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Paul-Heinz Schwan
HERBERGSSCHIRME
Ein Begleittext für Peter Sloterdijk „Sphären“ Franfurt a.M. 1998 Band 1: Blasen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
p o e t i s c h e n a c h m i t t a g e
Ein Brief an die Leser: Warum dieses Buch
Resümee - Graffiti
Erstbesteigung aus Verlegenheit
Annäherung an die drei Sphären-Bände (1/4)
Annäherung an die drei Sphären-Bände (2/4)
Annäherung an die drei Sphären-Bände (3/4)
Annäherung an die drei Sphären-Bände (4/4)
Sloterdijk für Manager, Trainer, Coaches, Berater, Pädagogen
Abschließende Wegzehrung für die Tour
poetische vorhersage: kurzbeschreibung band eins
poetische vorhersage: kurzbeschreibung band zwei
poetische vorhersage: kurzbeschreibung band drei
Wir starten, endlich: Band I (1/2)
Wir starten: Innenraumdenken (2/2)
1. Vorbemerkung
poetische vorbemerkung
2. Einleitung Die Alliierten oder die gehauchte Kommune (1/2)
poetisches zu alliierte oder die gehauchte kommune
neuzeit
inspiration
erster versuch über sphären
leben in wachsenden sphären
wachsende zerplatzende autogene gefäße (1/2)
wachsende zerplatzende autogene gefäße (2/2)
2.2 Innenraum denken
poetisch innenraum denken
3. Herzoperation: Vom eucharistischen Exzeß (1/2)
3. Herzoperation oder: Vom eucharistischen Exzeß (2/2)
poetische herzoperationen
4. Zwischen Gesichtern Zum Auftauchen der interfazialen Intimsphäre (1/2)
4. Zwischen Gesichtern Zum Auftauchen der interfazialen Intimsphäre (2/2)
poetisch zwischen gesichter (1/2)
poetisch zwischen gesichter (2/2)
5. Menschen im Zauberkreis: Nähe-Faszination
poetisch menschen im zauberkreis
ideengeschichte der nähe-faszination
- sokrates und platon
Exkurs 1: Gedankenübertragung
poetischer exkurs 1 gedankenübertragung
6. Die Klausur in der Mutter: Grundlegung einer negativen Gynäkologie (1/2)
6. Die Klausur in der Mutter: Grundlegung einer negativen Gynäkologie (2/2)
poetische klausur in der mutter
Exkurs 2: Nobjekte Unbeziehungen: Revision psychoanalytischer Phasenlehre (1/2)
Nobjekte und Unbeziehungen: Revision psychoanalytischer Phasenlehre (2/2)
poetische nobjekte und unbeziehungen
Exkurs 3: Das Prinzip Ei: Verinnerlichung und Umhüllung
poetisches prinzip ei
Exkurs 4: Heideggers Lehre vom existentialen Ort
poetisch „im dasein liegt eine wesenhafte tendenz auf nähe“ (M.Heidegger)
7 Der Urbegleiter: Requiem für ein verworfenes Organ 1/3)
Der Urbegleiter: Requiem für ein verworfenes Organ (2/3)
Der Urbegleiter: Requiem für ein verworfenes Organ (3/3)
poetisches zum urbegleiter -requium für ein verworfenes organ (1)
poetisches zum urbegleiter -requium für ein verworfenes organ (2)
poetisches zum urbegleiter -requium für ein verworfenes organ (3)
Exkurs 5: Die schwarze Plantage: Lebensbäume, Belebungsmaschinen
poetischer exkurs 5 die schwarze plantage
8 Seelenraumteiler: Engel – Zwillinge – Doppelgänger (1/2)
8 Seelenraumteiler: Engel – Zwillinge – Doppelgänger (2/2)
poetische seelenraumteiler engel-zwilling-doppelgänger
Exkurs 6 Sphärentrauer über der Schwierigkeit zu sagen, was fehlt
poetische sphärentrauer schwierigkeiten zu sagen, was fehlt
exkurs 7 Über den Unterschied zwischen einem Idioten und einem Engel
poetisches über den unterschied zwischen einem idioten und einem engel
9 Das Sirenen-Stadium: Von der ersten sonosphärischen Allianz (1/2)
9 Das Sirenen-Stadium: Von der ersten sonosphärischen Allianz (2/2)
poetisch das sirenen-stadium von der ersten sonosphärischen allianz (1/2)
poetisch das sirenen-stadium von der ersten sonosphärischen allianz (2/2)
Exkurs 8: Analphabetenwahrheiten: über oralen Fundamentalismus
poetische Analphabetenwahrheiten: oraler Fundamentalismus
Exkurs 9: Von wo an Lacan sich irrt
poetisches von wo an Lacan sich irrt
10 Mir näher als ich selbst: Theorie des gemeinsamen Innen (1/2)
10 Mir näher als ich selbst: Theorie des gemeinsamen Innen (2/2)
poetisch mir näher als ich selbst (1/2)
poetisch mir näher als ich selbst (2/2)
Exkurs 10: Matris in gremio: Eine mariologische Grille
poetisch matris in gremio - eine marilogische grille
poetischer übergang von ekstatischer immanenz
Impressum neobooks
p o e t i s c h e n a c h m i t t a g e
sitze vor lauter
bedeutungsschwangeren
buchstaben
alle drängen mich und sich
wollen zur welt kommen
wecken in mir
kreissaalerinnerungen
schalten grelles licht ein
machen sich so rätselhaft wichtig
haben ihr eitelkeit nicht abgelegt
schauen direkt in mein augenlicht
schaffen eine sphäre zwischen uns
wollen in die erste reihe
wollen anfang sein
laufen über stege
zeigen sich von besten seiten
werden jung worte
so überwinden sie sich
stürzen aber nicht
sitzen geduldig auf einer Bank
wechseln laufend ihr wortdesign
werden mit mir unruhig
wachsen zu befreienden sätzen:
am anfang war keine schuld
oder zu Idyllisch schmeichelnden:
der mensch ist ein reiches wesen
oder zu tröstenden:
die einsamkeit ist wiederlegbar
schlafen aber nicht
sind ergänzungsworte
für vorhandene andere
sie stationieren sich
im freien
tätowiert in blasen
balancieren auf kugeln
tummeln versunken im schaumbad
suchen schutz
unterm schirm oder in herbergen
mauern brauchen sie heute nicht
ich darf sie nominieren
Ein Brief an die Leser: Warum dieses Buch
Sehr geehrte(r) Frau/Herr AUCH,
mein Name ist MIT. Wir kennen uns nicht. Was uns hier zusammenbringt, ist ein Dritter, insbesondere dessen drei Bände „Sphären“ und die Freude auf lange, ergiebige Text-Wanderungen. So tauchen wir unabhängig voneinander auf einer Lichtung auf, die für eine vertiefte Lesereise die Welt bedeuten kann. Vielleicht auch neue Weltbetrachtungswinkel.
