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Wolf-Dieter Storl

Borreliose natürlich heilen

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:

Die Luft einziehen, sich ihrer entladen;

Jenes bedrängt, dieses erfrischt;

So wunderbar ist das Leben gemischt.

Du, danke Gott, wenn er dich presst,

Und dank ihm, wenn er dich wieder entlässt.

Johann Wolfgang von Goethe

Wolf-Dieter Storl

Borreliose

natürlich heilen

Ethnomedizinisches Wissen, ganzheitliche

Behandlung und praktische Anwendungen

AT Verlag

Hinweis

Die in diesem Buch wiedergegebenen Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen dargestellt und wurden mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Da sie den Rat einer kompetenten Fachperson nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen können, ist es in jedem Fall empfehlenswert, sich an den Arzt oder Heilpraktiker Ihres Vertrauens zu wenden. Autor und Verlag übernehmen keinerlei Haftung für Schäden oder Folgen, die sich aus dem Gebrauch oder Missbrauch der hier vorgestellten Informationen ergeben.

12. Auflage, 2016

© 2007

AT Verlag, Baden und München

Umschlagbild: Biopix (Zecke); Nikolaus Schwenn, Siegsdorf (Karde)

Lithos: Vogt-Schild Druck, Derendingen

ISBN E-Book 978-3-03800-632-9

www.at-verlag.ch

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

INHALT

Vorwort: Vom hohen Ross gefallen

Ethnomedizin

Die geistige Führung ist nicht immer nett

Begegnung mit dem Dämon

Das Ende des Antibiotikazeitalters

Die Gruppenseelen der Bakterien

Ein Gliedertierchen versetzt die Welt in Schrecken

Der Bösewicht

Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können

Natürliche Hilfen bei FSME-Verdacht

Schutzmaßnahmen gegen Zeckenbiss

Weitere Übertragungsmöglichkeiten

Die Borrelien-Spirochäte

Die neue Seuche

Warum Tests wenig aussagen

Krankheitsstadien

Wo kommt die Borreliose plötzlich her?

Rehe und Mäuse: Ökologische Faktoren

Eine Alibikrankheit?

Eine notwendige Fußnote zum Thema Polio

Angst vor der Natur

Je ferner die Natur, umso bedrohlicher erscheint sie

Beifußblättriges Traubenkraut, Ambrosie

Modekrankheiten

Naturheilkundliche Hilfsmittel

Doxycyclin

Genügend Schlaf

Frische Luft und Sonnenschein

Körperliche Bewegung

Lymphe

Vernünftig essen

Bei uns wachsende immunstärkende Kräuter

Lebensfreude, Lebenssinn

Urlaub: Zeit zur Besinnung

Ein Doktor aus echtem Schrot und Korn

Berufung zum Heiler

Die Orthsche Kur für Borreliose

Multiplasan

Liv-52

Nervengifte und fettige Bakterientrümmer

Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen

Wer sucht, der findet

Die Rehsyphilis

Herstellung der Kardentinktur (nach Matthew Wood)

Ritual für den Kardendeva

Karde in der Selbsterprobung

Der heilende Pflanzendeva: Die Karde

Weitere Namen der Karde

Familienzugehörigkeit

Botanische Merkmale der Karde

Signatur

Inhaltsstoffe

Für Experten: Inhaltsstoffe der chinesischen Karde

Planetarische Zugehörigkeit

Überlieferte Heilindikationen

Zubereitungsmöglichkeiten für die Borreliosekur

Dosierung

Zeit der Einnahme

Sammel- und Erntezeit

Segen der Ahnen

Therapeutische Begleitmaßnahmen zur Unterstützung der Kardenkur

Überhitzungstherapie

Die richtige Ernährung während der Kur

Vernünftiger Lebenswandel

Erfahrungsberichte zur Kardenkur

Herxheimer-Reaktion

Eine altüberlieferte Wurzelkur

Weitere naturheilkundliche Ansätze zur Behandlung der Borreliose

Der »Borrelienweg« von R. Müller

Die Klinghardt-Methode

Katzenkralle

Clark-Therapie

S/C-Therapie: Salz und Vitamin C

Phythotherapeutische Borreliosetherapie nach Stephen H. Buhner

Japanischer Staudenknöterich

Weitere Therapeutika für Borreliose

Hahnemann und das syphilitische Miasma

Lebenskraft und Miasmalehre

Merkur und die neue Syphilis

Wortzauber

Homöopathika bei Borreliose

Der Fluch des Sonnengottes

Böse Sterne

Heiliges Holz oder Quecksilber?

Guajakholzbaum

Geburtsstunde der chemischen Antibiose

Durch Spirochäten verursachter Kulturwandel

King’s Grace Oyntement

Paradigmawechsel

Wiederkehr der Kräuter

Anhang

Lymph- und Milzpflanzen

Bei uns wachsende immunstärkende Pflanzen

Schwitzkräuter und ausleitende Phytotherapeutika

Ausleitende, lymphreinigende Kräuter

Syphilispflanzen der Indianer

Literaturverzeichnis

Register

Die Ärzte sollen sich nicht wundern, dass die Natur mehr ist als ihre Kunst.

Denn was reicht an die Kräfte der Natur heran?

Wer in ihnen nicht bewandert ist, der beherrscht auch nicht die Heilkunst.

In einem Kraut liegt mehr Tugend und Kraft als in allen Folianten,

die auf den hohen Schulen gelesen werden

und denen auch keine lange Lebensdauer beschieden ist.

Paracelsus, »Lebendiges Erbe«

Willst du das eigene Wesen erkennen,

Sieh dich in der Welt nach allen Seiten um.

Willst du die Welt wahrhaft durchschauen,

Blick in die Tiefen der eigenen Seele.

Rudolf Steiner, »Wahrspruchworte«

VORWORT: VOM HOHEN ROSS GEFALLEN

In diesem Buch geht es um eine neue Volkskrankheit, die allmählich epidemische Ausmaße anzunehmen scheint: die Borreliose.

Borreliose ist in. Die Publikationen zum Thema häufen sich. Meistens sind es schulmedizinkonforme Abhandlungen, Analysen, die der gegenwärtigen kulturellen Konstruktion der Wirklichkeit verpflichtet sind und den wissenschaftlich-objektiven Rahmen nicht sprengen. Die Vektoren – Zeckenbiss und anschließende Borrelieninfektion – werden aufgezeigt, Diagnosen gestellt und schließlich eine wissenschaftlich vertretbare Lösung angeboten. Diese heißt dann Antibiotika. Leider wirken diese Wundermittel bei der Borreliose kaum. Diese cleveren Bakterien vermögen unseren schärfsten Waffen, den Antibiotika, Paroli zu bieten. Sind diese Kleinlebewesen vielleicht doch nicht so unintelligent und primitiv, wie wir meinen?

Wo wenig hilft, da sollte mehr helfen. »Truppenverstärkung« ist angesagt! Noch größere Mengen und eine länger dauernde Anwendung von Mikrobenkillern scheint das Einzige zu sein, was der Schulmedizin dazu einfällt. Dass die Borreliose möglicherweise ein weiteres Indiz dafür ist, dass wir am Ende des Antibiotikazeitalters angelangt sind, fällt ihr schwer zuzugeben. Auch die Komplementärmedizin hat Schwierigkeiten, einen eigenen Ansatz zu finden. Wie Sancho Pansa trottet sie auf ihrem »alternativen« Esel hinter dem stolzen schulmedizinischen Don Quijote einher. Die Richtung ist dieselbe. In ihrem Sack schleppt sie eine verwirrende Vielzahl von »natürlicheren« Mitteln. Beide Ansätze jedoch, die schulmedizinische wie auch die alternative, bleiben dem offiziell sanktionierten wissenschaftlichen Weltbild verhaftet. Die Situation ist ein gefundenes Fressen für Scharlatane und Quacksalber, die alle möglichen Wundermittel anbieten. Es ist Zeit für einen wirklich neuen Ansatz.

Ethnomedizin

In der Ethnologie und Kulturanthropologie ist man sich bewusst, dass es auch andere Erklärungsmodelle für Krankheit und andere Methoden der Heilung gibt als jene, die unsere Schulmedizin – die sich inzwischen »Biomedizin« nennt – im Angebot hat. Lange zweifelte niemand daran, dass die moderne westliche Schulmedizin in ihrer Methode »objektiv« ist, frei von Metaphysik, unangreifbar und einwandfrei wissenschaftlich bewiesen (Pfleiderer 1995: 45). Im Gegensatz dazu galten die Heilsysteme der nichtwestlichen Ethnien – der »traditionellen Völker«, der »Eingeborenen«, der »Wilden« – als auf Aberglauben beruhend, empirisch-wissenschaftlich nicht nachweisbar und von irrationalen Vorstellungen und Handlungen geprägt. Bei näherer Betrachtung stellt sich diese Auffassung jedoch als ethnozentristisches Vorurteil heraus, als eine aus Unwissen gespeiste kulturelle Überheblichkeit. Immer wieder konnten die völkerkundlichen Feldforscher belegen, dass nicht nur die Mediziner aus nichtwestlichen Hochkulturen – traditionelle chinesische Heiler oder indisch ayurvedische Ärzte – sehr gut und erfolgreich mit für westliche Begriffe nicht nachvollziehbaren Modellen arbeiten, sondern dass auch Kräuterweiber, trommelnde und tanzende indianische Medizinleute, Giftgebräu mischende und Ahnengeister beschwörende afrikanische »Hexendoktoren«, mit bewusstseinsverändernden Pflanzen hantierende südamerikanische Curanderos, ekstatische sibirische Schamanen und andere Heiler der »schriftlosen Völker« beachtenswerte Heilerfolge vorweisen können. Das wird inzwischen auch von Resolutionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Unesco anerkannt. Schon 1976 würdigte die WHO die wesentliche Rolle, die traditionelle Heiler bei der Sicherung der Gesundheitsvorsorge bei über der Hälfte der Weltbevölkerung spielen (Foster/Johnson 2006: 10). Anlässlich der Konferenz von Alma Ater (Kasachstan, 1978) forderte die WHO eine Aufwertung der traditionellen Medizin und deren Integration in die moderne Medizin (Heinrich 2001: 2).

Aus ethnomedizinischer Sicht ist die Schulmedizin eben nicht die letzte Instanz, was Heilung und Medizin betrifft. Sie hat keinen Alleingültigkeitsanspruch, sondern stellt, genauso wie die anderen Heilkunden, lediglich eine von vielen möglichen Gesichtspunkten dar. Auch sie ist kulturell geprägt, ist eine kulturelle Konstruktion, ist Produkt bestimmter geschichtlicher und gesellschaftlicher Prozesse. Unsere medizinische Forschung »entdeckt« nicht gegebene, objektiv vorliegende Fakten, sondern »produziert« diese Fakten durch die Interaktion zwischen Forschern und Gegenstand. Ohne dass sie sich dessen bewusst ist, geht sie a priori von begrifflichen Grundannahmen aus, die nicht hinterfragt werden.


Schamanische Heiler.

Dazu zählen etwa:

• die Aufstellung von Gegensatzpaaren: Natur versus menschliche Kultur, Körper versus Geist, Individuum versus Gesellschaft, Leidenschaft (Gefühle) versus Vernunft, Gesundheit versus Krankheit, natürlich versus übernatürlich, objektiv versus subjektiv.

• die Annahme, dass man durch Logik und wissenschaftliche Methode natürliche Vorgänge, wie einen Krankheitsablauf oder Heilung, verstehen kann.

• die Annahme, dass man mit technologischen Methoden die natürliche Welt, auch den Körper, beherrschen, manipulieren und in Griff bekommen kann. Dahinter steht die neuzeitliche Auffassung, dass der Mensch eigentlich eine Maschine ist – allerdings eine kybernetisch vernetzte, intelligente Biomaschine mit einer Art Rechner als Hirn, auf dessen Festplatte Daten gespeichert sind.

Zu diesem Bild passen dann auch Begriffe wie »keine Energie mehr haben«, »ausgeleiert« oder »aufgezogen sein«, »Batterien leer«, »die Pumpe kaputt«, »die Rohre verstopft«. Bionische Humanoide, wie der von Arnold Schwarzenegger gespielte Terminator, gehören zur Mythologie dieses Weltbildes ebenso wie die Idee, dass Hirntote oder Klone als Ersatzteillager dienen könnten und dass Nieren und Lebern ausgetauscht werden können wie Vergaser und Zündkerzen im Auto.

• dass der Glaube an Geister, Ahnen und übersinnliche Instanzen überflüssig ist und abgelegt werden sollte, wenn man einen Krankheitsverlauf verstehen will (Lock/Scheper-Hughes 1996: 43).

»Was für einen Körper braucht die Gesellschaft, der Staat?«, fragt der französische Philosoph Michel Foucault. In dieser Frage steckt die Erkenntnis, dass der »Körper« nicht etwas ist, was einfach biologisch vorgegeben ist. Er ist – wie auch die Arzneimittel, die Krankheitsbezeichnungen, Diagnosen und Therapieabläufe – ein kulturelles Konstrukt. Das gilt auch für den Körperbegriff der Schulmedizin, die seit der Aufklärung den physischen Körper von der Seele trennte und ihn zum Mechanismus erklärte. Erst im 20. Jahrhundert wurde, in der Psychiatrie und in der Psychosomatik, der Versuch gemacht, den Bruch zwischen Körper und Seele wieder zu kitten. Aber auch hier wird noch immer nach »wirklichen«, das heißt materiellen, organischen Ursachen, vor allem im Hirnstoffwechsel, gesucht.

Körpermodelle gibt es ebenso viele, wie es Heilsysteme gibt. Die traditionellen Völker stellen sich den Körper, das Leibesinnere und das Funktionieren der Organe nicht als ein Maschinenwesen vor. Auch reduzieren sie die »Wirklichkeit« nicht nur auf das Wägbare und Messbare. Das heißt nicht, dass sie nicht sorgfältig und genau beobachten. Sie beobachten die natürlichen Phänomene oft genauer, als wir es tun (Levi-Strauss 1977: Kap. I). Sie schließen aber die energetischen, seelischen und geistigen Aspekte nicht von vorneherein als »irreal« oder »subjektiv« aus. Nicht ein Uhrwerk oder ein Computer liefert für sie das Denkmodell, sondern die Landschaft, das Klima, der Wandel der Jahreszeiten oder die Bewegungen der Planeten. Analog dem jahreszeitlichen Wandel, den Naturrhythmen erkennt und versteht man, was sich im menschlichen Mikrokosmos abspielt. Die große Natur, der Makrokosmos, ist selbst ein atmender, lebender Leib. Es ist die »Mutter Erde«, der »Urriese« oder das ursprüngliche Zwitterwesen, das sich opferte und zur Schöpfung wurde. Es hat Knochen (Steinformationen) wie wir, Adern und Venen (Flüsse, Seen), ein Herz (Sonne), ein Hirn (Mond), Haut (die Humuserde), Haare (die Wälder, das Gras), eine Vagina (Quellen, Sümpfe), Brüste, Glieder, Atem (Winde) und so weiter. Für die meisten Zeitgenossen ist diese Metapher reichlich naiv und primitiv. Dass es sich dennoch gut mit solchen Metaphern denken lässt und dass sich damit brauchbare Bezüge herstellen lassen, zeigt etwa die traditionelle chinesische Medizin. Funktionskreise und Wandlungsphasen verbinden fünf Elemente, fünf Jahreszeiten, fünf Geschmacksrichtungen, fünf Seelenstimmungen und fünf Körperteile miteinander: Holz (Leber, Galle, Zorn, Frühjahr) brennt als Feuer; Feuer (Herz, Freude, Sommer) wird zu Erde oder Asche; Erde (Milz, Sorge, Spätsommer) ergibt Metall; Metall (Lunge, Trauer, Herbst) schmilzt und wird flüssig (Wasser); Wasser (Nieren, Furcht, Winter) ernährt wiederum das Holz.

Das chinesische Modell: Yin-Yang und die fünf Elemente.

Ein ähnliches Schema benutzten die Heiler des alten Griechenlands. Vier Jahreszeiten mit ihren verschiedenen Graden von Hitze und Feuchtigkeit stehen analog zu vier Lebenssäften (Blut, gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim), zu vier Elementen, vier Tageszeiten, vier Lebensaltern, vier Persönlichkeitstypen und anderen Erscheinungen. Mit dieser Metapher wurde über tausend Jahre lang, bis über die Renaissance hinaus geheilt.

Die Qollahuyaindianer in Bolivien vergleichen den Körper mit einem Berg, mit Kopf, Herz (das Dorf), Magen, Innereien, Brüsten, Füßen und so weiter. Quellen und Bäche sind sein Blut, der jahreszeitliche Wandel sein Lebensrhythmus. Kahlschläge und Bergbau gefährden seine Gesundheit; Erdbeben, Rutsche, plötzliche Sturzbäche sind Krankheiten. Man heilt menschliche Pathologien, indem man sich mit Ritualen um einen heiligen Berg in der Nähe des Dorfes kümmert (Lock/Scheper-Houghes 1996: 57).

Humoralpathologisch es Schema.

