Read the book: «Ich bin Richelieu»

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Walter Brendel

Ich bin Richelieu

Eine Kurzbiografie

Impressum

Texte: © Copyright by Walter Brendel

Umschlag: © Copyright by Gunter Pirntke

Verlag:

Das historische Buch, Dresden / Brokatbookverlag

Gunter Pirntke

Mühlsdorfer Weg 25

01257 Dresden

gunter.50@gmx.net

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Vorwort

Beschreibung der handelnden Personen

Das kranke Kind, der junge Mann

Der Bischof zwischen Aufstieg und Machtverlust

Buckingham und der Kardinal

Richelieu und Maria von Medici

Frankreich in Gefahr

Das Spionagenetz des Kardinals

Die Gardisten seiner Eminenz

Das politische Testament Richelieus

Boten des Schicksals

Der Tod Richelieus und Ludwig XIII.

Fazit

Quellen

Buchempfehlungen

Vorwort

Frankreich in den Tagen des „Guten Königs“ Heinrich IV. anno 1593. Um den Frieden in den durch die Religion- und Bürgerkriege zerrüttenden Frankreich wieder herzustellen konvertierte Heinrich IV. am 25. Juli erneut zum Katholizismus. Der erneute Übertritt in Saint-Denis etwa, den er selbst einen „gefährlichen Sprung“ nannte, wurde gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes vollzogen – unter Androhung der Exkommunikation. Nur er selbst könne den König wieder in den Schoß der Kirche aufnehmen, erklärte der Papst – doch der französische Klerus nahm ihm die Entscheidung ab. Nun, wenn ein Sünder bereut und vom Tode bedroht ist – und Heinrich IV. erhielt ja ständig Todesdrohungen –, dann darf ein katholischer Geistlicher ihn wieder mit der Kirche versöhnen. Und genau das hat der französische Klerus getan. Der Papst konnte das nur sanktionieren – was er dann auf dem Verhandlungswege auch tat. Genau dieser „Gallikanismus“ war auch die Denkweise eines aufstreben enden jungen Mannes, Namens Richelieu.

Armand-Jean du Plessis, duc de Richelieu ist Abkömmling einer Adelsfamilie aus dem französischen Poitou. Er wird Bischof von Luçon, nachdem sein Bruder das alte Familienrecht darauf nicht in Anspruch nimmt. Schon zu dieser Zeit ist der Gottesmann ganz weltlich eingestellt und so ist es sein Ziel, nicht nur der Kirche, sondern auch seiner Heimat Frankreich zu dienen. Der zielstrebige Richelieu wird zum Kardinal ernannt, Minister Ludwig XIII. und erlebt einen raschen und steilen Aufstieg. Der „Eiserne“ wie er auch genannt wird, hat sich als Staatsmann zum Ziel gesetzt, Frankreichs Vormachtstellung in Europa zu garantieren und auszuweiten. Dabei übersieht er allerdings, dass das einfache Volk Not und Hunger leidet. So wird Richelieu zum meistgehassten Mann des Landes…

Im geschichtlichen Rückblick war er einer der größten Staatsmänner, die Frankreich je hervorgebracht hat. Obwohl die Darstellung des Kardinals als Finsterling in Dumas' Roman „Die drei Musketiere“ nicht dazu beigetragen hat, ihm einen besseren Leumund zu verschaffen.

Diese dokumentarische Zusammenfassung soll sich keinesfalls mit den ausführlicher Biografien um den Kardinal, wie z.B. von Klaus Malettke: „Richelieu. Ein Leben im Dienste des Königs und Frankreichs“; Philippe Erlanger: Richelieu oder Bruno Gloger: Richelieu, die Karriere eines Staatskanzlers, messen.

Kardinal Richelieu gilt als Begründer der französischen Hegemonie über Europa. Armand-Jean du Plessis, 1er Duc de Richelieu (1585–1642) brachte das Kunststück fertig, 18 Jahre lang als „Prinzipalminister“ Ludwigs XIII. die Geschicke des Landes zu leiten. Als Kirchenfürst kämpfte er im Bündnis mit der protestantischen Vormacht Schweden gegen das katholische Spanien und drängte den Einfluss des Papstes in Frankreich zurück.

Richelieu war sich seiner Verantwortung stets bewusst: für die Krone und auch als Kirchenmann. Und er hat sich ständig intensiv mit Rechtspositionen beschäftigt. Er war machtbewusst, ja; aber immer im Interesse der Krone. Und natürlich war sein Handeln auch für ihn selbst von Vorteil – aber das stand nicht wirklich im Vordergrund. Er war sicher ein überzeugter und frommer Katholik. Aber er hielt Distanz zu einer Gruppe, die man damals „die Devoten“ nannte; eine militante Gruppierung, die „Häretiker“ eliminieren wollte. In seinen Schriften hat Richelieu die Calvinisten als Christen beschrieben, die man wieder zum richtigen Glauben zurückführen müsse – aber mit überzeugenden Argumenten, nicht mit Gewalt. An dieser Linie hat er stets festgehalten.

Kardinal Richelieu gilt als Prototyp des Machiavellisten. So paktierte er mit den Schweden gegen die katholische Vormacht Spanien. Dabei folgte er aber strengen Regeln. Richelieu war gar nicht der Ehrgeizling, als der er immer dargestellt wurde.

Als kontroverse Figur gilt er zwischen 1624 und 1642 weiter. Für machtgierig und skrupellos gehalten zu werden muss man sich als Politiker wohl gefallen lassen. Allerdings hat er anfangs kein politisches Amt angestrebt. Ursprünglich sollte er die Militärlaufbahn einschlagen.

Er ging allerdings nicht nur als Militärstratege in die Geschichte ein, sondern als Begründer von Frankreichs Einheit, Größe und Ruhm.

Seit der Vater Polizeichef bei Hofe war, gehörten die Richelieus zum Hochadel. Diese Position musste man halten. Wer fortkommen wollte, konnte das nur über Beziehungen bei Hofe, wo die gnadenerweise vergeben wurden.

Doch der Reihe nach. Stellen wir erst einmal die Personen vor, die im Roman auftauchen und begeben wir uns danach nach Paris, wo Richelieu am 9. September 1585 geboren wurde.

Beschreibung der handelnden Personen

Heinrich IV., König von Frankreich

Heinrich IV., von Navarra, geboren am 13. Dezember 1553 in Pau, Navarra; ermordet am 14. Mai 1610 in Paris; war ab 9. Juni 1572 als Heinrich III. König von Navarra und ab 2. August 1589 bis zu seiner Ermordung am 14. Mai 1610 als Heinrich IV. König von Frankreich. In seiner gascognischen Heimat nannte man ihn in der Landessprache „unser guter König Heinrich“.

Heinrich spielte als erster Prinz von Geblüt und Anführer der hugenottischen Partei eine zentrale Rolle in den Hugenottenkriegen. Nach dem Aussterben des Hauses Valois erbte er die französische Krone und wurde der erste König aus dem Haus Bourbon. Für vier Jahre, die jedoch stark von den innerfranzösischen Auseinandersetzungen gekennzeichnet waren, blieb Heinrich IV. (als Calvinist) der einzige protestantische König in der Geschichte Frankreichs. Er konnte sich jedoch erst nach seinem Übertritt zum Katholizismus 1593 endgültig auf Frankreichs Thron durchsetzen.

Als König baute Heinrich IV. das von den Bürgerkriegen zerrüttete Land wieder auf und formte die Grundlagen für den französischen Einheitsstaat. Das Edikt von Nantes, das den französischen Protestanten freie Religionsausübung zusicherte, war einer der maßgeblichen Erlasse seiner Regierungszeit. Außenpolitisch positionierte er das Land wieder als ernstzunehmende Großmacht und nahm den Kampf Frankreichs gegen das Haus Habsburg wieder auf, um so die Vorherrschaft in Europa zurückzugewinnen.

Seine Mutter war die Lieblingsnichte Franz I., des früheren Königs von Frankreich. Unter Heinrichs Großmutter Margarete war das Königreich Navarra zum Sammelpunkt der Protestanten und religiösen Reformer geworden, denen in Paris Kerker, Verbannung und Scheiterhaufen drohten. Ihre Tochter Johanna machte die Schlösser Pau und Nérac zum Zentrum des französischen Protestantismus.

Bei der Heirat des französischen Thronfolgers Franz von Valois mit der schottischen Königin Maria Stuart am 24. April 1558 in Paris war der vierjährige Heinrich anwesend, wo er seine Cousine und spätere Frau Margarete von Valois zum ersten Mal traf. In späteren Erzählungen wird berichtet, dass König Heinrich II. so angetan von Heinrich von Bourbon war, dass er ihn und Margarete zu diesem Zeitpunkt informell verlobte.

