während des Studiums, aber vor allen Dingen danach, ändert sich dies, da man immer mehr in die Medizinwelt eintaucht, tagtäglich mit all den Begrifflichkeiten umgeben ist, sie selbst verwendet und so eine Selbstverständlichkeit entsteht, die im Arzt-Patienten-Gespräch ihren Lauf nimmt.
Nehmen Sie es also Ihrem Arzt nicht allzu übel, wenn er mit Worten um sich schmeißt, die wie eine Fremdsprache klingen. Ich selbst habe mich in der Visite als Ärztin auch schon mal dabei ertappt, Medizinerdeutsch zu sprechen, und glauben Sie mir, man merkt es nicht sofort und man beabsichtigt es auch nicht.
Wozu also dieses Buch? Um Klarheit zu schaffen, um eine gute Basis in der Arzt-Patienten-Kommunikation zu unterstützen und um Patienten, also SIE, mit genügend Informationen zu versorgen – all das gab mir Anlass, dieses Buch zu schreiben. Schön, dass Sie dieses Buch jetzt in den Händen halten – reisen wir nun gemeinsam in das Land des Gesundheitswesens und lernen die Sprache der Medizin kennen!
Dr. Google – immer zur Stelle
Fangen wir mit einem sehr beliebten Arzt in Deutschland an: Dr. Google ist der Arzt, dem die Patienten vertrauen. Er steht im täglichen 24-Stunden-Dienst Rede und Antwort bei Beschwerden und medizinischen Fragen, übersetzt fleißig medizinische Fachbegriffe und bietet eine Bandbreite an vielen Informationen und Austauschmöglichkeiten.
Die Recherche auf medizinischen Informationsseiten und in Foren ist nichts Neues in der Welt der Medizin. Rund zwei Drittel der Deutschen informieren sich im Internet vor dem Gang zum Arzt, ungefähr genauso viele suchen nach dem Arztbesuch online nach detaillierteren Informationen zu ihrer Diagnose. So werden unter anderem Behandlungsmöglichkeiten und ärztliche Empfehlungen überprüft, Erfahrungen anderer Patienten gelesen und nach Expertenwissen für Laien gesucht.
Dr. Google hat rund um die Uhr Sprechstunde, auch abends oder nachts, wenn einem etwas am Körper auffällt oder plötzlich Beschwerden eintreten und man nicht weiß, woher diese stammen. Wie sich oft herausstellt, ist diese Sprechstunde nicht immer und für jeden die allerbeste Wahl. Für ein Beispiel machen wir kurz einen Abstecher in die Notaufnahme:
Die Vielfalt der Medizin bildet sich in einer Notaufnahme relativ gut ab. Es kann drunter und drüber gehen, hektisch sein, schnelles Handeln erfordern. Patienten von jung bis alt stellen sich mit den verschiedensten Beschwerden vor, auch so manch ein Google-Patient saß mir schon gegenüber.
Eines Nachts kam während meiner Dienstzeit eine Patientin in Angst versetzt in die Notaufnahme. Sie hatte ihre Selbstdiagnose dank einer Internetrecherche schon gestellt und drückte mir einen Zettel in die Hand. »Das habe ich wohl, ich konnte mir den Begriff nicht merken und weiß nicht, wie man den ausspricht.«
Auf dem Papier stand »Dengue-Fieber«. Auf Nachfrage berichtete sie weiter: »Ich bin seit einer Woche erkältet, hatte in den ersten zwei Tagen Fieber und Gliederschmerzen und nun habe ich heute Abend einen Mückenstich am Bein bemerkt, wo ich nicht weiß, wie lange ich diesen schon habe. Im Internet stand, dass das tödlich enden kann, ich konnte mich nicht beruhigen und nicht mehr schlafen.«
Wenn man bei Google die Begriffe »Fieber« und »Mückenstich« eingibt, so stößt man tatsächlich schnell auf diese Viruserkrankung, welche durch Stechmücken in tropischen und subtropischen Regionen übertragen werden kann. Auf Reisen war die Patientin zuletzt nicht. »Aber da stand, dass es auch in Europa vorkommen kann!« Es erfolgte eine Untersuchung mit Blutabnahme. Im Blut zeigte sich die Testung auf tropische Erkrankungen negativ, die Entzündungszeichen waren minimal erhöht, der Rest der Befunde war unauffällig – schlussendlich handelte es sich um einen grippalen Infekt, der bereits in der Ausheilungsphase war.
