Read the book: «ZU-GA-BE!»

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Das Beste aus 50 Jahren

Vorträge für vielerlei Gelegenheiten

von

Willi Armbröster


Impressum

Redaktion: Marion Aßmann unter Mitwirkung von Lothar Vreden

Unter anderem haben weiterhin mitgearbeitet: Inge Armbröster, Reinhard Becker

Lektorat: Lothar Vreden

Herausgegeber: Kreis der Heimatfreunde Niederdollendorf e.V.

© Wilhelm Armbröster, Königswinter 2017

Professionelle Verwendung nur mit Genehmigung des Autors

Verlag ratio-books

Danziger Str. 30

53797 Lohmar

info@ratio-books.de (bevorzugt)

Tel.: (0 22 46) 94 92 61

Fax: (0 22 46) 94 92 24

www.ratio-books.de

eISBN 978-3-96136-056-7

Print-ISBN 978-3-944024-06-6

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Inhalt

Grußwort des Bürgermeisters

Vorwort von Lothar Vreden

Es tut sich was

En Entrittskaat

Der Wander-Riesling

Nahverkehr

Termin-Stress

Ne Vollzeit-Rentner

Et Handy

Bauernregeln aus dem Siebengebirge

Ne Ruheständler

Prophylaxe

Wer gerne lacht, lebt länger

Typisch Kölsch

Ein Loch im Programm

Der Literat

Einmal am Rhein …

Lehrer Welsch

Connections

Ne Büttredner im Stress

Fußball-Weisheiten

Ne Vereinsjeck

Ne Sesselsportler

Premierenpanne

Ne Camping-Einsteiger

Ne Traumtourist

Ne Strohwitwer

Ne Heimwerker

Ne Partylöwe

„Psst, der Papi dichtet“

Ne Tapezierer

Ne Märchentante

Kleiderfahne

Ne Hinterbänkler

De Blömchessänger

Musik und Technik

Mein Siebengebirge (Lied)

Ne Nassauer

Die Woosch

Dat ahle Pännche

Die Spitzmaus von Stube 3

Uns geht’s schlecht

Wahlzeit

Nikolaus-Ansprache

Et Krüppelchen

Dat ahle Krippche

Weitere bekannte Txpenreden

Grußwort des Bürgermeisters

Wie schön, et jitt jet Neues vom Willi! So oder so ähnlich werden sicherlich die Reaktionen unzähliger Armbrösterfans im Siebengebirge und darüber hinaus ausfallen. Wer wie ich das Vergnügen hatte, vier Jahrzehnte die karnevalistische Karriere dieses Vollblutredners als Genusszuhörer begleiten zu dürfen, freut sich auch auf die literarische Fortsetzung seines Schaffens.

Willi Armbröster wurde bereits von Altbürgermeister Günter Hank als „Botschafter der Stadt Königswinter“ geadelt, ein Titel, den sich Willi redlich verdient hatte. Er, der zu den großen seiner Zunft gehört, hat auch Königswinter immer wieder auf Kölner Augenhöhe – und manchmal darüber hinaus – gehoben.

Schön ist es, und dafür bin ich dankbar, dass Willi Armbröster so viel an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und der Region zurückgibt und gegeben hat. Ich denke hierbei an die vielen unentgeltlichen Auftritte bei Seniorensitzungen, oft im Gespann mit Hänschen Remig, einem weiteren karnevalistischen Urgestein aus unserer Stadt.

Freuen wir uns also auf Anekdoten, Rückblicke und auch persönliche Begegnungen mit „unserem“ Willi.

Peter Wirtz

Bürgermeister der Stadt Königswinter

Vorwort

von Lothar Vreden

„Bekannt wie ein bunter Hund“ ist im Rheinland durchaus ein besonderes Kompliment. Und bekannt und beliebt ist „uns‘ Willi“, der Karnevalist und Entertainer vom Siebengebirge, durch seine Auftritte, durch Rundfunk und Fernsehen seit 50 Jahren. Mit über 80 Jahren legt er nun in einem vierten Band die besten seiner selbstgereimten klassischen Typenreden vor, die er in seiner „Laufbahn“ meistens auswendig vorgetragen hat.

Die Ideen für seine Reden hat Willi Armbröster seiner guten Beobachtungsgabe und seiner großen Kontaktfreudigkeit zu verdanken. Hinzu kommt die Verwurzelung in seiner Heimat am Rhein, u.a. durch die Mitgliedschaft bei den Bläserfreunden Niederdollendorf, in Gesangs-, Heimat- und Karnevalsvereinen, als Ritter vom Siebengebirge oder als Schauspieler bei der „Sproch- und Spelljrupp Niederdollendorf“.

Kraft und Rückhalt findet der Autor bei seiner Frau Inge. Sie gibt ihm Tipps, schneidert seine Kostüme und war auch schon Partnerin als Blömchessänger. Oft hat sie ihn auf seinen Fahrten zu den meist abendlichen Auftritten begleitet, was bei einem Haushalt mit vier Kindern gewiss nicht immer einfach war. Auch Heinz Meyer, lange Jahre Kapitän auf dem Rheinschiff Beethoven, hat sich immer wieder als Chauffeur betätigt.

Als Büttenredner hat Willi Armbröster viele Menschen zum Lachen gebracht, aber er war und ist nicht nur im Karneval unterwegs, sondern er sorgt auch mit seinen Vorträgen für Freude, gute Laune, Fröhlichkeit und Entspannung auf Familienfeiern und Vereinsveranstaltungen. Die Zuhörer spüren dann, dass da einer „aus dem wahren Leben“ schöpft, wenn er z.B. in der Figur eines Rentners, als Nassauer oder als Fußballfan die Stärken und Schwächen des Einzelnen treffend und manchmal genüsslich beschreibt, aber immer mit Feingefühl und Takt.

Dabei finde ich seine Sprache faszinierend: Obwohl er hier am Fuße des Siebengebirges mit der hiesigen Mundart aufgewachsen ist, wandert er in seinen Werken vom Hochdeutschen über „Hochdeutsch mit Knubbeln“ bis hin zur Mundart – uusem Platt – mit all den Facetten der Region. So gibt er dem Zuhörer bei seinen Veranstaltungen das Gefühl, angenommen und mitgenommen zu sein.

Und darauf können auch Sie sich verlassen, lieber Leser, beim Studieren oder Vortragen von Willi Armbrösters Bestem aus 50 Jahren.

