Read the book: «Schöpferisches Schlesien von A bis Z»

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Copyright (2014) © by Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte bei der Autorin
Copyright der Abbildungen soweit nicht gemeinfrei bei den angegebenen Quellen!
ISBN 9783957446541
www.engelsdorfer-verlag.de
Inhalt
Cover
Titelseite
Impressum
Vorwort
Achard, Franz Carl
Alder, Kurt
Arco, Georg Wilhelm Alexander Hans Graf von
Baron, Gerhart
Bednorz, Robert
Bergius, Friedrich
Bernard, Anna
Bienek, Horst
Bischoff, Friedrich
Blobel, Günter
Bloch, Konrad Emil
Böhme, Jakob
Bonhoeffer, Dietrich
Born, Max
Borsig, Johann Friedrich August
Borsig, Albert August Julius
Borsig, Arnold August Paul
Chrzaszcz, Johannes
Dehmelt, Hans Georg
Dolezich, Norbert Ernst
Dzierzon, Dr. Johannes / Jan Dzierżoń
Ehrlich, Paul
Eichendorff, Joseph Karl Benedikt Freiherr von
Elsner, Joseph Anton Franz
Fallersleben, August Heinrich Hoffmann von
Freytag, Gustav
Godulla, Karl
Göppert, Johann Heinrich Robert
Göppert-Mayer, Maria
Gosen, Philipp Theodor von
Grundmann, Friedrich Wilhelm
Gryphius, Andreas
Grzimek, Bernhard
Haber, Fritz
Habraschka, Paul
Hauptmann, Carl Ferdinand Max
Hauptmann, Gerhart Johann Robert
St. Hedwig, Patrona Silesiae
Heym, Georg Theodor Franz Artur
Hoffmann, Ruth
Holtei, Karl von
Kalide, Erdmann Theodor
Koziol, Hermann
Kramsta, Georg Gottlob
Kramsta, Marie von
Kraus, Paul
Krister, Carl Franz
Kruse, Käthe
Kukofka, Gerhard
Langhans, Carl Ferdinand
Langhans, Carl Gotthard
Lassalle, Ferdinand
Laube, Heinrich Rudolf Constanz
Lipp, Peter
Lommel, Ludwig Manfred
Luchs, Hermann
Malura, Oswald
Menzel, Adolph Friedrich Erdmann von
Mikulicz-Radecki, Johannes(Jan)
Moltke, Helmuth James Graf von
Müller, Otto
Neisser, Albert
Opitz, Martin von Boberfeld
Pausewang, Joseph Andreas
Piontek, Heinz
Pückler-Muskau, Hermann Fürst von
Reden, Friederike Gräfin von
Reden, Friedrich Wilhelm Graf von
Reißner, Friedrich
Reitsch, Hanna
Richthofen, Manfred Albrecht Freiherr von
Richthofen, Lothar-Siegfried Freiherr von
Roemer, Ferdinand
Schaffgotsch, Johanna Gräfin von
Scheffler, Johannes
Schlegelmilch, Erhard
Schmidt, Kurt
Schnitzer, Eduard
Schwarzbach, Martin
Selten, Reinhard
Stehr, Hermann
Stein, Edith
Stern, Otto
Storm, Ruth
Tau, Max
Tiele-Winckler, Eva von
Tielsch, Carl Robert
Vocke, Alfred
Volland, Walter
Websky, Wolfgang von
Willmann, Michael Leopold Lukas
Winckler, Franz von
Zimmermann, Bodo
Zwirner, Ernst Friedrich
Bunzlauer Töpferei
Schlesisches Kristall – Josephinenhütte
Stonsdorfer
Moritz Thienelts „Echte Kroatzbeere
Tillowitzer Porzellanfabrik
Literaturverzeichnis
Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.
(Erich Kästner)
Vorwort
Für eine ganze Reihe von Veröffentlichungen, Nachschlagewerken und Personenlexika, umfangreichen Reportagen und Feuilletons, Berichten und Artikeln über Schlesien und die Schlesier soll dieses Werk ein neuer Beitrag sein und allen Interessierten, die heute über die deutsch-polnische Grenze ein Auge werfen, das schöpferische Schlesien ein wenig näher bringen. Es vermittelt einen Einblick in das langjährige Wirken der Schlesier und macht auch ein wenig vergessene schlesische Persönlichkeiten lebendig, auch Persönlichkeiten unter ganz normalen Leuten.
Aus Schlesien stammen viele bedeutende Leute, die ihr Land berühmt gemacht haben und deren Wirken auf der ganzen Welt Anerkennung fand. Es waren Dichter, Schriftsteller, Wissenschaftler, Bildhauer, Maler, Baumeister und… Dabei denkt man zuerst an den bekanntesten schlesischen Dichter Joseph von Eichendorff, an Gerhart Hauptmann, den Nobelpreisträger für Literatur, oder an den Architekten Carl Gotthard Langhans, der großartige Bauwerke schuf und Erbauer des Brandenburger Tores in Berlin war. Es waren Industrielle und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, wie Dietrich Bonhoeffer und Helmuth James Graf von Moltke. Unter ihnen waren auch Schlesierinnen, wie St. Hedwig, Edith von Stein und Marie von Kramsta, denen für ihr tatkräftiges Wirken Dank gebührt. Und die Puppenmacherin Käthe Kruse? Ihre Puppen haben den Namen Schlesien in die weite Welt gebracht.
Darunter waren auch Schlesier, die von Geburt keine Schlesier waren, aber für Schlesien wirkten und zu Schlesiern wurden, wie der größte Barockmaler Schlesiens Michael Willmann oder der Berghauptmann und Industrielle Friedrich Wilhelm Graf von Reden, der maßgeblich zur Entwicklung der Bergbauindustrie in Oberschlesien beitrug. Und unter ihnen waren auch Schlesier, die ihre Heimat verlassen mussten, aber Schlesien die Treue gehalten haben.
Schlesien ist die Heimat von 12 Nobelpreisträgern.
Die großen und die weniger berühmt gewordenen Persönlichkeiten Schlesiens gehören zu den bemerkenswerten schlesischen Menschen, die zu Kultur und Geschichte beigetragen haben und deren Lebensabrisse in dieser Ausgabe kurz betrachtet werden.
Es waren nicht nur schlesische Männer und Frauen, die Schlesien auf der ganzen Welt berühmt gemacht haben. Nein, es war z. B. auch die Tillowitzer Porzellanfabrik. Erinnern sollten wir uns auch an den „Stonsdorfer" aus Stonsdorf/Staniszów und die „Kroatzbeere" aus Schlegel/Słupiec. Die ausgewählten Porträts und Lebensschicksale werden von aktuellen Fakten und Bildern begleitet. Sie repräsentieren den unermesslichen Reichtum der schlesischen Kultur.
In der Galerie der „Großen Breslauer" im Breslauer Rathaus sind aus schlesischem Marmor angefertigte Büsten berühmter deutscher Schlesier aufgestellt: die Büste der hl. Hedwig von Schlesien und ihres Gemahls Heinrich I., des Dichters und Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann, des Kunstmalers Adolph von Menzel, des Philosophen und Gründers der deutschen Arbeiterpartei Ferdinand Lassalle, der Philosophin und Diakonissin Edith Stein, des Schriftstellers Karl von Holtei, des Physikers und Nobelpreisträgers Max Born, des Architekten Carl Gotthard Langhans, des Erbauers der ersten deutschen Dampflokomotive August Borsig, des Chirurgen Johannes Mikulicz-Radecki, des Dermatologen Albert Neisser, des Chemikers und Nobelpreisträgers Fritz Haber und des Bildhauers Theodor von Gosen.
Mein tiefer Dank gilt allen, die mein Vorhaben unterstützt, korrigiert, angeregt und ergänzt haben. Mein besonderer Dank geht an Dipl. Slaw. Regine Büchner, die eine ideale Anspruchsperson war, unnachgiebig und anspruchsvoll, freundlich und hilfreich und als Nichtschlesierin mein Vorhaben unterstützte.
Ich danke dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Mineralogischen Museums in Wrocław, Dipl.-Geologen Antoni Stryjewski, für wertvolle Hinweise, Informationen und Bilder, und die Betreuung während meiner Recherchen an der Universität Wrocław sowie Jan Bankiel, Goczałkowice für aktuelle Bilder aus Oberschlesien und Dipl.-Ing. Jerzy Hawryszków, Wrocław. Ich danke der Bibliothek im „Haus der Heimat" in Stuttgart, die sich als wertvolle Quelle für Bücher über Schlesien und Schlesier erwiesen hat. Meinen Dank verdient auch mein Ehemann für seine moralische Unterstützung und Geduld, und Begleitung auf den Spuren der schöpferischen Schlesier.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Lebensskizzen in bescheidenem Umfang zur Kulturleistung der Schlesier beigetragen habe – obwohl es schwierig war, eine Grenze zu setzen – und übergebe das Buch allen Schlesiern, schlesischen Freunden und interessierten Lesern.
Achard, Franz Carl