Für immer prägten sich das schreckliche Blutbad der Bartholomäusnacht und das Abschlachten der Hugenotten in sein Gedächtnis ein. Das Gemetzel, das am 24. August 1572 in Paris begann, forderte das Leben von etwa 3000 Hugenotten, im übrigen Frankreich nochmals um die 10.000. In Paris ging hartnäckig das Gerücht um, Königin-Mutter Katharina von Medici habe ihren Sohn, König Karls IX. zur Anordnung des Massakers überredet.

1578 sahen sich Heinrich und Margarete nach 32 Monaten Trennung in der Guyenne wieder, wo Heinrich seit 1576 Gouverneur war. Sie kam auf Wunsch ihrer Mutter dorthin, in der Hoffnung, Heinrich zurück an den Pariser Hof zu holen. Nach einem Aufenthalt von fast vier Jahren kehrte Margarete 1582 zurück in den Louvre. Ein Jahr später kam es zu einem großen Familienzwist, nachdem Margaretes Bruder Heinrich III. sie wegen ihres Betragens vom Hof verwiesen hatte. Auslöser war wahrscheinlich der Umstand, dass sich ihr Ehemann die Diane d’Andouins, „La belle Corisande“ genannt, zur Mätresse genommen hatte. Ab März 1584 hielt sich Margarete unter dem Vorwand, Anschlägen Dianes zu entgehen, in Agen auf. Sie begann, Feindseligkeiten gegen ihren Mann aufzubauen, und wurde daraufhin in der Festung Usson gefangengesetzt.

Heinrich III., der letzte Valois, wurde am 1. August 1589 von dem Dominikaner Jacques Clément in Saint-Cloud niedergestochen und starb am nächsten Tag an den Folgen der Wunde. Da die 1575 geschlossene Ehe des Königs mit Luise von Vaudemont kinderlos war und er auch keinen Bruder mehr hatte, war die Valois-Linie erloschen. Heinrich III. hatte auf seinem Sterbebett seinen Schwager und Verbündeten als Nachfolger bestätigt, forderte aber dessen Konversion zum katholischen Glauben.

Noch im selben Jahr bestand König Heinrichs erste Handlung in der Abwehr einer spanischen Invasionsarmee. Am 27. Dezember 1594 versuchte der Student Jean Châtel, den König bei einer öffentlichen Veranstaltung im Hôtel de Schomberg aus religiösen Gründen zu erdolchen. Auf Heinrich wurden insgesamt 18 Attentate verübt.

Am 14. Mai 1610 wurde der König von François Ravaillac, einen verwirrten religiösen Fantasten ermordet. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob der Attentäter nicht doch Hintermänner hatte.

Margarete von Valois

Wurde am 14. Mai 1553 in Saint-Germain-en-Laye geboren und starb am 27. März 1615 in Paris. Sie war auch bekannt unter dem Namen la Reine Margot und war Königin von Frankreich und Navarra sowie Herzogin von Valois.

Das Leben Margaretes von Valois – nach dem Tod Heinrichs III. letzter Spross der Valois-Dynastie – war durch Skandale, Intrigen und Tragödien geprägt. Als gläubiges Mitglied der katholischen Kirche mit dem hugenottischen König Heinrich von Navarra verheiratet, war sie aufgrund der französischen Religionskriege ihr Leben lang Spielball der religiösen und politischen Parteien im Kampf um die Macht in Frankreich.

Ihr Leben ist vornehmlich durch die selbst verfassten Memoiren bekannt, die ein nahezu authentisches Bild ihrer Zeit in den Jahren 1565 bis 1582 geben. Der Rest ihres Lebens ist unter anderem durch ihre erhaltenen Briefe dokumentiert. Zeitgenossen beschrieben sie als stolz, „freigiebig und großzügig bis verschwenderisch“. Sie galt zudem als „wissensdurstig, redebegabt, schlagfertig und aufgeschlossen gegenüber den Wissenschaften“.

Ihren Vater hat Margarete kaum gekannt, da er bei einem Turnier anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester Elisabeth mit dem spanischen König Philipp II. starb, als sie erst sechs Jahre alt war. Das Verhältnis zu ihrer Mutter war lebenslang sehr zwiespältig und geprägt durch eine Mischung aus Furcht und Bewunderung. Mit ihren Schwestern und ihrem jüngeren Bruder François-Hercule verband sie eine innige Liebe, während das Verhältnis zu ihrem älteren Bruder Heinrich schon von Jugend an von Rivalität geprägt war und in späteren Jahren sogar zeitweilig in hasserfüllte Feindschaft umschlug. Nur über die Beziehung zu ihrem zweitältesten Bruder Karl ist wenig überliefert. Fest steht lediglich, dass er derjenige war, der Margaretes Spitznamen Margot erfand und als einziger benutzte.

Das Verhältnis zu ihrem Ehemann war von Höhen und Tiefen geprägt, die häufig durch die zahlreichen Mätressen Heinrichs von Navarra beeinflusst waren. Oft stand sie loyal an seiner Seite und unterstützte ihn und seine Ziele nach besten Kräften, obwohl es für sie politisch nicht opportun war. In anderen Momenten jedoch bezog sie offen Stellung gegen ihn oder versuchte, seine Pläne zu durchkreuzen. Erst einige Jahre nachdem ihre Ehe annulliert worden war, entwickelte sich ein dauerhaft freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden.

Margarete pflegte einen für ihre Zeit unkonventionellen Lebensstil, der zu zahlreichen Gerüchten und Spötteleien am französischen Königshof beitrug. Sie selbst trat diesem Gerede nicht entgegen, sodass ihre Person in späteren Publikationen oft als lasterhaft und sittenlos dargestellt wurde. Heutige Historiker attestieren ihr jedoch, dass sie sich lediglich die Freiheiten nahm, die zu jener Zeit für männliche Mitglieder des Adels üblich waren.

Katharina von Medici

Geboren am 13. April 1519 in Florenz und starb am 5. Januar 1589 in Blois. Sie war Prinzessin von Urbino und entstammte der einflussreichen florentinischen Familie der Medici. Durch Heirat mit Heinrich II. war sie ab 1547 Königin von Frankreich, später auch Regentin für ihre minderjährigen Söhne.

Sie wäre am französischen Hof weitgehend isoliert gewesen, hätte sie sich nicht einen Platz in der engeren Gesellschaft rund um ihren Schwiegervater erobert. Sie galt zwar mit ihren etwas vorstehenden Augen und ihrer zur Fülligkeit neigenden Gestalt nicht als hübsch, war aber gesellschaftlich gewandt, eine geübte und beherzte Reiterin, eine gewitzte und einnehmende Gesprächspartnerin und bereit, die mitunter rauen Scherze, die der französische König schätzte, mitzutragen. Mit dem Damensattel, den sie in Frankreich populär machte, war sie in der Lage, bei den Treibjagden zu Pferd mitzuhalten, und erwarb sich auch damit die Wertschätzung ihres königlichen Schwiegervaters. Politisch war sie klug genug, der offiziellen Mätresse des Königs, Anne de Pisseleu, der Herzogin von Étampes, mit größtem Respekt zu begegnen und eine freundliche Beziehung zu ihr aufzubauen. In ähnlicher Weise wusste sie sich bei Margarete von Navarra, der Schwester des Königs, beliebt zu machen. Ihren Mann dagegen konnte sie nicht erobern – seine Verbindung zu Diana von Poitiers wurde immer enger, während er auf die enge Beziehung seiner Ehefrau zur königlichen Mätresse, die mit seiner Geliebten um Einfluss am französischen Königshof kämpfte, mit Missfallen reagierte.

Am Morgen des 10. August 1536 starb der französische Thronfolger unerwartet nach kurzer, heftiger Krankheit. Heinrich, Katharinas Ehemann, war nun der neue Anwärter auf die französische Königskrone. Ihre Situation verschlechterte sich dadurch; sie war bereits seit drei Jahren verheiratet, ohne dass sich das geringste Anzeichen einer Schwangerschaft eingestellt hatte. Nachdem Heinrich 1538 auch noch Vater einer unehelichen Tochter geworden war, vermuteten alle am französischen Königshof bei ihr die Ursache dafür, dass bislang Kinder ausgeblieben waren. Zunehmend wurden Überlegungen laut, die Ehe aufgrund der Kinderlosigkeit zu scheiden.

