Read the book: «Kalte Duschen, Warmer Regen»
Wiglaf Droste
Kalte Duschen, warmer Regen
Geschichten, Sprachglossen, Miniaturen
FUEGO
- Über dieses Buch -
Wiglaf Droste geht aufs Ganze. Kein Wunder, dass die Passauer Neue Presse konstatierte: »Lakonisch, irritierend, prügelhart, hochintelligent und punktgenau trifft Droste immer ins Schwarze.« Droste ist unnachgiebig gegenüber politischen Hohlköpfen, weshalb er Frauke Petry als »Mischung aus Schreckschraube und Schreckschusspistole« beschreibt und Beatrix von Storch als »aufgeblasene Ochsenfröschin«. Er entdeckt in Bamberg einen mysteriösen »Männerausverkauf«: »Es waren allerdings gar keine Männer zu sehen, jedenfalls nicht in der Auslage; aber vielleicht hinten, im Lager? Das wäre doch der perfekte Skandal: Männer werden in Lagern gehalten und aus- oder auch abverkauft!« Er beschreibt, wie er zu einer Jogginghose kam, der »Kapitulation der Zivilisation«, und wie er sie sogar anzog: »Der letzte Eisbär auf einer schmelzenden Eisscholle hätte sich nicht einsamer und unglücklicher fühlen können.«
»Ja, da ist sie wieder, die alte Wut. Droste schreibt die bösesten Anklagen und die schönsten Lobreden. Man hat ihn vermisst.« (Stefan Gohlisch, Neue Presse, Hannover)
»Summ, summ, summ: Früher oder später geht die Lektüre von Drostes Texten stets ins Ohr… Er hat so eine Lust am Wortübermut, am Sprachschabernack und an der schönen Schnurre.« (Gitta List, Schnüss, Bonn)
»Droste beglückt mit funkelnder Intelligenz und Sprachreichtum.« (Berliner Morgenpost)
Für Ulla Rowohlt
Schuhigt Erdogan!
Freiheit für die Gefangenen und Geiseln des großtürkischen Usurpators Erdal Rex!
Der türkische Diktator Recep Tayyip Erdogan hat den ehemaligen taz- und anschließenden Welt-Kollegen Deniz Yücel in Untersuchungshaft sperren lassen; Erdogans willige Helfer folgten der sie anführenden Terror-Qualle auch darin widerspruchslos. Die Vorwürfe gegen Yücel – »Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauch« – sind haltlos; jeder weiß das, die Diplomatie arbeitet im Stillen an der Freilassung Yücels, was den Opfern staatlicher Willkür und Gewalt oft reichlich mehr weiterhilft als das moralisierende Aufgepluster von Leuten, die sich »Menschenrechting« (Friedrich Küppersbusch) auf ihre Sportvereinsfahnen geschrieben haben.
Im Fall Erdogan aber bedarf es tatsächlich einer weltweit vernehmlichen, unmissverständlichen Reaktion; ein noch so winziges weiteres bisschen Appeasement gegenüber diesem Hitler-Verschnitt wäre fatal, wenn nicht letal für eine große Region dieser Welt. Als Demokrat darf man Erdogan nicht steinigen; man kann ihn aber schuhigen, also mit alten, schmutzigen, stinkenden Schuhen bewerfen, die man sich zu diesem Zwecke auf dem Müllplatz oder im Last Hand-Shop besorgt. Schuhhersteller sind gehalten, sehr unstylische Erdogan-Linien entwerfen und auf den Markt schleudern zu lassen, Miefmaukenumhüllungen mit hohem Härtegrad.
Deniz Yücel und alle seine Kolleginnen und Kollegen sowie sämtliche aus politischen Gründen von Erdogan und seinen Leuten Eingesperrte müssen aus der Haft entlassen werden; das Recht auf Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit muss wiederhergestellt werden, Erdogan gehört kein kurzer, sondern ein juristisch einwandfreier Prozess gemacht. Wer weniger verlangt und für weniger eintritt und kämpft, bedarf dringend des Nachhilfeunterrichts in Demokratie. Dass ich, mit unterdessen Mitte 50 und Arthrose in beiden Knien, von der Möglichkeit, Erdogan die Eier – so er denn welche hätte – in die Mandeln zu treten, mit Freuden und Kusshand Gebrauch machte, ist meine ganz private Phantasie.
Sachsen, Nazis und Mentoren
Es war ein gebürtiger Sachse, der schrieb: »Vom andern aus lerne die Welt begreifen.« Der Mann kam 1883 als Hans Bötticher in Wurzen zur Welt, drei Jahre später zog die Familie nach Leipzig, wo es zu der Zeit üblich war, schwarze Menschen wie exotische Tiere in Zoos und Menagerien auszustellen. Als der Schüler Hans Bötticher sich von einer Samoanerin, die ihn faszinierte, tätowieren ließ, wurde er in der Schule brutal gezüchtigt und der Anstalt verwiesen.
Im Alter von 17 Jahren wurde er Schiffsjunge und erlebte am eigenen Leib weitere Drangsal und Menschenquälerei. Er ging zur Marine und wurde Kommandant eines Minensuchboots; zwar war er tendenziell unpolitisch, doch ein so weltanschaulich klarer, anständiger und loyaler Mann, dass die revolutionären Matrosenräte ihn bei ihren Versammlungen duldeten und sprechen ließen. Nach dem Krieg verschlug es ihn quer durchs Land, er wurde Dichter und erlangte unter dem Namen Joachim Ringelnatz Bekanntheit, ja Berühmtheit; Zeitgenossen wie die Schauspielerin Asta Nielsen und die Schriftsteller Alfred Polgar und Kurt Tucholsky liebten und verehrten ihn.
In München, der späteren »Hauptstadt der Bewegung«, wurden seine Auftritte schon früh durch rechte Burschenschafter gestört, die, passend zu ihren Mensurschmissen, mit Bierkrügen nach dem Bühnenkünstler warfen und ihn bepöbelten; die Korporierten nannten seine Dichtungen »frivol« und »antivaterländisch«, was auch die Nationalsozialisten taten, die ihm Publikations- und Auftrittsverbot erteilten und ihn, den mittellos Gewordenen, damit zum Tod durch die Tuberkulose verurteilten, deren Behandlung er sich nicht mehr leisten konnte. Er starb 1934, gerade mal 51 Jahre alt. Was er von Hitler und seinen Leuten hielt, schrieb er, der sich stets der Welt und ihren menschlichen und tierischen Bewohnern poetisch zugewandt hatte, deutlich auf und sprach von dem »treuen deutschen Wort Scheiße«.
Auch das fällt mir ein, wenn ich sehend und lesend nacherlebe, was sich tut in Sachsen und anderswo, wie sich Mobs zusammenrotten, unter Duldung und offen gejohlter Zustimmung und Anfeuerung von schaulustigen Passivsadisten, die noch nicht selbst mit Hand anlegen, wenn es um Gewalt, Brandstiftung, Morddrohung, Körperverletzung und eine aggressiven Feindseligkeit geht, wie sie so offen und so gehäuft lange nicht zutage trat. So wie Joachim Ringelnatz kein Ringelnatz-Problem hatte, wenn er angegriffen wurde, sondern ein Problem mit Leuten, die als »Arschgeigen« zu bezeichnen sträflich verharmlosend wäre, gibt es in Deutschland kein »Flüchtlingsproblem«, sondern ein Problem mit Deutschen, die sich zum handgreiflichen Abschieben bis hin zum Lynchmob organisieren.
Gedeckt und angestachelt werden sie von Politikern, die sich seriös geben, sich von Gewaltexzessen rhetorisch distanzieren und eine Politik propagieren, die alles, was sie abzulehnen und zu verabscheuen behauptet, erst ermöglicht. Der CSU-Funktionär Markus Söder, Träger des »Ordens wider den tierischen Ernst«, verlangt die Abschiebung von 350.000 Flüchtlingen und Asylsuchenden; dabei müsste er jedem auf Knien danken, der sich herablässt, seine Schweinestallsprachwüste aufzusuchen, einen Land-Strich, in dem einer wie Söder zu Macht und Ansehen gelangen kann. »Freistaat« ist ein anderes Wort für antidemokratisches An- und Unwesen, das gilt für Bayern wie für Sachsen – es sei denn, man entmachtete die Repräsentanten dieser Heimatschutzdiktaturen und schickte sie gnädig Toiletten putzen gehen, an der Autobahn, der Lieblingsstraße ihres Vorbilds.
Dass auch nur einer der Vorgänger Söders seinen albernen Orden aus Protest zurückgegeben hätte, ist nicht bekannt; die Volksaufhetzer erfahren keinerlei soziale Ächtung. AfD-Rechtsradikale werden medial hofiert; die Begründung, man würde ihnen sonst zu noch mehr Aufmerksamkeit und Zulauf verhelfen, ist so absurd und geistabsent, dass sie nur durch medial erzeugte Selbstverkrüppelung in die Welt kommen kann; das Lied »Crippled Inside« von John Lennon trifft Sache und Personal im Kern. Wo ein AfD-Mitglied ein Flüchtlingsheim leiten darf wie im sächsischen Clausnitz, kann man Amnesty International auch der NPD angliedern.
