Read the book: «Cool Camping Wohnmobil»

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SUSANNE FLACHMANN

DIE ANLEITUNG FÜR DEINE FREIHEIT IM CAMPER


Deutsche Erstausgabe, April 2021

Copyright © 2021 Haffmans & Tolkemitt, Leipziger Straße 54, D-10117 Berlin

www.wildund.cool

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der mechanischen, elektronischen oder fotografischen Vervielfältigung, der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, des Nachdrucks in Zeitschriften oder Zeitungen, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung oder Dramatisierung, der Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen oder Internet, auch einzelner Text- und Bildteile, sowie der Übersetzung in andere Sprachen.

Lektorat: Katharina Theml, Büro Z, Wiesbaden (www.buero-z.net)

Gestaltung & Satz: Susanne Flachmann, polygrafica, München (www.polygrafica.de)

Druck & Bindung: Eberl & Koesel, Altusried-Krugzell

Printed in Gemany

ISBN 978-3-942048-82-8

eISBN 978-3-942048-84-2

Inhaltsverzeichnis

Über mich

Nachdenken

Urlaub im Wohnmobil – gefällt dir das?

Entscheiden

Welches Wohnmobil passt zu dir?

Wie kommst du an dein Wunschmobil?

Wohnmobil mieten

Wohnmobil kaufen

Fahren

Easy fahren: Komm in deinen Flow

Eine Passstraße genießend fahren

Ganz entspannt mit der Fähre reisen

»Offroad«-Wege meistern

Stehen

Leben auf dem Campingplatz

Freies Stehen mit dem Camper

Wohnen

Alltag leben

Frischwasser

Abwasser

Gas

Toilette

Strom

Waagerechtes Ausrichten

Planen

Der Weg (in die richtige Richtung) ist das Ziel

Ideen für deine Packliste

Frei sein

Und los geht’s

Die schönsten Roadtrips zur Inspiration

Kalimera-Tour für 2–3 Wochen

Deutschland » Österreich » über den Brenner » Italien / Ancona » per Fähre nach Griechenland / Patras » links abbiegen und rund um den Peloponnes » Patras » per Fähre nach Italien / Venedig

Slow-Motion-Tour für 2–3 Wochen

Deutschland » Chiemsee » Österreich » über den Wurzen- und Vršič-Pass » Slowenien » an der Soča entlang » Brda-Gebiet » Karst-Region » Slowenische Riviera » Portorož (nahe der kroatischen Grenze)

Dolce-Vita-Tour für 1–2 Wochen

Deutschland » Italien » quer durch die Toskana » Vinci » San Gimignano » Chianti-Gebiet » Montalcino » Bagno Vignoni » Saturnia » Umbrien » Florenz

Fahrspaß-Tour für 4–5 Wochen

Deutschland » Österreich » über den Wurzen- und Vršič-Pass » Slowenien » an der Soča entlang » Kroatien » über die Inseln Cres und Lošinj » per Fähre von Mali Lošinj nach Zadar » Montenegro » Durmitor-Nationalpark » Shkodrasee » Albanien » entlang der Küste » Griechenland / Igoumenitsa » per Fähre nach Italien

Bergliebe-Tour für 1–2 Wochen

Deutschland » Pilsensee » Bodensee » Schweiz » Frankreich » Route des Grandes Alpes » Côte d’Azur » Italien » Lago d’Idro

Natur-pur-Tour für 3– 4 Wochen

Deutschland / Kiel » per Fähre nach Litauen / Klaipeda » auf die Kurische Nehrung » an der Ostseeküste entlang » Lettland » Estland » bis fast zur russischen Grenze » Peipus-See » Lettland / Ventspils » per Fähre nach Deutschland / Travemünde

Regenbogen-Tour für 2–3 Wochen

Deutschland » Niederlande / Amsterdam » mit der Fähre nach England / Newcastle » Schottland » auf der NC500 immer an der Küste entlang » Isle of Skye » Glasgow » England / Newcastle » mit der Fähre zurück in die Niederlande / Amsterdam

Abenteuer-Tour ab 6 Wochen

Deutschland » Österreich » Ungarn » Rumänien » Bulgarien / Burgas » mit der Fähre über das Schwarze Meer » Georgien / Batumi » 2–3 Wochen Rundtour durch ein Traumland » mit der Fähre zurück nach Bulgarien / Burgas


Über mich


Meine Familie und meine Berufe als selbstständige Grafikdesignerin und Autorin ermöglichen mir dankenswerterweise, immer wieder aus dem Alltag aus- und in meinen Kastenwagen einzusteigen oder mein Motorrad zu satteln. So konnte ich in den letzten 9 Jahren jeweils für mehrere Wochen des Jahres ganz allein auf den europäischen Landstraßen umhercruisen. Mich zieht es vor allem in den Osten, ich liebe die rumpeligen Strecken, suche das möglichst Fremde, das Ungewohnte, Neue. Meine Lieblingsreiseländer sind Georgien, Albanien und Slowenien ‒ aber auch Rumänien, Schottland und Griechenland. Und die Liste der Länder, die von mir entdeckt werden wollen, wird nicht kürzer, meine Touren werden länger, der Radius immer größer.

Das Glück, das ich auf meinen Reisen ganz allein durch die Weltgeschichte mit meinem Kastenwagen, dem »Franz«, erlebe, teile ich sehr gern mit den Daheimgebliebenen auf meinem Reise-Blog: www.der-franz-und-ich.de

Und weil ich mein Glück gern weitergeben würde, habe ich für alle, die sich bisher noch nicht getraut haben, sich mit einem Wohnmobil auf den Weg zu machen, dieses Buch geschrieben ‒ inzwischen als zweite Auflage, völlig überarbeitet, mit ganz neuen Roadtrips und aktualisierten Informationen.

Auf meiner Webseite findest du übrigens weitere Lieblings-Campingplätze in ganz Europa ‒ und es kommen immer mehr dazu! Außerdem stelle ich dir dort meine aktuellen Roadtrip-Tipps als Download zur Verfügung. Guck doch immer mal wieder rein: www.cool-camping-wohnmobil.de

Ich möchte dich gern inspirieren und wünsche dir mit diesem Buch ganz viel Freude beim Lesen, Planen, Vorfreuen und Wegträumen ‒ und auf deinen Roadtrips immer eine Handbreit Sprit im Tank.

Wir sehen uns auf unseren Wegen!


PS: Und wenn du Schönes oder Praktisches für dich, dein Mobil und deinen Roadtrip suchst, dann guck doch mal in meinen Shop: www.roadtriplove.de

Nachdenken

Hast du dir immer schon gewünscht, dich wirklich »auf Reisen« zu begeben? Nicht irgendwo schnell hingefahren oder -geflogen zu werden, sondern aus der Haustür zu treten und ab diesem Moment in deinem Tempo die Welt zu entdecken? Dann bist du so weit für einen Roadtrip im Wohnmobil …

» Wenn du etwas loslässt, bist du ein wenig glücklicher. Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. Wenn du alles loslässt, bist du frei. «

Ajahn Cha


Urlaub im Wohnmobil – gefällt dir das?

Das mobile Leben im Camper funktioniert in allen möglichen Konstellationen. Ich genieße sowohl das Familienreisen als auch das Glück, mich ganz allein in meinem Van durch die Welt zu bewegen. In all diesen Varianten erlebe ich einen Riesenspaß, Verzauberung durch tolle Landschaften, Ruhe, Gelassenheit und den »Flow des Fahrens« – aber natürlich auch nervende Momente, in denen ich eigentlich lieber zu Hause sein würde.

Wohnen auf kleinem Raum, das Leben auf Campingplätzen, häufig wechselnde »Wohnorte« und lange Fahrten auf teilweise stark rumpelnden Pisten: Was für den einen Riesenspaß bedeutet, ist für den anderen purer Stress. Du kannst vorher abwägen, aber entscheiden kannst du natürlich nur, wenn du es ausprobierst.

Fahrgenuss

Nur wenn du wirklich gern unterwegs bist, jede vor dir liegende Strecke neugierig erwartest, nicht über ewige Wege stöhnst und das Sehen und Erleben auf der Straße genießt, wirst du ein überzeugter Wohnmobilist werden.

Es müssen nicht jeden Tag unendlich viele Kilometer sein, die du fährst, vielleicht stehst du auch gern tagelang auf einem Platz – aber mit dem Womo zu reisen, bedeutet auch, dass du zu deiner Urlaubsregion deutlich länger unterwegs bist als bei zielgenauer Anreise per Flugzeug. Dafür hast du während der Anreise schon dein Vergnügen und damit von der ersten Minute an Urlaub.

Spontaneität und Planbarkeit

Die grobe Richtung, einige Sightseeing-Punkte oder der anvisierte Fährhafen bestimmen die Route – die genaue Strecke darf ganz spontan entschieden werden. Je nach Fahrerlaune, nach Mitfahrermehrheit oder nach den Erzählungen des Nachbar-Campers wird der Weg zum Ziel und die Spontaneität zum Urlaubsinhalt.

Wenn du allerdings eher der Planungstyp bist, dann macht es dir (und deinen Mitreisenden) mehr Spaß, die Strecke vor dem Urlaub oder Abend für Abend zu überdenken, dich dann vom Navigationsgerät (oder vom Beifahrer) leiten zu lassen. So kannst du dich noch mehr auf das Fahren konzentrieren und hast den Kopf frei für die Eindrücke auf der Strecke.


Freiheit

Du hast die absolute Freiheit, ganz ohne oder nur mit einem kleinen Plan deine Urlaubstage zu verbringen. Damit kannst du allerdings nie sicher sein, ob du den idealen Traumplatz findest, was du am nächsten Tag erlebst oder wie lange du im Auto sitzen musst, um deine Ruhe zu finden.

Du bist frei, alles laufen zu lassen – doch du solltest diese Freiheit bewusst dem ruhigeren Leben in ritualisierten Abläufen wie zum Beispiel in Hotels vorziehen, um mit dieser Form des Reisens glücklich zu werden.

Freiheit sieht für dich anders aus? Auch ein perfekt ausgeklügelter Routenplan kann unterwegs gut realisiert werden und für einen sehr entspannten Urlaub sorgen.

Unabhängigkeit

Ganz klar ist die völlige Unabhängigkeit der entscheidende Unterschied zum klassischen »Urlaubmachen«, denn Urlaub mit dem Camper heißt, nur dort zu bleiben, wo man wirklich sein möchte. Entscheidungen triffst du eher spontan und nicht vorab aufgrund von Werbefotos, wobei du aushalten musst, dass die Suche nach deinem Traumplatz manchmal länger dauert, als du gehofft hast …

Kreativität

Kein Tag ist wie der andere, immer kommt alles anders, als du gedacht hast, oder es stellen sich ständig Alltagsfragen: Wie komme ich an Frischwasser, wo kann ich das Abwasser und die Toilette umweltgerecht entsorgen, wie komme ich trotz fehlender Beschilderung an mein Ziel, wo hänge ich die Wäscheleine auf, wer kann mein Auto reparieren, wie komme ich an Strom für mein Handy, welche Route ist die beste, kann diese Straße befahren werden, wie drehe ich auf der steilen Strecke um?

