Read the book: «Dein Leben heilen»

Hinweise
Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.
Um den Lesefluss nicht zu erschweren, wurde meist auf die Doppelung männlicher und weiblicher Nomen und Pronomen verzichtet. Selbstverständlich soll in diesen Fällen die übliche »männliche« Form auch den weiblichen Teil der Bevölkerung umfassen.
Titel der Originalausgabe:
Healing Your Life.
A 12 Step Guide to Bringing Love,
Power & Purpose into Your Life.
Copyright © by Paul Ferrini
www.paulferrini.com
Deutsche Ausgabe:
© 2012 KOHA-Verlag GmbH Burgrain Alle Rechte vorbehalten Aus dem Englischen von Philippa Campling Lektorat: Dr. Felicitas Igel Coverbild: Annick vom Kolke
Gesamtherstellung: Karin Schnellbach
Ebook-Umsetzung Medialike GmbH, München
ISBN 978-3-86728-726-5
Inhalt
Vorwort
Einführung
Teil eins - Erwachen
SCHRITT 1 - Komme aus der Verleugnung
SCHRITT 2 - Erkenne deinen Schatten
SCHRITT 3 - Verbinde dich mit deinem Kernselbst
SCHRITT 4 - Gestehe dir deine Urteile ein
ÜBERGANG ZU PHASE ZWEI
Teil zwei - Heilung
SCHRITT 5 - Heile deine Kernwunde
SCHRITT 6 - Beende den Kreislauf des Missbrauchs
SCHRITT 7 - Beende die Muster des Selbstbetrugs
SCHRITT 8 - Gib dein Falsches Selbst auf
ÜBERGANG ZU PHASE DREI
Teil drei - Ermächtigung
SCHRITT 9 - Bringe deine Gaben und Talente zum Ausdruck
SCHRITT 10 - Pflege positive, gleichberechtigte Beziehungen
SCHRITT 11 - Folge deinem Herzen
SCHRITT 12 - Bestärke andere darin, zu erwachen und zu heilen
Nachwort
Vorwort
Vor acht Jahren lud ich meine Leser ein, in Florida zu einer Reihe intensiver Retreats mit mir zusammenzukommen. Menschen aus aller Welt reisten an, um die Grundlagen bedingungsloser Liebe, der Selbstheilung und Vergebung zu lernen und sich darin zu üben.
Viele Teilnehmer besuchten drei Retreats innerhalb von nur drei Monaten, und die Intensität ihrer Beteiligung führte zu kraftvollen Ergebnissen. Emotionale Wunden begannen zu heilen. Menschen begannen, ihre Muster des Selbstbetrugs zu durchbrechen und in ihre Kraft und Bestimmung zu treten.
Wir waren alle erstaunt über diese Erfahrung und wollten sie mit anderen teilen. Also habe ich auf Drängen meiner Schüler begonnen, einen intensiven Erfahrungsworkshop zusammenzustellen, der die wichtigsten Elemente meiner mehr als 35 Jahre währenden Tätigkeit als Lehrer und Schriftsteller umfasste und integrierte.
Der Real-Happiness-Workshop erfüllte, was wir uns von ihm versprachen: Er ermöglichte tiefe emotionale Heilung und spirituelle Transformation.
Während der letzten vier Jahre sind viele Lehrer ausgebildet worden, und unsere Real-Happiness-Intensivkurse wurden mit großem Erfolg in vielen Ländern angeboten. Der Lehrplan ist in eine Reihe von Sprachen übersetzt worden, und diese Art der Arbeit verbreitet sich kontinuierlich.
Die Lehrer sind wahrhaft Werkzeuge für die Verbreitung dieser wichtigen Arbeit geworden. Indem sie ihren Platz eingenommen haben und den Raum bedingungsloser Liebe und Akzeptanz hielten, haben sie Gemeinschaften geschaffen, in denen Menschen sich so geborgen fühlen, dass sie sich für die Heilung öffnen und bereit sind, ihr Leben zu verändern.
Es ist das erste Mal, dass diese Lerninhalte in Buchform angeboten werden. Meine Hoffnung ist, dass durch dieses Angebot mehr Menschen Zugang zu diesen Lehren bekommen und dann diese Arbeit persönlich mit einem meiner zertifizierten Lehrer machen möchten.
Unserer Erfahrung nach heilen die meisten Menschen jene Wunden, die von ihrer Ursprungsfamilie herrühren, nicht so leicht und durchbrechen die Muster des Selbstbetrugs nicht ohne Weiteres. Die meisten brauchen einen unterstützenden Rahmen, in dem sie energetisch auf den Heilungsprozess fokussiert bleiben. Deshalb haben wir die vergangenen acht Jahre damit verbracht, eine internationale Heilungsgemeinschaft zu entwickeln, die die Menschen aktiv bei der emotionalen Heilungsarbeit und ihrer Selbstermächtigung unterstützt.
Diese Gemeinschaft steht dir als hilfreiches Werkzeug zur Verfügung. Die Unterstützung gleichgesinnter und im Hinblick auf ihre Gefühle mutiger Menschen wird dich tiefer gehend und mit greifbareren Ergebnissen voranbringen.
Du musst nicht in Entsagung, ohne Liebe und Unterstützung leben. Diese Arbeit und die Gemeinschaft, die hinter ihr steht, kann dir helfen, dich für ein Leben echter Heilung und Eigenverantwortung zu öffnen. Du kannst lernen, dich aus deiner inneren Mitte heraus zu lieben, und so einen Prozess des Gebens und Empfangens einleiten, der dein Leben transformieren wird. Du kannst deinem Leiden ein Ende setzen und dich mit deiner Freude verbinden. Du kannst zu deiner Leidenschaft finden und lernen, deine Gaben zu nähren und ihnen Ausdruck zu verleihen. Du kannst lernen, der Bote der Liebe für deine eigene Erfahrung zu sein, und mehr und mehr Liebe in dein Leben hineinziehen. Du kannst deine Bestimmung erfüllen und mit deinem Partner in einer gleichberechtigten Beziehung leben, in der ihr euch gegenseitig unterstützt.
