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Naturheilverfahren bei
Borreliose
Werner Kühni • Walter von Holst
Naturheilverfahren bei
Borreliose
Krankheitsbild, Diagnose
und praktische Anwendungen
AT Verlag
5. Auflage, 2016
ISBN E-Book 978-3-03800-092-1
www.at-verlag.ch
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Aus eigener Erfahrung
Gesundheit als erfolgreiche Regulation
Regulation als Grundprinzip der Medizin
Regulation
Adaption als Funktion der Regulation
Das Immunsystem als eine Form der Regulation
Angeborene und erworbene Immunabwehr • Bestandteile des Immunsystems • Ablauf einer Immunreaktion • Reifung und Alterung des Immunsystems • Störungen und Erkrankungen des Immunsystems • Symbioselenkung mit Flohsamen
Infektionen und Infektionserkrankungen
Lebenskraft und Abwehr
Einflüsse auf das Immunsystem
Sonnenlicht zur Stärkung des Immunsystems
Das Immunsystem schädigende Faktoren
Die Impfung • Das Beispiel der Polioimpfung
Systemische Erkrankungen als Folge einer Abwehrschwäche
Verbesserung der äußeren Bedingungen • Das geistige Milieu
Borreliose und systemische Erkrankungen
Erkrankungen durch Spirochäten
Borreliose
Borreliose als systemische Erkrankung
Zur Geschichte der Borreliose und der symptomidentischen Erkrankungen
Die Eigenschaften der Borrelien
Die wichtigsten Borrelien
Verbreitung des Erregers und Meldepflicht
Verbreitung der Borreliose-Erkrankung
Borreliose ohne Beschwerden? • Übertragung der Borreliose
Zecken und ihre Biologie
Lebensraum und Aktionsradius der Zecke
Lebenszyklus der Zecke
Zeckenbisserkrankungen
Das Krankheitsbild
Erkennen der Borreliose beim Menschen
Labor-Testverfahren
Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion)
Krankheitsverlauf und Symptome
Stadium 1 – Frühstadium
Disseminiertes Stadium 2
Stadium 3 – Spätphase der chronischen Infektion
Klinische Differenzialdiagnose zur Borreliose
Borrelioseähnliche Syphilis und Frambösie • Borrelioseähnliche Kinderlähmung (Poliomyelitis) • Therapieresistente Borrelioseerkrankungen: Post-Lyme-Syndrom oder Post-Treatment-Lyme-Syndrom • Highly Sensitive Syndrom oder»Highly Sensitive Person« (HSP)
Borreliose bei Tieren
Labor-Testverfahren beim Tier
Diagnose der Borreliose
Anamnese
Die paradoxe Reaktion
Kinesiologischer Muskeltest
Dunkelfeldmikroskopie
Alternative elektrische Testverfahren
Elektroakupunktur • Bioresonanzverfahren • Radiästhetische Testverfahren
Schulmedizinische Therapie der Borreliose
Antibiotikabehandlung
Therapienebenwirkungen und Antibiotika
Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion
Die negative Geschichte der Antibiotika
Darmsymbiose und Symbioselenkung
Schäden der Darmflora und iatrogene Erkrankungen
Die funktionierende Darmflora
Symbioselenkung
Ablauf der Symbioselenkung • Symbioselenkung mit Flohsamen
Metallvergiftungen und Impfstoff-Adjuvanz
Die Impfproblematik
Sekundärinfektionen bei Borreliose
Pilzinfektionen und Pilzerkrankungen
Zur schulmedizinischen Pilzbehandlung
Schulmedizinische Prognose der Borreliose
Impfung gegen die Borreliose
Vermeiden von Zeckenbissen
Entfernen von Zecken
Therapeutische Ansätze der Alternativmedizin
Trinkverhalten und Wasserqualität
Die wichtigsten alternativmedizinischen Ansätze
Ausleitung, Entgiftung und Gewebeentsäuerung
Abtötung der Erreger
Symptomlinderung
Der Säure-Basen-Haushalt
Behandlung von Sekundärerkrankungen
Abwehr- und Immunstärkung
Psychische Stabilisierung
Minderung der Herxheimer-Reaktion
Besserung der Lebensqualität
Alternativmedizinische Prognose der Borreliose
Der therapeutische Ansatz mit Naturheilverfahren
Kolloidales Silber bei Borreliose
Steinheilkunde bei Borreliose
Klinoptilolith bei Borreliose
Phytotherapie
Aromatherapie
Die Nasale Reflextherapie mit ätherischen Ölen
Die Reflexzonen der Nase
Homöopathie
Zusätzliche therapeutische Maßnahmen
Überwärmung (Hyperthermie)
Dampfbad oder Sauna • Infrarotsauna • Überwärmungsbad • Auslaugebad • Fangopackung
Was bei der Schwitzkur zu beachten ist
Frische Luft und Sonnenschein
Ausreichender Schlaf
Körperliche Bewegung
Die S/C-Therapie: Natursalz und Vitamin-C-Pulver
Prognose der ganzheitlichen Behandlung einer systemischen Erkrankung
Durch Borreliose ausgelöste Erkrankungen und Symptome und ihre alternative Behandlung
Erkrankungen und ihre Behandlung
Borreliose-Symptome und ihre Behandlung
Sekundärerkrankungen und ihre Behandlung
Alternativmedizinische therapeutische Ansätze
Moderne Steinheilkunde als medizinische Alternative
Techniken der Steinheilkunde
Kolloidales Silber
Herstellung des kolloidalen Silbers • Herstellung mit dem Hochvoltverfahren • Qualitätskriterien • Wirkungsprinzip • Innere Anwendung • Indikationsbereiche • Kolloidale Metalle
Wichtige Heilsteine bei Borreliosesymptomen
Heilsteine und Öle
Kombinationen von Heilsteinen und Ölen
Anwendungstechnik von Heilsteinen und Ölen
Zeolithe zur Trinkwasserreinigung
Heilsteine zur spezifischen Ausleitung von Metallgiften
Myron-Heilsteinessenzen bei Borreliose
Bhasma des Ayurveda bei Borreliose
Die Edelstein-Bhasma-Essenzen
Borax als Methode der Steinheilkunde
Klinoptilolith bei Borreliose
Ätherische Öle bei Borreliose
Indischer Weihrauch bei Borreliose
Heilpflanzen bei Borreliose
Bachblüten-Essenzen und ihr Einfluss auf den Gemütszustand
Homöopathische Mittel bei Borreliose
Biochemische Salze nach Dr. Schüssler bei Borreliose
Nahrungsergänzungsmittel bei chronischer Borreliose
Wichtige Spurenelemente
Anhang
Metallvergiftungen und ihre Sympome
Das Immunsystem
Zelluläre Bestandteile des Immunsystems • Humorale Bestandteile • Unterscheidung nach Ausdehnung der Infektion • Stumme Infektionen • Immundefekte • Die überschießende Immunantwort
Homöopathie
Miasmenlehre • Borreliose, die neue Syphilis • Verlauf und Dauer einer homöopathischen Behandlung • Homöopathischer Anamnesebogen
Entgiftungskur
Schema der sechswöchigen Entgiftungskur
Literaturverzeichnis
Internet
Adressen und Bezugsquellen
Die Autoren
Stichwortverzeichnis
Vorwort
In der Schulmedizin richtet sich die Therapie der Borreliose ausschließlich auf die Abtötung der Borrelien mittels Antibiotika, was jedoch in den wenigsten Fällen einen nachhaltigen Erfolg zeitigt. Ebenso problematisch erscheint die schulmedizinische Therapie von Epstein-Barr und ähnlichen Infektionserkrankungen. Die alternative Medizin richtet ihre Therapie dagegen in erster Linie nach den Störungen im System des körpereigenen Milieus und der Gleichgewichte aus. Diese Störungen im Organismus müssen zuerst erkannt und eliminiert werden. Danach ist es wichtig, wieder eine sinnvolle Regulation der körpereigenen Abwehr zu erreichen und dem Körper zu helfen, die im Zuge der Abwehr unschädlich gemachten oder von den Abwehrzellen »aufgefressenen« Elemente wieder auszuscheiden.
Je stärker die körpereigenen Regulationsprozesse gestört sind, desto leichter fällt es einem Krankheitserreger, sich in diesem gestörten Milieu einzunisten, sich auszubreiten und sein zerstörerisches Werk zu vollbringen. Leider bringt unsere heutige, in vielen Belangen unnatürliche Lebensweise eine zunehmende Zerstörung körpereigener Regulationsprozesse mit sich. Giftstoffe belasten unser Essen und Trinken, die Kleidung, die Wohnungseinrichtung und die Arbeitsumgebung, und dadurch auftretende Störungen bekämpfen wir weiter mit Medikamenten, die nicht nur die Entgiftungsorgane schädigen, sondern weitere Regulationsprozesse unterdrücken. Die Anzahl der zivilisationsbedingten Erkrankungen ist so hoch wie noch nie und steigt stetig an, und trotzdem feiert die »naturwissenschaftlich« orientierte Schulmedizin ihre Erfolge mit der Illusion, bald »alle Krankheiten« ausrotten zu können.
Erst wenn die Störfaktoren eliminiert sind und die körpereigene Abwehr wieder funktioniert, kann eine sinnvolle symptomorientierte Behandlung erfolgen. Da viele Symptome der Borreliose die Lebensqualität massiv einschränken, ist es für die Patienten meist am wichtigsten, diese Einschränkungen zu vermindern und langfristig zu beseitigen.
Der symptomorientierte Ansatz kann je nach Therapeut unterschiedlich sein. Deshalb gehen wir in diesem Buch neben der Stärkung des Immunsystems und der Lebenskraft vor allem auf die Therapie der vielfältigen Symptome der Borreliose im Einzelnen ein, um damit der individuellen Ausprägung der Borrelioseerkrankung gerecht zu werden und entsprechende Behandlungsschemata anzubieten.
Eine wichtige Stellung bei der Behandlung von Borreliose nimmt nach unserer Erfahrung der Einsatz von kolloidalem Silber ein, der sich in den letzten Jahren als sehr erfolgreich erwiesen hat. Hinzu kommt bei unserem Ansatz die Verwendung spezieller ätherischer Öle, Enzyme, Heilsteine, Homöopathika, Pflanzenauszüge, Schüsslersalze, Spurenelemente, Vitamine und Weihrauch, je nachdem, welche Organe betroffen sind und welcher Symptomverlauf vorliegt. Neben dem medikamentösen Einsatz ist die Ausscheidung der immunsystemstörenden Gifte sowie der abzubauenden Bakteriengifte wichtig; dabei spielt die energetische Qualität und Menge des Trinkwassers eine entscheidende Rolle.
Ebenso wichtig ist schließlich die therapeutische Kontrolle der Rückgewinnung der »Lebensqualität«, der Giftausscheidung und der systemischen Verbesserung; nur durch die Verlaufskontrolle lässt sich eine realistische Prognose eines therapeutischen Erfolges machen.
Aus eigener Erfahrung
2003 erlitt ich einen untypischen Herzanfall mit dramatischer Symptomatik, von dem ich mich nur sehr langsam erholte und der die Ärzte an die Grenze ihrer Erkenntnis brachte. Erst nach zwei Jahren, nach Krankschreibung, einer Kur und einer vorläufigen Frühberentung, kam meine Psychotherapeutin auf die Idee, es könnte sich um eine Borreliose handeln. Von da an besserte sich mein Gesundheitszustand unter der Einnahme von kolloidalem Silber zusehends. Ich gewann langsam wieder an Kraft, und vor allem zeigte sich eine Besserung meiner ausgeprägten Sprachstörungen und der gestörten Gedächtnisleistungen.
Das zugrunde liegende therapeutische System habe ich in diesem Buch beschrieben und anhand der Erfahrungen aus vielen weiteren Krankheitsfällen der letzten Jahre zunehmend verfeinert, sodass es heute allgemein reproduzierbar ist.
Im Laufe der letzten Jahre habe ich die Erfahrungen von inzwischen über 300 an Borreliose erkrankten Menschen ausgewertet, und vieles davon ist in dieses Buch eingeflossen.