Kleinigkeiten, die im vorab gebuchten Urlaub keinen Gedanken wert sind, beschäftigen dich jeden Tag, und du solltest dich an der Suche nach kreativen Lösungen erfreuen, um diesen Zustand zu genießen.

Kulturnähe

Alle interessanten Sehenswürdigkeiten kannst du direkt anfahren. Mit einem kleineren Mobil parkst du ganz in der Nähe, mit einem größeren nahe einer öffentlichen Bushaltestelle. Und wenn alle Tagestouristen gegangen sind, kannst du mit den Einheimischen die Ruhe des Ortes genießen.

Naturnähe

Kaum eine Unterkunft ist so naturnah wie dein Womo, denn du bist auf Campingoder freiem Stellplatz quasi immer draußen, ganz nah an Wind, Wetter, Natur. Du lebst in und mit der Natur, und die Natur begleitet dich unausweichlich: Insekten, streunende Tiere, Sand und Dreck, Hitze und Kälte, sturmgerüttelte Nächte …

Gemütlichkeit

Du bist unterwegs und doch in deinem Zuhause, das du selbst gestaltet hast. Auch in einem gemieteten Mobil wirst du dich in kürzester Zeit wie in einem Nest fühlen, das dir Geborgenheit und Gemütlichkeit schenkt und das du nicht mehr missen möchtest – wenn du der Typ dafür bist, dich auf engem Raum wohlzufühlen und mit anderen Menschen für eine begrenzte Zeit sehr eng zusammenzuleben.

Sparsamkeit

Ein eigenes Wohnmobil ist mit allen laufenden Kosten kein wirklich billiges Vergnügen, und die Mietpreise sind (vor allem in den Schulferien) knackig. Aber entgegen der »stationären« Unterbringung mit Anreise-, Restaurant-, Zimmer- und zusätzlichen Freizeitkosten (vor allem mit Kindern) sind die Ausgaben für Benzin und Straßengebühren, Campingplatz und lokale Einkäufe deutlich geringer.


Ruhe & Lärm

Beide Varianten sind möglich, beides gibt es im Übermaß. Der Vorteil aber ist, dass du jederzeit den Platz wechseln kannst, wenn es dein Wohlgefühl erfordert. Du musst nicht den ganzen Urlaub schnarchende Zimmernachbarn oder Discomusik aushalten, und du kannst auch vor zu großer Stille fliehen ‒ ganz nach deinem Gefühl.

Zeit & Hektik

In vielen Ländern gibt es einen anderen, gedehnteren Begriff von Zeit. Überlass dich ganz entspannt den terminlichen Unwägbarkeiten und der dir vielleicht widerstrebenden bzw. ungewohnten Langsamkeit, denn du hast den großartigen Vorteil von nicht vorgeschriebenen Essenszeiten, keine streng einzuhaltenden Freizeitprogramm- oder Poolöffnungszeiten und in der Regel überhaupt keine festen Termine …

Immer alles dabei

Bei keiner anderen Urlaubsform kannst du so viel Sportgerät, Freizeitzubehör, Lesestoff und sonstiges Equipment mitnehmen. Keine Schlepperei vom Hotel zum Strand, kein Kofferein- und -auspacken … Vom Lieblingsessen über die eigene Dusche bis zur Minireisebibliothek: Du hast alles überall dabei.

Hygiene & Styling

Du hast dein eigenes Bad an Bord, wirst aber (um Wassertanks und Toilettenmenge zu schonen) möglichst oft in öffentlichen Sanitärräumen zugange sein. Mit Duschlatschen, sauberem Handtuch und einer entspannten Einstellung ist das kein Problem – wenn du auch mal über Defizite hinwegsehen kannst.

Mit einem großen Camper hast du sogar eine Duschmöglichkeit an Bord. Bedenke aber, dass deine Wasserkapazität begrenzt ist. Auch mit einer (selbstwärmenden) Solar-Outdoor-Dusche kannst du dir nur behelfen, wenn du am Platz Wasser holen kannst. Da es aber an Freistehplätzen in der Regel keinen Süßwasseranschluss gibt, bedeutet das, dass du möglicherweise auch mal einige Tage ungeduscht bleibst, dass du tagelang ungestylt sein und die immer gleichen Klamotten anziehen wirst – ein Traum für die, die das mögen, ein Albtraum für alle anderen, die dann lieber auf einem Campingplatz stehen sollten, auf dem es alle Annehmlichkeiten (von gepflegten Sanitäranlagen über Waschmaschinen bis zu Wäscheleinen) gibt. Im Zweifel aber: einfach mal ausprobieren!


Im Wohnmobil mit der ganzen Familie

Wenig sonst bringt die Familie einander so nahe wie ein Urlaub im Camper: erfolgreich durchgestandene Nervattacken, gemeinsam gemeisterte Abenteuer, miteinander erlebte Glücksmomente. Es gibt kaum bessere Gelegenheiten, eine intensive Familienzeit zu erleben, als zusammen auf engem Raum zu reisen und trotzdem mit größtmöglicher Individualität zu leben.

Es ist natürlich mitunter kein leichtes Unterfangen, allen und jedem jederzeit gerecht zu werden – aber nach jedem erfolgreichen Kompromiss wird das Familiensystem grundlegend gestärkt sein.

Rollenverteilung

Im Idealfall werden alle nach klassischem Muster verteilten Rollen in der Camper-Realität durchgemischt: Mütter, die die längsten Strecken fahren, Töchter, die das Feuer anschüren, Väter, die für die Wäsche zuständig sind, Söhne, die den Esstisch dekorieren … Spielerisch können unterwegs ganz neue Seiten entdeckt und der Alltagstrott abgestreift werden.

Kinder

Klar, wenn man Kinder nach ihrem liebsten Urlaubsspaß befragt, nennen sie das, was sie kennen oder im Prospekt entdeckt haben: Bummelbähnchen, Kinderdisco, Freizeitparks, gigantische Poolanlagen. Wenn man sie aber nach ihrem Campingurlaub nach den Highlights befragt, werden sie das abendliche Lagerfeuer, das ungestörte Toben in den Wellen, die grenzenlose Freiheit des Herumstreifens und – am wichtigsten – die permanente Nähe der Familie nennen.

Jugendliche

Natürlich kann man größere Kinder nicht mehr ganz so gut mit WLAN-freien Stellplätzen an menschenleeren Stränden, ohne Pool, Pommes und Kicker begeistern – aber vielleicht mit den vielen Eindrücken, die ihre Freunde als »cool« bezeichnen würden, mit der Verantwortung, die sie beim Grillfeueranzünden und den Parkanweisungen tragen, und der Mitsprache bei Stellplatz- und Reiseroutenwahl. Kombiniert man das mit einigen Kontakten zur »Zivilisation« auf komfortablen Campingplätzen, werden sicher auch Jugendliche von einem erfüllten Urlaub sprechen.



Als Paar unterwegs

Freundes-, Geschwister-, Beziehungspaare auf Wohnmobil-Tour: In allen Varianten lassen sich Gemeinsamkeiten, Schwierigkeiten, Unterschiede und Kompromissfähigkeiten auf den Prüfstand stellen – und dann als Nähe und Harmonie genießen.

Kompromisse und neue Lösungen

Es wird spannend sein zu sehen, wie weit du dich zu Zugeständnissen bereit erklären kannst und wie gut deine Fähigkeit ist, Kompromisse einzufordern. Kreative Lösungen zu finden, dabei auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und trotzdem die gute Laune auf kleinem Raum nicht zu verlieren (oder schnell wiederzufinden), ist eine erstaunliche Erfahrung für beide.

Doppelte Freude

Welch schönes Erlebnis, sich gegenseitig in schwierigeren oder nervigen Situationen zu motivieren, zu beruhigen oder sogar zum Lachen zu bringen ‒ und damit die gemeinsame Reisefreude einfach zu verdoppeln.

Nähe als Prüfung

Und nach einiger Zeit auf solch begrenztem Raum und nach der mehr oder weniger erfolgreichen Meisterung aller Schwierigkeiten, die sich durch diese Nähe ergeben, wirst du deutlich erkennen, ob du bereit bist, mit diesem Menschen auch eine nächste und übernächste Tour zu machen …

Eine gemeinsame Reise im Camper kann eine harte Prüfung sein – und gleichzeitig auch großes Glück zu zweit bedeuten.

Allein auf Tour

Den Reaktionen auf mein wochenlanges Alleinsein nach zu urteilen, ist dies für die wenigsten Menschen vorstellbar. Angst vor Gefahren oder Pannen, mangelndes Selbstbewusstsein im Straßenverkehr oder im Umgang mit dem Auto, Unsicherheiten in der Fremde oder auch nur Furcht vor Einsamkeit – alles natürlich nachvollziehbare Gründe, aber ich kann jedem von ganzem Herzen empfehlen, sich mal einfach mit sich selbst auf Reisen zu begeben.

Es gibt keine Langeweile, denn du hast dich dabei! Schreibe, zeichne, fotografiere, was du siehst und erlebst, was du denkst und spürst. Du wirst sehen, dein Tag ist allein so viel intensiver, weil du viel mehr Zeit für dein eigenes Leben hast.

Allein im Café zu sitzen und die Menschen um dich herum zu betrachten, hinterlässt einen tieferen Eindruck, als dich mit deinem Reisegefährten über die letzte Etappe zu unterhalten. Allein an der Felsküste zu stehen und schweigend die Aussicht zu genießen, die Luft zu spüren und zu schmecken, wird dir deutlicher in Erinnerung bleiben, als mit plappernden Kindern dort zu sitzen. Und dich auf einer Straße in Sekundenschnelle für eine Abzweigung zu entscheiden – ganz einfach so, aus dem Bauch, dem Moment heraus –, hat etwas ungleich Erhebenderes, als mit dem Partner über die perfekte Route diskutieren zu müssen.

Auch wenn es etwas pathetisch klingt: Allein unterwegs zu sein, bedeutet, in jedem Moment im Hier und Jetzt zu sein!

Du kannst alles, was du möchtest. Es wird dich erstaunen, welche Fähigkeiten du entwickelst, wenn du erst einmal auf dich angewiesen bist und gelernt hast, dir zu vertrauen.

Klappt tatsächlich einmal etwas nicht (oder du brauchst einfach mehr Hände), dann hast du unzählige Menschen um dich herum, die sich freuen, dir zu helfen. Bist du unsicher in Bezug auf die Route: Sprich die sympathischen Platznachbarn an, es reden alle gern über ihre Erfahrungen. Dein Auto ist kaputt oder klingt irgendwie komisch: Du findest überall kompetente Werkstätten oder Menschen, die dir mit Rat und Tat (und Werkzeug) zur Seite stehen. Vertrau dir und deinen Mitmenschen.