Als Sherpa auf Ihrer Reise zu den „Geheimnissen der Sphären“ freue ich mich, ihnen diesen Begleittext anzubieten. Sie können ihn vor Ihrer ersten Reise buchen, nach ihrer Erstbesteigung als Rückbesinnung, oder Passage um Passage mit meinen Kurzfassungen gehen. Rundumservice hat ja menschenalte Tradition.
Meine Referenzen:
- autodidaktische mehrfach Durchsteigung aller drei Bände (mit Sauerstoff)
- 37 weitere Bücherwanderungen durchs Sloterdijk-massiv exklusive unzähliger
Aufsätze, Videovorträge und Artikel.
Auch einem Mehrfachwanderer bieten sich immer neue, auch korrigierte Aussichten.
Der „Sherpa Dienst“ nutzt den Langtext für wesentliche Inhalte im Original oder als sinngemäße Zusammenfassung. Außerdem bietet er zu jedem Kapitel eine poetische Stichwortsammlung. Diese Zweiteilung gibt meinen Lese-Weg wieder.
Ich las Sloterdijk auf der ersten Wanderung zügig-sachlich, um ihn aufzunehmen. Da ich ihn aber als philosophischer Autodidakt las, reichte das nicht, um wirklich zu verstehen. Aber immer, wenn ich das Buch beiseite legte, ließ sein Nachhall mir keine Ruhe ihn tiefer zu ergründen, wirklich „verstehen“ zu wollen. Verstehen meint hier: ihn frei, inhaltlich überzeugt wiedergeben zu können. Für das Gesamtbild fehlte anfänglich noch etwas, ein roter Faden.
Dieses Nachdenken führte zu dem poetischen Wort-Wolken-Spiel. Man sieht zunächst tausend Schäfchen-Wolken aber noch keine schlüssige Wetterlage.
So kommen lauter bedeutungsschwangere Buchstaben, Worte, Sätze daher für Ihre Wanderung durch dieses Bergmassiv eines „sich-einräumen unter einem eigen-gemeinsamen Himmel in Sphären, die leben lassen - wachsen wollen - platzen können“.
Die Aussagen sind Original oder so werkgetreu wie möglich wiedergegeben. Deshalb habe ich auf Zitate und Fußnoten verzichtet.
Die Kapitelüberschriften entsprechen dem Original und sind zur Orientierung im ebook fortlaufend nummeriert (Nr.).
Mit freundlichen Grüßen
Resümee - Graffiti
Am Ende der 2500 Seiten langen Wanderung stehe ich im Basislager der Moderne dessen denkender Spielball ich bin. Als Graffiti-Liebhaber sprühe ich über dem Zugangstor meine bleibenden Erkenntnisse:
Es möge eintreten, wer verstehen möchte, warum der blinde Wille zum Mehr uns nicht rettet aber nicht auszutreiben ist. Die Unruhe wird unser Begleiter bleiben: mit oder ohne Entspannungstechniken.
Soviel hatte ich vom Autor gelernt: Lange Rückblicke schaffen umsichtig-vorsichtige Ausblicke. Allerdings fand dieser Satz nicht leicht zur Spitze. 2500 Seiten von Peter Sloterdijk auf einen Nenner zu bringen, das grenzt schon an ein Faul-spiel. Unterwegs begegneten mir nicht wenige solcher Versuchungen.
Deshalb suche ich in meiner Erinnerung nach den Mitbewerbern, die alle nach vorne drängten, um in der ersten Reihe zu landen. Verkündungsbereit blitzen sie gerne auf:
Am Anfang war keine Schuld.
Ursprünglich warst Du nicht alleine, erinnere Dich. Du bist von Anfang an ein Paar-wesen. Das ist Deine Mitgift, Dein Trost in schweren Stunden.
Suche bei Deinem MIT nach Antworten, den Du im Unglück oft vergisst. Mit ihm findest Du die Kraft ein Sphärenbauer zu bleiben.
Du bist von Anfang an und für immer ein reiches Wesen. Danach tritt in die Welt mit einem Schmunzeln über umtriebiges Leben, das einfach leben will.
Gewöhne Dich daran, dass das Unwahrscheinlichste Wirklichkeit wird.
Wer es zu etwas bringen will, muss sich als "Erleichterer" tarnen und behaupten die Erleichterung sei exklusiv, aber schwer zu erreichen.