Ausgerechnet Diane de Poitiers, die Mätresse Heinrichs, gehörte zu den Parteigängern am französischen Königshof, die sich für eine Fortsetzung der Ehe einsetzte. Eine neue, jüngere Braut hätte möglicherweise ihre Position unterminiert. Sie überzeugte Heinrich, der zu seinem Vater ein distanziertes Verhältnis hatte, von einer Fortsetzung der Ehe mit dem Hinweis, dass es vor allem die Parteigänger seines Vaters waren, die sich für eine Scheidung einsetzten. Die letzte Entscheidung über eine Scheidung lag jedoch bei Franz I.:

Katharina setzte alles aufs Spiel in einer unvergleichlichen Schau weiblicher Unterwerfung gegenüber dem Mann, der sich selber als der größte Gentleman Frankreichs bezeichnete. Während sie sich schluchzend zu seinen Füßen warf, erklärte Katharina, sie werde selbstverständlich zur Seite treten für eine neue Braut Heinrichs, die ihm Kinder gebären könne. Sie selber bäte nur darum, in Frankreich bleiben zu dürfen und der glücklichen Frau dienen zu dürfen, gleich welche Position ihr der König zuwies.

Die öffentliche Demütigung, der Katharina sich vor den Augen des französischen Königshofes unterwarf, rührte den französischen König dermaßen, dass er sich mit dem Hinweis, es sei Gottes Wille, dass sie seine Schwiegertochter und die Ehefrau Heinrichs sei, für eine Fortsetzung der Ehe aussprach. Die Erklärung des Königs stärkte Caterinas Position am Hofe. Margarete von Navarra, die Schwester des Königs, erinnerte ihren Neffen mehrmals in Briefen an die Qualitäten seiner Ehefrau. Diane de Poitiers sandte ihr Medikamente, die ihre Empfängnisbereitschaft erhöhen sollten, und sorgte dafür, dass Heinrich regelmäßig Geschlechtsverkehr mit seiner jungen Frau hatte. Katherina vom Medici unterzog sich gleichzeitig allen möglichen medizinischen Prozeduren, um endlich schwanger zu werden. Trotzdem dauerte es bis 1543, bis eine Schwangerschaft festgestellt wurde. Am 19. Januar gebar sie in Anwesenheit des französischen Königs endlich ihren ersten Sohn, der nach ihrem Schwiegervater Franz genannt wurde. In den nächsten zwölf Jahren folgten neun weitere Kinder, von denen sechs ihre Kindheit überlebten. Auch durch die vielen Schwangerschaften wirkte Caterina de’ Medici schon früh matronenhaft.

Mit der Geburt ihres ersten Sohnes veränderte sich Caterinas Position am französischen Hof signifikant. Sie hatte nun erstmals eine zentrale Rolle am königlichen Hof inne. Bestehen blieb jedoch die enge Bindung zwischen Heinrich und seiner Mätresse Diane de Poitiers, die nicht nur ebenso wie König Franz I. während der Geburt des ersten Sohnes anwesend war, sondern sich auch in die Erziehung der Kinder einmischte. Allerdings eskalierten zunehmend die Auseinandersetzungen zwischen der Mätresse des französischen Königs, Anne de Pisseleu, und Diane de Poitiers, bei denen sich die Mätresse des Königs durchsetzte und Heinrichs Geliebte für mehr als ein Jahr vom französischen Königshof verbannt wurde.

Am 31. März 1547 starb König Franz I. Katherinas Gatte Heinrich folgte ihm auf den Thron nach und wurde am 25. Juli 1547 in der Kathedrale von Reims zum König Heinrich II. gesalbt. Damit wurde Katherina Königin von Frankreich. Heinrich II. stand weiterhin unter starkem Einfluss seiner Mätresse, Diane de Poitiers. Seine Frau konnte sich mit dieser Situation arrangieren. Als Heinrich II. am 10. Juli 1559 überraschend an den Folgen eines Turnierunfalls starb, war die Königin in Regierungsgeschäften völlig unerfahren. Die Verbindung zu der italienischen Dynastie der Medici brachte es mit sich, dass eine Reihe italienischer Gewohnheiten, Lebensweisen und Alltagsgegenstände am französischen Hof Einzug hielten.

Maria von Medici

Maria von Medici wurde am 26. April 1575 in Florenz geboren und starb am 3. Juli 1642 in Köln. Sie entstammte väterlicherseits der mächtigen und reichen Florentiner Familie der Medici und war als zweite Frau des französischen Königs Heinrich IV. seit 1600 Königin von Frankreich. 1601 wurde sie Mutter des späteren Ludwig XIII. Nach der Ermordung Heinrichs IV. 1610 übernahm sie mehrere Jahre lang die Regentschaft für den noch unmündigen König. Gegen ihren Widerstand übte ihr Sohn seit 1617 die Herrschaft selbst aus. Obwohl sie den Aufstieg des späteren Kardinals Richelieu förderte, geriet sie später in Gegensatz zu ihm und verlor 1630 den gegen ihn ausgetragenen Machtkampf.

Ein Jugendporträt zeigt Maria als hübsches Mädchen mit regelmäßigen Zügen, hoher Stirn, hellbraunem Haar, grauen Augen und heller Haut. Sie bekam u. a. Unterricht in den Naturwissenschaften und interessierte sich sehr für Edelsteine, einen sehr kostspieligen Zeitvertreib. Ferner wurde sie in Musik und Malerei ausgebildet. Dagegen erlernte sie nicht Französisch und kümmerte sich auch später nach ihrer Verheiratung mit Heinrich IV. wenig um die Beherrschung dieser Sprache.

Obgleich Maria eine der reichsten Erbinnen Europas war, scheiterten diverse Versuche, sie zu verheiraten. Ihr Onkel Ferdinando I. de’ Medici bemühte sich, den bestmöglichen Gemahl für sie zu finden. Einige Angebote stießen nicht auf ihre Zustimmung; sie wollte sich angeblich nur mit einem König vermählen, da ihr eine Nonne eine solche Krone prophezeit habe. Die entscheidenden Gespräche bezüglich ihrer Eheschließung fanden mit dem zum Katholizismus konvertierten französischen König Heinrich IV. statt. Ein wesentlicher Grund für diese Verbindung waren die hohen Schulden, die der König bei den Medicis aufgenommen hatte. Eine zu erwartende reiche Mitgift Marias würde für Frankreich eine große Entschuldung bedeuten.

Mit 17 Galeeren, einem großen Gefolge von 2000 Personen, ihrem Schmuck und ihrer Mitgift segelte Maria am 17. Oktober 1600 von Livorno ab und landete am 9. November in Marseille. Antoinette de Pons, Marquise von Guercheville, empfing die künftige französische Königin, deren Ehrendame sie werden sollte, mit viel Pomp. Maria reiste weiter nach Lyon, wo sie auf ihren mehr als 20 Jahre älteren Bräutigam zu warten hatte, da sich dieser noch auf einem siegreichen Feldzug gegen das Herzogtum Savoyen befand. Der Monarch wollte rasch seine Frau kennenlernen und kam am 9. Dezember knapp vor Mitternacht vor der Stadt an, fand aber die Stadttore verschlossen. Nach einstündiger Wartezeit bekam er Einlass und betrat dann formlos in seiner Reisekleidung das Zimmer Marias, die sich ihm zu Füßen warf. Er küsste sie und bat, sogleich die Nacht mit ihr verbringen zu dürfen, ohne erst die Hochzeit abzuwarten. Außerdem verlieh er seinem Wunsch Ausdruck, möglichst bald einen Thronerben zu erhalten. Die persönliche Heirat des Paars fand am 17. Dezember 1600 in Lyon statt.

Anders als einst Katherina von Medici brachte die eifersüchtige Maria für die Seitensprünge ihres Gemahls kein Verständnis auf und arrangierte sich nicht mit der für sie unveränderbaren Situation; dazu kam noch Henriettes provokantes Verhalten ihr gegenüber. Dementsprechend gab sich die Königin (Krönung allerdings erst am 13. Mai 1610) in ihrer Kritik nicht zurückhaltend, sodass ihre Ehe wenig glücklich verlief. Es gab beständig Streitigkeiten zwischen den Eheleuten sowie zwischen Maria und der maîtresse en titre. Trotzdem behandelte Heinrich IV. seine unversöhnliche Gemahlin aufmerksam und ließ ihr alle zustehenden Ehren erweisen.

