Read the book: «Jesus unser Schicksal»



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46. Auflage
© 2014 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn
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DTP: Breklumer Print-Service, Breklum
Verwendete Schriften: Adobe Garamond
Gesamtherstellung: CPI books Ebner & Spiegel, Ulm
Printed in Germany
ISBN 978-3-7615-5355-8 (Print)
ISBN 978-3-7615-6587-2 (E-Book)
www.neukirchener-verlage.de
Inhalt
Gott ja, aber wozu Jesus?
Wozu lebe ich?
Ich habe keine Zeit!
Achtung! Lebensgefahr!
Was sollen wir denn tun?
Warum schweigt Gott?
Unser Recht auf Liebe!
Kann man mit Gott reden?
Wie werden wir mit dem Leben fertig,
wenn wir nicht mehr glauben können?
Wie werden wir mit dem Leben fertig,
wenn Schuld und Versäumnis uns ständig begleiten?
Wie werden wir mit dem Leben fertig,
wenn die anderen uns auf die Nerven fallen?
Es muss anders werden – aber wie?
Ohne mich!
Gibt es Gewissheit in religiösen Dingen?
Ist Christentum Privatsache?
Wann geht die Welt unter?
Was hat man denn von einem Leben mit Gott?
Wilhelm Busch wurde am 27. 3. 1897 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Frankfurt/Main, wo er auch sein Abitur machte. Während seiner Dienstzeit als Leutnant im Ersten Weltkrieg kam er zum Glauben und begann nach dem Krieg ein Theologiestudium in Tübingen.
Nach Abschluss des Studiums war er zunächst Pfarrer in Bielefeld, dann in einem Bergarbeiterbezirk im Ruhrgebiet und schließlich mehrere Jahrzehnte lang Jugendpfarrer in Essen. Gleichzeitig hielt er in ganz Deutschland und auch im benachbarten Ausland Evangelisationsvorträge.
In der Zeit des Dritten Reiches wurde Wilhelm Busch aufgrund seines Glaubenszeugnisses und der Evangelisationsarbeit mehrere Male inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er jedoch wieder unermüdlich mit der Botschaft von Jesus Christus unterwegs.
Am 20. 6. 1966 starb Wilhelm Busch auf der Rückreise von einer Evangelisation, die er in Sassnitz auf der Insel Rügen gehalten hatte.

P. Wilhelm Busch
27.3.1897 – 20.6.1966
Jesus unser Schicksal
»Jesus unser Schicksal« – das war das von Pastor Busch gewählte Generalthema einer Großevangelisation, die er im Jahre 1938 in Essen durchführte.
Er war mit großer Freude Jugendpfarrer in Essen, aber auch als leidenschaftlicher Prediger des Evangeliums war er immer wieder unterwegs. So hat er in ungezählten Vorträgen zu Jesus gerufen – in Stadt und Land, in Ost und West, in Europa und aller Welt.
Wie freute er sich, wenn die Menschen herzu strömten, um seine Botschaft zu hören! Er war überzeugt, dass das Evangelium von Jesus die atemberaubendste Botschaft aller Zeiten ist.
Tausende kamen und hörten zu. Und doch war er als ein rechter Seelsorger immer nur im Gespräch mit dem Einzelnen. Das war das Besondere seiner Verkündigung. Durch das, was auf Tonbändern festgehalten wurde, soll er in diesem Buch weiterhin mit dem Einzelnen reden – als Bote Jesu Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen.
»Jesus unser Schicksal« – das war das Generalthema seiner ganzen Verkündigung. Wollen Sie diese Botschaft hören? Sie können es! Setzen Sie sich im Geist unter seine Kanzel und Sie werden bald wissen: »Jesus unser Schicksal« – das ist das Generalthema der Welt und unseres Lebens.
Karl-Heinz Ehring
Gott ja, aber wozu Jesus?
Sehen Sie: So ein alter Pfarrer wie ich, der ein Leben lang in der Großstadt gewirkt hat, bekommt im Laufe der Jahre permanent die gleichen Schlagworte zu hören. Eins heißt: »Wie kann Gott das alles zulassen?« Ein anderes lautet: »Kain und Abel waren Brüder. Kain schlug Abel tot. Wo hat Kain seine Frau her?« Und eines der beliebtesten Schlagworte ist dies: »Herr Pfarrer, Sie reden immer von Jesus. Das ist doch fanatisch. Es ist doch ganz egal, was man für eine Religion hat. Hauptsache, man hat Ehrfurcht vor dem Höheren, dem Unsichtbaren.«
Das ist doch einleuchtend, nicht? Dasselbe hat mein großer Landsmann Goethe – er ist auch aus Frankfurt – schon gesagt: »Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch ...« Ob wir Allah, Buddha, Schicksal oder »Höheres Wesen« sagen, das ist ganz egal. Hauptsache, wir haben überhaupt einen Glauben. Und es wäre fanatisch, den präzisieren zu wollen. Das denken doch fünfzig Prozent von Ihnen auch, nicht wahr? Ich sehe die alte Dame noch vor mir, die mir erklärte: »O Herr Pfarrer, Sie immer mit Ihrem Jesus-Gerede! Hat nicht Jesus selber gesagt: ›In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen‹? Da haben alle Platz!« Meine Freunde, das ist ein ganz großer Schwindel!
Ich war einmal in Berlin auf dem Flughafen »Tempelhofer Feld«. Ehe wir zum Flugzeug konnten, mussten wir noch einmal durch eine Passkontrolle. Vor mir steht so ein großer Herr – ich sehe ihn noch vor mir: so ein zweistöckiger, mit einer großen Reisedecke unterm Arm – und reicht dem Beamten eilig seinen Pass hin. Und da sagt der Beamte: »Moment mal! Ihr Pass ist abgelaufen!« Der Herr erwidert: »Nun seien Sie mal nicht so kleinlich. Hauptsache, ich habe einen Pass!« »Nee«, erklärt der Beamte fest und bestimmt, »Hauptsache, Sie haben einen gültigen Pass!«
Und genauso ist es mit dem Glauben: Es kommt nicht darauf an, dass ich überhaupt einen Glauben habe, dass ich irgendeinen Glauben habe. Jeder hat einen. Neulich sagte mir einer: »Ich glaube, dass zwei Pfund Rindfleisch eine gute Suppe geben.« Das ist ja auch ein Glaube – wenn auch ein dünner, Sie verstehen! Es kommt nicht darauf an, dass Sie irgendeinen Glauben haben, sondern es kommt darauf an, dass Sie den richtigen Glauben haben, einen Glauben, mit dem man leben kann, auch wenn‘s sehr dunkel wird, der Halt gibt auch in großen Versuchungen, einen Glauben, auf den man sterben kann. Das Sterben ist eine große Probe auf die Richtigkeit unseres Glaubens!
Es gibt nur einen richtigen Glauben, mit dem man richtig leben und richtig sterben kann: Das ist der Glaube an den Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes. Jesus hat selber gesagt: »In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.« Aber es gibt nur eine Tür zu den Wohnungen Gottes: »Ich bin die Tür! Wer durch mich eingeht, wird selig werden.«
Jesus ist die Tür! Ich weiß: Das wollen die Leute nicht hören. Über Gott kann man stundenlang diskutieren. Der eine stellt sich Gott so vor und der andere anders. Aber Jesus ist kein Diskussionsgegenstand. Und ich sage Ihnen: Nur der Glaube an Jesus, den Sohn Gottes, ist ein rettender und seligmachender Glaube, mit dem man leben und sterben kann!
Wie lächerlich dieser Glaube den Leuten erscheint, zeigt ein kleines Erlebnis, über das Sie ruhig mal lachen dürfen. Da gehe ich vor Jahren mal in Essen durch die Stadt. Zwei Männer stehen am Straßenrand, offenbar Bergleute. Als ich vorbeigehe, grüßt der eine: »Guten Tag, Herr Pastor!« Ich trete auf ihn zu: »Kennen wir uns?« Da lacht er und erklärt dem andern: »Das ist der Pastor Busch! Ein ganz ordentlicher Junge!« »Danke«, sage ich. Und da fährt er fort: »Nur – er hat leider einen Vogel!« Ich fuhr empört auf: »Was habe ich? Einen Vogel? Wieso habe ich einen Vogel?« Und da wiederholt er: »Wirklich, der Pastor ist ein ganz ordentlicher Junge! Nur: Er spricht immer von Jesus!« »Mann!«, rief ich erfreut. »Das ist kein Vogel! In hundert Jahren sind Sie in der Ewigkeit. Dann hängt alles daran, ob Sie Jesus kennen gelernt haben. An ihm entscheidet es sich, ob Sie in der Hölle oder im Himmel sind. Sagen Sie: Kennen Sie Jesus?« »Siehst du«, wendet er sich lachend an den andern, »jetzt fängt er schon wieder an!«
Ich will jetzt auch davon anfangen! Es gibt ein Wort in der Bibel, das ich an den Anfang stellen möchte. Es heißt so: »Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben.« Sie haben im Unterricht mal gelernt von Jesus – aber Sie haben ihn nicht. »Wer den Sohn Gottes hat« – hören Sie: »hat«! – »der hat das Leben« – hier und in Ewigkeit! »Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.« Das sagt das Wort Gottes! Sie kennen das Sprichwort: »Wer hat, der hat!« Genauso meint es dies Bibelwort. Ich möchte Sie geradezu überreden – um Ihretwillen! –, dass Sie Jesus aufnehmen und ihm Ihr Leben geben. Denn: Ohne ihn ist es doch ein jämmerliches Leben.
Und nun will ich Ihnen sagen, warum Jesus ein und alles ist und warum der Glaube an Jesus der einzig richtige ist. Oder lassen Sie es mich lieber ganz persönlich ausdrücken: Ich möchte Ihnen jetzt sagen, warum ich Jesus haben muss und an ihn glaube.
1. Jesus ist die Offenbarung Gottes
Wenn mir einer sagt: »Ich glaube an Gott! Aber wozu Jesus?«, dann antworte ich: »Das ist ja dummes Zeug! Gott ist ein verborgener Gott! Und ohne Jesus wissen wir gar nichts von Gott!«
Die Menschen können sich zwar einen Gott zurechtmachen, den »lieben Herrgott« zum Beispiel, der einen ehrlichen Deutschen nicht im Stiche lässt, wenn er jeden Tag nur fünf Glas Bier trinkt. Aber das ist doch nicht Gott! Allah, Buddha – das sind Projektionen unserer Wünsche. Aber Gott? Ohne Jesus wissen wir nichts von Gott. Jesus aber ist die Offenbarung Gottes. In Jesus ist Gott zu uns gekommen.
Ich will Ihnen das an einem Bild deutlich machen: Stellen Sie sich mal eine dichte Nebelwand vor. Hinter der Nebelwand verborgen ist Gott. Nun können die Menschen aber nicht leben ohne ihn. Und da fangen sie an, ihn zu suchen. Sie versuchen, in die Nebelwand einzudringen. Das sind die Bemühungen der Religionen. Alle Religionen sind ein Suchen der Menschen nach Gott. Und allen Religionen ist eins gemein: Sie sind im Nebel verirrt, sie haben Gott nicht gefunden.
Gott ist ein verborgener Gott. Das hat ein Mann, Jesaja hieß er, verstanden und aus Herzensgrund geschrien: »Herr, wir können nicht zu dir kommen. Ach, dass du die Nebelwand zerrissest und kämest zu uns!« Und denken Sie: Gott hat diesen Schrei gehört! Er hat die Nebelwand zerrissen und ist zu uns gekommen – in Jesus. Als die Engel auf Bethlehems Felde in Sprechchören riefen: »Euch ist heute der Heiland geboren! Ehre sei Gott in der Höhe!« – da war Gott zu uns gekommen. Und jetzt sagt Jesus: »Wer mich sieht, der sieht den Vater.«
Ohne Jesus wüsste ich nichts von Gott. Er ist die einzige Stelle, wo ich Gewissheit über Gott bekommen kann! Wie kann man nur sagen: »Ich kann ohne Jesus auskommen«! Ich kann das alles nur sehr kurz sagen und muss vieles auslassen. Dabei könnte ich Ihnen so viel von Jesus sagen. Aber ich kann Ihnen jetzt bloß die wichtigsten Punkte zu der Frage »Wozu Jesus?« nennen.
2. Jesus ist die rettende Liebe Gottes
Ich muss Ihnen das erklären. Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem Journalisten, der mich interviewte und fragte: »Warum halten Sie eigentlich solche Vorträge?« Darauf habe ich ihm geantwortet: »Die halte ich, weil ich Angst habe, dass die Leute in die Hölle kommen.« Da lächelte er und erwiderte: »Gib‘s doch gar nicht!« Und da habe ich gesagt: »Warten Sie‘s doch ab! In hundert Jahren wissen Sie es, ob Sie recht haben oder Gottes Wort. Sagen Sie«, habe ich ihn gefragt, »haben Sie sich schon mal vor Gott gefürchtet?« »Nein!«, antwortete er. »Vorm lieben Gott hat man doch keine Angst!« Da habe ich ihm erklärt: »Sie sind aber ›unterm Strich‹!« Wer auch nur eine dumpfe Ahnung von Gott hat, der muss doch begreifen, dass es nichts Schrecklicheres gibt als ihn, den heiligen und gerechten Gott, den Richter unserer Sünden? Sie sprechen vom ›lieben Gott‹? Die Bibel sagt das so nicht. Die Bibel sagt vielmehr: ›Schrecklich ist‘s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.‹«
Haben Sie Gott schon gefürchtet? Wenn nicht, dann haben Sie überhaupt noch nicht angefangen, die ganze Wirklichkeit des heiligen Gottes und Ihres sündigen Lebens zu sehen. Wenn Sie aber anfangen, Gott zu fürchten, dann werden Sie fragen: »Wie kann ich vor Gott bestehen?« Ich glaube, es ist die größte Dummheit unserer Zeit, dass man den Zorn Gottes nicht mehr fürchtet, ja, es ist ein Zeichen furchtbarer Abstumpfung, wenn ein Volk den lebendigen Gott und seinen Zorn über die Sünde nicht mehr ernst nimmt.
Professor Karl Heim erzählte einmal, wie er auf einer China-Reise auch nach Peking kam. Da wurde er auf einen Berg geführt, auf dem ganz oben ein Altar stand, der »Altar des Himmels«. Es wurde ihm erklärt, dass in der »Nacht der Versöhnung« dieser Berg erfüllt ist mit Hunderttausenden von Menschen, die alle Lampions tragen. Und dann geht der Kaiser hinauf – damals waren es noch die Kaiser, die China regierten – und bringt das Versöhnungsopfer für sein Volk. Als Professor Heim uns das erzählte, fuhr er fort: »Diese Heiden wussten etwas vom Zorn Gottes und dass der Mensch Versöhnung braucht.«
Und der gebildete Mitteleuropäer meint, er könne vom »lieben Gott« reden, und der wäre glücklich zu sehen, dass die Menschen ihre Kirchensteuern brav bezahlen! Fangen wir lieber wieder an, Gott zu fürchten! Wir haben doch alle gesündigt! Sie nicht? Aber natürlich!
Wenn wir Gott wieder fürchten lernen, dann werden wir fragen: »Wo ist denn Rettung vor dem Zorn Gottes? Wo ist Rettung?« Und dann darf uns aufgehen: Jesus ist die rettende Liebe Gottes. »Gott will, dass allen Menschen geholfen werde.« Aber er kann nicht ungerecht sein. Er kann nicht schweigen zur Sünde. Und darum hat er seinen Sohn gegeben – zur Rettung, zur Versöhnung.
Gehen Sie mit mir nach Jerusalem. Da ist ein Hügel vor der Stadt. Wir sehen Tausende von Menschen. Und über die Köpfe der vielen Menschen ragen drei Kreuze. Der Mann am linken Kreuz ist so wie wir, ein Sünder. Rechts der auch. Aber der in der Mitte! Sehen Sie ihn an, den Mann mit der Dornenkrone, den Sohn des lebendigen Gottes! »Du edles Angesichte, / Davor das Reich der Welt / Erschrickt und wird zunichte, / Wie bist du so entstellt!« Warum hängt er da? Dieses Kreuz ist der Altar Gottes. Und Jesus ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, das versöhnt mit Gott.
Sehen Sie: Solange Sie Jesus nicht gefunden haben, stehen Sie unter Gottes Zorn, auch wenn Sie‘s nicht merken, auch wenn Sie‘s leugnen. Und nur wer zu Jesus gekommen ist, steht unter dem Frieden Gottes: »Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.«
Lassen Sie mich ein ganz dummes Beispiel brauchen: Im Ersten Weltkrieg war ich Artillerist. Da hatten wir Kanonen mit Schutzschilden. Einmal standen wir ohne Infanterie vorne. Und dann kam ein Angriff mit Panzern – »Tanks« nannten wir sie damals. Wie Hagel schlugen die Infanteriegeschosse auf unsere Schutzschilde. Aber die waren so stark, dass wir dahinter geborgen waren. Und da habe ich denken müssen: »Wenn ich jetzt bloß die Hand hinter dem Schutzschild herausstrecke, dann wird sie durchsiebt, dann bin ich verloren, dann muss ich elend verbluten. Aber hinter dem Schutzschild bin ich geborgen!«
Und sehen Sie: Das ist mir Jesus geworden. Ich weiß: Ohne Jesus vergehe ich im Gericht Gottes. Ohne Jesus habe ich keinen Frieden im Herzen, da kann ich tun, was ich will. Ohne Jesus kann ich nicht sterben ohne tödliche Angst. Ohne Jesus wandere ich ins ewige Verderben. Es gibt ein ewiges Verderben, warten Sie‘s nur ab! Aber wenn ich hinter dem Kreuze Jesu stehe, bin ich geborgen wie hinter dem Schutzschild. Da darf ich wissen: Er ist mein Versöhner! Er ist mein Erretter! Jesus ist die rettende Liebe Gottes!