(alias François Charles Achard)
* 28. April 1753 in Berlin,
† 20. April 1821 in Cunern/Konary
Naturwissenschaftler
Schlesischer Pionier des Rübenzuckers
Achard stammte aus einer Hugenottenfamilie. Sein Vater war Theologe und unterrichtete in der Französischen Gemeinde in Berlin. Über Franz Carl Achards Ausbildung ist wenig bekannt. Vermutlich war er Autodidakt.
Achards Verdienst ist zweifellos die Entwicklung der Technik zur industriellen Herstellung von Zucker aus Rüben. Nach vielen Forschungsarbeiten kaufte er mit seinem eigenen Vermögen das Gut Cunern-Wohlau/ Konary-Wołów für den Anbau von Rüben. 1801 errichtete Achard hier die erste Rübenzuckerfabrik der Welt. 1806 entstand auf dem Grundbesitz seines Nachbarn, der seine Forschungsarbeiten unterstützte, eine größere und leistungsfähigere Rübenzuckerfabrik.
Nach Schlesien kam Achard wegen der Rübe. Es war bekannt, dass die „weiße schlesische Rübe" einen besonders süßen Geschmack und den höchsten Zuckergehalt hatte. Der Zuckergehalt der weißen schlesischen Runkelrübe, der „Beta Silesia", wurde von Achard und seinem Gutsnachbarn mittels Selektion verbessert.
1809 erschien Achards Hauptwerk „Die europäische Zuckerfabrikation aus Runkelrüben". Im selben Jahr gründete Achard eine Lehranstalt für Zucker- und Syrupherstellung aus Runkelrüben in Wohlau: Es war die erste Ausbildungsstätte dieser Art überhaupt.
Achard war bemüht, die Zuckerproduktion aus Rüben technisch zu verbessern und ökonomischer zu machen. Er beschäftigte sich auch mit der Verwertung aller Nebenerzeugnisse und Rückstände und arbeitete an der Veredelung der Nebenprodukte der Zuckerherstellung. Von Achard kam auch die Idee, aus den Abfällen Branntwein, Cognac, Rum und Arrak herzustellen.
Zucker war zu Achards Zeit ein Luxusprodukt. Mit seiner erfolgreichen Zuckergewinnung aus Rüben und infolge des steigenden Zuckerbedarfs entstand die Kultur der Zuckerdose.
Achard war Forscher, kein Techniker und Kaufmann. Infolgedessen und infolge unglücklicher Umstände gingen seine Betriebe 1815 bankrott. Achard starb verarmt 1821 in Wohlau.
Seine Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof von Herrnmotschelnitz/Moczydlnica Dworska in der Nähe von Cunern. Die Grabplatte aus dem Jahre 1886 ist zu Ehren des Begründers der deutschen Zuckerindustrie gewidmet.
Ein Grabstein mit goldener Inschrift zu Ehren Achards ist in der Dauerausstellung zur Geschichte des Zuckers im Kloster Leubus, Wohlau/Klasztor Lubiąż, Wołów zu sehen.
Der verfallene, evangelische Friedhof in Herrnmotschelnitz wurde mit Mitteln der polnischen Zuckerindustrie und der Südzucker AG wieder hergerichtet und eingeweiht. Er steht unter Denkmalschutz. Ruinen der ersten Zuckerfabrik in Cunern erinnern mit einer Gedenktafel an den Erbauer.
Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Franz Carl Achard mit einem Eintrag.
Alder, Kurt

Gedenktafel am Geburtshaus von Kurt Alder in Königshütte/Chorzów, ul. Wolności 59, in polnischer Sprache (Foto und Übersetzung: Autorin, 2012):
In diesem Haus wurde am 10.07.1902
Kurt Alder geboren
Nobelpreiseträger für Chemie
* 10. Juli 1902 in Königshütte/Chorzów
† 20. Juni 1958 in Köln
Chemiker
1950 Nobelpreisträger für Chemie
1922 legte Alder das Abitur in Königshütte ab. Danach studierte er Chemie an der Universität in Berlin. Nach einem Jahr Chemiestudium in Berlin setzte Alder das Studium in Kiel fort und legte 1924 seine Diplomprüfung ab.
1926 promovierte Alder zum Dr. rer. nat. über das Thema „Ursache und Verlauf der Azoester-Reaktion". 1930 habilitierte er sich.
1936 ging er als Abteilungsleiter zum I.G. Farben-Werk nach Leverkusen und arbeitete an der Weiterentwicklung und Zusammensetzung des synthetischen Gummis Buna.
1940 wechselte Alder an die Universität Köln und wurde Inhaber des Lehrstuhls für Chemie, der während des II. Weltkrieges nach Marburg verlagert wurde.
1950 erhielt Alder zusammen mit seinem Lehrer, Prof. Dr. Otto Diels1, den Nobelpreis für „die Entwicklung der Dien-Synthese", die für die Herstellung synthetischer Kunststoffe wichtig ist.
1949-1950 war Alder Dekan der philosophischen Fakultät an der Universität Köln. Die Wahl zum rector magnificus lehnte Alder 1955 aus gesundheitlichen Gründen ab.
Zahlreiche Ehrungen und Anerkennungen aus dem In- und Ausland krönten sein Leben für die Wissenschaft, darunter:
1938 Emil-Fischer-Medaille vom deutschen Chemiker-Verband
1939 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale
1950 Nobelpreis für Chemie zusammen mit Otto Diels
1950 Ehrendoktorwürde der Kölner Medizinischen Fakultät
1954 Ehrendoktorwürde der Universität Salamanca
1955 korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
1979 ein großer Krater auf dem Mond erhält zu seinen Ehren den Namen „Alder-Krater"
Kurt Alder war ein hervorragender Wissenschaftler. Er hat mehr als 170 wissenschaftliche Arbeiten geschrieben, von denen etwa 150 die DienSynthese behandeln.
Der größte Hörsaal im chemischen Institut der Universität zu Köln ist nach Kurt Alder benannt. 1991 gründete Alders Ehefrau die AlderStiftung, die einen Förderpreis für begabte Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der organischen Chemie vergibt.
1 Otto Paul Hermann Diels, 1876 - 1954, deutscher Chemiker
Arco, Georg Wilhelm Alexander Hans Graf von

* 30. August 1869 in Großgorschütz/Gorzyce
† 5. Mai 1940 in Berlin
Ingenieur
Physiker
Pionier der Nachrichtentechnik
Arco besuchte das humanistische Gymnasium St. Maria Magdalena zu Breslau. Danach studierte er Mathematik und Physik an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Nach zwei Semestern entschied er sich für die Offizierslaufbahn. Er brach jedoch bald die Militärkarriere ab, kehrte an die Technische Hochschule zurück, studierte Maschinenbau und Elektronik (1893 – 1896) an der TH Berlin-Charlottenburg und wurde Assistent von Adolf Slaby2.
1898 nahm Arco die Tätigkeit als Ingenieur im Kabelwerk der AEG (später: AEG-Slaby-Gruppe) auf und beschäftigte sich mit Prüfmethoden für Kabel hinsichtlich deren Isolationswiderstandes. Arco wurde Spezialist der AEG für drahtlose Telegraphie.
1903, nach der Fusion von AEG und Siemens & Halske, wurde Arco technischer Direktor der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H, dem späteren Unternehmen Telefunken.
Arco führte viele technische Neuerungen ein und meldete etwa 100 Patente an. Als Beispiel seien hier nur der Hochfrequenzmaschinensender und der Wellensender genannt. Für diese Erfindungen erhielt Arco 1916 die Würde eines Dr. phil. h. c. der Universität Straßburg. Die technische Entwicklung sollte auch militärisch genutzt werden. Arco unterstützte diesen Plan nicht. Er war Pazifist und Gegner der Kriegspolitik. Er war Mitglied des Bundes Neues Deutschland, aus dem später die Deutsche Liga für Menschenrechte hervorgegangen ist. Seine humanistische Einstellung brachte er in seinem Artikel „Die Technik mordet den Krieg" (1926) überzeugend zum Ausdruck.
1931 legte Arco überraschend alle seine Ämter nieder und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück.
Im Oktober 2011 fand eine Konferenz zu Ehren des Grafen von Arco über seine Kindheit und Jugend in seinem einstigen Palais in Gorzyce statt. Dabei wurde ein Film von Helmut Bednarek „Graf von Arco, großer Europäer aus Gorzyce"/"Hrabia von Arco, wielki Europejczyk z Gorzyc" vorgeführt.
Die gepflegte Familiengruft befindet sich auf dem alten Friedhof neben dem Gemeindehaus.


