Read the book: «Der große Umzug von Termópilo und Óctopus»
Perfecto Yebra
Der große Umzug von
Termópilo und Óctupus
Wie die Tiere auf den Klimawandel reagieren
Übersetzung:
Kathleen Goetz und José Seco
Mitwirkende:
María Carolina Rovira, Diego, Carolina Águeda,
Carmen, Paula, Miguel, Tomás und Isabel Rovira

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2015 by R.G.Fischer Verlag
Orber Str. 30, D-60386 Frankfurt/Main
Alle Rechte vorbehalten
Schriftart: Times 12pt
Herstellung: RGFC/bf
ISBN 978-3-8301-9521-4 EPUB
Für die Enkelkinder: Pelayo Víctor, Martín, Ana, Faine Eloisa, Álvaro, und die, die noch kommen …
Inhalt
Vorwort
Unsere Freunde (Die Hauptfiguren)
1 – Der Garten
2 – Die neuen Freunde
3 – Der Lebensraum
4 – Das Gespräch
5 – Die Bestätigung
6 – Die Gerüchte
7 – Die Zweifel
8 – Die Solidarität
9 – Was tun?
10 – Der Umzug
11 – Der Dialog
12 – Der Rat
13 – In der Welt
14 – Die Reise nach Afrika
15 – Die Reise nach Amerika
16 – Die Volkszählung
17 – Der Weg
18 – Die Leiden
19 – Die Unbedachtheit
20 – Die erste Seeschlacht
21 – Die zweite Seeschlacht
22 – Der Landkrieg
23 – Die Ankunft
24 – Die Wolke und die kleine Samtkrabbe
Vorwort
Die »Geschichten für meine Enkelkinder« begannen mit einer Herausforderung, als mir meine Kinder zu Weihnachten ein Notizbuch schenkten, mit Hardcovereinband und – natürlich – leeren Seiten. Auf einer Extra-Seite hatten sie Folgendes geschrieben: »Damit du einige Geschichten für deine Enkelkinder schreibst.« Ich stellte meinerseits eine Forderung und sagte: »Ich werde das Büchlein vollschreiben, wenn ihr mir Material dafür liefert.« Und so geschah es.
Diese Bitte hatte ihren Grund, denn sie hatten mich eine Geschichte erzählen hören – eine, die nicht unbedingt für Kinder gedacht war – aber doch eine Geschichte. Ihre Mutter war von dieser Geschichte fasziniert, daher wiederholte ich sie ihr immer und immer wieder. Die Erzählung handelte von »der Wolke und der kleinen Samtkrabbe«, sie wird am Ende erzählt.
Diese Geschichten, die wie viele andere Erzählungen reiner Fantasie entspringen, versuchen, die Welt der Tiere und die Welt der Pflanzen zu vereinen und zu verbinden, etwas, wofür schon der große deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt Ende des 18. Jahrhunderts warb, indem er versuchte, die Natur in Harmonie mit all ihren Lebewesen, also Pflanzen und Tieren, zu sehen.
Es geht nicht darum, dass alle Tier- und Pflanzenarten eine Geschichte haben, dass eine Geschichte von ihnen handelt, denn das wäre unmöglich. In diesem Buch sind in vierundzwanzig Episoden die Bedeutendsten, die Bekanntesten oder die Schönsten vertreten. Das ist so von den Autoren gewollt. Dasselbe könnte man auch über das Genus sagen. Im Allgemeinen wird nicht zwischen männlich und weiblich unterschieden, da der Unterschied in der Tier- und Pflanzenwelt nicht immer einfach zu erkennen ist.
Unsere Freunde (Die Hauptfiguren)
| Termópilo | Der Samtkrabben-Mann |
| Óctupus | Der Tintenfisch |
| Acocó | Die Dahlie |
| Redy | Das Eichhörnchen |
| Gayo | Der Papagei |
| Lazi | Die Katze |
| Meli und Apis | Die Bienen |
| Fócida | Die Robbe |
| Ansar | Der Gänserich |
| Ciconia | Die Störchin |
| Menecos | Der Pelikan |
| Eyodós | Die Ziege |
1 – Der Garten
In dem Garten, der zwischen einem kleinen Hügel und dem Meer lag, lebten eine ganze Reihe Pflanzen und Tiere zusammen. Die Pflanzen gediehen aufgrund des guten Bodens, der von einer Schicht schwarzer Erde bedeckt war. Allerdings war das nicht alles. Zahlreich waren auch die Tiere, die in diesem kleinen Garten lebten, sowohl Landlebewesen als auch Meerestiere, denn wir dürfen nicht vergessen, dass das Grundstück an das Meer grenzte.
Eine Dahlie war neben dem Meer erblüht, obwohl wir nicht erklären können, warum. Vielleicht hatte ein Vogel oder ein anderes Tier eine kleine Knolle dorthin getragen. Ein Tintenfisch, der in diesem Gewässer lebte, sah sie eines Tages und war von der Schönheit der Pflanze verzaubert. Ihre rote Farbe, ihre spitzen Blütenblätter und ihre Blüte in Form eines Pompons fesselten das Tier. Er fragte sie: »Wie heißt du?«, und sie antwortete: »Acocotli.«
»Der Name ist aber komisch und schwer auszusprechen«, sagte der Tintenfisch. Daraufhin antwortete die Dahlie: »Mein Name stammt aus Amerika, aus Mexiko, aber du kannst mich auch einfach Acocó nennen.«

Acocó
Der Tintenfisch, der von der Schönheit der Blume hingerissen war, streckte einen seiner langen Arme voller Saugnoppen aus und dann versuchte der Wirbellose, die Dahlie zu umarmen.
»Sei vorsichtig, mein Stiel ist hohl und normalerweise voller Wasser«, sagte Acocó zu ihm, während sie ihn gleichzeitig nach seinem Namen fragte.
»Ich bin Óctupus, weil ich acht Arme habe.«

Óctupus
»Die sehe ich wohl, und außerdem hast du sehr große Augen. Ich würde sagen, sie zeigen Intelligenz«, antwortete sie, bestrebt, dem Kopffüßer zu gefallen.
Sie waren gerade in der Anfangsphase der Vorstellung, als etwas ihre Ruhe störte. Eine leichte Bewegung im Wasser am Ufer sorgte zunächst einmal dafür, dass der schüchterne Óctupus die Farbe änderte, während sich Acocó nach vorn beugte und versuchte, sich dem Meer zu nähern, um zu sehen, was da war.
Plötzlich erschien eine Samtkrabbe, die auf ihren acht Beinen über den Sand lief. Ihre großen, bedrohlich aussehenden Scheren waren nach vorn gerichtet.

Termópilo
»Komm nicht näher!«, schrien die Dahlie und der Tintenfisch gleichzeitig, während letzterer wieder die Farbe änderte und sich im Wasser tarnte.