Verwöhnung kompensierte Dein Risiko kein Tier mehr, nicht mehr Natürlich zu sein. Du und Deine Miteinwohner werden mit Rücksicht, Liebe, Hass und Tod bereit sein, Verwöhn-Sphären aufzubauen, verteidigen oder untergehen. Was daran Human ist, wird auf Weltkonferenzen weiter diskutiert. Das Schluss-Kommuniqué lässt auf sich warten. Bis dahin bleibe lieber Optimist.
immer wieder entfachen wir in der antarktis ein feuer
für das uns rundum das holz fehlt
und
immer wieder besteigen wir gipfel
für die uns wege ausrüstung erfahrung fehlen
Erstbesteigung aus Verlegenheit
Wir schreiben das Jahr 2005. Ein längerer Urlaub im umtriebigen Berufsleben stand an. Mit dem Gedanken, ob und welche Lektüre in mein Reisegepäck durfte, schlenderte ich durch den Buchladen. Da es fünf Wochen werden sollten, durfte das Buch ruhig füllig sein. So kam, was Sie ahnen. Es stand im Regal und fesselte meine Augen: Peter Sloterdijk „Im Weltinnenraum des Kapitals“.
Eigentlich hatte ich nach dem Studium die Nase voll von wirtschaftswissen-schaftlicher Literatur. Aber „Im Weltinnenraum...“ Das hörte sich nach „abwegigem“ Insiderwissen, gar reißerisch an. Dass es eine Welt gab, ok, für einen Wirtschaftswissenschaftler ja eher ein Weltmarkt. Aber das sie ein Innenraum sei, klang nach Höhlengeschichten. Das sich in diesem Titel das ganze Programm dieses Autors positioniert -auch dieser drei Bände- dazu später mehr.
Es folgten der Umschlagtext, die ersten und die letzten drei/vier Seiten, dann Gliederung und Literaturangaben. Was ich dort genau suche, weiß ich selber nicht unbedingt. Aber es ergibt sich „beim Lesen“: Es musste mir eine sprachlich, sachliche Sympathie entgegenkommen, gut lesbare Sätze die mich ansprechen.
Wenn sie sich schwerer geben, mussten sie Gipfelerlebnisse und tiefe Einsichten andeuten, aber ohne sie als Letzte und Unumstößliche anzubieten. Aufdringliche, werbe ähnliche Suggestionen mag ich nicht, weil sie mir „nicht aus und für das Leben“, wie Rezepte klingen, die für Kochbücher oder für Werbung reserviert bleiben sollten.
Beim „Weltinnenraum“ war ich schnell überzeugt. Es versprach weit auszuholen, provokantes, neues, besser noch unter einem anderen Blickwinkel zu erzählen. Ich lese systemische, psychologische, pädagogische Literatur und gerne über ZEN. Aber Philosophie? Lieber nicht. Ich mag es nicht, wenn die Flugzeuge im Bauch außerhalb der Stratosphäre fliegen.
Aber ein Philosoph -so dachte ich- der wirtschaftliche Zusammenhänge aus einer anderen Perspektive beschreibt und sich auch noch attraktiv-provozierend-unüblich ausdrückt, der darf mit in den Urlaub. Er versprach mir ungewöhnliche Treffen von R.M. Rilke mit Adam Smith, warb für große Erzählungen, wenn man einen kleinen Überblick erhalten wolle, über Corporate Identity auf hoher See, die Poetik des Schiffsraumes und Mutationen im Verwöhnraum. Kurz gesagt: Es klang nach Unglaublichem. Es wurde mehr. „Das Unwahrscheinlichste wird das Normale“.
Wie findet man ein passendes Buch? Findet es uns, wie es so häufig heißt?
Finden wir es? Auf welchem Sender, welchem Kompass? Wer oder was programiert mein GPS?
Später las ich bei ihm: „Für Milliarden Botschaften...bin ich ein Fels, doch gewisse Stimmen und Weisungen schließen dich auf, machen mich zittern.“
Und so wurde es spannend für mich, mit ihm der Frage nachzugehen: „was versetzt mich ohne Reserve in Resonanz als würden letzte und erste Erwartungen in ihr klingen“.
Offensichtlich passierte mir ähnliches in der Buchhandlung an jenem Tag.
In den fünf Wochen las ich ihn zweimal, assistiert von Markern und Bleistiften. Ein Schicksal, dem fast alle meine Bücher unterliegen. Wenn sie schon meine private „Sphäre“ bereichern, dann will ich sie prüfen, verstehen, nachvollziehen können.
Sich müssen den Platz im Regal „verdienen“.
Mittlerweile beanspruchen 37 seiner Bücher erste Plätze in meinem Regal. Dazu kommen ungezählte Aufsätze, Kommentare, Videovorträge, -interviews. Er ist ein Mensch, d.h. ein unruhiger, umtriebiger. Ein Denker mit Fragen an die „Alten Philosophen“, an sicher geglaubte „Phrasen“, findet immer wieder neue Antworten, ist der lebende Beweis für seine von Nietzsche übernommene, variantenreich aufgelegte Feststellung, dass „der Mensch das nicht festgestellte Tier“ sei.
Auch, wenn ich mich an seinen ausladenden Stil erst gewöhnen musste. Aber es lohnt sich, immer wieder mal bei „den Alten“ nachzulesen, sie neu, mit aber auch gegen sie zu denken.
Mit diesem Autor werden es Freiflüge über verblühte Weisheitsfelder, Fahrten zu bekannten Grabungsstätten, an denen er den routinierten Einsichten seines Faches neue, anders beleuchtete Wendungen ausgräbt. Immer wieder zieht es ihn ans Sterbebett der Philosophie (so in „Kritik der zynischen Vernunft“) um der knorrigen Gedankenverwaltung, dem Aufenthaltsort für Ausflüchte und halbe Wahrheiten großer Themen seine Anschrift und Ansprache zu hinterlassen.
Sloterdijk: Manchmal ist der größte Umweg der direkteste zum Ziel.
Dass er es mit den drei Bänden auf 2.500 Seiten bringt, ist sicher (k)ein Zufall.