Die alten Ägypter verglichen den menschlichen Körper mit dem grünen, von staubiger Wüste eingegrenzten Niltal. Der Nilstrom, der das Leben ermöglicht, indem er fruchtbare Erde anschwemmt, die Vegetation labt und das faule, infizierte Wasser der Bewässerungskanäle wegschwemmt, wurde dem Verdauungstrakt, der vom Mund bis zum Dickdarmausgang reicht, gleichgesetzt. Es galt, Austrocknung, Flüssigkeitsansammlungen, Abänderungen, Störungen und Blockierungen der Kanäle auszugleichen. Daher spielten in der ägyptischen Heilkunde vor allem Abführmittel, Brechmittel, Klistiere, Schröpfen und Aderlass eine wichtige Rolle.

In Indien waren es die drei markanten Jahreszeiten, die das Modell abgaben: Erlebt der Mensch nicht auch Hitzezustände (Pitta), die der heißen, staubtrockenen Vormonsunzeit gleichen? Erfährt er nicht ebenso feucht-heiße, schleimige, ansteckende Zustände (Kapha), die der Monsunzeit ähneln, oder kühle, windige (Vaya/Vata), wie man sie im Spätherbst in der Natur erlebt (Storl 2004a: 30)?

Bei einigen Völkern, auch bei den vorchristlichen Europäern, stellte man sich den Körper als ein Haus vor: Der warme Herd in der Mitte, die Feuerstelle, war das Herz; der sich im selben Gebäude befindende Stall mit all seinen Tieren war der Unterleib. Krankheit ist nach dieser Vorstellung Unreinheit, Mangel an Futter oder Holz oder ein unwillkommener Besuch (von Geistern, Dämonen).

Im Mittelalter und vor allem in der Renaissance wurde der menschliche Leib einbezogen in ein kosmisch-astrologisch-energetisches Beziehungsnetz: Er galt als das mikrokosmische Abbild des gesamten Kosmos. Der gesamte Tierkreis fand sich in ihm wieder, von den Widderkräften im Kopf bis hinab zu den Fischekräften in den Füßen. Die Planeten beherrschten die Organe und das Befinden; planetarische Energien zogen ihre Bahn durch den gesamten Leib. Der Arzt musste Astrologe sein, musste wissen, welche Planeten in den Organen und in den Heilkräutern wirksam sind und wie diese in Beziehung zueinander zu bringen sind.

Im traditionellen Afrika ist der Mensch und sein Körper Teil des gesellschaftlichen Spannungsfelds. Krankheit beschränkt sich nicht auf das Individuum. Spannungen in Sippe oder Nachbarschaft, Tabubrüche, Beleidigungen der Ahnen und Ähnliches machen krank. Neid, Hass, böse Gedanken stören die gemeinschaftliche Harmonie und gelten als Hexerei. Krankheitsdiagnose bedeutet die Störquelle finden, und diese liegt nicht in organischen Fehlfunktionen oder bei ansteckenden Bakterien, sondern im zwischenmenschlichen Bereich. Die Gesellschaft, das gesamte Dorf wird in das Heilritual mit einbezogen.

Weitere Beispiele könnten ein Buch füllen. Aber genug damit. Was uns hier interessiert, ist die Tatsache, das jedes Heilsystem, jedes Denkmodell, seine Gültigkeit hat und erfolgreiche Krankenheilungen vorzuweisen hat. Folglich werden wir uns in diesem Buch nicht nur auf orthodoxe biomedizinische Forschungen und Konstruktionen verlassen, sondern auch ethnomedizinische und ethnobotanische Quellen mit einbeziehen.


Der menschliche Embryo im Tierkreis.

Die geistige Führung ist nicht immer nett

Dieses Buch wurde nicht aus eitlem Wissensdrang oder Forscherneugierde geschrieben, sondern es entstand aus der bedrohlichen gesundheitlichen Notlage, die sich ergab, nachdem ich selbst von der Borreliose befallen wurde. So ist es auch ein ganz persönliches Buch, das den langen, abenteuerlichen Weg aufzeichnet, der zur Auffindung des richtigen Heilmittels und der richtigen Behandlung für mich führte. Auf diesem Weg kam mir zugute, was ich als Ethnologe von verschiedenen Völkern lernen durfte. Zugleich konnte ich aus dem altüberlieferten Erfahrungswissen der westlichen Heilkräuterkunde Erkenntnisse schöpfen. Von Cheyenne-Medizinmännern, indischen Heilern und dem alten Bergbauern Arthur Hermes lernte ich, meinen Intuitionen zu vertrauen. Ich lernte, dass wir unseren eigenen Körper besser kennen, als es unser zaghafter Verstand wahrhaben will. Unser Geist kann in der Meditation und Innenschau den Leib besser ausloten und abtasten als die kompliziertesten Computertomografien, Scanner und Ultraschallmethoden. Auch wenn es dem oberflächlichen, alltäglichen Verstand schwer fällt, es zu verstehen, weiß unsere Seele, was uns plagt und was uns gut tut. So bemühte ich mich, neben dem genauen Beobachten der äußeren körperlichen Symptome, das Bewusstsein nach innen zu lenken. Von den Indianern lernte ich, auf die Bildbotschaften der Träume zu achten. Die amerikanischen Ureinwohner sind überzeugt, dass viele Visionen, Träume, heilende Inspirationen, aber auch Krankheiten von unseren Mitgeschöpfen, unseren »Verwandten«, den Tieren, Steinen, Wolken, Bergen und Pflanzen geschickt werden – und von den Ahnen, die uns wortwörtlich die richtigen Ahnungen eingeben. Den Ahnen verdanke ich es, dass ich die richtige Heilwurzel, die Weberkarde, als Heilmittel bei Borreliosebefall fand; denn Weber waren diese Vorfahren, und seit Jahrhunderten hatten sie mit dieser Pflanze zu tun gehabt.

Um es vorwegzunehmen:

Kardenwurzeltinktur oder-tee, über einige Wochen hinweg eingenommen, dazu jeden Tag oder alle paar Tage eine Überhitzungstherapie (Sauna, heiße Bäder oder Schwitzhütte, mit einer Hitze von über 42 Grad), bietet eine gute Möglichkeit zur Ausheilung der Borreliose (detaillierte Angaben dazu Seite 150ff. und 160ff.).

Im Laufe der Zeit hatte es sich herumgesprochen: Immer mehr Betroffene wurden aufmerksam auf diese Kur mit der Karde, und immer mehr Anfragen per E-Mail, Brief oder Anruf erreichten mich. So wurde mir klar, dass es an der Zeit war, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben. Zuletzt meldete sich ein Biophysiker aus der Wetterau. Er schrieb, dass er selbst an Borreliose gelitten habe. Chronische Müdigkeit, Muskelschmerzen, taube Glieder, Gedächtnisausfälle bis hin zu psychoseähnlichen Zuständen hatten ihn geplagt. Dann habe er die Kur mit der Karde versucht, und, siehe da, die Symptome verschwanden. »Sie haben sich mit dieser Kur medizinisch verdient gemacht«, schrieb er und bot an, mir zum Dank seine Forschungsunterlagen zum Thema Borreliose auszuleihen, so lange ich sie brauche. Bald lag dann das Päckchen mit einem dicken Aktenordner im Briefkasten. Der Ordner enthielt eine Auswahl der neusten medizinischen Forschungsberichte und Fachliteratur. Neugierig blätterte ich durch die Texte und stolperte durch einen Dschungel voller esoterischen Medizinerlateins: Cerfuroxim, Human Granolocytic Ehrlichiosis, Western Blot, Lipopolysaccharide, Zytokine und dazu immer wieder Abkürzungen: CPK1, ELISA2, ESR3, EMC4, JHR5, IgM und IgG6, PCR7 usw., die nicht weiter erklärt wurden. Heiliger Pschyrembel, hilf! Es würde Wochen dauern, um sich durch diesen Wust durchzuarbeiten. Das hatte ich doch nicht nötig. Außerdem war da noch eine Menge Holz zu hacken, der Garten musste winterfest gemacht, die Komposte umgesetzt, die Zäune repariert und der Stall gemistet werden. Ich legte den Ordner beiseite und nahm mir vor, morgens die körperliche Arbeit in Haus und Stall zu erledigen, nachmittags zu schreiben und den Ordner zu vergessen.

Ehe ich mich an den Computer setzte, um das Projekt in Angriff zu nehmen, wollten wir noch einmal reiten gehen. Es war ein schöner sonniger Tag. Wir sattelten die Pferde, und ab ging es über Stock und Stein, einen Holzweg entlang, durch die Fichten. Die Hunde rannten hechelnd mit. Bald wurde der Ritt zum Wettrennen. Meistens verliere ich, aber diesmal witterte ich die Chance, als Erster die Wegkreuzung, die unser Ziel war, zu erreichen. Doch plötzlich, mitten im Vollgalopp, drehte mein Pferd im scharfen Winkel vom Weg ab. Der Sattel rutschte. Ich knallte mit dem Gesicht gegen einen Baumstamm und fiel. Es fühlte sich an, als hätte mir ein Bergriese mit dem Knüppel übers Gesicht gehauen. Zum Glück hatte mich der Schlag unterhalb des Nasenbeins getroffen, sonst wäre die Nase gebrochen. Aber die Vorderzähne waren locker und die Lippe gespalten. Und dann, als ich wieder aufsteigen wollte, merkte ich, dass etwas mit meinem linken Arm nicht stimmte. Das Handgelenk schwoll schnell an; es war gebrochen. Die Indianer, die ich in Montana kannte, hätten sich als Erstes gefragt, welcher Geist wohl in das Pferd gefahren sei. Aber hier in Europa fragt man sich so etwas nicht. Arthur Hermes, der mir die Götter und Geister in der Natur nahegebracht hatte, hätte wahrscheinlich gesagt, dass dieser Schlag aus der »anderen Dimension« kam, dass es mit der »geistigen Führung« zu tun habe. Und zur Illustration hätte er die Geschichte hervorgekramt, wie er im Januar 1945 auf seinem verschneiten Berghof im Schwarzwald mit den Skiern über die Weide geflitzt war und sich bei einem unvermittelten Sturz das Bein gebrochen hatte. Es war ihm ein Rätsel, wie das hatte geschehen können, denn er war ein geübter Skiläufer und immer vorsichtig. Als er am selben Tag nach Hause kam, lag ein Einberufungsbefehl im Briefkasten. Es sollte eine Kavallerieeinheit zum Kampfeinsatz an der Ostfront aufgestellt werden, und sie brauchten Männer, die im Umgang mit Pferden erfahren sind. Hermes war damals schon 55 Jahre alt, aber die Lage war ernst. Als sein Beinbruch ausgeheilt war, war der Krieg vorüber. »Das war die geistige Führung! Sicher wäre ich nicht wieder lebendig nach Hause gekommen. Die Götter hatten etwas anderes mit mir vor.«

Für mich war es nun aus mit Holzhacken, Gartenumgraben, Ausmisten. Auch das Tippen auf der Computertastatur konnte ich vergessen. Ich konnte nicht einmal mehr eine Apfelsine schälen, die Schuhe anziehen, ein Marmeladenglas aufschrauben, die Jacke zuknöpfen. Absolut nichts, außer essen, schlafen und … lesen. Nun hatte ich Zeit zum Lesen, viel Zeit. Also nahm ich den Ordner des Wissenschaftlers wieder hervor und vertiefte mich darin, bis das Gehirn dampfte. Dabei wurde mir allmählich bewusst, dass ich das vorliegende Buch ohne diese Vorstudien gar nicht hätte schreiben können. Die Literatur war aufschlussreich. Es wurde mir klar, wie viele Widersprüche und nicht fundierte Behauptungen hinter all den Ziffern und Zahlen der Forschungsberichte und den komplizierten Formulierungen verborgen waren. Hinter der Fassade gehobener Wissenschaftlichkeit steckte viel Ratlosigkeit, Verwirrung, aber auch Profilierungssucht. Die angeführten Statistiken widersprachen sich häufig. Wie hoch zum Beispiel ist der Grad der Verseuchung der Zecken mit Borrelien? Jeder Experte lieferte andere Zahlen. Wie schnell breiten sich die Spirochäten im Körper aus? Dauert es Wochen, wie einige Experten meinen, oder dauert es nur wenige Stunden? Ist es eine leichte Infektion, die sich mit einer dreiwöchigen Antibiotikabehandlung beheben lässt? Ist es gar eine Modekrankheit, die einfach zu häufig diagnostiziert wird? Oder handelt es sich um eine inzwischen weltweit verbreitete Epidemie, die immer weiter um sich greift und sich hinter ständig wechselnden Symptomen verbirgt? Die Erfolgsquote der schulmedizinischen Borreliosetherapie liege bei 90 Prozent, berichten einige Experten, andere sprechen von 25 bis 45 Prozent, und wieder andere geben an, es sei eine unheilbare Krankheit. Man stritt sich über den Wert der Bluttests (Serumdiagnostik), und immer wieder schien durch, dass diese Tests kaum sichere Aussagen ermöglichen. Sind es nur die Zecken, die diese Spirochäten übertragen, oder auch Bremen, Mücken, Milben und andere Gliederfüßler; oder wird die Infektion gar durch Speichel und andere Körperflüssigkeiten, durch Samen (Sperma) und Muttermilch übertragen? Oder gar über Blutkonserven im Krankenhaus? Man weiß es nicht. Wie viele Neuerkrankungen gibt es? Die offiziellen Schätzungen in den USA schwanken zwischen 18 000 und 1 800 000 im Jahr. Ist es eine neue Krankheit, oder hat es sie schon immer gegeben? Warum war die Borreliose damals, 1907, als der Straßburger Arzt Borrell die schraubenförmigen Bakterien entdeckte, kein Problem? Wie viele Borrelienstämme gibt es? Rufen sie alle die gleichen Symptome hervor? Und stimmt es, dass in Amerika vor allem Borrelia burgdorferi in Zecken und bei Patienten gefunden wird, in Europa aber auch andere Stämme vorhanden sind (B. afzelii, B. garinii, B. lusitaniae, B. valaisiana)? Wie kann das sein? Wissen die Bakterien noch nicht, dass sie per Flugzeug und Frachtschiff ohne Problem die Meere überqueren können? Unzählige Fragen und kaum eindeutige Antworten. Um so mehr ich las, um so faszinierender wurde die Lektüre.

Wahrscheinlich war es doch die »geistige Führung«, die mich außer Gefecht gesetzt hatte, damit ich ernsthaft an die Sache herangehen konnte. Die geistige Führung ist nicht immer so lieb und nett, wie meine Freunde aus der New-Age-Szene immer wieder beteuern. Sie kann auch ganz schön ruppig sein! Und manchmal spannt sie einen Bergtroll mit schwerem Knüppel ein oder schickt einen Kobold durch das Gehirn eines Pferdes.

Nebenbei bemerkt, der gebrochene Unterarm – Speiche und Elle – heilte schnell. Nachdem ich in der Meditation meinen Geist durch den Arm wandern ließ und dabei erkannte, dass die Knochen sauber gebrochen waren und kein Bänderriss vorlag, wusste ich, dass ich nicht zum Arzt zu gehen brauchte. Röntgen, Eingipsen und Schmerztabletten konnte ich mir ersparen. Dafür packte ich den Arm in Umschläge mit frisch geraspelten Beinwellwurzeln – das regt die Granulationsprozesse8 und die Knochenkallusbildung an und wirkt zudem noch etwas schmerzlindernd – und trank viel Ackerschachtelhalmabkochung, dessen Kieselsäure ebenfalls die Knochenbildung unterstützt. Zusätzlich badete ich den Arm einmal am Tag in heißem Ackerschachtelhalmabsud, dem ich entzündungswidrigen Schafgarbentee beimischte. Die Schienen, die dazu dienten, das Gelenk stillzulegen, hatte mir meine Frau aus dünnen, biegsamen Weidenruten geschnitzt. Diese ließen sich zur Behandlung des Bruchs mit den Kräutern leicht entfernen. Das wäre mit einem Gipsverband nicht möglich gewesen, und dann hätte die Genesung viel länger gedauert. So kam es, dass ich schon nach gut drei Wochen wieder an der Tastatur sitzen und diese Zeilen schreiben konnte.

Vorwort zur 2. Auflage

Dieses Werk erntete nicht nur Lob, sondern auch Kritik. Es sei fahrlässig zu behaupten, dass Antibiotika bei Borreliose nicht helfen, und betroffene Menschen, die sich an solche Ratschläge hielten, würden sich einem Invaliditätsrisiko aussetzen. Ich sage nicht, dass Antibiotika nicht helfen, sondern dass sie oft nicht helfen. Ich schrieb dieses Buch unter anderem, weil mich viele Hunderte Briefe und Mails erreichten von Betroffenen, die trotz Antibiotikakur nicht gesund wurden und die gehört hatten, es gäbe andere Möglichkeiten. Im Anfangsstadium ist es eher möglich, die Infektion mit Antibiotika zu stoppen. Es dauert jedoch 3 und manchmal bis zu 6 Wochen, bis sich nach der Infektion serologisch nachweisbare Antikörper bilden; oft merken die Infizierten gar nicht, dass sie von einer Zecke gebissen wurden. Auch die Wandernde Röte, ein erstes Leitsymptom, zeigt sich nur bei rund 50 Prozent der Infizierten. In dieser Phase ist es dann meist zu spät für Doxycyclin, da sich die Borrelien inzwischen im Körper ausgebreitet und in schlecht durchblutetem Gewebe (Knorpel, Narben, Endothelien usw.) versteckt haben. Außerdem können sie sich, wenn ihnen das Milieu unangenehm wird, bis zu zehn Monate verkapseln, ehe sie wieder aktiv werden.