Nicht immer stößt man also auf das Richtige bei der Suche nach der Diagnose, was zu Beunruhigung und Unsicherheit führen kann. Einige gehen aufgrund von Besorgnis und Angst um ihre Gesundheit zum Arzt, wo sich häufiger herausstellt, dass nichts Krankhaftes hinter den Beschwerden steckt.
Lassen Sie sich jedoch auch nicht sofort von einem Arztbesuch abbringen, wenn Sie Beschwerden haben und diese laut Ihrer Internetrecherche harmlos erscheinen oder von selbst verschwinden sollten. Sie können damit gesundheitliche Folgen riskieren, indem sich der Gesundheitszustand im weiteren Verlauf verschlechtert, weil eine erforderliche Therapie nicht rechtzeitig eingeleitet worden ist.
All die Recherchen und vor allem die Informationsfülle kann so manch einen überfordern, denn woher die Informationen stammen und wie gut sie sind, ist vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Häufig weiß man am Ende nicht, was man hat, und wenn man laut Recherche etwas hat, dann kann man an nichts anderes mehr denken. Man fängt an, in sich hineinzuhorchen, und alles wird noch schlimmer. Wenn bei Ihnen also sowieso schon Tendenzen zum Hypochonder bestehen, dann sollten Sie die Suchmaschine lieber gar nicht erst benutzen. Nicht umsonst kursiert bereits der Begriff »Cyberchondrie«, welcher das Googeln von Beschwerden und damit verbunden das Einbilden von schweren Erkrankungen zusammenfasst.
Entscheidungen im Hinblick auf eigene Gesundheitsfragen sollte man also sicherlich nicht nur in die Hände von Dr. Google legen, aber grundsätzlich ist es nicht verkehrt, sich zu informieren. Informieren Sie sich bei Bedarf vor und nach einem Arzttermin, hinterfragen Sie die Informationen aus dem Netz aber auch kritisch und sprechen Sie bei Unsicherheiten mit Ihrem Arzt darüber. Das Beschäftigen mit der eigenen Gesundheit kann sich schließlich positiv auf die Behandlung auswirken, da Sie gewissenhafter mit Ihrer Gesundheit umgehen und informiert bleiben.
Tipps zum Umgang mit Dr. Google
Dr. Google kann dem Serienarzt Dr. House auch manchmal ziemlich ähnlich sein, wenn er die seltensten Erkrankungen bei Ihnen diagnostiziert. Doch meist ist alles harmloser, als es erscheint.
Wenn Sie nach etwas suchen sollten, dann wählen Sie die Begriffe so spezifisch wie möglich. Je mehr Schlagworte Sie benennen, desto spezifischere, auf Ihre Beschwerden abgestimmte Ergebnisse werden Ihnen geliefert.
Aufgepasst: Die Ergebnisse sind aber nicht nach inhaltlicher Qualität oder Relevanz sortiert. Durch verschiedene Algorithmen sortiert die Suchmaschine nicht das am häufigsten vorkommende Schlagwort, sondern zeigt durchaus auch Treffer ganz oben an, welche seltene Erkrankungen betreffen.