Dir stehen alle Gaben des Lebens und der Liebe zur Verfügung. Du musst nur deinen Teil tun und dein Herz öffnen, um sie zu empfangen. Dieses Buch wird dir dabei helfen, damit zu beginnen. Wisse, dass wir während dieser Reise bei dir sind und einen geschützten Raum für deine Heilung und Ermächtigung halten.
Mit liebevollen Segenswünschen
Paul Ferrini
Wegweiser der 12 Schritte
zu Heilung und Transformation

Einführung
Der Wegweiser zu Heilung und Transformation
Unser Schmerz ist ein Weckruf
Als wir begannen, den »Wegweiser der 12 Schritte zu Heilung und Transformation« zu entwickeln, fragte ich meine Schüler: »Womit beginnt wohl der Wegweiser?«
Viele meinten, der erste Schritt sei, sich mit der Liebe zu verbinden. Das macht Sinn. Aber ich wollte, dass sie noch weiter gehen.
Bitte beantworte diese Frage für dich: »Womit hat die Heilung deiner Ansicht nach begonnen? Was hat dich dazu bewogen, zu diesen Retreats zu kommen?«
Celia antwortete, ohne zu zögern: »Für mich begann alles damit, den Schmerz wahrzunehmen.«
Als sie das sagte, spürten wir alle eine Übereinstimmung. Für die meisten von uns begann die Heilungsreise, als Schmerz hochkam und sich nicht mehr unterdrücken, wegschieben oder ignorieren ließ. Für die meisten war Schmerz der Weckruf. Er zeigte uns, wo unser Leben aus der Bahn geraten war und was in Angriff genommen werden musste, damit Heilung eintreten konnte.
In unserer Welt wird Schmerz nicht als Botschafter betrachtet. Wir möchten, dass er verschwindet. Wir nutzen alle möglichen Substanzen, um unseren Schmerz auszuschalten oder zu betäuben. Alkohol, Arzneimittel und Drogen, sogar Nahrung, Arbeit oder Sex werden zu Mitteln, um dem Schmerz zu entfliehen, zu Mitteln, mit denen wir unseren Schmerz zu vermeiden oder zu verleugnen suchen. In unserem Bestreben, Vergnügen zu empfinden und dem Schmerz zu entfliehen, kommen wir nicht auf die Idee, dass wir auf die Botschaft hören müssen, die unser Schmerz uns bringt.
Aber Celia hatte recht. Wir müssen darauf hören. Solange wir nicht wissen, was uns wehtut und warum es schmerzt, werden wir kaum motiviert sein, die transformierende Reise auf uns zu nehmen.
Unserem Schatten begegnen
So hören wir in Phase eins unserer Arbeit damit auf, unseren Schmerz zu verleugnen oder zu betäuben, und beginnen, ihn zu spüren und die Botschaft zu hören, die er mit sich bringt. Das ruft bei jedem ein großes Gefühl der Scham hervor. Wir haben gesellschaftliche und spirituelle Masken entwickelt, hinter denen wir uns verstecken und vorgeben, glücklich zu sein, obwohl wir uns innerlich dreckig fühlen. Uns selbst und anderen unseren Schmerz einzugestehen bedeutet, unsere Maske abzunehmen und die Wahrheit darüber zu sagen, wie wir uns fühlen. Es bedeutet, emotional ehrlich und verletzlich zu sein.
Natürlich haben wir Angst davor, uns ohne unsere Maske in der Welt zu bewegen. Denn oft werden wir in der Welt draußen für jede Schwäche, die wir zeigen, gekreuzigt, verurteilt und beschuldigt. Es fühlt sich nicht sicher an, zuzulassen, dass andere Menschen sehen, wer wir wirklich sind und wie wir uns wirklich fühlen. Wir haben Angst und schämen uns für das, was in uns ist. Wie Adam und Eva verstecken wir unsere Angst und geben vor, glücklich zu sein, auch wenn wir es nicht sind.
In unserer Heilungsarbeit bauen wir behutsam einen Raum bedingungsloser Liebe und Annahme auf, damit es sich sicher anfühlt, anderen unseren Schmerz mitzuteilen. Wir nutzen die Richtlinien für den Affinity-Prozess, sodass jeder von uns die Verantwortung für seine Erfahrung übernimmt und seine Angst und Scham nicht auf andere projiziert. (Weitere Informationen zum Affinity-Gruppenprozess siehe in meinen Büchern »Im Herzen leben« und »Die Schlüssel zum Königreich«.)
Wir lernen, aus dem Herzen zu sprechen und zuzuhören. Wir lernen, einander zu vertrauen im Bewusstsein der Wahrhaftigkeit unserer Erfahrung, sodass wir uns nicht mehr verstecken müssen. Wir kommen aus unserem dunklen Kämmerchen heraus. Wir geben uns selbst die Erlaubnis, gesehen und gehört zu werden. Wir geben uns die Erlaubnis, geliebt und akzeptiert zu werden – so, wie wir eben sind.
Der Großteil der Arbeit in Phase eins besteht darin, eine Gemeinschaft der Heilung zu schaffen, einen sicheren Raum, in dem wir unserem Schatten und dem Schatten anderer mitfühlend begegnen. Und während wir dort unsere Wahrheit sprechen, bemerken wir, dass unsere Erfahrung sich gar nicht so sehr von der Erfahrung anderer unterscheidet. Unser Schmerz ist ihr Schmerz. Unsere Probleme und Sorgen, unsere Selbstverurteilungen, unsere Minderwertigkeitsgefühle sind gar nicht so verschieden von denen anderer. Wir leben in einer ähnlichen psychischen Welt, in der unsere Angst und Scham immer wieder aufkommen.
