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Die Herausgeberinnen

Maren Bösel, Prof. Dr., Dipl.-Sozialpädagogin (FH) und Systemische Familientherapeutin. Bis Mai 2019 tätig an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg. Im Juni 2019 Wechsel an die Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften der SRH Hochschule Heidelberg. Aktuell Studiengangsleitung B. A. Soziale Arbeit. Seit 2013 Lehrbeauftragte am Heidelberger Institut für Psychotherapie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Arbeitsschwerpunkte: Klinische Sozialarbeit mit psychisch und psychosomatisch erkrankten Menschen, Förderung der Zusammenarbeit von medizinischen und psychologischen Psychotherapeuten und Sozialarbeitern zur Verbesserung der Versorgung von Psychotherapiepatienten.

Kontaktadresse:

Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften SRH Hochschule Heidelberg

Ludwig-Guttmann-Straße 6, 69123 Heidelberg

Tel.: +49 (0)6221/67 99-4 31, Fax: +49 (0)6221/88-34 82

E-Mail: maren.boesel@srh.de

Silke Birgitta Gahleitner, Prof. Dr. phil. habil., Studium der Sozialen Arbeit, Promotion in Klinischer Psychologie, Habilitation in den Erziehungswissenschaften, langjährig als Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin in sozialtherapeutischen Einrichtungen für traumatisierte Frauen und Kinder sowie in eigener Praxis tätig. Seit 2006 lehrt und forscht sie als Professorin für Klinische Psychologie und Sozialarbeit im Arbeitsbereich Psychosoziale Diagnostik und Intervention an der Alice Salomon Hochschule in Berlin und leitet dort den Masterstudiengang »Klinische Sozialarbeit«. Von 2012 bis 2015 war sie im Zuge eines Forschungsaufenthaltes Zentrumsleitung des Zentrums für Psychotherapie und Psychosoziale Interventionen an der Donau-Universität Krems. Sie engagiert sich in verschiedenen Fachgesellschaften und Fachzeitschriften im Bereich psychosozialer Arbeit.

Lehr- und Forschungsgebiete sind: Psychosoziale Diagnostik und Intervention, Professionelle Beziehungsgestaltung, Traumatherapie, -beratung und -pädagogik sowie qualitative Forschungsmethoden.

Kontaktadresse:

Alice Salomon Hochschule – University of Applied Sciences

Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin

Tel.: +49 (0)175/2 42 23 15

E-Mail: silke.gahleitner@icloud.com

Maren Bösel Silke Birgitta Gahleitner (Hrsg.)

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1. Auflage 2020

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-036620-6

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-036621-3

epub: ISBN 978-3-17-036622-0

mobi: ISBN 978-3-17-036623-7

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Berg, Mathias, Prof. Dr. phil., Klinisch-therapeutische Soziale Arbeit M. A., Dipl.-Sozialpädagoge, bis 2019 stellvertretender Leiter der Caritas-Erziehungs- und Familienberatungsstelle Kerpen, seit WiSe 2019/20 Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der Kath. Hochschule NRW, Abt. Aachen, Systemischer Berater, Therapeut und Lehrtherapeut (DGSF) am Kölner Institut für Systemische Beratung und Therapie (KIS). Vorstandsvorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung in NRW.

Kontaktadresse: Katholische Hochschule NRW, Abt. Aachen, Robert-Schuman-Straße 25, 52066 Aachen

E-Mail: m.berg@katho-nrw.de

Bösel, Maren, Prof. Dr., Dipl.-Sozialpädagogin (FH), bis Mai 2019 tätig an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg. Im Juni 2019 Wechsel an die Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften der SRH Hochschule Heidelberg. Aktuell Studiengangsleitung B. A. Soziale Arbeit. Seit 2013 Lehrbeauftragte am Heidelberger Institut für Psychotherapie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Kontaktadresse: Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften SRH Hochschule Heidelberg, Ludwig-Guttmann-Straße 6, 69123 Heidelberg

E-Mail: maren.boesel@srh.de

Brandmaier, Maximiliane, Dr., Dipl.-Psych., Studium der Psychologie, Ethnologie und Gender Studies, Promotion in Sozialpsychologie. Mehrjähriges politisches und soziales Engagement u. a. im Flüchtlingsrat Wiesbaden. Von 2017–2018 Tätigkeit als Lehrbeauftragte für Allgemeine, Sozial-, und Entwicklungspsychologie sowie Gender Studies in der Psychologie. Derzeit in Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin (VT).

E-Mail: mbrandma@edu.aau.at

de Andrade, Marilena, Studentische Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Psychosoziale Diagnostik und Intervention.

Kontaktadresse: Alice Salomon Hochschule Berlin, Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin

E-Mail: marilena.deandrade@ash-berlin.eu

Deloie, Dario, M. A., Dipl.-Sozialarbeiter (FH), Fachsozialarbeiter für Klinische Sozialarbeit/Clinical Mentor (ECCSW), abgeschlossene Weiterbildung in Integrativer Therapie/Gestaltsoziotherapie und Gestaltpsychotherapie (FPI), Heilpraktiker für Psychotherapie. Langjährige Tätigkeit als Sozialarbeiter zunächst in einer sozialpsychiatrischen Übergangseinrichtung, später als Klinischer Sozialarbeiter und Suchttherapeut in der medizinischen Rehabilitation Suchtkranker und im Bereich der Entzugsbehandlung. Seit 2013 Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Köln.

E-Mail: dario.deloie@th-koeln.de

Gahleitner, Silke Birgitta, Prof. Dr. phil. habil., Studium der Sozialen Arbeit, Promotion in Klinischer Psychologie, Habilitation in den Erziehungswissenschaften, langjährig als Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin in sozialtherapeutischen Einrichtungen für traumatisierte Frauen und Kinder sowie in eigener Praxis tätig. Seit 2006 Professorin für Klinische Psychologie und Sozialarbeit im Arbeitsbereich Psychosoziale Diagnostik und Intervention an der Alice Salomon Hochschule in Berlin, von 2012 bis 2015 im Zuge eines Forschungsaufenthaltes Zentrumsleitung des Zentrums für Psychotherapie und Psychosoziale Interventionen an der Donau-Universität Krems.

Kontaktadresse: Alice Salomon Hochschule – University of Applied Sciences, Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin

E-Mail: silke.gahleitner@icloud.com

Gebrande, Julia, Prof. Dr. phil., Studium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik (FH), Promotion an der Universität Hildesheim (Psychologie/Erziehungswissenschaften), langjährig als Sozialarbeiterin und Fachberaterin für Psychotraumatologie in einer Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt tätig. Seit 2014 lehrt und forscht sie als Professorin für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen an der Hochschule Esslingen. Forschungsgebiete sind: Klinische Sozialarbeit, Sexualisierte Gewalt sowie Psychosoziale Traumatologie.

Kontaktadresse: Hochschule Esslingen, Flandernstr. 101, 73732 Esslingen

E-Mail: julia.gebrande@hs-esslingen.de

Golatka, Adrian, B. A. Soziale Arbeit, M. A. Klinische Sozialarbeit, ist Einrichtungsleiter einer therapeutischen Wohngruppe der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH Berlin und Lehrbeauftragter für psychologische Grundlagen Sozialer Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Er befindet sich in Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten am Alfred-Adler Institut Berlin.

Kontaktadresse: Schönhauser Allee 45a, 10437 Berlin

E-Mail: a.golatka@icloud.com

Großmaß, Ruth, Prof. Dr., nach Studium der Fächer Philosophie, Germanistik, Erziehungswissenschaften langjährige Praxis in der Hochschulberatung. Daneben Lehre und Publikationen im Bereich feministische Theorie, Beratungswissenschaften. Promotion mit einer sozialtheoretischen Analyse psychosozialer Beratung. 2004–2015 Professorin für Ethik und Sozialphilosophie an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Aktuell dort Mitarbeit im Master »Social Work as a Human Rights Profession«.

Kontaktadresse: Alice Salomon Hochschule Berlin, Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin

https://www.ash-berlin.eu/hochschule/lehrende/professor-innen/prof-dr-ruth-grossmass/

Hahn, Gernot, Dr. phil, Dipl.-Sozialpädagoge (FH) und Dipl.-Sozialtherapeut (Univ.), Leiter der Forensischen Ambulanz im Klinikum am Europakanal Erlangen. Lehrbeauftragter in Studiengängen der Klinischen Sozialarbeit, Straffälligenhilfe und Resozialisierung. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die psychosoziale Behandlung und Begleitung psychisch kranker, straffällig gewordener Menschen, Kriminaltherapie mit Sexual- und Gewaltstraftätern.

Kontaktadresse: Klinikum am Europakanal Erlangen, Am Europakanal 71, 91056 Erlangen

E-Mail: info@gernot-hahn.de

Helmken, Insa, Dipl.-Sozialpädagogin, Bereichsleitung Ambulante Angebote.

Kontaktadresse: Friedehorst Teilhabe Leben gGmbH, Rotdornallee 64, 28717 Bremen

E-Mail: insa.helmken.thl@friedehorst.de

Kröger, Christine, Prof. Dr. rer. nat., Dipl.-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, seit 2011 Professorin an der Hochschule Coburg (Professur für psychologische Grundlagen der Sozialen Arbeit und Klinische Sozialarbeit), seit 2016 Leitung des berufsbegleitenden, weiterbildenden Masterstudiengangs Klinische Sozialarbeit (in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin). Lehr- und Forschungsgebiete: Sozialtherapeutische Unterstützung von Menschen mit psychischen Störungen, Prävention und Diagnostik von Beziehungs- und Interaktionsstörungen bei Paaren und in Familien, Evaluation psychosozialer/sozialtherapeutischer Interventionen.

Kontaktadresse: Hochschule Coburg, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Friedrich-Streib-Straße 2, 96450 Coburg

E-Mail: christine.kroeger@hs-coburg.de

Küppers-Naß, Melanie-Svenja, Suchttherapeutin (Master of Science in Addiction Treatment and Prevention), Dramatherapeutin (Bc./NL), staatl. anerk. Erzieherin, Klinische Sozialarbeiterin. Langjährig in sozialen Feldern tätig (Kinder- und Jugendhilfe, Heilpädagogik, Psychiatrie, ambulante und stationäre Suchtrehabilitation, Modellprojekte und Forschungsarbeiten), seit 2009 in der Fachabteilung für Suchterkrankungen im psychiatrischen Fachkrankenhaus Alexius/Josef-Krankenhaus in Neuss, Schwerpunkt Suchtambulanz, sowie als »Innerbetriebliche Suchtberaterin« tätig.

Kontaktadresse: Marienstraße 87, 42105 Wuppertal

E-Mail: melkueppers@web.de

Lebküchner, Janine, Studentin der Sozialen Arbeit an der Hochschule Esslingen.

E-Mail: j.lebkuechner@gmail.com

Leers, Stefanie, Master of Science in Addiction, Prevention & Treatment; Dipl.-Sozialpädagogin; Suchttherapeutin (VDR anerkannt); Systemische Familientherapeutin (DGSF) und Supervisorin (SG); Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit (ECCSW); Heilpraktikerin für Psychotherapie; staatlich anerkannte Erzieherin. Langjährige Tätigkeit in der ambulanten Suchttherapie, der Jugendhilfe sowie der Paar- und Familientherapie. Aktuell tätig als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der katholischen Hochschule in Aachen sowie in eigener Praxis »seele-sortieren«.

E-Mail: mail@seele-sortieren.de

Pauls, Helmut, Prof. Dr., Studium der Psychologie an der Universität Bonn, Promotion an der Universität Bonn zum Dr. phil. 1980; Psychologischer Psychotherapeut; außerordentliches Mitglied der Bayerischen Landesärztekammer und Ausbildungsermächtiger für Klientenzentrierte Psychotherapie nach Rogers und Gestalttherapie; Gründer des Däumling Institutes in Siegburg 1984; Professor an der Hochschule Coburg; Gründer des IPSG-Institut für Psycho-Soziale Gesundheit, Wissenschaftliche Einrichtung an der Hochschule Coburg 1994; Aufbau des Masterstudienganges Klinische Sozialarbeit 2001, Leitung desselben bis 2011; Gründer und Geschäftsführer der Zentralstelle für Klinische Sozialarbeit (ZKS) 2001 bis 2017; Gründung des ZKS-Verlages 2011 (www.zks-verlag.de). Arbeitsschwerpunkte: Klinische Sozialarbeit, Beratung und Sozialtherapie, psychosoziale Diagnostik.

Schwarzmann, Harald, Dipl.-Sozialwirt, systemische Therapie, Suchttherapie. Von 1992 bis 2017 Einrichtungs- und Bereichsleitungsaufgaben im Bereich Psychosoziale Hilfen beim Verein für Innere Mission in Bremen mit dem Schwerpunkt ambulante Wohnkonzepte für Menschen mit kognitiver und/oder mehrfacher Beeinträchtigung (im Mittelpunkt: Unterstützungsleistungen für Menschen mit einer Mehrfachproblematik [kognitive Beeinträchtigung in Verbindung mit psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen etc.]). 2017–2019 Vorstandsreferent für die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, Mitarbeit in Landesgremien zur Erarbeitung von Landesrahmenverträgen. Seit 2020 im Ruhestand und Tätigkeit als freier Berater in Fragen der Umsetzung des BTHGs.

Siegfarth-Häberle, Bärbel, Dipl.-Sozialarbeiterin, Systemische Familientherapeutin, MBSR-Lehrerin, langjährige Tätigkeit auf Psychotherapiestationen der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik im Universitätsklinikum Heidelberg, selbständige Tätigkeit im Rahmen von MBSR-Kursen sowie Achtsamkeitsarbeit mit Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden.

Kontaktadresse: Universitätsklinikum, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Thibautstraße 4, 69115 Heidelberg

E-Mail: baerbel.siegfarth-haeberle@med.uni-heidelberg.de

Thomas, Alexander, Dipl.-Sozialpädagoge (FH)/Fachsozialarbeiter für Klinische Sozialarbeit (CSW-ECCSW); ab 2004 Leitung einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Epilepsie in München. Weiterentwicklung des Angebots zu einem Wohnverbund mit einer WG für Menschen mit Epilepsien, einem Unterstützten Wohnen mit Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und/oder Epilepsien sowie einem Projekt zur niedrigschwelligen Beratung und dem Aufbau eines UnterstützerInnenkreises für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen. Seit 2015 Leitung des Kompetenzzentrums für die soziale-berufliche Rehabilitation von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen (MeH)/Traumafolgestörungen/Epilepsien und Teilhabe Nord.

Kontaktadresse: Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gemeinnützige Gesellschaft mbH, Marlistraße 107, 23566 Lübeck

E-Mail: alexander.thomas@faw.de

Völschow, Yvette, Univ.-Prof.’in Dr. rer. pol., Supervisorin sowie Professorin für Sozial- und Erziehungswissenschaften an der Universität Vechta mit den Schwerpunkten Beratungswissenschaften und Kriminologie, Leiterin der Arbeitsstelle für Reflexive Person- und Organisationsentwicklung sowie (Ko-)Leitung verschiedener vom Land Niedersachsen, dem BMBF und der EU-Kommission geförderter Forschungprojekte, wie z. B. dem binationalen BMBF/KIRAS-Projekt »Prävention und Intervention von Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung«, Leitungsmitglied des Promotionskollegs »Empirische Sicherheitsforschung«.

E-Mail: yvette.voelschow@uni-vechta.de

Wunderer, Eva, Prof. Dr., Dipl.-Psychologin, Systemische Paar- und Familientherapeutin (DGSF). Langjährige Tätigkeit im Essstörungsbereich. Seit 2009 Professur für Psychologische Aspekte Sozialer Arbeit (Schwerpunkt Kindes- und Jugendalter) an der Hochschule Landshut; Forschungsschwerpunkt Klinische Sozialarbeit mit Menschen mit Essstörungen.