»Ich werde euch nichts Böses tun«, antwortete die Samtkrabbe. »Ich will euch nur grüßen und mit euch reden«.
Der Tintenfisch Óctupus, der natürlich Dinge über das Meer wusste, schlussfolgerte, dass diese Samtkrabbe mit ihren großen Scheren und ihrer schmalen Bauchklappe ein Männchen war. Es war ein hübsches Tier, dunkelbraun und mit einer Behaarung, die an Samt erinnerte. Und so fragte er ihn.
»Es stimmt, ich bin ein Männchen und mein Name ist Liocarcinus, obwohl man mich auch als Termópilo kennt. Fragt mich nicht warum, denn ich weiß es nicht. Meine Mutter nannte mich so, als ich klein war.« Von diesem Tag an wussten sie, dass er eine männliche Samtkrabbe war.
»Und worüber möchtest du mit uns sprechen?«, unterbrach ihn die Dahlie.
»Darüber, worüber auch die Menschen in solchen Fällen sprechen, um das Eis zu brechen: über das Wetter.«
»Also gut«, ergriff wieder die Dahlie das Wort: »Wie läuft’s in den Tiefen des Meeres? Kann man da baden oder ist das Wasser zu kühl für mich?«
Beide antworteten gleichzeitig: »Wir leben nicht in den Tiefen des Meeres, wir leben höchstens 50 oder 100 Meter unter der Meeresoberfläche. Das ist, was wir kennen, und das Wasser ist ein bisschen wärmer als sonst.«
»Was für ein Glück, sogar ich könnte mich baden, wenn es nicht Salzwasser wäre. Und wie komisch«, antwortete Acocó, »auch auf der Erdoberfläche ist es wärmer als sonst und ich musste häufiger gegossen werden …«
Da stürzten sich Óctupus und Termópilo ins Meer und ließen Acocó allein und sie dachte, dass sie etwas gesagt hätte, das die Wirbellosen gestört hatte. Das machte sie traurig, denn sie wollte mit diesen Meerestieren Freundschaft schließen, die so anders waren als sie, eine Pflanze.
Kurze Zeit später bewegte sich das Wasser wieder und mehrere Tintenfische und mehrere Samtkrabben tauchten daraus auf. Es waren Óctupus und Termópilo, die in Begleitung kamen. Óctupus kam mit einem weiblichen Tintenfisch und mehreren kleinen Tintenfischen. Termópilo, seinerseits, wurde von einer erwachsenen Samtkrabbe und einigen kleinen Samtkrabben begleitet.
»Das sind unsere Familien. Wir wollten, dass sie dich kennenlernen«, sagten sie an die Dahlie gerichtet. Diese war ihrerseits äußerst glücklich, dass sie ihre Freunde wiederhatte.
»Und wo ist deine Familie?«, fragten sie die Blume.
Acocó antwortete ihnen: »Bei uns Pflanzen gibt es normalerweise keine Geschlechter, das heißt, keine Männchen und Weibchen, wie es bei den Tieren üblich ist. Ich zum Beispiel, obwohl ihr mich hier ganz alleine seht, also als einzige Blume, werde bald nicht mehr allein sein. Bald werden andere Dahlien aus derselben Knolle wachsen und meinen Stiel mit mir teilen. Das sind dann sozusagen meine Schwestern.«
Und sie fuhr fort: »Man könnte sagen, dass – im weiteren Sinne – die anderen Pflanzen aus denen Blumen wachsen oder einfach nur die Blumen, meine Familie sind. Wenn ihr weiter in den Garten hineingehen könntet, würdet ihr Gladiolen, Lilien, Nelken, Lavendel, Hortensien, Hyazinthen, Pfingstrosen, Rosen und viele andere mehr sehen. Es gibt so viele! Ich könnte die Liste den ganzen Tag lang aufzählen. Im Allgemeinen sind sie klein und wachsen aus einer Blumenzwiebel oder Wurzel. Einige haben nur eine Blüte, aber andere Blumen haben dafür ganz viele. Ich würde sagen, dass wir wunderschön sind und ich bitte euch, mir diesen Mangel an Bescheidenheit zu verzeihen, aber ich kann nicht anders.«
Nachdem alle vorgestellt und alles geklärt war, setzten unsere tierischen und pflanzlichen Freunde ihr unterbrochenes Gespräch fort.
Aber vorher muss gesagt werden, dass sie in dem Lebensraum, in dem sie lebten, in jenem Garten am Meer, nicht allein waren. Es gab noch viele andere Tiere und Pflanzen und Bäume auf dem restlichen Grundstück. Das bewegte Termópilo zu folgender Bemerkung: »Mein Großvater hatte die Gewohnheit immer wieder einen Satz zu wiederholen: ›Die Erde ist groß.‹ Ich fand das immer sehr auffallend, weil es mir geheimnisvoll erschien, und ich fragte ihn immer: ›Was willst du damit sagen, Opa?‹ Die Erklärung, die er mir gab, war, dass sowohl in der Meeresumwelt, in der wir leben, als auch auf dem uns unbekannten Land die Abstände, die Räume, die wir ausmachen konnten, immer sehr groß – man könnte fast sagen unendlich – waren, jedenfalls in Bezug auf die Lebewesen. Mit der Zeit habe ich meine eigene Schlussfolgerung gezogen: Es gibt keinen Grund, warum wir auf der Erde nicht alle in Harmonie und im Gleichgewicht zusammenleben können. Das gilt sogar für die Menschen …«
Und so setzten sie das Gespräch fort.
2 – Die neuen Freunde
Die Unterhaltung, die unsere drei Freunde begannen, kam so sehr in Schwung, dass man sie im Rest des großen Gartens hörte, was die Neugier der anderen Lebewesen, die sich dort befanden, erweckte. Einige von ihnen kamen näher.
Der erste war ein Papagei, der in der Krone einer Palme lebte. Es war ein Wunder, dass der Vogel überhaupt etwas gehört hatte, da das Geschrei, das Dutzende von Papageien, Sittichen, Wellensittichen und ähnliche Vögel von sich gaben, die in diesen Bäume lebten, unbeschreiblich war. Diese Tiere hatten ihre Nester an den Blattansätzen der Palmen gebaut, direkt am Stamm. So waren sie nicht nur vor Kälte und Hitze geschützt, die Baumkrone funktionierte auch wie ein Resonanzkörper ihres lebhaften Daseins. Es muss aber gesagt werden, dass dies nur tagsüber geschah, in der Nacht aber war das ganz anders. Dann war nicht das geringste Geräusch zu hören, was andererseits eine typische Eigenschaft der Tiere war, die nachts verstummten, im Unterschied zu den Menschen, denen das egal war.