Aufgrund all dieser Schwierigkeiten in der Behandlung der Borreliose erschien es mir sinnvoll, ethnomedizinische Anregungen aus nicht-westlichen Kulturkreisen sowie aus der altüberlieferten Erfahrungsmedizin in Betracht zu ziehen. So wurde ich zur Karde geführt und konnte am eigenen Leib erfahren, dass sie mir bei meiner Borreliose gute Dienste leistete. Selbstverständlich sollte dieses Phythotherapeutikum weiter überprüft und – wertfrei – untersucht werden.

Auch die Überhitzungstherapie mit Temperaturen von gut 40 Grad Celsius, eine Anregung aus dem karibischen Kulturkreis, wurde als lebensgefährlich kritisiert. Sie kann in der Tat gefährlich sein, aber nur für Menschen mit äußerst schlechter Konstitution, mit Kreislaufproblemen oder Epilepsie. Doch das steht ja schon im Text. Schwitzhütten oder die üblichen Temperaturen im Gangestal in der Vormonsunzeit sind noch heißer (45°C).

Zuletzt möchte ich festhalten, dass es mir trotz gelegentlich zugespitzter Formulierungen keineswegs um eine »Ärzteschelte« oder eine Kampagne gegen die »Schulmedizin« geht. Ich weiß um den Stress und die Last, die der praktische Arzt zu tragen hat. Nicht Dogma, sondern Anregungen soll dieses Buch bieten.

Lass es nicht so weit kommen,

bis du dich mit der Diagnose abgefunden hast,

denn dann ist dein Schicksal besiegelt.

Clemens Kuby, »Unterwegs in die nächste Dimension«

Wir wissen, dass die Lyme-Borreliose Antibiotika widerstehen kann.

Zu sagen, jemand sei geheilt,

weil er eine bestimmte Menge Antibiotika erhalten habe, ist Unsinn.

Willi Burgdorfer, Entdecker der Borrelien-Spirochäte, 2001

Die Antibiotikatherapie kann Patienten mit Symptomen der chronischen

Lyme-Borreliose oder mit Post-Lyme-Borreliose beträchtlichen Schaden zufügen.

Henry M. Feder et al. und Ad Hoc International Lyme Disease Group, in: New England Journal of Medicine 357 (14) 4. Oktober 2007

1 Creatinphosphokinase.

2 Nicht der Mädchenname ist hier gemeint, sondern »enzyme-linked immuno sorbent assay«.

3 Erythrocyten-Sedimentations-Rate oder Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit.

4 Wandernde Röte.

5 Jarisch-Herxheimer-Reaktion.

6 IgM und IgG sind Klassen von Immunglobulinen.

7 Polymerase-Kettenreaktion.

8 Bei der Heilung auftretende zellreiche, weiche Gewebsneubildung.

BEGEGNUNG MIT DEM DÄMON

In dem nächtlichen Schwitzhüttenritual, an dem ich vor nunmehr zehn Jahren teilnahm, herrschte kein besonders guter Geist. Zum Teil hatte es mit mir zu tun; ich war überarbeitet und hatte zuvor zu wenig schlafen können. Da irritierte es, splitternackt und eng zusammengedrängt mit schwitzenden langhaarigen Indianerfreaks, die man eigentlich nicht kannte, im dunklen »Bauch der Erdmutter« zu hocken. Die rot glühenden Steine in der Mitte des runden, mit Decken und Filzmatten behangenen Weidengestells strahlten eine erdrückende Hitze aus, aber am Rücken zog es empfindlich kalt durch die Ritzen. Die geführte Meditation, die feierliche Einberufung des göttlichen Adlers, des Bisons und anderer indianischer Krafttiere durch den Schwitzhüttenleiter, sprach mich nicht besonders an. Wir waren im Neckartal, irgendwo zwischen chemiegetränkten Weinbergen und kahlem Ackerland in der Nähe von Heidelberg; da sollte man sich doch auf die Krafttiere und Geistwesen der hiesigen, uns unmittelbar umgebenden Natur einstimmen und nicht in irgendwelche Abstraktionen abheben. Es ging doch darum, sich mit der Erde hier, den Pflanzen, Tieren und Geistern zu verbinden! Als dann der kosmische Schelm, der Kojote Shawnodese, der den Süden beherrscht und den warmen Regen bringt, aufgerufen wurde, wendete sich der Zeremonienmeister an mich: »Wolf, sicher kennst du ihn, den trickster, den göttlichen Schelm, aus deiner Zeit in den Rocky Mountains.«

Da meldete sich mein Ego zu Wort, plusterte sich auf, fand die bedeutungsschwere Stimme des erfahrenen Weisen und antwortete: »Ja, sicher, Shawnodese kenne ich gut!«

In der Morgendämmerung, als die Schwitzhütte vorüber war, rollte ich mich im taunassen Gras, um mich abzukühlen. Da biss sich eine Zecke unter meinem Bauch fest. Gemerkt habe ich das aber erst zwei Tage später. Das Spinnentier hatte mich in einer immunschwachen Situation angefallen. Vielleicht war es doch Shanowdese, der mich erwischt hatte und mir den Egotrip heimzahlte. Man soll die Götter nicht herausfordern und darf mit den heiligen Dingen nicht herumspielen – das hatten mir befreundete Cheyenne-Medizinmänner immer wieder gesagt.

Bald darauf formte sich, von der Bissstelle ausgehend, der rote, wandernde Ring, das sogenannte Erythema migrans. Auch sonst fühlte ich mich nicht wohl, war schlapp und reizbar, hatte Kopfschmerzen, schlief schlecht, sah nicht mehr scharf, und der Lymphknoten in der Leiste schwoll etwas an. Ein befreundeter Arzt, der sich sonst sehr für die Phytotherapie einsetzt, diagnostizierte Borreliose und redete mir eindringlich ins Gewissen: »Bei der Borreliose hört es mit den Kräutern auf, hier helfen nur Antibiotika, und zwar massive!« In drastischen Bildern malte er den Verlauf der durch Zeckenbiss übertragenen Ansteckung mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi aus: Wenn man nicht sofort mit Antibiotika anrückt, würde es im zweiten Stadium der Infektion zu Lähmungen, Arthritis, wandernder Gelenkentzündung, Herzschäden und schließlich auch zu neurologischen Ausfällen oder Gehirnhautentzündung führen. Im dritten Stadium landet man im Rollstuhl, weil die Gelenke versagen, und zuletzt kann es zu Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Hirnnervenausfall und sogar zu schweren Psychosen kommen. Das Bakterium sei eine der Syphilis verwandte Spirochäte. Und wie diese schreckliche Geschlechtskrankheit ist die Infektion rezidiv, das heißt, die Krankheit verläuft in Schüben, die Symptome setzen zeitweilig aus, sodass der Patient glaubt, er sei auf dem Weg der Heilung, und kehren dann umso heftiger zurück.

Was für eine Diagnose! Sonst kuriere ich meine Leiden vor allem mit Kräutertees, Kräuterpackungen, Wärmeflaschen, heißen Steinen, die ich auflege, und viel Schlaf. Was aber sollte ich in diesem Fall tun? Ich hatte schließlich eine Familie zu versorgen. Vor Jahren kam es bei mir infolge einer Behandlung mit Antibiotika zu einer Superinfektion, an der ich jahrelang schwer zu leiden hatte. Auch sonst war ich mir bewusst, dass Antibiotika nur mit größter Vorsicht zu genießen sind, da sie einen massiven Eingriff in das körpereigene Immunsystem darstellen: Sie zerstören die symbiotische Darmflora, die ein wesentlicher Bestandteil der körpereigenen Abwehr ist; sie erzeugen ein pilzfreundliches Klima im Körper und begünstigen so Candida albicans und andere Pilzinfektionen; sie können allergische Reaktionen bis hin zum seltenen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auslösen. Das natürliche innere »Ökosystem«, das den Organismus normalerweise gegen Infektionen schützt, wird dabei gestört.

Ich war innerlich hin- und hergerissen und machte mir Vorwürfe. War ich etwa paranoid, dass ich die Antibiotikakur nicht machen wollte? War es wirklich so, dass in diesem Fall kein Kraut der Krankheit gewachsen war? Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit drängte. Jeden Tag – so stellte ich mir vor – breiteten sich die Spirochäten weiter aus und würden Gelenke, Gehirn und andere vitale Organe befallen. Ich las alles, was ich zum Thema finden konnte. Dabei stieß ich im ärztlichen Handbuch für Diagnose und Therapie »Consilium Cedip Practicum« (1995) auf eine Statistik, die besagte, dass 23,8 Prozent der getesteten Waldarbeiter in Deutschland Antikörper gegen die Borreliose aufweisen, ohne überhaupt zu wissen, dass sie jemals infiziert wurden. Eine Studie der American Medical Association (AMA, 1995) stellte fest, dass nur die Hälfte der Patienten mit der Diagnose Borreliose tatsächlich unter Krankheitserscheinungen litt. Das ließ mich Hoffnung schöpfen. Wenn das Immunsystem tatsächlich die Fähigkeit hat, Antikörper gegen diese Spirochäten zu produzieren, dann wäre doch das Naheliegende, das Immunsystem mit allen Mitteln zu unterstützen. Da Antibiotika immunsuppressiv wirken können, also die körpereigene Abwehr dämpfen, schienen sie – so meine Schlussfolgerung – nicht unbedingt das geeignete therapeutische Mittel zu sein.

Das Ende des Antibiotikazeitalters

Antibiotika, wie auch Kortison und Steroide, sind – dessen bin ich mir voll bewusst – heilige Kühe der modernen Medizin. Daran darf nicht gerüttelt werden. Auch Kritiker leiten ihre Überlegungen immer mit dem Eingeständnis ein, dass diese schärfsten Waffen der anerkannten Medizin Millionen von Leben gerettet hätten und dass sie im Notfall unverzichtbar sind. Das mag schon sein. Wurde nicht auch das Leben meines Vaters, der während der Kriegsgefangenschaft in Ägypten fast an der Ruhr gestorben wäre, durch Penicillin gerettet?

Inzwischen aber ist die Frage berechtigt, ob nicht die Kosten des Antibiotikaeinsatzes höher sind als ihr Nutzen. Dabei fing alles so hoffnungsvoll an. 1928 bemerkte der Bakteriologe Alexander Fleming, dass eine Schimmelpilzspore der Gattung Penicillium, die zufällig in eine Petrischale mit einer Staphylokokkenkultur gefallen war, das Wachstum dieser Bakterien hemmte. Das war die zündende Idee: Mit Pilzgiften kann man krankheitsverursachende Bakterien abtöten! Kurz darauf, 1935, entdeckte der Pathologe Gerhard Domagk die antibakterielle Wirkung von Sulfonamiden, die gegen grampositive und gramnegative Bakterien sowie gegen Chlamydien und Protozoen wirksam waren.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erlangten die Antibiotika ihre volle Bedeutung. Die Seuchen, die seit je den Soldaten zusetzten – Wundinfektionen, Geschlechtskrankheiten –, schienen für immer aus der Welt geschafft. Eine euphorische Stimmung machte sich breit. Man hatte die Nazis besiegt, und nun würde man auch die Bakterien endgültig besiegen. Wissenschaftliche Koryphäen kündeten gar das Ende aller Krankheiten für die Menschheit an. Der amerikanische Generalstabsarzt William Steward verkündete Ende der sechziger Jahre vor dem US-Kongress: »Das Kapitel der Infektionskrankheiten ist ein für allemal abgeschlossen. Pocken und Polio sind eliminiert; Malaria und Tuberkulose sind auf dem Weg dahin« (Buhner 2002: 117). Ich kann mich gut erinnern, wie der Lehrer in der Primarschule in Ohio uns Kindern erzählte, dass es bei der Jahrtausendwende im Jahr 2000 dank des Penicillins keine Krankheiten mehr und dank der Kernkraft keinen Energiemangel mehr geben würde.

Niemand stellte das Dogma in Frage, dass Bakterien die Verursacher von Krankheiten und Seuchen sind. Das offizielle Denkmodell der damaligen Zeit war rein sozialdarwinistisch: In der Natur herrscht auf allen Ebenen erbitterter Überlebens- und Konkurrenzkampf: Mensch gegen Bakterien, Schädlinge gegen Pflanzen, Parasiten gegen Nutztiere. Dieser Kampf war ein manichäistischer9, ein Kampf von Gut gegen Böse. Bakterien waren eindeutig auf der Seite des Bösen, wie etwa Giftschlangen, Wölfe oder die Feinde der Demokratie und des Fortschritts. In der zunehmend säkularisierten westlichen Welt nahmen diese für menschliche Augen unsichtbaren Kleinstlebewesen die Stelle des Teufels und seiner Dämonenschar ein. Und wer zu den Guten gehört, der schließt mit dem Teufel keinen Kompromiss!

Dieses Denken setzte sich auch bei der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft durch: DDT, Malathion, Lindan und andere Chemiegifte sollen die Nutzpflanzen schützen, andere Gifte, die Herbizide, sollen die Unkräuter vernichten. Auch in der Politik fand das Denkmuster seinen Platz: Im Ersten Weltkrieg wurde von beiden Seiten Giftgas gegen »menschliche Schädlinge« eingesetzt; im Zweiten Weltkrieg waren es Flächenbombardierung, Vernichtungslager und die Atombombe, die dazu dienten, das Böse auszurotten. Im Kalten Krieg wurden ABC-Waffen entwickelt, um den Bazillus des Bolschewismus oder, je nach Gesichtspunkt, den Bazillus des Kapitalismus auszuschalten. Heute sind es die unberechenbaren Terroristen, die ähnlich wie die Bakterien und Viren im Körper heimtückisch, hinterhältig und getarnt in der globalen Welt einen unfairen, asymmetrischen Krieg führen.


Bakterien als kleine Teufel chm. Viktorianische Darstellung, London, 1858.

Diesem Denkmuster entsprechend bedient sich der antibiotische Krieg gegen die Mikroorganismen fast ausschließlich einer militärischen Sprache: Es wird auf Symptome eingeschossen; es gibt Invasionen der Keime; der Körper ist ein Schlachtfeld; Killerzellen attackieren Fremdzellen, Fresszellen erledigen die Aufräumarbeiten nach erfolgter Abwehr, und die Ärzte stehen an vorderster Front. Es gibt Gegenangriffe und Siegeszüge; Erreger werden bestrahlt, bombardiert, vernichtet; Abwehrsysteme werden gestärkt, und mit genügend (finanzieller) Unterstützung wird es eines Tages gelingen, die Infektionskrankheiten auszurotten.

Der angebliche Feind, die Mikroorganismen, sind die größte Gruppe von Lebewesen auf Erden. Und die älteste! Seit 3,5 Milliarden Jahren leben sie schon auf diesem Planeten. Sie sind außerordentlich anpassungsfähig und vielseitig und keineswegs so primitiv, wie wir glauben. Sie erhalten die Bodenfruchtbarkeit, und ohne sie gäbe es kein Leben auf Erden. Sie sind die Vorfahren aller mehrzelligen Organismen. Sie sind auch unsere Vorfahren. Wahrscheinlich waren die Chloroplasten, die kleinen grünen Körper in den Pflanzenzellen, welche die Lichtenergie der Sonne aufzunehmen vermögen, einst ebenfalls freilebende Mikroorganismen. Auch die Mitochondrien, die in tierischen und pflanzlichen Zellen für die Sauerstoffatmung verantwortlich sind, und die Plasmiden, die einen Teil der Erbinformation weitergeben, waren ursprünglich Bakterien, die irgendwann in Zellen integriert wurden (Dixon 1998: 27).

Überall auf dem Planeten verdauen Bakterien und andere Kleinlebewesen die sich immer wieder ansammelnde Biomasse – um die 400 Milliarden Tonnen jährlich – und setzen die daraus entstehende Energie erneut frei. Ohne die Zellulose abbauenden Bakterien in ihren Mägen könnten Büffel, Schafe und Rinder Laub und Gras nicht verdauen. Mikroben befallen alles, was im Absterben begriffen ist und Lebenskraft verströmt: Herbstlaub, Kot, Kadaver, krankes Gewebe. Das ist ihre wichtigste Aufgabe im ganzheitlichen Gefüge der Natur: Sie bewerkstelligen den notwendigen Abbauprozess (Storl 2001: 203). Diesen Prozessen entgeht auch der Mensch nicht; auch wir sind Teil des natürlichen Kreislaufs von Leben und Tod, Aufbau und Abbau. Nimmt unsere Lebenskraft durch ungünstige Lebensumstände (Alter, Fehlernährung, Umweltgifte, Bestrahlung, Medikamentennebenwirkungen, Stress oder – auch das hat eine immunsuppressive Wirkung – Verlust der Daseinsfreude und des Lebenssinns) ab, dann wird der Boden bereitet für die abbauenden Bakterien, die uns dabei helfen, uns unserer Inkarnation zu entledigen.