Lothar Vreden

Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Oberdollendorf und

Römlinghoven e.V.

Königswinter, im September 2017

Es tut sich was

Wenn sich die Schwalben leis verdrücken,

die Störche in den Süden jücken,

der Urlaubstraum ist ausgeträumt,

der Pützchens Maat ist abgeräumt,

wenn permanent nach Ladenschluss,

versammelt sich der Festausschuss,

die Tanzkorps machen Sonderschichten,

die Dichter fangen an zu dichten,

wenn Wagenbauer in den Hallen

zum Basteln sich zusammenballen,

verzweifelt suchen Literaten

bis weit hinein in die Karpaten,

die Agenturen abzuklopfen,

um Löcher im Programm zu stopfen,

die Kassenwarte disponieren,

sind pausenlos am Recherchieren:

„Wat koss dies Johr bei Schmitz & Co

der Doppelzentner Haribo?“,

im Radio hört man plötzlich wieder

Ostermann und Bläck-Fööß-Lieder,

et Trömmelchen klingt durch die Jass,

– dann tut sich was.

Kurz gesagt: Es ist soweit.

Auf in die fünfte Jahreszeit!

En Entrittskaat

En Entrittskaat, dat es en Kaat

mit unterschiedlichem Format.

Mal ist sie groß und manchmal klein,

und irgendwo kommt man mit rein.

Sei‘s Oper, Zirkus oder Zoo,

Theater oder anderswo,

bei keinem Karnevalsverein

kommst du heut ohne Karte rein.

Und je nachdem, wat die dann koss,

ist manchmal drinnen schwer wat loss.

Doch manchmal – kann ich mich entsinnen –

war draußen mehr gekoch als drinnen.

Wer su en Entrittskaat geordert,

ist auch verpflichtet und gefordert,

bei jedem Blödsinn mitzumachen,

mit zu schunkeln und zu lachen.

Lachen, wenn der Präsident

ne Witz verzällt, den jeder kennt,

lachen, wenn dann aus der Bütt

derselbe Witz noch eemol kütt,

lachen, kommt der Prinz dann an,

bringt ihn noch ens an de Mann.

Wenn dir so was Gutes widerfährt,

dann ist das schon die Eintrittskarte wert.

Der Wander-Riesling

(Vortrag zum Geburtstag mit Weinflasche)

Es gibt so manches auf der Welt,

was sich erstaunlich lange hält.

Doch irgendwann kommt mal die Stunde,

da geht et höösch de Berg erunder.

Heh jück dich jet, do deit jet wieh,

jet anderes funktioniert nit mieh,

de halve Daach söök mer de Brill,

und vieles klappp nit wie mer will.

So zeigt sich täglich überall

en Spur von Haltbarkeitsverfall.

Bei Nahrungsmittel und dergleichen

gibt’s irgendwo gewisse Zeichen.

Egal, ob Nudeln oder Butter,

Pralinen oder Hundefutter,

bei jedem nahrhaften Produkt

ist heut ein Datum eingedruckt,

und daraus kann der Kunde schließen:

Nur noch mit Vorsicht zu genießen!

Nun kennt man heut bei Mann und Frau

die Grenzen nicht mehr so genau.

Da hat man manchmal Zeitgenossen,

die sind mit 40 schon verschossen,

und andre wieder – so wie du –

gehen rüstig auf die (nächst. Jahrzehnt) zu,

und sind von Kopf bis an de Fööß

noch ausgesprochen muskulös.

Nun kriegt man ja an solchen Tagen

viel Zeug geschenkt und zugetragen,

und meistens ist dat immer wat,

wat man schon haufenweise hat.

So hab ich jedenfalls gedacht

und hab dir hier was mitgebracht.

Denn zu ´ner Flasche Moselwein

sagst du bestimmt nicht: Danke – nein!

Die hab ich mal vor vielen Wochen

von irgendwem geschenkt gekrochen.

Doch kurz nach der Begebenheit

geriet ich in Verlegenheit.

Et wor im Sommer – End Aujuss –

Namenstag beim Pütze Fuss;

Ladenschluss – Wochenend –

nit emool e klein Präsent – ? –

So ging der edle Rebensaft

frisch eingepackt auf Wanderschaft.

Jetzt steht der Fuss und auch sein Frau

viel mehr auf Kölsch und auf Schabau.

Acht Wochen stand der edle Trank

beim Pütze Fuss om Kücheschrank.

Da fiel ihm ein: Der Nebels Hein,

der ist ein Freund von Moselwein,

und den besuch ich morgen mal

im Sankt Johannes Hospital.

Dann nehm ich dem dat Fläschen mit,

der freut sich – und ich bin et quitt.

Der Hein – auf Zimmer 103 –

war nicht besonders gut dabei,

hat lächelnd den Erhalt quittiert

und sich dann nachts verdünnisiert.

Das heißt: Er kam nicht mehr in den Genuss

von dem Präsent vom Pütze Fuss.

Dann hat man ihn auf einer Bahre

im Rückwärtsgang erausjefahre,

und einsam stand der Kabinett

noch ungeöffnet hinterm Bett.

En Schwester hat – noch in der Nacht –

die Flasch in Sicherheit gebracht.

Kurz drauf war in dem Hospital

e Weihnachtsfest fürs Personal.

Da stand – mit Tannengrün verziert

und Nummer 80 numeriert –

dem Hein sein letztes Inventar

inmitten einer Tombola.

Der Assistenzarzt Doktor Rasch

zog Nummer 80 un kräät die Flasch,

ging stillvergnügt damit nach Haus,

packt sie am Heiligabend aus,

hat zwei bis dreimal dran genippt

und dann den Rest zurück gekippt.

Nachdem die Flasche neu verkorkt,

wurd sie jetzt sachgemäß entsorgt,

denn nunmehr ging die Flasch auf Tour

als „Neujährchen“ für die Müllabfuhr.

Dann wurde sie – ich muss gestehn –

en janze Zeit lang nicht gesehn

und tauchte erst drei Jahre drauf

beim Flohmarkt in der Rheinau auf.

Da stand sie da auf ´ner Kommod

als Super-Sonder-Angebot.

Ich hab se an dem schönen Band

und an dem Etikett erkannt.

Da dachte ich mir ganz spontan:

Die 50 Cent, die legste aan.

Dann hast du bei der nächsten Fete

e schön Präsent für wenig Knete.