Jahrelang glaubten wir, die Einzigen zu sein, die sich so unzureichend fühlten. Wir dachten, alle anderen da draußen seien glücklich und ausgeglichen. Wir wussten nicht, dass wir nur auf ihre Masken sahen, die sie trugen. Aber in dem liebevollen, urteilsfreien Raum unserer Heilungsgemeinschaft, wo es ungefährlich ist, unsere Masken abzunehmen, begreifen wir, dass wir nicht die Einzigen sind, die Schmerz empfinden. Wir sind nicht die Einzigen, die sich mit Angst und Schamgefühlen plagen. Wir sind nicht die Einzigen, die sich schuldig, angsterfüllt und nicht liebenswert fühlen. Jeder in diesem Raum fühlt sich so. Es ist nur das erste Mal, dass wir anderen unseren Schmerz mitteilen. Das ist ein Meilenstein für uns alle, und daraus entsteht die Dynamik, die wir brauchen, um aus unserer Verleugnung zu kommen.
Wir bewegen uns aus einer Welt heraus, in der wir unsere Ängste und Schwächen nicht zugeben können, hinein in eine Welt, wo es sich sicher anfühlt, anderen gegenüber ehrlich zu sein. Wir bewegen uns weg von einer Welt, in der wir die Wahrheit verbergen müssen, hin zu einer Welt, in der alle die Wahrheit anerkennen können.
In Phase eins der Arbeit begegnen wir unserem Schmerz. Wir teilen ihn mit anderen. Wir werden Zeuge der Universalität unseres Schmerzes und lernen, mit uns selbst und anderen behutsam umzugehen.
Anstatt uns für unsere Gefühle zu schämen, lernen wir, sie zu akzeptieren und uns durch sie hindurchzubewegen. Wir unterstützen einander, indem wir einen Raum des Mitgefühls halten, innerhalb dessen wir uns mit unseren Ängsten konfrontieren können. Wir lernen, unsere Schattenseiten mit den Augen der Liebe zu betrachten. Das bedeutet, dass wir keine Angst mehr vor unseren ungeheilten Aspekten oder vor jenen der anderen haben müssen.
In der Gemeinschaft können wir einen Raum für die Heilung schaffen. Gemeinsam können wir eine liebevolle Umgebung hervorbringen und eine Kultur der Vergebung, die es uns ermöglicht, uns selbst zu erkennen und Verantwortung für unsere Urteile zu übernehmen, sodass wir aufhören, andere anzugreifen.
Uns mit der Liebe zu verbinden, wird zu einem wichtigen Aspekt der Arbeit in Phase eins. Wir können unseren Schatten und die Schattenseiten anderer nicht erkennen, solange wir uns nicht geliebt und akzeptiert fühlen. Ohne die Verbindung zur Liebe lehnen wir den Schatten entweder ab oder verleugnen ihn (wie wir das bislang gemacht haben) – oder aber wir identifizieren uns mit ihm und glauben, dass wir dieser Schatten sind. Dann wenden wir uns entweder von unserer Heilungsreise ab, weil sie uns zu viel Angst macht, oder wir begeben uns in unsere persönliche Unterwelt, ohne eine Taschenlampe mitzunehmen, mit der wir sie erhellen könnten. Keine dieser Alternativen ist konstruktiv.
Bevor wir die Unterwelt betreten, um unserem Schatten ins Auge zu sehen, müssen wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, um uns mit dem Licht und der Liebe mitfühlenden Gewahrseins auszurüsten.
Phase zwei des Wegweisers zu Heilung und Transformation wird uns mit unseren tiefsten Verletzungen und dysfunktionalen Glaubensmustern konfrontieren, die uns selbst betreffen.
Wir müssen bereit sein, um all das anzuschauen. Wir müssen wissen, dass wir unsere Ängste und Schamgefühle ertragen und in behutsamer, liebevoller Weise halten können. Wir müssen wissen, dass wir all unsere abgelehnten und verleugneten Aspekte in uns sehen und akzeptieren können. Das hilft uns, sie aufzuarbeiten und zu integrieren. Auf diese Weise stellt sich ein Ganzsein in unserer Psyche ein.
Die Reise in die Unterwelt
Mach dir keine Illusionen. Es braucht Mut, um die Reise nach innen zu beschreiten.
In Phase zwei sind wir gefordert, unsere Mutter- und Vaterwunden anzuschauen und durch die Angst und die Schamgefühle, die damit verbunden sind, zu gehen. Wir sind gefordert hinzusehen, wo unsere Muster des Selbstbetrugs in der Kindheit begannen und auf welche Weise sie sich im Erwachsenenleben fortgesetzt haben, wo sie die Entscheidungen in Bezug auf unsere Arbeit und unsere Beziehungen beeinflussen.
Wir sind gefordert, die gesamte Konstruktion unseres Lebens zu betrachten: wie wir unsere Macht abgegeben und anderen erlaubt haben, Entscheidungen für uns zu treffen, oder wie wir uns als Aufseher oder Kontrollfreak gezeigt haben, indem wir anderen ihre Macht entzogen und unangemessenerweise für sie Entscheidungen trafen.
Wir sind gefordert, den ganzen generationsübergreifenden Kreislauf des Missbrauchs zu erkennen, zu verstehen, wie Opfer zu Tätern werden und wie wir zu Mutter oder Vater werden und die Verletzungen, die wir von ihnen empfangen haben, an unsere Kinder weitergeben.
Was wir da zu sehen bekommen, ist nicht gerade angenehm oder hübsch anzuschauen. Das ist der Grund, warum die meisten Menschen sich nicht auf diese Reise begeben, oder wenn doch, treten sie wieder den Rückweg an, bevor sie das Licht am Ende des Tunnels sehen.
Es braucht viel Mut, deine Kernwunde zu fühlen und zu transformieren. Als Kind warst du dazu nicht in der Lage. Es war zu beängstigend und übermächtig. Du hattest nicht die Ich-Stärke oder das Selbstbewusstsein, um dem ins Auge zu sehen. Du hattest die Unterstützung anderer nicht. Es war eine einsame Zeit, und du hast getan, was wir alle tun: Du hast sie verdrängt, verleugnet, versteckt, begraben: aus den Augen, aus dem Sinn. Das ist in Ordnung. Was hättest du sonst tun sollen?