Billionen Bakterien – mehr als es je Menschen auf Erden gab oder geben wird – besiedeln unseren Körper. Pro Körperzelle sind das zehn Mikroorganismen (Blech 2000: 23). Da sie sich meistens als friedliche und hilfreiche Mitbewohner erweisen, sind wir uns dessen kaum bewusst. Bis zu einem Kilo Körpergewicht geht auf ihr Konto. Freudig besiedeln sie Haut, Mund, Rachen, Verdauungstrakt und Scheide, wo sie einen Film bilden, der das Eindringen krankmachender Keime verhindert.

Im 19. Jahrhundert erkannte man im Zuge der Weiterentwicklung der Mikroskopie und später unter dem Einfluss der Mikrobenjäger, dass sich die meisten Bakterien im Darm befinden. »Der Tod sitzt im Darm!«, lautete nun das geflügelte Wort; Ärzte diagnostizierten bei ihren Patienten »intestinale Toxifikation«, »Darmsanierung« war angesagt. Inzwischen wissen wir, dass wir ohne die zig Milliarden hungriger »Tafelgäste«, ohne die rund 500 Bakterienarten, die den Darm besiedeln, gar nicht leben könnten. Die Darmschleimhaut, mit ihren über 200 Quadratmetern Kontaktfläche, ist unser größtes Immunorgan. Hier, in den Darmschleimhäuten, begegnet unser Organismus vielen verschiedenen Bakterien, die von Immunzellen, den B-Lymphozyten10 und T-Lymphozyten11, aufgenommen, erkannt, wieder ausgeschieden und in Erinnerung behalten werden. Auf diese Weise trainieren und stimulieren unsere winzigen Gäste unser Immunsystem. Es kommt so zur Bildung natürlicher Antikörper, die in die Lymph- und Blutbahnen abgegeben werden und den Körper schützen (Blech 2000: 37). Die Darmflora hilft uns auch beim Verdauen unserer Nahrung und liefert wichtige Substanzen an unseren Organismus: Vitamin K, das uns bei der Blutgerinnung hilft, die Vitamine B2 (Riboflavin), B6 (Pyridoxin) und B12 (Cobalamin), Biotin, Folsäure, Pantothensäure und andere. Inzwischen wissen wir auch, dass ein »gutes Darmmilieu«, gefördert durch milchsäurebildende Lactobazillen und Bifida, gegen krankmachende Mikroorganismen und wuchernde abartige Zellen schützt. Auch die weibliche Scheide enthält eine vielfältige Flora. Wenn ein Kind auf natürliche Weise geboren wird, nimmt es beim Durchgang durch die Lebenspforte die mütterlichen Bakterien auf, die sich rasch vermehren. Bei Kaiserschnittgeburten besteht das Risiko, dass krankheitserzeugende Bakterien den Darm des Kindes besiedeln (Cannon 1994: 169). Die Darmflora des Säuglings wird durch Immunglobuline (IgA) in der Muttermilch und die Mikroorganismen, die die Brustwarzen besiedeln, aufgenommen. Dadurch entwickelt sich das Immunsystem des Säuglings.

Bakterien sind seit vielen Hunderten von Millionen Jahren unsere Weggefährten. Während der langen Zeit haben sich Symbiosen eingespielt, die für beide Partner lebenswichtig sind. Die meisten Bakterien, die unseren Körper besiedeln, sind keine Krankheitserreger, sondern, wie Jörg Blech sagt, vor allem »Gesundheitserreger«.

Die gesunde Darmflora wird gestört oder geschädigt durch folgende Faktoren: Schwermetalle, Umweltgifte, Chemotherapie, Kortison, Impfungen, Fehlernährung (zu viel Zucker und Eiweiß, Junkfood), seelische Faktoren (Stress, Depressionen, unterdrückte Wut) sowie Antibiotika.

Antibiotika sind, wie ihr Name besagt, gegen (anti) das Leben (bios) gerichtet. Ihre Anwendung ist eine Kriegserklärung an die Welt der Mikroorganismen; sie sind erfunden worden, um diese zu zerstören. Aber da wir mit unseren Ko-Evoluten ein und dasselbe Lebensfeld teilen, schaden wir uns mit dem Angriff nur selbst. Die Schäden, die wir erleiden, sind unter anderem folgende:

• Wiederholte Antibiotikabehandlungen stören die hochkomplexe innere Ökologie des menschlichen Organismus, lassen Krankheitsprozesse entstehen, die mit multipler Sklerose, Diabetes oder Krebs enden können (McTaggert 2000: 217).

• Allergische Reaktionen, von Hautausschlägen bis zum tödlichen anaphylaktischen Schock, sind möglich.

• Das Ökosystem der Darmflora wird gestört, besonders wenn Breitbandspektrum-Antibiotika eingesetzt werden. Sie dezimieren die Bakterien, die normalerweise im gesunden Darm vorherrschen und begünstigen gefährlichere Mikroorganismen, die ebenfalls im Darm leben, aber sonst in Schach gehalten werden. Der sogenannte Reizkolon, Colitis und andere Darmerkrankungen sind häufig das Resultat.

• Es können Superinfektionen entstehen. Das bedeutet, dass die meisten symbiotischen Einzeller zu Grunde gehen und das Feld dann frei ist für eine besonders aggressive Art. Viele schwer zu behandelnde Harnweginfektionen haben darin ihre Ursache.

• In den letzten fünfzig Jahren, seit Einführung der Anwendung von Antibiotika (und der Massenimpfung), kam es zu einer dramatisch steigenden Zunahme von Autoimmunkrankheiten und Allergien. Der Verdacht liegt nahe, dass es da Zusammenhänge gibt.

• Viele Antibiotika, wie die Penicilline, basieren auf Giften, welche die Pilzorganismen absondern, um sich gegen Bakterien zu wehren. Antibiotika erzeugen ein pilzfreundliches Klima im Körper, was wiederum die Verpilzung, etwa mit Candida albicans, begünstigt.

• Wer Antibiotika nimmt, wird anfälliger für Infektionen, weil diese Medikamente im Darm einen Freiraum schaffen, den von außen eingedrungene Erreger besiedeln können (Cannon 1994: 156). Auch gegen Viren ist man dann weniger geschützt.

Die vermeintliche Wunderwaffe wurde von Anfang an zu oft und zu häufig eingesetzt. Kaum war man in seiner Praxis, setzte unser Dorfarzt die Penicillinspritze an. Moderne Medizin gegen jedes Leiden! Schnupfen, Muskelzerrung, Kopfschmerzen, Bauchweh, Entzündungen – gegen alles war sie gut. So war es nicht nur bei uns in Spencer, Ohio, sondern praktisch überall wurde in den fünfziger und sechziger Jahren das Wundermittel hemmungslos verschrieben. Gegen Pilz- und Viruserkrankungen wurde es verabreicht, und auch da, wo die Infektion von selbst wieder verschwunden wäre oder wo einfache Hausmittel wie Kräutertee und Bettruhe womöglich besser gewesen wären. Man schätzt, dass 40 bis 70 Prozent der Verschreibungen unnötig waren.

Inzwischen werden weltweit 50 Millionen Tonnen Antibiotika produziert, die meisten davon synthetisch (Cannon 1994: 15). Der Großteil davon wandert in die Massentierhaltung. Rinder und Schweine bekommen dreißigmal so viel Antibiotika als Menschen. Sie sollen verhindern, dass die gequälten Tiere sterben, bevor sie schlachtreif sind. Zugleich nehmen die Tiere dank der Antibiotikagaben schneller an Gewicht zu. Tetracyclin gilt als wirksamer Wachstumsbeschleuniger. Da im Netz des Lebens aber alles zusammenhängt, bleibt der Mensch nicht ungeschoren: Allein in den USA sind 6,5 Millionen Lebensmittelvergiftungen auf resistente Salmonellen zurückzuführen.

Profitabel ist der Antibiotikaeinsatz nur für die Industrie. Aus kleinen Medikamentenherstellern wurden so multinationale Giganten. In der westlichen Welt wird für Medikamente und Medizin ebenso viel ausgegeben wie für Rüstung. Es geht um Hunderte von Milliarden Dollar. Beides, Krieg und Krankheit, sind angstbesetzte Themen, und mit Angst lässt sich manipulieren und herrschen. Heutzutage geben die US-Amerikaner mehr Geld für Medikamente aus als für Wohnungen und Lebensmittel zusammen. Aber gesünder geworden sind sie dadurch nicht.

Dass die Mikroorganismen sich wehren könnten oder dass sie neue resistente Formen hervorbringen könnten, glaubte zuerst niemand. Wissenschaftler sahen keine Gefahr, denn nach der darwinistischen Evolutionslehre finden Veränderungen im Erbgut äußerst selten statt. Man errechnete eine Frequenz von Zufallsmutationen von ungefähr eins zu einer Milliarde pro Generation. Bakterien haben einen sehr schnellen Generationswechsel: Eine Bakterie bringt pro Tag ungefähr 17000 Töchter hervor, diese haben dann wiederum jeweils 17000 Töchter und so weiter. (Die Borrelien vermehren sich viel langsamer.) Aber auch in dem rapiden Generationswechsel sah man keine Gefahr, denn die meisten dieser genetischen Mutationen sind Missbildungen, sie bringen keine Überlebensvorteile, sondern enden mit dem Tod des Mutanten (Buhner 2002: 119).

Die Wirklichkeit sah jedoch anders aus. Es stellte sich heraus, dass die Anpassung dieser Kleinstlebewesen an wechselnde Umweltbedingungen äußerst schnell vor sich geht. Antibiotika bedeuten für sie extremen Umweltstress und Selektionsdruck. Schon im ersten Jahr (1945) nach der kommerziellen Anwendung des Penizillins waren 14 Prozent der Staphylococcus-aureus-Bakterien resistent. Rund fünfzig Jahre danach gab es die ersten Staphylokokken, die gegen jedes vorhandene Antibiotikum resistent waren. Inzwischen werden allein in den USA pro Jahr drei Millionen Patienten mit Infektionen in Krankenhäuser eingeliefert, die nicht mehr mit Antibiotika in den Griff zu bekommen sind. Zwei Millionen Amerikaner stecken sich mit schwer zu behandelnden Krankenhausinfektionen an, und trotz der 14 000 amtlich registrierten keimtötenden Mittel sterben an solchen Infektionen jährlich 100000 bis 150 000 Menschen (Garrett 2001: 264). In der Bundesrepublik Deutschland stecken sich jedes Jahr zwischen 450 000 und 900 000 mit Krankenhauskeimen an (Blech 2000: 186).

Infektionskrankheiten sind wieder auf dem Vormarsch. Einer von sieben Tuberkulosefällen spricht nicht mehr auf Antibiotika an. Eine neue Pneumococcus-Rasse aus Südafrika, die neben Lungenentzündung auch Wundinfektion, Ohrenentzündung und Meningitis hervorruft, ist gegen Antibiotika gefeit. Die WHO spricht von acht Millionen neuen TB-Fällen; drei Millionen sterben weltweit an der vermeintlich besiegten Seuche. Tripper, Syphilis, Hirnhautentzündung, Lungenentzündung und andere Plagen nehmen wieder zu.

Wir haben den Krieg gegen die Mikroben verloren. Der erbitterte Kampf, den die Ärzte gegen die Keime führen, gefährdet die uns schützenden harmlosen Bakterien und macht uns anfälliger für Krankheiten (Cannon 1994: 125). Die neuen Keime sind gefährlicher als jene aus der Vor-Antibiotika-Zeit: Wir haben uns Supererreger herangezüchtet. Ehemals harmlose Mitbewohner unseres Körpers werden plötzlich zu virulenten Killerkeimen wie Escherichia coli, der zur normalen Darmflora gehört und kein Problem darstellt, nun aber zu E. coli 0157: H7 mutiert ist. Auch die Candida-Pilze sind eigentlich harmlos und sie werden erst problematisch, wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind und das innerkörperliche ökologische Gleichgewicht gestört ist.

Die Brutstätten für Killerkeime befinden sich überall dort, wo Antibiotika auf unnatürlich eng zusammengedrängtes Tier- oder Menschenleben treffen: Hühnerställe, Mastställe, Fischfarmen, Altenheime, Kinderkrippen, Gefängnisse, Slums, Tierheime. Hier ist die Mutationsrate besonders hoch. In den USA spritzt man Milchkühen das genmanipulierte Wachstumshormon BGH (Bovine Growth Hormone), das die Milchproduktion extrem steigert, zugleich aber zu viel häufigeren Euterentzündungen und dies wiederum zu höherem Antibiotikaeinsatz und in der Folge mehr mutierten Bakterienstämmen führt. Die Abfälle und Abwässer aus solchen Brutstätten gelangen in den Boden und in Gewässer, und da die meisten Antibiotika sich langsam oder kaum abbauen, töten sie auch dort wertvolle Kleinlebewesen oder erzwingen deren Mutation.

Die Gruppenseelen der Bakterien

Das sind wahre Hiobsbotschaften. Wie ist es so weit gekommen? Wie bringen die Mikroben dies fertig? Langsam erkennen die Wissenschaftler, dass diese Kleinlebewesen zwar hirnlos sind und kein Nervensystem besitzen, sich aber dennoch als kluge Überlebenskünstler erweisen, dass sie wahrnehmen, was geschieht, dass sie höchst intelligent auf Antibiotika reagieren und dass sie anderen Mikroorganismen ihre »Erkenntnisse« weitervermitteln können. Ein in »Newsweek« zitierter Mikrobiologe verstieg sich sogar zur unwissenschaftlichen Feststellung, diese »germs [seien] clever little devils« (»schlaue kleine Teufelchen«).

Wie schaffen es die Bakterien, gegen Antibiotika immun zu werden? Wenn ihre Umwelt durch Gifte verseucht wird, warten sie nicht auf zufällige Mutationen, sondern stellen sich mit gezielten, auf die Umstände abgestimmten Mutationen darauf ein (Sheldrake 1993: 166). Lamarck12 lässt grüßen! Amerikanische Wissenschaftler waren verblüfft, als sie feststellten, dass die Bakterien oft schon mutieren, bevor sie mit einem neuen Antibiotikum in Berührung kommen, als hätten sie es in einer Art Vorahnung antizipiert (Buhner 2002: 123). Sheldrake erklärt diese verblüffende Tatsache dadurch, dass die Mikroben Teil von morphogenetischen Feldern sind, und diese Felder existieren über Raum und Zeit hinaus.

»Krankheit als Gottesgeisel«. Holzschnitt aus dem Feldtbuch der Wundtarzney von G. v. Gerdoff, 1530.

In der Gegenwart von Antibiotika wird der Austausch von Informationen unter Mikroben um das Hundertfache beschleunigt. Resistente Bakterien tauschen Genmaterial (Nukleinsäureringe, Plasmiden) nicht nur durch Kopulation mit ihren Artgenossen aus, sie geben die Information auch an andere Bakterienarten weiter. Springende oder vagabundierende Gene (Transposons) werden in die Umwelt abgesondert und von anderen Bakterien aufgelesen. So etwas ist bei höheren Organismen nicht möglich, es sei denn, es wird durch aufwendige Genmanipulation erzwungen. Vancomycin13-resistente Enterokokken haben ihre Immunität auf diese Weise an Streptokokken und Staphylokokken weitergereicht (Garrett 2001: 266). Auch Viren, die ihrerseits Bakterien befallen, übertragen Informationen bezüglich Immunität auf ihre bakteriellen Wirte. Einige Bakterien haben gelernt, ihre äußere Struktur so zu ändern, dass sie weniger angreifbar sind, andere haben gelernt, die Gifte schneller aus ihrem System hinauszupumpen, die Antibiotika chemisch zu neutralisieren oder sie gar als Nahrung zu verwerten.

Indem wir diesen Einzellern eine Intelligenz zuschreiben, befinden wir uns in gefährlicher Nähe zu alten, längst überholten, mystischen Vorstellungen, etwa zu den Gedanken des Paracelsus, der Krankheiten als geistige »Entitäten« (lateinisch ens, entis = »das Seiende«) sah, als Wesenhaftes, das von den Sternen, von der Natur, vom Geist oder gar von Gott ausgeht und das man weder töten noch ausrotten kann. Was wir als Bakterien ansehen, wäre demnach Ausdruck dieser geistigen Kräfte oder Entitäten innerhalb eines physikalischen Wirkfeldes.