So ergab sich die Neugier auf die Mammutaufgabe, Seiten Satz für Satz, Abschnitt für Abschnitt so zu lesen, bis Gemeintes verstehbar erschien. Wenn der Mensch eine attraktiv gelegte Spur wittert, wird er leicht ein williges Wesen seiner Erwartungen, seiner erhofften Offenbarung, seiner wissen-wollen-neugier.
Achtung! HerrFrau Geburtlicher - beim Um-, Abbiegen!
Annäherung an die drei Sphären-Bände (1/4)
Fragt man sich, wie Autor und Text sich finden, so läßt sich das aus externer Sicht nur schwer sagen. In seinem Buch „Eurotaosimus“ von 1996 findet sich ein Zitat von E.M.Cioran aus „Vom Nachteil geboren zu sein“:
„Im Paradies hielt ich es für keine Saison, ja keinen Tag lang aus. Wie soll ich dann die Sehnsucht nach ihm erklären, die ich verspüre? Ich erkläre sie nicht, sie lebt in mir seit jeher, sie war in mir, bevor ich war.“
Ist der Band „Blasen“ ein Echo auf Cioran?
Sloterdijk selber fasst seine Intention zu „Sphären“ in einem Interview aus 1997 zusammen:
„Mein Hauptbeweggrund für diese drei Bände, ist das Abhandenkommen von Solidarität. Man hat bemerkt, das sie in der Sprache der Ökonomen „eine knappe Ressource“ geworden sei. Man hat sie bisher immer vorausgesetzt wie Erdöl, gute Laune oder Sonnenlicht, als eine aus sich selbst heraus entstehende, erneuerbare Energiequelle. Etwas was Menschen animiert, sie verbindet. Man hat immer Politik getrieben, als dürfe man solidarische Menschen voraussetzen. Das ist nicht wahr. Wir haben Raubbau mit Solidaritätsressourcen getrieben. Wir kommen und stechen in eine Kulturrevolutionäre Veränderung der Lebensstile hinein, der berühmte Individualismus, der im gesamten Westen Furore macht, einen dramatischen Schnitt in den Lebensformen gemacht hat. Da entsteht ein Mensch, der Weltgeschichtlich ziemlich beispiellos, das Eremitentum einmal abgezogen, in riesigen Zahlen sein Leben aufs Alleinleben hin zugeschnitten hat. Das will erst einmal verstanden werden.“
Eine „Zusammenfassung“ von 2500 Seiten ist schon wie Foul spielen oder wie eine Ansichtskarte vom Gebirge, die den Urlaub ersetzen soll. Vielleicht komme ich mit einer gelben Karte davon und die Ansichtskarte lockt zur Hinreise:
Ein wesentlicher Punkt erscheint mir, dass er an die (persönliche!) seismografische Kompetenz erinnert, die in jedem vor-geburtlich untilgbar „tätowiert“ ist.
Nicht auf, sondern unter der Haut des seit seiner Einnistung „initiiert-bewegten“ Etwas. Diesem fetalen Kreislauf mit Nerven-Hormonen-Organen-Gehirn-Muskeln-Knochen des sich ausfaltenden Wesen. Mit Stimmungskiller und - aufheller ausgestatte, mit frühem Gehörsinn angreichert, um angenehme und unangenehme Töne zu erlauschen, lockende Zustimmung oder gruselige Ablehnung zu registrieren, Signale zu überhören oder ihnen „blind“ nachzuträumen. „Lagen“ und „Stimmungen“ zu empfangen, "Sphären"? zu empfinden. Dann am Ende der Fötalzeit: den Drang, die Notwendigkeit zu spüren „jetzt“ zur Welt zu kommen. Eine tätowierte-Mitgift die in den ersten neun und folgenden zwölf Monaten entsteht, uns aus dem „fötalen Basislager“ „ausstößt“, durch eine Enge „treibt“ und uns als „Tatooträger“ (jedem sein Päckchen) in den postnatalen Kreislauf, in „die Welt“,entlässt.
Noch kürzer? : Ein „Innen-Sphären-Brüterwesen“ das jetzt in „Welt-Sphären“ lebt, Ausstattung und Ausstatter ist.
Der zweite wesentliche Punkt (sorry, aber es gibt noch ein Stürmerfoul): Wir werden möglicherweise mit einem Verlustgefühl geboren, der Abwesenheit eines neunmonatigen treuen Begleiters in der intrauterinen Klausur in der Mutter, der Plazenta, dem „MIT“. Als Umgebender, Umgebendes „schafft“ es die „erste ideale Sphäre“ für das „AUCH“.
Im Idealfall wird dieser Verlust durch einen märchenhaften Empfang kompensiert. Durch die „reiche“ Mutter, den „reichen“ Vater und die folgenden nahen „Vermögenden“. Das Adjektiv „reich“ irritierte den Einsteiger, bis er die Definition auch als Imperativ fand: „Sei reich an förderlichen ‚Stimmungen‘ und ‚Handlungen‘ die dem Neuankömmling eine Fortsetzung des ersten intrauterinen Schwebeglücks ermöglichen und in ihm den Verdacht erhärten: Ich bin willkommen“.
Annäherung an die drei Sphären-Bände (2/4)
Denn wir alle waren in dieser „Blase“ die uns mit dezentem Abstand umgab, in dessen Fruchtwasser wir schwebten, ernährt ohne zu ertrinken, in der wir durch schwarzes hindurch schwarze-schatten-sehen lernten, weil wir in unglaublicher Positions-Leichtigkeit mit traumhafter Sicherheit gehalten, getragen, betreut, versorgt wurden.
