Read the book: «Zahlensprache»
Inhaltsverzeichnis
Impressum 2
Vorwort 3
1. Kapitel: Bewusstsein, Mythen, Altes Wissen 10
2. Kapitel: Hebräisch als Sprache des Alten Wissens 21
3. Kapitel: Zahlen als Informationsträger 39
4. Kapitel: Die Besonderheit der Zahl 1000 71
5. Kapitel: Zeitqualitäten als Bewusstheitsgrade 88
6. Kapitel: Dimensionen als Bewusstseinskompetenzen 105
7. Kapitel: Zahlen und Dimensionen in der Wissenschaft 145
8. Kapitel: Zahlen und Weltreligionen 161
9. Kapitel: Der Mensch in Zahlen 176
10. Kapitel: Biblische Terminologie und Zahlen 201
11. Kapitel: Zahlen in der griechischen Mythologie 226
12. Kapitel: Vaterunser und Vatersprache 257
Quellenverzeichnis 311
Impressum
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© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-304-5
ISBN e-book: 978-3-99131-305-2
Lektorat: Susanne Schilp
Umschlagfoto: Monika Maria Martin
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen:
Bild 1: © Dieter Miunske,
Bild 2: © Monika Maria Martin,
Bild 3: © Gianni D‘orio | Dreamstime.com,
Bild 4: © Evgenii89 | Dreamstime.com
www.novumverlag.com
Vorwort
Dieses Buch geht von der Annahme aus, dass die Erde und das Leben auf ihr eine Ursache und einen Grund haben. Die Frage nach dem Sinn dieser Existenz beschäftigt den philosophischen Menschen und führt ihn immer wieder an die Grenzen des Erfassbaren.
Materie ist nicht selbsterklärend. Wer sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur und den Geheimnissen des Lebens beschäftigt, bekommt keine Antworten darauf, warum und wie sie funktionieren. Er kann lediglich deren Funktionieren beobachten.
Auch das genialste logische Denken ist nicht in der Lage, eine Barriere zu überwinden, hinter der sich ihm grundlegende Erklärungen auftun. Es scheint so, als ob dafür noch eine andere Komponente erforderlich ist, die dieses Denken ergänzt: Intuition.
Tatsächlich sind wichtige Erfindungen und wegweisende Entdeckungen in der Geschichte der Menschheit Kombinationen aus Aktion und Reaktion. Die Aktion besteht darin, dass sich ein Mensch mit maximaler mentaler Anstrengung einem Thema widmet. Diese intensive gedankliche Auseinandersetzung bewirkt eine Reaktion in Form eines Einfalls, durch den sich ganz unvermittelt eine neue Perspektive auftut. Die Antwort auf eine drängende Frage, die Lösung eines anstehenden Problems zeigt sich oft unerwartet, plötzlich und auf überraschende, kreative Weise. Der Begriff Intuition meint eine derartige Eingebung, die unmittelbar das Erahnen von Zusammenhängen oder das Erfassen eines Sachverhalts zur Folge hat.
Das berühmte „Heureka“ des Archimedes ist Symbol für dieses plötzliche „Ich hab’s!“, das in der Wissenschaft Quantensprünge begleitet.
Intuition ist somit ein wesentlicher Faktor für das wissenschaftliche Verständnis der Welt. Sie überbrückt jenen Punkt, den das logische Denken als unüberwindliche Barriere wahrnimmt und stellt die Lösung gerade in solchen Momenten zur Verfügung, in denen sich das Denken entspannt oder mit Dingen des Alltags beschäftigt ist.
Oft bedient sich Intuition einer bildhaften Sprache. Die Geschichte von Newton und dem vom Baum fallenden Apfel ist ein bekanntes Beispiel dafür. In jedem Fall ist Intuition unberechenbar in der Art und Weise ihres Auftretens und entzieht sich allen Kriterien, die sie für ein wissenschaftliches Denken erfassbar oder messbar machen. Daher bleibt ihr eine gebührende Anerkennung als Faktor wissenschaftlicher Arbeit weitgehend verwehrt.
Ein selbstverständlicher, anerkannter Aspekt jeder naturwissenschaftlichen Arbeit ist die Verwendung von Zahlen. Neben ihrer quantitativen Funktion erfüllen sie vor allem in Mathematik und Physik die Aufgabe, Vorgänge darzustellen und nachvollziehbar zu machen, die mit Worten nicht zu beschreiben wären. Über Zahlen erschließen sich in der Naturwissenschaft Bereiche, die an der Grenze des Erfassbaren liegen. Zahlen sind für das Denken des neuzeitlichen Menschen jenes Mittel, mit dem er sich maximal der Barriere annähern kann, die seinem Denken Grenzen setzt. Sie ermöglichen und unterstützen genau jenes mentale Aktivsein, das intuitive Lösungsgedanken als Reaktion zur Folge hat.
Ein Zusammenwirken von Verstand und Intuition auf der Basis von Zahlen scheint also der Weg zu sein, der Antworten auf grundlegende Fragen finden lässt und der es erlaubt, dem Phänomen Leben und seinen Geheimnissen auf die Spur zu kommen.
Die folgenden Ausführungen sind das Ergebnis konzentrierter mentaler Arbeit, die sich von Intuition leiten ließ. Durch sie erschließt sich die Welt der Zahlen auf eine ganz neue Weise. Diese Perspektive ist außergewöhnlich und stellt das gewohnte Denken vor eine große Herausforderung. Es tut sich dadurch aber ein Blick hinter die Kulissen auf, der auch für den Verstand logisch und plausibel ist. Insgesamt wird so ein Gesamtkomplex erhellt, der dem Menschen als denkendem, fühlendem, philosophischem und religiösem Wesen entspricht.
Traditionelle Denkweisen in all diesen Disziplinen mögen sich dadurch teilweise in Frage stellen. Was vielleicht als Provokation empfunden wird, ist nicht als solche gemeint, sondern als Anreiz für ein erweitertes Verständnis.
Es wird in den folgenden Kapiteln auf der Basis von Zahlen auf etwas Bezug genommen, das im religiösen Sinn dem Begriff Gott entspricht. Damit treffen Bereiche aufeinander, die unvereinbar scheinen mögen, die sich aus der gewohnten Sichtweise sogar widersprechen. Bibel und Mathematik auf einen Nenner zu bringen, mag wie die Quadratur des Kreises erscheinen und genau das ist es auch. Denken und Empfinden, Wissen und Glauben – was sich als Gegensatz darstellt, ermöglicht nur zusammen einen Blick in gemeinsame Hintergründe.
Auf Begriffe, die im traditionellen Sinn mit religiösen Vorstellungen belegt sind, wird in den Ausführungen so gut es geht verzichtet, um Missverständnisse oder Ablehnung zu vermeiden. Wird doch darauf Bezug genommen, so sind sie in einem umfassenden Sinn gemeint. Die Wortwahl ist insgesamt klar und sachlich gehalten und versucht auf diese Weise, einer objektiven und neutralen Darstellung gerecht zu werden.
Grundsätzlich wird Sprache als verbale Kommunikation verstanden und ist die Basis für zwischenmenschlichen Informationsaustausch. Mitteilungen werden in Worte gefasst und erreichen so das Gegenüber. Einfache ebenso wie sehr komplexe Zusammenhänge werden mit Hilfe des geschriebenen oder gesprochenen Wortes dargestellt und zum Ausdruck gebracht. Ob der so transportierte Inhalt aber auch wirklich verstanden wird, wie er gemeint war, hängt von einigen Faktoren ab. Unter anderem sind die persönliche Lebenserfahrung des Empfängers, sein Kulturkreis, die Zeitepoche, in der er lebt, und sein Weltbild ausschlaggebend. Worte sind manchmal vieldeutig und dadurch Quelle von Missverständnissen.
Zahlen sind generell präzise und werden eindeutig wahrgenommen. Unabhängig von Ort und Zeit weiß der Mensch, wie viel 7 ist oder 8, er erkennt zwischen 3 und 1 eine Differenz. Zahlen sind zwar eindeutig, haben aber im gewohnten Verständnis nur eine quantitative Aussage. Darauf beschränken sie sich aber nicht wirklich, sie beinhalten auch eine erzählende Komponente.
Sämtliche Schriften des Alten Testaments und darüber hinausgehende Überlieferungen im Judentum wurden in Alt-Hebräisch verfasst. Diese Sprache besteht aus Buchstaben, die gleichzeitig Zahlen sind. Jedem Zeichen, d. h. jedem Konsonanten in dieser Sprache, ist ein Zahlenwert zugeordnet. Zeichen in Kombination mit Zahlen beschreiben gemeinsam etwas, das über die Buchstaben allein nicht zum Ausdruck kommt. Das Zählen ist ein Teil des Er-zählens, die Zahl Bestandteil des Wortes.
Auch in anderen Sprachen zeigt sich dieser Zusammenhang, nicht nur in der deutschen, die mit der hebräischen verwandt ist. So steckt auch im italienischen „raccontare“ = „erzählen“ das Wort „contare“ = „zählen“, dasselbe gilt im Englischen für „recount“ bzw. „count“.
Sprachen selbst geben damit indirekt Hinweise auf einen vorhandenen Bezug zu Zahlen, der dem heutigen Denken aber völlig fremd und weitgehend unbekannt ist.
Die Bücher des Alten Testaments sind also in einer Sprache verfasst, die aus beidem besteht, aus Buchstaben und Zahlen oder besser gesagt aus Zeichen, die beides sind. Die schriftlichen Wurzeln dieser Aufzeichnungen reichen Jahrtausende zurück und gehören zu den ältesten Dokumenten in der Geschichte der Menschheit.
Die Thora ist für die jüdische Religion der wichtigste Teil dieser Schriften. Sie ist im Wesentlichen identisch mit den 5 Büchern Mose im Alten Testament des Christentums. Auch der Koran wurzelt in der Thora, sodass sie eine gemeinsame Grundlage bildet für das Verständnis dieser großen Weltreligionen. Es stellt sich als Tatsache dar, dass die weltumspannenden Glaubensgemeinschaften Judentum, Christentum und Islam in einer gemeinsamen Sprache wurzeln, die Wort und Zahl zugleich ist.
Grundlage aller 3 Weltreligionen sind somit dieselben uralten Texte. Diese Texte bestehen aus Wörtern, die gleichzeitig Zahlenkombinationen sind. In der traditionellen Lesart wird dieser Doppelcharakter nicht berücksichtigt, weil das Wissen über die Aussagekraft der Zahlen fehlt. Es ist aber anzunehmen, dass sich wesentliche Informationen und damit die eigentlichen Inhalte dieser Überlieferungen durch Einbeziehung der Zahlen erschließen. Denn der Doppelcharakter der hebräischen Zeichen hat wohl seinen Grund.
Aus Buchstaben geformte Wörter sind ganz selbstverständlich die Basis menschlicher Kommunikation. Gesprochene Laute und ihnen zugeordnete Schriftzeichen sind Merkmale aller Sprachen, die über die Zeitepochen hinweg in verschiedenen Kulturkreisen entstanden sind. Innerhalb einer kreativen Vielfalt an Verständigungsformen gibt es für jeden einzelnen Menschen eine ihm vertraute Muttersprache. Er hat sie als Kind erlernt und mit ihrer Hilfe bewältigt er seinen Alltag. Jede Sprache ist für eine bestimmte Gruppe von Menschen Muttersprache, sodass in Summe jede Mitteilungsform, die Wörter und Laute verwendet, als Muttersprache bezeichnet werden kann.
Leben und Überleben auf der Erde wäre nicht möglich ohne verbalen Austausch. Schon das Kleinkind lernt, seine Bedürfnisse zu artikulieren und verwendet einfache Grundbegriffe, um Hunger, Durst oder Schmerz zum Ausdruck zu bringen. Für den erwachsenen Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit, sich mitzuteilen und andere wissen zu lassen, was er braucht. Laute und Wörter haben in diesem Sinn lebenserhaltende = mütterliche Funktion und teilen diese Eigenschaft mit „Mutter Erde“. Insgesamt ist Muttersprache, die Sprache der Laute und Buchstaben, auf das irdische Leben des Menschen bezogen.
Wenn religiöse Schriften sich einer Mitteilungsform bedienen, die Zahl und Buchstabe in einem ist, liegt die Vermutung nahe, dass Zahlen über jenen Bereich berichten, das über das irdische Leben des Menschen hinausgeht. Diese Vermutung trägt eine Forderung in sich. Sie fordert auf, zu akzeptieren, dass Zahlen eine Aussage machen und dass Kombinationen von Zahlen ebenso wie aus Buchstaben geformte Wörter etwas zum Ausdruck bringen können und es auch tun. Es gilt anzuerkennen, dass Zahlen eine Sprache sprechen und etwas äußern, das über ihre bekannte quantitative Funktion hinausgeht.
In ihrer qualitativen Funktion als Informationsträger erzählen sie in diesen alten Texten über einen Bereich jenseits des Irdischen. Sie erlauben einen Einblick in Prinzipien, die unabhängig von der Welt der Materie existieren. Somit kann als eigentliche, wesentliche Funktion von Zahlen ihre Fähigkeit bezeichnet werden, eine immaterielle Ebene, eine im religiösen Sinn geistige Sphäre für das menschliche Denken zu erschließen. Sie eröffnen die Möglichkeit, Zusammenhänge zu erfassen, die im Hintergrund alles Erscheinende verursachen.
Einem hintergründig wirkenden Geistigen, das physisches Leben zeugt, wird nach uralter mythologischer Tradition der männliche Aspekt zugeordnet und damit die Rolle des Vaters. Es entspricht auch christlicher Ausdrucksweise, dieses Ursächliche und Göttliche „Vater“ zu nennen. Dieser Vateraspekt bildet das Pendant zum Mutteraspekt des Irdischen und steht für das Jenseitige, Absolute und Nicht-Irdische. Zahlen erzählen über diesen väterlichen, erzeugenden, absoluten Bereich. Ihre Sprache ist daher „Vatersprache“.
Hebräische Schriftzeichen sind so betrachtet beides, mütterlich und väterlich, irdisch und nicht-irdisch. Die Existenz einer Zahlensprache zu akzeptieren, bedeutet anzuerkennen, dass eine nicht-irdische Ebene existiert, die alles hervorbringt und somit auch alles Hervorgebrachte ist. Der irdische Mensch erlebt sich als Teil dieses Hervorgebrachten. Zahlen vermitteln ihm ein Verständnis jener Instanz, die alles hervorbringt und lassen den logischen Schluss zu, dass auch der Mensch aus einer väterlichen und einer mütterlichen Komponente besteht, dass er selbst irdischer und gleichzeitig nicht-irdischer Natur ist.
Die „Vatersprache der Zahlen“ in Verbindung mit der „Muttersprache der Wörter“ befähigt den Menschen, eine Ganzheit zu verstehen, die er auch selbst ist. Die Betrachtung alter Überlieferungen unter Einbeziehung der Zahlen eröffnet den Zugang zu Kernaussagen dieser Texte. Gleichzeitig erschließt sich durch sie der Sinn menschlicher Existenz. Diese Behauptung mag gewagt erscheinen. Inhalt und Zweck der folgenden Ausführungen ist es, diese Behauptung nachvollziehbar zu belegen.
In der „Vatersprache“ sind Zahlen Informationsträger und bringen nicht eine Quantität, sondern eine Qualität zum Ausdruck. Ihre qualitative Aussage eröffnet Einblicke in Grundlegendes und Ursächliches. Diese Aussagekraft der Zahlen ist ganz unabhängig vom gewohnten Umgang mit ihnen und hat nichts zu tun mit ihrer bekannten, vertrauten Verwendung für Berechnungen und Mengenangaben.
Sich mit der Sprache der Zahlen vertraut zu machen, ist mit dem Lernen einer Fremdsprache vergleichbar. Das Denken ist immer wieder herausgefordert, sich neu zu fokussieren, wird dafür aber mit einer sehr außergewöhnlichen und befriedigenden Perspektive belohnt.
Um diese Perspektive auf eine tragfähige Basis zu stellen, wendet sich der Blick vorerst zurück in die Vergangenheit und beschäftigt sich mit den Anfängen menschlicher Bewusstheit.
1. Kapitel: Bewusstsein, Mythen, Altes Wissen
Der Psychologe und Philosoph Erich Neumann galt als der bedeutendste Schüler von C. G. Jung, hat sich intensiv mit der Ursprungsgeschichte des Bewusstseins beschäftigt und dazu ein Buch mit gleichnamigem Titel verfasst. Auch in seinem Buch „Die große Mutter“ geht er auf grundlegende Zusammenhänge zwischen Unbewusstem und sich daraus entwickelndem Bewusstsein ein. Die folgenden Informationen darüber basieren auf diesem Buch.
Neumann informiert darüber, dass die Menschheit zu Beginn ihrer Entwicklung über eine Art Einheitsbewusstsein verfügte und eingebunden war in ein kollektives Sein. Uroboros, das Bild der sich in den Schwanz beißenden Kreisschlange ist das Symbol für diese kosmische Einheit, die alles Gegensätzliche in sich vereint. Diese Kreisschlange stellt ein großes Rundes dar, in dem sämtliche Elemente des Erlebens miteinander vermischt enthalten sind. Neumann sagt: „Uroboros steht für die Ungeschiedenheit des Chaos, ist der Urarchetyp des Unbewussten und Undifferenzierten und symbolisiert auch die miteinander vereinigten Ur-Eltern, aus denen sich später die Figuren des Großen Vaters und der Großen Mutter herauslösen.“
Erst allmählich entwickelte der Mensch als Einzelwesen ein individuelles Bewusstsein, spaltete sich ab von dieser Einheit und verlor damit auch mehr und mehr den Zugang zum unbewussten gemeinsamen Erleben und Wahrhaben. Nun trugen mündliche Überlieferungen urzeitliches Wissen wortgetreu von Generation zu Generation weiter. Die zugrunde liegende Gemeinsamkeit mythischer Überlieferungen zeigt sich in Archetypen und Bildern, die einander weltweit ähneln.
In all diesen Mythen wird versucht etwas zu beschreiben, das mit einer Alltagssprache nicht wirklich auszudrücken ist. Es wird in Bilder gekleidet, die symbolisch zu verstehen sind. Die Aussagen dieser Überlieferungen wörtlich zu nehmen, ist daher im Allgemeinen irreführend. Denn so bunt die geschilderte Bilderwelt auch sein mag, in der wesentlichen Essenz unterscheiden sich diese Erzählungen, die Alte Weisheit über lange Zeiträume hinweg transportieren, weltweit kaum voneinander. Sie beschreiben eine absolute Wirklichkeit, die sowohl transzendent als auch immanent ist, zeitlos überall gültig und deshalb auch hier und jetzt. In allen Völkern und Traditionen kommt darin das Verhältnis einer bekannten zu einer unbekannten Realität zum Ausdruck.
Barbara C. Sproul hat sich als Religionswissenschaftlerin eingehend mit den Schöpfungsmythen der östlichen und westlichen Welt beschäftigt und das Ergebnis dieser Arbeit in 2 Büchern zusammengefasst, die diese Thematik umfassend beschreiben.
Sie hat festgestellt, dass sich die meisten Schöpfungsmythen überall auf der Erde ähneln. Unbeeinflusst von einander beschreiben sie ein ursprüngliches, produktives Chaos, das die Gesamtheit des Seins in einem gleichzeitigen Nicht-Sein umfasst und noch keine Unterschiede in sich enthält. Die Schöpfung ereignet sich, indem sich dieses ungeformte Einheitliche beginnt zu differenzieren. Ab diesem Moment sind sowohl das Chaos als auch das Produkt des Chaos gleichberechtigte Teile einer Wirklichkeit, die aus sich selbst heraus entsteht. Jede tiefgründige Mythologie besteht deshalb auch strikt auf der unverbrüchlichen Einheit von Schöpfer und Schöpfung sowie der gegenseitigen Abhängigkeit von Sein und Nichtsein.
Andere Mythologien sind weniger philosophisch ambitioniert und beginnen mit der einen oder anderen Seite des entstandenen polaren Gegensatzes. Sie behaupten, das Sein war zuerst und kümmern sich nicht darum, woher es kam. Dasselbe gilt auch für die gegenteilige Behauptung, das Nichtsein war zuerst; manche fangen mit der „Henne“ an, manche mit dem „Ei“. In den meisten Schöpfungsmythen sind aber beide von Anfang an da, sowohl Sein als auch Nicht-Sein, sowohl „Henne“ als auch „Ei“.
Diese unerklärliche und eigentlich für den Menschen unfassbare Einheit, die allem zugrunde liegt, wird in allen Religionen als das Absolute, Göttliche und Heilige verehrt. Es bildet die Grundlage der wahrnehmbaren irdischen Wirklichkeit. Die meisten Religionen sehen die Schöpfung eingebettet in einen linearen Zeitfluss und sprechen von einer Erschaffung der Welt. Der Buddhismus betrachtet das Universum als einen pulsierenden Wechsel von Ausdehnen und Zusammenziehen, von Auflösung und Zusammenfügen, von Sein und Nichtsein. Im Grunde sind das nur Betrachtungsweisen aus verschiedenen Perspektiven auf etwas, das immer ist, weil es zeitlos ist. Es ist auch die zentrale Botschaft aller Schöpfungsmythen, dass das Absolute sowohl immanent als auch transzendent besteht. Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Überlieferungen zeigt sich im Verständnis des Menschen als physischem Ausdruck dieser Dimension des Heiligen.