Hören Sie: »Gott will, dass allen Menschen geholfen werde.« Darum hat er seinen Sohn gegeben, zur Rettung, zur Versöhnung. Auch für Sie! Und nun ruhen Sie nicht, bis Sie diesen Frieden Gottes haben, bis Sie gerettet sind!
Wozu Jesus?
3. Jesus ist der Einzige, der mit dem größten Problem unseres Lebens fertig wird
Wissen Sie, was das größte Problem unseres Lebens ist? Ah, die Älteren denken natürlich an ihre Galle oder ihre Niere oder was gerade krank ist. Tolle Probleme! Bei den Jüngeren ist es dann »das Mädchen« oder »der Junge«. Es hat jeder so seine Probleme. Glauben Sie mir: Das größte Problem unseres Lebens ist unsere Schuld vor Gott!
Ich war jahrzehntelang Jugendpfarrer. Da habe ich immer neue Bilder gesucht, um den Jungen das klarzumachen. Eins von diesen Bildern möchte ich hier brauchen. Ich habe gesagt: »Stellt euch mal vor, wir haben von Natur einen eisernen Ring um den Hals. Und jedesmal, wenn ich sündige, wird ein Kettenglied angeschmiedet. Ich habe einen schmutzigen Gedanken: ein Kettenglied. Ich bin frech gegen meine Mutter: ein Kettenglied. Ich habe böse geredet über andere Leute: ein Kettenglied. Ein Tag ohne Gebet, als wenn Gott nicht wäre: ein Kettenglied. Unehrlichkeit, Lüge: ein Kettenglied.«
Überlegen Sie mal, wie lang die Kette ist, die wir hinter uns herschleifen! Verstehen Sie: die Schuldkette! So real ist Schuld vor Gott – auch wenn man diese Kette nicht sieht! Aber sie ist riesenlang. Und wir schleppen sie mit uns herum. Ich frage mich oft, warum die Menschen gar nicht recht fröhlich und glücklich sein können. Sie haben‘s doch weithin so gut. Aber sind Sie glücklich? Sie können nicht glücklich sein! Sie können‘s nicht – weil Sie die Schuldkette mit sich herumtragen! Und die nimmt Ihnen kein Pfarrer und kein Priester und kein Engel weg. Und auch Gott kann sie nicht wegtun, weil er gerecht ist: »Was der Mensch sät, das wird er ernten.«
Doch nun ist da Jesus! Er ist der Einzige, der mit dem größten Problem unseres Lebens fertig wird: Er ist für meine Schuld gestorben. Er hat sie bezahlt, als er starb. Darum ist er imstande, mir die Schuldkette abzunehmen. Er ist der Einzige, der das kann!
Ich möchte Ihnen aus Erfahrung sagen: Das ist eine Befreiung zu wissen: Ich habe Vergebung meiner Sünden. Das ist die große Befreiung im Leben – und erst im Sterben. Ihr Alten, sterben und Vergebung der Sünden haben! Oder in die Ewigkeit gehen und alle Schuld mitnehmen müssen! Schauerlich!
Ich kenne Leute, die haben ihr Leben lang gesagt: »Ich bin gut. Ich bin recht.« Und dann sterben sie und lassen die letzte Hand los – und entdecken: Das Schiff unseres Lebens fährt auf dem dunklen Strom der Ewigkeit – Gott entgegen. Sie haben nichts mitnehmen können: kein Häuschen, kein Bankkonto, kein Sparkassenbuch – nur ihre Schuld. So fährt man vor Gott. Schauerlich! Doch das ist das Sterben der Menschen. Und wenn Sie sagen: »So sterben sie alle!« – dann sterben sie alle so! Aber Sie müssen nicht so sterben! Jesus gibt Vergebung der Sünden! Das ist jetzt schon die größte Befreiung, die es gibt.
Ich war ein junger Bursche von 18 Jahren, als ich erfuhr, was Vergebung der Sünden ist: Die Kette fiel ab! Es heißt in einem Liede: »Die Sünden sind vergeben, / Das ist ein Wort zum Leben / Für den gequälten Geist. / Sie‘ sind‘s in Jesu Namen.« Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch erfahren! Gehen Sie hin zu Jesus! Heute. Er wartet auf Sie. Und sagen Sie ihm: »Herr, mein Leben ist ganz verkorkst und voll Schuld. Ich habe das immer verschwiegen und gut von mir geredet. Jetzt lege ich‘s dir hin. Jetzt will ich glauben, dass dein Blut meine Schuld austilgt.« Das ist eine herrliche Sache, die Vergebung der Sünden!
Im 17. Jahrhundert lebte in England ein Mann namens Bunyan. Dieser Bunyan wurde um seines Glaubens willen jahrelang ins Gefängnis gesperrt. Das hat‘s zu allen Zeiten gegeben. Neben dem Worte Gottes sind Gefängnisse das Stabilste, was es in der Menschheit gibt. Und da im Gefängnis hat dieser Bunyan ein wunderschönes Buch geschrieben, das heute noch aktuell ist. Da schildert er das Leben eines Christen wie eine ganz gefährliche, abenteuerliche Wanderung. Das fängt so an: Da lebt einer in der Stadt Welt. Auf einmal wird er unruhig und sagt etwa so: »Es stimmt hier nicht. Ich bin friedelos. Ich bin unglücklich. Ich müsste hier raus.« Er redet mit seiner Frau. Die erklärt ihm: »Du bist nervös. Du brauchst Erholung.« Aber das hilft ihm alles nichts. Die Unruhe bleibt. Und eines Tages merkt er: »Es hilft nichts. Ich muss raus aus dieser Stadt!« Und dann flieht er. Als er loswandert, merkt er, dass er eine Last auf dem Buckel hat. Er will sie abtun, aber er wird sie nicht los. Je weiter er wandert, desto schwerer wird sie. Bisher hatte er die Last nicht so gespürt. Sie war selbstverständlich. Aber als er sich entfernt von der Stadt Welt, wird die Last immer größer. Schließlich kann er kaum mehr weiter. Und dann geht er mühselig einen Pfad im Gebirge hoch. Er kann nicht mehr mit der Last. Da kommt er um eine Wegbiegung, und vor ihm taucht ein Kreuzesbild auf. Beinahe bewusstlos sinkt er vor dem Kreuz nieder, hält sich daran fest und blickt daran empor. Im selben Augenblick spürt er, wie die Last sich löst und polternd in den Abgrund stürzt.
Ein wundervolles Bild für das, was ein Mensch erleben kann am Kreuze Jesu Christi: »Da blick ich auf und sehe / Im Geiste Gottes Lamm, / Wie es für mich geblutet hat / Und starb am Kreuzesstamm. / Dann muss ich schamerfüllt gestehn: / Zwei Wunder ich hier find‘, / Das Wunder seiner großen Lieb‘ / Und meiner großen Sünd‘.« Vergebung der Sünden: Der Heiland hat für mich bezahlt. Meine Schuldkette wird mir abgetan. Ich werde meine Last los. Das kann uns nur Jesus schenken: Vergebung der Sünden! Wozu Jesus? Ich muss Ihnen noch etwas sagen, warum ich an Jesus glaube:
4. Jesus ist der gute Hirte
Sie haben doch alle schon in Ihrem Leben erfahren, wie unendlich einsam man sein kann und wie leer doch das Leben ist. Dann spüren Sie plötzlich: »Mir fehlt was! Aber was?« Ich will‘s Ihnen sagen: Es fehlt Ihnen der lebendige Heiland!
Eben habe ich erzählt, dass Jesus am Kreuze starb, um unsere Schuld zu bezahlen. Merken Sie sich den Satz: »Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.« Und dann hat man ihn ins Grab gelegt, in ein Felsengrab. Eine schwere Felsenplatte wurde davorgewälzt. Und damit man ganz sicher ging, hatte der römische Statthalter noch ein Siegel angebracht und Posten davor aufziehen lassen, römische Legionäre. Ich stelle mir großartige Kerle darunter vor, Kerle, die in allen Ländern der Erde gekämpft hatten: in Gallien (dem heutigen Frankreich), in Germanien (in Deutschland also), in Asien und in Afrika. Narbenbedeckte Burschen waren das. Die stehen also im Morgengrauen des dritten Tages da mit dem Schild am Arm, dem Wurfspeer in der rechten Hand und dem Helm auf dem Kopf. Ein römischer Legionär wartete. Auf ihn konnte man sich verlassen. Und dann wird‘s auf einmal taghell. Die Bibel sagt: »Ein Engel vom Himmel schleuderte den Stein weg.« Und Jesus kommt aus dem Grabe! So gewaltig ist das, dass die Kriegsknechte in Ohnmacht fallen. Ein paar Stunden später begegnet Jesus einem armen Mädchen. Die Bibel sagt von ihr, sie habe sieben Teufel in sich gehabt, die Jesus ausgetrieben hatte. Dieses Mädchen weint. Da kommt Jesus zu ihr. Und da fällt das Mädchen nicht in Ohnmacht. Im Gegenteil. Es freut sich, als es den auferstandenen Herrn Jesus erkennt, und sagt: »Meister!« Es ist getröstet, weil es weiß: »Jesus, der gute Hirte, lebt und ist bei mir!«
Und sehen Sie, auch darum möchte ich Jesus haben: Ich brauche einen, dessen Hand ich halten kann! Mich hat das Leben in sehr dunkle Tiefen geworfen. Ich habe um meines Glaubens willen in nazistischen Gefängnissen gesessen. Da gab es Stunden, in denen ich dachte: »Jetzt ist es noch ein Schritt, bis das dunkle Reich des Wahnsinns beginnt, wo man nicht mehr zurück kann.« Und dann kam Jesus! Und es wurde alles gut! Das kann ich Ihnen nur so bezeugen. Ich habe einen Abend im Gefängnis erlebt, an dem die Hölle los war. Da haben sie einen durchgehenden Transport von Leuten eingeliefert, die ins KZ gebracht werden sollten, Leute, die gar keine Hoffnung mehr hatten, teils Kriminelle, teils schuldlose Leute, Juden. Diese Leute packte an einem Samstagabend die Verzweiflung. Und dann brüllte alles los. Das können Sie sich gar nicht vorstellen. Ein ganzes Haus mit lauter Zellen voll Verzweiflung, wo alles schreit und gegen die Wände und Türen donnert. Die Wärter werden nervös und knallen mit ihren Revolvern gegen die Decke, rennen herum, prügeln einen zusammen. Und ich sitze in meiner Zelle und denke: »So wird die Hölle sein.« Das kann man schlecht schildern. In dieser Situation nun fällt mir ein: »Jesus! Er ist ja da!« Ich erzähle Ihnen, was ich tatsächlich selber erlebt habe. Dann habe ich nur leise – ganz leise – in meiner Zelle gesagt: »Jesus! Jesus! Jesus!!!« Und in drei Minuten wurde es still. Verstehen Sie: Ich rief ihn an, das hörte kein Mensch, nur er – und die Dämonen mussten weichen! Und dann sang ich, was streng verboten war, ganz laut: »Jesu, meine Freude, / Meines Herzens Weide, / Jesu, meine Zier. / Ach, wie lang, ach lange / Ist dem Herzen bange / Und verlangt nach dir!« Und alle Gefangenen hörten es. Die Wärter sagten kein Wort, dass ich laut sang: »Mag von Ungewittern / Rings die Welt erzittern, / Mir steht Jesus bei!« Meine Freunde, da habe ich etwas gespürt, was das bedeutet, einen lebendigen Heiland zu haben.
Wir müssen einmal alle – ich sprach schon davon – durch eine ganz große Not, durch die Not des Sterbens. Es hat mir mal einer vorgeworfen: »Ihr Pfarrer macht den Leuten immer Angst mit dem Sterben!« Da habe ich geantwortet: »Davor brauche ich keinem Angst zu machen, davor haben wir ja alle Angst!« Und da – im Sterben – die Hand des guten Hirten halten dürfen! Aber man sagt mir – und das ist richtig: »Der heutige Mensch hat weniger Angst vorm Sterben als vorm Leben. Das Leben ist schrecklich, schlimmer als das Sterben!« Auch das gibt‘s, meine Freunde: Im Leben einen Heiland haben!
Ich muss Ihnen noch einmal eine Geschichte erzählen, die ich schon oft erzählt habe. Sie ist unglaublich, aber wahr. Da hatte ich in Essen einen Herrn aus der Industrie kennen gelernt, so einen wohlgelaunten, wissen Sie: »Herr Pfarrer, das ist nett, dass Sie die Kinder zum Guten anhalten. Hier haben Sie einen Hundertmarkschein für Ihre Arbeit.« Und ich sage: »Na, und Sie selber?« »Nein, nein, Herr Pfarrer, wissen Sie, ich habe nun doch schon eine eigene Weltanschauung ...« Verstehen Sie: Ein guter Kerl, aber so fern von Gott wie der Mond vom Sirius. Eines Tages hatte ich eine Trauung. Das ist oft ein bisschen trostlos in einer riesigen kahlen Kirche. Und dann kommen da das Brautpaar und vielleicht zehn weitere Leute. Die sitzen da so ein bisschen verloren in der riesigen Kirche. Und mein wohlgelaunter Herr aus der Industrie war Trauzeuge! Der arme Mann tat mir richtig leid: einen sehr eleganten Frack an, den Zylinderhut in der Hand. Und er wusste jetzt einfach nicht, wie man sich in der Kirche benimmt. Man merkte ihm an, dass er sich fragte: »Muss ich jetzt niederknien? Soll ich ein Kreuz schlagen? Oder was ist richtig?« Na, ich half ihm so ein bisschen, nahm ihm den Zylinder ab und legte den auf die Seite. Dann wurde ein Lied gesungen. Da hatte er natürlich keine Ahnung, aber er tat wenigstens so. Können Sie sich den Herrn vorstellen? Ein Mann, der so richtig in die Welt passt! Und dann passierte etwas ganz Merkwürdiges: Die Braut war Helferin im Kindergottesdienst gewesen. Und so sangen nun bei der Trauung etwa 30 kleine Mädchen von der Galerie herunter ein Lied. Mit ihren süßen Stimmchen sangen sie das ganz einfache Kinderlied, das Sie vielleicht kennen: »Weil ich Jesu Schäflein bin, / Freu ich mich nur immerhin / Über meinen guten Hirten ...« Und da denke ich: »Was ist denn bloß mit dem Mann da los? Wird der krank?« Er sackt zusammen, schlägt die Hände vors Gesicht, zittert. Ich sage mir: »Dem ist was zugestoßen! Ich muss einen Sanitäter rufen.« Doch dann merke ich: Der Mann weint, hemmungslos. »... Über meinen guten Hirten, / Der mich wohl weiß zu bewirten«, sangen die Kinder, »Der mich liebet, / Der mich kennt / Und bei meinem Namen nennt. – Unter seinem sanften Stab / Geh ich aus und ein und hab / Unaussprechlich süße Weide ...« Und da sitzt der Mann, der große Industrielle, und weint! Auf einmal begriff ich, was da passierte in der kahlen Kirche. Dem Mann ging auf: »Die Kinder haben, was ich nicht habe: einen guten Hirten. Ich aber bin ein einsamer, verlorener Mann!«
Ihr Männer – und ihr Frauen –, Sie können es im Leben nicht weiter bringen, als dass Sie wie diese Kinder sagen können: »Ich freue mich, dass ich zur Herde Jesu Christi gehöre und einen guten Hirten habe.« Sie können es nicht weiter bringen! Sehen Sie zu, dass Sie das sagen können! Warum ich an Jesus glaube? Weil er der gute Hirte ist, der beste Freund, mein lebendiger Heiland.
Wozu Jesus? Ich möchte Ihnen noch ein Letztes sagen:
5. Jesus ist der Fürst des Lebens
Vor Jahren hatte ich einmal eine Freizeit im Böhmerwald. Nachdem die Jungen abgereist waren, musste ich noch einen Tag warten, weil ich mit dem Auto abgeholt wurde, und wohnte an dem Abend in einem alten Jagdschloss, das irgendeinem König gehört hatte. Jetzt wohnte da nur noch ein Förster. Das Haus war halb verfallen. Es gab kein elektrisches Licht. Aber es gab ein riesiges Wohnzimmer mit einem offenen Kamin, in dem etwas Feuer gemacht war. Man stellte mir eine Petroleumlampe hin und wünschte mir: »Gute Nacht!« Draußen heulte der Sturm. Der Regen peitschte durch die Tannen, die ums Haus herum standen. Wissen Sie: eine Stelle, um eine zünftige Räubergeschichte zu erleben. Und ich hatte ausnahmsweise gar nichts zu lesen bei mir. Da finde ich auf dem Kaminsims ein Broschürchen. Und darin las ich dann unter der Petroleumlampe. So etwas Schreckliches aber hatte ich noch nie gelesen. Ein Arzt hatte in dem Schriftchen seine ganze Wut gegen den Tod ausgekocht. Seitenweise hieß es etwa so: »O du Tod, du Feind der Menschheit! Jetzt habe ich eine Woche lang gerungen um ein Menschenleben und denke, den Mann über den Berg zu haben, und dann erhebst du dich grinsend hinter der Bettstatt und greifst zu – und alles war vergeblich. Ich kann Menschen heilen, und dann weiß ich, es ist doch vergeblich – du kommst mit deiner Knochenhand. O du Betrüger, du Tod, du Feind!« Seitenweise nur Hass gegen den Tod! Und dann kam das Schrecklichste: »Du Tod, du Punkt, du Ausrufezeichen!« Und wörtlich fuhr er fort: »O verdammt; wenn du doch ein Ausrufezeichen wärest! Aber wenn ich dich ansehe, dann verwandelst du dich in ein Fragezeichen. Und ich frage mich: Ist der Tod ein Ende, oder ist er nicht ein Ende? Was kommt? Tod, du gemeines Fragezeichen!«
Das ist‘s! Und ich kann Ihnen sagen, dass mit dem Tode nicht alles aus ist! Jesus, der Bescheid weiß, hat gesagt: »Der Weg ist breit, der in die Verdammnis führt, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt!« Hier aber fallen die Würfel! Und nun freue ich mich, dass ich einen Heiland habe, der hier schon das Leben gibt und das Leben ist und zum Leben führt. Darum verkündige ich ihn so gern.
