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Das Buch
Tiere als sprechende Gefährten ist eine Entdeckungsreise der besonderen Art. So lernen Sie, wer Tiere wirklich sind, wie Sie am besten mit ihnen leben und was sie uns lehren. Darüber hinaus erfahren Sie etwas über den Tod von Tieren, ihre Reinkarnation und die Kommunikation mit der Natur. Tiere als sprechende Gefährten lehrt die Kunst, wie Sie - jenseits der Worte - zur universellen Sprache der Schöpfung zurückkehren. Penelope Smith nutzt die Gabe des Sprechens mit den Tieren, Pflanzen, Steinen und Naturgeistern von Kindsbeinen an. Fast eine Million Exemplare ihrer Bücher wurden bisher weltweit verkauft. Gespräche mit Tieren und Tiere erzählen vom Tod sind echte Bestseller. Auch Penelopes Hörbücher Gespräche mit Delfinen, Grundkurs Tierkommunikation, Tierkommunikation: Heilung und Therapien, Tierkommunikation: Die Tierseele verstehen erfreuen sich großer Beliebtheit.
Die Autorin
Penelope Smith ist als Pionierin der speziesübergreifenden telepathischen Kommunikation weltbekannt geworden. Ja, man kann sogar sagen, dass sie durch ihre Arbeit einen neuen Berufszweig gegründet hat.
Penelope, die Zeit ihres Lebens mit Tieren telepathisch kommunizierte, entdeckte 1971, dass sich traumatische Erlebnisse und andere Probleme bei Tieren mit denselben Beratungstechniken lösen lassen wie bei Menschen. Zu ihrem Erfolg beigetragen haben ihr Studium der Sozialwissenschaften, die jahrelange Berufserfahrung auf dem Gebiet holistischer Ernährungsberatung und Energiearbeit; ihre Forschungen zum Thema Ernährung, Anatomie, Verhalten und Pflege von Tieren und nicht zuletzt ihre unzähligen Beratungsgespräche mit Tieren. Penelope ist Verfasserin von Büchern und Zeitschriftenartikeln und gibt die Vierteljahresschrift Species Link heraus. Von ihrer internationalen Vortrags- und Workshop-Tätigkeit zeugen Kassetten und Videos. Penelope sieht in der speziesübergreifenden telepathischen Kommunikation eine der menschlichen Integrität wesentliche Geistesgabe. Sie glaubt, dass jeder mit dieser Gabe auf die Welt kommt. Nur hätten die meisten Menschen sie verdrängt und vergessen. Doch sollte sie zum Wohl aller Wesen auf Erden wieder geübt werden. Penelope lebt mit ihrer Tierfamilie am Inverness Ridge, am Rand des Point Reyes National Seashore, im Nordwesten von San Francisco.
Penelope Smith
Tiere als sprechende Gefährten
Tierkommunikation für Erfahrene
Aus dem Amerikanischen von Ilse Fath-Engelhardt

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Die Autorin
Titel
Inhaltsverzeichnis
Widmung
Vorwort
Einleitung
1 Tiere sind tatsächlich wer
Der entscheidende Draht
Bewusstsein und Intelligenz der Tiere
Die Bewertung anderer Spezies
Die evolutive Beziehung zwischen den Arten
Geist und Form
Höheres Selbst/niederes Selbst
Gruppenseele
2 Mit Tieren leben
Namensgebung
Ankunft
Von einander Lernen
Familiäre Herausforderungen
Mehr Verständnis haben
3 Unsere Heiler, Lehrer und Führer
4 Eine Frage von Leben und Tod
Verantwortung und Eigentum
Menschen als Retter
Jenseits des Todes
Der Geist wählt
Der Raubtier-Beutetier-Tanz
Vegetarier oder Karnivore?
5 Wenn ein Großer stirbt
6 Reinkarnation
Das vereinende Band
Das Große Recycling-Center
Die Rückkehr des Löwen
7 Aus anderen Reichen
Besucher
Spannungen zwischen den Reichen
Die dunkle Seite
8 Die Kommunikation mit Naturgeistern
Bäume und andere Pflanzen
Gesteine und Kosmisches Bewusstsein
Die Elemente
Die Jahreszeiten
Die Erde
Boten zwischen den Welten
Zwiesprache mit der Natur
Die Verbundenheit der Spezies
Anhang
Fußnoten
Impressum
In Erinnerung an Pasha

„Penelope erörtert die Kommunikation zwischen den Spezies eindeutig aus der Verbundenheit aller Wesen und spart nicht mit praktischen Beispielen. Mit erfrischender Klarheit legt sie dar, wie wir zuhören und mit unseren Tierfreunden und der Natur überhaupt kommunizieren können. Dieses revolutionäre Buch gibt den Lesern die Möglichkeit einer tieferen Würdigung der großen Geheimnisse unserer Welt.“
Linda Tellington-Jones
Gründerin von TTEAM - Tellington-Jones Equine Awareness Method (Bewusstseinsarbeit mit Pferden) und Tellington Touch -, das Tierheilungen, Tiertraining und Kommunikation mit Tieren anbietet.
Vorwort
Penelope Smith verfügt über eine bewundernswerte Einfühlung in den großen Reigen der Natur. Das ist sehr selten. Meistens sind wir daran gewöhnt, die Natur als etwas gänzlich von uns Getrenntes anzusehen.
Wir sind der Natur zwar oberflächlich verbunden, aber selten befassen wir uns eingehend mit ihr. Penelopes neues Buch Tiere als sprechende Gefährten bildet hier eine Ausnahme. Es gibt Einblick in die durch die Physis offenbarte geistig-seelische Seite der Natur. So wie wir den Menschen in einen Körper gekleidet sehen, ist auch die Natur in Form gekleideter Geist. Die Form können wir bewundern, aber Kraft schöpfen wir erst im unmittelbaren Austausch.
Unbeabsichtigt entfernen sich die Menschen heute immer mehr von dieser Unmittelbarkeit. Es ist so, als könnten wir die Natur nur noch durch Sicherheitsglas anschauen. Wir sehnen uns nach einem direkten Kontakt mit „dort draußen“, finden aber nicht hinaus.
Dieses Buch führt in vieler Hinsicht zu der gesuchten Außentür. Wenn Sie das Gelesene im Alltag umsetzen - sei es im Umgang mit Haustieren oder mit Gartenpflanzen -, werden Sie ins Freie finden, zu unmittelbaren Naturerkenntnissen.
Michael J. Roads - Autor von Mit der Natur reden, Im Reich des Pan, Durch die Sphären des Zeitlosen.
Einleitung
Um körperlich, seelisch und geistig gesund sein zu können, muss der Mensch sich als Teil der Natur begreifen. Die Alten wussten das. Die Ureinwohner wissen es heute noch und halten es rituell in Erinnerung. Sie kommunizieren mit allen Lebensformen wie mit Brüdern, Schwestern, Helfern und Heilern.
In unserer Kultur, in der die rationale Wissenschaft zu einem isolierten Daseinsverständnis geführt hat, bedürfen wir mehr denn je der Bewusstwerdung unserer wahren Naturverbundenheit. Von allen Gattungen scheint es den Menschen am schwersten zu fallen, sich wirklich zu erkennen und richtig zu leben. Tiere und andere nichtmenschliche Wesen können, sofern sie unentfremdet am ewigen Lebensnetz teilhaben, die Menschen an ihre wahre Natur erinnern, was meist der Fall ist. Menschen brauchen Tiere und andere Lebensformen in vieler Hinsicht, von der biologischen bis zur geistigen Ebene. Auf dieser Erde können uns alle Wesen - durch ihre Anwesenheit, ihre direkte Kommunikation, ihre Integrität und ihre Liebe - nach Hause führen, wenn wir ihre Hilfe annehmen.
Die telepathische Kommunikation zwischen unterschiedlichen Spezies geschieht durch den in allen Wesen anwesenden Geist. Sie beruht auf der Anerkennung, dass auf ihre Weise alle Wesen intelligent sind, Erfahrungen machen, Beziehungen herstellen und kommunizieren können. Sie geschieht durch direkte Übertragung individueller Vorstellungen, Gefühle und Eindrücke zwischen Vertretern unterschiedlicher Spezies. Sie bestätigt sich durch positive Verhaltensänderungen und größere Zusammenarbeit, durch zunehmende Sanftmut und wachsendes Vertrauen zwischen den sich austauschenden Wesen. Anstelle von Angst, Aggression und Vorherrschaft regieren dann Harmonie, Würde und gegenseitiger Respekt.
Wenn wir uns der Natur versagen, der geistigen Essenz, die alles Leben durchströmt, spielen wir uns im Umgang mit anders gearteten Lebewesen oft als deren Herren auf. Sobald wir ihnen hingegen als intelligenten Wesen begegnen, die sich mit anderen Intelligenzen unterschiedlicher Lebenswelten austauschen können, besteht kein Bedarf an trennenden Kategorien und Hierarchien.
Egal, aus welcher Spezies wir wem zuhören, es erfordert Aufmerksamkeit. Andererseits sehen wir uns durch den Stress im modernen Leben oft dazu gezwungen, unsere Aufmerksamkeit gegenüber Außenreizen einzudämmen. Wir lernen die subtilen Eindrücke der Kommunikation zwischen Kopf und Herz zu ignorieren, machen seelisch sozusagen die Schotten dicht. Wir hören auf, genau hinzusehen, genau hinzuhören und unser feines Gespür einzusetzen. Wir wissen kaum mehr, wo uns der Kopf steht, weil wir so vielen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden wollen. Also kommen wir selten oder nie soweit zur Ruhe, dass wir für das, was uns umgibt, tiefer empfänglich sind.
Als Babys und im Kleinkindalter waren wir noch ganz weltoffen, neugierig auf alles, was es um uns herum zu sehen, zu hören und zu begreifen gab. Ja, wir sind, wie alle anderen Spezies auch, telepathisch veranlagt. Doch uns wurde meistens anerzogen, nur die gesprochene Sprache gelten zu lassen. Doch selbst im Gespräch sind wir auf eine gegenseitige Gedankenerfassung angewiesen. Wenn wir die beim Sprechakt gemeinten Gedanken und Gefühle -- nicht erfassen, sagen uns die Worte im Grunde nichts. Die eigentliche Bedeutung der Worte reicht über ihre lexikalische Definition hinaus.
Sobald wir langsamer treten und ruhiger werden, wird uns die Vielfalt des Lebens bewusster: wir können uns mit den anderen Lebewesen in unserer Umgebung intensiver auseinandersetzen. Dadurch lernen wir mit der Zeit ihre Verhaltensweisen und Wesensmerkmale genauer kennen. Wir verstehen ihre Art sich auszudrücken und mitzuteilen, immer besser.
Atmen Sie einmal tief durch und lauschen Sie dem Konzert des Lebens. Wird Ihnen das zur Gewohnheit, werden all Ihre Fragen nach dem Wesen der Natur beantwortet werden. Sie werden erfahren, dass alle Lebewesen durch den universellen Geist verbunden sind und dessen tiefste Weisheit teilen. Wir können von der winzigen Mikrobe ebenso etwas lernen wie vom riesigen Wal. Auch wenn es im Ökosystem die unterschiedlichsten Lebensformen gibt, haben doch alle Wesen an der intelligenten Lebenskraft des göttlichen Geistes Anteil.
Immer mehr Menschen werden sich heute wieder ihrer tiefen Verbundenheit mit der ganzen Schöpfung bewusst. Dieses Erwachen äußert sich in ihrem dringenden Bedürfnis, von den Brüdern und Schwestern anderer Arten im direkten Austausch zu lernen und in Eintracht mit ihnen zu leben.
Dieses Buch ist allen gewidmet, die sich ihrer grundlegenden Verwandtschaft mit den anderen Wesen wieder bewusst werden wollen, die ihre Kontakte zu anderen Spezies vertiefen wollen; die mit allen Wesen in Frieden, Harmonie und Freude leben wollen; die den Geist in allen Dingen erkennen wollen; und die erfahren wollen, auf welch innige Weise wir alle miteinander verbunden sind. Es ist überaus spannend, sich durch die universale Sprache der Telepathie mit allen Spezies verständigen zu können.
Seit 1987 scheint sich die westliche Lehrmeinung, dass Tiere über keine Intelligenz verfügen, etwas gelockert zu haben. Das zeigt sich an den großen Nachrichtenmagazinen, naturkundlichen Veröffentlichungen, Fernsehprogrammen und Konferenzen zum Thema Tier, sowie an der allgemeinen Meinung über Tiere. Bis dahin stand als eine wissenschaftliche Tatsache fest, dass Tiere auf der evolutionären Skala tiefer stehen und wegen ihrer weniger komplexen Gehirne unfähig sind, zu denken und zu fühlen und intelligente Leistungen zu vollbringen, was nur der Mensch könne.
Jede Vermutung, Wahrnehmung oder Erkenntnis „höherer“ Denkvorgänge oder eines Kommunikationsvermögens an „annähernd menschlichen“ Lebewesen wurde in unserer Gesellschaft für unwissenschaftlich gehalten. Um etwaigen unzweideutigen Erkenntnissen von intelligenten Reaktionen vorzubeugen, die eine Untersuchung der tierischen Intelligenz jenseits des anerkannten Rahmens zur Folge gehabt hätten, waren bei „wissenschaftlichen“ Experimenten mentale und emotionale Scheuklappen anzulegen.
Dass Tiere zweitklassig seien und für die geistige und planetare Evolution keine Rolle mehr spielen, wird leider noch in mancher Theologie und esoterischen Weisheitslehre vertreten. Doch gestehen mittlerweile viele ernstzunehmende Forscher den Tieren komplexe sprachliche, emotionale und mentale Potenziale zu. Die Annahme, dass die gesamte Natur für unsere Evolution bedeutsam ist, gewinnt an naturwissenschaftlichem Halt. Die Einheit allen Lebens rückt ins Blickfeld der westlichen Öffentlichkeit.
Die Anerkennung der Tiere als Wesensgeschwister lässt sich nicht mehr als bloßer „Anthropomorphismus“ abtun, der eine „irrtümliche Zuschreibung menschlicher Eigenschaften auf Tiere“ bedeutet. Die Leugnung, dass andere Spezies, ähnlich wie wir, denken und fühlen können, ist wissenschaftlich out! Tiere sind intelligente Wesen mit einem spezifischen Bewusstsein und Erfahrungshorizont, und wir Menschen können lernen, mit ihnen direkt zu kommunizieren.
Noch wird die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Spezies meistens indirekt erforscht, indem den Tieren unsere Symbole beigebracht werden und von ihnen erwartet wird, dass sie auf unsere sprachlichen Vorgaben eingehen. Doch glücklicherweise verbreitet sich in unserer Kultur die Einsicht mehr und mehr, dass alle Lebewesen körperlich, seelisch und geistig in Verbindung miteinander stehen.
Unwissenheit und Missachtung haben die telepathische Verständigung bislang behindert. Doch wenn wir mit den anderen Spezies respektvoll umgehen und uns bewusst mit ihnen austauschen, werden wir den ökologischen Schaden schrittweise wiedergutmachen können, der durch ein weitverbreitetes einseitiges Naturverständnis angerichtet wurde.
Ich habe schon immer mit Tieren telepathisch kommuniziert. Seit 1971 bin ich als Beraterin und Tiertherapeutin tätig und biete Bücher, Kassetten und Kurse zu diesem Thema an. Es freut mich sehr, dass sich immer mehr Menschen ernsthaft für die telepathische Kommunikation mit anderen Spezies interessieren und ihren Draht zu allen Lebewesen wieder aktivieren wollen. Möge Ihnen die Lektüre dabei helfen, wachsende Freude an Ihrer Verbundenheit mit allen Lebewesen zu finden.
1
Tiere sind tatsächlich wer
Am Anfang der Welt lehrten die Tiere, denn Tirawa, der Alleinige, sprach nicht direkt zu den Menschen. Er ließ den Menschen durch bestimmte Tiere mitteilen, dass er sich durch Tiere offenbarte, und deshalb der Mensch von ihnen und auch von der Sonne, dem Mond und den Sternen lernen soll.
Letakota-Lesa, Häuptling der Pawnee
Der entscheidende Draht
Dass Tiere eigenständige Wesen sind, hat sich mir im Laufe der Jahre vielfach in der Praxis bestätigt. Da ich ihre essentielle Geistnatur anerkenne, können wir uns intelligent verständigen. Nichtmenschliches Leben stellt keine niedrigere Lebensform dar, in der nur Reflexe oder Reiz-Reaktions-Muster zum Tragen kommen.
Natürlich unterscheiden sich Tiere von Menschen. Körperbau, Erbanlagen und Sinnesorgane variieren von Spezies zu Spezies, deshalb erlebt jede Spezies die Welt auf eine andere einmalige Weise. Jede Gattung besteht aus Individuen, die durch ihre spezifische körperliche Beschaffenheit zu einem einmaligen Selbstausdruck finden und so ihren unersetzlichen Beitrag in der universellen Welt des Geistes leisten können.
Begreifen wir Tiere als bloße Objekte oder biologische Formen, werden wir keine realistische Beziehung zu ihnen aufbauen können. Ein tieferes Verständnis ist erst möglich, wenn wir uns von unseren kulturellen Vorurteilen lösen und ihre psychosomatische Geistnatur erkennen. Es ist zwar nützlich, sich mit der Biologie und der Verhaltensforschung auseinander zu setzen, um sich einen allgemeinen Überblick zu verschaffen, aber dieses systematische Wissen ersetzt nicht die individuelle Begegnung mit den Tieren, durch die sich deren Persönlichkeit, Gedanken, Hoffnungen, Träume und Ziele erschließen. Bei Lebewesen sind äußere Form und Geistnatur untrennbar miteinander verbunden. Wir müssen uns Tieren, egal welcher Spezies, als ganzer Wesen bewusst sein, wenn wir uns ihnen nähern.
Durch die Suche nach geistiger Verbindung verliert der körperliche Aspekt an Gewicht. Die Körper werden dann als der lebendige individuelle Ausdruck der göttlichen Schöpferkraft wahrgenommen. Bei dieser geistigen Kontaktaufnahme von Wesen zu Wesen kommt es zu einem Bewusstsein der Ähnlichkeit, ja selbst des Einsseins. Und diese aus Respekt hervorgegangene Wahrnehmung tiefer Verbundenheit ist etwas Wunderbares. Darin können Vertrauen und Verständnis gedeihen.
Eine solche vertrauliche Kommunikation hat nichts mit Sentimentalität zu tun, noch kommt sie zustande, wenn man Tiere wie Babys oder arme Untergebene behandelt. Sie verlangt Aufgeschlossenheit und ehrliches Wohlwollen. Wer sie schon einmal in der Begegnung mit Lebewesen (Menschen eingeschlossen) erfahren hat, würdigte in diesen Augenblicken die allumfassende geistige Gemeinschaft. Tiere spüren diese Haltung, auch wenn wir uns ihrer nicht verbal bewusst sind.
Das heißt bei weitem nicht, dass sich uns jedes Tier zu Füßen legt, in unserer Anwesenheit ruhig verhält oder auch nur Kontakt mit uns aufnehmen möchte. Tiere treffen ihre Wahl, haben artbedingte Ängste durch Generationen übergreifende Erfahrungen plus eigene persönliche Erfahrungen. Wahrscheinlich ist Flucht oder Angriff ihre erste Reaktion, je nachdem wie es um ihre Körperchemie entsprechend ihrer Funktion in der Natur bestellt ist.
Manchen Tieren fällt es leichter als anderen, mit Menschen geistigen Kontakt aufzunehmen. Andere haben weniger Verlangen danach, sich mit uns oder anderen Spezies auszutauschen. Ich habe jedoch festgestellt, dass sich die meisten Tiere für uns interessieren oder zumindest uns in ihrer Nähe dulden, wenn wir nicht aufdringlich sind, uns also ruhig und aufgeschlossen, aufmerksam und respektvoll verhalten.
Haustiere, sofern sie überwiegend positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, halten diese nicht für räuberisch und können daher eher mit Menschen kommunizieren als wildlebende Tiere. Wahrscheinlich finden Sie also eher zu Haustieren einen Draht als zu wilden Tieren. In beiden Fällen kann der Kontakt aber etwas Besonderes sein, kann die direkte Kommunikation Freude machen. Wenn ein wildes Tier unsere Anwesenheit toleriert und in geistigen Austausch mit uns tritt, ist das eine große Ehre.
Ich betrachte die Tiere nicht als menschliche Wesen im Fellkostüm oder Federkleid. Sie sind sie selbst: Individuen mit anderen Sinneswahrnehmungen und Gedankengängen, mit anderen Ausdrucksmöglichkeiten und Erlebnishorizonten. Es macht Freude, im geistigen Kontakt andere Lebenswelten kennenzulernen. Hierarchische Einteilungen sind hier überflüssig. Sie können zur Herablassung oder Entfremdung führen. Man genießt einfach den geistigen Erfahrungsaustausch. Unsere Geistnatur lässt uns voneinander lernen und uns in Eintracht weiterentwickeln.
Bewusstsein und Intelligenz der Tiere
Es gibt einen riesigen Erfahrungs- und Wissensschatz auf der Welt, dessen sich nur wenige bewusst sind. Er wird von den Pflanzen und Tieren gehütet, und überflügelt bei Weitem das gegenwärtige naturwissenschaftliche Wissen. Diese Weisheit kann der Menschheit von großem Nutzen sein, wenn wir sie annehmen und anfangen, die Wissenschaften in ihrem Sinn zu pflegen.
The Christian Science Monitor, 2. Januar 1992, S. 6
Woran denken Tiere - nur an Futter? Sind sie intelligent? Haben sie ein Erinnerungsvermögen? Können Sie nachdenken? Im neugierigen oder ungläubigen Unterton werden mir immer wieder Fragen dieser Art gestellt, wenn es um meine Arbeit mit Tieren geht. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass sich die Menschen solche Fragen auch gegenüber anderen Kulturen, Rassen und Gruppen gestellt haben, die sie als fremd erlebten, für minderwertig hielten oder einfach nicht verstanden.