Gerade für Alleinreisende ist das Wohnmobil perfekt:

»Du bist unabhängig von Fahrplänen, Taxifahrern, Mitfahrgelegenheiten. Nur du allein bestimmst, wann du wohin möchtest.

»Du bist absolut mobil (und damit sicher), weil du jederzeit fortkommst, wenn dir die Situation nicht mehr gefällt.

»Du bist völlig autark, weil du weder eine Unterkunft noch Essensangebote suchen musst.

»Und gleichzeitig bist du stets in deinem geschützten Raum, der dir Geborgenheit und Schutz gibt. Ein Geschenk, wenn du durch etwas unheimlichere Gegenden fährst, an der Ampel neben zwielichtigen Gestalten stehst oder wenn du einfach abseits offizieller Plätze (oder mitten in der Stadt) übernachten willst.

Und vielleicht das Schönste: Es gibt nichts und niemanden, der dich von dir ablenkt. Du bist völlig frei, genau das zu tun, was du gerade in diesem Moment tun möchtest. Wann hast du das letzte Mal gespürt, dass du etwas wirklich willst – und hast es dann auch unmittelbar getan?

Tipp

Weiterlesen

Mein Roadtrip-Blog: Der Franz. Und ich.

Wenn du verfolgen willst, mit wie wenigen Problemen ich mich als Alleinreisende auf all meinen Roadtrips beschäftigen muss und wie viele Glücksgefühle ich dafür erleben darf, lies doch gern meinen kleinen Reiseblog: www.der-franz-und-ich.de

Mein Buch für Alleinreisende: Solo Van Life

Ich will dir Mut machen zum Aufbruch allein mit dem Wohnmobil! Lass dich von den Erlebnissen meiner Roadtrips allein im Kastenwagen oder auf dem Motorrad inspirieren. Lies spannende Gespräche mit anderen Soloreisenden und alle Tipps, die du zum Losfahren brauchst. Mein Buch »Solo Van Life« gibt es überall im Buchhandel und direkt über mich: www.roadtriplove.de

Entscheiden

Die Idee, mit dem Wohnmobil auf Reisen zu gehen, erscheint dir perfekt? Dann muss jetzt nur noch geklärt werden, welches Mobil dich dabei begleiten soll, um alle deine Wünsche, Bedürfnisse und Anforderungen zu erfüllen, die du an einen perfekten Roadtrip stellst.

»Das gute Leben ist ein Prozess, nicht ein Zustand von Sein. Es ist eine Richtung, nicht ein Bestimmungsort.«

Carl Rogers


Welches Wohnmobil passt zu dir?

Bevor du dich für ein Mobil entscheidest, gilt es, gut zu überlegen, was du auf Reisen wirklich brauchst. Es ist weniger eine Entscheidung des Geldes als eine der grundsätzlichen Einstellung zu deinem Urlaub: Möchtest du möglichst komfortabel unterwegs sein und auf wenige Annehmlichkeiten des »normalen« Lebens verzichten – oder möchtest du eher bewusst spartanisch reisen und dich so ganz klar vom Alltag abgrenzen?

Du wirst in deinem Gefährt über Tage bzw. Wochen, vielleicht sogar Monate unterwegs sein. Überprüfe also genau, welcher Fahrzeugtyp du bist. Kreuze an und zähle am Ende zusammen, welcher Typ du bist und welche Größe du brauchst:

kochen

Du liebst das Kochen und willst nicht auf eine perfekte Küche mit möglichst vielen Utensilien verzichten?» Typ A

Reichen dir ein, zwei kleine Kochplatten und wenig Stauraum für Lebensmittel, weil du lieber essen gehst oder grillst?» Typ B

essen

Sitzt du lieber an einem festen Tisch, sehr gern auch eher drinnen im (wetter-)geschützten Raum?» Typ A

Liebst du das Essen im Freien, und dabei dürfen Tisch und Stühle wackeln und Insekten schwirren?» Typ B

pflegen

Ein eigenes Bad mit Dusche und WC gehören für dich unbedingt zu deiner Lebensqualität im Urlaub?» Typ A

Für dich ist es in Ordnung, dich in deiner kleinen Küchenspüle zu waschen, öffentliche / unperfekte Waschräume zu nutzen und nur ein kleines »Notklo« an Bord zu haben?» Typ B

schlafen

Du kannst dich nur in einem richtig schönen Bett mit guter Matratze erholen, und ein allabendlicher Umbau vor dem Schlafen wäre dir ein Graus?» Typ A

Du hast kein Problem damit, dass du dein Bett vor dem Schlafengehen zusammenbauen musst und die Matratze aus mehreren Teilen mit Ritzen besteht?» Typ B

wohnen

Dir ist es wichtig, dass du Raum um dich hast? Weil du zu zweit oder mit Familie fährst, willst du dir nicht andauernd auf den Füßen stehen und diskutieren, ob jetzt im Bett gelegen oder am Tisch gesessen wird?» Typ A

Du willst jede Minute draußen verbringen, und drinnen ist für dich nur zum Schlafen? Oder du fährst sowieso alleine, sodass kein Platzproblem entstehen kann?» Typ B

mitnehmen

Du möchtest unbedingt für alle Eventualitäten und Wetterlagen ausgestattet sein, hast eine Menge Sportutensilien dabei und magst dich nicht entscheiden, was du daheim lässt?» Typ A

Dir reichen wenige Klamotten, und das Schnorchelzeug passt immer noch irgendwo dazwischen?» Typ B

fahren

Du willst generell nur große, gut zu erreichende Campingplätze besuchen? Kleine oder schlechte Straßen sind dir ein Graus?» Typ A

Am herrlichsten findest du einspurige Küstenstraßen? Und du möchtest möglichst abgelegene Campingplätze oder Freistehplätze abseits der Straßen ansteuern?» Typ B


Wenn du dir nach der Beantwortung dieser Fragen jetzt im Klaren darüber bist, was du auf Reisen brauchst, worauf du nicht verzichten willst, und wenn du weißt, wie viele Schlafplätze du benötigst, dann sollte es nicht mehr allzu schwer sein, sich zwischen großem und mittlerem bzw. kleinem Womo zu entscheiden:

Typ A = Großes Wohnmobil

In der Regel sind diese Gefährte etwa sieben (oder mehr) Meter lang. Auf das Chassis gängiger Kleintransporter (Fiat Ducato, Mercedes-Benz Sprinter …) werden von verschiedenen Herstellern (Dethleffs, Bürstner, Hymer …) voll ausgebaute, komfortable Wohnräume aufgesetzt: drei und mehr Betten mit Normalmaß und guter Matratze, ein fest installierter Tisch mit vier Sitzplätzen, eine »richtige« Küche und viel Stauraum, meist sogar mit extra »Garage« außerhalb der Wohnkabine und einem separaten Bad-Toiletten-Abteil (meist mit Dusche).

Die großen Wohnmobile haben meist bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Alle Fahrzeuge darüber sollten entweder mit sehr viel Erfahrung (Profi) gefahren werden oder benötigen einen anderen Führerschein. (Nur ältere Pkw-Führerscheine – vor 1999 – erlauben bis zu 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht.)

Alkovenmobil


Gilt quasi als der »Archetyp« und ist in vielen Ländern das Piktogramm des Wohnmobils. Mit der über dem Fahrerhaus weit vorgewölbten, markanten Nase trägt es auch den Spitznamen »Nasenbär«. In dieser Koje (Alkoven) befindet sich ein festes, breites Doppelbett, das über eine Leiter zu erreichen ist. Die meisten Alkovenmobile haben ein bis zwei weitere feste Betten im Heck. Durch die wuchtige, hohe Form benötigen sie etwas mehr Sprit als andere Mobile, punkten aber mit dem großzügigen Platzangebot, luftiger Innenhöhe, sehr viel Stauraum und guter Klimatisierungsmöglichkeit, da das ungedämmte Fahrerhaus vom Wohnbereich abgeteilt werden kann.

» ideal für Familien

Teil- / Vollintegriertes Reisemobil

Bei beiden Versionen wird die Fahrerkabine in den Wohnraum integriert: Durch Drehen des Fahrer- / Beifahrersitzes werden diese mit einem dahinter angeordneten Tisch und der Sitzbank zur Sitzgruppe.

Diese Mobile gibt es in verschiedenen Bettvarianten: mit Hubbett, das tagsüber an der Decke hängt und zum Schlafen abgesenkt wird, mit festen Betten im Heck, einem kleineren Alkovenbett oder mit Bettkombinationen.


Teilintegriert bedeutet, dass das Fahrerhaus des Grundfahrzeugs unverändert bleibt und nur eine kastenartige Wohnkabine aufgebaut wird, während das vollintegrierte eine komplett neu konstruierte Außenhaut auf dem sogenannten »Windlauf« bekommt. (Als »Windlauf« bezeichnet man ein Fahrzeug ohne Karosserie, nur mit Teilen des Führerhauses, also meist Frontmaske, Motorhaube, Kotflügel und Armaturen.)


Vollintegrierte Reisemobile haben eine meist extravagante Ausstattung und eine herausragende Isolierung, die sich in allen Jahreszeiten positiv bemerkbar macht. Alle Modelle sind relativ aerodynamisch und damit spritsparend, sie sind meist recht kompakt und gut zu fahren, aber insgesamt bei Anschaffung und Reparatur (durch die geringe Stückzahl des recht individuellen Gesamtaufbaus) kostenintensiv.

» ideal für Familien

die einen Umbau zum Schlafen akzeptabel finden

» ideal für Paare

die nur für Gäste mehr als zwei Betten benötigen


Vor- und Nachteile großer Mobile

+Der größte Vorteil: Alle Schlafplätze sind stets aufgebaut, d. h., kleine Mittagsschläfchen sind zwischendrin immer möglich (z. B. im Stau vor der Grenze, bei einer Rast am Straßenrand oder während einer Fährfahrt).

+Ein großes Womo ist innen natürlich sehr komfortabel, man hat immer Stehhöhe und kann sich gut darin bewegen. So ist es möglich, sich an Regentagen mal aus dem Weg zu gehen.

+Im Prinzip kannst du wirklich alles mitnehmen – allerdings musst du unbedingt darauf achten, dass dein zulässiges Gesamtgewicht nicht überschritten wird (= das Leergewicht laut Fahrzeugschein plus Zuladung)! Sonst wird es erstens unsicher (Bremsweg) und zweitens teuer (Polizei kontrolliert).

+Toll: Die Kinder sitzen während der Fahrt (natürlich angeschnallt) am Tisch, d. h., sie können allein, miteinander oder mit dem Beifahrer malen, spielen, lesen, essen. So wird die Fahrt nicht als verlorene, langweilige Zeit empfunden, was den Eltern entspanntes Fahren und allen viele Kilometer mehr beschert.

–Natürlich sind die Kauf- / Miet- / Unterhalts- / Fahrtkosten nicht zu unterschätzen!

–Die ungewohnte Größe ist beim ersten Mal nicht leicht zu handhaben, und wenn du unsicher und verkrampft mehrere Hundert Kilometer fahren musst, hast du wahrscheinlich keinen Spaß!