Die sogenannten Krankheitskeime wie auch das Krankheitsgeschehen haben immer auch einen geistig-seelischen Hintergrund. Die Bakterienstämme sind – im Sinne von Rudolf Steiner – hochintelligente Wesenheiten, »Gruppen-Ichs« oder Gruppenseelen. Nur sind bei ihnen nicht wie etwa beim menschlichen Individuum die Zellen zu festgefügten Organen gebündelt und als solider Körper organisiert, sondern ihre unzähligen Zellen leben amorph, frei und ungebunden. Ihre Körperlichkeit breitet sich sozusagen über ganze Landstriche, über Kontinente oder gar über die ganze Erde aus. Und dennoch werden sie von einer unsichtbaren, arttypischen Intelligenz, etwa einem »Staphylococcus-aureus-Ich« oder einem »Borreliose-burgdorferi-Ich«, geführt. Wie eine Wolke oder eher wie ein Dunst (Miasma) breiten sie ihren formlos fließenden »Körper« aus und verrichten ihr Vernichtungswerk ausschließlich dort, wo sie das richtige Terrain, den ihnen zusagenden Nährboden, finden. Wenn Bazillen massenhaft in einem Organ oder Körperteil des Menschen auftreten, ist es nur natürlich, dass sie allerlei Entzündungen hervorrufen, so wie jeder eingedrungene Fremdkörper Reaktionen hervorruft (Steiner 1961: 329). Aber diese Entzündungen sind nicht die Krankheit an sich, sondern nur »der Rauch, der vom Feuer ausgeht« (Paracelsus 1942: 78), nur der Anzeiger, dass etwas mit dem Terrain nicht in Ordnung ist. Im christlichen Sinne könnten diese intelligenten, ja weisen Gruppen-Ichs der Bakterien als Racheengel Gottes oder als Dämonen beziehungsweise gefallene Engel gedeutet werden, die ausgesendet werden, wenn der Mensch nicht im Einklang mit dem Kosmos lebt.

Diese Engel, Dämonen oder Krankheitsgeister können von dafür begabten Menschen in Zuständen außergewöhnlichen Bewusstseins – im Traum, während einer Entrückung, in der entheogenen Bewusstseinserweiterung oder in schamanischer Trance – wahrgenommen werden. Auf seiner Wanderung durch Böhmen nach Wien nahm Richard Wagner eines Nachts in einer Herberge den Geist der Cholera wahr und unterhielt sich mit ihm. Am nächsten Morgen erfuhr er, dass in der vorangegangenen Nacht ein anderer Gast im selben Bett an der Cholera gestorben war. Er selbst wurde nicht angesteckt. Aus den Berichten der Schamanen hören wir immer wieder, dass ein bewusstes Erkennen und ein angstfreier Umgang mit solchen übersinnlichen Wesen oft Leid erspart.

Die oft schreckenerregenden Erscheinungsformen dieser astralätherischen Wesenheiten sind nicht Resultat willkürlicher, subjektiver Fantasien, sondern es handelt sich um wirkliche transzendente Wahrnehmungen. Mit den fünf Sinnen und den technischen Instrumenten, die diese Sinne erweitern und verstärken, nimmt man die materiellen Dinge der äußeren, empirischen Welt wahr. Mit den inneren Sinnen jedoch – in luziden Träumen, in Visionen, auf schamanischen Reisen – nimmt man die »Innenseite der Dinge« wahr, die nichtmaterielle »Astralwelt«, die Seelenwelt, in der sich auch die Gruppenseelen, die Archetypen der Pflanzen, der Tiere und der Mikroben befinden. Weltweit, bei allen traditionellen Völkern kennt man diese Wesen, die die Innenseite der Erscheinungen bevölkern. Märchen und Sagen berichten von ihnen, geschnitzte Masken – Falschgesichter der Irokesen, tibetische Dämonenmasken, afrikanische Voodoo-Masken, alpenländliche Perchten usw. – stellen sie bildlich dar. Und da Krankheiten Entitäten sind, kann der traditionelle schamanische Heiler mit ihnen verkehren, kann mit ihnen reden – wie Richard Wagner es tat –, kann mit ihnen verhandeln und den Kranken von ihrem Griff befreien. Ihnen, nicht den menschlichen Zuschauern – den Ethnografen, den Bilder knipsenden Touristen oder den neugierigen Journalisten –, gelten die Beschwörungen, Räucherungen, Rituale oder Gebete. Das macht eigentlich das schamanische Heilen aus: die Auseinandersetzung mit dem »Geist« der Krankheit. Die Symptome werden zwar genau wahrgenommen, aber sie sind zweitrangig.

»Das Problem mit dieser Sache ist«, wie es vor vielen Jahren mein Anthropologie-Professor an der Ohio State University, John Denton, formulierte, »dass all das elitäre Fähigkeiten voraussetzt, hellseherische Begabungen, die nicht jeder hat. Es ist wissenschaftlich nicht überprüfbar. Und das ist im Grunde genommen undemokratisch. Wenn eine Aussage nicht überprüfbar oder, wie es der Philosoph Karl Popper formulierte, nicht falsifizierbar ist, wie kann man dann echte Seher von Scharlatanen unterscheiden?« Professor Denton hat natürlich Recht. Und dennoch gibt es Menschen, die Dinge sehen, die anderen vorenthalten bleiben, es sei denn, ein heilsamer Schock, eine initiatorische Krankheit, wie etwa die Borreliose, ergreift und erschüttert sie, reißt sie aus dem alltäglichen Stumpfsinn heraus, schärft ihre Sinne und macht sie sensibler.

Genau das soll eine der bleibenden Wirkungen einer Borreliose sein. Die Krankheit hinterlässt, auch wenn sie ausgeheilt ist, beim Betroffenen eine erhöhte Empfindlichkeit. Er wird zu einer Highly Sensitive Person (HSP), zu einem »hoch empfindsamen Menschen« (Aron 1999). Zu diesem Aspekt des »Post-Lyme Syndroms« gehört eine erhöhte Intuition und ein feines Gespür für die Umwelt. Diese Menschen vertragen keinen Elekrosmog, wie er von schnurlosen Telefonen, Handys oder Mikrowellen ausgeht, auch keine niedrig frequente Strahlung von Fernseher, Computer oder Steckdosen. Schwermetalle und geopathische Belastungen machen ihnen zu schaffen. Dafür schätzen sie Ruhe, Meditation und den Aufenthalt in natürlicher Umgebung.

Wer weiß, vielleicht ist es die Aufgabe der Borrelien-Entität, die heutigen Menschen wieder etwas feinfühliger und empfindsamer zu machen?

Die Natur hat immer Recht,

Und die Fehler und Irrtümer sind immer die der Menschen.

Johann Wolfgang von Goethe

Und selbst jedes Käferlein,

jedes schmutzige Käferlein,

fest lass mich sie alle halten,

keines meinem Griff entfallen.

Mögen meiner Kinder Wege

allesamt Erfüllung finden …

Aus dem Lied eines Zuni-Regenpriesters

9 Der Manichäismus, benannt nach dem Religionsstifter Mani (216–277 u.Z.), vertritt einen radikalen Dualismus von Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkel. Die Lehre beeinflusste das Denken des heiligen Augustinus und wirkt im Islam, im Calvinismus und einigen philosophischen Strömungen fort. Siehe Storl, Shiva, Kap. 9, KOHA-Verlag, 2002.

10 B-Lymphozyten (Bursa-abhängige L.) bilden hochspezifische Antikörper (Immunglobulin) gegen unbekannte Eindringlinge (Bakterien, Pilze, Viren) und speichern die Informationen (»Gedächtniszellen«).

11 T-Lymphozyten (Thymus-abhängige L.) zerstören als »Killer-Lymphozyten« körperfremde Zellen; sie können aber auch Immunreaktionen unterdrücken, wenn die Abwehr erfolgreich ist (»Unterdrückerzellen«), oder sie speichern als »Gedächtniszellen« die Merkmale der Eindringlinge.

12 Jean-Baptiste de Lamarck, Naturforscher, stellte die These auf, dass die Arten veränderlich sind, weil sie auf unmittelbare Umweltreize reagieren, und dass sich diese Reaktionen im Erbgut niederschlagen. Diese als überholt geltende evolutionäre These wurde durch Darwins Theorie der natürlichen Auswahl ersetzt.

13 Vancomycin, ein Bakterizid, das in die Zellwand grampositiver Bakterien eindringt, galt lange als letzte Hoffnung bei lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten.

EIN GLIEDERTIERCHEN VERSETZT DIE WELT IN SCHRECKEN

Die Kleinstadt Old Lyme mit siebentausend Einwohnern liegt am Long-Island-Sund, der Meeresenge, die Connecticut von New York trennt. Der Ort mit seinen schmucken weißen Holzhäusern und alten Kirchen aus der Kolonialzeit ist umgeben von Feuchtgebieten und bewaldeten Hügeln, die im Indian Summer in den leuchtendsten Farben aufflammen. Schon um 1665 siedelten hier die ersten Weißen – für Amerika ist das eine lange Geschichte. Bekannt wurde der Ort aber durch etwas anderes.

Im Frühsommer 1975 machte sich eine Mutter Gedanken darüber, dass das Städtchen von einer merkwürdigen »Arthritisepidemie« heimgesucht wurde. Zwölf Kinder waren von rheumatischer Arthritis befallen. Wie konnte das sein, wo doch Arthritis meistens ältere Menschen befällt? Und vor allem, Arthritis ist doch nicht ansteckend! Außerdem ereignete sich der Befall im Frühsommer, während doch die Knochen und Gelenke sonst vor allem im feuchten, kalten Herbstwetter schmerzen. Aufmerksame Beobachtung zeigte, dass die Krankheit meistens mit einem roten, sich ausdehnenden Hautfleck anfing. Dieser Hautfleck entstand nach dem Stich der Hirschzecke14. Die merkwürdige Krankheit wurde nach dem Ort benannt; man sprach von nun an von der Lyme-Krankheit (Lyme disease).

Zeckenbisse hat es in den Wäldern Neuenglands schon immer gegeben, zwar nicht in der Häufigkeit, wie sie in den letzten Jahren beobachtet wurde. Der Biss oder besser Stich war zwar lästig, aber er galt nie als ein Problem. Mit einer Streichholzflamme oder etwas Nagellack war man den Plagegeist los. Nun aber schien es, dass die Zecke doch nicht so harmlos war. Der ursprünglich aus der Schweiz stammende Willy Burgdorfer, Bakteriologe in den Rocky Mountain Laboratories (Montana), nahm sich der Sache an: Er untersuchte die Krabbeltiere und entdeckte in ihrem Magen eine Spirochäte, ein schraubenförmiges Bakterium, das fortan seinen Namen trug: Borrelia burgdorferi. Im März 1983 veröffentlichte er seinen Forschungsbericht im »New England Journal of Science«.

Der Bösewicht

Die Zecke – auch Holzbock, Laubbock, Wald- oder Schildzecke genannt – gibt es auch bei uns. Ihr wissenschaftlicher Name ist Ixodes ricinus (ricinus bezieht sich auf die Samen des Wunderbaums, der Rizinuspflanze, denen die prall vollgesogene erwachsene Zecke ähnelt). Das Wort Zecke (englisch tick, plattdeutsch Tike) ist altgermanisch und bedeutet »Zwicker«, »zwickendes Insekt«. Als solches gehörte es zu den »elbischen Plagegeistern«, zu dem »Gewürm«, das von boshaften Zauberern und Zauberinnen den Menschen und seinen Haustieren angehext wird und alle möglichen Krankheiten bringen kann. Die Germanen glaubten, dass das Ungeziefer genauso wie Mensch und Vieh auch die Bäume plagt; übelgesinnte Hexer gingen daher in den Wald und schüttelten es von den Bäumen (Mannhardt 1875: 14).


Der Holzbock ist ein 1 bis 2 Millimeter langes Spinnentier, verwandt mit Milben und Krätzmilben. Weltweit gibt es etwa 650 Zeckenarten.15 Die meisten Zeckenarten durchlaufen, nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind, drei Stadien: Larven, Nymphen und erwachsene Tiere. Die winzigen Larven und die rund anderthalb bis zwei Millimeter großen Nymphen haben sechs Beine, die Erwachsenen acht. Zecken mögen kein direktes Sonnenlicht; sie lauern im feuchten, schattigen Gebüsch oder im Gras und warten auf eine vorbeiwandernde »Blutmahlzeit«. Die winzigen Vampire klettern jedoch nicht, wie es im Volksmund heißt, auf die Bäume und lassen sich auf ihre Opfer herabfallen. Im Gebüsch krabbeln sie aber immerhin bis auf anderthalb Meter, was der Höhe eines potenziellen Wirts entspricht, und gehen in Lauerstellung, bis ein Mensch oder Tier vorbeistreift. Zwar sind sie blind, aber sie nehmen mit besonderen Organen an den ersten Beinpaaren die leichteste Veränderung in ihrer Umgebung wahr. Sie empfinden die feinste Erschütterung, die durch die Bewegung ihres unfreiwilligen Wirts verursacht wird; sie riechen seinen kohlensäurehaltigen Atem, seine Ausdünstungen, den Schweißgeruch (Milchsäure, Buttersäure, Ammoniak); sie nehmen die Lichtveränderung durch seinen Schatten wahr; sie können Wärmeunterschiede von wenigen Hunderstel Grad spüren, und dann bewegen sie sich rasch krabbelnd in die verheißungsvolle Richtung. Am meisten zieht es sie zu Menschen mit »saurem« Schweiß, also jenen, die unter Stress leiden oder die sich nicht basisch ernähren, sondern mit einem Überschuss an fleisch- und zuckerhaltiger Nahrung den Körper übersäuern.

Die winzigen Larven, die nicht größer sind als der Punkt am Ende eines Satzes, leben vom Blut vor allem von Kleinsäugern, von Mäusen, Ratten, Igeln, Siebenschläfern und gelegentlich von Eidechsen und Vögeln. Die Eier der Zecken enthalten noch keine Borreliose-Spirochäten. Erst durch diese Kleintiere, vor allem die Nager, die so etwas wie ein Borrelienreservoir bilden, werden die Zecken mit Borrelien infiziert. Die Spirochäten, die in diesen Tieren leben, merken sofort, wenn eine Zeckenlarve an ihrem Wirt saugt. Die betäubenden, immun- und histaminhemmenden Chemikalien im Speichel, den die Zecken in den Wirt hineinspritzen, sind das Signal an die Borrelien, sofort – wie Eisenspäne zum Magnet – in Richtung Einstichstelle auszuschwärmen. Von dort aus infizieren sie die Zeckenlarve oder-nymphe und kolonialisieren deren Darm.

Auf diese Weise werden schätzungsweise etwa 1 Prozent der Larven mit Borreliosebakterien infiziert. Die Nymphen, die ebenfalls an Nagetieren saugen, sollen (in Europa) zu etwa 10 Prozent durchseucht sein. Die erwachsenen Zecken, die auf größeren Säugetieren – Rehen, Hirschen, Pferden, Hunden, Menschen – schmarotzen, sollen um die 20 Prozent mit Borreliose und zu 1,5 Prozent mit dem FSME-Virus infiziert sein. Diese statistischen Angaben sind jedoch mit größter Vorsicht zu genießen, da die Durchseuchung von Region zu Region äußerst unterschiedlich ist und die Untersuchungen keineswegs repräsentativ sind. Nach neuen Schätzungen sollen in den USA allein die Nymphen je nach Region zwischen 30 und 100 Prozent mit Borrelien infiziert sein (Buhner 2005: 19).

Der Zyklus von der Larve bis zum geschlechtsreifen Tier dauert zwei bis drei Jahre. Das erwachsene Weibchen braucht viel Blut, damit die rund 3000 Eier, die es legen wird, ausreifen können. Die Männchen, die gleich nach der Begattung sterben, nehmen eine geringere Blutmahlzeit zu sich. Wenn sie einen warmblütigen Wirt gefunden hat, nimmt sich die Zecke viel Zeit – bis zu mehreren Stunden –, bis sie die passende Einstichstelle findet. Ein befreundeter homöopathischer Arzt, Dr. med. Roland Günther, vermutet, dass die Einstichstelle nicht dem Zufall überlassen wird, sondern dass es sich dabei möglicherweise um eine Akupunkturstelle handelt, an der die Zecke ihren mit Widerhaken versehenen Stechapparat in die Haut versenkt. Er meint, man solle sie ruhig gewähren lassen und ihr für die Akupunktur das bisschen Blut gönnen. Die Ansicht des unorthodoxen Mediziners widerspricht diametral jenen Untersuchungen, die besagen, dass die Gefahr einer Infektion mit der Länge der Zeit, während der der kleine Vampir saugt, entsprechend steigt. Nach US-Studien besteht nach 12 Stunden Saugzeit noch keine Ansteckungsgefahr, nach 24 Stunden beträgt die Wahrscheinlichkeit der Übertragung 30 Prozent und nach 48 bis 72 Stunden fast 100 Prozent (Lösch et al 2006: 16).

Der Stechapparat der Zecke (stark vergrößert).

Wenn das warme Blut aus dem angestochenen Säugetier oder Menschen in die Zecke hineinfließt, kommt es in ihrem Wanst zu einer Temperaturerhöhung und zum Absinken des pH-Werts. Das verstehen die Spirochäten sofort als Botschaft: Sie wissen, dass sie nun einen anderen Organismus besiedeln können. Mit Hilfe der genetischen Information ihrer Plasmiden analysieren sie das einströmende Blut und erkennen, ob es das Blut einer Maus, eines Hundes, eines Rehs oder eines Menschen ist. In kurzer Zeit passen sie ihren Stoffwechsel und ihre Zellmembranen dem betreffenden Organismus an. Sie verändern je nach Wirt die Oberfläche ihrer Eiweißhüllen, um dessen Immunzellen überlisten zu können. Danach wandern sie, getarnt und gepanzert, vom Darm, wo sie sich hauptsächlich aufhalten, zu den Speicheldrüsen der Zecke. Das braucht etwas Zeit. Deshalb stimmt es: Je länger die Zecke saugt, umso eher hat die Invasionsarmee der Spirochäten eine Chance, in den neuen Organismus überzusiedeln.