Was hat das alles mit Joachim Ringelnatz zu tun? Er war, wie Erich Kästner, Sachse; Gemeinheit und Niedertracht sind nicht regional gebunden; wo immer man ihnen begegnet, muss man sich wehren, mit den Mitteln, die man hat. Freigeistigkeit, humanistische Verwurzelung und Herzensbildung sind Bedingung für eine Welt, in der Menschen in Würde leben können. Erklärte Feinde und Abschaffenwoller demokratisch-humaner Minimalregeln ausschließlich mit demokratischen Mitteln zu bekämpfen, klingt heroisch, läuft aber in vielen Fällen auf Kapitulation hinaus. Was AfD, Pegida, NPD und ihre Mentoren tun werden, wenn sie erst richtig Macht in Händen halten, kann man sich ansehen, wo sie auf lokaler Ebene bereits dazu fähig und befähigt worden sind.
Man muss einen Tot- und Mordschlag nicht erst begangen haben, um dafür abgeurteilt zu werden; die glaubhaft erklärte Absicht ist vollkommen ausreichend für die Anwendung juristischer Mittel und den Entzug jedweder bürgerlichen Rechte. Es gibt mit Nazis nicht das Geringste zu diskutieren; sie sind nicht verführt oder verblendet, sie sind Nazis aus Neigung, irreparabler Schädigung, Niedrigkeit, Gehässigkeit, sadistischer Freude, und sie sind es aus der Jauchegrube ihres »Ich« sich nennenden Niemandslands von Herzen gerne.
Mit der Aufbewahrung in einem Archipel Gulasch – verpflegt mit dem Giftfleisch, dessen Verzehr sie innerlich wie äußerlich prägt – wären sie noch geradezu übermenschlich freundlich bedient. Eine Abschiebung in den Islamischen Staat wäre schon angemessener und käme natürlich auch finanziell günstiger.
Bin ich ein Russenliebchen?
»Auch der Hass gegen die Niedrigkeit / verzerrt die Züge. / Auch der Zorn über das Unrecht / Macht die Stimme heiser«, heißt es in Bertold Brechts großem Gedicht »An die Nachgeborenen«. Das stimmt, man kann es sehen und hören. Bei manchen Lesern vollzieht sich der Prozess der Hässlichwerdung bei oder direkt nach der Lektüre einer Spiegel online-Kolumne von Jan Fleischhauer, der den deutschen Ableger von Roger Koeppel gibt, seitdem er entdeckte, wieviel Konjunkturpotential im Gejammer über ein links angehauchtes, grün-alternatives Elternhaus steckt, über ein Milieu, das zwischen Petra Kelly, Antje Vollmer und Boris Palmer changiert, zwischen Sekte, Kirchentag bis zur schnödesten Rechtsranschmeiße also, das Kritik und Spott deshalb vollrohr verdient hat, allerdings nicht zum einzigen Topos eines gedeihlichen Berufslebens taugt und fruchtet.
Man muss den Nachgeborenen Jan Fleischhauer nicht groß ernst nehmen; er schrübe, so man’s ihm entsprechend vergütete, auch das Gegenteil oder sonst irgendetwas, und wer sich über ihn erregt, arbeitet ihm zu und tut ihm einen Gefallen. So verhält es sich nun einmal in den journalistischen Wurf- und Boxbuden, das ist nur das übliche Geschäftsgebaren.
Wenn Fleischhauer sich seine Vortäuschung von Abscheu allerdings selber zu glauben beginnt, auf die eigene Propaganda hereinfällt und sie dann dem Gesetz des Effektgewinns folgend steigern muss, läuft ihm der Quark vollends aus dem Ruder, und er wird vom leicht vorhersehbaren, verlässlich plumpen Polemiker zum Bauchredner schierer Gemeinheit. In seiner Kolumne »Flüchtlinge als Waffe« schrieb Fleischhauer im Februar 2016: »Unsere Schwäche ist das Mitgefühl. Wenn wir das Bild eines Kindes sehen, das tot an einen Strand bei Bodrum liegt, lässt es uns nicht kalt, sondern weckt den Wunsch, das Elend zu lindern. Dass Deutschland seine Grenzen für Menschen in Not geöffnet hat, verdankt sich keinem Kalkül, sondern einem nationalen Akt der Hilfsbereitschaft.«
Statt den Vollzug »nationaler Akte« für die zu diesen Zwecken angelegte und vorgesehene rektale Körperöffnung zu reservieren, fährt Fleischhauer fort: »Wer sich allein von Nützlichkeitserwägungen leiten lässt, ist dagegen zunächst im Vorteil. Er ist nicht erpressbar, egal wie groß der Schrecken ist. Wenn die Herren im Kreml sich um das Schicksal eines Kindes sorgen, dann um das eines 13-jährigen Mädchens in Berlin-Marzahn, das man für die Propaganda einspannen kann, weil es so herrliche Schauergeschichten über die Muslime erzählt, die Frau Merkel nach Europa lässt. Zeigen Putin und seine Leute ausnahmsweise Gefühlsregungen, dann sind diese fast immer infantil: Es geht bei ihnen stets um Kränkung und Zorn wegen mangelnder Beachtung, nie um Empathie und Nachsicht.«
So fleischhauert sich das zusammen: Deutsche fühlen menschlich, Russen tun nur so. Beim Thema Putin läuft Fleischhauer der Gratismut im Mund zu Schaum zusammen: »Man kann sich mit Diktatorenliebe anstecken wie mit einer Krankheit. Wenn in Talkshows über die ›strategischen Interessen‹ der Russen so geredet wird, als gäbe es ein Naturrecht, sich in anderen Ländern den Weg freizubomben, ist das mehr als bizarr. Bei Peter Scholl-Latour hatte die erfahrungsgesättigte Ruchlosigkeit, mit der er die notorischen Schwafler und Schönredner auflaufen ließ, noch einen gewissen Charme. Bei jemandem wie Gabriele Krone-Schmalz, deren Auslandserfahrung sich auf vier Jahre im Moskauer ARD-Studio beschränkt, bleibt schon nach den ersten Sätzen von der Coolness des Weltreporters nur die Kaltherzigkeit der Kreml-Mamsell.«
So kommt ein neuer Beruf in die Welt: »Kreml-Mamsell«; frühere Propagandaexperten sprachen direkt von »Russenliebchen«. Bei Fleischhauer endet das so: »Wer die Menschen in Syrien erst aus ihren Häusern bombt, damit sie sich nach Norden aufmachen, und dann dort die rechtsradikalen Kräfte unterstützt, die gegen eine Aufnahme Stimmung machen, ist jedenfalls kein Freund Europas und noch weniger ein Freund der Deutschen. In anderen Zeiten hätte man ihn einen Feind genannt.«
Ich bin kein »Freund der Deutschen«; weder weiß ich, wer oder was das sein sollte, noch halte ich es für ein Pflichtfach. Dass mich die nicht durch Ressentiment, sondern durch Erfahrung erworbene Skepsis Landsleuten (wie zum Beispiel Jan Fleischhauer) gegenüber zu einem Verehrer des Kaffeewürzmischers Wladimir Putin machte, wäre mir neu. Fleischhauers Freund-Feind-Rhetorik dünstet dieselbe trübe »Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!«-Scheu- und Großklappigkeit aus, die er dem Milieu, in dem er groß wurde, nicht zu Unrecht vorhält. Die Vergangenheit holt eben alle ein, und am ehesten diejenigen, die sich ihr nicht präzise stellen, sondern sie entweder zwanghaft verherrlichen oder aber dämonisieren müssen und damit die Gegenwart verhässlichen, für sich und für andere.
Phantom in braun
In Banden-Württemberg sind seit März 2016 wieder Rechtsradikale im Landtag vertreten. Ist Hans Filbinger wieder auferstanden? Nein, die AfD kann das gut ganz alleine, dass sogar die erfolglose Konkurrenz von der NPD über die finalen Grenzschutz-Schuss-Erwägungen respektive Abknallphantasien, mit denen die AfD anschließend dann aber gar nichts zu tun gehabt haben wollte, an der AfD herummaulte. Kurz vor der Landtagswahl bekamen die Traditionsnazis eine derartige Panikattacke, dass sie sich von der AfD distanzierten, die zwar den rechten Rand nicht halten, ihn aber dominieren kann. So kalt waren die Käsemauken der NPDisten, dass sie quasi on the rocks herumstiefeln mussten. »Konsequent abschieben« lautet eine ihrer Parolen; wer aber will sie haben und aufnehmen? Wenn die Selbstausschaffung der NPD allerdings gelänge – vielleicht klappt es ja in Sibirien? –, dann bitte die AfD nicht vergessen, sondern mit in den Gepäckraum werfen. Eine kleine Bitte ans Bodenpersonal erlaube ich mir zu äußern: Don’t handle with care.
Rechtsradikale Volksvertreter? Als Schuhabtreter oder Schuhcremevertreter für Erdal braun wären sie mir lieber, aber sie werden ja gewählt. Auf die Frage warum, weiß ich außer der anthropologischen Konstante Niedertracht und frei flottierenden »Denen zeig’ ich’s!«-Phantasien keine Antwort. Es wird der oder die Rechtsradikale nicht ernsthaft gesellschaftlich geächtet, sondern es wird im Gegenteil die Meinungsfreiheit, die Rechtsradikale außer für sich selbst und ihresgleichen keinen Deut interessiert, zu ihren Gunsten ausgeleiert, bis sie schlapp, am Boden und leicht zu kassieren ist. Es wäre nicht das erste Mal.