Palais der Grafen von Arco in Großgorschütz/Gorzyce
(Fotos: Jan Bankiel, Goczałkowice, 2012)


Aktuell befinden sich im oberen Palais ein Alkoholentzugszentrum und eine Therapieund Behandlungseinrichtung. Das untere Palais wartet auf Sanierung und Bewirtschaftung. Der gesamte Palais-Park-Komplex steht unter Denkmalschutz. Gemälde aus dem Schloss findet man heute im Städtischen Museum und in der Stadtkirche in Wodzisław Śląski/Loslau.
2 Adolf Karl Heinrich Slaby (1849-1913), Professor für Elektronik an der TH Berlin-Charlottenburg, einer der Pioniere auf dem Gebiet des drahtlosen Funkverkehrs
Baron, Gerhart
* 7. Mai 1904 in Kandrzin (Heydebreck)/Kędzierzyn
† 7. März 1978 in Linz a. d. Donau
Schriftsteller
Lyriker
Literaturhistoriker
Baron besuchte die Volksschule und lernte anschließend Uhrmacher in Hindenburg/Zabrze. Nach der Ausbildung arbeitete er in der Industrie.
1924 fand er eine Anstellung als Bibliothekar in einer Öffentlichen Arbeiterbücherei in Hindenburg, baute diese auf und wurde schriftstellerisch tätig.
1929 war Baron Mitbegründer des „Oberschlesischen proletarischen Schriftsteller-Verbandes".
1935 wurde er arbeitslos. 1937 fand Baron wieder eine Anstellung als Bibliothekar im Amt für Oberschlesische Landeskunde und seit 1938 im Neisser Stadtarchiv. Er war zwölf Jahre als Bibliothekar tätig.
Nach dem Kriegsdienst 1946 kam er als Flüchtling nach Oberösterreich und fand Arbeit in einer Zellwollefabrik in Linz a. d. Donau.
1955 bekam er eine Anstellung als Archivar der Arbeitskammer für Oberösterreich in Linz. Er baute sie auf und leitete sie bis zu seiner Pensionierung.
Zu seinen bekanntesten Werken zählt der Lyrikband „Ankunft. Oberschlesische Gedichte" (1943), der Gedichtsband „Wiedergeburt. Achtzig Gedichte" (1963) und zahlreiche Gedichte, die in Zeitschriften/Literaturzeitschriften bis 1965 erschienen sind. Er war Mitglied des PEN-Clubs in Österreich.
Am 15. Februar 1964 verlieh der österreichische Bundespräsident Dr. Schärf Gerhart Baron den Berufstitel Professor für seine Verdienste um die deutsche Arbeiterdichtung.
Zahlreiche Ehrungen und Anerkennungen begleiten sein Wirken, darunter:
1928 Jung Oberschlesischer Lyrikpreis
1935 Lyrikpreis der Zeitschrift „Die Dame"
1952 Lyrikpreis der Heimatvertriebenen
1955 Theodor-Körner-Preis für Sozialwissenschaften
1964 Berufstitel Professor
1972 Großer Förderpreis des Wiener Ministeriums für Unterricht und Kunst
1976 Josef-Luitpold-Stern-Preis für Lyrik, Wien
Bednorz, Robert
* 18. Mai 1882 in Pilzendorf bei Hindenburg/Zabrze-Grzybowice3
† 6. April 1973 in Wiesbaden
Bildhauer
Bednorz schloss eine handwerkliche Lehre ab und war zunächst als Bildhauer bei der Industriellenfamilie von Donnersmarck4 tätig. Danach studierte er von 1903 bis 1907 an der Kgl. Kunst- und Kunstgewerbeschule, der späteren Kunstakademie, in Breslau. Zur Weiterbildung ging er an die Hochschule für bildende Künste nach Berlin und war dort von 1907 bis 1910 Schüler bei Ludwig Manzel5.
1911 gewann er ein Stipendium bei einem Wettbewerb, ging 1911/1912 nach Rom und war danach wieder in Breslau tätig.
Von 1924 bis 1932 war Bednorz Professor für Bildhauerei an der Breslauer Akademie für Kunst- und Kunstgewerbe/Akademia Sztuk Pięknych (ASP), Wrocław, pl. Polski. Nach der Schließung der Akademie und Entlassung aus dem Staatsdienst war er als freischaffender Bildhauer tätig.
1941 erhielt Bednorz eine Professur an der Krakauer Kunstakademie, an der er bis 1943 unterrichtete. Danach kehrte er nach Breslau zurück. Noch vor dem II. Weltkrieg stellte Bednorz viele Arbeiten fertig, die in seiner schlesischen Heimat zurückgeblieben sind, einige davon sind noch erhalten geblieben.
1946 nach der Flucht vor der Roten Armee ließ er sich in Wiesbaden nieder, wo er wieder als Bildhauer tätig war. Hier entstanden Porträts der schlesischen Dichter Gerhart Hauptmann, Hermann Stehr und Joseph von Eichendorff, um nur einige zu nennen. Hier schuf er auch die Skulptur des 1. Präsidenten der Weimarer Republik Friedrich Ebert und des 1. Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland Theodor Heuss.

Heute wird Robert Bednorz auch in Polen geehrt: In Grzybowice ist z. B. die Grundschule Nr. 32 nach ihm benannt, am Schulgebäude ist eine Gedenktafel in polnischer Sprache mit einer Skulptur zu seinen Ehren angebracht. Sie ist das Werk des polnischen Kunstbildhauers Krzysztof Nitsch.
Ehrungen und Anerkennungen:
1920 Rom-Preis der Deutschen Akademie, Rom Villa Massimo
1952 Großes Bundesverdienstkreuz
1966 Oberschlesischer Kulturpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
3 heute Stadtteil von Hindenburg/Zabrze
4 Die Donnersmarck entstammen einer alten ungarischen Familie. Lazarus Henckel legte das Fundament für das Vermögen und den Aufstieg der Familie Henckel von Donnersmarck in Oberschlesien. Im Verlauf von Jahrzehnten gab es in Schlesien mehrere Linien der von Donnersmarcks.
5 Karl Ludwig Manzel (1858-1936), deutscher Bildhauer, Maler und Grafiker


Tympanon von Robert Bednorz am Wasserturm in Wrocław/Breslau
(Foto: Autorin 2012)
Bergius, Friedrich
* 11. Oktober 1884 in Breslau-Goldschmieden/Wrocław-Złotniki
† 31. März 1949 in Buenos Aires
Chemiker
1931 Nobelpreis für Chemie
1880 erwarb sein Vater eine chemische Fabrik in Goldschmieden, in der Bergius schon als Jugendlicher technische chemische Prozesse kennenlernte.
Nach der Reifeprüfung und einem Aufentahlt im Ruhrgebiet, um Erfahrungen in großen metallurgischen Betriebsanlagen zu sammeln, begann Bergius 1903 das Studium der Chemie an der Friedrich-WilhelmsUniversität in Breslau. 1905 wechselte er an die Universität Leipzig, wo er seine Doktorarbeit „Über absolute Schwefelsäure als Lösungsmittel" zu schreiben begann. Zurück in Breslau vervollständigte er seine Doktorarbeit und promovierte 1907 in Leipzig.
In den Folgejahren arbeitete er am Walter Nernst6-Institut in Berlin und studierte nebenbei ein Semester bei Fritz Haber7 an der Universität in Karlsruhe.
1913 habilitierte sich Bergius an der Technischen Hochschule Hannover. Da die Einrichtungen an der TH für seine Forschungsarbeiten nicht mehr genügten, richtete Bergius 1910 mit seinem Vermögen ein Privatlaboratorium ein. Hier untersuchte er 1912/1913 den Hydriereffekt von Wasserstoff auf Kohle und Schweröl unter Hochdruck. Um finanzielle Unterstützung für seine Versuche zu erhalten, verlegte Bergius sein Laboratorium von Hannover nach Essen zur Th. Goldschmidt AG und richtete in Mannheim-Rheinau eine Anlage zur technischen Entwicklung des Hydriereffekts ein.
1924/25 übernahm Bergius die Finanzierung, die Verantwortung und das Risiko für die Weiterentwicklung des Hydrierprozesses. Er konnte schließlich die technische Durchführbarkeit der Kohleverflüssigung nachweisen und ein Verfahren entwickeln, das geeignet war, große Kohlevorräte der Erde zur Herstellung von Treibstoff zu verwenden.
1931 erhielt Bergius zusammen mit Carl Bosch8 den Nobelpreis für Chemie „für seine Verdienste um die Entdeckung und Entwicklung der chemischen Hochdruckverfahren".
Bergius befasste sich auch mit der Gewinnung von Zucker aus Zellulose. Schon während des ersten Weltkrieges widmete sich Bergius der Hydrolyse von Zellulose zu Zuckersubstanzen.
1936 erhielt Bergius die Ehrendoktorwürde der Harvard University. Damit verstärkte sich der Unmut ihm gegenüber: Seine Fabrik in MannheimRheinau wurde beschlagnahmt, sein Vermögen gesperrt, die Pässe eingezogen und er selbst in Haft genommen. 1942 wurde auch seine Heidelberger Villa beschlagnahmt. Auf Ersuchen seiner Gattin kam er frei, das Ehepaar zog nach Bad Gastein/Österreich.
Nach Kriegsende lehnte Bergius amerikanische und russische Angebote ab. Nachdem Verhandlungen mit der Schweiz, Italien, Spanien und der Türkei erfolglos verliefen, wanderte Bergius 1947 nach Buenos Aires aus, wo er bis zu seinem Tod das Institut für chemische Forschung leitete.
Ehrungen und Anerkennungen für seine Verdienste:
Ehrendoktorwürde mehrerer Hochschulen, Ehrensenator der Universität Heidelberg,
1931 Nobelpreis für Chemie, gemeinsam mit Carl Bosch, dem Erfinder der Ammoniak-Synthese, Liebig-Medaille, Mitglied des Aufsichtsrates vieler Vereinigungen und Unternehmen
Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Friedrich Bergius mit einem Eintrag.
6 Walter Nernst, 1864 -1941, deutscher Physiker und Chemiker, 1920 Nobelpreis für Chemie
7 s. Haber, Fritz
8 Carl Bosch, 1874 - 1940, deutscher Chemiker, 1931 Nobelpreis für Chemie
Bernard, Anna