Wie beurteilen Menschen, die sich solche Fragen stellen, die Intelligenz der Tiere? Gewöhnlich halten sie es für einen Intelligenzbeweis, wenn sich ein Tier mit Hilfe unserer Sprache, Zeichen oder Begriffe mitteilen kann. Verhaltensforscher bedienen sich menschlicher Standards, wenn sie den IQ von Tieren messen. Aber Tiere reagieren, sehen und denken nicht so wie wir. Ihre Intelligenz muss unter Berücksichtigung der biologischen Fähigkeiten erschlossen und eigenständig beschrieben werden.
Andere Wahrnehmungsweisen
Im menschlichen Verstehen anderer Spezies herrscht ein Vakuum: es fehlt an unvoreingenommener Beobachtung, Kommunikation und Einfühlung in andere Spezies. Da ich mich mit Tausenden von Tieren als intelligenten Wesensgeschwistern ausgetauscht habe, staune ich manchmal über die geringe Bereitschaft vieler Menschen, Tiere als intelligent und bewusstseinsbegabt anzusehen.
Sicher sind Wahrnehmung und Bewusstsein anderer Lebewesen anders als beim Menschen, weil sie andere Funktionen zu erfüllen haben. Tiere, deren Umweltbedingungen verändert werden, können ihre angeborene Intelligenz nicht mehr optimal nutzen. Auf Wesen mit weniger analytischem Daseinsbezug kann die menschliche Art zu denken sehr chaotisch wirken und sie verwirren. Menschen verlangen Tieren oft wesensfremde Leistungen ab. Wie sollen sie das verstehen können! Auch kann es bei Tieren zu Panik führen, wenn ihre Sinne durch Maschinen und menschliche Eingriffe in die Natur überhaupt überreizt werden.
Das Zusammenleben mit Menschen kann für Haustiere traumatisch sein. Manche Leute halten Pferde für verrückt oder dumm, weil sie durchgehen oder scheu werden, wenn sie eine Plastikplane flattern sehen oder Regen aufs Wellblechdach tropfen hören, oder weil sie sich plötzlich vor bekannten Dingen aufbäumen. Pferde sind nicht für die Gefangenschaft in Koppeln und Ställen geschaffen. Ihr Erwartungshorizont ist ein anderer. Sie sind für ein Leben in der freien Natur geschaffen, wo die Wahrnehmung ungewohnter Bewegungen ein Signal zur Flucht sind. Ihr Verhalten erscheint logisch, sobald wir uns in sie hineinversetzen. Dass sie sich an Situationen, denen der Mensch sie aussetzt, gewöhnen, ist ihrer Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft zu verdanken.
Eine Besucherin, der ich einmal meine schönen Hühner vorstellte und ihre rege Wachsamkeit rühmte, meinte: „Die sind doch dumm, Hühner laufen vor jedes Auto.“ Das tun auch Kinder und Erwachsene, die nicht an Autos gewöhnt sind. Der Lärm, das Scheinwerferlicht, die Geschwindigkeit der Autos können den Sinnesapparat der Tiere überfordern. Wir sind den Anblick, die Geräusche und Gerüche unserer schnelllebigen industrialisierten Welt gewöhnt. Hühner, Hirsche, Kaninchen, Mäuse und andere Tiere können durch heranrasende Autos oder Maschinen so verwirrt und in Panik versetzt werden, dass sie erstarren oder auf ihrer Flucht unter die Räder kommen. Versuchen Sie einmal, es sich nachts neben einer Landstraße gemütlich zu machen und einzudösen, und erleben Sie, wie es ist, wenn man von einem vorbeibrausenden Auto aufgeschreckt wird.
Beweisen wir unsere Intelligenz, indem wir auf vorgefasste Meinungen verzichten! Anstatt von „dummen Kühen“ oder „Spatzenhirnen“ auszugehen, können wir einmal unvoreingenommen auf das schauen und hören, was uns gerade umgibt. Erst wenn wir das tun und nicht alles an unseren eigenen Standards messen, können wir Intelligenz und Ausdrucksweisen anderer Kulturen, Gruppen oder Spezies erfassen. Ein Beispiel dazu:
Mein großer Blumen-, Gemüse- und Kräutergarten mit einheimischen und fremdländischen klimakompatiblen Pflanzen ist meine große Freude. Zu seinen häufigsten Besuchern zählen Nackt- und Weinbergschnecken, die sich ungeladen an den Delikatessen weiden. Sie leben schon seit unvordenkbaren Zeiten und sind für das ökologische Gleichgewicht zweifellos wichtig. Es stört mich daher nicht, wenn sie einen kleinen Teil meines Junggemüses fressen. Doch vermehren sie sich (für mein Empfinden) manchmal allzu sehr, wenn eine feuchte Witterung ihre Fortpflanzung begünstigt. Dann sammle ich sie in einen Eimer und schütte sie in einiger Entfernung im Wald aus mit der Bitte, nicht zurückzukommen.
Einmal im Sommer schaffte ich wieder wöchentlich Hunderte von Schnecken fort. Ich vertiefte ich mich ausgiebig in sie und stellte fest, dass es sanfte, sehr empfindsame Wesen mit scharfem Wahrnehmungsvermögen sind. Während ich mich in sie hineinversetzte, nahm ich eine Welt pulsierender Energiewellen wahr. Ihr Gesichtssinn unterscheidet sich offenbar stark von unserem. Sie erfassen Energiewellen und Auren. In ihrem Bewusstsein „bilden“ sich die Körper anderer Geschöpfe mit den von ihnen ausgehenden Energien „ab“. In der Wahrnehmung der Schnecken sind unsere Körper eher amorph als fest. Wir erscheinen ihnen als farbige Fließmuster mit Energiestrahlen, die je nach den Intentionen unserer Bewegungen einen stechenden oder sanften Charakter haben.
Schnecken „hören“ oder spüren Schallschwingungen mit ihrem ganzen Körper. Jede Pore ihrer biegsamen Gestalt gibt ein erspürtes Bild der Welt wieder. Aufgrund ihrer äußerst sinnlichen Natur verkörpern sie beispielhaft Nahrungsaufnahme und sexuelle Aktivität. Sie sind die „Gourmants in der Tierwelt“, nehmen vollständige Verbindung mit ihrer Nahrung auf, sei es nun junges Grün oder Hundekot.
Ich stieß einmal beim Umgraben in meinem Garten auf ein vereintes Schneckenpaar. Schnecken sind Zwitter, deshalb finden sie leicht einen Partner! Ganz im Gegensatz zur vorherrschenden Auffassung, dass Tiere Sexualität rein mechanisch erleben, war das, was ich wahrnahm, eine ekstatische Gemeinschaft. Respektvoll bedeckte ich das Paar wieder mit Laub. Ein paar Tage später schaute ich unter dem Mulch noch einmal nach ihnen. Sie paarten sich immer noch - eine offensichtlich sehr pässliche Sache, die keine Hast vertrug. Wieder spürte ich ihre Intimität, ihre Freude an der Vereinigung, ihr orgasmisches Einssein.
Vielen Menschen fällt es sichtlich schwer, Schnecken und anderen Lebewesen, die sich körperlich und mental stark von uns unterscheiden, Intelligenz und Bewusstsein zuzugestehen. Hier sind Klischees und Vorurteile zu überwinden, ist Kommunikationsbereitschaft aufzubringen, um die Schönheit ihrer Daseinsform zu erkennen. Wir lernen viel dazu, wenn wir uns in die Wahrnehmungs- und Bewusstseinssphären anderer Geschöpfe versetzen.
Bestimmte Tierarten, die von den Menschen als reine Plage empfunden werden, haben es trotz aller Ausrottungsversuche geschafft, in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft weiter zu gedeihen. Ihr Überleben lässt darauf schließen, dass sie die Gedanken und Absichten der Menschen durchschauen. Beispiele sind Ratten, Waschbären, Kojoten und Kakerlaken. Als Allesfresser können sie sogar vom Müll der Menschen leben. Diese Überlebenskünstler sind erstaunlich intelligent, schnell und auffassungsfähig und genießen oft ihre Nähe zum Menschen. Leider gelingt es jedoch wildlebenden Tieren oft nicht, das Vordringen der Menschen in ihr Territorium zu überleben.
Oft wird beim Menschen etwas als rational und bewusst eingestuft, was beim Tier für eine Instinkthandlung gehalten wird. Rüden heben das Bein, urinieren und bellen, um ihr Revier abzugrenzen und andern Hunden ihre Präsenz anzuzeigen. Das wird gewöhnlich als ein Reiz-Reaktions-Mechanismus abgetan, über den die Hunde keine Kontrolle hätten. Doch wenn Menschen Grenzen markieren, Gebiete einzäunen oder um Territorialansprüche kämpfen, hält man das für löblich oder zumindest akzeptabel, da man sich ein Recht auf persönliches Eigentum zugesteht, beziehungsweise ein Recht auf den Ausdruck seiner sozialen oder individuellen Identität. Nach Ansicht vieler Menschen sind sich Hunde und andere Tiere in keinster Weise ihres Verhaltens bewusst. Nur Menschen hält man für fähig, sich über ihr eigenes Verhalten im Klaren zu sein.
Wir begrenzen die Kommunikation mit Tieren nur allzu gern auf unsere Verstandesebene. Die Tiere müssen lernen, sich auf einer uns geläufigen Ebene mitzuteilen, meist durch Körpersprache - wie Bellen, Stupsen, Kratzen, Zerren etc. - oder durch emotionale Botschaften. Ein geistiger Austausch ist selten. In Tierbüchern werden meist nicht alle Kommunikationsebenen der Tiere beschrieben, sondern nur ihre Fähigkeiten im Rahmen einer den Menschen gewohnten Kommunikation. Wenn sich Hunde zum Beispiel nicht mehr anders mitzuteilen wissen, als aufs Sofa zu pinkeln oder ständig zu bellen, wurden sie wahrscheinlich ignoriert, als sie ihre Bedürfnisse auf subtileren emotionalen oder geistigen Ebenen mitteilten. Tiere bedienen sich dann meist notgedrungen der Kommunikationsform, die wir verstehen wollen.
In unserer Kultur herrscht die Ansicht vor, dass Tiere aufgrund ihres mangelnden Bewusstseins kaum Entscheidungen treffen können. Man ist weit entfernt davon zu glauben, dass Tiere ein Bewusstsein von den tiefsten Wahrheiten und Urgesetzen unseres Universums besitzen. Doch Menschen, die sich ohne Worte oder andere kulturell festgelegte Zeichen als Zwischenträger auf andere Spezies einlassen, erfahren Tiere auf einer Ebene jenseits ihres Überlebenstriebs. Sobald wir mit Tieren aufrichtig und offen umgehen, eröffnet sich ein fruchtbares Feld des voneinander Lernens.
Die Sprachbarriere
Die verbale Kommunikation ist etwas Wunderbares, wenn es um die Betrachtung und Regelung komplizierter Sachverhalte geht. Andererseits ermöglicht sie auch Missverständnisse, die die direkte Kommunikation behindern können. Weil solche Missverständnisse auch sprachlich abgerufen und interpretiert werden können, lassen sie sich verkomplizieren und vielschichtig ausbauen. Wir verwickeln uns dann in alte Formulierungen, und denken, das sei die momentane Wirklichkeit oder das, was die anderen über uns und unsere Handlungen gerade denken. Worte können dazu verleiten, andere nicht aus direkter Erfahrung zu beurteilen, sondern sie aus der Interpretation des von ihnen Gesagten zu rekonstruieren.
Sprache kann also bei Therapien und Beratungen zum Hindernis werden. Bei Tieren geschieht die Beratung unmittelbar, können Fragen und Vorstellungen rasch auf telepathischem Weg ausgetauscht werden. Normalerweise werden bei der Klärung von Problemen direkt die betreffenden Gefühle oder der Sachverhalt erfasst. Tiere verschleiern ihre Erfahrungen und Erinnerungen nicht mit abstrakten Bedenken über deren mögliche Bedeutung für sich selbst und andere. Zwar kommen auch bei ihnen Missverständnisse vor, aber sie neigen anders als die Menschen gewöhnlich nicht dazu, immer wieder über eine Erfahrung und deren Bedeutung nachzugrübeln.
Tiefsitzende emotionale Schwierigkeiten oder auch neue schlechte Erfahrungen und Traumen lassen sich bei Tieren meistens leichter und schneller bereinigen als bei Menschen. Binnen Minuten kommt es zu deutlichen und langfristigen Änderungen der Stimmung und des Verhaltens - wofür bei Menschen oft stundenlange Therapiegespräche nötig sind. Tiere erfassen meist schnell die Ursache des Problems und können ihre sich negativ auswirkenden Verhaltensweisen schlagartig aufgeben.
Menschen brauchen dazu erfahrungsgemäß länger. Es kann viele Stunden oder auch Jahre der Therapie oder anderer Selbstfindungspraxis erfordern, bis sie wieder zur Quelle ihrer einfachen unmittelbaren Wahrnehmungen und damit zur Erkenntnis grundlegender Wahrheiten gelangen. Tiere verlieren ihren direkten Draht zum Leben sehr selten. Sie verstehen das Leben auch so, ohne dicke Bücher über seine Wahrheiten wälzen zu müssen. Deshalb können sie uns so vieles lehren.
Unsere verstandesmäßigen Verstrickungen können uns handlungsunfähig machen, Lebensfreude rauben und viel Leid verursachen. Andererseits haben Verstandesleistungen uns auch in den Genuss großer Errungenschaften gebracht. Sprache in ihrer Vollendung sollte Gedanken immer in einer Weise ausdrücken, die uns auf die Fülle des Lebens jenseits aller Worte hinweist.
Tiere können unsere Sprache verstehen, weil sie das beim Sprechen jeweils tatsächlich Gemeinte erfassen. Ihre normale Kommunikationsform ist das direkte Übertragen und Erfassen von Intentionen und Gefühlen. Sie machen sich das Leben nicht so schwer, wie viele Menschen mit ihren Verklausulierungen und sprachlichen Irrwegen. Allerdings können sie durch einen engen Kontakt mit Menschen von deren indirekteren Kommunikationsweisen beeinflusst werden. Sie können sogar Neurosen und Verhaltensstörungen entwickeln, wenn ihre Anlagen und Bedürfnisse vom Menschen ständig boykottiert und pervertiert werden.
Oft heißt es, ein unbefangen und intuitiv geführtes Leben wäre naiv und langweilig. Das direkte Miteinander erscheint vielen zu einfach und beschränkt. Sie lieben ernste Gedankengänge, die zweifellos zum Menschsein dazu gehören. Doch wer sich allzu ausschließlich komplizierten Gedankenspielen ergibt, kann einmal plötzlich den Faden verlieren und in der Selbstentfremdung landen. Dann steht die Suche in Therapiegesprächen, in der Meditation, im Gebet oder auf anderen spirituellen Wegen an, um von Gedankenmustern loszukommen, die an der Erfahrung reiner Lebensfreude hindern.
Statt im Umgang mit Tieren an vorgefertigten Meinungen festzuhalten, sollten wir versuchen, uns ganz in sie hineinzuversetzen. Sobald wir nicht nur innerhalb unserer sprachlichen Grenzen auf sie zugehen, erkennen wir die Tiere in ihrer Schönheit, Einzigartigkeit und Intelligenz. Plötzlich sind sie wunderbarerweise nichts völlig anderes mehr, sondern Wesensgeschwister voller Begeisterung, Humor und Weisheit. Sooft wir uns in andere Wesen hineinversetzen, vertiefen wir unsere Seinserfahrung. Unser Bewusstsein erweitert sich. Und mit wachsender geistiger Reife kommen wir der wahren göttlichen Natur, die in jedem von uns wohnt, immer näher.
Folgendes Selbstgespräch stammt von 1992:
Vom Denken allein wird man nicht weise, Aber durch Achtsamkeit Umfassende Weisheit der Natur In Felsen, Bienen, Elefanten Denken kann Spaß machen Erkenntnisse herbeiführen Verwirrung stiften Galaktischer Reigen Um sich selbst.
Achtsamkeit, Tiefe Aufrichtigkeit Bringt Wahrheit ans Licht Wissen ist Bewusstsein Es entspringt keinem Rationalismus Keinem folgerichtigen Gedanken Obwohl vom Denken zum Wissen gesprungen werden kann Doch dieser Sprung gelingt nur durch Sein Durch reines Selbstsein Der ewigen Geistnatur.
Denken ist nicht das Ein und Alles des Bewusstseins Es bedarf vieler Transformationen Um reine Schönheit Weisheit Wahrheit zu finden.
Denken trifft man in vielen Spezies an Halte es nicht für den Schlusspunkt Oder für etwas, das dich Über alles erhaben macht Das meinen nur die modernen Menschen Die am Wesentlichen vorbeigehen Dass nämlich im Geist Gleichmut und Frieden zu finden sind Nicht in Schlussfolgerungen Oder logischen Argumenten Der schöpferische Geist Ist die Geistnatur in allen Dingen.
Wir finden zu höchstem Wissen Zu unserem Ursprung Wenn wir durch Achtsamkeit Zu uns finden Zu unserem Selbst, das Schlicht in unserem Herzen wohnt.
Wer unter den Spezies hat das größte Bewusstsein? Etwa die Gedankenverlorenen? Nein, es sind diejenigen, die achtsam sind Die fühlen, die sehen Deren Wesen über die Grenzen Von Haut, Gehirn und Form hinausreicht.
Ich bin Wissenden in jeder Gestalt begegnet Von Bäumen über Schmetterlingen zu Menschen Von ihnen können wir lernen, Uns am Instrument unseres Verstandes zu erfreuen Und Ideen zu entfalten.
Das ist unser angeborenes Recht Aber wir dürfen uns nicht von ihm Beherrschen lassen, Wir dürfen uns nicht dadurch Von den anderen Lebewesen isolieren Dass wir sie für niedriger halten.
Mögest du durch Anerkennung der Wissenden Zu dir selbst finden.
Die Bewertung anderer Spezies
Was uns nicht alles voneinander trennt! Rasse, Geschlecht, Körpergröße, Glaubenssysteme, Spezies ... die Liste analytischer Unterscheidungen und Trennungen ist lang. Mit ihrem Missbrauch lässt sich Zwietracht säen. Wenn man, statt die Gemeinsamkeiten der inneren Geistnatur zu betonen, sich zu sehr auf die Unterschiede versteift, nehmen Unterdrückung, Ausgrenzung, Härte und auch Grausamkeit gegen die anderen zu.
Sicherlich kennt jeder von uns die Thesen, nach denen üblicherweise zwischen Mensch und Tier unterschieden wird, und viele haben diese isolierte Wertschätzung menschlichen Lebens übernommen. Bis vor kurzem war die Minderwertigkeit anderer Spezies auch wissenschaftlich verbürgt. Heute allerdings erkennen viele Wissenschaftler die Hinderlichkeit dieser Annahmen, und kommen durch ihre unbefangene Beobachtung zu völlig neuen Ergebnissen.
Sehr gängig ist das Vorurteil, dass Tiere keine intelligenten Wesen seien, denn dazu sei die Leistungsfähigkeit ihres Gehirns einfach zu begrenzt. Ihren Gehirnen mangle es einfach an Masse und Komplexität, als dass sie denken und individuelle Entscheidungen treffen könnten. Mittlerweile belegen Studien, dass viele Spezies - und darunter auch solche mit relativ kleinen Gehirnen - durchaus in der Lage sind, Probleme zu lösen und Entschlüsse zu fassen.
Ein weiteres Kriterium war „der Gebrauch von Werkzeug“: Nur die Menschen hätten jene evolutionäre Stufe erreicht, die sie zum Überleben Werkzeuge erfinden und gebrauchen lässt. Nun ist diese Fähigkeit aber auch bei anderen, sehr unterschiedlichen Spezies entdeckt worden - wie bei Schimpansen, Vögeln und Ameisen. Eine andere These besagte, dass nur Menschen zum Altruismus fähig seien, also nur sie sich selbstlos für andere einsetzen könnten. Doch sind unzählige Vorfälle und Begebenheiten bekannt, bei denen Tiere ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um Artgenossen und auch Menschen rettend zu Hilfe zu kommen. Auch dieses Kriterium ist also überholt.
Jahrhunderte lang war unbestritten, dass nur Menschen sich durch Sprachen und Symbole untereinander verständigen. In jüngster Zeit haben Forscher jedoch zu ihrem großen Erstaunen bei vielen Spezies den Gebrauch komplizierter Laut- und Zeichensprachen entdeckt, sei es unter Elefanten, Vögeln oder Bienen. Der vorherrschende Glaube, dass Tiere kein eigentliches Bewusstsein von ihrer Umgebung haben, so wie wir Menschen, und sich auch nicht sprachlich verständigen können, ist rückläufig. Es beginnen deutlich mehr Menschen sich auf eine respektvollere Weise mit Tieren zu befassen.
Noch glauben viele Menschen, Tiere hätten kein Selbstbewusstsein und kein Rechts- und Unrechtsempfinden. Ihnen widersprechen die Verhaltensforscher, die sehr wohl bei Tieren Selbstbewusstsein und ethische Vorstellungen entdecken. Zudem hat die direkte telepathische Kommunikation immer wieder gezeigt, dass Tiere sich und ihren Lebenszweck kennen. Sie haben eigene Vorstellungen von Recht und Unrecht und sorgen entsprechend ihrer Art für Gerechtigkeit. Ihre Bräuche mögen sich von den unsrigen unterscheiden. Aber wir sollten bedenken, dass es selbst schon unter uns Menschen Unterschiede im Brauchtum gibt.
Tiere zweifeln ihr Bewusstsein natürlich nicht in dem Ausmaß an wie der moderne Mensch. Trotzdem sind sich die Wesen aller Spezies ihrer Lebendigkeit bewusst, mag dieses Bewusstsein auch noch so unterschiedlich ausgeprägt sein.
Ich habe gelesen, Menschen würden sich von den Tieren auch darin unterscheiden, dass nur sie sich über die Gegenwart hinaus an andere Orte und in andere Zeiten versetzen und die Dinge von einer höheren Warte aus betrachten können. Ich habe da ganz andere Erfahrungen mit Tieren gemacht. Ich durfte erfahren, dass sie sich sehr wohl in Situationen versetzen und Erinnerungen und Zukunftsvorstellungen haben können. Sie haben mir Bewusstseinsmomente vergangener Leben auf der Erde und in anderen Dimensionen mitgeteilt sowie außerkörperliche Erfahrungen. Ich gewann durch sie nicht weniger tiefe Erkenntnisse als in der Begegnung mit Menschen. Tiere vermitteln solche Bewusstseinsmomente normalerweise auf einfachere Weise als verstandesbetonte Menschen, doch ist ihr Wissen deswegen nicht weniger tief.