Am ungewohntesten ist die Höhe: Du musst dich daran gewöhnen, immer die ca. 3,50 Meter deines Gefährts im Blick zu haben! Die Höhenbegrenzungen beschildern oft erst das Hindernis selbst (Brücke, Durchfahrt), oder du findest gar keine Warnung (herausragende Balkone, tief hängende Äste). Das bedeutet, dass du dein Gefährt immer dreidimensional abschätzen musst, was wirklich anstrengend ist. Auch die Breite / Länge ist für dich als Norm-Pkw-Fahrer neu. Enge Gassen, abschüssige Steilpisten, Rückwärtsfahren ohne Rückfenster … Ganz schön hart am Anfang! Diese Masse an Auto bedeutet für manchen Fahrer sicher mehr Stress, als der Komfort auf dem Campingplatz wettmacht.

» Fazit:

Perfekte Komfortklasse für Anspruchsvolle und Raumgenießer. Wenn du allerdings zu große Befürchtungen bezüglich des Handlings dieses »Dickschiffs « hast, dann leih dir zur Sicherheit erst einmal einen etwas kleineren Wagen. Vielleicht kompensiert der entspanntere Fahrspaß des kleineren den Wohnkomfort des größeren.



Typ B = Mittleres und kleines Wohnmobil
Mittlere Wohnmobile


Unter Mobilen mittlerer Größe sind mit Campingausstattung ausgebaute Kleinbusse und Kastenwagen zu verstehen. Diese bezeichnet man in der Regel als »Van«. Meist sind sie auf dem Chassis eines Transporters aufgebaut, also beispielsweise auf Basis von Mercedes Vito, Ford Transit, Fiat Ducato, Ford Nugget, Peugeot Boxer oder Citroën Jumper. Sie haben eine Länge von etwa fünf bis sieben Metern und Stehhöhe (die teilweise nur durch ein Hochstelldach erreicht wird).

In Kfz-Portalen findest du diese Kastenwagen-Größe unter dem Kürzel L2 H2: L (= Länge) 2 heißt ab 5 Meter, H (= Höhe) 2 bedeutet Stehhöhe innen.

Üblicherweise sind diese Fahrzeuge mit zwei festen Schlafplätzen ausgestattet. Bei einem längeren Radstand ist oft zusätzlich eine Sitzgruppe vorhanden, die bei Bedarf zu einem Doppelbett umgebaut werden kann, sodass nach dem Umbau bis zu vier Personen Platz zum Schlafen finden.

Es gibt eine (meist recht übersichtliche) Küche und in manchen Modellen sogar eine kleine WC-Bad-(Dusch-) Kabine.

» ideal für Paare

weil ausreichend Platz vorhanden ist: sowohl für Equipment als auch für die Reisenden

» gut für Familien

wenn der allabendliche Umbau für alle okay ist und alle im vorhandenen (oder durch z. B. Dachboxen zusätzlichen) Stauraum ihren Kram unterbringen

Kleine Wohnmobile


Als die kleinsten Wohnmobile bezeichnet man beispielsweise den Kastenwagen ohne Hoch- oder Aufstelldach (also L1 H1) oder die Kombination Grundfahrzeug / Aufsatzkabine.

Den kleinen Bus gibt es natürlich nicht nur von VW in unzähligen Ausstattungsvarianten, sondern z. B. auch als Mercedes-Benz Vito oder Fiat Ducato.

Auf einem Pritschen- oder Geländewagen ist eine Wohnkabine aufgesetzt. (Manche Kabinen lassen sich auf dem Stellplatz abladen, um das Fahrzeug für Fahrten in die Umgebung zu nutzen.) Die meisten dieser Mobile werden wegen ihres 4x4-Antriebs für Expeditionsreisen in unwegsamen Gebieten eingesetzt. Die Kabinen gibt es spartanisch, aber auch in luxuriöserer Ausstattung mit festen Betten, Bad und Sitzgruppe.

» ideal für Einzelreisende

» gut für Paare (die Nähe vertragen können)

» machbar für Familien (mit geringstem Anspruch)



Vor- und Nachteile mittlerer Mobile

+Du hast im Innenraum Stehhöhe, d. h., du kommst entspannt an alle Schränke und kannst dich relativ gut im Raum bewegen.

+Es gibt keine allzu großen Kompromisszwänge, weil die Reisenden gleichzeitig liegen und am Tisch sitzen können.

+Parken ist mit dieser Größe fast überall möglich, nur manche zentrumsnahen Parkmöglichkeiten fallen wegen der Länge und Höhe (Beschränkungslatten an den offiziellen Touristenparkplätzen) aus.

+Eigentlich kommt man mit dieser Größe sehr gut durch fast alle Gassen, da sie den üblichen Transportern der Einheimischen entspricht.

+Diese Fahrzeuge sind auch im Alltag sehr gut nutzbar, könnten also als Ersatz für deinen bisherigen Pkw dienen.

+Während der Fahrpausen kann man als Paar oder Alleinreisender feine Mittagsschläfchen machen, und als Familie kann man dann zumindest unkompliziert am Tisch essen.

–Wichtig ist, sich daran zu gewöhnen, dass es mit der Größe knapp zugeht. Während die Transporterfahrer ihre Dimensionen im Griff haben und lässig daherkommen, musst du lernen, die Nerven zu behalten.

–So richtig komfortabel ist es eigentlich nur für zwei. Kinder kann man zwar sehr gut mitnehmen, denn sie können während der Fahrt gemütlich spielend am Tisch sitzen. Bei drei oder mehr Personen im Auto ist allerdings der ohnehin begrenzte Stauraum entsprechend knapp. Außerdem hat man vor dem Schlafengehen die Umbauaktion, um die zusätzlichen Betten herzurichten.

–Das Wohnklima ist (bedingt durch die Blechkarosserie und die Einbeziehung des Fahrerhauses in den Wohnraum) eher schlecht, d. h. viel Hitze, große Kälte.

» Fazit:

Perfekte Fahrzeuggröße für Paare mit relativ hohem Komfortwunsch, aber auch für Familien, denen Komfort zwar wichtig ist, das entspannte Fahrgefühl (und die Kosten für Fähren und Maut) aber wichtiger sind.


Vor- und Nachteile der kleinen Mobile

+Dein Fahrzeug ist so klein, dass du auch an den meisten Touristenhotspots ganz nah am Ort des Geschehens einen Parkplatz finden kannst.

+Selbst die verwinkeltsten Gässchen werden auch von einheimischen Kleintransportern befahren. So kannst du dir sicher sein, dass auch du locker durchkommst – ganz ohne Gedanken über deine Höhe und alle anderen Abmessungen!

+Durch das kompakte Maß des kleinen Busses bzw. des Pick-ups kannst du ganz entspannt auch die kleinsten Wege abseits der Hauptstraßen fahren und so wirklich (fast) überallhin gelangen.

+Alle Maut-, Straßen- und Fährgebühren sind eklatant günstiger als bei einem großen Wohnmobil.

+Mit einer abbaubaren Wohnkabine wird aus dem Pick-up-Reisemobil blitzschnell ein normaler Pkw, der im Alltag seinen Dienst tut. Auch ein kleiner VW-Bus ist oftmals mit umbaubaren Passagiersitzen versehen und damit alltagstauglich.

–Du hast kaum Wohnkomfort, denn du hast wirklich wenig Stauraum, eine (wenn überhaupt) winzige Küche und kannst im Innenraum nicht immer aufrecht stehen.

–Der größte Nachteil (wenn du nicht alleine reist): Es ist große Kompromissbereitschaft nötig, die vielleicht gerade an Schlechtwettertagen Stress verursacht, weil im Innenraum entweder nur gelegen oder gesessen werden kann.

–Zum Schlafen muss immer umgebaut werden, was schon nerven kann, wenn du müde vom Fahren bist oder eigentlich nur ein spontanes Schläfchen zum Ausruhen brauchst. Oder du lässt das Bett immer aufgebaut und hast dann nichts zum Sitzen.

–Die größte Einbuße an Wohnqualität ist vielleicht das WC, auf das du entweder verzichten musst oder das du nur als sogenanntes »Porta Potti« mitnehmen kannst, wenn du dafür im Innenraum Platz (etwa 80 x 80 cm) findest.

» Fazit:

Wer mit minimalem Komfort reisen kann und will, der wird mit Wendigkeit, Flexibilität und Kostenersparnis belohnt. Außerdem steht man eigentlich immer so nah am Ort des Geschehens, wie man möchte (auch in der Stadt).


Wie kommst du an dein Wunschmobil?

Wenn du jetzt in etwa weißt, welche Fahrzeuggröße dir und deinen Vorstellungen vom Wohnen und Fahren entspricht, dann geht es nun zur konkreten Anschaffung. Aber was ist für dich besser: mieten oder kaufen?

Mieten: Die Vor- und Nachteile

+Der wichtigste Vorteil beim Mieten (vor allem für alle Erstcamper): Du kannst ausprobieren, ob das viele Fahren, das unstete Wohnen und das Leben auf dem Campingplatz überhaupt zu dir (und deinen Mitreisenden) passen.

+Und du kannst im Mietfahrzeug testen, ob der Wohnmobil-Typ, für den du dich entschieden hast, vielleicht zu groß oder zu klein für deine Ansprüche ist.

+Da die Wagen von großen Vermietern fast immer neuwertig und damit absolut fahrsicher, sauber und technisch auf dem neuesten Stand sind, wirst du unterwegs in der Regel keine technischen Probleme zu bewältigen haben.

+Du bezahlst das Auto nur für die Zeit, in der du damit unterwegs bist! Reparaturen, Wartung, Überwinterung, Grundreinigung sind für deinen Geldbeutel kein Thema.

–Die Miete ist meist ganz schön hoch! Gerade in der Hauptsaison ist ein großes Womo fast so teuer wie ein Hotelzimmer – und das noch ohne Straßengebühren, Fährkosten, Campingplatz und natürlich ohne Benzin.

–Du musst dich damit arrangieren, was dir zur Verfügung gestellt wird, auch wenn dich die Einrichtung schon nach wenigen Tagen nervt oder du keinen Platz für deinen Kram findest, weil Haken, Regale, Schubladen etc. fehlen.

Kaufen: Die Vor- und Nachteile

+Es ist deins: dein Zuhause, dein Baby! Du kannst es einrichten, ausstatten, tunen, wie du willst. Du kannst überall Haken, Stauraum, Deko und Gimmicks anbringen und es exakt nach deinen Ansprüchen herrichten. Kurz: Du darfst dich damit überall wie zu Hause fühlen.

–Es ist deins: dein Zuhause, dein Baby! Du musst es dauernd technisch in Ordnung halten oder reparieren, es kostet dich auch im stehenden Zustand einiges (Steuer, Versicherung, evtl. Parkplatz), du musst dich auch im Winter darum kümmern und es auch im Urlaub in die Werkstatt bringen. Kurz: Es frisst dir die Haare vom Kopf.