Der Befallene bemerkt den Zeckenstich meistens nicht, da der Speichel der Zecke schmerz- und gerinnungshemmende Substanzen enthält. Erst wenn diese wirken, senkt die Zecke ihren mit Widerhaken versehenen Stechapparat in die betäubte Haut und hinab bis zu den kleinen Blutgefäßen. Mit einer Art Klebstoff verankert sie ihr Mundwerkzeug fest in der Haut. Zwei, drei Tage, manchmal noch länger, schleckt sie nun Blut. Dabei nimmt sie das Hundert- bis Zweihundertfache ihres eigenen Gewichts auf. Wenn dann ihr dehnbarer lederiger Hinterleib prall voll ist, fällt sie ab, legt ihre Eier und stirbt.

Zecken ertragen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Aber erst, wenn die Temperatur im Frühling über zehn Grad steigt, werden sie aktiv. Im Hochsommer wird es ihnen zu heiß, da verkriechen sie sich. Deswegen ereignen sich die meisten Ansteckungen mit Borreliose, wie auch mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), im Frühsommer. Die Zecken haben aber auch natürliche Feinde: Extrem kalte Winter dezimieren sie. Ameisen und Spinnen fressen ihre Eier und Larven. Einige Mehltauarten können sie befallen, ebenso Fadenwürmer (Nematoden). Es gibt Vögel, für die eine Zecke ein Leckerbissen ist. Und es gibt winzige parasitische Wespen (Ixodiphagus hookeri), die ihre Eier auf Zecken legen; die ausgeschlüpften Wespenlarven fressen dann die Zecken von innen her auf.

Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können

Neben der Lyme-Borreliose kann der Holzbock eine Vielzahl von ziemlich unangenehmen Infektionskrankheiten übertragen. Manchmal, aber sehr selten, treten sie auch als Ko-Infektionen mit der Borreliose in Erscheinung. Expertenschätzungen liegen zwischen 120 bis 800 Erkrankungen, die durch Zeckenbiss übertragen werden können. Darunter befinden sich folgende:

• Rückfallfieber (Febris recurrens), dessen Erreger ebenfalls eine Spirochäte ist. Symptome sind wiederholte Fieberschübe, Milzvergrößerung, fleckenförmige Haut- und Schleimhautblutungen, Muskelund Gliederschmerzen und diverse Komplikationen.

• Babesiose (Piroplasmose), eine durch Sporentierchen (Protozoen) ausgelöste malariaähnliche Infektion vor allem bei Tieren, gelegentlich auch bei Menschen. Infolge der zerfallenden Zellen kommt es zu Symptomen wie Blutharnen, Blutarmut und Gelbsucht.

• Als Fleckfieber, Flecktyphus, Hunger-, Kriegs- oder Läusethyphus bezeichnet man eine Gruppe von typhusähnlichen Erkrankungen (Rickettsiosen), die durch Ricksettsia-Bakterien ausgelöst werden. Die Bakterien befallen die Auskleidung der Blutgefäße (Endothelgewebe) und lösen schwere Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, fleckenförmige Hautausschläge, eventuell Hirnhautentzündung und Kreislaufkollaps aus. Verwandt sind das Felsengebirgsfieber (Rocky Mountain Spottet Fever), das weniger gefährliche Fünftagefieber und etliche andere Infektionen.

• Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), eine weitere von Zecken übertragene, vermutlich durch einen Virus ausgelöste Krankheit, hat ein grippales Vorstadium (Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber). In seltenen Fällen entwickelt sie sich, vor allem bei älteren Menschen, zu einer Hirnhautentzündung, die aufs Gehirn übergreift.

Wir leben in einer Zeit, in der das Gehirn und die Intelligenz wie ein Götze verehrt wird. Da löst die Vorstellung von einer hirnschädigenden FSME eine regelrechte Hysterie aus. In Österreich gab es eine Kampagne, die den Bewohnern von sogenannten Risikogebieten16 dringend eine von einem Professor in Wien entwickelte Impfung empfahl. Die im ganzen Land aufgeklebten Plakate, die den grotesk vergrößerten chitingepanzerten Kopf einer Monsterzecke samt Kieferklauen und bedrohlich ausgestreckten Vordergliedern zeigten, warben nicht etwa für den neusten Horrorthriller aus Hollywood, sondern für die »Zeckenschutzimpfung«. Das Resultat der Kampagne war, dass in Österreich fast 90 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. In den letzten 20 Jahren sind 35 Millionen Dosen des Impfstoffs verkauft worden – was die Aktionäre der Herstellerfirmen sicherlich erfreut.

Die Impfung täuscht den Schutz gegen alle Zeckenerkrankungen vor, ist aber nur gegen den FSME-Virus gerichtet. Sie macht nicht immun gegen Borreliose. Gegen diese cleveren Spirochäten ist bis jetzt kein Impfstoff erfunden worden. (Angeblich soll es inzwischen eine Borrelioseimpfung für Hunde geben. Ich vermute allerdings, dass es sich dabei – ohne dass die Hundehalter darüber aufgeklärt werden – um ein groß angelegtes Experiment handelt.)

Im Jahr 1998 verkündete der Pharmariese Glaxo Smith Kline, dass nun ein sicherer Impfstoff (LYMErix) erhältlich sei. Der auf der Grundlage eines der bakteriellen Oberflächeneiweißstoffe (OspA) entwickelte Impfstoff veranlasse das Immunsystem, Antikörper zu bilden. Wie es sich bald zeigte, hatte LYMErix so viele verheerende Nebenwirkungen, dass der Impfstoff in einem Sturm von Schadenersatzklagen 2002 wieder vom Markt genommen werden musste. Zu den Impfschäden gehörten unter anderem die Auslösung oder Reaktivierung heftiger Borreliosesymptome. Die körpereigenen Immunzellen (T-Zellen) rasteten aus und griffen Gelenkknorpelgewebe an, als wären sie feindliche Fremdstoffe. Einige der Geimpften landeten im Rollstuhl; Schwangere erlitten Aborte.17

Zur Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME werden als Grundimmunisierung drei Spritzen innerhalb eines Jahres empfohlen; dann im dritten darauf folgenden Jahr und alle fünf weitere Jahre Auffrischungsimpfungen. Neben inaktivierten, nicht vermehrungsfähigen FSME-Viren, die zu diesem Zweck in Hühnerzellen gezüchtet werden, enthält der Impfstoff Aluminiumhydroxid, Thiomersal, Formaldehyd und je nach Hersteller Spuren von verschiedenen Antibiotika. Die Impfung sei, so wird propagiert, für Forst- und Waldarbeiter, Landwirte, Urlauber, Jogger, Wanderer und sogar für spielende Kinder unerlässlich. Mäuse, Vögel, Rehe, Rotwild, auch infizierte Ziegen- und Schafsmilch gelten als Virenreservoir.

Bei diesem massiven Aufwand würde man meinen, man hätte es bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis mit einer echten Epidemie zu tun. Wie sieht es aber wirklich aus? In sogenannten Risikogebieten, wie Österreich, in der Nordschweiz und in Teilen Süddeutschlands, konnten FSME-Viren in einer von 900 Zecken nachgewiesen werden. Bei 60 bis 70 Prozent der gebissenen Personen hat das Virus keine Folgen; meistens wissen sie nicht einmal, dass sie gebissen wurden. Bei 20 bis 30 Prozent bleibt es bei grippeartigen Symptomen, und nur bei 5 bis 10 Prozent entwickeln sich neurologische Symptome, die – besonders bei Kindern – fast immer von allein wieder vergehen.18 Das Risiko einer dauerhaften Schädigung liegt bei 1 zu 78000. Im Gegensatz dazu treten bei einer unter 32000 Impfungen Nervenschäden auf. Also genau die Schäden, die eigentlich durch die Impfung verhindert werden sollten!19 Das Risiko der Impfung ist also nicht zu rechtfertigen!

In Deutschland, einem Land mit 82 Millionen Einwohnern, wurden jährlich im Durchschnitt 261 FSME-Erkrankungen gemeldet, von denen jeweils einer tödlich verlief. Das ist ein Todesrisiko von 1 zu 82 Millionen. In der Schweiz (7 Millionen Einwohner) erkranken schätzungsweise 100 Personen an FSME. Und in Österreich (über 8 Millionen Einwohner) gab es zwischen 1999 und 2004 41 bis 82 FSME-Erkrankungen pro Jahr; trotz flächendeckenden Impfungen stieg 2005 die Zahl auf 100 Erkrankungen mit 3 Todesfällen. Eine Epidemie? Das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, ist größer!

Noch etwas ist zu berücksichtigen: Zu Recht heben Impfkritiker hervor, dass die Symptome einer FSME-Erkrankung auch einer ganzen Reihe anderer möglicher Ursachen, wie Pestizid- oder Medikamentenvergiftung, zugeordnet werden können. Die Eindeutigkeit der FSME-Diagnose mittels Virentest ist nicht gesichert. Auch der gesundheitliche Ausgangszustand des Patienten wird bei der Diagnose kaum berücksichtigt (www.impfkritik.de; Stand 23. Mai 2006).

Natürliche Hilfen bei FSME-Verdacht

Wie bei allen Viruserkrankungen – Grippe, Erkältung, Masern, Herpes, Denguefieber, Ziegenpeter, Windpocken – gilt es zuallererst, um die Genesung zu unterstützen, vernünftig zu leben und die Natur zu Hilfe zu rufen: Bewegen Sie sich in frischer Luft und Sonnenschein, und nehmen Sie eine ausgeglichene basische Nahrung zu sich, essen Sie viel Vitamin-C-haltiges Obst und Gemüse. Auch Knoblauch und Zwiebel stärken die Abwehrkräfte. Dazu kommen Kuren mit Heilkräutern und Säften, die antiviral wirken (siehe auch Seite 244):

• Holundertee aus den Blüten des schwarzen Holunders (Sambucus niger) sowie Holundersaft aus den reifen Beeren. Der Saft hat sich insbesondere bei Viruserkrankungen wie Gürtelrose und Herpes bewährt.

• Schafgarbentee wirkt schweißtreibend, harntreibend, entgiftend und stärkt die Abwehrkräfte.

• Weitere pflanzliche Mittel mit immunstärkender, antiviraler Wirkung sind Zitronenmelisse als Tee, Tinktur oder Badezusatz, Johanniskraut als Tee sowie Sonnenhut als Tinktur verwendet.

• Zur Entschlackung und Entgiftung bei viralen Infekten helfen Brennnesseltee, Goldrutentee und die frischen grünen Frühjahrskräuter als Salat (Storl 2005b: 15).

Schutzmaßnahmen gegen Zeckenbiss

• Ehe man in die Natur geht: Beine mit Zedernöl, Nelkenöl, Teebaumöl, Pfefferminzöl oder anderen ätherischen Ölen einreiben. So taten es auch die Indianer. Einen guten Schutz erzielt man, wenn man Teebaumöl, Nelkenöl und Geranienöl mit einem anderen Hautöl mischt.

• Zecke schnell entfernen: Bisher wurde dazu meistens eine Zeckenzange verwendet, mit der der kleine Blutsauger am Kragen gepackt und – wie es in der Anweisung meistens heißt – gegen den Urzeigersinn herausgedreht wird. Aber ob rechts oder links herum kann man ruhig seinen politischen Überzeugungen überlassen, denn weder das eine noch das andere ist richtig (Konz 2000: 1337). Zecken schrauben sich nicht in die Haut, sondern stechen. Daher ist es das Beste, sie einfach herauszuziehen. Inzwischen weiß man auch, dass Zeckenzangen zu grob sind; sie quetschen die Zecke, was zur Folge hat, dass sie dabei ihren Darminhalt in die Einstichstelle erbricht. Noch schlimmer ist es, wenn man ihr, wie es früher allgemein üblich war, mit Nagellack, Öl, Klebstoff oder einer Streichholzflamme zu Leibe rückt. Die meisten Infektionen erfolgen durch derartige unsachgemäße Versuche, die Zecke zu entfernen bzw. durch das Ausquetschen.

Die winzigen Larven oder Nymphen hebelt man am besten mit einem spitzen Messer heraus oder schabt sie mit einer Rasierklinge ab. Eine erwachsene Zecke kann man mit einer Splitterpinzette am Kopf fassen und zügig herausziehen. Danach wird die Bissstelle mit Teebaumöl oder einem anderen ätherischen Öl desinfiziert (Borreliose SHG Kassel, März 2006).

• Wer in einer besonders stark mit infizierten Zecken bevölkerten Gegend lebt, etwa am Bodensee, kann vorsorglich drei Tage lang dreimal am Tag die homöopathische Borreliennosode D3020 einnehmen.

Weitere Übertragungsmöglichkeiten

Borrelien wurden auch in anderen stechenden und blutsaugenden Insekten gefunden, in Flöhen, Mücken, Bremen; sie können höchstwahrscheinlich ebenfalls Borreliose übertragen. Auch wenn sie Träger dieser Spirochäten sind, bleibt die Ansteckungsgefahr gering, da es bei ihnen nicht zu einer Darmentleerung kommt. Dennoch soll es nachweislich in Connecticut und in der BRD zur Ansteckung durch Flöhe und in Russland durch Milben gekommen sein. Einige amerikanische Forscher glauben sogar, dass bei grasenden Tieren, Kühen und Pferden, eine Ansteckung über den Urin möglich ist, da sich zeigte, dass Spirochäten unbeschadet Blase und Harnorgane passieren (Buhner 2005: 17). Da sie auf das innerkörperliche Milieu angewiesen sind, glaube ich jedoch nicht, dass diese Bakterien im Freien, außerhalb eines Wirtsorganismus, überleben können.

Offen ist die Frage, ob die Borreliose entgegen landläufiger Behauptungen auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Durch Bluttransfusionen ist es auf jeden Fall möglich, und eine Übertragung bei Organspenden oder von der Mutter auf den Embryo ist sehr wahrscheinlich. Es gibt Untersuchungen, die Borrelia-Spirochäten in Sexualsekreten, Sperma, Tränen, Urin sowie Muttermilch nachgewiesen haben. Einige Experten behaupten sogar, es gebe klinische Beweise für eine sexuelle Übertragung der Borreliose und dass die Ehepartner Infizierter immer auch serologisch positiv getestet werden (Harvey, W.T. und P. Salvato 2003: 746). Und die Forscherin Dr. Lida Mattmann, Yale-Absolventin und Direktorin eines medizinischen Forschungsinstituts in Michigan, glaubt sogar, dass schon die einfache Berührung genügt, um Borreliosekeime zu übertragen; Kugelschreiber, Händeschütteln oder das Berühren von Türklinken könnten gefährlich sein – wahrscheinlich handelt es sich dabei um den typisch amerikanischen Bazillenwahn (Patricia Kane, »Detoxifying Lyme«, 2004, www.springboard4health.com). Wieder einmal sehen wir: Es wird viel gemutmaßt und wenig gewusst.

Auch unsere Haustiere – Hunde, Katzen, Rinder, Pferde und Kühe – können von der Spirochäte befallen werden. Eine Studie21 in der Schweiz zeigte, dass ungefähr ein Drittel der untersuchten Kühe positiv auf Borrelien-Antikörper getestet wurden. Die positiv getesteten Kühe zeigten aber keine offensichtlichen Symptome. Auch die Milch enthielt die Antikörper. Daher stellte sich die Frage, ob sich die Borreliose auch durch Fleisch- und Milchgenuss ausbreiten könnte.

Es scheint also, dass die Borrelien in den letzten Jahren den Kreis ihres Wirkungsfeldes auf weitere Säugetierarten erweitert haben als nur Rehe und Nagetiere. Borrelien gibt es schon lange, schon seit vielen Hunderten von Millionen Jahren. Heutzutage scheinen sie aber durch Selektionsdruck schneller zu mutieren und weitere Wirtsorganismen zu besiedeln.

Die Borrelien-Spirochäte

Schauen wir uns nun das winzige Tierchen genauer an, das von Zecken auf Mensch und Säugetier übertragen werden kann. Das nach Willy Burgdorfer Borrelia burgdorferi genannte schlangenförmige Bakterium ist eine mit der Syphilis (Treponema pallidum) verwandte Spirochäte. Ihren Gattungsnamen Borrelia verdankt sie dem Straßburger Bakteriologen Amédée Borrell, der sie im Jahr 1905 als Erster entdeckte.

Die Borrelien, von denen es weltweit rund 300 Stämme gibt, sind biologische Wunder. Sie sind komplizierter als ihre Vettern, die Syphilis-, Pinta-22 oder Frambösie-23 Spirochäten:24 Sie sind echte »Guerillakämpfer«, die vom schulmedizinischen Pentagon aus gesehen einen asymmetrischen Terrorkrieg gegen uns führen. Hier einige ihrer verblüffenden kennzeichnenden Merkmale:

• In ihrer Zellwand befinden sich 21 Plasmiden, kleine ringförmige Gebilde, die eigene Gene besitzen und die Fähigkeit haben, den Bakterien Informationen über die Immunabwehr verschiedener Wirte zukommen zu lassen und – im zunehmenden Maß – Antibiotikaresistenz zu vermitteln. Eine derart hohe Anzahl von Plasmiden findet sich in keinem anderen Bakterium.