Ich ziehe es vor, die Unterschiede der Spezies als einen das Leben bereichernden Ausdruck des Universums zu begreifen, anstatt sie als Trennungsmerkmale zu benutzen. Je direkter Sie kommunizieren und je achtsamer Sie ihr Verhältnis zu Vertretern anderer Arten gestalten, desto offenbarer wird Ihnen die Weisheit aller Lebensformen und die Einheit allen Lebens. Und dieses weise Miteinander lässt jeden über die eigenen Grenzen hinauswachsen. Unsere nichtmenschlichen Freunde können uns lehren, das Hier und Jetzt unseres Daseins zu akzeptieren und die schöpferische Einheit zu spüren - die Göttlichkeit, an der wir alle teilhaben.
Wie intelligent Tiere sind und ihren direkten Draht zu allem Leben haben erfuhr ich einmal in einer wunderbaren Begegnung mit einem Laubfrosch. Wir kamen gerade von einem naturkundlichen Diavortrag aus dem Gemeindezentrum zurück. Es war eine kalte Februarnacht und die Ausführungen gingen mir noch immer durch den Kopf. Der Referent hatte sich gefragt, ob die Dürre in unserer Gegend nicht deshalb so rapide zunähme, weil wir den Donnervogel nicht mehr um Regen bitten, wie dies die Eingeborenen immer getan hätten. Und dass wir wieder mehr auf das hören müssten, was uns die Tiere zu sagen haben. Ich fühlte mich zutiefst verstanden, denn auch ich bin dagegen, dass die Menschen die natürlichen Lebensbedingungen so vieler Geschöpfe zerstören.
Der Laubfrosch saß auf der Türschwelle, als warte er darauf eingelassen zu werden. Vorsichtig nahm ich den leuchtendgrünen Kerl auf die Hand, um ihn im Garten abzusetzen. Aber er schien etwas anderes vorzuhaben. Statt davon zu hüpfen, blieb er still sitzen, und kehrte mehrmals um, als ich ihn herunter zu schubsen versuchte. Also hob ich meine Hand hoch, um ihn mir genau anzusehen und herauszufinden, warum er bleiben wollte. Still vermittelte er mir seine Wertschätzung, was in mir das Gefühl einer Urverwandtschaft weckte. „Sag den Menschen, dass wir sauberes Wasser und saubere Luft brauchen“, gab er mir zu verstehen. Ich merkte, dass er auch für die vielen anderen Amphibien sprach - Frösche, Salamander, Molche -, deren Zahl weltweit in so beängstigendem Maße zurückgeht. Er nutzte unsere kurze Begegnung, um mir diesen Auftrag ans Herz zu legen.
Dann drehte er sich auch schon um, und ich senkte die Hand und ließ ihn davon hüpfen. Später hörte ich ihn zusammen mit seinen Freunden quaken. Sie baten um den so heiß ersehnten Regen.
Die evolutive Beziehung zwischen den Arten
In unserer Kultur wird den Menschen eingeschärft, dass der Homo sapiens eine Sonderstellung im Reich der Lebewesen einnimmt. Obwohl der Mensch, was die Komplexität des Gehirns und den Werkzeuggebrauch betrifft, die meisten anderen Spezies übertrifft, ist er nichts ganz anderes. Wir haben, so wie die anderen Wesen auch, unseren Platz im lebendigen Ganzen.
Auch die Vorstellung einer doppelbödigen Evolution des Geistes, dass sich aufgrund des unterschiedlichen Körperbaus eine ganz andere Art von Geist entfaltet, schafft eine unüberbrückbare Kluft zwischen Menschen und Tieren. Ich habe erkannt, dass wir alle dieselbe Geistnatur haben und dass es uns freisteht, in jeder Form individuelle Gestalt anzunehmen.
Die Unterschiede im Körperbau der Arten spiegeln deren unterschiedliche Lebensbedingungen und Fähigkeiten des Überlebens wider. Als geistigen Wesen stehen uns viele Möglichkeiten offen, uns kreativ auf Erden auszuleben. Wir verkörpern uns entsprechend unserer Absichten in verschiedenen Spezies und bringen uns innerhalb der jeweiligen biologischen Grenzen zum Ausdruck. Spezies, Unterarten und Individuen haben ihren evolutiven Zweck im physikalischen Universum und die geistigen Wesen durchwandern in wechselnder Gestalt die Dimensionen. Alles hängt zusammen.
Das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren beschäftigt mich schon seit langem. Wie kein anderes Lebewesen haben wir die Macht, unsere Umwelt zu gestalten oder zu zerstören. Keine andere Spezies außer dem Menschen sortiert andere Spielarten des Lebens derart aus, trennt und bewertet so kategorisch. Doch wir laufen Gefahr, uns dabei zu verlieren in einer immer oberflächlicheren Zerstreuung, statt vollkommen zu verstehen und zu wissen. Auch nichtmenschliche Lebewesen können abstrahieren, aber sie bleiben sich ihres gegenwärtigen Lebenssinnes bewusst und rechtfertigen ihren Platz im Universum und ihren Lebenszweck nicht nach Belieben.
Wir gehen kreativ mit Sprache um, wir forschen, schreiben und zeichnen Geschichten über uns und die Welt auf. Andere Lebewesen vermitteln ihre Erinnerungen und Beobachtungen intuitiv aus dem Zellgedächtnis und durch gruppentypische Eigenarten. Ich habe oft den Eindruck, dass Menschen Schüler des Lebens sind. Unsere Aufgabe ist, uns mit anderen über das Lernen im Leben auszutauschen. Menschen sind Lebenskünstler, die mit Hilfe ihrer Phantasie zu Sinngebern werden können. Wir bereichern einander, wenn wir uns durch Musik, Tanz, Dichtung und auf anderen musischen Gebieten offenbaren.
Eine amerikanische Anthropologin, die das Leben der australischen Ureinwohner erforschte, stellte einer Aborigine einmal die Frage, wodurch sich Menschen von Tieren unterschieden. Die Frau war über diese große Wissenslücke sehr erstaunt und erklärte: wir sind diejenigen, die allen anderen Geschichten erzählen können.
Geist und Form
Als ich vor einem Vierteljahrhundert in Edinburgh in Schottland lebte, hatte ich einen Kater namens Ipsis. Ipsis hatte seinen Namen, der aus dem Lateinischen hergeleitet soviel wie „er selbst“ bedeutet, selber gewählt. Er war eine Wucht von einem schwarzen Kater, der, wenn er Leuten tief in die Augen schaute, diese zu Bemerkungen hinreißen konnte, wie: „Das ist mehr als ein normaler Kater!“
Ipsis war mein spezieller Freund, da er mir bei meinen Beratungen beistand. Kam ein Kunde, trat er zur Begrüßung in Erscheinung und machte es sich dann irgendwo im Hintergrund bequem. Wenn wir dann der Lösung eines Problems nahe waren und sich beim Kunden durch freiwerdende Emotionen gerade eine Einsicht ankündigte, kam es oft vor, dass Ispsis plötzlich auf den Tisch sprang, den Kunden ermunternd anschaute, so als wartete er auf dessen Aha-Effekt. Meistens lachten dann die Kunden und meinten, der Erfolg der Sitzung sei ja jetzt so gut wie sicher, da ihnen Ipsis auf die Sprünge helfe.
Vor allem erinnere ich mich noch an eine Eigenart, durch die mir Ispis sehr beistand. Wir lebten in einer zugigen Dachwohnung, wo uns als einzige Wärmequelle ein kleiner Elektroofen zur Verfügung stand, der noch dazu im Münzbetrieb funktionierte. Das Aufstehen im Morgengrauen fiel mir oft schwer. Aber Ipsis machte es mir ein wenig leichter. Meistens schlief er zu meinen Füßen auf meinem Bett. Kurz bevor der Wecker klingelte, war er schon am Kopfkissen und weckte mich ganz zart mit seiner Tatze. Das brachte mich zum Lächeln, ich streichelte ihn und manchmal schlief ich dabei wieder ein. Wenn dann der Wecker schellte und ich immer noch nicht aufstand, wurde Ipsis hartnäckiger, leckte mit seiner rauen Zunge an meiner Wange oder biss mich leicht ins Kinn, so, als wolle er mir sagen: „Du musst jetzt aufstehen und an die Arbeit. Sie ist sehr wichtig.“ Er half mir, der Kälte des Zimmers zu trotzen, und gemeinsam gingen wir dann zur Arbeit ins Beratungszentrum.
Meinem Freund schilderte ich immer wieder meine wunderbaren Erlebnisse mit Ipsis, was ihm - obwohl er Ipsis auch sehr mochte - manchmal ganz schön auf die Nerven ging. „Das ist doch nur ein Kater, mehr nicht“, meinte er dann, und ich erwiderte: „Und wenn ich dich so ansehe, wie du Ipsis, bist du nur eine menschliche Gestalt, mehr nicht.“
Wir sehen nicht mehr, als wir wahrhaben wollen, und verstehen es meisterhaft, uns auf Normen der Wahrnehmung festzulegen. Wir gehen von der Sinnlichkeit unserer äußeren Hülle aus und von den Veränderungen innerhalb dieser Grenzen. Ohne das Bewusstsein der unendlichen allgegenwärtigen Geistnatur hätte für mich das Leben keinen Sinn. Ich würde den Gefühls- und Gedankenreichtum vermissen, der sich mir durch die Weisheit anderer Wesen offenbart.
Ich sah Ipsis also sowohl in seiner Tiefgründigkeit und Weisheit als auch in seiner Schönheit und Grazie, die er durch seine Katzengestalt offenbarte. Mir gefiel alles an ihm - die geistige Kommunikation und Weisheit, die Katzeninstinkte und individuellen Eigenarten - alles gehörte wunderbar zusammen, war gut.
Wenn man den physischen Aspekt vom geistigen getrennt sieht, ist das gefährlich. Denn das sogenannte Körperliche ist Geistnatur. Die Quantenphysik zeigt, dass die kleinsten Energieteilchen, aus denen das Universum atomar zusammensetzt ist, unentwegt verschwinden und wieder erscheinen, als wäre Magie im Spiel. Sie sind weder hier noch dort, obwohl die Illusion besteht, dass diese Energieeinheiten solide Partikel und relativ beständige Objekte sind. Die Energiepartikel, die die Grundlage der Materie bilden, sind also von unserer Wahrnehmung geprägt. Wir nützen ihr ständiges Vorhandensein. Wir teilen sie uns offenbar, bestehen alle im Grunde aus ihnen. Wie faszinierend!
Als individuelle lebendige Gestalten sind wir vergänglich. Wir nehmen persönliche Merkmale und Seinsweisen an, die wir für unser wirkliches Selbst halten. Diese Identität wandelt sich aber, wenn wir in der physischen Realität einen Zustand verlassen, die geistigen Dimensionen durchwandern und wieder in einen physischen Zustand zurückkehren. Wir können unendlich viele Identitäten annehmen. Wir können im Individuellen aufgehen, Gruppenidentitäten annehmen oder mit Allem-und-Nichts beziehungsweise Gott einswerden. Wer kann uns da als etwas bezeichnen und behaupten, mehr seien wir nicht?
Im physischen Reich können wir (gleichgültig welcher Spezies wir angehören) uns innerhalb unserer körperlichen und gesellschaftlichen Grenzen praktisch zum Ausdruck bringen. Bisweilen können wir wunderbare, weise, ausgeglichene und bewusste Wesen sein, bisweilen aber voller Ängste stecken und stark von dem beeinflusst sein, was uns körperlich angetan worden ist. Und es gibt Zeiten, in denen wir situationsgebunden abwechselnd beides sind. So gelingt es uns manchmal, negative äußere Einflüsse zu überwinden und unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, und manchmal haben uns die äußeren Umstände im Griff, und wir erleben uns fremdbestimmt. Die Überwindung bestimmter Prägungen ist also möglich, wir können das Potenzial unserer Spezies als individuelle Erfüllung gänzlich ausleben.
Jeder von uns betrachtet und erlebt die universale Geistnatur aus seiner beziehungsweise ihrer einmaligen psychosomatischen Bewusstseinsperspektive. Unser Bild vom Universum ist von unseren Sinneswahrnehmungen geprägt. In unserem Alltag können wir uns miteinander identifizieren, weil wir aufgrund unseres ähnlichen Körperbaus und überhaupt als Mitglieder derselben Spezies vergleichbare Sinneseindrücke und ähnliche natürliche, emotionale und soziale Bedürfnisse haben. Doch wir können uns auch in andere Spezies hineinversetzen, da alle Lebewesen auf der Erde an elementaren biochemischen Prozessen teilnehmen und durch die Geistnatur verbunden sind.
Die Wesen suchen sich bei ihren Inkarnationen normalerweise die Körperformen und Situationen aus, die ihnen schicksalsmäßig entsprechen beziehungsweise den nächsten Schritt auf dem Abenteuerpfad durchs Leben ermöglichen. Sie können das entweder sehr bewusst tun oder unwissentlich, indem sie die einmal getroffenen Lebensentscheidungen verdrängen, um das Identitätsempfinden und das Moment des Unerwarteten und Abenteuerlichen zu steigern. Oder weil sie durch zu viel Verdrängung den Faden verloren und sich in der physischen Welt zu sehr verfranst haben. Das kosmische Spiel kann sehr vielfältig erlebt werden, bis ein Wesen sich schließlich seiner Geistnatur bewusst wird. Vergisst es seine Geistnatur über lange Zeit, kann es wirklich in einen elenden Zustand geraten.
Wir Menschen, die sozusagen mit unseren analytischen Verstandeskräften vorne dran sind, sind besonders auf die Hilfe der anderen Spezies angewiesen, um bei der Ausschöpfung unserer Möglichkeiten nicht vom Weg der Achtsamkeit abzukommen. Tiere können uns Daseinsfreude lehren, wie wir die Potenziale unseres Körpers und des Universums in jedem Augenblick sinnvoll genießen und den Draht zu uns selbst als ewige Geistnatur bewahren können, den die meisten Tiere niemals verlieren.
Doch auch Tiere sind nicht automatisch bravere Wesen, nur weil sie Tiere sind, wie manche Leute glauben. So wie wir auch, machen sie auf ihrem geistigen Pfad „Fehler“, unter denen sie zu leiden haben und aus denen sie lernen.
Tiere, die von Menschen willkürlich und grausam behandelt werden, können menschentypische Neurosen entwickeln. In der Wildnis überleben geschwächte Tiere normalerweise nicht lange. Aber wenn Menschen eingreifen und kränkliche, verhaltensgestörte Tiere weiterzüchten, kommt es zu entsprechenden Erbschäden. In Tierzüchtungen spiegeln sich menschliche Vorstellungen wider. Und je mehr die Zuchttiere den Menschen gefallen, desto mehr bestätigen sie deren Erwartungen. Natürlich können Tiere in ihrer Entwicklung auch vom Menschen profitieren. Deshalb gibt es ja verschiedene Spezies - dass sie miteinander besser überleben, sich weiterhelfen und die Freude am Leben teilen.
Wir sind Individuen auf der Reise durch die Unendlichkeit. Unsere unterschiedlichen Wege, die wir eingeschlagen haben, kreuzen sich immer wieder. Alle Wege und alle Körperformen haben ihren Wert. Je nach Reiseetappe erscheint den Einzelwesen eine Körperform attraktiver und zweckmäßiger als andere.
Und wenn auch die speziellen Fähigkeiten der verschiedenen Spezies wirklich bewundernswert sind, dürfen wir darüber nicht die Einmaligkeit jedes einzelnen Wesens vergessen. Ob Mensch, Delphin, Hund, Katze, Lama oder Vogel, nicht jedes Einzelwesen ist sich des tieferen Sinns seiner Spezies bewusst. Die Einzelwesen verkörpern die Spezies oft unvollkommen
Manche Tiere strahlen eine ihre Art, ja jede Art durchstrahlende Weisheit aus. Dann werden sie von manchen mit Menschen verglichen. Normalerweise will man damit sagen, dass man diese Tiere wegen ihrer Auffassungsgabe und Reaktionsweise für außerordentlich intelligent hält. Es gibt Wesen jeglicher Gestalt, die ihrer Spezies und sich selbst als ewigen Wesen vorbildlich gerecht werden. Gewöhnlich fallen sie wegen ihrer Lebensfreude, ihrem Selbstvertrauen und ihrem mitfühlenden Wesen auf. Diese Wesen inkarnieren sich bewusst, egal welche Gestalt sie annehmen. Ich nenne sie Meisterwesen.
Wir Menschen lieben das Kategorisieren, und die Beschreibung der Spezies nach Merkmalen oder Funktionen ist durchaus interessant. Am meisten lernen wir jedoch im Leben, wenn wir die Einzelwesen in ihrer Individualität würdigen auf ihrer Wanderschaft durch die Sphären. Was für ein Abenteuer es ist, sich gegenseitig in, durch und über seine momentane Gestalt hinaus zu verstehen!
Höheres Selbst/niederes Selbst
Die Menschen neigen dazu, sich selbst und andere Spezies in unterschiedlich bewertete Teile zu zerlegen - sie sprechen vom höheren und niederen Selbst, von Körper, Seele und Geist, vom Empfindungs- und Astralleib und so weiter. Durch solche Systeme sollen die im Widerstreit stehenden Kräfte oder Funktionsgegensätze erklärt werden. Doch auch wenn man viel aus der analytischen Zerlegung lernen kann, wirklich verstehen lassen sich die Wesen nur als ganzes.
Mir haben Leute erzählt, dass sie mit dem höheren Selbst eines Tieres gesprochen hätten, so als wäre das Tier ansonsten minderwertig. Es impliziert ein niederes Selbst, das weniger angenehme Erfahrungen vermittelt und nicht weiß, wovon das höhere Selbst spricht. Ich rate demgegenüber im Umgang mit Lebewesen (uns selbst eingeschlossen) zu einem ganzheitlichen Ansatz: Was von Individuen an Erfahrungen und Wissen mitgeteilt wird, entspringt einem körperlich-seelisch-geistigen Wesensganzen. Durch diese respektvolle, achtsame Annäherung ergibt sich die Gelegenheit zu einem völligen Austausch, in dem beide Wesen entscheidend voneinander lernen können.
Tiere können sich über alle Lebensfragen mit uns austauschen, von höchsten Sinn- und Wertfragen bis hin zu Futterwünschen. Es ist Unsinn, bei ihnen von einem höheren und niederen Bewusstsein auszugehen, und mit ersterem in Verbindung treten zu wollen.
Vor einigen Jahren schrieb ich kurz vor einem Workshop folgende Einsichten zu der Frage auf, was alles in unserer Kommunikation mit Tieren eine Rolle spielt:
Die äußere Seite des Tieres spielt eine Rolle - seine Funktion, sein Wirken, seine Bestimmung auf der Erde als dieses spezielle Tier.
Ansichten, Vorurteile, gesellschaftliche Konventionen, persönliche Erfahrungen beeinflussen unsere Wahrnehmung eines Tiers.
Der das Tier beseelende individuelle Geist spielt eine Rolle, mit all seinen Zielen, seinem Tatendrang, seinen Sehnsüchten, Bedürfnissen, Lehren, Energien, Neigungen, Lebensentschlüssen.
Die Geist-Energie (Gott, Lebenskraft, göttliche Kraft, der Große Geist, Geistnatur) spielt eine Rolle, die uns alle vereint und dafür sorgt, dass ein harmonisches Leben auf Erden möglich ist und wir auf einzigartige Weise einander beistehen können. Auf der körperlichen Ebene ergänzen und vollenden wir uns. Auf geistiger Ebene erkennen wir uns als ebenbürtige Teile des Ganzen, als Aspekte des Göttlichen, als eins in unserer inneren Natur.
Die Körper in ihrer Schönheit zu erkennen, heißt, ihre Transzendenz zu erkennen, ihre Geborgenheit in der Geistnatur, und ist das höchste Ziel.
Wir können uns in jeder Hinsicht vereinen (eins werden über Worte und Analyse hinaus) und uns austauschen (energetisch verständigen). Schönheit und Wahrheit offenbaren sich von allein, wenn wir es zulassen.
Lass dich nicht in die Irre führen und konzentriere dich nicht nur auf einen Aspekt oder eine Ebene der Kommunikation. Jede Gestalt birgt die Weisheit der Geistnatur. Deine Aufgabe (Freude!) ist es zu schauen. Versenke dich. Erfasse das ganze Wesen, nicht nur die äußere Schale. Schaue, fühle, erkenne es in seiner lebendigen Gegenwart und sei bereit, auf jeder Ebene der Kommunikation Botschaften zu empfangen.
Gruppenseele
In manchen Kreisen wird die Theorie vertreten, dass Tiere - insbesondere wenn sie in Herden oder großen Gruppen leben - kein individuelles Bewusstsein besitzen, sondern nur eine Gruppenseele oder ein Gruppenbewusstsein. Meiner Erfahrung nach haben alle Spezies, die in Gruppen auftreten, Führer, die die Aktivitäten der Gruppe telepathisch oder anderweitig koordinieren. Sie können körperlich präsent oder auch nicht inkarniert sein - und werden manchmal als Überseele bezeichnet. Grundsätzlich ist mit allen Tieren ein individueller Austausch möglich, ob es sich nun um Elefanten, Schlange oder Termiten handelt. Darüber hinaus kann auch die Überseele beziehungsweise der Speziesführer direkt oder durch ein einzelnes Tier der Gruppe angesprochen werden.
Einmal hielt ich in Cambridge, Massachusetts, einen Workshop, den zwei ans Käfigleben gewöhnte Tiere mit ihrer Anwesenheit und ihren Botschaften zu einem besonderen Erlebnis machten. Suzanne Bullard, eine Vertreterin von Animal as Intermediaries [Tiere als Vermittler], hatte eine Eule und eine Schildkrötenschlange mitgebracht. Sie gehörten zu den Tieren, die ein Leben in der Wildnis nicht überlebt hätten, weil sie geschwächt beziehungsweise zu sehr an die menschliche Umgebung gewöhnt waren, die aber als Wesenslehrer in menschlichen Therapieprogrammen wertvolle Dienste leisteten.