Und nun mein Lieber (Name einsetzen) – sei so nett –

nimm diesen edlen Kabinett;

wenn du ihn trinkst, tu an mich denken,

– du kannst ihn aber auch verschenken.

Nahverkehr

Wie war das Reisen doch vordem

it Bus und Bahnen angenehm.

Da stieg man ein, setzt sich hin,

ann kam die kleine Schaffnerin,

und für ´nen geringen Preis

bekamst du deinen Fahrausweis.

Heut muss man sich da selbst drum kümmern,

suchen, wählen und benümmern,

hängst im Clinch mit Automaten

und mit ominösen Daten,

stehst mit einem Bein im Knast,

wenn du falsch gestempelt hast.

Am besten kaufst du ´ne Broschüre

für sieben EURO Schutzgebühre,

dann hast du ´ne Gebrauchsanweisung,

als ging es um en Erdumkreisung.

Da hat vom Jüngling bis zum Greis,

jeder seinen Fahrausweis.

Pütze Fuss und Meiers Kättchen,

jedem Frettchen sein Billettchen.

Zum Beispiel hier – auf Seite A,

Zonen-Index H – K.

Da findet man die gut durchdachte

Mehrfahrkarten-Streifenkarte.

Gibt’s in jedem Automat,

außer – So – und Himmelfahrt.

Von Ostern bis Maria Sief

gibt’s den Hausfrauentarif.

Von morgens neun bis 16 Uhr

bezahlen sie die Hälfte nur.

Frauen mit und ohne Kind

können, wenn sie wachsam sind,

in der Regel fleißig sparen

und auf Monatskarte fahren.

Kapitel 13 – Absatz C,

im Fahrverbund mit KVB,

in der Mehrpersonen-Sparte,

die Mini-Gruppen-Umwelt-Karte,

gilt für Oma, Katz und Kind

nur von Bonn bis Bocklemünd.

Dann gibt’s das Jobticket-Billett

im Internet von A bis Z,

für Butterfahrten nach Berlin

von montags bis Sankt Augustin.

Mit diesen exklusiven Daten

begibst du dich zum Automaten.

Dann wirfst du deinen Barbesitz

oben in den Einwurf-Schlitz.

Linke Seite hast du jetzt

das Linien-Zonen-Strecken-Netz.

Rechte Seite von dem Kasten

die Preis, Tarif- und Auswahltasten.

Jetzt brauchst du nur noch kombinieren

mit X hoch drei multiplizieren.

Das wäre dann die letzte Hürde – –,

wenn jetzt ´ne Karte kommen würde.

Wenn da jetzt grade einer steht,

er dir dann zeigt, wie das so geht,

dann hast du ausgesprochen Glück,

ansonsten kommt dein Geld zurück,

und oben links steht im Karree:

ICE ist jottwede.

Das heißt auf Deutsch: Nemm dinge Schrott,

geh wieder heim, der Zug is fott!

Termin-Stress

„Der Prinz hat Vorfahrt!“ Dies ist ein ungeschriebenes Gesetz und hat bei den übrigen Mitwirkenden einer Veranstaltung schon oft für Frust und Wartezeiten gesorgt.

So ein Prinz bringt oft sein Gefolge mit. Wie 1975 auf der Prunksitzung bei der KG Die Tönnisberger im Siegburger Schützenhaus. Diesmal standen dort das gesamte Festkomitee, ein großer Musikzug, das Tanzkorps und die komplette Mannschaft der jeweils roten, blauen oder schwarz-weißen Funken. Alleine für den Ein- und Ausmarsch rechnete man 20 Minuten, und dazu kamen 30 Minuten für die Präsentation, de Bützche und den Ordenstausch.

Ich hatte zum Glück beim Eintreffen des Prinzenpaares meinen Auftritt hinter mir und machte mich auf die Socken zum nächsten Event und kam nicht weit. Die Ausfahrt war mal wieder total blockiert von den Bussen und Mannschaftswagen der endlosen Siegburger Prinzen-Gefolgschaft. Was tun?

Der einzige Ausweg war eine breite, aber ziemlich flache Freitreppe, die auf einem Platz in einer Fußgängerzone endete. Kein Schutzmann in der Nähe ! Meine Frau Inge, die wie immer dabei war, protestierte zwar und stieg vorsichtshalber aus. „Wird schon gut gehen“, motivierte ich mich.

Mit angezogener Handbremse holperte ich mit unserm Käfer im ersten Gang die zehn Stufen schräg treppab in die unbekannte Freiheit. Meine Inge stieg wieder ein, und durch ein Gewirr aus Einbahnstraßen, Sackgassen und Baustellen hatten wir dann irgendwann, auch ohne Navigator, die Einflugschneise zur Autobahn nach Köln gefunden.

Ne Vollzeit-Rentner

(Schleppt volle Einkaufstüten)

Von draus – vom Aldi komm ich her,

beladen bis zum Gehtnichtmehr.

Mein Edelgard auf heißen Kohlen

hat mir befohlen einzuholen.

Ich bin dann auch gleich losgerannt,

und sowas nennt sich Ruhestand.

Doch mach ich erst mal ´nen Chek up,

ob ich auch nix vergessen hab.

Beim Bäcker war ich, – auf der Poss,

fragen, wat et Heizöl koss,

Lottozettel – alles klar –

Aldi – Stüssgen – Edeka,

Apothek und Drogerie,

so schnell wie heut, war ich noch nie.

Ich krieg demnächst dat Blaue Band,

als schnellster Rentner im Ruhestand.

Ihr seht et selbst – et tut mir Leid –

für lange Reden keine Zeit,

Drum hür ich op mit mingem Klaaf,

tschüss zesamme – Köllen – Alaaf ! ! !

(Verlässt eilig die Bühne – und kommt wieder zurück)

Naja – ´ne kleine Zugabe is noch drin.

Da hab ich praktisch 50 Jahr

geackert bis ich soweit war.

Saß bei der Firma Schmitz und Co

als kleines Würstchen im Büro

und glaubte immer an die Fabel,

Rente käme von „rentabel“,

käm von Rendite, von rentieren,

von regelmäßig abkassieren.

Inzwischen musste ich erkennen,

das Wörtchen Rentner kommt von „Rennen“.

Und so was nennt sich „Ruhestand“,

ich bin noch nie so viel gerannt.

Wie oftmals träumt ich im Büro,

wenn ich mal Rentner bin und so,

dann ist für mich ganz konsequent

an jedem Morgen Wochenend.