Könnte es der erste Grund dafür sein, das wir ergänzungs--verwöhn-süchtige Wesen wurden und bleiben? Das MIT hinterlässt eine offene Stelle, vielleicht auch Wunde,
ein „Unbehagen in-der-Kultur“ (Freud), vielleicht eine Melancholie, eine Depression, die ja auch wie die leer bleibende Stelle in uns wirkt, nicht ohne weiteres gestillt werden kann. Ist es das, was uns beschleicht, wenn wir das vage, unbestimmte Gefühl haben, das uns etwas fehlt, ohne sagen könnten, was genau? An den „flauen“ Sonntagnachmittagen oder ersten Arbeitstagen nach einem Urlaub?
Hierfür suchen wir dringend-drängend-ärgerlich-flehend-flennend Nachfolger im Außen. Es melden sich viele „Bewerber“. Heerscharen von Ersatzbegleiter. Echte, Attrappen, schmeichelnde, heimelige, geneigte, schamlose aufdringliche, manche ewig haltbar, unglaubliche. Schatz-Anbieter, Wunden-Heiler, Wunder-Heiler, Götter, göttliches. Sie alle setzen auf das menschliche „Schicksal“:
Den Ergänzungsbedürftigen-Schatzsucher! Deshalb kennen Feinde uns oft besser als wir uns selbst, schweben in dieser Formation immer auf einem schmalen Grat, zwischen dem glücklich ergänzten Schatzfinder oder dem untröstlichen Wund-Schmerz-Wesen.
So kommt ein erstes Wolkenweltbild zustande, ohne alle Wolken berücksichtigt zu haben. Diese vor-Präfigurationen eines „Wesens“ das von innen kommt, „das nicht-mehr-Tier“, wurde viel zu lange „in den Theorien und großen Erzählungen“ verschwiegen, übersehen oder durch Erziehung, Gesellschaft, übergangen. Auch der überwiegende Teil der Philosophie hat hier ihren blinden Fleck. Von der Pädagogik ganz zu schweigen.
Man spricht von „dem Menschen“ ohne ihn näher bestimmt, beschrieben, konkretisiert zu haben. Für Sloterdijk liegt in den wahrnehmbaren äußeren Tatsachen immer auch eine Davor, ein Woraus, ein Auf-Grund-dessen:
„Nichts ist im Großen was nicht vorher im Kleinen angelegt ist.“
Annäherung an die drei Sphären-Bände (3/4)
Für die ganz langen Rückblicke fragte er sich realistisch-spekulierend in „den Anfang“ dieses Wesen hinein. Unwahrscheinliches, Unglaubliches hat für ihn eine (bisher) vierzigtausend jährige Basis: Die Zeit, als ein Wesen – ein Tier mit Pfoten nicht mehr das natürliche "-Zufalls-Tier sein wollte, besser sein konnte, da „es“ mit „etwas“ konfrontiert, bewegt wurde und etwas bewegte: eine sich entwickelnde Pfote zur Hand, einer Schnauze zum Gesicht, ein Kopf der sich hob und den Körper in eine unwahrscheinliche aufrechte Gangart brachte.
Die Interaktion zwischen Stein und Pfote entwickelte die Hand und die Fähigkeiten zum Schlagen, Werfen, Streiten, Sezieren; zur „Aussicht“ auf all das was erste „Wahr(heit)“ wurde, zur Distanzierung von seiner ursprünglichen Natur und zur Schaffung einer „Lichtung“ auf der das Zufalls-Tier nun werden konnte, werden wollte, werden musste. In rückkoppelnden Prozessen zwangsläufig-gewollt-überraschend sich ergab: ein zur-welt-offenes, ein luxurierendes, auch oft zurückgeworfen, aber doch immer vorwärts gehendes. Ein Wesen, das nun etwas geschnuppert hatte, d.h. an sich und allem was um ihn zur Welt wurde, „auftriebs-freude“ besaß und davon ergriffen wurde, sich damit von „natürlicher Natur“ freistellte, sich „ins-freie-offene-stellte“ und mit den Folgen nicht rechnen konnte.
Wo wärmendes Fell fehlt, „luxuriert“ es in Mode. Wo schützendes Fell fehlt, da baut man „Wände, Dächer, Hütten“. Wo „Last“ auftaucht, luxuriet es not-wendig zur „Ent-lastung“. Wo Last war wird Erleichterung. Wo Erleichterung da luxuriert Verwöhnung. So wird die Gewöhnung zur ersten Verwöhnung. Tradition entlastet. Fortschritt meint Verwöhnung. Erst spät „merkt er“: Fortschritssysteme können „umkippen“, wieder zur Last werden.
So könnte es ja gelaufen sein nach seiner spekulativen Philosophie.
Was hat uns zu so einem offenen, dadurch reichen und nicht zuletzt luxurierendem Wesen gemacht?
Schon mit dem ersten Tag Deines drängenden Werdens legt sich ein nährendes, schützendes, begleitendes -MIT- um Dich, zu Dir ein -AUCH- das Dich begleitet, in einer 24/7 Rund-Um-Versorgung.
So tätowiert sich die Verwöhnung in uns. Sie fordert, still und störrisch, leise und laut, in jedem Fall „unerbittlich“ im Außen, in „der Welt“ ihre Entsprechung.
Nicht aus Zufall wirst Du in „Kreis“sälen geboren und nicht an Quadrat-Wurzeln abgelegt. Du gelangst in Familien“kreise“ die auch eine Bande im doppelten Sinne sein kann. Im Falle einer glücklichen Landung ist dann alles eine „runde“ Sache.
Du wirst im Leben Deine „Kreise“ ziehen. Aufgefaltet in Blasen (Bd. I) dann auf! Globen, bald im nackten Außen zu Hause - oder nicht- (Bd.II), um in der Neuzeit in Schaum-Sphären (Bd. III) einzutauchen, in der Du immer ein gebender-Nehmer, nehmender-Geber sein wirst.