Um über das Absolute, den Urgrund allen Seins und Nichtseins berichten zu können, müssen sich Mythen und Religionen der Wörter des Alltags bedienen. Sie sprechen über das Unbekannte in Begriffen des Bekannten, sie beschreiben das Absolute mit Wörtern des Relativen. Das schafft weiten Raum für Interpretation und Missverstehen. Die in den Überlieferungen verwendeten Symbole stammen aus unbekannten Kulturen vergangener Zeiten und sind dem Denken und Erleben des heutigen Menschen daher meist fremd. Er ist dann versucht, die Ausdrucks- und Betrachtungsweise als primitiv abzutun, weil er den Sinn nicht erfassen kann. Aber selbst „primitive“ Naturvölker wie die Dogon in Afrika sind sich der Tatsache bewusst, dass die Sprache zur Beschreibung absoluter Zusammenhänge nur eine symbolische sein kann. Symbol bedeutet in deren Sprache wörtlich übersetzt: „Wort dieser niederen Welt“.
Eine wörtliche Übersetzung oder Interpretation aus der gerade aktuellen Weltsicht kann deshalb die Botschaft einer Überlieferung kaum erfassen. Sie ist in eine Erzählung gekleidet, die aus symbolischen Begriffen einer fernen Kultur und Zeitepoche zusammengesetzt ist. Nur selten sind Mythen so direkt, dass sie unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass Sein und Nichtsein ursprünglich gemeinsam existieren, dass das Unendliche aus sich selbst heraus das Endliche kreiert.
Meist wird der Schritt von der Einheit in die Dualität und die sich daraus entwickelnde Vielfalt in Metaphern geschildert. Oft wird berichtet von einer Zeugung durch Welteltern, wobei das mütterliche Prinzip fast immer für das empfangende Schöpferische und der väterliche Aspekt für das befruchtende Geistige oder Absolute steht. Einige Völker überliefern die Vorstellung, dass ein personifizierter Gott Teile seines Körpers abschneidet und daraus die Welt formt. Manchmal stirbt ein göttliches Wesen auch ganz hinein in die Schöpfung, verwendet sich mit „Haut und Haar“ für die Schaffung des Universums. Es wird auch wiederholt davon erzählt, wie ein Schöpferwesen die Welt erträumt, sie denkt oder durch Worte manifestiert. Überall auf der Erde berichten Mythen davon, dass Götter Ton, Schlamm oder Staub benutzen, um Menschen und Tiere zu formen, denen sie Leben einhauchen.
Grundsätzlich beschreiben alle Mythen eine materielle Welt, in der eine absolute Dimension lebt und zum Ausdruck kommt, ohne scharfe Trennung zwischen Geist und Stoff, Seele und Körper. Sie erzählen von einer Ganzheit von Weltlichem und Absolutem.
Die Mythen erzählen aber auch weltweit von einem Vergessen dieser Ganzheit durch den Menschen, von einem Fallen in die Welt der Dualität und einem Verlorensein darin. Die Bibel berichtet in ihrer Schöpfungsgeschichte über den Sündenfall von Adam und Eva, die vom Baum der Erkenntnis von gut und böse essen und als Folge davon die Vertreibung aus dem Paradies erfahren. In der Welt der Polarität kennt das menschliche Bewusstsein nur Gegensätze, hier charakterisiert durch gut und böse. Es verliert den Sinn für die dahinter liegende Einheit. Mit der Vertreibung aus dem Paradies wird der Verlust dieses Bezuges zur Einheit bildlich dargestellt. In afrikanischen Mythen wird er beschrieben als Herausfallen aus der harmonischen göttlichen Ordnung der Natur. Oft kommt die Trennung von Himmel und Erde mythologisch dadurch zum Ausdruck, dass eine verbindende Achse zerstört wird und alle Versuche, sie wieder aufzurichten, scheitern. Der Turmbau zu Babel im Alten Testament ist ein Beispiel dafür.
In diesem Zustand der Trennung erfährt sich der Mensch als ein vom Tod bedrohtes Wesen. Er sieht sich einem ungewissen Schicksal ausgeliefert und befindet sich im ständigen Kampf mit dessen Launen. Er existiert ununterbrochen im Spannungsfeld zwischen den beiden Polen einer Dualität, die seine Wahrnehmung bestimmt. Eine rationale Realitätsauffassung verdrängt zunehmend die lebendige mythische Wirklichkeit, nimmt ihre metaphorische Sprache schließlich als erfundenes Fantasiegebilde wahr und hat keinerlei Bezug mehr dazu.
Mythologische Überlieferungen weisen auf den Irrtum dieser Sichtweise hin und versuchen ihn zu korrigieren. Religionen kennen als Ziel des Menschen seine Rückverbindung zum Absoluten; das irdische Leben ist in ihrem Verständnis ausgerichtet auf eine Dies- und Jenseits umfassende Ganzheit.
Der Begriff Gott steht grundsätzlich für ein Absolutes, das vor und außerhalb der Polarität existiert und damit eigenschaftslos ist. Das menschliche Bewusstsein, geprägt durch die Polarität dieser Welt, tendiert dazu, den Gottesbegriff mit menschlichen, vorwiegend positiven Eigenschaften zu verbinden und ihn damit zu begrenzen. Ein solches Gottesverständnis kann ein oder mehrere Wesen umfassen, denen unterschiedliche Aspekte zugeordnet werden. Die Dreifaltigkeit des Christentums, die Vielfalt der Götter im Hinduismus und im antiken Griechenland zeigen das. In Afrika verehrt das Volk der Dinka z. B. unzählige Gottheiten und behauptet doch, dass das Göttliche eins ist.
Damit ist gemeint, dass eine einzige ursprüngliche Kraft oder absolute Realität als existent angesehen wird, die aber in vielen unterschiedlichen Aspekten wahrgenommen und nur in Metaphern mitgeteilt werden kann. Jede konkrete Vorstellung von der Gesamtheit des Göttlichen und jede Bezeichnung dafür kann nur unzulänglich sein; das Absolute ist nur in Facetten und Symbolen für das menschliche Bewusstsein erfassbar. Deshalb spricht auch das Alte Testament davon, dass man sich von Gott kein Bild machen soll und sein Name unaussprechlich ist.
Bei der Beschreibung des Absoluten und dessen Verhältnis zum Relativen bedient sich der Mensch allgemein gültiger Archetypen, die keine historischen Gestalten oder Begebenheiten darstellen, sondern zeitlos immer und überall wahr sind. Adam ist in diesem Sinn also nicht als der erste Mensch am Beginn eines chronologischen historischen Ablaufs gemeint. Er steht archetypisch als Metapher für den Menschen an und für sich. Seine „Erbsünde“ ist daher ein generelles Merkmal des Menschen und nicht als persönliche Schuld zu verstehen, die sich von Generation zu Generation vererbt.
Mythologien verwenden das Zeitliche, um das Zeitlose zu beschreiben. Sie nutzen die Sprache des Relativen, um das Absolute zu erklären. Das Verstehen des transportierten Inhalts verlangt aber ein Überschreiten dieser Grenzen des Relativen und Zeitlichen.
C. G. Jung hat den Begriff des kollektiven Unbewussten geprägt und die Bedeutung der Archetypen für die Tiefenpsychologie erschlossen. Er sieht in diesen Archetypen eine über Zeiten und Zonen hinweg allgemein gültige Ausdrucksweise der menschlichen Psyche. Er sagt von ihnen, sie seien vorbewusst vorhanden und Strukturdominanten der Psyche überhaupt. Er sieht im Archetypus ein bewusstseinstranszendentes Kernphänomen, dessen ewige Präsenz unanschaulich ist. Archetypische Begriffe gelten für die ganze Menschheit, sie haben überall auf der Welt und für jedes Volk dieselbe Bedeutung. Vater, Mutter, Baum, Weg, Schlange, Sonne sind einige Beispiele dafür.
Neumann beschreibt den symbolbildenden Prozess des Unbewussten als Ursprungsort menschlichen Geistes. Ausgehend von der ursprünglichen unbewussten Einheit entwickeln sich im menschlichen Bewusstsein erste Inhalte. Diese Inhalte sind allegorische Bilder, die auf die vor-bewusste Einheit Bezug nehmen. Das entstehende Bewusstsein bedient sich einer Symbolsprache.
C.G. Jung sagt dazu: „Was ein archetypischer Inhalt immer aussagt, ist zunächst sprachliches Gleichnis. Spricht er von Sonne und identifiziert mit ihr den Löwen, den König, den vom Drachen bewachten Goldschatz und die Lebens- oder Gesundheitskraft des Menschen, so ist es weder das Eine noch das Andere, sondern das unbekannte Dritte, das sich mehr oder weniger treffend durch alle diese Gleichnisse ausdrücken lässt, das aber – was für den Intellekt stets ein Ärgernis bleiben wird – unbekannt und unformulierbar bleibt.“
Jung hat entdeckt, dass die Archetypen des kollektiven Unbewussten in den mythologischen Motiven aller Völker erscheinen. Mythologeme sind einzelne Elemente oder Motive innerhalb eines Mythos; C. G. Jung sieht sie als konstante Bestandteile der Welt im Unbewussten, als Strukturelemente der menschlichen Psyche und sagt von ihnen: „Das Mythologem ist die ureigentliche Sprache dieser psychischen Vorgänge, und keine intellektuelle Formulierung kann auch nur annähernd die Fülle und Ausdruckskraft des mythischen Bildes erreichen. Es handelt sich um Urbilder, die darum auch am besten und treffendsten durch eine bildhafte Sprache wiedergegeben werden. Diese bildhafte Sprache ist die Sprache des Symbols, die ursprüngliche Sprache des Unbewussten und der Menschheit.“
Neumann ist der Ansicht, dass sich im Symbolbild des Archetyps etwas als Sinnzusammenhang mitteilt, das erst von einem entwickelten Bewusstsein mit großer Mühe erfasst werden kann.
Die Urbilder der Mythen tragen in sich eine gemeinsame, jedem menschlichen Sein zugrunde liegende Symbolik. Das Symbol verbirgt die angedeutete Wirklichkeit geheimnisvoll in sich, transportiert sie und regt das Bewusstsein an, sich damit unter Einbeziehung all seiner Bewusstseinsfunktionen zu beschäftigen. Neumann ist überzeugt: „Das Symbol weist hin, deutet an und erregt. Auf diese Weise setzt es das Bewusstsein in Bewegung und bringt es dazu, alle Bewusstseinsfunktionen zur Verarbeitung zu verwenden. Denn eine nur begriffliche Verarbeitung des Symbols erweist sich als völlig unzureichend. Gefühl, Intuition und Empfindung werden ebenfalls mehr oder weniger stark vom Symbol ergriffen.“
Mythos und Archetyp sind Ausdruck einer Weisheit im Verborgenen. Beide erfüllen die gleiche Funktion und stellen einen lebendigen, bildhaften Bezug her zu einem zeit- und grenzenlosen Ursprünglichen. Für das bewusste Denken ist diese Weisheit vorerst verschüttet, im Unbewussten existiert sie. Das Unbewusste ist mit dem Bewusstsein durch eine mehr oder weniger durchlässige Schnittstelle verbunden und äußert sich ganz willkürlich in Träumen, plötzlichen Eingebungen, instinktiven Reaktionen oder überraschenden Einfällen. Die Weisheit im Verborgenen ist auf diese Weise erfahrbar als eine Instanz, die das Leben aus der Tiefe des individuellen Ich heraus lenkt, indem sie Impulse setzt.
Die Psychologie ordnet diese Schnittstelle zwischen Bewusstem und Unbewusstem dem Bereich der Seele zu. Im religiösen Sinn ist mit dem Begriff Seele der jenseitige Aspekt des Menschen gemeint, der ihn mit Gott verbindet. Beide Disziplinen betrachten im Grunde dasselbe, auch wenn sie Seele unterschiedlich definieren. Ist hier der Blick auf das praktische Leben ausgerichtet, fällt er dort auf das dahinter liegende Jenseitige. Um eine Vermischung dieser beiden Auffassungen zu vermeiden, kennt das Alte Wissen im Hebräischen 2 unterschiedliche Begriffe für Seele, einmal für den Bereich der Psyche und einmal in Bezug zum Absoluten.
Grundsätzlich ist die menschliche Existenz darauf ausgerichtet, das Unbewusste ins Bewusstsein zu holen und es im Licht der Erkenntnis zu betrachten. Neumann macht den Stellenwert der Bewusstseinsentwicklung deutlich: „Die Entwicklung des Bewusstseins, die vom fast völlig Enthalten-sein im Unbewussten beim Urmenschen bis zur abendländischen Form des Bewusstseins reicht, ist als das eigentliche Anliegen der gesamten Menschheit sichtbar geworden.“ Im selben Zusammenhang erwähnt er: „Die Richtung zum Licht, die C. G. Jung einmal den menschlichen Heliotropismus (= die „triebhafte“ Tendenz der Pflanze, sich zur Sonne zu drehen) genannt hat, hat sich auf die Dauer als stärker erwiesen als alle Verdunkelungskräfte, welche das Bewusstsein auszulöschen versucht haben.“
Auf dem Weg zum klaren Erkennen im vollen Licht des Bewusstseins stellt die zitierte abendländische Form wohl eine fortgeschrittene Etappe dar.
In „Erinnerungen, Träume, Gedanken“ sagt C. G. Jung: „Nur hier, im irdischen Leben, wo die Gegensätze zusammenstoßen, kann das allgemeine Bewusstsein erhöht werden. Das scheint die metaphysische Aufgabe des Menschen zu sein, die er aber ohne „mythologein“ nur teilweise erfüllen kann. Der Mythos ist die unvermeidliche und unerlässliche Zwischenstufe zwischen dem Unbewussten und der bewussten Erkenntnis.“
Die Erzählungen diverser Schöpfungsmythen sind symbolische Aussagen. Ihre Wahrheiten gelten zeitlos, jetzt und immer, auch wenn das für ein lineares Zeitverständnis kaum zu begreifen ist. Wenn es nicht gelingt, die Mitteilung eines Mythos in ihrem Kern zu erfassen, so liegt der Fehler meist im Versuch, ihn als geschichtlichen Bericht zu lesen. Die Mythen benutzen zwar historische Ereignisse zur Darstellung, sind aber selbst nicht historisch gemeint.
Als die Menschheit vor Tausenden von Jahren die Schrift entwickelte, war sie in der Lage, dieses ursprüngliche, mythologische Gedankengut erstmals aufzuzeichnen und damit festzuhalten. Das Alte Testament der Bibel und die Schriften des Judentums sind aus solchen Überlieferungen hervorgegangen. Die schriftliche Basis dieser Religionen ist also eine Sammlung von Wissen aus noch viel älterer Zeit. Der Mensch hat in diesen Überlieferungen mit Bildern seines Alltags, seines eigenen Erlebens auszudrücken versucht, was er an grundlegender, uralter Weisheit in sich trug. Und es war ihm gegeben, dies auch in einer Sprache zu tun, die darauf ausgelegt war, diese Weisheit unverfälscht zu transportieren.
Äußerlich wird in symbolischen Geschichten vermittelt, was an Wesentlichem erhalten bleiben sollte. Eigentlich aber zeichnen in diesen Erzählungen die Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben und Wörter ein klareres Bild vom Kern ihrer Aussagen.
Das Alte Testament und die darüber hinausgehenden jüdischen Texte wurden seit jeher als Heilige Schriften verstanden. Wie auch das überlieferte Wissen anderer Religionen berichten sie nicht über gewöhnliche Ereignisse, sondern von einem Unfassbaren und Jenseitigen. Die in diesen Büchern bzw. Schriftrollen angegebenen Zahlen beschreiben daher auch keine Zeitabläufe oder Mengenangaben im gewohnten, alltäglichen Sinn. Biblische Zeit drückt eine Zeitqualität aus und nicht eine Zeitfolge, und konkret genannte Zahlen sind nicht quantitativ, sondern qualitativ in ihrer Aussage.
Der Mathematiker Friedrich Weinreb beschäftigte sich um die Mitte des 20. Jahrhunderts neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit eingehend mit alten Quellen der jüdischen Überlieferung. Er entdeckte darin auf Ebene der Zahlenwerte außergewöhnliche Zusammenhänge und hinterließ dazu ein umfassendes Werk. Für ihn bestätigte sich durch persönliche Einblicke, was dieses Alte Wissen von sich sagt, nämlich dass es immer da war und zum Menschen gehört wie die ihn umgebende Schöpfung.
Die jüdische Überlieferung weist wiederholt darauf hin, ihre Texte nicht historisch zu sehen, sondern als gegenwärtigen Bestandteil jeder menschlichen Existenz. Die Bibel beschreibt nicht, was einmal war, sondern was zeitlos ist, und Weinreb betont immer wieder, dass diese symbolischen Bilder in jedem Menschen leben, als seine eigene verborgene Wirklichkeit.
Wenn in den folgenden Ausführungen auf Altes Wissen Bezug genommen wird, dann ist dieser Begriff im Sinne von Friedrich Weinreb gemeint. Diesem Alten Wissen, wie es Weinreb für die moderne Welt erschlossen hat, entstammen auch die grundlegenden Informationen im folgenden 2. Kapitel, vor allem Weinrebs Buch „Zahl, Zeichen, Wort“ kommt dabei besondere Bedeutung zu.
Die nächsten Kapitel bauen in gedanklicher Konsequenz auf diesen Grundlagen auf und werden ergänzt durch neue Perspektiven. Dabei zeigen sich auch unabhängig von alten Überlieferungen Querverbindungen und Zusammenhänge, die Zahlen mit ihrer qualitativen Aussage zum Ausdruck bringen. Diese Zusammenhänge treten zwar unabhängig vom Alten Wissen in Erscheinung, zeigen aber einen Bezug dazu und klare Übereinstimmungen.
Insgesamt geht das Gedankengebäude dieses Buches weit über das hinaus, was Friedrich Weinreb hinterlassen hat.
Die Vertiefung des qualitativen Aspektes der Zahlen, der Bezug zu den Primzahlen sowie zu den aktuellen Zeitqualitäten, die Betrachtung der Dimensionen, die Querverbindungen zu Mathematik, Physik, Weltreligionen und griechischer Mythologie, das alles ist neu.
Der an Zahlen orientierte Blick auf biblische Begriffe und vor allem auf den Menschen durchbricht eine Denkbarriere, indem er konsequent und kompromisslos anwendet und zu Ende führt, was Friedrich Weinreb für die moderne Welt an Einsichten erschlossen hat. Er war und ist in der Betrachtung biblischer Texte und religiöser Symbole revolutionär. Sein Leben und Werk war darauf ausgerichtet, menschlichem Bewusstsein der Neuzeit Zugang zu grundlegender, uralter Wahrheit zu eröffnen.
Es ist im Sinne von Friedrich Weinreb, das von ihm Hinterlassene nicht zu der Weisheit letztem Schluss erstarren zu lassen.
Er motiviert dazu, individuell und eigenständig weitere Schritte zu setzen, wenn er sagt: „Ich war und bin nicht der Mensch, der Schüler sucht, eine Schule errichtet; ich nehme immer an, dass nur ein freier Mensch zu Gott finden kann. Ich ertrage keine Anhänger, Nachläufer, Schwärmer oder nur Schüler. Als freier Mensch komme man und als freier Mensch finde man Gott.“
Friedrich Weinreb bezog sich in seinen Büchern und Vorträgen gerne auf die Elberfelder Bibel als wortgetreueste Übersetzung aus dem Hebräischen. Ihr entstammen auch die Bibel-Zitate in den folgenden Kapiteln.
2. Kapitel: Hebräisch als Sprache des Alten Wissens
„Hebräisch“ bedeutet in dieser Sprache „von der anderen Seite“. Das Hebräische versteht sich selbst als von der anderen Seite kommend und als Ursprache. Die griechischen Buchstaben Alpha und Beta, aus denen sich das Wort Alphabet zusammensetzt, entstammen den hebräischen Zeichen Aleph und Beth. Der antike griechische Geschichtsschreiber Herodot, der vor fast 2.500 Jahren lebte, bestätigte diesen Zusammenhang. Er erwähnte eine mythologische Gestalt namens Kadmos als Übermittler phönizischer Buchstaben nach Griechenland. „Kadmos“ leitet sich ab vom hebräischen „kedem“ und ist zu übersetzen mit „früher, Ursprung“. Das Phönizische zeigt eine weitgehende Übereinstimmung mit dem Alt-Hebräischen, hat darin also seinen Ursprung und stellt den Übergang dar zum Griechischen.