In den Jahren zwischen 2007 (1. Auflage) und 2016 (4. Auflage) wurden viele neue therapeutische Erkenntnisse zur Behandlung der Borreliose gewonnen, wobei die Facebook-Gruppen seit 2012 eine große Rolle spielten. Ich habe in diesen Jahren mehrere Facebook-Gruppen täglich regelmäßig betreut und Fragen beantwortet, daneben habeich mich unregelmäßig an weiteren Gruppen beteiligt. Die Erfahrungen dieser Facebook-Gruppen (30 000 Fragen von 20 000 Mitgliedern) flossen in die erweiterte Neuausgabe ein.
In diesen Jahren wurden über 30 000 Fragen von etwa 20 000 Mitgliedern gestellt – und tausende Bilder gepostet. Die Therapie der Borreliose wurde dadurch positiv beeinflusst und entsprechend immer mehr abgesichert. Gleichzeitig wurde auch die Dosierung der alternativen Arzneimittel verändert, denn man konnte auf Informationen zurückgreifen, die zuvor in diesem Umfang nicht zur Verfügung standen. Auch der alternative Ansatz der Borreliose-Behandlung hat sich in dieser Zeit erweitert. Neben kolloidalem Silber, Klinoptilolith und Karde haben sich Borax und Kurkuma, aber auch die neuen Mittel in der Homöopathie, die »homöopathischen Edelsteine« und die »Lanthanoide« in der Therapie bewährt. Dazu wurde die Anwendungsbreite der Steinheilkunde vergrößert und abgesichert.
Werner Kühni
Stockheim, Dezember 2015
»Die Kontroverse in der Lyme-Krankheitsforschung ist eine beschämende Angelegenheit. Die ganze Sache ist politisch verdorben. Das Geld geht an Leute, die in den vergangenen 30 Jahren immer das Gleiche hervorgebracht haben, nämlich nichts!«
Willy Burgdorfer, 1925–2014,
Entdecker der Erreger der Lyme-Borreliose
Gesundheit als erfolgreiche Regulation
Regulation als Grundprinzip der Medizin
Borreliose wird allgemein als eine relativ neue und nur schwer zu behandelnde Erkrankung dargestellt, die das ärztliche Können massiv fordert und die betroffenen Patienten vor große Probleme stellt. In der Schulmedizin geht man davon aus, dass Borreliose nichts anderes als eine durch Bakterien übertragene Erkrankung ist, die wie andere bakterielle Erkrankungen zu behandeln ist. Damit ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, wann ein entsprechender Impfstoff oder ein spezifisches Medikament gefunden wird, um Borreliose wie viele andere Infektionskrankheiten scheinbar auszulöschen.
Dabei wird übersehen, dass Borreliose vor allem eine Erkrankung einer massiv gestörten Regulation und damit vor allem eine Erkrankung des geschwächten Immunsystems und somit die Schwächung des Immunsystems nicht die Folge der Borreliose ist. Geht man von diesem Gedanken aus, kommt man bei der Diagnose und Therapie der Borreliose zu einem vollkommen anderen Ansatz. Die Borreliose gliedert sich damit in die Reihe der systemischen Erkrankungen ein und muss daher auch wie eine systemische Erkrankung behandelt werden.
Geht man davon aus, dass Borreliose früher unter anderen Bezeichnungen behandelt wurde, und das mit Erfolg, ist es wichtig nachzuforschen, wie symptomähnliche Erkrankungen behandelt wurden und welche Erklärungen damals gegeben wurden. Schon mehrfach wurde im Lauf der Medizingeschichte gezeigt, dass systemische Erkrankungen nur und ausschließlich durch eine Stärkung des Immunsystems und unter Berücksichtigung des ganzen Menschen behandelbar und auch heilbar sind.1
Die medizinische Unterscheidung der Borreliose oder einer symptomidentischen oder symptomähnlichen Erkrankung nach einem der verschiedenen Untertypen macht bei einer systemischen Erkrankung keinen Sinn; ebenso wenig ist es sinnvoll, eine symptomidentische oder symptomähnliche andere systemische Erkrankung unterschiedlich zu behandeln. Die Erfolge medizinischer »Außenseiter« bei der Behandlung der Borreliose und anderer systemischer Erkrankungen geben diesem Ansatz Recht.
Regulation
Die Regulation ist ein universelles Prinzip alles Lebendigen, das nicht nach dem Prinzip von Belohnung oder Bestrafung funktioniert, sondern viel subtiler nach jenem des Ausgleichs. Dem sich erst langsam ausbreitenden Konzept der Regulationsmedizin steht das schulmedizinische Denken gegenüber, das sich im Schwarz-Weiß-Schema von positiv (Belohnung) und negativ (Bestrafung) ausdrückt. Maßnahmen, die den Körper unterstützen sollen, führen deshalb im Rahmen der Schulmedizin zu dessen Entmündigung.
Jede Medikation, welche die körpereigene Regulation umgeht, hinterlässt nach dem Absetzen der Präparate – in der Regel durch die zusätzliche Belastung der Entgiftungsorgane – ein noch stärker entgleistes System. Die Anforderung an den Organismus, ein gesundes Gleichgewicht wiederherzustellen, ist gestiegen, die Kompetenz dazu ist jedoch gesunken. Der Sinn der Medikation sollte aber darin bestehen, die Regulation zu unterstützen, sie wieder zu ermöglichen, damit irgendwann die Medikamente abgesetzt werden können.
So verbessert Aspirin beispielsweise nicht die Kompetenz des biologischen Systems, mit der Disregulation des Blutdrucks oder der Hirndurchblutung sowie des hormonellen Geschehens umzugehen, sondern macht den Körper zunehmend von Eingriffen von außen abhängig. Am deutlichsten ist dies bei Antibiotika oder Steroiden zu beobachten. Die Gabe eines Antibiotikums oder Kortikoids folgt dem Gedanken der »Ausrottung«, der alle körpereigenen Regulationskreisläufe ignoriert – mit den bekannten Folgen für die Immunabwehr und die Störung der Verdauung.
Die Ultima Ratio der modernen Medizin ist oft immer noch die Chirurgie. Doch der Großteil der chirurgischen Eingriffe ist nicht notwendig2 und führt oft zu unnötigen Komplikationen.3
Wie muss nun eine Medizin aussehen, die den Körper in die Lage versetzt, mit den heutigen systemischen Erkrankungen bei erhöhter Belastung, sei es durch Umwelteinflüsse oder Infektionen, sei es durch die Anforderungen der Leistungsgesellschaft, fertig zu werden?
Es muss eine Medizin sein, die ähnlich dem Grundgedanken der alten Ärzte, von Hippokrates über Paracelsus bis zu Hahnemann und Pfarrer Kneipp, vor allem die Lebenskraft des Körpers stärkt und seine physiologischen Funktionen trainiert.
Ein gestärkter und trainierter Mensch kann zum Beispiel extreme Temperaturschwankungen aushalten und vom arktischen Raum bis zum Äquator mit täglichen Tagesdifferenzen von über 60 Grad Celsius überleben. Ein Mensch mit einem »untrainierten« Immunsystem kann jedoch schon bei einem kleinen Wetterwechsel von nur wenigen Graden die schlimmste Erkältung einfangen. Damit stellt sich die Frage, warum der eine Organismus solch enorme Anpassungsleistungen zu vollbringen vermag, der andere jedoch nicht die geringste. Die Antwort liegt in der Adaptionsfähigkeit der inneren Regelabläufe von Blut, Lymphe und Immunsystem, der Darmaufnahme und Gallenentgiftung, der Bindegewebsentsäuerung und Hautausscheidung sowie der Nervenreaktion einerseits und der »geistigen Haltung« andererseits.
Heute verfügt der überwiegende Teil der Bevölkerung in der industrialisierten westlichen Welt weder über ein gut trainiertes Immunsystem noch ein anderes anpassungsfähiges Regulationssystem. Bei den meisten Menschen ist im Gegenteil das innere Milieu durch Vergiftung mit Schwermetallen aus Impfstoffen, Zahnfüllungen und Spritzmitteln gefährdet; der Mensch wirkt zwar scheinbar mehr oder weniger gesund, aber die unbemerkt im Hintergrund ablaufenden Regulationsmöglichkeiten sind bereits weitgehend ausgeschöpft. Es braucht dann nicht mehr viel, um das nicht mehr optimal auszusteuernde System entgleisen zu lassen. Es zeigen sich Krankheitssymptome. Und das System braucht nun noch mehr Zeit, noch mehr Lebens- beziehungsweise Vitalenergie, Disziplin in der Lebensführung und Geduld, bis der Körper sein Gleichgewicht wiedergefunden hat.
Es ist häufig zu beobachten, dass bei der Behandlung mit Antibiotika die Krankheitsverläufe von Mal zu Mal schwerer und langwieriger werden und mit mehr Komplikationen einhergehen, falls eine nach dem subjektiven Empfinden vollständige Gesundung überhaupt noch erreicht wird. Krankheit ist in diesem Sinne eigentlich vor allem als eine Regulationsanstrengung des Körpers zu verstehen.
Zur biologischen Selbstregulation gehört die Steuerung aller Körpersäfte untereinander in Form eines sich permanent anpassenden Fließgleichgewichts zum Zweck des körperlichen Überlebens in der momentanen inneren und äußeren Situation, zum Beispiel der Sicherstellung der Blutversorgung der wichtigsten Organe. Dabei sind bei manchen Werten wie Atemfrequenz und Puls ganz erhebliche Unterschiede möglich und immer noch Zeichen eines leistungsfähigen Organismus, während etwa bei der Körpertemperatur ein Überleben nur in einem Bereich weniger Grade möglich ist. Hier liegt also die Regulationsleistung darin, keine Temperaturveränderung zuzulassen.
Da sämtliche Steuerungsvorgänge unbemerkt und fortwährend und die gundlegenden Regenerationsmaßnahmen vor allem während des Schlafs ablaufen, betrachtet man sich erst dann als krank, wenn der Körper einen Zustand erreicht hat, in dem er sich völlig auf seine Wiederherstellung konzentrieren muss und dem bewussten menschlichen Willen nur noch zögerlich Folge leistet – wenn man sich also etwa nur noch mühsam und unwillig zum Arbeitsplatz schleppt, weil man eben muss.
Das innere Milieu wird vom äußeren Milieu beeinflusst, so beeinträchtigt zum Beispiel auch Elektrosmog die Immunabwehr. Daher ist nur durch eine tiefgreifende Änderung der auf den Menschen einwirkenden Umwelteinflüsse, zum Beispiel auch durch eine baubiologische Sanierung und eine Umstellung der Ernährung, die vollständige und nachhaltige Heilung einer systemischen Erkrankung wie der Borreliose erreichbar.
Nur wenige Menschen haben wirklich genug Ausdauer und bringen die notwendige Einsicht mit, um ihr Leben entsprechend umzukrempeln und schließlich in den Genuss einer vollständigen Heilung zu gelangen. Die meisten begnügen sich mit einer reinen Symptomlinderung. Zu ihrer Rechtfertigung ist allerdings zu sagen, dass die vorherrschenden gesellschaftlichen und Umweltbedingungen eine derart radikale Umstellung tatsächlich nicht leicht machen.
Die größten und bekanntesten Problembereiche stellen dabei die Verarmung der Böden durch die moderne industrielle Landwirtschaft, die geschmacksverstärkenden und konservierenden Zusätze in Lebensmitteln, giftige Farbstoffe in Kleidungsstücken, giftige Bauhilfsmaterialien sowie die direkte Vergiftung des Organismus durch toxische Hilfsstoffe in Impfpräparaten und verschreibungspflichtigen Medikamenten4 dar.