• Borrelien sind hochspezialisiert, lassen sich kaum im Labor züchten und daher auch schwer untersuchen.


Borrelie: eine schlangenförmige Spirochäte (Foto: M. A. Pabst, Graz).


Borrelienspirochäten können sich durch jedes Körpergewebe schrauben (Foto: M. A. Pabst, Graz).

• Sie haben drei Hüllen, wobei die äußere Zellwand, ähnlich wie bei anderen Bakterienarten, aus einer schleimigen Schicht von Oberflächenproteinen (bakterielle Lipoproteine BLP) besteht. Dieser »Schleimmantel« schützt sie vor den T-Zellen des Immunsystems. Der Mantel wirkt wie eine Tarnkappe; Antikörper und Fresszellen können sie daher nicht als fremd (als Antigen) erkennen. Bei gewöhnlichen gram-negativen25 Bakterien sind diese Oberflächenproteine in lediglich drei Genen verschlüsselt, bei den Borrelien aber sind 150 Gene beteiligt.26 Diese Gene erlauben es ihnen, ihre Erkennungsmerkmale, ihre Antigene, fortwährend und augenblicklich zu verändern. Die 150 Gene bewirken auch, dass die Borrelien sich an verschiedene Umweltfaktoren (z.B. Temperaturunterschiede, pH-Schwankungen, innerkörperliches Milieu der verschiedenen Organismen, die sie besiedeln) anpassen können.

• Je nach den Bedingungen ihrer Umwelt können Borrelien verschiedene Formen annehmen. Neben der normalen spiraligen Spirochätenform können sie, wenn ihre Umwelt mit Antibiotika verseucht ist, ihre Zellwand auch abwerfen und zur Kugel werden. In ihrer Kugelform (auch L-Form genannt) werden sie nicht von Immunzellen erkannt; sie haben dann sozusagen keine »Gesichtsmerkmale«, keine Antigene, an denen sie erkannt werden können. Sie können sich auch innerhalb von einer Minute verkapseln. In dieser »Kapsel- oder Sporenform« (cystic form) können sie wie in einem Dornröschenschlaf verharren, bis sich das Milieu für sie verbessert. In der Verkapselung sind sie, ohne Stoffwechsel und Teilung, mindestens zehn Monate lebensfähig.

• Borrelien können an Körperzellen wie auch an Abwehrzellen (B-Lymphozyten) andocken, mit Hilfe von Enzymen ein Loch in deren Zellwand bohren, deren Kern abtöten und dann die Zellhülle als »Verkleidung« oder »Maske« benutzen. Auch auf diese Weise gelingt es diesen »Al-Qaida-Terroristen« der Mikrowelt, von Immunzellen unerkannt zu bleiben.27

• Borrelien kopieren (replizieren) Teile ihrer Gene, bauen diese dann ihn ihre Zellwand ein, zwicken diesen Zellwandteil ab und schicken diese Splitter, sogenannte Blebs, im Wirtsorganismus auf Reisen. Auf diese Weise verwirren sie die Abwehrzellen des Wirts und lenken sie ab.

• Sie haben also die Fähigkeit, das Immunsystem auf verschiedene Weise zu überlisten und zu ihren Gunsten umzufunktionieren. Vermutlich spielt bei den Borrelien molekulare Mimikry eine Rolle. Das heißt, die Borrelien verändern die Moleküle ihrer Oberfläche so, dass sie körpereigenen Molekülen ähneln und gegenüber den Abwehrzellen getarnt sind. Werden sie trotzdem vom Immunsystem als Antigen erkannt, kann sich die Immunreaktion nicht nur gegen den Erreger, sondern ebenfalls gegen das ähnliche körpereigene Gewebe richten. Resultat ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt die Abwehrzellen greifen die eingenen Körperzellen, etwa Knorpel oder Nervenscheiden, an.

• Sie steuern und manipulieren ihren Gastgeber durch die Ausscheidung von Peptiden und Stoffwechselabfallprodukten, wodurch sie ein für sich günstiges Milieu schaffen. Auf diese Weise wirken sie auch auf die Gefühle und Stimmungen ihres Wirts ein; vielleicht können sie so sogar seine Gedanken und Entscheidungen beeinflussen. Wir kennen dies von den Pilzorganismen (Candida), die in ihrem menschlichen Wirt Heißhunger auf Süßes verursachen können.

• Sie können sich zwar auch in den Zellen verstecken, aber ihr Lebensraum ist vor allem zwischen den Zellen. In kolloidalen, gallertartigen Substanzen (Knorpel, Gelenkschmiere, Augenflüssigkeit, Endothelialzellen28, Nervenmyelien, Narbengewebe) fühlen sie sich wohler als im dünnflüssigen Blut oder in der Lymphflüssigkeit. Deswegen sind sie, obwohl im Körper vorhanden, im Serum oft nicht nachweisbar.

• Borrelien sind sehr beweglich. Mit Hilfe von Geißeln und einem dehnbaren Achsenfaden schrauben sie sich, ähnlich wie ein Korkenzieher, durch das Körpergewebe und die Körperflüssigkeiten. Auf diese Weise können sie innerhalb von Tagen den Körper durchwandern und auch in tiefere Gewebe eindringen, wo Antibiotika sie nicht erreichen. Die Spirochäten können alle Gewebe, Augen, Leber, Milz, Gelenke, Blase, Kapillarien und so weiter, durchdringen. Innerhalb von zehn Tagen nach der Ansteckung haben sie bereits die Blut-Hirn-Schranke überwunden, was nicht einmal weißen Blutzellen möglich ist (Grier 2000).

• Sie brauchen wenig Sauerstoff, um zu überleben. So können sie sich in Knorpel, Narbengewebe, Nervensträngen, den endothelialen Auskleidungen der Blutgefäße und anderen wenig durchbluteten, sauerstoffarmen Geweben vor den Abwehrzellen verstecken.

• Im Gegensatz zu anderen Bakterien brauchen sie kein Eisen (Fe), um zu überleben.

• Ebenfalls im Gegensatz zu den meisten anderen Bakterien, wie Staphylokokken oder Streptokokken, die sich alle 20 Minuten teilen, vermehren sich die Borrelien äußerst langsam. Sie teilen sich alle 12 bis 24 Stunden. Das macht sie weniger angreifbar für Antibiotika, da die meisten Antibiotika die sich neu bildenden Bakterienzellwände während der Teilungs- und Vermehrungsphase angreifen. Wenn das Milieu ihnen nicht angenehm ist, können Borrelien auch lange Zeit in Ruhephasen verharren, ohne sich zu teilen. Generell kommt es bei ihnen einmal im Monat – beziehungsweise in einem lunaren Rhythmus von 28 Tagen – zu Vermehrungsschüben. Bakterien, die sich alle 20 Minuten teilen, können mit Antibiotika innerhalb von ein oder zwei Wochen abgetötet werden; um dieselbe Wirkung bei Borrelien zu erreichen, müssten Antibiotika täglich bis zu anderthalb Jahre lang eingenommen werden (Grier 2000).

• Die Spirochäten sind chemotaxisch hochsensibel. Sie haben die Fähigkeit, antibiotische Gifte sehr schnell aus ihrem Körper auszuscheiden.

• Sie können Kälte bis 50 Grad minus ertragen. Borrelien leben sogar im Eismeer und infizieren Meeressäuger. Hitze über 42 Grad vertragen sie jedoch nicht.

Was kann man dazu sagen? Wir können nur staunen. Wir haben es mit einem wahrhaftigen Supermikroorganismus zu tun.

Borreliose – gibt es sie überhaupt?

Medical Times, 16. 4.2000

Man erkennt den Novizen bei der Borrelienbehandlung

daran, dass er stur Antibiotika verschreibt, die im Allgemeinen

nur kurzzeitig wirken und wenig Langzeiterfolge bringen. (…)

Wir haben [bei langzeitiger Antibiotikaanwendung] ernste

und bleibende Nebenwirkungen beobachtet wie zum Beispiel

Nierenversagen, Tinnitus, Immunsystemschwächung und

andere.

Dr. med. D. Klinghardt, Borreliosespezialist, 2005

Die Resultate dreier doppelblind randomisierter, Placebokontrollierter

Untersuchungen konnten zeigen, dass zusätzliche

Antibiotikabehandlungen bei Patienten mit langwährenden

subjektiven Symptomen – nach erfolgter passender Therapie im

Anfangsstadium der Lyme-Borreliose – mit beträchtlichen

Risiken und mit wenig oder keinem Nutzen verbunden sind.

Henry M. Feder et al. und Ad Hoc International Lyme Disease Group, in: New England Journal of Medicine 357 (14) 4. Oktober 2007

14 Hirschzecke, Ixodes scapularis, früher I. dammini.

15 www.wikipedia.org./wiki/Zecken.

16 Als Risikogebiete gelten jene Regionen, in denen, zwischen 1985 und 2005, innerhalb eines Jahres zwei oder innerhalb einer Fünf-Jahres-Periode mindestens fünf Menschen an FSME erkrankten.

17 Weintraub, Pamela, »The Bitter Feud over LYMErix«, HMS Beagle: The Bio Med Net Magazine 106, 6 (2001). www.astralgia.com/magazine/bitterfeud.htm.

18 www.impfschaden.info.

19 www.impfkritik.de.

20 Nosoden (von griech. nosos für »Krankheit«) sind homöopathisch aufbereitete Mittel, die aus »krankem« oder pathologischem Material wie Blut, Eiter, Krankheitserregern, Krebszellen oder in diesem Fall aus infizierten Zecken hergestellt werden.

21 Novartis Foundation, Project No. 99A18.

22 Pinta, eine im tropischen Amerika endemische, weiß fleckenartige (Vitiligo), von Treponemen Spirochäten verursachte Krankheit, die serologisch nicht von der Syphilis zu unterscheiden ist.

23 Frambösie, »Erdbeerkrankheit« (engl. yaws, buba), eine durch Spirochäten verursachte ansteckende, tropische Infektion, die ähnlich wie die Syphilis verläuft, aber nicht sexuell übertragen wird. Serologisch nicht von der Syphilis zu unterscheiden.

24 http://en.wikipedia.org/wiki/Lyme_disease (04.12.2006; S. 5).

25 Gram-negativ, gram-positiv: Klassifizierung der Bakterien nach der Methode der diagnostischen Gram-Färbung (nach Hans Gram,1853–1938); gram-negative Bakterien färben rot, gram-positive dagegen tiefblau.

26 Dr. Scott Taylor (2004), www.autoimmunityresearch.org/lyme-disease.

27 www.angelfire.com/me2/StarShar/Spiros.html.

28 Endothel: die Zellschicht oder Auskleidung der Blut- und Lymphgefäße, des Herzens, der Rippen und des Bauchfells.

DIE NEUE SEUCHE

Kaum eine Krankheit narrt die Ärzte so sehr wie die Borreliose. Oft wird sie gar nicht erkannt. Die meisten Zeckenbisse sind ohne Folgen, auch wenn das Gliedertierchen mit Borrelien infiziert ist. Ein gut funktionierendes Immunsystem wird in diesem Frühstadium mit den Eindringlingen schnell fertig. Gelegentlich aber kommt es doch zur Entzündung. Ein ringförmiger roter Ausschlag breitet sich zentrifugal von der Stichstelle her über den Körper aus und verschwindet nach einigen Tagen oder Wochen dann wieder. Diese »wandernde Röte« gilt als das wichtigste diagnostische Zeichen einer Infektion mit der Spirochäte; sie tritt aber nicht in jedem Fall auf. Die danach folgenden Leiden, die sich in Hunderten verschiedener Symptome äußern können, werden vom Arzt meistens falsch diagnostiziert. Eigentlich gibt es keine Leitsymptome. Die Borreliose ist ein Meister der Tarnung und kann fast jede andere Krankheit nachahmen; sie kann wandernde Gelenk-, Muskel- und Sehnenschmerzen, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Augenprobleme, taube Glieder, große Müdigkeit, Herzrhythmusstörungen, Lähmung der Gesichtsmuskeln, Fieber, steifen Hals, Störungen des vegetativen Nervensystems, Magen- und Darmschmerzen, Gliederzittern, Schmerzen in der Brust und viele andere Störungen hervorrufen. Dazu kann es zu psychischen Ausfällen kommen, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, Niedergeschlagenheit, Angst und Aggressionszuständen. Wie soll der Arzt mit dieser Fülle an möglichen Erscheinungsformen zurechtkommen? Er wird Fibromyalgie, CFIDS (Chronische Müdigkeit und Immundysfunktions-Syndrom), multiple Sklerose, Lupus, Parkinson, Alzheimer, rheumatoide Arthritis, amyotrophische Lateralsklerose, multiple Chemikaliensensitivität (MCS) oder psychologische Störungen diagnostizieren und diese entsprechend nach bewährter Art und Weise behandeln.

Solche falsche Diagnosen führen jedoch zu falschen Behandlungen, wodurch das Ganze noch komplizierter wird. Wer mit Gelenkschmerzen in das Sprechzimmer gehumpelt kommt, wird mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden Kortisonpräparaten (Glukokortikosteroide) behandelt. Ein Problem dieser Wundermittel ist aber, dass sie auch das Immunsystem unterdrücken und es dadurch den Borrelien leichter machen. Auch andere, höchst unerfreuliche Nebenwirkungen sind bei lang anhaltender Anwendung von Kortisonpräparaten zu erwarten: Abbau von Muskeln und Knochen, Stoffwechselstörungen, »Mondgesicht« durch Ablagerung von Fett und Wasser im Gesicht, Blutdruckerhöhung, erhöhte Thrombosegefahr, Hautverdünnung (»Pergamentpapierhaut«), Depressionen, Schlafstörungen und bei Frauen Zyklusstörungen. Neuere Untersuchungen ergaben, dass bei 60 Prozent der Patienten, bei denen multiple Sklerose diagnostiziert wurde, Borrelien nachweisbar sind (Klinghardt 2005). Es waren also diese Spirochäten oder ihre Toxine, die bei ihnen das Myelin, den Mantel der Nervenfasern, beschädigt haben. Oft werden Patienten, deren Hirn und Nerven befallen sind, in die Psychiatrie verwiesen. Die Schreibwarenhändlerin in unserer Stadt, eine sonst nette, friedliche Frau, zertrümmerte in einem solchen Zustand ihren Schrank. »Ich erkannte mich gar nicht wieder!«, sagte sie. So etwas ist jedoch typisch für Neuroborreliose.

Zeigt sich jedoch bei einem Patienten die wandernde Röte, das Erythema migrans, wird der im Thema bewanderte Arzt meistens einen Blutserumtest vornehmen. Zuerst den ELISA-Test (Enzyme Linked Immune Sera Assay), und wenn dieser positiv ist, wird mit dem empfindlicheren Western Blot-Test weitergetestet. Zeigt der Test beim Patienten keine Borrelien-Antikörper an, wird er je nach Symptomen konventionell behandelt. Ist er jedoch positiv beziehungsweise enthält das Serum Antikörper, dann kommen in der Regel über einige Wochen Antibiotika zum Einsatz. Wenn, was oft der Fall ist, diese »Schrotflintenkur« mit Antibiotika nichts bringt, bleibt meist kein anderer Rat, als noch mehr Antibiotika zu geben. Inzwischen gibt es Patienten, denen über Monate hinweg Antibiotika – auch intravenös – eingeflößt werden.

Wenn die Symptome einige Zeit nach erfolgter (vermeintlich erfolgreicher) Antibiotikakur erneut aufflammen, spricht man vom »Post-Lyme-Syndrome« (PLS). Oder es wird dem Patienten vorgeworfen, er sei ein Simulant oder ein Hypochonder, der sich sein Kranksein nur einbildet. Im Durchschnitt dauert es 22 Monate, und der Patient durchläuft sieben Arztpraxen, ehe die Diagnose Borreliose gestellt wird.29

Warum Tests wenig aussagen

Viele Ärzte glauben, dass ELISA und Western Blot konkrete verlässliche Daten liefern. Aber als die Tests getestet wurden, stellte sich heraus, dass es bis zu 55 Prozent zu Falschaussagen30 kam – falsch positive (wo Uninfizierte als infiziert angegeben wurden) wie auch falsch negative (wo Infizierte als uninfiziert angegeben wurden). Diese Tests haben also kaum Aussagekraft. Darüber hinaus erbrachten auch verschiedene Labors verschiedene Resultate; oft wurden sogar identische Blutproben unterschiedlich interpretiert.

Wenn es sich wirklich so verhält, könnte der Arzt genauso gut eine Münze werfen – Kopf oder Zahl? –, um zu sehen ob der Patient infiziert ist. Ein Arzt, der sich mit dem Thema beschäftigt, meinte, der beste Test sei, den Patienten zu fragen: »Wie geht es Ihnen?«

Doch wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Resultaten?

• Serologische Untersuchungen, wie ELISA und Western Blot, stellen lediglich den Antikörper-Titer31 fest. Die IgM-Antikörper entwickeln sich erst in der dritten Woche nach dem Zeckenstich, erreichen Spitzenwerte in der vierten bis sechsten Woche und schwinden dann wieder nach der achten Woche. Wenn also der Test zu früh gemacht wird, sind die Resultate meist negativ, auch wenn der Patient befallen ist. Auch zu frühe Antibiose kann die Immunantwort des Körpers unterdrücken.