Owl, deren rechter Flügel amputiert worden war, saß auf Suzannes Arm. Ich bat die Teilnehmer, sich zunächst nicht direkt mit der Eule zu befassen, aber ich selbst konnte mich nicht beherrschen und versetzte mich in sie. Sie war dabei, sich im Zimmer umzusehen, und als ihr Blick auf eine etwa fünf Meter von ihr entfernt stehende Stehlampe fiel, dachte sie: „Oh, ein Baum! Nein, doch nicht, aber dort könnte ich nötigenfalls hinfliegen. Fenster. Und das Geräusch? Ach, der Verkehr draußen.“ Dann verfolgte sie, wie das Licht von den Fenstern aus den ganzen Raum durchflutete und ich nahm durch ihre Augen Helligkeitsabstufungen wahr.
Owl ließ nun ihren Blick zu uns schweifen und fasste Vertrauen. Sie fand uns insgesamt sympathisch. Dann musterte sie die Teilnehmer einzeln, sah sie jeweils kurz mit ihren großen, schwarzen Augen an und lud diejenigen, die offen dafür waren, in ihr geheiligtes Reich tiefster Geheimnisse ein, in ein wogendes Meer nächtlichen Friedens. Sie übermittelte uns diese Botschaft:
Auch wenn ihr denkt, dass ich mit meinem gebrochenen Flügel nicht fliegen kann, kann ich es. Ich halte gerade nach einem Landeplatz Ausschau. Ich bin frei. Ihr könnt in euren Träumen mit mir kommen. Ich bringe euch in Reiche, wo auch ihr fliegen und euch geistig frei entfalten könnt. Ich bin gerne eure Lehrerin. Ich lehre euch das Wesen der Eulen - das Bewahren des Geheimnisses, woher die Geister kommen und wohin sie zurückkehren. Kommt fliegt mit mir. Seid frei. Fliegt mit mir in euren Träumen. Wir sind eins.
Während Owl uns diese Botschaft übermittelte, flüsterte Suzanne überrascht, dass Owl der Gruppe ihre verletzte, rechte Seite zuwandte, was ein sehr großes Vertrauen bewies. Bisher hätte sie sich in solchen Situationen grundsätzlich von der anderen Seite, mit Flügel, gezeigt. Auch hätte sie sonst immer schneller in den Käfig zurück verlangt. Owl ließ mich wissen, sie fühle sich von uns trotz ihres fehlenden Flügels als ganzes Wesen geachtet. Es war unglaublich spannend, ihr zu begegnen, und ein großer Segen!
Dann wurde die Schlange aus dem Käfig geholt. Mit ihrem schönen geschmeidigen und buntschimmernden Körper und ihrem heiteren, hellen Wesen bildete Snake einen echten Kontrast zu Owls geheimnisvoller Ausstrahlung nächtlicher Schönheit und Weisheit. Snake drehte sich zunächst nach Suzanne um, sah sie an und dachte: „Ah, meine Freundin, wie schön du bist.“ Dann wendete sie sich den sie gebannt ansehenden TeilnehmerInnen zu, ging der auf sie gerichteten Energie nach, und ließ durch mich mitteilen, dass sie eine große Anspannung spüre. Daraufhin ließ in der Gruppe der Druck der Neugierde etwas nach. Durch Einfühlung in Snakes Wahrnehmung konnte ich die TeilnehmerInnen von farbigen Energien umhüllt sehen.
Ihr leuchtet wunderschön, wie Regenbögen. Ihr seid alle sehr interessiert an mir und einfühlsam. Ich mag das. Ihr seid mir sympathisch. Schönheit und Frieden sind meine Welt. Ich teile sie gerne mit euch und ich freue mich über eure Aufmerksamkeit. Ich nehme eure Wärme und euer Leuchten wahr, eure Aufnahmebereitschaft. Ich bin glücklich mit meinem Leben. Mich zieht es nicht mehr in die Wildnis, dafür könnt ihr durch mich an der Freude und Weisheit aller Schlangen überhaupt teilhaben. Ich bin ein junger und freier Geist und genieße es, Menschen zu begeistern. Kommt, unterhaltet euch mit mir.
Beide, Owl und Snake tauschten sich später mit einzelnen TeilnehmerInnen aus, die mit ihrer Hilfe versuchten, die telepathische Kommunikation zu erlernen.
Ich erfahre die Überseele einer Spezies oder Gruppe als deren einigende Energie, ihre repräsentative Stimme. Sie ist das allgemeine Bewusstsein oder umfassende Wissen der Gruppe oder Spezies. Sie ist in jedem Individuum der Spezies präsent, und doch mehr als diese im einzelnen. Ich habe gelesen, dass Bärenseelen zum Beispiel zu einer Gruppenseele zurückkehren und sich in gleicher Gestalt reinkarnieren. Das ist mir von Tieren oft bestätigt worden, die sich mit mir über ihren Lebensweg austauschten. Andererseits erfahre ich auch immer wieder, dass Lebewesen sich auf ihrem selbstbestimmten Weg in jeder Lebensform und in jeder Dimension reinkarnieren können.
Viele Wesen kehren vielleicht wiederholt in ähnlicher Form zurück und bleiben Teil dieser einen Überseele oder Gruppenenergie. Andere wechseln zwischen den Spezies, die menschliche eingeschlossen. Wir können von Leben zu Leben einem Stamm, einer Rasse, einer Spezies oder welcher Lebensform auch immer treu bleiben, wenn wir es wünschen. Zudem können wir uns in einer bestimmten Verkörperung in andere Lebensformen, Energien und Bestrebungen hineinversetzen, wenn wir unser Bewusstsein der Verbundenheit mit allem Leben zu erweitern verstehen.
Wenn die Einzelwesen in einer Spezies Gestalt annehmen, übernehmen sie damit das gesamte genetische Programm, die Körperfunktionen, die Lebenszwecke und Antriebe dieser Spezies. Sie können ganz in ihrer Gestalt und dem damit verbundenen Lebensmuster aufgehen oder dieses in Grenzen abwandeln, je nach der ihnen zur Verfügung stehenden, von ihren Bedürfnissen, Absichten und Talenten bestimmten Fassungskraft.
Mag sich auch eine allgemeine Speziesgeschichte verfassen lassen, es ist so wie bei der Geschichte der Menschheit. Man bekommt andere Eindrücke oder Einsichten, wenn man sich statt mit typischen Merkmalen mit den Einzelwesen auseinandersetzt. Dieser Planet ist ein Ort, wo sich Seelen in jeder Spezies inkarnieren können und die Gelegenheit haben, aus ihren Abenteuern zu lernen und das Beste aus sich zu holen, in körperlicher, mentaler, emotionaler und geistiger Hinsicht.
2
Mit Tieren leben
Namensgebung
Die Menschen geben ihren Tiergefährten ganz unterschiedliche Namen. Einige bezeichnen sie nach typischem Aussehen, wie Flocke, Schoko oder Kleiner. Andere nennen sie nach einer Laune oder nach irgendeiner Tradition. Andere sehen mentale oder geistige Fähigkeiten verkörpert und rufen ihr Tier Valor [Mut], Libre, Magnificio, Falke oder Shamane. Einige Namen scheinen sich durch das Tier nahezulegen, man hat das Gefühl, es könne gar nicht anders heißen. Dann gibt es Namen, die ihre Wahrheit in sich tragen, je nach der von uns beim Aussprechen in sie gelegte Bedeutung oder Emotion. Die Tiere heißen dann Killer, Rambo, Wild Thing, Demon, Dodo, Stupid, Poof oder Bonzo. Solche Namen müssen manchmal ausgetauscht werden, je nachdem was beiderseits davon gehalten wird und wie Gefühlsleben und Verhaltensweisen beeinflusst werden.
Also, was steckt hinter einem Namen? Was halten Tiere von den Namen, die wir ihnen geben? Einigen ist es egal, wie sie genannt werden. Sie gewöhnen sich an den Namen und verknüpfen ihn mit uns und unserer Liebe zu ihnen. Sie widersetzen sich nicht, selbst wenn sie mit einem negativen Namen gerufen werden. Andere Tiere können ihre Namen überhaupt nicht ausstehen. Die Namen passen nicht zu ihrer Seins- oder Wesensart und sie werden aggressiv oder apathisch.
Tiere wollen sich ihre Namen meist lieber selbst geben. Sie haben, wie wir, ganz persönliche Eigenschaften und dürften dementsprechend auch Namen bevorzugen, die ihre Persönlichkeit würdigen. Sie finden solche Namen heraus, wenn Sie den Tieren zuhören. Woher sollen Tiere ihre Namen kennen? In der Regel hatten sie als geistige Wesen vor ihrer Reinkarnation eine Vorstellung vom Zweck ihres kommenden Lebens, und sie geben sich vielleicht Namen, die sie an diesen Zweck erinnern. Oder sie geben sich Namen aus früheren Leben, weil sie darin einen Charakterzug besonders gut getroffen finden. Der sich ergebende Name fühlt sich dann für beide Seiten richtig an, wenn Sie das Tier als ein selbständiges Wesen achten. Manchmal findet sich kein passendes Wort und man muss sich der Namensvorstellung lautlich annähern. Gewöhnlich geben die Tiere einem zu verstehen, ob sie mit der Namenswahl zufrieden sind.
Einige Tiere können es sehr verübeln, wenn ihnen der falsche Namen gegeben wird. Regina Heynneman beriet einmal eine Frau, die ihre Katze Francis rief und 17 Jahre deren Ablehnung erfahren hatte! Regina fand heraus, dass Francis ihren Namen hasste und lieber Holly heißen wollte. Als die Katze Holly gerufen wurde, wurde sie zutraulich und kam ins Haus, was sie vorher nie getan hatte.
Als ich meinen Afghanenhund Pasha aus dem Tierheim abholte, fragte ich ihn, wie er genannt werden wollte. Er erzählte mir, er sei in seinem vorigen Leben Russe gewesen und würde gern mit seinem damaligen Spitznamen Sasha gerufen. Da ich Penelope heiße, und damals mein anderer Afghane Popiya und mein Wohnmobil Pegasus hießen, fragte ich, ob er mit dem Namen Pasha einverstanden sei. Er fand das in Ordnung und so hieß er Pasha. Später fand ich heraus, dass Pascha auf Türkisch „Exzellenz“ bedeutet, und das gefiel Pasha, der vom Sternzeichen Löwe war. So passte alles zusammen.
Rana, der Name meiner Afghanenhündin, bedeutet „Königin“, wie sie mir vermittelte. Ich sah sie als Mitglied eines Königshauses im alten Indien, mit einem roten Edelstein auf ihrer Stirnmitte.
Als unsere flauschige gescheckte Angorakatze an einem Junitag zu uns kam und ich das junge Kätzchen nach seinem Namen fragte, nannte es sich Chico San, was „kluger Junge“ bedeutete. Chico San war zwar in Wirklichkeit weiblich, bestand aber auf dem Namen. Und da er zu ihrer klugen, sanften Art passte, blieb es dabei.
Einen Monat später erschien vor unserer Haustür ein tauber, junger weißer Kater, der sich mir mit einem höchst komplizierten Namen vorstellte, den er auf einem anderen Planeten gehabt hatte. Ich sagte ihm, dass wir mit diesem Namen hier auf der Erde nicht klar kämen. Mir kam der Kinohit „Krieg der Sterne“ in den Sinn und ich nannte ein paar Namen daraus. Bei Obi Wan-Kanobi schaute er mich verächtlich an. Als ich es dann mit Yoda versuchte, nickte und blinzelte er zustimmend.
Meinen ersten Kakadu-Freund schenkte mir eine Kundin mitsamt verschnörkeltem schmiedeeisernen Käfig. Sie hatte sein ständiges Geschimpfe um drei Uhr früh satt und stand zu sehr unter Stress, als dass sie viel Zeit in Beratungsgespräche hätte investieren können. Sie fragte mich daher, ob ich ihn übernehmen würde. Ich war einverstanden, und so kam er zu mir. Pishta hasste seinen Namen und bat mich, ihn anders zu nennen. Er ließ mich an ein sich drehendes Karussell denken, dessen bunte Holzpferde sich auf und ab bewegten. Ich fragte: „Karussell?“ Nein, meinte er, beharrte aber auf seiner Vorstellung. Jetzt kam mir beim Anblick der Umdrehungen der Name Pirouette in den Sinn. Das war es! Einige Wochen später konnte Pirouette, der vorher nur gekrächzt hatte, seinen Namen und den Satz „Du bist klasse!“ sprechen. Letzteres hatte ich wiederholt zu ihm gesagt, um ihn aus seiner Abwehrhaltung gegenüber Menschen herauszubringen. Er schimpfte nie wieder um drei Uhr morgens oder zu sonst irgendeiner Tageszeit vor sich hin.
Von meinem ersten Meerschweinchen erfuhr ich den Namen, noch bevor es geboren wurde. Ein Freund von mir hatte in einer Tierhandlung ein trächtiges schwarzweißes Meerschweinchen gekauft. Ich hatte plötzlich die Eingebung, dass es ein rotbraun-weiß geflecktes Meerschweinchen werfen wird, das Cinnamon [Zimt] heißen möchte. Und so kam es auch. Cinnamon zeugte später mit Lara, die ein schwarzes Fell hatte, zwei Nachkommen. Sie hatten beide ein braunes Fell mit schwarzen Tupfen. Da sie sich selbst keine Namen gaben, rief ich sie wegen ihres Aussehens und in Anlehnung an den Namen ihres Vaters Nutmeg [Muskat] und Gingerbread [Pfefferkuchen], was sie in Ordnung fanden.
Ein Jahr später hatte ich im März einen gelb, grün und grau gefiederten Sittich in einer Tierhandlung erstanden. Auf der Heimfahrt gingen mir wegen seiner Pastellfarben zuerst Namen wie Misty [dunstig, verschwommen] durch den Kopf. Da machte er mich darauf aufmerksam, dass er derselbe Sittich war, den ich als Kind gehabt und Winky genannt hatte, und dass er gerne wieder so heißen würde. Andere Mitglieder meiner Tierfamilie haben sich, wenn sie neu inkarniert zu unserer Familie zurückkehrten, neue Namen gegeben, aber Winky wollte seinen alten Namen behalten.
Unsere Schildpattkatze Yohinta kam durch unseren schwarzen Kater Heyoka in die Familie. Heyoka hatte mir im Januar einmal mitgeteilt, dass uns im Juni seine alte Freundin als Kätzchen zulaufen würde. Sie würde so wie er im April Geburtstag haben und seine Gefährtin werden. Als ich geistig Kontakt mit ihr aufnahm, sagte sie, sie wolle Punk oder Punky heißen. Nachdem wir sie dann nach ihrer Ankunft tatsächlich so riefen, erschien sie mir nach ein paar Tagen um drei Uhr früh im Traum und sagte, sie möchte bei ihrem richtigen Namen, Yohinta, gerufen werden. Ich weckte mich im Traum auf, und schrieb diesen Namen auf. Als ich sie Yohinta nannte, funkelten ihre Augen, und auch Heyoka fühlte sich wohler so. Der Name hielt in uns allen die alte indianische Herkunft in Erinnerung und passte hervorragend zu ihr.
Im gleichen Jahr, in dem Yohinta bei uns aufgetaucht war, nahm ich auch noch einen orangefarbenen getigerten kleinen Kater bei uns auf. Ich fragte ihn gleich auf der Heimfahrt, welcher Namen ihm gefallen würde. „Sherman“, gab er mir deutlich zu verstehen. Da der Familienname meines Mannes Sherman ist, fragte ich sicherheitshalber noch einmal nach. Etwas ungeduldig wiederholte er: „Sherman, verstehst du, Sherman, wie General Sherman!“ Ich hatte verstanden.
Als wir zu Hause ankamen, erzählte ich meinem Mann, welchen Namen der Kater vorgeschlagen hatte, und er war verständlicherweise wenig begeistert von der Aussicht, dass sein Familienname ständig gerufen würde. Also versuchte ich es mit Samson. Es war aussichtslos. Der kleine Kater ignorierte es, wenn ich ihn bei diesem Namen rief. Wegen seiner märchenhaften Art versuchte ich es auch ein paar Tage lang mit Peter Pumpernickel oder Periwinkle, aber vergeblich. Ich sagte Michel, dass der Kater keinen anderen Namen akzeptiere, und er bat mich, ihn nach dem Grund zu fragen.
Auf der Heimfahrt hatte mir Sherman schon anvertraut, dass er aus dem Engelreich komme. Jetzt erklärte er uns, er brauche, um seine Mission auf Erden erfüllen zu können, einen konkreten Namen, der ihn in seiner Katergestalt erden würde. Dieser Name war Sherman. Michel verstand das und willigte ein. Der Kater sah mich ganz dankbar an und kam seitdem immer, wenn ich ihn rief.
Im Juni 1991 nahmen mich Rosana und Kelly Hart mit zur Elk-Hill-Farm in Eagle Point, Oregon, wo die beiden ihre Lamas hielten. Ich sollte mir ein fünf Wochen altes Lamamännchen anschauen. Ich mochte Lamas schon immer gern und liebäugelte damit, ein paar in unsere Familie lehrreicher Freunde aufzunehmen. Michel fand, wir hätten schon genug Tiere, für die wir sorgen müssten (damals über achtzig, davon 50 Hühner). Er wolle nicht auch noch Lamas mitversorgen müssen, wenn ich zu meinen Workshops unterwegs sei. Außerdem müsse ein weitläufiges Gehege auf unserem Waldgrundstück eingerichtet werden und das koste.
Ich hatte sofort einen guten Draht zu dem jungen Lama, und Pasha, der bei mir war, ebenfalls. Ich spürte ganz stark, dass wir zusammengehörten, aber wegen Michels Einwänden hielt ich mich, soweit es ging, zurück. Immerhin würde es noch sechs Monate dauern, bis das Lama von seiner Mutter entwöhnt war. Ich hatte also noch genug Zeit, mich zu entscheiden und die nötigen Vorbereitungen zu treffen.
Rosana und Kelly hatten sich noch keinen Namen für das Lamajunge ausgedacht. Sie fragten, ob ich einen Namen genannt bekommen hätte. Ich musste sie enttäuschen, da ich mich emotional ja zurückgehalten hatte, um die Sache offen zu halten. Als ich dann auf der Heimfahrt an dieses wunderschöne Lama denken musste, kam mir der Name „Regalo“ in den Sinn. Ich führte den Namen auf das Eigenschaftswort „regal“ [königlich, hoheitsvoll] zurück, was ja bestens gepasst hätte, erwähnte ihn aber niemandem gegenüber.
Nach ein paar Monaten schrieb mir Rosana dann, sie hätten das junge Lama Regalo getauft, was im Spanischen „Geschenk“ bedeute. Als ich das las, liefen mir Schauer über den Rücken. Es bestätigte, dass der Name wirklich von ihm kam, waren sie doch unabhängig von mir darauf gekommen. Nachdem Michel sich näher mit Lamas befasst und sich über deren Haltung informiert hatte, fand er es schließlich gar nicht mehr so schlimm, einige Lamas in unsere Familie zu integrieren, und so legten wir das Gehege für Regalo und die beiden anderen Lamas an.
Als wir im Sommer wieder auf die Elk-Hill-Farm fuhren, zur Besichtigung zweier im April und Mai geborener Lamajungen, stand erneut eine Namensgebung aus. Rosana war es noch nicht gelungen, einen Namen für Regalos Bruder zu finden. Als ich mit ihm sprach, nannte er sich erst Joker, Herzbube und Karobube, bevor er schließlich seinen Namenswunsch äußerte: Heyoka. In der indianischen Tradition der Lakota ist Heyoka der heilige Clown oder Narr, der die Leute über sich selbst und ihre Torheit zum Lachen bringt.
Ein anderes junges Lama, das ebenfalls noch keinen Namen hatte, sagte mir, es gehöre derselben geistigen Bruderschaft an wie Heyoka, Regalo, ich selbst und andere Freunde. Er und Heyoka kannten sich noch als amerikanische Ureinwohner. Sie hätten vor Jahrhunderten viele mutige Taten als Krieger vollbracht und wären wieder gekommen, um den Menschen zu helfen, durch Achtsamkeit sich selbst und der Erde gegenüber weise zu werden. Er ließ mich sehen, wie sie beide mit zum Himmel ausgestreckten Armen zu den Wolken aufschauten, und sagte mir, wir könnten ihn White Cloud [Weiße Wolke] oder White Thunder [Weißer Donner] nennen. Er war ein weißes Lama mit schwarzen Flecken auf den Hinterbacken. Rosana fand, dass White Thunder sehr gut passte, da sein Vater Thundercloud hieß! Und so heißt es nun White Thunder.
Im September verließ dann unser Holländer-Zwergkaninchen Elfie ihren Körper; schon am nächsten Tag nahmen zwei Zwergkaninchen Kontakt mit mir auf, und zwar gleich unter ihren Namen Chester und Molly. Ich telefonierte mit mehreren Züchtern und erfuhr, dass in einer nahegelegnen Tierhandlung einige gemischtrassige Zwergkaninchenbabys zum Verkauf standen. Das mussten Chester und Molly sein. Als ich mit meinem Transportkäfig in der Hand den Laden betrat, begrüßten mich die beiden auch schon in ihrem Käfig.
Drei Käfigetagen darunter saß ein Wesen, das ich noch nie zuvor gesehen hatte - eine männliche Chinchilla, wie ich erfuhr. Er begrüßte mich, versteckte sich dann in seiner angeknabberten Box und machte guck guck, wobei er mir direkt in die Augen sah. Ich war sofort verliebt in ihn und spürte, dass er etwas Besonderes war. Über Chinchillas wusste ich nichts, und im Laden gab es kein entsprechendes Handbuch zu kaufen. Ich beobachtete ihn noch eine Weile, beschloss aber dann, ihn nicht gleich zu kaufen, sondern erst zu klären, welche Pflege Chinchillas brauchen.