Obwohl du sie eine Zeit lang los warst, kommen sie zwangsläufig wieder. Deine Verletzungen und die Muster des Selbstbetrugs kommen in jeder engen Beziehung, die du eingehst, erneut hoch.
Deine Kinder, deine Eltern, deine Geschwister und deine Mitarbeiter, selbst Fremde, denen du begegnest, bringen dich auf die Palme. Du wirst getriggert, wenn du es am wenigsten erwartest. Trotz deines Versuchs, deine Gefühle hinter deiner Maske zu verbergen, kann Wut (bis zur Raserei) hervorbrechen. Oder du lässt es vielleicht zu, dass du emotional oder physisch missbraucht wirst. All das ereignet sich in deinem Leben oder im Leben eines Menschen, der dir nahesteht. Das ist die Normalität. Trotzdem will niemand darüber reden.
Es gibt da offensichtlich ein Komplott des Schweigens. Niemand will sich damit auseinandersetzen. Und dann wundern sich die Menschen, warum jemand losgeht, ein Maschinengewehr kauft und zehn Menschen am Arbeitsplatz oder in der Schule erschießt oder seinen Ehepartner oder seine Kinder umbringt. Das sind schreckliche Ereignisse. Wenn man sich darum nicht kümmert, wenn man sich dem nicht stellt und es heilt, fördert das den Zyklus der Gewalt.
Gewalt beginnt in unseren Herzen und in unserem Geist. Sie dehnt sich auf unsere Familien und Gemeinschaften aus. Sie führt zu Krieg und Völkermord. Sie durchdringt das kollektive Bewusstsein. Die Menschen möchten das töten, was sie nicht verstehen oder akzeptieren können. Sie möchten ihren Schatten in Gestalt der anderen zerstören. Sie dämonisieren einander, damit sie den Schmerz ihrer Überschreitungen nicht wahrnehmen müssen. Sie denken, sie töten dreckigen Abschaum oder Teufel, nicht andere Menschen. In Wahrheit aber töten sie ihre Mütter und Väter. Sie töten ihre eigenen Kinder. Sie bringen ihre Brüder und Schwestern um. All das nur deshalb, weil sie sich selbst hassen. All das geschieht, weil sie nicht in der Lage waren, ihrem eigenen Schatten mit Mitgefühl zu begegnen. Nur weil sie nie gelernt haben, ihrem verwundeten Inneren Kind Liebe ent-gegenzubringen.
Das verletzte Innere Kind heilen
In Phase zwei lernen wir, die zurückgewiesenen Aspekte unseres Selbst zurückzuholen. Wir schauen uns an, was wir nicht leiden können, wofür wir uns schämen. Wir nutzen den Spiegel, den andere Menschen uns vorhalten, um zu erkennen, was wir an uns selbst verurteilen. Wir lernen, unser verletztes Inneres Kind, den Teil, der sich abgelehnt und unwert fühlt, den Teil, der sich fühlt, als ob er nicht einmal das Recht hätte, Luft zu atmen, anzuschauen und für ihn da zu sein. Für den Teil von uns, der glaubt, schlecht, böse, schmutzig, hässlich und nicht liebenswert zu sein. Wir lernen, bei dem Kind zu sitzen, während es schreit und tobt. Wir lernen, ihm geduldig zu folgen, wenn es wegrennt und sich versteckt. Wir lernen, es auf den Arm zu nehmen, wenn es versucht, sich an unsere Füße zu klammern.
Ganz egal, wie schwer das ist, und ganz egal, wie lange es braucht: Wir lernen, für dieses kleine Kind da zu sein und es in unsere Arme zu schließen. Wir lernen, ihm zu sagen: »Ich werde dich nicht mehr ablehnen oder verlassen. Ich werde dir keine Schuld zuweisen, dich nicht kritisieren oder an dir irgendetwas auszusetzen haben. Ich werde dir weder all das antun, was Mama oder Papa dir angetan haben, noch werde ich dir das zufügen, was ihr Beispiel mich lehrte. Ich werde niemand sein, der dich angreift. Ich werde hier bei dir bleiben und lernen, dein Freund zu sein. Ich werde dich akzeptieren, den Raum für dich halten, werde lernen, dich zu lieben, damit dein Schmerz heilen kann, damit du erwachsen werden und deine Gaben zum Ausdruck bringen kannst. Ich werde die mitfühlende Mutter und der mitfühlende Vater sein, die du nie hattest.«
Es versteht sich von selbst, dass dies ein tiefgreifender Heilungsprozess ist, der sich nicht von jetzt auf gleich vollzieht.
Es braucht viel Geduld und Überzeugung, für dich selbst in dieser Weise einzustehen. Es wir aber nichts anderes nützen. Du bist der Bote der Liebe für deine eigene Erfahrung. Kein anderer kann dir das abnehmen. Nicht Mama und nicht Papa. Nicht dein Mann oder deine Frau. Du bist die Person, die lernen muss, dir Liebe zu schenken. Einzig deine eigene Liebe wird deine Verletzung heilen.
Viele versuchen, den Weg der Heilung abzukürzen, doch diese Abkürzungen sind immer eine Form der Verleugnung. Sie versuchen, den Schmerz wegzukriegen. Sie laden ihn nicht ein, um seine transformierende Botschaft hören zu können.
Abkürzungen beschuldigen und bestrafen das Kind immer wieder von Neuem. Sie vermitteln ihm: »Du bist nicht spirituell, sonst wärst du schon längst geheilt. Du musst dieses oder jenes tun oder sagen.« Das ist zwar alles nur Hokuspokus, aber das Kind glaubt es, weil es sich für so etwas hält wie beschädigte Ware, die repariert werden muss. Allzu gern stimmt es einem weiteren Rettungsplan zu.
Natürlich wird keiner dieser Pläne je gelingen. Sie sind allesamt zum Scheitern verurteilt – und wenn sie dann scheitern, verschlimmern sie nur die Verletzungen des Kindes und verstärken den Glauben daran, dass es einfach nicht in der Lage ist, etwas richtig zu machen.