Ich lieg im Bett – bis neun, halb zehn,

lass andre nach de Arbeit gehn,

dann bringt auf silbernem Tablett

mein Frau et Frühstück mir ans Bett.

Dann liest se mir, ich bin ganz Ohr,

von A bis Z de Zeitung vor.

Dann steh ich auf und setz mich cool

ans Fenster in de Schaukelstuhl,

und zwei Stund später fang ich dann

ganz langsam mit dem Schaukeln an.

Um vier nehm’ ich mein Magendroppen,

sag Tschüss – und geh zum Dämmerschoppen.

So hat ich mir das vorgenommen –

bis heut ist das nicht vorgekommen.

Die Wirklichkeit sieht anders aus:

um sechs bin ich mem Hund eraus.

Punkt acht Uhr weck ich meine Frau,

sie nimmt dat immer sehr genau.

Dann bring auf silbernem Tablett

ich IHR et Frühstück an et Bett.

Dann les ich IHR – sie ist ganz Ohr –

von A bis Z die Zeitung vor.

Frag ich dann, wat se noch gern hätt,

dann kuckt sie immer ganz kokett,

und schon schnappt sie nach meiner Hand,

dann wird es mir ganz blümerant,

dann fliegt dat Plümo an de Wand –,

und sowas nennt sich Ruhestand!!

Als Rentner – so dachte ich – biste fein raus,

dann hab ich die Kinderchen all aus dem Haus,

dann hab ich Zeit, dann hab ich Ruh,

tu nur noch, was ich gerne tu.

Auch diesbezüglich merk ich jetzt,

hab ich mich schwer neben de Eimer jesetzt.

Kommt doch aus Jux und Dollerei

bei mir zu Hause mal vorbei.

Dann guckt ihr da mal in die Küch,

wat da all krabbelt, rennt und krüch.

Da turnt auf Tisch und Bänkelche

jetz en halbes Dutzend Enkelche,

und ich, als Chef der Krabbelstube,

mach da das Häschen in der Grube.

Ras ich dann wie ein ICE

auf Händ und Füßen im Karee,

such fieberhaft nach einem Nuckel,

zwei Fuzzemännchen auf dem Puckel,

dann brüllt der Rest, so laut er kann:

da tanzt ein Bibabutzemann.

Und während meine Edelgard

zwei Stündchen Mittagsschläfchen macht,

marschiere ich mit dem Verein

um Entenfüttern an den Rhein,

drei Enkelchen an jeder Hand –,

und sowas nennt sich Ruhestand.

Als Rentner, das war für mich immer klar,

verbring ich den Winter in Afrika.

Und was ich dann so spare an Heizung und Öl,

dafür kauf ich mir da ein gebrauchtes Kamel.

Dann mach ich damit en Safari,

en Spritztour durch die Kalahari.

Ich hat schon im Jumbo ´nen Platz reserviert,

doch hat das bis heute noch nicht funktioniert.

Heut stell ich fest – ganz unterm Strich,

mit Safari dat jit nix – und dat Kamel, dat bin ICH

Denn anstatt mit dem Jumbo von Köln nach Nairobi

lieg ich heut mit dem Fahrrad vom ALDI zum OBI.

Da findest du Sachen, die kauft man sich dann,

auch wenn man sie gar nicht gebrauchen kann.

Ich hab jetzt zu Hause – das musste begreifen –

einen Rasenmäher mit Winterreifen.

Ganz vollautomatisch kann ich den starten –

was wär dat jetzt schön, ich hätt auch ´nen Garten.

Wir haben zwar Blumen – zu Hause im Zimmer –

und dreimal am Tage, da gieß ich die immer.

Mein Edelgard findet das immer zum Schießen:

Jung, die sind doch aus Plastik, die brauchst du nicht gießen!!

Ich sage: Dat macht nix, dat ist auch nicht schlimm,

in dem Gießkännchen ist auch kein Wasser drin.

De vorige Woch, muss ich verzälle,

hatte mer en Maus em Keller.

Et janze Haus wor us dem Hüüsje,

die Maus jet grüßer als e Müüsje.

Mein Frau, die war direk am Ball:

auf schnell und kauf en Rattefall.

Don äwer keinem jet verzälle,

wofür dat mer die bruche welle.

Und Speck brauchste nit met zebringe,

do han ich heh e besser Dinge.

Denn in der Küch looch e Prospek,

dodrin e Angebot für Speck.

Do hätt ming Frau – dat doll Jewidde –

dat Bild von dem Speck us dem Blättche jeschnidde.

Dat Bild jenücht – dat wirste sin –,

do fällt dat Müüsje drop erin.

Dann hät se dat Bild in der Fall installiert;

aber irgendwie hat dat nur halb funktioniert.

Denn am andere Morjen – und jetz kütt der Knall –

hing och von dem Müüsje – e Bild in der Fall.

So könnt ich stundenlang Geschichten

vom Rentner-Dasein euch berichten.

Doch wie gesagt – es tut mir leid –,

ich muss nach Haus, ich hab kein Zeit.

Drum hör ich auf mit mingem Klaaf –

tschüss zesamme und Köllen – Alaaf!!!

Et Handy

Als Rentner wird man ungewollt

vom Fortschritt ständig überrollt.

De vorige Woch hat ich e Pech,

ich hol mein Handy aus der Täsch,

ruf meine Frau zu Hause an,

doch dummerweis ging keiner dran.

Nach drei Versuchen merke ich,

mit meinem Handy stimmt was nicht,

erkenn anhand von der Kontur,

uns Fern-Bedienungs-Tastatur.

Mein Frau, die hat zu Haus indessen,

mit dem Handy auf der Couch gesessen,

und war vergeblich am probieren,

den Günter Jauch zu installieren.

Auch das Computer-Dialekt –

ich krieg das einfach nicht gescheckt.

Zum Beispiel denk ich bei Menue

an Rindfleischsüppchen und Fondue.

BIT, das ist bei mir,

ein angebrochener Kasten Bier.

Mein Frau hält heut noch jede Wett,

C – das hieße Plumps-Closett.

Da liegt sie gar nicht so daneben,

an kann in beides „Code“ eingeben.

Zum Glück wohnt jetzt bei uns zu Haus

ein Enkelsohn, der kennt sich aus.

Der hat mich neulich informiert

wie ein Computer funktioniert.

Da ist zunächst in dem Labor,

ein Fernseher – der heißt Monitor.