Teilweise kommen über Tausende an Treffern heraus, wo also zunächst herausgefiltert werden muss, welcher möglichst seriöse und richtige Informationen liefert. Man sollte stets bedenken, dass das erste Ergebnis, das oben in der Liste auftaucht, nicht gleichzeitig das beste ist. Das ist der Punkt, an dem man vor einer der schwierigsten Aufgaben steht – nämlich herauszufinden, welche Webseite gute Gesundheitsinformationen anbietet. Im Impressum der jeweiligen Seiten kann man häufig nachlesen, von wem die Informationen stammen. Sind es Experten, Mediziner oder öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise Bundesämter? Dann kann man diesen Informationen in den meisten Fällen vertrauen.
Wichtig ist, dass Sie Ihrem Arzt im Gespräch offen berichten, was Sie beschäftigt, was Sie nachgelesen haben, wo Sie Bedenken haben. Die Aufklärung des Patienten und der gezielte Einsatz bestimmter Informationsquellen aus dem Internet gehören heute zum Alltag eines Arztes dazu. Das Internet ist unübersichtlich und gerade deswegen braucht der Patient die Kompetenz des Arztes, um die richtigen Entscheidungen hinsichtlich der eigenen Gesundheit zu fällen.
Medizinerdeutsch ohne Dr. Google – so geht’s!
Wie kommen die Sprache und all diese Begriffe überhaupt zustande?
Der medizinische Wortschatz umfasst etwa 200.000 Begriffe. Die Worte stammen aus dem Lateinischen und Griechischen, wobei modernere Begriffe auch aus dem Englischen und Französischen kommen.
Direkt zu Beginn des Medizinstudiums gibt es das Fach »Medizinische Terminologie«, wo der medizinische Fachwortschatz gelehrt wird, um die fachsprachliche Kommunikation zu ermöglichen und so eine eindeutige Informationsvermittlung zu gewährleisten. Man lernt die Medizin direkt mit ihren Fachwörtern kennen, das Erklären dieser für Laien wird einem jedoch nicht beigebracht, weswegen sich viele Ärzte mit »einfachen Worten« dann auch schwertun.
So ist den meisten Ärzten irgendwann gar nicht bewusst, dass sie mit all den Fachwörtern in Rätseln sprechen. Aus Bluthochdruck wird Hypertonus, aus Schnupfen Rhinitis.
Das Entziffern von Arztberichten und Befunden ist für Patienten ohne Dr. Google nur schwer möglich. Aber warum das Internet durchforsten, wenn man doch eigentlich den Arzt fragen kann!
Ja, ja, einfacher gesagt als getan, und wenn getan, dann meist ohne das gewünschte Ergebnis, denn im Gespräch tauchen neue Fachwörter auf und die Fragezeichen häufen sich. Jetzt kommen wir also hier zusammen, an dem Punkt, wo der Patient dem Arzt und sich selbst entgegenkommt. Denn nichts ist wichtiger, als dass der Patient, also Sie, gut informiert ist und zusammen mit dem Arzt Entscheidungen im Hinblick auf seine Gesundheit treffen kann – und ja, es geht nämlich (fast immer) auch einfacher, wenn es heißt: »Rhinitis acuta – oder einfach Schnupfen«!
Grundlagen
Die Entschlüsselung der mystisch klingenden Worte ist nicht immer ganz so schwer, wenn man sich anschaut, wie diese überhaupt zustande kommen. Wir wollen jetzt keinen Latein- oder Griechischkurs belegen, aber einige grundlegende Dinge helfen schon, um sich einiges selbst zu erschließen. Wenn man diese einmal verstanden hat, erleichtert es einiges im Nachhinein, und man muss sich nicht jedes Mal mit dem Internet oder Fachwörterbuch herumschlagen.