Das Hebräische ist sowohl Buchstabe als auch Zahl. Diese Eigenheit ist ein sehr tiefgründiger Hinweis und verdeutlicht die Tatsache, dass in der erlebbaren Welt alles 2 Seiten hat. Das irdische Leben ist geprägt von Widersprüchlichem und Gegensätzlichem. Jede Anschauung findet ihr Gegenteil, jeder Pol hat seinen Gegenpol. Nach jüdischer Überlieferung lebt in allem etwas Weibliches im Sinne von äußerlich Erscheinendem und etwas Männliches als hintergründiges Geistiges. Das Hebräische versteht sich als Sprache, die beides in sich trägt und zum Ausdruck bringt. Jedes Schriftzeichen als Kombination von Buchstabe und Zahl bildet diesen Doppelcharakter ab, ist weiblich und männlich zugleich.
Diese gleichzeitige Existenz von Erscheinendem und Geistigem gilt für jedes hebräische Wort. Jede Buchstabenfolge ist auch Zahlenkombination und daher sowohl irdisch als auch nicht-irdisch. Die hebräische Sprache, die „von der anderen Seite“ kommt, bildet eine Synthese von Dies- und Jenseits. Sie erfüllt von Anfang an eine Brückenfunktion zwischen beiden Seiten, was die Bibel mit der Aussage bestätigt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Das „Wort“ überbrückt eine Grenze und überwindet die scheinbare Unvereinbarkeit zwischen Dies- und Jenseits, zwischen Gott und der Welt. Über das „Wort“ kommt zum Ausdruck, was generell für jede Existenz gilt, nämlich dass eine Verbindung existiert zwischen dem Offensichtlichen und einem Hintergründigen. Die Seite des Hintergründigen wird vermittelt in Zahlen, die Seite des Offensichtlichen in Buchstaben. Das „Wort“, von dem die Bibel spricht und aus dem sie besteht, umfasst also beide Seiten, die bekannte und die „andere“.
Das hebräische Alphabet besteht aus Konsonanten, die nicht Buchstaben, sondern Zeichen genannt werden. Diese Zeichen zeigen etwas in dieser Welt, das aus einer anderen Wirklichkeit kommt und bilden die Schnittstelle zwischen beiden Bereichen. Für Vokale existieren keine Schriftzeichen, sie werden der Welt des Geistigen zugeordnet und haben daher keine festen Formen.
Die Überlieferung geht davon aus, dass eine Ursprache und ein Verständnis dafür in jedem Menschen angelegt sind. Sprache ist Teil des Menschseins, sie dient der Verständigung untereinander und bildet gleichzeitig eine Verbindung zum Ursprung. Eine verborgene Weisheit lebt in allen Sprachen, die sich erschließt, wenn man Aufmerksamkeit dafür entwickelt. Der Zusammenhang von zählen und er-zählen zeigt das. Ebenso besteht eine Verwandtschaft zwischen stehen und ver-stehen oder greifen und be-greifen. Es gibt dafür noch viele weitere Beispiele, besonders auch im Deutschen.
Im Hebräischen ist die Reihenfolge der Buchstaben identisch mit der Zahlenfolge; Buchstaben sind Zahlen, Zahlen sind Buchstaben und sich gegenseitig eindeutig zugeordnet. Zahlen sind dabei der primäre Faktor und geben die Reihenfolge vor, in ihnen ist der Sinn unverfälschter enthalten als in geäußerten Lauten. Konsonanten als Äußerungen der erscheinenden Welt sind ihnen untergeordnet. Manche Wörter können daher durch die Verwendung verschiedener Vokale ganz unterschiedlich klingen; wenn dieselben Zahlengruppen darin vorkommen oder andere Übereinstimmungen in ihren Zahlenwerten herrschen, dann ist eine grundlegende Sinn-Verwandtschaft gegeben. Buchstaben drücken eine Mitteilung aus für die diesseitige Wahrnehmung. Zahlen beziehen sich auf das dahinter liegende Ursächliche und sind aus diesem Grund auch das Primäre. Jedes hebräische Wort besteht aus diesen beiden Seiten, die sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam etwas manifestieren. Rätselhafte Formulierungen in den Überlieferungen erklären sich oft über die Zahlenfolgen, die in ihrer Kombination eine Information transportieren.
Grundsätzlich sind die Texte des Alten Testaments keine Berichte über vergangenes Geschehen. Sie beschreiben etwas grundsätzlich Zeitloses, das in Form von Erzählungen in Raum und Zeit für das menschliche Bewusstsein erfassbar wird.
Es existiert in diesen Erzählungen nichts Zufälliges in dem Sinn, dass es ohne Bedeutung wäre. Jedes Zeichen ist im Zusammenhang präzise gesetzt und hat eine konkrete, präzise Aussage. Diese Texte lassen genauso wie die gesamte materielle Welt eine Struktur und Ordnung erkennen, die für das große Gesamte genauso gilt wie für das Kleinste.
Die hebräischen Schriftzeichen haben in diesen alten Dokumenten eine vergleichbare Funktion wie die chemischen Elemente der Materie, beide fügen Grundbausteine zu komplexen Konstrukten zusammen.
Die Heilige Schrift besteht aus Zeichen, von denen jedes einen Namen hat. Jedes trägt eine Bedeutung in sich und wird mit einem Bild beschrieben, das seine Aussagekraft symbolisiert. In Kombination miteinander bringen Zeichen etwas Neues hervor und etwas Gemeinsames zum Ausdruck. Sie tun das auf ähnliche Weise, wie sich etwa die chemischen Elemente Wasserstoff, H, und Sauerstoff, O, zu Wasser, H2O, verbinden.
Die Bibel zu ergründen ist also ähnlich komplex wie die Materie zu erforschen. Zum Verständnis beider Welten ist erforderlich, sich mit ihren Grundlagen vertraut zu machen.
Die Welt der Bibel basiert auf 22 „festen“ Elementen = 22 Konsonanten. Die Grundstruktur dieser 22 hebräischen Schriftzeichen bilden die Zahlen von 1 bis 10. Darauf aufbauend folgen 20, 30, 40 usw. bis 100. Dann wiederholt sich die Reihenfolge auf der Ebene der Hunderter, dort aber nur bis 400. 400 ist das letzte der 22 Zeichen.

Tabelle Hebräischer Schriftzeichen
(https://miunske.org/wp-content/uploads/2019/01/Tabelle_Hebraeische_Schriftzeichen.pdf)
Diese Tabelle gibt eine Übersicht über die hebräischen Zeichen, deren Schreibweise, Aussprache und über die Zuordnung der Buchstaben zu den jeweiligen Zahlen. Außerdem sind darin die Zahlenwerte der einzelnen Zeichen aufgelistet, die für das Verständnis der Aussagekraft wesentlich sind. Sie gliedern sich in Äußerer Wert, Voller Wert, Verborgener Wert und Atbasch-Wert. Was damit zum Ausdruck kommen soll, zeigt sich am besten anhand eines Beispiels. Dafür bietet sich das Wort „Adam“ an, der hebräische Ausdruck für „Mensch“.
Adam wird A D M geschrieben, die Aleph am Beginn wird berücksichtigt, das zweite A als Vokal nicht: A = 1, D = 4, M = 40, das ergibt in Zahlen ausgedrückt 1–4–40.
Der Äußere Wert von 1–4–40 ist die Summe dieser Zahlen, also 1 + 4 + 40 = 45. Dieser Wert steht für das Erscheinende, das Offensichtliche in der diesseitigen, physisch wahrnehmbaren Welt, in der Welt von Zeit und Raum. Diese Welt entspricht der linken Seite. Das ist im Schriftbild des Hebräischen die Schreibrichtung, es wird von rechts nach links geschrieben.
Der Volle Wert umfasst alle Zahlen der einzelnen Zeichen eines Wortes:
A – Voller Wert von „Aleph“ als Summe von 1–30–80 = 111
D – Voller Wert von „Daleth“ als Summe von 4–30–400 = 434
M – Voller Wert von „Mem“ als Summe von 40–40 = 80
625 ist die Summe daraus und damit der Volle Wert für Adam. Dieser Wert bildet das Absolute, Hintergründige, den Ursprung ab, die rechte Seite, aus dieser Richtung kommen die Zeichen.
Der Verborgene Wert drückt aus, wie der Mensch = Adam von der linken zur rechten Seite gelangt, wie er ausgehend vom Physischen das Immaterielle erreichen kann. Dieser Weg von links nach rechts ist in diesem Sinn ein sehr wesentlicher Faktor und wird beschrieben durch die Differenz zwischen Vollem und Äußerem Wert: 625–45 = 580. Der Verborgene Wert für Adam ist 580.
Der Atbasch-Wert bringt zum Ausdruck, dass die erscheinende Welt nur eine Hälfte ist und der andere Teil im Absoluten liegt. Der Atbasch-Wert weist auf einen Spiegeleffekt zwischen beiden Hälften hin, denn er ist der Wert des genau gegenüber liegenden Zeichens, ausgehend von einer gedachten Mitte im hebräischen Alphabet nach 11 Konsonanten. Aleph spiegelt sich in der Taw, Beth in der Schin, Gimmel in der Resch usw. und hat deren Äußeren Wert als eigenen Atbasch-Wert. Aus dieser Gegenüberstellung A–T, B–Sch leitet sich die Bezeichnung Atbasch ab und stellt dar, dass Gegensätzliches sich zu einem Gesamten ergänzt.
Der Atbasch für Adam 1–4–40 ist also 400–100–10, in Summe 510. Gemeinsam mit dem Äußeren Wert 45 ergibt das die Zahl 555. Diese Summe steht für das zusammengefügte Ganze.
Das Alte Wissen sieht in den 22 hebräischen Konsonanten Urbilder, die als Erinnerung in jedem Menschen leben. Der Mensch ist davon in seinem Innersten geprägt, ohne es zu wissen. Er hat sie vorübergehend vergessen, um sich wieder daran er-innern zu können.
Im Schriftbild hängen diese Zeichen an einer unsichtbaren Linie, die sie leicht durchstoßen. Damit ist symbolisiert, dass sie etwas sind, das aus einer Sphäre des Unsichtbaren und Leichten in die Schwere des Materiellen herunterkommt. Sie bewegen sich aus der Einheit in die Zweiheit und zeigen auch in ihren Aussagen etwas Doppeltes. Jedes dieser 22 Zeichen trägt eine Information als Buchstabe und gleichzeitig als Zahl in sich, und die alten Überlieferungen geben Auskunft über ihre Bedeutung:
1 oder Aleph weist schon vom Zahlenwert her auf eine Einheit hin, die alles umfasst. 1 ist die Zahl des Absoluten. Dieses Absolute liegt allem zugrunde und enthält als 1 noch ungeteilt, in Ruhe und Harmonie, was später daraus hervorgeht. Was jemals er-zählt und ge-zählt werden kann, ist in der Gesamtheit seiner Varianten in dieser 1 schon da. In ihr gibt es kein Außerhalb, sie umfasst alles Sein, alle Möglichkeiten und alles Vorstellbare in einem Eins-Sein. Aleph bedeutet „Haupt“, sie ist die Haupt-sache.
Dass in diesem Ungeteilten aber bereits die Zweiheit angelegt ist, zeigt das Schriftbild der 1, die Aleph.
Es besteht aus zwei Jod, die sich gegenseitig über einer schrägen Linie spiegeln. Jod ist 10, eine Kombination von 1 mit 0. Die Aleph sagt damit aus, dass die 1 sich als gespiegelte 10 wahrnehmbar macht. Das Schriftbild der Aleph komprimiert in sich die Aussage, dass die 1 als etwas Doppeltes über die 10 in Erscheinung tritt und in ihrem Doppelcharakter Dies- und Jenseits umfasst, Abstraktes und Erscheinendes. Die Kombination von Geist und Materie kommt zum Ausdruck in der Aussprache dieses Zeichens, denn es ist praktisch Vokal und Konsonant zugleich. Aleph ist als Konsonant lautlos und kann in der Aussprache alle Vokale annehmen. Das in der Aleph vorbereitete Doppelte äußert sich im nächsten Zeichen.
2 oder Beth setzt diese Zweiheit im Sichtbaren um, macht die Einheit zur Dualität. Mit der Beth ist die Teilung abgeschlossen, die in der Aleph ansetzt. Das runde und alles umschließende Eine im Bild des Uroboros stülpt sich um in ein Außerhalb. Ein Spannungsfeld von Extremen bildet den Gegensatz zur Einheit, die sich zurückzieht und nicht mehr wahrgenommen werden kann. Aber das Prinzip der Einheit erlischt damit nicht, es existiert unerkannt weiter als Ursprung und Hintergrund der 2 und der ihr folgenden Vielheit.
Mit der 2, der Beth, tritt wie in einem „Urknall“ die sichtbare Welt in Erscheinung, die durch Polarität gekennzeichnet ist. „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“ sind die ersten Worte im Alten Testament und sie beginnen mit einer Beth als erstem Zeichen überhaupt in der Bibel. Es ist damit der Anfang für eine Gegensätzlichkeit gemacht, die die ganze erfahrbare Welt umfasst. Im hebräischen Wort für Vater, „aw“, 1–2, kommt dieser Ursprung der Schöpfung zum Ausdruck.
Beth trägt die Bezeichnung „Haus“. Damit wird symbolisiert, dass in allem, was durch die 2 in die Existenz kommt, die 1 wohnt und lebt. Die Welt des Sichtbaren ist gewissermaßen das „Haus Gottes“. Die 2 verbirgt die 1 gut getarnt in sich. In der Welt der Dualität äußert sich die Einheit durch ihr exaktes Gegenteil, nämlich als Zwiespalt. Denn in allem stehen sich nun Gegensätze gegenüber, ein Anderssein, ein Wahrnehmen von polaren Widersprüchen. Sobald es eine 2 gibt, hat die 1 sich geteilt und es ist etwas Neues entstanden. Und mit 22 Zeichen wird diese Welt der Zweiheit beschrieben.
3 oder Gimmel besteht aus 1 + 2, sie trägt in sich Einheit und Dualität. Das Sich-Bewegen in der Welt der 2 ist immer provoziert durch dieses Gegensätzliche, für das die 2 steht und außerdem durch ihren unbewussten Bezug zur 1, spürbar als Drang nach Harmonie und Einheit. Auf 2-fache Weise wirkt somit innerhalb der 3 eine Spannung, die Unruhe und Bewegung verursacht. Deshalb trägt dieses Zeichen in der Überlieferung auch den Namen „Kamel“. Dieses genügsame, ausdauernde Tier symbolisiert einen unermüdlichen Impuls, der fast pausenlos vorwärts treibt.
Dieser Impuls der 3 ist darauf ausgerichtet, die 3 als Ziel zu erreichen. Wenn im Widersprüchlichen eine verbindende Einheit erkannt wird, kommt die 3 aus 2 + 1 als Frucht, als etwas Neues. In diesem Sinn ist die 3 einerseits bewegender Faktor und andererseits Endzweck dieser Bewegung. Die 3 zielt darauf ab, Polares in ein Gleichgewicht zu bringen, indem sie eine Antwort darauf gibt. Das Alte Wissen sagt, dass aus jedem Widerspruch eine Frucht kommen soll, das ist der Sinn der Gegensätze.
4 oder Daleth als 2 x 2 steht für eine Dualität, die nur auf sich selbst bezogen ist, nur sich selbst wahrnimmt. Der bewusste Bezug zur 1 fehlt. Damit ist 4 die maximale Möglichkeit in der Welt der Gegensätze. Die Zahl 4 ist Ausdruck für das irdisch Erscheinende, die sichtbare Materie. Die Verdoppelung der 2 zur 4 ist ein grundlegendes Prinzip und seine Umsetzung in der Zellteilung lässt alle lebenden Organismen entstehen. Daleth trägt in der Überlieferung die Bezeichnung „Tür“. Eine geschlossene Tür trennt, eine offene verbindet zwei Welten. Durch die geschlossene Tür der 4 kann das Haus der 2 nicht verlassen werden, eine offene Tür ermöglicht freie Bewegung.
5 oder He ist das Ergebnis eines Zusammenwirkens von 1 und 4, von Einheit und Materie sowie von 2 und 3, Dualität und Antrieb. 5 oder He wird in der Überlieferung „Fenster“ genannt, sie bildet im Haus der 2 eine Öffnung. Durch dieses Fenster kann die 1 sichtbar werden, die außerhalb von 2 und 2 x 2 liegt. Ein verdunkeltes Fenster verhindert diesen Durchblick, und solange außerhalb des Hauses Finsternis herrscht, besteht auch kein Grund innen die „Vorhänge“ zu öffnen. Das geschieht erst, wenn es draußen hell wird, wenn die Sonne aufgeht und die 1 sich zeigt. Ein klares oder offenes Fenster lässt dann sehen, was sich außerhalb des Hauses befindet. Diese Symbolik veranschaulicht ein Geschehen im Bewusstsein des Menschen, dem es allmählich ‚dämmert‘ und der schließlich im vollen Licht der Erkenntnis durch das Fenster der 5 Einblick in Zusammenhänge hat außerhalb der Welt von 2 und 2 x 2. Dieser Blick nach draußen motiviert dazu, die Tür für die 1 zu öffnen und sie in das Haus der 2 zu lassen.
3 aus 1 + 2 motiviert im Haus der 2 zur Bewegung und bringt dazu die Vorhänge des Fensters zu öffnen. Dieses Geschehen ist die Aussage der 5 aus 2 + 3. Die 5 aus 4 + 1 hat freien Blick auf die 1, motiviert zum Öffnen der Tür und lässt die 1 ins Haus der 2 ein. 4 + 1 = 5 und 2 + 1 = 3 verlaufen synchron und definieren das Ein(s)sehen von Zusammenhängen zwischen dem Leben in der Materie und der Ebene, die es gestaltet.
6 oder Waw ist 2 x 3 und gleichzeitig das, worauf 1, 2 und 3 miteinander abzielen. Die 3 besteht aus 1 + 2 und verweist gemeinsam mit ihnen auf eine gemeinsame Absicht: 1 + 2 + 3 = 6. Die 3 verbindet 1 + 2 als Antrieb und gleichzeitig 2 + 1 als Ziel. Die 6 aus 3 + 3 summiert beide Varianten und betont auch die Funktion beider Varianten. Waw bedeutet im hebräischen Sprachgebrauch „und“, im Alten Wissen „Haken, Verbindungsglied“. Die Spiegelfläche der beiden Jod in der Aleph ist eine Waw. Die 6 ist generell der Ausdruck für die Verbindung von Getrenntem und beschreibt mit dem Erfassen von Zusammenhängen eine wesentliche Funktion menschlichen Bewusstseins.
7 oder Sajin setzt sich zusammen aus 1 + 6, 2 + 5 oder 3 + 4. In der 7 summieren sich paarweise alle schon existierenden Zahlen, 7 beschreibt die fertige Welt der 2. Diese Welt und der darin lebende Mensch sind von den Zahlen 1 bis 6 geprägt. Die 1 hat die Welt kreiert, um darin Zusammenhänge sichtbar zu machen. Die Zahlenpaare summieren sich zu 7 ohne offensichtliche Ordnung und demonstrieren damit, dass die Zusammenhänge und die Ordnung, auf der diese Welt basiert, nicht offensichtlich sind. Sajin hat in der Überlieferung die Bedeutung von „Waffe“, eine Art Schwert, und symbolisiert damit einen Alltag, der mit Kämpfen verbunden ist und mit einem Ringen um Einsicht. Die alte hebräische Hieroglyphe für Sajin ist das stilisierte Bild eines Schiffes mit Ruder und macht das Unterwegs-Sein im Zeitlichen bildhaft. Wie das Meer scheint es uferlos, die Orientierung ist schwierig und ein Ziel ungewiss.
8 oder Cheth ist die doppelte 4 und damit eine Verdoppelung der Qualität der 4. Die 8 betont damit einerseits das materielle Diesseitige und gibt andererseits auch einen deutlichen Hinweis auf die Funktion der 4 als Tür zwischen den Welten. Die Cheth ist in ihrem Schriftbild ein Zeichen, das der He sehr ähnelt, dem aber die Öffnung nach oben fehlt, es ist nur nach unten geöffnet, erdwärts. Dorthin ist die 8 primär ausgerichtet, auf ein angenehmes Leben im Diesseits. Das Wort Cheth hat die Bedeutung von „Umzäunung, Gitter“ und symbolisiert ein Dasein innerhalb der Begrenzung auf 2 x 4, eine Fokussierung auf die duale Welt der Materie.
9 oder Teth bildet sich aus 3 x 3 oder 3 + 3 + 3, es begegnen sich Antrieb und Ziel auf 3-fache Weise. Das bedeutet, dass die vorhandene Spannung zwischen 1 + 2 sich intensiviert und ein Maximum erreicht. Diesen Punkt markiert die 9 und er ist gleichzeitig der Kulminationspunkt, der zur Erfahrung der 3 aus 2 + 1 überleitet. 3 x 3 beschreibt die Begegnung beider Aspekte und betont, wie intensiv und eindrücklich die jeweilige 3 in der Phase des Aufeinandertreffens vom menschlichen Bewusstsein erlebt wird. Die 3-fache 1 + 2 genauso wie die 3-fache 2 + 1 bringen die Vehemenz zum Ausdruck, mit der die 9 beides in die Wahrnehmung dringen lässt.