Wohnmobil mieten

Es gibt eine Menge guter Vermieter, die du im Internet oder besser über Mundpropaganda findest. Bitte achte bei deiner Suche oder Auswahl darauf:

Wenn du an der Grenze zu einem Bundesland wohnst, das nicht zeitgleich mit dir Schulferien hat, ist es vielleicht sinnvoll, dir »drüben« eins zu leihen, weil die Preise (gerade die der Familienkutschen) dann deutlich günstiger sind. Auch wenn du zwei Tage mehr (abholen und hinbringen) bezahlen musst: Vergleichen lohnt sich.

Achte darauf, welche Selbstbeteiligung du hast. Es passieren schnell Minischäden, die sich summieren: Der Fotoapparat rutscht aus dem Schrank und haut eine Macke in den Tisch: zack – 200 Euro. Der aufgeklebte Handtuchhaken reißt mit Wandverkleidung ab: wieder 100 Euro, der Zweitschlüssel liegt noch in Italien …

Die meisten Vermieter bieten gegen Aufpreis die Campingmöbel dazu an. Das ist zwar praktisch, aber zu den Preisen kannst du sie meist kaufen und hast sie danach für deine weiteren Reisen oder Gartenpartys.

Lass dir unbedingt Zeit bei der Einweisung / Übergabe des Campers, probiere alle Funktionen (Wassertank füllen, Gasanlage, Toilette, Fenster) selbst aus, und lass dir die Technik (Gasflaschenwechsel, Sicherungskasten, Bettenbau) gut zeigen. Einige Vermieter haben keine Lust auf lange Erklärungen, aber nichts nervt mehr, als unterwegs zu merken, dass du nicht weißt, wie sich die Toilette leeren lässt, oder erst am Ende der Reise herauszufinden, dass sich das Dachfenster hätte öffnen lassen.

Übrigens:

Auf meiner Webseite stelle ich dir eine kompakte Liste über beachtenswerte Punkte bzgl. Mieten und Übergabe zur Verfügung, die du dir downloaden und zum Vermieter mitnehmen kannst: www.cool-campingwohnmobil.de


Check

Was du beim Mieten beachten solltest

Kläre (natürlich schriftlich), was bei Defekten unterwegs am Fahrzeug geschehen soll: Welche Reparaturen darf / soll der Mieter sofort ohne Rücksprache ausführen lassen? Ab welchem Betrag ist eine Genehmigung des Vermieters nötig? Was passiert, wenn die Reparatur länger dauert: Wird ein Ersatzfahrzeug gestellt, gibt es eine Vergütung für verlorene Urlaubstage, wer bezahlt die unter Umständen notwendige Rückführung des Fahrzeugs?

Es sollte eine »Bereitstellungsgarantie« im Mietvertrag aufgeführt sein, dass bei (technischem) Ausfall des gebuchten Fahrzeugs Ersatz zu stellen ist. (Vermieter mit kleiner Fahrzeugflotte tun sich hier naturgemäß schwerer.)

Die Kaution sollte bei ordentlich zurückgegebenem Fahrzeug sofort zurückerstattet werden.

Achte beim Mietvertrag natürlich auch auf leicht versteckte Kostenfaktoren wie »zusätzliche Reinigungskosten« oder »Instandsetzung«.

Es sind unbedingt alle Fahrer des Wagens im Mietvertrag zu benennen.

Wichtig: An manchen Grenzen brauchst du eine internationale Bestätigung, dass du offizieller Mieter dieses Fahrzeugs bist, weil dein Name nicht im Kfz-Schein eingetragen ist. Dein Vermieter sollte dieses Formular kennen. Ohne das ausgefüllte Formular hast du beispielsweise vor Montenegro und Albanien Schwierigkeiten und musst unter (nervigen) Umständen Zollgebühren zahlen.

Besteht ein Schutzbrief für das Fahrzeug? Und ist eine gültige »Grüne Versicherungskarte« vorhanden, die nicht regional beschränkt ist? Prüfe, ob sie z. B. zwar in Europa, aber nicht in Albanien gilt, oder nicht im asiatischen Teil der Türkei etc. …

Ist das gemietete Zubehör vollzählig und vollständig? Außerdem solltest du alle Schäden penibel ins Übernahmeprotokoll aufnehmen lassen. Nimm dir Zeit für die Überprüfung, bevor du um deine Selbstbeteiligung streiten musst.

Ist das Fahrzeug sauber? Achte besonders auf die Polster, alle (auch die hochgeklappten) Betten, den Sanitärraum und die Toilette.

Ist der Innenraum trocken? Achte besonders im Bad auf den Boden und auf den Geruch. Schau in der Küchenzeile unter das Becken in den Schrank. Und probiere am besten aus, ob die Wasser- und Abwasserleitungen dicht sind.

Funktioniert alles? Teste die Wasserhähne, die Toilette, die Gasanlage, die Standheizung? Wie lässt sich die Alarmanlage bedienen und die Motorhaube öffnen?

Wo befinden sich Reserverad, Wagenheber, Werkzeug, Erste-Hilfe-Kasten, Warndreieck, Warnwesten, Auffahrkeile, Warnschild für Fahrradträger? Wo setzt man den Wagenheber an? Wo sind die Abschlepp-Ösen?

Tipp

Vermietungen

Ich persönlich würde dir sehr davon abraten, von Freunden oder Bekannten ein Mobil zu leihen. Auch wenn du es gegen Gebühr »mietest«: In keiner Freundschaft oder guten Bekanntschaft können ungewollte Kratzer oder Motorschäden (und damit Urlaubsabbruch) besonders gut gelöst werden.

Auf meiner Webseite habe ich eine Liste an klassischen Vermietern zusammengestellt. Mit deren Verträgen bist du auf der sicheren Seite, um eine unbeschwerte Reise machen zu können: www.cool-camping-wohnmobil.de/vermieterfuer-wohnmobil-oder-van/

Auf »PaulCamper« (www.PaulCamper.com) werden private Wohnmobile vermietet. Dies ist eine persönlichere Alternative zu klassischen Vermietern, aber trotzdem vertraglich sehr gut abgesichert.

Wohnmobil kaufen

Technisch solltest du deine Wahl bitte unbedingt vor dem Kauf von einem erfahrenen Kfz-Checker betrachten lassen: Eine Beurteilung der Grundsubstanz des Fahrzeugs kann niemals theoretisch gelöst werden, sondern nur vor Ort, am besten bei einer ausführlichen Testfahrt (Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn).

Hast du ein Mobil scharf ins Auge gefasst? Der ADAC bietet (für etwa 100 Euro) einen technischen Gesamtcheck mit Gutachten und Preis-Leistungs-Beurteilung an. Mach einen Termin aus, denn da du dich mit diesem Fahrzeug oft weitab jeder Werkstatt bewegst, ist die Technik für entspannte Urlaube entscheidend. Nimm dir viel Zeit dafür, den besten Wagen zu finden, und lass dich nicht vom Verkäufer unter Druck setzen. Lieber bei der Ausstattung Kompromisse machen (die leichter veränderbar / reparierbar ist), als bei der Kfz-Technik zu sparen oder nicht genau genug hinzusehen!

Check

Welche Kriterien über deinen Kauf entscheiden

Wenn du dich (bei gleich gutem Zustand der Fahrzeugtechnik) zwischen verschiedenen Ausstattungsvarianten entscheiden darfst, hier die Kriterien, die das Leben als Camper oft deutlich verbessern und die zur Grund- und Pflichtausstattung gehören. Ihr Vorhandensein oder ihr Zustand sollten deine Kaufentscheidung stark mit beeinflussen, denn manches kann man ziemlich einfach nachrüsten, manches sollte besser schon eingebaut sein:

Markise

Sie ist tatsächlich oft der einzige Schatten weit und breit und deswegen eigentlich unverzichtbar. Alternativ ist sie nachrüstbar, allerdings ziemlich teuer. Schatten ist auch mit Sonnenschirm, Sonnensegel bzw. Tarp machbar, wobei hier wiederum meist ein Stauraumproblem während der Fahrt (und bei Regen) entsteht.

Kühlschrank

Grundsätzlich ist er natürlich verzichtbar, aber dieser Komfort erhöht den gesunden Konsum an frischen Lebensmitteln und den Luxus (kühler Schluck Weißwein am Abend …). Alternativ gibt es zukaufbare Kühlboxen, die über den Zigarettenanzünder (12 V) und die normale Steckdose (220 V) betrieben werden können, einige auch mit Gas – aber hast du diesen zusätzlich benötigten Platz dafür im Innenraum? Wenn ein Kühlschrank eingebaut ist, wäre es toll, wenn er neben Strom auch mit Autobatterie und Gas, eventuell sogar solar zu betreiben ist.

Mückenschutz in den Fenstern integriert

Ohne Fliegengitter geht es nicht – oder nur schwitzend bzw. jagend! Kann aber leicht mit selbstklebenden Klettbändern nachgerüstet werden (was dann meist allerdings nicht besonders gut aussieht).

Mückenschutz an der Einstiegs- und Hecktür

Dieser Schutz ist bei vielen großen Mobilen durch Moskitonetz-Falttüren gelöst, nachrüstbar durch »Plüschvorhänge«, die angeklebt werden. Bei kleinen Womos mit Schiebetüren gibt es dem (neueren) Modell entsprechend passgenaue Vorhänge zum ganz einfachen Nachrüsten. Auch Selbstbaulösungen sind recht gut machbar.

Fenster mit integrierten Jalousien

Gerade wenn du allein unterwegs bist oder mal in der Stadt übernachtest, ist ein völlig blickdichter Raum ganz schön wichtig für dein Wohlbefinden. Das kann natürlich auch anders gelöst werden: Vorhänge selbst schneidern und an (z. B. mit Sekundenkleber festgeklebten) Gardinenstangen (aus dem Baumarkt) befestigen.

Toilette

Für mich persönlich geht es nicht ohne! (Frauenthema: Wir können uns eben nicht so einfach an den Straßenrand im karstigen Gebirge, an macchiabewachsenen Steilküsten, auf dem Parkplatz des Supermarktes oder nachts am Rand des Industriegebietes erleichtern.) Entweder ist eine Kassettentoilette eingebaut, dann sollte sie sehr gepflegt sein, oder im Innenraum muss genug Stellfläche (ca. 80 x 80 cm) für ein »Porta Potti« (Chemie-, Trenn- oder Komposttoilette) sein. // Mehr zu diesem Thema findest du ab Seite 114 //

Fahrradträger

Ein feines Extra, denn damit kannst du entweder die Fahrräder mitnehmen – allerdings ist bei jeder Reise zu überlegen, ob du sie benutzen wirst (Hitze! Kälte!) –, oder du funktionierst ihn mit einer (leichten) Extrabox für (wichtigeres) Sportequipment um. Es gibt die unterschiedlichsten Modelle: Er ist entweder fix an der Karosserie verschraubt oder mit einer Klemmkonstruktion zu befestigen.