Gayo
Gayo, so hieß der Papagei, war grau und stammte aus Afrika. Von dort hatte man ihn zu einer Familie gebracht und tatsächlich hatte er lange Zeit bei seinen Besitzern gelebt, bis eines Tages sein Käfig offen stand und er entflog, was er sich schon sehr lange gewünscht hatte. In diesem Haus hatte er die Sprache der Menschen gelernt, die er ziemlich gut imitierte, obwohl er natürlich immer noch den typischen Akzent seines Krächzens hatte, graaa …! Von dort war er zur Krone der Palme gelangt, wo er sich sein Nest gebaut hatte und zu einer Art »Chef« seiner anderen Artgenossen, die dort lebten, wurde. Das lag bestimmt daran, dass Gayo klüger als die anderen war: Er war im Gegensatz zu seinen lauten Gefährten ein ruhiger Papagei.
»Hallo, was macht ihr? Ich heiße Gayo und ich kann die Sprache der Menschen sprechen«, rief er ihnen entgegen.
Das nächste Tier, das sich näherte, war eine Eichhörnchendame. Sie besaß, wie alle ihre Artgenossen, einen anmutigen Kopf, an dem besonders das Maul auffiel: Die Zähne waren spitz und standen hervor, und die Augen leuchteten auf besondere Art. Zu alldem kam auch noch ein wunderschöner behaarter Schwanz, der so lang wie der Körper war, und breit und buschig. Er diente dem Eichhörnchen als Balancierhilfe, wenn es von Baum zu Baum sprang. Auch das Eichhörnchen war hier zu Hause, es hatte in den Höhlen der Bäume oder im dichten Geäst ein Nest, in dem es schlief, seine Jungen bekam und in kalten Ländern normalerweise Winterschlaf hielt.
Von diesen Bäumen: der Kiefer, den Walnussbäumen, Haselnusssträuchern und anderen, sammelte es Schalenobst, von dem es sich ernährte und das es auch versteckte, um für den Rest des Jahres, besonders aber für den Winter, Vorräte zu haben. Unsere Freundin, Redy, war ein Eichhörnchen rötlicher Farbe mit kräftigen Krallen, mit denen es auf Bäume klettern konnte. Es sah sehr gesellig aus, vielleicht, weil es in einer Familie lebte, und es war allen sehr sympathisch, weil es überschwängliche Freude versprühte. Normalerweise suchte es seine Nahrung in den frühen Morgenstunden und abends.
Auch Redy hörte unsere Freunde bei einem ihrer Sprünge zwischen den Nadelbäumen und aus Neugier darüber, was da geredet wurde, näherte sie sich ihnen.
»Hallo, ich bin Redy und das ist meine Familie. Es scheint, als ob ihr über das Wetter, die unerträgliche Hitze, redet. Deswegen sind wir näher gekommen: Wir wollen auch mitreden!«, stellte sich das Eichhörnchen vor.

Redy
Die Katze Bastet lebte wie eine Königin in dem Haus, das in dem Garten stand. Ihre Herrchen gaben ihr jeden Tag Frühstück, Mittag- und Abendessen, und wenn sie miaute, schnurrte oder liebevoll an deren Beinen schmuste, gaben sie ihr zusätzlich noch ein bisschen Milch. Das heißt, sie wurde wie eine Göttin behandelt, und in der Tat stammte ihr Name von einer Göttin des alten Ägypten, denn ihr Herrchen spürte eine große Vorliebe und Hingabe für die Ägyptologie. Aber eigentlich gefiel es der Katze, wenn man sie Lazi nannte. Diese Katze, die weiß war und im Gesicht und auch auf dem Schwanz einen gelben Fleck hatte, und deren wilde Artgenossen doch seit tausenden von Jahren unter den Menschen lebten, spazierte gelassen durch die Umgebung des Hauses und näherte sich oft dem Meer. Sie widmete sich der Jagd, wenn ihr ihre angenehme und wohlgenährte Existenz zu langweilig wurde. Dafür standen ihr zahlreiche Tierarten zur Verfügung, von denen sie Mäuse, kleine Maulwürfe usw. bevorzugte, die auch in dem Garten lebten.

Lazi
Lazi, die sehr dick war, denn alles muss gesagt werden, spazierte langsam und ruhig durch den Garten, als sie das Stimmengewirr des Gesprächs hörte. Aus Neugier näherte sie sich, um herauszufinden, woher das Gemurmel kam und von wem es stammte. Sie kletterte auf einen Baum und beobachtete von dort aus unsere Freunde am Ufer des Meeres bei ihrem Gespräch. Da es ihr aber nicht gelang zu verstehen, was sie sagten, beschloss sie, zu ihnen zu gehen.
»Wenn ich euch richtig verstanden habe, dann redet ihr über das Wetter, genauso, wie es die Menschen tun. Das weiß ich, schließlich lebe ich bei ihnen! Wenn sie nicht wissen, worüber sie reden sollen, dann kommen sie immer auf dieses Thema zurück«, sagte die Katze.
Um die Blumen des wunderschönen Gartens summten Meli und Apis, zwei Bienen aus einem Bienenstock, den die Besitzer auf dem Grundstück aufgestellt hatten. Sie nippten an den Blumen, sammelten Pollen und bestäubten so alle Pflanzen mit ihren durchsichtigen Flügeln in Form von Membranen. Ihre tägliche Aufgabe bestand darin, ihre Ernte von den Pflanzen zum Bienenstock zu transportieren, wo Honig hergestellt wurde, der ihnen dann als Nahrung für den Winter diente.
Diese Insekten führten nicht nur ihre Arbeiten aus, sie reinigten auch den Bienenstock, ernährten die Larven der neuen Bienen und hielten Wache, damit kein Eindringling in ihr Heim gelangen konnte. Es waren die sogenannten »Arbeiterinnen« des Bienenstocks. Ihr Leben war innerhalb der Kolonie organisiert, es waren soziale Insekten, die nicht alleine leben konnten. In dieser Kolonie lebte auch eine einzige Bienenkönigin, ein Weibchen, und die Drohnen, das waren die Männchen.
Während nun also Meli und Apis ihre gewohnheitsmäßige Arbeit verrichteten und durch den ganzen Garten von Pflanze zu Pflanze, von Blume zu Blume flogen, bemerkten sie die Anwesenheit unserer Freunde am Ufer und beschlossen herauszufinden, was da passierte.

Meli und Apis
»Keine Angst, wir werden euch nicht stechen. Wir wollen nur gesellig sein, deswegen sind wir hierhergekommen, um euch zu grüßen.« Das waren die Worte der Bienen, die sich der Gruppe anschließen wollten.
Bald waren die Hauptfiguren unserer Geschichte versammelt, aber Termópilo, Óctupus, Acocó, Gayo, Redy, Lazi und die beiden Bienen Meli und Apis konnten nicht wissen und noch nicht mal ahnen, dass es ihnen bestimmt war, beim größten biotischen oder biologischen Exodus aller Zeiten seit der Arche Noah die Hauptrolle zu spielen, und dass dies nicht nur die Pflanzen und die Tiere, sondern auch die »Menschen« betreffen würde.