Kontaktadresse: Hochschule Landshut, Am Lurzenhof 1, 84036 Landshut

E-Mail: wunderer@haw-landshut.de

Wüsten, Günther, Prof. Dr., Psychologischer Psychotherapeut mit Zertifikat in klinischer Hypnose; Supervisor in verschiedenen psychosozialen Institutionen. Leitung des MAS-Programms Psychosoziale Beratung mit Schwerpunkt Ressourcenorientierte Beratung und Entwicklung. Mitglied im ECCSW (European Center of Clinical Social Work). Arbeitet am Institut Beratung, Coaching und Sozialmanagement der Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Soziale Arbeit, und in freier Praxis.

Kontaktadresse: Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Soziale Arbeit, Institut Beratung, Coaching und Sozialmanagement, Riggenbachstr. 16, CH-4600 Olten

E-Mail: guenther.wuesten@fhnw.ch

Geleitwort

Warum erst jetzt, könnte man fragen, angesichts eines Buches, dass sich die Wichtigkeit sozialer und sozialarbeiterischer Aspekte in vielen ambulanten und stationären Psychotherapien zum Thema gesetzt hat.

Viele Psychotherapeuten haben ihren Werdegang vermutlich nicht zuletzt ausgehend von Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der Linderung auch sozialer Not begonnen. Bei nicht wenigen blieb dies auch im Weiteren ein Hintergrundmotiv, geriet jedoch im Alltag der Auseinandersetzung mit den vielfältigen psychischen Verstrickungen ihrer Klientel oft eher in den Hintergrund. Nur bei Patienten und Klienten in absoluter sozialer Not war es nicht möglich, an den harten Aspekten der Realität »vorbeizukommen«. Dann herrschte allerdings oft eine gewisse Ratlosigkeit, welche Maßnahmen ergriffen werden können, wie viel Aktivität geboten ist – angesichts professioneller psychotherapeutischer Zurückhaltung – und vor allem wo das Know-how, das hier ohne Zweifel oft nötig ist, zu finden ist. Dieses Dilemma war sicher einer der Ausgangspunkte für das hier präsentierte »Projekt«.

Wir alle wissen um die Einflüsse sozialer Aspekte auf psychische Erkrankungen und natürlich auch um die sozialen Folgen, die diese haben können. Umso ungewöhnlicher ist, dass fundierte Analysen und auch Handlungsanleitungen für Psychotherapeuten in diesem Feld heute noch eher selten sind.

Vielleicht ist das Buch, das Sie in Händen halten, aber dennoch ein Ausdruck dessen, wie breit und tief sich die Psychotherapie in unserem Land inzwischen entwickelt hat. Dass die Sozialarbeit zum Thema in der Psychotherapie wird, ist auch ein Zeichen dafür, dass Patienten in Multiproblemsituationen, wie es heute heißt, eben vor Jahren kaum die Chance hatten, psychotherapeutische Unterstützung im angemessenen Maß zu erhalten. Dies hat sich geändert. Damit hat sich aber auch ein neues Feld ergeben, mit dem sich dieses Buch befasst. In beeindruckender Weise stellt es die Breite des Feldes sehr gut dar, und es ist zu hoffen, dass damit die komplementären Aufgaben im Feld der Psychotherapie noch stärker als bisher nicht nur unter Therapeuten aufgegriffen werden, sondern auch noch mehr in den Fokus der Ausbildung für Sozialarbeiter gelangen.

Die zusammengetragenen Erkenntnisse machen natürlich auch deutlich, dass die Sozialtherapie ungeachtet ihrer teils noch schwachen Verbindung zur Psychotherapie eine lange und produktive Tradition hat. Diese Tradition wird zumindest den »fachfremden« Psychotherapeuten unter den Lesern, aber eben auch den Lernenden und aktiv Tätigen in der Sozialarbeit in hervorragender Weise nähergebracht.

Es ist für mich eine ganz besondere Freude, dieses Buch zu empfehlen, weil mich mit einer der Autorinnen und Herausgeberinnen eine langjährige alltägliche Zusammenarbeit auf einer Psychotherapiestation für Patienten mit Traumafolgestörungen und schweren Persönlichkeitsbeeinträchtigungen verbunden hat. Gleichzeitig konnte ich sie in dieser Zeit bitten, im Rahmen der Ausbildung von Psychotherapeuten zu versuchen, die hier angedeuteten Lücken etwa zu schließen. Dies gelang ihr außergewöhnlich gut und diese Erfahrung war möglicherweise ebenfalls ein Motiv, sich vertieft mit dem Thema zu befassen. Die Autoren wissen also, wovon sie sprechen. Es ist dennoch ungewöhnlich und insofern beglückend zu sehen, wie hier langjährige Praxiserfahrung den Anstoß bildet und durch die produktive Kooperation mit anderen Experten für uns alle und das Feld Früchte trägt.

Ich wünsche deshalb diesem Buch von Herzen eine weite Verbreitung und Rezeption und bin sicher, dass hier ein wichtiger Schritt in der weiteren Entwicklung der interdisziplinären Kooperation von Sozialarbeit/-therapie und Psychotherapie getan wird.

Prof. Dr. Henning Schauenburg, Heidelberg

Inhalt

1  Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

2  Geleitwort

3  Einleitung

4  Teil I Psychosoziale Arbeit als Schnittstelle zwischen Sozialer Arbeit und Psychotherapie

5  1 Das biopsychosoziale Modell im Kontext sozialer Mitbehandlung

6 Helmut Pauls

7  2 Soziale Arbeit und Psychotherapie – ein schwieriges, jedoch auch fruchtbares Verhältnis

8 Maren Bösel, Silke Birgitta Gahleitner und Helmut Pauls

9  3 Klinische Sozialarbeit und Sozialtherapie Expertise Sozialer Arbeit in der Behandlung von Menschen mit und in sozialen und gesundheitlichen Multiproblemlagen

10 Dario Deloie, Helmut Pauls und Gernot Hahn

11  Teil II Psychosoziale Probleme und Interventionen in der psychotherapeutischen Versorgung

12  4 Ausgewählte soziale Problemlagen – Basiswissen für Psychotherapeuten

13 Maren Bösel

14  5 Psychosozial und interdisziplinär verstehen und handeln: Wie geht denn das konkret?

15 Silke Birgitta Gahleitner und Yvette Völschow

16  6 Die Bedeutung von Arbeitsbündnis, Realitätsprüfung und Hilfe zur Selbsthilfe in der sozialtherapeutischen Beratung der stationären Psychotherapie

17 Maren Bösel

18  7 Die Arbeit mit Ressourcen – eine Präzisierung psychosozialer Perspektiven

19 Günther Wüsten

20  8 Professionsgrenzen als Kompetenzgrenzen und Kooperationsgebote – ethische Aspekte psychosozialer Arbeit

21 Ruth Großmaß

22  9 Inklusion und Teilhabe als wichtige Aspekte in den sozialen Unterstützungsleistungen und in der psychotherapeutischen Versorgung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen

23 Harald Schwarzmann und Insa Helmken

24  Teil III Ausgewählte Praxisfelder

25  10 Sozialtherapeutische poststationäre Betreuung im Rahmen der stationären psychosomatischen Behandlung – ein Fallbeispiel

26 Bärbel Siegfarth-Häberle

27  11 Sozialtherapie in der Suchtbehandlung: Von der Notwendigkeit der Klinischen Sozialarbeit aus biopsychosozialer Perspektive

28 Stefanie Leers und Melanie-Svenja Küppers-Naß

29  12 Erziehungs- und Familienberatung – Schnittmengen Sozialer Arbeit und Psychotherapie

30 Mathias Berg

31  13 Psychosoziale Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden

32 Maximiliane Brandmaier und Adrian Golatka

33  14 Mehrdimensionale Bewältigung von traumatischen Erfahrungen Die Bedeutung sozialer Interventionen für traumatisierte Menschen

34 Julia Gebrande und Janine Lebküchner

35  15 Sozialtherapie mit straffällig gewordenen Menschen

36 Gernot Hahn

37  16 Fallbeispiele zur Kooperation von Psychotherapie/neuropsychologischer Therapie und Sozialer Arbeit bei neurologischen Erkrankungen

38 Alexander Thomas und Marilena de Andrade

39  17 Klinische Sozialarbeit mit Menschen mit Essstörungen

40 Eva Wunderer

41  18 Sozialtherapeutische Unterstützung von Menschen mit Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis

42 Christine Kröger

43  Stichwortverzeichnis

Einleitung

Psychische Gesundheit wird neben psychischen und körperlichen Faktoren heute auch und vor allem durch die soziale Lebenslage der Menschen im gesellschaftlichen Wandel beeinflusst. Dies ist unumstritten, ebenso die Tatsache, dass die Stellung des Menschen in der Gesellschaft und die damit verbundenen unterschiedlichen sozialen Lebensbedingungen schon immer einen besonderen Einfluss auf die Entstehung von physischen und psychischen Krankheiten hatten und haben. Bereits vor über 100 Jahren wurden daher sowohl im Bereich der Medizin als auch in der Sozialen Arbeit geeignete Konzepte der Sozialen Therapie gefordert, u. a. von Weizsäcker, Krehl, Richmond und Salomon. Die bekannt gewordene Studie zu den Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die BewohnerInnen des Dorfes Marienthal zeigte bereits in den 1930er-Jahren, dass soziale Probleme wie der Verlust von Einkommen, Sozialstrukturen und Veränderungen des Selbstbildes komplexe psychische Beeinträchtigungen zur Folge haben können (Jahoda, Lazarsfeld & Zeisel, 1933/2014). Auch ohne zuvor bestehende Vulnerabilität können soziale Schwierigkeiten schwere seelische Erkrankungen auslösen (Montgomery et al., 1999).

Die Wechselwirkung von sozialen Problemen und psychischen Erkrankungen funktioniert jedoch auch umgekehrt. Eine seelische Krankheit kann auch ein zusätzlicher Risikofaktor in der Bewältigung von sozialen Schwierigkeiten sein bzw. diese u. U. sogar verstärken (vgl. Bösel, Siegfarth, Schauenburg, Nikendei & Ehrenthal, 2014; Bösel, 2017). Insgesamt betrachtet wird der Zusammenhang zwischen sozialen Problemen und seelischen Erkrankungen immer relevanter. Die Auswertung der Fehltagestatistik der gesetzlichen Krankenkassen z. B. zeigt, dass psychische Erkrankungen an Position drei der Länge der Arbeitsunfähigkeitstage stehen und eine weitere Zunahme zu erwarten ist (vgl. Gesundheitsreporte 2014: DAK, 2014; TK, 2014). Nach Auswertung der DAK stieg die Anzahl der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen von 2012 bis 2013 um 4,6 % auf 212,8 Tage pro 100 Versicherte. Untersuchungen der Techniker Krankenkasse (TK, 2014) zeigten, dass psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen bei Männern 187 Tage pro 100 Versicherte betrugen und damit von allen Erkrankungen an Position drei lag. Bei den weiblichen Versicherten ergab die Statistik in der Krankheitsgruppe mit 315 Tagen pro 100 Versicherte 2013 die meisten Fehltage (ebd., S. 90).

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verschiedener Bevölkerungsgruppen zeigen ebenfalls zahlreiche Zusammenhänge von sozialen Problemlagen und seelischer Erkrankung auf. Die Studie von Schubert und KollegInnen (2013) zeigt z. B., dass mehr als ein Drittel der Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen, von einer seelischen Erkrankung betroffen sind. Aber nicht nur Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von staatlichen finanziellen Hilfen führen zu einer Zunahme von Arbeitsunfähigkeitszeiten aufgrund psychischer Belastungen. Fehlbeanspruchung, zunehmende Arbeitsverdichtung oder auch erhöhte Anforderungen an flexible zeitliche und inhaltliche Arbeitsbedingungen sind weitere Faktoren, die im Zusammenhang mit erhöhten Arbeitsunfähigkeitszeiten stehen (vgl. Oppolzer, 2010; Schubert et al., 2013; Bösel, (i. V.). In diesem Zusammenhang ist zu benennen, dass Menschen mit geringerer beruflicher Stellung häufig einer hohen physischen und psychischen Belastung ausgesetzt sind. In den geringer qualifizierten Berufsgruppen bestehen weniger Handlungsspielräume, Arbeitsbedingungen zu verändern, auch gibt es weniger Möglichkeiten der Weiterqualifikation und eine steigende Bedrohung, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Zusätzlich können geringere persönliche Ressourcen, wie eingeschränkte Problemlösungskompetenzen, geringer Selbstwert und negative Zukunftserwartungen sich ungünstig auf die Gesundheit auswirken (vgl. Ducki, 2006; Bamberg, Busch & Ducki, 2003). Eine Reihe internationaler Untersuchungen zeigt seit vielen Jahren auf, dass psychosoziale Faktoren die wichtigsten Mediatoren zwischen psychischer wie körperlicher Gesundheit und materieller Benachteiligung darstellen (vgl. u. a. WHO, 2001). Auf diese Weise kristallisiert sich als größter Einflussfaktor aller erfassten gesundheitlichen und sozialen Probleme weltweit soziale Ungleichheit heraus. Mangel an Respekt, Wertschätzung, Ansehen und sozialer Einbettung sind offenbar gewichtige Faktoren mit negativem Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung (Wilkinson & Pickett, 2010). Das »abgehängte Prekariat« leidet unter der Exklusion nicht nur durch Armut, sondern diese geht – das belegen zahlreiche Untersuchungen (vgl. Franzkowiak, Homfeldt & Mühlum, 2011; Homfeldt & Sting, 2006) – mit gravierenden gesundheitlichen Risiken einher, denen das aktuelle Gesundheitssystem nicht gewachsen ist (vgl. Hanses, 2007).

Die Bearbeitung von sozialen Problemlagen hat daher auch einen großen Einfluss auf das Gelingen von psychotherapeutischen Behandlungsprozessen bzw. macht diese teilweise erst möglich (Bösel et al., 2014; Bösel, 2017, i. V.). Die Praxis zeigt, dass gravierende soziale Probleme nicht nur betroffene PatientInnen, sondern auch BehandlerInnen häufig unter großen Handlungsdruck setzen. Viele der damit verbundenen Herausforderungen scheinen im Rahmen einer Psychotherapie nur schwer lösbar. Chronifizierungen sind die Folge. Eine Möglichkeit des Umgangs mit diesen Problemen liegt in der frühzeitigen Einbindung sozialarbeiterischer Kompetenzen in den Gesamtbehandlungsplan. Dafür bedarf es des Wissens um Möglichkeiten und Grenzen der (Klinischen) Sozialarbeit im Rahmen und in Zusammenarbeit mit der Psychotherapie. Aus dem Wissen heraus, dass bisher die Ausbildungsinhalte und auch die berufliche psychotherapeutische Praxis wenig auf die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit sozialen Problemen ausgelegt war, soll der vorliegende Band einen grundlegenden Einblick in die Bedeutung der Einbeziehung von sozialarbeiterischen Kompetenzen in den psychotherapeutischen Prozess und die interprofessionelle Zusammenarbeit mit dem Bereich der Sozialen Arbeit geben.

Den Herausgeberinnen erscheint es an dieser Stelle wichtig, die Notwendigkeit und die Bereicherung der Zusammenarbeit für beide Fachgebiete deutlich zu machen und damit auch eine Verbesserung des Verhältnisses der Professionen zu bewirken – zugunsten der gemeinsamen KlientInnen und PatientInnen. Dafür werden die Grundlagen von Diagnostik und Intervention der Klinischen Sozialarbeit sowohl theoretisch als auch anhand von verschiedenen Praxisfeldern vermittelt. In Teilen sollen PsychotherapeutInnen sich dadurch angeregt fühlen, einzelne soziale Interventionen in ihre Arbeit zu integrieren, zum anderen soll das Feld der Sozialen Arbeit, insbesondere der Klinischen Sozialarbeit, in seinem ganzen Umfang an PsychotherapeutInnen vermittelt und ihnen darüber für eine gelingende interprofessionelle Zusammenarbeit verdeutlicht und ans Herz gelegt werden.