Wenn eine Anhängerkupplung vorhanden ist, gibt es alternativ auch darauf aufsetzbare Träger. Allerdings verhindern diese bei manchen Modellen, z. B. beim Kastenwagen, das Öffnen der Hecktüren, was sehr lästig ist.

Solaranlage

Sehr praktisch und luxuriös, wenn bereits eine Anlage vorhanden ist, vor allem wenn man öfter frei stehen möchte. Natürlich kann der gute Handwerker nachrüsten. Eine komplette Anlage ist zwar relativ teuer, trotzdem ihren Preis wert, wenn man sie oft benutzt. Alternativ gibt es recht günstige, faltbare Paneele, die nicht fest installiert sind, sondern nur am Übernachtungsplatz herausgeholt und angesteckt werden. // Mehr zum Thema eigene Stromerzeugung siehe Seite 122 //

Stauraum

Alle Dinge müssen in verschließbaren Schränken verstaut werden, damit während der Fahrt nichts herumfliegt. Es können also keine Gewürzgläser auf der Arbeitsplatte, Bücher im offenen Regal oder Zeichenzeug auf dem Tisch stehen oder liegen … Alles braucht seinen (geschlossenen) Stauraum. Und da kommt einiges zusammen! Bedenke, dass dein Vorrat an Wasserflaschen einen recht großen Platz braucht, dass die Klamotten für alle hineinpassen müssen (auch voluminöses Regen- oder Sportzeug!), dass die Campingmöbel verstaut gehören und dass auch »Kleinkram« wie Lesestoff, Elektrogeräte, Reiseführer, Küchen- und Badutensilien, Erste-Hilfe-Koffer und Medizin sowie Werkzeug einen festen (griffbereiten) Platz haben sollte.

Von Stauraum kann man nicht genug haben – zu wenig nervt extrem!

Bitte bedenke auch, dass eine große »Garage« im Heck zwar sehr praktisch ist, aber nicht den Stauraum im Innenraum ersetzt. Für Alltagsgegenstände möchtest du nicht immer erst lange anhalten müssen, um das Gewünschte herauszuholen.

Geheimfächer / Tresor

Manche Vorbesitzer haben schon vorgearbeitet und eins oder sogar zwei eingerichtet: Fächer, die nicht so rasch zu erkennen und / oder zu öffnen sind, in die du dein Bargeld, deinen Reisepass (Personalausweis ist im Geldbeutel), den Kfz-Schein und die Kopien aller Dokumente legst. Wenn es noch keins gibt: Überleg dir eins ‒ oder noch besser zwei oder drei!

Erlaubte Zuladung

Erfrage unbedingt die erlaubte Zuladungsmenge (das ist die Differenz zwischen zulässigem Gesamtgewicht und Leergewicht). Für ein Familienmobil geht man davon aus, dass 700 bis 800 Kilogramm ein gutes Maß sind, um realistisch packen zu können. Hat das Mobil deiner Wahl weniger Spielraum, musst du schon etwas über dein Equipment nachdenken: Unter 500 Kilo erlaubter Zuladung wird es unrealistisch.


Fahren

Egal, ob riesig oder klein: Dein Wohnmobil bietet dir ein völlig neues Fahrerlebnis, denn du sitzt oberhalb des Geschehens, du bist langsam, behäbig und vielleicht auch ein echtes Hindernis für die meisten anderen – aber du bist vollkommen gelassen und (sobald du das Fahren genießen kannst) in deinem ganz eigenen Flow. Wunderbar!

» Wherever you go, there you are. «

Jon Kabat-Zinn


Easy fahren: Komm in deinen Flow

Du steigst das erste Mal in dein Mobil: Es wird etwas dauern, bis du dich an dein Fahrzeug gewöhnt hast, denn plötzlich hast du ein vergleichsweise großes Gefährt unter dir und musst dich ohne die gewohnte Rundumsicht zurechtfinden.

Fahre also die ersten Kilometer besonders achtsam (vielleicht erst einmal ungestört, ohne Begleitung), und nutze einen Großparkplatz, um dich in Ruhe eingewöhnen zu können.

Und dann, nach ein paar Kilometern »on the road«, sitzt du plötzlich »über den Dingen«. Die Sicht wird weiter, das Fahren langsamer und damit entspannter, und in dir stellt sich das tiefe Gefühl von absoluter Gelassenheit ein. Du lehnst dich zurück und kannst jeden Kilometer genießen. Jetzt bist du Wohnmobil-Reisender: im Fahr-Flow.

Tipp

Fahr (sicherheits) training

Wenn du gern vor deiner ersten großen (Urlaubs-)Fahrt doch lieber etwas Übung und damit Sicherheit hättest, empfiehlt es sich, ein spezielles Fahrsicherheitstraining für Wohnmobil oder Van zu machen.

Viele Fahrschulen in deiner Nähe bieten Fahrstunden an, aber auch der ADAC hält auf Übungsplätzen Kurse mit deinem eigenen Wohnmobil ab.

Sehr fröhlich geht es bei den Fahrtrainings der Busbastler zu. Hier gibt es nicht nur schöne Beisammenseins am Abend, sondern auch die Klärung der Fragen wie beispielsweise: »Was passiert, wenn plötzlich die Hinterachse ausbricht? Ist meine Ladung ausreichend gesichert? Wie geht eine richtige Vollbremsung?«

Guck unbedingt mal auf deren Webseite, die Busbastler bieten diverse Events rund um Fahrerschulung (übrigens auch offroad!) und Kfz-Technik, aber auch coole Camps und Wohnmobil-Treffen: www.busbastler.de

Präge dir die Womo-Maße ein

Es ist ausgesprochen wichtig, dass du deine Fahrzeughöhe auswendig weißt! Die meisten Höhenbegrenzungen sind erst direkt am Hindernis ausgeschildert, sodass dir nicht viel Reaktionszeit bleibt.

Präge dir außerdem ein, welches der tiefste Punkt deines Womos ist (z. B. der Ablasshahn), damit du nicht aus Versehen aufsetzt.

Auch die Gesamtlänge solltest du im Kopf haben, denn an manchen Mautstellen und am Fährhafen wird nach der Länge des Fahrzeugs abgerechnet.

Und deine Mobilbreite ist beispielsweise an Autobahnbaustellen entscheidend.

Kleiner Tipp:

Kleb dir einen Zettel mit deinen Fahrzeugmaßen gut sichtbar ans Armaturenbrett.

Übe mit deinen Dimensionen

Hecküberhang: Betrachte ihn unbedingt auch mal von außen! Das Heck schwenkt (bei größeren Gefährten) wirklich weit und bedrohlich aus.

Außenspiegel: Sie sind oft ungewohnt zweigeteilt. Mindestens im Weitwinkelspiegel solltest du das Hinterrad sehen – schon erstaunlich, welch kleinen Winkel die Spiegel abdecken … Teste das mal mit deinen Beifahrern, damit du einschätzen kannst, wie weit dein toter Winkel ist.

Einparken: mal alleine, mal mit einem Einweiser. Verabredet in Ruhe eure Gesten, die über den Rückspiegel kommuniziert werden: Das verhindert Streit im Stress!

Abbiegen: Nicht zu früh einschlagen (über den Bordstein poltern), aber auch nicht zu weit ausholen (Gegenverkehr!). Gerade nach rechts ist es reine Übungssache. Breite: Vom Fahrersitz aus gesehen kommt dir dein großes Gefährt noch viel breiter vor. Im Verhältnis zur Straße allerdings passt alles: Guck es dir mal von außen an.

Bleibe gelassen defensiv

Große Autos werden von allen gesehen. Meist werden gerade Camper automatisch mit einem »Touristen-Bonus« relativ zahm behandelt, vorgelassen und nicht (sofort) angehupt. Das »Recht« liegt natürlich immer bei den Jüngeren / Schnelleren / Einheimischen – aber meine Erfahrung nach vielen Tausend Kilometern ist: In Ruhe und mit Blickkontakt, strahlendem Lächeln und freundlichen Handzeichen kommen du und dein Womo unbeschadet durch alle chaotischen Situationen.

Lass dich nicht stressen

Das Wichtigste ist: Lass dich niemals drängeln! Es kann nicht mehr passieren, als dass du angehupt wirst. Na und? Suche in aller Ruhe deinen Weg: Du kannst auch öfter durch den Kreisverkehr kurven, bis du die richtige Abfahrt triffst, oder mehrmals die Hauptstraße auf und ab fahren, bis du das Schild für die Landstraße findest. Auch wenn viele hinter dir ungeduldig sind – parke ganz langsam und mit Bedacht ein: Es ist für alle Beteiligten besser, wenn ein paar Gestresste ihren Frust an der Hupe auslassen, als wenn du einen Schaden verursachst.

Bleib im Fluss

Mit einer ruhigen Fahrweise kannst du entspannt vorwärtskommen und dabei genussvoll noch viel von der Landschaft sehen. Wichtig dabei ist allerdings, dass du den Verkehr hinter dir immer im Blick behältst und ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorbeilässt. Fahr einfach mit den rechten Reifen auf den (oft großzügig breiten) Randstreifen (achte auf Löcher und abbröckelnde Ränder etc.), blinke dabei rechts und winke mit deiner Linken die schnelleren Autos vorbei – sie werden dir dankbar zuhupen.

Fahr nur ausgeruht

Fang unbedingt rechtzeitig an, dir einen Schlafplatz zu suchen, am besten schon am frühen Nachmittag! Du hast ein ungewohnt großes Auto, fährst auf ungewohnt schlechten Straßen und dazu ungewohnt lange – bitte halt an, noch bevor du dich müde fühlst! Nur dann bist du noch fit und vor allem geduldig genug, um nicht den erstbesten Campingplatz nehmen zu müssen, sondern kannst noch gut gelaunt nach einem besseren suchen. Und zu früh auf einem schönen Platz zu stehen, das gibt es nicht! Dann freust du dich, ihn nutzen zu können.

Mach viele Pausen

Steig aus und genieße! Pausen sind (vor allem auch mit Kindern!) Teil deiner Reise: Überall duftet es anders, du siehst stehend noch mehr Details, du kannst ins Wasser springen, ein Stück den Pfad entlangspazieren. Erkunde mit einem Eis in der Hand die kleinsten Gässchen des Dorfes, trinke einen Frappé mit den Füßen im Meer, kauf dein Obst beim Straßenhändler, betrachte die Sehenswürdigkeiten … Halt einfach inne! Nur wer Pausen macht, sieht tatsächlich etwas vom Land.


Missachte den Stau

Oft lösen sich Staus auf Autobahnen nach wenigen Stunden von selbst auf. Nutze also dein Wohn(!)mobil und stell dich auf den nächsten Rastplatz für ein lecker gekochtes Mahl, nimm die nächstmögliche Abfahrt für ein Mittagsschläfchen auf dem Feldweg, genieße eine Runde Kartenspiel, das nächste Kapitel in deinem Buch, einen gemütlichen Kaffee, die Besichtigung einer völlig unspektakulären Stadt … Erinnere dich, bevor du genervt bist: Du hast alles bei dir, was dein Leben abseits des Staus schöner macht – und dann fließt der Verkehr plötzlich wieder.