Demokraten sind gegenüber Nichtdemokraten im strategischen Nachteil, sich an demokratische Gepflogenheiten zu halten und ihren Maßgaben entsprechend zu handeln. Für das in Phantasialand stattfindende Ausleben archaischer Tagträume – auf eigene Faust, oder, wie bei Til Schweiger, auf eigene Panzerfaust, »aufzuräumen«, endlich mal »den ganzen Dreck wegzumachen«, das einengende juristische Regelwerk zu durchbrechen, das demokratische Korsett abzustreifen und atavistische Weltvorstellungen als »Recht und Ordnung« zu deklarieren –, sind entsprechende Filme im Kino, im TV und im Computer überreichlich vorhanden.
Gewählt aber wird in der sogenannten wirklichen Wirklichkeit, und das kann sehr konkrete Folgen nach sich ziehen: Eine demokratisch legitimierte Minderheit lässt die Mehrheit nach ihrer Pfeife keinen Schieber, sondern einen Abschieber nach dem anderen tanzen. Die »etabliert« genannten Parteien – früher in LTI-Sprache: »Systemparteien« genannt, machen es den Rechtsradikalen leicht: Sie übernehmen entweder in weiten Teilen die Forderungen der Rechtsradikalen oder sind durch Lobbyismus und andere Formen der Korruptheit alles andere als taugliche Werbemittel oder Testimonials für demokratisch verfasste Verhältnisse. Mit Phantomdemokraten lässt sich kein demokratischer Staat machen.
Phantomhelden im Zoo
Immer wieder erstaunlich ist das demonstrative Erstaunen über ganz und gar unerstaunliche Vorgänge. So sehr es jede nur semihumanoid empfindende Existenz anwidern muss, dass gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel der Wähler in Mecklenburg-Vorpommern bei der Landtagswahl 2016 seine Stimme den Schlips-und-Kragen-Nazis von der AfD gab: Überraschend ist es nicht.
So wie es einen Antisemitismus ohne Juden gibt, so gibt es einen Fremdenhass ohne Fremde. Ein Blick in den Spiegel reicht für jeden AfD-Politiker oder -Wähler aus, um einen Ekel zu erzeugen, der dann auf andere abgewälzt werden muss, ob sie nun tatsächlich existieren oder bloße Gespinste sind, Phantome, gegen die mutig anzukämpfen eine leichte Übung ist.
Eingeübt beim vorgeblichen Widerstand wird, wie man als Menschen geborene Wesen zu Mutanten macht, die aus Angst, Hass und ein paar Körperflüssigkeiten bestehen, die selbständig weder denken können oder wollen oder im Idealfall beides nicht. Solchen Lemuren zu attestieren, sie seien »Protestwähler«, die der herrschenden Politik einen »Denkzettel« hätten verpassen wollen, ist die Fortsetzung der AfD-Propaganda mit medialen Mitteln: Wer selbst nicht denken kann oder will, ist auch nicht in der Lage, Denkzettel zu verteilen, so wie Politessen ein Knöllchen ans Auto stecken.
Wofür die AfD steht, ist die Entfernung demokratischer und emphatischer Minimalstandards aus Mensch und Gesetz; Leute, von denen Angela Merkels Restfesthalten am Grundgesetz als Gespenst des Kommunismus denunziert wird, gehören kaum noch zur Menschheit. Man sollte sie allesamt im Zoo ausstellen, in der Amöben-Abteilung; allein, wer wollte schon Eintrittsgeld dafür bezahlen, sich hasszerfledderte Feiglinge anzusehen.
Demenz & GAU
Die politischen Verhältnisse werden immer medizinischer; was der CDU/AfD-Atavismusbrömmler Gauland auf dem verlorenen Posten, den er mit einem erklommenen Gipfel verwechselt, gesagt hat oder lieber doch nicht gesagt hätte oder haben will, kommentierte ein Hamburger Freund mit den besonnenen Worten: »Der ist ja noch dementer als meine Mutter.«
Das war nicht im mindesten gehässig von ihm, sondern ganz berechtigt, denn seine liebenswürdige Mutter lebt zwar in ihrer eigenen Alterswelt, aber so beschränkt wie der sich für klar im germanischen Schrumpfkopf haltende Nachbarschaftsbeauftragte Gauland könnte sie niemals werden.
Mitte, Nimbus, Schatten, Gauck
Man kann es schon lange nicht mehr hören, das Gerede über alles, das man angeblich »nicht den Rechten überlassen darf«; Hitler auf gar keinen Fall, denn von dem, was dieser Longseller spirituell und finanziell »erlöst«, möchten viele ihren Anteil abbekommen. Auf gar keinen Fall darf man den Rechtsradikalismus den Rechtsradikalen überlassen, das wäre verantwortungslos, vor allem, wenn sie gerade Aufwind, Oberwasser und medialen Auftrieb haben, da möchte man nicht beiseite stehen. Der damalige Bundespräsident Gauck verhängte das Dekret, man dürfe »die notwendige Debatte über Begrenzung nicht den Radikalen überlassen«, sondern müsse sie vielmehr »in die Mitte« holen. Freund Friedrich kommentierte kühl: »50 Shades of braun.«
Das gefiel mir ganz ausgezeichnet, und ich antwortete: Gauck ist der, der er immer war, was aber wegen seines zusammengeflunkerten Widerständlernimbus’ oder Nimm-den-Busses kaum jemand öffentlich zu sagen wagt. Ich plädiere für folgenden Handwerkerkalauer: »Gib mir mal den 13er Nimbus rüber, ich schraube das Ding jetzt ab.«
Danach sollte Ruhe herrschen, aber nicht die Soldatenfriedhofs- und Verwesungsruhe, die Gauck entströmt, sondern die gute Ruhe der Einsicht und der Vernunft.
Karneval nur noch für Deutsche!
Verglichen mit New York ist Köln eine eher kleine Stadt, die aber seit Silvester 2015/16 – endlich, endlich! – auch ihr Nine Eleven hat. Das ist zwar, typisch Karneval, vollständig übertrieben, aber die Angelegenheit war zweifellos widerlich: Hunderte Frauen wurden von Männern belästigt, begrapscht, bedroht, bestohlen und beraubt. Das ist charakterlich erbärmlich und, was gut ist, strafrechtlich relevant. Für sowas gibt es juristisch einen auf die Mütze.
Nach wenigen Tagen aber richtete sich das öffentliche Augenmerk auf die – in diesem Fall nordafrikanische – Herkunft vieler Delinquenten. Die Flüchtlings- und Asyl- vulgo Abschiebe-Debatte, die so gleichermaßen geheuchelt, verlogen wie aggressiv ist, dass man tatsächlich von »Debattenkultur« sprechen kann, wurde hochgekocht. Ist es für Frauen angenehmer, von betrunkenen deutschen Männern überfallen zu werden als von aus kulturellen Gründen seltener alkoholisch befeuerten marokkanischen? Weil die Frauen das Gelalle der deutschen Kerle wenigstens halbwegs verstehen? Eine gemeinsame Sprache schafft Verbundenheit, aber gilt das auch bei Behelligern, Zudringlingen, Räubern und Notzuchtgierhälsen?
Oder schüren die Sprachbarrieren – afrikanische Sprachen gelten ja als »guttural« – zusätzliche Ängste? Mit betrunkenen Deppen wird man für gewöhnlich leichter fertig als mit nüchternen, aber ins Auge gehen kann beides. Doch darum ging es gar nicht, sondern um die Verschärfung eines simulierten Kulturkampfes, in dem ständig europäische, deutsche und überhaupt hochzivilisatorische Werte gegen Überfremdung und Minderkultur verteidigt werden müssen.
Zu diesen Werten zählt auch der deutsche Karneval; ein mir bekannter Physiotherapeut, der in einer Karnevalshochburg lebt, schließt seit zehn Jahren in der Zeit zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch seine Praxis und auch die Haustür zu – jahrelang hatten ihm die lustigen Narren und Jecken jederlei Geschlechts ab dem frühen Morgen in den Hausflur gestrullt, gekoddert und sich auch fäkal »gelöst«. Der Mann hatte die Nase, die Augen und überhaupt den Kanal voll und geht in diesen »toll« genannten Tagen in Urlaub; »toll« ist hier in seiner ursprünglichen Bedeutung – wahnsinnig, tollwütig – zu verstehen.
Wer traditionell turnusmäßig und willentlich herbeigeführte Tollwut als zivilisatorische Errungenschaft, als »Wert« oder als Ausdruck von Freizügigkeit missversteht und zum Vorwand nimmt, das organisierte Erbrechen zu rechtfertigen oder sogar zu verherrlichen, darf sich nicht wundern, wenn er als verächtlich empfunden wird. Es gibt wenig Humorloseres und Abstoßenderes als den Karneval, bei dem darüber hinaus die lokalen und regionalen Hauptkriminellen aus Wirtschaft und Politik immer in den Ehrenlogen sitzen.
Karnevalisten gehören sozial geächtet; das ist, weil sie massenhaft auftreten, nicht ganz leicht, und sie würden es, weil sie ja unter sich sind, auch gar nicht bemerken. Dass sie sich und ihr würdefernes Treiben lieber durch Rocker-Patrouillen und rechte Schlägertrupps verteidigen lassen, als einsichtig nicht einhellig mit ihren Kameraden, sondern im Gegenteil mit ihren für andere äußerst qualvollen Gewohnheiten zu brechen, sagt viel über den Grad ihres Herabgesunkenseins aus. Und für eine deutsche Frau, die zwar von Männern nicht bis zum Äußersten belästigt werden möchte, aber falls doch, dann ausschließlich von deutschen, verfügt auch der gentilste Mann über keinerlei Hilfsmittel mehr. Da müssen sie dann durch, wie es so heißt, und eine schall-, geruchs- und blickdichte Glocke obendrauf wäre sehr hilfreich.