3 – Der Lebensraum
In dem Garten, von dem unsere Geschichte handelt, befand sich ein Haus, das aus Stein – genauer gesagt aus Granit – gebaut war. Im Stil war es den anderen Häusern des Landes ähnlich, das heißt, der Grundriss war quadratisch und es war ein Stockwerk hoch. Im Erdgeschoss konnte man eine Tür und an den Seiten zwei Fenster erkennen, die mit den Fensteröffnungen im ersten Stock übereinstimmten. Angebaut an das Haus waren verschiedene Räumlichkeiten: die Wirtschaftshäuser wie Schuppen und Scheunen. Und obwohl sich der Hof nicht mehr wie früher der Landwirtschaft widmete, gab es in der Nähe eine Art »langestrecktes Häuschen«, das Hórreo hieß, und das früher als Speicher gedient hatte, in dem Mais getrocknet und vor Nagetieren geschützt wurde.
Es muss auch gesagt werden, dass es Teil eines größeren Grundstücks war, und dass die anderen Grundstücksteile entsprechende Eigenschaften aufwiesen. Auf diese Weise bildeten sie als Lebensraum eine harmonische Einheit, die sich in einer milden Region der Erde auf der nördlichen Halbkugel, befand. Daher war das Klima mild: Die Winter waren nicht zu streng und die Sommer waren nicht zu heiß. Dafür regnete es reichlich. Das heißt, dass die Umweltbedingungen gegeben waren, die es bestimmten Pflanzen- und Tierarten ermöglichten, zu überleben oder einfach zu leben, während sie auf unbestimmte Zeit fortlebten. Aus diesem Grund war es nicht erstaunlich – wie wir feststellen werden –, dass sich die Katzenfamilie in dem Haus, bei seinen Besitzern und in dem Garten so wohlfühlte.
Es wurde schon beschrieben, wie der Lebensraum mit seinen sanften Hügeln an das Meer grenzte, oder besser gesagt an eine Art Bucht, die ins Festland hineinragte und die von den Einheimischen »Ría« genannt wurde. Umgeben von nicht sehr hohen Steilküsten und kleinen Stränden mit feinem Sand, war es der perfekte Ort für Termópilo und Óctupus. Jeden Tag suchten sie am Strand und an der Küste den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien, den ihnen diese Ría reichhaltig bot.
Die Flüsse waren kurz, aber auf Grund des Regens wasserreich, und sie waren auch reich an Lachsen, Forellen und Neunaugen. Letztere sind schwarz, länglich und spindelförmig. Vom Geschmack her sind sie aber deftig und lecker. All diese Arten sind in der Gegenwart von der durch den Menschen verursachten Umweltverschmutzung bedroht.
Der Lebensraum war für die Lebewesen unserer Erzählung geeignet. Außerdem gab es in diesem Lebensraum noch eine Vielzahl an tierischen und pflanzlichen Organismen, die zu den bereits beschriebenen hinzukommen, besonders die Bäume, die das Leben der Tiere ermöglichten und die bei dem Exodus eine wichtige, wenn auch traurige Rolle spielen werden.
In jenem milden Flecken Erde lebten die verschiedensten Bäume zusammen, wie: Kiefern, Eichen und Kastanienbäume, Ahornbäume und Johannisbrotbäume, Eschen und Pappeln, Linden und Ulmen, und – wie sollte es anders sein – Lorbeerbäume, die mit ihrem unbeschreiblichen Duft die Luft würzten. Es gab auch eine große Anzahl an kleinen Sträuchern, wie: Brombeerstäucher, Ginster und Besenginster …, die alle kreuz und quer durcheinander wuchsen. Und natürlich gab es auch Obstbäume. Am besten gediehen Apfel- und Birnenbäume, aber wir dürfen auch Pflaumen-, Feigen- und Kirschbäume usw. nicht vergessen. In dem Lebensraum gab es verschiedene Bäume mit unterschiedlicher Erscheinung, und eine große Anzahl an kleinen Sträuchern, die alle kreuz und quer durcheinander standen. Wir müssen besonders die Weinstöcke erwähnen, die die Häuser wie ein Gürtel umarmten und aus deren Weintrauben Weißwein hergestellt wurde, der normalerweise sauer war. Vor kurzem hatten sich auch exotische Arten wie die Kiwis akklimatisiert, die mit ihren langen Zweigen mit den erwähnten Weinranken wetteiferten.
Die Sträucher wuchsen aus mehreren holzigen Stämmen, die normalerweise keine drei Meter erreichten, im Unterschied zu den Bäumen, die sich durch einen einzigen Stamm und ihre Höhe auszeichneten. Sowohl die einen als auch die anderen konnten immergrüne Nadeln oder Laubblätter haben, die sie im Winter verlieren. Man könnte sagen, dass sie alle beim Laubwechsel im Herbst ein farbenfrohes Bild von unvergleichlicher Schönheit malten. Andere Male fühlten sich die Tiere aufgrund der Vielzahl von Aromen, die von diesen Bäumen und Sträuchern verströmt wurden, zu ihnen hingezogen. Was den Besuchern am meisten auffiel, war allerdings zweifellos die Landschaft, die fast immer sehr grün war. Im Herbst aber bedeckte sie sich mit tausend Farben (Rot-, Gelb- und Brauntöne, usw.)
Regen ergoss sich reichlich auf die sanften Hügel, die bis zum Meer reichten und so der Gegend ein schimmerndes, ruhiges und immergrünes Aussehen gaben.
Wir haben gesehen, dass unsere Freunde, die Landlebewesen, diese Bäume und Sträucher gut kannten. Meli und Apis sammelten die Pollen der Sträucherblüten, wie Klebsamen, Rhododendron usw., während das Eichhörnchen Redy sowohl die Früchte der Laubbäume verzehrte, wie Wal- und Haselnüsse usw., als auch die der Nadelbäume, bevorzugterweise Pinienkerne.
Aber in jenem milden Flecken Erde waren auch Tannen, verschiedene Kiefernarten, Eichen und Kastanienbäume, Ahornbäume und Johannisbrotbäume, Eschen und Pappeln, Linden und Ulmen reichlich vorhanden und – wie sollte es anders sein – Lorbeerbäume, die mit ihrem unbeschreiblichen Duft die Luft würzten. Auf diesem Grundstück existierte ein Lebensraum, der das Zusammenleben von Flora und Fauna ermöglichte.
Der Lebensraum – dieses Ökosystem – war für die Lebewesen unserer Erzählung geeignet. Es gab aber noch eine Hauptfigur: den Menschen. Seine Beziehung zu dem Lebensraum war erstaunlich, bewundernswert, abstoßend … letztendlich »befremdlich«. Der Mensch veränderte die Umwelt gemäß seinen Bedürfnissen, bemerkte aber nicht immer, dass er sie beschädigte und einer Gefahr, einer sehr großen Gefahr aussetzte. Ja, denn dieser Lebensraum war bedroht oder stand kurz davor, es zu sein. Durch wen?