Das Buch ist zu diesem Zweck in drei Bereiche unterteilt. Im ersten Abschnitt liegt der Schwerpunkt auf der Erläuterung der Schnittstellen der Sozialen Arbeit und der Psychotherapie. Einleitend erläutert Helmut Pauls in seinem Artikel »Das biopsychosoziale Modell im Kontext sozialer Mitbehandlung« die Notwendigkeit eines multiprofessionellen biopsychosozialen Gesundheitsförderungs- und Krankheitskonzeptes. Das biopsychosoziale Modell gibt eine Anleitung, wie Leiden und Krankheit auf verschiedenen Integrationsebenen in der Behandlung des Einzelfalls im Zusammenwirken der sozialen Lebenslage, individueller Lebensweisen und Lebenskrisen sowie krankheitsbedingter Funktionsverluste angegangen werden können. Für die Intervention im Sinne sozial sensitiver psychotherapeutischer Behandlung bedeutet dies, soziale Prozesse mit psychischen bei der Aufgabenbewältigung zu synchronisieren, d. h., im Rahmen einer ganzheitlichen Diagnostik einen integrativen biopsychosozialen Behandlungsplan zu entwickeln. Der Beitrag plädiert für ein multiprofessionelles biopsychosoziales Gesundheitsförderungs- und Krankenbehandlungskonzept, in dem Medizin, Psychiatrie, (Klinische) Sozialarbeit und Psychotherapie und auch die Pflege einen selbstverständlichen Platz einnehmen.

Maren Bösel, Silke Birgitta Gahleitner und Helmut Pauls gehen im darauf folgenden Beitrag »Soziale Arbeit und Psychotherapie – ein schwieriges, jedoch auch fruchtbares Verhältnis« auf die Entwicklung und den aktuellen Stand der Zusammenarbeit von Sozialer Arbeit und Psychotherapie bzw. die notwendige Verknüpfung des Sozialbereichs und Gesundheitsbereichs ein und zeigen dabei Grenzen und Potenziale auf. Basierend auf dem vorangegangenen Beitrag wird deutlich, dass eine ernsthafte Anwendung des biopsychosozialen Modells nicht bedeuten kann, die drei Integrationsebenen nur lose nebeneinander bestehen zu lassen oder eine Ebene durch eine andere zu ersetzen, sondern alle drei in der Versorgung zu verbinden, d. h., in ihrer wechselseitigen Verflechtung und Wechselwirkung zu diagnostizieren und ggf. interdisziplinär und kooperativ zu behandeln. Dafür jedoch benötigt es gemeinsame Wissensbestände unter den verschiedenen Disziplinen und Professionen, zu denen der vorliegende Artikel einen Beitrag leisten soll.

Der erste Bereich wird abgeschlossen mit einem Beitrag von Dario Deloi, Helmut Pauls und Gernot Hahn, die sich in ihrem Beitrag »Klinische Sozialarbeit und Sozialtherapie – Expertise Sozialer Arbeit in der Behandlung von Menschen mit und in sozialen und gesundheitlichen Multiproblemlagen« mit den Möglichkeiten und Grenzen der Sozialtherapie als Intervention in der Behandlung von Menschen mit und in sozialen und gesundheitlichen Problemlagen auseinandersetzen. In der Sozialtherapie realisiert sich die soeben genannte Forderung, KlientInnen und PatientInnen nicht versäult aus den jeweiligen Professionskulturen heraus zu begleiten und zu behandeln, sondern in der Versorgung auf einem hohen Qualitätsniveau zu verbinden, d. h., in ihrer wechselseitigen Verflechtung und Wechselwirkung sowohl in der Diagnostik wie auch in der Intervention zusammenzuarbeiten. Dazu bedarf es jedoch dezidierter Kenntnisse im Bereich der Netzwerkarbeit und Kooperation, die häufig in ihrem Ausmaß an Kompetenzanforderungen und zeitlichem Aufwand unterschätzt werden.

Der zweite Abschnitt des Buches erläutert zentrale Aspekte einer psychosozialen Diagnostik und Intervention. Einführend gibt Maren Bösel in einem sehr praxisorientierten Beitrag »Ausgewählte soziale Problemlagen – Basiswissen für Psychotherapeuten« wichtige Informationen zur Erkennung von sozialen Problemlagen in der ambulanten und stationären Psychotherapie und erläutert mögliche Handlungsstrategien für PsychotherapeutInnen. Deutlich wird dabei: In der klinischen Arbeit ist es wichtig, das Angebot der sozialarbeiterischen Beratung in die Diagnostik und Behandlung früh einzubeziehen. Die Minimierung akuter psychosozialer Probleme fördert die »Psychotherapiefähigkeit« der PatientInnen, unter Umständen ermöglicht sie diese sogar erst. Im Beitrag werden häufige soziale Problemsituationen beschrieben und die Möglichkeiten der vorläufigen Intervention durch PsychotherapeutInnen erläutert. Es wird aufgezeigt, wo sich PsychotherapeutInnen bei Bedarf über sozialrechtliche Sachverhalte informieren können und an welche Beratungsstellen PatientInnen verwiesen werden können. Über diesen Beitrag soll angehenden PsychotherapeutInnen ermöglicht werden, zentrale soziale Problemlagen mitzudenken, zu bearbeiten oder aber interprofessionell Lösungen einzuleiten.

Im darauf folgenden Beitrag »Die Bedeutung von Arbeitsbündnis, Realitätsprüfung und Hilfe zur Selbsthilfe in der sozialtherapeutischen Beratung der stationären Psychotherapie« beschreibt Maren Bösel die Bedeutung des Arbeitsbündnisses in der sozialtherapeutischen Beratung von PsychotherapiepatientInnen als wichtigen Baustein in der Bewältigung von psychosozialen Problemlagen. PatientInnen verbinden insbesondere mit einer stationären Behandlung oftmals den Wunsch, von den sozialen Alltagsproblemen Abstand zu bekommen. Soziale Problemlagen von PatientInnen sind jedoch in der Regel mit einer Reihe von umweltbedingten, sozioökonomischen und gesellschaftsstrukturellen Rahmenbedingungen und Anforderungen verbunden. Unterschiedliche Ausprägungen existenziellen Drucks (z. B. durch die Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu bestreiten, Gefährdung von Einkommen, drohende Sanktionen von Ämtern bei fehlender Mitwirkung) führen dazu, dass auch der Grad der Freiwilligkeit, sich in Beratung zu begeben, sehr unterschiedlich ist. Der Aufbau einer tragfähigen Beziehung ermöglicht im Verlauf des Beratungsprozesses jedoch auch die Konfrontation der PatientInnen mit problembehafteten Anteilen. Dabei sind jedoch strukturelle Rahmenbedingungen zu beachten, die diesen Aufbau verkomplizieren können.

Im anschließenden Beitrag »Psychosozial und interdisziplinär verstehen und handeln: Wie geht denn das konkret?« erläutern Silke Birgitta Gahleitner und Yvette Völschow« anhand einer Fallvignette, wie psychosoziales Verstehen und Handeln auf interdisziplinärer Ebene stattfinden kann. Insbesondere in sog. Hard-to-reach-Fällen stellt sich diese Zusammenarbeit als konstitutiv für eine angemessene Qualität der Behandlung heraus. Die weitreichenden Belastungen solcher und ähnlicher Biografien stellen psychosoziale Fachkräfte vor große Herausforderungen. Werden KlientInnen vom Hilfesystem jedoch adäquat unterstützt, kann ihre Überlebenskraft und -kreativität sehr konstruktive Kräfte entfalten. Vorgestellt werden professionsbegründete Prinzipien diagnostischen Fallverstehens und ein bereits bewährtes Modell für die Therapie, Beratung und Begleitung von traumabetroffenen Frauen, welches die verschiedenen Professionen in der gemeinsamen Arbeit an Hard to reach-Fällen zusammenführt und gelungene Kooperation möglich macht.

Einen Überblick zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Psychotherapie und Sozialer Arbeit in der Arbeit mit Ressourcen gibt Günther Wüsten in seinem Beitrag »Die Arbeit mit Ressourcen – eine Präzisierung psychosozialer Perspektiven«. In der Unterstützung und Hilfe bei sozialen Problemen geht es oft um das Erschließen von Ressourcen. Der Autor stellt ein Modell vor, das sich gut eignet, eine biopsychosoziale Perspektive zu öffnen. Im Vordergrund steht die Frage, inwieweit es einem Individuum gelingt, grundlegende Bedürfnisse in seinem Lebensführungssystem in den unterschiedlichen sozialen Systemen zu verwirklichen. Unter der sozialtherapeutischen Betrachtungsweise geraten als Folge auch die sozialen Bedingungen, insbesondere Ressourcen, in den Blick. Der Zugang zu sozialen Ressourcen bestimmt wiederum nicht nur das Ausmaß realisierter Partizipation, sondern auch das Ausmaß möglicher Gesundheit sowie die zu erwartenden Lebensjahre.

Unter dem Titel »Professionsgrenzen als Kompetenzgrenzen und Kooperationsgebote – ethische Aspekte psychosozialer Arbeit« geht Ruth Großmaß daraufhin auf die ethischen Aspekte der psychosozialen Arbeit ein. Die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stattfindende Ausdifferenzierung der Berufe im Bereich der psychosozialen Versorgung hat Spezialisierungen und Abgrenzungen hervorgebracht, gleichzeitig aber dazu geführt, dass häufig verschiedene Professionen mit denselben PatientInnen bzw. KlientInnen arbeiten. Mag im medizinischen Bereich das etablierte Überweisungssystem noch dafür sorgen, dass Interventionen und Behandlungen abgestimmt und in sich kohärent erfolgen, so ist dies bei Betrachtung der psychosozialen Versorgung als Ganzes nicht der Fall. Hier treffen Psychotherapie und Soziale Arbeit (insbesondere mit den Schwerpunkten Klinische Sozialarbeit bzw. sozialpädagogische Begleitung) als eigenständige Professionen aufeinander, die jeweils von verschiedenen Trägern organisiert werden und unterschiedlichen staatlichen Stellen gegenüber verantwortlich sind. Ethische Überlegungen können helfen, einen professionellen Umgang mit den sich daraus ergebenden Fragen und Problemen zu finden.

Abschließend werden in dem Beitrag »Inklusion und Teilhabe als wichtige Aspekte in den sozialen Unterstützungsleistungen und in der psychotherapeutischen Versorgung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen und psychischen Erkrankungen« von Harald Schwarzmann und Insa Helmken die Bedeutung der Teilhabe an der Gesellschaft und die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit in den Tätigkeiten mit behinderten Menschen erörtert. Sie beschreiben zum einen die Versorgungssituation von Menschen mit kognitiven Einschränkungen, zum anderen gehen sie auf die notwendigen kontext- und lebensweltorientiert ausgerichteten pädagogischen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Interventionen ein. Das gegenwärtige Gesundheitssystem, so wird im Artikel deutlich, schafft Barrieren in der Nutzung medizinischer und psychotherapeutischer Leistungen. Dafür werden alternative Strukturen benannt, und es wird thematisiert, dass gesellschaftspolitische Konzepte wie Inklusion auch die Notwendigkeit von Änderungen in der fachlichen Konzeptionierung wie z. B. erweiterte Ansätze psychotherapeutischen Handelns erfordern. Daraus ergibt sich die Anforderung, pädagogische, psychotherapeutische und psychiatrische Intervention kontext- und lebensweltorientiert auszurichten. Mit der Inklusion verschiebt sich auch der Fokus von rein individualistisch orientierten Konzepten zur Bewältigung von Konflikten im sozialen Feld. Abschließend wird auf konkrete Anforderungen an die soziale und (psycho-)therapeutische Arbeit mit Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen hingewiesen.

Der dritte Abschnitt des Buches gibt einen Einblick in verschiedene Praxisfelder, in denen Psychotherapie und Soziale Arbeit gleichermaßen involviert sind. Der einführende Artikel »Sozialtherapeutische poststationäre Betreuung im Rahmen der stationären psychosomatischen Behandlung – ein Fallbeispiel« von Bärbel Siegfarth-Häberle widmet sich Situationen, die (teil)stationäre Psychotherapie erforderlich machen. Diese sind in vielen Fällen auch mit sozialen Problemlagen verbunden, ohne deren Lösung psychotherapeutische Ansätze nicht nachhaltig wirken können. PatientInnen sollten im Rahmen der stationären Behandlung ermutigt werden, sich mit diesen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Oftmals ist der Prozess zur Klärung der sozialen Situation mit der Entlassung der PatientInnen jedoch noch nicht abgeschlossen und erfordert weitere intensive Unterstützung, um den Behandlungserfolg nachhaltig zu sichern. In vielen Fällen befinden sich PatientInnen zum Zeitpunkt der Behandlung noch nicht in ambulanter Therapie, aufgrund von Wartezeiten und probatorischen Sitzungen ist die sozialtherapeutische Unterstützung bei schwierigen Problemlagen im Übergang daher ein wichtiger Punkt.

Einem spezifischen Feld, in dem die Sozialtherapie eine wichtige Stellung einnimmt, widmen sich Stefanie Leers und Melanie-Svenja Küppers-Naß. Unter dem Titel »Sozialtherapie in der Suchtbehandlung: Von der Notwendigkeit der Klinischen Sozialarbeit aus biopsychosozialer Perspektive« thematisieren sie in theoretischen Überlegungen sowie anhand eines Fallbeispiels die Notwendigkeit sozialtherapeutischer Behandlung als ein wesentliches Konzept in der Suchtbehandlung. Das Feld der Klinischen Sozialarbeit umfasst die soziale Suchttherapie, die in der Regel von Sozial- und SuchttherapeutInnen durchgeführt wird. Ebenso deutlich jedoch wird auch die dynamische Verzahnung von medizinischer, psychologischer und sozialer Behandlung, die verschiedene Zugänge zu ganz unterschiedlichen Problemlagen und Fallkonstellationen möglich macht.

Unter dem Titel »Erziehungs- und Familienberatung – Schnittmengen Sozialer Arbeit und Psychotherapie« stellt Mathias Berg anschließend die multidisziplinäre Ausrichtung der Erziehungs- und Familienberatung vor. In Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche, die nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ § 17, 18, 28 SGB VIII) arbeiten, ist eine (psycho)therapeutische Qualifikation der Fachkräfte konstitutiv. Viele dieser Fachkräfte haben einen sozialarbeiterischen Professionshintergrund. So sind pädagogische und damit verbundene therapeutische Leistungen mit Kindern und Jugendlichen, wie auch mit ganzen Familien, keine heilkundliche Behandlung – dennoch berühren viele Interventionen die Schnittstelle zwischen Sozialer Arbeit und Psychotherapie. Der Artikel gibt einen Überblick zu interprofessionellen Gemeinsamkeiten wie Unterschieden in den Bereichen Diagnostik und Therapie und verortet die (Klinische) Soziale Arbeit als psychosozial und therapeutisch handelnde Profession im Konzert mit einer Reihe weiterer Berufsgruppen.

Einem weiteren wichtigen Arbeitsbereich widmen sich Maximiliane Brandmaier und Adrian Golatka unter dem Titel »Psychosoziale Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden«. Geflüchtete Menschen haben aufgrund ihrer Erfahrungen von Verfolgung, Flucht und Trauma sowie der belastenden Situation im Exil ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen. Aufgrund der komplexen Belastungen kann nicht nur ein hoher Bedarf an psychotherapeutischer, sondern allgemein an psychosozialer Unterstützung angenommen werden. Häufig bedarf es dabei zunächst niedrigschwelliger, stabilisierender Angebote. In der Praxis finden Psychotherapie und Soziale Arbeit weitgehend getrennt voneinander statt, wenngleich die Behandlung komplexer Traumata und psychsozialer Problemlagen ein multiprofessionelles Versorgungskonzept erfordert. Welches Potenzial eine integrierte psychosoziale Versorgung in diesem Praxisfeld bietet, wird im Artikel u. a. an einem Beispiel aus dem Jugendhilfekontext umrissen.