Wunsch und Wahn
Mancher möchte unbedingt etwas tun, zu dem er nicht im mindesten befähigt ist. Je geringer die Chance, dass er es noch erlernt, desto verbissener sein Ehrgeiz. So kam in die Welt, was der Deutsche Straßenverkehr nennt.
Das ist nicht schön anzusehen; in ihren PKW, Lieferwagen und auf ihren Fahrrädern, vulgo edel-vulgär, »Bikes« entwickeln die Landsleute eine Melange aus Unfähigkeit, Rechthaberei, Vorteilsnahme und mangelndem Unrechtsbewusstsein, aus der sich eine Aggression entwickelt, die der Deutsche seltsamerweise nicht gegen sich selbst, sondern gegen andere richtet.
Es existieren aber weit gefährlichere Wunsch/Wirklichkeit-Nichtzusammenbekommer; nicht wenige Deutsche möchten das Vierte Reich errichten, können aber nur mit größter Mühe und unter Aufbietung all ihrer Kräfte bis drei zählen. Was tun, AfD und Pegida?
Zum Glück für die geistig-horizontal katastrophale Knabbermischung aus Talkshow-Nazis und Straßenschlägern gibt es Mediengestalten, sie so gerne kritische Journalisten wären, vorausgesetzt, es wäre frei Haus und ohne Reiberei und Ärger zu haben. Man kann hier vom Plasberg-Syndrom sprechen, wobei der Name dieses Eitelfeixers nur einer von vielen ist, die auf die originelle immergleiche Idee verfallen, sich eine braune Tonne ins Studio einzuladen, ein wenig naserümpfend an ihr herumzuschnobern, um dann am Ende doch einen perfekten Kratzfuß hinzulegen, selbstverständlich im Namen von Demokratie, Wählerwillen, Pluralismus, Parität und allem.
Die Blamagen, in die sie sich und jede nennenswerte Berufsauffassung tunken, sind selbstverständlich nicht ihrer anerzogenen oder beruflich erworbenen Feigheit geschuldet, sondern dem Gebot der Abbildung von Vielfalt sowie den Verhältnissen, die man nicht verändern, sondern nur moderieren will. Dieses höchst einfältige Medienpersonal hat seine unegalen Pranken ausschließlich zu dem Zweck, fortwährend zu erklären, sie seien ihnen gebunden. So – und ausschließlich so – ist die AfD/Pegida-Kampfvokabel von der »Lügenpresse« zutreffend: Es handelt sich um Brown-Nosing-Journalismus.
Von Genese bis Langnese
Ist die Welt nicht furchtbar langweilig, weil sie einem die immergleiche hässliche, mörderische, gemeine und abstoßende Visage zeigt? Man kann das so sehen, und nicht wenige hoffnungsvolle junge Männer fielen oder fallen der Schwermut anheim, manche auch der Schwerwut, der Verzweiflung, der Trunksucht – letzteres nicht deshalb, weil es sich bei ihnen um sogenannte »Feierbiester« handelte, sondern, im Gegenteil, um sehr ernsthafte Existenzen.
Aber ist diese Sicht auf die Welt hilfreich und klug? Es will mir nicht so scheinen. Der Teil der Menschheit, für den ein Tag nur dann ein guter Tag war, wenn jemand anderes getäuscht, ausgeplündert und dreist betrogen wurde, ist zweifelsohne existent, und der Eindruck, er vergrößere sich und verbreite sich aggressiv metastasenhaft, kann leicht entstehen. Wenn jemandem beim Anblick von Flüchtlingen nichts anderes einfällt, als reflexhaft »Weg hier! Raus mit euch! Verschwindet! Packt euch!« zu krakeelen und gegebenenfalls ein Pogrom anzuzetteln oder individuell kräftig Hand anzulegen, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, bekommt das Wort Notschlachtung einen verführerischen Klang.
Doch soll man sich seinem Feind – das Wort »Gegner« ist hier fehl am Platz – nicht gemein machen, schon gar nicht in der Wahl seiner Grunzsprache und sonstiger Mittel. Wer Flüchtlinge in lebensgefährdende Situationen, denen sie gerade mühevoll entronnen sind, zurückjagen will, macht sich der versuchten oder vollzogenen Beihilfe zum Mord schuldig und gehört dafür verurteilt und eingesperrt. Verbale Mordbrennerei ist durch das kostbare Gut der Meinungsfreiheit nicht gedeckt.
Dazu kommt, dass die Grölmobber und ihre Anzug tragenden Vorturner gar nicht wissen, was eine Meinung ist; sie lügen bereits, wenn sie das Wort »Ich« nur aussprechen, aber auch das wissen sie selbstverständlich nicht, sonst wären sie ja andere, aber sie haben ja weder von Adorno noch von Rimbaud je gehört. Nennenswerter Gedankengang ist bei ihnen nicht einmal unter dem Mikroskop feststellbar, und wenn die Mischung aus Niedertracht, Dummheit, Gemeinheit und Feigheit einen mangels Masse erfolgenden Hirntod nach sich zöge, hätten die Friedhofsgärtner im Land hunderttausendfach die Hände voll zu tun.
So simpel aber ist es nicht; auch Hundekothaufen sind Teil des Universums. Das ist mitunter maßlos deprimierend; langweilig ist es nicht. Langeweile entsteht durch mediale Vermatschung und Breittretung, gepaart mit Zerstreuung. Wenn die zurecht verneutrummt »Bevölkerung« genannten Massen, die diese Welt tatsächlich weit über Gebühr mit sich bevölkern, vor der Idiotenlaterne sitzen, sich Castingshows aller Art gefallen lassen, sich auch die Werbeblöcke nicht entgehen lassen, mit dieser Information im Rücken eine Meinung zu Flüchtlingen haben und den ganzen Salat dann noch digital kommentieren, ist die Genese zur geistigen Langnese vollzogen.
Bevor ich mich einer Depression ergebe, will ich doch lieber fröhlich in Ärsche treten. Erstaunlich, wie viele Gesäße dem gleichen, das ganz unzutreffend »menschliches Antlitz« genannt wird.
Kinder-Schokolade ... macht den Pimmel grade!
Wie unfruchtbar kotige Braune gegen süßes Braunes stänkern
Ja ja, man weiß es: »Kinder-Schokolade« ist ganz schlimm, Zahnärzte geben sie ihren Kindern, damit sie nach Feierabend noch was zu bohren haben. Und Ferrero vulgo Nestlé ist ein übler, global verheerend wirkungsmächtiger Lebensmittelschurke, dem man das Handwerk legen muss. Und Fußball ist nichts als Kommerz. Ja, das stimmt alles, aber Kindern jeden Alters ist es manchmal trotzdem egal. Die wollen dann ihren »Kinder-Riegel«, auch wenn sie klug genug sind zu wissen, was sie sich da in den Kopf stecken. Zwar achten sie auf gute und gesunde Ernährung, aber Ausnahmen müssen unbedingt sein, Prinzipienreiterei hält doch keine Sau aus. Und mit Leuten, die protestantisch »konsequent!« sind, ist nicht gut Kirschen essen, weder solche aus dem eigenen Garten, vom Markt, vom Biohof und schon gar nicht »Mon Chéri« genannte, womit wir wieder bei Ferrero sind.
Die Süßkrämer von Ferrero verkauften zur Fußball-EM 2016 eine »Sonderedition« ihrer Schoko-Riegel, auf deren Verpackungen Kinderfotos deutscher Nationalspieler zu sehen waren, zum Beispiel von Mario Götze, der so aussah, als hätte er sein Lebkuchentag nie etwas anderes gefuttert, von André Schürrle, dessen langweiliges Aggressions-Ego nicht einmal mit einer Tonne Lollolade befriedigt werden könnte, von Ilkay Gündogan und von Jérôme Boateng. Man kann Werbeständerei egal wofür doof oder stil- und haltungslos finden, man kann auch, wenn man sonst gerade nichts zu tun hat, über »Kinder-Schokolade« und ihren Verzehr durch die erweiterte Zielgruppe die Hände ringen, aber zwei Dinge tut man nicht ungestraft: einem gut gewachsenen, süßen Herforder Bienenkind seinen Schoko-Riegel verweigern und eine italienische Zuckersüßigkeit deutschnational denunzieren.
»Pegida BW – Bodensee« zeigt via Facebook = Fressenkladde ein Foto von zwei Schokolade-Schachteln, auf denen Gündogan und Boateng zu sehen sind. »Vor Nichts wird Halt gemacht«, ächzt es aus der braunen Dummlumpenhölle, und die Pedigaisten versuchen es auch erbärmlich schlapp mit dem, was sie für »Humor« halten und fragen scheinheilig: »Gibt’s die echt so zu kaufen? Oder ist das ein Scherz?«
Für Ferrero ist die kotbraune Attacke ein gefundenes Fressen, um das Verticken der schokobraunen Schore in Kindergärten und auf Schulhöfen in ein antirassistisch aufschimmerndes Licht zu tauchen: »Wir von Ferrero möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit oder Diskriminierung distanzieren. Wir akzeptieren und tolerieren diese auch nicht in unseren Facebook-Communities. Viele Grüße, dein Kinder-Schokolade-Team«, erklärte die PR-Anduz-Abteilung von Ferrero.