Fragen wir noch einmal. Das müsste man eigentlich fast gar nicht mehr fragen. Alle Anzeichen wiesen auf einen einzigen Verantwortlichen hin: den Menschen. Der Lebensraum bot genug, um zu leben, aber die Menschen waren damit nicht zufrieden. Sie wollten »in vollen Zügen« leben und das konnte der Lebensraum nicht bieten, sollte nicht das zerbrechliche Gleichgewicht der Natur zerstört werden. Und dies war, genau genommen, das, was den Klimawandel, die globale Erwärmung verursachte … langsam, aber unerbittlich …
Die Tiere wussten das und die Pflanzen litten darunter, denn sie erlebten das unkontrollierte und egoistische Abholzen der Wälder. Aber was konnten sie schon tun? Nichts … Oder sie leisteten Widerstand und versuchten, ihr Schicksal zu ändern. Darum ging es bei dem Gespräch, dass unsere Freunde arglos begonnen hatten und von dem sie noch nicht ahnen konnten, wohin es sie führen würde … Auf jeden Fall weit, man könnte sagen weit weg, denn sie würden einen ziemlich langen Weg zurücklegen …
Plötzlich kratzte sich Termópilo mit einer Schere am Kopf und murmelte: »Ich ahne, dass wir etwas tun müssen. Ich weiß allerdings nicht, was das sein könnte. Aber wir können nicht einfach abwarten, denn wenn wir das tun, dann sind wir verloren …«
Und er fuhr mit seinem Murmeln fort: »Aber was können wir tun? Und warum müssen wir es tun? Und wofür müssen wir es tun? Wir müssen dringend alle miteinander reden. Dann kommen wir auf neue Ideen und können diese gemeinsam diskutieren. Andererseits brauchen wir auch Daten, es reicht nicht, wenn wir uns nur auf diesen Lebensraum beschränken. Wir brauchen auch Daten von anderen Gegenden und anderen Pflanzen und Tieren. Deswegen ist dieses Gespräch, das wir alle führen, so wichtig. Und es ist bedeutungsvoll, dass wir gerade über das Wetter reden …«
4 – Das Gespräch
Die lebhafte und angenehme Unterhaltung, die der Tintenfisch, die Dahlie und die Samtkrabbe führten, wurde bald ein ernstes Gespräch, während sich die neuen Freunde dazugesellten. Die letzten, die hinzukamen, waren Meli und Apis, die wieder die Routinefrage stellten: »Worüber redet ihr?«
Fast einstimmig kam die Antwort: »Über das Wetter.«
»Bei mir zu Hause, das heißt, in meinem alten zu Hause, haben die Menschen immer dann, wenn sie nicht wussten, was sie sagen sollten, über das Wetter geredet«, antwortete der Papagei Gayo.
Und über das Wetter berichtete jeder der Neuankömmlinge.
Redy, das Eichhörnchen, erzählte ihnen, dass sein Stoffwechsel auf Grund der Tageshitze gesunken war, was es dazu zwang, länger in seinem Nest im Schatten zu bleiben. Sogar sein Fell – so sein Eindruck – war in diesem Sommer fast vollständig ausgefallen.
»Was bedeutet Stoffwechsel?«
«Das sind physische und chemische Prozesse der Umwandlung von Stoffen, die es den Zellen ermöglichen, zu wachsen, sich fortzupflanzen, usw.«, antwortete ihnen Redy. »Das heißt, es sind Veränderungen, die im Lebewesen stattfinden«, fügte es hinzu.
Die Katze Lazi ihrerseits beschwerte sich nicht darüber, dass sie eine Erhöhung der Temperaturen bemerkt hätte. Sie fand eher, dass ihr einfach nur deswegen wärmer war, weil sie dick war. Dagegen müsse sie etwas tun, zum Beispiel mit einer Diät. Das war allerdings schwer, weil ihr ihre Besitzer immer so viele Proteine gaben, die sie nicht auf dem Teller lassen konnte.
In der Krone der Palme gab es unter der Rosette, die von den großen, immergrünen Blättern gebildet wurde, eine Kuppel mit einer Art Mikroklima, das die Temperatur konstant hielt, erklärte Gayo, also konnte er den Wahrnehmungen seiner Gesprächspartner nicht viel hinzufügen. Trotzdem wollte er zwei Dinge klarstellen: Das Krächzen seiner Artgenossen war lauter geworden, und obwohl er ihnen immer befahl, still zu sein, gelang es ihm nicht, sie dazu zu bewegen. Die andere Sache war, dass er vor seinem Wegfliegen aus dem Haus seine Besitzer unbesorgt über den »Klimawandel« reden gehört hatte, fast so, als wäre es ein Witz. Und manchmal hatte sein Käfig auch vor dem Fernseher gestanden, sodass er sogar die Journalisten große Diskussionen über den Klimawandel und zu der Frage hatte führen hören, ob dieser wirklich stattfand oder nicht. Gayo hatte das nicht verstanden.
Die letzten, die ihre Eindrücke mitteilten, waren Meli und Apis. Es hatte sie gewundert, dass im Bienenstock die Belüftung erhöht werden musste, die die Temperatur konstant hielt. Für die Belüftung sorgten die Bienen mit ihren Flügeln und sie war in der Brutkammer notwendig, in der die Königin fortwährend Eier legte, während die Arbeiterinnen die Larven in den Waben fütterten. Und noch etwas war ihnen aufgefallen: Wenn sie Nahrung gefunden hatten, also Blumen, dann tanzten sie vor dem Bienenstock, um ihren Gefährtinnen mitzuteilen, wo sich der süße Schatz befand. Die Bienen, die vielleicht eine lange Strecke zurückgelegt hatten, waren erschöpfter als sonst und, wenn man die Sonnenstrahlen als Zeichen nahm, waren sie auch nicht in der Lage, diesen Tanz so präzise wie früher auszuführen.
Aber weder Meli noch Apis waren allzu überrascht, schließlich war kein Sommer wie der andere. Vielleicht hatten sich in diesem Sommer, aus unbekannten Gründen der Natur im Allgemeinen oder ihres Lebensraums im Besonderen, diese klimatologischen Bedingungen ergeben.
Unsere Freunde aus dem Meer, die bereits bekundet hatten, dass ihnen eine leichte Erwärmung des Wassers aufgefallen war, der sie keine Bedeutung beigemessen hatten, hörten diesen Berichten, diesen Tatsachen, mit höchster Aufmerksamkeit und stillschweigend zu. Es schien fast, als ob sie darüber meditierten.