In einer anderen Tierhandlung fand ich das gewünschte Buch, das ich zu Hause regelrecht verschlang. Obwohl die Chinchilla wegen ihres aggressiveren Wesens nicht mit Kaninchen und Meerschweinchen zusammengebracht werden durften, sah ich eine Möglichkeit, mit dem vorhandenen Platz auszukommen. Ich hatte die Kaninchen am Freitag abgeholt, das Buch am Samstag gekauft und nun war es Sonntag und die Tierhandlung geschlossen. Also sagte ich mir: „Sollte das Chinchillamännchen am Montag noch da sein, will es zu uns.“ Als ich am Sonntag ein Nickerchen machte, stellte sich mir im Traum ein Forscher aus dem sechzehnten Jahrhundert unter dem Namen „Peter Quince“ vor. Er sagte mir, er kenne mich, es sei seine Bestimmung, in seiner jetzigen Chinchillagestalt mit mir zusammenzuarbeiten, und ich könne ihn Quince nennen.
Viele meiner Hühner haben sich selbst Namen gegeben, so zum Beispiel Chiminy, Iglet, Guido, Jeffrey, Celeste, Chacha, Pepper, Peter, Aureo, Orion, Antoinette, Dominique und Andromeda. Andere übermittelten mir keine bestimmten Namen, also suchte ich passende Namen für sie aus, wie Sugar Pops, Plum, Buttercup, Spinky, Plato oder Rosie. Ruft ein Name, den ich ihnen gebe oder den sie sich selbst geben, bei irgendjemand Unbehagen hervor, diskutieren und verändern wir ihn, bis allgemeine Zufriedenheit herrscht.
Aus Spaß und Zuneigung variieren wir auch die Namen der Tiere. Mein Afghanenhund Popiya ist oft mein Popiya Pizzeria, Pasha mein Pasha Pazoo, Pazoo oder Prinz Pasha Pazoo. Rana meine Rana J. Banana - wir finden den Reim so reizend. Sherman heißt auch Shermanoni Marconi Cat, Oni oder Shermes. Heyoka ist Heyoka Moka Toka oder The Kid. Yohinta ist Yoyo oder Yoyo Ma, Yoyo Buttons, Buttons oder Bébé Chat (französisch für „Babykatze“). Pirouette ist Pirouetta Katwetta Katwoo. Winky heißt oft Winky Doodle, Winky Doodle Boy oder Doodly Boy. Chico San hat die meisten Kosenamen: Chico Bunny San, Chico Pico, Chico Pico little Mico, Chico Cuddle San, Chico Fussy San, Chico Baby San, Chico Lovey San und andere. Die Lamas Regalo und Raindance sind als die Boobie Brothers oder die Doobers bekannt. Die Tiere mögen diese Variationen oder zumindest lassen sie sich die damit einhergehenden Streicheleinheiten gerne gefallen, die von der spielerischen Freude des lebendigen Geistes zeugen.
Ankunft
Manche Leute fragen, worüber meine Tiergefährten und ich uns unterhalten, wobei sie annehmen, wir würden viel miteinander reden. Das tun wir aber gar nicht, es sei denn, wir lernen uns gerade kennen oder es gibt ein Problem zu lösen oder ein Tier möchte eine wichtige Erfahrung mitteilen. Unsere Verständigung ist normalerweise ein fließendes Einverständnis, bei dem wir uns nicht ausfragen oder viel miteinander schwatzen müssen.
Wenn ich unsere Tiergefährten anspreche und ihnen vorsinge, ist das einfach ein alltäglicher Ausdruck meiner Lebensfreude. Und sie teilen mir ihre Bedürfnisse mit. Meistens gibt es keine Probleme, da wir aufeinander hören und einander respektieren. Wenn einer von uns unglücklich ist, versuchen wir, dem auf den Grund zu gehen und das Problem zu lösen. Die Ankunft neuer Tiere bedeutet immer eine Zeit freudigen sich Kennenlernens und intensiver Kommunikation für uns alle, da die Tiere ihre neue Umgebung erforschen.
Pasha trat relativ früh in mein Leben. Damals bestand meine Tierfamilie aus Popiya, einer Afghanenhündin, und einer lebhaften schwarzweißen Katze namens Peaches. Wir lebten in Los Angeles in einer Apartmentanlage mit einundzwanzig Wohneinheiten, die ich verwaltete und in der das Halten von Tieren verboten war!
Mir ist es bisher immer gelungen, meine Vermieter dazu zu bewegen, mir das Zusammenleben mit meinen Tiergefährten zu erlauben, selbst wenn sie grundsätzlich dagegen waren. Ich konnte sie überzeugen, dass ich mit Tieren verantwortungsbewusst umgehe und keine Ruhestörung zu befürchten sei, und dass sie das Haus oder das Appartement bei unserem Auszug im selben wenn nicht besseren Zustand vorfinden würden. Es gab noch kein Vorstellungsgespräch, bei dem wir nicht als Mieter willkommen geheißen worden wären.
Nachdem Popiya ein paar Jahre bei mir war, keimte in mir der Wunsch, einen zweiten Afghanen aufzunehmen. Ich stellte mir vor, dass ein Afghanenwelpe zu unserer Familie findet und vertraute diese Botschaft dem Universum an. Sie ging durch den Äther, und da nahm Pasha mit mir telepathisch Kontakt auf. Er übermittelte mir, dass er in einer verlassenen Gegend mit anderen Afghanenwelpen in einem Zwinger lebte. Da seine Halter glaubten, mit ihm keinen Preis gewinnen zu können, wollten sie ihn bald verkaufen, das jedoch zu einem Preis, den ich bei meinem damaligen Einkommen nie hätte bezahlen können. Also bat ich ihn, falls er wirklich zu mir wollte, irgendwie aus dem Zwinger in ein Tierheim zu entkommen, wo ich ihn abholen könne.
Zwei Tage später vermittelte er mir telepathisch, er sei nun in einem Tierheim und ich könne ihn abholen. Er hatte es geschafft, einen eins achtzig Meter hohen Zaun zu überwinden und war rund dreißig Kilometer weit gelaufen, bis er schließlich aufgelesen und zu einem rund fünfzig Kilometer von seinem früheren Zuhause entfernten Tierheim gebracht worden war. So rief ich der Reihe nach die sieben Tierheime im Stadtgebiet Los Angeles an; nur eines, und zwar das mit 50 km zu uns am nächsten gelegene hatte einen jungen Afghanenhund, der allerdings erst in fünf Tagen zur Adoption freigegeben würde.
Als ich am Samstag Vormittag dort ankam, sah ich mir all die ängstlichen, aufgeregt bellenden Hunde an, konnte zunächst jedoch keinen Afghanen entdecken. Ich hatte ihn übersehen, weil er eben ein Nickerchen machte, in Rückenlage und einen Vorderlauf nach oben gestreckt (eine Stellung, die mir bald vertraut werden sollte, und die ich Schmetterlingsposition nannte). Im gleichen Käfig befand sich auch noch ein schwarzer Hund, der verängstigt winselte. Der Pfleger deutete zum Käfig, und sobald ich Pasha entdeckte, wachte er auf und sprang begeistert auf mich zu. Als der Pfleger ihn aus dem Käfig holte, hörte ich eine Frau, die sich eben einen irischen Setter anschaute, zu sich sagen: „O, jetzt ist der Afghane fort!“ Obwohl für mich außer Zweifel stand, dass Pasha zu mir wollte, hatte ich das Gefühl, „gerade noch rechtzeitig“ gekommen zu sein.
Auf dem Heimweg erzählte mir der sechs Monate alte Pasha, wie er mit einem Satz über den Zwingerzaun geklettert sei und sich an der einen Hinterpfote verletzt habe, weil er im Zaun hängen geblieben war (sein einer Zehennagel blieb davon verkrümmt). Schon der Pfleger hatte mir die Verletzung gezeigt. Pasha wollte auf jeden Fall in ein Tierheim gebracht werden, also rannte er lange, über dreißig Kilometer weit, bevor er „dafür sorgte“, dass ihn jemand auflas und er ins Heim gebracht wurde. Es wunderte mich, dass seine früheren Halter nicht in allen Tierheimen der Umgebung angerufen hatten, um ihn zu finden. Wahrscheinlich waren sie davon ausgegangen, dass er überfahren oder von Kojoten getötet worden war. Offensichtlich waren wir füreinander bestimmt, egal welche Hindernisse zu überwinden waren.
Ich hatte einen wunderbaren, klugen Appaloosa-Hengst namens Nishumi mehrere Male aus der Entfernung beraten, bevor ich ihm im Juni 1983 erstmals direkt gegenüber stand - und heftig abgelehnt wurde. Er warf mir vor, ich hätte bei meiner Beratungsarbeit seine hilfreichen Energien verschmäht, trotz mehrfacher Versuche seinerseits. Das habe ihn geärgert. Ich entschuldigte mich und erklärte, dass ich es wirklich nicht gemerkt hätte und mir bei meinen Beratungen und Workshops gewöhnlich sehr viele Tiere mit ihren hilfreichen Energien beistünden.
Er nahm meine Entschuldigung an und fügte hinzu, er würde mir etwas mitgeben, damit ich ihn niemals vergäße. Er sagte nicht, was es war, und ich dankte ihm im voraus. Als ich dann mit seinen Leuten zur Scheune ging, sah ich eine große Raubvogelfeder auf dem Weg liegen. Ich hob sie auf und dachte: „O, das muss Nishumis Geschenk sein.“ Doch offenbar war da noch mehr. Als wir in die Scheune kamen, fiel mein Blick sogleich auf einen Wurf kleiner Kätzchen mit einer der schönsten schwarzen Mutterkatzen, die ich je gesehen hatte.
Ein kleiner Kater unterbrach seine Rangelei mit seinen Brüdern und kam direkt auf mich zu. Da wusste ich, dass er Nishumis Geschenk war. Ich fragte die Mutterkatze, ob ich dieses Geschenk annehmen dürfte, und sie stimmte zu. Ich besprach mich telepathisch mit unserer Katze zuhause, ob sie mit dem Familienzuwachs einverstanden wäre. Chico San, die damals ein Jahr alt war, checkte den kleinen schwarzen Kater und war einverstanden. Und auch unsere jüngere Katze Yoda war einverstanden. Nishumi hatte Recht; mit diesem Geschenk würde ich ihn nie vergessen.
Als ich den Namen des kleinen Katers wissen wollte, hörte Nishumis Halterin Heyoka. Ich kam also mit Heyoka nach Hause und was geschah? Chico San reagierte sauer. Ich erinnerte sie an ihr Einverständnis. „Das betraf seine geistige Anwesenheit und nicht seine körperliche“, beschwerte sie sich. Aber nun war er einmal hier und damit basta. Also taten wir alles, damit auch Chico damit klar kam.
Da Chico San immer meine Schoß- und Schmusekatze war, räumte ich ihr den Vorrang ein, wenn Heyoka auf meinem Schoß wollte. Trotzdem spielte sie noch monatelang die Beleidigte und weigerte sich, auf meinen Schoß zu kommen. Sie tolerierte zwar bald Heyokas Anwesenheit, gab sich aber nie mit ihm ab. Yoda hingegen spielte gern mit Heyoka.
Wenn Sie neue Mitglieder in Ihre Tierfamilie aufnehmen wollen, sollten Sie bereits vorhandene Tiere grundsätzlich an der Auswahl beteiligen. Viele Leute bringen neue Katzen, Hunde, Vögel oder Pferde mit nach Hause, ohne sich um das Einverständnis der bei ihnen lebenden Tiere zu bemühen, manchmal sogar, ohne sie überhaupt zu informieren. Dahinter steckt meist die Ansicht, dass Tiere eben zu parieren hätten. Das kann zur Stress-Quelle werden und zu Krankheiten, ja sogar zu Todesfällen innerhalb Ihrer Tierfamilie führen. Tiere können sich durch einen unerwarteten Ankömmling abgelehnt fühlen, und aus der Fassung geraten. Sie sind dann verwirrt und verärgert. Oft verursacht oder verstärkt ungeschicktes menschliches Verhalten Eifersucht und Konkurrenz innerhalb der Tierfamilie. Dann haben Sie dafür zu sorgen, dass wieder Eintracht einkehrt.
Ein Paar beklagte sich bei mir über das Verhalten seiner Katze gegenüber einem neu hinzugekommenen Kätzchen. Sie hätte den Neuankömmling angefaucht und ihm eins mit der Tatze ausgewischt, woraufhin sie sie natürlich kräftig zusammengestaucht hätten. Das junge Kätzchen war nun ihr ein und alles, sie spielten mit ihm und nahmen es vor der älteren Katze in Schutz, die nicht auf die neue Situation vorbereitet und natürlich erst recht nicht gefragt worden war, ob sie eine Spielkameradin wolle. Für sie war die neue Katze ein Eindringling, und ihre menschlichen Gefährten bewiesen ihr, wie recht sie damit hatte. Denn seit ihrer Ankunft wurde sie von ihren Leuten geschnitten. Ich konnte sie gut verstehen und erklärte dem Paar die Situation.
Ich empfahl ihnen, der kleinen Katze keine so große Beachtung mehr zu schenken und der älteren zu erklären, dass sie die neue Katze zu ihrer aller Gesellschaft aufgenommen haben und sie auf jeden Fall die „Nummer Eins“ bleibe. Sie könnten sie bitten, ob sie sich der jüngeren Gefährtin nicht annehmen und sie in die Familientraditionen einweisen möchte. Ganz wichtig sei zudem, sie als Seniorin zu würdigen und ihr für alles zu danken, was sie durch sie bisher über Katzen erfahren durften. Außerdem sollten sie, erst wenn sich die beiden Katzen näher kennen gelernt hätten, damit anfangen, auch die jüngere mit Streicheleinheiten zu verwöhnen. Sie waren zunächst skeptisch und meinten, die ältere Katze müsse doch für ihr Verhalten bestraft und die neue mit besonders viel Aufmerksamkeit willkommen geheißen werden. Aber ich hielt dagegen, dass dies ihre ältere Katze sehr unglücklich, wenn nicht gar krank machte und Stress in die Familie brächte.
Später berichteten sie, dass sich durch die Beherzigung meines Ratschlags die Situation sofort geändert hätte. Die ältere Katze war froh, statt Ärger wieder Zuneigung zu spüren zu bekommen. Ihr gefiel es nun, eine Gefährtin zu haben, der sie als der jüngeren etwas beibringen konnte; und seitdem kamen die beiden prächtig miteinander aus.
Nicht immer wird sich der Erfolg so schnell einstellen, und natürlich ist jedes Problem ein bisschen anders gelagert. Ausschlaggebend ist, ob man die bereits vorhandenen Tiere über den Familienzuwachs mitentscheiden lässt oder nicht. Wir sollten sie zumindest von unseren Plänen unterrichten und dafür sorgen, dass sie mit dem Neuankömmling so wenig Stress wie möglich haben. Eine Eingewöhnungszeit verhindert, dass sie sich verdrängt fühlen. So können sie friedlich auf den Neuling zugehen, und meistens tun sie das dann auch.
Manche Leute nehmen wiederholt streunende Hunde oder Katzen bei sich auf und wundern sich dann über die ablehnenden oder gar feindlichen Reaktionen der bereits eingewöhnten Tiere gegenüber den Neuankömmlingen. Sie fragen mich bestürzt: „Warum feinden sie das arme zugelaufene Tier an, wo sie mir doch selbst zugelaufen sind und aus ihrem jämmerlichen Zustand gerettet wurden?“ Ich frage sie dann zurück, wie sie wohl reagieren würden, wenn ihr Ehemann oder ihre Ehefrau oder irgendein anderes Familienmitglied, ohne sie zu fragen, plötzlich jemand mit nach Hause brächte, der ab da mit bei ihnen wohnt. Wie würden sie sich fühlen? Wie viele Obdachlose haben sie in letzter Zeit auf Dauer zu sich eingeladen?
Weshalb sollten Tiere Eindringlinge in ihr Revier einfach hinnehmen? Selbst wenn sie gern mit anderen Tieren zusammenleben würden, heißt das doch noch lange nicht, dass ihnen jedes passt. Geht es uns nicht genauso? Wir sollten also Eifersucht und Aggressionen einzudämmen suchen und unsere Tiergefährten neue Familienmitglieder mit auswählen lassen, sei dies nun direkt oder auf telepathischem Weg.
1984 zogen wir von Los Angeles aufs Land, an den Rand des Point Reyes National Seashore nordwestlich von San Francisco. Die Katzen gewöhnten sich schnell an ein Leben drinnen und außen und genossen ihre Freiheit in einer noch intakten Natur. Yoda spielte nicht mehr so oft mit Heyoka, da er sich mehr für eine Nachbarskatze interessierte. Doch auch Heyoka war vergnügt, schließlich gab es genug zu entdecken.
Dann verließ uns Yoda, der in den ersten Jahren immer wieder mit unserem Vermieter Zusammenstösse hatte. Und Heyoka vermisste ihn. Chico San wollte nach wie vor wenig mit Heyoka zu tun haben. Sie fand ihn zu wild und hatte ihre eigenen Spielregeln. Also spielte ich mit Heyoka oder schickte ihn zu den Naturgeistern hinaus, wenn er zu unruhig war. Obwohl er gern im Elfenreich herumstreunte, hätte er natürlich noch lieber eine Katzengefährtin gehabt. Ich besprach die Sache mit Chico. Seit langem schon widersetzte sie sich meinem Wunsch nach einer orangefarbenen Katze, was ich bislang respektiert hatte. Und auch jetzt wollte sie partout keine weitere Katze in der Familie. Ich erklärte ihr, es ginge nicht an, dass Heyoka keine Katzengefährtin haben solle, bloß weil sie dagegen war. Da konnte sie nicht mehr widersprechen.
Anfang 1988 erzählte mir Heyoka, er habe eine alte Freundin gerufen, sich ihm in Katzengestalt anzuschließen. Sie würde im April geboren werden und im Juni hier eintreffen. Ich sah sie in einer Vision mit orangefarbenem Fell und freute mich, dass mein Traum von einer orangefarbenen Katze nun doch in Erfüllung ginge. Heyoka und ich konnten ihre Ankunft kaum erwarten.
Anfang Juni musste ich nach Chicago fliegen, um meiner Schwester zu helfen, die sich gerade von einer Bandscheibenoperation erholte. Ich fürchtete ein wenig, das Kätzchen könne sich just in Chicago melden. Das wäre problematisch gewesen, denn Chicago ist weit entfernt von mir zu Hause und meine Schwester litt an einer Katzenhaarallergie.
Michel rief mich an, weil er glaubte, Heyokas Gefährtin gefunden zu haben. Er hatte sie auf der jährlich stattfindenden Western Weekend Fair entdeckt, auf der einige Katzenwürfe zur Adoption freistanden. Eines der Kätzchen hatte ihn mit ihrem Miauen zu verstehen geben, sie sei die gesuchte Katze und wolle mit ihm nach Hause. Damit er nicht die falsche heimbrachte, wollte er sich bei mir rückversichern. Ich fragte ihn, ob sie auch ein orangefarbenes Fell habe. Tatsächlich war ihr schwarzes Fell großflächig orange durchbrochen. Als ich mich näher auf sie einstimmte, wusste ich, dass sie Heyokas Freundin war. Michel sollte sie nach Hause bringen, im Badezimmer unterbringen und die Tür einen Spalt offen verkeilen, damit die anderen Katzen die neue Gefährtin selbst entdecken und sich an ihren Geruch gewöhnen könnten.
Er tat alles, wie besprochen. Allerdings wurde er bald schwach und holte das kläglich miauende Kätzchen zu sich ins Wohnzimmer. Als dann Heyoka durch die Katzenklappe hereinkam und Michel mit dem Kätzchen schmusen sah, erschrak er und verschwand gleich wieder. Zwei Tage später rief Michel bei mir an, denn Heyoka war seitdem nicht mehr aufgetaucht.
Ich trat mit Heyoka telepathisch in Kontakt. Er erklärte mir, ihn habe die neue Katze sehr irritiert. Vor allem aber habe er es mit der Angst zu tun bekommen, dass ich nicht mehr zurück komme, und sie ein Ersatz für mich sei - schließlich war ich ja schon so lange fort! Ich sagte ihm, Michel habe ihn bestimmt nicht erschrecken wollen, und er solle zurückkommen, um seine neue Gefährtin kennen zu lernen; in ein paar Tagen würde ich wieder zu Hause sein.
Das zeigt, wie widersprüchlich auch ein Tier reagieren kann, wenn der geistigen Kontaktaufnahme die physische Begegnung folgt. Obwohl Heyoka seine Freundin gerufen hatte, verhinderte seine Bestürzung über ihre Ankunft, dass er sie als seine geistige Freundin erkannte. Da er ihren Geruch noch nicht kannte und er sich über den Grund ihrer Anwesenheit täuschte, ergriff ihn die Panik.
Heyoka hörte auf mich und kam wieder nach Hause, hielt sich aber selbst noch Tage nach meiner Rückkehr von der kleinen Katze fern, die wir zunächst Punky nannten. Erst als ich ihren richtigen Namen empfing und wir sie Yohinta nannten, konnte er sie langsam als seine Gefährtin akzeptieren. Sechs Wochen später waren sie dicke Freunde. Seitdem sieht man sie fast alles zusammen machen.
Als ich bei meiner Rückkehr von Chicago zur Tür herein kam, hatte Michel gerade Yohinta auf dem Arm, die sofort stolz verkündete: „Das ist mein Freund Michel.“ Wie mussten wir da lachen.
Auch unsere beiden weiblichen Hausratten, Paisley und Sharmay, haben mich einiges gelehrt. Ich erinnere mich noch, wie sie mich mit ihren flinken Blicken musterten, als sie bei uns ankamen. Sind Denkweisen zweier Spezies sehr verschieden, ist natürlich auch die gedankliche Kommunikation schwierig. Bei Ratten ist hier von Vorteil, dass sie seit Jahrtausenden als Spezies eng mit den Menschen zusammenleben und eine große Wachsamkeit gegenüber menschlichen Gedanken und Absichten entwickelt haben. Es sind sehr kommunikationsfreudige Tiere, die den engen Kontakt in der Gruppe lieben.