Es ist eben alles Kommerz, sogar der prognostizierbare Zahnschmerz. Aber manchmal muss es eben genau das sein. Auf den gekrähten Kinderreim »Kinder-Schokolade / macht den Pimmel grade« möchte ich nicht verzichten müssen, und wenn es schon etwas mit »a« sein muss, dann lieber Viagra als Pegida.
Weichensteller
»Nur über meine Weiche!«, erklärt der Sozialdemokrat mutig und entschieden, und dann stellt er brav und wie ihm geheißen, die Weiche, damit der Zug auch ja pünktlich abfährt, egal in welche Richtung und wen er wohin abtransportiert oder deportiert, aber der Gang der Dinge ist nun einmal der Gang der Dinge und hat oberste Priorität.
Lieblingsklarversprecher
Großes Vergnügen bereitet es mir, jemanden im Brustton der Empörung wettern zu hören, die Deutschen folgten der Regel »Wes’ Lied ich ess’, des’ Brot ich sing’«. Die Folge ist häufig allzu billiges Grinsen und Gelächter der Zuhörerschaft: »Wes’ Lied ich ess’, hahahahaha...!«
Dabei stimmt doch alles an diesem Satz; das akustische Knäckebrot, das aus dem Radio herausbröselt, ist für das menschliche Ohr und die innen angrenzenden Organe hoch gefährlich, der Tod durch Langeweile oder sprachästhetischen Ekel ist stets in greifbarer Nähe. Was als sogenanntes »Brot« vermarktet wird, ist für den Verzehr ungeeignet; wenn man es schon nicht essen kann, bleibt nur der Versuch, es zu singen: »Wes’ Lied ich ess’, des’ Brot ich sing’.«
Deutschland schmeckt nicht (oder allenfalls nutellabraun), es klingt nicht, es swingt nicht, es groovt nicht – es marschiert. Und zwar immer dem hinterher, der schlechte Musik und nicht minder schäbiges Brot verspricht und dieses fade Versprechen auch einlösen wird, sofern man ihn nicht daran hindert.
Nie mehr Frieden mit Xavier Naidoo
Als der Norddeutsche Rundfunk (NDR) als Veranstalter des European Song Contest (ESC) Xavier Naidoo erst einlud, beim ESC zu singen, um ihn dann wieder auszuladen, wirkte das etwas peinlich; Naidoo hätte perfekt zu einer Veranstaltung gepasst, die mit Musik nicht das Geringste zu tun hat. Herbert Grönemeyer kommentiert den Heckmeck kritisch; etliche Kollegen Naidoos aber fühlten sich gleich zu dem Versuch bemüßigt, das schöne Wort »Solidarität« zu entwerten und unterzeichneten eine Hey-du-bist-unser-Buddy-Note an Naidoo, die auf einer ganzen Seite der FAZ als bezahlte Anzeige erschien.
Zu den Unterzeichnern gehörten neben anderen die Heulboje Tim Bendzko; Roger Cicero, der Sinatra für alle, die nie Sinatra gehört haben; der »Becks«-Werbeständer Thomas D; die deutsche Dogge Heinz Rudolf Kunze; die rühmannsche Schmunzelmuffe Jan Josef Liefers, der Dauerangeber und Bild-Palladin Til Schweiger; die Schlagerschreckschraube Christina Stürmer; PUR, deren Sänger Hartmut Engler einmal wie immer viel versprechend und nichts haltend via Bunte verkündet hatte, »an Selbstmord gedacht« zu haben, und – huch! – die Betschwester Antje Vollmer.
Dass Dumme und / oder Gemeine sich mit Xavier Naidoo gemein machen, wundert nicht; nur muss man eben kein Recht auf Meinungs- und Auftrittsfreiheit für ihn erstreiten; beide stehen ihm wie jedem zu, und er kann seinen Quark auch bei den kaiserreichstreuen Irrsinnigen von den »Reichsbürgern« breittreten. »Xavier Naidoo ist ein Künstler, der polarisiert«, teilte der NDR mit; der Satz enthält mindestens zwei schwere Irrtümer. Xavier Naidoo ist kein Künstler, sondern ein Medienmaschinist; es gibt nicht ein Lied oder eine Zeile von ihm, die wert wären, aufbewahrt zu werden, es sei denn aus Gründen der Abschreckung. Wenn Sülze wimmern könnte, hieße sie Xavier Naidoo; verglichen mit der Vorsteherdrüse der »Söhne Mannheims« ist Kindersenf Granit.
Außerdem »polarisiert« Naidoo nicht, er arisiert. »Muslime tragen den neuen Judenstern«, behauptet Naidoo in seinem jüngsten Lied »Nie mehr Krieg«, das in dem Diplomaten in eigener Sache Jürgen Todenhöfer einen willigen Multiplikator fand. Mit sehr viel gutem Willen könnte man Naidoo unterstellen, ihm sei die infame Gleichsetzung von schief angekuckt und vernichtet werden aus Gründen gedanklicher Insuffizienz durchgerutscht und er habe sich nur gegen pauschale Diskriminierung von Muslimen äußern wollen. Es geht aber um eine Selbststilisierung einer Religionstruppe, die angeblich von Völkermord bedroht wird und sich gegen diese Gefahr schützen und zur Wehr setzen muss.
Wer »Nie mehr Krieg« jault und Muslimen gleichzeitig verbal das Tragenmüssen des Judensterns andichtet, will keinen Frieden, und wenn er es noch so beteuert. Die Schmierseife, die Naidoo als »Musik« oder »Gesang« absondert, ist nicht leicht zu ignorieren, aber mit Geistesgegenwart und etwas Energieaufwand kriegt man das gerade noch hin. Wenn aber ein aggressiv Gottgläubischer seinen Antisemitismus als Pazifismus verkauft, ist es – gerade für Pazifisten – Zeit, klar zu sagen, mit wem man um keinen Preis auf einunddemselben Planeten wandeln will.
Je ne suis pas Bild
Es war Freitag, der 13. November 2015. Nach dem Abendessen las ich noch einmal Vincent Klinks prachtvoll aufgemachtes und vor allem umwerfend facetten- und kenntnisreich geschriebenes Buch über Paris – »Ein Bauch spaziert durch Paris« –, um mit einer langen Rezension zum Ende zu kommen.
Der Meisterkoch, Musiker und Autor Vincent Klink richtet sein Augenmerk nicht allein auf kulinarische Freuden; Literatur, bildende Künste, Musik, Schauspiel und sogar die Schneiderkunst geraten in den Fokus eines gleichermaßen geerdeten, stabilen wie neugierigen, wissensdurstigen Betrachters. Wenn Klink Heinrich Heines gültiges Diktum »Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung« zitiert, dann gilt der erste Satz für ihn, auch wenn er ihn niemals für sich reklamierte; der zweite ist meiner Kenntnis nach die treffendste Definition des deutschen Studienrats und Philisters.
»Dichter könnten Nationen retten, aber nur dann, wenn sie auch gelesen und verstanden werden«, schreibt Klink und ergänzt: »Manch einer wird sich an den Kopf greifen, wenn ich Michel Houellebecq für ein großes Kaliber halte. Viele urteilen über ihn, meist abfällig, aber fast keiner hat ihn gelesen. Ich glaube aber, er wird die Zeitläufte überdauern, schon deshalb, weil er so viele Feinde hat. Der Begriff des unverstandenen Genies ist zwar schon schwer angenagt, aber es gibt diese Genialität, die im Verborgenen gedeiht. Leute, die die übernächste Generation vielleicht gebührend feiern wird.«
Und dann geschieht das Entsetzliche: Paris wird von Attentätern in Blut getaucht, 129 Menschen sterben, hunderte werden teils schwer verletzt. Der Ausnahmezustand wird verhängt, die französischen Grenzen werden geschlossen, und die Selbstmordattentäter sind zu tot, um noch aussagen zu können, wer sie schickte. Wie vor den Kopf geprügelt sitzt man da, bestürzt, todtraurig, fassungslos, und um wenigstens etwas Fassungsähnliches wiederzugewinnen, hört, sieht und liest man alles, das auch nur einen Hauch von Information enthalten könnte. Selbst in der trüben Quelle bild.de fischt man und nimmt wahr, dass ein Julian Reichel »unsere Gesellschaft« als »weltoffen und freiheitsliebend« bezeichnet und »unser freies Leben« beschwört; aus der Tastatur des gedungenen Mietlings eines Medienkonzerns, der seinerseits über Leichen geht, für den Menschen nichts als Ware oder Konsumenten dieser Ware sind und dessen Freiheitsbegriff sich in der Freiheit zur Erpressung, zur Bloßstellung und zum Anstacheln niedrigster Instinkte erschöpft, liest sich das wie Perfidie und Perversion.
Bild betreibt auch Ursachenforschung; unter der Überschrift »Ist Houellebecqs Bestseller eine Vorlage für den Terror?« schreibt das Blutblatt: »Eine Terrorwelle erfasst Paris: Gewalt, bürgerkriegsähnliche Zustände, auf der Straße liegen Tote. Die Täter: Islamisten – bereit, für ihre wahnsinnigen Ideen zu morden und zu sterben.