Nach diesem ersten Moment entstand eine lange Pause; alle Anwesenden schwiegen. Dann schauten sich der Samtkrabbenmann und der Tintenfisch an und Termópilo legte, so als ob er eine Idee austauschen wolle, eins seiner behaarten Beine auf das Ohr von Óctupus, damit niemand ihn hören konnte, und flüsterte dem Tintenfisch etwas ins Ohr. Dieser nickte mit dem Kopf. Dann trennten sie sich und Termópilo wandte sich an die vor ihm stehenden Zuhörer und sagte: »Die Erde erwärmt sich.«
Die anderen Beteiligten dieser Gruppe verstanden nicht, was er sagen wollte, mit Ausnahme – natürlich – des Tintenfischs, und fragten einstimmig: »Was bedeutet das, was du gerade gesagt hast, Termópilo?«
»Nach allem, was ihr mir gerade erzählt habt, und auch nach dem Bericht von Gayo über die Gespräche in seinem Haus, bedeutet das, dass sich die Temperatur der Erde erhöht und dass wir die Hitze jedes Mal stärker spüren werden, sie wird jeden Sommer größer. Was sag’ ich denn! Auch jeden Winter, also das ganze Jahr über.«
Das war die Weisheit des Samtkrabbenmannes.
»Also mir ist es letzten Endes wichtig, dass sie mich mehr gießen«, sagte Acocó.
»Ja, teilweise hast du Recht, aber das geht nur, wenn es Wasser gibt. Aber normalerweise verursacht die Hitze auch Trockenheit und dann können sie dich gar nicht gießen«, antwortete ihr der Samtkrabbenmann. Die Dahlie, die außerdem sehr schüchtern war, erschauderte, als sie diese Worte hörte.
Das Eichhörnchen, das wie alle anderen auch aufmerksam zugehört hatte, dachte laut nach: »Wenn wirklich das geschieht, was du sagst, Termópilo, dann müsste ich ein größeres Nest für meinen Mann und unsere Jungen machen, in dem wir es kühler haben. Aber das würde mich viel Arbeit kosten, da doch meine Stoffwechselfähigkeit abgenommen hat, wie ich euch erzählt habe. Die Mittagsschläfchen wären länger und ich könnte nicht genug Früchte sammeln, um mich zu ernähren. Auf die Dauer würde mir und den Meinen nichts anderes übrig bleiben, als abzuwandern.«
»Abwandern!«, erschraken alle gleichzeitig.
Der Papagei Gayo bemerkte, da er ja aus einem warmen Klima stamme, könne ihm die Veränderung der Temperatur nichts anhaben.
»Das stimmt, aber auch die verschiedenen Bestandteile des Lebensraums werden sich ändern, und Bestandteil davon ist das Wasser. Und magst du es, dich in Süßwasser zu baden, brauchst du das nicht für deine Körperpflege?«, entgegnete ihm Termópilo, worauf Gayo schwieg.
Meli und Apis dachten laut nach: »Eine Temperaturerhöhung würde auch die Temperatur im Bienenstock erhöhen und selbst wenn die mehreren tausend Bienen, die darin leben, für die Belüftung sorgen würden, wäre die Atmosphäre unbewohnbar. Dann würde auch das Wachs schwächer werden oder schmelzen. Das heißt, wir hätten keine Waben für die Zucht von neuen Bienen. Dann müsste auch der gesamte Bienenstock abwandern.«
Das Gespräch wurde von der Katze Lazi beendet, die unbesorgt bemerkte: »Ich muss mir keine Sorgen machen. Wo meine Herrchen auch hingehen, mich nehmen sie mit.«
Termópilo, der der Katze ihre egoistische Haltung vorwarf, entgegnete erneut: »Und sie wissen, wohin sie gehen sollen?«
5 – Die Bestätigung
Alle schwiegen einige Minuten lang. Der Tintenfisch bewegte seine Arme in der Luft und bemerkte Folgendes: »Diese Eindrücke, die ihr alle mitgeteilt habt, müssen bestätigt werden, bevor wir sie als gültig anerkennen. Das heißt, wir müssen wissen, ob die restliche Flora und Fauna dasselbe erlebt.«
»Das scheint mir eine gute Idee zu sein«, betonte Termópilo und fügte hinzu: »Wenn wir diesbezüglich eine Entscheidung treffen wollen, etwas unternehmen wollen, müssen wir die Richtigkeit der Tatsachen prüfen. Wir dürfen nicht falsch handeln, wir müssen auch daran denken, dass der Wandel auch unsere Familien betrifft. Am besten ist es, jedenfalls am Anfang, dass wir die anderen Tiere und Pflanzen unseres Lebensraums fragen, wie sie das sehen. Das heißt, jeder von uns muss bei ihm nahestehenden Tieren und Pflanzen Nachforschungen anstellen.«
Und ohne Weiteres tauchten unsere Freunde aus dem Meer ins Wasser, um die gewünschte Information einzuholen.
Termópilo machte sich über die Felsen an der Küste auf den Weg. Er war sich sicher, wie jeden Tag seine nächsten Verwandten zu treffen, jene mit aus Segmenten gebildeten Körpern, die »Malakostraken«. Und tatsächlich, da waren sie: Krebse, Langusten, kleine und große Garnelen und viele andere. Er bat um einen Augenblick Aufmerksamkeit, den sie ihm schenkten, nachdem sie sich vergewissert hatten, dass kein Raubtier in der Nähe war. Und er erzählte ihnen von dem Thema seines Gesprächs mit den anderen Tieren und Pflanzen. Er fragte sie also, was sie über die »Erwärmung« dachten.
Die Versammelten schauten sich gegenseitig an und fragten dann ihrerseits zurück: »Was meinst du mit ›Erwärmung‹?«
»Ich meine die Erwärmung der Erde, habt ihr das denn nicht bemerkt?«, antwortete der Samtkrabbemann.
»Nun, um die Wahrheit zu sagen, haben wir das in dem Wasser, in dem wir leben, nicht gemerkt. Wir leben ja nur knapp unter der Oberfläche. Vielleicht ist es ein bisschen wärmer, weil Sommer ist. Bestimmt wird es im Winter wieder kälter.«
Óctupus machte sich auf die Suche nach einem Freund, einem Kalmar, damit er ihm helfe. Beide Kopffüßer befragten die anderen Mitglieder der Familie der Weichtiere: Sepien, Muscheln, Austern und viele andere. Und die Antwort war immer gleich. Da dies das Ergebnis der Umfrage bei den Wasserbewohnern knapp unter der Oberfläche war, tauchten sie in die Tiefen des Meeres. Zuerst besprachen sie sich mit den Fischen, tollen Schwimmern wie den Haien, Rochen und unzähligen anderen Arten, dann trafen sie Riesenkraken, die in großen Tiefen in Erdlöchern lebten und die früher unter unerschrockenen Seemännern legendär waren. In diesem Fall – tausende Meter unter der Meeresoberfläche – war die Wassertemperatur aufgrund der tiefen Dunkelheit konstant.