Der menschliche Organismus ist mit der Anpassung an die sich rasant verändernde Umwelt überfordert und ist nicht mehr in der Lage, diese Bedingungen zu ändern oder sich der geänderten Umwelt anzupassen. Wir können aber auf das innere Milieu einwirken, zum Beispiel durch die Aufnahme von ausgleichender Nahrung, hochwertigem Trinkwasser und ausleitenden Medikamenten, aber auch durch Bewegung, Massage und richtige Atmung sowie im Extremfall durch eine willentliche Beeinflussung der Körperfunktionen mittels Suggestion, autogenem Training oder Meditation.
Adaption als Funktion der Regulation
Die Adaption ist die biologische Anpassung der Körperfunktionen an die in der Umgebung herrschenden Bedingungen, wie die Witterungseinflüsse (Hitze oder Kälte), an die körperliche Aktivität (z.B. Bewegung oder Schlaf) oder körperliche Zustände, wie Verdauung oder Leberentgiftung und biologische Abwehrreaktionen wie Fieber oder Schwitzen.
Die Adaption verhindert einerseits, dass es zu einer Entgleisung des körperlichen Systems kommt und andererseits, dass ein System (z. B. das Immunsystem) überreagiert. Die Immunantwort ist eine sinnvolle Funktion der Adaption, eine überschießende Immunreaktion ist jedoch ein Zeichen dafür, dass die angepasste Adaption versagt hat.
Infektiöse Kinderkrankheiten wie Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln, Scharlach oder Windpocken sind für die körperliche, kognitive und soziale Reifung des heranwachsenden Kindes von großer Bedeutung und sollten keinesfalls medikamentös unterdrückt werden. Nach dem vollständigen Ablauf der Erkrankung ist häufig ein großer Fortschritt in der Reife des Kindes feststellbar. Diese Bedeutung der Krankheit für die Reifung wird heute jedoch von den wenigsten Kinderärzten noch akzeptiert. Auch für die Entwicklung eines starken Immunsystems sind die Kinderkrankheiten unerlässlich, da einzig durch die »Überwindung von Krankheit« das Immunsystem trainiert wird und sich vollständig ausprägen kann. Indem die Kinder meist frühzeitig Mehrfachimpfungen unterzogen werden, kann es zu keinem Training des Immunsystems mehr kommen. Diese wirken sich im Gegenteil geradezu verheerend auf das Immunsystem aus, da als sogenanntes Adjuvans den Impfstoffen metallische Nervengifte wie Quecksilber5 oder Aluminium6 sowie das krebserregende Formaldehyd zugesetzt werden.
Das Immunsystem als eine Form der Regulation
Als Immunsystem wird das gesamte Abwehrsystem bezeichnet, das der Körper zur Abwehr von Eindringlingen entwickelt hat; dabei handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel von mehreren Organen, Zelltypen und chemischen Molekülen. Das Immunsystem hat eine große Bedeutung für die körperliche Unversehrtheit aller Lebewesen, da praktisch alle Organismen ständig den Einflüssen der Umwelt ausgesetzt sind. Manche dieser Einflüsse wirken symbiotisch, andere müssen vom Immunsystem neutralisiert oder vernichtet werden. Dringen zum Beispiel bei einer Verletzung schädliche Organismen wie etwa Bakterien, Viren, Pilze, einzellige Parasiten (z.B. Protozoen wie Plasmodien) oder mehrzellige Parasiten (z.B. Bandwürmer) in den Körper ein, kann dies bei einem geschwächten Immunsystem zu Funktionsstörungen und damit zu »Krankheit« führen.
Ebenso können Veränderungen im Körperinneren das gesunde Milieu gefährden und dadurch eine ungesunde Ausbreitung von gestörten oder veränderten Zellteilen ermöglichen. Die Aufgabe des Immunsystems ist es dann, diese auf ein normales Maß zurückzu drängen. Auch körpereigene Zellen können zum Problem werden, wenn sie im Lauf der Zeit ihre normale Funktion verlieren. Sie sterben dann ab und müssen abgebaut werden. Sie können auch krankhaft entarten und zur Entstehung von Krebs führen.
Angeborene und erworbene Immunabwehr
Die angeborene Immunabwehr des Körpers kann Krankheitserreger bekämpfen, ohne dass der Organismus vorher mit dem Erreger selbst Kontakt gehabt haben muss. Sie ist in der Lage, körpereigene Zellen von fremden Strukturen zu unterscheiden, und körperfremde oder erkrankte Zellen rufen zwangsläufig eine Abwehrreaktion hervor. Auf diese Weise werden über 95 Prozent aller Infektionen vom Immunsystem erkannt und frühzeitig erfolgreich bekämpft.
Die Aufgaben der angeborenen Immunabwehr werden von verschiedenen Zellen wahrgenommen, die zum Teil in der Lage sind, den Angreifer selbst zu vernichten sowie den Organismus durch die Produktion von Botenstoffen (Interleukine) in eine Art Alarmzustand zu versetzen und so die Immunreaktion verstärken (siehe auch Anhang, Seite 185f.).
Die erworbene (adaptive) Immunabwehr entwickelt sich im Laufe des Lebens aus der angeborenen Immunabwehr und zeichnet sich durch die Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen oder veränderten Krankheitserregern aus. Im Rahmen dieser Anpassung sind die Zellen der adaptiven Immunabwehr in der Lage, spezifische Strukturen der Angreifer zu erkennen und gezielt zelluläre Abwehrmechanismen und molekulare Antikörper zu bilden. Nach der Infektion bleiben spezifische Antikörper und sogenannte Gedächtniszellen (siehe Anhang, Seite 186) erhalten, um bei erneutem Kontakt mit dem Krankheitserreger innerhalb kurzer Zeit eine angemessene Abwehrreaktion zu ermöglichen.
Die verschiedenen Bestandteile des Immunsystems bedingen sich gegenseitig – erst durch ein koordiniertes Zusammenspiel der angeborenen und der adaptiven Immunabwehr wird die komplexe Immunreaktion des Körpers zu einem schlagkräftigen Gesamtsystem.
Bestandteile des Immunsystems
Das Immunsystem besteht aus einem vielschichtigen System, dessen einzelne Elemente ineinandergreifen. Es besteht aus:
– der Haut und den Schleimhäuten als mechanische Barrieren, die ein Eindringen der Schädlinge verhindern sollen,
– dem Säureschutzmantel der Haut, der als zusätzliche Barriere wirkt,
– dem Dickdarm mit seiner bakteriellen Besiedlung aus 800–1200 verschiedenen Keimen, die eingedrungene bakterielle Erreger bekämpfen und deren »Abfallprodukte« einen wichtigen Teil der Abwehr darstellen,
– Zellen, wie zum Beispiel Granulozyten, natürliche Killerzellen oder T-Lymphozyten, die eingedrungene Erreger direkt angreifen,
– Eiweißen, die als Botenstoffe oder zur Abwehr von Krankheitserregern dienen und
– psychischen Immunfaktoren, die dieses System modifizieren und stabilisieren.
Ablauf einer Immunreaktion
Wenn Erreger die mechanischen Barrieren überwinden konnten, mit denen sich der Körper vor einer Infektion schützt, hängt der Ablauf der Immunreaktion davon ab, ob das Immunsystem bereits zuvor einmal einen Kontakt mit diesem bestimmten Erreger hatte.
Bei einer Erstinfektion beginnt die Immunreaktion mit den Antigen-präsentierenden Zellen. Diese sind als Teil der angeborenen Immunabwehr in der Lage, typische Merkmale von Krankheitserregern zu erkennen, ohne zuvor mit diesem Erreger Kontakt gehabt zu haben. Sie können die Erreger aufnehmen und in ihrem Inneren einschließen – sie förmlich »fressen«. Anschließend aktivieren sie die Zellen der adaptiven Immunabwehr, indem sie ihnen Bruchstücke der Erreger an ihrer Oberfläche präsentieren.
Einige Abwehrzellen können die Erreger durch Auffressen oder Ausschüttung aggressiver Substanzen direkt abtöten, andere beginnen mit der Produktion von Antikörpern, die sich an die Erreger binden und diese bewegungsunfähig und damit unschädlich machen und sie für die Vernichtung durch weitere Abwehrzellen markieren. Nach der ersten Infektion mit einem Erreger bleiben die Antikörper und Gedächtniszellen erhalten, um bei einer erneuten Infektion schneller und effizienter auf den Eindringling reagieren zu können. Das Immunsystem wird damit trainiert – übertriebene Vorsicht verbessert die Leistungsfähigkeit also nicht.
Ob nach einer Infektion tatsächlich auch eine Erkrankung auftritt, hängt von einem komplexen Wechselspiel zwischen dem Immunsystem und dem »ungebetenen Gast« ab. Eine Rolle spielen dabei die Menge der eingebrachten Erreger, deren krankmachende Eigenschaft sowie der Zustand des Immunsystems der betroffenen Person. Durch früheren Kontakt mit diesem Erreger kann bereits eine Immunität bestehen, die Dosis oder Virulenz des Erregers kann für einen Krankheitsausbruch zu gering sein, oder das Immunsystem kann in der Lage sein, trotz einer Infektion Krankheitssymptome zu verhindern. Dass Erreger in den Körper gelangen, lässt sich praktisch nicht vermeiden – und dies geschieht mehrfach täglich –, aber sie müssen nicht zwingend zu einer Erkrankung führen.
Reifung und Alterung des Immunsystems
Im Mutterleib und kurz nach der Geburt ist das Immunsystem noch nicht in der Lage, Fremderreger wirkungsvoll zu bekämpfen. Fötus und Säugling sind daher auf die Schutzfunktion durch mütterliche Antikörper angewiesen, die sie über die Plazenta beziehungsweise über die Muttermilch aufnehmen.
In den ersten Lebensmonaten beginnt das Immunsystem dann, sich selbst auf die Abwehr von Krankheitszellen vorzubereiten. Dies geschieht durch einen Vorgang der negativen Selektion; das heißt, der Körper bildet zunächst durch zufällige genetische Rekombinationen viele Millionen unterschiedlicher Abwehrzellen, von denen jede ein anderes Antigen erkennen kann. Das Immunsystem lernt so »fremd« von »eigen« zu unterscheiden.
Erst nach sechs bis acht Monaten ist der Säugling selbst in der Lage, sich gegen Krankheitserreger zu schützen. Der »Nestschutz« der Mutter hält jedoch rund zwölf Monate an und verliert sich dann langsam. Eine in diesem Zeitfenster durchgeführte reguläre Mehrfachimpfung mit den darin enthaltenen Zusatzstoffen (Adjuvanzien) führt dabei zu einer enormen Belastung des Nervensystems, da das Immunsystem noch nicht stark genug ist, eingelagerte Schwermetalle wieder auszuleiten.
Mit fortgeschrittenem Lebensalter nimmt die Anfälligkeit des Menschen gegenüber Krankheiten und anderen Störungen wieder zu. Dies liegt daran, dass sich im Alter die Bildung von B- und T-Lymphozyten verringert. Zudem sind die Abwehrzellen insgesamt weniger aktiv, was ebenso zu einer Schwächung der Immunabwehr führt.
Störungen und Erkrankungen des Immunsystems
Wie bei allen biologischen Systemen können sich auch im Immunsystem verschiedene Fehler einschleichen. Es kann zum Beispiel durch chemische oder radioaktive Beeinflussung seine Fähigkeit verlieren, angemessen zu reagieren: Je nach Ursache kommt es entweder zu einer zu schwachen oder gar fehlenden Immunantwort oder zu einer zu starken, überschießenden Immunreaktion. Auch können die Zellen des Immunsystems entarten und eine Krebserkrankung auslösen, oder depressive Störungen, Stress und andere psychische Erkrankungen können sich negativ auf das Immunsystem auswirken.
In den letzten Jahrzehnten traten mehr und mehr Autoimmunerkrankungen auf, bei denen sich das Immunsystem des Körpers gegen körpereigenes Gewebe richtet und dieses schädigt. Diese autoimmunen Zerstörungskrankheiten können jedes Organ einzeln angreifen (wie etwa die Schilddrüse bei Hashimoto-Thyreoiditis) oder ganze Systeme. Die Schulmedizin steht dieser Entwicklung weitgehend hilflos gegenüber. Die Erklärung der Alternativmedizin, dass es sich hauptsächlich um eine Entgleisung der Immunreaktion des gestörten Systems der Darmsymbiose handelt, wird weder akzeptiert noch in das Behandlungsschema mit einbezogen. Hier liegt aber der beste Ansatz, Autoimmunerkrankungen anzugehen: vor allem durch einen erneuten sinnvollen Aufbau der körperspezifischen Symbioselenkung und der Adsorption allergieauslösender Stoffe im Dickdarmbereich.