Solche Szenen sind es, die der französische Skandal-Autor Michel Houellebecq (59) in seinem Buch ›Soumission‹ (deutsch: Unterwerfung) beschreibt. Nun wurde aus der Fiktion blutige Realität! Ist Houellebecqs umstrittenes Werk also die Vorlage für die erschütternden Ereignisse am Freitagabend in Paris? (...)
›Unterwerfung‹ spielt im Jahr 2022: Die französische Gesellschaft ist in einem Kulturkampf versunken. Um den Sieg der rechtsextremen Front National zu verhindern, wird der vermeintlich gemäßigte Mohammed Ben Abbes zum ersten muslimischen Staatspräsidenten gewählt, unterstützt durch die Stimmen der Sozialisten und Konservativen. Doch kaum ist Abbes an der Macht, müssen Frauen Kopftücher tragen und dürfen nicht mehr arbeiten, die Christen sollen zum Islam konvertieren, die Polygamie wird eingeführt, nicht-islamische Professoren verlieren ihren Job. (...)
Houellebecq lebt davon, zu provozieren. (…) Wer sich intensiv mit dem Buch beschäftigt stellt fest: Mit dem Titel ›Unterwerfung‹ ist nicht der depressive Ich-Erzähler gemeint. Er wird am Ende zum Islam konvertieren, um weiterhin als Professor arbeiten zu können. Gemeint ist die ›Unterwerfung‹ einer gesamten Nation. Houellebecq rechnet mit einer Gesellschaft ab, die ihre eigenen Werte nicht mehr kennt und ihre Freiheit und Demokratie nicht verteidigt.
›Entscheidend für den Roman ist, dass die politischen Ereignisse, die er beschreibt, psychologisch ebenso überzeugend wie glaubhaft sind‹, schrieb der Gewinner des diesjährigen Welt-Literaturpreises Karl Ove Knausgård in seiner Rezension über das Buch in der New York Times. Das Thema sei nicht der Islam, sondern eine ›Kultur, in der die gemeinschaftlichen Bindungen sich auflösen, und die im Wunsch nach Stabilität, der vor allem anderen rangiert, ihre wichtigsten Werte aufgibt und sich einem religiösen Regime unterwirft‹.
Auch Knausgård bescheinigt Houellebecq, was der immer gesagt hat: ›Im Roman ist alles auf die Spitze gebracht.‹ Also tatsächlich Satire. Das Problem dabei ist nur, dass Satire nur von denen verstanden wird, die Zeit, Lust und den kulturellen Hintergrund haben, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Alle anderen genügt die erste, die offensichtliche Ebene: Der Islam bedroht unsere Gesellschaft, und jeder, der sich dagegen stellt wird zum Schweigen gebracht. Und eine solche Haltung kann mörderische Reaktionen nach sich ziehen.«
Soweit Bild. Formulierungen wie »Skandal-Autor« oder »lebt davon, zu provozieren« sind schon verleumderisch genug; wenn man es für problematisch erklärt, dass zur vernünftigen Rezeption eines Textes ein Minimum an Beschäftigung mit ihm – »Zeit, Lust, kultureller Hintergrund« – notwendig ist, damit es keine »mörderischen Reaktionen« gibt, so gilt das nicht nur für die Leser von Bild, sondern vor allem für ihre Redakteure und Autoren.
Es ist grotesk: Ein viertelalphabetisches Hetzblatt befindet darüber, was ein Schriftsteller schreiben darf und was nicht. Michel Houellebecq hat mit knapper Not einen Bild-Persilschein ausgestellt bekommen; puuh, da hat der Autor aber Glück gehabt.
René Goscinny sei mit uns!
Eine Beschwörung des Geistes
Am 5. November 1977 starb in Paris einer der zurecht gerühmtesten Söhne seiner Stadt: René Goscinny, der Schöpfer und Texter von »Asterix«, des »Kleinen Nick«, von »Isnogud«, »Lucky Luke« und anderem Groß- und Hauptpersonal der gehobenen Unterhaltungsliteratur. Goscinny, den man nicht um des Reimes willen ein Genie nennen muss, wurde nur 51 Jahre alt. Sein Witz und seine Brillanz fehlen dauerhaft (wer »nachhaltig« sagt, kriegt leider Haue), und gerade nach dem Erscheinen des »Asterix«-Bandes N° 36, »Der Papyrus des Cäsar« (Text: Jean-Yves Ferri, Zeichnungen: Didier Conrad), vermisse ich den Esprit Goscinnys, dieses waschechten Parisers, der als Sohn jüdischer Einwanderer und feinstofflicher Meister der Dialoge und Sottisen wie kein Zweiter geeignet wäre, seine Helden Asterix, Obelix, Miraculix und Lucky Luke, also eine perfekt abgestimmte Mischung aus List, Stärke, Zauberkunst und Entschlossenheit, gegen die stinkende Beulenpest des IS ins Rennen zu schicken.
Was sind das – neben viel Ekelhafterem – für erbärmlich verlogene Lutscher: Paris eine Ausgeburt der Sünde nennen und selbst davon träumen, mit 72 Huris pro Nase des Johannes im Bordell »Chez Allah« abzuhängen, was man sich mit dem wahllosen Abschlachten unbewaffneter, wehrloser und an Glaubenskriegen jedweder Nullbirnencouleur unbeteiligter Menschen dann ja auch redlich verdient hat! Der Prophet Mohammed, dem man nachsagt, Tiere so geliebt zu haben, dass er sich einen Ärmel vom Gewand abtrennte, auf dem eine Katze schlief, die er nicht stören wollte, käme dafür als Fünfter in den Bund der Gerechten, und für das kulinarische Unwohl der Mörder, die es bei sich selbst nicht belassen können, wäre auch gesorgt: »Reseda, bring Wein und Mohammettwurst, aber nicht von dem Zeug für Tour- und Terroristen!«, würde ein freundlicher Wirt sagen, während ein chronisch unrasierter Ayatollah sich eingestehen müsste: »Sie sind alle so widerwärtig dumm, und ich bin ihr Chef. (Schluchz)!«
Lucky Luke würde nicht nur weiterhin den Daily Star mit dem rauchenden Colt in der Hand beschützen – »Die Pressefreiheit ist unantastbar!« –, sondern auch für die körperliche und seelische Unversehrtheit jedes mutigen Journalisten und Reporters in der Tradition von Hergés »Tim« einstehen, und ein gut beschwipst »Latürnich!« und »Die spinnen, die Islamisten!« ausrufender Obelix könnte eine Lappen-um-den-Kopf-Wickel-Kopfbedeckungssammlung en gros und de luxe anlegen. Dass die Mörder und ihre Auftraggeber vom IS bis herunter zum strenggläubischen Betbruder keinen Spaß verstehen, heißt ja nicht, dass man sich nicht treffsicher über sie lustig machen soll; das Gegenteil ist der Fall. Wer mit dieser tief humanen Behandlungsweise nicht einverstanden ist, will es nicht anders und muss sich eben polizeilich oder militärisch erschießen lassen; so what? Ein herzliches »Tschüssikowski, Bart- und Arschgesichter!« möge – ja, fromm können wir auch – ihren Weg in den Eigenabgrund begleiten.
Leviathan und Leviten
Satire ist eine Waffe, auch gegen den Antisemitismus
Diejenigen Deutschen, deren »Ehre« sich als »Treue« buchstabiert, sind in einem tatsächlich zuverlässig treu: in ihrem Ressentiment und ihrem Hass auf alles Andere, Abweichende und ihnen Fremde oder fremd Erscheinende. Im Jahr 2015 waren es zunächst die Bewohner Griechenlands, die »uns das Blut absaugen«, dann die Flüchtlinge aus Afrika oder dem Nahen Osten, die »uns« stören, »unsere Kapazitäten sprengen«, und, Platz einnehmend, zum »Volk ohne Leerstandsraum« machen.
Eine Gruppe kann sich des Hasses seitens dieser Deutschen in Permanenz gewiss sein: Juden. »Der ewige Jude« war im Nationalsozialismus ein zu Massenmord und Vernichtung anstiftender und aufstachelnder Kampfbegriff, den der Publizist Henryk M. Broder im Jahr 1986 mit einem Buch konterte, das bis heute zur Pflichtlektüre gehört: »Der ewige Antisemit«.
Geändert hat die kluge, scharfe Streitschrift nichts, der Antisemitismus ist virulent wie immer schon, auch wenn er mittlerweile häufiger geschminkt als ungeschminkt daherkommt. Für ihren Antisemitismus bedürfen deutsche Antisemiten keiner muslimischer Einwanderer; den lassen sie sich nicht nehmen, denn ihre »Ehre« heißt, siehe oben, eben »Treue«, und in diesen Phantomdisziplinen beanspruchen sie die Meisterposition.
Dass in muslimisch geprägten Gesellschaften Antisemitismus als gemeinsamer Nenner ihrer Mitglieder gepredigt und gepflegt wird, ist unbestreitbar, und wenn es sonst keine Gründe gäbe, radikale Islamisten zu bekämpfen, wäre ihr Antisemitismus allein Grund genug. Doch soll man nicht die Balken im Auge anderer betrachten, um dann selbst fein raus zu sein, sondern sein Augenmerk auf die Eigengrütze richten.
»In Österreich«, schrieb ein österreichischer Autor, »sind sogar die Bäume antisemitisch«, und wenn deutsche AfD-Hetzer und Pegida-Aufmarschierer und ihnen nahestehende Medienexistenzen von muslimischen Zuwanderern verlangen, sich den hiesigen Gepflogenheiten gefälligst anzupassen, kann man ihnen nur antworten, dass viele islamische Einwanderer an den Antisemitismus von AfD und Pegida doch längst perfekt angepasst sind.