Präfixe und Suffixe – fix gelernt und fix gewusst
Es hört sich komplizierter an, als es ist: Präfixe sind Vorsilben und entsprechen dem Teil eines Wortes, der am Anfang steht. Aus diesen kann man auf bestimmte Dinge schließen, wenn man eine gewisse Vorstellung hat, was diese bedeuten.
| Präfix/Vorsilbe | Bedeutung | Beispiele |
| a- | Verneinung, Fehlen von | Anurie: keine Harnabsonderung |
| anti- | gegen | Antitoxin: Gegengift |
| ek-/ex- | aus, heraus | Ektomie: Herausschneiden (operative Entfernung)Exsudat: Flüssigkeitsaustritt aus den Gefäßen |
| en-/em- | in, hinein | Empyem: Eiter in einer KörperhöhleEnzephalitis: Gehirnentzündung |
| in-/il-/im-/ir- | ein, hinein, un- | Infarkt: GefäßverschlussImmunität: Unempfindlichkeit gegenüber Krankheitserregern |
| ob- | gegen, entgegen | Obstipation: StuhlverstopfungObstruktion: Verschluss eines Hohlorgans |
| hyper- | über (die Norm hinaus) | Hypertonie: erhöhter BlutdruckHyperglykämie: Überzuckerung |
| hypo- | unter (der Norm), unterhalb | Hypoglykämie: Unterzuckerung |
| poly- | viel (mehr als die Norm) | Polyurie: vermehrte Harnausscheidungpolymorph: vielgestaltig, in verschiedenen Formen vorhanden |
Suffixe findet man hinten, es sind die Endsilben, und dies sind die häufigsten:
| Suffix/Endsilbe | Bedeutung | Beispiele |
| -itis | Entzündung | Bronchitis: Entzündung der BronchienGastritis: MagenentzündungRhinitis: Entzündung der Nasenschleimhaut |
| -ose | krankhafter, lang andauernder Zustand/chronische Erkrankung | Arteriosklerose: ArterienverkalkungMukoviszidose: auch »zystische Fibrose« genannt – nicht heilbare Stoffwechselstörung mit Bildung von zähem Schleim |
| -ie/-ia | krankhafter Zustand | PneumonieHämaturie |
| -om(a) | gut- oder bösartige Geschwulst | Lipom: gutartige FettgeschwulstOsteosarkom: bösartiger KnochentumorMammakarzinom: Brustkrebs |
| -pathie | chronisches Leiden, allgemeine Bezeichnung für »Erkrankung« | Hepatopathie: LebererkankungNephropathie: NierenerkrankungChondropathie: Erkrankung eines Gelenkknorpels |
| -iasis | Krankheitszustand im Sinne von »voll von etwas sein« | Psoriasis: SchuppenflechteCholelithiasis: GallensteinleidenNephrolithiasis: Nierensteinleiden |
Keine Regeln ohne Ausnahmen! Wie wir es vielleicht schon aus dem Fremdsprachenlernen kennen, gibt es immer Ausnahmen. Die Pneumonie ist beispielsweise eine Lungenentzündung, von »-itis« ist hier zum Beispiel keine Spur.
Häufig verwendete Begriffe in der Medizin von A bis Z
Es gibt Begriffe, die bekommen Sie meist nur in den jeweiligen Fachabteilungen zu hören, andere wiederum, derer sich jeder Arzt bedient. Auf geht’s ans Vokabellernen, damit Sie mit dem nächsten Mediziner auf Augenhöhe sprechen können.