In der Ver-3-fachung der 3 in der 9 sieht das Alte Wissen das Ende einer Phase und das Finden von etwas Neuem. In sehr alten Überlieferungen trägt die Teth den Namen „Gebärmutter“. Die 9 steht für eine Finsternis, die etwas Helles in sich verbirgt und das aus ihr heraus völlig unerwartet geboren wird. Auch zahlreiche andere Kulturkreise kennen die 9 als Todes- und Transzendenzzahl, die etwas in sich trägt und hervorbringt, das bisher weder erlebbar noch vorstellbar war.
Dieses unerwartete Neue ist eine andere Ebene der Erfahrung. Die Zahlen der hebräischen Schriftzeichen drücken diesen Sprung auf ein verändertes Niveau durch das Hinzufügen einer Null aus.
10 oder Jod ist die 1 auf einer anderen Ebene und im Schriftbild der Aleph bereits sichtbar. Jod bedeutet „Hand“, es ist damit das Handeln durch den Menschen gemeint. Indirekt über die menschliche 10 zeigt die 1 in der Welt der 2 ihre Handlungsfähigkeit. Die Aleph bildet diese Information als abstraktes Prinzip ab, über die menschliche 10 wird es lebendige und wahrnehmbare Wirklichkeit. Die 1 wirkt durch die 10, was die 10 vorerst aber nicht erkennt.
In den Zahlen 1 bis 9 sind abstrakte Prinzipien angelegt, die ab 10 auf der Ebene des Menschen in die praktische Umsetzung gelangen. Im Schriftbild ist Jod das kleinste der Zeichen und symbolisiert nach dem Alten Wissen das Gehirn. Mit diesem Bild wird die mentale Fähigkeit des Menschen betont, über das Be-greifen besteht auch ein Bezug zur Hand. Dieses Be-greifen reduziert sich auf das Greifen mit einer Hand, solange für die 10 das Wirken der 1 nicht erkennbar ist.
Die Zahlen 11 bis 19 verfügen über keine eigenen Schriftzeichen, sondern werden gebildet durch eine Verknüpfung der 10 mit den ihr vorausgehenden Zahlen. Verschiedene Kombinationen beschreiben unterschiedliche Qualitäten des Handelns und Erlebens. Was in den Zahlen 1 bis 9 prinzipiell angelegt ist, verbindet sich mit der 10 des Menschen und wird dadurch lebendig. Alle Zahlen bis 10 enthalten jeweils spezifische Informationen, die vergleichbar sind mit Samen. Im menschlichen Bewusstsein keimen diese Samen und bringen ihr Potential gemeinsam mit der 10 zur Umsetzung.
Die Zahlen 1 bis 9 bilden grundlegende Aspekte ab, in den Zahlen 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 liegen sie auf einer erfahrbaren Ebene. Die Zahl 9 zum Beispiel drückt das Prinzip der Erkenntnisfähigkeit generell aus, die Zahl 19 steht für die Umsetzung dieses Prinzips im menschlichen Bewusstsein. Genauso wie die 9 die Basis darstellt, die „Gebärmutter“ für den Sprung auf eine andere Ebene, nämlich die 10, gilt dies auch für die 19. Als individuell erfahrbare Einsicht gewährt 19 im wahrsten Sinne des Wortes Ein-Sicht, nämlich Sicht auf die 1. Dem menschlichen Bewusstsein, das als 19 für sich ganz persönlich den Bezug zur 1 erkennt, eröffnet sich eine neue Perspektive der Wahrnehmung. In Zahlen ausgedrückt verbinden sich 19 und 1 zu 20. Das unbewusste Erleben der 10 endet also mit der 19, die den Bezug der 10 zur 1 bewusst erfasst.
20 oder Kaf trägt die Bezeichnung „zugreifende Hand“. Die in der 10 bereits unerkannt vorhandene und in gewissem Sinn passive Hand wird damit aktiv. Der Mensch als 20 ist nun fähig, grundlegende Zusammenhänge zu be-greifen. Mit 2 Händen, mit 2 Jod, mit 2 x 10 wird es dem Bewusstsein möglich, den Sinn seiner Existenz in der Dualität aktiv zu er-fassen. Kaf steht für das lebendige Zusammenwirken beider Ebenen der 10, wie es sich bereits im Schriftbild der Aleph zeigt: Die 10 sieht sich selbst als 10.
Die 20 ist gleichzeitig auch 5 x 4, eine Kombination von „Fenster“ und „Tür“. Durch beide Öffnungen hat sie Zugriff auf einen Bereich, der die 2 umgibt und dem sie entstammt.
Die in den Grundzahlen angelegten Qualitäten kommen nun durch die 2 x 10 des Menschen in eine bewusste Umsetzung.
30 oder Lamed nennt die Überlieferung „Ochsenstachel“ und bringt damit zum Ausdruck, dass 30 vehement zur Bewegung antreibt. 3 x 10 ist das Erfahren der 3 durch den Menschen. Lamed bedeutet auch „lehren“ und das ist der Sinn des Unterwegs-Seins: ein Fort-schreiten im bewussten Wahrnehmen, Denken und Tun. Die 30 treibt die menschliche 10 an zum Erkennen von Zusammenhängen zwischen 2 und 1. Sie tut das auch als 5 x 6, indem sie dazu motiviert, durch das „Fenster“ zu schauen. Auch der Mensch, der gelernt hat, eine 30 aus 2+1 x 10 zu sein, wird durch 1+2 x 10 immer wieder dazu motiviert, neue Einzelheiten in der Verbindung zwischen 4 + 1 und 2 + 1 zu sehen.
40 oder Mem bedeutet „Wasser“ und ist im Alten Wissen ein Synonym für „Zeit“. Auch die Mythologie anderer Kulturkreise kennt diese Symbolik. Im Wasser wie in der Zeit kann man zu ertrinken drohen oder sich darauf in einem Schiff auf ein Ziel zu bewegen. 40 als Synonym für Zeit kommt in der Bibel einige Male vor und ist als Zeitmaß nicht wörtlich zu nehmen.
Die alte Hieroglyphe für Mem ist eine Wellenlinie, aus ihr ist der Buchstabe „m“ entstanden. Wasser ist die Grundlage für organisches Leben und der Fluss der Zeit ermöglicht der menschlichen 10 die Begegnung mit der 4 der Materie. 4 x 10 ist das Wahrnehmen der materiellen Existenz in einem detaillierten Nacheinander.
40 steht für lineare Zeit, die als einzige Realität von begrenzter Dauer ist. Der Blick durch das „Fenster“ lässt das Irdische und auch lineare Zeit anders sehen; diese 40 entspricht 5 x 8.
50 oder Nun ist der „Fisch“, der im Wasser lebt. 5 ist das Prinzip des Zusammenwirkens von 1 und 4, Einheit und Materie. 50 stellt dieses Zusammenwirken von 1 + 4 auf die Ebene der 10 und steht für ein Bewusstsein, das diese Synergie bewusst erfasst. Die Existenz der 10 im Zeitlichen der 40 ist auf die bewusste 50 ausgerichtet. Die 10 soll sich als solche im Laufe der Zeit sehen lernen. Damit hat 50 aus 40 + 10 eine ähnliche Aussage wie 20 aus 10 + 10 und definiert mit 5 x 10 die 10, die aus dem „Fenster“ sieht.
60 oder Samech trägt die Bezeichnung „Schlange“ und wird im Alten Wissen als Bedrohung für die 50 verstanden. Mit Samech sind alle Faktoren im Leben des Menschen beschrieben, die seine Ruhe und Harmonie stören und ihn zum Kampf herausfordern. Auseinandersetzungen mit den Widrigkeiten des Lebens halten den Menschen in Bewegung und führen ihn seinem Ziel entgegen, das 60 mit 30 + 30 erklärt. 60 macht mit 2 x 30 den 2-fachen Charakter von 3 x 10 deutlich und mit 6 x 10 die Verbindung beider Versionen durch den Menschen, der anstehende Herausforderungen zum Anlass nimmt, um Zusammenhänge zu erfassen.
70 oder Ajin ist 7 x 10, das Hineingestellt-Sein des Menschen in die bunte Vielfalt des Lebens. Die Welt der 7 und das menschliche Bewusstsein bedingen sich gegenseitig, denn würde man sie nicht wahrnehmen, würde diese Welt nicht existieren. Deshalb bedeutet Ajin „Auge“ und gleichzeitig „Brunnen“ oder „Quelle“. Das Leben in Zeit und Raum entstammt in jedem Moment dem Absoluten und wird erfahrbar durch den Menschen. Dieser Zusammenhang zwischen der menschlichen 10 und der Welt der 7 bleibt so lange unentdeckt, bis das „Auge“ die „Quelle“ allmählich wahrnimmt und ein-sieht, dass hier eine Wechselwirkung besteht.
80 oder Peh trägt die Bezeichnung „Mund“. Das Alte Wissen sagt dazu: „Nachdem das Auge wahrgenommen hat, kommt das Wort, und der Mensch fängt an mit Gott zu sprechen.“ 80 betont als 2 x 40 die Bedeutung des „Wortes“ für das Leben des Menschen im dualen Zeitlichen. Das Gespräch zwischen Dies- und Jenseits öffnet die Tür zum bewussten Erfahren einer anderen Welt. Als Summe aus 40 + 40 stellt sie dem linearen Zeitlichen das Zeitlose gegenüber und kann als bewusste 10 x 8 die Fragen beantworten, vor die eine irdische Existenz stellt.
90 oder Zade bedeutet „Angelhaken“, mit ihm wird der Fisch aus dem Wasser gezogen, d. h. der Mensch (50) aus der Zeit (40). 90 macht das Potenzial der 9 im Bewusstsein der 10 lebendig, und diese 9 x 10 ist eine sehr intensive Erfahrung. Der „Fisch“ meint zu sterben, wird dadurch aber zur „Amphibie“, die im Wasser und auch außerhalb leben kann. Der Mensch glaubt am Ende zu sein, aber er verdurstet nicht, ertrinkt aber auch nicht mehr in der Flut der Zeit, sondern betritt einen neuen, unbekannten Lebensraum.
Mit der 90 endet diese zweite Ebene der hebräischen Schriftzeichen; in ihr wurden die in den Grundzahlen angelegten Prinzipien durch den Menschen lebendig. Eine nächste Ebene für die Erfahrungen des menschlichen Bewusstseins tut sich auf.
100 oder Kof trägt die Bezeichnung „Nadelöhr“ und will damit sagen: Der Zugang von der einen zur anderen Seite ist ganz klein, der Mensch kann sich gar nicht vorstellen, dass er ihn auf diese Weise findet. 100 ist die Geburt des Menschen in eine neue Weltsicht hinein, die von selbst geschieht durch sein Angezogen-Werden von der anderen Seite. Wenn die „Wehen“ der 9 aus 3 x 1+2 stark genug geworden sind, lässt die „Gebärmutter“ die „Frucht des Leibes“ zur Welt kommen, die 3 x 2+1 wird im menschlichen Bewusstsein Realität. Diese 9 x 10 ist die Phase, in der die 50 aus der 40 herausgezogen wird und sich selbst als 40 + 10 wahrnimmt. Mit dieser in sich selbst erkannten 10 kombiniert sich die 90 zu 100.
Dasselbe Geschehen schildert das Bild vom „Kamel“, das durchs „Nadelöhr“ geht. Das Kamel ist die Gimmel, die 3, deren Impulse mit 3 x 3 ein Maximum erreichen und dazu führen, dass die 10 durch das Nadelöhr der 100 geschoben wird. Auf der anderen Seite des Nadelöhrs erkennt die 10 sich selbst als ihren eigenen jenseitigen Aspekt; 100 ist diese Anerkennung von 10 x 10.
200 oder Resch steht als Schriftzeichen auf einer sehr kleinen Basis, hat den Schwerpunkt weit oben und bringt damit zum Ausdruck, welchen Bezug der Mensch als 2 x 100 zum Dies- und Jenseits hat. Resch bedeutet „Kopf des Menschen“ und beschreibt gemeinsam mit dem Schriftbild ein Denken, das auch in seiner Sinneswahrnehmung „von oben“ geleitet wird. In diesem Bewusstsein wird das Zusammenwirken beider Seiten erfasst und es sieht sich als 10 in der Dualität gelenkt vom Absoluten in Form seines jenseitigen Anteils: 10 x 2 x 10 = 200.
300 oder Schin/Sin heißt „Zahn“ und symbolisiert Nahrung als Begriff für alles, was der Mensch durch seine Sinne in sich aufnimmt. Das Alte Wissen sagt: „Begegnung ist auf der Ebene der geistigen Erfahrung das, was Essen im Bereich des Leiblichen ist.“ Der Mensch im Aspekt der 300 achtet darauf, was er in sein Leben nimmt und wie er damit umgeht. Er „kaut“ jede Erfahrung gründlich, „schmeckt“ ihren Wert, „spuckt aus“, was für ihn unverträglich ist und „schluckt“, was ihn nährt. Nahrhaft ist für sein Bewusstsein das Erkennen von Zusammenhängen, von subtilen Hinweisen für seine eigene Existenz. Mit der Erfahrung der 100 fasst er die Impulse der 3 aus 1 + 2 als Anregungen auf, um dadurch die 3 aus 2 + 1 zu realisieren.
400 oder Taw hat die Bedeutung von „Zeichen“. Die 400 ist im Alten Wissen der Ausdruck für ein Maximum im Materiellen und als letztes Schriftzeichen Gegenpol zur Aleph, der 1, dem zeitlosen Absoluten. 400 definiert die äußerste Grenze von Zeit und Raum und steht damit der 1, der Einheit, gegenüber. Die Taw kennzeichnet als 10 x 40 ein Bewusstsein, das hineingestellt ist in einen unfassbar großen Zeitraum. Wie ein uferloses Meer nimmt der Mensch diese Existenz wahr, er kann keinen Ausgangspunkt und kein Ziel erfassen, lediglich Geburt und Tod als Begrenzung.
Die ursprüngliche Hieroglyphe für 400 ist ein Kreuz. Dieses Urbild versinnbildlicht Opfer und Leiden in der irdischen Existenz. 400 ist die Zahl der materiellen Welt in Zeit und Raum, in der das Dasein sich erfährt im Wechsel von Gegensätzen und in ständiger Bedrohung durch den physischen Tod. Der Mensch erlebt sich endlos hin und her gerissen zwischen der Polarität von gut und böse in all ihren Varianten. Oft fühlt er sich verloren in einer Existenz, in der Glück und Freude nur von kurzer Dauer sind und immer wieder umschlagen in Mühe und Sorge und sogar Ver-zwei-flung.
Wenn Taw den Namen „Zeichen“ trägt, dann ist damit auch gemeint, dass dieses scheinbar nicht enden wollende Wechselbad der Gefühle ein Zeichen dieser Welt der Zweiheit ist. Denn hier ist immer Widerspruch da, Kampf und Gegensätzliches, das einander ausschließt.
Sobald die Sichtweise sich verändert, wenn scheinbar Gegenteiliges als die 2 Seiten ein und derselben Sache erkannt werden, hört dieser Kampf auf. Widersprüchliche Ansichten stehen einander dann gleichberechtigt als mögliche Betrachtungsweisen gegenüber. Das bewusste Leben als 10 x 10 = 100 lässt Zeichen „von oben“ bzw. „von innen“ im eigenen Leben erkennen. Damit verbinden sich für diese 10 auch die Gegensätze von Dies- und Jenseits. Mit der Aufmerksamkeit für das wirkende Absolute im eigenen Alltag verliert das Zeitliche der materiellen Welt seine Dominanz. Die Wahrnehmung geht mit ihrer Aufmerksamkeit über die 400 hinaus und durchbricht eine scheinbar unüberwindliche Schranke. Das Alte Wissen sagt: „Der Mensch, den das Taw kennzeichnet, bleibt nicht in der Gefangenschaft der 400.“ Er kennt die verborgene Absicht der 400, das Erreichen der 1000.
Die Ausweglosigkeit ist also nur eine scheinbare und vorübergehende. Insgeheim weist die Taw auf eine neue Form der Einheit hin, über die Zahl 1000, einer 1 auf höherer Ebene. Die Ausrichtung auf diese 1000 ist in der 400 bereits vorgesehen als Summe aus 100 + 200 + 300 + 400. Die Zielsetzung einer 3. Ebene hebräischer Zeichen ist 1000, die Elef. Elef und Aleph, 1000 und 1 haben dasselbe Schriftzeichen.
In der 4 ist grundsätzlich bereits die 10 enthalten, denn 1 + 2 + 3 + 4 = 10; das Leben in der Materie ist auf die bewusste 10 ausgerichtet. Darauf zielt die 1. Ebene der Zahlen ab.
Dasselbe Prinzip kommt über 10 + 20 + 30 + 40 = 100 zum Ausdruck und zeigt, dass das Leben im Fluss der Zeit, dem Wasser der 40, ausgerichtet ist auf die Erfahrung der 100. Das entspricht der Zielsetzung einer 2. Ebene hebräischer Zeichen.
Die Zahlen 4, 40 und 400 in den Texten der Bibel sind in diesem Sinn gemeint und nicht als Zeit-, Zähl- oder Raummaß wörtlich zu nehmen. Sie stehen für das Leben im Irdischen, in Zeit und Raum. Die Sicht auf dieses Leben ändert sich durch die Erfahrung der 100.
Für ein Bewusstsein, das sich als 10 x 10 erfährt, bleibt die Realität nicht auf die materielle Welt der 4 x 100 begrenzt. Die Erfahrung der 100 ergänzt und verändert die Sicht auf das Leben in Materie, Zeit und Raum. 400 summiert sich mit 100 zu 500. Im Alten Wissen ist 500 die Zahl des Himmels, der Erlösung. Sie erlöst von der Begrenzung auf 400. 10 x 40, der Weg des Menschen durch die Zeit führt von selbst über 400 hinaus. 400 zielt auf 1000 ab und meint ein Dasein in der Dualität als 500, denn 2 x 500 = 1000. 500 ist ein Erfahrungsbereich, auf den der Menschen unbewusst zusteuert, um ihn schließlich bewusst zu erleben.
3. Kapitel: Zahlen als Informationsträger
Zahlen sind generell die erste Ebene, durch die ein immaterieller Prozess wahrnehmbar wird. In der theoretischen Wissenschaft der Physik und Mathematik ermöglichen Zahlen Einblicke in Zusammenhänge, die eigentlich für den Verstand hart an der Grenze des Erfassbaren liegen. Das Denken kommt an seine Grenzen; Zahlen und ihre Beziehungen zueinander beschreiben auch in der Wissenschaft eine Realität jenseits dieser Grenzen.
Das rein Geistige ist zu abstrakt, um den Sinnen irgendwie zugänglich zu sein, aber es lässt sich in Zahlen ausdrücken. Das gilt für die moderne Wissenschaft genauso wie für das Wesen des Menschen. Denn was ihn eigentlich ausmacht, entzieht sich den äußeren Sinnen und dem Verstand. Dieses eigentliche Ich ist subtil als Empfindung wahrnehmbar, kann aber nur sehr unzulänglich in Worte gekleidet und mitgeteilt werden.
Überhaupt ist die verbale Kommunikation eine Quelle der Missverständnisse. Das Gesagte ist immer geprägt durch die Denkweise des Sprechenden, das Gehörte gefärbt durch die individuelle Weltsicht und damit durch die persönliche Realität des Hörenden. Es bedarf einer präzisen, genau definierten Ausdrucksweise, um eine Information unmissverständlich übermitteln zu können. Für einfache, alltägliche Abläufe mag das noch in allgemein verständlichen Worten funktionieren. Um aber Inhalte wirklich unverfälscht 1 : 1 zu transportieren, dafür braucht es ganz spezifische Verständigungsmöglichkeiten. Jedes Fachgebiet der Wissenschaft verfügt deshalb über spezielles Vokabular, sei es Technik, Medizin, Physik, Psychologie usw. Das Mitteilungsvermögen bedient sich dann eines komplexen und sehr spezifischen Wortschatzes, der nur noch Experten zugänglich ist.
Präzise und effizient sind Aussagen in der Welt der Zahlen möglich. Als quantitative Informationsträger sind sie ein selbstverständlicher Teil des Lebens in allen Bereichen. Zahlen definieren im Alltag Mengen und Größenordnungen und in der Wissenschaft Zustände und Vorgänge im äußerlich Wahrnehmbaren, mögen sie auch noch so abstrakt sein im intellektuellen Sinn. In ihrer quantitativen Funktion beschreiben Zahlen eine äußere Wirklichkeit, in ihrer qualitativen Aussage eine innere Realität.