Sehen Sie: Ich war im Ersten Weltkrieg wochenlang bei Verdun, wo damals eine der größten Schlachten tobte. Zwischen den Linien lagen Leichen über Leichen. Ich bin mein Leben lang diesen süßlichen Leichengeruch nicht mehr losgeworden. Und immer, wenn ich so ein Ehrenmal sehe: »Es fielen fürs Vaterland«, dann rieche ich den Geruch von Verdun, den Leichengeruch. Und wenn ich denke: »In hundert Jahren sind wir alle nicht mehr da«, dann weht mich dieser entsetzliche Todeshauch an. Spüren Sie den nicht?
Und in dieser Todeswelt ist einer, der von den Toten auferstanden ist! Und der sagt – denken Sie! –: »Ich lebe, und ihr sollt auch leben! Glaubt an mich. Kommt her zu mir! Bekehret euch zu mir! Werdet mein Eigentum! Ich führe euch zum Leben!« Ist das nicht wundervoll? Wie kann man in dieser Todeswelt überhaupt leben ohne diesen Heiland, der das Leben ist und zum ewigen Leben führt? Ich habe in diesen Tagen einen alten Brief gelesen, den Professor Karl Heim abgedruckt hat. Es ist der Brief eines im Zweiten Weltkrieg in Russland gefallenen Soldaten, eines Christen. In dem Brief heißt es etwa so: »Es ist grauenvoll um uns her! Wenn die Russen mit ihrer Stalinorgel schießen, dann kommt eine Panik über uns alle. – Und die Kälte! Und der Schnee! Grauenvoll! Aber ich habe gar keine Angst. Wenn ich fallen sollte, so muss es wunderbar sein: Dann bin ich mit einem Schritt in der Herrlichkeit. Dann schweigt der Sturm – und ich sehe meinen Herrn von Angesicht zu Angesicht, und sein Glanz umgibt mich. Ich habe nichts dagegen, hier zu fallen.« Er ist kurz danach gefallen. Als ich das las, habe ich denken müssen: »Was ist das für eine Sache, dass ein junger Mann keine Angst vor dem Tode mehr hat, weil er Jesus kennt!«
Ja, Jesus ist der Fürst des Lebens! Und er gibt den Seinen eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens!
Es war auf dem Kirchentag in Leipzig: Empfang im Rathaus! Die Spitzen der Behörden und die Spitzen der Kirche waren versammelt. Und dann wurden Reden gehalten, möglichst unverbindlich, damit man sich nicht gegenseitig zu sehr auf die Hühneraugen trat. Heinrich Giesen, der damalige Generalsekretär des Deutschen Evangelischen Kirchentages, hatte das Schlusswort. Ich vergesse das nicht, wie Heinrich Giesen aufstand und sagte: »Sie fragen uns, meine Herren, was wir für Leute sind. Ich möchte es Ihnen mit einem Satz sagen: Wir sind Leute, die beten: ›Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.‹«Und dann setzte er sich hin. Es war unheimlich, wie die Leute auf einmal erschüttert waren.
Im Dreißigjährigen Krieg hat Paul Gerhardt gedichtet: »So will ich zwar nun treiben / Mein Leben durch die Welt, / Doch denk ich nicht zu bleiben / In diesem fremden Zelt. / Ich wandre meine Straßen, / Die zu der Heimat führt, / Da mich ohn alle Maßen / Mein Vater trösten wird.« Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch so durch die Welt gehen können. Wozu Jesus? Es hängt alles, aber auch alles davon ab, dass Sie ihn kennen lernen!
Wozu lebe ich?
Darum geht‘s also: Wozu lebe ich? Oder: Wozu bin ich auf der Welt? Oder: Welches ist der Sinn meines Lebens?
Eines Tages ruft mich in Essen ein Industrieller ganz aufgeregt an: »Herr Pfarrer, kommen Sie!« Ich rase hin. Da empfängt er mich mit den Worten: »Mein Sohn hat sich erschossen!« Ich kannte den Jungen. Er war Student. Er hatte alles, was sein Herz begehrte. Er war gesund, bildhübsch, jung und reich. Er besaß längst einen eigenen Wagen. Er war auch nicht in eine dumme Sache verwickelt. Und dieser junge Mann schießt sich eine Kugel in den Mund! In einem Brief, den er hinterließ, stand nur: »Ich sehe nicht ein, was es für einen Sinn haben soll, weiterzuleben. Darum mache ich Schluss. Mein Leben ist sinnlos!« Erschütternd!
Sehen Sie: Die Frage nach dem Sinn unseres Lebens ist so unheimlich wichtig! Und sie ist deshalb so ungeheuer wichtig, weil wir nur ein einziges Leben haben! Haben Sie mal darüber nachgedacht, was das bedeutet, dass wir nur ein einziges Leben haben?
Als ich noch in die Schule ging, da war ich in Mathematik nicht so ganz gut. Mein Lehrer hatte einfach kein Verständnis für meine Lösungen. Und wenn ich dann Mathematik-aufgaben gemacht hatte, dann hat er manchmal – in völliger Verkennung meiner Begabung für ausgefallene Lösungen – mein Heft mit lauter roter Tinte verschmiert. Das war grässlich anzusehen. Wenn nun solch ein Heft richtig verschmiert war, dann habe ich es oft weggetan, selbst wenn es noch gar nicht vollgeschrieben war, und mir ein neues gekauft, so ein schönes, sauberes. Da konnte ich ganz neu von vorne anfangen. Wenn man es doch auch mit dem Leben so machen könnte! Glauben Sie: Millionen von Menschen werden im Augenblick des Sterbens denken: »Ach, ich möchte, ich könnte noch einmal ganz von vorne anfangen! Ich würde alles anders machen!«
Ein Schulheft kann man neu kaufen und darin noch einmal von vorne anfangen – ein Leben aber nicht. Wir haben nur ein einziges Leben! Wie furchtbar muss das sein, wenn wir das verpatzt haben, wenn wir das falsch gelebt haben! Wir haben nur ein einziges Leben! Ist das verspielt, dann ist es in alle Ewigkeit verspielt. Das gibt dem, was ich Ihnen zu sagen habe, einen tödlichen Ernst.
Heute morgen ist an meinem Hotel eine große Kuhherde vorbeigetrottet. Da ich mich gerade mit meinem Vortrag beschäftigte, habe ich gedacht: »Wie glücklich sind diese Kühe dran, die brauchen gar nicht über die Frage nachzudenken, wozu sie auf der Welt sind. Da ist die Sache klar: Milch geben und zum Schluss Rindfleisch liefern.« Sie verstehen: Das Tier braucht über den Sinn des Lebens nicht nachzudenken. Hier unterscheidet sich der Mensch vom Tier. Und das ist das Schreckliche, dass es eine Menge Menschen gibt, die leben und schließlich sterben und nie einmal gefragt haben: »Wozu lebe ich eigentlich?« Sie unterscheiden sich nicht vom Tier. Sie sehen: Die Grenze zum Tier ist sehr nah. Das macht einen Menschen zum Menschen, dass er fragt: »Wozu bin ich da? Wozu bin ich Mensch? Wozu lebe ich?«
1. Die oberflächlichen und vorschnellen Antworten
Nun, meine Freunde, es gibt furchtbar viele oberflächliche und vorschnelle Antworten auf die Frage »Wozu lebe ich?«. Ich habe vor vielen Jahren einmal alle diese oberflächlichen und vorschnellen Antworten auf einen Schlag bekommen. Es war im Jahre 1936, also mitten im Hitler-Reich. Studenten aus Münster hatten mich gebeten, ich möchte mit ihnen sprechen über das Thema »Was ist der Sinn meines Lebens?«. Und dann eröffneten sie mir gleich, sie wollten keinen Vortrag hören, sondern mit mir über dieses Thema diskutieren. »Gut«, sagte ich, »dann legen Sie mal los! Was ist der Sinn meines Lebens? Wozu lebe ich?«
Da die Diskussion – wie gesagt – im Hitler-Reich stattfand, stand natürlich sofort einer auf und erklärte: »Ich bin für mein Volk da. Das ist wie Blatt und Baum. Das Blatt bedeutet nichts, der Baum ist alles. Ich bin für mein Volk da!« Darauf habe ich geantwortet: »Schön! Und wozu ist der Baum da, wozu ist das Volk da?« Pause! Das wusste er auch nicht. Verstehen Sie: Die eigentliche Frage war damit nicht beantwortet. Sie war lediglich zurückgeschoben. Da habe ich ihnen gesagt: »Liebe Leute, Sie dürfen nicht solche Antworten geben, womit die Frage nur zurückgestellt, zurückgeschoben wird!«
»Nun: Was ist der Sinn meines Lebens? Wozu lebe ich?«, fragte ich aufs neue. Da erklärte ein anderer: »Ich bin auf der Welt, um meine Pflicht zu tun!« »Mensch!« sagte ich, »das ist ja gerade der Witz: Was ist denn meine Pflicht? Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen Gottes Wort zu sagen. Mathilde Ludendorff hält es für ihre Pflicht, Gott zu leugnen. Was ist denn Pflicht?« Mir hat ein hoher Beamter mal gesagt: »Herr Pfarrer, ganz im Vertrauen, ich zeichne den ganzen Tag Akten ab, aber wenn die alle verbrennen würden, dann ginge die Welt auch weiter. Ich leide darunter, dass ich im Grunde eine solch sinnlose Tätigkeit ausübe.« Was heißt Pflicht? Tausende von SS-Leuten haben im Dritten Reich Hunderttausende von Menschen umgebracht. Und wenn man sie vor Gericht stellt, dann behaupten sie: »Wir haben unsere Pflicht getan. Es war uns befohlen.« Glauben Sie, es ist die Pflicht eines Menschen, andere Menschen umzubringen? Das kann ich nicht glauben. Ich sagte also den Studenten: »Das ist ja gerade der Witz: Was ist denn meine Pflicht? Wer kann mir das sagen? Da sitzen wir wieder fest.«
Nun wurden die jungen Herren schon nachdenklicher. Dann stand einer auf und erklärte stolz: »Ich stamme aus einem alten Adelsgeschlecht. Meine Vorfahren kann ich um 16 Generationen zurückverfolgen. Eine große Ahnenreihe! Ist das nicht Lebensinhalt und Lebensaufgabe, diese Ahnenreihe gebührend fortzusetzen?« Da konnte ich nur antworten: »Mann! Wenn man nicht weiß, wozu die 16 Generationen gelebt haben, dann lohnt es sich doch auch nicht, eine siebzehnte dazuzusetzen!«
Verstehen Sie: Es gibt so viele oberflächliche und vorschnelle Antworten: Bei uns sieht man oft Todesanzeigen in den Zeitungen, worüber ein schreckliches Sprüchlein steht: »Nur Arbeit war dein Leben, / Nie dachtest du an dich. / Nur für die Deinen streben, / War deine höchste Pflicht.« Kennen Sie das auch? Jedesmal, wenn ich das lese, gehe ich auf die Palme. Dann denke ich: »Das ist eine Todesanzeige für ein Pferd!« Nicht wahr? Ein Pferd hat zu arbeiten. Aber ich glaube nicht, dass ein Mensch nur dazu auf der Welt ist, um zu schuften. Das wäre ja kümmerlich. Dann würden wir ja besser mit 10 Jahren Selbstmord begehen, wenn nur das der Sinn unseres Lebens wäre: »Nur Arbeit war dein Leben ...« Das ist ja grauenvoll! Nein, das ist auch nicht der Sinn unseres Lebens.
Ein anderer von den Studenten erklärte mir damals: »Sehen Sie: Ich will Arzt werden. Und wenn ich Menschenleben retten kann, ist das nicht ein schöner Lebensinhalt?« Da habe ich erwidert: »Gut! Aber wenn Sie nicht wissen, wozu der Mensch lebt, dann hat es doch gar keinen Sinn, das Menschenleben zu retten. Dann geben Sie den Menschen doch besser eine Spritze zum Sterben.« Verstehen Sie bitte recht: Erzählen Sie jetzt nicht, ich hätte gesagt, man solle den Leuten eine Spritze zum Sterben geben. Ich meinte: Das ist doch keine letzte Antwort auf unsere Frage nach dem Sinn des Lebens.
Es ging mir damals erschütternd auf – es waren ja lauter Studenten –, wie selbst der Gebildete in unseren Tagen dahinlebt, ohne im Grunde zu wissen, wozu er überhaupt auf der Welt ist.
Darf ich eben zwischendurch bemerken: Sie werden sich vielleicht ein bisschen ärgern an der Form, in der ich rede. Ich kann natürlich auch gedrechselte Sätze mit vielen Fremdwörtern brauchen, aber dann sind Sie bestimmt nach einer halben Stunde eingeschlafen. Weil ich das aber schrecklich fürchte, rede ich lieber so, wie man auf der Straße miteinander redet. Ist das klar? Danke!
Sehen Sie: Wenn man das alles mal so durchgemacht hat, ich hab‘s ja nur angedeutet, dann kommt die Antwort, die ich damals in Münster von den Studenten auch bekam: »Das Leben hat überhaupt keinen tiefenSinn. Es ist eine reine Zufälligkeit, dass ich geboren wurde. Es ist gar kein Sinn dahinter. Und darum können wir am besten nur eins machen: das Leben genießen, so gut wie wir können.« Dies ist vielleicht die größte Anfechtung, die einen Menschen treffen kann, wenn ihm auf einmal durch den Sinn geht: »Mein Leben ist sinnlos. Es hat gar keinen Sinn. Hätten meine Eltern nicht geheiratet, wäre ich nicht gezeugt und geboren worden. Es ist rein zufällig, dass ich da bin. Im Grunde ist mein Leben völlig sinnlos.« Und wer ein schweres Leben hat, der ist in dem Moment sehr nahe am Selbstmord: »Wozu soll ich das Leben noch weiterführen? Wenn doch alles Zufall und Sinnlosigkeit ist, dann macht man doch besser Schluss!« Wissen Sie, dass die Zahl der Selbstmörder in Westdeutschland größer ist als die Zahl der Verkehrstoten? Wissen Sie, dass etwa 50 Prozent der Selbstmörder junge Leute unter 30 Jahren sind? Das ist die erschütternde Demonstration unserer Zeit: Wir sehen keinen Sinn mehr im Leben.
Ich habe oft mit Leuten gesprochen, die mir klagten: »Das Leben ist so sinnlos. Ich werf’s weg – entweder in Vergnügen und Genießen oder in Selbstmord.« Dann habe ich gefragt: »Aber wenn‘s doch einen Sinn hätte?! Wenn es doch einen Sinn hätte – und Sie hätten gelebt, als wenn‘s keinen gehabt hätte!? Wie stünden Sie am Ende da?«
Es gibt in der Bibel ein Wort, das kann einem durch und durch gehen. Das heißt so: »Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht Gottes.« Sehen Sie: Dieses Wort der Bibel muss man kennen, um ganz ernst zu fragen: »Wozu lebe ich?« Wir können doch nicht sterben und ins Gericht Gottes gehen, wenn wir den Sinn unseres Lebens verpasst haben! Ist die Frage jetzt deutlich? Dann gehe ich jetzt einen Schritt weiter:
2. Wer kann denn Antwort geben?
Wer in allerWelt kann mir denn Antwort geben auf die Frage »Wozu lebe ich?« – Wer? Die Kirche? Nein! Der Pfarrer? Nein! Der ist in derselben Lage wie Sie. Die Professoren? Die Philosophen? Auch sie können uns keine Antwort geben auf die Frage »Wozu lebe ich?«! Nur ein einziger kann uns sagen, wozu wir leben: nämlich der, der uns ins Leben rief, der uns geschaffen hat – Gott!
Lassen Sie mich ein ganz dummes Beispiel brauchen: Eines Tages komme ich in eine Wohnung. Da sitzt da so ein richtiger Junge und bastelt mit Drähten und Lämpchen. Ich frage ihn: »Mann, was baust du denn da für eine Höllenmaschine? Was soll das werden?« Nun, er hat es mir erklärt, doch ich muss zugeben, dass ich es nicht verstanden habe. Aber ich habe denken müssen: »Da kommt kein anderer Mensch drauf, was das werden soll – bloß der, der‘s macht, kann sagen, was es werden soll und wozu es ist.«
So ist es auch mit unserem Leben: Nur der, der uns geschaffen hat, kann sagen, wozu er uns geschaffen hat! Das heißt: Auf die Frage »Wozu lebe ich?« können wir nur Antwort bekommen durch Offenbarung. Gott muss es uns sagen! Wenn ich nicht bereits die Bibel lesen würde, dann müsste ich durch diese Frage an die Bibel gelangen. Ich hielte es nicht mehr aus, wenn ich nicht wüsste, wozu ich auf dieser verfluchten Welt bin. Ist Ihnen das Wort »verfluchte Welt« zu hart? Nun – es ist ein Wort der Bibel. Wenn Sie mal ein halbes Jahr mit einem Großstadtpfarrer zusammen wären, dann wüssten Sie, was ich meine: dass diese Welt unter einem schrecklichen Fluch steht. Und ich könnte es nicht aushalten, darin zu leben, wenn ich nicht durch die Offenbarung Gottes Antwort bekäme.