Auf die Politik suchte die ein luxuriöses Leben führende, teure Kleider und Edelsteine schätzende Königin insofern Einfluss zu nehmen, als sie sich bemühte, zur Rekatholisierung Frankreichs beizutragen, wie ihr auch Papst Clemens VIII. aufgetragen hatte. Es gelang ihr durchzusetzen, dass den Jesuiten 1604 die Rückkehr ins Land erlaubt wurde. Darüber hinaus war die mütterlicherseits von den Habsburgern abstammende Königin bestrebt, eine Annäherung zwischen Frankreich und dem katholischen Spanien zu erreichen. Heinrich IV. stand aber mehreren dieser religiös-politischen Projekte seiner Gattin ablehnend gegenüber. Ferner wollte Maria auch – in Anlehnung an die Kulturpolitik ihrer Medici-Verwandtschaft – verstärkte Beziehungen des Hauses Bourbon mit bedeutenden Künstlern fördern und größeren florentinischen Einfluss auf die Kultur Frankreichs herstellen.

Maria ließ sich anscheinend sehr von ihrer machthungrigen Jugendfreundin und nunmehrigen Hofdame Leonora Galigaï und deren ehrgeizigem Gemahl, einem italienischen Abenteurer namens Concino Concini, beherrschen, die beide in ihrem Gefolge nach Paris gekommen waren. Der König fand die Anwesenheit dieses Paares sehr belastend.

Nach langem Drängen erreichte Maria, dass ihr Gatte, als er persönlich in einen neuen Krieg ziehen und in die Spanischen Niederlande einmarschieren wollte, seine Vorbehalte gegen ihre Krönung zur Königin von Frankreich aufgab. Die Maria viel Freude bereitende, durch den Kardinal François de Joyeuse vorgenommene Krönung erfolgte unter großer Prachtentfaltung am 13. Mai 1610 in der Kathedrale von Saint-Denis. Im Falle von Heinrichs Abwesenheit oder Tod konnte sie nun die Regentschaft für den unmündigen Dauphin Ludwig übernehmen.

Maria schien der plötzliche Tod ihres Gatten nicht sonderlich mitgenommen zu haben, doch trug sie zwei Jahre lang strenge Trauer. Sofort nach der Ermordung Heinrichs IV. sicherte sie sich mit maßgeblicher Hilfe des Herzogs von Épernon, Jean Louis de Nogaret de La Valette, durch einen Parlamentsbeschluss die Funktion der Regentin für ihren minderjährigen ältesten Sohn. Die bisherigen Minister konnten in ihren Ämtern bleiben, doch gewannen bald andere Berater Marias wie Concini immer mehr Einfluss. Am 17. Oktober 1610 fand die Krönung Ludwigs XIII. in Reims statt.

Die Regentin stand an der Spitze eines von verschiedenen Machtinteressen zerrissenen Landes, und die daraus resultierenden, bisher durch die Autorität des Monarchen überbrückten Gegensätze brachen nach dessen Tod aus. Nicht nur gab es Spannungen zwischen den Konfessionen, sondern es drohten auch Rebellionen der Aristokraten und äußere Gefahren. Maria suchte aufrührerische Adlige wie den nach Frankreich zurückgekehrten Prince de Condé mit großzügigen finanziellen Geschenken zu gewinnen. Der Minister Sully, ein langjähriger Vertrauter und Berater sowie Finanzverwalter Heinrichs IV., hielt diese Entscheidung nicht für richtig und dankte am 26. Januar 1611 ab. Den Hugenotten kam Maria dadurch entgegen, dass sie nicht an den Freiheiten rüttelte, die ihnen das von Heinrich IV. 1598 erlassene Edikt von Nantes garantierte.

Außenpolitisch behielt Maria zunächst die Linie ihres Gatten insofern bei, als sie wie dieser im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit die protestantischen Verbündeten weiter unterstützte und deren deutschen, niederländischen und englischen Truppen im August 1610 bei der Eroberung von Jülich half. Ansonsten beendete sie aber die von ihrem Gemahl verfolgte antihabsburgische Linie und suchte stattdessen eine Annäherung an Spanien. Am 30. April 1611 wurde im Vertrag von Fontainebleau eine Doppelhochzeit zwischen Mitgliedern der Königsfamilien der beiden Staaten beschlossen: König Ludwig XIII. sollte mit der spanischen Infantin Anna und Marias Tochter Élisabeth mit dem spanischen Thronfolger, dem späteren Philipp IV., vermählt werden. Diese Allianz beunruhigte die französischen Protestanten und bedeutete auch eine etwa zehnjährige außenpolitische Abstinenz, wodurch der deutsche Kaiser ungestört seine Macht vermehren konnte.

Obwohl eine neue Revolte oppositioneller Adliger sich bis in die Provinzen ausbreitete und der Herzog von Rohan die Hugenotten aufwiegelte, kam es nur zu kleineren Scharmützeln. Bei den in Loudun geführten Verhandlungen mit ihren Gegnern ging Maria weitgehend auf deren Forderungen ein. Im Vertrag von Loudun (3. Mai 1616) wurden ihnen großzügig Ämter und Geldleistungen zugestanden. Die Königinwitwe verabschiedete auch den Herzog von Épernon und machte den Prince de Condé zum Vorsitzenden des Kronrats, doch ließ sie Condé am 1. September 1616 verhaften und in der Bastille inhaftieren. Daraufhin flammten die bewaffneten Konflikte wieder auf.

Am 19. Juli 1631 floh Maria in die Spanischen Niederlande unter den Schutz der Infantin Isabella Clara Eugenia, einer Enkelin Katharinas von Medici. Sie wurde in Avesnes mit allen Ehren aufgenommen und begab sich nach einer Zwischenstation in Mons nach Brüssel. Doch hatte der König ihr die Flucht erleichtert, indem er die zu ihrer Bewachung in Compiègne abgestellten Personen hatte zurückrufen lassen. Nun konnte er seiner Mutter, da sie bei den spanischen Feinden Frankreichs Zuflucht gesucht hatte, im August 1631 Hochverrat vorwerfen. Nach Verkündung des Urteils, das sie für schuldig erklärte, wurde sie geächtet und ihr Besitz beschlagnahmt, so dass sie keine eigenen Mittel zu ihrem Unterhalt hatte. Als Folge hiervon wollte kein Fürst sie auf Dauer in seinem Land aufnehmen.

Einige Zeit nach Marias Flucht in die spanischen Niederlande fand sich auch ihr Sohn Gaston bei ihr ein. Die exilierte Königinmutter schlug ein Angebot des Großherzogs Ferdinando II. der Toskana aus, nach Florenz zu übersiedeln.

Im August 1638 verließ Maria heimlich ihr bisheriges Exilland und begab sich in die Vereinigten Niederlande. Da ihr Besuch dieser neuen Republik den Anschein einer offiziellen Anerkennung verlieh und daher als diplomatischer Erfolg betrachtet wurde, durfte sie einen feierlichen, von prächtigen Spielen begleiteten Einzug in Amsterdam halten. Die Holländer wollten sich aber nicht wegen ihres Aufenthalts mit Frankreich zerstreiten und für ihre Kosten aufkommen. So begab sich Maria nach einigen Monaten nach England. König Karl I., der mit ihrer Tochter Henriette vermählt war, sprach seiner Schwiegermutter zwar eine Pension von 100 Pfund Sterling pro Tag zu, gab ihr aber zu verstehen, dass sie ein unbequemer Gast sei.

Der englische König hatte zunehmend mit sich teilweise auch gegen Maria richtenden Feindseligkeiten zu kämpfen. Am 22. August 1641 verließ Maria London, wurde aber von Philipp IV. abgewiesen, sich wieder in den Spanischen Niederlanden niederzulassen. Auch die Generalstaaten wollten sie nicht mehr aufnehmen. An Gesichtsrose erkrankt, fand sie schließlich im Oktober 1641 in Köln eine bescheidene Bleibe. Obwohl sie Mutter des Königs von Frankreich und der Königinnen von Spanien und England war, verstarb Maria von Medici im Alter von 67 Jahren am 3. Juli 1642 einsam und verarmt in Köln.

Concino Concini

Der spätere Marquis d’Ancre wurde am 23. November 1569 in Florenz geboren und starb am 24. April 1617 in Paris. Er war auch bekannt als Marschall d’Ancre, war der einflussreichste Mann in Frankreich während der Regentschaft Maria de’ Medicis.

Der italienische Abenteurer Concini, adeliger Herkunft aus der Toskana, kam im Hofstaat der Königin Maria de’ Medici nach Paris. 1601 heiratete er ihre Ziehschwester und Hofdame Leonora Dori Galigaï. Sein Einfluss auf die Königin war so groß, dass Heinrich IV. mehrfach drohte, ihn in die Verbannung zu schicken.