Nur Du für Dich und ein jeder für sich, besitzt eine seismografische Kompetenz, über das Maß für Rundheit ein Urteil abzugeben.
Im schlechten Fall stürzen Rundbauten ein. Erlöschen Welten. Reißen Vorhänge. Fallen Schranken. Entweder der Auftrieb verläßt den Antrieb oder der Schmerz treibt in unsägliche Gräueltaten.
Soziale Kompetenz ist insofern eine Rundungs-Kompetenz mit Designerqualitäten, die nach dem „Tod Gottes“ oder wie Sloterdijk es formuliert „nach dem „Tod“ einer platzenden, unlebbaren Größe von jedem gefordert wird, sie in sich aufzubringen. Und so sehen wir die durch moderne Zeiten gehenden Scheidelinien zwischen den Über-Forderten, Unter-Forderten und den Normal-Talentierten in diesen Angelegenheiten. Jenseits von Besitz und Machtverhältnissen.
Wer dem Wesen den Risiko-Ausgang aus der Natur absichern will, wird früh Sphärenbauer, Rundungsmacher, Kreiszeichner. Musste die Gefolg-schaften verwöhnen, einhegen und erbaulich-schützendes bieten: Nähe, Liebe, Schutz vor Naturwillkür, Mensch- und Tiergefahr. Erst übernahmen das Mütter, Väter, Sippen. Dann überdimensionale Stadtmauern, Götter, später Versicherungen, Sozialsysteme, Rechtssysteme, funktionierende Gemeinwesen.
Oft genug nutzen auch „Menschen-Verächter“ die wichtigen „Kofferbegriffe“ und verbergne dahinter ihre Greuel und Schandtaten.
Achtung HerrFrau Geburtlicher - beim Um-, Abbiegen!
Was wir z.B. verführungssicher Heimat nennen, ist eine Umgebung, die für einige eine gute Sphäre bildet und andere zur Flucht treibt.
Später wird es bei Sloterdijk heißen:
„Der Mensch ist nicht in einer Heimat, sondern in einem Komfort zu Hause“.
Annäherung an die drei Sphären-Bände (4/4)
Mit R.M. Rilke gesprochen:
„Oh Haus, o Wiesenburg, o Abendlicht,
auf einmal bringst du's beinah zu Gesicht,
und stehst an uns, umarmend und umarmt“
gefunden bei: Gaston Bachelard Poetik des Raumes, S. 34
Sloterdijk bei der Fechtner-Preisverleihung: „Wer mich kennt...namentlich mit der ‚Sphären‘-Trilogie, wird wissen, dass ich darauf verzichtet habe, vom „Menschen“ in direkter Rede zu sprechen – die Zeit solcher pathetischen Kollektiv-Singulare scheint mir vorüber zu sein. Die Helden meiner Geschichte sind die Räume – nicht Räume im Sinne der geometrischen Lehrbücher, der Kataster und der politischen Geografie, sondern die Räume, die durch die Einwohnung von Menschen in ihnen aufgehen. Sie werden von ihren Einwohnern geformt und formen ihre Einwohner. Wenn meine Arbeit in der Geschichte der philosophischen Anthropologie einen Paragrafen verdient, der das Werk der genannten Autoren, soweit man sie als „Vorgänger“ ansehen kann, weiterschreibt, so vielleicht, weil mein Thema „Raum und Mensch“ tatsächlich diesem Typus von Theoriebildung angehört, so nahe wie möglich, so entfernt wie nötig. Das „Sphärenwerk“ bildet kein neues Kapitel in der Tradition der alteuropäischen Anthropo-Pathologie. In ihm erscheint der Mensch nirgendwo als Mängelwesen. Es ist ein Wesen, das unter Formatspannung steht. Während die klassische Rede vom Menschen ihn als ein Wesen porträtiert, das zu wenig hat und dazu verurteilt ist, den Mangel zu kompensieren, erscheint er in meinen Beschreibungen als ein Geschöpf, das im Zuviel zu Hause ist – und oft nicht weiß, wohin es seinen Überschuss abgeben soll.“
Immer wieder sammele ich nach vielen Seiten, Stunden und Tage die ich im Originaltext verbringe Anschauliches im Alltag aus erster Hand. Ob bei mir oder bei anderen. Natürlich mit dem getönten Auge des subjektiven Betrachters, aber auch mit erstaunlichen Ergebnissen über eine bisher oft fassungslos, sprachlos bestaunte Welt aus unwahrscheinlichen, eigentlich unmöglichen Dingen.
Aus dieser Überlegung kam mir die Variante einer sträflichen „Kurzfassung“, die ich gerne auch als Lockmittel zur weiteren Vertiefung gedacht habe.
Sloterdijk für Manager, Trainer, Coaches, Berater, Pädagogen
Während meiner Berufstätigkeit stand eine Frage im Vordergrund: Wie gelingt es Menschen, motivierend zu lernen? Nicht nur fachliche, sondern insbesondere soziale Qualifikationen zu reflektieren, zu "verbessern".
Hier traf man auf den konkreten Menschen von dem Sloterdijk so treffend schreibt: „dem manchmal etwas fehlt, von dem er aber nicht sagen kann was“. Und mir, als Trainer erging es so wie allen Pädagogen, Psychologen, das auch ich das Fehlende um „kein Geld in der Welt“ ihm geben, geschweige denn wissen konnte. Wenn es gut ging, vielleicht erahnen i.S. von „in etwa“, „so etwas wie“.
DIE Person - ein bleibendes Rätsel?
Alle bleiben wir semiprofessionelle Akteure auf dem Feld des persönlichen, sozialen und kulturellen Lebens-Spiels.
Vor diesem Hintergrund las ich Sloterdijk. Für mich schloss seine „spekulative Philosophie“ genau diese Lücke. Bis dahin hatte ich sie mit „persönlichen Sinn“
Umschrieben.