Gott beantwortet uns die Frage nach dem Sinn des Lebens – in der Bibel. Und das ist ein Grund, warum die Bibel so wahnsinnig wichtig ist. Ich kenne Leute, die ganz erhaben sprechen: »Die Bibel lesen wir doch nicht!« Da kann ich nur antworten: »Ich kann‘s euch schriftlich geben, dass ihr noch nie ernsthaft nachgedacht habt über die Frage ›Wozu lebe ich?‹!« Aber Dummheit ist eine weit verbreitete Krankheit – und wenn sie weh täte, dann wäre die Welt mit Geschrei erfüllt. Ich will Ihnen die Antwort der Bibel mit einem Satz sagen: Gott, hat uns geschaffen, dass wir seine Kinder werden! Wie ein Vater sich gern in seinem Sohn spiegelt, so schuf Gott den Menschen »ihm zum Bilde«. Gott will, dass wir seine Kinder werden, die mit ihm reden – und mit denen er reden kann, die ihn lieb haben – und die er liebt. Beten Sie eigentlich? Was ist es für einen Vater bitter, wenn sein Kind jahrelang nicht mit ihm spricht! Und ein Mensch, der nicht betet, redet nicht mit seinem himmlischen Vater! Sehen Sie: Gott möchte, dass wir seine Kinder sind, die mit ihm reden, die er lieb hat – und die ihn lieb haben. Dazu sind wir auf der Welt! Bitte, verstehen Sie mich jetzt richtig: Ich rede nicht von Kirche, von Dogma, von Religion und allem möglichen, sondern ich rede vom lebendigen Gott. Und der hat Sie geschaffen, dass Sie sein Kind werden! Sind Sie das?
Jetzt muss ich einen Schritt weitergehen: Wir sollen Kin-der Gottes sein – aber von Natur sind wir nicht Kinder Gottes. Am Anfang der Bibel heißt es: »Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde.« Und dann berichtet die Bibel von einer ganz großen Katastrophe. Der Mensch war in völliger Freiheit geschaffen – und da entschließt der Mensch sich gegen Gott! Er nimmt von der Frucht, das heißt: »Ich möchte autonom sein! Ich kann ohne Gott leben!« Verstehen Sie: Der Adam hat nie bezweifelt, dass Gott existiert – aber er hat sich von ihm frei gemacht: »Ich führe mein Leben nach eigener Regie!«
Ich muss Ihnen hierzu eine Geschichte erzählen. Neulich fragt mich ein Mann auf der Straße: »Pastor Busch, Sie reden immer von Gott. Ich sehe ihn aber nicht. Sagen Sie mal: Wie kann ich Gott finden?« Da habe ich ihm geantwortet: »Hören Sie mal gut zu! Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Zeitmaschine, mittels der ich Jahrtausende vor-und zurückgehen könnte. Mit dieser Zeitmaschine gehe ich also an den Anfang der Menschheit. Eines Abends gehe ich im Paradiesgarten spazieren. Sie kennen doch die Geschichte vom Sündenfall? Nun, da treffe ich hinter einem Strauch den Adam, den ersten Menschen. ›Guten Abend, Adam!‹, begrüße ich ihn. ›Guten Abend, Pastor Busch!‹, erwidert er. ›Du wunderst dich, mich zu sehen?‹, frage ich und erkläre ihm: ›Ich bin durch eine Verschiebung in den Kulissen des Welttheaters aus Versehen hier in den Garten des Paradieses geraten.‹ ›Ja‹, sagt er, ›was bist du denn so nachdenklich?‹ Da antworte ich dem Adam: ›Weißt du, ich denke gerade über eine Frage nach, die mir ein Mann gestellt hat, nämlich über die Frage: Wie kann ich Gott finden?‹ Laut lachend erklärt der Adam mir da: ›Das ist doch nicht das Problem, wie ich Gott finden kann! Er ist doch da! Sei doch ehrlich, Pastor Busch, euch geht‘s doch vielmehr darum, wie ihr ihn loswerden könntet. Das ist die Schwierigkeit, dass man ihn nicht los wird!‹«
Hat er recht, der Adam? Gott ist da! Man kann ihn finden! Aber man wird ihn nicht los! Wenn ich mir die Geistes-geschichte der letzten 300 Jahre ansehe: Was ist da gerun-gen worden, Gott los zu werden! Aber wir sind Gott nicht los geworden. Meine Freunde, Sie glauben im Grunde alle, dass Gott existiert – aber Sie gehören ihm nicht. Sie machen es wie die meisten Leute: Man legt die Frage nach Gott auf Eis. Man leugnet ihn nicht – aber man gehört ihm auch nicht. Man ist kein Feind Gottes – aber man ist auch kein Freund Gottes. Und so lässt man das größte Problem seines Lebens ungelöst.
Ein Schweizer Arzt hat in einem Buch behauptet: Wenn ein Mensch die großen Lebensfragen nicht löst, dann bekommt er eine seelische Wunde, ein Trauma. Und er fährt fort: Wir im Abendland sind krank an Gott. Wir leugnen ihn nicht – aber wir gehören ihm auch nicht, ja, wir wollen ihn nicht. Deshalb sind wir krank an Gott. – Das glaube ich auch!
Wenn ich überall höre: »Der moderne Mensch interessiert sich nicht für Gott!«, kann ich nur antworten: »Dann steht es aber schlimm um den modernen Menschen! Nun – ich bin selber einer und interessiere mich dafür. Und ich halte mich nicht für antiquiert. Aber wenn der moderne Mensch sich ernsthaft nicht für seine Erlösung interessiert, dann ist das sehr schlimm!« Ich will mal ein ganz dummes Beispiel brauchen: Stellen Sie sich einen Kochlehrling vor. Eines Tages erklärt der Chef: »Der interessiert sich überhaupt nicht für die Kocherei.« Ich frage: »Wofür interessiert er sich denn?« Da antwortet der Chef: »Für Schallplatten und Mädchen.« »Ja«, sage ich, »da müssen Sie eben mehr auf den Jungen eingehen und von jetzt ab nur noch über Schallplatten und Mädchen reden.« »Nein, nee!« erwiderte der Chef. »Wenn der Kerl sich nicht fürs Kochen interessiert, dann hat er seinen Beruf verfehlt!«
Verstehen Sie: Unser Beruf ist es, Kinder Gottes zu werden. Und wenn der moderne Mensch sich nicht dafür interessiert, dann hat er seinen Beruf als Mensch verfehlt.
Da hat es gar keinen Sinn, mit ihm über alle möglichen und unmöglichen Dinge zu reden, die ihn vielleicht interessieren, sondern ich werde nicht aufhören zu sagen: Sie fangen erst an, Mensch zu sein, wenn Sie Kinder des lebendigen Gottes sind!
3. Die Antwort Gottes auf die Frage aller Fragen
Ich wiederhole: Wir sind von Natur nicht Kinder Gottes – aber wir sind auf der Welt, um Kinder Gottes zu sein. Und darum muss in unserem Leben etwas geschehen. Dazu beizutragen, das ist der Sinn dieses Vortrages. Ich bin nicht dazu da, Sie ein bisschen zu unterhalten, sondern ich möchte ein paar Menschen, die ihr Herz aufschließen, dazu helfen – ach, wenn es doch gelänge! –, dass ihr Leben sinnvoll wird. Wir sind also nicht Kinder Gottes, wir lieben Gott nicht, wir übertreten seine Gebote, wir kümmern uns nicht um ihn, wir beten nicht – höchstens wenn wir mal in Druck sind, dann ziehen wir so ein bisschen die Notbremse. Deshalb ist die Frage aller Fragen: »Wie werde ich ein Kind des lebendigen Gottes?« Jetzt würde ich am liebsten Zettel und Bleistifte verteilen und sagen: »Schreiben Sie mal auf, was Sie denken, wie man ein Kind Gottes wird.« Da würden die einen sagen: »Dass ich ein guter Mensch bin!« Und die anderen würden sagen: »Dass ich eben doch an den Herrgott glaube!« Aber das ist alles zu wenig. Die Frage aller Fragen bleibt: »Wie werde ich ein Kind des lebendigen Gottes?« Die Antwort auf diese Frage aller Fragen kann ich auch nur durch Offenbarung erfahren. Wie Gott mich als Kind annimmt, das muss er mir selber sagen. Das kann sich auch ein Pastor nicht ausdenken. Und die Bibel gibt eine ganz klare Antwort. Sie lautet: Nur durch Jesus! Meine Freunde, wenn ich auf Jesus komme, dann schlägt mein Herz höher, dann geht mein Puls schneller, dann bin ich bei dem Thema meines Lebens. Wenn ich ein Kind Gottes werden will, geht es nur durch Jesus!
Es gibt ein Wort in der Bibel, das wörtlich übersetzt so heißt: »Jesus kam aus der Welt Gottes in diese Welt.« Wir bekommen heute dauernd erzählt, die Bibel hätte ein altes und überholtes Weltbild: Oben ist der Himmel, unten ist die Erde. Das ist dummes Zeug. Solch ein Weltbild hat die Bibel gar nicht. Sie sagt vielmehr von Gott: »Von allen Seiten umgibst du mich.« Das ist etwas ganz anderes. Verstehen Sie: Selbst wenn ich unter die Erde flüchten würde, wäre Gott da. Die Bibel hat das, was wir heute modern bezeichnen könnten mit »Weltbild der Dimensionen«. Wir leben in der dreidimensionalen Welt: Länge, Höhe, Breite. Es gibt aber mehr Dimensionen. Und Gott ist in der anderen Dimension. Er ist ganz nah, eine Handbreit neben uns. Er geht mit Ihnen! Er hat Sie gesehen auf Ihren gottlosen Wegen. Aber wir können die Wand zur anderen Dimension nicht durchbrechen. Nur Gott kann sie durchbrechen. Und Gott hat die Wand durchbrochen und ist in Jesus zu uns gekommen!
Im Neuen Testament heißt es weiter von Jesus: »Er kam in sein Eigentum« – Die Welt gehört doch ihm! – »und die Seinen nahmen ihn nicht auf.« Das ist die Geschichte des Evangeliums bis zu diesem Tage: Jesus kommt – und der Mensch macht die Türe zu. »Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.« Eigentlich müsste nun ein Punkt kommen, eigentlich müsste die Sache Gottes mit den Menschen damit doch zu Ende sein. Aber nun geht‘s merkwürdigerweise doch weiter, und zwar so: »Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Gottes Kinder zu heißen.« So wird man also ein Kind Gottes, dass man Jesus aufnimmt! Haben Sie die Türen Ihres Lebens schon geöffnet für Jesus? »Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Gottes Kinder zu heißen.«
Ich war junger Offizier im Ersten Weltkrieg – fern von Gott, als mir das geschah, als ich das entdeckte und mein Leben Jesus auftat, ihn aufnahm. Das warf mein ganzes Leben über den Haufen. Aber ich habe es keinen Augenblick bereut. Ich bin um Jesu willen schwere Wege geführt worden. Ich bin um Jesu willen ins Gefängnis geworfen worden. Ich habe um Jesu willen viel Not gelitten. Aber wenn ich noch hundert Leben hätte, ich würde vom ersten Moment ab, wo ich denken könnte, mich an dies Wort halten: »Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Gottes Kinder zu heißen.« Da wurde mein Leben sinnvoll, als ich ein Kind Gottes wurde! Es ist ganz egal, was ich bin, ob ich Pfarrer bin oder Straßenkehrer, Generaldirektor oder Schlosser, Hausfrau oder Lehrerin – mein Leben wird sinnvoll in dem Augenblick, wo ich ein Kind Gottes bin. Also: Sie müssen Jesus aufnehmen! Dann haben Sie den Sinn Ihres Lebens gefunden! Nur dann!
Es ist sehr interessant, daraufhin einmal die Menschen des Neuen Testaments zu studieren. Da kommt zum Beispiel eine Frau vor, deren Leben schrecklich sinnlos war: Maria Magdalena. Es heißt von ihr nur so andeutungsweise: »Sie war von sieben Teufeln besessen.« Also, ich kenne viele Leute, die sind von zwölf Teufeln besessen! Es wird ein furchtbares Leben gewesen sein: triebhaft, gebunden. Und sie litt darunter, wie sinnlos das war. Und dann kommt Jesus in ihr Leben, der Heiland, der Sohn Gottes, und treibt die Teufel aus. Das kann er! Das tut er! Von dem Augenblick gehört diese Frau dem Herrn Jesus an. Ihr Leben ist nicht mehr sinnlos. Und dann erlebt sie, dass Jesus ans Kreuz geschlagen wird und stirbt. Da kommt der Schrecken über sie: »Jetzt beginnt das alte sinnlose Dasein wieder.« Am Morgen des dritten Tages nach der Kreuzigung Jesu kniet sie in dem Garten bei dem Grabe Jesu und weint. Als sie zum Grabe Jesu gekommen war, da war es leer, und die Felsenplatte war weggewälzt. Ja, sein Leichnam war nicht einmal mehr da. Darum weint sie. Ich kann diese Frau so gut verstehen. Wenn ich heute Jesus verlieren würde, würde das bedeuten, dass ich in einen Abgrund von Sinnlosigkeit des Daseins stürzte. Ich verstehe sie: »Der Heiland ist weg. Jetzt ist mein Leben wieder sinnlos geworden.« Und dann hört sie plötzlich eine Stimme hinter sich: »Maria!« Sie fährt herum – und sieht ihn, Jesus, den Auferstandenen. Ich sehe es förmlich vor mir, wie die Tränen des Glücks und der Freude und der überwundenen Verzweiflung über ihr Gesicht strömen: »Rabbuni! Mein Herr!«
An dieser Frau wird mir so deutlich, dass man keine gro-ße Philosophie braucht, um Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu bekommen. Dem schlichtesten Menschen ist klar: »Mein Leben ist sinnlos! Wozu lebe ich eigentlich?« In dem Augenblick, wo diese Maria Magdalena Jesus aufgenommen hat, ist die Frage nach dem Sinn des Lebens für sie gelöst, ist sie ein Kind des lebendigen Gottes geworden, ist ihr Leben ins Licht eines tiefen und großen Sinns gestellt! – Und darum möchte ich Sie bitten: Nehmen Sie Jesus auf! Er wartet auf Sie! Wenn Sie nach Hause gehen, können Sie mit ihm reden. Er ist Ihnen sehr nahe. Es wäre eine großartige Sache, wenn manch einer zum ersten Mal Jesus anriefe: »Herr Jesus! Mein Leben ist sinnlos. Komm du zu mir wie zu Maria Magdalena!«
Wenn wir Jesus aufnehmen, gibt‘s allerdings in unse-rem Leben eine große Revolution: Er gibt mir Teil an sei-nem Tode, dass der alte Mensch stirbt. Ich darf mit ihm auferstehen zu einem ganz neuen Leben als Kind Gottes. Er gibt mir seinen Geist, dass ich auf einmal anders denke und einen anderen Geschmack kriege. Aber das erleben Sie schon. Nehmen Sie nur erst mal Jesus auf! Das möchte ich Ihnen aber gleich sagen: Wenn man Jesus aufnimmt, bekommt man eine neue Existenz. Ein Kind Gottes zu werden bedeutet nicht eine Veränderung des Denkens, sondern eine ganz neue Existenz.
Im Westfälischen lebte im vorigen Jahrhundert ein Schuhmacher namens Rahlenbeck. Den hat man bloß den »Fienen-Pastor«, den »Pietisten-Pfarrer« genannt, weil er mit großem Ernst in der Nachfolge Jesu stand. Er war ein gewaltiger und gesegneter Mann. Eines Tages besuchte ihn ein junger Pfarrer. Rahlenbeck sagte zu ihm: »Herr Pfarrer, Ihr Theologiestudium garantiert auch noch nicht, dass Sie ein Kind Gottes sind. Sie müssen den Heiland aufnehmen!« Da antwortet der Pfarrer: »Ja, den Heiland habe ich. Ich habe sogar ein Bild von ihm im Studierzimmer hängen.« Darauf erwidert der alte Rahlenbeck: »Ja, an der Wand ist der Heiland ganz ruhig und friedlich. Aber wenn Sie den in Ihr Herz und Leben aufnehmen, dann gibt‘s Rumor!«
Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen herrlichen Rumor erleben, wo das Alte stirbt und man als Kind Gottes den Vater im Himmel preisen kann, weil man weiß, wozu man auf der Welt ist, wo man als Kind Gottes den Vater im Himmel ehren kann mit Werken, Worten und Gedanken.
Sie verstehen: Was ich Ihnen vortrage, ist nicht ein religiöses Hobby, nicht die Idee eines Pfarrers, sondern Leben und Tod hängen für Sie daran, ewiges Leben und ewiger Tod. Der Herr Jesus sagt: »Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören und die Tür auftun wird, zu dem werde ich eingehen.« So sagt der Herr Jesus auch zu uns.: »Siehe, ich stehe vor der Tür deines Lebens. Mach auf! Ich will deinem Leben Sinn geben!«
Da kam einmal ein alter Bergmann zu mir und sagte: »Ich muss Sie sprechen, Herr Pfarrer!« Er war 70 Jahre alt und erzählte mir: »Als ich 17 Jahre war, kam ich mal in solch eine Evangelisationsversammlung. Und da merkte ich, dass Jesus bei mir anklopft. Aber da habe ich mir gesagt: ›Wenn ich damit Ernst mache und nehme ihn auf, Mensch, dann lachen mich alle meine Kameraden aus. Es ist unmöglich.‹ Und dann bin ich rausgelaufen.« Und er fuhr fort: »Nun ist mein Leben verflossen. Ich bin alt geworden. Und jetzt weiß ich, dass mein Leben falsch war, weil ich in jener Stunde Jesus nicht die Tür aufgetan habe!«
Meine Freunde, wir haben nur ein einziges Leben, und des-halb ist die Frage »Wozu lebe ich?« lebenswichtig. Gott hat die Frage in Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, klipp und klar beantwortet. Und nun steht dieser Jesus vor Ihrer Tür und klopft an. Tun Sie ihm Ihr Leben auf – und Sie werden es nie bereuen!