Symbioselenkung mit Flohsamen
Die Zusammensetzung der Lebewesen im Darm wird als Darmflora bezeichnet. Dieses bakterielle Ökosystem hält sich selbst in Grenzen, sein gemeinsames Ziel ist eine positive Beeinflussung des Wirtsorganismus.
Bei der Geburt erfolgt die erste bakterielle Besiedelung des Darms, sie steigt mit jedem Lebenstag an. Die Aufgabe der Darmflora ist einerseits, den Speisebrei aufzuschließen und ihn vollständig auszunutzen und dabei Stoffe herzustellen, die der Körper unbedingt braucht. Andererseits aber bekämpfen sich diese Darmbakterien gegenseitig, um den eigenen Lebensraum zu sichern. Die Kampfstrategie der Stämme gegeneinander zeigt sich in einem sich ständig verändernden Fließgleichgewicht. Das heißt, die Anzahl der daran beteiligten einzelnen Individuen wechselt ständig. Je ähnlicher dieses Gleichgewicht ist, desto »gesunder« erscheint der Gesamtorganismus. Überwiegen einzelne dieser Gruppen massiv, kommt es zu Störungen, die dann als ein störendes Symptom empfunden wird. Diese Veränderung wird dann allgemein als »Krankheit« bezeichnet. Es kann zu einer Temperaturerhöhung, Durchfall oder Verstopfung, einem Krampf oder Schmerzen, Schwächezuständen oder Schwitzen, Zittern oder anderen Symptomen kommen.
Wenn diese Lebewesen, die man zusammen als Symbionten bezeichnet, mit Stoffen in Kontakt kommen, die deren Stoffwechsel stören, reagieren sie mit einer Veränderung oder sterben ab. Damit wird die Abwehr insgesamt abgeschwächt. Dieses Phänomen ist z. B. das größte Problem der Nebenwirkung von oral eingenommenen Antibiotika. Die Idee, nach einer Antibiotika-Behandlung probiotische Bakterien zuzusetzen, hatte die Überlegung, dass abgetötete aber wichtige Bakterien schnell wieder aufgebaut werden sollen. Das ist richtig, aber der Zusatz von wenigen (bis zu 10) Stämmen kann das Problem nicht lösen. Sinnvoller ist es, soviel wie möglich neue Symbionten zuzufügen.
Die Idee ist, dem Darm eine große »leere« Oberfläche zur Verfügung zu stellen, in der sich dann eine neue Darmflora entwickeln kann. Der indische Flohsamen erfüllt diese Voraussetzungen als Quellmittel am besten. Je größer das angebotene Volumen ist, desto größer ist die Veränderung des symbiotischen Raumes. Wie lange dieser Neuaufbau einer neuen, veränderten Darm-Symbiose jedoch dauert, ist nicht vorherzusagen. Das hängt von der Ernährung und zusätzlicher Medikation ab. Aber auch von der vorliegenden krankhaften Störung der noch vorhandenen Symbionten und den Restgiften im Körper.
Eine tägliche Menge von 2–3 Teelöffeln in etwa 200–300 ml Wasser zum Vorquellen eingelegt und mehrfach umgerührt genügt oft schon. Je größer die Beeinflussung der Symbiose werden soll, desto mehr gequollener indischer Flohsamen muss eingenommen werden. Die Symbiosebeeinflussung funktioniert jedoch nur mit vorgequollenen ganzen Samen, die Flohsamenschalen alleine oder der Versuch ohne Vorquellen funktioniert nicht. Auch funktioniert es nicht mit anderen Samen, deren Nährstoffgehalt über dem der indischen Flohsamen liegt.
Mit der Veränderung der Symbiose verändern sich auch gleichzeitig die Unverträglichkeitsreaktionen oder die Allergiebereitschaft auf verschiedene Stoffe, die ansonsten im Körper unerwünschte Reaktionen auslösen würden. Aus der Erfahrung der letzten 15 Jahre zeigt sich, dass damit nicht nur Allergie- und Unverträglichkeitsreaktionen, sondern auch Autoimmunreaktionen beeinflussbar sind. Der zusätzliche Einsatz von Klinoptilolith verstärkt diese Reaktionen weiter positiv. Klinoptilolith wird ansteigend von 1-mal täglich 3 g bis auf 2-mal täglich 6 g eingesetzt. Die Steigerung ist abhängig von der Art der Unverträglichkeit oder der Autoimmunerkrankung.
Beeinflussbar mit dieser Art der Symbioselenkung sind Allergie-Erkrankungen, Unverträglichkeiten und Autoimmunerkrankungen. Ebenfalls zeigen die Erfahrungen, dass schwierig zu behandelnde chronische bakterielle Erkrankungen (hierzu gehört die Borreliose) erst nach einer Symbioselenkung beherrschbar sind.
1 Wolf-Dieter Storl zeigt dies in seinem Buch »Borreliose natürlich heilen« ebenfalls aus der Sicht und der Forschung der Ethnomedizin.
2 Eine Studie im Auftrag des amerikanischen Kongresses kam zu dem Schluss, dass im Jahr 1974 in den USA 2,4 Millionen überflüssige Operationen durchgeführt wurden, die 4 Milliarden Dollar kosteten und bei denen 11 900 Patienten unnötigerweise sterben mussten. Da diese Untersuchung bei der amerikanischen Ärztegesellschaft auf große Opposition stieß, ließ der Kongress eine neue, noch umfassendere Studie über das Jahr 1977 durchführen. Ihr Ergebnis: 2 Millionen überflüssige Operationen, 4 Milliarden Dollar Verlust, 10000 Tote.
3 So führen beispielsweise 25 Prozent der 75 000 Bandscheibenoperationen, die jährlich in Deutschland durchgeführt werden, nicht zum Erfolg. Umgekehrt darf absurderweise ein Arzt keine Tuberkulosepatienten mit Kneippkuren behandeln, und dies, obwohl Pfarrer Kneipp sein Verfahren gerade dadurch entdeckte und weiterentwickeln konnte, dass er seine eigene schwere Lungentuberkulose damit zur Heilung brachte.
4 Von den Krankenkassen werden heute gerade die Medikamente vergütet, die nachweislich schädigende Nebenwirkungen aufweisen. Wirksame und nebenwirkungsfreie Medikamente werden nicht mehr vergütet.
5 Die Tageszeitung »Die Welt« berichtete am 06.02.2004 unter dem Titel »Hirnschäden durch Impfstoffe?«, dass das Team des Pharmakologen R. Deth an der Northeastern University in Boston zur Erkenntnis gelangt ist, dass die Quecksilber-Adjuvanzien in Impfstoffen zu neurologischen Hirnschäden von Kindern führen können.
6 Anstelle des umstrittenen Quecksilbers enthalten inzwischen einige Impfstoffe nur noch 0,3 mg des Nervengifts Aluminium; dazu liegen verständlicherweise bisher noch keine Langzeitstudien vor. Neuere Studien zeigen allerdings, dass der Aluminiumspiegel im Gehirn von Alzheimerpatienten deutlich erhöht ist und ein Zusammenhang von Aluminiumhydroxid mit verschiedenen Muskellähmungen besteht. Ebenso wird inzwischen ein Zusammenhang von Aluminium mit ADHS diskutiert.
Infektionen und Infektionserkrankungen
Infektionen entstehen, wenn Erreger wie Bakterien, Viren, Pilze, Einzeller, Parasiten oder Würmer in den Körper eindringen, sich aufgrund einer vorliegenden Milieustörung oder eines Missverhältnisses der Säfte zunächst ungehemmt vermehren und dann eine Reaktion der körpereigenen Abwehr auslösen. Tritt dadurch eine Schädigung mit entsprechenden Symptomen ein, entsteht aus einer Infektion eine Infektionskrankheit.
Ob es zu einer Vermehrung der Keime kommt und wie heftig die Infektion verläuft, hängt vom Verhältnis zwischen eingedrungenem Keim, dem Milieu und der Funktionsfähigkeit des Immunsystems ab. An den Wirt angepasste Krankheitserreger schaden ihm meist nicht sehr, sie benötigen ihn für ihre eigene Wandlung oder Vermehrung. Ein schwerer Infektionsverlauf mit hoher Sterblichkeit ist ein Anzeichen dafür, dass der verursachende Erreger nicht an den betreffenden Organismus angepasst ist.
Von einer primären Infektion spricht man, wenn ein erster Kontakt des Organismus mit einem Krankheitserreger stattfindet, von einer sekundären Infektion, wenn nach der Erstinfektion zusätzlich eine weitere Infektion mit anderen Erregern erfolgt. Eine Sekundärinfektion kann das Immunsystem vor erhebliche Probleme stellen. Ihr Verlauf ist meist heftig und zeigt eine Vielfalt von Symptomen. Eine Sekundärinfektion kann zu einer Superinfektion werden, wenn nach einem viralen Primärinfekt eine bakterielle Sekundärinfektion auftritt.
Infektionen werden nach der Herkunft der Erreger unterschieden. Als endogen bezeichnet man eine Infektion, die bei geschwächtem Immunsystem durch die körpereigene, normalerweise völlig harmlose Flora in Form eines Erregers zum Beispiel von der Haut oder aus Magen, Darm oder Lunge im eigenen Körper ausgelöst wird (wie etwa eine Wundinfektion durch körpereigene Kolibakterien). Exogen ist eine Infektion durch einen Erreger aus der Umgebung. Als nosokomial bezeichnet man eine Infektion, die im Krankenhaus oder einer anderen medizinischen Einrichtung mit einem vergleichbaren Keimspektrum erworben wurde. Die typischen bakteriellen Erreger aus dem Bereich Arztpraxis/Krankenhaus zeigen häufig eine hohe Resistenz gegenüber den gebräuchlichen Antibiotika.7 Diese antibiotikaresistenten Erreger MRSA (Methicillin-resistenter Staphy lococcus aureus) kommen in »normalen« Haushalten nicht vor, sind jedoch in Kliniken ein extrem hoher Risikofaktor.
Lebenskraft und Abwehr
Der Begriff der Lebenskraft ist als unwissenschaftlich und nicht genau fassbar aus dem medizinischen Sprachgebrauch verschwunden. Um das Phänomen der systemischen Erkrankungen zu begreifen, muss jedoch auch der moderne Mensch diese Lebenskraft wieder in seine Betrachtung mit einbeziehen. Erst eine permanente Störung der Lebenskraft macht eine systemische Erkrankung, wie zum Beispiel Borreliose, möglich.
Während sich im Milieu, das heißt in den Umgebungsbedingungen und Anforderungen der Zellen, die »gegebenen Bedingungen« ausdrücken, drückt sich in der Lebenskraft »das Geistige« aus. Nur das geschädigte Milieu zu berücksichtigen, erscheint selbst im regulativen Ansatz als nicht ausreichend. Da die moderne Medizin weder die Lebenskraft noch das Milieu mit in ihr Konzept einbezieht, sind ihre Erfolge gerade bei Erkrankungen wie Borreliose begrenzt.
Einflüsse auf das Immunsystem
Die Abwehrfunktion des Körpers kann auf verschiedene Weise positiv wie auch negativ beeinflusst werden. Ein gesundes und kräftiges Immunsystem hilft dem Menschen, eingedrungene Krankheitserreger zu bekämpfen und meist damit auch einen Krankheitsausbruch zu verhindern oder Krankheitssymptome zu mildern beziehungsweise den durch sie ausgelösten Krankheitsverlauf zu verkürzen.