* 15. Juli 1865 in Breslau
† 27. August 1938 in Bad Kudowa/Kudowa Zdrój
Schriftstellerin
Anna Bernard verbrachte ihre Schul- und Jugendzeit in Neisse/Nysa. Nach dem Abschluss der allgemeinen Volksschule absolvierte sie eine Ausbildung als Schneiderin und gründete ein eigenes Damenschneidergeschäft in Neisse. Schon in dieser Zeit wandte sie sich der Dichtkunst zu und veröffentlichte unter ihrem Geburtsnamen Anna Scheer kleinere Arbeiten in der Neisser Zeitung.
Ihre Mutter war evangelisch, ihr Vater altkatholisch. Nach dem Tod ihres Vaters wandte sich Bernard der katholischen Kirche zu und konvertierte schließlich zum Katholizismus.
1904 heiratete sie den Schneidermeister Robert Bernard aus Bad Kudowa. Sie gab das Damenschneidergeschäft in Neisse auf, und das Ehepaar zog 1908 nach Bad Kudowa. Hier erwarben sie ein Haus, dem sie den Namen „Heimathaus" gaben, und Bernard widmete sich ganz der Schriftstellerei. Ihre finanziellen Verhältnisse sahen nicht rosig aus. Das Ehepaar entschloss sich, Kurgäste und später Logiergäste in ihrem „Heimathaus" aufzunehmen. Im „Heimathaus" lebte und wirkte Bernard 35 Jahre. Während des I. Weltkrieges war Bernard bei der Gemeinde Bad Kudowa für die Lebensmittelversorgung verantwortlich, nach dem Krieg übernahm sie die Leitung der Gemeindebibliothek. Bernard war im Kurort Bad Kudowa berühmt und das „Heimathaus" eine Sehenswürdigkeit.
Sie verfasste zahlreiche Kurzgeschichten, Gelegenheitsgedichte, Erzählungen, die oft das Thema Armut, Heimat und Krieg behandelten. Zu ihren bekanntesten Werken zählen:
1912 Die Seinigen nahmen ihn nicht auf
1922 Andreas Faulhabers Tod, Trauerspiel
1925 Am Landestor. Breisgau, Roman (preisgekrönt)
1926 Tränende Herzen, Novellen
1927 Der Mönch von Capistrano, Roman Joseph Ernst Bergmann, Roman (nicht veröffentlicht)
1925 Im Zeichen des Saturn, Drama Liebe Vergangenheit Frau Olgas Sohn, Roman Der Hagestolz, Erzählung
1926 Was mein einst war, Erinnerungen
2005 (Neuauffalge) Die Töchter der Soldatenstadt, Roman
Ihre Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof der St. Bartholomäus-Pfarrkirche in Tscherbeney/Kościół parafialny św. Bartłomieja Apostoła w Czermnej. Die Ruhestätte schmückt ein Grabstein der Neisser Druckerei, die Bernards schriftstellerische Tätigkeit immer unterstützte:
Anna Bernard
* 15. 7. 1865 † 27. 8. 1938
Begnadet mit der Stimme der Dichterin,
forschte sie in den Schriften vergangener Zeiten,
las in den Zügen ihrer Heimatstadt Neisse,
des schlesischen Landes und seiner Menschen.
Gott lohne ihr den Lobpreis seiner Werke!
R.I.P.
Zu Ehren von Anna Bernard wurde 2009 an ihrem „Heimathaus" in der ul. 1-Maja 45 in Kudowa Zdrój-Czermna/Kudowa-Tscherbeney feierlich eine Gedenktafel in polnischer Sprache enthüllt.
Unsere Heimat
Abseits vom großen Strom der Welt,
in keuscher Waldeeinsamkeit,
träumt unter blauem Himmelszelt
dies Ländchen von der Ewigkeit.
Es hat vom ersten Schöpfungstag
der Uhrzeit Felsen um sich stehen,
und Blumen blühn am grünen Hang,
wie sie das Paradies gesehen.
Es springt vom Berge silberhell,
zu ewiger Erneuerung,
ein Zauberborn, ein Wunderquell,
und dieses Land bleibt ewig jung.
(Anna Bernard)
Bienek, Horst
* 7. Mai 1930 in Gleiwitz/Gliwice
† 7. Dezember 1990 in München
Schriftsteller
Übersetzer
Im Januar 1945, nach der Besetzung seiner Geburtsstadt durch die Russische Armee, musste Bienek Gleiwitz verlassen. Er selbst schreibt über seine Kindheit:
„Ich komme aus einer kleinen Stadt, aus Gleiwitz, damals im alten Reich, ganz weit im Osten, gelegen. Heute heißt die Stadt Gliwice und liegt mitten in Polen. Ich bin dort oft an der Klodwitzbrücke gestanden und habe zugesehen, wie das Wasser in die Oder floss."9
Bienek kam nach Köthen bei Halle, später ging er nach Potsdam und Berlin. In Berlin wurde er Schüler Bertolt Brechts10 an dessen Berliner Ensemble in Ostberlin/Deutsche Demokratische Republik (DDR).
Im November 1951 wurde er vom Sowjetgeheimdienst (KGB) vermutlich wegen seiner Aktivitäten gegen die Kulturpolitik der DDR verhaftet und zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Im Bergwerk Workuta arbeitete er zwei Jahre, danach bis zur Entlassung im Wohnungsbau in Sverdlovsk. Er lernte die russische Sprache. Nach seiner vorzeitigen Entlassung kam Bienek 1955 in die Bundesrepublik Deutschland.
Bienek arbeitete zunächst als Redakteur, Lektor und Herausgeber, bevor er sich für die Tätigkeit als freier Schriftsteller entschied.
1957 erschien das „Traumbuch eines Gefangenen" und 1968 der Roman „Die Zelle", in dem er über seine Erlebnisse während der Zwangsarbeit – über das Leben am Eismeer – berichtet.
Später beschäftigte sich Bienek mit seiner Kindheit, mit Oberschlesien und den Oberschlesiern u. a. 1976 im Gedichtband „Gleiwitzer Kindheit" und in seiner Tetralogie, der Oberschlesischen Chronik, die aus vier Romanen besteht: 1975 Die erste Polka, 1977 Septemberlicht, 1979 Zeit ohne Glocken, 1982 Erde und Feuer.
Die Tetralogie wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Für sie erhielt Horst Bienek zahlreiche internationale Literaturpreise.
Noch zwei weitere Bücher, deren Handlung in Oberschlesien spielt, machten Bienek berühmt: „Reise in die Kindheit" (1988) und „Birken und Hochöfen. Eine Kindheit in Oberschlesien" (1990). Bieneks Wurzeln sind in Oberschlesien und seiner Geburtsstadt Gleiwitz geblieben. Sie bildeten auch das Hauptthema seiner Werke.