Ich habe keine Zeit!
Wenn zu meinen Vorträgen eingeladen wird: »Kommen Sie doch mal! Hören Sie mal den Pastor Busch!«, dann ist die häufigste Antwort: »Ich habe keine Zeit!«
Es geschah in einem Kurheim. Bei den Mahlzeiten saß ich einem älteren Mann gegenüber, mit dem ich mich gut verstand. »Das ist ein rechter Genießer!«, dachte ich manchmal, wenn ich sah, mit welcher Freude der stattliche Mann sich das Essen schmecken ließ, oder wenn ich ihn im Sonnenschein behaglich in der Landschaft dösen sah. Allmählich bekümmerte es mich, dass sich unsere Gespräche immer nur um oberflächliche Dinge drehten. Man könnte fragen: »Ist das denn schlimm?« Nun, ich bin überzeugt, dass Gott die große Wirklichkeit ist. Und es hat mein ganzes Leben verändert, – als ich erfuhr, dass Gott etwas ganz Gewaltiges getan hat: »So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.« Es ist furchtbar, wenn ein Mensch an diesem Heil Gottes einfach vorübergeht. Offenbar stand es so um meinen Tischgenossen. Wie wird ihm zumute sein, wenn Gott ihn einmal vor sein Angesicht ruft?! Eines Mittags überreichte ich ihm ein Büchlein, das ich einmal geschrieben habe. »Bitte, lesen Sie das mal! Es handelt von Erfahrungen mit Gott. Es gibt Ihnen Wichtiges zum Nachdenken!« Und was geschah? Der Mann bedankte sich herzlich. Und dann sagte er: »Jetzt muss ich mich erholen ... aber vielleicht komme ich zu Hause dazu, so etwas zu lesen!« Und damit legte er das Büchlein beiseite. Ich wurde traurig. Mehr Zeit als hier im Kurheim hatte der Mann nie. Er wollte einfach keine Zeit für Gott haben. – Es ist gefährlich, so mit Gott umzugehen. Und deshalb muss über dieses Thema also mal gesprochen werden.
1. Ein merkwürdiger Tatbestand
Warum eigentlich haben wir keine Zeit? Da möchte ich Sie zunächst auf einen Tatbestand aufmerksam machen, mit dem ich einfach nicht fertig werde, den kein Mensch erklären kann.
Sehen Sie: Wenn vor hundert Jahren ein Kaufmann aus Stuttgart mit Leuten aus Essen ein Geschäft abschließen wollte, dann musste er 5 Tage mit der Postkutsche hinfahren und weitere 5 Tage zurückfahren. Das waren 10 Tage Fahrt und vielleicht 2 Tage Verhandlung für einen Geschäftsabschluss. Fast ein halber Monat ging dafür drauf. Und heute führt der Geschäftsmann bloß ein Telefongespräch, sogar ohne Fernamt, nämlich in Direktwahl – und so hat er also 12 Tage gespart. Wenn ich mir jetzt aber die Geschäftsleute angucke, dann hat von denen keiner 12 Tage übrig. Im Gegenteil! Jeder sagt: »Ich habe keine Zeit!« Wie geht das zu?
Wenn ich früher als Kind zu meinen Großeltern auf die Schwäbische Alb gefahren bin, dann war das eine Weltreise von Elberfeld nach Urach. Und heute gibt‘s einen TEE, mit dem man die Strecke in etwa 5 Stunden schafft. Da müssten die Leute doch viel Zeit übrig haben! – Früher hat man 60 Stunden und mehr in der Woche gearbeitet. Heute arbeitet man vielleicht 40 Stunden in der Woche. Und kein Mensch hat Zeit übrig! Wie geht das zu?
Oder: Das ganze Leben ist heute darauf eingerichtet, alles zu vereinfachen. Meine Mutter hat jeden Tag vier Kapitel in der Bibel gelesen und Zeit gehabt, für all ihre Lieben zu beten. Und da gab‘s noch keine elektrische Waschmaschine und keine Küchenmaschine. Sie hatte 8 Kinder zu versorgen. Und die trugen keine Nylonwäsche, die Strümpfe musste man noch stopfen. Und sie hatte Zeit, am Tage vier Kapitel in der Bibel zu lesen! Haben Sie die Zeit dazu? Nein, diese Zeit haben Sie doch nicht! Wie geht das zu?
Sie verstehen: Alles ist darauf angelegt, dass wir Zeit sparen – und kein Mensch hat Zeit. Können Sie sich das erklären? Das ist eine Sache – ich habe viel darüber nachgedacht – die man einfach nicht verstehen kann. Und es gibt ernsthaft nur eine Erklärung – die wollen die Menschen zwar nicht hören, aber ich weiß keine andere: dass im Hintergrund einer steht und uns hetzt! Da gibt es einen, der dafür sorgt, dass der Mensch keine Zeit hat, der wie der Dompteur im Zirkus dauernd mit der Peitsche knallt und die Menschen in Trab hält! Und genau das sagt die Bibel: Jawohl, der ist da! Und das ist der Teufel. Jetzt stehen wir vor der Frage: Gibt‘s denn einen Teufel? Und da antworte ich Ihnen: Ja, es gibt einen Teufel! Es gibt eine »Obrigkeit der Finsternis«.
Neulich erklärte mir ein Mann in einem Gespräch, er sei »mit dem Christentum fertig«. Da habe ich ihm erwidert: »Welche Täuschung! Der Teufel hat Gewalt über Sie. Der macht Sie fertig!« Daraufhin lächelte er und sagte: »Teufel! Gibt‘s denn einen Teufel?«
Da erzählt die Bibel eine Geschichte: Jesus wird vom Teufel auf einen sehr hohen Berg geführt, von dem man eine weite Aussicht hat. Und der Teufel schiebt die Vorhänge weg – und da sieht Jesus im Geist alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. Der Teufel aber sagt zu Jesus: »Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest, denn es ist mir übergeben, und ich gebe es, wem ich will.« Das ist eine von den Stellen der Bibel, die mich mächtig packen, denn: Der Herr Jesus widerspricht dem Teufel nicht. Er lässt das gelten, dass der Teufel die Macht über die Welt hat.
Und ich sage Ihnen: Man ist blind und dumm, wenn man nicht kapiert, dass es eine Macht der Finsternis gibt! Wie können Sie sich sonst die Welt erklären? Ich will nur ein paar Dinge antippen:
Ich denke zum Beispiel an die vielen Menschen, die süchtig sind. Da kommt eines Nachts der Direktor eines Betriebes zu mir, voll wie eine Strandhaubitze – Sie verstehen: Er hatte viel Alkohol getrunken! –, aber noch ziemlich klar im Kopf, und sagt: »Helfen Sie mir. Ich kann nicht anders, ich muss saufen! Mein Vater war ein Trinker. Er hat mir‘s vererbt. Ich muss!« Was meinen Sie, wie viele Menschen es gibt, die im Grunde ihres Herzens jammern: »Ich muss!« Wer kommandiert‘s denn? Gucken Sie sich das ganze Elend unserer Zeit doch an, um zu spüren, dass eine »Obrigkeit der Finsternis« ist, wie die Bibel es sagt!
Oder denken Sie doch mal an die sexuelle Labilität unserer Tage. Da ist ein Herr. Er hat eine entzückende Familie, eine reizende Frau – und fällt auf einmal einer Angestellten seines Betriebes zur Beute. Ich suche ihn auf und sage: »Mein lieber Mann, Sie ruinieren Ihr Leben, Sie ruinieren Ihre Familie, Sie werden ein Gespött Ihrer Kinder!« Ich sehe ihn noch vor mir sitzen, den großen Manager der Industrie: »Herr Pfarrer, ich kann nicht los von dem Mädchen, ich kann nicht!« Wer spürt da nicht etwas von der Macht der Finsternis?!
Der bekannte englische Schriftsteller Somerset Maugham hat ein dickes Buch geschrieben mit dem Titel »Von des Menschen Hörigkeit«. Wie werden Menschen einander hörig! Wie waren Sie Älteren dem Hitler hörig! »Ich habe geglaubt, dass zwei mal zwei zwanzig ist. Ich hab‘s geglaubt, weil‘s der Führer gesagt hat!« Da spüren Sie doch die Macht der Finsternis, dass es einen Teufel gibt!
Der große deutsche Dichter Goethe hat das gewaltige Drama »Faust« geschrieben. Da Sie alle gebildete Leute sind, kann ich also voraussetzen, dass Sie den »Faust« kennen. Im »Faust« kommt ein Mädchen vor: das Gretchen. Es ist ein reines Kind – und es wird verführt. Und dann will der Bruder das Gretchen und seine Ehre verteidigen. Er gerät in eine Schlägerei mit den Verführern und wird dabei getötet. Damit der Verführer zu ihm kann, gibt das Gretchen der Mutter ein Schlafmittel. Die Mutter stirbt darüber. Und als das Kind kommt, bringt Gretchen es um – so, wie die Leute heute die Kinder schon im Mutterleibe umbringen. Welch ungeheure Schuld laden sie auf sich! Am Schluss steht das Mädel da: Mutter, Bruder und Kind gemordet! Und da sagt es das erschütternde Wort: »Doch – alles, was dazu mich trieb, / Gott! war so gut! ach, war so lieb!« Goethe war gar nicht so dumm. Er erzählt im »Faust«, dass der Teufel die Hand im Spiel hatte bei der ganzen Geschichte!
Solche Geschichten erlebe ich nun als Großstadtpfarrer permanent. Und wenn zu mir einer kommt und sagt: »Es gibt keinen Teufel«, dann kann ich nur fragen: »Von welchem kleinen Dörfchen kommen Sie eigentlich her?« – obwohl es da wahrscheinlich auch teuflisch zugeht.
Ach, meine Freunde, dass es einen Teufel gibt, habe ich auch daran beobachtet, dass sogar richtige Christen schrecklich blind sein können gegen ihre eigenen Fehler. Da ist zum Beispiel eine fromme Frau selbstsüchtig bis dorthinaus. Sie quält ihre Schwiegertochter wie verrückt, aber sie merkt‘s nicht. Eine fromme Frau! Ihr Frommen, bittet Gott, dass er euch von der Macht der Finsternis befreit.
Sehen Sie: Man kann die Welt gar nicht erklären, wenn man nicht versteht, dass es einen Teufel gibt, eine Macht der Finsternis, eine Macht, die ganz gezielt arbeitet, die uns in Atem hält. Darum haben wir keine Zeit. Der Teufel setzt alles daran, uns keine Zeit zu lassen, damit wir ja nicht nachdenken können – nicht nachdenken können darüber, dass es von dieser Macht der Finsternis eine Erlösung gibt! Und jetzt muss ich als Zweites von dieser Erlösung reden:
2. Eine herrliche Tatsache
Eine herrliche Tatsache: Es gibt eine Erlösung! Ah, meine Freunde, wie bin ich froh, dass ich so eine schöne Botschaft habe! Im Karneval treten sogenannte Büttenredner auf. Und da überlege ich mir manchmal, wie denen wohl zumute ist, wenn sie abends in ihrem Zimmer sind und sich abgeschminkt haben. Ehrlicherweise wird solch ein Büttenredner doch dann denken müssen: »Ich verdiene mein Geld damit, dass ich Unsinn und zweideutiges schmutziges Zeug rede.« Da müsste einem doch schlecht werden vor sich selber!! Wie bin ich glücklich, dass ich von der wunderbaren großen Tatsache reden darf: Es gibt eine Erlösung von der Macht der Finsternis!
Der Apostel Paulus hat einmal den Christenstand so beschrieben: »Gott hat uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut.« Christenstand bedeutet also nicht in erster Linie, getauft und konfirmiert zu sein oder Kirchensteuer zu zahlen. Sondern Christenstand bedeutet, eine Existenzveränderung zu erleben, aus der ganzen Macht der Finsternis herausgerissen zu werden und in eine neue Existenz unter einem neuen Herrn zu kommen!
Hierzu muss ich Ihnen eine Geschichte erzählen, die ich von einem Berliner Stadtmissionar gehört habe: Er betreute einen Mann, der an den Suff gebunden war. Solche Bindungen sind ja ungeheuer schrecklich. Eines Tages hört er, dass der Mann wieder furchtbar viel getrunken hat. Die Möbel hatte er kaputtgeschlagen, seine Frau verprügelt. Und da geht er hin. Es war nachmittags um 5 Uhr. Der Mann sitzt in der Wohnküche und trinkt einen Kaffee. Neben ihm hockt sein kleiner 5jähriger Junge. Der Stadtmissionar begrüßt ihn freundlich und fragt: »Ist es wieder schiefgegangen?« Da knirscht der Mann nur mit den Zähnen und springt auf. Er sagt kein Wort, geht nebenan in die Kammer und kommt zurück mit einem Wäscheseil. Und dann fängt er an – ohne ein Wort zu sagen –, den kleinen Jungen auf dem Stuhl anzubinden. Der Stadtmissionar denkt: »Was soll das werden? Ist er noch betrunken?« Aber er lässt den Mann gewähren. Und der fesselt den kleinen Jungen und verknotet das Seil. Dann aber brüllt er den Jungen an: »Steh auf!« Der Kleine fängt an zu weinen und jammert: »Ich kann doch nicht!« Und da wendet sich dieser Trinker mit herzzerbrechender Miene an den Stadtmissionar und sagt nur: »Da sehen Sie es: ›Ich kann doch nicht!‹ So geht es mir auch: Ich kann doch nicht!« Erschütternd: »Ich kann doch nicht!« Darauf fasst der Stadtmissionar in die Tasche, holt ein Taschenmesser heraus und schneidet – unbekümmert um den Schaden, der entsteht – das schöne neue Wäscheseil kaputt. Dann sagt er ruhig zu dem Jungen: »Steh auf!« Da steht der Junge auf, der Stadtmissionar wendet sich an den Trinker: »Na bitte!« »Ja«, erklärt der, »wenn Sie den Strick zerschneiden!« Dann sagt der Stadtmissionar: »Hören Sie: Es ist einer gekommen, der die Stricke zerschneidet, die uns binden: Jesus!«
Die Welt ist voll von Menschen, die es bezeugen können: »Jesus ist kommen, nun springen die Bande, / Stricke des Todes, die reißen entzwei; / Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden, / Er, der Sohn Gottes, er machet recht frei, / Bringet zu Ehren aus Sünde und Schande: / Jesus ist kommen, nun springen die Bande!«
Eine herrliche Tatsache: Es gibt eine Erlösung von der Macht der Finsternis!
Ich muss nun als Drittes Ihnen sagen:
3. Das eigentliche Thema
Mein eigentliches Thema? Die Erlösung geschieht durch Jesus! Ich muss jetzt von Jesus reden. Und wenn ich von Jesus reden kann, dann hin ich bei meinem eigentlichen Thema. Ich erinnere mich, wie ich einmal in New York in einen Club für Schwarze eingeladen war. Sie wissen um die Rassenspannungen dort. In diesem Clubhaus stand unten in der Halle auf einem Sockel eine Marmorfigur. Man sah, dass sie keinen Schwarzen darstellte. Ich wunderte mich, dass die Schwarzen dort einem Weißen ein Denkmal errichtet hatten. So fragte ich einen schwarzen Gent: »Freund, wer ist das?« Und dann kam eine Szene, die ich nie vergessen werde. Da blieb dieser Mann vor der Statue stehen und erklärte ganz feierlich: »Das ist Abraham Lincoln, mein Befreier!« Und dann sah ich im Geiste, wie – lange ehe der junge Mann geboren war – der Präsident Lincoln in einem schrecklichen Kriege den Schwarzen die Freiheit erkämpft hatte. Der junge Mann war nicht dabei gewesen. Aber dass er jetzt frei herumlief, das verdankte er dem, was Abraham Lincoln auf blutigen Schlachtfeldern für ihn erkämpft hatte. Ich ging die Treppe hoch und sah den Mann immer noch unten vor der Statue stehen und hörte ihn murmeln: »Abraham Lincoln, mein Befreier!«
So möchte ich vor Jesu Kreuz stehen und sagen: »Jesus, mein Befreier!«
Es gibt einen Satz in der Bibel, in dem von einer merkwürdigen Sache die Rede ist: »Das Gesetz des Geistes, der da lebendig ist, hat uns frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.« Es gibt Naturgesetze. Wenn ich ein Taschentuch in der Hand halte und es loslasse, dann fällt es nach dem Gesetz der Schwerkraft nach unten. Das ist nicht zu ändern. Aber wenn ich es jetzt mit der Hand auffange, dann fällt es nicht bis zur Erde. Das heißt: Wenn eine stärkere Kraft eingeschaltet wird, dann wird das Gesetz der Schwerkraft unterbrochen. Von Natur sind wir dem Gesetz der Sünde und des Todes unterworfen. Wir fallen alle, wir rutschen alle ab – ins ewige Verderben. Wir wissen das. Und jetzt kommt alles darauf an, dass eine stärkere Macht dazwischenkommt und unseren Fall aufhält. Dann erst fallen wir nicht mehr. Und diese stärkere Macht hat Gott in Jesus uns gegeben – zur Erlösung, zur Befreiung. Verstehen Sie: Jesus hat dem Teufel die letzte Macht genommen! Und in der Kraft des Heiligen Geistes, die Jesus uns schenkt, dürfen wir in einem neuen, erlösten Leben wandeln!