Die Grundlage für ein gesundes Immunsystem sind eine ausgewogene Ernährung, die alle notwendigen Stoffe wie essenzielle Aminosäuren, essenzielle Fettsäuren, Ballaststoffe, Mineralstoffe (Eisen, Kupfer, Mangan, Zink und Selen) und Vitamine (A, B, C, D, E) enthält, ausreichend Schlaf und angemessene Entspannungsphasen; ebenso gehört dazu die Vermeidung von lang andauerndem Stress, regelmäßige Bewegung, insbesondere sportliches Ausdauertraining, eine vernünftige körperliche Abhärtung und eine ausreichende Sonnenbestrahlung.
Sonnenlicht zur Stärkung des Immunsystems
Sonnenlicht spielt eine wichtige Rolle bei der Stärkung des Immunsystems. Bestimmte Abwehrzellen besitzen auf ihrer Oberfläche einen sogenannten toll-like receptor8. Dieser Rezeptor wird bei einer Bakterieninfektion aktiviert und veranlasst die Abwehrzellen dazu, eine Vorstufe von Vitamin D zu produzieren. Gleichzeitig bilden dieselben Zellen verstärkt einen weiteren Rezeptortyp aus, der auf die Erkennung von Vitamin D spezialisiert ist. Nur das Sonnenlicht wandelt die Vitamin-D-Vorstufe in das aktive Vitamin D um, welches sich nun an den Rezeptor heftet. Dadurch werden die Abwehrzellen dazu angeregt, das antibakteriell wirkende Cathelizidin zu bilden. Natürliches Sonnenlicht ist somit ein wichtiger Bestandteil einer Borreliosebehandlung. Künstliches Sonnenlicht kann diese natürliche Funktion nicht leisten.
Das Immunsystem schädigende Faktoren
Bei Infektionen mit Krankheitserregern, die an den Menschen als ihren Wirtsorganismus angepasst sind, kann es sein, dass eine Erkrankung bei intaktem Immunsystem und geringer Erregerdosis entweder überhaupt nicht ausbricht oder einen leichten Verlauf nimmt. Bei Infektionen mit an den Menschen nicht oder nur wenig angepassten Erregern hängt es von vielen Faktoren ab, wie schwer eine Erkrankung verläuft und wie lange es bis zur vollständigen Ausheilung dauert.
Dabei sind die meisten heutigen Belastungen, die zur Überforderung des körpereigenen Immunsystems führen, hausgemacht. Viele dieser Einflüsse ließen sich durchaus vermeiden, wenn sie als solche allgemein akzeptiert wären.
Neben der natürlichen Alterung gibt es weitere Faktoren, welche die Funktion des Immunsystems schädigen und vermindern. Von innen wirkende negative Einflüsse sind unter anderem eine starke gesundheitliche Beeinträchtigung durch Vorschädigung wie beispielsweise bei chronischen Erkrankungen, medikamentöse Immunsuppression (Kortikoide), Drogenmissbrauch (auch Nikotin und Alkohol), Mangelernährung (z.B. durch Fertigprodukte) und eine damit verbundene Unterversorgung mit Vitaminen und Spurenelementen, ungesunde oder unausgeglichene Ernährung einschließ lich bestimmter Geschmackszusätze, Konservierungsmittel und in der Nutztierhaltung eingesetzte Medikamente (Antibiotika, Hormone), die Aufnahme von Umweltgiften aus Luft, Wasser und kumuliert in Nahrungsmitteln, Hormone, die Einwirkung von radioaktiver und UV-Strahlung, eine übermäßige Kälteeinwirkung durch längere Auskühlung oder gar Unterkühlung, eine belastende Lebenshaltung und andauernder Stress, Bewegungsmangel, zu wenig Schlaf, permanente Schallberieselung, Lärm und unverarbeitete Informationsflut.
In der Baubiologie wird die Wirkung des häuslichen Lebensumfelds auf den Organismus untersucht. Als schädigende Faktoren gelten dabei Wasserzusätze (Fluorierung), Schimmelpilze, chemische Ausdünstungen unterschiedlichster Art (Formaldehyd, Brom- und Fluorverbindungen, Lacke), Fehlbelüftung (besonders von Klimaanlagen), elektrische Belastung (durch Kunstlicht, elektrostatische und elektromagnetische Felder), Strahlung (durch Mikrowellen, Mobilfunk, Radar) und Ozon (Autoabgase, Druckerausdünstung).
Dabei kann eine Kombination von mehreren Faktoren eine verstärkte Belastung für das Immunsystem darstellen.
Die Impfung
Nach der Hypothese der modernen Medizin dient die Impfung der Stärkung des Immunsystems und als eine vorbeugende Maßnahme gegen bestimmte Infektionskrankheiten. Durch die Impfung soll das Immunsystem zur Bildung einer Immunkompetenz angeregt werden, ohne dass die Erkrankung selbst ausgelöst wird. Hierzu werden abgeschwächte Erreger oder typische Eiweißstoffe und Zuckermoleküle als Impfstoffe in den Körper eingebracht. Die Reaktion des Organismus auf diese Antigene führt zur Bildung spezifischer Antikörper und Gedächtniszellen, die weiter im Blut und in den Lymphbahnen zirkulieren, wodurch der Schutz gegen die entsprechenden Antigene über lange Zeit erhalten bleiben soll. Wenn der Körper erneut mit dem Erreger in Kontakt kommt, soll er durch die Gedächtniszellen eine sehr viel effizientere und schnellere Immunantwort zur Verfügung haben, um die Erreger zu bekämpfen, bevor es zu einer Erkrankung kommt.
Tatsächlich bleibt jedoch der Impfvorgang wirkungslos, wenn den Antigenen nicht ein Adjuvans (Hilfsstoff) als weitere Substanz beigegeben wird, welches je nach Präparat aus den Nervengiften Aluminiumhydroxid, einer Quecksilberverbindung oder Formaldehyd besteht.
Das immer wieder vorgebrachte Argument, dass durch die konsequente Impfung in der Vergangenheit viele Krankheiten weitgehend eingedämmt wurden, lässt außer Acht, dass die Ausrottung der meisten Krankheiten hauptsächlich auf den Fortschritt in der technischen Hygiene, der Kanalisation, der Verbesserung der Ernährung, Kleidung und Wohnsituation, verminderte Arbeitszeiten sowie den Arbeitsschutz und nicht, wie von Medizinern immer wieder behauptet wird, auf den medikamentösen Fortschritt und die Impfung zurückzuführen ist.
Seit Jahren wird die Berichterstattung über Zeckenbisserkrankungen mit Horrormeldungen über die Frühsommer-Meningoenzephalitis gespickt und eine Impfung gegen diese FSME empfohlen. FSME ist jedoch eine extrem seltene Erkrankung und die Probleme, die durch eine hunderttausendfache unnötige Impfung auftreten, sind erheblich größer.
Das Beispiel der Polioimpfung
Vor dem 20. Jahrhundert war Polio eine relativ harmlose Krankheit, die sehr selten zu den heute gefürchteten Lähmungen führte, wenn es auch einzelne historische Berichte zu Lähmungsformen gibt.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde von 1955 bis 1998 die Kinderlähmung mit der Schluckimpfung von Polio-Lebendviren bekämpft. Dann wurde die Impfung eingestellt, da zu viele Personen am sogenannten Post-Polio-Syndrom erkrankten. Dieses Post-Polio-Syndrom tritt als Spätwirkung dreißig bis fünfzig Jahre nach einer Kinderlähmung auf, mit Symptomen von Abgeschlagenheit, Atembeschwerden, Arthrose, Gelenkschmerzen, Kälteintoleranz, Nervenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Muskelschwund, Müdigkeit und Schlafstörungen.9
Interessanterweise sind die Symptome identisch mit den Symptomen des sogenannten »Golfkrieg-Syndroms«, an dem bis 2006 etwa 80 000 amerikanische, 15 000 kanadische und 6000 britische Soldaten erkrankten. Das Syndrom tritt bei ehemaligen Soldaten auf, die massive Schutzimpfungen über sich ergehen lassen mussten, ehe sie im Irak einrückten. Es handelt sich dabei um Chemikalienvergiftung, Impf- und Medikamentenschäden, insbesondere Spätschäden durch die Polioimpfung. Diese bestanden als typische Symptomgruppen, die inzwischen auch durch zahlreiche Studien belegt sind, in Gelenk- und Muskelschmerzen, ungewöhnlich großer Müdigkeit und Erschöpfungszuständen, Gedächtnisproblemen, Depressionen und Störungen der kognitiven und emotionalen Funktionen. Hinzu kommen Schwindel, Erbrechen und Durchfall, Lähmungen, Haar- und Zahnausfall, Drüsenschwellungen, Sehstörungen und Gedächtnisschwund. Damit erscheint das »Golfkrieg-Syndrom« auch symptom identisch oder symptomähnlich der Borreliose.
Eine neuere Studie hat Parallelen zu einer Belastung mit einem in Impfstoffen verbreiteten Zusatzstoff, nämlich Aluminiumhydroxid erbracht. Das scheint darauf hinzuweisen, dass die sogenannten systemischen Erkrankungen ihren Ursprung im belasteten Immunsystem haben.
Systemische Erkrankungen als Folge einer Abwehrschwäche
Als systemische Erkrankungen werden in der heutigen Medizin alle (katalogisierten) Krankheiten bezeichnet, die sich auf ein gesamtes Organsystem auswirken wie etwa das Blut (Leukämie, Anämien), das Zentrale Nervensystem oder die Muskulatur als Ganzes. Den systemischen Erkrankungen stehen die lokalisierten Erkrankungen gegenüber, bei denen nur ein Organ oder ein Teil eines Organs betroffen ist. Im weiteren Sinne werden in der modernen Medizin auch Erkrankungen als systemisch oder generalisiert bezeichnet, die sich mehr oder weniger unspezifisch auf den gesamten Körper auswirken, wie Zuckerkrankheit, Rheuma, Sarkoidose, systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie oder Mukoviszidose.
Wir zählen zu den systemischen Erkrankungen alle Erkrankungen, die sich durch ein gestörtes Immunsystem über den gesamten Organismus verbreiten können. In solchen Fällen ist trotz vieler Lokalsymptome ein abschließender Behandlungserfolg nur bei einer das gesamte Regulationssystem umfassenden Vorgehensweise möglich. Deshalb ist es wichtig, systemische Erkrankungen in erster Linie zu kurieren über:
– die Ausschaltung belastender Einflüsse,
– die Linderung der subjektiv größten Belastungen,
– eine Regulation der Körpersäfte,
– die Stärkung und Regulierung des Immunsystems,
– eine Ausleitung der im Körper akkumulierten Giftstoffe und
– zum Schluss eine spezielle Behandlung der vorhandenen Symptome.
Der therapeutische Ansatz, mit Antibiotika zuerst die vorhandenen Symptome zu lindern, führt nur zu einer Symptomunterdrückung, wodurch die Behandlung oder gar die Heilung etwa einer Borreliose noch mehr erschwert wird. In der alternativen Medizin werden Symptome nur so weit gelindert, bis das Leben wieder erträglich ist, aber zugleich wird von Anfang an auch der Körper darin unterstützt, seine Regulationsfähigkeit wieder herzustellen. Wenn dies weitgehend erreicht ist und die Lebenskräfte in gewohntem Maß zurückkehren, sind Maßnahmen zur Entgiftung und Schadstoffausleitung angezeigt (siehe Entgiftungskur Seite 200). Geschieht dies zu früh, würde der Körper durch Überforderung erneut in eine Krise gestürzt. Eine erfolgreiche Entgiftung hingegen, so anstrengend sie je nach Methode auch sein mag, ist der beste Garant für eine in Zukunft stabile Gesundheit, und die verbliebenen Symptome sollten sich dann leichter kurieren lassen.