Viele Tiere interessieren sich nicht für die Gedanken der Menschen. Sie sind ihnen zu chaotisch, zu kompliziert, zu unheimlich oder einfach zu fremd, je nachdem, was sie speziestypisch verkraften. Doch gibt es große individuelle Unterschiede. Es hängt viel von den Erfahrungen ab, die die Wesen bereits mit Menschen oder, in früheren Leben, auch als Menschen gemacht haben. Je mehr Kontakt es gab, desto besser können sie sich in menschliches Denken einfühlen, was bei Tiergefährten oft der Fall ist. Wesen, die nur als Wildtiere insbesondere als Beutetiere Erfahrungen haben, schrecken stärker vor menschlichen Kontakten zurück.
Paisley und Sharmay schienen mich nach ihrer Ankunft gleich auf Herz und Nieren zu prüfen. Als sie dann meine Gedanken und mein Verhalten ein paar Stunden lang begutachtet hatten, fanden sie, ich sei in Ordnung. Sie gaben ihre Zurückhaltung auf und wir wurden gute Freunde.
Eine unserer ersten Unterhaltungen drehte sich um Reinlichkeit - nicht ihre, sondern meine! Sie fanden, ich sei schmutzig! Sobald ich sich berührt hatte, wurden sie gerade zu putzsüchtig. Sie wollten wissen, ob ich denn meine Hände nicht sauberer bekäme. An menschlichen Maßstäben gemessen, waren sie jedoch ganz sauber, und mir wurde klar, dass sie sich an meiner Ausdünstung stießen. Ich erklärte ihnen, diese ließe sich nicht ändern, egal wie oft ich mir die Hände wüsche, und sie müssten sie als zu mir gehörend akzeptieren. Ratten sind sehr reinlich und putzen sich noch ausgiebiger als Katzen. Es dauerte ein paar Wochen, bis sie sich an meine Ausdünstung gewöhnt hatten und sich gern von mir anfassen und streicheln ließen.
Paisley und Sharmay starben im September 1988. Mir ging ihre Quirligkeit sehr ab. Einmal schaute ich auf dem Weg zu einem Spätnachmittags-Termin kurz in der Tierhandlung vorbei. Ein reizender, kleiner orangefarbener Kater sonnte sich in der Aufmerksamkeit einiger Kunden. Schon lange wünschte ich mir eine orangefarbene Katze. Gold und Orange sind einfach meine Farben. Ich war in Eile, bewunderte das Kerlchen kurz, und ging in der Überzeugung, dass er sicher von irgendjemand mitgenommen würde.
Beim Losfahren erhielt ich dann von Paisley und Sharmay Gedankenpost, dass der kleine Kater ihr Abschiedsgeschenk an mich sei. Da nach meinem Termin der Laden schon geschlossen hatte, rief ich dort am nächsten Tag an. Der Kater war von niemand mitgenommen und wieder zu seiner Besitzerin gebracht worden. Ich rief sie gleich in der Arbeit an. Sie bot mir an, ich könne das Kätzchen bei ihr in Bolinas abholen, das rund fünfundzwanzig Autominuten entfernt lag!
Als ich dort ankam, tollte der kleine acht Wochen alte Kater mit seinen Katzengeschwistern herum, ohne sich im geringsten für mich zu interessieren. Seine Mutter war sehr zugänglich und sah unserer Schildpattkatze Yohinta verblüffend ähnlich. Ich fragte meine Schutzengel, ob dieser kleine Kater wirklich bei mir leben sollte, da er dies nicht zu bestätigen schien. Und die Antwort war ja. Also nahm ich ihn mit.
Im Auto ließ mich der kleine Kater dann seinen Namen wissen, Sherman, blieb sonst aber distanziert. Zuhause interessierte er sich für alle möglichen Gegenstände und tollte mit Yohinta herum, die damals fünf Monate alt war, doch mich ließ er links liegen. Das wunderte mich, denn sonst interessierten sich meine Tiergefährten gleich von Anfang an für mich.
Ein paar Tage kümmerte es mich nicht weiter, weil ich dachte, das ginge vorüber. Aber dann wurde es mir unheimlich und mir ging schon durch den Sinn, ihn wegzugeben! Als ich Sherman schließlich fragte, weshalb er mich kaum beachte, ja mir geradezu aus dem Weg zu gehen schien, sah er mich verdutzt an. Das erwarteten die Menschen doch von ihm, jedenfalls sei er und die anderen Katzen bislang von ihnen so behandelt worden. Ich erklärte ihm, dass ich ihn in seinem ganzen Wesen achte und auch nicht anders behandelt werden möchte. Jetzt begriff er! Von da an war er zugänglich, verspielt und ein guter Freund.
Ich bin schon immer darum bemüht gewesen, Tiere aus ihren engen Käfigen zu befreien und sie unter möglichst großzügigen und für sie interessanten Bedingungen zu halten. So bauten wir, gleich nachdem wir in unser erstes ganz gemietetes Haus umgezogen waren, für unsere Kaninchen, das Meerschweinchen, den Finken, den Kakadu und unseren Sittich das „Beatrix Potter Bunny Cottage“. Wie lange hatte ich nicht davon geträumt! Sie hat knapp fünf Quadratmeter Grundfläche, Fenster- und Vogeldrahtwände und Holzböden. Für die Vögel gibt es außerdem einen großen erkerartigen Anbau aus Maschendraht, wo sie im Freien baden und sich im Geäst sonnen können. Für die Kaninchen gibt es noch einen siebeneinhalb Quadratmeter großen eingezäunten Auslauf, den sie über eine Holzrampe erreichen.
Unser Meerschweinchen Gingerbread war sehr traurig, als seine Kaninchengefährtin Elfie hinüber gegangen und nicht mehr für ihn da war. Er zog sich in seinen Stall zurück und kam nur zögernd hervor, wenn es Gemüse und Obst für ihn gab, wo er sonst begeistert pfiff. Es war, als wolle er Elfie bald nachfolgen. In dieser Phase wurden mir zwei junge Kaninchen als neue Familienmitglieder telepathisch angekündigt und ich sagte zu Gingie, er solle durchhalten, bald seien neue Kaninchengefährten da.
Etwa vierzehn Tage später brachte ich die neuen Kaninchen nach Hause. Ich ließ sie zunächst noch nicht aus der Transportbox. Gingerbread freute sich. Nachdem sie sich ausgiebig gegenseitig beschnüffelt hatten, fand Gingerbread die neue Gesellschaft völlig in Ordnung. Auch Chester und Molly mochten ihn sofort und überschütteten ihn mit ihrer Fürsorglichkeit. Sie leckten ihm das Fell, kuschelten und teilten ihr Gemüse mit ihm. Es war eine Freude, ihr inniges Miteinander zu beobachten! Gingerbread dachte nicht mehr ans Sterben. Als frischgebackener Onkel Gingerbread amüsierte ihn nun das Treiben seiner neuen Freunde.
Chester und Molly, damals fünf und sieben Wochen alt, staunten nicht schlecht, wie viel Platz sie plötzlich hatten, den sie erkunden konnten. Molly schaute schon bald neugierig durch den Maschendraht in den Garten und wäre auch am liebsten dorthin gehoppelt. Ich musste ihr erklären, dass das unmöglich gehe, weil sie in Gegenwart von Eulen, Habichten, Wieseln, Füchsen und anderen Raubtieren nicht lange überlebt hätte. Außerdem würden unsere Hunde ein frei im Garten herumhüpfendes Kaninchen gewiss jagen.
Die erste Zeit ließen Molly und Chester die Karotten und Äpfel liegen und hielten sich nur an das bekannte Trockenfutter, aber bald wurden die frischen Sachen zum Renner. Die beiden vertrugen sich auch gut mit den Vögeln und hielten damit sozusagen die Familientradition aufrecht. Zum Beispiel hatte sich mein Kakadu Pirouette von Elfie gern am Schnabel beschnuppern lassen.
Es machte mir unglaublich Spaß zu beobachten, wie sich Gingerbread, Chester und Molly über das Grünzeug hermachten, das sie von mir büschelweise erhielten. Es war als sagte Molly zu Gingerbread: „Wir bekommen hier aber interessante Sachen zu fressen.“ Und als würde Gingerbread antworten: „Oh ja, wenn Penelope kommt, gibt es immer etwas Gutes.“ Sie schienen sich dann über ihre Lieblingspflanzen auszutauschen, die sie aus dem Haufen zogen und miteinander teilten. Und es war allerliebst, wenn Molly und Chester Gingie zart beschnupperten.
Ich ließ Chester recht bald kastrieren, um einer Kaninchenschwemme vorzubeugen, aber offensichtlich war ich zu langsam gewesen, denn eines schönen Januartages waren sechs Kaninchenbabys da. Gingerbread benahm sich wie ein stolzer „Großvater“ und wärmte die Kleinen mit, was Molly nicht übel nahm, deren Schutzinstinkte als Kaninchenmutter ansonsten gut funktionierten. Ja, sie schien es sehr zu schätzen, denn oft, wenn Gingerbread nichts weiter zu tun hatte, putzte sie ihm die Augen, so wie es Kaninchenart war.
Wir gaben vier der Kaninchenjungen in gute Hände weiter. Velvet und Periwinkle, die beiden anderen Jungen, die wir behielten, versüßten Gingerbread die alten Tage. Ich hatte das Gefühl, als wäre Gingerbread nicht ganz unbeteiligt daran, dass es entgegen meiner Pläne doch zu dem Kaninchenwurf kam. Er fühlte sich unter den Kaninchen einfach unglaublich wohl.
Im September desselben Jahres wurde unsere Kaninchenfamilie dann auf einen Schlag hingerafft. Es war eine Tragödie. Gingerbread kam dennoch gut zurecht, da ihn seine Kaninchenfreunde offenbar geistig trösteten. Ich sollte keinen neuen Kaninchenfreund für ihn finden, sah mich zwar in Tierhandlungen um, aber keines der Kaninchenjungen dort zog mich an. Außerdem waren sie zu klein, um in dieser kalten Jahreszeit im Freien zu überleben. Als dann Regina Heynneman, die bei uns im Oktober einen Workshop hielt, erzählte, ein Freundin von ihr würde jemand aus unserer Nachbarschaft kennen, die für ihr acht Monate altes sterilisiertes weibliches Kaninchen mit Hängeohren eine neue Bleibe suche, kam mir die Idee, ein erwachsenes Kaninchen aufzunehmen. Ich mochte zwar Kaninchen mit aufgestellten Ohren lieber, aber ich beschloss, es mir wenigstens anzusehen. Wenn es zur Familie passte, würde ich mein Vorurteil wohl überwinden können.
Die Frau, der das Kaninchen gehörte, war aufgrund ihrer Scheidung gerade vom Land in ein kleines Stadthaus gezogen und wollte nicht, dass ihr Kaninchenliebling die meiste Zeit im Käfig verbringen musste. Sie ließ Etta zwar auf die Veranda, sobald sie nach Hause kam, aber jedes Mal war es ein Trara, wenn sie in den Käfig zurück musste. Ein paar Mal war Etta bereits ausgebüchst - leichte Beute für Raubtiere! Erstens war Etta also eigentlich ein Leben im Freien gewöhnt, zweitens war sie sterilisiert, beides ein großes Plus. Laut der Gesellschaft für Hauskaninchen (House Rabbit Society) sollen nämlich 80 % der nicht sterilisierten Kaninchenweibchen Tumore an ihren Fortpflanzungsorganen entwickeln.
Mein Termin, um mir Etta anzusehen, stand bereits, als ich doch noch einmal in die Tierhandlung ging, wo ich Molly und Chester gefunden hatte. Dort gab es zwei Kaninchenbabys, von denen mich eines unglaublich an Molly erinnerte. Ich bewunderte und streichelte sie, blieb aber hart, denn erst wollte ich Etta sehen. Beim Hinausgehen trat mir deutlich vor Augen, dass die beiden Kleinen aus einer Inzucht stammten und nicht lange leben würden. Sie waren nicht für mich bestimmt.
Etta war mindestens doppelt so groß wie unsere ehemaligen Zwergkaninchen - etwa zweieinhalb Kilo schwer. Sie hatte ein dichtes, glänzendes, grau-beiges Fell - optimal für ein Überwintern im Freien. Sie hatte wunderschöne braune Augen und eben jene langen Hängeohren. Etta zeigte Charakter und war mir in ihrer Zugänglichkeit sofort sympathisch. Sie erinnerte mich sehr an Elfie und Molly. Außerdem war sie noch am 25. Februar, Michels Geburtstag, geboren! Sollte sie sich auch noch mit Gingerbread vertragen, sprach alles für sie.
Mir drängte sich der Name Ellie oder Elea auf, also nannten wir sie in Verbindung mit ihrem früheren Namen Ellyetta. Sie liebte ihr neues Zuhause und vertrug sich mit Gingerbread. Gingie war von ihrer Größe überhaupt nicht eingeschüchtert, auch als Ellyetta ihn kräftig stupste, um mit ihm Fangen zu spielen. Ich sagte ihr, dass Gingie nicht mit ihr herumhoppeln könnte und sie sanfter mit ihm umgehen sollte, was sie offensichtlich verstand. Gingies Augen funkelten wieder - die neue Kaninchengesellschaft tat ihm wohl.
Also erkundete Ellyetta eben allein ihre neue Umgebung - sie hüpfte auf ihre große Holzbox und auf den Baumstumpf, um dann über die Rampe hinunter in den Auslauf zu hoppeln. Anfangs flüchtete sie vor mir, wenn ich ins Cottage kam, weil sie fürchtete, ich würde sie wieder zurückbringen. Aber ich erklärte ihr, dass sie nun hier zu Hause wäre und sie in keinen Käfig mehr käme. So ließ sie sich recht bald gerne von mir anfassen und hochheben, wobei sie meine Streicheleinheiten und sanften Nasenstüber sichtlich genoss. Unser Kakadu Perky Pete flatterte zunächst aufgeregt herum. Er wusste die herumhoppelnde Ellyetta nicht recht einzuordnen und schien sie für einen Hund zu halten. Er und die anderen Vögel brauchten gut einen Tag, um sich an ihre Gegenwart und ihre Bewegungen zu gewöhnen.
Ellyetta blühte in ihrer neuen Umgebung in kürzester Zeit seelisch und geistig auf. Ihre frühere Besitzerin hatte mich gewarnt, Ellyetta könne durchaus gereizt sein und beißen, aber bei uns änderte sich das schnell. Ellyetta war bald ein reizendes, völlig ausgeglichenes Kaninchen.
Knapp drei Wochen nach ihrer Ankunft hielt ich bei mir zu Hause einen Fortgeschrittenen-Workshop. Als die elf TeilnehmerInnen um das Bunny Cottage standen, um dessen Bewohner kennen zu lernen, brachte Ellyetta uns alle mit ihrer Räkelei zum Lachen, womit sie fragte: „Seid ihr alle meinetwegen gekommen?“ Sie war an diesem Wochenende eine glänzende Lehrerin und genoss ihre neue Rolle sichtlich. Sie hüpfte hierhin und dorthin, um allen zu zeigen, wie wohl sie sich fühlte. Wenn sie von den Leuten etwas gefragt wurde, war sie zunächst schüchtern und flüchtete sich zu Gingerbread, der schon erfahren in solchen Dingen war. Doch schon bald blieb sie mutig da und gab den Leuten Rat.
Ellyetta begeisterte es, dass sie soviel Verständnis wecken konnte. Nach dem Workshop fragte sie gleich zufrieden mümmelnd, wann denn die neuen Freunde wiederkämen, und ob es nicht noch mehr würden. Sie wurde Menschen gegenüber richtiggehend zutraulich, da sie auf soviel Verständnis stieß. Ellyetta passte also wunderbar in unsere Familie, der die Verständigung zwischen den Spezies ein großes Anliegen ist.
Voneinander Lernen
Wenn Leute anfangen, mit Tieren einfühlsam umzugehen, meinen sie oft, die Tiere könnten sich wie Menschen unabhängig äußern, und wundern sich dann, wenn diese weiterhin ihre Hunde- oder Katzennatur etc. an den Tag legen. Tiergefährten werden niemals unsere Art übernehmen oder sich sonst wie erwachsene Menschen verhalten (Gott sei Dank nicht!) Und sie teilen auch nicht unsere Erleuchtungserwartungen. Ihr Denken und Tun wird immer von ihren speziellen Sinneswahrnehmungen und Erbanlagen beeinflusst sein, genauso wie unsere Erfahrungen durch den menschlichen Sinnesapparat und unsere Prägungen gefärbt sind.
Bei Haustieren hat sich das Zusammenleben mit den Menschen auf ihre Veranlagung niedergeschlagen. Sie sind relativ anpassungsfähig. Je mehr sie sich unseren Lebensgewohnheiten und Normen unterordnen, desto lieber sind sie uns gewöhnlich. Manchen Tieren fällt es aufgrund ihrer Konstitution sehr schwer, sich menschlichen Bedürfnissen anzupassen. Genauso wie bei uns Menschen ist auch die Anpassungsfähigkeit der Tiere begrenzt und abhängig von Körperbau und Körperfunktionen, wie Hormonzyklen und Temperament.
Unter den Tieren, die die Menschen mögen und ihnen gerne behilflich sind, gibt es solche, die sich relativ gut anpassen können, und solche, die das zwar gerne täten, aber aufgrund ihrer genetischen Anlagen immer wieder in unüberwindliche Verhaltensblockaden geraten. Damit wir wirklich voneinander lernen können, müssen individuelle Veranlagungen und Bedürfnisse wahrgenommen und respektiert werden.
Tiere werden manchmal für undankbar gehalten, wenn diese sich nicht den Erwartungen entsprechend verhalten. Oder man gibt dem Pferd, dem Hund oder der Kuh die Schuld an der eigenen Unzulänglichkeit oder Verstimmung. Für solche Tiere ist es dann nicht gerade einfach, ja geradezu mutig, Menschen etwas beizubringen. Aber auch Tiere sind mitunter launisch und können ihre manipulativen Spielchen treiben, was oft der Fall ist, wenn sie mit menschlichem Unverständnis konfrontiert sind.
Moderne Menschen halten sich anderen Lebewesen gegenüber oft für überlegen. Diese sind da allerdings ganz anderer Ansicht. Sie sehen in den Menschen einfach eine andere Lebensform - die als feindlich erlebt wird oder als nützlich und freundlich. Viele Tiere nehmen uns überhaupt nicht zur Kenntnis. Vereinzelt halten auch Vertreter anderer Spezies ihre Spezies für die beste und denken nicht im Traum daran, Menschen sein zu wollen.
Eine Katze namens Paisley sinnierte mir gegenüber einmal: „Ich bin viel lieber eine Katze als ein Mensch. Katzen verhalten sich doch viel klüger als Menschen. Sie sind oft so launisch und finden das noch gut. Ich dagegen bin geschickt, schnell und klug. Aber trotz meiner Überlegenheit bin ich gern mit Menschen zusammen.“
Auch bei anderen Spezies haben Wesen ganz eigene Ansichten vom Leben, wobei sich bei ihnen die Daseinsfreude wie ein roter Faden durchzieht. Einmal abgesehen von den misshandelten Tieren und jenen, die im engen Kontakt mit unausgeglichenen Menschen oder durch Überzüchtung neurotische Züge angenommen haben, sowie missgebildeten Wildtieren, die meist nicht lange überleben, sind die meisten Tiere selbstsicher und lebensfroh. Tiere geben normalerweise ganz selbstverständlich zu, dass sie großartig sind. Ihr Selbstvertrauen ist ungebrochen.
Haustiere sind keine bloßen Anhängsel. Sie gehen ihre eigenen Wege, treffen ihre eigenen Entscheidungen. Meiner Erfahrung nach ist es falsch, wenn man immer auf einen menschlichen Fehler schließt, wenn es Probleme mit Tieren gibt. Es stimmt allerdings, dass wir uns häufig durch unsere Schwächen und Stärken ergänzen und uns dadurch anziehen. Denn so können wir uns im freien Austausch weiterbringen. Das von uns Abgelehnte, Verleugnete oder Verdrängte, kann uns zur Lehre oder zur Qual werden, je nachdem wie wir uns verhalten, wenn wir damit konfrontiert werden. Wir sind relativ geneigt, verdrängte Seiten an unseren Gefährten - ob Mensch oder Tier - wahrzunehmen. Wir Lebewesen auf Erden können verschiedene Seiten füreinander offenbaren und unsere Saiten gegenseitig zum Erklingen bringen.
Wenn wir Tiere als empfindsame und kommunikationsfähige Wesen behandeln, ist die Voraussetzung geschaffen, dass alle Betroffenen voneinander lernen können. Normalerweise nehmen wir gerne mit den Spezies engeren Kontakt auf, deren Empfindungen, Absichten und Verhaltensweisen uns sehr leicht nachvollziehbar erscheinen. Wir sollten jedoch einen Schritt weiter gehen. Sobald man sich in ganz unterschiedliche Tiere versetzt und ihre Weisheit und Daseinsform achtet, gleicht dies dem Eintauchen in andere Kulturen - man findet mehr und mehr zu einer Einstellung, die an keine soziale Herkunft oder lokale Tradition gebunden ist.
Unsere kleine dunkle Schildpattkatze Yohinta ist eine hervorragende Jägerin. Sie wartet geduldig vor Gofferlöchern, mit großem Erfolg. Eines Tages kam sie durch die Katzenklappe herein und beklagte sich: „Rana frisst meinen Goffer!“ Ich bezweifelte, dass meine Afghanenhündin auf Nager Appetit haben könnte und sah nach. Tatsächlich fraß Rana einen Goffer. Ich beruhigte Yohinta, dass sie bei ihren Jagdtalenten und ihrer Geduld sicher bald einen neuen Goffer gefangen hätte. Etwas gnädig ging sie ihrer Wege.
Als wir uns an den Gehegebau für unsere Lamas machten, den Zaun zogen, einen Stall bauten und das dürre Unterholz wegschafften, begann ich auch, die anderen Tiere auf die Ankunft der neuen Familienmitglieder vorzubereiten und beschrieb ihnen die Lamas, so gut ich konnte. Als dann die Lamas ankamen, fiel es den Hunden, Hühnern, Kaninchen und Vögeln nicht schwer, ihre Anwesenheit zu akzeptieren. Doch die Katzen, denen ich die Lamas offenbar mental zu klein geschildert hatte, verhielten sich so, als sei King Kong eingetroffen.