Es ist eigentümlich: Die Welt kommt ja von diesem Jesus nicht los. Verstehen Sie das? Es hat mal einer gesagt, Jesus sei wie ein Fremdkörper in dieser Welt. Ja, das ist er wahrhaftig: ein Fremdkörper aus dem Himmel! Wer ist dieser Jesus? Ich muss da ein bisschen stehen bleiben, denn es kommt alles darauf an, dass Sie Jesus kennen lernen. Lassen Sie sich über Jesus bitte nicht orientieren von irgendwelchen Zeitschriften. Lassen Sie sich nicht dumm machen von Leuten, die Jesus gar nicht richtig kennen. Allein das Neue Testament gibt richtig Auskunft, wer Jesus ist. Luther hat es von der Bibel her einmal so formuliert: »Wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren.« Gott und Mensch! Himmel und Erde verbinden sich in ihm!
Jesus ist »wahrhaftiger Mensch«!
Er konnte weinen am Grabe des Lazarus. Und ich denke mir: Er konnte auch lachen, wenn er den Jüngern sagte: »Sehet die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen – und euer himmlischer Vater ernährt sie doch!« Ja, ich sehe ihn förmlich lachen, meinen Heiland: »Die frechen Spatzen! Sie kümmern sich um nichts – und werden doch satt und dick und fett!« O welch ein wundervoller Mensch ist Jesus!
Da wird erzählt, dass er gepredigt und anschließend 5000 Mann gespeist hat. 5000 Mann – ohne Frauen und Kinder! – Wenn wir die Frauen aus unseren christlichen Versammlungen einmal hinausschicken würden, was bliebe denn da übrig? Was war das für eine Versammlung beim Herrn Jesus: 5000 Mann ohne Frauen und Kinder! Und da hat er kein Mikrofon gehabt. Was muss Jesus für eine wunderbare Stimme gehabt haben! Ach, er war ein großartiger Mensch! Eine der größten Szenen des Neuen Testamentes ist diese: Da hat der römische Prokurator Pontius Pilatus Jesus geißeln lassen. Eine Krone von Dornen haben sie ihm aufs Haupt gesetzt. Sein Gesicht ist von Blut überströmt. Sein Rücken ist zerschlagen. Sein Angesicht ist bespien. Ein Menschenwrack! Und so kommt er heraus. Pilatus schaut erst ihn an und dann das Volk. Und dann zeigt er auf Jesus und sagt ganz erschüttert: »Sehet, ein Mensch!« Luther übersetzt: »Sehet, welch ein Mensch!« Es heißt wörtlich: »Sehet, ein Mensch!«
Pilatus sagte damit: »Ich habe viele zweibeinige Wesen gesehen, aber sie waren hungrige Wölfe, gefährliche Tiger, schlaue Füchse, eitle Pfauen, ja: Affen. Jesus aber ist ein Mensch!« Es mag dem Pilatus aufgegangen sein: »Jesus ist ein Mensch, wie wir es sein sollten!« Es hat mir neulich jemand gesagt: »Jesus war ein Mensch, aber gerade nicht, wie wir es sind, sondern so, wie wir es sein sollten!« Jesus war ein Mensch, wie wir es sein sollten, wie Gott ihn sich denkt. Wenn Ihnen jemand sagt: »Jesus war ein Mensch wie wir«, dann fragen Sie ihn mal: »Bist du wie Jesus?«
Und Jesus ist »wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren«!
Jetzt möchte ich Ihnen stundenlang davon erzählen. Etwa die Szene, wie das Schiff der Jünger auf dem See Genezareth in einen Sturm gerät. Das Schiff ist im Augenblick vollgeschlagen mit Wasser. Der Mast knickt ab. »Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern!«, haben sie geprahlt, denn es waren ja erfahrene Seeleute dabei. Aber dann erschrecken die Jünger doch, ja, es packt sie eine Panik, und sie schreien: »Wo ist denn Jesus?« »Ach, der schläft in der Kajüte!» Und dann stürzen sie in die Kajüte, hinter ihnen schießt das Wasser nach, und rütteln ihn wach: »Herr! Wir versinken!« Und dann sehe ich Jesus, wie er an Deck geht. In den Sturm hinein! Wir wollen Jesus immer in zahme Kirchen einsperren. Der geht mitten in den Sturm! Wissen Sie das? Es ist, als wenn der Sturm ihn hinwegreißen wollte. Aber er streckt die Hand aus und ruft gebieterisch, ja, majestätisch in das Toben hinein: »Schweig und verstumme!« Und im gleichen Augenblick legen sich die Wogen, und die Wolken zerreißen! Als ich diese Geschichte meinen kleinen Kindern erzählte, da sagte mein Junge: »Und dann war der Donner kaputt!« »Ja«, bestätigte ich, »dann war der Donner kaputt!« Die Sonne scheint! Und die Jünger sinken in die Knie: »Was ist das für ein Mann! Das ist nicht ein Mensch wie wir!« Sie haben die Antwort schließlich gefunden: Das ist der menschgewordene Gott!
Recht begriffen haben sie das erst nach Ostern, als Jesus lebendig aus dem Grabe gekommen war. Meine Freunde, ich erzähle Ihnen keine Märchen. Ich wagte nicht, hier zu stehen, wenn ich nicht wüsste, dass das die Wahrheit ist, dass in Jesus, dem Auferstandenen, der lebendige Gott zu uns gekommen ist.
Am liebsten aber sehe ich ihn, wie er am Kreuz hängt. Da ist er wirklich »Gott und Mensch«. Ich möchte ihn vor Ihre Augen malen, ihn, der zwar gekrönt ist, aber mit einer Spottkrone. Die starken Hände sind angenagelt. Und er neigte sein Haupt und verschied. »O Haupt voll Blut und Wunden, / Voll Schmerz und voller Hohn«! Sehen Sie diesen Jesus an, bleiben Sie vor ihm stehen und fragen Sie: »Warum hängt er da?« Fragen Sie, bis Sie die Antwort finden: »Da erlöst er mich von der Obrigkeit und der Macht der Finsternis! Da erlöst er mich von der Gewalt des Teufels!« Ich kann‘s jetzt nur mal so skizzieren: Sie dürfen mit diesem Kreuz Jesu gleichzeitig werden, es ansehen und wissen und glauben und fassen: »Hier werde ich von der Macht der Finsternis losgekauft, damit ich ein freies Kind Gottes werde.« Sie brauchen sich nicht mehr vom Teufel hetzen zu lassen, sondern dürfen im Anblick dieses Kreuzes erfahren: »Des Teufels Macht ist zu Ende! Jesus ist stärker! Dieser Gekreuzigte hat mich erkauft zu einem freien Kinde Gottes!«
Hören Sie doch auf mit der blöden Problematik unserer Zeit! Fangen Sie mal an, wirklich in die Realitäten zu kommen! Freie Kinder Gottes sollen und dürfen wir werden! Gott hat alle Voraussetzungen dazu geschaffen in Jesus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist – für uns!
Ich weiß, wenn man von »Gott« redet, dann bekommt der Mensch ein großes Unbehagen. Warum nur? Sehen Sie: Wir sind alle in der Lage des verlorenen Sohnes, von dem die Bibel berichtet. Der war von zu Hause, vom Vater weggegangen. Aber er war fern vom Vaterhaus sehr unglücklich geworden. Da wäre er gern nach Hause zum Vater zurückgegangen, aber er hatte Bammel, er traute sich nicht. Warum? Weil so viel zwischen dem Vater und ihm war! So gibt es viele Menschen, die begegnen Gott nicht, weil sie im Grunde ihres Herzens denken: »Es ist so viel zwischen Gott und mir, dass wir nicht zusammengehören.« Und da haben sie völlig recht! Sie stehen natürlich unter der Obrigkeit der Finsternis und können keine Gemeinschaft mit Gott haben! Ja – aber was meinen Sie wohl? Wenn Jesus uns erretten will von der Obrigkeit der Finsternis und uns zu Kindern Gottes machen will, dann will er auch das wegschaffen, was zwischen Gott und uns ist! Und das hat er getan am Kreuz. Nun dürfen wir bei ihm Vergebung der Schuld finden! Jawohl: Dieser gekreuzigte Heiland gibt Vergebung der Sünden! Das hatte Paulus erfasst, als er sagte: »Gott hat uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt in das Reich seines lieben Sohnes.« Von Natur sind wir vom Teufel getrieben. Jesus aber, der Sohn Gottes, errettet uns, indem er uns Vergebung der Schuld schenkt.
Und dazu, meine Freunde, hat Gott uns unsere Zeit gegeben, dass wir die Erlösung in Jesus annehmen!
4. Von einem, der auch keine Zeit hatte
Ja, ich bin noch nicht ganz fertig. Jetzt möchte ich Ihnen erzählen von einem Mann, der auch keine Zeit hatte. Der kommt im Neuen Testament vor. Er war ein großer Mann: römischer Statthalter. Felix hieß er. Ein wunderbarer Name. Felix heißt nämlich »der Glückliche«. Er hatte eine Frau, die hieß Drusilla. Und er hatte einen Gefangenen, der hieß Paulus. Eines Tages – er hatte gerade viel Zeit – sagt er: »Wir wollen diesen Paulus mal ein bisschen verhören. Frau, geh mit!« Und dann gehen sie in den Gerichtssaal. Sie setzen sich pompös hin. Rechts und links von ihnen stehen die Legionäre. Dann wird der Gefangene hereingebracht. »Rede mal, Paulus, warum sitzt du hier?«, fordert Felix seinen Gefangenen auf. Und dann fängt der Paulus eine gewaltige Rede an. So möchte ich auch reden können. Es wurde immer ernster. Auf einmal war der lebendige Gott im Saal! Paulus spricht von der Gerechtigkeit, die ein Richter haben müsste. Das geht dem Felix durch und durch. Er denkt an all die trüben Bestechungsfälle. Und Paulus spricht von der Keuschheit. Da fällt die Drusilla beinahe vom Stuhl. »Junge, aus welcher Zeit stammt denn der?«, denkt sie. Und als Paulus gar fortfährt: »Gott will das!«, da wird‘s den beiden ganz heiß. Und dann spricht Paulus vom Gericht Gottes, in dem man verlorengehen kann. Da springt der Felix auf und sagt: »Moment mal, Paulus! Das ist ja ganz schön, was du sagst. Es ist sicher auch ganz wichtig. Wenn ich gelegenere Zeit habe, will ich dich wieder anhören. Aber jetzt habe ich keine Zeit!« Und dann lässt er ihn abführen. Er hatte nie mehr Zeit.
Und ich fürchte, wenn wir keine Zeit haben, Gott zu uns reden zu lassen von der Gerechtigkeit und von der Keuschheit und von seinem Gericht, dass es dann bei uns auch einmal so ist wie beim Felix! Es ist uns so unheimlich, wenn wir die Wirklichkeit Gottes spüren, nicht? Dann stürzen wir uns lieber in den nächsten Film oder drehen den Fernsehapparat an. Da bleiben wir wenigstens in dem Milieu, das uns nicht aufregt. Und so bleibt alles beim Alten!
Ist das nicht schrecklich, wenn man von einem Leben sagen muss: »Es blieb alles beim Alten – immer!«? Da ist der Sohn Gottes gekommen und sagt: »Siehe, ich mache alles neu! Ich vergebe Vergangenheit! Ich erkaufe euch durch mein Sterben ins Reich Gottes hinein! Ich gebe euch den Heiligen Geist, dass ihr neue Leute werdet!« – und wir sagen: »Ach, nein!« – und es bleibt immer alles beim Alten. Es gibt Christen, deren Christentum längst erstorben, ist, sie haben es bloß noch nicht gemerkt – und es bleibt alles beim Alten.
Ach, meine Freunde, ich wünsche Ihnen, dass es bei Ihnen anders ist. Ich wünsche Ihnen das Herrlichste, was es gibt: Dass bei Ihnen eben nicht alles beim Alten bleibt, sondern neu wird durch Jesus!
5. Von dem, der Zeit hat
Zum Schluss muss ich noch etwas ganz Wichtiges sagen: Wir sind gehetzte Leute, solange wir unter der Herrschaft des Teufels stehen. Aber ich weiß einen, der Zeit hat für Sie: Jesus, der Heiland, der Auferstandene! Frauen klagen vielleicht: »Mein Mann hat nie Zeit für mich.« Männer klagen: »Meine Frau hat nie Zeit für mich.« Eltern klagen: »Die Kinder haben nie Zeit für uns.« Kinder klagen: »Die Eltern haben nie Zeit für uns.« Hören Sie: Jesus hat Zeit! Jesus hat Zeit für uns!
Das ist mir geradezu eine ganz neue Entdeckung in der letzten Zeit. Ich hatte in der vergangenen Woche einige schwierige Probleme, die ich Ihnen jetzt nicht im Einzelnen erklären möchte. Aber manchmal gerät man so richtig in die Konflikte unserer Zeit. Ich war so bedrückt, dass meine Frau sagte: »Du bist ja sehr unleidlich, aber ich kann es auch verstehen!« Da bin ich rot geworden – verstehen Sie? – und bin in den Wald gelaufen. Und in der Stille habe ich mit meinem Heiland gesprochen: »Herr Jesus, ich muss dir mal die ganze Misere erklären ...« Ich sagte ihm alles. Und er nahm sich Zeit, dass ich‘s ihm ausführlich erklären konnte. Im Handumdrehen waren zwei Stunden herum. Und dann schlug ich mein Neues Testament auf – und da war jedes Wort wie eine Antwort Gottes für mich persönlich! Wie fröhlich bin ich nach Hause gegangen! Ich hatte eine ganz neue Entdeckung gemacht: Jesus hat Zeit für mich!
Es gibt eine wunderbare Geschichte im Neuen Testament. Da sitzt ein Blinder an der Straße und bettelt. Er hat so einen großen Holzlöffel. Und wenn einer kommt, streckt er den Löffel hin und ruft: »Gebt mir ein Almosen!« Auf einmal kommt eine Menge Menschen vorbei. Der Blinde denkt: »Was ist denn das? Eine Prozession oder Militär?« Schließlich fragt er: »Was ist denn los?« Da brüllt ihm einer zu: »Jesus geht vorüber!« Und da wird‘s bei dem Blinden hell – innen. Von Jesus hat er schon gehört, ja, er glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Und da fängt er an zu schreien: »Jesus, Gottes Sohn, hilf mir! Jesus, Gottes Sohn, erbarme dich mein!« Da werden die Leute nervös und sagen: »Schrei doch nicht so! Wir wollen hören, was Jesus redet.« Doch der Blinde ruft weiter: »Jesus, du Gottes-Sohn, erbarme dich mein!« Ja, er brüllt nur noch mehr. Da werden die Leute böse und drohen: »Wir verprügeln dich jetzt, wenn du nicht ruhig bist!« Eine drohende Masse ist eine gefährliche Sache. Aber der Blinde lässt sich nicht bremsen: »Jesus, Gottes Sohn, erbarme dich mein!« Also, wenn er mich gefragt hätte, dann hätte ich ihm erklärt: »Sieh mal, du musst das verstehen. Jesus ist auf dem Wege nach Golgatha. Er will für die Welt sterben. Die Welt geht zugrunde an ihrer Schuld. Jesus will die Schuldfrage lösen, indem er die Schuld der Welt auf sich nimmt, dass es Frieden mit Gott gibt. Und dann will er auferstehen, den Tod besiegen. Das sind globale Dinge. Da kannst du jetzt nicht dazwischenkommen.« Aber der Blinde schreit aus Leibeskräften: »Jesus, du Sohn Gottes, erbarme dich mein!« Und dann kommt eines der schönsten Worte des Neuen Testamentes: »Jesus aber stand still.« »Ach, Herr Jesus«, möchte ich sagen, »wenn ich eine dringende Sitzung habe, dann kann ich mich nicht aufhalten lassen von irgendwem!« »Jesus aber stand still und hieß ihn zu sich führen«, heißt es in der Bibel. Jesus, der die Probleme der Welt löst, hat Zeit für diesen blinden Bettler! So viel ist ihm ein Mensch wert!
So viel sind auch Sie ihm wert! Glauben Sie, dass in der ganzen Welt noch einmal jemand ist, dem Sie so viel wert sind? Und dafür haben Sie keine Zeit? Der Teufel muss Sie sehr dumm gemacht haben!
Ich habe mal eine tolle Geschichte gehört: Ein Schiff war im Untergehen. Ein Steward rennt durch die Gänge und brüllt: »Alle an Deck! Schiff geht unter!« Er kommt auch an der Küche vorbei. Da brät der Koch seelenruhig Hähnchen und sagt: »Ich muss erst meine Pflicht tun!« – und brät Hähnchen! Und dann ging er mit seinen Hähnchen unter. So kommt mir der Mensch von heute vor: »Jesus? Unaktuell! Interessiert mich nicht! Ich habe keine Zeit!« So fährt die Welt ohne Jesus zur Hölle!
Ich meine, das Wichtigste sollten wir zuerst tun. Und wenn Gott eine Errettung gibt, dann ist das Wichtigste, dass wir diese Errettung annehmen! Ich möchte, Sie stünden jetzt vor dem Kreuze Jesu und könnten mit dem Liederdichter sprechen: »Wem anders sollt ich mich ergeben, / O König, der am Kreuz verblich? / Hier opfr‘ ich dir mein Blut und Leben; / Mein ganzes Herz ergießet sieh. / Dir schwör ich zu der Kreuzesfahn / Als Streiter und als Untertan.«
Achtung! Lebensgefahr!