• Andererseits bleiben die IgG-Antikörper, die sich später entwickeln, viele Jahre im Blut; auch wenn der Patient längst geheilt ist und keine Borrelien mehr beherbergt, wird er dennoch positiv getestet.

• Falsch positive Reaktionen können auch bei Autoimmunerkrankungen, bakteriellen Infektionen (insbesondere Syphilis) und einigen viralen Infektionen, wie Herpes oder Epstein-Barr, auftreten.32

• Ein weiteres Hauptproblem für die Diagnostik ist, dass es viele Stämme und Rassen der Borrelien gibt, die jeweils ein abweichendes serologisches Muster hervorbringen.

• Wie wir im vorhergehenden Kapitel gesehen haben, sind die Borrelien Meister der Tarnung und Manipulation. Sie verstecken sich in menschlichen Zellen und wenig durchbluteten Geweben und verhüllen ihre Antigene, sodass Antikörper oft gar nicht erst entstehen.

• Wenn sich die Antikörper am bakteriellen Antigen befestigen, um den Eindringling zu neutralisieren, sind sie nicht mehr als Antikörper identifizierbar. Sie sind nun Teil eines Antikörper/Antigen-Komplexes. Diese Komplexe sind jedoch mit heutigen Analysemethoden nicht zu ermitteln. Das heißt, wenn viele Antigene vorhanden sind, kann es durchaus zur Verminderung der Antikörperzahl kommen: Sie waren da, sind aber nun, als Teil der Abwehrreaktion, an die Antigene gebunden. So kann es vorkommen, dass jene Patienten mit den stärksten Infektionen in den Tests niedrige Antikörper-Titer haben.

• Überhaupt ändert sich der Antikörper-Titer fortwährend und kann in verschiedenen Stadien der Erkrankung niedrig oder gar nicht existent sein. Niemand kann sagen, ob die Infektion noch aktiv oder bereits ausgeheilt ist.

Neben ELISA und Western Blot gibt es noch andere Tests, die aber ebenso problematisch sind:

• Die Nervenwasseruntersuchung durch Einstich mit einer Punktionsnadel ins Rückgrat bringt nicht nur 30 Prozent Falschergebnisse, sondern ist zudem auch schmerzhaft und mit Risiken behaftet.

• Der Polymerase-Kettenreaktions-Test (PCR) spürt genetische Sequenzen, kleine Schnipsel der Spirochäten-DNA in Blut, Haut, Harn oder Gelenksflüssigkeit auf und vermehrt sie millionenfach. Er zeigt aber ähnliche Schwächen wie Western Blot und ELISA.

• Der sogenannte LTT (Lymphozytentransformationstest) versucht die Erregertätigkeit festzustellen, ist aber ebenfalls unzureichend.

• Der von Dr. Jo Anne Whitaker (Bowen Research Institute, Florida) entwickelte RIBb-Test (Rapid Identification of Borrelia burgdorferi) ist eine Fluoreszenzuntersuchung der Antikörper-Antigen-Anwesenheit in Körperflüssigkeiten. Seit 1999, bestätigt die Forscherin, verläuft jeder Bluttest positiv; kein einziger war negativ. Sie kommt zum Schluss, »dass das Problem nicht nur endemisch ist, sondern inzwischen epidemische Proportionen erreicht hat« (Whitaker 2003: 11).

• Der Visual Contrast Sensitivity Test (VCS) misst den Befall des Nervensystems, insbesondere der Sehnerven, mit lipophilen Neurotoxinen. Die Annahme ist, dass sich die fettlöslichen Bakteriengifte an die optischen Nerven binden, was dazu führt, dass der Betroffene eine verminderte Fähigkeit hat, Grautöne zu unterscheiden. Die darauf folgende Therapie verlangt zuerst das Abtöten der Borrelien durch Antibiose (Antibiotika) und anschließend die Entfernung der Toxine durch den Lipidsenker Colestyramin (siehe Seite 114). Nachprüfungen (Hartmann, Müller-Marienburg, 2003) stellen in Frage, ob das Schwanken der Wahrnehmung von Grautönen für Borrelien überhaupt spezifisch ist.

Da die Erhebung von verlässlichen Testresultaten so schwierig ist, weiß niemand genau, wie viele Borrelioseinfektionen es überhaupt gibt. Die Schätzungen der Experten gehen weit auseinander. Wie viele Fälle werden als andere Krankheiten falsch diagnostiziert oder gar nicht einmal gemeldet? Oder diagnostizieren Ärzte die Borreliose gar zu häufig? Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldet für die Eidgenossenschaft 3000 neue Borreliosefälle pro Jahr; rechtzeitig entdeckt, seien sie leicht zu kurieren.33 Die amerikanische Gesundheitsbehörde Center for Disease Control (CDC, Atlanta, Georgia) gibt für die USA schätzungsweise 20 000 Neuerkrankungen pro Jahr an; Studien in Harvard sprechen dagegen von 200 000 neuen Ansteckungen (Buhner 2005: 4). Das CDC schätzt die Gesamtzahl der Infizierten allein in den USA auf 1,8 Millionen, Dr. med. Kinderlehrer (2002) geht gar von 18 Millionen aus. Nach Statistiken des Borreliose Bund Deutschland e.V., dem Nationalen Referenz-Zentrum Borrelien (München) und des Robert-Koch-Instituts (München) gibt es in Deutschland 60000 bis 100 000 neue Fälle jährlich. Damit gilt Borreliose nach der Salmonellose hierzulande als die häufigste Infektionskrankheit (Stephan Görisch, Echo Online, Darmstadt, 22.3.2006).

Die Borreliose-Experten Dr. Harvey und Dr. Salvato (Diversified Medical Practices, Houston, Texas) schätzen, dass 15,5 Prozent der Weltbevölkerung, also fast eine Milliarde Menschen, mit der Spirochäte infiziert sind. Und der Arzt Lee Cowden glaubt, dass die Hälfte der chronisch Kranken wahrscheinlich an Lyme-Borreliose leiden (Nutra News, Oktober 2003). Aber, wie gesagt, diese Zahlen sind lediglich Schätzungen. Bei jenen Experten, die irgendein Wunderheilmittel oder eine teure Therapie zu verkaufen haben, liegen die Schätzungen meistens höher.

Krankheitsstadien34

Wie bei der Syphilis kann man bei einer Borrelioseinfektion drei Stufen ausmachen. Auch wenn es keine sicheren Leitsymptome gibt, so versucht man denoch solche zu etablieren. Im ersten Stadium wäre das Leitsymptom die Wandernde Röte (Erythema migrans). Im zweiten Stadium ist es die »Gesichtslähmung« (Fazialisparese) – geschlossenes Augenlid, herabhängender Mundwinkel – und das Bannwarth-Syndrom (eine begleitende Hirnhautentzündung), und im dritten Stadiums gilt die chronische Gelenkentzündung (Lyme-Arthritis) und die chronische Hautentzündung (Akrodermatitis chronica atrophicans), die eine sogenannte Pergamentpapierhaut zur Folge hat.

Wie die Syphilis verläuft die Borreliose in Schüben. Nach Abebben der Symptome und nach scheinbarer Heilung kann sie immer wieder erneut aufflammen.

Hier einige der Symptome mit näherer Beschreibung:

1. Die Wandernde Röte, ein von der Einstichstelle sich langsam ausbreitender rötlicher Ring, der in der Mitte erblasst, gilt bei vielen Ärzten als wichtigster diagnostischer Anzeiger einer Borrelioseinfektion. Doch weniger als die Hälfte der Angesteckten bekommen diesen Ausschlag. Der Ring gilt als Zeichen eines funktionierenden Immunsystems. Fieber, Abgeschlagenheit, Rückenverspannung, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, geschwollene Lymphknoten sind weitere Symptome des ersten Stadiums.

2. Nach Wochen oder Monaten: schubartige Schmerzen in Gelenken (Lyme-Arthritis, Arthralgien), die oft von Gelenk zu Gelenk springen; Muskelschmerzen (Myalgien), Gesichtslähmung (Faziale Parese), Hirnhautentzündung (Neuroborreliose), Zahnschmerzen, Zittern, Zucken (Bell’s Palsy).

3. Chronisches Spätstadium: Die Lyme-Borreliose, der »große Nachahmer« von vielen anderen Krankheiten, kann in diesem Stadium als multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis, Dauermüdigkeitssyndrom, Spätsyphilis, Alzheimer, Reizdarm, Lupus, Skleroderma, Fibromyalgie usw. falsch diagnostiziert werden.

Die häufigsten Symptome sind:

• Gelenkentzündung, meistens in den Knien, wobei es bei 11 Prozent der Betroffenen zur Zerstörung des Knorpels kommt.

• »Pergamentpapierhaut« (Akrodermatitis chronica atrophicans), die ebenso wahrscheinlich als Nachwirkung langfristiger Kortisonbehandlung gedeutet werden kann: eine zigarettenpapierdünne, bläulich gefärbte, zerknitterte Haut, mit Ödemen und Schwund des Unterhautfettgewebes

• Karditis, Herzmuskelentzündung

• Lähmungen, mentale Dysfunktionen (Neuroborreliose)

• Chronic fatigue immune dysfunction syndrom (CFIDS)

• Psychose

Trotz korrekter biomedizinischer Behandlung (mit Antibiotika) beklagen 50 Prozent der Behandelten Spätkomplikationen.

Wo kommt die Borreliose plötzlich her?

Lyme-Borreliose ist eine neue Krankheit. Erst 1975 wurde sie in der Kleinstadt Lyme entdeckt. In der medizinischen Literatur tritt sie im Jahr 1982 erstmals auf. Zwar gab es anfangs des 20. Jahrhunderts sporadische Berichte etwa über die »wandernde Röte«, die sich von der Einstichstelle des Holzbockbisses ausbreitet; und 1902 beschreiben die deutschen Mediziner Herxheimer und Hartmann die verfärbte, zerknitterte Zigarettenpapierhaut (Akrodermatitis chronica athrophicans), die man heute als eine Hauptmanifestation der Lyme-Borreliose zuordnet. 1930 beobachtete ein schwedischer Arzt, wie eine derartige Hautrötung in eine chronische Meningitis mündete. Außer solchen einzelnen Fällen, war die rezidive Multisystemerkrankung, die diese Spirochätengattung auslöst, unbekannt.

Wie entstand sie und wo kam sie plötzlich her? Es gibt viele Vermutungen. Einigen der Theorien, die man am häufigsten zu Ohren bekommt, wollen wir hier kurz nachgehen:

• Ist die Borreliose eine alte Krankheit, die zuvor einfach nicht wahrgenommen wurde?

Die britische Ärztezeitschrift Lancet (Oktober 1995) berichtet von vertrockneten Zecken an Füchsen, die man in Österreich 1884 ausgestopft hatte und im Museum verwahrte. Zwei der konservierten Zecken enthielten Spuren von Borrelien-DNA. In den Ohren von konservierten Weißfußmäusen aus dem Jahr 1894 aus Massachusetts fand man ebenfalls genetische Spuren dieser Spirochäten. Waren diese Bakterien damals noch nicht so virulent? Oder wurden die einzelnen Symptome einfach als verschiedene Krankheiten gedeutet?

• Ist es eine Mutation, die den Kreis der potenziellen Wirte erweiterte? Unter anderem auch auf den Menschen?

• Ist es eine Mutation, eine Gegenoffensive jener Bakterien und Kleinstlebewesen, denen wir mit unserer massiven Antibiotikaoffensive den Krieg erklärt haben?

Haben diese winzigen Kreaturen nicht doch einen intelligenten übergreifenden Geist, der sich für den Frevel an der Natur rächt? Ist es Gaia, der Erdorganismus selbst, der auf diese Weise eine überbordende, aus dem Ruder gelaufene Menschheit zügeln will?

• Handelt es sich gar um einen aus den Labors der Gentechniker oder der Produzenten biologischer Waffen entkommener Organismus? In den USA geht das Gerücht um, dass die Borreliose von Nazi-Wissenschaftlern als biologische Waffe geschaffen wurde. Wie Raketenwissenschaftler (z. B. der Weltraumpionier Werner von Braun) und Düsenflugphysiker seien auch Biowaffenexperten im Rahmen des Geheimunternehmens Operation Paperclip nach Amerika verschleppt worden. Auf der Insel Plumb Island, die nur neun Meilen von Lyme entfernt liegt, sollen sie im Auftrag des Pentagons beauftragt gewesen sein, ihre Experimente an Bakterien und Viren weiterzuführen. In den fünfziger Jahren hätten sie mit bakterieninfizierten Zecken experimentiert, die dann mit Flugzeugen auf die Russen oder auf Fidel Castros Kuba abgeworfen werden sollten. Leider habe es aber undichte Stellen und Unfälle gegeben.

Immer wieder wurde beobachtet, dass bei Ebbe Rehe vom Festland (Connecticut) zur Insel schwammen und dort grasten. Haben sie sich dort mit den manipulierten Zecken infiziert? Zugvögel machten regelmäßig auf Plumb Island Rast. So soll 1967 wahrscheinlich von der Insel die sogenannte Dutch Duck Plague ausgegangen sein, ein Wildentensterben, das sich zuerst im nahegelegenen Long Island zeigte. Ungefähr zur selben Zeit müssen sich die Borreliosemutanten verbreitet haben, die inzwischen außer Kontrolle geraten sind.

Plumb Island ist inzwischen außer Betrieb, aber dafür wurde ein neues »Forschungszentrum für Bioterrorismus« an der University of Texas in San Antonio eröffnet, in dem Milzbrand, Hasenpest (Tularämie), Gallenbrechdurchfall (Cholera), Lyme-Borreliose, Desert Valley Fever – nach Expertenmeinung alles potenzielle Bioterrorwaffen – und weitere von Parasiten und Pilzen ausgehende Seuchen erforscht werden (Bionia, World War 4 Report, Februar 2007).35 Solche abstrusen Informationen, die massenweise im Internet kursieren, haben natürlich mehr mit Hollywood zu tun als mit der Realität und sind ein gefundenes Fressen für Paranoiker jeglicher Art.

• Haben die Folgen der massiven Störung des natürlichen Gleichgewichts durch menschliche Einwirkungen im Ökosystem die Zeckenbisskrankheit erst zum Problem werden lassen?

Dietrich Klinghardt, ein auf Borreliose spezialisierter Arzt, vermutet, dass wegen der ansteigenden Temperaturen durch den Treibhauseffekt die Population der Stechinsekten und Parasiten, die als Vektoren der Krankheit wirken, rapide zunimmt. Auch sei durch Entwaldung der Partialdruck von Sauerstoff auf der Erde in den letzten 150 Jahren von 30 auf 19 Prozent abgesunken. In einer sauerstoffverarmten Atmosphäre wird das Gedeihen von anaeroben Organismen gestärkt und das von höher entwickelten Organismen geschwächt, mutmaßt Klinghardt (Klinghardt 2005: 10). (Siehe auch Seite 65, »Rehe und Mäuse«.)

• Ist die Borreliose-Spirochäte womöglich nicht der Verursacher der Borreliose, sondern nur ein opportunistisches Mikrolebewesen, das sich einfindet, wenn das Immunsystem sowieso durch chronische Vergiftung – Schwermetalle, Amalgam, Medikamentenvergiftung, Elektrosmog, Spätfolgen von Impfungen und dergleichen – in Mitleidenschaft gezogen ist?

Vielleicht lässt sich so erklären, warum unter den Tieren besonders Hunde, Kühe und Pferde befallen werden. Denn diese Haustiere erfahren zweifellos eine erhebliche Schwächung ihres Immunsystems durch ständige Desinfizierungsmaßnahmen, Impfungen, Entwurmungskuren und Antibiotikaeinsätze. Oder ist die Borrelie gar ein Symbiont, der schon immer relativ friedlich in uns lebte und erst jetzt entdeckt wurde und nun für diverse Leiden verantwortlich gemacht wird?

• Oder ist die Borreliosepanik vielleicht gar eine Verschwörung der mächtigen Hintermänner des Medizin- und Pharma-Establishments?

Obwohl einige Ärzte in der Borreliose lediglich eine einfache bakterielle Infektion sehen, die sich relativ schnell mit Antibiotika beseitigen lässt, sprechen andere medizinische Experten von einer unerkannten Pandemie, die inzwischen Hunderte von Millionen Menschen erfasst hat. Sie zeigen auf, wie die Borrellien nicht nur das Immunsystem, sondern auch die praktischen Ärzte täuschen, indem sie sich als andere Krankheiten tarnen und sich kaum durch Tests ermitteln lassen. 50 Prozent der Krankheiten – Sarkoidose, Lupus, multiple Sklerose, Parkinson, amyotrophische Lateralsklerose (ALS), Autismus, chronisches Müdigkeitssymptom, Fibromyalgie, multiple Chemikaliensensibilität (MCS), Gelenkarthritis, Immunschwäche, Alzheimer, Schizophrenie und viele andere psychische Erkrankungen – seien eigentlich verkappte Borreliosen. Nach Aussage eines Prof. L. H. Mattmann lassen sich bei über 80 Prozent aller Amerikaner mikroskopisch im Blut Borrelien nachweisen (Klinghardt 2005: 2).

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362 p. 54 illustrations
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9783038006329
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