Nach Heinrichs Ermordung stieg er zum wichtigsten Berater der Regentin auf, wurde 1610 Premier Gentilhomme de la Chambre du Roi, 1613 Marschall von Frankreich und von ihr mit Gunstbeweisen „überschüttet“. Er war praktisch der Regierungschef des Landes, brachte aber Adel und Bevölkerung gegen sich auf, da er sich massiv bereicherte. Er und seine Frau galten als arrogant, umgeben von einer italienischen Kamarilla. Den jungen Ludwig XIII. hielt er, auch nachdem Ludwig zum König gekrönt worden war, von jeglichen Staatsgeschäften fern. Concinis Bemühen, die Zentralgewalt zu stärken und die Macht des Adels zu brechen, scheiterte an seinem Unvermögen und seiner Unbeliebtheit. Concini war wie kein zweiter Höfling als „Courtisan“ der Regentin eine Figur öffentlichen Interesses. In Hunderten von Veröffentlichungen verbanden sich Xenophobie, soziale Vorurteile, Korruptionsvorwurf sowie der Verdacht, am Tod des Königs beteiligt gewesen zu sein.

Ludwig entwickelte eine stetig wachsende Abneigung gegen Concino Concini, und im Jahre 1617 bereitete der Favorit Ludwigs, Charles d’Albert, duc de Luynes, dieser Situation ein Ende, indem er Concini von der Palastwache verhaften ließ. Auf dem Weg in den Innenhof des Louvres wurde er, eingeschlossen zwischen zwei Toren, vom Capitaine der königlichen Garde Nicolas de L’Hospital und einigen seiner Begleiter erschossen.

Leonora Galigaï

Leonora Galigaï wurde am 19. Mai 1568 in Florenz geboren und am 8. Juli 1617 in Paris verbrannt. Ihr Vater war Zimmermann, ihre Mutter seit der Geburt Maria von Medicis im April 1573 Amme am Hof der Medici. 1588 wurde Leonora von Marias Onkel, dem Großherzog Ferdinand I., zur Kammerzofe seines Neffen ernannt. In den Diensten Maria von Medicis blieb sie fast dreißig Jahre, und zwar sowohl in deren Zeit als toskanische Prinzessin als auch später, nachdem Maria französische Königin geworden war.

Anfänglich nur Ziehschwester, wurde sie Freundin und Vertraute Maria von Medici. Leonora trug den Titel einer Gesellschaftsdame und Kammerzofe. 1601 heiratete sie Concino Concini, einen Mann niederen Adels aus Arezzo im Gefolge Marias. Ihr Einfluss und der ihres Mannes auf die Königin wuchsen, sodass der König beiden mehrfach mit Verbannung drohte, wenn sie ihr Verhalten nicht änderten. Nach Heinrichs IV. Ermordung, wobei einige Autoren Concini durchaus Mitwisserschaft, wenn nicht Urheberschaft unterstellen, wuchs dessen und Leonoras Einfluss enorm.

Sie übernahm de facto die Regierungsgeschäfte (nominelle Regentschaft durch die Königin) des minderjährigen Sohnes und Nachfolgers Heinrichs IV., des Königs Ludwig XIII., dessen Einfluss und Macht sukzessiv beschnitten wurde. Weiterhin wurden durch beider Einfluss toskanische Gefolgsleute bei der Verleihung von Ehrenämtern und Privilegien bevorzugt, die Macht des französischen Adels dagegen geschwächt. Weil Leonore an Epilepsie litt, interessierte sie sich stark für okkultistische Praktiken und Hexerei, in der Hoffnung, dadurch Linderung oder Heilung ihrer in dieser Zeit unheilbaren Erkrankung zu finden.

Nach der Entmachtung und Ermordung ihres Gemahls wurde Leonora Galigaï infolge einer Palastverschwörung gegen den König verhaftet und in die Bastille überführt. Sie konnte auf keinerlei Hilfe hoffen, auch nicht von ihrer mächtigen Freundin, der Königinmutter. Leonora Galigai wurde der Hexerei und jüdischer Religionsausübung angeklagt und nach kurzem Prozess „der göttlichen wie menschlichen Majestätsbeleidigung“ für schuldig befunden und „zum Tode durch Abtrennen des Hauptes und Verbrennen der Körperteile zur Asche“ auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Charles d’Albert

Geboren am 5. August 1578 in Pont-Saint-Esprit; gestorben am 15. Dezember 1621 in Longueville. Er war ein französischer Staatsmann und Connétable von Frankreich sowie ab 1619 Herzog von Luynes. Er verhalf Ludwig XIII. zur Macht und bestimmte als wichtigster Günstling und Berater dessen Politik in den ersten Jahren.

D’Albert wurde 1611 Falkner des jungen Ludwig XIII. Er freundete sich mit dem vernachlässigten Knaben an und wurde dessen engster Freund und Vertrauter. Die Regentin Maria de’ Medici und ihr Favorit Concino Concini hielten derweil den jungen König von jeglichen Regierungsgeschäften fern. D’Albert nutzte die wachsende Unzufriedenheit seines Schützlings und initiierte mit dessen Zustimmung die Ermordung Concinis am 24. April 1617 vor den Toren des Louvre. Danach verbannte Ludwig seine Mutter nach Blois und machte Luynes zu seinem ersten Minister, Premier Gentilhomme de la Chambre du Roi und Connétablen von Frankreich.

Auf diplomatischem Gebiet war d’Albert recht erfolgreich. Er erreichte eine Wiederannäherung an England und versuchte, in Europa ein Gleichgewicht zwischen den protestantischen Staaten und dem habsburgischen Reich herzustellen. In den Jahren 1619 und 1620 vereitelte er zwei von Maria de’ Medici angezettelte Aufstände des Hochadels gegen Ludwig.

Auf militärischem Gebiet fehlte ihm ein vergleichbares Talent. Trotzdem ernannte ihn Ludwig bei seinem Feldzug gegen die Hugenotten 1621 zum Oberbefehlshaber. Unter seinem glücklosen Oberbefehl schlug die Belagerung von Montauban fehl. Er starb am 15. Dezember 1621 auf dem Rückzug an Typhus.

Nicolas de L’Hospital

Das Geburtsdatum lag im Jahre 1581. Er starb am 28. September 1644 in Nandy. Er war ein Militär und Aristokrat zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Von König Ludwig XIII. wurde er zum Marschall von Frankreich ernannt.

Nicolas de L’Hospital stieg unter Ludwig XIII. zum Capitaine der königlichen Garde auf. Als solcher war er maßgeblich an der Exekution von Concino Concini, Schützling und Favorit der Regentin und Mutter von Ludwig XIII., Marie de Médicis, beteiligt. Am 24. April 1617 erhielt er, wahrscheinlich von Charles d’Albert, duc de Luynes, den Auftrag, Concini zu eliminieren.

Nach diesem Mord aus Staatsräson wurde er zum Marschall von Frankreich und zum Gouverneur der Bastille ernannt. Hier fungierte er auch vom 4. Mai 1617 bis zum 11. Mai 1617 als Kerkermeister für die sogenannte „Maréchale d’Ancre“, Léonora Dori, Gemahlin von Concino Concini und eine Vertraute der Marie de Médicis, die dann in die Conciergerie überstellt, abgeurteilt und hingerichtet wurde.

Von 1631 bis 1637 war er Gouverneur der Provence. Seine herrschsüchtige und hochmütige Art sowie Machtmissbrauch brachten ihn in ständigen Konflikt mit dem Parlament der Provence. 1634 wurde er deswegen an den Hof zitiert und diszipliniert, indem er zeitweise durch den Marquis de Saint-Chamond ersetzt wurde, der das genaue Gegenteil von L’Hospital war.

Nachdem ihm 1635 gestattet worden war, auf seinen Posten in Aix-en-Provence zurückzukehren, machte er da weiter, wo er aufgehört hatte. Daraufhin fiel er endgültig in Ungnade. Auf Befehl von Kardinal Richelieu wurde er am 27. Oktober 1637 auf dem Weg nach Saint-Germain verhaftet und in die Bastille verbracht. Er wurde angeklagt, unter dem (in Ungnade gefallenen) Erzbischof Henri d’Escoubleau de Sourdis Gewalttaten verübt zu haben. Am 19. Januar 1643 freigelassen, verstarb er 1644 in Nandy.

Ludwig XIII.

Ludwig XIII. wurde am 27. September 1601 in Fontainebleau geboren und starb am 14. Mai 1643 in Saint-Germain-en-Laye. Er war von 1610 bis 1643 König von Frankreich und Navarra.