Ich bin gerade über die Autobahn hergebraust zu Ihnen. Da habe ich, auch weil ich meinen Vortrag im Sinn hatte, die ganze Zeit immer denken müssen. »Achtung! Lebensgefahr!« Sie verstehen: Heute stirbt man normalerweise nicht mehr alt und lebenssatt im Bett. Heute verunglückt man. Oder man bekommt einen Herzinfarkt. Früher sind die Leute 90 Jahre alt geworden und haben sich dann zum Sterben niedergelegt. So geschieht das heute nicht mehr. Heute explodiert ein Flugzeug über dem Ozean: 80 Menschen tot. Da stürzt ein Omnibus den Abhang runter: 60 Menschen tot. Da gibt‘s eine Explosion in einer Fabrik: Tote. In den Bergwerken des Ruhrgebiets kommen immer wieder Menschen ums Leben. Und alle paar Jahrzehnte kommt ein großer Krieg. Da sterben im ersten Krieg 2 Millionen, im nächsten Krieg 5 Millionen. Wir sind förmlich umgeben von Gefahren.
Wenn ich das so überlege, dann denke ich oft: »Wir haben wirklich nicht die Chance, mal gemütlich im Bett zu sterben.« Stellen Sie sich mal vor, Sie verunglückten heute abend um 10 Uhr. Das könnte doch sein, nicht? Wo sind Sie dann um 11 Uhr? Was wird dann aus Ihnen? Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht?
1. Der Ernst der Lage
Ich muss Ihnen eine nette Geschichte erzählen, die ich zwar nicht selber erlebt, aber von meinem Großvater gehört habe. Und der konnte großartig erzählen. Da kommt einmal ein junger Mann zu seinem alten Onkel und sagt: »Onkel, gratuliere mir mal! Ich habe mein Abitur bestanden!« »Wie schön!«, erklärt der Onkel, »hier hast du 20 Mark, kauf dir zur Belohnung was Schönes dafür. Und nun sag mir: Was hast du jetzt vor?« »Jetzt«, antwortet der Junge, »jetzt werde ich studieren. Ich will Jurist werden.« »Schön«, sagt der Onkel, »und dann?« »Nun, dann werde ich mal Referendar am Amtsgericht.« »Schön«, sagt der Onkel, »und dann?« »Na, dann werde ich Assessor am Landgericht.« »Schön«, sagt der Onkel, »und dann?« »Na, Onkel, dann werde ich mich mal umsehen unter den Töchtern des Landes, werde heiraten und eine Familie gründen.« »Schön«, sagt der Onkel, »und dann?« »Ja, und dann werde ich hoffentlich mal ein großer Mann, Landgerichtspräsident oder Erster Staatsanwalt.« »Schön«, sagt der Onkel, »und dann?« »Ja, Onkel« – der Junge wird langsam nervös – »dann werde ich auch mal alt und pensioniert werden.« »Schön«, sagt der Onkel, »und dann?« »Na, dann ziehe ich in eine schöne Gegend, baue mir ein Häuschen und pflanze Erdbeeren.« »Schön«, sagt der Onkel, »und dann?« Da wird der Junge ärgerlich: »Dann stirbt man auch einmal.« »So«, sagt der Onkel, »und dann?« Da lacht der Junge nicht mehr. Er erschrickt bis in den Tod: »Dann sterbe ich – und dann?« »Und dann???«, fragt der Onkel. »Onkel«, antwortet er, »darüber habe ich noch nie nachgedacht.« »Wie«, sagt der Onkel, »du hast das Abitur gemacht und bist so dumm, dass du nur von hier bis da denkst? Sollte ein Mensch, dem Gott einen Verstand gegeben hat, nicht ein bisschen weiter denken? Was dann?« Da erwidert der Junge schnell: »Onkel, was nach dem Tode kommt, das weiß niemand!« »Das stimmt nicht, mein Junge«, sagt der Onkel, »es gibt einen, der weiß Bescheid über das, was nach dem Tode kommt. Das ist Jesus. Und der hat gesagt: ›Der Weg ist breit, der in die Verdammnis führt; und der Weg ist schmal, der zum ewigen Leben führt.‹ Nach dem Tode kommt Gottes Gericht. Und man kann verlorengehen, oder man kann selig werden.«
Ich habe Sie aufzurütteln und Ihnen zu sagen: Es genügt nicht, dass Sie Lebenspläne machen bis ans Grab. Man muss fragen: Was kommt dann?
Als Jugendpfarrer habe ich es meinen Jungen oft so klargemacht: Wenn ich ein Paar Schuhe repariert haben will, dann gehe ich nicht zum Autoschlosser. Autoschlosser sind feine Kerle, aber von Schuhen verstehen sie nichts. Mit meinen Schuhen gehe ich zum Schuhmacher! Wenn aber mein Auto eine Panne hat, dann gehe ich nicht zum Schuhmacher, sondern zum Autoschlosser. Und wenn ich Brötchen kaufen will, dann gehe ich nicht zum Fleischer oder Metzger. Das sind feine Leute, aber vom Brötchenbacken verstehen sie nichts. Wenn ich Brötchen kaufen möchte, dann gehe ich zum Bäcker. Und wenn meine Wasserleitung platzt, dann gehe ich zum Flaschner oder Klempner. Das heißt: Ich gehe immer zum Fachmann! Aber wenn wir wissen wollen, was nach dem Tode kommt, dann fragen wir Hinz und Kunz oder verlassen uns auf unsere eigenen trüben Gedanken. Sollten wir uns mit dieser wichtigen Frage – Was kommt nach dem Tode? – nicht erst recht an den Fachmann wenden?! Wer ist Fachmann? Es gibt nur einen Fachmann! Und das ist der Sohn Gottes, der aus der anderen Welt kam und selber im Totenreich war. Er ist am Kreuz gestorben und wieder gekommen. Der kennt sich aus! Und der sagt: »Du kannst in die Verdammnis kommen! Du kannst aber auch in den Himmel kommen!« Und wenn mir 25 Professoren heute beweisen: »Mit dem Tode ist alles aus!« – dann sage ich: »Allen Respekt vor Ihren vielen Titeln, aber Fachleute sind Sie in dieser Sache nicht. Sie waren nämlich noch nicht drüben. Aber ich kenne einen, der war drüben: Jesus. Und der sagt es anders.«
Die Menschen leben heute auf eigene Gefahr, dass sie so tun, als wäre mit dem Tode alles aus oder als würde man selbstverständlich in den Himmel kommen, wenn man getauft ist und der Pfarrer einen beerdigt. In der Hölle wird es einmal wimmeln von Leuten, die getauft und vom Pfarrer beerdigt sind! Verstehen Sie: Sie befinden sich in akuter, ernsthafter Lebensgefahr. Wir werden alle über kurz oder lang vor Gottes Gericht stehen!
Ich muss Ihnen offen sagen, dass dieser Gedanke der Anlass war für mich, dass ich heute hier stehe. Als junger Mann habe ich nie gedacht, dass ich einmal auf einer Kanzel stehen würde. Ich war junger Offizier im Ersten Weltkrieg. Wir hatten sehr viel Verluste in unserem Regiment. Ich war Offizier wie alle, nicht besser und nicht schlechter. Aber wenn mir einer gesagt hätte: »Du wirst mal in Kirchen predigen«, dann hätte ich laut gelacht. Ich muss Ihnen das jetzt als Zeugnis sagen: Ich war ferne von Gott. Mein Vater fragte mich einmal: »Glaubst du nicht an Gott?« Da habe ich geantwortet: »So dumm bin ich nicht, dass ich Gott leugne. Zum Atheismus gehört eine riesige Portion Dummheit, die ist unerreichbar. Aber«, so sagte ich, »Gott ist mir nicht begegnet. Darum interessiert er mich nicht.« Es war kurz nach diesem Gespräch, dass ich mit einem Kameraden, einem anderen jungen Leutnant, – wir waren auf dem Vormarsch in Frankreich – in einem Straßengraben bei Verdun zusammen sass. Wir warteten auf den Befehl zum Vorrücken. Da rissen wir – alte Soldaten wissen Bescheid – dreckige Witze. Und dann erzähle ich einen dreckigen Witz – und der Kamerad lacht nicht. »Kutscher«, sage ich, so hieß er, »warum lachst du nicht?« Da kippt der um, und ich sehe: Der ist tot! Ein kleiner Splitter einer Granate hatte ihn direkt ins Herz getroffen. Ich stehe mit meinen 18 Jahren vor der Leiche des Kameraden und bin zuerst noch ganz ungerührt: »Was bist du unhöflich, mein Lieber, dass du abgehauen bist, ehe ich den Witz zu Ende erzählt habe!« Doch im gleichen Moment überkommt es mich: »Wohin ist denn der?« Ich sehe mich noch an diesem Straßengraben stehen, als es mich wie ein grelles Licht, heller als ein Atomblitz, überfiel: »Der steht jetzt vor dem heiligen Gott!« Und die nächste Feststellung war: »Wenn wir jetzt andersherum gesessen hätten, dann hätte es mich erwischt, und dann stünde ich jetzt vor Gott!« Nicht vor irgendeinem Herrgott, sondern vor dem Gott, der seinen Willen kundgetan hat, der Gebote gegeben hat, die ich alle übertreten habe – wie Sie sie auch alle übertreten haben! Es gibt Leute, deren Sünden zum Himmel schreien und die doch sagen: »Ich tue recht und scheue niemand.« Lügen Sie doch nicht so! – In dem Augenblick wusste ich: »Ich habe alle Gebote Gottes übertreten! Und wenn ich jetzt einen Schuss kriege, dann stehe ich vor Gott!« Und es war mir klar: »Dann komme ich in die Hölle!« Da kamen unsere Burschen mit den Pferden gerannt: »Es geht vorwärts!« Ich stieg aufs Pferd. Da lag mein toter Freund. Und nach langen Jahren faltete ich zum ersten Mal die Hände und betete nur: »Lieber Gott, lass mich nicht fallen, ehe ich weiß, dass ich nicht in die Hölle komme!« Ich will es Ihnen ruhig sagen: Ich bin später zu einem Militärpfarrer gegangen und habe ihn gefragt: »Herr Pfarrer, was soll ich tun, dass ich nicht in die Hölle komme?« Da hat er mir geantwortet: »Herr Leutnant, wir müssen erst mal siegen. Siegen, siegen!« »Sie wissen es selber nicht!«, habe ich ihm erwidert. – Ist das nicht erschütternd, dass da Tausende von jungen Männern in den Tod gingen, und keiner konnte ihnen sagen, wie man selig wird? Und das in einem christlichen Volke! –Und ich wäre wohl ziemlich in Verzweiflung geraten, wenn mir nicht eines Tages – ich kann das nicht so ausführlich erzählen – ein Neues Testament in die Hand geraten wäre. Ich sehe noch das Milieu in dem französischen Bauernhaus hinter der Front vor mir, in dem ich mich befand. »Ein Testament! Da steht wohl drin, wie man nicht verlorengeht!«, dachte ich. Ich blätterte es so durch, denn ich kannte mich nicht richtig aus. Da bleibt meine Auge an einem einzigen Satz hängen: »Jesus Christus ist gekommen in die Welt, die Sünder selig zu machen.« Das war, wie wenn ein Blitz einschlägt. »Sünder« – das bin ich, das brauchte mir keiner mehr zu erklären. – Wollen Sie nicht auch endlich mal dahin kommen, dass Sie das vor Gott und Menschen zugeben: »Sünder bin ich!« Hören Sie auf mit Ihrer falschen Rechtfertigung! – In dem Augenblick brauchte ich keinen Pfarrer. »Sünder bin ich!« Das war klar. Und »selig werden« wollte ich! Ich wusste nicht genau, was das ist. Ich verstand nur: »Selig werden« heißt, aus dem Zustand herauszukommen, in dem ich war, Frieden mit Gott zu finden. »Jesus Christus ist gekommen in die Welt, die Sünder selig zu machen.« Wenn Jesus das konnte, dann musste ich Jesus finden! Es hat noch einige Wochen gedauert. Ich habe gesucht, ob mir jemand Jesus zeigen könnte. Keiner hat mir Jesus zeigen können. Und da habe ich etwas getan, was ich Ihnen allen empfehlen möchte: Ich habe mich – wir befanden uns wieder auf dem Vormarsch – in ein altes französisches Bauernhaus eingeschlossen. Es war halb kaputt und geräumt, aber ein Zimmer war noch ganz. In der Tür steckte ein Schlüssel. Ich ging hinein, schloss von innen ab, fiel auf meine Knie und sagte: »Herr Jesus! In der Bibel steht, dass du gekommen bist von Gott ›Sünder selig zu machen‹. Ich bin ein Sünder. Ich kann dir auch für die Zukunft nichts versprechen, weil ich einen schlechten Charakter habe. Aber ich möchte nicht in die Hölle kommen, wenn ich jetzt einen Schuss kriege. Und darum, Herr Jesus, übergebe ich mich dir vom Kopf bis zu den Füßen. Mach mit mir, was du willst!« Da gab‘s keinen Knall, keine große Bewegung, aber als ich rausging, hatte ich einen Herrn gefunden, einen Herrn, dem ich gehörte.
Und so ging mir von Tag zu Tag – damals war ich 18 Jahre alt – größer auf, in welcher ungeheuren Lebensgefahr die Menschen sind. Man lebt ohne Vergebung der Sünden! Wissen Sie, ob Ihre Sünden vergeben sind? Wie wollen Sie bestehen im Gericht Gottes?! Man lebt ohne Frieden mit Gott. Man lebt ohne Umkehr. Man ist ein bisschen christlich getüncht und angestrichen, aber drinnen ist das ganz elende, arme, friedelose, unbekehrte Herz! Hören Sie: Gott will nicht, dass wir in die Hölle kommen! Gott will es nicht! »Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.« Und darum sendet er seinen Sohn. Aber, meine Freunde, dann müssen wir auch zu Jesus kommen. Dann müssen wir ihm auch gehören. So wie die Christenheit in Deutschland und anderswo mit Gott und mit der Rettung durch Jesus umgeht, das kann nicht gut gehen. Da schaudert mir. Verstehen Sie: Wir befinden uns in größter Lebensgefahr, weil wir dem Gericht Gottes entgegengehen!
Ich hatte in meinem Jugendkreis einmal einen netten jungen Kerl. Der kam zunächst regelmäßig in unsere Bibelstunde. Es war in der Zeit des Hitler-Reiches. Auf einmal musste er nationalsozialistische Schulungskurse mitmachen – und da kam er ganz ab. Ich sah ihn nicht mehr. Doch eines Tages läuft er mir in die Finger. »Guten Tag, Günter!«, sage ich. »Heil Hitler!«, entgegnet er. »Günter! Wie geht‘s dir? Ich habe dich lange nicht mehr gesehen?«, frage ich ihn. Da richtet er sich auf und erklärt: »Mein Wahlspruch heißt: ›Ich tue recht und scheue niemand!‹ Und sollte in meinem Leben etwas nicht recht sein und sollte es einen Gott geben, dann will ich als ehrlicher Kerl das vor Gott verantworten. Aber ich brauche keinen Sündenbock Jesus, der für mich stirbt!« Im Geist sehe ich Millionen Männer hinter ihm, die genauso denken: »Ich tue recht und bin recht, und ich kann mein Leben vor Gott verantworten!«
Liebe Freunde, ich möchte mich vor Gott nicht aufs Recht berufen, sondern ich weiß, dass ich gerade bei Berufung aufs Recht in größter Lebensgefahr bin. Verlassen Sie sich darauf: Wir kommen alle in Gottes Gericht! Und ich möchte Sie warnen. Mir wird heiß und kalt, wenn ich daran denke, wie die Menschen dem Gericht Gottes entgegengehen!
Es gibt gewaltige Plastiken von dem Maler und Bildhauer Ernst Barlach. Aber er hat auch ein Theaterstück geschrieben: »Der blaue Boll«. Der blaue Boll ist ein Gutsbesitzer, der immer ein bisschen blau ist. Und da hat er einmal gut zu Mittag gegessen und getrunken und kommt in der Mittagshitze auf den Marktplatz des kleinen Städtchens. Er steht auf einmal vor der Kirche, an deren Türen vier Cherubinen, die Posaune blasen, ausgemeißelt sind. Und wie er die Cherubinen so ansieht, da ist es ihm plötzlich, als wenn sie lebendig wären und das Gericht Gottes anbliesen: »Jetzt kommt die Menschheit vor Gottes Gericht!« Wörtlich schreibt Barlach: »Heraus, ihr Toten, aus den Gräbern! Keine Verwesung vorgeschützt! Heraus!« Da geht dem blauen Boll auf: »Ich kann Gott nicht entrinnen. Einmal stehe ich vor ihm in meiner ganzen Armseligkeit!«
Und wir wissen im Grunde alle, dass es mit unserer Selbstgerechtigkeit – »Ich tue recht und scheue niemand!« – nicht weit her ist. Das Gericht Gottes kommt! Und da wird alle eigene Gerechtigkeit vergehen wie Wachs in Feuersglut! Nun weiß ich wohl, dass man diese Botschaft heute nicht gern hört. Wenn ich davon spreche: »Ohne Bekehrung zu Jesus kommst du in die Hölle!«, dann bekomme ich lächelnd zur Antwort: »Hölle! Das ist ein mittelalterlicher Begriff. Das gibt‘s ja gar nicht!« Wenn ich das höre, dann fällt mir immer eine Geschichte ein, die ich Ihnen erzählen muss. Es war während des Krieges. Ich wollte einen Besuch machen. Als ich unterwegs bin, kommt ein Fliegerangriff. Ich sause in den nächsten Bunker und warte, bis der Zauber vorüber ist. Dann gehe ich weiter und komme in die Siedlung, in der ich den Besuch machen will. Die steht noch! Aber ich finde die etwa 20 Häuser dieser Siedlung alle ganz verlassen vor. Ich denke: »Du träumst! Die Häuser stehen alle – und die Leute sind alle weg!« Da treffe ich einen Luftschutzwart und frage ihn:, »Warum sind die Leute alle weg?« Er sagt nichts, nimmt mich nur am Arm, führt mich in eines dieser Siedlungshäuser hinein und geht mit mir an ein Fenster. Und dann sehe ich‘s: Die Häuser standen im Kreis um einen Rasenplatz – und mitten auf dem Rasenplatz liegt eine riesige Bombe, so groß wie der Kessel einer Dampflokomotive. Ich sage: »Ein Blindgänger!« »Nee«, antwortet der Luftschutzwart, »es ist kein Blindgänger! Es ist eine Bombe mit Zeitzündung!« Das waren die ganz raffinierten Bomben. Sie explodierten nicht beim Aufschlag, sondern vielleicht 5 oder gar 20 Stunden später.