Das Einzige, was hilft, sind Liebe und Akzeptanz. Durch Liebe und Annahme bauen wir eine vertrauensvolle Beziehung zu dem Kind in uns auf; und mit der Zeit wird es allmählich neu geprägt und wächst geheilt und innerlich gestärkt auf. Es ist ein Prozess, der Jahre braucht, nicht etwa nur Tage oder Wochen oder Monate.
Diese Tatsache sollte dich nicht davon abbringen, dich darauf einzulassen. Wenn du echte Heilung und wahres Glück willst, wird das Zeit, Geduld und Einsatz erfordern. Wenn du das erkannt hast, wirst du gut gerüstet sein und Erfolg haben.
Wahre Heilung und Transformation
Erfolg auf der Heilungsreise geht mit wahrer Transformation einher, nicht nur mit einer kosmetischen Verschönerung. Wahre Heilung vollzieht sich von innen nach außen, und sie erstreckt sich auf jeden deiner Lebensbereiche. In Phase drei dieses Wegweisers dreht sich alles um Selbstermächtigung und konkrete Ergebnisse.
Deine Beziehung hat sich gewandelt, weil du gelernt hast, dem Kind in deinem Inneren Liebe zu geben. Du hast gelernt, mit ihm in Verbindung zu bleiben, ihm aufrichtig deine Gefühle zu zeigen und dementsprechend zu handeln. Wenn Angst hochkommt, weißt du, wie du sie mitfühlend halten kannst. Wenn Urteile in dir entstehen, hältst du sie behutsam und gibst dem Teil von dir Liebe, der sich unsicher oder wertlos fühlt. Weil du eine liebevolle Beziehung zu dir selbst aufgebaut hast, ist wahres Glück im Beruf und in den zwischenmenschlichen Beziehungen möglich. Du bist in der Lage, deine schöpferischen Gaben zu erkennen, zu nähren und zum Ausdruck zu bringen. Du kannst dich mit deinem Herzenswunsch verbinden und das tun, was du zu tun liebst, wobei du anderen Inspiration und Freude bereitest. Du bist in der Lage, eine liebevolle, gleichberechtigte Beziehung mit einem Partner anzuziehen, der sein Leben mit dir teilt und dich auf deiner Heilungsreise begleitet.
Du lernst, die Stimme der inneren Führung zu hören und ihr zu vertrauen, du lernst, angemessene Risiken einzugehen und durch die offenen Türen in deinem Leben zu gehen. Du kannst fühlen, wie sich dein Leben von innen nach außen entfaltet. Die Menschen, die du treffen sollst, werden in dein Leben gezogen. Die Mittel und die Unterstützung, die du brauchst, fallen dir ohne großes Nachdenken und ohne Anstrengung zu. Du bist flexibel und bewegst dich mit dem Fluss des Universums. Was einst schwierig war, wird nun leicht. Was einst ein Kampf war, wird jetzt mühelos. Du lebst nicht mehr in Mangel und Aufopferung, sondern in Freude und Fülle.
Deine Liebe zu dir selbst ist so stark und beständig, dass sie jeder in deiner Nähe spüren kann. Menschen fühlen sich zu dir hingezogen, um Rat, Trost und Unterstützung zu erhalten. Menschen mit Verletzungen, die deinen ähneln, kommen an deine Haustür, in dein Büro, deine Kirche oder dein Bethaus. Auf ganz natürliche und spontane Weise beginnst du, all die Gaben, die du auf deiner Heilungsreise empfangen hast, an andere weiterzugeben.
Sei es formell oder informell: Du beginnst, dem übergeordneten Wohl und dem allumfassenden Plan für die Heilung des Planeten zu dienen. Du trägst deinen Teil bei, ganz egal, welcher das ist. Du trittst in deine Bestimmung und spielst die einzigartige Rolle, die dir gemäß ist. Deine Gaben und Talente, deine Weisheit und Stärke dienen einem höheren Zweck. Durch dich erfahren andere Heilung und entdecken die Wahrheit in sich. Indem du zum Überbringer der Liebe für deine eigene Erfahrung geworden bist, unterstützt dich das Universum darin, als spiritueller Führer für andere hervorzutreten. Du hältst die Fackel bedingungsloser Liebe mit Zuversicht, zeigst anderen den Weg und beleuchtest ihre Pfade. Dein Wille und der große Wille des universellen Schöpfers werden eins.
Wenn deinem Herzen Heilung zuteil wird, kommt der Himmel auf die Erde, und Frieden gelangt in die Welt, in der du lebst.
Möge deine Erfahrung mit diesem Wegweiser so kraftvoll und transformierend sein wie für uns alle, die wir diese Reise unternommen haben.
Namaste.
Wegweiser zu wahrem Glück
Phase eins

Schritt 1
Komme aus der Verleugnung
Ziel
Fühle deinen Schmerz
und erkenne ihn als einen Weckruf
Strategie
Lass deine Maske fallen. Öffne dein Herz.
Finde Zugang zu deinen Gefühlen und teile sie anderen mit.
Es ist eine unbequeme, aber wichtige Wahrheit, dass du nicht heil werden kannst, solange du dir deinen Schmerz, deine Angst und deine Schuldgefühle nicht eingestehst. Du kannst keine Heilung erfahren, solange du deine negativen Gefühle verbirgst und solange du nicht damit aufhörst, vorzugeben, dass du glücklich bist, obwohl du es nicht wirklich bist. Du musst authentisch sein, um glücklich sein zu können. Du musst aus dem dunklen Kämmerlein herauskommen.
Schmerz ist ein Weckruf. Deshalb ist das Fühlen und Anerkennen deines Schmerzes der erste Schritt im Prozess der Heilung. Alles, was dich davon abhält, deinen Schmerz zu spüren und seinen Ursprung zu ergründen, ist ein Akt der Verleugnung. Es ist ein Versuch, den Ruf deines Herzens und deiner Seele, zu erwachen und heil zu werden, zu ignorieren.w
Alle Süchte und Zwänge sind ein Ausdruck von Verleugnung. Sie betäuben deinen Schmerz oder helfen dir, vor ihm zu fliehen. Solange du süchtig bist, wirst du die Tiefe deines Schmerzes nicht spüren, und du wirst wenig geneigt sein, ihn zu heilen.