Und daran hängt an einer Schnur

en Schreibmaschinen-Tastatur.

Ebenfalls an einer Leine

hängt da ´ne Maus – mit ohne Beine.

Die ist da online fest vertaut,

damit sie – erstens keiner klaut,

zweitens ist sie aber auch

immer da, wo man sie braucht.

Auf dem Bild sind Banderolen

mit vielen Fenstern und Symbolen,

oben – unten – an de Ränder –

sieht aus, wie ein Adventskalender.

Klickt man jetzt darauf mit der Maus,

dann kommen die tollsten Sachen raus.

Die Daach – der Kleen wor in der Schull,

ich wusst nit, wat ich maache sull,

geh in dat Kinderzimmer rein

und schalte den Computer ein.

Ich denk: Jetzt tu ich mal was surfen,

als Opa werd ich das wohl dürfen.

Mit viel Geduld und mit Instinkt

ab ich mich online eingeklinkt.

Und dann lief alles wie am Schnürchen

mit den „Adventskalender-Türchen“.

Ich bin gesprungen wie ein Böckchen

und kam vom Hölzchen auf et Stöckchen.

Auf einmal war da ´ne Rubrik

„LIFE-STYLE–EROTIK“.

Ich denk: Dat guckste dir ens ahn,

das hätt ich besser nicht getan.

Ich bin schon allerhand jewennt.

ich hab gedacht: Mich tritt en Ent.

Da lag da vor mir im Menue

ein Fräulein – völlig puddelrüh,

ohne Hemd und sonst noch jet

beim Enkelchen im Internet.

Obendrein stand nebenan:

„Hallo mein Kleiner – ruf mich an“,

und von der schamlosen Person

der Name und et Telefon.

Die Nummer hab ich dann gewählt –,

dem Fräulein hab ich was erzählt.

Ich hab gesagt, ich wär empört,

dass sich so was nicht gehört,

mein Enkelchen wär grade zehn,

der darf doch so was gar nicht sehn.

Sie möge schleunigst sich bemüh‘n,

und sich was Warmes überzieh‘n.

Ansonsten könnt sie was erleben!

Dem Fräulein hab ich et jejeben.

Auf einmal meint die ganz beklommen,

ich möge doch zur Sache kommen.

Ich hätt schon viel zu lang gesprochen –;

da wurd ich plötzlich unterbrochen,

und hinter mir stand groß und breit

mein heiß geliebte Adelheid.

Die zeigte mit gestrenger Miene

auf die entblätterte Blondine.

Ich hab versucht ihr zu erkläre,

wie die dahin gekommen wäre,

ich hätte nur was ausprobiert,

mich mit dem Mäusjen amüsiert,

genau genommen nur gespielt,

noch nicht mal richtig hingeschielt.

Das hätte ich mir nie erlaubt

Glaubt ihr, die hat mir das geglaubt?

Die Quintessenz war koot un joot,

totales Terminal-Verbot.

Gestern kam, direkt aus Bonn,

die Rechnung von der Telekom.

Mein lieber Mann, ich kann euch sagen:

DIE haben wieder aufgeschlagen.

Bauernregeln aus dem Siebengebirge

Balzt die Reblaus auf der Hülle,

ist es Zeit für Kalk und Gülle.

Wenn auf Sankt Martin wächst das Korn,

dann ist es wohl vergessen worn.

Rauscht der Vater Rhein im Keller,

läuft die Mutter etwas schneller.

Hockt der Hahn auf einer Krähe,

war kein Huhn in seiner Nähe.

Ne Ruheständler

Wer Rentner ist, ihr liebe Leut,

der hat heut alles – nur kein Zeit.

Wie war dagegen doch vordem,

das Büro-Dasein so bequem.

Da saß ich bei der Firma Schmitz

den ganzen Tag auf meinem Sitz.

Da hat die Zeit sich ungelogen,

wie Gummi in de Läng gezogen.

Ich machte pünktlich jede Stunde

mit meinem Kaffeepott die Runde,

und mehrmals täglich unverdrossen

hab ich den Gummibaum begossen.

Und hin und wieder kam der Schmitz

ganz unverhofft ereinjeflitzt,

dann hat der sich bald umgebracht,

weil ich ein Nickerchen gemacht.

Ich bin noch heute ganz verschreckt,

so oft hat der mich aufgeweckt.

Ich weiß et noch, als wär et heut,

wie ich mich auf den Tag gefreut,

wo ich am letzten Arbeitstag

dem Alten meine Meinung sag.

Dann sag ich dem von Mann zu Mann,

was der mich kreuzweis alles kann.

Den mach ich vor der ganzen Crew,

mach ich den Burschen zu Ragout.

Und hinterher, das tut mir gut,

ist dieser Herr so klein – mit Hut.

Doch wie er dann so vor mir stand,

nen Strauß mit Blumen in der Hand,

schön eingepackt in Zellophan,

für 6 Euro 90 – der Preis hing noch drahn,

hat der so lieb von mir gesprochen:

Sein bestes Pferd – im Kaffeekochen,

pünktlich stets auf die Minute –

bei jeder Feierabendtute.

Auch war ich stets, so sprach er weiter,

ein aufgeweckter Mitarbeiter.

Was ich nicht alles Nicht gemacht,

das hätt er nicht von mir gedacht.

Nachdem er mich so hoch gehuldigt,

hat sich der Alte dann entschuldigt,

von wegen Konferenz und so,

gab mir ´ne Pulle – JABIKO,

drückt mir die Blümchen in die Hand,

dann stand ich da – im Ruhestand,

und dachte bei mir: Ei verflixt,

er hat dich wieder ausgetrickst.

Wir Rentner sind ja heutzutag,

als Wirtschaftsfaktor sehr gefragt.

In jedem Baumarkt bin ich zu Haus.

In der Hobbyabteilung, da kenn ich mich aus.

Erst gestern noch bin ich da durchgelaufen,

wollte eigentlich nur en Nägelchen kaufen.

Ich bin dann bei ´ne junge Spund,

der grade an der Auskunft stund.

Ich sage: Hallo, junger Mann,

so‘n Einzelnagel muss ich han,

so zwei ein halb bis drei Zoll Länge

für dat Bild von der Oma drahn opzehänge.

Da sagt mir die gebrannte Mandel,

die gibt es nur im Einzelhandel.

Zum Glück kam der Abteilungsleiter,

der war so nett und half mir weiter.