Diese qualitative Komponente gibt Einblick in hintergründige Abläufe und in eine der physischen Realität zugrunde liegende Ordnung. Zahlen definieren die Grundstrukturen dieser Ordnung und lassen konkrete Muster erkennen; erst die Auswirkungen dieser Ordnung sind dann mit den Sinnen wahrnehmbar. Zahlen informieren in ihrer qualitativen Funktion über einen hintergründigen abstrakten Bereich, der als Basis für das physische und psychische Erleben existiert.
Beide Bereiche, die erfassbare und die verursachende Wirklichkeit, stehen miteinander in ständiger Wechselbeziehung. In der Existenz jedes Menschen drückt sich dieses beidseitige Leben aus, bringt sich aber sehr individuell in die Wahrnehmung und ist mit Worten kaum objektiv zu erfassen. Zahlen konkretisieren Grundprinzipien, auf denen diese sehr persönlichen Eindrücke basieren. Sie ermöglichen damit den Zugang zum kognitiven Erfassen eines verborgenen Wirkenden, das sich auf diese Weise allmählich erschließt. Durch ihre qualitative Aussage geben Zahlen Einblick in bestehende Vernetzungen und Potenziale und holen sie ins Licht des Bewusstseins.
Zahlen als Ausdruck des Absoluten sind wesentlich vielschichtiger und facettenreicher als in ihrer gewohnten quantitativen Verwendung. Als Ausdruck des geistigen Prinzips unterliegen sie anderen Regeln. Die Ordnung, für die sie stehen, trägt eine Komplexität in sich, die das gewohnte Gesetzmäßige bei weitem übersteigt. Diese Ordnung ist einfach und vielfältig zugleich und dabei frei von Widersprüchen.
Wenn ein und derselbe Zusammenhang durch verschiedene Zahlen oder Zahlenkombinationen Ausdruck findet, so liegt dem keine willkürliche Interpretation zugrunde, sondern lässt eine ungeheure Effizienz und Präzision erkennen, zu der das menschliche Bewusstsein diverse Zugänge finden kann, um den Kern der Aussagen zu erfassen. Jeder, der sich mit Zahlen auf diese Weise eingehend beschäftigt, wird weitere Zusammenhänge entdecken und tiefere Einblicke gewinnen.
In ihrer informativen Aussage schließen Zahlen einander auch nicht gegenseitig aus. Im Quantitativen kann etwas nicht zugleich 20 und 1000 sein oder 26 und 50. Im Qualitativen ist das sehr wohl möglich, weil alternative Betrachtungsweisen ein und desselben einander ergänzen.
Zahlen umfassen in ihrer absoluten Qualität ein breites Spektrum. Man könnte auch sagen, sie sind multidimensional und deshalb aus einem 3-dimensional geprägten Verständnis heraus, das sich auf eine lineare Reihenfolge und Wertigkeit von Zahlen fokussiert, nicht so einfach zu durchschauen. Außerdem gehen sie untereinander in ihrer Wechselwirkung komplexe, kreative und schwer definierbare Verbindungen ein. Die vertraute Denkweise wird damit vor eine Herausforderung gestellt. Der Verstand tendiert überhaupt dazu, darin eine willkürliche Interpretation von zufällig sich ergebenden Ziffern zu sehen.
Ein Hineinspüren, ein Sich-Einlassen auf eine Ebene der Empfindung ist die Voraussetzung für ein Wahrhaben und Akzeptieren dieser ungewohnten Perspektive. Das Wissen, das Zahlen qualitativ anbieten, kommt aus dem Bereich, den sie beschreiben, und es ist daher nicht nur legitim, sondern durchaus logisch, dieser Ebene intuitiv zu begegnen und dabei spontanen, kreativen Gedanken zu folgen. Einsichten, die sich auf diese Weise erschließen, entstammen nicht dem logischen Verstand, durch ihn lassen sie sich nur erfassen, einfangen sozusagen. Inspiration und Intuition sind direkte Äußerungen des Absoluten.
Diese Einsichten unterscheiden sich von spekulativen Interpretationen und von Zahlenmagie in ihren unterschiedlichsten Facetten. Äußerlich ist ein Auseinanderhalten von Wahrheit und Irrtum manchmal schwierig. Ein Anhaltspunkt kann sein, dass sich bei aller Komplexität eine gewisse verbindende Ordnung erkennen lässt, ein Zusteuern auf einen gemeinsamen Punkt.
Ein weiteres Kriterium ist die Motivation, die darauf ausgerichtet ist, das Leben zu verstehen und Zahlen nicht manipulativ zu benutzen, um das physische oder psychische Wohlergehen zu verbessern. Der Maßstab für richtig oder falsch kann aber nicht im Äußeren, in gewohnten Regeln oder Gesetzmäßigkeiten gefunden werden. Denn die Zahlen in ihrer qualitativen Funktion überschreiten gerade diesen vertrauten Bereich und erschließen einen neuen, gänzlich unbekannten.
Die eigene Intuition, das eigene Spüren und innere Empfinden von richtig oder falsch ist der einzig zielführende Wegweiser sowohl durch das Dickicht des Lebens als auch der Zahlen. Diese individuelle Führungskraft wird im Leben geschult durch Versuch und Irrtum, und zwar so lange, bis der Mensch eindeutig gelernt hat zu unterscheiden zwischen einem inneren „Ja“ und einem inneren „Nein“. Einem lauten „Ja“ wird er dann unbedingt folgen, es ist begleitet von Begeisterung und Freude. Im Zweifelsfall wird einmal mehr oder weniger vorsichtig „gekostet“ und vielleicht wieder „ausgespuckt“ oder dann doch mit Vergnügen „gegessen“, weil es erstaunlich gut „schmeckt“. Bei vielem weiß man aber von vornherein, dass man keinen „Appetit“ darauf hat.
Wer also keinen Appetit darauf hat, sich auf diese Art mit Zahlen zu beschäftigen, wird es sein lassen. Wer es probieren will, weil es ihn eben anspricht oder zumindest Neugier weckt, wird auch ein Gespür für diese Zusammenhänge entwickeln.
Beim Erlernen einer Fremdsprache sind Grundregeln der Grammatik und das Lernen von Vokabeln Voraussetzung für eine erste Anwendung. Ein wirkliches Beherrschen der Sprache verlangt zusätzlich die Entwicklung eines Sprachgefühls, das sich erst durch Übung einstellt. Das gilt auch für die Sprache der Zahlen.
Die hier erläuterten Grundbegriffe geben einen ersten Einblick, den der Verstand nachvollziehen kann. Die Information über die Existenz dieser Sprache und ihre wichtigsten Aussagen bilden eine Basis. Ein wirkliches Verstehen und eine eigenständige Auseinandersetzung damit erfordern Interesse. Ein persönliches intuitives Spüren für diese Zusammenhänge entwickelt sich bei allen Menschen, denen es ein Bedürfnis ist, sich mit dieser Sprache zu beschäftigen.
Die Besonderheit von 1–2–3
In der Reihe der Zahlen nehmen 1, 2 und 3 eine Sonderstellung ein. Sie bilden die Basis für alle weiteren Zahlen und bringen gleichzeitig das Prinzip der Schöpfung zum Ausdruck:
1 steht für die Einheit, das Absolute, das Jenseitige
2 steht für das Leben der 1 in der Welt der Dualität
3 steht für die Verbindung zwischen 1 und 2
Im Alten Wissen wird berichtet, dass aus der Einheit die Schöpfung hervorging, um das 1-Werden und 1-Sein durch den Menschen erlebbar zu machen. Die Einheit schuf sich mit dem Menschen ein Gegenüber, um diese Erfahrung zu ermöglichen. Der Mensch sucht das 1-Sein und hofft auf ein 1-Werden mit anderen Menschen. Er sucht Freundschaft, Liebe, Verbindung. Ebenso ist es ihm wichtig, seine Gefühle zu teilen, seine Erlebnisse mitzuteilen, andere teilhaben zu lassen an der eigenen Freude und dem eigenen Glück. Der Mensch trägt in sich das grundlegende Bedürfnis, Einheit zu spüren.
Aber das Glück und die Freude in der Welt der Dualität sind nicht dauerhaft. Es ist nicht der Sinn der 2, sich in einer Art Selbstgenügsamkeit unmittelbar wieder zur 1 zu vereinen. Das Leben in der 2-heit ist bestimmt durch einen ständig wechselnden Rhythmus und schon die Grundlagen des Lebens zeigen ihn: auf Einatmen folgt Ausatmen, auf Einschlafen folgt Aufwachen, auf Tag folgt Nacht und ebenso wechseln Freude und Leid, Glück und Unglück. Immer ist die eine Seite da unter Ausschluss der anderen. Es ist immer nur einer der Pole erlebbar. Die Dualität lässt sich nicht direkt zu einer Einheit verbinden, denn die gegensätzlichen Pole schließen einander aus. Würden sie es nicht tun, dann würde diese Welt gar nicht existieren. Wenn sich die 1 teilte in die 2 und die 2 unmittelbar wieder zurückfände zur 1, gäbe es kein 2 x 2 = 4 als Basis für die Vielheit des materiellen Lebens auf der Erde.
Der Mensch ist unterwegs und begegnet einer widersprüchlichen Welt der Gegensätze, die ihn veranlasst, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen. Das Gegensätzliche will zusammenfinden zu einer verbindenden Antwort. Aber in der Vielheit der 2 lässt sich keine endgültige Antwort finden, dort ist die Einheit immer nur für eine gewisse Zeit erlebbar, verliert sich dann wieder und schlägt ins Gegenteil um. Das ist die Spannung zwischen 1 und 2, die den Impuls gibt für Bewegung, zu einem Unterwegs-Sein mit dem Ziel, die Einheit wirklich und endgültig zu erfahren. Angelegt ist dieses Ziel in der 3, sie ist die erste Zahl, in der sich das Gegensätzliche von 1 und 2 verbindet. Aber auch jede weitere ungerade Zahl ist in diesem Sinn zu verstehen.
Prinzipiell wird jede gerade Zahl der 2 zugeordnet, der erscheinenden Welt der Dualität und damit dem Weiblichen. Ungerade Zahlen sind eine Entsprechung für das Absolute, das Geistige und in diesem Sinn männlich. Jede gerade und damit weibliche Zahl mit 1 addiert führt zu einem ungeraden, männlichen Ergebnis. Damit kommt durch die Zahlen ganz einfach und nachvollziehbar ein Grundprinzip zum Ausdruck: Alles physisch Erscheinende, in Verbindung gebracht mit der 1, führt zu einer Antwort. Diese Antwort ist etwas Neues, das ebenfalls männlich ist und damit dem Absoluten entspricht. Die tierische und menschliche Fortpflanzung folgt demselben Prinzip: Aus der Verbindung von Männlichem und Weiblichem entsteht ein gemeinsames Kind.
2 und 1, gerade und ungerade, sind im weitesten Sinn zu verstehen. Die 1 ist prinzipiell jeder Gedanke, der zu einer Antwort führt, indem er in die Tat umgesetzt wird. Jedes Handeln setzt sich zusammen aus einem mentalen und einem physischen Aspekt, aus 1 + 2, und führt zu einem Ergebnis, zu einer 3. Diese 3 und mit ihr jede weitere ungerade Zahl trägt eine Spannung in sich, die wieder zu Aktivität auffordert und zu neuem Denken anregt. Sie findet Ausgleich durch eine Idee, eine Erfahrung, eine Einsicht oder ein beruhigendes Erlebnis. Der geistige Input, die 1, kann viele Formen haben. Die bestehende Spannung wird dadurch aufgelöst und führt zu einem Ausgleich, den die fortlaufende Zahlenreihe als gerade Zahl darstellt.
Jede gerade Zahl ist ein Vielfaches der 2 und damit Ausdruck der Polarität. Die Spannung innerhalb der ungeraden Zahl ist durch die gerade Zahl vorerst ausgeglichen, baut sich nun aber wieder auf durch die Gegensätze der Pole innerhalb der geraden Zahl. Auf diese Weise stellt die fortlaufende Zahlenreihe dar, was die menschliche Lebenserfahrung bestätigt, nämlich einen kontinuierlichen Wechsel zwischen Unruhe und Ruhe, Frage und Antwort, Problem und Lösung. Die Zahlenreihe ist endlos und ebenso endlos scheint dieser Wechsel, der durch die Doppelfunktion der 3 in Bewegung gehalten wird. Die 3 ist Antrieb und Ziel, und das ein ganzes Leben lang.
Es ist das Prinzip der Dualität, den Ausgleich zu suchen und die Einheit anzustreben, die Verbindung mit der 1. In der fortlaufenden Zahlenfolge wechseln sich gerade und ungerade Zahlen ab und zeigen als Folge bereits wieder diese Dualität, die auf Antwort wartet. Ohne Antwort ist die Folge endlos, es ist innerhalb der Welt der 400 kein Ende abzusehen, keine endgültige Antwort zu erwarten. Jeder Zahl folgt eine nächstgrößere. Jede Antwort trägt die 1 in sich, aber eine endgültige Antwort kann in der Vielheit der 400 nicht gefunden werden.
Es ist eine Umkehr not-wendig hin zum Ein-fachen.
Subtraktion ist die Umkehr der Addition. Jede gerade Zahl minus 1 ergibt ebenfalls eine ungerade Zahl und diese Zahlenfolge verliert sich nicht in einer unendlichen Vielheit, sondern endet mit der 1, sie hat als klares Ziel die ursprüngliche 1 als letztgültige Antwort.
Prinzipiell ist jede ungerade Zahl eine Antwort auf die Fragen und Widersprüchlichkeiten des Daseins. Jede gerade Zahl, jede Dualität, um 1 reduziert oder um 1 vergrößert, führt ans Ziel. Die Addition ist der Weg hinaus in die Welt, in die Vielfalt des Lebens. Auf diesem Weg addiert sich die 1 automatisch, es ist eine Reihenfolge vorgegeben, der unbewusst gefolgt wird, weil gar keine andere Möglichkeit gesehen wird und vorhanden ist. Viele Antworten finden sich unterwegs und doch ist keine wirklich befriedigend. In der +1 lebt die Einheit unerkannt.
Für die Umkehr ist Wachheit notwendig, ein bewusstes Erkennen der 1 in den Erscheinungen der 2. Die Entdeckung dieses Absoluten ist möglich durch ein aufmerksames Erfassen feiner Hinweise, die im eigenen Leben auftauchen. In jeder geraden Zahl, in allem Sicht- und Erlebbaren ist die 1 als Hintergründiges, Absolutes existent. Diese Wahrnehmung lässt sich ausdrücken durch Subtraktion, denn es wird erkannt, dass die 1 in allem enthalten ist. In der -1 wird die Einheit erfassbar.
Diese Einheit reduziert sich nicht auf die Zahl 1. Ebenso wie die 1 in jeder anderen Zahl enthalten ist, existiert auch die Einheit in allem, was aus ihr hervorgegangen ist. Die 1 findet Ausdruck über die 2 und ihre Vielfachen. Sie existiert in der 1 genauso wie in 400, der Zahl der extremen Vielheit. Denn die 400 ist das Gegenüber der 1, ihr eigener gegen-teiliger Ausdruck. Im wörtlichen Sinne von Gegen-teil ist die 400 jener Teil der 1, den sie sich geschaffen hat, um ein Gegenüber zu haben, das sie aber grundsätzlich selbst ist.
Daher sind Addition und Subtraktion in diesem Sinn kein Widerspruch. Sie sind lediglich entgegengesetzte Richtungen auf einem not-wendigen Weg. Das Hinausgehen in die Welt der 400 bis an deren äußerste Grenze ist genauso sinnvoll wie das Umkehren. Beides ist Teil dieses Weges, das eine bedingt das andere. Da gibt es keine Schuld, keine Fehler, keine Schritte, die man besser nicht gemacht hätte. Jeder Schritt hat seine Berechtigung und ist genau so gewollt von jener Seite im Menschen, die zu erkennen er unterwegs ist. Der Mensch ist unterwegs, um zu verstehen, dass das Leben aus Gegensätzen besteht, die in ihrer gegenseitigen Anerkennung zu einer Antwort führen. Jeder Schritt ist motiviert durch 1 + 2 = 3 und führt in die Richtung von 2 + 1 = 3. Die eine 3 ist so lange unbewusster Antrieb, bis die andere 3 eine ultimative Antwort gibt.
Die Welt der 2 x 2 = 4 ist dazu da, dass Widersprüchliches sich begegnet in allen nur möglichen Varianten. Aber der Grund für die Existenz der 2 ist nicht diese 2, sie reduziert sich nicht auf den Selbstzweck. Ihr Ziel ist die 3 als Summe von 2 und 1 und gemeinsam bilden sie etwas Neues.
Das Schriftbild der 1, die Aleph, ist die Abbildung eines Grundsatzes, der dieser Welt der 2 zugrunde liegt. Die Aleph zeigt, dass in der 1 bereits als Prinzip vorhanden ist, was über die 2 in Erscheinung tritt. Sie trägt in sich das Konstruktionsmuster für die Dualität und bringt damit zum Ausdruck, dass in der 1 bereits alles vorliegt, was über die 2 erfahrbare Realität wird. Die materielle Existenz ist die Umsetzung von abstrakten Prinzipien.
Die Grundidee der 2 ist in der 1 als abstraktes Prinzip angelegt. In der 2 x 2 = 4, in der Welt der Materie, wird dieses Prinzip erfahrbar. Die 2 als Grundidee begegnet sich selbst als gelebte Praxis in einer Welt der Materie, die von Dualität bestimmt ist. Die Selbstbegegnung einer Zahl veranschaulicht die Umsetzung eines abstrakten Prinzips in die Praxis. Das gilt grundsätzlich für jede Zahl, die auf die 2 folgt. Damit zeigt sich, dass Materie und physisches Leben auf Gesetzmäßigkeiten basieren, die in der 1 bereits vorbereitet sind.
Diese Gesetzmäßigkeiten entfalten sich von selbst und bringen sich zum Ausdruck in einer immensen Vielfalt, die das irdische Dasein in jeder Hinsicht prägt. Mit der Welt der 400 ist diese Vielfalt in ihrer gesamten Komplexität gemeint. Über die Grenzen der 400 hinauszugehen bedeutet, Einsicht zu gewinnen in deren hintergründige Gesetzmäßigkeiten.
Die Selbstbegegnung von 2 x 2 geschieht in einem 3-dimensionalen Raum, in dem der Mensch als bewusstes Wesen existiert und ausgerichtet ist auf Selbst-Erkenntnis. 10 x 10 ist Ausdruck dieser Selbst-Erkenntnis und als Prinzip bereits in der Aleph sichtbar. Im Bewusstsein bleibt der Mensch 2-dimensional, solange Prinzipien für ihn unerkannt bleiben. Eine Grundidee als solche zu erfassen, verlangt eine zusätzliche Dimension im Denken und Wahrhaben. Sie hebt den Menschen in eine Position des Überblicks und gewährt ihm einen Blick auf Zusammenhänge, in die er bisher unbewusst eingebunden war. Sein Denken wird mit dieser neuen Perspektive 3-dimensional und erreicht in der 3-dimensionalen Welt ein Maximum.
2 wird zu 3, sobald der Mensch erfasst, dass 2 nur in die Entfaltung bringt, was 1 als Anlage zur Verfügung stellt. 2 + 1 = 3 ist die ultimative Antwort auf alle Fragen, die 1 + 2 = 3 stellt. Jede Zahl für sich zeigt diese Antwort als Kubikzahl. Aus 2 x 2 = 4 wird 2 x 2 x 2 = 8 und bringt eine veränderte Sichtweise auf alles Materielle zum Ausdruck. Der Mensch, der sich selbst als Umsetzung der Grundidee 10 x 10 wahrnimmt, fügt diesem Prinzip eine weitere 10 hinzu und komplettiert es zu 10 x 10 x 10 = 1000.
Die Zahl 3 erscheint in der christlichen Terminologie in Zusammenhang mit der Dreifaltigkeit Gottes. Diese Dreifaltigkeit beschreibt als Variante von 1 + 2 = 3, worauf das Leben des Menschen hinausläuft: Gott Vater – 1 – sendet seinen Sohn – 2 – auf die Erde und die Verbindung zwischen Dies- und Jenseits, zwischen 2 + 1, stellt der Heilige Geist – 3 – dar. Sein Symbol ist die weiße Taube: Die weiße Farbe vereint alle anderen Farben in sich, ebenso wie 1 in allen Zahlen und alle Zahlen in 1 enthalten sind; die Taube fliegt mit einer Nachricht hinaus in die Welt und kehrt verlässlich wieder in ihre Heimat zurück.
Lange Zeit, die Überlieferung symbolisiert sie mit 400 Jahren, wirkt der Heilige Geist unerkannt im Leben des Menschen. Zu Pfingsten, am 50. Tag, wenn der Mensch sich als 10 in der Welt der 40 erkennt, nimmt er dieses Wirken des Heiligen Geistes im eigenen Leben bewusst wahr. Im Irdischen das Wirken von etwas Geistigem zu erkennen ist heil-ig, es macht den Menschen heil.