Das Thema Trauma nehmen auch Julia Gebrande und Janine Lebküchner auf. Unter dem Titel »Mehrdimensionale Bewältigung von traumatischen Erfahrungen: Die Bedeutung Sozialer Arbeit für traumatisierte Menschen« wird das Verhältnis von Psychotherapie und Sozialer Arbeit am Beispiel des Arbeitsfeldes Trauma genauer betrachtet. Die zentrale Frage ist: Wie können Menschen nach einer traumatischen Erfahrung bei der Bewältigung unterstützt werden, ohne dass sie durch Diagnosen pathologisiert werden und das Trauma damit auf ein individuelles Problem reduziert wird? Neben einer Kritik an der Dominanz individuumszentrierter Zugänge wird der hohe Stellenwert des Alltags für die Stabilisierung betont, und damit werden die Soziale Arbeit und die (Trauma-)Pädagogik in den Fokus genommen. Denn Stabilisierung kann überall stattfinden, und mit jeder Stabilisierung im Alltag wird auch die Integration der Traumaerinnerungen und die Bewältigung der Erlebnisse vorangebracht. Neben der Psychiatrie und der Psychotherapie ist die traumasensible Soziale Arbeit daher eine wichtige dritte Säule in der Versorgung traumatisierter Menschen, die eine ambitionierte parteiliche, soziale und politische Unterstützung anbieten kann.

Ein weiteres wichtiges Feld interdisziplinärer Kooperation ist die Straffälligenhilfe. Unter dem Titel »Sozialtherapie mit straffällig gewordenen Menschen« entfaltet Gernot Hahn zentrale Aspekte zu diesem Arbeitsbereich. Die Behandlung straffällig gewordener Menschen hat in den vergangenen 20 Jahren vielfältige Entwicklungen durchlaufen. Neben therapeutisch-methodischen Aspekten haben sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, diagnostische und kriminalprognostische Verfahren verändert, und das Wissen über die Entstehung straffälligen Verhaltens hat sich erweitert. Die Behandlung erfolgt im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle und ist auf individuelle Entwicklung einerseits, auf Überwachung und Reglementierung andererseits fokussiert. Vorrangig wird der Erfolg kriminaltherapeutischer Maßnahmen an der aktiven Verhinderung erneuter Straftaten gemessen, ein Kriterium, das alle Beteiligten, KlientInnen, TherapeutInnen und auch die Gerichte in erheblichem Maße prägt. Der Artikel entfaltet die jüngste Geschichte der Behandlung straffällig gewordener Menschen, der Rahmenbedingungen, methodischen Ansätze, diagnostischen und kriminalprognostischen Verfahren im Überblick auf und zeigt die besondere Bedeutung der Arbeit mit psychosozialen und sozialräumlichen Aspekten auf.

Neurologische Erkrankungen prägen die individuelle Welt sowie die Lebenswelt betroffener Patienten. Einen Einblick in die dortige Praxis ermöglichen Alexander Thomas und Marilena de Andrade. In ihrem Beitrag »Fallbeispiele zur Kooperation von Psychotherapie/neuropsychologischer Therapie und Sozialer Arbeit bei neurologischen Erkrankungen« zeigen sie auf, wie eng gesundheitsbezogene Soziale Arbeit in die Zusammenarbeit mit ErgotherapeutInnen, LogopädInnen, PhysiotherapeutInnen, PsychotherapeutInnen und NeuropsychologInnen eingebunden ist. Dies gilt insbesondere, wenn im Rahmen der Eingliederungshilfe Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und/oder Epilepsien neurokompetent im eigenen Wohnraum beraten, begleitet und unterstützt werden sollen. Anhand von vier Fallbeispielen wird diese Interdisziplinarität im Alltag des Unterstützten Wohnens (UW) und der beruflichen Rehabilitation anschaulich in den interdisziplinären Verstehenshorizonten und interprofessionellen Vorgehensweisen dargestellt.

Ein ebenfalls komplexes Problembild entfalten häufig Essstörungen Unter dem Titel »Klinische Sozialarbeit mit Menschen mit Essstörungen« erläutert Eva Wunderer Essstörungen als biopsychosozial bedingte Erkrankungen, die daher auch entsprechend multiprofessionell behandelt werden müssen. Menschen mit Essstörungen benötigen spezifische Unterstützung im sozialen Bereich, die – neben der individuellen Lebensweise – auch die Lebenslage der Betroffenen ins Zentrum rückt, sich an ihrer konkreten Lebenswelt orientiert. Methoden aus der (Klinischen) Sozialarbeit, beispielsweise psychosoziale Diagnostik, sozialpädagogische Beratung, Case Management, soziale Gruppenarbeit, Präventionsarbeit und Angehörigenarbeit sind daher Alltagsgeschäft. Der Buchbeitrag stellt diejenigen Handlungsbereiche in den Vordergrund, bei denen sich die deutlichsten Überschneidungen zwischen (ambulanter und stationärer) Psychotherapie und Klinischer Sozialarbeit ergeben, und zeigt, wie konkrete Unterstützung im interprofessionellen Konzert aussehen kann.

Der Band wird abgeschlossen mit einem Blick in die Arbeit mit psychoseerfahrenen und -betroffenen Menschen. Unter dem Titel »Sozialtherapeutische Unterstützung von Menschen mit Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis« schildert Christine Kröger die große Bedeutung einer gelingenden sozialtherapeutischen Unterstützung von psychoseerfahrenen Menschen und ihrem nahen sozialen Umfeld. Schizophrene Psychosen gelten als gravierende und verunsichernde Erkrankungen, die in besonderer Weise das soziale Eingebundensein und die soziale Entwicklung gefährden. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Wichtigkeit sozialer Einflussgrößen auf die Entstehung, Aufrechterhaltung und den Verlauf schizophrener Erkrankungen nach wie vor unterschätzt wird. Dementsprechend wird im vorliegenden Beitrag die Bedeutung einer gemeinsamen Unterstützung psychoseerfahrener Menschen und ihres nahen sozialen Umfelds im interprofessionellen Gefüge verdeutlicht.

Zielsetzung des vorliegenden Buches ist es, die Schnittstellen zwischen Sozialer Arbeit und Psychotherapie auszuleuchten und für PsychotherapeutInnen nutzbar zu machen. Wir hoffen, dass dies über die eingebrachten Texte für beide Professionen ermöglicht wird und darüber hinaus einen interdisziplinären Diskurs anregt, der sich in steter Weiterentwicklung dieses wichtigen Arbeitsbereiches widerspiegelt und niederschlägt.


Heidelberg und Berlin Maren Bösel und Silke Birgitta Gahleitner

Literatur

Bamberg, E., Busch, C. & Ducki, A. (2003). Stress- und Ressourcenmanagement. Strategien und Methoden für die neue Arbeitswelt (Reihe: Praxis der Arbeits- und Organisationspsychologie). Bern: Huber.

Bösel, M. (2017). Integration sozialtherapeutischer Kompetenz in der psychotherapeutischen Versorgung. In U. A. Lammel & H. Pauls (Hrsg.), Sozialtherapie. Sozialtherapeutische Interventionen als dritte Säule der Gesundheitsversorgung (S. 91–99). Dortmund: verlag modernes lernen.

Bösel, (i. V) Promotion: Integration von sozialtherapeutischen Kompetenzen in die stationäre psychotherapeutische Versorgung. Universitätsklinikum Heidelberg.

Bösel, M., Siegfarth, B., Schauenburg, H., Nikendei, C. & Ehrenthal, J. C. (2014). Integration sozialarbeiterischer Kompetenz in die psychotherapeutische Versorgung. Psychotherapeut 59, 6, 474–479. Zugriff am 29.03.2018 unter https://www.researchgate.net/publication/268686198.

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Franzkowiak, P., Homfeldt, H. G. & Mühlum, A. (2011). Lehrbuch Gesundheit. Weinheim: Juventa.

Hanses, A. (2007). Soziale Arbeit und Gesundheit – ein schwieriges wie herausforderndes Verhältnis. In H. G. Homfeldt (Hrsg.), Soziale Arbeit im Aufschwung zu neuen Möglichkeiten oder Rückkehr zu alten Aufgaben? (S. 113–123). Baltmannsweiler: Schneider.

Homfeldt, H. G. & Sting, S. (2006). Soziale Arbeit und Gesundheit. Eine Einführung. München: Reinhardt.

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Schubert, H., Parthier, K., Kupka, P., Krüger, U., Holke, J. & Fuchs, P. (2013). Menschen mit psychischen Störungen im SGB II (IAB-Forschungsbericht, Bd. 2013/12). Nürnberg: IAB. Zugriff am 29.03.2018 unter http://doku.iab.de/forschungsbericht/2013/fb1213.pdf.

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Teil I Psychosoziale Arbeit als Schnittstelle zwischen Sozialer Arbeit und Psychotherapie

1 Das biopsychosoziale Modell im Kontext sozialer Mitbehandlung
Helmut Pauls
1.1 Einführung: Das »Individuum-in-seiner-Welt«

Im Alltagsbewusstsein vieler Menschen steht mit »Krankheit« zunächst die Körperlichkeit im Fokus: Es geht um spezifische Symptom- und Verlaufsmuster biologischer Prozesse und Ursachen, wie sie bei somatischen Erkrankungen in der Regel vorkommen. In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich auch ein Verständnis für psychische Erkrankungen, wobei dafür statt »Krankheit« eher der offenere Begriff der psychischen »Störung« verwendet wird (Baumann & Perrez, 2005). Die Psychotherapie ist folgerichtig mit dem »Psychotherapeutengesetz« 2001 zum berufs- und sozialrechtlich anerkannten Heilberuf geworden. Allerdings wird oft spätestens im Moment der Manifestation einer Erkrankung bzw. Störung mit körperlichen und/oder psychischen Symptomen und Folgen ein sozialer Zusammenhang spürbar: Die soziale Umwelt ist bei Störung, Krankheit, Krise mitbetroffen und beansprucht, oft auch mitverursachend. Insbesondere schwere und chronische Erkrankungen leiten eine gravierende soziale Diskontinuität im Leben der Betroffenen ein. Zuwendung und soziale Unterstützung werden notwendig angesichts von vielfältigen sozial unerwünschten und nicht akzeptierten Verhaltensweisen und Konsequenzen (z. B. Fernbleiben von der Arbeit). Hier wird das Soziale als Krankheitsfolge zentral: Erkrankte Menschen werden abhängig von sorgenden (versorgenden) Personen – Angehörigen, NachbarInnen, KollegInnen, ÄrztInnen, TherapeutInnen, HelferInnen. Krankheit bzw. Störung ist allerdings nicht nur für soziale Konsequenzen relevant, sondern sie ist nicht selten auch sozial (mit)bedingt. D. h., soziale Strukturen, Lebensbedingungen, Beziehungen und Handlungsformen sind für psychische und somatische Prozesse kausal zu beachten. Strotzka sprach bereits 1965 (S. 27 ff.) von »Sozialpathologie«. Sozialwissenschaftlich gesehen können sich Betrachtungen von Krankheit und Störung nicht nur auf Individuen beziehen, sondern ebenso auf größere soziale Einheiten bzw. Systeme (Familie, Nachbarschaft, Betriebe, Institutionen). Menschen sind sozial ebenso verwundbar wie psychisch und körperlich. Deshalb benötigt die somatische, psychiatrische und psychotherapeutische Gesundheitsversorgung eine Ergänzung durch eine Soziale Arbeit mit klinischer bzw. sozialtherapeutischer Expertise, die den Anspruch an komplexer Problemwahrnehmung und integrativer Problembearbeitung, der einem biopsychosozialen Modell implizit ist, theoretisch, methodisch und praktisch einlöst (vgl. Pauls & Lammel, 2017).

1.2 Biopsychosoziale Grundannahmen

In der Klinischen Sozialarbeit und auch in der Klinischen Psychologie (vgl. Perrez & Hilti, 2005, S. 406) spielt das biopsychosoziale Modell eine wichtige Rolle (Pauls, 2013a, 2011/2013b; Gahleitner, Pauls, Hintenberger & Leitner, 2014). Ein Wegbereiter für biopsychosoziales Denken war in den 1950er-Jahren die Erforschung von Risikofaktoren zum Krankheitsgeschehen unter Einbezug sozialer und psychologischer Faktoren (Hurrelmann & Laaser, 1998), sie bildete auch die Grundlage für die Konzeption präventiver Gesundheitsmaßnahmen und der Gesundheitsförderung. Wissenschaftshistorisch wichtig war weiterhin die Entstehung der Allgemeinen Systemtheorie (General Systems Theory, GST). Die GST entstand sowohl in der Biologie als auch in den Sozialwissenschaften (Bateson, 1972). Betrachtungsgegenstände oder Phänomene (Systeme) werden im Kontext der komplexen wechselseitigen Beziehungen der ihnen verknüpften Elemente verstanden bzw. im Kontext der Organisation oder Umgebung, deren Teil sie sind. Auch die Stressforschung bereitete der Entwicklung des biopsychosozialen Modells den Boden. Selye (1953) identifizierte das allgemeine Adaptationssyndrom (GAS – General Adaptation Syndrome) als eine unspezifische physiologische Antwort des Organismus auf eine Vielzahl von Stress auslösenden biologisch-physikalischen, psychologischen und sozialen Reizen. Die Bezeichnung Syndrom macht deutlich, dass es sich um verschiedene Manifestationen auf verschiedenen Integrationsebenen von Stress handelt, die zusammen auftreten. Die Funktion der allgemeinen Stressreaktion ist zunächst nicht nach der Art der Stressquelle zu differenzieren, sondern der Organismus reagiert auf die wahrgenommene Notwendigkeit einer Anpassungsreaktion (vgl. ebd.). Physische, psychische wie soziale Stressoren (z. B. Kälte, Nahrungsmangel, Tod des Partners/der Partnerin, Angstzustände) rufen das gleiche Syndrom hervor.

So lagen in den 1970er-Jahren wichtige theoretische und empirische Bausteine vor, als der Psychiater Engel (1977, 1980) das biopsychosoziale Krankheitsmodell formulierte, das auch psychosoziale Faktoren zur Erklärung von psychischen und körperlichen Erkrankungen heranzog. Der Grundgedanke des Engel’schen Modells »besteht darin, dass alle drei Bedingungen – die biologisch-organische, die psychische und die soziale – in sich kontinuierlich ändernden Wechselbeziehungen stehen und aus diesen Faktoren und deren Veränderungen sich Entwicklung und Verlauf von Störungen erklären lassen« (Jungnitsch, 1999, S. 31). In Genese und Verlauf von Erkrankungen gibt es ein dynamisches Wechselspiel der drei Ebenen, was bedeutet, dass neben den biologischen ebenfalls psychische und soziale Faktoren auch kausal für die Entstehung von Krankheiten in Betracht kommen. Der Mensch ist in dieser Sicht Teil umfassender Systeme und selbst wiederum ein System aus vielen Subsystemen bis hinab zur molekularen Ebene.

Dies lässt sich gut anhand chronischer sozialer Belastungszustände mit negativen Emotionen (Distress) veranschaulichen: Soziale Benachteiligungen werden als Kränkungen erlebt, die zu langandauernden belastenden emotionalen Zuständen im Organismus führen.

»Leiden an der Gesellschaft in Form von Gewalt, Benachteiligung, Überforderung, Ausschluss oder anderen Arten zwischenmenschlicher Konflikte ruft starke, wiederkehrende negative Emotionen der Bedrohung, Angst und Hilflosigkeit, aber auch der Irritierung und Verärgerung hervor, die ihrerseits Aktivierungszustände im Organismus auslösen (chronischer sozio-emotionaler Distress). Vermittelt über das autonome Nervensystem, das neuroendokrine und das Immunsystem vermögen solche Aktivierungen längerfristig das geordnete Zusammenspiel physiologischer Funktionen zu beeinträchtigen und pathophysiologische Prozesse zu begünstigen, bis hin zu organischen Läsionen« (Siegrist, 1998, S. 273).

Beachtet man also die biopsychosoziale Integration, dann wird das erhebliche pathogene Potenzial der sozioökonomischen Lebenssituation und des sozialen Status erklärbar: Armut, relative Benachteiligungen und ungünstige Wohn- und Arbeitsverhältnisse wirken begünstigend auf die Entwicklung und den Verlauf akuter und chronischer körperlicher und psychischer Erkrankungen. Diese sind aus biopsychosozialer Perspektive immer in ihrer Einbettung in soziale und soziokulturelle Kontexte zu sehen (also auch »soziopsychobiologisch«).