Einzelnägel? Dat triff sich joot,

die ham mer heut im Angebot.

Und wenn se viele davon kaufen,

dann sparen se ´nen ganzen Haufen.

Da gibt et jede Menge Zinse,

je mehr dat sie kaufen, desto billiger sin se.

Mit 4 Kilo Nägel – marschier ich zur Kasse –,

da staut sich in Schlangen die breite Masse.

Die kürzeste Schlange, die such ich mir aus,

und denk mir, hier bis du am schnellsten raus.

Doch wenn ich dann merke, et jeht nicht voran,

probier ich et mal in der Schlang nebenan.

Doch ich weiß et nicht, ich kann tun was ich will,

da wo ich mich anstell, die Schlange steht still.

Dagegen ist die, die ich eben vertauscht,

im Nullkommanix durch die Kasse gerauscht.

Aber irgendwann hab ich den Stau überwunden,

hinter mir lauern jetzt zwei Dutzend Kunden.

Ich – mit 4 Kilo Nägel – zum Zahlen bereit,

natürlich mit Bank-Card – man geht mit der Zeit.

Doch immer wieder hab ich Kummer

mit der geheimen Zahlennummer.

Die ist mitunter so geheim,

die fällt mir einfach nicht mehr ein.

Nach drei vergeblichen Versuchen,

die 19 Euro abzubuchen,

versuch ich´s auf die alte Masche

mit Kleingeld aus der Hosentasche.

Die Kassendame unter Quälen

hilft mir derweil beim Kleingeldzählen,

und hinter mir drei Dutzend Minsche

sehn aus, als wollten se mich lynche.

Nach 5 Minuten stell ich fest:

Es fehlt nur noch ein kleiner Rest.

Doch die Kassandra will mitnichten

auf die sieben Cent verzichten,

nimmt mir stattdessen – zappzarapp,

die schönen Nägel wieder ab,

drückt mir mein Kleingeld in die Hände

und wünscht ein schönes Wochenende.

Total frustriert, wie ein Karnickel,

schwing ich mich auf mein „Mountenbickel“

und schwör beim Barte des Propheten,

den Laden nie mehr zu betreten.

Doch hundert Meter vor daheim

fällt mir meine Glückszahl wieder ein.

Ich – schnell zurück im Affenzahn,

schweißgebadet komm ich ahn,

verkündet mir ein Zerberus:

Feierabend – Ladenschluss.

Wenn du dir das so überlegs:

drei Stunden war ich unterwegs,

ohne Nagel in der Hand

komm müdgestrampelt ich an Land.

Mein Adelheid macht mich zur Schnecke,

wo ich den ganzen Tag rumstecke,

und was ich mir dabei gedacht –,

die Betten wären noch nicht gemacht –,

kein Mittagessen auf dem Tisch,

ich wär ein müder Heinerich,

ein richtig fauler Bummelant.

Und sowas nennt sich Ruhestand.

Prophylaxe

Als Rentner lebt man allgemein

frischfröhlich in den Tag hinein.

Doch irgendwann kommt mal die Stunde,

do jeht et höösch de Berg erunder.

Heh jück dich jet, do deit jet wieh,

jet anderet – funktioniert nit mieh,

den halven Daach söök mer de Brill,

und vieles klapp nit, wie mer will.

Auch kommt es bei den grauen Zellen

von Zeit zu Zeit zu Stromausfällen,

dann stehste da wie ein Stück Holz,

weißt nicht mehr, wat du sagen wollst.

So zeigt sich täglich überall

en Spur von Haltbarkeitsverfall.

Jetzt han die in Berlin jesacht,

für Rentner wär et anjebracht,

wenn die auf Kosten von den Kassen

sich öfters untersuchen lassen.

Das Herz, die Leber und die Lunge,

und wat mer suns noch hätt – do unge.

Das heißt vom Kopf bis an die Haxe,

den Vorgang nennt man Prophylaxe.

Jetzt fehlt nur noch en Institut,

wo mer dat machen lassen tut.

So war ich gestern in der Stadt,

wo ich wat zu besorgen hat.

Da sehn ich do e so ´ne Lade,

ein rotes Herz auf der Fassade,

en Leuchtreklame fiel mir auf,

stand „Dr. Müller-Sexshop“ drauf.

Bei Doktor Müller viel mir ein,

das könnte DIE Adresse sein.

Wahrscheinlich so ´n Gemeinschaftspraxis

für Herzund Leber-Prophylaxis.

Do daach ich mir: Ist wohl am besten,

da jehste rein und lässt dich testen.

Doch su en Praxis wie bei dem,

das hat die Welt noch nicht gesehn.

Am Eingang zu dem Reservat

ein roter Vorhang aus Brokat.

Dann stand ich in ´nem Wartezimmer

bei rosarotem Lampenschimmer.

Ich dacht bei mir: Schau an, schau an,

Doktor Müller – kluger Mann,

denn Rotlicht soll ja allgemein

gesund für de Gesundheit sein.

Ich bin dann an de Rezeption,

da kam die nächste Attraktion.

En Krankenschwester in Zivil

mit sagenhaftem Sexappeal.

Ich stellt mich vor und gab dem Mädche

mein AOK-Versicherungskäätche.

Da kuckt die schöne Lilofee

ganz dumm aus ihrem Dekollté.

Ich frag: Is irgendwat nit klar,

is der Doktor noch nit da?

Da fragt mich diese Henriette,

ob ich ´nen Ratsch em Kappes hätte?

Vermutlich hat die lahme Ente

wat jejen AOK-Patiente.

Ich hab dann erst mal ganz pikiert

dat Wartezimmer inspiziert.

Das war vielleicht ein Internat –,

ich kann verstehn wenn einer spart,

doch in der Bud war weit und breit

nicht eine Sitzgelegenheit.

Stattdessen überall Regale

mit Bilderbücher und Journale.

Das Wartezimmer-Publikum,

das stöberte da drin herum,

war offensichtlich ganz gebannt

von dem, was all da drinnen stand.

Ich hab dann auch mal reingekuckt:

Da waren Sachen abgedruckt,

Lesezirkel waren dabei,

das war – weiß Gott nicht jugendfrei.

Und so was in ´nem Wartezimmer – –,

der Doktor Müller ist ein Schlimmer.

Der braucht bestimmt den ganzen Segen,

um Herz und Kreislauf anzuregen.