Es bliebe aber eine Lücke, die aus einer Frage bestand: Woher stammt „der Eigen-Sinn“ meiner Gesprächspartner, auch wenn sie ihn doch selber kaum kannten? Aber ein Sinn, der so hartnäckig verteidigt, für den man Opfer bringt, Risiken eingeht, bereit ist, vieles, alles „aufs Spiel zu setzen“.
Mit der „spekulativen Philosophie“ wurde aus dem Sinn-Sucher ein „Sphärenbauer mit anderen“ deren Wunsch nach einer idealen Sphäre von weit herkommt. Der Sinn ist weniger ein Satz oder ein Statement. Er liegt in einer guten Sphäre, die man annähernd konkret umschreiben kann.
Für die Ausgestaltung der Wohlfühl-Sphäre verfügen wir über einen „tätowierten“ Kompass aus der pränatalen und postfötalen Zeit, weniger über einen detaillierten Bauplan. Es ist, wie in der pränatalen Phase, eher ein Schweben, Schwanken, zwischen Wohlgefühl und Unwohlsein, gutem Gefühl und Ablehnung, angenehm und unangenehm, aufgehoben, eingebunden fühlen und Ablehnung, Ausgrenzung spüren, zwischen tragenden, störenden, unangenehmen bis schmerzenden Tönen.
Und natürlich das Umfeld. Also um eine „Betriebssphäre“, das erweiterte Betriebsklima.
Der Mensch ist auch ein Sphären-Spürhund.
Der erste Eindruck, das „Bauch“ Gefühl, die Intuition! Woher kommen sie? Von Dort?
Geht es um Andere, liegen wir somit fast immer daneben. Wie kommen wir in ein Offenlegen der förderlichen und störenden Aspekte? Wie wäre es mit „Solidarität in der Konkurrenz“, denn in puncto Geburtlichkeit sind wir alle in derselben misslich-günstigen Situation.
Das äußere Agieren und die innere „geheime“ Messlatte für Ideales, sind immer gemeinsam im Spiel um eine innen-ähnliche-gleich-bergende Sphäre im Außen zu gestalten. Wie innen war, so sollte auch das außen sein.
Einer ist schon immer zu Zweit.
Wo zwei Menschen zusammen sind, dort wird deren jeweiliger Zwilling mitten unter Ihnen sein. Zwei sind immer zu viert. Ein Team ist ein Team zuzüglich aller inneren Double. Die langen Teamsitzungen, die schweren Entscheidungen, das Beharren auf „Kleinigkeiten“! Die „schwierigen“ Mitarbeiter, die „schwierigen“ Chefs: Woher nur, warum nur - wenn nicht auch von Dort? Natürlich zusätzlich zum System, der Organisation, dem Markt, den Kunden, der Kultur, der Politik, der Globalisierung.
Wenn ich es überspitze: Alles „künstliche“ Gegebenheiten, von „geburtlichen Improvisationskünstlern“ geschaffen, aufgeführt im Improvisationstheater, d.h. in sich selbständig malenden Mühlen-Systemen, die kaum ein geburtlicher mehr versteht: Alles strotzt und strahlt in rückkoppelnde Netzwerke, lapidar undefinierbar umschrieben mit „Komplexität“.
Wir leben seit „Menschen“gedenken im Anthropozän. In einer von „fremdelnden“ Wesen besiedelten Kulturlandschaft.
Abschließende Wegzehrung für die Tour
Wie ein unschuldiges Kind, das sorglos spielt, spielen wir mit allem, was sich uns in den Weg stellt oder wir herbeisehnen. Unser heimliches Einschlaflied. „Ich wollte nie Erwachsen sein“.
Kosmos, Welt, Mensch, Religion, Gott, Wissenschaft, Natur, Tier, Materielles, Ideelles, Künstliches, direktes, indirektes, Software, Hardware, Maschinen, alles Kandidaten die in unseren Händen, unsäglich-unwahrscheinliche Tatsachen zu explodierenden Ereignissen entfachen.
Sie schüren Hoffnungen, provozieren Ängste, gründen Kulturen die expandieren, stagnieren oder untergehen. Füllen Hörsäle, Konferenzen, Bücher und Parlamente. Sie bringen zusammen oder trennen Paare, Familien, Städte, Weltreiche. Sie führen zu Aufschwüngen in Wohlstand und technischen Errungenschaften der höchst unwahrscheinlichen Art und gleichzeitig zu unglaublichen Verwüstungen, die das klassische Bild des Caritas-Humanismus unter Fälschungsverdacht bringen.
Gewachsen in seinem Menschen-Treibhaus das nur Einbahnstraßendenker als „Labor-Anstalt“ missverstehen können. Es ist ein Wesen in seiner Welt, dass im Rausch des Werdens gedrängt-drängend zur Extravaganz mit Überraschungen agiert.
Aus der anfänglichen Pfotengebundenheit wächst ein denkendes, sprechendes Wesen, ahnungslos-ahnungsvoll, planfrei-schaffend aus einer anfänglichen Staunenshaltung über „Tier-können“ „Natur-können“, „Götter-können“ sich herauswindend. Nimmt Abstand von allem was ihn in „Ketten“ legt, um (s)einen Sonder-Weg zu gehen, der ihn von allen Startkrücken abkoppelt und doch immer wieder neue in "Ketten" legen lässt.
So wird für die sich anstrengenden das anfängliche wärmende Hordenfeuer bald ein nuklearer Weltbrand, aus dem ersten Steinwerfer ein Giftgas- und Napalmbomben-Werfer, aus den ersten hundert Neugierigen, acht Milliarden, aus den ersten Toten durch Hordenkämpfe die 60–80 Millionen des Zweiten Weltkriegs, aus dem alten Zeichen Erfinder ein dubioser Experte für genetische Schrift und Künstlicher Intelligenz. Aber auch Kriege, Genozide, Naturkatastrophen, Völkerwanderungen, Seuchen, Hungersnöte hielten ihn nicht davon ab, immer mehr zu werden in immer größeren Sphären, immer mehr zu wollen und dabei immer älter, bei steigender sozialer Kälte zu werden.