Verbesserung der äußeren Bedingungen
Einige einfache Maßnahmen helfen, die schädlichen äußeren Beeinträchtigungen des Immunsystems zu reduzieren:
– ein regelmäßiger, auf die biologischen Bedürfnisse des Körpers abgestimmter Tagesablauf mit echten Ruhepausen,
– eine ausreichende, gesunde und vollwertige »natürliche« Ernährung mit so wenig wie möglich Zusatzstoffen,
– eine Vermeidung von (auch versteckten) Genussgiften und allergieauslösenden Stoffen,
– der Konsum von 2 bis 3 Liter reinen, energetisierten mineralarmen Trinkwassers täglich und
– ein gesundes Maß an Ausgleichssport, körperlicher Bewegung und abhärtenden Maßnahmen.
Das geistige Milieu
Wie wichtig die Lebenseinstellung für das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Lebenszufriedenheit ist, zeigen die Ergebnisse der modernen psychoimmunologischen Forschung und natürlich die persönliche Erfahrung.
Der Erhalt und die Wiederherstellung der Gesundheit ist von allen genannten Faktoren abhängig, wobei verschiedene Menschen in sehr unterschiedlichen Intensitäten auf bestimmte einzelne Faktoren reagieren. Die dadurch erzielte Steigerung der Lebensenergie wirkt sich nicht nur auf die allgemeine Vitalität, sondern auch auf die Lebensfreude und die gesamte Lebensqualität aus.
7 Mein Vater starb im Krankenhaus an einer an sich harmlosen Lungeninfektion, so wie jedes Jahr 7500 andere Patienten in Deutschland durch Infektionen resistenter Krankenhauserreger sterben.
8 Diese Oberflächenrezeptoren vermögen durch komplizierte Mechanismen zwischen körpereigen und körperfremd zu unterscheiden.
9 Siehe wikipedia.org/wiki/Post-Polio-Syndrom.
Borreliose und systemische Erkrankungen
Erkrankungen durch Spirochäten
Es gibt zwei Erkrankungen durch Spirochäten, die beide sehr viele Gemeinsamkeiten haben und beide zu den systemischen Erkrankungen zu rechnen sind: Syphilis und Borreliose. Gerade am Beispiel der Spirochätenerkrankungen kann gezeigt werden, dass das Prinzip der Regulation nicht nur auf die Borreliose, sondern auch auf alle anderen systemischen Erkrankungen anwendbar ist.
Beide Erkrankungen verlaufen sehr ähnlich in drei Phasen, beide können sehr vielschichtig und maskiert auftreten, und bei beiden werden in der Alternativmedizin die gleichen Therapieansätze angewendet. Wie der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl in seinem Buch »Borreliose natürlich heilen« anhand ethnomedizinischer Untersuchungen zeigt, können beide Spirochätenerkrankungen fast gleich behandelt werden.
Borreliose
Schon seit einigen Jahren wird in den Medien jedes Frühjahr im Zusammenhang mit Zeckenbissen von ärztlicher Seite vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis gewarnt. Die viel gefährlichere, ebenfalls durch Zecken übertragene Borrelioseerkrankung wird dabei weitgehend aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit ausgeblendet.
Viele vor allem von Zecken übertragene systemische Krankheiten sind überall auf der Welt auf dem Vormarsch, vermutlich begünstigt durch Faktoren wie Klimaveränderung und Ausbreitung des Menschen in ländliche Gegenden, aber auch durch eine zunehmende Störung des Immunsystems des Menschen durch Umweltgifte. Die häufigste dieser systemischen Erkrankungen ist immer noch die Lyme-Borreliose: Borreliose wird in allen Teilen der nördlichen Hemisphäre, in den USA, Europa, Sibirien, in der Mongolei und China zunehmend zum Problem. Möglicherweise ist auch ein Teil des zahlenmäßigen Anstiegs auf ein gewachsenes Bewusstsein zu dieser Erkrankung in der Bevölkerung zurückzuführen. Andererseits werden auch viele Erkrankungen mit undifferenzierten Symptomen der Borreliose zugeschrieben. Die Diagnosestellung einer Borreliose erscheint häufig eher ein »Zufallsbefund« zu sein als eine exakte klinische Feststellung.
Zecken verbreiten vor allem auf der nördlichen Hemisphäre mindestens 16 verschiedene systemische Erkrankungen, einschließlich Anaplasmose, Babesiose, Ehrlichiose, Rickettsiose und Rocky-Mountains-Fleckfieber. Meist handelt es sich bei diesen um »schwerwiegende, lebensbedrohliche Infektionen«. Weltweit mehr Unheil als durch Borreliose droht von schweren systemischen Erkrankungen, die in einigen Teilen Afrikas, im Nahen Osten, in Asien aber auch schon in Südeuropa verbreitet sind; z. B. das häufig tödlich verlaufende Krim-Kongo-Fieber. In einigen Gebieten Senegals ist jeder 20. Bewohner von dem durch Zecken übertragenen Rückfallfieber betroffen.
Borreliose als systemische Erkrankung
Wir betrachten die Borreliose in erster Linie als eine systemische Erkrankung, das heißt eine Störung oder das Versagen der körpereigenen Regulation und damit des gesamten Immunsystems (siehe Seite 26).
Das Auftreten von Erregern muss dabei nicht ursächlich für die Erkrankung sein. Da eine systemische Erkrankung in erster Linie durch das Versagen der körpereigenen Regulationsvorgänge entsteht, indem bildlich gesprochen ein letzter Tropfen »das Fass zum Überlaufen bringt«, ist der »Infektionsweg« unwesentlich. Wichtig ist, die Regulation wieder »in Ordnung« zu bringen, sodass die natürlichen Regulationsprozesse wieder einwandfrei ablaufen können. Deshalb ist der für jede erfolgreiche Therapie wesentliche Schritt das Erkennen der »gestörten Regulation«.
Zur Geschichte der Borreliose und der symptomidentischen Erkrankungen
Die Borreliose ist scheinbar eine »neue« Erkrankung, die erst seit etwa zwanzig Jahren bekannt ist. Dies kommt aber nur daher, dass diese Erkrankung erst nach 1980 klinisch definiert wurde. Die Problematik besteht darin, dass die meisten »Infektionskrankheiten« auf einer modernen Definition beruhen und medizingeschichtlich betrachtet keine Erkrankung vor 1900 (bzw. keine Viruserkrankung vor 1940) sicher auf eine heutige Definition übertragen werden kann.
1883 beschrieb der polnische Arzt Alfred Buchwald den Fall einer »diffusen, idiopathischen Hautatrophie«, die bei einem 36-jährigen Patienten bereits über 16 Jahre bestanden hatte. Aufgrund der Schilderung handelt es sich dabei um die erstmalige Beschreibung der chronisch progredienten Dermato-Borreliose; 1894 wurde diese von Dr. Platen in seinem Werk »Die Neue Heilmethode« als Typhus recurrens als »günstige«, also heilbare Krankheit dargestellt. 1902 beschrieben Herxheimer und Hartmann die Entwicklung dieser Hauterkrankung von einer frühen entzündlichen zu einer späten chronischen Phase und nannten das Krankheitsbild Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA). In den folgenden Jahren wurde das gesamte Spektrum der Erscheinungen beschrieben, nämlich Haarverlust, makuläre Atrophie, sklerodermieartige Veränderungen, ulnare Bänder, fibroide Knoten und das typische Erscheinungsbild der chronisch atrophischen, »zerknülltem Zigarettenpapier« ähnlichen Haut. Später wurde beobachtet, dass einige Patienten an Gelenkschmerzen litten, bevor sich die ACA entwickelte, und dass bei mehr als 10 Prozent der Patienten Gelenkveränderungen vorlagen.
Im Oktober 1909 berichtete der schwedische Arzt Arvid Afzelius von der Entwicklung eines Erythema migrans bei einer Patientin nach einem Zeckenbiss. Ebenso beschrieb W. Balban aus Wien detailliert die Entwicklung von annulären Erythemen bei drei Patienten. 1911 beschrieb J.L. Burckhardt erstmals ein solitäres Lymphozytom bei einer 60-jährigen Frau als erythematöse Plaque (2 x 6 cm), die über einige Wochen am Oberarm bestehen blieb.
1913 beschrieb Lipschütz einen Fall von Erythema chronicum migrans, das sich über sieben Monate von der Kniekehle ausgehend ausbreitete. Das Erythem erstreckte sich schließlich über den Oberschenkel und den Rücken bis zum Nacken und schwand dann spontan; die histologischen Veränderungen waren völlig unspezifisch. Später berichtete Lipschütz von einem Patienten mit zwei gleichzeitig bestehenden Erythema-migrans-Läsionen.
1922 veröffentlichten Ch. Garin und R. Bujadoux einen Bericht über einen 58-jährigen Patienten, der nach einem Zeckenbiss ein markantes Erythem entwickelte und etwa einen Monat später »von der Krankheit geradezu überfallen wurde, in einer raschen, schmerzhaften, beunruhigenden und in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Art«. Er wurde mit »Schmerzen in den Beinen, am Rumpf und rechten Arm, begleitet von Lähmungen und Atrophie des rechten Deltamuskels« ins Krankenhaus eingewiesen. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich und nahm schließlich innerhalb von 21/2 Monaten einen Spontanverlauf mit einer Bewegungseinschränkung des rechten Armes als Restdefekt. Allerdings stellten die Autoren noch keinen Zusammenhang mit dem Erythem her.
1930 berichtete S. Hellerström von einem Patienten, der drei Monate nach dem Auftreten eines Erythema migrans (wandernde Röte) eine Meningoenzephalitis entwickelte.
1941 beschrieb A. Bannwarth ein Syndrom der »chronischen lymphozytären Meningitis mit dem klinischen Bild der Neuralgie oder Neuritis«. Er unterschied drei Gruppen: Patienten mit intensiven Nervenwurzelschmerzen, jüngere Patienten mit Fazialislähmung und Patienten mit chronisch lymphozytärer Meningitis mit zerebralen Symptomen wie starken Kopfschmerzen und Erbrechen. Gemeinsam war allen, dass sie einen entzündlichen Liquor hatten. Typisch war auch, dass die heftigen Nervenschmerzen in der Nacht besonders intensiv waren. Die Symptome dieser Meningoradikuloneuritis schwanden erst nach Wochen oder Monaten. Trotz dieser Einsicht in den Krankheitsverlauf übersah er den Zusammenhang zwischen Zeckenbiss, Erythema migrans und Meningitis.
Bis in die Mitte der 1940er Jahre war das klinische Bild der typischen Erkrankungen von Haut und Nervensystem der heutigen symptomidentischen Lyme-Borreliose bekannt. Außerdem gab es vereinzelte Berichte über Gelenkerkrankungen, Myalgien, Müdigkeit und schwere Arthralgie, begleitet von Myokarditis. Die heute als charakteristisch geltenden Krankheitsbilder wurden jedoch nicht in einem ursächlichen Zusammenhang gesehen.
Selbst heute noch sind verschiedene Definitionen verbreitet. So spricht das Praxisnetz Kiel in Bezug auf das Zeckenrückfallfieber von Borreliose recurrens, die Universität Magdeburg bezeichnet die Lyme-Borreliose als Typhus recurrens, während das Bundesgesundheitsministerium das symptomidentische Rückfallfieber der Zecke als Typhuserkrankung bezeichnet, welches die Universitätsklinik Frankfurt in ihrem Archiv wiederum als Typhus recurrens beschreibt.
Ein großes Problem der modernen Medizin ist ihre Spezifizierung, die sich natürlich auch in der Benennung von Krankheiten, Erkrankungen, Syndromen und Symptomen niederschlägt. Vergleicht man die Ausgaben des »Klinischen Wörterbuchs Pschyrembel« der letzten vierzig Jahre, so schwoll deren Umfang und die Anzahl der Stichworte von Jahr zu Jahr an – Folge einer Benennungswut, vor der Hahnemann bereits vor zweihundert Jahren warnte. Heute geht man von über 20 000 Erkrankungen und Syndromen aus, und jedes Jahr kommen neue dazu. Aber das Wissen um deren Linderung oder gar Heilung nimmt stetig ab.