Unsere wunderschöne Dahlie Acocó sollte in der Pflanzenwelt Erkundungen anstellen. So war das Erste, was sie tat, sich an ihre kleineren Artgenossen zu wenden. Die zahlreichen Blumen, die in den Blumenkästen wuchsen, wurden eine nach der anderen befragt. Die Nelken, die gleich in der Nähe waren, die Hortensien, der wohlriechende Lavendel, die Kletterpflanzen Blauregen und Bougainvillea, die grünweiße Drachenwurz und viele andere mehr. Alle gaben die gleiche Antwort: Ja, es war ein bisschen wärmer, aber das ertrugen sie, weil sie wie Acocó mehr gegossen wurden. Sogar die Befragung der größeren Pflanzen, wie dem Hibiskus, der Mahonie oder dem Geißklee ergaben dasselbe Ergebnis. Da wandte sie sich an die großen Bäume, und sowohl die Tannen, als auch die Kastanienbäume und die Weiden deuteten an, dass sie in ihren großen Baumkronen keine erwähnenswerte Veränderung gespürt hatten. Wenn es ein bisschen wärmer war, dann glichen sie das mit ihren üppigen Blättern aus.
Das Eichhörnchen Redy beschloss, zu den anderen Nagetieren hinzulaufen. So waren die Ersten, die es in dem Garten traf, einige ihm bekannte Ratten und eine Gruppe Mäuse. Ja, sie hatten eine Erhöhung der Temperaturen gespürt, aber sie versteckten sich in ihren Löchern und hielten es aus. Da Redy in der Nähe des Wassers lebte, beschloss sie als Nächstes bis zum Bächlein weiterzugehen. Dort näherte sie sich ihrem alten Freund und befragte ihn zum Thema. Der Biber erklärte ihr, dass er den größten Teil der Zeit unter Wasser verbrachte, in dem Damm, den er als Unterschlupf und als Schutz vor den Wetterveränderungen gebaut hatte. Vielleicht hatten seine Jungen etwas gemerkt, weil sie mehr Zeit im Wasser verbrachten. Redy traf auch einige Meerschweinchen, die im Haus gelebt hatten, bis sie von den Besitzern ausgesetzt worden waren. Seitdem lebten sie im Garten, aber in ihren Löchern hatten sie nichts bemerkt.
Die fleißigen Bienen Meli und Apis machten sich gleich an die Arbeit. Da es sehr viele Insekten gab, dachten sie, dass sie Hilfe brauchen könnten. Für diese Aufgabe heuerten sie ihre Artgenossen an: zwei Wespen und zwei Hummeln. Zuerst fragten sie die arbeitsamen Ameisen, die ihnen eine Information gaben: Die Ameisen, obwohl sie normalerweise sehr kräftig waren und ein Vielfaches ihres Gewichtes heben konnten, hatten diese Fähigkeit verloren, sogar in dem Tunnel-Labyrinth unter der Erde. Plötzlich begegneten sie einer Gruppe Schmetterlinge in den verschiedensten Farben, die auf der Suche nach Nahrung durch die Luft flogen und ihnen ein neues Detail mitteilten: Sie, die Schmetterlinge, konnten sich nicht lange der Sonne aussetzen, da deren Strahlen ihnen Schaden zufügte, obwohl sie nicht wussten, woran das lag. Als Letztes begaben sich die Bienen zu der Gruppe der Arachniden. Hier erzählten ihnen die Spinnen, dass ihre feinen Netze, die sie zum Jagen und zum Fangen der Beute woben, nicht mehr den Widerstand wie früher hatten.
Wir müssen noch die Wanderungen des Papageis Gayo und der Katze Lazi schildern. Diese hatten sich den anderen Tieren gegenüber verpflichtet, herauszufinden, was mit den Menschen los war. Also machten sich Gayo und Lazi flink auf zum Haus. Der Papagei, der, wie wir bereits erzählt haben, die Sprache der Menschen verstand, begab sich ins Haus und versteckte sich, wo er konnte, am liebsten hinter den Gardinen. Von dort aus beobachtete er drei Dinge: Die Gespräche der Menschen, einen Apparat, den er schon früher manchmal beobachtet hatte, der ihn langweilte und der viele Stunden lang eingeschaltet war und Fernseher genannt wurde, und einen dritten Gegenstand, der Computer hieß. Die Besitzer des Hauses sprachen kaum über einen »Klimawandel«, redeten aber häufig über das Wetter, allerdings ohne ihm viel Bedeutung beizumessen. Im Fernsehen kommentierte man beharrlich den Klimawandel und bot sogar Debatten über das Thema oder es wurden Kongresse abgehalten, die dem Aufhalten dieses Phänomens gewidmet waren. Aber die Besitzer beachteten ihn weiterhin nicht, wie sie auch nicht die Ratschläge beachteten, die sie über den Computer erhielten, wie zum Beispiel: weniger Strom zu verbrauchen oder das Auto häufiger stehen zu lassen, da all dies zur Erhöhung der Temperaturen beitrug.
Lazi beschloss, mit ihren vier Kätzchen Careto, Canelo, Raya und Collarín im Haus herumzuschnüffeln. Sie suchten jede beliebige Sache, die ihnen für ihre Erkundigungen nützlich sein könnte. Sie beobachteten einfach nur und sahen, dass sich die Besitzer zwei neue Klimaanlagen angeschafft hatten und dass sie diesen Sommer den Öltank, mit dem sie im Winter das Haus heizten, nicht gefüllt hatten, was die Katzen sehr komisch fanden, da diese Menschen ziemlich kälteempfindlich waren. Die Katze und ihre vier Kätzchen schauten sich überrascht an, weil sie nichts gefunden hatten, als plötzlich ein Geräusch aus dem Garten neben dem Haus kam und sie erschreckte. Schnell liefen sie, um zu sehen, woher das Klopfen kam, und stellten fest, dass es Arbeiter waren, die aus dem Wasserbrunnen, der das Grundstück versorgte, Erde herausholten. Sie reinigten ihn nicht (obwohl das wirklich notwendig war), sie machten ihn tiefer! Und außerdem hatte man neue Gartenschläuche für die Bewässerung des Grundstücks gekauft.
Dann wandten sich die Katzen an zwei Hündinnen: an Nera und Luna, schwarz, dichtbehaart, groß und ungestüm, wie es nur zwei Hunde sein können. Sie rannten frei im Garten herum und zerstörten ihn, indem sie im Spiel ständig von einer Seite zur anderen liefen und dabei bellten. Sie gehörten einem Sohn der Besitzer. Die Katzen stellten den Hündinnen die komische Frage, ob sie etwas über den »Klimawandel« wüssten.
»Nein, aber wenn sich eure Frage auf die Temperatur bezieht, können wir euch sagen, dass es uns heißer ist, weswegen wir nicht mehr so herumtollen können wie früher«, antworteten die Hündinnen.