1.3 Das biopsychosoziale Modell als Grundlage kooperativer multidisziplinärer Intervention

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in verschiedenen umfassenden globalen Rapporten, z. B. den Weltgesundheitsberichten (WHO, 2001b, 2003), die biopsychosoziale Forschungsevidenz beschrieben, mit der heute die grundlegenden Determinanten psychischer und psychosozialer bzw. soziosomatischer Gesundheit aufgezeigt und definiert werden können. Es gibt einen beeindruckenden wissenschaftlichen Konsens, dass gewisse Voraussetzungen sowohl auf gesellschaftlichem Niveau als auch individuell gegeben sein müssen, um Gesundheit zu fördern und Krankheit und Dysfunktion zu verhindern bzw. zu behandeln. Diese Faktoren werden maßgeblich durch die soziale Lebenslage der Menschen im gesellschaftlichen Wandel beeinflusst, auch wenn dann im Einzelfall Gesundheit oder Erkrankung Konsequenz individueller Lebensweisen, Lebenskrisen oder krankheitsbedingter Funktionsverluste sind (Rutz & Pauls, 2017).

Diese Erkenntnisse gingen ein in das biopsychosoziale Modell der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der WHO (2001a; dt. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, ICF; Abb. 1.1). Sie liefert eine länder- und fachübergreifende, einheitliche Sprache zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren einer Person. Erfasst werden Behinderungen und Beeinträchtigungen der Person, ihre Aktivitäten und ihre Situation sowie ihre Teilhabemöglichkeiten im Alltag. Die Abklärung von Ressourcen und Defiziten (Beschreibung krankheits- oder altersbedingter funktionaler Probleme) ist Voraussetzung für gezielte medizinische, psychologische und soziale Prävention und Intervention.

Abb. 1.1: Das biopsychosoziale Modell der ICF (aus DIMDI, 2005; © Copyright WHO, DIMDI, 2001–2012)

Das biopsychosoziale Modell gibt mit solchen Strukturierungen klinischer Behandlung eine Anleitung, wie Leiden und Krankheit auf verschiedenen Integrationsebenen, von der sozialen bis zur molekularen, angegangen werden können (Borrell-Carrió, Suchman & Epstein, 2004, S. 576). Seine Relevanz für das praktische sozialarbeiterische Vorgehen bei klinischen Aufgabenstellungen wird von Applegate und Shapiro (2005) folgendermaßen charakterisiert:

»The biopsychosocial integration offers a rigorously conceptualized and research-based explanatory framework for understanding how the clinical relationship works. For social work this formulation validates and privileges the quiet, sustaining, and supportive relational backdrop to the range of interventions, from assisting individual clients with emotional problems, to advocating with others on their behalf, to gaining cooperation of others toward modifying aspects of clients’ external environments. The emphasis on attachment dynamics as key to successful intervention puts as much, if not more, emphasis on the experience of ›being with‹ the client than on ›doing for‹ him or her« (S. 157).

Gemeinhin werden psychosoziale Beratung, soziale Unterstützung und Hilfen der Sozialen Arbeit als Bearbeitung von »Mittelproblemen« und dazu notwendigen Handlungsregeln verstanden, die man in Bezug auf die Lösung von sozialfunktionalen und sozialstrukturellen Problemen benötigt. Folgt man Applegate und Shapiro (2005), ist diese Betonung des Mittelbezuges zwar durchaus zutreffend, doch ebenso zutreffend ist, dass klinisch-sozialarbeiterische Fallarbeit es in hohem Maße auch mit kognitiv-emotiven Betroffenheiten der Menschen zu tun hat, die zugleich Orientierung und psychosoziale Beratung suchen und professionelle Hilfe bei der Auffindung oder Aktualisierung von Mitteln zur Problemlösung in ihrer Lebenssituation benötigen. Um sich auf die Bearbeitung der Mittelprobleme einzulassen, die sich in der Regel als engstens verzahnt mit Problemen der kognitiven wie emotionalen Orientierungsfindung erweisen, ist eine differenzierte und professionelle – oft langfristige – Beziehungsgestaltung erforderlich (Gahleitner, 2017). So präsentieren sich beispielsweise grundlegende Lebensorientierungsfragen sehr häufig zunächst als Mittelprobleme (z. B. Schulden), die nicht rein argumentativ bzw. »sachlich« beratend angegangen werden können.

Hier kommt auch deutlich die notwendige interdisziplinäre Kooperation der Psychotherapie mit der Sozialen Arbeit ins Spiel. Erst wenn jemand in der Lage ist, die eigenen Probleme mit dem eigenen Handeln und Erleben in Verbindung zu bringen, sie also nicht nur zu externalisieren, ist Veränderung durch eigenes Handeln in der sozialen Umgebung möglich. Ein erlebter Selbstbezug ist für die psychotherapeutische Bearbeitung normalerweise Voraussetzung für eine erfolgversprechende Behandlung. Gar nicht so selten kann ein solcher Selbstbezug jedoch erst in einem längeren klinisch-sozialarbeiterischen bzw. sozialtherapeutischen Hilfeprozess als Voraussetzung einer Psychotherapie oder diese begleitende Maßnahme erreicht werden. Es geht hier um einen bedeutsamen Teil der Klientel der (Klinischen) Sozialarbeit. Die Betroffenen befinden sich meist in einer Situation subjektiv und objektiv stark eingeschränkter Kontrollierbarkeit des Geschehens (also unter starkem Situationsdruck), wodurch sie ungewollten und unerwünschten negativen Erfahrungen und Situationen ausgesetzt sind, die sie in der Regel im subjektiven Erleben wahl- und chancenlos über sich ergehen lassen müssen (so zumindest ihre Wahrnehmung). In der Folge haben sie kaum einen Sinn für eigene Bewältigungskompetenzen (»mastery«) und für eigene Einfluss- oder Einwirkungsmöglichkeiten (im Sinne eines internen »locus of control«). Sie gelten oft als »hard to reach« (Labonté-Roset, Hoefert & Cornel, 2010; Gahleitner, Schulze & Pauls, 2009).

1.4 Sozial sensitive Therapie

Eine ernsthafte Anwendung des biopsychosozialen Modells bedeutet nicht, die drei Integrationsebenen nur lose nebeneinander bestehen zu lassen oder eine Ebene durch eine andere zu ersetzen (Reduktionismus). Es geht nicht darum, somatische Konzepte durch psychologische oder soziale zu ersetzen oder umgekehrt, sondern alle drei in der Versorgung zu verbinden (vgl. auch Ansen, 2001, S. 3). Sachgerecht erscheint heute die sorgfältige Beachtung aller Manifestationsebenen von Gesundheitsproblemen, die jeweils auf den unterschiedlichen Ebenen und in ihrer wechselseitigen Verflechtung und Wechselwirkung zu diagnostizieren und ggf. interdisziplinär und kooperativ zu behandeln sind. Für die Intervention im Sinne sozial sensitiver psychotherapeutischer Behandlung bedeutet dies, soziale Prozesse mit psychischen bei der Aufgabenbewältigung zu synchronisieren. Sommerfeld, Hollenstein und Krebs (2008; vgl. auch Sommerfeld, Hollenstein & Calzaferri, 2011) sehen die Aufgabenstellung Sozialer Arbeit dabei in der Koordination und Synchronisation psychischer und sozialer Prozesse im Sinne eines »integrierten Prozessbogens« (Sommerfeld et al., 2011, S. 326). Primäre sozialarbeiterische Aufgabenstellungen liegen in der Arbeit an Formen der Integration von lebensweltlichen Kontexten der Klientel, wobei man sich dabei häufig auch in der Lebenswelt der KlientInnen, in ihren »Lebensführungssystemen«, (aufsuchend) bewegt ( Abb. 1.2). Der psychotherapeutische Blickwinkel beinhaltet die Abklärung und Bearbeitung der psychologischen Problematik im Sinne individueller psychischer kognitiv-emotiver Funktionsmuster und ihr Zusammenwirken mit psychophysiologischen Prozessen. Die biomedizinische Perspektive beinhaltet eine somatische Betrachtungsweise und beurteilt eine eventuelle medikamentöse Versorgung der PatientInnen, auch unter Beachtung individueller psychischer Komponenten. Die Soziale Arbeit ist zuständig für die Unterstützung deren sozioökonomischer Angelegenheiten (Lebenslagesicherung) sowie Beratung und aktive und ggf. aufsuchende soziale Unterstützung unter Einbezug der Mitwelt (Angehörige und das weitere soziale Umfeld).


Abb. 1.2: Formen der biopsychosozialen Integration und die von der Sozialen Arbeit einzubeziehenden »Lebensführungssysteme« (aus Sommerfeld, Hollenstein & Krebs, 2008, S. 13)

Indem bspw. die Angehörigen oder auch Lehrkräfte in Schulen (z. B. in Inklusionsklassen) zu DialogpartnerInnen werden, zugleich professionelle soziale Unterstützung zur Erschließung sozialer Unterstützungsleistungen erhalten und psychosoziale Beziehungsberatung und sozialtherapeutische Begleitung erfahren, werden sie darin gestärkt, die auf sie gelegten Beanspruchungen zu tragen. KlientIn Klinischer Sozialarbeit ist deshalb oft nicht das individualisierte Subjekt allein, sondern das »Individuum-in-seiner-Welt« (»person-in-environment«; Dorfman, 1996).

Milne (1999, vgl. Pauls, 2011/2013b) fordert, im Rahmen einer social sensitive therapy das soziale Umfeld grundsätzlich als wesentlichen Wirkfaktor in die therapeutische Behandlung einzubeziehen. Zur Veranschaulichung führt Tabelle 1.1 typische soziale bzw. sozialtherapeutische Person-in-environment-Interventionsstrategien auf ( Tab. 1.1).

Tab. 1.1: Soziale Unterstützungsinterventionen im Rahmen sozialer Behandlung (Pauls, 2011/2013b, S. 322 f., modifiziert nach Milne, 1999)


InterventionsstrategieZieleMethoden

Die für die psychotherapeutische Perspektive wichtigen Dimensionen des Selbstbildes und der Selbstbewertung (die sich ja wesentlich in Interaktion mit und Abhängigkeit von ihren Mitmenschen entwickeln, destabilisieren oder stabilisieren) werden in den Interventionssettings und -methoden der Klinischen Sozialarbeit insbesondere durch die konkrete Erfahrung eigener Handlungsfähigkeit gefördert, immer auch im Rahmen von Bindung und Halt gebenden helfenden Beziehungen (Gahleitner, 2017). Sozial bzw. psychosozial beratende und behandelnde Maßnahmen Sozialer Arbeit bieten entsprechend Projekte mit einbindungs- und handlungsbezogenen Erfahrungsmöglichkeiten im Rahmen von stabilen – heilsamen – Anerkennungsverhältnissen. Dazu sind geeignete sozialstrukturelle Arbeitsbedingungen nötig (z. B. institutionelle Angebote, Projekte, Werkstätten, Gruppen), welche (a) die sozialemotionale Motivation der Betroffen durch spezifische Handlungsmöglichkeiten fördern und soziale Anerkennung hervorrufen sowie Zugehörigkeit ermöglichen und (b) den Betroffenen Selbsteinbindungsmöglichkeiten und positive Selbstregulationsmöglichkeiten (Selbstwirksamkeitserfahrungen, positive Selbstbewertung) anbieten (Pauls, 2011/2013b).

Um dem biopsychosozialen Modell in der Praxis gerecht zu werden, schlägt Egger (2005) Simultandiagnostik und kooperative Behandlung vor: Analyseebenen, Datenquellen und jeweilige funktionale Bereiche sollten medizinische ExpertInnen auf der biologischen Ebene, psychologische ExpertInnen auf der psychologischen Ebene und SozialexpertInnen auf der sozialen Ebene abklären bzw. einbringen. Anschließend wird im Rahmen einer ganzheitlichen Diagnostik ein integrativer biopsychosozialer Behandlungsplan entwickelt ( Abb. 1.3).

Abb. 1.3: Simultandiagnostik und -therapie (aus Egger, 2005, S. 10)

1.5 Zur Verantwortung multiprofessioneller Behandlung

Die Perspektive einer Manifestationsebene allein fokussiert nur einen Teilbereich des Menschen (seine Körperlichkeit, seine Persönlichkeit bzw. seine sozialen Bezüge). Bei mehreren Perspektiven gemeinsam lassen sich nicht nur die Einzelperspektiven kumulieren, sondern es sollten auch neue Integrationsebenen entstehen. Interventionen auf der sozialen Ebene bleiben in der Regel erfolglos, wenn es sich primär um eine Störung auf der psychischen Ebene handelt, die spezifischer psychotherapeutischer Maßnahmen bedarf. Diese psychologischen und psychotherapeutischen Maßnahmen müssen dann zunächst oder begleitend zu sozialen Interventionsmaßnahmen durchgeführt werden. Die soziale Intervention erfolgt somit auf sehr komplexem Niveau und muss sicherstellen, dass die biologisch-medizinische und die psychologisch-psychotherapeutische Manifestationsebene in Diagnostik und Therapie berücksichtigt und integriert werden. Allerdings sind auch Medizin und Psychotherapie aufgerufen, die soziale Manifestationsebene verantwortlich einzubeziehen. So erfolgen nicht selten medizinisch-medikamentöse Fehlbehandlungen bei sozial bedingten Störungen aufgrund ausbleibender psychosozialer Diagnostik und klinisch-sozialer Behandlungskompetenz. Ebenso sind bei vielen Störungen psychotherapeutische Interventionen mit ihrem Fokus auf innerpsychische Dysfunktionen bei »Multi-Problem-Fällen« völlig unzureichend oder gar nicht indiziert, da aufsuchende, strukturbildend-stützende und vernetzte aktive soziale Hilfen und soziotherapeutisch-beratend-begleitende Maßnahmen notwendig sind.

Biopsychosoziale Gesundheitsprobleme sind Passungsprobleme im Sinne von Diskrepanzen bzw. Inkongruenzen zwischen verschiedenen Dimensionen des menschlichen Lebens. Deshalb werden die beteiligten Behandlungsperspektiven bzw. Integrationsebenen in ihren jeweiligen Möglichkeiten und Grenzen benötigt. »Bei einem umfassenden bio-psycho-sozialen Verständnis sind biologische Konstitution, psychische Potentiale (Dispositionen, Bewältigungskompetenzen usw.), Entwicklungsanforderungen und Belastungen (z. B. familiär, schulisch, Arbeitsfeld, subkulturelles Umfeld und alters-, geschlechts-, funktions- und bereichsspezifische Standards), Entwicklungsziele und (Selbst-)Einschätzungen des Individuums, Entwicklungs- und Unterstützungsangebote in der Umwelt, die soziale Chancenstruktur (soziale und materielle Ressourcen und Mittel) immer mehr oder weniger günstig aufeinander abgestimmt. Im günstigen Falle bilden sie ein System fördernder Anregungen und Unterstützungen, die für die Entwicklung optimale Diskrepanzen aufweisen, so dass die Person durch Mobilisierung eigener Bewältigungskompetenzen neue, reifere Lösungen entwickeln und in einem hinreichend kohärenten Bild vom Selbst-in-der-Welt in gesundheitsfördernder Weise integrieren kann. Im ungünstigen Fall wirken diese Dimensionen aber gegeneinander, so dass eine Blockierung der Entwicklung erfolgt und problematische Bewältigungsversuche« (Pauls, 2011/2013b, S. 117) bzw. Erkrankungen die Folge sind. Das inzwischen durch beeindruckende empirische Evidenz der Wechselwirkungen der drei Integrationsebenen gestützte biopsychosoziale Modell stößt die Disziplinen und Berufe der Gesundheitsarbeit, hier speziell die Psychotherapie und die Klinische Sozialarbeit (wie auch die Psychiatrie), auf ihre Verantwortung gegenüber ihren PatientInnen und KlientInnen, in angemessener Weise miteinander zu kooperieren. Es ist Zeit, ein multiprofessionelles biopsychosoziales Gesundheitsförderungs- und Krankenbehandlungskonzept zu etablieren, in dem Medizin, Psychiatrie, (Klinische) Sozialarbeit und Psychotherapie (last but not least auch die Pflege) einen selbstverständlichen Platz einnehmen.