Yohinta schienen die Lamas am meisten zu beschäftigen. Als diese sich ein paar Tage eingewöhnt hatten, legten wir ihnen Halfter an und führten sie an der Leine auf dem Grundstück herum, um sie mit unserem restlichen Anwesen vertraut zu machen. Yohinta kommentierte das hernach so: „Weißt du wie groß diese Tiere sind? Ich schon. Mich hat gewundert, dass du so nahe an sie heran gegangen bist. Hast du keine Angst gehabt? Ich fürchtete, sie könnten dir etwas antun. Haben sie dir weh getan? Wie sind sie? Ich werde sie im Auge behalten. Sie sind schrecklich, aber interessant.
Seit Pasha mit mir die Lamajungen besucht hatte, schienen er und Regalo sich gefunden zu haben. Als Regalo dann Ende Dezember 1991 bei uns ankam, war er geradezu begeistert, wiegte den Kopf und tänzelte, als er Pasha wiedersah. Gleich nach der Ankunft von Regalo (damals sieben Monate alt) und Raindance (vierzehn Monate alt) begleitete mich Pasha ins Gehege und die Lama-„Jungs“ und er genossen gemeinsam den Auslauf unter den Bäumen. Pasha schnüffelte im Unterholz herum, während ihm die Lamas auf den Fersen blieben. Nach einer Weile hatte er genug und schlüpfte durch das extra für die Hund und Katzen eingerichtete Loch im Zaun hinaus.
Ein paar Tage darauf folgte mir Pasha erneut ins Gehege. Die Lamas sahen uns nicht gleich, weil sie hinter ihrem Stall standen. Pasha lief im Gehege umher. Sobald sie ihn entdeckt hatten, gingen die beiden auf ihn los. Regalo holte Pasha ein und schlug nach ihm aus. Pasha jaulte auf. Und während ich noch laut Einhalt gebietend zu den beiden hinrannte, trat Regalo Pasha ein zweites Mal. Ich scheuchte die Lamas davon. Pasha, mit seinen dreizehn Jahren damals bereits ein Senior, war ein zitterndes Häuflein Elend. Er war nicht verletzt, aber sehr verstört, und so massierte und tröstete ich ihn.
Ich sprach mit Regalo über das, was er Pasha angetan hatte. Es wunderte ihn, dass er Pasha erschreckt und verletzt hätte, denn eigentlich hatte er doch nur mit ihm spielen wollen. Ich erklärte ihm und Raindance, dass sie anderen Tieren gegenüber nicht so ausgelassen sein sollten, um sie nicht zu verletzen. Sie verstanden mich, konnten aber beim besten Willen nicht glauben, dass ihre spielerischen Tritte Pasha weh getan hatten.
Pasha mied nun die Lamas konsequent. Ich erinnerte ihn daran, dass auch er als junger Hund einmal in seiner Ausgelassenheit einen kleinen Jungen umgeworfen hatte und über dessen Gebrüll erstaunt gewesen war. Auch er hatte lernen müssen, seine spielerischen Impulse zu kontrollieren. Regalo war einfach nur ein „Welpe“, der auf seine Lamaart spielen wollte. Das flößte Pasha allerdings keineswegs genug Vertrauen ein, um einen von uns wieder ins Gehege zu begleiteten.
Am nächsten Morgen folgte mir Sherman mit ins Gehege, und ich zeigte ihm gleich das Loch im Zaun, durch das er notfalls flüchten könnte. Die beiden näherten sich ihm dieses Mal langsam. Sherman lief dennoch weg. Immerhin gaben sich Regalo und Raindance Mühe.
Auf unseren Spaziergängen mit den jungen unerfahrenen Lamas, die wir in der näheren Umgebung machten, gab es einige Abenteuer zu bestehen. Einmal machten wir zum Beispiel den Fehler, sie kurz vor Sonnenuntergang auszuführen. Schon nach knapp einem halben Kilometer mussten wir umkehren, weil sie immer nervöser wurden. Sie wurden so schreckhaft, dass sie plötzlich stehen blieben, und sich nicht mehr vom Fleck rührten. Es war ein Fiasko. Regalo tat so, als hätte er noch nie die Straße gesehen, obwohl wir sie schon mehrmals entlang gegangen waren. In ihren Augen schien alles bedrohlich geworden zu sein, überall schien ein Abgrund zu lauern. Der kurze Heimweg zog sich ewig hin, in einem ständigen Hin und Her von Geduld und Ungeduld, von Befehlen und gutem Zureden. Wenn Autos mit eingeschalteten Scheinwerfern an uns vorbeifuhren, begann Regalo nervös zu tänzeln. Selbst noch in unserem Garten empfanden die Lamas alles durch die Dämmerung bedrohlich und bockten.
Als sie endlich wieder im Gehege waren, gab ich den Lamas zur Beruhigung eine Leckerei außer der Reihe. Wir waren allesamt fix und fertig. Wir hatten die Lamas hinter uns her gezerrt und geschoben, was ziemlich grob, aber in diesem Moment notwendig war. Regalo, der normalerweise sehr brav mitspazierte, war arg enttäuscht, da wir ihn zu einer für ihn unheimlichen Unternehmung gezwungen hatten. Am nächsten Tag ließ er mich nicht in seine Nähe. Raindance mied mich ebenfalls. Es dauerte den ganzen Tag, bis der Stress und die damit verbundene schmerzliche Distanzierung überwunden war. Dann war alles wieder bestens.
Mittlerweile sind unsere Lamas erfahrene Waldläufer geworden und lassen sich zu unterschiedlichen Tageszeiten spazieren führen, aber jenes Erlebnis zeigt, wie wichtig es ist, sich die Sinneswahrnehmung eines Tieres klar zu machen.
Raindance reagierte einmal, kurz nach seiner Ankunft, sehr interessant, als unsere Hühner, deren Gehege an das der Lamas grenzt, sich ihre neuen Nachbarn etwas näher ansahen und unser Bantamhahn Aureo laut zu deren Begrüßung krähte. Raindance fragte mich ganz erschrocken: „Warum ist er so laut? Tut ihm etwas weh?“ Aureo krähte noch ein paar Mal und Raindance gab sich mit meiner Erklärung zufrieden, dass dieser das zu ihrer Begrüßung tat.
Einen Monat nach seiner Ankunft schaute Raindance aus seinem Stall heraus und wimmerte. Als ich ihn fragte, was los sei, meinte er, ihm würden seine früheren Gefährten fehlen. Er sehnte sich nach der Lamaherde zurück, in der er sich so wohl gefühlt hatte. Dort war ihm das Leben nie fraglich vorgekommen, was jetzt der Fall war.
Er bezweifelte, ob er andere Wesen, insbesondere Menschen, wirklich zu einem größeren Bewusstsein, zu mehr Frieden und Lebensfreude verhelfen könne. Er hatte Angst. Mit Regalo verstand er sich zwar von Tag zu Tag besser, aber dieser war vom Typ her ganz anders als er. Regalo ging in seiner neuen Rolle auf, er sah das Leben als Abenteuer an, war sehr an Menschen interessiert und ging spontan auf sie zu. Raindance hingegen war ihnen gegenüber distanzierter. Ihm war die Sache ernster, er hatte ein größeres Verantwortungsbewusstsein. Mich mochte er. Bei mir hatte er das Gefühl, dass wir noch viel voneinander lernen und uns noch lieber gewinnen könnten. Bei den anderen Menschen war er sich da nicht so sicher.
Ich spürte seine Sehnsucht, seine Einsamkeit, Tiefe und Schönheit. Die beiden waren ein gutes Team. Regalo konnte hervorragend mit Menschen umgehen und ihnen konkret auf Erden weiterhelfen. Raindance konnte eher ihren Sinn für das Geheimnis des Lebens und für die himmlische Schönheit wecken. Raindance war ein Denker, der nach dem Wie und Warum aller Dinge fragte, während Regalo alles so nahm, wie es war. Nachdem ich Raindance gesagt hatte, wie sehr ich seine Empfindsamkeit schätze und dass er schon einigen Menschen weitergeholfen habe, war er beruhigt und hörte mit seinem leisen Gejammere auf.
Bei ihrem ersten Spaziergang mit uns und unseren Lamas empfand unsere Freundin Jeri Ryan Regalo als abenteuerlustig, neugierig und verspielt, Raindance hingegen als heiter, sensibel, durchgeistigt und weise. Es begeisterte mich, dass meine Begleitung die besonderen Qualitäten der Lamas bemerkte und schätzte. Auch für Jeri war dieser Spaziergang eine erhebende spirituelle Erfahrung. Wir gingen wie auf Wolken.
Raindance bewacht die anderen Tiere. Schon bald nach seiner Ankunft hörten wir zum ersten Mal seinen durchdringenden Lama-Alarmruf, als er ein anderes Tier in Gefahr glaubte. Rana hatte sich am Käfig zu schaffen gemacht, in dem Molly (Kaninchen) vorübergehend im Garten stand. Ein anderes Mal alarmierte er uns, als er Sherman (Kater) unter den Hühnern glaubte.
Bei Michel bewirkten die Lamas übrigens ein kleines Wunder. In den ersten vier Wochen nach ihrer Ankunft hatte er einen derartigen Energieschub erfahren -dass er kaum wusste wohin mit seiner Kraft. Er arbeitete jeden Tag mit Volldampf, ohne sich auch nur die kleinste Pause zu gönnen. Bis sein Körper streikte und er eine Grippe bekam. Danach ging er vernünftiger mit der Energie um, die ihm die Lamas gaben.
Früher hatte Michel es als ziemlich lästig empfunden, die Tiere versorgen zu müssen, wenn ich unterwegs war. Nun freute er sich darauf. Als ich wieder einmal auf Reisen war, wurde sich Michel seiner Seelenverwandtschaft mit Regalo, Raindance und Quince bewusst. (Interessanterweise sind Lamas und Chinchillas beide in den Anden beheimatet und strahlen die Energie dieses Hochgebirges aus.) Regalo und Raindance verfolgten sehr interessiert, wie Michel sich bei dem, was ich sonst erledigte, anstellte, und so lernten die drei sich näher kennen.
Eine Frau, die an einem Workshop für Fortgeschrittene teilgenommen hatte, besuchte einmal diese Gegend, und so lud ich sie zu einem Spaziergang mit unseren jungen Lamas ein. Sie brachte eine Freundin mit, die mit Tieren leider wenig anzufangen wusste. Das schwere Parfüm dieser Frau bewirkte bei mir einen Hustenreiz. Die Katzen flohen vor ihr. Auch die Lamas wollten nichts mit ihr zu tun haben - nicht nur wegen des auffälligen Parfüms, sondern auch, weil sie sich ihnen gegenüber schroff verhielt. Ihre Gegenwart machte sie bockig und nervös. Ich erklärte ihr das Problem mit ihrem Parfüm und bat sie, einen anderen Weg zu nehmen. Sie war einverstanden, und wir setzten unseren Spaziergang fort.
Durch das Hin und Her mit ihrer Freundin war auch die Workshopteilnehmerin ganz fahrig geworden, weshalb die Lamas auch von ihr nicht gerade begeistert waren. Raindance musterte sie streng, als wolle er fragen: „Wer bist du?“
Rainbow ging in seinen Begegnungen mit Menschen immer aufs Ganze. Mit weniger gab er sich nicht zufrieden. Er ruhte nicht eher, bis sein Gegenüber ganz bei sich selbst angekommen war. Regalo war selbstzufriedener und stabiler, er forderte den Menschen nicht so viel ab, ließ ihre Unruhe eher an sich ablaufen.
Da Raindance ganz mit sich und seiner Lebensaufgabe im Einklang stehen wollte, forderte er dasselbe von dem Menschen, der ihn an der Leine führte. War er nicht gehalftert, zog er sich einfach zurück, aber an der Leine erkundete er seine Leute gründlich, stellte sie solange mit seiner Unruhe in Frage, bis sie ihm aus tiefstem Herzen antworteten und ein geistiger Austausch stattfand. Jeder, der mit ihm spazieren ging, hatte das Gefühl, völlig durchschaut zu werden.
Bei unserer Rückkehr begannen Regalo und Raindance kurz vor dem Tor zum Lamagehege zu bocken. Wir führten sie zu einem anderen Eingang. Und wieder blieb Raindance einige Meter davor wie angewurzelt stehen, als sähe er einen Geist. Nachdem ich Regalo hineingebracht, ihm den Halfter abgenommen und soweit versorgt hatte, starrte Raindance noch immer auf das Gehege. Er schien etwas Bedrohliches in den Ästen wahrzunehmen. Ich sprach ihm gut zu, aber er rührte sich weiterhin nicht von der Stelle. Also massierte ich seinen Nacken, dann Kopf und Ohren und insbesondere die Stirn, wo sich mentaler Stress durch Berührung besonders leicht lösen lässt. Nach einer Weile überwand er seine Angst und kam mit mir.
Später dankte er mir für diese Verbundenheit und Zuwendung. Der Spaziergang mit einer Fremden hatte seine Aurenwahrnehmung geschwächt. Wie froh war er da über meine Hilfe gewesen! „Wir passen zusammen“, gab er mir abschließend zu verstehen und ich fühlte mich sehr geehrt. Er ist ein so sensibles und wunderbares Wesen.
Ich halte beide Lamas für hervorragende Lehrer, wobei Regalo sich schon vor seiner Geburt seiner Mission bewusst gewesen ist, während Raincance sie täglich mehr und mehr entdeckt. Welche Freude, mit ihnen zusammen zu sein! Alle Mitglieder meiner Tierfamilie sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich achte sie aufrichtig. Die Lamas haben eine neue Qualität in unser Leben gebracht. Ihre Anwesenheit gibt mir das Gefühl, noch mehr zu Hause zu sein.
Familiäre Herausforderungen
Auch in unserem Familienleben ist nicht alles eitel Sonnenschein! Und natürlich habe ich auch in schweren Zeiten viel dazu gelernt.
Meinen ersten Afghanenhund lernte ich kennen, als ich noch mein Zimmer in einem Wohnheim hatte, wo sich alle Bewohner eine Küche teilten. Einer der jungen Mitbewohner hatte einen Afghanen aus einem Tierheim adoptiert. Als ich Mandy das erste Mal sah, war es um mich geschehen. Ich war immer schon eine große Katzen Liebhaberin gewesen und wie ich sie so im Flur daliegen sah, dachte ich: „Afghanen sind anmutig und unabhängig wie Katzen, und was noch besser ist - du kannst mit ihnen spazieren gehen und reisen.“ Als ihr Halter für ein paar Monate verreiste, war es klar, dass ich für Mandy sorgte, und es fiel mir sehr schwer, sie schließlich wieder zurückgeben zu müssen.
Durch eine Anzeige in der Zeitung lernte ich eine Frau kennen, die Afghanen aus dem städtischen Hundezwinger zu sich nahm und weiter vermittelte. So stieß ich auf Popiya, die hellbraun mit einem Stich ins Aprikosenfarbene war und Mandy sehr ähnlich sah. Popiya knurrte die anderen Hunde an, wenn sie ihr zu nahe kamen. Da die junge Frau sehr daran interessiert war, dass ich die Hündin adoptierte, erzählte sie mir, Popiya sei zwei Jahre alt. Erst viel später erfuhr ich, dass sie damals schon fast acht Jahre alt gewesen war. An meiner Entscheidung hätte das nichts geändert, fühlte ich mich doch von Anfang an stark zu ihr hingezogen.
Der Name Popiya kam mir zusammen mit der Vorstellung einer kleinen weißen vierblättrigen Blüte, als Sinnbild für den Sanftmut der Hündin. Entgegen ihrer Veranlagung biss sie mich zu Hause jedoch gleich als erstes, weil ich versuchte, ihre Läufe und Pfoten zu waschen. Und wenn sie lag, knurrte sie mich an, sobald ich ihr nahe kam. Doch wir würden unser Abenteuer bestehen, trotz aller Schwierigkeiten, da war ich mir ganz sicher.
Popiya war körperlich und seelisch angeschlagen. Durch meine Gespräche mit ihr fand ich heraus, dass sie einem Musiker gehört hatte, der die seltsame Angewohnheit hatte, wenn er unter Drogeneinfluss stand, erst sehr einfühlsam mit ihr umzugehen, um ihr dann auf die Pfoten zu schlagen. Außerdem hatte er ihr bewusstseinserweiternde Drogen gegeben. Sie bekam in relativ kurzen Abständen immer wieder Krampfanfälle, bei denen sie aufjaulte, während ihr in den Nacken geworfener Kopf zitterte und Brustkorb und Vorderläufe wie gelähmt waren.
So etwas hatte ich noch nie erlebt, und es war entnervend. Sicher waren es die mit Traumen und Unterernährung verbundenen Nachwirkungen der Drogen. Der Tierarzt hatte außer Beruhigungsmitteln nichts zu bieten, womit meiner Meinung nach sich das Problem nicht wirklich lösen ließ. Also versuchten wir die Anfälle durch gute Ernährung, Kalzium/Magnesium-Gaben, Vitamin B, Beratungsgespräche, Körperarbeit und liebevoller Pflege in den Griff zu bekommen. Sie wurden seltener und weniger heftig, bis sie nach mehreren Monaten schließlich ganz verschwanden.
Popiya war es nicht gewöhnt, sich direkt auszudrücken, sondern neigte aus Selbstschutz dazu, Leute zu manipulieren. Nach vielen Monaten ohne Anfälle fing sie an, diese vorzutäuschen, wenn ihr etwas nicht passte. Ihr Blick wurde dann glasig und sie nahm langsam die typische Stellung ein. Doch bevor die Verrenkung vollständig war, gab ich ihr entschieden zu verstehen, dass ich sie erwischt hatte und sagte: „Das reicht; damit bekommst du mich nicht rum; Wenn du Zuwendung möchtest oder dir irgendetwas nicht passt, kannst du mir das direkt mitteilen. Dazu brauchst du keinen Anfall. Du weißt, ich werde dich nicht bestrafen, also hör auf damit.“ Wenn ich sie so auf frischer Tat ertappte und zurechtwies, ließen die Symptome sofort nach, und sie verhielt sich wieder ganz normal.
Durch meine Auseinandersetzung mit ihr, lösten sich ihre Traumen nach und nach auf. Unsere Beziehung gedieh und bald versuchte sie nicht mehr, sich auf derart selbstzerstörerische Weise mitzuteilen. Ich passte ja auch wie ein Habicht auf, ob sie nicht schon wieder versuchte, sich auf ihre ungesunde Weise durchzusetzen. Ich wusste, dass Popiya im Grunde ein wunderbares Wesen war, das Hilfe brauchte, und je unbefangener sie wurde, desto deutlicher trat ihr feiner Charakter zu Tage. Sie setzte zwar weiterhin ihren Dickkopf durch, aber sie lernte, mir ihre Wünsche direkt mitzuteilen und wir liebten einander sehr.
Popiya stellte mich bei unseren regelmäßigen Spaziergängen in der Nachbarschaft gerne auf die Geduldsprobe. Es kam in der Gegend kaum ein Auto vorbei, so dass ich sie von der Leine lassen konnte. Sie genoss den Auslauf und schnüffelte hier und dort herum. Sobald ich sie einholte, machte sie sich schnell wieder aus dem Staub. Wenn ich zurück wollte und sie wieder an die Leine nehmen musste, blieb sie einfach lange Zeit außer Reichweite, bis sie schließlich stehen blieb, auf mich wartete und ruhig mit mir nach Hause ging.
Eines Morgens lief sie unerwartet weiter davon, als sie es je getan hatte, und zwar in eine Gegend hinein, in der es wesentlich mehr Verkehr gab. In typischer Popiya (und Afghanen-) Manier ignorierte sie meine Rufe, zurückzukommen. Da ich sie unmöglich zu Fuß einholen konnte, lief ich nach Hause zurück, schnappte mir die Autoschlüssel und fuhr sie suchen.
Einige Straßenzüge weiter sah ich sie verloren dastehen. Ich hielt an und öffnete die Autotür. Sobald sie mich erkannt hatte, sprang sie dankbar zu mir ins Auto. Ihr rebellischer Freiheitsdrang war der Angst gewichen, mich nicht mehr wiederzufinden. Sie rannte nie wieder weg, ohne zu wissen, wo ich blieb und wie sie zu mir zurückkommen konnte.
Popiya knurrte jeden an, mich eingeschlossen, der sie streicheln wollte, wenn sie still dasaß oder sich hingelegt hatte. Sie tat das zur Warnung, ohne wirklich beißen zu wollen. Um die Situation zu entspannen, pflegte ich zurück zu knurren und sie dann kurz zu streicheln. Wenn ich sie dann ein zweites Mal streicheln wollte, knurrte sie wieder und ich knurrte zurück und streichelte sie kurz. Das wiederholten wir oft und oft, wobei Popiyas Knurren schwächer und mein Lachen lauter wurde. Wenn es dann genug war und ich ihr den Rücken kehrte, knurrte mir Popiya stets ganz leise nach. Sobald sie merkte, dass ich es wirklich gehört hatte, legte sie den Kopf auf ihr Kissen und sagte damit in ihrer lustigen, störrischen Art: „Siehst du, ich habe das letzte Wort.“
Manchmal blieb Popiya auf dem Heimweg mitten auf der Straße stehen und weigerte sich, weiterzugehen. Da half kein vernünftiges oder gutes Zureden, und auch kein Bitten. Los ging es erst wieder, wenn es ihr beliebte. Einmal verlor ich bei meinem Versuch, sie von der Straße wegzubekommen, die Geduld, zog an der Leine und gab ihr ein paar aufs Hinterteil. Ich war so damit beschäftigt, sie endlich in Bewegung zu bringen, dass ich den betrunkenen Mann überhaupt nicht herankommen sah. Ich erschrak fürchterlich, als er mir einen Schlag auf die Schulter versetzte. Er hätte mir noch eins versetzt, wenn Popiya sich nicht angesichts der Lage eines Besseren besonnen hätte, und wir davon rannten. Ich glaube, er murmelte irgend etwas über Hundsmisshandlung und der ganze Vorfall war mir äußerst peinlich. Ich beschloss, Popiya nie mehr zu schlagen, und sie entschuldigte sich, mich in Schwierigkeiten gebracht zu haben.