Bieneks Geburtshaus in Gleiwitz/Gliwice, ul. Horsta-Bienka und die Gedenktafeln in deutscher und polnischer Sprache.
(Fotos: Jan Bankiel 2014)

Horst Bienek
1930 – 1990
Der deutsche Schriftsteller
Horst Bienek wohnte in diesem
Haus von 1930 bis 1945.
Seine Heimatstadt Gliwice verewigte er in einem Romanzyklus
mit den Romanen „Die erste Polka", „Septemberlicht",
„Zeit ohne Glocken", „Erde ohne Feuer". Er starb 1990 in München.
Horst Bienek wurde mit vielen Preisen geehrt, darunter:
1969 Bremer Literaturpreis
1978 Kulturpreis Schlesien
1981 Nelly-Sachs-Preis
1983 Andreas-Gryphius-Preis
Nach ihm ist der Preis der Münchener Akademie der Schönen Künste benannt, die alle zwei Jahre den Horst-Bienek-Preis für Lyrik verleiht. Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Horst Bienek mit einem Eintrag.
9 Zitat aus „Die vertauschten Augen", erschien postum 1991
10 Bertolt Brecht, 1898 - 1956, deutscher Dramatiker und Lyriker
Bischoff, Friedrich
* 26. Januar 1896 in Neumarkt/Środa Śląska
† 21. Mai 1976 in Großweier/Baden-Württemberg
Schriftsteller
Journalist
Rundfunkpionier
Bischoff besuchte die Grundschule in Neumarkt, danach das Gymnasium in Breslau. Vor Beginn des Studiums wurde er 1914 Soldat.
Nach dem Krieg studierte er Germanistik, Philosophie und Literaturwissenschaften an der Universität in Breslau. Das Studium unterbrach er aber schon nach wenigen Semestern und entschied sich als Dramaturg am Breslauer Stadttheater zu arbeiten.
1921 erschienen sein erster Gedichtband „Gottwanderer", 1922 der Roman „Ohnegesicht" und 1925 „Alter" sowie der Gedichtband „Die Gezeiten".
Von 1925 bis 1933 war er beim Breslauer Rundfunk tätig und leitete die „Schlesische Funkstunde", ab 1929 war er Intendant des schlesischen Rundfunks. Sein Verdienst während dieser Tätigkeit war die Entwicklung der Darstellungsformen, wie die Hörfolge und die Hörspiele. So entstand 1928 das Hörspiel „Hallo! Hier Welle Erdball!". Es wird noch heute als das älteste deutschsprachige Ton-Hörspiel betrachtet. 1926 nahm er auch die Serienfolge des Hörspiels „Runxendorf mit seiner Welle OS" des schlesischen Humoristen Ludwig Manfred Lommel11 in das Programm auf.
1933 wurde Bischoff von den Nationalsozialisten seines Amtes beim Breslauer Rundfunk enthoben und als vermutlicher „Kulturbolschewik" inhaftiert. Nach Monaten der Inhaftierung kam es zu einem Prozess, der mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen endete.
Bischoff fand eine Anstellung als Verlagslektor beim Ullstein-Verlag in Berlin. Hier entstanden zahlreiche Werke: die Romane „Die goldenen Schlösser" (1935), „Der Wassermann" (1937) und die Lyrikbände „Schlesischer Psalter" (1939). Seine Gedichte behandeln den Alltag in Schlesien. Das Thema seiner Werke sind alte schlesische Sitten, Bräuche und Berufe, wie Bildschnitzer, Glasschleifer, Weber im Riesengebirge und Lumpensammler.
1943 erschien der Band „Sternbild der Heimat" mit Gedichten und Geschichten aus der schlesischen Heimat.
Bischoff lebte in Berlin und Wolfshau/Wilcza Poręba. 1945 nach der Vertreibung aus Wolfshau kam Bischoff in den westlichen Teil Deutschlands und war von 1946 bis 1965 Intendant des Südwestfunks in Baden-Baden. 1953 erschienen ein Band von Erzählungen „Gold über Danae" und 1964 „Rosenzauber".
In Anerkennung seiner Verdienste für den Deutschen Rundfunk wurde Bischoff 1951 der Ehrentitel eines Professors verliehen und zum Ehrensenator der Universität Freiburg ernannt. 1954 erhielt Bischoff das Große Bundesverdienstkreuz und 1976 den Eichendorff-Literaturpreis des Wangener Kreises12. Bischoff war Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung, des PEN-Clubs, der Akademie der Wissenschaften und Literatur und des Kulturwerks Schlesien. Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Friedrich Bischoff mit einem Eintrag.
11 s. Lommel Ludwig , Manfred
12 Der Wangener Kreis - Gesellschaft für Literatur und Kunst des Ostens e. V. wurde 1950 in Wangen im Allgäu für schlesische Künstler und Gelehrte gegründet (Wikipedia).
Blobel, Günter
* 21. Mai 1936 in Waltersdorf/Niegosławice
deutsch-US-amerikanischer Mediziner
1999 Nobelpreis für Medizin
1945 flüchteten seine Eltern vor der Roten Armee zu Verwandten in die Nähe von Dresden. 1947 kam die Familie nach Freiberg/Sachsen, wo der Vater seine Tätigkeit als Tierarzt wieder aufnahm.
1954 legte Blobel das Abitur ab, durfte aber nicht studieren, weil sein Vater als Tierarzt laut Gesetzgebung der Deutschen Demokratischen Republik „der kapitalistischen Klasse" angehörte. Nach dem Abitur flüchtete Blobel über die „grüne Grenze" nach Frankfurt am Main und nahm sein Medizinstudium auf. Nach einigen Semestern in München, Kiel und Tübingen beendete Blobel das Studium der Medizin mit der Promotion in Tübingen (1960).
1963 ging Blobel in die USA, studierte noch Chemie und promovierte in Onkologie an der Universität in Wisconsin.
1969 folgte er dem Ruf an die Rockefeller Universität in New York, wo er von 1969 bis 1973 als Assistenzprofessor und von 1973 bis 1976 als außerordentlicher Professor wirkte. Seit 1986 war er als Forschungsprofessor am Howard Hughes Medical Institute tätig.
1987 nahm Blobel die amerikanische Staatsbürgerschaft an.
1994 wurde Blobel Mitglied der amerikanischen National Academy of Science. Im selben Jahr gründete er den uneigennützigen Verein „Friends of Dresden, Inc.", um Spenden für die Restaurierung Dresdens zu sammeln.

1999 erhielt Blobel den Nobelpreis für Medizin „für die Entdeckung der in Proteinen eingebauten Signale, die ihren Transport und die Lokalisierung in der Zelle steuern". Das Preisgeld spendete er für die Restaurierung Dresdens, ganz speziell für den Wiederaufbau der Frauenkirche und der Dresdner Synagoge. Er unterstützt auch das Projekt des Wiederaufbaus der Universitätskirche in Leipzig unter der Leitung des Paulinervereins e. V.
Blobels besondere Liebe gilt Dresden; vermutlich auch deshalb, weil seine Eltern dem Dresden-Inferno entkommen sind.
Ehrungen und Anerkennungen:
1978 US Steel Award in Molecular Biology
1992 Medaille der deutschen Biochemischen Gesellschaft
1992 Max-Planck-Forschungspreis
1997 Award for Excellence in Science and Technology
1999 Nobelpreis für Medizin, Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften
2000 Ehrensenator der Technischen Universität Dresden
2001 Ehrenbürger von Waltersdorf/Niegosławice
2001 Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Bergakademie Freiberg/Sachsen
2001 Mitglied des Ordens „Pour le mérite" der Bundesrepublik Deutschland
2006 St. Heinrich Nadel mit Krone des St. Heinrich Ordens
Bloch, Konrad Emil

* 21. Januar 1912 in Neisse/Nysa
† 15. Oktober 2000 in Burlington, Massachusetts
deutsch-US-amerikanischer Biochemiker
1964 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin
Bloch legte das Abitur am Realgymnasium in Neisse ab.
1930 bis 1934 studierte er Chemie und Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule in München. 1934 schloss er das Studium als Dipl.Ing. für Chemie ab. Sein Gesuch um Fortsetzung des Studiums und Zulassung zur Promotion wurde abgelehnt.
1934 musste Bloch Deutschland verlassen. Er fand eine Assistenstelle am Schweizerischen Höhenforschungsinstitut in Davos.
1936 wanderte Bloch in die Vereinigten Staaten aus. Im selben Jahr promovierte er an der Columbia University in New York zum Doktor der Naturwissenschaften und war dort bis 1946 als Forschungsprofessor tätig. Danach wechselte er als Assistenzprofessor an den Lehrstuhl für Biochemie der University of Chicago. Hier wurde er 1948 außerordentlicher und 1950 ordentlicher Professor.
1944 nahm Bloch die amerikanische Staatsbürgerschaft an.
1953 verbrachte Bloch ein Jahr am Organisch-Chemischen Institut der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.
Von 1954 bis 1982 war Bloch Inhaber der Lehrstuhls für Biochemie an der Harvard University in Cambridge. Ausserdem war noch von 1979 bis 1984 für die Harvard School of Public Health tätig.
1964 erhielt Professor Konrad Bloch zusammen mit Professor Feodor Lynen13 vom Max-Planck-Institut in München den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für die Arbeiten auf dem Gebiet des Mechanismus und der Regulierung des Cholesterol- und Fettsäurestoffwechsels".
Konrad Bloch war Mitglied der National Academy of Sciences, des Public Health Service der American Chemical Society, Mitherausgeber des Journal of Biochemistry und Berater chemischer Firmen. Er empfing die Ehrendoktorwürde von mehreren US-amerikanischen Universitäten und Universitäten weltweit. 1967 ernannte die Technische Hochschule München Professor Konrad Bloch zum Ehrendoktor. Er war Mitglied oder Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland.
1987 erhielt er vom Land Nordrhein-Westfalen den Oberschlesischen Kulturpreis als Zeichen der Verbundenheit mit seiner Heimat Schlesien. Die Stadt Nysa/Neisse ehrt Konrad Emil Bloch mit einer dreisprachigen Gedenktafel am Gebäude des einstigen Realgymnasiums, das er besuchte.
13 Feodor Lynen, 1911–1979, deutscher Biochemiker
„Wem Zeit wie Ewigkeit
und Ewigkeit wie Zeit,
der ist befreit von allem Streit."
(Jakob Böhme)
Böhme, Jakob