Nachdem am 7. Januar 2015 in der Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris zwölf Menschen ermordet wurden, ging das Gratisbekenntnis »Je suis Charlie« in Serie. Bild propagierte es, und in den Fenstern der Hamburger Hirnvergeudungsfabrik Gruner & Jahr hing es im Dutzend. Kurz nach dem Mordanschlag auf Charlie Hebdo wurde in Paris auch ein jüdischer Supermarkt überfallen; vier Menschen wurden zunächst als Geiseln genommen und dann ermordet, weil sie Juden waren.
Die Sache ist nicht neu; als palästinensische Mörder 1972 die israelische Olympiamannschaft überfielen, umbrachten, wen sie kriegen konnten und später in einem von ihnen entführten Flugzeug zuallererst wissen wollten, wer von den Passagieren Jude sei, betrieben sie Selektion in der Tradition der SS.
Wenn nach dem 139fachen Mord am 13. November 2015 einem Mitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland nichts anderes einfällt, als die Attentate in vollem Ernst als »Anschlag auf den Islam« umzucodieren, zu interpretieren und zu werten, scheint mir diese licht- und empathielose, weinerliche Selbstbesessenheit viel eher ein ahndungswürdiges Delikt zu sein als ein bisschen kleinkriminelles Klauen oder Drogenverticken. Zumindest zu einem lebenslangen Schweigegelübde sollte man notorische »Die wahren Opfer sind immer noch wir!«-Schreihälse deutlich ermuntern.
Es ist immer hohe Zeit, gegen den Antisemitismus jedweder Couleur mit etwas forcierterem Humor zu Werke und den Antisemiten mit Brains an ihre Lederbirnen zu gehen. »They ain’t making Jews like Jesus any more, they don’t hold the other cheek the way they did before«, sang der jüdisch-texanische Country-Songwriter Kinky Friedman schon Anfang der 1970er Jahre.
Ich beantrage hiermit, Friedmans Humor und Esprit verpflichtet, Titelschutz für zwei deutschsprachige, auch kulinarisch orientierte Satirezeitschriften mit den Titeln Leviathan und Leviten und Das finden Sie wohl auch noch itzig, was? mit Eckart Itzigmann als spiritus rector; dies allein schon um zu erfahren, wer nach einer antisemitischen Attacke auf die Redaktionen mit den Parolen »Je suis Levi«, »Heute sind wir alle itzig« oder »Bin ich nicht furchtbar itzig?« aufwarten oder mit mir in einen alten Bob Marley-Song einstimmen würde: »Itizgman vibration, ah ah positive...«
Bier, Rassismus, AKW
Auf einem Bierdeckel kann man nicht nur wie Friedrich Merz eine Steuergesetzgebung notieren oder, wie ein begnadeter Fussballspieler, eine ganze gegnerische Mannschaft austanzen; man kann einen Bierdeckel auch bedrucken, zum Beispiel mit den schwarz auf gelb geprinteten Buchstaben »Kein Bier für Rassisten! Fußball. Bier. Weltoffenheit.«
Meine erste Reaktion auf diese Initiative der Fan-Abteilung des BVB 09 war ein inneres, skeptisches Lachen: Ja klar, und davon verschwinden die Rassisten dann, so simpel ist das. Einfach kein Bier mehr an sie ausschenken, und schon sind sie geläutert und quasi nicht mehr vorhanden.
Das ist aber zu kurz gedacht; der Alkoholentzug gegen Rassisten ist unter Fußballfans eine soziale Abwertung und deshalb richtig; vor und nach dem Spiel gemeinsam Bier trinken – ich rede nicht über Sturzbesäufnisse – gehört für viele Fans zum Fußball dazu wie die Frikadelle beziehungsweise, münteferisch gesprochen, »gehört da mit bei«, und wer nicht mitmachen darf, ist draußen. Ein mieser Spruch über »Schwatte«, wie man Schwarze im Ruhrgebiet nennt, und der rassistische Fitti darf sich am Büdchen allein oder mit seinesgleichen ein tristes Dosenbier in den braunen Schlund gießen.
Alkohol senkt die Hemmschwellen und erhöht bei gewaltbereiten Gestalten den dringenden Wunsch, davon auch Gebrauch zu machen; die meisten der braunen Männchen, die Flüchtlinge, Asylbewerber und Menschen mit nichtweißer Hautfarbe verbal oder physisch attackieren, gefährden, verletzen und im schlimmsten Fall um ihr Leben bringen, haben sich das, was sie »Mut« nennen, weil sie keinen haben, zuvor systematisch und gezielt angesoffen. Sollten die promillegesättigten Hetzer, Schläger und Brandstifter nach vollbrachter Straftat erwischt und verhaftet werden, reden sie sich mit juristischer Hilfe auf verminderte Schuldfähigkeit heraus.
Das Gegenteil ist richtig; wer sich absichtlich abfüllt, um Gemeinheiten oder Verbrechen zu begehen und hinterher alkoholbedingt von nichts gewusst haben will, sollte – zack! – noch einen Strafzuschlag obendrauf bekommen, und die Höllen eines kalten Entzugs möge man ihm auf keinen Fall ersparen. Rassisten, ob sie eine politisch gemeinte Glatze auf dem dicken Hals oder feinen Zwirn tragen, sind hinterhältig und feige, und die Strategie des »Ich schütte mich zu, dann kann mir keiner« muss und kann man unterlaufen.
Wenn ein seit Ewigkeiten mit Stadionverbot geächteter Sonnenbanknazi wie »SS-Siggi«, der für »Die Rechte« in Dortmund den Mann der Politik simuliert, mit dem BVB zu werben versucht – »Vom Stadion direkt ins Rathaus« –, bekommt er das juristisch und bei Strafandrohung untersagt und muss die entsprechenden Plakate auf eigene Kosten wieder abreißen oder entfernen lassen. Manchen Antifas ist das zu wenig und viel zu lasch, aber auf längere Sicht ist der Ausschluss vom sozialen menschlichen Leben eine wirksame Waffe.
Dies alles runkelte mir durch die Rübe, als mir die Bedienung in einem Dortmunder Fußballlokal ein AKW auf den schwarz-gelben Bierdeckel stellte; AKW ist die Abkürzung für AlKoholfreies Weizenbier und für Rassisten viel zu schade.
Schon oder erst?
Die Regionalzeitung titelt: »Räuber sprengten 2017 schon 50 Geldautomaten in NRW«.
Immerhin einmal eine Nachricht und kein rein personalisiertes Wiedergekäue von Trump, Merkel, Schulz et cetera-egal als Ersatz für politische Analyse, kein Tratschbreitgelatsche von Plastic People wie Silbereisen / Fischer, Bushido, Schöne- und Katzenberger alias Böhmermann, sondern eine Nachricht: 2017 in NRW bislang 50 Geldautomaten gesprengt.
Der einzige Makel war die Verwendung des Wortes »schon«, das selbstverständlich »erst« heißen muss. Möglicherweise klappt es ja beim nächsten Mal. Aber das Hotzenplotzwort »Räuber« ist wirklich schön. Danke.
Eine Welt in Wahn und Waffen
»Das ist eine Waffe.« Die uniformierte Frau am Flughafen Edinburgh sagte das selbstverständlich auf englisch: »This is a weapon.« Unsinn blieb es dennoch; sie sprach von dem kleinen Zigarrenschneider beziehungsweise Cutter, den ich, wie auch Streichhölzer, ein zwei kubanische Zigarren, Notizbuch, Stifte und ein paar Kastanien in meiner Umhängetasche stets mit mir führe.
Das kleine Schweizer Taschenmesser hatte ich – Was blieb mir übrig ? – in der Reisetasche verstaut; man hatte mir schon einmal ein ganz winziges Exemplar, ein Mitbringsel für einen achtjährigen Jungen, wegkonfisziert oder, nennen wir es beim Namen, gezogen, gezockt, gestohlen, geklaut, und selbst eine Nagelfeile aus Holz oder eine Hornhautraspel waren schwere, lebensgefährliche Waffen in einer rettungslos verrückt geworden Welt, in der es als ernst zu nehmendes Katastrophenszenario und nicht als paranoide Wahnidee gilt, dass man einen Piloten zu Tode maniküren oder pediküren könnte, aber wahrscheinlich sind Katastrophenszenarien und paranoide Wahnideen ohnehin zu 100 Prozent identisch. Mit Kinky Friedman gesprochen: »Militärische Intelligenz ist ein Widerspruch in sich selbst.«
Meine wahren Waffen – Notizbuch und Stift – blieben als solche unerkannt, unbeanstandet und unangetastet, aber der Zigarrenschneider hatte offenbar den Nimbus und Hochgefährlichkeitsrang von Plastiksprengstoff erreicht. Noch niemals hatte ich an einem Flughafen ein Mitnahmeproblem mit dem kleinen, nützlichen Gegenstand gehabt und trug das auch, innerlich zwar relativ fassungslos, äußerlich aber sehr gefasst vor, doch die Uniformierte blieb dabei: »This is a weapon.«
Schade, dass ich eine Frau vor mir habe, dachte ich; einem Mann hätte ich in geflissentlicher Tücke beipflichten können: »Ja Sir, Sie haben vollkommen Recht. Ich könnte beispielsweise gerade Sie dazu ermuntern, Ihren Penis in die Öffnung des Zigarrenschneiders zu zwängen und das entsprechend mickrige, allenfalls pinkeltaugliche Teil dann abknapsen. Das wäre vielleicht nicht schade drum und keine Träne wert, aber doch eine ziemlich blutige Angelegenheit, und wer soll dann die Wäsche waschen und den Boden sauberwischen? Es wird wohl wieder an mir hängenbleiben. Einmal Zivildienstleistender, immer Zivildienstleistender.«
Also überließ ich der Uniformierten seufzend – Michael Crichton hätte gesagt: »Guiterrez zuckte die Achseln« – den Cutter, den sie entweder selbst gut brauchen konnte oder, wahrscheinlicher, als fanatische Nichtraucherin angeekelt und mit spitzen Fingern in eine Tonne werfen würde.