Ablatio
operative Entfernung
Abszess
abgekapselte Eiteransammlung, meist bakteriell bedingt
Abusus
Missbrauch von Genussmitteln wie Alkohol, Nikotin, Drogen oder von Arzneimitteln
Adaptation
Anpassung (bspw. der Medikamentendosis oder des Auges an bestimmte Helligkeitsgrade)
adäquat
angemessen, entsprechend
Adenom
gutartige Geschwulst, die von Drüsengewebe ausgeht
Adhäsion
Anhaftung oder Verwachsung
Adipositas
Übergewicht, Fettleibigkeit
aerob
Sauerstoff brauchend
afebril
fieberfrei
akut
plötzlich einsetzend, schnell verlaufend, meist von kurzer Dauer
Algesie
Schmerzempfindung, Schmerzempfindlichkeit
alimentär
durch die Nahrung bedingt, ernährungsbedingt
Allergie
Reaktion des Abwehrsystems auf bestimmte Stoffe und Reize (bspw. Pollen oder Wespengift)
alternierend
wechselnd (bspw. wechselnde Beschwerden)
ambulant
medizinische Versorgung außerhalb eines Krankenhauses
anaerob
lebensfähig ohne Sauerstoff
Analgesie
Aufhebung der Schmerzempfindung
Anämie
Blutarmut
Anamnese
Zusammenfassung des Gesundheitszustandes mit aktuellen Beschwerden eines Patienten
Anästhesie
medikamentöse Betäubung
Anschlussheilbehandlung
Rehabilitationsmaßnahme im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt
antibakteriell
gegen Bakterien gerichtet
Antibiogramm
Testung auf Bakterien und ihre Empfindlichkeit gegen bestimmte Antibiotika vor Beginn einer gezielten antibiotischen Therapie
antiseptisch
keimtötend
antiviral
gegen Viren gerichtet
Applikation
Verabreichung oder Anwendung (von Medikamenten)
appliziert
verabreicht, angewendet
Areal
Bereich
asymptomatisch
kein Vorhandensein von Beschwerden
Ausscheidungen
bspw. Urin, Stuhl
Ausstrahlung
Schmerzen werden von einem Körperbereich in einen anderen weitergeleitet
bakteriostatisch
Bakterien hemmend
bakterizid
bakterienabtötende Wirkung
benigne
gutartig
Biopsie
Gewebsentnahme zur mikroskopischen Untersuchung
BMI
Body-Mass-Index, Richtwert zur Beurteilung des Verhältnisses von Körpergewicht zu Körpergröße
Bolus
Bissen, Klumpen; auch: auf einmal injiziertes Medikament
chronisch
über längere Zeit andauernd
circadianer Rhythmus
biologisch gesteuerte Tagesperiodik
Compliance
Bereitschaft des Patienten zur Zusammenarbeit mit dem Arzt; Therapietreue des Patienten; zuverlässige Einnahme der Medikamente
Defäkation
Darmentleerung, Stuhlgang
Degeneration
Verfall, Rückbildung von Zellen, Geweben oder Organen mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit
degenerativ
zum Verfall führend
Dehydratation
Austrocknung, Wassermangel des Körpers
Dekontamination
Beseitigung einer Verunreinigung, Entseuchung
Desinfektion
Entkeimung, Abtötung oder Inaktivierung von Keimen
Detoxikation
Entzug, Entgiftung des Körpers
Diarrhö
Durchfall
Dilatation
Erweiterung, Ausdehnung
Disposition
Veranlagung, Krankheitsbereitschaft
Dolor
Schmerz
Drainage
Ableitung von Wundabsonderungen und Flüssigkeitsansammlungen im Körper durch Einlegen eines Schlauchs
Ductus
Gang, Kanal
dysmorph
fehlerhaft entwickelt
Dysplasie
Fehlbildung oder Fehlentwicklung eines Organs
Dystrophie
Ernährungsstörung eines Gewebes, Organs oder des gesamten Organismus mit Nährstoffen
Ektomie
vollständige operative Entfernung eines Organs
ektop
Vorkommen eines Gewebes an einer für das Gewebe nicht typischen Stelle
Emesis
Erbrechen
endogen
körpereigen, selbst
Epidemie
Seuche, Infektionskrankheit, die plötzlich zeitlich und räumlich begrenzt auftritt und viele Menschen befällt