Auf meine Frage nach ihrem Leiden zählen meine Patienten immer eine Liste von klinischen Erkrankungen auf und verstehen oft nicht, warum ich nachfrage: »Was haben Sie denn wirklich?« Da heute der Borreliose hunderte von Symptomen zugeordnet werden, ist es zunächst wichtig, die Erkrankungssymptome unabhängig von der klinischen Krankheitsbezeichnung zu verstehen.
Da viele Krankheiten mit weitgehend ähnlichen oder den gleichen Symptomen ablaufen, ist es nicht wichtig, welchen Namen man der Erkrankung gibt, sondern welche Störungen wirklich vorliegen. Es ist für mich immer noch unverständlich, warum die Schulmedizin mit einer ausgefeilten Diagnostik arbeitet, wenn dann doch fast alle Erkrankungen mit nur wenigen Mitteln therapiert werden: meist mit Antibiotika, Kortison und Schmerzmitteln.
Symptomidentische Erkrankungen werden, vollkommen unabhängig von der vorliegenden »Diagnose«, sehr ähnlich oder sogar gleich behandelt.
Die Eigenschaften der Borrelien
Der Erreger der Borreliose erhielt seinen Namen Borrelia burgdorferi nach seinem Schweizer Entdecker Willy Burgdorfer, der das Bakterium 1981 in den USA entdeckte. Borrelien sind dem Erreger der Syphilis ähnliche, spiralförmige Bakterien, die etwa 10 bis 30 Mikrometer (µm, Tausendstel Millimeter) lang und etwa 0,2 Mikrometer dick sind und wenige, relativ große Windungen aufweisen; im Unterschied zu anderen Spirochäten lassen sie sich mit üblichen Färbemitteln gut darstellen.
Der Aufbau der Borrelien ist komplexer als jener der Syphilis-, Pinta- oder Frambösie-Spirochäten. Sie haben drei Hüllen, wobei die äußere Zellwand, ähnlich wie bei anderen Bakterienarten, aus einer schleimigen Schicht von Oberflächenproteinen (bakterielle Lipoproteine BLP) besteht. Diese schützt sie vor den T-Zellen des Immunsystems und wirkt wie eine Tarnkappe, die verhindert, dass Antikörper und Fresszellen sie als fremd erkennen. Bei gewöhnlichen gramnegativen Bakterien sind diese Oberflächenproteine nur in drei Genen verschlüsselt, bei Borrelien dagegen sind 150 Gene beteiligt, die es ihnen erlauben, ihre Erkennungsmerkmale fortwährend und augenblicklich zu verändern.
Borrelien sind in der Lage, ihre normale längliche Gestalt in eine Kugel umzuwandeln. Zudem zeigen Studien, dass sie in weiteren Formvarianten vorkommen können, die unter dem Oberbegriff Sphäroblasten zusammengefasst werden. Diese besitzen eine defizitäre Zellwand oder sind zellwandlos. In Studien wurde nachgewiesen, dass diese Formen sowohl intrazellulär als auch extrazellulär vorkommen können und in der Lage sind, sich trotz ihrer zellwandlosen Form zu teilen und sich auch wieder in komplette Formen zurückzuentwickeln. In dieser Form können Borrelien auch in Knorpelgewebe eindringen und sind damit für Antibiotika unerreichbar. In verkapselter Form bleiben sie mindestens zehn Monate lebensfähig.
Borrelien können an Körperzellen wie auch an Abwehrzellen andocken, sie können mit Hilfe von Enzymen ein Loch in deren Zellwand bohren, deren Kern abtöten und dann die Zellhülle als »Maske« benutzen. Auf diese Weise gelingt es ihnen, von Immunzellen unerkannt zu bleiben. Sie kopieren Teile ihrer Gene, bauen diese dann in ihre Zellwand ein, zwicken diesen Zellwandteil ab und schicken diese Blebs im Wirtsorganismus auf Reisen. Sie manipulieren ihren Wirt durch die Ausscheidung von Peptiden und Stoffwechselabfallprodukten, wodurch sie ein für sich günstiges Milieu schaffen.
Außerhalb der Zellen ist ihr Lebensraum vor allem der Zwischenzellraum. Dieser besteht hauptsächlich aus den gallertartigen Substanzen (Knorpel, Gelenkschmiere, Augenflüssigkeit, Endothelialzellen10, Nervenmyelien, Narbengewebe). Deswegen sind sie, obwohl im Körper vorhanden, im Serum oft nicht nachweisbar.
Borrelien sind sehr beweglich. Mit Hilfe von Geißeln und einem dehnbaren Achsenfaden schrauben sie sich durch das Körpergewebe und die Körperflüssigkeiten. Auf diese Weise können sie den Körper durchwandern und auch in tiefere Gewebe eindringen, wo Antibiotika sie nicht erreichen. Die Spirochäten können alle Gewebe, Augen, Leber, Milz, Gelenke, Blase, Kapillaren und so weiter, durchdringen. Innerhalb von zehn Tagen nach der Ansteckung haben sie bereits die Blut-Hirn-Schranke überwunden, was nicht einmal weißen Blutzellen möglich ist. Borrelien benötigen für ihren Stoffwechsel kein Eisen, sondern verwenden stattdessen Mangan11. Sie können angeblich sowohl aerob als auch anaerob existieren, eine stark sauerstoffhaltige Umgebung ist aber für sie tödlich. Sie bevorzugen dennoch eine saure Umgebung und machen ihre Umgebung durch ihre Ausscheidungen sauer.
Borrelien gehen dorthin, wo Manganstoffwechsel erfolgt und verbrauchen das dort befindliche Mangan. Das sind schwerpunktmäßig die Gelenke (Sehnen, Knorpel und Knochen) und alles was mit Enzymbildung und Nerven zu tun hat, auch Rückenmark und Gehirn. Es gibt intrazelluläre Ruheformen, die kein Mangan verbrauchen, vor allem im Fett- und Bindegewebe. Möglicherweise können Borrelien mit dem Mangan im Blut gar nichts anfangen, sondern brauchen eine bestimmte Verarbeitungsstufe, was eine Ursache für ihre Wanderung in die Zellen sein könnte.
Da sie wenig Sauerstoff brauchen, um zu überleben, können sie sich in Knorpel, Narbengewebe, Nervensträngen, den endothelialen Auskleidungen der Blutgefäße sowie anderen wenig durchbluteten, sauerstoffarmen Geweben vor den Abwehrzellen verstecken.
Borrelien vermehren sich äußerst langsam. Sie teilen sich alle 12 bis 24 Stunden. Das macht sie weniger angreifbar für Antibiotika, da die meisten Antibiotika die sich neu bildenden Bakterienzellwände während der Teilungs- und Vermehrungsphase angreifen. Wenn ihnen das Milieu nicht angenehm ist, können Borrelien auch lange Zeit in Ruhephasen verharren, ohne sich zu teilen. Generell kommt es bei ihnen einmal in einem lunaren Rhythmus von 28 Tagen zu Vermehrungsschüben. Im Gegensatz dazu können Bakterien, die sich alle 20 Minuten teilen, mit Antibiotika innerhalb von ein oder zwei Wochen abgetötet werden.
Spirochäten haben die Fähigkeit, antibiotische Gifte schnell aus ihrem Körper auszuscheiden und können Kälte bis 50 Grad minus ertragen. Hitze über 42 Grad vertragen sie jedoch nicht.
Die wichtigsten Borrelien
Unter dem Oberbegriff Borrelia werden mindestens 30 Unterarten zusammengefasst.
Von den etwa 30 Unterarten der Borrelia sind nur die Borrelia burgdorferi als Erreger der Lyme-Borreliose beim Menschen und ein paar andere im Veterinärbereich erforscht.
– Borrelia burgdorferi: Erreger der durch Zecken übertragenen Lyme-Borreliose. Aufgrund der Zeckenaktivität häufen sich Infektionen vor allem im Sommer und Herbst. Kennzeichen der Erkrankung sind vor allem Kopfschmerzen, Erytheme und arthritische Beschwerden. Viele weitere Symptome können folgen.
– Borrelia recurrentis: Erreger des Läuserückfallfiebers. Sie werden durch die Kleiderlaus (Pediculus humanus) übertragen. Diese Krankheit ist durch starke Fieberschübe gekennzeichnet. In früheren Zeiten kam es zu regelrechten Krankheitsepidemien, vor allem in Gegenden mit mangelnder Hygiene und starkem Läusebefall. Heute ist sie vor allem in den kühleren Gebieten Afrikas, Südamerikas und Asiens verbreitet.
– Borrelia duttoni: Erreger des Zeckenrückfallfiebers. Wird durch Lederzecken (Ornithodorus moubata) übertragen. Diese Krankheit entspricht im Wesentlichen dem Läuserückfallfieber, ihr Vorkommen ist jedoch auf die wärmeren Gebiete der Tropen und Subtropen beschränkt.
Mischinfektionen verschiedener Borreliengattungen kommen oft vor, wobei mehrere Erregergattungen übertragen werden können. Viel öfter jedoch kommt es zu Mischinfektionen von Borreliose und anderen bakteriellen oder viralen Erkrankungen, da durch die Borreliose das Immunsystem massiv geschwächt ist und eine Zweitinfektion, etwa Babesiose, Ehrlichiose oder Rickettsiose, sich dadurch leichter ausbreiten kann.
Verbreitung des Erregers und Meldepflicht
Borrelia burgdorferi, der Erreger der Borreliose, ist weltweit in Zecken verbreitet. In Deutschland gibt es ein Nord-Süd-Gefälle bei der Durchseuchung der Zecken, die auch regional sehr variieren kann. Während in den nördlichen Bundesländern die Zecken nur etwa zu 6 bis 10 Prozent mit Borrelia burgdorferi durchseucht sind, liegt die Durchseuchungsrate im süd- und mitteldeutschen Raum bei 20 bis 30 Prozent und kann regional bis zu 50 bis 60 Prozent betragen. Es fehlen jedoch bisher flächendeckende epidemiologische Studien sowie Daten über die Ausbreitung und das Infektionsrisiko für den Menschen.
Jährlich erkranken allein in Deutschland schätzungsweise 50 000 bis 70 000 Menschen an Borreliose (2006); damit ist sie die zweithäufigste Infektionserkrankung in Deutschland. In der Schweiz beträgt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen 3000 und in den USA 200 000 Menschen12. Das Center for Disease Control Atlanta, Georgia, schätzt die Gesamtzahl der Infizierten in den USA auf 18 Millionen. Die Anzahl der weltweit Infizierten wird auf fast 1 Milliarde geschätzt.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum immer noch veraltete oder schlichtweg falsche Zahlen in der Presse, aber auch in den offiziellen Statistiken über die Krankheitsfälle im Umlauf sind. Anscheinend findet hier eine absichtliche Verharmlosung eines ernstzunehmenden Problems statt. Die Öffentlichkeit wird durch falsche Angaben seit Jahren absichtlich belogen, eine trügerische Sicherheit wird vorgegaukelt.
Im Gegensatz zur artverwandten Syphilis, der durch Läuse übertragenen Borrelia recurrentis sowie der ebenfalls durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis wurde die Borreliose nicht in das Infektionsschutzgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. In den neuen Bundesländern und in Berlin besteht jedoch eine Meldepflicht für Borreliose. Dabei werden die Falldefinitionen des Robert-Koch-Instituts zugrunde gelegt, die lediglich eine Meldung des Erythema migrans und der frühen Neuroborreliose (das heißt in Zusammenhang mit einer Borrelieninfektion auftretende Symptome, die das Nervensystem betreffen) vorsieht. Das Erythema migrans tritt in 50 bis 60 Prozent der Neuerkrankungen auf. Eine Neuroborreliose, Borreliose-Arthritis und andere Organmanifestationen der Borreliose können sich auch noch nach einer längeren Latenzzeit entwickeln.
Es wäre sinnvoll, eine reale Meldepflicht für alle Erkrankungen durch Borrelien und Mischinfektionen (Ehrlichose, Rickettsien, Chlamydien, Yersinen usw.) in allen Bundesländern in Deutschland sowie auch in allen Ländern der EU einzuführen. Entsprechende Daten aus anderen Ländern zeigen, dass die Meldepflicht nicht konsequent eingehalten wird. Es kann inzwischen davon ausgegangen werden, dass nur ein Viertel der tatsächlichen Fälle gemeldet werden.