Man kann, wenn man zu etwas Richtigem nicht imstande ist, alles simulieren: Liebe, Anteilnahme, Sorge, Sicherheit und Arbeit. Ich ziehe eine gute, ehrliche Arbeit vor, und so hörte ich nach meiner Rückkehr eines meiner liebsten Lieder, den »Workingman’s Blues #2« von Bob Dylan, in dem es heißt:
»My cruel weapons have been put on the shelf
Come sit down on my knee
You are dearer to me than myself
As you yourself can see...«
Handreichung zu Pogrom und Mord
»Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücken führen, einen Stein um den Hals hängen, ihn hinabstoßen und sagen: Ich taufe dich auf den Namen Abrahams.« Martin Luther, Tischreden (Nr. 1795)
Das monatlich veritableren Presseerzeugnissen beigegebene evangelische Magazin chrismon unterhält auch einen »chrismonshop«, in dem man telefonisch oder digital Waren für den Erlösungsbedarf erwerben kann: Kerzen, die »Wortlicht« genannt werden, weil sie auf der Oberfläche mit christlicher Losung aufwarten: »Ich stehe in unmittelbarem Kontakt zu Gott«, heißt es in so ur- wie unchristlicher Hybris, eine weitere Durchhalteparole lautet »Ich bin wertvoll, genau so, wie ich bin«; wenn die Binse stimmt, wozu muss man sie dann in eine Kerzenrinde ritzen? »Ich übernehme Verantwortung für mich und meine Mitmenschen«, pfadfindert ein weiterer der vielen guten Vorsätze, mit denen der Weg zur Hölle gepflastert ist, und abgerundet wird das matt und lasch funzelnde Lichtangebot der Christenheit mit dem blusenoffenen Bekenntnis »Ich bin innerlich frei und nur der Liebe verpflichtet«; »innerlich« ist hier der Scheitelpunkt, von dem alles weitere abhängt.
Wortschmonzetten im Jargon der Innerlichkeit gibt es im »chrismonshop« auch ganz klassisch auf Papier gedruckt, und da wird geluthert nach und mit allen Kräften: Erwerbbar sind u.a. »Schlag nach bei Luther – Texte für den Alltag«, herausgegeben von der zuverlässig grundangel-evangelischen Margot Käßmann, »Bilder von Luther – Annäherungen an den Reformator«, mit Texten von Malu Dreyer, Harald Martenstein u.a.; bei »Annäherung« auf dem Buchtitel muss ich immer an das noch zu schreibende Welt- und Menschheitsverständigungsbuch »Knallt sie ab, die Schweine! Versuch einer Annnäherung« denken. »Luthers Paradiesgarten« wird ebenso vorgestellt wie »Luthers Küchengeheimnisse« gelüftet werden; einen Luther-Titel allerdings kann man im »chrismonshop« nicht bekommen: Luthers Schrift »Von den Juden und ihren Lügen« in der gültigen, vom Autor selbst erweiterten zweiten Ausgabe von 1543.
Dieses Buch, in dem Luther sich völlig offen als schäumender, rasender und vollends überzeugter Antisemit zeigt, ist seit knapp 500 Jahren alles andere als ein Geheimnis; gelesen wurde es immer, und nur wenige Leser nahmen Anstoß. Einer von ihnen, der Philosoph Karl Jaspers (1863-1969), schrieb: »Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern.«
Das ist weder polemisch noch sonstwie übertrieben; auf Luther berief sich während der Nürnberger Prozesse 1946 explizit auch Julius Streicher, Herausgeber des Stürmer, und brachte zum Zweck seiner Verteidigung vor: »Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir z.B. ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde. In dem Buch ›Die Juden und ihre Lügen‹ (= ›Von den Juden und ihren Lügen‹) schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht. Man solle ihre Synagogen niederbrennen, man solle sie vernichten.«
Hierin sprach der Berufslügner, Denunziant, Demagoge und Hetzer Streicher die Wahrheit über den »Dr. Martin Luther«, wie er ihn gleich dreimal in ehrerbietender Absicht nennt. »Von den Juden und ihren Lügen« ist eine Handreichung zum Pogrom, eine Anweisung für und eine Rechtfertigung von Massenmord. Luther forderte die Verbrennung der Synagogen, ein Lehrverbot für Rabbiner bei Androhung der Todesstrafe, Aufhebung der Wegefreiheit für Juden, die Zerstörung ihrer Häuser und ihre Zwangsunterbringung, die Wegnahme ihrer religiösen Bücher, ihre Zwangsenteignung und Zwangsarbeit.
Luthers Pamphlet geht über zeittypische antisemitische Ressentiments, die sich bis heute erhalten haben, weit hinaus: seine Forderungen nach mit Gewalt durchzusetzender Unterdrückung der Juden bis hin zu ihrer Ermordung sind konkret gemeint und aufzufassen. Verstanden wurde Luther nicht nur von den Nationalsozialisten, die seine antisemitischen Vernichtungsphantasien im alten lutherischen Geist mit modernsten Mitteln umsetzten; seine gedruckte Hetze war ein populäres Vademecum, wann immer es galt, die ältere jüdische Weltanschauungskonkurrenz auszuschalten. Was Luther verlangte, wurde Jahrhunderte später »Arisierung« genannt, und dazu war Luther wie seinen Nachfolgern jedes Mittel der Verleugnung und Denunziation recht.
Luther bezichtigt die Rabbiner, »vorsätzliche Lügner und Lästerer der Gottesworte« zu sein, nennt die Juden ein »böses, ärgerliches gotteslästerliches Volk«, Leute, die, »selbst wenn sie 100.000 Jahre lang lügen sollten und alle Teufel zu Hilfe nähmen, trotzdem für immer mit der Schande leben müssten« für das »Fluchen und Lästern aus dem Herzen und Maul des Juden«, »denn was weder die Vernunft noch das menschliche Herz erfasst, das wird erst recht nicht das verbitterte, bösartige, blinde Herz der Juden begreifen.« Man kann diese wahre Lutherbibel, diesen Nibelungenschrein des Judenhasses auf jeder x-beliebigen Seite öffnen und wird immer sofort fündig; Luther inszeniert sich als Rächer mit Feuer und Schwert, der die Mär vom »Mord an unserem Herrn Jesus Christus« so lange repetiert, bis er seine neiderfüllte Niedertracht für den höchsten Ausdruck christlicher Liebe hält. Da könnte etwas dran sein; in der mörderischen Intention seiner antijüdischen Raserei ist Luther ganz bei sich, selbstzufrieden, selbstgewiss und gottgefällig sich dünkend, ein Protestant reinsten Abwassers.
In Zeiten, in denen angeblich aufgeklärte Mitteleuropäer die Liebe zum Islam entdecken und davon schwärmen, wie schön es sei, einem muslimischen Schwiegervater sein Patriarchenhändchen abzuküssen und in denen die schon erwähnte Frau Käßman nach jedem islamistisch motivierten Mordanschlag den Tätern ihre Geschwisterhand darreicht, darf man sich über die Salonfähigkeit des Antisemitismus nicht wundern, wie ja das antisemitische Ressentiment überhaupt für viele ein für Menschen unbegreiflicher, aber manifester Reflex ist. Die Behauptung, dass man hierzulande »ja nichts gegen Juden sagen dürfe«, gehört längst zur Grundausstattung aller Antisemiten, die selbstverständlich »nichts gegen Juden haben«, nur Israel gerne in einen jüdischen Friedhof verwandelt sähen.
Dem Aschaffenburger Alibri Verlag, in dem auch Bücher von Karlheinz Deschner und Denis Diderot erscheinen, gebührt das Verdienst, Luthers Text erstmals in heutigem deutsch zu präsentieren; linksseitig liest man ein Faksimile des Originals, rechts den Text in gewohnter Typographie. Der Inhalt bleibt, weil zu widerwärtig, dennoch schwer zu lesen. »Ich hatte mir wirklich vorgenommen, nichts mehr über oder gegen die Juden zu schreiben«, heuchelt Luther los, um dann von der ersten Zeile bis zum letzten Amen seine Sprach- und Wirkungsmacht wider das Judentum in Stellung zu bringen. Der Rest ist braune Geschichte und Gegenwart, nur kann eben kein »Lutherliebhaber«, wie chrismon solche Kundschaft nennt, noch länger die Lüge aufrecht erhalten, er oder sie hätte »es nicht gewusst«. Schließlich ist Luthers »Von den Juden und ihren Lügen« seit Jahrhunderten ein verlässlicher Lesespaß für die ganze deutsche, protestantische Familie.
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