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2 Soziale Arbeit und Psychotherapie – ein schwieriges, jedoch auch fruchtbares Verhältnis
Maren Bösel, Silke Birgitta Gahleitner und Helmut Pauls

Der Einfluss von sozialen Faktoren auf die Entstehung von Krankheiten und die Forderungen nach geeigneten Konzepten der Sozialen Therapie rückten bereits vor über 100 Jahren in das Blickfeld von Medizin und Sozialer Arbeit. Den Menschen in seiner Ganzheit mit Körper, Geist und Seele zu sehen, forderte bereits Krehl (1898) als einer der ersten Mediziner. Er übernahm 1907 die Leitung der Medizinischen Klinik in Heidelberg (vgl. Gänshirt, 1986). Weizsäcker als Schüler von Krehl führte die Abteilung in seinem Sinne weiter und installierte die Soziale Therapie 1947 als Methode in der Behandlung von psychosomatischen PatientInnen. Er sah die Sozialtherapie als ärztliche Therapie für PatientInnen, bei denen die psychotherapeutische Behandlung nicht zum Erfolg führt. In diesen Fällen sollte versucht werden, die sozialen Faktoren der PatientInnen zu verändern, die zum Krankheitsgeschehen geführt hatten.

Weizsäcker (1947, 1930/1986) schreibt in seinen Ausführungen zwar die Soziale Therapie als Aufgabe den ÄrztInnen zu und nicht der Sozialen Arbeit, dennoch hat er mit seinem sozialen Verständnis von Gesundheit und Krankheit einen wichtigen Beitrag für die Soziale Arbeit geleistet, auch wenn die Würdigung seiner Arbeit vorrangig im Bereich der psychosomatischen Medizin erfolgte und bis heute erfolgt (vgl. Hahn, 2014). Mitscherlich wiederum als Schüler Weizsäckers gründete 1950 die erste Psychosomatische Klinik (vgl. Bräutigam, 1986). Dort wurde begonnen zu untersuchen, welche seelischen und sozialen Faktoren zur Entstehung von neurotischen, psychosomatischen und organischen Krankheiten führen können. Bereits in den 1970er-Jahren unterstützte eine Sozialarbeiterin die Arbeit der behandelnden ÄrztInnen und PsychologInnen in der dortigen Klinik.

Auf dem Gebiet der Sozialen Arbeit machten Anfang des 20. Jahrhunderts Richmond (1917) und Salomon (1926/2002) mit der Forderung nach Konzepten Sozialer Therapie aufmerksam. Sie empfahlen, dass soziale Kontextfaktoren routinemäßig im Verlauf eines diagnostischen Prozesses erhoben werden und somit in der Planung der daraus folgenden Interventionen Beachtung finden. Nach ihrer fachlichen Einschätzung war es für die Planung der Interventionen notwendig zu verstehen, wie man Menschen darin unterstützen kann, sich in den Gegebenheiten ihrer Umwelt zurechtzufinden und sich darin zu behaupten, bzw. inwiefern der Schwerpunkt auf der Umgestaltung der sozialen Rahmenbedingungen liegen sollte, damit sich KlientInnen entfalten können.

In den USA entwickelte sich in den 1920er- und 1930er-Jahren eine fruchtbare Begegnung von Psychotherapie und Sozialer Arbeit (detailliert rekonstruiert von Heekerens, 2016): Rank, Robinson und Taft waren wichtige Wegbereiter der Humanistischen Schule im Kontext von Social Case Work und »Functional School«.1 Diese Arbeiten hatten weitreichenden Auswirkungen auf die Konzepte von Rogers (1957) zur Klientenzentrierten Therapie, auf das Psychodrama und die Gestalttherapie.

Trotz dieser historischen Traditionen und mannigfaltigen Versuche der Annäherung ist das Verhältnis zwischen Sozialer Arbeit und Psychotherapie in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum nach wie vor von Spannungen charakterisiert (in den USA gibt es traditionell ein wesentlich offeneres Verhältnis, dort gehört eine Mehrheit der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dem Berufsstand der Social Worker an). Im Folgenden wird sich diesem Phänomen von verschiedenen Seiten aus angenähert.

2.1 Professionstheoretische Verbindungslinien und Differenzen

Soziale Arbeit befasst sich mit der »Bearbeitung gesellschaftlich und professionell als relevant angesehener Problemlagen« (Klüsche, 1999, S. 44) und verweist damit im Gegensatz zu Medizin und Psychologie auf einen parteilichen, sozialpolitisch ethischen Auftrag (vgl. hier und im Folgenden, falls nicht anders genannt, Gahleitner & Pauls, 2010). Dies bedingt unterschiedliche Professionalisierungslinien und Institutionalisierungsmodalitäten (Gildemeister & Robert, 2005, S. 1908). In den aktuell voranschreitenden gesellschaftlichen Exklusions- und Fragmentierungsprozessen benötigen Fachkräfte der Sozialen Arbeit, die mit Menschen in biopsychosozialen Notlagen arbeiten, daher Konzepte der Bewältigungsunterstützung, mit denen sie Anschluss an die biografischen Erfahrungen einschließlich der lebensweltlichen Bedingungen ihrer AdressatInnen finden (Keupp, 1991). Seit der Einrichtung des Psychotherapeutengesetzes (1998) hat die aus dem Gesundheitswesen finanzierte Psychotherapie an diese Entwicklung mehr und mehr den Anschluss verloren. Die aufwendige zugehende und netzwerkintensive Arbeit ist in den Kassenverträgen nicht vorgesehen und in der ambulanten Psychotherapiepraxis kaum zu leisten (Gahleitner, Borg-Laufs & Zurhorst, 2008).

Folgt man empirischen Befunden, ist der Bedarf an genau diesem doppelt fokussierten Angebot (Geißler-Piltz, Mühlum & Pauls, 2005) jedoch steigend und kann ohne eine hinreichende Förderung der individuellen Lebenslage mit ihren psychosozialen Faktoren ebenso wenig beantwortet werden wie durch eine zu enge Fokussierung auf psychophysische Aspekte (Pauls, 2011/2013). Psychosoziale Praxis muss daher – in einem gekonnten interdisziplinären und interprofessionellen Konzert – in der Lage sein, beide Aspekte miteinander zu verknüpfen. In diesem Zusammenhang hat Soziale Arbeit die Aufgabe, neben anderen wichtigen Kompetenzen auch therapeutische bzw. therapeutisch beratende Qualitäten in den Hilfeprozess einzubringen (Pauls & Reicherts, 2014). Diese Kompetenz – im Sinne einer »socially sensitive therapy« (Milne, 1999, S. 110) – verortet Soziale Arbeit als souveräne Disziplin im Sozial- und Gesundheitswesen, ohne ihren professionellen Auftrag »beruflich geleisteter Solidarität mit Menschen … in sozialen Notlagen« (DBSH, 1997, S. 1) zu verraten.

Die Notwendigkeit, sich Kenntnisse über psychotherapeutische Konzepte anzueignen, um in psychosozialen Feldern der Berufspraxis gewappnet zu sein, wird aktuell immer wieder in Seminaren mit Studierenden Sozialer Arbeit und im Fachdiskurs erörtert. Allerdings gibt es hier nach dem Bruch durch die nationalsozialistische Diskreditierung einer therapeutisch orientierten (Psycho-)Sozialen Arbeit (und der jüdischen ProtagonistInnen wie Salomon, Wronsky, Kronfeld) einen weiteren geschichtlichen Bruch, der das Verhältnis der Sozialen Arbeit zu den medizinischen und psychologischen Disziplinen und Professionen in Deutschland bis heute beeinträchtigt. Insbesondere in den 1970er-Jahren übten SozialwissenschaftlerInnen Kritik an sog. pathologisierenden Konzeptionen und Praktiken. Damit wurde auch in Deutschland – in der Folge der 68er-Bewegung – eine Kontroverse innerhalb der Sozialen Arbeit ausgetragen, die Goldstein (1980) bei den Debatten um die Etablierung der Clinical Social Work in den USA mit den Begriffen »people helper« versus »societal changer« (S. 173) beschrieben hatte. Im Zentrum der Kritik standen die »Individualisierung sozialer Problemlagen« (Galuske & Müller, 2005, S. 500) und die darin implizierte »Pathologisierung der Klienten« (ebd.; vgl. auch Meinhold, 2005).

Eine fatale Folge dieser bedeutsamen »kritischen« Wende der Sozialen Arbeit (Thole, 2005) bestand jedoch darin, dass das disziplinär entstandene Vakuum in der Praxis der Fallarbeit von vielen SozialarbeiterInnen durch psychotherapeutische Fortbildungen inkl. eines Identitätswechsels dorthin gefüllt wurde (Geißler-Piltz et al., 2005). Nach Ohling (2015) war eine wichtige Ursache dieser Entwicklungen die in Deutschland tradierte »Identitätskrise« der Profession Soziale Arbeit. Die »direct practice« (Goldstein, 1980, S. 175) der »people helper« (ebd., S. 180), die in den 1970er-Jahren in den USA ein spezifisches sozialarbeiterisches Profil in der Clinical Social Work fand, entwickelte sich in Deutschland zunächst nicht selten weiter von den Aufgaben der Sozialen Arbeit weg, nicht – wie gefordert – zu den Kernproblemen benachteiligter Lebenslagen und sozialer Teilhabe im Kontext psychischer Störungen und Erkrankungen hin (Gahleitner, 2006). Mit dem Entstehen der Klinischen Sozialarbeit in Deutschland seit Mitte der 1990er-Jahre wurde der Arbeit an der sozialen Dimension menschlichen Seins sowie der Arbeit am Verhalten und an den Verhältnissen eine neue (teil)disziplinäre Bleibe geboten, sodass klinisch-therapeutisch arbeitende SozialarbeiterInnen nicht mehr durch eine psychotherapeutische Weiterbildung notwendigerweise die soziale gegen die psychische Dimension austauschen mussten. Ohling (2015) zeigt das bereichernde Potenzial einer solcherart orientierten Sozialarbeit exemplarisch im Kontext von Gesundheitsarbeit, Suchtkrankenhilfe, aufsuchender Familientherapie oder multisystemischer Familientherapie.

Mit der Einführung des Psychotherapeutengesetzes (1998) wurde zudem das Verständnis von Psychotherapie als verordnungsfähige Kassenleistung auf die individuum- und störungszentrierte ärztliche und psychologische Psychotherapie eingegrenzt (Großmaß, 2004), obwohl laut Gutachten zur Lage der Psychotherapie (Meyer, Richter, Grawe, Graf von der Schulenburg & Schulte, 1991) in Deutschland für die Bundesregierung festgehalten worden war, dass ca. ein Drittel der Psychotherapien mit Erwachsenen durch SozialpädagogInnen bzw. SozialarbeiterInnen durchgeführt wurden (in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie waren beinahe 90 Prozent der »PsychagogInnen« aus dieser Berufsgruppe). Als fatal für die Zusammenführung der beiden professionellen Stränge erweist sich die Tatsache, dass nach dem Psychotherapeutengesetz Tätigkeiten, »die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben« (PsychThG, § 1 Abs. 3; Deutscher Bundestag, 1998), nicht zur Ausübung von heilkundlicher Psychotherapie gehören. Das Verhältnis zwischen Psychotherapie und Sozialarbeit in Deutschland ist von diesem Sachverhalt stark geprägt (vgl. zu diesem Diskurs u. a. Heekerens, 2016; Enders & Heekerens, 1994; Johach, 1993; Galuske & Müller, 2005; Gildemeister & Robert, 2005; Müller, 1995; Dörr, 2002; Eyferth & Neumann-Mehring, 1978; Pfannendörfer, 1991). Von sozialpädagogischer Seite werden dabei insbesondere die Abkehr von benachteiligten KlientInnengruppen, eine Verengung von komplexen soziopsychischen Problemdefinitionen und Hilfeformen sowie eine Vernachlässigung reflexiver Kritik in Bezug auf Machtverhältnisse befürchtet (vgl. zusammenfassend Müller, 1995). Bei genauerer Betrachtung finden sich jedoch viele Hinweise für gegenteilige Entwicklungen: Ohne die Präsenz der Sozialen Arbeit in therapeutischen Handlungsfeldern gäbe es eine beachtlich große KlientInnengruppe, die gar nicht oder nicht in der notwendigen Komplexität und methodischen Breite adäquat versorgt würde (vgl. u. a. Gahleitner, Borg-Laufs & Zurhorst, 2008; Köppel, 2005; Rauchfleisch, 1996/2004; Pauls, 2011/2013; Rutz & Pauls, 2017).

Will man es auf den Punkt bringen, könnte man sagen, Psychotherapie als »bewusster, geplanter, interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen … mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens« (Strotzka, 1975, S. 4) hat Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit zum Ziel. Soziale Arbeit befasst sich mit der »Bearbeitung gesellschaftlich und professionell als relevant angesehener Problemlagen« (Klüsche, 1999, S. 44) und verweist damit in Abgrenzung zu Medizin und Psychologie auf einen ethisch fundierten sozialpolitischen Auftrag. Gemeinsam ist diesen beiden Professionen eine »qualitative Differenz zu ›naturwüchsigem‹ sozialen Handeln« (Gildemeister & Robert, 2005, S. 1906). In der Sozialen Arbeit wird jedoch über das Erleben und Verhalten hinaus Verhalten in sozialen Verhältnissen adressiert (»person-in-environment«), soziale Integration und soziale Teilhabe sind das primäre Ziel. Eine (klinisch profilierte) Soziale Arbeit kann keinesfalls ausschließlich »objektive Problemverstrickungen« (ebd., S. 1904) bearbeiten, um die im Verlauf der Biografie internalisierten Folgen sozialer Probleme zu lösen (vgl. insbesondere Sommerfeld, Dällenbach, Rüegger & Hollenstein, 2016).

Im Abgrenzungsdiskurs der Sozialen Arbeit von psychotherapeutisch geprägten Konzepten und Kompetenzen (Galuske, 1998) ist allerdings nicht selten verloren gegangen, dass auch in der Psychologie, insbesondere der Gemeindepsychologie (vgl. u. a. Keupp, 1987, 1991; Kardorff, 1985) und Sozialpsychiatrie (Dörner & Plog, 1978), ein wesentlich umfassenderes Verständnis von Psychotherapie als Gesundheitsarbeit unter Einbezug des sozialen Kontextes existiert, das der Sozialen Arbeit in klinischen Handlungsfeldern sehr nahe steht (Pauls, 2011/2013). Hey (2000) kommentiert: »Psychotherapeutische Methoden basieren … auf systematisierten Formen personaler Interaktion bzw. Kommunikation, die sich hinsichtlich ihrer Grundkonzeptionen nicht für irgendeine Berufsgruppe monopolisieren lassen« (S. 186).2 In den USA wurde eine Reihe zielgruppen- und arbeitsfeldspezifischer Ansätze aus sozialarbeiterischer Sicht unter Einbezug psychotherapeutischer Schulen erarbeitet (vgl. u. a. Dorfman, 1996; Turner, 1997). »Case Work« als einzelfallbezogene Beratung, Begleitung und Unterstützung in prekären Lebenslagen wurde ursprünglich aus der Psychoanalyse heraus entwickelt (Dörr, 2002, 2005; Neuffer, 1990).