* 1575 in Alt Seidenberg bei Görlitz
† 17. November 1624 in Görlitz
Mystiker und Philosoph
Böhme wurde im lutherischen Glauben erzogen. Über seine Kindheit ist nicht viel überliefert. Er erlernte das Schuhmacherhandwerk. Nach Abschluss der Lehre ging er auf Wanderschaft. Wo und wie lange er sie verbrachte, ist nicht nachweisbar. Nachweisbar ist, dass Böhme 1599 als Schuhmachermeister in Görlitz sesshaft wurde, heiratete, Erfolg in seinem Handwerk, ein eigenes Haus und viele Freunde hatte.
Durch ein Lichterlebnis angesichts eines Zinnkruges erfuhr Böhme eine wahre Erleuchtung. Er begann über die Anfänge allen Seins nachzudenken. Böhme beschäftigte die Frage nach der Herkunft des Bösen in der guten Schöpfung Gottes, nach dem Zusammenziehen von Gut und Böse in allem von Gott Gestalteten bis hin zu Mensch und Tier. Böhme wollte den Geheimnissen von Gott und Mensch auf die Spur kommen. Er war ein angesehener Mann bis zu seiner Schöpfungsgeschichte „Morgenröthe im Aufgang" (1612), später auch „Aurora" genannt, in der er seine Einsichten und astrologischen Spekulationen schilderte. Als eine Abschrift dieser Schrift in die Hände des orthodoxen Oberpfarrers der Stadt Görlitz und somit an die Öffentlichkeit gelangte, erhielt Böhme Schreibverbot. Bald veröffentlichte er jedoch neue Schriften und seine Popularität wuchs. 1624 folgte er einem Ruf an den Dresdner Hof.
Man nannte Böhme Philosophus teutonicus. Er war der bedeutendste Vertreter der deutschen Mystik. Als einer der ersten deutschen Philosophen schrieb er in deutscher Sprache.
Als Religions-Philosoph bewegte er die ganze geistige Welt. Hegel14 nannte Böhme den „ersten deutschen Philosophen".
14 Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 1770 - 1831, deutscher Philosoph
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
(Dietrich Bonhoeffer, 1944)
Bonhoeffer, Dietrich

* 4. Februar 1906 in Breslau
† 9. April 1945 im KZ Flossenbürg
evangelischer Theologe
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
Dietrich Bonhoeffers Vater war Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Friedrich-WilhelmsUniversität in Breslau und Klinikdirektor. 1912 erhielt er einen Ruf an die Charité in Berlin, die Familie zog nach Berlin. Bonhoeffer wuchs mit sieben Geschwistern auf.
Von 1923 bis 1927 studierte Bonhoeffer Theologie in Tübingen, Rom und Berlin. 1927 promovierte er in Berlin mit seiner Dissertation „Sanctorum Communio – eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche".
Nach seinem Vikariat bei einer deutschen Gemeinde in Barcelona legte Bonhoeffer 1929 sein zweites theologisches Examen in Berlin ab und habilitierte 1930 zum Thema „Akt und Sein. Transzendentalphilosophie und Ontologie in der systematischen Theologie".
Von 1930 bis 1932 war Bonhoeffer Stipendiat an der Theologischen Hochschule in New York. 1931 erhielt er eine Dozentenstelle an der Universität Berlin und wird Studentenpfarrer an der Technischen Hochschule.
Mit seinem Vortrag zum Thema „Die Kirche in der Judenfrage" lenkte er die Aufmerksamkeit der Nationalsozialisten auf sich und kam mit dem Regime in Konflikt. Daraufhin ging er nach England und betreute von 1933 bis 1935 deutsche evangelische Kirchengemeinden in London. Trotz des Angebots in England zu bleiben, kehrte Bonhoeffer 1935 nach Deutschland zurück und war in der bekennenden Kirche15 tätig. Die Predigerseminare wurden von den Nationalsozialisten bald verboten, Bonhoeffer erhielt Lehrverbot.
1939 reiste Bonhoeffer in die USA und übernahm eine Gastdozentur am Union Theological Seminary in New York. Das Angebot, in den USA zu bleiben, lehnte Bonhoeffer ab, kehrte nach Deutschland zurück, arbeitete aktiv als Widerstandskämpfer. Durch seinen Schwager, Hans von Dohnanyi, der Jurist im NS-Justizministerium und Sonderführer der deutschen Abwehr war, hatte er Zugang zu Widerstandskreisen. Bonhoeffer war auch sehr eng mit dem schlesischen Widerstandskämpfer Helmuth James von Moltke16 befreundet.
Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer von der Gestapo verhaftet, in das Militärgefängnis Berlin-Tegel gebracht und später im Berliner GestapoGefängnis interniert.
In der Gefangenschaft schrieb Bonhoeffer sein bekanntestes Buch „Widerstand und Ergebung". Nachdem das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gescheitert war, konnte die Gestapo Bonhoeffers Beteiligung am Widerstand in der militärischen Abwehr nachweisen.
Im Februar 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer in das KZ Buchenwald gebracht, im April in das KZ Flossenbürg und dort sofort hingerichtet.
Dietrich Bonhoeffer war aktiver Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

An Dietrich Bonhoeffers Geburtshaus in Breslau, Am Birkenwäldchen 7/Wrocław, ul. Bartla 7 ist eine zweisprachige Gedenktafel angebracht (Fotos: Jerzy Hawryszków, 2014)

Bonhoeffer-Denkmal vor der St. Elisabeth-Kirche in Breslau/ Kościół Garnizonowy pw. św. Elżbiety, Wrocław
(Fotos: Autorin, 2012)
Die Inschriften auf den Gedenktafeln:
Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren, evangelischer Pastor und Theologe, Mitglied des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, Vorkämpfer der Ökumene und Märtyrer für den christlichen Glauben. Ermordet im Konzentrationslager Flossenbürg am 9. April 1945.
Organisationskomitee „Für Dietrich Bonhoeffer"
„Für Dietrich Bonhoeffer" 1988 (1997) 1999
Zweitfassung der Gedenkskulptur von Karl Biedermann. Das Original (1988) befindet sich im Besitz des Bezirkes Mitte von Berlin und steht an einer der Wirkungsstätten Dietrich Bonhoeffers, der Zionskirche Berlin-Mitte.
15 Die Bekennende Kirche (BK) war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche der Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) in der Zeit des Nationalsozialismus. http://de.wikipedia.org/wiki/Bekennende_Kirche.
16 s. Moltke, Helmuth James
Born, Max

* 11. Dezember 1882 in Breslau
† 5. Januar 1970 in Göttingen
Mathematiker und Physiker
1954 Nobelpreisträger für Physik
Max Born stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie. Sein Vater war Professor für Anatomie und Embryologie an der Breslauer Universität. Seine Mutter stammte aus einer schlesischen Industriellenfamilie.
Born besuchte das König-Wilhelms-Gymnasium in Breslau, studierte Rechtswissenschaften und Moralphilosophie, später Mathematik, Physik und Astronomie an den Universitäten in Breslau, Heidelberg, Zürich, Cambridge und schließlich in Göttingen, wo er 1906 promovierte und 1909 in Atomphysik habilitierte.
Er beschäftigte sich unter anderem mit den Folgen der Relativitätstheorie seines Physiker-Kollegen Albert Einstein17 für die Physik fester Körper und mit der Theorie atomarer Kristallgitter. Darüber veröffentlichte er 1915 das Buch „Dynamik der Kristallgitter". Mit einem Kollegen entwickelte er die Quantentheorie der spezifischen Wärme.
Born war zunächst Privatdozent in Göttingen, danach außerordentlicher Professor für theoretische Physik an der Universität Berlin, wo er mit Max Planck18, Albert Einstein und Walter Nernst19 zusammenarbeitete. 1919 erhielt er seinen ersten Lehrstuhl an der Universität in Frankfurt/Main.
1933 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Max Born wegen seiner jüdischen Vorfahren zwangsbeurlaubt. Er wanderte im selben Jahr nach England aus.
1934 erhielt er eine Professur in Cambridge.
1936 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Im selben Jahr wechselte er an den Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität in Edinburgh, wo er als Dozent tätig war.
1953, nach seiner Emeritierung, kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Bad Pyrmont nieder. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Göttinger Stadtfriedhof.
Mit Albert Einstein war Born lebenslang eng befreundet. Aus Borns Göttinger Schule kamen berühmte Physiker wie Maria Goeppert-Mayer20, Victor Weisskopf21 und Robert Oppenheimer22.
Born engagierte sich gegen das globale Wettrüsten und war 1957 Mitverfasser des Appells der Physiker gegen Missbrauch der Kernphysik für Rüstungszwecke.