Ludwig XIII. war der zweite französische König aus dem Haus Bourbon. Er war der älteste Sohn von Heinrich IV. von Frankreich und dessen zweiter Gemahlin Maria de’ Medici. Nach der Ermordung seines Vaters im Jahr 1610 folgte er diesem im Alter von neun Jahren auf den Thron. Die tatsächliche Macht übernahm seine Mutter als Regentin. 1617, im Alter von 16 Jahren, ließ Ludwig XIII. Concino Concini, den Günstling seiner Mutter, beseitigen und verbannte sie. Nach der Aussöhnung machte er 1624 den Berater seiner Mutter, Kardinal Richelieu, zum Minister. Trotz heftiger Anfeindungen und zahlreicher Intrigen stützte der König diesen fähigen Berater bis zu dessen Tod.

Ludwig wuchs fern vom Hof unter der Obhut der Madame de Mouglat und des Leibarztes Jean Héroard (1551–1628) auf. Letzterer führte ein genaues Tagebuch über die gesundheitliche Verfassung, Psyche, Neigungen und Beschäftigungen des jungen Thronerben und hinterließ damit ein einzigartiges Dokument über die Prinzenerziehung aus einer Zeit, die kaum schriftliche Quellen über Kinder kennt. Das empfindsame Kind litt unter der strengen, durch Schläge geprägten Erziehung und der Trennung vom vergötterten Vater.

Ludwig XIII. wurde am 17. Oktober 1610 in der Kathedrale von Reims zum König gekrönt. Für den Minderjährigen übernahm die Mutter die Regentschaft. Sie betrieb im Gegensatz zu ihrem Mann und Vorgänger eine spanienfreundliche Politik. Sichtbarstes Zeichen war 1615 die Doppelhochzeit ihrer beiden ältesten Kinder: Ludwig mit der spanischen Prinzessin Anna von Österreich und Elisabeth mit dem spanischen Thronfolger, dem späteren Philipp IV. von Spanien.

Anlässlich der Erklärung der Volljährigkeit Ludwigs und auf Druck von Heinrich II. von Bourbon, Prince de Condé, dem nächsten Anwärter auf den französischen Thron, wurden 1614 – zum letzten Mal vor 1788/89 – die Generalstände einberufen. Der junge König wurde gleichwohl als „das kindischste Kind“ von der Regierung und dem Rat ferngehalten.

Maria de’ Medici wurde in der Verbannung der Kristallationspunkt für alle Versuche des Hochadels, die Königsmacht zu schwächen. 1620 schlug Ludwig mit Waffengewalt eine Verschwörung nieder, in der seine Mutter und der Herzog von Épernon im Mittelpunkt standen.

In den letzten zwölf Jahren seines Lebens erlebte Ludwig XIII., wie unter der gemeinsamen Herrschaft mit Richelieu die Macht Frankreichs und die Macht des Königshauses in Frankreich immer weiter gestärkt wurden. Den Triumph über Kaiser und spanischen König aber bezahlte der tief religiöse König mit schweren Gewissensbissen. Die Knebelung des aufrührerischen Adels wurde mit dem Blut seiner Verwandten, seine Autorität durch die Hinrichtung seines letzten Favoriten, Henri Coiffier de Ruzé, Marquis de Cinq-Mars, erkauft. Die späte Geburt zweier Söhne (1638 und 1640) sicherte den dynastischen Fortbestand des Königshauses. Seine Ehe (1615–1643) blieb jedoch unglücklich, und er hegte Zweifel, ob diese Kinder von ihm abstammten.

Père Joseph

Eigentlich François-Joseph Le Clerc du Tremblay de Maffliers. Er wurde am 4. November 1577 in Paris geboren und starb am 18. Dezember 1638 in Rueil-Malmaison und war ein französischer Kapuziner.

Père Joseph entstammte einer dem Amtsadel angehörenden französischen Familie: Sein Vater Jean Le Clerc du Tremblay amtierte als Kanzler des vierten Sohns von König Heinrich II., Hercule-François d’Alençon und Erster Präsident der Eingabekammer am Pariser Parlament, einem Gericht. Père Josephs Mutter Marie Motier de La Fayette stammte aus einer Familie des Landadels: Ihr Vater Claude de La Fayette verfügte über vier Baronien. Eine davon erbte Enkel François-Joseph, was ihm am Hof des französischen Königs vor seinem Eintritt in den Kapuzinerorden den Titel Baron de Maffliers eintrug. Er erhielt eine ausgezeichnete klassische Bildung und unternahm 1595 eine ausgedehnte Reise nach Italien. 1597 nahm er an der Belagerung von Amiens teil. Im Gefolge eines entfernten Verwandten, des Diplomaten Hurault de Maisse, reiste er im gleichen Jahr nach London.

Nach seiner Rückkehr trat er am 2. Februar 1599 in Orléans dem Kapuzinerorden bei. Dort erwarb er sich bald hohes Ansehen, weshalb ihm wichtige Funktionen und Ämter anvertraut wurden. Bereits im Herbst 1605 wurde er zum Guardian des Klosters in Bourges berufen. Im darauf folgenden Jahr übernahm er diese Funktion im Ordenshaus in Rennes. Er verfasste ein Andachtsbuch für die Nonnen. Später wurde er Leiter des Klosters Des Roches unweit von Fontevrault. 1618 beriefen ihn seine Ordensoberen zum Provinzial der Kapuzinerprovinz Touraine, der auch das Poitou, große Teile der Bretagne und der Normandie unterstanden. 1625 wurde Père Joseph zum Präfekt der Auslandsmission.

Père Joseph erwarb sich bei der Reform seines Ordens, dessen Klöster er in den Zentren der französischen Hugenotten, z. B. 1609 in Saumur, einrichten ließ, die wachsende Aufmerksamkeit bei Hofe. Als er zu den Konferenzen von Loudun als Vertrauter der Königin-Mutter Marie de Medici und des päpstlichen Gesandten hinzugerufen wurde, widersprach er den Forderungen des Parlements und überzeugte sie schließlich von der Richtigkeit des Gallikanismus, einer schismatischen Tendenz im Katholizismus. Bei einem Aufstand einiger Hochadeliger 1615/1616 vermittelte er als Agent der Königin-Mutter Marie de Medici den Frieden von Loudun vom 3. Mai 1616. Sein wichtigster Kontrahent war der Herzog von Bouillon, Henri de La Tour d’Auvergne, duc de Bouillon.

Père Joseph verfolgte bis in die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges die Absicht, die christlichen Fürsten und Könige von der Notwendigkeit eines Kreuzzuges gegen die Osmanen zur Befreiung Konstantinopels und des Heiligen Landes zu überzeugen. Zu diesem Zweck reiste er von Herbst 1616 bis März 1617 nach Rom, wo er zur päpstlichen Kurie Kontakte knüpfte und intensive Korrespondenzen mit päpstlichen Botschaftern und Legaten, Kardinälen und dem päpstlichen Staatssekretär führte. In gleicher Angelegenheit reiste er im Sommer 1618 erfolglos nach Madrid, wo er weitere Kontakte aufnahm.

Als König Ludwig XIII. im Herbst und Winter 1620 gegen die Hugenotten des Béarn einen Feldzug unternahm, konnte der Pater ihn durch sein geheimes verlässliches Informantennetz unterrichten, was in den befestigten Plätzen der Hugenotten vor sich ging. Auch in La Rochelle, dem wichtigsten befestigten Ort der französischen Calvinisten, unterhielt Joseph seit fünfzehn Jahren ein Netz von Informanten, die ihn über alle wichtigen Vorgänge in der Hafenstadt auf dem Laufenden hielten und die er gleichzeitig zu gezielter Desinformation der Eingeschlossenen zur Herabsetzung des Widerstandswillens nutzen konnte.

Père Joseph fungierte als Beichtvater, Ratgeber und enger Mitarbeiter des Kardinals Richelieu. Als solcher nutzte der Kapuziner seine Ordensbrüder in allen Teilen der Welt zur Korrespondenz über die innere Lage der verschiedenen Herrschaftsgebiete von England und Spanien, über die Niederlande und Deutschland, über Persien und Abessinien bis hin nach Kanada, aus der er intime Kenntnisse über die Gegebenheiten und Handelsbedürfnisse in den Staaten, aber auch an den jeweils einflussreichen Kreisen erlangte. In Memoranden unterbreitete Joseph Pläne für Handelsniederlassungen und den Aufbau einer französischen Flotte zur Schaffung von Kolonien.

Der König und Richelieu hatten den Kapuziner zum Nachfolger Richelieus als Prinzipalminister vorgesehen. Als Richelieu über den Tod seines Vertrauten am 18. Dezember 1638 informiert wurde, soll er mit den Worten reagiert haben: „Ich habe meinen Trost und meine einzige Sicherheit verloren, meinen Vertrauten und meine Stütze“.