Auch Dorfman (1996) stellte sich diesem Spannungsverhältnis ausdrücklich und prägte in den USA den Begriff der »psychotherapy plus« (S. 41). Dieses »plus« ist definiert durch die Vielzahl von Aufgaben der SozialarbeiterInnen, die – im Unterschied zu anderen Professionen – vermitteln, unterstützen, Ressourcen erschließen, erziehen, koordinieren, beraten und den Beratungs-/Behandlungsprozess erforschen und auswerten. Damit schloss sie an die Tradition »sozialer Diagnose« und »sozialer Therapie« der Pionierinnen Richmonds (1917, 1922) und Salomons (1926/2002) an. Eine Vielzahl von Beratungsstellen fußt auf und arbeitet aus dieser Perspektive mit psychotherapeutisch geprägten Ansätzen, Methoden und Techniken, die inzwischen auch in Deutschland für eine Reihe von Arbeitsfeldern und Zielgruppen der Sozialen Arbeit ausdifferenziert wurden (vgl. u. a. Pauls, Stockmann & Reicherts, 2014; Pauls, 2011/2013; Schaub, 2008; Schwendter, 2000; Herausgabebände »Klinische Sozialarbeit« von Dörr, 2002; Gahleitner & Hahn, 2008; Ortmann & Röh, 2008; Zeitschrift »Klinische Sozialarbeit – Zeitschrift für psychosoziale Praxis und Forschung« 2005 ff.). Professionelle Beziehungsarbeit, Gesprächsführung, Beratung, Soziotherapie und Krisenintervention sind ohne diese Wissensbestände gar nicht denkbar. Aus dieser Perspektive kann von der Psychotherapie sogar als »Spezialfall sozialer Beratung« (Crefeld, 2002, S. 32) gesprochen werden, bzw. klinisch orientierte Sozialarbeit könnte aus dieser Perspektive mit ihrer gelungenen Interdependenz von Psychodynamik und Soziodynamik (Schulze, 2006) als Dach für soziale Beratung und Therapie dienen (Crefeld, 2002; Dörr, 2002; Kling-Kirchner, 2000).

2.2 Möglichkeiten einer strukturellen Integration des Spannungsverhältnisses

Die Notwendigkeit, Soziale Arbeit in die psychotherapeutische Versorgung zu integrieren, ist zwar für viele Arbeitsfelder nicht gesetzlich verankert, dennoch gibt es aber oft Möglichkeiten der Integration. In der psychosomatischen Akutversorgung z. B. ist der sozialarbeiterische Anteil nicht so stark verankert wie im Bereich der stationären psychiatrischen Versorgung (vgl. Psych-PV: Deutscher Bundestag, 1998), aber es gibt durchaus Richtlinien, auf die man sich beziehen kann. Die allgemeine gesetzliche Verpflichtung von Krankenhäusern, ihren Versicherten soziale Betreuung und Beratung anzubieten und die poststationäre Nachsorge zu organisieren nach § 112 SGB V (vgl. Becker & Kingreen, 2016), kann auch für den Bereich der psychotherapeutischen Akutversorgung herangezogen werden. Darüber hinaus bietet der zur stationären Versorgung eingesetzte Katalog zur Kodierung von Operationen und Prozedurenschlüssel (OPS) des Deutschen Institutes für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) eine wichtige Grundlage für die Integration von Sozialarbeit in die psychotherapeutische Versorgung.

Sowohl in der Regelbehandlung wie auch bei der psychosomatisch-psychotherapeutischen Komplexbehandlung bei psychischen und psychosomatischen Verhaltensstörungen bei Erwachsenen wird sogar erwartet, dass im Bereich der SpezialtherapeutInnen u. a. SozialarbeiterInnen im Behandlungsteam vertreten sind (DIMDI, 2016, 9-60 bis 9-64). Das Vorliegen von drohenden oder bestehenden psychosozialen Notlagen wird auch als kodier- und abrechnungswürdig benannt. Hierzu zählen nach OPS 9-646 folgende Situationen:

• »Klärung und Regelung gravierender finanzieller Notlagen (z. B. massive Verschuldung in Abhängigkeit von der jeweiligen sozialen Situation des Patienten, Privatinsolvenz oder verlorener Krankenversicherungsschutz)

• Klärung und Regelung bei unmittelbar drohender oder eingetretener Erwerbslosigkeit (z. B. Abmahnung, erfolgte Aussprache der Kündigung)

• Klärung und Regelung der Wohnsituation bei unmittelbar drohender oder eingetretener Obdachlosigkeit (z. B. hohe Zahlungsrückstände, erfolgte Kündigung der Wohnung oder Räumungsklage)

• Klärung und Regelung der Weiterversorgung abhängig betreuter Angehöriger (z. B. Kinder) bei unmittelbar fehlender Versorgung durch Dritte« (ebd.; 9-646).

Die in diesem Zusammenhang auftretenden Leistungen werden in der Regel von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen erbracht (»erhöhter Aufwand bei drohender oder bestehender psychosozialer Notlage bei Erwachsenen«; ebd.).

Als weitere richtungsweisende Grundlage für die Einbindung von sozialarbeiterischen Kompetenzen in die stationäre psychotherapeutische Versorgung dient die S3-Leitlinie »Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen« (DGPPN, 2013). Sie greift u. a. alltagsrelevante und soziale Themen auf, die in der Behandlung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. Hierzu zählen die Bereiche Training von Alltags- und sozialen Fähigkeiten, Arbeitsrehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben sowie Wohnangebote für psychisch kranke Menschen. Auch wenn die Leitlinie ihren Fokus sehr stark auf den Bereich der psychiatrischen Versorgung von schwer psychisch kranken Menschen legt, sind die genannten Bereiche der beruflichen Reintegration, der Stärkung der Alltagskompetenzen sowie Fragen der Unterstützung von selbstständigem Wohnen auch in der täglichen Arbeit auf einer psychosomatischen-psychotherapeutischen Station präsent.

Neben diesen vorliegenden Richtlinien, die den Einsatz von Sozialer Arbeit im Bereich der Psychotherapie auf der rechtlichen Ebene stützen, ist es jedoch notwendig, die beiden Disziplinen auch handlungstheoretisch einander anzunähern. Beratende sozialarbeiterische und therapeutische Aufgaben können nicht als einander ausschließend betrachtet werden, sondern weisen eine hohe Überschneidungsfläche auf, die sich interprofessionell hervorragend qualitätssteigernd nutzen lässt (vgl. z. B. für das Feld der Kinder- und Jugendhilfe Gahleitner, 2017; Romanowski & Pauls, 2017). Die gravierenden sozialen Probleme, die häufig mit den psychischen und psychosomatischen Erkrankungen verbunden sind, setzen die betroffenen PatientInnen und BehandlerInnen im Falle des Nichtgelingens der Verbindung sonst oft unter großen Handlungsdruck. Viele der damit verbundenen Herausforderungen scheinen im Rahmen einer Psychotherapie nur schwer lösbar und können zu Chronifizierung beitragen (vgl. für den Bereich der Suchtbehandlung eine exemplarische Falldarstellung bei Lammel & Funk, 2017).

PsychotherapeutInnen in ihrer täglichen Arbeit Handlungsstrategien zu vermitteln, um mit gravierenden sozialen Problemen ihrer PatientInnen einen fachlich adäquaten Umgang zu finden, ist daher von einer großen Bedeutsamkeit. In der psychotherapeutischen Versorgung zeigt sich jedoch, dass weder die Ausbildungsinhalte noch die beruflichen Rahmenbedingungen ärztlicher oder psychologischer PsychotherapeutInnen darauf ausgerichtet sind, hinreichende Kompetenzen zu erwerben, um den komplexen sozialen Problemen hochbelasteter PatientInnen angemessen begegnen zu können. Drei einander ergänzende Strategien scheinen vor diesem Hintergrund von hoher Relevanz, um sozialen Krisen von betroffenen PatientInnen adäquat zu begegnen: (1) die Steigerung der Sensibilität von PsychotherapeutInnen für das Erkennen von ernsthaften sozialen Krisen und der Kompetenzen in deren Begleitung, (2) die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Klinischen Sozialarbeit und (3) die Integration von sozialtherapeutischen Konzepten in einen psychotherapeutischen Gesamtbehandlungsplan (vgl. Bösel, Siegfarth, Schauenburg, Nikendei & Ehrenthal, 2014; Bösel, 2017)

In den nun folgenden Kapiteln im Abschnitt B und C wird vertiefend auf die genannten Strategien eingegangen. Abschließend kann zudem konstatiert werden, dass es im Bereich der Ausbildung von PsychotherapeutInnen in den letzten Jahren erste Ansätze gibt, dem Aspekt der sozialen Faktoren und den notwendigen Handlungsstrategien im Umgang mit ihnen einen höheren Stellenwert einzuräumen. So gibt es z. B. im Masterstudiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie am Psychologischen Institut der Universität Kassel ein verpflichtendes Blockseminar zu dieser Thematik, und seit 2012 ist hierzu eine Lehrveranstaltungsreihe fester Bestandteil im Rahmen der Psychotherapieausbildung am HIP der Uniklinik Heidelberg. Es lässt also hoffen, dass die Professionen sich in der Zukunft weniger in Abgrenzung als in Zusammenarbeit definieren.

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1 Heekerens’ (2016) Explikationen zu den grundlegenden Konzepten der Functional School zeigen die Möglichkeiten eines sozial akzentuierten (psycho)therapeutischen Profils und heben besonders die Verschränkungen der Beziehungsarbeit mit Merkmalen sozialer Organisationen hervor.

2 Methodisch haben sich z. B. der humanistische (Rogers, 1957) und der systemische (Heekerens, 1990) Ansatz von Beginn an massiv von medizinischen Vorstellungen abgegrenzt und Psychotherapie stärker als psycho-soziale Beziehungsarbeit verstanden. Auch die Verhaltenstherapie hat sich in den 1980er-Jahren in der Sozialen Arbeit engagiert und ein psychosoziales Profil gezeigt (Schmitt, 1988).

3 Klinische Sozialarbeit und Sozialtherapie – Expertise Sozialer Arbeit in der Behandlung von Menschen mit und in sozialen und gesundheitlichen Multiproblemlagen
Dario Deloie, Helmut Pauls und Gernot Hahn
3.1 Problemstellung: Die »Hard-to-reach«-Klientel und ihre multiple Notlage

Die Klinische Sozialarbeit widmet sich seit mehreren Jahrzehnten aus biopsychosozialer Perspektive einer mehrfach belasteten Klientel, die oft für die Psychotherapie besonders schwer oder – zunächst – gar nicht erreichbar ist. Für diese Menschen, die als besonders herausfordernd betrachtet werden, haben sich in den unterschiedlichen Disziplinen Begriffe etabliert, die spezifische Sichtweisen auf die KlientInnen eröffnen und Handlungsoptionen evozieren. Im tiefenpsychologischen Kontext beispielsweise fand der Begriff »frühe Störung« Anwendung, der den Zeitpunkt der Genese der Problemlage in Augenschein nimmt. Häufig wird auch von »SystemsprengerInnen« oder »Drehtür-Klientel« gesprochen – Begriffen, die die Belastungen der KlientInnen und der behandelnden Institutionen kennzeichnen. Die »S3-Leitlinie: Psychosoziale Therapie bei schweren psychischen Erkrankungen« (DGPPN, 2013) spricht der internationalen Literatur entsprechend von Menschen mit »severe mental illness« (ebd., S. 3), die über einen längeren Zeitraum »Krankheitssymptome aufweisen, die mit erheblichen Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens und das soziale Funktionsniveau einhergehen … [und] mit einer intensiven Inanspruchnahme des Behandlungs- und psychosozialen Hilfesystems verbunden sind« (ebd.; Erg. v. Verf.). In der Klinischen Sozialarbeit hat sich in der Zwischenzeit der Begriff »Hard-to-reach«-Klientel etabliert und bezeichnet damit KlientInnen, »die dringend Unterstützung benötigen, jedoch vom Gesundheits- und Sozialsystem nur mangelhaft versorgt und erreicht werden. Oft sind sie durch multiple, häufig existenzielle, Problemlagen und Krankheitszustände bedroht. Meist verfügen sie in ihrem Umfeld nicht über eine ausreichende soziale An- und Einbindung« (Gahleitner, 2012, S. 37). Bei dieser Klientel kommt es zu einer Akkumulation psychischer Erkrankung und sozialer Problemlagen. Im Kontext der Klinischen Sozialarbeit ist der Begriff weiter gefasst als bei der DGPPN und bezieht neben psychischen Erkrankungen auch andere psychosoziale Notlagen ein. Pauls (2011/2013, S. 22) hat in seiner Monografie zur Klinischen Sozialarbeit den Gegenstandsbereich bzw. die Zielgruppe von Menschen in psychosozialen Krisen, multiplen Problemlagen und mit psychischen, psychosomatischen, soziosomatischen und körperlichen Erkrankungen im Fokus. Gahleitner (2012), die Bezug nimmt auf Labonté-Roset, Hofert und Cornel (2010), sieht darin KlientInnen, die aus belasteten Milieus stammen und keinen adäquaten Zugang zu Hilfesystemen finden. Im Fokus sind dabei einerseits die Barrieren aufseiten der Hilfesysteme, die nicht mit passgenauen Angeboten auf Notlagen antworten, auf der anderen Seite die KlientInnen, die aufgrund früher »zumeist … schwer erschütterter Bindungsrepräsentationen – sozial schlecht integriert sind und … [deren] Vertrauen in Menschen und Institutionen durch zahlreiche Abbrüche zerstört wurde« (Gahleitner, 2012, S. 38; Erg. v. Verf.).

Entlang der oben dargestellten Überlegungen sind sozialtherapeutische Maßnahmen Klinischer Sozialarbeit in die Krankenbehandlung immer dann einzubeziehen, wenn die soziale Dimension der Klientel in störungs- bzw. krankheitsrelevantem Ausmaß betroffen ist. Dabei wird der Beitrag innerhalb eines biopsychosozialen Modells von Krankheit und Gesundheit nicht auf die Folgeschäden als tertiäre Soziogenese begrenzt. Soziale Faktoren können, wie ein schlechter sozioökonomischer Status, primäre psychische und/oder somatische Erkrankungen in Verlauf, Ausprägung der Symptomatik und Grad der Chronifizierung verstärken, im Sinne einer indirekten Soziogenese. Stehen soziale Aspekte innerhalb einer multifaktoriellen Genese im Zentrum, kann – Strotzka (1975) folgend – von einer primären oder direkten Soziogenese gesprochen werden (vgl. auch Pauls, 2011/2013; Deloie, 2015). Beispielhaft sei das Modell der beruflichen Gratifikationskrisen (vgl. Siegrist, 1996, S. 97–117) aufgeführt, das – vereinfacht gesagt – einen Zusammenhang zwischen hoher Arbeitslast, geringer Belohnung und beispielsweise dem Neuauftreten von Alkoholabhängigkeitserkrankungen bei Männern aufzeigen konnte (Head, Stansdeld & Siegrist, 2004). Dass ein solches Modell nie allein ein soziales sein kann, zeigt sich daran, dass bei der beschriebenen Kohorte von Männern vor der Entwicklung der Suchterkrankung starke negative Emotionen als Reaktion auf die Verletzung der sonstigen stabilen kulturellen Norm zwischen Arbeit und Belohnung (reziprokes Verhältnis zwischen Nehmen und Geben) auftraten – also psychologische Merkmale. Die Indikation für die sozialarbeiterische (Mit-)Behandlung kann zusammenfassend mit Pauls und Lammel (2017) in pathogenen Prozessen gesehen werden, die »durch prekäre und belastende soziale Lebenslagen in bedeutsamer Weise ausgelöst und aufrechterhalten werden und/oder komplikationsreich verlaufen und mit sozialen Konsequenzen verbunden sind, die die Patientinnen und Patienten nicht nur belasten, sondern den Heilungsverlauf in relevanter Weise beeinflussen« (S. 8). Damit liegen im Zentrum des Behandlungsgeschehens »sozialpathologische Risikofaktoren«, die in anderen Heilberufen, wie beispielsweise der Psychotherapie oder Psychiatrie, nur von marginalem Interesse sind (Pauls & Hahn, 2015, S. 32).