Verbreitung der Borreliose-Erkrankung
Nicht jede Infektion mit Borrelien bedeutet auch eine Borreliose. Mit steigender Zahl der »Experten« steigt auch das prognostizierte Risiko an einer Infektion zu erkranken – schließlich kann niemand sagen, ob im konkreten Fall die Infektion harmlos bleibt oder nicht. Die Meinungen der »medizinischen Experten« dazu gehen weit auseinander, die Schätzungen variieren zwischen 3 und 15 Prozent, dass bei einem mit Borreliose Infizierten die Krankheit ausbricht. Diese Verwirrung zeigt, dass die »bakterielle Infektion« allein das »kleinste Risiko« ist, wenn die Spirochäten nicht ein geschädigtes Milieu vorfinden würden.
In Deutschland stehen 250 Neuerkrankungen (2005) mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) jährlich 50 000 bis 70 000 Neuinfektionen mit Borreliose gegenüber! Das Verhältnis beträgt also offiziell 1:200 bis 1:300. Da aber viele Borreliosefälle nicht gemeldet werden, liegt das Verhältnis wohl eher bei 1:600 bis 1:800.
Nach Schätzungen des Center for Disease Control Atlanta, Georgia, infiziert Borrelia burgdorferi in den USA jährlich etwa 329 000 Menschen. Obwohl sich die meisten sofort mit Antibiotika behandelten Patienten schnell erholen, zeigt ein Fünftel langfristige und potenziell lebensbedrohliche Symptome, einschließlich Herzproblemen, Seh- und Gedächtnisstörungen und kraftzehrenden Gelenkschmerzen. Die Fälle von Lyme-Borreliose haben sich in der Zeit zwischen 1992 und 2014 in den USA verdreifacht, auch wenn ein Teil des zahlenmäßigen Anstiegs vielleicht eher auf ein gewachsenes Bewusstsein in der Bevölkerung zurückzuführen ist.
Vor der FSME wird öffentlich panikartig gewarnt, und Apotheken werben mit Unterstützung der Pharmaunternehmen großflächig für Impfmassnahmen, die Borreliose hingegen wird totgeschwiegen. Noch lässt sich mit der Impfung mehr Geld verdienen.
Man nimmt an, dass in Deutschland inzwischen 500 000 (oder mehr) Personen an Borreliose leiden, die weitaus meisten, ohne die Ursache zu kennen, mit mehr oder weniger starken Symptomen der Borreliose, für die kaum ein Arzt eine Erklärung hat oder gar eine Abhilfe kennt.
Das Dilemma wird deutlich, wenn man bedenkt, dass nach wie vor bei einer erkannten Borreliose die Therapie mit Antibiotika als ärztliche Pflicht beziehungsweise deren Unterlassung als Kunstfehler gilt, wenngleich die Medizingeschichte zeigt, dass dazu keine Notwendigkeit vorliegt.
Borreliose ohne Beschwerden?
Die sogenannte »klinisch stumme« Borrelieninfektion stellt für die Schulmedizin einen Sonderfall dar. Der betroffene Mensch spürt nichts, kann an sich nichts Auffälliges entdecken und ist im Grunde genommen auch nicht »krank« im Sinne der sozialmedizinischen Definition. Für die meisten Ärzte gibt es die »Borreliose ohne Beschwerden« nicht. Es ist ein »unvorstellbarer« Zustand, der nicht einer Borreliose zugeordnet werden kann. Je mehr jedoch unspezifische Symptome der Borreliose mitberücksichtigt werden, desto mehr verschiebt sich die Feststellung »nicht borreliosekrank« zum Krankheitsbild der Borreliose.
Sobald eine weitere Schwächung des Immunsystems oder eine Regulationsstörung eintritt, können Symptome der klinischen Borreliose auftreten. Erst dann gilt der Betroffene als borreliosekrank. Umstritten ist, ob diese »Zündschnur-Infektion« nicht viel häufiger ist als allgemein angenommen. Irgendwann kommt die Borreliose doch noch zum Ausbruch und zwar dann, wenn durch einen weiteren Tropfen (z. B. Antibiotika oder Umweltgifte) das Fass der gestörten Immunabwehr zum Überlaufen gebracht wird.
Übertragung der Borreliose
Borreliose ist nicht ansteckend; eine direkte Übertragung der Borrelien von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt. Bei einer infizierten Frau besteht in der Schwangerschaft jedoch durch die Übertragung der Borreliose auf dem Blutweg die Gefahr einer Totgeburt oder der Schädigung des ungeborenen Kindes. Eine Übertragung durch Blutprodukte ist zwar grundsätzlich möglich, wird aber bislang als gering angesehen. Borreliose gilt bisher auch nicht als sexuell übertragbar.
Im Gegensatz zu Wildtieren werden Haustiere wie Hunde, Rinder und Pferde stärker von Borrelien befallen, da ihr Immunsystem durch Antibiotika, Desinfizierung, Entwurmungskuren und Impfung stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Eine Übertragung der Borreliose durch einen Hund oder eine Katze wurde bisher in der medizinischen Literatur aber noch nicht beschrieben, dokumentiert ist dagegen eine Borreliose nach einem Biss durch ein infiziertes Pferd.
Borrelien werden zwar hauptsächlich, aber nicht ausschließlich durch Zecken übertragen. Inzwischen geht man nach einer längeren Beobachtung davon aus, dass außer der Zecke auch Flöhe, Läuse, Mücken, Spinnen, Milben und Wanzen eine Borreliose übertragen können. Die Schätzungen nicht durch Zecken übertragener Borreliose-Erkrankungen liegen heute je nach Quelle bei 10 bis 30 Prozent und 20 bis 35 Prozent der Infizierten.
Zecken und ihre Biologie
Nach ihrer biologischen Systematik gehört die im ausgewachsenen Stadium achtbeinige Zecke zur weltweit verbreiteten Ordnung der flachen, derbhäutigen Milben (Acari) und der Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Weltweit gibt es etwa 650 Zeckenarten.13 Allen Zecken gemeinsam ist die blutsaugende, parasitische Lebensweise.
Die Entwicklung der meisten Zeckenarten verläuft in drei Zyklen. Aus den Eiern der Zecken entwickeln sich zunächst sechsbeinige Larven, dann achtbeinige Nymphen und schließlich die geschlechtsreifen Zecken.
Die in Deutschland hauptsächlich vorkommende Waldzecke Ixodes ricinus, bekannt unter der Bezeichnung Gemeiner Holzbock, ist im Hungerzustand 2,5 Millimeter (Männchen) bis 4 Millimeter (Weibchen) groß und meist schwarz, selten rot gefärbt. Vollgesogen nach einer Blutmahlzeit kann sie auf über 1 Zentimeter Größe anschwellen (bis 11 mm).
Borreliose ist eigentlich eine Krankheit der Nagetiere; aber auch andere kleine Säugetiere, vorzugsweise Mäuse, Ratten, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Marder, Maulwürfe und Igel werden von Zecken befallen, daneben auch Füchse, Rehe, Wildschweine und andere Tiere wie Vögel und selten Eidechsen, aber auch Haustiere wie Hunde, Katzen14, Schafe, Rinder15 und Pferde. Siebenschläfer sind in vielen Gebieten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz das Hauptreservoir der Borrelien. Der Mensch ist biologisch ein »Irrwirt«, woraus sich auch die Vielfalt der Symptome erklärt. Da die Symptome oft uncharakteristisch sind, wird die Borreliose das »Chamäleon unter den Infektionskrankheiten« genannt.
Zecken sind blind und haben, um einen geeigneten Wirt zu erkennen, im vordersten Beinpaar ein Sinnesorgan, das Hallersche Organ, das auf thermische und chemische Reize des Wirts reagiert. Zecken nehmen potenzielle Opfer an der Erschütterung und über die Infrarotstrahlung wahr, die jeder Warmblüter abgibt, außerdem über den ammoniak-, butter- und milchsäurehaltigen Schweißgeruch. Der Aspekt des Geruchs mag die gelegentliche Beobachtung erklären, dass unter gleichen Bedingungen der eine Spaziergänger nicht behelligt wird, während der andere, und zwar der Übersäuerte, die Zecken geradezu anzuziehen scheint. Schließlich können Zecken die Lichtveränderung durch Schatten und Wärmeunterschiede von wenigen Hundertstel Grad wahrnehmen.
Lebensraum und Aktionsradius der Zecke
Zecken finden sich vorzugsweise an Orten, wo ihre natürlichen Wirte besonders häufig vorkommen. Ideale Bedingungen bieten Waldränder und Waldlichtungen mit hoch gewachsenem Gras oder Farn, auch Bachränder mit entsprechendem Bewuchs. Die weit verbreitete Ansicht, dass sich Zecken von Bäumen herabfallen lassen, trifft nicht zu. Zecken klettern an den Pflanzen nach oben, wobei Larven bis zu 25 Zentimeter, Nymphen bis zu 50 Zentimeter und erwachsene Zecken bis zu 1,5 Meter Höhe erreichen können. Gefährdet ist, wer sich mit frei zugänglichen Beinen, Armen oder Oberkörper in einem entsprechenden Gebiet bewegt, das heißt im Gras liegt, im Gebüsch nach Brombeeren, Heidelbeeren oder Pilzen sucht oder beim Waldlauf durch das Unterholz joggt.
Zecken benötigen ein Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und relativ warmen Temperaturen. Im Winter sind sie deshalb nicht aktiv, überleben jedoch. Eis und Frost scheinen ihnen nichts auszumachen.16 Sie werden erst an warmen Frühlings- und Sommertagen bei Temperaturen ab 10 Grad Celsius wieder aktiv, in unseren Breitengraden also zwischen März und November, wobei ihre Hauptaktivität – mit Abweichungen je nach der aktuellen Wetterlage – im Mai, Juni und im September liegt. Im heißen Hochsommer ist die Zeckenaktivität geringer, da sie sich zum Schutz vor Austrocknung sicherer verstecken.
Lebenszyklus der Zecke
Der volle Entwicklungszyklus der Zecke dauert durchschnittlich zwei bis drei Jahre, unter ungünstigen Bedingungen, wenn sich kein Wirt finden lässt, bis zu fünf Jahre. Den größten Teil ihres Lebens verbringen die Zecken auf der Suche nach einem Wirt.
Nach dem Schlüpfen durchlaufen Zecken drei Entwicklungsstadien (Larve, Nymphe und erwachsenes Tier). Die weiblichen Tiere saugen in jedem dieser Zyklen einmal Blut, und zwar bis fünf Milliliter pro Mahlzeit. Die Larven befallen für ihre erste Blutmahlzeit vor allem kleine Säugetiere wie Igel oder Mäuse. Haben sie sich vollgesogen, verlassen sie das Wirtstier und häuten sich. Etwa 1 Prozent der Larven wird von mit Borrelien befallenen Kleintieren infiziert. Nachdem die Nymphe ihre Blutmahlzeit eingenommen hat, entwickelt sie sich zur geschlechtsreifen Zecke. Je nach Region und Untersuchung liegt bei den Nymphen schon eine 10- bis 100-prozentige Infizierung durch Borrelien vor.
Auch die erwachsene Zecke braucht erneut eine Blutmahlzeit. Weibliche Zecken saugen erheblich mehr Blut als Männchen. Sie brauchen das Blut zur Bildung ihrer bis zu 3000 Eier. Die Eier enthalten jedoch keine Borrelien. Eine vollgesogene weibliche Zecke wiegt ungefähr zweihundertmal so viel wie vor der Blutmahlzeit. Um so viel Blut aufzunehmen, braucht sie bis zu zehn Tage. Dabei schwillt ihr Hinterteil wie eine Kugel an. Fällt die Zecke nach einer Saugzeit von mehreren Tagen von ihrem Wirt ab, ist sie kaum noch in der Lage, sich fortzubewegen.
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