Diese Art von Heilen ist auch gemeint, wenn im Neuen Testament von den Heilungen durch Jesus die Rede ist. Sie haben nichts zu tun mit magischen Techniken, die Jenseitiges für das Diesseitige benutzen wollen. Damit wird Gott vertrieben, wie das Alte Wissen sagt, und es versteht die Heilungen durch Jesus als äußere Bilder für ein inneres Geschehen.
Jesus hat als Mensch die 3 verkörpert, er hat in der Welt der Dualität gelebt und sich als Sohn Gottes bezeichnet, er war sich seiner Existenz als 2 und gleichzeitig als 1 bewusst. Der Glaube an diese Verbindung von 2 + 1 in menschlicher Gestalt, personifiziert durch Jesus, bringt ein Heil-Sein im Sinne von Ganz-Werden. Die 3 symbolisiert dieses Ganz-Werden. Es ist damit ein Erlöst-Werden gemeint von einem Denken und Wahrhaben, das auf die begrenzte und widersprüchliche Welt der Dualität reduziert ist. Die 3 geht über diese 2 hinaus und verbindet sie mit der 1. Das hebräische „choleh“ bedeutet „krank“, und „chol“ wird übersetzt mit „normal, allgemein“. Das Alte Wissen sieht eine Verbindung zwischen dem Begriff „krank“ und der „normalen“ Welt der 2; diese Welt wird „heil“ durch die Verbindung mit der 1, dem Absoluten.
Der Sohn als „Heil-and“ weiß, dass er als 3 die menschliche 2 verkörpert und gleichzeitig die 1 mit dem Vater gemeinsam hat. Die Bibel zitiert ihn mit den Worten „ich und der Vater sind eins“. Dieser Sohn weiß, die 1 des Vaters ist viel größer als er selbst, aber er als 10 ist Teil davon. Sein Bewusstsein erfasst, was die 1 über das Schriftbild der Aleph zeigt: Die 10 ist in der 1 enthalten. Es nimmt wahr, als menschliche 10 der 1 zu gleichen und ein Teil davon zu sein. Die biblische Schöpfungsgeschichte lässt wissen, dass der Mensch im Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde und der Sohn Gottes ist sich dessen bewusst. Die Grundlage seiner Existenz ist das Wissen: Ich und der Vater sind 1, ohne ihn kann ich nichts tun. Er tut durch mich.
Dieser Heiland erlöst die Welt der 2, indem er sie immer wieder und unermüdlich auf die 1 verweist. Er weiß, das Leiden in dieser Welt der Dualität findet sein Ende, wenn die Sichtweise stirbt, die sich auf diese Welt des Kreuzes, der 400, reduziert. Dann geht die 2 über ihre bisherigen Grenzen hinaus und verbindet sich mit 1 zu 3.
Diese 3 hat ihre Entsprechung in der Bezeichnung als Heiliger Geist und ist zugleich das Prinzip der Auferstehung. Für die Verbindung von Himmel und Erde gibt es in den Heiligen Schriften verschiedene Darstellungen, die ein und dasselbe Geschehen beschreiben und das auch in der einfachen Formel 2 + 1 = 3 zum Ausdruck kommt. Solche Bilder und Erzählungen schildern nicht so sehr historische Ereignisse, sondern in erster Linie einen Prozess in jedem einzelnen menschlichen Bewusstsein.
Aus der Perspektive von Zahlen stellen sich Begriffe der Bibel in einem ganz neuen Zusammenhang dar. Sie werfen einen ungewohnten Blick auf Erzählungen und Gleichnisse und eröffnen dem Verstehen einen bisher verschlossenen Raum. Altes und Neues Testament können auf dieser Basis als Beschreibungen des menschlichen Lebens verstanden werden. Religiöse Begriffe werden damit nicht mehr nur ins Außen projiziert, auf lange zurückliegende Ereignisse in alten Zeiten und vergangenen Kulturen. Das Bild eines fernen Gottes irgendwo im Himmel oder die Vorstellung von helfenden geistigen Wesen finden allmählich auch im eigenen Ich ihre Entsprechung.
Religiöse Begriffe sind mit traditionellen Vorstellungen verbunden, die sich über Generationen und Jahrhunderte tief eingeprägt haben. Sie bilden für den gläubigen Menschen eine unerschütterliche Basis. Auf einem ebenso soliden Fundament steht auf der anderen Seite die Weltanschauung des wissenschaftlichen Denkers, dessen Erkenntnisse ausschließlich auf rationaler Logik und empirischer Nachvollziehbarkeit beruhen. Für den Wissenschaftler stellt es eine Provokation dar, dass Zahlen auch eine qualitative Aussagekraft besitzen sollen. Ebenso ist es für den Gläubigen ein Sakrileg, religiöse Inhalte auf die qualitative Aussage von Zahlen zu komprimieren.
Beide Standpunkte sind nachvollziehbar. Und beide Standpunkte bilden ab, wie die Wahrnehmung innerhalb der Dualität funktioniert, nämlich in polaren Extremen. Die Sprache der Zahlen, die beide gleichermaßen herausfordert, ist eigentlich das große „und“, das beide verbindet.
Glaubenssymbole in direkten Zusammenhang mit dem eigenen menschlichen Sein zu bringen, mag ketzerisch, überheblich oder pathetisch klingen. Aber eigentlich beschreiben die Begriffe der christlichen Terminologie Bewusstseinsphasen und es ist legitim, diesen Bezeichnungen ihren Pathos zu nehmen, die Distanz zu ihnen zu überwinden und sie ins Leben zu holen. Das ist sehr ungewohnt und lange Zeit scheut sich der Mensch davor, diese Hemmschwelle zu übertreten. Sie baut sich auf aus tief eingeprägten religiösen und persönlichen Denkmustern. Früher oder später ist dieser entscheidende Schritt aber für jeden möglich.
Denn in jedem Menschen lebt der Sinn seiner Existenz und die Zahlen zeigen diesen Sinn in einer einfachen Formel: 1 + 2 + 3 = 6. Die gemeinsame Absicht von 1, 2 und 3 ist die verbindende 6. Wer, wenn nicht der Mensch, könnte diese Verbindung darstellen zwischen Gott und der Welt, zwischen Dies- und Jenseits, zwischen Zeitlichem und Absolutem. Der Sinn des menschlichen Bewusstseins und damit seine Aufgabe ist es, sich zu entwickeln, Zusammenhänge einzusehen und dadurch Verbindungen zu erkennen. Die Entwicklung des Menschen zielt ab auf die Erkenntnis, selbst diese verbindende 6 zu sein, der lebende „Haken“, der alles Gegensätzliche wieder bewusst zu einer neuen Ganzheit zusammenfügt.
Die Absicht und das Ziel jeder einzelnen 6 ist 21, denn 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 = 21. Diese Zahl ist als 2–1 direkter Ausdruck für die Rückverbindung der Dualität zur Einheit und zeigt auch über die Ziffernsumme 3 den Kern ihrer Aussage. 21 ist eine 10 + 10 mit Bezug zur 1 und als 2–1 die Umkehrung von 1–2, dem Beginn der Vielheit. Der Mensch als 20 mit Bezug zur 1 beschäftigt sich bewusst mit diesen Zusammenhängen, setzt sich gedanklich damit auseinander und beobachtet, dass sein eigenes persönliches Erleben und Tun direkten Bezug hat zum Bereich des Absoluten. Er setzt in Form von Aktivität und Kreativität Impulse um, die er als Intuition aus diesem Bereich kommend erkennt.
Die natürlichen Zahlen bilden ihre Reihenfolge durch die kontinuierliche Addition von +1 und sind in Summe immer auf die 3 ausgerichtet. Optisch kommt dieses qualitative Prinzip zum Ausdruck, indem alle natürlichen Zahlenreihen, beginnend bei 1 bis zu jeder beliebigen Zahl, sich immer zu „Dreieckszahlen“ addieren. Dieser mathematische Begriff leitet sich von der Anzahl der Steine ab, die man zum Legen eines gleichseitigen Dreiecks benötigt.
Aus 1 + 2 + 3 = 6 Steinen lässt sich ein Dreieck bilden mit 3 Steinen an jeder Seite, aus 1 + 2 + 3 + 4 = 10 Steinen ein Dreieck mit jeweils 4 seitlichen Steinen. Dieses Phänomen setzt sich beliebig fort. Immer definiert die größte addierte Zahl auch die Seitenlänge des Dreiecks und stellt über diese einfache geometrische Form das Feld vor Augen, das die Zahlen gemeinsam bilden; es ist immer geprägt durch die 3 und beinhaltet sowohl alle Teile des Ganzen als auch deren gemeinsame Summe.
Dreieckszahlen weisen einige mathematische Besonderheiten auf. Aus qualitativer Sicht bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, dass jede natürliche Zahl sich als Summe von höchstens 3 Dreieckszahlen darstellen lässt, wie der Mathematiker Friedrich Gauß feststellte. Von ihm stammt auch die Formel zur Berechnung dieser Zahlenreihen: n x (n+1), das Ergebnis geteilt durch 2. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel die Summe von 6 mit allen Zahlen, die ihr vorausgehen, berechnen: 6 x 7 = 42 : 2 = 21.
Die Summe der Kehrwerte aller Dreieckszahlen ist 2; dieses mathematische Phänomen betont das qualitative Verhältnis zwischen 2 und 3, deren gegenseitiger und einander bedingender Bezug sich konträr und einander ausschließend in die Wahrnehmung bringt.
Das 1–4-Prinzip
Nach dem Alten Wissen informiert dieses Prinzip über eine grundlegende Ordnung, die sich sowohl in Zahlen ausdrückt als auch äußerlich wahrnehmbar ist. 1 steht dabei für eine übergeordnete Einheit und 4 ist die Zahl der materiellen Welt. Seinen Ausdruck findet dieses Prinzip in der Tatsache, dass es 4 Himmelsrichtungen gibt, dass sich 1 Jahr unterteilt in 4 Jahreszeiten und in 4 Quartale; das Zeitmaß 1 Stunde gliedert sich in Viertelstunden, jede größere Stadt hat verschiedene Viertel. Das Altertum kannte 4 irdische Elemente und davon abgeleitet 4 menschliche Temperamente.
Das Prinzip von 1–4 kommt auch im menschlichen Körper zum Ausdruck mit 1 Kopf und 4 Gliedmaßen oder der Hand mit 4 Fingern und 1 Daumen. Ohne Daumen kann der Mensch nicht greifen, ohne Kopf nicht be-greifen. 1–4 zeigt sich auch im Unterschied zwischen den Zahlen für „Mensch = Adam“ 1–4–40 und dem Wort „Blut“ 4–40. Adam ist der Mensch im Bild und Gleichnis Gottes, ohne die 1 ist er reduziert auf seinen physischen Körper, symbolisiert durch Blut.
Aus den ältesten Schichten der Weisheitslehre stammt der Begriff „Äther“; er steht für ein den gesamten Kosmos erfüllendes Fünftes, eine „Quintessenz“. Pythagoras greift auf dieses Wissen zurück und sieht darin eine Leben spendende Kraft, die alles durchdringt, was aus ihr hervorgeht. Dieses Fünfte ist die 1 gegenüber der 4.
Das Bild des gekreuzigten Christus zeigt die göttliche 1 auf der irdischen 4 festgenagelt. Die 1 ist in der menschlichen Verkörperung untrennbar verbunden mit der 4, die 4 Balken des Kreuzes symbolisieren das Irdische. Im Leben des Gottessohnes als Mensch wird sein Blut vergossen, sein 1-Sein mit dem Vater wird nicht gesehen. Es ist einer Wahrnehmung, die sich auf das rein Materielle der 4 reduziert, nicht möglich, die 1 zu erfassen. Die Symbolik von Blut zeigt die Reduktion des Menschen 1–4–40 auf 4–40, auf Materie und Zeit.
Lange wird der jenseitige Aspekt im Leben als Mensch nicht erfasst, und damit verbunden ist Leid und Tod.
Die Besonderheit von 10–5–6–5
Der biblische Gottesname „Jahwe“ wird in Zahlen ausgedrückt 10–5–6–5 geschrieben, in Buchstaben JHWH. Das Alte Wissen sieht darin ebenfalls eine Zahlenformel, die den Sinn des menschlichen Lebens abbildet, und misst ihr grundlegende Bedeutung zu. Nach der Überlieferung steht die 10 in 10–5–6–5 für Gott und die Kombination 5–6–5 für den Menschen, der im Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde. Dieser Mensch besteht aus einer dies- und einer jenseitigen 5, die eine 6 miteinander verbindet. Damit ist 10–5–6–5 ein synonymer Ausdruck für 10–6–10 im Schriftbild der Aleph. Die „10 oben“ und die „10 unten“ in der Aleph haben ihre Entsprechung in der „10 oben“ und in der „5–6–5 unten“ im Begriff JHWH.
Es kommen durch diese Zahlen verschiedene Aspekte zum Ausdruck, vordergründig die 6 als verbindende Funktion des menschlichen Bewusstseins. Die „10 oben“, die sich „unten“ in 5 + 5 teilt, bildet auch eine Variante der 1 ab, aus der die 2 der Dualität hervorgeht.
Die 5 aus 1 + 4 steht für das Zusammenwirken von Geist und Materie. Damit ist gemeint, dass Materie Ausdruck eines Absoluten ist und Materie und Geist ständig miteinander in Beziehung stehen. Dieses Zusammenwirken ist ein Prinzip, das die Basis bildet für eine erlebbare physische Welt. Es gilt daher auch für den Menschen als Teil dieser Welt, und die Fähigkeit es bewusst zu erfassen, ist in ihm ebenfalls bereits prinzipiell vorgesehen. 5–6–5 zeigt den Menschen, in dessen Bewusstsein eine Begegnung von Prinzip und Wahrnehmung des Prinzips vorbereitet ist. Die 5 spiegelt sich über die 6 und diese Spiegelung bringt zum Ausdruck, dass ein Prinzip darauf wartet, vom menschlichen Bewusstsein erfasst zu werden. Die Zahlen informieren darüber, dass das Prinzip und seine unverfälschte Wahrnehmung identisch sind. Jedes optische Spiegelbild ist eine genaue Abbildung des Originals und dasselbe gilt für das bewusste Erkennen. In der Sprache der Zahlen stellt die Spiegelung über 6 dar, dass die Möglichkeit besteht, Zusammenhänge zu sehen, dass diese Ein-Sicht aber noch aussteht. Ein Erfassen ist bereits grundsätzlich vorbereitet, vorerst ist der Spiegel der Wahrnehmung aber noch blind dafür.
Die irdische 5 kann die prinzipielle 5 vorerst nicht erfassen, weil sie sich selbst nicht als 5 wahrnimmt. Dafür bildet das Erkennen ihrer irdischen Existenz als 4 + 1 die Voraussetzung. Solange sie sich nur als 4, als rein materielles Wesen sieht und die 1 von sich abtrennt oder ganz leugnet, ist die 5 für sie überhaupt nicht existent. Erst wenn das Bewusstsein in seinem ganz individuellen Alltag Impulse aus einem nicht-materiellen Bereich zu akzeptieren lernt, kommt es zur Annäherung von 4 + 1. Der Spiegel der Wahrnehmung wird zunehmend klarer und allmählich stehen sich 5 und 5 identisch gegenüber. Die Kombinationsgabe der 6 verbindet 5 + 5 zu einer gemeinsamen 10. Der Mensch erlebt sich nun als bewusste 10 und erfasst als solche die Prinzipien, die seiner und jeder physischen Existenz zugrunde liegen.
10–5–6–5 wird dadurch zu 10–10 und gleichzeitig zu einer Variante des Schriftbildes der Aleph. Die Aleph zeigt 2 Jod, die sich über eine 6 spiegeln: 10–6–10. Diese 6 hat dieselbe verbindende Funktion wie in der Spiegelung von 5–6–5. Die bewusste „10 unten“, ob aus 5–6–5 oder schon vorbereitet in der Aleph, erkennt nun auch klar, dass sie identisch ist mit der „10 oben“. Die Kombination von 5 + 5 zu 10 verläuft parallel zu der Kombination von 10 + 10 zu 20. Die Zahlen im Schriftbild der 1 und die Zahlen des Gottesnamens JHWH beinhalten dieselbe Aussage. In beiden Fällen wird 10 und 10 zu 20. Die 10 im Absoluten, die „10 oben“ findet damit ihre Entsprechung in der „10 unten“ im Materiellen. Der Mensch als 20 ist sich bewusst, dass sein Handeln vom Absoluten gelenkt wird.
Dieses Handeln zeigt sich vorerst nicht so sehr in einem äußeren Aktivsein, sondern in einer inneren, gedanklichen Beschäftigung. Die 20 beobachtet, dass intuitive Impulse in ihr Denken eindringen und zum Handeln anregen. Diesen Impulsen wird nicht blind gefolgt, sondern sie werden abgeglichen mit einem vom Verstand geleiteten Denken. Eine Kombination aus beidem, von Intuition und Verstand, ergibt ein vernünftiges Handeln, das beide Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Dieses Miteinander von Intuition und Verstand kommt ebenfalls in der einfachen Addition 10 + 10 = 20 zum Ausdruck; die eine 10, der diesseits-bezogene Verstand, und die andere 10, die jenseits-bezogene Intuition, verbinden sich zu einem reifen, bewussten Aktivsein, das beidem gerecht wird.
Die grundsätzliche Bedeutung des Namens Jahwe ist „sein“. Um dieses Sein erfassen zu können, ist nach dem Alten Wissen die Erfahrung des Nicht-Seins erforderlich. „Nicht“ wird im Hebräischen mit denselben Zeichen geschrieben wie „El“ = Gott. Im Deutschen haben „ich“ und „n-ich-t“ große Ähnlichkeit. Im individuellen Ich wird das Nicht-Sein erfahren als Gegensatz zum Sein. Dieses Ich erlebt seine Existenz einem unberechenbaren Schicksal ausgeliefert und bedroht von Vernichtung und Tod. In der Gewissheit über das unausweichliche Ende der eigenen materiellen Existenz erfährt jeder Mensch dieses Nicht-Sein. Das Leben in Zeit und Raum bietet in einer unvorstellbaren Vielfalt die Möglichkeit für diese Wahrnehmung. Jede einzelne menschliche Existenz ist nichts anderes als die individuelle Erfahrung von Nicht-Sein in diesem Sinn. Die materielle Welt zielt darauf ab, dass das menschliche Bewusstsein vom Nicht-Sein zum Sein findet.
Dieses Sein bilden Zahlen ab als 10–5–6–5, das sich in eine irdische und eine nicht-irdische Hälfte teilt. Der Sinn des menschlichen Lebens ist es, die irdische 6–5 mit der jenseitigen 10–5 zu einer Einheit zu verbinden, sagt das Alte Wissen. Es beschreibt dieses Zusammenfinden von Nicht-Sein und Sein als Öffnen des „3. Auges“. Das 3. Auge ist in diesen Überlieferungen ein Synonym für die Jod, die 10.
Das Auge bleibt so lange geschlossen, solange die 5 nicht als 4 + 1 erkannt wird und damit auch die Verbindung zu einer gegenüberliegenden 5 nicht möglich ist. Erst das Erfassen und Wahrhaben dieser Zusammenhänge eröffnet eine neue Sicht, in der sich das Gegensätzliche zu etwas Neuem, einem Dritten ergänzt. Bildlich gesehen öffnet sich zusätzlich zu den beiden Augen, die das Sichtbare wahrnehmen, ein drittes, inneres Auge und beobachtet das Wirken eines unsichtbaren Absoluten.
Der Name „Jahwe“ darf nach der jüdischen Tradition nicht ausgesprochen werden, weil er eigentlich gar nicht ausgesprochen werden kann. Es ist nicht möglich, den Konsonanten JHWH eindeutig Vokale zuzuordnen, denn alle Vokale müssten gleichzeitig verwendet werden, um der Bedeutung dieses Begriffes gerecht zu werden. Damit soll eine unbeschreibliche Vielfalt zum Ausdruck kommen, die dieses Wort symbolisiert und die ihre Entsprechung findet in der Komplexität der materiellen Schöpfung und der unermesslichen Ausdehnung des Universums. Die Erschaffung dieser Welt der Vielheit erfüllt ihren Sinn dadurch, dass es dem Menschen durch sein Leben in ihr möglich ist, vom Nicht-Sein zum Sein zu finden und sich dadurch selbst zu erkennen.
Selbst-Erkenntnis als Sinn des Menschseins ist in jedem einzelnen Bewusstsein als 10–5–6–5 angelegt und stellt sich dar als 10–10. Sich selbst als 10 bewusst erkennen, kann die 20. Für sie wird die Zweiheit begreiflich, die überall und auch im Menschen ihren Ausdruck findet und angelegt ist im Schriftbild der Aleph. Die 20 sieht die gegenseitige Ergänzung von Jenseitigem und Diesseitigem, von Ewigem und Zeitlichem, von Gott und Mensch, von Mann und Frau. Sie ist fähig, zu einem Ganzen zu verbinden, was scheinbar gegensätzlich und getrennt ist.