Dann lag da noch ein ganzer Stoß

mit sagenhaften Videos,

da waren Liebesfilm-Kassetten,

– – wenn sie das gesehen hätten!

Alleine schon die Titelseiten

und das in allen Einzelheiten.

Für Leute mit ´nem Herzbefund

ausgesprochen ungesund.

Dann kam ´ne gläserne Vitrine

mit Sachen drin aus Plastiline,

ich nehme an – der neuste Schlager –

ein menschliches Ersatzteillager.

Et war tatsächlich allerhand,

was da so alles lag und stand.

Bei mir, da wurden indirekt

Erinnerungen aufgeweckt.

Dann koom en Attraktivität,

ich han jedaach, mich tritt e Pääd.

Da lagen – leck mich in der Täsch –

ein Tisch voll Damen-Unterwäsch,

die dollsten Seiden-Garnitürchen

für alle Größen und Figürchen.

Von Rosarot bis Anthrazit,

dat jit et selfs em Kaufhof nit.

Ich daach beim Anblick der Dessus:

Wat litt dojäjen doch zu Huus,

bei meiner Frau in der Kommod

ein kümmerliches Angebot.

Dann fand ich in dem Institut

noch ein weiteres Attribut.

So an die zehn bis zwölf Kabinen

mit Röntgenschirm zum Selbstbedienen.

Gewiss der allerletzte Schrei –

ein Kämmerchen wurd grade frei.

Da bin ich dann schnell reingeschossen,

bevor ein andrer sich entschlossen.

Jetzt nehm ich an, dat ihr versteht,

wie dat beim Röntgen vor sich geht.

So hab ich erst mal auf Verdacht

mein Oberkörper freigemacht,

und mit dem Brustkorb richtig fest

mich an den Röntgenschirm gepresst,

dabei versucht auf Zehenspitzen,

mich Oberkante abzustützen,

die Hände hinterm Kopf zu falten,

tief einatmen – – Luft anhalten.

Doch irgendwas an dem System

erschien mir äußerst unbequem.

In der Kabine nebenan

war einer noch viel schlimmer dran.

Der stöhnte da aus vollem Herzen,

der hatte sicher große Schmerzen.

Sicher war das ein Wehweh

durch ein Belastungs-EKG.

Nach 5 Minuten Stagnation

in dieser blöden Position,

kam mir allmählich der Verdacht:

Hier wird mit mir de Aap jemacht.

Ich hab mich wieder angekleidet,

mir war der Aufenthalt verleidet,

hab die Kabine zugeschlagen

und bin dann, ohne Tschüss zu sagen,

still und heimlich und frustriert

am Eingang wieder rausspaziert.

Doch hat dat alles keinen Sinn,

ich muss da morgen wieder hin.

Denkt nicht, ich sei da drauf versessen,

ich hat nur minge Schirm vergessen.

Wer gerne lacht, lebt länger

Ein Mensch, der gerne singt und lacht, braucht selten Aspirin,

denn Lachen ist seit eh und je die beste Medizin.

Wer echt von Herzen lachen kann, um den ist mir nicht bang,

und wer sich öfters totgelacht, der lebt besonders lang.

Typisch Kölsch

(Kölner Karnevalsmotto 1995-1996) Wat is Typisch Kölsch?

Typisch Kölsch is alles dat,

wat mer in Kölle alles hat.

Dat is zunächst seit alters her,

der Typisch Kölsche Fasteleer.

Dat is en Pappnaas – is en Pritsch,

der Rhing – der Dom – der Millowitsch,

´ne „Halven Hahn“ – en „Flönz met Ölsch“,

dat is alles Typisch Kölsch.

Typisch Kölsch ist aber auch

ein Typisch kölscher alter Brauch.

Wenn ene kölsche Präsident,

in Kölle ahn ze schwaade fäng,

erscheint ganz Köln in Bild und Ton

in einer andern Dimension.

Su is dat hück, – so wor dat fröher –

der Dom wird hundert Meter höher,

de Huhstroß fuffzig Meter breiter –

und so weiter – und so weiter.

Aus einer Kneip met sibbe Disch

määt hä sich singe Jözenich,

serviert ´nen Keyboard-Entertainer,

als wärens fuffzig Oberkrainer,

und aus ´ner Zwanzig-EURO-Spende

wird ´ne Laudatio ohne Ende.

Kommt dann nach alter Tradition

ein Hoch op Kölle – op der Dom,

dann legt gleich jeder kölsche Fetz

sein kölsche Hand ant kölsche Häz,

und alle rufen treu und brav

aus einem Mund: Kölle – – Alaaf!!

Und niemand hier im ganzen Bau

rief jemals: Düsseldorf – – Helau!!

Doch Typisch Kölsch – so sagen ich –

ist jeder Kölsche „anfürsich“.

Denn jeder Kölsche akurat

hätt och sing kölsche Eijenaat.

Ich kenne ´ne Kölsche, dä wunnt in Hürth,

de Vatter us Müllem, de Mutter us Sürth.

Der is fleißig und sparsam et ganze Jahr

vun März bis Anfang Januar.

Dann wird aus dem Knieskopp op eemol ´ne Snob,

der haut in der Altstadt sing Jeld op der Kopp.

In jeder Kneip macht dieser Lolly

auf Typisch Kölsche Art de Molly,

singt Hits von Schmitz und Ostermann,

obwohl er janit singe kann,

und hat jeden Abend nach jedem Bankett

en andere Lebensgefährtin em Bett.

Am Aschermittwoch – ganz verstohlen –

schleicht er in de Dom, sich et Aschenkreuz holen,

dann steckt er sein letzte fünf Euros am Block

am Südportal en der Opferstock,

dann meint er wunders wat er jemaht,

geht wieder raus wie ´ne Aristokrat,

un denk sich: Ab morgen wird wieder jespaat,

– – Typisch Kölsche Eijenaat.

Ich kenne en Nippes ene janz feine Pinkel,

der fiehrt Fastelowend noh Reit im Winkel;

und jedem Jeck verzällt der Chaot:

Mem Karneval – han ich nix mit am Hoot.

In Reit im Winkel vergisst er sein Sorgen

doch nur bis Rosenmontagsmorgen.

Dann sucht er sich e paar bekannte

Fastelowends-Emigrante.

Se hutsche zesamme met zwei Dutzend Mann

un sehn sich dä Zuch em Fernsehen an.