Deine Maske abnehmen
Deine Maske oder Persona hilft dir, soziale Anerkennung zu bekommen. Sie hilft dir, normal und ausgeglichen zu wirken, auch wenn du es nicht bist. Sie verbirgt deinen Schmerz und zeigt anderen Menschen eine aufbereitete Version von dir. Sie sehen deine Angst, deine Schuldgefühle, deine Trauer, deine Selbstverurteilung nicht. Sie sehen nicht, wie dein Herz schmerzt oder wie dein Gemüt von Angst umklammert ist. Mit anderen Worten: Deine Maske verbirgt deine Schattenanteile. Sie ist wie Make-up oder Haarspray. Ersteres verdeckt deine Pickel, und Letzteres sorgt dafür, dass dein widerspenstiges Haar auch an einem schlechten Tag gut in Form bleibt. Es sorgt dafür, dass alles besser aussieht, als es ist, damit der Schatten verborgen bleiben kann.
Die Kosmetikindustrie profitiert enorm von unserem Versuch, die Schattenseiten zu verleugnen. Man lässt Gesichtsliftings, Fettabsaugungen und Brustimplantate machen, weil man sich mit dem nachlassenden Gewebe und den Falten seines alternden Körpers nicht wohlfühlt. Man will einen perfekten Körper und ein perfektes Leben. Natürlich ist der Versuch, Perfektion im Körper oder in der Außenwelt zu finden, zum Scheitern verurteilt. Der Körper welkt und stirbt. Die Welt ist ein unbeständiger Ort. Hier gibt es keine Sicherheit.
Wahres Glück kann nicht im Außen gefunden werden. Es ist nur im Inneren zu finden. Du kannst es nur finden, indem du eine liebevolle Beziehung zu dir selbst aufbaust; und eine solche Beziehung kannst du nur entwickeln, wenn du dich akzeptierst, wie du bist, mit Warzen und allem Drum und Dran.
Das bedeutet, dass du mit deinen Schattenseiten Frieden schließen musst. Du musst lernen, all diese Aspekte von dir zu sehen – körperliche, emotionale und geistige –, die nicht ideal sind und eine Herausforderung für dich und deine Mitmenschen darstellen. Du musst bereit sein, nicht nur zu sehen, wo der Körper nachlässt oder sich unelegant nach außen ausdehnt, sondern auch, wo dein Herz sich verletzt oder traurig fühlt. Du musst lernen, deine gesamte Erfahrung einzubeziehen, mit allen Höhen und Tiefen, Gutem und Schlechtem, Licht und Schatten.
Licht und Schatten
Es mag sein, dass die Menschen deine Maske lieben, aber sie sehen, akzeptieren oder wissen nicht unbedingt, was sich unter der Maske befindet. Es könnte sein, dass nicht einmal du selbst den tiefer liegenden, unzivilisierten Teil von dir kennst. Es mag sein, dass du von deinem Emotionalkörper, dem Schmerz und den Sehnsüchten deines Herzens abgeschnitten bist.
Dein Schatten ist hinter deiner Maske weggesperrt. Normalerweise liegt er im Bereich des Unbewussten, und das ist der Grund, warum so wenige Menschen mit ihm in Verbindung stehen. Im Allgemeinen siehst du ihn nur dann, wenn du getriggert wirst und dein Schmerz hervorbricht. Das geht oft heftig und überraschend vor sich. Du nimmst ungeheilte Wunden wahr, von denen dir gar nicht bewusst war, dass du sie hast.
Unsere Beziehungen drücken unweigerlich unsere Knöpfe, und es ist unvermeidlich, dass unser Schmerz durch die Maske sickert. Wie die meisten Menschen wirst wahrscheinlich auch du versuchen, einen solchen Ausbruch deines Schattens zu verhindern, weil du dich nicht mit deinem Schmerz oder dem Schmerz anderer befassen möchtest.
Die Gesellschaft belohnt dich dafür, eine gute Maske zu besitzen und hinter ihr zu leben. Es geht vor allem darum, »das Gesicht zu wahren«. Es geht vor allem darum, gut auszusehen, auch wenn du dich nicht gut fühlst. Es geht vor allem darum, deinen Schatten zu verleugnen und deinen Schmerz und deinen Selbstbetrug nicht anzuschauen.
Von daher ist es ein revolutionärer Akt, wenn du deine Maske abnimmst. Es ist der erste Schritt in dem Prozess, deinen Schmerz zu heilen und eine Integration von Schatten und Persona zu vollziehen.
Aus deinem Schneckenhaus herauskommen
Manche Menschen schaffen es nie, sich eine gute Maske zuzulegen. Sie können sich Normen nicht so leicht anpassen. Wenn andere sie beurteilen oder kritisieren, laufen sie weg. Sie ziehen sich in ein emotionales Schneckenhaus zurück. Sie verstecken sich dort und bleiben unsichtbar, damit niemand sie kritisieren, sie zurückweisen oder den Versuch unternehmen kann, sie zurechtzubiegen.
Während die Maske dazu dient, gesellschaftliche Akzeptanz zu bekommen, indem wir unsere »gute« Seite zeigen, dient das Schneckenhaus dazu, uns von anderen zu isolieren, damit sie uns nicht beschuldigen oder angreifen können (uns »schlechtmachen« oder »falsch« dastehen lassen). Manche von uns entwickeln Masken. Manche bauen Schneckenhäuser. Manchmal tun wir beides gleichzeitig oder in unterschiedlichen Phasen unseres Lebens.
Der Schneckenhausbauer hat normalerweise kein besonders ausgeprägtes gesellschaftliches Leben. Sein Bedürfnis nach Zugehörigkeit bleibt ungestillt. Er ist lieber frei und unabhängig, als den Verlust seiner Freiheit zu riskieren, indem er sich den Vorstellungen und Erwartungen anderer anpasst.