Diese Kombinationsgabe, die Qualität der Zahl 6, ist Voraussetzung für die 20 und gleichzeitig ihre Fähigkeit. Das „und“ der Waw tritt 3-mal auf und verbindet 4 + 1, 5 + 5, 10 + 10. Ein 3-faches „und“, eine 3-fache 6 ermöglicht dem Bewusstsein Selbst-Erkenntnis als 20. 20 ist die 10, die sich selbst als 10 erkennt.
6 und 20 bilden gemeinsam 26, den Äußeren Wert von 10–5–6–5, von JHWH.
Kombinationen von Zahlen
Grundsätzlich gelten auch für den qualitativen Aspekt der Zahlen die Grundrechenarten der Mathematik. Darüber hinaus und in Kombination damit lassen sich auch andere Bezüge erkennen, die sich dem intuitiven Verstehen erschließen. Diese Einsichten sprechen Verstand und Empfinden gleichermaßen an, sind stimmig und entsprechen auch einer nachvollziehbaren Logik. Wie dieses Zusammenwirken von Zahlen gemeint ist, zeigt ein Vergleich der Grundrechenarten Multiplikation und Addition.
Die gegenseitige Begegnung der Zahlen in der Multiplikation drückt eine Intensität aus, ähnlich dem Verschmelzen bei einer chemischen Reaktion. Diese Wirkung ist in der Addition nicht gegeben. Gleichzeitig lassen sich beide Vorgänge, Addition und Multiplikation, nicht wirklich nach dem gewohnten Verständnis kategorisieren. Die Übergänge sind nicht so scharf, widersprechen einander nicht, sondern ergänzen sich gegenseitig. Es ist nicht eine lineare Eindeutigkeit gegeben, sondern ein lebendiges Ineinander-Verwoben-Sein. Über die Grundrechenarten eröffnet sich dem logischen Denken ein Zugang, sie stellen aber kein Prinzip im eigentlichen Sinn dar.
Die Addition bringt zum Ausdruck, dass Zahlen weiterhin als solche eigenständig und erhalten bleiben. Ihre Summe zeigt eine gemeinsame Absicht an, beschreibt ein gemeinsames Feld. Addition meint das gemeinsame Wirken selbständiger Individuen, einzelner Aspekte und definiert das Ganze, worauf sie in dieser Kombination ausgerichtet sind.
Grundsätzlich bringen die Zahlen 1 und 2 als Beginn der natürlichen Zahlenreihe einen Prozess in Gang und sind in den darauf folgenden Zahlen wirksam. Jede einzelne Zahl steht für einen aktuellen Moment in diesem Prozess, hat eine Entwicklung hinter sich und verweist auf eine konkrete Absicht. Dieses Geschehen im Absoluten lässt sich mit einem zeitlichen Ablauf vergleichen. In dieser Symbolik ist jede einzelne Zahl „Gegenwart“, hat „Vergangenheit“ und verweist auf eine „Zukunft“.
Dieser Prozess lässt sich als Addition darstellen. Die „gegenwärtige“ Zahl setzt sich zusammen aus ihren Vorgängerinnen, so etwa 3 = 1 + 2. Die 3 ist in diesem Fall das Jetzt, 1 und 2 das Vorausgehende. Die Summe aus „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ verweist auf eine „zukünftige“ Absicht oder Entwicklung: 1 + 2 + 3 = 6. Auch diese 6 ist die Summe aus Vorangegangenem, sie ist 1 + 2 + 3 oder 2 + 4 oder 1 + 5; diese „Vergangenheit“ hat individuelle Schwerpunkte. Wenn der Blick „zurück“ alle Aspekte anerkennt, die der 6 vorangehen, dann zeigt sich darin deren gemeinsame Absicht und Zielsetzung: 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 = 21.
In der Multiplikation färben sich die jeweiligen Faktoren gegenseitig, ihr Produkt ist etwas Neues und trägt diese Färbung in sich. Die Charaktere der jeweiligen Zahlen verschmelzen zu einem Produkt und kommen darin zum Ausdruck; sie geben ihre jeweilige Eigenständigkeit zu Gunsten einer gemeinsamen Aussage auf.
So etwa drückt die 2 jeder anderen Zahl in der Multiplikation den prägenden Stempel der Dualität auf, sie verdoppelt sie im Sinne einer täuschenden Spiegelung. Die Täuschung kommt zustande, weil der Spiegel aufgrund seiner „trüben“ Oberfläche nicht als solcher erkannt wird. Die ursprüngliche Zahl und damit deren ursprüngliche Qualität, deren eigentliche Aussage ist nicht wahrnehmbar in einer Welt der Zweiheit. Sie wird mit der Division durch 2 wieder daraus befreit und so in ihrem Charakter, der dem Absoluten entspricht, sichtbar. 2 x 2 = 4 als Zahl der dualen Welt der Materie ist eine Bestätigung der Dualität durch sich selbst und gleichzeitig eine Begrenzung auf sich selbst.
Die Multiplikation mit 3 überträgt die zwischen 1 + 2 liegende Spannung; 3 x 3 = 9 steht für äußerste Spannung und daraus folgende Erkenntnis. Die 3 ist grundsätzlich eine Synthese von vermeintlich Unvereinbarem in sich selbst und damit auch in jeder ihrer Vielfachen.
3 x 4 = 4 x 3 = 12 ist sowohl Maß als auch Grenze für die Dynamik in der materiellen Welt, für das Leben in Zeit und Raum. Die in sich statische 2x2 und die spannungsgeladene Dynamik der 3, dieser Gegensatz aus Statik und Dynamik fördert die Spannung der 3, macht sie konkret. Konkret wird damit Schritt für Schritt auch die 3 aus 2 + 1.
Die Zahl 7 ist der Ausdruck für die Vielfalt des Lebens. Sie erscheint in der Welt der Dualität als 2 x 7 = 14. Die 7 erfährt durch die 2 eine Spiegelung, auch darstellbar als 7 + 7 und verrät über das Ergebnis 14 ihre Ausrichtung, nämlich die Kombination von 1 + 4.
3 x 7 = 21 ist das Ergebnis, wenn sich Dynamik und Vielfalt des Lebens begegnen. Diese 21 ist identisch mit der Absicht der Zahl 6, die sich aus 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 ablesen lässt und macht deutlich, dass das Leben aus Zwei-Sein und Eins-Sein besteht und als solches erkannt und gelebt werden will.
Die Besonderheit der Primzahlen
Primzahlen werden definiert als Zahlen, die größer als 1 und nur durch sich selbst und 1 teilbar sind. Sie sind die Individualisten unter den Zahlen mit ausschließlichem und direktem Bezug zur 1. Auf diese Weise stellen sie eine Parallele dar zum individuellen menschlichen Bewusstsein, das auf seine ganz persönliche und unverwechselbare Art als 10 eine Verbindung zur 1 lebt.
Diese Verbindung bleibt vorerst allerdings unbewusst. Während dieser Zeit fühlt sich der einzelne abhängig von anderen Menschen. Er sucht bei ihnen Anerkennung, Bestätigung, Wärme und Zuneigung. Diese Abhängigkeit ist aber nur scheinbar und vorübergehend. Sie verliert sich mit zunehmender Orientierung an der 1 im eigenen Inneren. Dort baut sich allmählich die eigene Intuition als Entscheidungsinstanz auf. Der Bezug zu den Mitmenschen bleibt, wird aber freier. Die 10, die sich selbst als solche erkennt, erlebt sich als autonom. Ihr Denken und Handeln richtet sich nicht danach, was andere für richtig halten. Sie ist nicht das Produkt von Meinungen und Vorgaben anderer. Damit weist das individuelle Bewusstsein eine weitere Gemeinsamkeit mit Primzahlen auf, denn auch sie sind niemals Produkte anderer Zahlen und zeigen damit ihre Unabhängigkeit.
Das Auftreten von Primzahlen ist nicht genau berechenbar, sie lassen keine äußere Gesetzmäßigkeit erkennen. Es zeichnet sie aber die Besonderheit aus, dass sie in direkter Nachbarschaft zu 6 und ihren Vielfachen erscheinen und jeweils -1 oder +1 davon entfernt sind. Eine Ausnahme bilden die Zahlen 2 und 3, die überhaupt eine Sonderstellung einnehmen und gleichzeitig auch Primzahlen sind.
Über diese Nähe zur 6 zeigt sich in der qualitativen Betrachtung der Zahlen wieder ein Bezug zum menschlichen Bewusstsein. Sowohl 6 als auch 1 haben wesentliche Aussagekraft für die menschliche Existenz. Dass Primzahlen in Verbindung mit diesen Zahlen auftreten, lässt eine hintergründige Ordnung und gleichzeitig einen Zusammenhang zwischen ihnen und dem Menschen erkennen. Primzahlen erscheinen in der linearen Zahlenfolge zufällig, es gelten für sie aber offensichtlich hintergründig doch Regeln. Dasselbe gilt für die Ereignisse des physischen Alltags, die unberechenbar, unerwartet und scheinbar zufällig auf den Plan treten. Mit zunehmender Aufmerksamkeit lassen sie ein hintergründiges Wirken erkennen und den Schluss zu, dass alles Wahrnehmbare einer nicht wahrnehmbaren Ordnung folgt. Das Bewusstsein, das diese Aufmerksamkeit entwickelt, erfasst sich selbst als 10 und damit als einen ganz individuellen Ausdruck der 1. Diese 10 hat wie eine Primzahl einen einzigartigen Bezug zur 1. Primzahlen sind in diesem Sinn Synonyme für jeden einzelnen Menschen, der sich mit Hilfe seiner Kombinationsgabe als 6 unter direktem Bezug zur 1 als 10 erfasst.
In einem System von 24 Zahlen, dargestellt als Raute, lässt sich das Auftreten der Primzahlen übersichtlich darstellen. 24 ist das Maß der 12 in der Dualität. Die irdischen Kreisläufe basieren auf den Zahlen 12 und 24; das Jahr hat 12 Monate, der Tag 24 Stunden. Die Zahlen 6, 12, 18 und 24 stellen in der Raute die 4 Eckpunkte dar, an denen sich beidseitig Primzahlen bilden. Dieses System erweitert sich ab 25, indem es den Kreislauf der 24 durchbricht und spiralförmig neue Zyklen eröffnet, in denen sich dieselbe Besonderheit fortsetzt.

Im Alten Wissen ist die sichtbare Welt nur für die Sinnesorgane rund, entspricht im Absoluten der 4 und bildet mit 4 Ecken den Gegensatz zum Runden ab. Die prinzipiell quadratische 4 erscheint äußerlich als rund. Damit kommt ein widersprüchliches Anderssein zum Ausdruck, das bei der Teilung der 1 in die 2 ansetzt und die materielle Welt der 4 prägt. Sie ist Ausdruck von 2 x 2, von Selbstbegegnung und Selbstgenügsamkeit der Dualität.
Zahlen ermöglichen mit ihrer qualitativen Aussagekraft generell eine Zusammenführung von Widersprüchlichem. Primzahlen verbinden die Welt des Runden und des Viereckigen, indem sie innerhalb des Kreislaufs der 24 die 4 Eckpunkte betonen. Sie demonstrieren damit gewissermaßen eine „Quadratur des Kreises“ und durchbrechen gleichzeitig durch spiralförmige Erweiterung die Grenzen des Runden.
Der Zyklus der 24 enthält die 9 Primzahlen 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19 und 23, die sich zur Zahl 100 summieren. Diese Summe kann als die gemeinsame qualitative Absicht dieser 9 Zahlen betrachtet werden. Sie besteht darin, einen Raum zu schaffen, der durch die gegenseitige Begegnung von 10 zu 10 bestimmt wird, denn 10 x 10 = 100. Auf das Bewusstsein übertragen heißt das, ein individueller Mensch, der die 5 + 5 in sich zu 10 verbunden hat, begegnet einem anderen Menschen, für den dasselbe gilt. Die Primzahlen lassen erkennen, dass die Zyklen des Irdischen, ausgedrückt durch die Zahl 24, darauf ausgerichtet sind, als Raum für solche Begegnungen zu dienen.
Es stellt sich auf diese Weise etwas dar, das ein grundlegendes Prinzip menschlicher Existenz verdeutlicht: Die Absicht menschlicher Individuen, symbolisiert durch die Primzahlen, ist die gegenseitige Begegnung von bewusster 10 mit bewusster 10. In dieser Begegnung lebt der direkte Bezug zur 1, denn die andere 10 wird ebenso als Aspekt der 1 gesehen wie die eigene 10. Jede Begegnung im Feld der 100 von 10 zu 10 bezieht sich auf die 1 und ergibt mit ihr in Summe 101, wieder eine Primzahl.
Diese Zahl bildet sich auch, wenn man entgegen den mathematischen Regeln die 1 als Primzahl betrachtet und mit den anderen 9 summiert. Auf diese Weise kommt das Erkennen der 1 zum Ausdruck. Dann ist auch die Zahl 24 beidseitig von Primzahlen umgeben, der Zyklus erscheint harmonischer und komplettiert sich gewissermaßen. Aus 9 + 1 wird 10; 9 Primzahlen bilden gemeinsam mit 1 ein Feld und drücken eine gemeinsame Absicht aus. Dieses 9 + 1 = 10 im Bild der Primzahlen deckt sich auf erstaunliche Weise mit den Aussagen der hebräischen Schriftzeichen im Alten Wissen.
Primzahlen treten für das mathematische Verständnis zufällig auf. Grundsätzlich ist alles Ungeplante im Leben, alles nicht Vorstellbare und alles Zufällige etwas, das außerhalb berechenbarer Gesetzmäßigkeit liegt. Schon die Wörter Zu-fall und Ein-fall weisen darauf hin, dass etwas „von oben“ kommt, dass es gewissermaßen auf die Erde „fällt“ und sich in Form eines Gedankens oder Erlebens manifestiert. Zu-fälle und Ein-fälle als Impulse „von oben“ zu sehen, entspricht der Sichtweise einer bewussten 10.
Jede menschliche 10 ist eine einmalige Variante des Prinzips 10 und erlebt sich vorläufig ebenfalls als „zufällig“, solange sie nicht die Prinzipien erkennt, die ihre Existenz ausmachen. Das ändert sich, sobald sich den einzelnen Versionen der 10 erschließt, was jeder ihrer Existenzen zugrunde liegt, nämlich der Bezug zur 1. Dieses Erkennen (= 9) der 1 macht die eigene 10 bewusst und genauso die der anderen. Die individuelle 10 behält ihre Einmaligkeit und anerkennt gleichzeitig die Autonomie und Perfektion jeder anderen Variante. Dieses Miteinander drücken die Zahlen durch Addition aus und deshalb summieren sich die Primzahlen. Gemeinsam bilden sie die Zahl 100 und beschreiben damit ein verändertes Niveau der Begegnung von 10 zu 10.
Der Mensch wird damit gleichzeitig zur 20 als 10 + 10, zur 1000 als 10 x 10 x 10 und zur 101. Diese 3 Zahlen bringen dasselbe zum Ausdruck und sind Synonyme für die Rückverbindung mit der 1 in einer neuen Ganzheit. In der 101 stehen sich jeweils eine 1 gegenüber und ihre verbindende Mitte bildet die beiderseitige Bereitschaft, gegen 0 zu gehen.
Die gemeinsame Absicht der 101 und aller ihr vorausgehenden Zahlen zeigt sich als Addition und ergibt die Zahl 5151, die auf andere Weise noch einmal das gleiche er-zählt: Das Feld der 101 möchte als Spiegel- und Begegnungsfläche erfahren werden für Individuen, die als 50 in enger Verbindung mit der 1 leben. Sie haben sich durch ganz persönliches Einsehen während ihres Daseins im Zeitlichen der 40 als 10 erfahren. Jetzt erleben sie sich als 50 = 10 + 40 und nehmen in dieser Existenz Impulse der 1 wahr, die sie bewusst erfassen und von denen sie sich leiten lassen.
Das Alte Wissen bestätigt diese veränderte Art der Lebensführung über den Begriff „essen“, achol, 1–20–30 mit dem Äußeren Wert 51; er bedeutet gleichzeitig „vollenden, vervollständigen“. Nach dem Alten Wissen ist damit gemeint, dass man die Dinge, die man isst, zu einem Ganzen mit sich werden lässt. Jede Nahrung im weitesten Sinn, die der 50 begegnet, wird als von der 1 kommend gesehen und ist von Bedeutung. Impulse der 1, die eine individuelle 50 „isst“, indem sie sie mental erfasst, vervollständigt und vollendet sie durch ihre Reaktion darauf. Nahrung in diesem Sinn ist jede Begegnung, jedes Erleben, alle Gedanken und Gefühle. Essen bedeutet integrieren und entspricht der verbindenden Funktion der 6. Das bedeutet aber nicht, sich alles unkritisch einzuverleiben, zu allem „ja“ zu sagen für das eigene persönliche Leben. Ein bewusstes und gleichzeitig beobachtendes Wahrnehmen ist damit gemeint und ein Reagieren darauf entsprechend der eigenen Intuition.
Diese veränderte Art der Lebensführung geschieht innerhalb der gewohnten Umgebung, innerhalb der Kreisläufe und Gesetzmäßigkeiten der materiellen Welt, die von Dualität geprägt ist. Die Materie verändert sich nicht, nur der Blick darauf.
Die Zahl 24 steht einerseits für die Zyklen dieses Leben und andererseits auch für eine Wahrnehmung, die sich darauf begrenzt. Primzahlen, die der 24 vorausgehen, enthalten aber bereits das Angebot, über sie hinauszublicken. Die 13 durchbricht den Kreislauf der 12 und erhellt allmählich, was bisher für die bewusste Wahrnehmung im Dunkeln lag. Dieser geistige Prozess findet seine physische Entsprechung innerhalb der 24 Stunden des Tages, der ebenfalls je zur Hälfte aus einer dunklen und einer hellen Phase besteht. Im übertragenen Sinn könnte man sagen: Ab der 13 setzt die Morgendämmerung ein.
Mit der Primzahl 23 bereitet sich ein neuer, unbekannter Zyklus vor. Im zeitlichen Sinn beginnt um 23 Uhr die letzte Stunde vor Mitternacht, dann geht der Tag zu Ende und der nächste beginnt. Im Alten Wissen endet mit der 22 die Folge der diesseitigen Zahlen und mit 23 beginnt schon ein Bereich, in den es noch keinen Einblick gibt.
Diese 23 ist jedoch eine Zahl, die noch innerhalb des Zyklus der 24 liegt, d. h. noch im Leben in der Dualität tut sich dieser Bereich auf, für den das hebräische Alphabet keinen Buchstaben mehr kennt, weil er nicht der Welt der Erscheinung zuzurechnen ist. Über die Primzahlen zeigt sich, nicht erst in einem Jenseits, in einem Leben nach dem Tod ist dieses Absolute erfahrbar, sondern noch hier im Dasein in Zeit und Raum. Die Primzahlen weisen auch darauf hin, dass dieser Zyklus der 24 nicht alles ist, sondern die Basis darstellt für weitere Erfahrungen, die sich ab 25 eröffnen. 13 und 23 charakterisieren gemeinsam die 10, die diese Erfahrungen macht.
Primzahlen können zwar nicht berechnet werden, haben aber doch einen geordneten Bezug zum Zyklus der 24. Sie stehen also nicht außerhalb der Gesetzmäßigkeiten der Dualität, sie haben dazu nur eine spezielle Beziehung. Was ihre Individualität ausmacht, ist ihr einzigartiges Verhältnis sowohl zur Einheit als auch zur Dualität und das gilt auch in ihrer Symbolik für das menschliche Bewusstsein.
Jede Primzahl mit sich selbst multipliziert ergibt eine Zahl, die durch 24 teilbar ist, wenn davon vorher 1 subtrahiert wurde, z. B.: 13 x 13 = 169 – 1 = 168 : 24 = 7 oder 23 x 23 = 529 – 1 = 528 : 24 = 22 oder 1009 x 1009 = 1,018.081 – 1 = 1,018.080 : 24 = 42.420.
Diese Beispiele zeigen einen Grundsatz, den Primzahlen stellvertretend für das menschliches Bewusstsein zum Ausdruck bringen: Ein Individuum, das seinen ganz persönlichen und direkten Bezug zur 1 einsieht und erlebt, erkennt damit etwas, das bisher unerkannt in ihm existierte. Die einzelne 10 erlebt die eigene Person als 10, diese Selbsterkenntnis wird ausgedrückt durch die Multiplikation der Primzahl mit sich selbst. Das individuell wahrgenommene Wirken der 1 wird rechnerisch dargestellt durch -1. Das bringt als Ergebnis eine neue Sichtweise, die den Alltag innerhalb der Zyklen der 24 anders erfahren lässt und sich darin immer wieder bestätigt. Die Division durch 24 weist darauf hin.