Vermeide Nachtfahrten!

Die Straßen sind tagsüber unübersichtlich genug. Gerade in südlichen Ländern »arbeiten« die Straßen selbst mehr, als daran gearbeitet wird: Sie rutschen ab, fallen in sich zusammen, bröckeln. Überall entstehen tiefe Löcher, Hügel, breite Risse … Du kannst in der Nacht nicht gut sehen, ob Anwohner zur »Verkehrsberuhigung« willkürlich krasse Schwellen auf die Straße gelegt haben, ob größere Brocken von der Felswand abgegangen sind oder ob der Straßenrand plötzlich fehlt. Zudem sind nachts viele frei laufende Tiere (Kühe, Wildschweine, Schafe oder Ziegen, streunende Hunde usw.) unterwegs.

Tanke rechtzeitig

Lass den Tank nie leerer als viertelvoll werden – du weißt ja nie, was noch kommt. Vielleicht landest du spontan auf einer Insel, auf der Tankstellen rar sind, oder du fährst über einen unerwartet langen Pass, oder du bist im Hinterland unterwegs, wo es nur Mini-Tankstellen gibt (die du aus Qualitätsgründen vielleicht nicht ansteuern willst), oder du gerätst in eine Gegend, die gerade großräumig nicht mit Diesel beliefert wurde, oder es herrscht plötzlich Streik …

Plane großzügig

Wenn du deine Etappen gern im Voraus planst, dann bedenke bitte, dass das Reisen mit dem Womo deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Plane lieber etwas zu kurze Etappen, dann hast du viel Luft für gemütliche Pausen, statt in Stress zu geraten. Zu früh anzukommen, ist nicht möglich, aber gerade die großen Plätze schließen um spätestens 22 Uhr ihre Schranken, was unangenehmer für dich ist, als ein paar Stunden länger auf dem Campingplatz zu verbringen.



Eine Passstraße genießend fahren

Sich mit dem Camper über Bergpässe zu bewegen, ist Geschmackssache. Ich persönlich liebe es sehr, aber ich kann auch nachvollziehen, wenn es dir zu langsam geht oder du Befürchtungen hast, solche extremeren Strecken zu fahren.

Denk vorher gut darüber nach, was du dir wirklich antun willst: Umdrehen ist meist schlecht, Umfahren dafür immer möglich.

Wenn du dich für die Route über einen Pass entschieden hast, dann plane, diesen Weg früh am Tag anzutreten, denn erstens brauchst du ausgeruhte Nerven, um entspannt zu fahren und dabei genießen zu können, und zweitens benötigen diese paar Kilometer immer überraschend mehr Zeit (und Pausen) als gedacht.

Denk daran, genug Sprit im Tank zu haben – auf Pässen gibt es in der Regel keine Tankstellen, und du brauchst mehr Treibstoff als sonst.

Gerade auch auf dieser Strecke gilt: Fahr langsam und bleib ruhig.

Lass die Schnelleren, sooft es geht, vorbei, indem du entweder weit genug rechts fährst und sie (nur wenn die Strecke übersichtlich genug ist) vorbeiwinkst – oder einfach an einer möglichen Stelle ganz anhältst und wartest, bis alle überholt haben.

Behalte deinen Kühler im Blick! Mach einfach schön oft und lange Pausen – noch weit bevor er überhitzt! Für dein großes, schweres Womo ist es auf- und abwärts sehr anstrengend, deswegen solltest du es schonen.

Abwärts solltest du, auch wenn es dadurch sehr langsam geht, möglichst ständig die Motorbremse benutzen. Lass die Eiligen dich ruhig bei jeder guten Gelegenheit überholen. Auch hier gilt wieder: Lass dich nicht stressen – sie werden es aushalten, wenn du ihnen zu langsam bist. Aber dein Fahrzeug wegen einer überlasteten / ausgefallenen Bremse mit der Handbremse zu bremsen, ist dramatisch!

Ganz entspannt mit der Fähre reisen

Lass dein Womo doch einige Kilometer übers Meer tragen: Es ist eine großartige Möglichkeit, deine Reise zu ergänzen und ganz entspannt im etwas weiter entfernteren Reiseland anzukommen!

Die wundervolle »Camping on board«-Option

Wichtig für die Planung zu wissen: Für Wohnmobile gibt es auf manchen Schiffen die Option »Camping on board«. Das bedeutet, dass dein Gefährt auf dem »Open Deck« parkt und für dich während der Überfahrt (statt einer Kabine) ständig zur Verfügung steht. Achte aber bei der Auswahl deines Schiffs darauf, dass dieses offene Deck ausdrücklich benannt wird, denn einige Linien (z. B. Minoan Lines) bezeichnen ihr Angebot auch mit »Camping inclusive«, was aber nur heißt, dass die Mobile mit Strom versorgt werden, während du in die Kabine musst.

Zum »Open Deck« hast du stets freien Zugang und kannst in deinem »Zuhause« gemütlich die Zeit mit Essen, Schlummern und Schlafen verbringen. Leider bieten die Fährgesellschaften diese Möglichkeit nicht in jeder Jahreszeit und vor allem nicht auf allen Strecken an. Erkundige dich deswegen besser vorher – außer, du bist entspannt genug, entweder die nächste Fähre zu nehmen oder eben in einer Kabine zu reisen.

Um auf dem richtigen Deck zu parken, bekommst du mit dem Ticket und dem Zielhafen-Schild ein »Open Deck«-Schild, das du hinter die Windschutzscheibe klemmst. So können dich die Einweiser an die richtige Stelle im Schiff dirigieren.

Ticketkauf

Das Ticket kaufst du entweder vorher (im Reisebüro bzw. online) oder vor Ort am Fährhafen (im Passagierterminal) bzw. in einem der vielen Reisebüros, die auf den Hafen-Zubringerstraßen angesiedelt sind.

Ob vorher besorgen oder vor Ort kaufen: Im Prinzip hast du die Wahl zwischen einem sicheren Fährplatz inklusive eventuellem Pünktlichkeitsstress oder Spontaneität mit eventueller Verzögerung bzw. zusätzlicher Übernachtung nahe dem Hafen, weil erst die nächste Fähre möglich ist. (In der Nebensaison habe ich bisher allerdings noch auf jeder Fähre einen Platz bekommen.)

Halte beim Ticketkauf nicht nur deinen Pass bereit, sondern auch den Fahrzeugschein. Der Preis für das Mobil richtet sich nach seinen Maßen.


Timing

Zwei Stunden vor genannter Abfahrtszeit hast du dein Ticket in der Hand, deinen Zielhafen als Pappschild in der Windschutzscheibe und fährst zur Hafeneinfahrt. Dort wird das Auto durchgecheckt (z. B. ob blinde Passagiere an Bord sind), dein Ausweis kontrolliert und dir deine Reihe genannt, in die du dich einreihst. An manchen Häfen ist alles etwas unübersichtlich, aber keine Sorge, du wirst an die richtige Stelle geleitet. Auch an den anderen Campern kann man sich gut orientieren.

Wenn du aus Versehen oder zur Sicherheit zu früh dran bist – egal, denn außerhalb des Hafens gibt es immer Möglichkeiten, spazieren zu gehen oder Kaffee zu trinken, und innerhalb des Hafengeländes hast du ja dein eigenes »Wohlfühl-Mobil« mit Verpflegung dabei.

Einchecken

Irgendwann siehst du dein Schiff einlaufen. Du kannst gemütlich beim Anlegemanöver zusehen, denn es dauert ziemlich lange, bis die geladenen Autos und Lkws ausgespuckt sind und erst dann deine Warteschlange an Bord gelassen wird.

Bleib ruhig und gelassen! Die Schiffsbesatzung wirkt hektisch und genervt, aber sie sind unsichere Fahrer gewohnt. Folge den anderen Autos zur großen Rampe, dort gibst du das Ticket aus dem Fahrerfenster und folgst den Einweisern. Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, es kann nichts passieren, außer angepfiffen und angemotzt zu werden, aber du bist ganz sicher nicht der Erste, der vielleicht etwas langsam ist! Und alle werden auf dich warten! Lächeln hilft auch hier!

Wenn dich der Einweiser zu nah an ein anderes Fahrzeug lotsen will, sei stur! Achte darauf, dass du Platz genug hast, um deine Türen zu öffnen! Er kennt das Problem und versteht, wenn du (etwas) weiter weg bleibst.

Hast du »Camping on board« gebucht und stehst auf deinem dir zugewiesenen Platz: Handbremse rein und gemütlich machen! Das Stromkabel wird dir kurz darauf von der Crew von der Decke gezogen (oder du holst es dir selbst), sodass du dich anstecken kannst. Ist dein Mobil fertig geparkt, kannst du an Deck gehen und mit einem Kaffee den Blick auf das verschwindende Land genießen.


An Bord

Alle Fährlinien bieten Restaurants und Bars an Bord – oft mit mäßiger Qualität und relativ teuer. Bei »Camping on board« hast du das Glück, dir selbst deine Mahlzeiten zubereiten zu können ‒ aber achte bitte darauf, dass der Betrieb der Gasanlage streng verboten ist. Auf manchen Fähren wird sogar kontrolliert, ob du den Gashahn an der Flasche zugedreht hast.

In der Kabine

Ohne »Camping on board« musst du dich nach dem Parken deines Mobils mit Handgepäck zur Rezeption des Schiffes begeben, wo dir deine Kabine zugewiesen wird. Es macht Sinn, bei der Einfahrt auf das Schiff schon gepackt zu haben, denn Wohnmobile werden oft zuletzt aufgeladen (netterweise, denn so kommt man als Erstes von Bord), und damit steht die Abfahrt des Schiffes kurz bevor. Das bedeutet, dass du aus deinem Mobil schnellstmöglich draußen sein solltest, damit das Deck geschlossen werden kann. Viel Zeit bleibt also nicht zum Packen, und die Crew ist diesbezüglich mit Verzögerungen sehr unnachsichtig. Denk genau nach, was du in der Kabine brauchen wirst, denn das Deck wird bei der Überfahrt rigoros geschlossen bleiben – du kannst also nichts mehr holen. Ein gutes Bett und ein Bad (sogar mit Dusche!) versüßen dir den Umstand, dass du diese Nacht nicht im eigenen Mobil verbringen kannst.

»Camping on board« ist natürlich meine bevorzugte Reiseart per Fähre (nichts geht über mein eigenes Bett im »Franz«), aber auch in Kabinen bin ich inzwischen mehrfach übers Meer geschippert und kann mich nicht beklagen: immer sauber und gepflegt und in den meisten Fällen sehr entspannte oder gar keine Zimmergenossinnen. (Bei Einzelreisenden wird nach Geschlechtern sortiert.) Ich habe aber auch schon (auf der Fähre nach Albanien) die Nacht ohne Kabine verbracht: Auf dem Boden bzw. einer Bank (in der leeren Bar) lässt es sich (wenn man etwas härter im Nehmen und relativ unempfindlich gegenüber lauten Mitreisenden ist) eigentlich auch ganz gut schlafen.