So stehen sich die Fraktionen gegenüber: Ziel-vortäuschende gegen Ziel-offene, Pläneschmiede gegen intuitiv Reisende, Risikoscheue gegen Risikoliebhaber, Nähesucher gegen Abstandshalter, Ordnungsüchtige gegen Kreativjunkies, Menschheitsretter gegen Menscheitsausnutzer, Schutzhüttenbauer gegen Freiheitsschwärmer.
Was sie vereint: Alle bringen von ihrem ersten Dort, lebenslang haltbare Inschriften mit: „Herr-Frau-Jedermanns Gespür für Schnee“. Doch keine Schneeflocke gleicht der anderen.
poetische vorhersage: kurzbeschreibung band eins
lernziel: begreifen was wir wissen aber nie offen ausgesprochen wurde:
wir sind innen-brüter und übertragungswesen: wir übertragen die ursprungs-seligen-raumerfahrungen ins außen-da-sein und sind dort süchtig nach ähnlicher-gleicher rundheit
schon drinnen waren wir nicht alleine, deshalb lautet die ur-zahl: z w e i
wir wollen immer m i t etwas sein
wir haben etwas verloren was wir nicht konkret erinnern aber vermissen, deshalb sind wir ersatz-süchtig
blasen sind
intimformen
des gerundeten in form seins
und
basismoleküle starker beziehungen
wir gehen auf
tauchgänge
in verschollene geschichten
vom intimen atlantis
einem gehauchten kontinent
im matriarchalen meer
der sichere begleiter
ist die
begriffliche hilflosigkeit
für prä-objektives dasein
das nur nicht-invasive- invasionen
duldet
auf lymphischen flüssen
primitiver selbsterfahrung
klingende landkarten
von einem flüssigen auratischem dasein
ganz aus resonanzen und schwebstoffen
hin zu den quellgebieten
von seele selbstgespür ineinandersein
hin zu den psychischen katastrophengebieten
die vom unvermeidlichen sphärenplatzen zeugen
um an die küsten
harter tatsachen zu gelangen
poetische vorhersage: kurzbeschreibung band zwei
lernziel: begreifen was wir wissen:
das runde wird welt-mächtig
das runde wird im kleinen und großen immunisierend
das runde wird macht-tragend
gott wird kugel – kugel wird gott
harte tatsachen
geraten unter kugel
und globenzwang
grenzen sind mit zirkel gezogen
mitten durch jovialitäten
besetzt
kosmologische mittel
sichern grenzen
politische immunolgie wird entdeckt
weltgeschichte
wird kriegsgeschichte
frühe immunsysteme
anheimelnde und militante geometrien
von platon und aristoteles
bis zur umrundung der letzten kugel
durch schiffe
kapitale
signale
poetische vorhersage: kurzbeschreibung band drei
lernziel: begreifen was wir wissen und jetzt erleben:
globalisierung ist ein altes phänomen
gott ist tot- das runde ist tot - es lebe der schaum
modernes leben - leben in schaum-blasen
wenn jesus mein nachbar wäre, ich würde es nicht merken
dritte globalisierung
schnelle bilder
lösen raumkrisen aus
göttliches interieur
steht nur noch
auf flohmärkten
räume werden technisch
zum außen ohne innen
„und wie bestürzt ist eins
das fliegen muss und
stammt aus einem schoß“ (RMRilke)
sphärenteorie ist morphologen werkzeug
romane voll mit
sphären übertragungen
von intimen dual blasen
zum imperialen maximum
völker reiche kirchen nationalstaaten
alles versuche
mit imaginär-instuituionellen mittel
phantastische mutterleibe
für infantilisiierte massenpopulationen
gott und neuzeit
werden zum versuch
nester in haltlose überkugeln
zu errichten
menschen werden wesen
die aus rundraum fallen können
immunschwächen der gegenwart
lassen schwärmereien von besseren
früheren weltsystemen wachsen
doch die versuche gehen weiter
die mitte ging verloren
alles wurde zentrum
ein gültiges gibt es nicht
botschaften verlieren sich
im geweirr der elektronischen absender
zerstreute kommunen werden
auf der letzten kugel
ökologische stresskomunen
s c h a u m
wird zum leitbild
kritik am runden wurde sphärenfrevel
das war gestern
unrundesphären
moderne zeiten
schäume haufen schwämme wolken wirbel
alles hilfsworte für
innenweltbildung
zusammenhangschöpfung
immunitätsarchitekturen
im zeitalter technischer kompelxitätsentfesselung
krieg der schäume
individuen bringen es zu keiner ganzen welt mehr
kraftverlust für psychische raumbildungen
jeder ein isolierter depressiver punkt
verfall der solidarität erzeugt immunschwäche
lebensspanne wird einzelhaft
aktionsblasseteilhabenarme-ichs
starren in medienfenster
navigabilität ersetzt transparenz
im gegenwärtigen zeitalter
gewinnt entseelung vor reanimation
einen uneinholbaren vorsprung
weltbildverlangen treibt in resignation
letheplünderung ohne grenzen
die welt ist zu groß geworden
individuen sprachen kunstwerke
waren galaxine
unassimilirbare aussenwelten
alle systeme
zur spezifischen exklusivität verdammt
ist das verstörend und eng
oder heilsam öffnend
wer weiss
so zumindest geht ein sprechen
ohne Unschuld
modern denken heisst
mit der harmlosigkeit brechen
The free sample has ended.