Epikrise
Abschlussbericht eines Arztes über den Verlauf einer Erkrankung
Eradikation
vollständige Beseitigung einer Krankheit oder eines Erregers (bspw. Tripeltherapie gegen den Magenkeim Helicobacter pylori)
Erreger
Mikroorganismen, die Krankheiten verursachen wie Viren, Bakterien oder Pilze
Euphorie
gehobene Stimmung
Exazerbation
Verschlimmerung, Steigerung einer Krankheit
Exkretion
Ausscheidung
exogen
durch äußerliche Einflüsse bedingt, von außen in den Körper eindringend
exokrin
bei Drüsen nach außen absondernd, zum Beispiel Schweißdrüsen
Exsikkose
Austrocknung des Körpers durch starken Flüssigkeitsverlust
Exsudat
entzündlich bedingter Austritt von Flüssigkeit und Zellen aus den Blut- und Lymphgefäßen
Extension
Streckung, Zug, z.B. bei Knochenbrüchen
extrakorporal
außerhalb des Körpers liegend oder ablaufend
fakultativ
wahlweise, gelegentlich
Fäzes
Kot
Fieber
Erhöhung der Körperkerntemperatur auf über 38 Grad Celsius; Ausdruck einer systemischen Entzündungsreaktion
Fistel
abnormer Verbindungsgang zwischen einem Organ und der Körperoberfläche oder zwischen zwei oder mehreren Organen
Flatulenz
Abgang von Darmgasen, Blähungen
Flush
anfallsweise auftretende Hitzewallung des Oberkörpers, vor allem im Gesicht, mit Rötung
Follikel
Bläschen, bspw. die Eizelle im Eierstock (Ovarialfollikel), Schilddrüsenfollikel, Haarfollikel oder Lymphfollikel
fragil
zerbrechlich, zart
Fraktur
Knochenbruch
fulminant
plötzlich auftretend, rasch und heftig verlaufend
funktionelle Störung
körperliche Beschwerden, welche keine organische Ursache haben
Gangrän
Untergang von Gewebe mit schwärzlicher Verfärbung infolge einer Durchblutungsstörung
generalisiert
den ganzen Körper betreffend
Generalisierung
Ausbreitung einer Erkrankung in einem vollständigen Organsystem oder Organ
Genese
Entstehung und Entwicklung einer Krankheit
Genetik
Wissenschaft von der Vererbung
genetisch
erblich bedingt
Geriatrie
Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten des alternden Menschen
geriatrische Rehabilitation
Rehabilitation für ältere Patienten zur Wiederherstellung einer weitestgehenden Selbstständigkeit
habituell
gewohnheitsmäßig, häufig wiederkehrend
Habitus
äußeres Erscheinungsbild mit Berücksichtigung individueller Besonderheiten
Halbwertszeit
Zeit, in der die Konzentration eines Stoffes auf die Hälfte abgesunken ist (bspw. eines Medikaments im Blut)
Hämangiom
gutartige Geschwulst aus Blutgefäßen, Blutschwamm
Hämatom
Bluterguss
hämodynamisch
den Blutkreislauf betreffend
hämorrhagisch
zu Blutungen führend, mit Blutungen einhergehend
heterogen
unterschiedlich, ungleich
Hiatus
schmale Öffnung, Spalt
Histologie
Wissenschaft von biologischen Geweben
homogen
gleichartig
Hormone
Botenstoffe des Körpers, welche bestimmte Prozesse an den Zielzellen auslösen
hydrophil
Wasser anziehend, in Wasser löslich
hydrophob
wasserscheu, nicht in Wasser löslich
Hydrops
»Wassersucht«, Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe, in Gelenken oder in Körperhöhlen
Hyperämie
Mehrdurchblutung, verstärkte Durchblutung eines Organs oder Gewebes
Hyperglykämie
erhöhter Blutzuckerspiegel, Überzuckerung
Hyperplasie
Vergrößerung von Gewebe oder Organen durch eine vermehrt auftretende Zellzahl
Hyperreagibilität
übersteigerte Reaktionsbereitschaft
Hypersensitivität