6 – Die Gerüchte
Nachdem unsere Freunde die Befragungen beendet hatten, die sie sich vorgenommen hatten, kamen sie an den Ort zurück, an dem sie ihre Versammlungen abhielten. Aber dieses Mal wurden sie von ihren jeweiligen Familien begleitet. Da waren: Termópilo, der Samtkrabbenmann, seine Samtkrabbendame und ihre Samtkrabbenkinder; der Tintenfisch, die Tintenfischdame und ihre kleinen Tintenfischchen; Acocó und ihre Schwestern; das männliche Eichhörnchen, die Eichhörnchendame und ihre kleinen Eichhörnchen, Lazi und ihre Kätzchen, die zwei Bienen und der Papagei, der allein gekommen war.
Sie begannen, ihre Erfahrungen, über die wir bereits berichtet haben, auszutauschen. Am Ende schwiegen alle eine Weile lang und dachten über das Gehörte nach. Es war Termópilo, der das Schweigen brach und folgendes Urteil fällte: »Die Schlussfolgerung, zu der wir kommen, ist, dass wir keine Schlussfolgerung ziehen können.«
Und er legte das Warum des Gesagten dar: Entweder waren die Bemerkungen der anderen über den Klimawandel ziemlich schwach, oder sie wiesen sogar auf Gegensätze zwischen den Behauptungen der einen und den Erfahrungen der anderen hin. Letztendlich ermöglichte dies alles nicht, die Wahrheit zu ermitteln oder zu einem Entschluss zu kommen. Und Termópilo redete mit der Weisheit weiter, die ihn kennzeichnete: »Was wir machen müssen, ist, eine angebrachte Zeit abzuwart…«
Mitten im Satz brach er ab, weil sich plötzlich das Wasser bewegte und gleichzeitig eine kleine Samtkrabbe daraus hervorkam. Es war eine Tochter von Termópilo, die aufgeregt angerannt kam, gleichzeitig hin und her sprang und rief: »Papa, Papa, komm schnell! Es ist etwas Unerwartetes passiert, das euch alle interessiert!«
Vater und Tochter tauchten zur Verblüffung aller anderen, die natürlich stumm und erwartungsvoll zurückblieben, in das Wasser. Nach einer Weile kamen beide aus dem Wasser hervor und Termópilo erzählte Folgendes: »Eine kleine Gruppe Robben ist aus dem Norden geflohen und befindet sich jetzt vor der Küste. Anscheinend geht unter den Fischen der kalten Gewässer und besonders unter den Polarbären das Gerücht um, dass die Polarkappen schmelzen. Alle sind erschrocken über die Eiskappen, die ins Meer stürzen.«
In diesem Augenblick tauchte aus dem Wasser eine Robbe auf, die sich der Küste näherte, um ein Junges zu gebären. Die Freunde kamen näher, um die Robbe und das Schauspiel zu beobachten, was man ihnen nicht verdenken konnte. Wenige Minuten später kam ein Junges auf die Welt, das sofort anfing, die fette Milch seiner Mutter zu saugen. Die Robbe, die Fócida hieß, war nicht verängstigt; im Gegenteil, sie freute sich über die Neugier, die sie hervorgerufen hatte und war stolz auf ihr Junges. Nachdem sich unsere Freunde von diesem Erlebnis erholt hatten, berieten sie weiterhin über die Neuigkeiten, die ihnen die Robbe mitgebracht hatte.
Aber bald war es wieder ein Papagei, der sich, begleitet von mehreren Wellensittichen, der Gruppe genähert hatte und seinem Freund Gayo ein Zeichen machte, dass er ihm etwas mitteilen wolle. Gayo entschuldigte und entfernte sich, was unsere Freunde erneut aus der Fassung brachte.
Gayo begab sich zusammen mit dem Papagei zu einer nahegelegenen Baumgruppe. Dort befanden sich zahlreiche Gänse, die vorzeitig aus der arktischen Tundra zurückgekehrt waren. Sie waren verschreckt. Das lag daran, dass sie zum ersten Mal so ein merkwürdiges Phänomen wie das Fehlen von Schnee und Eis in jenen Breitengraden erlebt hatten. Sie hatten Angst, einen Lebensraum, den sie regelmäßig besuchten, so verändert zu erleben. »Wo sollen wir dann hin?«, fragten sie sich. Bei ihrem Rückflug – in der klassischen V-Formation, wobei sie gleichzeitig schnattern – hatten sie beim Überfliegen hoher Gebirgsketten bestürzt beobachtet, wie die riesigen Gletscher der Berge, die seit Jahrhunderten bestanden, angefangen hatten zu schmelzen. Und durch das Schmelzwasser führten die Flüsse aus den Bergen mehr Wasser.

Fócida
Ganz in der Nähe hatte, ganz untypisch für diese Region, ein Paar Weißstörche sein Nest auf den starken Stamm einer vertrockneten Eiche gebaut. Die Störche kamen jetzt auf die Gänse zu. Während Gayo und das Storchenpaar erfuhren, was die Gänse zu berichten hatten, zeigten die Störche ihre Freude darüber, dass sie dieses Jahr beschlossen hatten, nicht die Straße von Gibraltar zu überqueren und nach Afrika zu fliegen, um der Kälte zu entkommen. Die Wärme der milden Region, in der sie sich befanden, genügte ihnen und sie hofften, dass ihre Jungen auch hier ihre Nester bauen würden.
Gayo kehrte zu seinen Freunden zurück. Begleitet wurde er von einem Gänserich und einer Gans der Gruppe und dem Storchenpaar. Vor den dort Versammelten, denen sich auch die Robbe und ihr Junges angeschlossen hatten, erläuterte er die Gerüchte – es waren eigentlich mehr als Gerüchte –, die unsere geflügelten Freunde über die Erwärmung beigesteuert hatten.
Erneut ergriff Termópilo das Wort und überlegte: »Vorher hatten wir Zweifel und Bedenken über die Erwärmung der Erde. Vielleicht, weil wir uns nur um einen kleinen Flecken Erde kümmern, der in Wirklichkeit kaum über unseren eigenen Lebensraum hinausgeht. Jetzt bringen uns unsere geflügelten Freunde das Gerücht, dass sich dieses Phänomen von den Polen bis zum Äquator der Erde ausdehnt, also alle Breitengrade betrifft. Bevor wir eine Entscheidung darüber treffen, wie uns diese Situation betrifft, das heißt, ob wirklich Gefahr für unser Dasein besteht oder was wir in diesem Fall tun können, müssen wir noch mehr Informationen einholen. Das können unsere Freunde, die Vögel, tun.«
Die Störchin bemerkte Folgendes: »Tatsächlich können wir, die Vögel, helfen. Es gibt Millionen von uns, die jedes Jahr die Erde in alle Richtungen überfliegen, vom Norden nach Süden, vom Osten nach Westen. Das tun wir gerade darum, weil wir manchmal ein milderes Klima, und manchmal ein kälteres Klima suchen. Wir können die Schwalbe oder die Nachtigall fragen, die aus den Regionen südlich der Saharawüste kommen oder den Fischadler, der Amerika von Norden nach Süden überfliegt.«
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