Wenn alle Leute aus den Bunkern zurück waren, dann gingen die Dinger los. »Hier sind alle geflohen!«, fährt er fort. »Hören Sie, wie es tickt?« Wahrhaftig, man konnte das Ticken des Zeitzünders sogar hören. Und jeden Moment konnte die Bombe explodieren. »Kommen Sie«, fordere ich den Luftschutzwart auf, »es ist nicht gemütlich hier!« Wir gehen ein Stück zurück und stellen uns unter, um ein wenig Deckung zu haben, falls die Bombe losgeht. In dem Moment sehe ich ein komisches Bild: Ein ganzer Schwarm Spatzen kommt angeflogen und lässt sich gemütlich auf der Bombe nieder. Einer sitzt sogar auf dem Zünder vorn. Ich rufe: »Ihr Spatzen, das ist gefährlich!« Da war mir‘s, als schrieen die Spatzen zurück: »Haha! Wir sind aufgeklärt. Wer glaubt heute noch an Bomben! Völlig gefahrlos!«
Sie verstehen: So dumm spotten die Menschen unserer Tage! Gott hat schon unheimlich ernst mit uns geredet durch sein Wort und durch Gerichte, auch mit unserem Volk. Und der Sohn Gottes ist gekommen, ans Kreuz gegangen und von den Toten auferstanden. Das kann doch jeder kapieren, dass Gott da ist und ein heiliger Gott ist! Und wenn einer kommt und sagt: »Ihr seid in Lebensgefahr! Ihr müsst eurer Seelen Seligkeit suchen!«, dann lachen die Leute und sagen: »Haha! Wer glaubt denn noch an sowas!«
Sehen Sie: Die Bibel kann ja auch sehr höhnisch sein. Den ganzen Atheismus, also die Gottesleugnung, erwähnt sie nur ein einziges Mal mit einem Satz: Da sagt sie: »Die Narren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott«. So spricht die Bibel über den Atheismus. Die Sache kommt gar nicht weiter in ihren Gesichtskreis.
2. Die Lebensrettung
Gott hat schon einmal über die Welt ein schreckliches Gericht gehen lassen. Und da wurde nur ein Mann mit seiner Familie gerettet. Der Mann hieß Noah. Dem hatte Gott Anweisung gegeben, eine Arche zu bauen, ehe das Gericht anging. – Kennen Sie die Geschichte von der Sintflut? Wenn Sie sie nicht kennen, dann genieren Sie sich und verraten Sie‘s keinem! – Ehe das Gericht angeht, befiehlt Gott dem Noah: »Gehe in die Arche, du und dein Haus!« Da ging Noah hinein, und Gott schloss hinter ihm zu.
Sehen Sie: Die Welt geht Gottes gerechtem Gericht entgegen. Und da ist eine Arche: die Gnade, die uns angeboten wird in Jesus. Er kommt aus der Welt Gottes in unsere elende Welt. Er stirbt für uns am Kreuz! – Hören Sie: Wenn Sie nicht viel verstehen, aber das werden Sie begreifen: Wenn Gott seinen Sohn grauenvoll am Kreuz sterben lässt, dann muss das eine Erlösung sein, wodurch der größte Sünder errettet werden kann! – Er steht von den Toten auf. Er ruft uns durch den Heiligen Geist. Jesus ist die Arche! Und so wie Gott damals dem Noah sagte: »Gehe in die Arche, du und dein Haus!«, so lässt er Sie jetzt durch mich bitten: »Geh hinein in die Gnade Jesu Christi! Tue den Schritt in den Frieden Gottes! Brich mit allem, was dich aufhält! Sag deinem Heiland: ›Herr, ich gebe dir mein ganzes Leben.‹« Das heißt: in die Arche gehen.
»Achtung! Lebensgefahr!« Wie viele von uns gehen noch völlig unbekehrt und ungeschützt dem Gericht Gottes entgegen! Doch die große Gnade ist da. Und Glauben heißt: einen Schritt aus dem Gericht Gottes in die Gnade Jesu tun. Dieser Schritt ist kein Kinderspiel. Aber, er bedeutet Errettung aus der Lebensgefahr!
Der bekannte Missionsinspektor Albert Hoffmann, Pioniermissionar auf Neu-Guinea, erzählte mir einmal eine Geschichte, die ich nicht vergessen habe. Ich hatte zu ihm gesagt: »Bruder Hoffmann, ich habe solch einen Kampf um meinen Christenstand. Es ist kein Kinderspiel, auch für einen Pastor nicht, in einer Welt, die dem Teufel dient und der Hölle entgegeneilt, Jesus zu gehören.« »Da will ich dir mal was erzählen«, begann er. »Wir hatten auf Neu-Guinea die Sitte, dass die Papuas, wenn sie Christen werden wollten, Unterricht bekamen, damit sie Jesus richtig kennen lernten. An einem Sonntag wurden sie dann getauft. Das war immer ein großes Fest. Auch viele Heiden kamen dazu. Aber das Entscheidende geschah immer am Abend vorher. Da wurde ein großes Feuer angezündet. Die Täuflinge schritten heran. Auf den Armen hatten sie all ihr Zeug vom Götzendienst: Zaubersachen, Götzenbilder, Amulette. Und dann traten sie ans Feuer – und warfen diese Zeichen ihres alten Lebens in die lodernden Flammen. Einmal habe ich eine junge Frau beobachtet. Die trat auch mit einem Arm voll Götzenbildern und Amuletten ans Feuer. Aber in dem Moment, als sie das Zeug hineinwerfen will, da kann sie es nicht. Sie hat sicher gedacht: ›Damit haben meine Ahnen gelebt. Damit ist meine ganze Vergangenheit verbunden. Davon kann ich mich doch nicht trennen!‹ Sie geht zurück. Dabei fällt ihr ein: ›Aber dann kann ich nicht Jesus gehören!‹ Darauf geht sie wieder drei Schritte vor, kann sich aber wieder nicht davon trennen und geht noch einmal zurück. Da bin ich zu ihr gegangen«, berichtete Missionsinspektor Hoffmann weiter, »und habe gesagt: ›Es fällt dir zu schwer. Überlege es dir lieber noch einmal. Du kannst dich ja zur nächsten Taufe wieder anmelden.‹ Darauf überlegte die junge Frau einen Augenblick lang, tat schnell drei Schritte vor, warf die Sachen ins Feuer und sank ohnmächtig zusammen.« Und ich vergesse nicht, wie Missionsinspektor Hoffmann, ein Siegerländer mit einem Gesicht wie ein Holzschnitt, mir abschließend sagte: »Ich glaube, nur wer eine wirkliche Bekehrung erlebt hat, versteht die Erschütterung dieser Frau.«
Meine Freunde, es ist nur ein Schritt in die Arche! Heraus aus der Lebensgefahr – hinein in die Arme Jesu. Aber dieser Schritt ist kein Kinderspiel. Er bedeutet Bruch mit der ganzen Vergangenheit. Aber – hören Sie: Billiger geht‘s nicht! Habe ich deutlich geredet? Es erschüttert mich immer wieder zu sehen, wie viele Menschen trotz aller Warnungen in ihr ewiges Verderben laufen! Gott will das nicht! Gott will, dass Sie selig werden! Darum hat er seinen Sohn gesandt. Darum hat der für Ihre Schuld bezahlt. Sie brauchen jetzt nur Ihre Schuld anzuerkennen und die Bezahlung Jesu im Glauben anzunehmen!
Als ich während des Dritten Reiches wieder einmal zur Gestapo bestellt wurde, habe ich in einem Raum warten müssen, in dem lauter Aktenschränke standen. In den Schränken stapelten sich die Aktenbündel zu Bergen. Und aus jeder Akte hing eine Zunge heraus. Auf diesen Zungen standen die Namen: »Meier, Karl« oder »Schulze, Friedrich«. Als ich da so endlos lange warten musste zwischen den Aktenschränken, habe ich Gott gedankt, dass ich mein Leben nicht unter solchen Akten verbringen muss. Und aus Langeweile fing ich an, die Namen zu lesen: »Meier, Karl«, »Schulze, Friedrich«. Auf einmal lese ich: »Busch, Wilhelm«! Da war ja eine Akte von mir! Mit einem Schlage waren die Aktenschränke nicht mehr langweilig, das können Sie sich denken! Da war meine Akte! Ich hätte sie schrecklich gern mal herausgeholt und darin nachgesehen, was die Kerle über mich geschrieben hatten. Doch das riskierte ich nicht. Aber ich stand geradezu zitternd davor: »Meine Akte!«
Und sehen Sie: So ist es mir mit dem Kreuz Jesu gegangen. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen mir nichts langweiliger war als das Christentum, jeder Dujardin war mir interessanter – bis zu der Stunde, in der ich zum ersten Mal das Kreuz Jesu richtig sah: »Da geht es um meine Akte! Da ist von meiner Schuld und von meiner Errettung die Rede!« Seitdem ist das Kreuz Jesu das Interessanteste für mich. O sehen Sie den Mann mit der Dornenkrone an! Er ist der große Lebensretter! Da am Kreuz geschieht Ihre und meine Lebensrettung! Es geht Sie an, auch wenn Sie es noch nicht wissen. Ach, ich spreche zu laut, ich weiß, ich müsste leiser reden, aber bleiben Sie mal unerregt bei dieser Botschaft!
3. Vom Tode zum Leben
»Achtung! Lebensgefahr!« Ich möchte dieses Wort Ihnen noch nach einer anderen Seite hin zeigen. Als es mir so durch den Kopf ging: »Achtung! Lebensgefahr! Stopp! Mensch, kehr um! Suche deinen Heiland!«, da dachte ich auf einmal: »In Lebensgefahr kann sich ja eigentlich nur jemand befinden, der lebt!« Wenn ein Omnibus einen Abhang hinuntergestürzt ist und alle Insassen tot sind, dann sind sie nicht in Lebensgefahr. Verstehen Sie? Und jetzt möchte ich es mal so sagen: Sie befinden sich in der Gefahr, dass Sie gar nie zum Leben kommen, dass Sie tot durch die Welt gehen und schließlich tot weggeworfen werden! Drücke ich mich deutlich genug aus? Die Lebensgefahr, die ich bei Ihnen sehe, ist die, dass Sie das Leben überhaupt verpassen! Die Bibel sagt ganz deutlich: »Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben. Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht!«
Neulich treffe ich ein Fräulein aus Berlin, eine Fremdsprachenlehrerin. »Verzeihen Sie!«, sage ich zu ihr. »Ein Pastor darf ja mal unhöflich sein. Frage: Wie alt sind Sie, Fräulein?« Das tut man im Allgemeinen nicht, ein Fräulein nach seinem Alter zu fragen, aber ein alter Pfarrer darf das schon mal. Da antwortet sie ohne Zögern: »8 Jahre!« »Moment!«, stutze ich. »8 Jahre? Sie sind Fremdsprachenlehrerin in drei Sprachen – und 8 Jahre alt?« Da lacht sie und erklärt: »Vor 8 Jahren habe ich Jesus gefunden. Da bin ich zum Leben gekommen. Vorher war ich tot.« Ich staune: »Das ist ja toll ausgedrückt!« Und da sagte sie mir dies Wort: »Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben. Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.« Und sie fuhr fort:» Sehen Sie: Vorher hatte ich keinen Heiland, kein richtiges Leben. Da habe ich nur Geld verdient und mich amüsiert, aber Leben war das nicht!«
Ist das nicht eine kühne Behauptung? Wer sich nicht mit einem willigen Entschluss Jesus übergibt, der hat überhaupt kein Leben. Ja, ohne Jesus haben wir gar keine Ahnung vom Leben!
Da kommt vor Jahren ein junger Mann zu mir. Ich frage: »Was willst du?« »Das weiß ich auch nicht!«, antwortet er. »Ich weiß nur das eine: Das ist doch kein Leben, was ich habe!« Überrascht erkundige ich mich: »Wieso? Du hast eine gute Stelle als Schlosser und verdienst viel Geld!« »Das ist doch kein Leben!«, erwidert er. »Das ist doch kein Leben! Montags Schlosser, dienstags Schlosser, mittwochs Schlosser, donnerstags Schlosser, freitags Schlosser, samstags Fußball und sonntags Kino und Mädel, montags Schlosser, dienstags Schlosser, mittwochs Schlosser, donnerstags Schlosser, freitags Schlosser, samstags Fußball und sonntags Kino und Mädel. Das ist doch kein Leben!« »Junge«, habe ich da gesagt, »da hast du recht. Da bist du schon weit, dass du kapierst: Das ist doch kein Leben! Ich will dir sagen, was Leben ist: In meinem Leben gab‘s einen gewaltigen Umschwung. Da fand mich Jesus, der für mich gestorben und auferstanden ist. Er wurde mein Heiland und Versöhner mit Gott. Als mir das aufging, da habe ich ihm mein Herz gegeben. Und denk dir: Seitdem habe ich das Leben!« Der Junge hat es dann auch gefunden. Neulich habe ich ihn in Freiburg wiedergetroffen. »Na«, habe ich ihn gefragt, »wie ist es? Ist das jetzt ein Leben?« Da antwortete er strahlend: »Ja, jetzt ist es ein Leben!« Er ist jetzt sehr lebendig, er leitet einen Jugendkreis und führt andere Menschen zu Jesus. Er hat in Jesus das Leben gefunden.
Verstehen Sie? Sie sind in Lebensgefahr insofern, als Sie das Leben verpassen könnten, dass Sie zwar vom Christentum hören – aber doch nie Ihren Heiland finden!
Ich habe einen Freund, der ist Kaufmann. Neulich war er bei einem Fabrikanten eingeladen. Dieser Fabrikant hatte eine schöne Villa in einem wunderbaren Park. Etwa hundert Gäste waren da. In dem Getümmel des Festes trifft mein Freund den Hausherrn und sagt: »Mann, was haben Sie es gut! Ein König sind Sie! Eine solche Besitzung! Eine große Fabrik! Eine nette Frau! Reizende Kinder!« Da antwortet der Mann: »Ja, Sie haben recht: Mir geht‘s gut.« Und auf einmal wird er todernst und sagt: »Aber fragen Sie mich nur nicht, wie es hier drin aussieht.« Und dabei zeigte er auf sein Herz.
Und wenn ich über die Straßen gehe, dann denke ich oft: »Wenn die Leute ehrlich wären, blieben sie alle stehen und schrien: ›Fragt mich nicht, wie es hier drin aussieht, hier in meinem Herzen!‹« Da ist Friedelosigkeit. Die Gedanken verklagen sie. Da ist Schuld.
Und sehen Sie: Es gibt nur einen, der uns heilen kann. Denken Sie nur: Gott sieht unser Elend! Wir können von uns aus nicht zu Gott kommen. Aber Gott ist in seiner großen Liebe in Jesus zu uns gekommen. Das ist die atemberaubende Botschaft, die ich zu verkündigen habe: »So sehr hat Gott diese Welt geliebt ...« Ich hätte sie nicht geliebt; ich hätte sie mit Eisenbahnschienen zusammengehauen, diese Welt voll Dreck und Bosheit und Dummheit. Und die hat Gott geliebt! Da bleibt einem der Verstand stehen. »So sehr hat Gott diese Welt geliebt, dass er seinen Sohn Jesus gab, auf dass alle, die dessen Liebe annehmen, nicht verloren werden, sondern das Leben haben.«
Sagen Sie mal: Was soll Gott noch für Sie tun, als dass er seinen Sohn sterben lässt, damit Sie das Leben haben?! Ich möchte mit einer schönen Geschichte schließen: Zu dem großen englischen Erweckungsprediger Charles Haddon Spurgeon kam nach einer Predigt einmal ein junger Mann und sagte: »Herr Prediger, Sie haben recht, ich muss auch den Mann von Golgatha finden und ein Kind Gottes werden. Ich werde mich eines Tages bekehren.« »Eines Tages?«, fragt Spurgeon. »Nun ja, später.« »Später? Warum nicht heute?« Da erklärt der junge Mann ein bisschen verlegen: »Ich möchte ja selig werden, und darum werde ich mich auch mal bekehren zu Jesus, aber vorher möchte ich noch etwas vom Leben haben.« Da lacht Spurgeon laut auf und sagt: »Junger Mann, Sie sind sehr anspruchslos. Dass Sie etwas vom Leben haben wollen, das wäre mir zu wenig. Ich will nicht etwas vom Leben, sondern das Leben. Und in meiner Bibel steht (und da schlug er ihm die Stelle auf): ›Jesus spricht: Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volles Genüge haben sollen.‹«
Sehen Sie: Wenn solch ein Vortrag zu Ende ist, dann habe ich ein kladriges Gefühl, weil ich denke: »Du hast den Leuten das vielleicht gar nicht richtig gesagt!« Darf ich deshalb noch einmal ganz kurz wiederholen? Gott hat Jesus am Kreuz sterben lassen für uns verlorene und verdammte Sünder, damit wir hier – hier und heute! – das Leben haben. Wenn ich morgens aufwache, dann kann ich singen vor Freude, dass ich ein Kind Gottes geworden bin, weil ich in ihm das Leben habe! Hören Sie: Jesus ist gekommen, dass wir hier das Leben haben und in Ewigkeit vor dem Gericht Gottes bewahrt werden – und ewiges Leben haben.
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