Überempfindlichkeit des Körpers gegenüber bestimmten Stoffen, Reizen oder Mikroorganismen, bspw. bei Allergien
Hyperthermie
Überwärmung des Körpers durch äußere oder innere Störgrößen, bspw. durch langen Aufenthalt in der Sonne und damit bedingten Sonnenstich
Hypertrophie
Vergrößerung eines Gewebes oder Organs durch Zellvergrößerung
Hypoglykämie
erniedrigter Blutzuckerspiegel, Unterzuckerung
Hypoplasie
angeborene Unterentwicklung von Gewebsstrukturen oder Organen
Hypothermie
Unterkühlung
Hypovolämie
Mangel an Volumen, Verminderung der Blutmenge im Körper
idiopathisch
ohne erkennbare Ursache, selbstständiger Krankheitszustand
immobil
nicht beweglich
immun
widerstandsfähig gegen Krankheitserreger
immunisieren
unempfindlich machen, bspw. gegen Bakterien durch eine Impfung
Immunsuppression
Unterdrückung der Immunreaktion
Immunsystem
Abwehrsystem des Körpers, dient als Schutz, bspw. vor Krankheitserregern, fremden Substanzen, hilft beim Heilen von Verletzungen
Implantation
Einbringung von Kunstmaterialien (Implantaten) in den menschlichen Körper, bspw. Zahnimplantate oder Herzschrittmacher
inapperent
unauffällig, symptomlos
indifferent
gleichgültig, nicht eindeutig zuzuordnen
Indikation
gibt an, warum eine Behandlungsmaßnahme angemessen ist
indiziert
angezeigt
Indolenz
Schmerzunempfindlichkeit
Infektion
Mikroogranismen, wie Bakterien, gelangen in den Körper und vermehren sich; Ansteckung
infektiös
ansteckend, übertragbar
Inflammation
Entzündung
Infusion
Verabreichung von flüssigen Lösungen in bestimmte Körperbestandteile, meistens über die Vene (intravenöse Infusion)
inhibieren
hemmen
initial
beginnend, anfänglich
initiieren
in die Wege leiten
Injektion
Einbringen einer Substanz in den Körper mithilfe einer Spritze
inkompatibel
nicht zusammenpassend, nicht kombinierbar
Inkontinenz
ungewollter Abgang von Urin oder Stuhl
Inkubationszeit
Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch einer Infektionskrankheit mit Auftreten erster Beschwerden
inoperabel
ein chirurgischer Eingriff kann nicht durchgeführt werden
Instillation
Verabreichung von flüssigen Substanzen in den Körper
insuffizient
ungenügend, unzureichend
Insuffizienz
eingeschränkte Funktionsfähigkeit eines Organs
Interaktion
Wechselwirkung
interkritisch
zwischen zwei Krankheitsschüben
intermittierend
wiederkehrend (bezogen auf einen Krankheitsverlauf und meint bspw. »mit Unterbrechungen auftretende« Symptome)
Interstitium
Zwischenraum zwischen Organen, Geweben
interzellulär
zwischen den Zellen
Intoleranz
Unverträglichkeit
Intoxikation
Vergiftung
intrinsisch
von innen stammend
Inzidenz
Häufigkeit von Neuerkrankungen
irreversibel
nicht rückgängig zu machen, nicht umkehrbar
ischämisch
mangelhaft oder nicht durchblutet
juvenil
jugendlich
Kachexie
Gewichtsverlust mit allgemeiner Schwäche und Untergewicht aufgrund einer schwerwiegenden Erkrankung (bspw. Krebserkrankung)
Kanüle
Hohlnadel, Injektionsnadel
kanzerogen
Krebs erzeugend
kanzerös
krebsartig
Kapillare
feinste Verzweigung von Gefäßen
Kardinalsymptom
Leitsymptom, ein Symptom, das bei einer Erkrankung besonders auffällig und ausgeprägt ist, wegweisendes Symptom bei einer Diagnosestellung
Karenz
bewusster Verzicht auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel
Karies
Zahnfäule, Zahnkaries ist eine Erkrankung der Zähne mit Zerstörung der Zahnhartsubstanz
Karotis
große Halsschlagader
karzinogen
Krebs erzeugend