Wenn du eine Maske trägst, können andere nicht sehen, wer du wirklich bist. Du zeigst ihnen ein Falsches Selbst. Wenn du dich in einem Schneckenhaus versteckst, können andere dir nicht nahekommen. Du versteckst dich vor ihnen, weil du Angst vor ihrer Kritik oder Ablehnung hast. Wie du wahrscheinlich weißt, beginnt das Maskenbilden und Schneckenhausbauen in einem zarten Alter.
Bei diesem ersten Schritt deines Heilungsprozesses geht es darum, dich zu jeglicher Art von Verleugnungsmechanismus zu bekennen, die du angewandt hast. Du bist aufgefordert, deine Maske abzunehmen oder aus deinem Schneckenhaus herauszukommen. Du musst für dich und andere sichtbar werden, genau so, wie du bist.
Die Kraft der Heilungsgemeinschaft
Schritt eins fordert dich auf, aus dem Versteck herauszukommen. Er fordert dich auf, dich nicht mehr zu verstecken und nicht weiter vorzugeben, jemand anderer zu sein, sondern damit zu beginnen, ehrlich zu zeigen, wer du bist – du musst kein Leben in Lüge mehr leben. Tatsächlich liegt der Grund, warum du Schmerz empfindest, genau darin, dass du in Lüge gelebt hast. Du zeigst nicht ehrlich, wer du bist.
Ehrlich zu sein bedeutet, dir selbst und anderen deinen Schmerz einzugestehen. Es bedeutet, alle Anteile von dir anzuschauen, die du noch nicht gelernt hast zu lieben. Es bedeutet, dass du deiner Angst begegnest und durch deine Gefühle der Scham hindurchgehst.
Natürlich braucht es dafür deinerseits Mut, und es bedarf einer Umgebung, in der es ungefährlich ist, du selbst zu sein. Das setzt voraus, eine liebevolle Gemeinschaft zu schaffen, in der du und andere eure Wunden heilen und in eure Kraft und Bestimmung kommen könnt.
Eine Heilungsgemeinschaft bietet ein lang ersehntes Gegenmittel zu der Erfahrung, die du in deiner Ursprungsfamilie gemacht hast. Es war nicht der Fehler deiner Eltern. Sie waren ebenso verletzt und lehrten dich nur, was ihre Eltern sie gelehrt hatten. Hier geht es nicht darum, den Fehler bei deinen Eltern zu finden oder zu versuchen, sie für deinen Schmerz verantwortlich zu machen. Das ist Zeitverschwendung. Das führt zur Opferhaltung, nicht zur Selbstermächtigung.
Dennoch willst du nicht in der Verleugnung deiner Vergangenheit leben. In dem Maß, in dem du dich in deiner Familie nicht sicher oder von deinen Eltern und Geschwistern nicht akzeptiert fühltest, hast du gelernt, eine Maske aufzusetzen oder ein Schneckenhaus zu bauen. Das ist der Zeitpunkt, zu dem du begonnen hast, dich selbst zu betrügen oder dich von anderen abzusondern. Das ist der Zeitpunkt, zu dem du gelernt hast, eine Lüge zu leben oder dich von deinen Gefühlen abzuspalten.
Nun, da du aus der Verleugnung herauskommst und bereit bist, deine Gefühle wahrzunehmen, brauchst du eine liebende Familie, in der die Gefühle akzeptiert und die Menschen ermutigt werden, sie selbst zu sein. Die Heilungsgemeinschaft breitet ihre liebenden Arme um dich, während du aus dem Schneckenhaus hervorkommst oder deine Maske abnimmst. Sie ermutigt dich darin, ehrlich und authentisch zu sein. Sie lädt dich dazu ein, anderen deine innere Wahrheit mitzuteilen.
Eine Gruppe zur Unterstützung gründen
Hoffentlich liest du dieses Buch mit einer Gruppe von Gleichgesinnten, die bereit sind, zu heilen und in ihre Kraft zu treten. Im Idealfall widmet ihr euch der Arbeit, die in diesem Buch dargestellt wird, in einer kleinen Gruppe von acht bis zehn Personen, die sich über einen Zeitraum von mindestens zwölf Wochen wöchentlich trifft. Wenn du keine solche Gruppe hast, möchte ich dich ermutigen, das Training für Gruppenleiter zu absolvieren und damit zu beginnen, selbst eine Gruppe in deiner Gemeinschaft ins Leben zu rufen. Im Zuge unserer Schulungen wirst du diese Arbeit an drei Wochenenden in der Tiefe erfahren. Du wirst feststellen, dass dies eine lebensverändernde Erfahrung ist. Diese Schulungen werden dich tief in den hier dargelegten Konzepten und spirituellen Übungen verankern. Sie werden dir helfen, zu erwachen, zu heilen und in deine Kraft und deine Bestimmung zu finden. Dann wirst du reif sein, diese Arbeit mit anderen zu teilen.
Vier Wege, wie wir in der Verleugnung bleiben
Es gibt vier Wege, seinen Schmerz zu verleugnen:
1 Du trägst deine Maske.
2 Du verkriechst dich in deinem Schneckenhaus.
3 Du wirst von Substanzen abhängig, die deinen Schmerz maskieren.
4 Du intellektualisierst deine Gefühle.
Es mag sein, dass du ein, zwei, drei oder sogar alle vier dieser Verleugnungsmechanismen besitzt. Welche Verleugnungsmechanismen greifen bei dir? Die Art und Weise zu verstehen, wie du in der Verleugnung lebst, ist essenziell, damit du beginnen kannst, zu erwachen und Verantwortung für dein Leben zu übernehmen.
Alle Versuche, deinem Schmerz auszuweichen, indem du ihn verarztest, leugnest oder vermeidest, sind zum Scheitern verurteilt. Wenn du vor deinem Schmerz wegläufst, erzeugst du mehr Schmerz. Nur wenn du deinem Schmerz ins Auge siehst, kannst du durch ihn hindurchgehen.
Hab bitte keine Angst mehr vor deinem Schmerz. Betrachte ihn als deinen Verbündeten. Dein Schmerz ist ein Weckruf. Er sagt dir, was du in deinem Leben verändern, heilen oder bewegen musst.