In der Kabine brauchst du keine Handtücher und kein Bettzeug. Ich denke aber immer an einen (USB-)Doppelstecker für die Steckdose (zum Aufladen diverser Geräte), an eine kleine Taschenlampe (um beim Lesen die Zimmernachbarn nicht zu stören) und viel Trinkwasser. Außerdem empfehle ich warme Klamotten für draußen und unbedingt rutsch- / wasserfeste Schuhe für den Spaziergang an Deck.

Check

Extras für deine gute Fahrt

Auch wenn Fähren selten richtig ins Schaukeln geraten: Viele (vor allem Kinder) werden schon bei leichten Schunkelbewegungen seekrank. Halte also eine Medizin gegen Reisekrankheit bereit.

In der oft ungewohnt lauten Nacht an Deck (Schiffsdiesel-Brummen, Knattern der Lkw-Kühlungen, vom Schaukeln ausgelöste Alarmanlagen von Pkws, schnarchende Nachbarn, die Wand an Wand parken …) werden dir Ohrstöpsel zu einem entspannten Schlaf verhelfen.

Sinnvoll ist es, immer genügend Wasserflaschen mitzunehmen: Wasser an Bord zu kaufen, ist sehr teuer, und das Leitungswasser ist nicht trinkbar.

Auf hoher See ist das Internet weit weg. Auch wenn man sich das nicht vorstellen kann: Schon ein paar Kilometer von der Küste entfernt ist man völlig offline. Auf manchen Fähren kann man sich (natürlich ziemlich teure) Datenpässe kaufen. Deshalb ist es empfehlenswert, sich seine Playlist (oder Filme) vorher runterzuladen und sich anschließend über Unerreichbarkeit zu freuen.


»Offroad«-Wege meistern

Meist sind es gerade die unattraktiven und unauffälligen Stichstraßen abseits der geschlossenen Asphaltdecke, die den geringsten Andrang an zumeist tollen Plätzen versprechen:

Selbstverständlich ist, dass keine Waldwege, Pfade etc. gefahren werden, die nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind. Auch im Ausland sind die Strafen hoch, und der Naturschutz hat sowieso oberste Priorität.

Folge den Wegen, die dich anlachen, aber behalte hier noch schärfer deine ungewohnten Dimensionen im Auge – inklusive des hohen Gewichts deines Gefährts und des eventuell sehr weiten Radstands (Gefahr des Aufsitzens bei hohen Bodenwellen!). Und natürlich ist auch die Höhe immer mal wieder ein unüberwindbares Hindernis. An kleineren Straßen wachsen zum Beispiel Pflanzen oder Bäume sehr dicht an der Fahrbahn. Starke Äste verursachen teils heftige (und teure!) Kratzer — und auch das Dach eines Mietwagens wird bei dessen Rückgabe kontrolliert!

Bist du unsicher, ob dieser spannende Weg von deinem Mobil zu schaffen ist? Geh das nächste Stück lieber zu Fuß, und prüfe die Beschaffenheit: Sand, Geröll und loser, tiefer Schotter lassen sich relativ schlecht mit schweren Gefährten meistern. In der Regel hilft Schwung deutlich mehr als zögerliches Fahren.

Wenn du lieber doch drauflosfährst, präge dir unbedingt die Umkehrmöglichkeiten ein, denn falls du doch wegen eines unüberwindbaren Hindernisses oder plötzlich auftauchenden Gegenverkehrs rückwärts manövrieren musst, wirst du die Stellen zum Ausweichen oder Umkehren nicht gut erkennen – also musst du während des Vorwärtsfahrens schon darauf achten.

Steile Schotterwege und Geröllpisten meisterst du (wie einen Pass) mit Ruhe, Schwung und im ersten Gang. Sieh zu, dass du hier nicht stehen bleibst, nimm kleinere Hindernisse lieber sportlich rumpelnd, denn das Anfahren am Berg kann auf losem Untergrund sehr schwierig werden.


Generell solltest du dich auf Schotterpisten wegen Steinschlags sehr fern vom Vordermann halten, aber recht nah am Gegenverkehr: Im Idealfall treffen dich keine Steinchen, und wenn, dann weit unten am Blech und nicht auf Fensterhöhe.

Längere Sandpisten sind ein Glücksspiel, denn auch wenn du die Strecke abgegangen und für gut befunden hast, kannst du ein tiefes, tückisches Sandloch übersehen haben. Versuche, die Strecke aus Sand möglichst zügig zu durchfahren, sei nicht zögerlich!

Falls du doch im Sand hängen bleibst, probier bitte nie, dich mit Gasgeben selbst herauszuarbeiten: Du und dein schweres Gefährt werden die missliche Lage immer verschlimmern. Es gibt nur die Möglichkeit, dich von helfenden Händen herausschieben oder -schleppen zu lassen oder dich mit »Traktionshilfen« wie zum Beispiel untergelegten Zweigen, Gummimatten oder am besten richtigen »Sandblechen« (siehe nächste Seite) im zweiten Gang langsam und ruhig herauszuarbeiten. In der allergrößten Not kannst du den Querschnitt der Reifen verbreitern bzw. den »Grip« der Reifen verbessern, indem du Luft ablässt. Das ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn die nächste Tankstelle nicht weit ist oder du eine autoventiltaugliche Luftpumpe bzw. sogar einen Kompressor dabeihast.

Durch eine allerhöchstens wadentiefe (!) Furt saust du mit gemäßigtem Anlauf und zügig, damit du auf den runden, glitschigen Steinen nicht hängen bleibst.

Das Wichtigste aber, egal, auf welchem Untergrund, ist immer: Ruhe bewahren, sich auf keinen Fall von anderen nerven lassen und cool bleiben, dann kann nichts weiter passieren! Und wenn du deinem Gegenüber, das auf dich warten muss (z. B. ein ungeduldiger Lkw-Fahrer, der sein dreimal so großes Gefährt trotzdem schneller als du über die schmalsten Bergpisten steuert und entsprechend genervt von »unfähigen« Touristen ist), ein strahlendes entschuldigendes Lächeln schenkst, dann wird sich der Stress für beide plötzlich in Luft auflösen.

Tipp

Wichtiges Zubehör für Offroad-Pfade

Wenn du Lust auf Pisten abseits des Teeres hast, empfiehlt es sich, unbedingt diese Dinge an Bord zu haben:

»einen (Klapp-)Spaten zum Ausgraben, Freibuddeln, Beseitigen von Hindernissen

»einen Wagenheber, z. B. um beim Schiefstand ein in die Höhe ragendes und damit frei laufendes Rad von der Gegenseite wieder zum Boden zu bringen

»einen Satz Sandbleche (auch Bergebretter genannt), z. B. von tigerexped (www.tigerexped.de), um die Traktion in Matsch, Sand oder Schnee wieder zu gewähren. Mit diesen kann man übrigens auch gut schaufeln: hat mir schon oft geholfen!



Stehen

Fühl dich frei, zu bleiben, wo immer du möchtest. Mitten in der Stadt oder weit weg in der Natur. Möchtest du auf dem Parkplatz eines Nationalparks übernachten oder direkt am Strand, mitten im Geschehen oder möglichst einsam? Alles ist möglich: Du darfst jeden Tag neu entscheiden.

» Der beste Beweis für die Beruhigung der Seele ist, so meine ich, stehen bleiben zu können und mit sich zu verweilen.«

Seneca


Leben auf dem Campingplatz

Du hast die erste Etappe im neuen Auto hinter dich gebracht und dabei vielleicht schon das Gefühl bekommen, was es heißt, wirklich auf Reisen zu sein, hast beim Fahren über das schöne Spiel der wechselnden Landschaften gestaunt und dir den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Noch während du so unterwegs bist, hältst du schon Ausschau nach einem schönen, behaglichen Stellplatz für eine gute, entspannte Nacht.

Schon von außen lässt sich oft leicht erkennen, ob dir ein Platz sympathisch ist, ob er dir gepflegt genug erscheint oder völlig überfüllt ist. Wichtig ist vor allem, früh genug mit der Suche angefangen zu haben. Denn nur mit viel Zeit, Ruhe und Geduld kannst du entspannt wählerisch und kritisch sein und einen wirklich passenden Übernachtungsplatz finden.

Campingplätze im Vorbeifahren finden


Eigentlich begegnen dir Campingplätze in den meisten (touristisch bekannten) Gegenden recht häufig von selbst. Sie sind natürlich ganz gut ausgeschildert (teilweise auch schon viele Kilometer vorher), weil sie gefunden werden wollen. Du musst nur wachsam sein, Geduld haben und auch scharf nach kleinen, verwitterten oder handgemalten Schildern Ausschau halten (manche kleineren Plätze sind erstaunlich nachlässig in ihrem »Marketing« und fast unauffindbar) oder rechtzeitig deinen Campingplatz-Führer bzw. eine App um Rat fragen. Übrigens: Die Bücher vom »Womo-Verlag« weisen dir sehr detaillierte Routen und entlang dieser Unmengen schöner Plätze.

// Ab Seite 148 findest du meine Vorschläge für einige wundervolle Plätze entlang meiner Lieblings-Roadtrips //

Möglicherweise hast du der Einfachheit halber schon vor der Abreise für die ersten Etappen mögliche Campingplätze ins Auge gefasst und kannst sie direkt ansteuern. Das ist sinnvoll, denn für die ersten Übernachtungen im neuen Wohnmobil-Leben solltest du es dir erst einmal so leicht wie möglich machen!

// Mehr zur Campingplatz-Suche online und offline findest du ab Seite 78 //


Welcher Campingplatz-Typ bist du?

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Campingtypen, die sich ihre Lieblingsplätze niemals streitig machen werden. Zu welchem Typ gehörst du?

Je nach deinen Urlaubsvorlieben wirst du auch die passende Mobilgröße auswählen und dir schon vorab Gedanken um die Routenplanung und Auswahl deiner Art der Übernachtungsplätze machen.

Planung

Schon vor Abfahrt weißt du gerne das Ziel, wohin du fahren willst, und studierst deswegen schon vorab die entsprechenden Reiseführer. Am besten findest du es eigentlich, wenn du das Navi vorher programmieren kannst, um dir damit die Zeit der Platzsuche zu sparen. So hast du auch den Tagesablauf gut im Blick, weil du auch ziemlich genau abschätzen kannst, wie lange du für die geplante Strecke brauchen wirst.» Typ A

Deine Reiseplanung besteht aus der Wahl einer ungefähren Richtung. Ungern steuerst du vorher festgelegte Campingplätze an, und die Plätze, denen du lieber zufällig begegnen willst, stehen selten in großen Reiseführern, da sie zu abgelegen und damit schwer zu finden sind.» Typ B

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0+
Volume:
375 p. 260 illustrations
ISBN:
9783942048842
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