(Fotos: Antoni Stryjewski, 2012)
2002 wurde an Borns Geburtshaus eine Gedenktafel in polnischer, deutscher und englischer Sprache angebracht. Das Geburtshaus selbst ist unbewohnt und wartet auf Sanierung.
Im August 2014 war auch die Gedenktafel entfernt, es blieben nur Spuren zurück. Unweit des Mineralogischen Museums in Breslau ist ein Platz nach Max Born benannt.
In der Galerie „Große Breslauer" im Breslauer Rathaus ist eine Büste von Max Born aus schlesischem Marmor aufgestellt. Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Max Born mit einem Eintrag.
Ehrungen und Anerkennungen:
1948 Max-Planck-Medaille, 1950 die Hughes-Medaille
1953 Ehrenbürger der Stadt Göttingen, auch eine Straße ist nach ihm benannt
1954 Nobelpreis für Physik
1959 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband
Ehrenmitgliedschaft von Akademien in Moskau, Washington und Ehrendoktor in Bristol, Bordeaux, Oxford, Freiburg im Breisgau, Edinburgh, Oslo, Brüssel, an der Humboldt- Universität Berlin und der Universität Stuttgart
Max Born gehört zu den größten Physikern des 20. Jahrhunderts.
17 Albert Einstein, 1879 - 1955, deutscher Physiker, Begründer der speziellen Relativitätstheorie, 1922 Nobelpreis für Physik
18 Max Planck, 1858 - 1947, deutscher Physiker, Begründer der Quantenphysik, 1918 Nobelpreis für Physik
19 Walter Nernst, 1864 - 1941, deutscher Physiker und Chemiker, 1920 Nobelpreis für Chemie
20 s. Goeppert-Mayer, Maria
21 Victor Frederick Weisskopf, 1908 - 2002, österreichisch-US-amerikanischer Physiker
22Julius Robert Oppenheimer, 1904 - 1967, US-amerikanischer Physiker
Borsig, Johann Friedrich August

* 23. Juni 1804 in Breslau
† 6. Juli 1854 in Berlin
Maschinen- und Lokomotivenbauer
Industriepionier – Erbauer der ersten
Lokomotivfabrik in Berlin
Gründer der Borsigwerke in Oberschlesien
Borsig war Sohn einer schlesischen Bauern- und Handwerkerfamilie.
Er lernte zunächst Zimmermann. Zur weiteren Ausbildung ging er an die Kunst-, Bau- und Handwerkerschule in Breslau, danach an das Gewerbeinstitut in Berlin. Diese Ausbildung brach er ab und machte im September 1825 eine Ausbildung in Maschinenbau bei der Berliner Eisengießerei.
Mit seinem ersten Auftrag, der Montage einer Dampfmaschine in Waldenburg/Wałbrzych, bekam er die erste feste Anstellung.

Nachbau der Beuth von 1912, Deutsches Technikmuseum Berlin
1836 erwarb Borsig ein Grundstück und gründete eine eigene Eisengießerei und Maschinenfabrik in Berlin. 1841 brach die Ära der Dampflokomotive an und Borsig erlangte bald den Ruf eines Lokomotivbauers.
1844 stellte Borsig auf der Berliner Industrieausstellung seine 24. Dampflokomotive, die Beuth, aus. Es war die erste in Deutschland entwickelte Lokomotive.
Borsigs Unternehmen entwickelte sich schnell zu einem Lokomotivunternehmen. Von 1845 bis 1847 baute das Unternehmen insgesamt 170 Lokomotiven.
Außer Dampflokomotiven baute das Unternehmen auch Kunst- und Baugussteile.
Borsig arbeitete an der Fontänenanlage im Park Sanssouci in Potsdam, an der Kuppel der Potsdamer Nicolai-Kirche und an der Kuppel des Königlichen Schlosses in Berlin, für die er 1851 den Titel eines Kommerzienrates erhielt.
1847 errichtete Borsig ein Eisenhüttenwalzwerk und erwarb 1850 die Eisengießerei und Maschinenfabrk in Berlin-Moabit. Im selben Jahr reiste Borsig nach Oberschlesien, um dort die geplante Errichtung eines Hüttenwerkes und geeignete Kohlenlagerstätten zur Herstellung der seiner Dampfmaschinen zu prüfen.
1853 baute Borsig die Lokomotive für die Warschau-Wien-Eisenbahn.
1854 schloss Borsig mit Ballestrem23 einen Pachtvertrag über die Kohlengruben in Hindenburg-Biskupitz/Zabrze-Biskupice für 25 Jahre ab und erwarb ein Baugelände für ein Hüttenwerk. So wurde der Borsig-Besitz in Oberschlesien geboren. Im selben Jahr wurde die 500. Dampflokomotive in seinem Unternehmen gebaut.
August Borsig ist in die deutsche Industrie und Sozialgeschichte als „das größte und erfolgreichste Unternehmergenie, das Deutschland je hervorgebracht hat" eingegangen.
Er wurde mit dem Roten Adlerorden und dem Titel Geheimer Kommerzienrat geehrt und starb 1854 auf dem Höhepunkt seiner Karriere im Alter von 50 Jahren.

Die 1842 von August Borsig hergestellte Dampfmaschine kann noch heute in der Moschee, dem Dampfmaschinenhaus von Sanssouci (Potsdam), besichtigt werden.
23 Die Grafen von Ballestrem waren Großgrundbesitzer und Industrielle und sind fest mit Oberschlesien verwurzelt. Sie trugen über Generationen maßgeblich zur Entwicklung der Bergbau- und Hüttenindustrie bei, insbesondere der Zinkhüttenindustrie in Oberschlesien und der Entwicklung Oberschlesiens zum deutschen Bergbau- und Industriezentrum.
Borsig, Albert August Julius
* 7. März 1829 in Berlin,
† 10. April 1878 in Berlin
Einziger Sohn von August Borsig
Albert Borsig erwarb vom Grafen von Ballestrem weitere Ländereien um Hindenburg-Biskupitz/Zabrze-Biskupice, errichtete 1863 die Hütten- und Eisenwerke Borsigwerk und baute die oberschlesischen Werke weiter aus. Vom Stammwerk in Berlin-Moabit siedelte er erfahrene Hüttenarbeiter mit ihren Familien nach Oberschlesien um und baute für seine Arbeiter und Beamten eine neue Siedlung mit einer für diese Zeit beispielhaften Infraktruktur, darunter Kirche, Kindergarten, Badeanstalt, Turnhalle, Krankenhaus, Unfalleinrichtung, Restaurant. Er richtete eine Betriebskranken- und Invalidenkasse und eine Pensionskasse für die Beamten ein, was für die damalige Zeit ein Novum war.
Albert Borsig wurde, wie sein Vater, zum Geheimen Kommerzienrat ernannt.
Borsig, Arnold August Paul
* 28. Juni 1867 in Berlin,
† 1. April 1897 tödlich verunglückt
August Borsig war sein Großvater.
Er studierte an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen und wurde im „Borsigwerk" ansässig, kümmerte sich um die Modernisierung und den Ausbau der Grubenanlagen, die Erweiterung des Unternehmens und die Grubenerträge. Bei Rettungsarbeiten während eines Brandes auf der Grube „Hedwigswunsch" in Hindenburg/Kopalnia Jadwiga24 in Zabrze ist er mit 30 Jahren tödlich verunglückt.
24von 1945 – 1948 Kopalnia Jadwiga und von 1948 Kopalnia Węgla Kamiennego Pstrowski
Chrzaszcz, Johannes