George Villiers, Herzog von Buckingham

Geboren am 28. August 1592 in Brooksby, Leicestershire; ermordet am 23. August 1628 in Portsmouth. Er war ein bedeutender englischer Diplomat und Staatsmann am Anfang des 17. Jahrhunderts. Er war Günstling und leitender Minister unter den englischen Königen Jakob I. und Karl I.

Er war ein jüngerer Sohn des niederen Adligen und Politikers Sir George Villiers († 1606) und gehörte dem englischen Familienzweig der Familie De Villiers an.

Wegen seiner außergewöhnlichen Schönheit wurde König Jakob I. auf ihn aufmerksam; nicht zuletzt deshalb gelang es Villiers, den bisherigen Favoriten des Königs Robert Carr aus dessen Gunst zu verdrängen. 1616 wurde er zum Viscount Villiers und Baron Whaddon, of Whaddon in the County of Buckingham, erhoben, 1617 zum Earl of Buckingham und 1618 zum Marquess of Buckingham.

In politischer Hinsicht machte Villiers auf sich aufmerksam durch die Fehden mit dem 1621 zusammengetretenen Parlament und die Reise nach Spanien, die er 1623 zusammen mit dem Kronprinzen Karl unternahm. Diese Reise, die eine Ehe Karls mit einer spanischen Infantin vorbereiten sollte, war außenpolitisch von zweifelhaftem Wert und wurde durch das undiplomatische Auftreten Villiers’ in Spanien zu einem politischen Fiasko. Die Hinwendung zu dem katholischen Spanien wurde zudem unter englischen Puritanern stark missbilligt. Für Villiers aber wurde die Reise zum Erfolg, weil sie ihm die Freundschaft des künftigen Königs verschaffte.

Er wurde 1623 zum Duke of Buckingham und Earl of Coventry erhoben und war mehr Höfling als Diplomat und Soldat. Nach dem Misserfolg der spanischen Heiratspläne gelang es Villiers später, eine Ehe Karls I. mit der französischen Prinzessin Henrietta Maria zu vermitteln.

Nach der Thronbesteigung Karls I. war Villiers die bestimmende Figur in der englischen Politik. Dieser Einfluss wurde auch durch die folgenschweren von Villiers zu verantwortenden außenpolitischen Fehlschläge nicht beeinträchtigt: Als das Parlament 1625 eine Anklage gegen Villiers erheben wollte, löste der König es umgehend auf. 1627 führte ein von Villiers geplanter Versuch, die Hugenotten zu unterstützen, zu einer Niederlage vor La Rochelle, die 4000 englische Soldaten das Leben kostete.

Mitten in den Vorbereitungen zu einer neuen Expedition nach La Rochelle wurde Villiers 1628 von John Felton erdolcht.

Philipp IV., König von Spanien

Geboren am 8. April 1605 im Palacio Real de Valladolid, Valladolid; gestorben am 17. September 1665 im Real Alcázar de Madrid, Madrid) war ein spanischer Monarch aus dem Haus Habsburg. Von 1621 bis 1665 regierte er die Länder der spanischen Krone (Spanien, Neapel, Sizilien, Sardinien, Spanische Niederlande) mit dem Kolonialbesitz, bis 1640 war er als Filipe III letzter habsburgischer König von Portugal.

Philipp IV., genannt der Große oder König der Welt, war der letzte spanische König, der eine wirkliche Großmachtpolitik betrieb. Er erneuerte den Krieg gegen die Niederlande und beteiligte sich im Dreißigjährigen Krieg an der Seite der österreichischen Habsburger. Darüber hinaus kämpfte er mit Frankreich und England um die Hegemonie in Europa (Französisch-Spanischer Krieg und Englisch-Spanischer Krieg). Im Westfälischen Frieden (1648) musste Spanien die Unabhängigkeit der Niederlande und die Machtstellung der Protestanten und Frankreichs anerkennen, im Pyrenäenfrieden (1659) verlor Philipp das Roussillon und angrenzende Gebiete an Frankreich.

Die zahlreichen, anhaltenden Kriege belasteten die Wirtschaft schwer, was mehrfache Staatsbankrotte zur Folge hatte. Im Inneren kam es auch durch den Versuch, einen Zentralstaat durchzusetzen, insbesondere in Katalonien (seit 1640) zu Aufständen, Portugal erlangte 1640 die Unabhängigkeit von der spanischen Krone. Insgesamt steht die Regierungszeit Philipps IV. für den Niedergang der spanisch-habsburgischen Macht und den Verlust der Hegemonialstellung.

Außenpolitisch versuchte die Regierung, durch Krieg die alte Machtstellung des Reiches wiederherzustellen. Der achtzigjährige Krieg gegen die Niederlande wurde nach einem zwölfjährigen Waffenstillstand wieder aufgenommen. In den Niederlanden gelang 1625 die Einnahme von Breda. Bekannt geworden ist dieser spanische Erfolg durch das Gemälde Die Übergabe von Breda von Velázquez. Aber Breda ging wieder verloren. Auch Maastricht und ’s-Hertogenbosch büßten die Spanier ein. Um 1637 waren die Kämpfe festgefahren. Noch die heutigen Grenzen von Belgien und den Niederlanden gehen im Wesentlichen darauf zurück.

Verbunden war dieser Konflikt mit dem Dreißigjährigen Krieg. In diesem war Philipp IV. mit den verwandten österreichischen Habsburgern verbündet. Sein bedeutendster Feldherr war Ambrosio Spinola, der als einer der erfolgreichsten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges gilt. Dieser eroberte 1620 die Kurpfalz. Die Spanier waren an der siegreichen Schlacht am Weißen Berg gegen die aufständischen Böhmen beteiligt, besetzten 1620 das Veltlin und nahmen 1634 an der für die Habsburger siegreichen Schlacht bei Nördlingen teil.

Der Erbfolgestreit um Mantua seit 1627 verschärfte die Spannungen mit Frankreich. Die Franzosen unterstützten die Niederländer und Schweden mit Subsidien im Krieg gegen Spanien. Zum offenen Krieg kam es ab 1635. Auch dieser wurde zu einem Teilkonflikt des Dreißigjährigen Krieges. Den Franzosen gelang es, die spanischen Verbindungen (camino espanol) zwischen Mailand und den Niederlanden zu unterbrechen. Dies trug zu den Niederlagen Spaniens in den Niederlanden bei. Außerdem standen sich Spanien und Frankreich nach 1640 auf dem katalanischen Kriegsschauplatz gegenüber.

Der Krieg mit Frankreich ging auch nach dem Westfälischen Frieden mit wechselnden Erfolgen für beide Seiten weiter. Mitentscheidend wurde, dass Frankreich sich 1655 mit England verbündete. Den Engländern gelang 1655 die Eroberung von Jamaika. Im Jahr 1657 versenkten oder eroberten die Engländer die spanische Silberflotte. Dies verschlechterte die finanzielle Lage Spaniens weiter. Der Krieg gegen Frankreich konnte erst 1659 im Pyrenäenfrieden beendet werden. Dabei musste Spanien wichtige Grenzprovinzen wie Roussillon, Artois, Cerdagne und andere abtreten. Spätestens damit endete die spanische Hegemonialstellung in Europa. Im Restaurationskrieg (1659–1668) versuchte Philipp vergeblich, Portugal zurückzuerobern.

Während seiner Herrschaft ließen die Folgen der Kriege, Hunger und Seuchen die Zahl der Einwohner Spaniens deutlich zurückgehen.

Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein

Geboren am 24. September 1583 in Hermanitz an der Elbe und ermordet am 25. Februar 1634 in Eger. Er war ein böhmischer Feldherr und Politiker. Er ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Dreißigjährigen Krieges.

Er war Herzog von Friedland und Sagan, von 1628 bis 1631 als Albrecht VIII. Herzog zu Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Graf von Schwerin, Herr von Rostock, Herr von Stargard und als Generalissimus zwischen 1625 und 1634 zweimal Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee im Dreißigjährigen Krieg.

Wallenstein kämpfte auf Seiten des Kaisers und der Katholischen Liga gegen die protestantischen Mächte Deutschlands sowie gegen Dänemark und Schweden. Er fiel jedoch später in Ungnade und wurde von kaisertreuen Offizieren ermordet.