3.2 Klinische Sozialarbeit als Antwort auf einen spezifischen Bedarf

Als Reaktion auf veränderte gesellschaftliche Entwicklungen und die Auswirkungen sozialer Probleme auf die Gesundheit von sozial marginalisierten und besonders bedürftigen Menschen bildete sich bereits mit Beginn des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten und parallel dazu in Deutschland ein neues berufliches Profil des Helfens heraus: Social Work bzw. Sozialarbeit. Bereits früh erkannten die ersten Protagonistinnen, dass das krankheitsbedingte Leid des einzelnen Menschen im Zusammenhang mit den Umweltfaktoren stand. Salomon und Wronsky (z. B. 1926) stellten in den 1920er-Jahren in der Folge von Richmond (1917) explizit und ausführlich sozialtherapeutische Anwendungskonzepte vor. Sie wurden allerdings durch den Nationalsozialismus unterdrückt und gerieten weitgehend in Vergessenheit. Richmond lenkte die Aufmerksamkeit auf die Person in der Umgebung (vgl. »person-in-environment« nach Bartlett, 1970). Einen wichtigen Beitrag zur historischen Identität der Clinical Social Work in den USA leistete die »funktionale« Schule des US-amerikanischen Social Casework, mit ihren Begründerinnen Robinson (1930) und Taft sowie deren Mentor Rank (zur Rolle der Functional School und Ranks vgl. Heekerens & Ohling, 2005; zum Verhältnis von Sozialer Arbeit und Psychotherapie vgl. Heekerens, 2016). Der Begriff Clinical Social Work (CSW) trat gegen Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre in den professionellen Sprachgebrauch in den USA ein. Die Charakterisierung der Clinical Social Work durch Maguire (2002) betont theoretische und methodische Merkmale, die auch unser Verständnis der Sozialtherapie kennzeichnen: »Clinical social work practice is a systems-based approach that integrates advanced methods with empirically validated techniques and an eclectic framework« (S. 36; vgl. auch Pauls, 2011/2013, S. 15).

In Deutschland wurde der Begriff Klinische Sozialarbeit von Senftleben 1988 synonym für den Krankenhaussozialdienst kritisch verwendet. Feinbier, der 1997 die erste deutschsprachige Monografie zur Klinischen Sozialarbeit verfasste, führte den Begriff aus der terminologischen Engführung des Krankenhaussozialdienstes heraus. Der Sozialarbeitswissenschaftler Wendt stellte 1995 einen Bezug zum amerikanischen Clinical Social Work her und definiert Klinische Sozialarbeit »als Einsatz professioneller Sozialarbeit in der Behandlung psychosozialer und soziosomatischer Beeinträchtigungen und Störungen sowie in der Teilhabe an der Heilbehandlung von Krankheiten und an der Wiederherstellung von Gesundheit generell« (Wendt, 1998, S. 173). Es folgte eine Reihe grundlegender Veröffentlichungen zur Präzisierung. 2011 fasste Deloie den Stand um die Diskussion der Klinischen Sozialarbeit zusammen und unterscheidet Ansätze Klinischer Sozialarbeit nach dem Einbezug bezugswissenschaftlicher Quellen und unterschiedlicher Interventionsformen:

• gesundheitsbezogene, gesundheitsfördernde Klinische Sozialarbeit (u. a.: Feinbier, 1997; Senftleben, 1988);

• beratende Klinische Sozialarbeit (u. a. Ansen, 2008), verortet im Arbeitsfeld des Gesundheitswesens; die Differenz beider Perspektiven zu einer generalistisch orientierten Sozialen Arbeit ist kaum zu identifizieren;

• Klinische Sozialarbeit als Sozialtherapie für Menschen in Multiproblemlagen (Binner & Ortmann, 2008; Ortmann & Röh, 2014a, b); Sozialtherapie sollte sich dabei aus den Theorien der Sozialen Arbeit erklären;

• Klinische Sozialarbeit als psychosozialer Behandlungsansatz und Teildisziplin Sozialer Arbeit mit dem Paradigma der »Person-in-Environment-Perspektive« (Pauls, 2004, 2011/2013; mit der bisher umfangreichsten Monografie zu Klinischer Sozialarbeit).

Pauls (2011/2013) öffnet den Blick für sozialstrukturelle Lebensbedingungen bzw. die konkreten Lebenslagen Betroffener und damit verbundene Exklusionsphänomene (ebd.). Psychosoziale Behandlung trägt »zur Verbesserung der psycho-sozialen Passung zwischen Klient bzw. Klientensystem und Umwelt« (ebd., S. 16) bei; Zielgruppe sind (wie bei Binner & Ortmann, 2008; Ortmann & Röh, 2014a, b) die »Hard-to-reach«-AdressatInnen, die unter »schweren Belastungen, Krisen und psychischen, sozio- und psychosomatischen sowie chronischen Erkrankungen« leiden (Pauls, 2011/2013, S. 16). Damit wird im Ansatz von Pauls – und da können wir Stimmer (2012) folgen – für die Klinische Sozialarbeit eine »eigenständige Entwicklung von Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit in Verbindung mit Nachbardisziplinen (Psychologie, Medizin, Psychotherapie, Psychiatrie …)« (S. 143) betont.

3.3 Sozialtherapie als methodisches Konzept der Klinischen Sozialarbeit

Seit einigen Jahren widmet sich die Sektion Klinische Sozialarbeit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit in mehreren (mit) angestoßenen Publikationen und wissenschaftlichen Kolloquien Fragen der sozialtherapeutischen Intervention (auch »Soziale Therapie«; die Termini Soziotherapie nach § 37a SGB V und Soziale Psychotherapie nach Deloie, 2011, werden als Sonderformen der Sozialtherapie identifiziert). Sozialtherapie kann allgemein als ein Ansatz der sozialarbeiterischen Behandlung bezeichnet werden, die differenzierte soziale und psychosoziale Interventionsformen inkludiert (vgl. Pauls & Lammel, 2017, S. 8). Eine umfassende Definition findet sich bei Deloie (2017, S. 180):

»Sozialtherapie wird verstanden als ein wissenschaftliches Methodenkonzept der Klinischen Sozialarbeit und deren zugrunde liegenden Leitideen, das auf /Menschen mit multiplen gesundheitlichen und psychosozialen Problemlagen und ihre oftmals prekäre Umwelt gerichtet ist. Vor dem Hintergrund der zentralen Person-in-Environment-Perspektive und auf Basis einer professionellen Beziehungsgestaltung erfolgen die psychosozialen Interventionen auf drei Ebenen: der Ebene der Person, der Ebene der Umwelt und der Passung zwischen der individuellen und sozial-strukturellen Ebene. Als methodische Handlungsformen kommen u. a. zum Einsatz die psychosoziale Diagnostik, die psychosoziale Beratung, die Förderung von sozialer Unterstützung, die Netzwerkarbeit, das Casemanagement, die soziale Rehabilitation, die Krisenintervention und die Milieutherapie. Die Sozialtherapie trägt zur Behandlung von psychosozialen Notlagen bei, unterstützt Klientinnen und Klienten bei ihrer persönlichen, sozialen und schulisch-beruflichen Entwicklung, ist gesundheitsfördernd und versucht, soziale und strukturelle Problemlagen abzubauen bzw. präventiv zu verhindern. Das Hauptziel jeder sozialtherapeutischen Intervention ist die gesellschaftliche Teilhabe. Sozialtherapie kann somit als ein heilendes und inklusionsförderndes Verfahren für Hard-to-reach-Klienten verstanden werden.«

Um dem Anspruch dieses Ansatzes gerecht zu werden, greift Klinische Sozialarbeit bzw. das methodische Konzept der Sozialtherapie auf eine Vielzahl von Wissensbeständen, u. a. der Sozialwissenschaften einschließlich und besonders der Sozialen Arbeit, der Medizin, der Psychologie – insbesondere der Klinischen Psychologie – und der Psychotherapie zurück. Ortmann, Röh und Ansen (2017, S. 37–40) nehmen theoretischen Bezug auf systemtheoretische Grundlagen mit dem Fokus der Einbindung des Menschen in seine soziale Umwelt. Im Zentrum des Interesses stehen die Kommunikationsprozesse insbesondere in familiären Systemen. Spezifisch beziehen sie die soziale Netzwerkforschung mit dem Konzept des Social Support ein, d. h. Überlegungen zu vorhandenen bzw. fehlenden, ggf. aktivierbaren, aber auch malignen sozialen, materiellen und emotionalen Unterstützungsleistungen, die aus Familien, Freundeskreisen, Nachbarschaften etc. hervorgehen. Eine wichtige Rolle spielen auch milieutherapeutische Überlegungen, die Röh (2017) für die Sozialpsychiatrie skizziert hat (S. 142 ff.) und die auf alle Felder der Sozialtherapie übertragbar sind. Sie beschreiben Orte in stationären, aber auch ambulanten Settings, die u. a. Schutz und Geborgenheit bieten und damit Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Es zeigt sich eine Nähe zum Konzept »schützende Inselerfahrungen« nach Gahleitner (2005, S. 63) in der Arbeit mit traumatisierten Menschen und dem Konzept »heilende Atmosphäre/therapeutisches Klima« nach Petzold (1993, S. 1168 ff.). Ortmann und Röh (2014a) nehmen auch Bezug auf den Capabilities Approach: »In der Diskussion um eine handlungstheoretische Begründung Sozialer Arbeit geraten neben normativ-gerechtigkeitstheoretischen auch akteursbezogene Zielebenen stärker in den Fokus … Die im Anschluss an den Capabilities Approach herausgearbeitete Gegenstands- und Funktionsbestimmung Sozialer Arbeit sieht neben der Arbeit an auskömmlicher Ausstattung im Sinne sozioökonomischer und sozioökologischer Ressourcen und Chancen auch die Befähigung zur Ressourcennutzung als zweite Säule vor« (S. 79). Insgesamt konzeptualisieren Ortmann, Röh und Ansen (2017) eine Sozialtherapie, die bewusst keine Anleihen in den Psychotherapiewissenschaften nimmt. Neben sozialwissenschaftlichen Wissensbeständen bezieht Pauls (2011/2013) mit seinem psychosozialen Behandlungsansatz ebenso wie Gahleitner, Deloie und Stitz (2014), Sieper und Petzold (2011) und Deloie und Lammel (2017), die integrative Konzepte der Sozialtherapie vertreten, explizit auch Erkenntnisse und Methoden der Psychotherapie und der Neurowissenschaften ein. Diese Integration wirkt sich damit auch auf die methodische Ausrichtung der Sozialtherapie aus (vertiefend Pauls, 2011/2013, S. 124–176; Deloie & Lammel, 2017).

3.4 Sozialtherapeutische Kompetenzen und Interventionen

Die sozialtherapeutischen Interventionen richten sich – vereinfacht ausgedrückt – an den Themen aus, die erkrankte bzw. von Erkrankung bedrohte Menschen in Multiproblemlagen mitbringen. Eine Differenzierung zur Orientierung bietet hier der trifokale Ansatz (Deloie, 2011, 2015; Tab. 3.1) mit seinem erweiterten Fokus: (a) Die sozioökonomische Dimension erfasst die prekäre Lebenslage der KlientInnen, beispielsweise eine prekäre Wohnsituation und schlechte Bildungschancen; (b) der Bereich der interpersonellen Dimension erfasst die soziale Einbindung, z. B. belastende Beziehungen mit malignen Abhängigkeitsstrukturen und einer geringen sozialen Einbindung; (c) die intrapersonelle Dimension erfasst die individuelle psychische Ebene, beispielsweise Gefühle der inneren Leere, aggressiven Impulse und immer wiederkehrendes Craving. Die Belastungen in den unterschiedlichen Dimensionen können dabei nicht isoliert betrachtet werden, da sie sich gegenseitig beeinflussen im Negativen wie auch im Positiven. Beispielsweise sind Beschwerden im innerpsychischen Bereich immer wieder im starken Maße abhängig von Belastungen in Beziehungen oder Stress im Wohnbereich.

Tab. 3.1: Der trifokale Ansatz in der Suchttherapie (nach Deloie, 2015, S. 14)


DimensionWissensbeständeKompetenzenDiagnostikInterventionen/ Methoden

Die Interdependenz und Komplexität der Symptome und Problemlagen erfordert somit eine ganzheitliche Behandlung im Sinne eines biopsychosozialen Modells, die von den SozialtherapeutInnen als Kernkompetenz die Fähigkeit zu multidimensionalem Verständnis des Hilfebedarfs und zu multiperspektivischen Lösungsstrategien erfordert. Die von Pauls und Mühlum (2005) formulierten notwendigen klinischen Kompetenzen für die psychosoziale Praxis Klinischer Sozialarbeit wurden Pauls und Reicherts (2013) für die sozialtherapeutische Behandlung ausdifferenziert und erweitert. Die Autoren benennen in ihrem Mehrebenenmodell (1) elementare interaktionale, (2) beziehungsorientierte, (3) einfache und (4) komplexe aufgabenorientierte und (5) systemisch-institutionelle Kompetenzen ( Abb. 3.1).

Elementar-interaktionale Kompetenzen: Als beispielhafte Interventionen benennen Pauls und Reicherts (2013) das Arrangement eines adäquaten Settings, das Zuwenden von Aufmerksamkeit und das aktive Zuhören. Insbesondere bei vulnerablen KlientInnen ist das Vertrauen schaffende, behutsame initiale Vorgehen von besonderem Wert. Wenn auch im therapeutischen Prozess zu Beginn viel Aufmerksamkeit auf diese Interventionen gelegt werden muss, ist eine ständige Anpassung im weiteren Verlauf zwingend notwendig. So wird z. B. das Setting im Laufe der sozialtherapeutischen Behandlung häufig verändert bzw. erweitert. Stehen zu Beginn beispielsweise Einzelgespräche im Zentrum der Behandlung, wird im weiteren Verlauf ggf. Gruppenarbeit angeschlossen. Zur Klärung der interpersonellen Schwierigkeiten und zur Stärkung des Social Support werden ggf. flankierend Familiengespräche angeboten. Weiterhin finden häufig Gespräche in der unmittelbaren Lebenswelt statt, z. B. aufsuchend in der Wohnung. Bei der Setting-Gestaltung kommt es zu einer Erweiterung der klassischen »Kommstrukturen«, wie in sonstigen therapeutischen Settings hin zu »Gehstrukturen«.

Beziehungsorientierte Kompetenzen: Als zentraler Wirkfaktor psychosozialer Behandlung wird die therapeutische Beziehung beschrieben, und dies gilt gleichermaßen für die Sozialtherapie auf Basis von Klinischer Sozialarbeit. Gahleitner hat 2017 in ihrer Monografie »Soziale Arbeit als Beziehungsprofession« die außerordentliche Bedeutung einer beziehungsorientierten Haltung und der beziehungssensiblen

Abb. 3.1: Mehrebenenmodell sozialtherapeutischer Beratungskompetenzen mit exemplarischen Interventionen (aus Pauls & Reicherts, 2013, S. 66)

Interventionen skizziert, insbesondere für Menschen mit Multiproblemlagen, wo es oft einer sensiblen »Steuerung« der Nähe-Distanz-Regulation bedarf.

Aufgabenorientierte Kompetenzen (einfach): Bei den sog. »einfachen« Kompetenzen geht es häufig darum, im Sinne »informierter KlientInnen« im Rahmen der Soziopsychoedukation über Erkrankungen, mögliche prototypische Verläufe, Auslöser von Rückfällen zu informieren und Möglichkeiten der alternativen Bewältigung zu skizzieren, wozu auch Handlungsanweisungen bzw. Hilfen für den Umgang mit Behörden, Informationen über Rechte und »adäquate Umgangsformen« gehören.

Aufgabenorientierte Kompetenzen (komplex): Mit zunehmender Stabilität können häufig auch spezifische therapeutische Methoden angewandt werden (vgl. Deloie, 2011; Deloie & Lammel, 2017), beispielsweise Rollenspiele zur Sensibilisierung für krisenauslösende Situationen.

System-institutionelle Kompetenzen: Die Einbettung in benigne bzw. förderliche soziale Netzwerke ist als sozialtherapeutisches Ziel im Sinne der Teilhabe zentral, um langfristig Stabilität, Gesundung und Zufriedenheit zu ermöglichen. Aufgrund der biografischen Belastungen im zwischenmenschlichen Bereich und des geringen sozialen Supports in Peergroups ist häufig eine simple Integration, z. B. in eine Selbsthilfegruppe, nicht möglich. Es bedarf der Information über die potenziell heilsame Funktion von Gruppen, das Aussuchen einer geeigneten Gruppe und die aktive Vermittlung in eine Gruppe.

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Release date on Litres:
18 December 2025
Volume:
387 p. 29 illustrations
ISBN:
9783170366220
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