* 27. April 1857 in Deutsch-Müllmen/Mionów
† 26. Februar 1928 in Peiskretscham/Pyskowice
Priester
Nestor der oberschlesischen Geschichtsschreibung
Chrzaszcz besuchte die Elementarschule in Deutsch-Müllmen und Gymnasien in Leobschütz/Głubczyce, Breslau und Oppeln/Opole. Danach absolvierte er ein dreijähriges Studium der Theologie an der Breslauer Hochschule. Nach deren Schließung infolge des Kulturkampfes setzte er sein Theologiestudium am Priesterseminar in Prag fort. In Prag im St. VeitsDom empfing Chrzaszcz 1881 die Priesterweihe. Danach wirkte er als Schlosskaplan in Chrosczinna bei Oppeln/Chróścina bei Opole und Gymnasial- und Religionslehrer in Gleiwitz/Gliwice (1883).
1888 promovierte Chrzaszcz zum Doktor der Theologie zum Thema „De evangelio secundum Hebraeos" an der Universität Breslau. Danach übernahm er die Pfarrgemeinde in Peiskretscham/Pyskowice, wo er als Geistlicher Rat und Erzpriester verstarb.
Dr. Johannes P. Chrzaszcz war 37 Jahre lang Pfarrer in Peiskretscham.
Er verfasste zahlreiche theologische Schriften, Aufsätze und Heimatbücher. Bis 1920 war er Herausgeber der Zeitschrift „Oberschlesische Heimat" des oberschlesischen Geschichtsvereins in Oppeln. Er beherrschte die polnische und tschechische Sprache.
Neben zahlreichen Aufsätzen und Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften gab er u. a. folgende Schriften heraus:
1890 Maria von Lourdes: Geschichte des Gnadenortes Lourdes
1897 Drei schlesische Landesheilige. Der St. Hyacinth, der selige Ceslaus, die selige Bronisława
1897 Der heilige Adalbert, Bischof und Märtyrer
1900 Geschichte der Städte Peiskretscham und Tost sowie des Toster Kreises
1902 Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Gemeinde St. Barbara in Königshütte
1908 Kirchengeschichte Schlesiens (für Schule und Haus)
1912 Geschichte der Stadt Neustadt OS
1914 Geschichte des Klosters Pilchowitz
1926 Geschichte der Stadt Zülz
1927 Das schwarze Buch von Gleiwitz
Dehmelt, Hans Georg
* 9. September 1922 in Görlitz/Zgorzelec
deutsch-US-amerikanischer Physiker,
1989 Nobelpreis für Physik
Dehmelt wuchs in Berlin auf, wo er das Gymnasium „Zum Grauen Kloster" besuchte und 1940 das Abitur ablegte.
Zu Beginn des II. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zur Flugzeugabwehr, begann jedoch schon 1943 das Studium der Physik an der FriedrichWilhelms-Universität zu Breslau.
1944 wurde er wieder Soldat und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1946 nahm er sein Physikstudium in Göttingen auf, wo auch Max Planck25 unterrichtete.
1948 schrieb Dehmelt seine Diplomarbeit über den „Thomson-MassenSpektrographen" und promovierte 1949 zum Thema „Kernquadrupolfrequenzen in kristallinen Jodverbindungen". Die Dissertation ebnete Dehmelt den Weg an die Duke University in Durham, North Carolina, an der er zwei Jahre tätig war.
1952 wechselte Dehmelt an die University of Washington in Seattle, wo er 1955 Assistenzprofessor, 1958 außerordentlicher und 1961 ordentlicher Professor wurde. Die wichtigsten Forschungsarbeiten führte Dehmelt an der University of Washington durch.
1956 beschrieb Dehmelt die Nützlichkeit der Ionen-Falle für die hochauflösende Spektroskopie.
1959 untersuchte er die Drehungsaustausche zwischen Elektron und Zielatom. Im selben Jahr baute er die erste Hochvakuum-Magnetron-Falle und konnte Elektronen für zehn Sekunden „auffangen".
1961 nahm Dehmelt die amerikanische Staatsangehörigkeit an.
1966 schlug Dehmelt vor, einen Infrarot-Laser zu entwickeln.
1973 gelang ihm die Isolierung eines einzelnen Elektrons.
1989 erhielt Dehmelt gemeinsam mit seinem ehemaligen Lehrer Wolfgang Paul26 die Hälfte des Nobelpreises für Physik „für die Entwicklung der Ionen-Falle". Die andere Hälfte ging an Norman Foster Ramsey27.
Ehrungen und Anerkennungen für seine Verdienste:
1970 Davisson-Germer Preis der American Physical Society
1978 Mitglied der National Academy of Sciences
1985 Rumford-Preis (Amerikanische Akademie für Wissenschaft und Kultur)
1989 Nobelpreis für Physik
1995 National Medal of Science (National Science Foundation)
25 Max Planck (1858 – 1947), deutscher Physiker, Begründer der Quantenphysik, 1919 Nobelpreis für Physik
26 Wolfgang Paul, 1913 – 1993, Physiker
27 Norman Foster Ramsey 1915 – 2011, US-amerikanischer Physiker, 1989 Nobelpreis für Physik
Dolezich, Norbert Ernst

* 16. Februar 1906 in Bielschowitz/Bielszowice
† 4. Dezember 1996 in Recklinghausen Maler
Schriftsteller
Dolezich wuchs in Orzegow/ Orzegów28 auf.
Er besuchte das Realgymnasium in Beuthen OS/Bytom und legte 1929 das Abitur ab. Anschließend studierte er Kunstgeschichte, Kunstpädagogik und Philosophie an der Kunstakademie in Königsberg/Kaliningrad und an der Staatlichen Kunstschule in Berlin.
1933 legte Dolezich das Staatsexamen für das künstlerische Lehramt ab und trat in den höheren Schuldienst in Ostpreußen ein. Er lehrte als Kunsterzieher in Allenstein/Olsztyn, Insterburg/ Tschernjachowsk und in Königsberg an den „Staatlichen Meisterateliers für bildende Kunst".
Wegen einer Krankheit wurde Dolezich zur Wehrmacht nicht eingezogen.
1941 bis 1945 war er Dozent für Grafik an der Königsberger Kunstakademie und lehrte an mehreren ostpreußischen Gymnasien. Seine künstlerische und kunstpädagogische Entwicklung liegt in Ostpreußen, weit weg von seiner oberschlesischen Heimat.

Nach seiner Flucht aus Königsberg kam Dolezich nach Recklinghausen. Hier wirkte er am Gymnasium Petrinum zunächst als Kunsterzieher, dann als Studiendirektor und Fachleiter am Staatlichen Studienseminar und betätigte sich künstlerisch und schriftstellerisch.
Seine Werke aus der Königsberger Zeit sind verlorengegangen.
Nach dem Krieg schuf Dolezich Aquarelle und Radierungen, in denen er Motive aus Ostpreußen und Oberschlesien schildert, wie die Schrotholzkirche im Stadtpark Beuthen OS (1950).
Seine bekanntesten Werke sind die Erinnerungen an seine Zeit in Oberschlesien, die Autobiographie „Ich kam aus Orzegów" (1975) und „Johannes Standorfer. Ein Künstlerleben" (1986).

„Das Rad" (1982)
Ehrungen für sein künstlerisches und schriftstellerisches Schaffen:
1940 Kunstpreis des Kunstvereins Königsberg
1944 Kunstpreis der Provinz Oberschlesien
1977 Eichendorff-Literaturpreis
1979 Bundesverdienstkreuz
1985 Lovis-Corinth-Preis29 der Künstlergilde Esslingen
1996 pro-arte Medaille „für seine besonderen Verdienste um die Weiterentwicklung der Bildenden Kunst und Literatur aus den historischen deutschen Kulturlandschaften des europäischen Ostens"30
An meinen Freund hb 31
Keiner weiß den Ort,
wo du im Morgenlicht
begraben liegst.
Regen tränkt Schollen
und Weiten der Ebene.
Längst wär' ich dort,
wüßt' ich den Weg.
Mein Suchen und Sinnen,
was aber brächte es
im weltfremden Land?
Das, was millionenmal gilt:
Unter dem Staub und Schädelrest
und rostig zerfallenes,
tödlich gelenktes Metall.
Das große Geschenk,
unverdient mir gewährt:
dich auf geradem Weg
durch Not und Trug zu begleiten.
Der Lumpensammler flötet,
und vor dem Wagen gehen
echolos Bitten und Fragen
die leeren Mauern hinauf.
So zieht durch die jahre
Mein Gedenken, begnadeter Freund,
dir in das niemals
Erreichbare nach.
28 heute Stadtteil von Ruda/Ruda Śląska
29 Der Lovis-Corinth-Preis ist ein deutscher Kunstpreis für Bildende Kunst, der von der Künstlergilde Esslingen seit 1974 vergeben wird.
30 entnommen aus: Esslinger Woche vom 3. April 1996, mit freundlicher Genehmigung, Künstlergilde Esslingen e. V./Presse- und Persönlichkeitenarchiv
31Abdruck des Gedichtes entnommen aus: „Im Strom, Aus Tag- und Nachtbüchern" mit freundlicher Genehmigung, Künstlergilde Esslingen e. V.
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