Auf dem Regensburger Kurfürstentag im Sommer 1630 zwangen die Kurfürsten (unterstützt von einer französischen Delegation mit Père Joseph) den Kaiser, Wallenstein, der ihnen zu mächtig geworden war, zu entlassen und die eigenen Truppen zu vermindern. Durch dieses Zugeständnis hoffte der Kaiser erfolglos, die Königswahl seines Sohnes Ferdinand durch die Kurfürsten und (ebenfalls erfolglos) ein militärisches Engagement der ligistischen Armee unter Tilly gegen die Niederlande und in Mantua zu erreichen. Die Absetzungsmitteilung wurde Wallenstein in seinem Kriegslager im Fuggerbau der Stadt Memmingen am 6. September 1630 überreicht.

Für den Kaiser aber kam es noch schlimmer: Im Frühsommer 1630 landete Gustav II. Adolf auf der Insel Usedom und griff so aktiv in den Krieg ein. Er besetzte im Herbst 1630 weite Teile Mecklenburgs, bis auf die befestigten Hafenstädte Rostock und Wismar. Die beiden abgesetzten Herzöge kehrten in seinem Gefolge im Triumph zurück. Tilly, der Wallenstein im Oberkommando der Kaiserlichen abgelöst hatte, zog den Schweden im Januar 1631 bis Neubrandenburg entgegen. Solange es ging, bezog Wallenstein aus den nicht besetzten Teilen Mecklenburgs noch Steuern und Einkünfte und ließ sie sich nach Prag überweisen.

1631 fügte Gustav Adolf den kaiserlichen Truppen zahlreiche Niederlagen zu. Tilly verstand es nicht, aus seiner Zerstörung Magdeburgs im Mai 1631 strategische Vorteile zu ziehen. Gegen den Willen des Kaisers und Kurfürst Maximilians fiel er in das bis dahin neutrale Kursachsen ein, nahm Merseburg und Leipzig und bewirkte damit ein schwedisch-sächsisches Bündnis, dem er bereits am 17. September 1631 in der Schlacht bei Breitenfeld unterlag, wobei er seine gesamte Artillerie verlor. Die Schweden zogen über Thüringen weiter nach Franken und Bayern, die Sachsen fielen in Böhmen ein – unter dem Kommando von Wallensteins einstigem Truppenführer und Vertrautem Arnim. In dieser nahezu aussichtslosen Lage schien einzig Wallenstein das Blatt noch einmal zu Gunsten des Kaisers wenden zu können. Wallenstein hatte sich seit seiner Absetzung zwar als Privatmann in sein Herzogtum Friedland zurückgezogen und aus dem Kriegsgeschehen völlig herausgehalten, doch ließ er seine Verhandlungsbereitschaft erkennen. Auch war er stets gut informiert, da er Berichte nicht nur von kaiserlichen Generälen erhielt, sondern auch mit Führern der Gegenseite korrespondierte. Sein Schwager Trčka hatte über den Emigrantenanführer Thurn sogar einen teils brieflichen, teils über Mittelsmänner laufenden Kontakt zu Gustav Adolf hergestellt, in der Hoffnung, Wallenstein auf die schwedische Seite zu ziehen. Da sich der König aber auf der Siegesstraße befand, hatte er nicht allzu viel Interesse an Wallenstein; diesem dürfte es eher um eine Rückversicherung wegen Friedland gegangen sein, in das sächsische Truppen eingedrungen waren und in ihrem Gefolge enteignete Emigranten. In kaiserlichem Auftrag traf sich Wallenstein aber am 30. November 1631 mit Arnim auf dem Schloss Kaunitz, um einen Separatfrieden mit Kursachsen zu sondieren.

Unter dem Druck der Niederlagen des Jahres 1631 wurde Wallenstein aus Wien gedrängt, das Generalat erneut zu übernehmen. Der Weg zum zweiten Generalat erfolgte in zwei Stufen: Am 15. Dezember 1631 ernannte Ferdinand II. Wallenstein zum General-Capo über die kaiserliche Armee mit dem Auftrag, ein schlagkräftiges Heer aufzustellen. Die Ernennung war befristet bis Ende März 1632 und war das Ergebnis von Verhandlungen, die Wallenstein mit dem kaiserlichen Minister Hans Ulrich von Eggenberg in Znaim geführt hatte. Die unbefristete Ernennung Wallensteins erfolgte erst mit der am 13. April 1632 abgeschlossenen, erneut mit Fürst Eggenberg ausgehandelten, Göllersdorfer Vereinbarung. Wallenstein wurde zum Generalissimus mit weitergehenden Vollmachten bestellt: er erhielt die uneingeschränkte Kommandoführung über die Armee, die unbegrenzte Befugnis, Offiziere zu ernennen, das Recht, Konfiskationen vorzunehmen, und die Entscheidungsgewalt in Sachen Waffenstillstand und Friedensschluss. Wallensteins Position nach der Göllersdorfer Vereinbarung wurde zeitgenössisch als directorium absolutum bezeichnet. Die Frage, wie weit Wallenstein seine Vollmachten ohne Absprache mit dem Kaiserlichen Hof ausnutzen durfte, gab schließlich dem Kaiser die formale Möglichkeit zum Vorwurf des Landesverrates gegen ihn und zu seiner Ermordung.

Nachdem auch seine eigenmächtigen und geheimen Friedensbemühungen trotz monatelanger Dauer zu keinem Ergebnis geführt hatten und inzwischen in Wien kompromittierende Einzelheiten bekannt geworden waren, verurteilte ihn – hauptsächlich auf Betreiben der spanischen Habsburger – ein Geheimgericht wegen Verrats. Wallenstein wurde vom Kaiser für abgesetzt erklärt, was am 24. Januar 1634 beurkundet wurde. Ein Nachfolger, des Kaisers eigener Sohn, der spätere Ferdinand III., stand schon bereit. Die drei wallensteinschen Generäle Aldringen, Gallas und Piccolomini wurden unter der Hand von der Absetzung instruiert und beauftragt, den abgesetzten Generalissimus tot oder lebendig auszuliefern. Eine Zeitlang unternahmen die genannten Offiziere aber nichts Konkretes, vermutlich weil die Anhängerschaft Wallensteins unter seinen Militärs noch zu groß war. Wallensteins Hauptanhänger waren Adam Erdmann Trčka von Lípa, Christian von Ilow, Wilhelm Graf Kinsky und der Rittmeister Niemann.

Wallenstein selbst hatte sich im Dezember 1633 nach Pilsen zurückgezogen, wo er von seiner Absetzung erfuhr. Nun überstürzten sich die Ereignisse. Am 18. Februar 1634 wurde in Prag öffentlich eine Hochverratsanklage angeschlagen. Eine bereits zuvor auf Ilows Betreiben erfolgte Ergebenheitsadresse der Truppenführer Wallensteins, der sogenannte erste Pilsener Schluss vom 12. Januar, ein zweiter erfolgte dann am 19. Februar, ursprünglich als Unterstützung Wallensteins dem Kaiser gegenüber gedacht, wurde nun für seine Gegner Grund zum beschleunigten Handeln, als sie bemerkten, dass sie nicht mehr in der ursprünglichen Form erneuert werden konnte, da Wallenstein inzwischen das Vertrauen seiner Armee mehr und mehr verloren hatte. Der erste Pilsener Schluss war ein von Wallenstein durch Inaussichtstellung seines Rücktritts initiiertes Treuegelöbnis „bis zum Tode“ seiner Offiziere ihm gegenüber, der zweite eine halbherzige Relativierung, die jedoch den Verdacht des Hochverrats gegen den Kaiser nicht mehr entschärfen konnte.

Wallenstein erkannte – sehr spät – die unmittelbar drohende Gefahr und zog sich am 23. Februar von Pilsen nach Eger zurück, auf rechtzeitiges Eintreffen der Schweden hoffend. In Eger wurden zunächst die engsten Vertrauten Wallensteins Ilow, Trčka, Kinsky und Niemann vom Stadtkommandanten Gordon, der in das Mordkomplott eingeweiht war, am Abend des 25. Februar zu einem Festbankett in den Speisesaal der Burg eingeladen, wo sie gemeinsam mit drei Dienern von einer Gruppe von Soldaten unter dem Kommando der Hauptleute Geraldin und Walter Deveroux ermordet wurden. Wallenstein selbst befand sich zu dieser Zeit im Haus des Stadtkommandanten, dem heutigen Pachelbel-Haus am Unteren Marktplatz 492. Hier wurde er am späten Abend des 25. Februar von einer Gruppe irischer bzw. schottischer Offiziere des Regiments Walter Butler, die unter dem Kommando von Deveroux standen, mit einer Partisane ermordet. Wallensteins Gegner einschließlich der Mörder wurden mit Wallensteins und Trčkas Vermögen ruhig gestellt, welches auf diese Weise schnell aufgebraucht war. Zu einer nachträglichen Untersuchung kam es nicht.

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180 p. 35 illustrations
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9783966511377
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