Un kütt dann janz Kölle zo Fohß un zo Pääd,

dann sin se vor Heimweh total an der Ääd.

Noh der zweiten Flasch Wing sing dann alles em Stoon:

„Ich mööch ze Fohß no Kölle john.“

De Trohne die kullere öwer de Baat –

– Typisch Kölsche Eijenaat.

Ich kenn do ´ne Kölsche us Dellbrück Ost,

ene Fan vom FC Schüttelfrost.

Bei jedem Spill, bei jedem Wedder,

steht der in Müngersdorf op de Bredder.

Un immer wenn dat Schmölzje verlore,

hät hä at hundertmol jeschwore:

Dat eine steht fess, – su wahr ich heh stonn,

mich kritt kee Pääd mieh en et Stadion!

Doch han se dann plötzlich ens knapp jewonne,

dann sin all die Schwüre schnell wieder zerronne,

dann strahlt hä: „Wie hamme dat widder jemaht?“,

ööf sich vor Freud gleich en Jahreskaat –

– Typisch Kölsche Eijenart.

In Lindenthal jit e ´ne Bäckermeister,

der hät ene Lehrling – Hans Heinrich heißt er.

Der hätt vorige Woch – janz akurat –

sing „Bäcker-Abitur“ jemaht.

Der Meister hätt en janz stolz gratuliert,

ätt em e Kölsch un e Körnche spendiert.

Ab heute – mein lieber Hans-Heinerich –

sagen ich immer nur SIE für dich.

Ab morgen, ich hoffe, du hast nichts dajejen,

brauchs DU auch nicht mehr de Backstuv zu fejen,

ab morgen – und damit ist alles geritz –

ab morgen tun SIE das – verehrter Herr Schmitz.

Da kann man nur sagen – frisch von der Leber –

„ ´Ne Typisch Kölsche Arbeitjeber“.

Ich troof ´ne Kölsche us Klettenberg Süd,

der Jung hat e Typisch Urkölsch Jemüt.

Der setz sich im Peffgen bei mir an der Disch,

nd bestellte beim Köbes e Kölsch für mich.

Der dät mir verzälle von singem Ohm Hein,

er wohnt in Riehl in enem Altersheim.

Dat wör ene Schwager vom Schmitze Schmal

s der Vorgebirgstraß in Raderthal.

Un dovon en Schwäjersch, en geborene Scholl,

die hätt e Fotojeschäft in Poll,

un dem sein Tochter aus zweiter Ehe

wär jetz Fotomodell in Langerwehe.

Dann kam en Taxi, der Junge stieg ein

und ließ mich mit meinem Kölsch allein.

Wat er eigentlich wollte, hätt er janit jesaat.

– Typisch Kölsche Eijenaat.

Neben dem Roothuus sin at seit Johre,

de Archäologe am jrawe un bohre.

In 10 Meter Tiefe han se jetz unge

e ne jroße Kochpott mit Inhalt jefunge.

Do drinne – ergab dann die Autopsie –

Himmel un Ääd mit Cevapcici.

Experte behaupten jetz steif und still:

Hier stand bei de Römer der „Jöözenich-Grill“.

Für andre Kollegen steht einwandfrei fess:

Jenau heh is de erste Anuga jewess.

Neulich hatt in dat Loch su ´ne janz klene Drisse

ne kapotte Taschenrechner jeschmisse.

Schon vermuten die Zwei, die dat Dinge dann fanden:

Hier hat in der Steinzeit die Börse gestanden.

Jetz fand man sogar in ´ner Zitadelle

zwei guterhaltene Bettgestelle.

Die Archäologen schließen daraus:

ein römisch-katholisches Freudenhaus.

Von anderer Stelle wird aber jesacht:

Hier war die Stadtverwaltung unterjebracht.

Man kann daraus schließen: Damals hatten die Leute

die gleichen Altstadtprobleme wie heute.

Dat Loch hat inzwischen ein Riesenformat.

– Typisch Kölsche Eijenaat.

Doch echtes „Typisch Kölsch hoch Drei“,

dat is die „Kölsche Klüngelei“.

Der Kölsche hat dafür en Händchen,

der kennt dat von de Heinzelmännchen.

Die waren auch schon lang am Werk,

eh brave Bürger wat jemerk.

Nur hat man heut die Stadtverwaltung

für diese Art Programmgestaltung.

Sie kochen ihr Süppchen

allein und in Grüppchen,

bei heimlichen Treffjen

mit Onkel und Neffjen – –

beim Früh und beim Peffjen.

Sie schieben Bilanzen

durch alle Instanzen,

so lang bis die Schulden

sich wandeln in Gulden.

Man teilt sich die Kohle

dem Volke zum Wohle,

und vom Turm tönt ein Geläut:

„Üb immer Treu und Redlichkeit!“

Da jibt es auch ´nen „Heißen Draht“

zum Generalvikariat.

So springt auch fürs Maternushaus

von Zeit zu Zeit ´ne Reibach raus.

Drum gibt der liebe Gott im Himmel

auch seinen Segen zu dem Klüngel.

Da jibt et in Köln eine Institution,

da ist der Klüngel Tradition.

Und jejen dieses Festcomitee

is de Maffia en Heilsarmee.

Was sich in diesem Institut

an Machenschaften alles tut,

das will ich euch in bunten Bildern

anhand von einem Beispiel schildern.

Ein Mitglied dieser Bande hat

ne Zahnarzt-Praxis in der Stadt.

Und läuft das Geschäft mal ein bisschen marode,

gibts da eine „Kunden-Beschaffungs-Methode“.

Sie suchen nach Quellen

für „Billig-Kamellen“.

Dann holt sich die Meute

drei kräftige Leute,

die wickelt man in feinen Zwirn

und nennt das Ganze „Dreigestirn“.

Die werden auf Wagen

durch die Altstadt gefahren,

und werfen das Süße

dem Volk vor die Füße.

Wenn die sich dann bücken

voller Entzücken

und dann beim Probieren

die Plomben verlieren,

dann eilen die Herden

mit ihren Beschwerden,

in Bussen und Taxis

und stürmen die Praxis.

Sie füllen die Kassen

mit Scheinen in Massen,

und davon bestellen

die wieder Kamellen.

So könnt ich stundelang verzälle

vom Typisch Kölsch em kölsche Kölle,

doch hüren ich op met mingem Klaaf

op Typisch Kölsch mit „öllen Allaaf“.

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101 p. 3 illustrations
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9783961360567
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