Als wir 1979 zwei Wochen in New York City verbrachten, war es Popiya unangenehm, wenn ich ihre Haufen beseitigte. Sie war es gewöhnt, gleich nach ihrem Geschäft davon zu laufen. Wir wohnten in einem der oberen Appartements eines Hochhauses, und eines Tages weigerte sie sich, Gassi zu gehen. Sie war über sechsunddreißig Stunden nicht von der Couch zu bewegen, und als sie endlich mitkam, entleerte sich direkt vor dem Aufzug ihre Blase in einem Riesenschwall.
Sie hasste das lärmende Gedränge auf den Straßen von Manhattan. Einmal, als wir wieder zum Central Park unterwegs waren, brachte sie plötzlich ihren Unmut zum Ausdruck, indem sie mitten auf der Straße anfing, ihr Geschäft zu machen. Die Ampel schaltete auf Rot und auf uns brach das heftige Gehupe und wütende Geschrei von Taxi- und anderen Autofahrern ein. Popiya setzte unbeirrt ihr Geschäft fort, und ich wartete nervös neben ihr. Sie war höchst erfreut, es diesmal so eingefädelt zu haben, dass mir zur Entfernung ihrer Trophäe keine Zeit blieb.
An Popiyas Geburtstag im April 1978 gab ich eine Party. Ich ließ ein Lederhalsband für sie anfertigen, mit eingebranntem Namenszug und Symbolen aus ihren früheren Leben. Es kamen über dreißig Leute, und als ich ihr zu Ehren einen Tanz aufführte, lag sie mir hoheitsvoll zu Füßen und genoss die Wertschätzung, die ihr von allen Seiten entgegengebracht wurde. Das Ereignis inspirierte einen Gast zu einem Gedicht, in dem die zauberhafte Stimmung dieses Tages anklingt:
Die grenzenlose Kraft eines Wesens, pulsierend;
strotzend durch Mark und Knochen und Sehnen;
Die Lebensquelle, die nie versiegt,
drängt ans Licht, bricht hervor, ist neu, neu, neu.
Was bedeutet eine Welt voll Lebewesen?
Weshalb ein Leben, das wachsend eine Welt begrünt?
Es ist die Liebe im unermüdlich webenden Leben,
durch das die Lebensträume werden und vergehen.
Die Wesen in unzähliger Gestalt,
die diese Erde bevölkern
bereichern das Leben in seiner Fülle
aus der ewigen Quelle immer neuer Schöpfung.
Wie viele Namen haben die endlos verwobenen Spiele
aus Myriaden von Lebensformen.
Nachdem unser Kaninchen, Chester, kastriert worden war und ich ihn nach der vom Tierarzt empfohlenen eintägigen Erholungszeit aus dem Käfig ließ, wurde er von seinem Weibchen Molly völlig abgelehnt. Sie scheuchte ihn herum und griff ihn an. Für Kaninchen und viele andere Tiere spielt der Geruch eine viel größere Rolle als das Gesehene, und Chester roch offensichtlich fremd. Ich setzte ihn wieder in den Käfig und parfümierte beide mit etwas Körperöl, aber am nächsten Tag gab es dasselbe Theater. Es war nicht nur sein Geruch, Molly legte ein ausgesprochenes Territorialverhalten an den Tag, während Chester wieder im Käfig war. Ihr schien das gut zu gefallen! Da Chester sich vor Molly fürchtete, seit er von ihr angegriffen worden war, stellte ich den Käfig in das Cottage und sperrte die beiden abwechselnd hinein, wobei ich inständig hoffte, dass sich die beiden irgendwann wieder vertragen werden. Chester versuchte, Molly durch die Käfigstäbe zu küssen, aber sie blieb ihm gegenüber herrisch.
Ich musste den Käfig neun Tage lang einsetzen, denn sobald die beiden zusammen waren, jagte Molly dem völlig verängstigten Chester hinterher. Ich ermutigte Chester, sich zu wehren, denn ich wollte sie weder getrennt halten noch einen von beiden fortgeben müssen. Und tatsächlich wehrte er sich standhaft, als ich Molly das nächste Mal aus dem Käfig ließ. Es fiel ihm nicht leicht, denn bei Kaninchen ordnen sich normalerweise die Männchen den Weibchen unter.
Ich zuckte zu Beginn des Kampfes zusammen, an dem kein Weg vorbei ging, sollten die beiden wieder friedlich zusammenleben. Ihre Schutzengel ließen mich wissen, dass der Kampf gut ausginge, wenn ich mich nicht einmischte. Also hielt ich mich zurück und betete. Die einzelnen Angriffe, in denen sie sich ineinander verbissen, kratzten und quietschten dauerten bis zu zwanzig Sekunden. Die Fellhaare flogen nur so herum. Nach etwa fünf Angriffen, gab Molly klein bei. Chester hatte ein paar Kratzer um die Augen, aber sie verheilten rasch. Die beiden fingen wieder an, einander zu putzen, und Chester hielt Molly ab und zu auf Trab, um ihr zu zeigen, dass er sich nicht von ihr tyrannisieren lassen würde. Sie jagte ihn nie mehr. Die Geburt von sechs Kaninchenbabys am 17. Januar machte andererseits deutlich, dass Mollys Reaktion auf Chester zum Teil auf die mit der Schwangerschaft verbundene hormonelle Umstellung zurückzuführen war. Wir waren sehr erleichtert, als diese Episode überstanden war, und Molly und Chester sogar noch vertrauter miteinander wurden.
Mehr Verständnis haben
Beratungsgespräche mit Menschen und ihren Tieren sind für alle Beteiligten sehr bereichernd, da sie das gegenseitige Verständnis fördern.
Als Christines Umzug von Kalifornien nach Colorado bevorstand, bat sie mich, ihre siamesische Katze Tofu auf die neue Situation vorzubereiten. Tofus spontane einfache Schlussfolgerung brachte mich zum Lachen. Für sie kam ein Umzug überhaupt nicht in Frage. Sie würde zu Hause bleiben, und selbstverständlich würden ihre Leute ohne sie nie fortgehen, denn sie liebten sie ja. Tofu war sehr zufrieden mit ihrem „Superplan“.
Christine war total von den Socken und hoffte, dass Tofu umzustimmen sei. Tofu und ich sprachen noch weiter über den Umzug, und ich vermittelte ihr ganz deutlich, warum ihre Leute bald in einem Camper unterwegs sein würden. Sie verstand dies und lenkte ein. Wir besprachen dann in allen Einzelheiten ihre Situation unterwegs und wo sie mit der Familie zukünftig leben würde. Tofu hatte also mit sich reden lassen.
Dies ist ein typisches Beispiel, wie Tiere umdenken können, wenn man zunächst Verständnis für sie aufbringt, bevor man ihnen den eigenen Standpunkt aus ihrer Perspektive plausibel macht und ihre Vorteile dabei hervorhebt. Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse lassen sich so leichter überwinden. Wichtig ist, dass Sie dem Tier zunächst zuhören, bevor Sie ihm schildern, wie Sie die Situation sehen. Und vor allem sollten Sie darum bemüht sein, eventuell auftauchende Schwierigkeiten gemeinsam zu lösen. Nicht alle Tiere werden so bereitwillig einlenken wie Tofu. Manchmal geht es tagelang nur in ganz kleinen Schritten voran, aber Kommunikation hilft grundsätzlich sehr viel weiter.
Kathleen Bradley berichtete mir nach einer Beratung, wie viel besser sie sich mit ihrem Kater Sharmin verstünde, und dass sie beide die entspanntere Situation sehr genießen. Sie schrieb:
Ich hatte mehrmals versucht, Sie telefonisch zu erreichen, kam aber nicht durch. Sharmy strich mir um die Beine, da er ahnte, dass mein Telefonat mit ihm zu tun hatte. Dann machte er sich an dem Schränkchen zu schaffen, in dem ich meine Straßenkarten aufbewahre. Das geschah zum ersten Mal, also beobachtete ich ihn. Er kramte mit seiner Tatze eine Karte hervor. Sie fiel herunter, er sah sie an, fischte noch eine Karte heraus, sah sie an, sah mich an und ich dachte: „Straßenkarten, Entfernung - okay, ich versuche es noch einmal.“ Und dann erreichte ich Sie.
Nach unserem Telefonat schaute ich dann nach, welche Karten auf dem Boden lagen; die zweite, die Sharmy herausgefischt hatte war Marin County (wo Penelope lebt). Ich bin richtig erstaunt und würde gern wissen, ob das Zufall war oder nicht!
Chaca, eine Stute, konnte wegen einer Fesselverletzung nicht geritten werden. Sie wurde so depressiv, dass sie auf der Koppel nur noch dastand und nichts mehr fraß. Ihre Halterin Elaine rief mich an, und bat um eine Fernberatung.
Chaca war niedergeschlagen, weil ihre Bezugsperson nicht mehr mit ihr ausreiten konnte. Ohne diese Aufgabe fand sie das Leben ziemlich öde. Und ihre Fesselverletzung verschlimmerte sich durch den Bewegungsmangel. Ich riet Elaine, für Chaca einen Pferdegefährten zu suchen, der sie unterhalten und zu mehr Bewegung anspornen würde. Chaca strahlte bei diesem Vorschlag. Elaine konnte sich jedoch kein zweites Pferd leisten. Ich empfahl ihr, dann eben eine Ziege oder irgendeinen anderen vierbeinigen Gefährten zu besorgen, um Chaca aufzuheitern.
Monate später hörte ich wieder von Elaine. Sie hatte meinen Rat beherzigt und sich von einem Nachbarn einen Gefährten für Chaca ausgeliehen: einen sieben Jahre alten Eselhengst namens Charley. Er war allein auf einer Weide gehalten worden und hatte praktisch keinen Umgang mit Menschen gehabt. Da er weder an ein Halfter noch an eine Führungsleine gewöhnt war, drohte der Umzug zur Koppel schwierig zu werden. Elaine sagte ihm, dass sie ihn als Gefährten für ihre Stute brauche und dass er ihr, wenn ihm diese Idee gefalle, nach Hause folgen solle. Sie hielt ihm eine Möhre hin, und auf ging’s zu Chaca. Schon nach kurzer Zeit waren Chaca und Charley gute Freunde, die sich gemeinsam beschäftigten. Die neue Gesellschaft und die Bewegung gaben Chaca Auftrieb, und ihre verwundete Fessel heilte zusehends.
Nun, das hätte das Happy-End sein können, wäre da nicht noch Charleys Wildheit gewesen, weshalb Elaine mich schließlich wieder anrief. Charley beschädigte ihre Obstbäume, Zäune, Scheunenwände - alles, was er anfressen beziehungsweise wohin er ausschlagen konnte. Das Maß war voll, als er am Wagen eines Bekannten den Kotflügel eindellte. Dies versprach ein schwieriger Fall zu werden, denn Charley war ein kräftiger ungezähmter Hengst.
Als ich mit Charley aus der Ferne Kontakt aufnahm, verhielt er sich wie ein aufmüpfiger Teenager. Er schwärmte von seinem Verhalten und sagte, dass er es auf keinen Fall ändern würde. Er fühlte sich wohl in seiner Haut und liebte es, wenn Elaine krakeelend zu ihm gelaufen kam, sobald er etwas kaputt gemacht hatte. Soviel Aufmerksamkeit hatte ihm sonst niemand geschenkt.
In dem von mir geführten und vermittelten Gespräch mit Charley erklärte Elaine schließlich, dass sie ihn, wenn er seine Possen nicht sein ließe, zu seiner einsamen Weide zurückbringen werde. Charley erklärte ihr daraufhin trotzig, ihm sei völlig egal, was sie tun werde. Obwohl ich Charley zuhörte und ihm Verständnis entgegenbrachte, blieb er störrisch. Die Lage sah schlecht aus.
Dann aber sagte Elaine, dass sie Charley wirklich liebe und es ihr leid täte, wenn sie ihn zurückbringen müsse. Sofort spürte ich, wie sein Widerstand nachließ. Da er nun bereit war, sich ihre Seite anzuhören, schilderte ich noch ausführlicher, wie sehr ihn Elaine liebe und ihn wirklich glücklich sehen wolle, und dass er mit ihr kooperieren müsse, wenn er hier, wo es ihm doch so gut gefalle, bleiben wolle. Ich bat Elaine, nach unserem Telefongespräch nach Charley zu sehen, ihm noch einmal zu sagen, wie sehr sie ihn liebe und was sie im Einzelnen von ihm erwarte. Ihm würde ein Halfter angelegt werden und dann müsse er sich - obwohl er das nicht kenne - herumführen lassen. Auch müsse er in einem Pferch lernen, sich ruhig zu verhalten, bevor er seine Freiheit wiederbekommen und mit Chaca herumtollen könne.
Am nächsten Tag teilte sie mir am Telefon ihr Erfolgserlebnis mit. Nach unserem Beratungsgespräch bleib Charley ruhig stehen, als sie zu ihm sprach. Er ließ sich später einen Halfter anlegen und zum Pferch führen, wo er nicht wie üblich versuchte, das Gatter aufzustoßen oder sonst irgendeinen Unsinn zu treiben (Sie sagte, er könne jedes Gatter aufbekommen).
Doch die Krönung des Ganzen folgte am nächsten Morgen, als sie einige Holzkisten vom Haus in die Garage brachte und dort aufstapelte. Sonst wäre Charley bei einer Aktivität wie dieser gleich da gewesen; er hätte dem Drang, aus seinem Gehege zu entkommen und die Kisten klein zu kriegen, nicht widerstehen können. Aber als er dieses Mal von seinem Pferch aus sah, was sie gerade tat, drehte er sich um - damit er nicht in Versuchung geriet! Sie war völlig verblüfft!
Der zahm gewordene Charley verlebte noch viele glückliche Monate bei Elaine, bis im Oktober 1989 ein Erdbeben auf ihrem Grundstück einigen Schaden anrichtete und er von sich aus wieder zu seiner alten Weide zurückging.
Mary Lou Williams hatte mir auch ein Erfolgserlebnis zu berichten:
Dank ihrer Information wurde mir klar, dass die kleine Whippet (kleiner englischer Rennhund, Anm. d. Ü.) kein Zuhause hatte. Es gab aber die Whippet Rescue People, durch die sich gewiss ein neues Zuhause für sie finden ließe. Als die Leute vom Verein sie abholen kamen, war sie fürchterlich darüber erschrocken, schon wieder „im Stich gelassen“ zu werden, und versteckte sich.
Ich gab ihr mittels innerer Bilder zu verstehen, dass diese Menschen sie sehr mochten und ein dauerhaftes Zuhause für sie fänden. Als ich dann beim Verabschieden mit den Vereinsleuten noch ein paar Minuten in der Einfahrt plauderte, wurde sie sichtlich zutraulicher. Und plötzlich ging sie ganz von allein zum Auto, wartete bis ihr die Tür aufgemacht wurde, kletterte hinein und legte sich auf dem Rücksitz hin! Sie wusste ganz genau, dass der Pickup mein Auto war, und ging trotzdem daran vorbei zu dem Auto der Vereinsleute! Ich war unglaublich erleichtert, da mir vorher ihre Annahme, auch ich würde sie im Stich lassen, sehr weh getan hatte.
Sue Goodrich schildert ein von ihr geführtes Beratungsgespräch:
Sherry rief mich in übergroßer Aufregung an. Sie war nach Hause gekommen und hatte die drei einwöchigen Welpen ihrer kürzlich adoptierten Hündin im Swimmingpool herumpaddelnd gefunden und gerade noch vor dem Ertrinken gerettet. Sie waren stark unterkühlt und japsten nach Luft. Sherry hatte zunächst den Mann im Verdacht, vor dem sie die Hündin gerettet hatte. Ich sagte ihr, sie solle als erstes die Welpen kopfüber halten, damit das restliche Wasser herauslaufe, dann die Kleinen in einem warmen Bad im Waschbecken aufwärmen, abtrocken und in einer Decke auf eine Heizdecke legen. Danach solle sie mich wieder anrufen.
Als ich mit der Mutterhündin Kontakt aufnahm, gestand sie mir, dass sie selbst während Sherrys Abwesenheit die Welpen in den Pool hatte plumpsen lassen. Aus Verzweiflung. Da Sherry kurz zuvor mit ihrer Zimmergenossin darüber gesprochen hatte, wie sie die Promenadenmischungen loswerden könnten, fürchtete sie nämlich, dass Sherry sie zusammen mit den Welpen weggeben würde. Die beiden hatten sie vor einem Monat bei sich aufgenommen, ohne zu wissen, dass sie trächtig war.
Die Mutterhündin hatte sich den drei Welpen nicht mehr genähert, die auf der Heizdecke mehr tot als lebendig zu sein schienen. Ich bat Sherry, ihnen der Reihe nach die linke Hand aufzulegen, damit ich sie leichter aus der Ferne kontaktieren konnte. Dann sollte sie sie aus dem Schock herausholen, ihnen dazu die Ohren massieren, dann um ihre Schnauzen herumstreichen und sie schließlich mit dem Finger zum Säugen stimulieren. Sie sollte ihnen sagen, dass sie geliebt würden und ein wunderbares Zuhause bekämen. Die Welpen wurden wieder rege. Nachdem Sherry sie wieder in die Decke gepackt hatte, kam die Mutterhündin herüber und leckte überschwänglich Sherrys Hände und die ihrer Zimmergenossin. Die beiden sagten ihr, wie wunderbar sie sei und dass sie geliebt werde und hier ihr Zuhause habe. Die Welpen winselten nun nach Nahrung, und ihre Mutter legte sich zu ihnen.
Später machte die Geschichte unter ihren FreundInnen und KollegInnen die Runde, und so waren die Welpen, noch bevor sie sechs Wochen alt waren, alle in gute Hände versprochen.
Von Bobra Goldsmith:
Nach dem Gespräch mit Ihnen ging ich gleich zur Scheune, um mit Pequeño (Lama) zu sprechen und ihm, so gut ich konnte, durch innere Bilder zu vermitteln, dass es ihm bei uns gut gehen werde und er den entwöhnten Jungtieren Gesellschaft leisten könne. Obwohl ich in diesen Dingen sehr ungeübt bin, gelang es mir, während meines Kommunikationsversuchs mein „festes Bild von ihm“ loszulassen.
Interessanterweise änderte sich dadurch sein Verhalten auffällig. Es dauerte nicht lange, und er stand auf. Ich öffnete die Tür zu seiner Box und er kam in den Gang heraus, wo die Futterkrippen für die weiblichen Tiere standen, und begann zu fressen. Schließlich legte er sich neben einem Ballen Heu hin. Als die Jungtiere in die Scheune kamen, ließ ich sie noch eine Weile frei herumlaufen, bevor ich sie in den Pferch brachte. Pequeño schloss sich an und folgte ihnen mit in den Pferch. Sein Verhalten war wirklich ganz anders geworden. Er war wie ausgewechselt und reagierte sofort, wenn ich ihn beim Namen rief. Ich sprach ganz normal mit ihm, wenn ich ihn versorgte. Er schien sich über mein Kommen zu freuen und mir „zuzuhören“. Oft legte ich eine Decke über ihn, wenn er dalag und fror. Außerdem versuchte ich es mehrmals am Tag mit der telepathischen Kommunikation und sprach im Gedanken mit ihm.
Letztlich war es so, dass ich zu seiner Sterbebegleitung wurde. Natürlich hätte es mich sehr gefreut, wenn er nach seiner Rückkehr statt vier Wochen noch viele Jahre unsere neue Beziehung hätte genießen können, die soviel freier war, als die, die wir in den zehn Jahren davor hatten. Ich war froh, dass ich ihn in seinen letzten Tagen mit so viel Liebe und Fürsorge überschütten durfte. Ich glaube, dass er diese Liebe bewusst wahrgenommen hat.
Eines meiner bewegendsten und interessantesten Beratungsgespräche führte ich in Alaska mit Joanie Doss und ihren Papageien, den Amazing Amazons, die mit ihren Aufführungen Leute unterhalten, erziehen und aufklären, vor allem Kindergruppen. Pepper war der Senior der Gruppe. Er hatte fast schon vierzehn Jahre auf dem Buckel und erzählte mir, wie grausam er und die anderen Papageien behandelt worden seien. Als man ihn in der Wildnis einfing, seien seine Eltern erschlagen worden.
Anders als viele Tiere, die ihre schlimmen Erlebnisse vergessen und den Menschen vergeben, habe er lange Zeit Rachegefühle gehabt und die Papageienfänger am liebsten umgebracht. Er war froh, schließlich in Joanies Obhut gekommen zu sein, wo er sich bestens eingelebt habe. Die Menschen liebten ihn nun und er sie. Vorher habe er hingegen vor Wut weder aus noch ein gewusst, da ihm bei jeder Stimmungsäußerung Schläge drohten. Das sei erfreulicherweise vorbei.
Joanie bestätigte, wie ausfällig er die ersten achtzehn Monate gewesen war. Pepper habe sie unzählige Male in die Arme und Finger gezwickt, und ihr auf den Kopf gepickt. Sie habe gespürt, dass dies einer Bösartigkeit entsprang und keiner Angst. Pepper bei der Bewältigung seines Hasses zu helfen, hatte ihre Entschlossenheit, ihr Mitgefühl und ihre Nachsicht hart auf die Probe gestellt.
Joanie fragte einmal Pepper, warum er zu sprechen aufgehört habe, und er erklärte, die Menschen müssten lernen, auf Gedanken und nicht nur auf Worte zu hören. Und tatsächlich hatte sie das Gefühl, ihn still fast genauso gut zu verstehen. Pepper lobte ihre Hellhörigkeit. Nachdem Joanie an einem meiner Grundkurse teilgenommen hatte, war ihr klar, dass sie sich mit Pepper und ihren anderen Tieren schon weitgehend telepathisch verständigt hatte. Pepper erklärte weiter: „Ihr glaubt, Papageien hätten nichts besseres zu tun, als Worte und Sätze von euch zu lernen? Wie langweilig! Ich bin voll im Bilde. Passt einfach gut auf, und ihr werdet mich auch so verstehen.“
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