Zwei Tipps, wie du deinen Schmerz fühlen und durch ihn hindurchgehen kannst
1 Geh nicht in deinen Kopf. Hör auf, zu analysieren, zu intellektualisieren oder zu versuchen, deine Gefühle zu rechtfertigen. Das ist nur ein Mittel, die Gefühle wegzuschieben. Spüre einfach hinein, wie es sich anfühlt.
2 Leg deine Maske ab. Durchbrich deine Mauer der Isolation. Teile deinen Schmerz anderen mit, wenn es sich sicher anfühlt. Wenn du den Mut hast, deinen Schmerz mitzuteilen, erkennst du, dass du nicht der Einzige bist, der leidet. Das hilft dir, durch einige Scham zu gehen, und ruft eine Gemeinschaft ins Leben, die deine Heilung unterstützt.
Wichtige Fragen an dich
Trage ich eine Maske, habe ich ein Schneckenhaus gebaut – oder beides?
Wie sieht meine Maske aus und wann trage ich sie?
Gibt es einen Ort, an dem es sich sicher genug anfühlt, meine Maske abzulegen?
Wie sieht mein Schneckenhaus aus und wann ziehe ich mich dorthin zurück?
Hält mich mein Schneckenhaus von anderen isoliert? Ist das der Preis, den ich dafür zahle, um mich sicher zu fühlen?
Fällt es mir schwer, meine Maske abzunehmen und anderen meinen Schmerz mitzuteilen?
Welche Süchte habe ich, die meinen Schmerz betäuben oder mich in die Lage versetzen, ihn zu vermeiden?
Intellektualisiere ich meine Gefühle, damit ich meinen Schmerz nicht spüren muss?
Schritt 2
Erkenne deinen Schatten
Ziel
Akzeptiere und integriere Licht und Dunkel
in deiner Psyche
Strategie
Schaue mit Mitgefühl. Gehe behutsam mit dir selbst um.
Schaue, ohne zu bewerten oder dich fertigzumachen.
Der Schatten ist die dunkle Seite des Selbst. Die Persona (oder Maske) ist die helle Seite des Selbst. Wie die meisten anderen Menschen versuchst du, den Menschen deine helle Seite zu zeigen und die dunkle zu verbergen. Das ist aber nicht ganz ehrlich oder authentisch. Ein Teil von dir wird dadurch abgewertet, ignoriert und im Verborgenen oder Unbewussten gehalten.
Um authentisch und echt zu sein, musst du alles einbeziehen, was du bist – Licht und Dunkel, Stärken und Schwächen, was du magst und was nicht. Wenn Schatten und Persona sich verbinden, gelangt die Psyche zur Ganzheit, und wahres Glück ist möglich.
Der Schatten ist der Sitz deines Schmerzes. Er ist der Ort, an dem deine Angst und deine Scham wohnen.
Du versuchst, deinen Schatten hinter der Maske zu verbergen, was aber nicht funktioniert; und zwar deshalb nicht, weil du deine unbewussten Schattenanteile nach außen auf andere projizierst. Sie reagieren auf deine unbewussten wundgesteuerten Worte und Verhaltensweisen, und du reagierst wiederum auf ihre. Auf diese Weise bleibt dein Schatten (und ihrer) nicht verborgen, sondern wird dir durch andere gespiegelt. Andere Menschen zeigen dir deine niederen, ungeheilten Aspekte auf, derer du dir nicht bewusst bist und die du lernen musst zu erkennen, zu lieben und zu akzeptieren.
Projektion und Trigger
Zwangsläufig siehst du in anderen das, was du bei dir selbst nicht sehen oder dir nicht eingestehen willst. Wenn du nicht bereit bist, dem Schatten zu begegnen, indem du nach innen schaust, wirst du ihn außerhalb von dir entdecken. Er wird dir durch andere zurückgespiegelt werden.
Du willst den Schatten nicht anschauen, aber du hast keine andere Wahl. Alles, was in dir ungeheilt ist, wird nach außen gerichtet, und du wirst es in den Worten und Taten anderer Menschen sehen, die dich triggern.
Demzufolge besteht dein Schmerz nicht nur aus deiner Angst und deiner Scham, die du dir in deiner Kindheit angeeignet hast, sondern auch in deinen fortwährenden Urteilen über andere (projizierte Scham) und in deiner Wut auf andere (projizierte Angst). Aus diesem Grund muss jedes deiner Urteile und jeder Ausdruck deiner Angst Vergebung finden. Du kannst nicht heil werden, wenn du nicht vergeben kannst.
Als Jesus sagte: »Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet«, sprach er eine wichtige Wahrheit. Denn jedes Mal, wenn wir an einem anderen etwas auszusetzen haben, machen wir uns schuldig. Jeder von uns ist Richter, Geschworener und Henker in einem.
Das spirituelle Gesetz der Gleichheit (siehe mein Buch »Die Gesetze der Liebe«) besagt, dass du niemanden verletzen kannst, ohne dich gleichzeitig selbst zu verletzen. Das ist nicht nur im übertragenen Sinne gemeint, sondern auch wörtlich. Du behandelst dich immer so, wie du andere behandelst. Wenn du Liebe bekundest, kommt Liebe zu dir zurück. Wenn du aber Kritik oder Ablehnung äußerst, werden auch diese zu dir zurückkommen. Wie du gibst, so empfängst du. Das ist das Gesetz des Lebens.
Es ist ein Fehler, zu denken, dass du oder jemand anderer gedeihen kann, indem er lügt, betrügt, kritisiert oder sich auf unfaire Weise Vorteile verschafft. Das Leben ist ein Karussell. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Das ist einfach so. Wenn du das jetzt noch nicht weißt, wirst du es früher oder später herausfinden.
Warum solltest du noch damit warten, ein spirituelles Prinzip in deinem Leben einzusetzen? Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Gib so, wie du empfangen möchtest. Diene so, wie du möchtest, dass man dir dient. Liebe so, wie du geliebt werden möchtest, frei und bedingungslos.
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