Die Besonderheit der Null
In Zusammenhang mit den Primzahlen zeigt sich die Zahl 0 wieder als wesentlicher Faktor für eine veränderte Art der Wahrnehmung. In Kombination mit 1 bringt 0 zum Ausdruck, wie und inwieweit die 1 bewusst erfassbar wird. 101 führt über die 0 eine Spiegelung der 1 vor Augen und ist gleichzeitig eine Kombination von 10 und 1. In 101 fungiert 0 als Spiegelfläche für 1 und definiert gleichzeitig den Unterschied zwischen 10 und 1; 0 nimmt in 101 eine ähnlich trennende und gleichzeitig verbindende Rolle ein wie 6 im Schriftbild der Aleph.
Bereits im Schriftbild der 1, der Aleph, in der sich die 10 doppelt zeigt, kommt das Prinzip der 0 zum Ausdruck. Die 1, die Einheit, nimmt mit Schaffung der Dualität das eigene Nicht-Sein in Kauf. Die 1 geht selbst gegen 0, denn sie zieht sich zurück und wird nicht mehr wahrgenommen. Das geschieht im Wissen und Vertrauen darauf, dass die in ihr angelegte 10, der Mensch, den Weg allein zurückfindet. Das ist eine grundlegende Aussage der beiden 10 im Schriftbild der 1, der Aleph.
Gleichzeitig wird damit der Weg zurück beschrieben, denn für den Menschen gilt dasselbe. Für ihn ist es im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig = not-wendend, gegen 0 zu gehen. Nur auf diese Weise kommt er in Kontakt mit der 1. Im Alten Wissen bringt 0 generell die Bereitschaft des Menschen zum Ausdruck, selbst gegen 0 zu gehen im Vertrauen auf die 1. Damit ist im Extremfall gemeint, das eigene Nicht-Sein in gesellschaftlicher oder physischer Hinsicht in Kauf zu nehmen im Glauben an das Absolute. Bewusst der 1 zu folgen, heißt, der eigenen Intuition zu folgen und damit dem, was als wahr und richtig empfunden wird. Diese Wahrheit wichtiger zu nehmen als äußere und innere Widerstände, ist der Schritt, den der individuelle Mensch vollzieht, um sich als 10 zu erkennen, bewusst zur 10 zu werden und als solche zu leben.
Dieser Schritt ist der Ausdruck einer Haltung und Lebenseinstellung und besteht aus vielen kleinen Schritten. Der Mensch macht sie, weil er sie intuitiv als richtig erkennt und nicht, um damit etwas zu erreichen. Jedes Erreichen-Wollen, jede Absicht, alles Plan- und Gesetzmäßige scheitern. Der Sprung zur bewussten 10 kommt überraschend und es kann ihm durchaus eine schmerzliche oder spannungsgeladene Phase der 9 vorausgehen.
Dieser große Schritt zur 10 ist der letzte nach vielen kleinen. Der Mensch macht sie, indem er sein Leben nicht ausschließlich danach ausrichtet, es so angenehm wie möglich zu gestalten, Ansehen oder materiellen Wohlstand zu erreichen. Das „Tun umsonst“, wie es das Alte Wissen nennt, ist nicht von persönlichem Vorteil und Gewinn motiviert. Es ist als Aspekt der 0 begleitet von der Haltung, selbst nicht so wichtig zu sein. Der Mensch stellt sich nicht selbst in den Vordergrund, er dient – einer Sache, anderen Menschen, im Grunde dem, was er als wahr, wichtig und richtig auffasst. Diese Motivation und Einstellung äußert sich in der Bereitschaft zu tun, was die Situation gerade verlangt und dabei sein Bestes zu geben. Die Veranlassung zum Handeln mag von außen angestoßen sein, aber diese Art des uneigennützigen Aktivseins ist eine von innen geleitete.
Generell bedeutet dieses Gegen-Null-Gehen, den Fokus nicht ausschließlich auf die 2 oder 2 x 2 und ihre Vielfachen zu richten, sondern auch in die Gegenrichtung zu schauen. Zahlen demonstrieren diese konträren Richtungen mit Addition und Subtraktion. Grundsätzlich beschreiben beide Rechenarten eine Kombination mit 1, denn jeder Schritt im Leben hat mit der 1 zu tun und wird von ihr verursacht. Das gilt sowohl für +1 als auch für -1, bleibt aber lange Zeit unerkannt. In der Addition wird die 1 nicht als solche erfassbar.
Die Subtraktion ermöglicht ihre bewusste Wahrnehmung. Indem der Mensch bereit ist, sein eigenes Null-Sein in Kauf zu nehmen, steuert er auf 0 zu. Er erlebt aber nicht wirklich dieses Null-Sein, das er in Kauf genommen hat. Unerwartet und überraschend tritt ihm als letzte Zahl vor der 0 die 1 entgegen. Die 1 wird für ihn tatsächlich unmittelbar erlebbar, indem er sich auf sie ausrichtet und bereit ist, dabei gegen 0 zu gehen. Diese Art der Kombination von 1 und 0 ermöglicht die Selbstwahrnehmung als 10.
10 aus 1 + 0 definiert den Menschen, dem diese Wahrnehmung möglich ist:
Die Subtraktion bringt die Bereitschaft, gegen 0 zu gehen, mit 2 – 2 = 0 zum Ausdruck. Jeder einzelne, dem seine innere Wahrheit wichtiger ist als äußere Sicherheit in der Welt der 2 und der den Mut aufbringt, dazu zu stehen, ist bereit zu 2 – 2 = 0. Was er intuitiv als wichtig und richtig wahrnimmt, ist die 1, auf die er in sich selbst hört. Indem er ihr folgt, reduziert diese innere 1 die Macht und den Einfluss der 2, was 2 – 1 = 1 auf den Punkt bringt. Gleichzeitig zeigt 2 – 1 = 1, worauf diese Haltung hinausläuft: Sie führt zur Einsicht, dass innere 1 und absolute 1 miteinander korrelieren und im Grunde identisch sind.
Das einfache Prinzip von Addition und Subtraktion macht nachvollziehbar, dass der Mensch als 10 definiert ist und erklärt, wie er sich dessen bewusst wird. Zahlen bringen präzise zum Ausdruck, was menschliches Bewusstsein ist und erläutern Abläufe innerhalb dieses Bewusstseins.
Gegen 0 zu gehen und dadurch die 1 zu finden, ist eine Veranlagung, die jeder Mensch in sich trägt. Sie begleitet ihn täglich und prägt seine unzähligen individuellen Erfahrungen.
Das Wesen der Dualität bringt es mit sich, dass jedes +1 ein -1 zur Folge hat, wenn auch nicht unmittelbar und direkt. Insgesamt summieren sich unendliche viele +1 zu einer Zahl, die das Alte Wissen mit 400 beschreibt, aber nicht mengenmäßig damit begrenzt.
Gleichzeitig vollzieht sich im Bewusstsein ein Prozess, der über unendlich viele -1 gegen 0 führt und darauf abzielt, die 1 in die klare mentale Sicht zu bringen. Was dabei gegen 0 geht, ist jedes Festhalten an äußeren Vorgaben, an traditionellem Denken, an allen Begrenzungen durch die 400, wenn sie dem widersprechen, was die innere 1 als wahr und richtig empfinden lässt. Am Ende dieses Prozesses verbindet sich die vom Menschen gelebte 0 mit der 1 in ihm zu 10. Die Bereitschaft der unbewussten 10, bewusst gegen 0 zu gehen, führt zur Ein(s)-Sicht = zum Sehen der 1 und zur bewussten 10.
Diese Bereitschaft basiert auf der ernsthaften Motivation, in der 2 die 1 zu suchen und alles nur Menschenmögliche zu tun, um sie schließlich zu finden. Damit ist eine Ausrichtung gemeint, die das Leben als grundlegender Faktor begleitet und die letztlich stark genug ist, um die 1, ihre Wahrheit und intuitive Führung über alle Zweifel, Ängste und mögliche persönliche Unannehmlichkeiten zu stellen.
Bis es so weit ist, zeigen sich +1 und -1 in den unterschiedlichsten Facetten im Alltag. Die Richtung hin zu 0 wird lange Zeit unbewusst und oft auch ungewollt erlebt. Denn gerade schwierige Phasen und schmerzhafte Momente sind es, die eine Perspektivenänderung bewirken und die Aufmerksamkeit auf das eigentlich Wesentliche lenken, auf das eigentliche Wesen des Ich.
Wenn der Mensch durch schwierige oder gar ausweglose Situationen auf sich selbst zurückgeworfen wird und er sein Ich davon existenziell bedroht sieht, wechselt er mental die Richtung. Sein Interesse schwenkt um von +1 zu -1, weg vom Äußerlichen nach innen, hin zum Wesentlichen. Komponenten wie Geld, Besitz und oder spezielle Pläne und Wünsche, die sich in der äußeren Existenz so dominant in den Vordergrund rücken, verlieren in Momenten großer Not an Bedeutung oder werden ganz ausgeblendet. Der Wechsel von +1 zu -1 ist not-wendig, er wendet die Not.
Die Aufmerksamkeit ändert dann ihre Richtung auch von unten nach oben. Im Alltag ist das Denken mit einer Vielzahl von Erledigungen, Pflichten und Vorhaben beschäftigt und damit zur Materie hin orientiert. In Ausnahmesituationen gehen die Gedanken nach „oben“ und damit hin zu einer Instanz, von der man hofft, dass sie das irdische Geschehen zum Guten wendet. Nicht immer wird diese Hoffnung erfüllt und letztlich ist das Ende des körperlichen Lebens für jeden Menschen eine unausweichliche Tatsache. Der Gläubige verbindet den physischen Tod mit der Hoffnung auf ein Weiterleben im Absoluten. Er verkörpert die menschliche 2, die über den physischen Tod gegen 0 geht und sich danach eine Begegnung mit der 1 erwartet.
Diese Vorstellung entspricht der Weltsicht der 400 und damit der 10, die ihre Existenz auf das Zeitliche der 40 begrenzt. Für sie existiert die 1 auf „der anderen Seite“ und damit der 400 gegenüber. Aus dieser Perspektive ist die 1 im Irdischen nicht erfahrbar, weil sich Zeitloses und Zeitliches, formloses Geistiges und geformte Materie in dieser polaren Welt gegenseitig ausschließen.
Die menschliche 2, deren Vertrauen in die intuitive Führung durch die 1 größer ist als die Angst vor dem Tod, erlebt die 0 nicht als Tod, im Gegenteil. Das Gegen-Null-Gehen endet nicht bei Null, sondern beim Finden der 1. Die Null gibt nur die Richtung vor und ist nicht selbst das Ziel. Dieser Mensch wird zur 3, die aus 2 + 1 besteht und in deren Leben beide Aspekte Platz haben. Damit geht eine Lebenseinstellung einher, in der die eigene physische Existenz weder überbetont noch abgelehnt wird. Dieser Mensch lebt als 3 und gleichzeitig als 1000 innerhalb der bekannten und unveränderten Welt der 400. Seine maximale Bereitschaft, gegen 0 zu gehen, zeigt als Frucht eine dreifache 0 in Verbindung mit der 1, eben eine 1000.
4. Kapitel: Die Besonderheit der Zahl 1000
Der Mensch trägt in sich die Veranlagung zum Erkennen der 10, was sich auch über das Prinzip 10–5–6–5 darstellt. Die Verbindung von 5–6–5 zu 10 bringt mit sich, dass diese 10 im Denken und Empfinden Realität wird. Was als 5–6–5 verborgen und unbewusst war, wird als bewusste 10 wahrnehmbar.
Indem der Mensch das direkte Wirken der 1 in seinem ganz persönlichen Leben in der Welt der 2 x 2 = 4 erlebt, verbindet er 4 + 1 zu 5. Diese 5 ist mit der Einsicht verbunden, dass irdisches Geschehen einer Instanz entspringt, die abstrakt und doch real ist. Die Erfahrung 5 aus 4 + 1 belegt, dass eine absolute Instanz irdisches Geschehen verursacht, das von ihr ausgeht und genau so gewollt ist. Was sich in der irdischen Existenz mit den Sinnen erfahrbar macht, ist Abbild eines absoluten Wollens. Wenn dem Menschen 4 + 1 = 5 bewusst wird, dann deshalb, weil es im Absoluten so verursacht ist. 5–6–5 bildet ab, dass der kognitive Prozess, der auf 5 hinausläuft, einer absoluten Absicht folgt. Die vom Menschen erlebte 5 entspricht der 5, die für ihn vorgesehenen ist. 5–6–5 lässt wissen, dass beide 5 darauf warten, gedanklich verbunden zu werden.
Der Mensch, der 5–6–5 zu 5 + 5 = 10 verbindet, erfasst als bewusste 10 diesen Zusammenhang. Er erkennt sich selbst als 10 und sieht gleichzeitig ein, dass er eigentlich immer eine 10 war, weil er als 10 konzipiert war. 10 x 10 bringt zum Ausdruck, dass die bewusste 10 der bisher unbewussten 10 begegnet und der Mensch erkennt, was er ist und immer war. 10 x 10 ist Ausdruck von Selbsterkenntnis.
Mit dieser neuen Sicht der 10 auf sich selbst ist verbunden, sich auch identisch zu sehen mit der bereits vorhandenen 10 in 10–5–6–5. Diese 10 „oben“ steht für das Prinzip 10, das im Absoluten die Basis jeder menschlichen Existenz bildet.
Damit erfährt sich die 10 in einem dreifachen Sinn, als 10 x 10 x 10. Die bewusste 10 erkennt sich als bisher unbewusste 10 und gleichzeitig in Übereinstimmung mit jener 10, als die sie von „oben“ gewollt ist. 1000 aus 10 x 10 x 10 umfasst alle 3 Aspekte der 10 und steht für ein Bewusstsein, in dem diese 3 Aspekte jetzt ein Ganzes bilden. Den Menschen als 3-fache 10 beschreibt 1000 ebenso wie 3 x 10 = 30; in ihrer qualitativen Funktion machen die Zahlen 1000 und 30 synonyme Aussagen.
Ausgangsbasis für die 3-fache 10 ist die Erkenntnisfähigkeit der 19; das 19. Zeichen im hebräischen Alphabets ist Kof = 100. 19 bewirkt, dass der Mensch die 1 erfährt und sich selbst als 10. 10 x 10 = 100 bringt die Selbsterkenntnis ebenso zum Ausdruck wie 20 aus 10 + 10, wozu sich 10–5–6–5 letztlich verbindet. Die Zahlen 20 und 100 machen für den Erkenntnisprozess des Menschen synonyme Aussagen.
Das Selbst-Erkennen der unbewussten durch die bewusste 10 und die Einsicht, dass 10 als Prinzip des Menschseins gilt, verändert nicht nur die Eigenwahrnehmung. Das grundsätzliche Verständnis des Menschen als 10 färbt auch die Wahrnehmung der Mitmenschen und unterstützt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die 3-fache 10 weiß, dass jedes Mitglied der Menschheitsfamilie auf einzigartige Weise das Prinzip 10 verkörpert.
Das Alte Wissen sagt: Wenn sich eine Zahl 3-mal selbst begegnet, dann ist sie im 3-Dimensionalen erfüllt, dann hat sie einen Prozess abgeschlossen, dann ist eine Antwort da auf das Leben in der Dualität. 10 x 10 x 10 = 1000 steht für die Zielsetzung der 10, für die äußerste Möglichkeit des menschlichen Bewusstseins im 3-dimensionalen Leben.
In Vorbereitung darauf steht die 10 dem Menschen unerkannt in 5–6–5 zur Verfügung. Die in 5–6–5 vorbereitete 10 ist vergleichbar mit dem Samen einer Pflanze, der keimt und sein komplettes Potenzial zur Umsetzung bringt. Die Frucht daraus ist Selbst-Erkenntnis in Form einer Sichtweise, die mit 10 x 10 x 10 alle 3 Aspekte der 10 umfasst.
1000 ist eine 3-dimensionale 10 und bringt das Ziel des Menschseins in einer 3-dimensionalen Welt zum Ausdruck. 1000 ist das zu erreichende Maximum der 10 in Zeit und Raum. 1000 steht für bewusstes Menschsein in der 3-dimensionalen Welt. 1000 ist mit 100 + 200 + 300 + 400 in 400 bereits angelegt; 400 zielt darauf ab, 1000 zu erleben.
1000 macht auch eine Aussage als 2 x 500 und steht für das Erleben von 500 in der Dualität. Für die Zahl 500 existiert kein hebräisches Schriftzeichen, weil sie auf etwas jenseits von Raum und Zeit Liegendes hinweist. 500 kann irdisch nicht definiert werden kann, aber im Irdischen erfahrbar sein. Sie ist die letzte Station auf dem Weg durch das weltliche Leben, das beschrieben ist mit 22 hebräischen Schriftzeichen. Mit der 400 hört das Zähl- und Messbare auf und wird abgelöst vom Vertrauen in eine andere Instanz, die zunehmend als real erfahren wird. Durch ganz persönliche Erlebnisse stärkt sich die Gewissheit, dass die eigene Existenz im Zeitlichen von einem Wirken außerhalb des Zeitlichen bestimmt und gelenkt wird. Wird diese Erfahrung zu einer wesentlichen Orientierung im individuellen Leben, erschließt sich damit die 500 aus 400 + 100 oder 4+1 x 100. Auf jeden Fall ist die 100 als Nadelöhr zu passieren, nämlich die Anerkennung der 10 durch sich selbst.
Ist diese 500 in der individuellen irdischen Existenz zur Realität geworden, dann verbindet sie sich mit dem Prinzip 500, das im Absoluten existiert. Gemeinsam summieren sie sich zu 1000 als Ziel der 400, dem Leben in Zeit und Raum. Das geschieht nach demselben Prinzip, wie sich 5 + 5 zu 10 vereinen. Durch die volle Anerkennung einer gleichwertigen und einander entsprechenden Existenz in beiden Welten, ausgedrückt durch jeweils 500, wird die 1000 erfahrbare Wirklichkeit.
Diese 1000 aus 500 + 500 ist dieselbe wie jene, die sich aus (5 + 5) x 10 x 10 ergibt. Das menschliche Leben als 3-dimensionale 1 + 0 bleibt im einzelnen Bewusstsein so lange ungesehen, bis sich die 1 mit 1000 erfahrbar macht. Aleph, die 1, und Elef, die 1000, teilen sich dasselbe Schriftzeichen. Aleph bringt damit das angelegte Prinzip des Menschseins zum Ausdruck, Elef die Umsetzung und das Erkennen dieses Prinzips.
Voraussetzung für die Erfahrung der 1 mit 1000 ist die 3-fache und damit maximale Bereitschaft des individuellen Bewusstseins, selbst gegen 0 zu gehen. Damit ist gemeint, dass das Vertrauen in etwas als absolut wahr Empfundenes stärker ist als jeder Widerstand dagegen. Jede Angst, jeder Zweifel, jedes Sicherheitsdenken und jedes Festhalten an der 3-dimensionalen Existenz, ihren Gesetzmäßigkeiten und ihrem Weltbild wird aufgegeben zugunsten dieser inneren Wahrheit; dafür steht die 3-fache 0 in Kombination mit der 1.
„Dass beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag“, wie es die Bibel formuliert, meint nicht ein verschobenes Zeitmaß im Jenseitigen. Das Alte Wissen sagt vielmehr, dass die Einheit, die 1, die für Gott steht, bereits die 1000 als Erfüllung der 1 in sich trägt. Aleph und Elef bringen diesen Umstand mit ihrem Schriftbild zum Ausdruck.
1000 ist aber nicht der Zahlenwert für dieses Optimum in der Welt der Dualität. Hier ist die 2 ausschlaggebend, hier kommt die 1 als 2 in Erscheinung und die 1000 als 2000. Das Prinzip 10 x 10 wird gelebt von einem Menschen, der 10–5–6–5 zu 20 verbunden hat; er kombiniert 100 x 20 zu 2000.
Im Alten Wissen wird gesagt: „Die 2000 ist der Ausdruck der Elef, der 1000, in der Welt der Zweiheit. In der Zweiheit zählt man mit 2000 anstatt mit 1000.“ (Weinreb, „Wie sie den Anfang träumten“, S. 146)
Auf jeder Ebene markiert der Sprung von 1 zu 2 einen Schritt von der Unbewusstheit zur Bewusstheit. Was bis zur 19 unbewusst gelebt wird, kommt mit 20 in eine bewusste Umsetzung. Dieses Prinzip gilt für alle Ebenen, für die Stufe von 199 zu 200 und ebenso von 1999 zu 2000. Die 2000 steht damit für ein menschliches Aktiv- und Bewusst-Sein auf ganz neuem Niveau.
Die Entscheidung für diese Ebene stellt den dafür reifen Menschen vor eine riesige Herausforderung. Denn mit der Erkenntnis der 10 und ihrer Maximierung zur 1000 wächst in der Welt der Dualität auch der Widerstand dagegen und es stehen sich innerhalb des eigenen Denkens zwei extreme Positionen machtvoll gegenüber. Das Alte Wissen kennt die Erzählung von den 2 Riesen, die die Grenze zum Gelobten Land bewachen und deren Namen miteinander den Zahlenwert 1000 bilden.
Das Festhalten am Vertrauten und am „Normalen“ bäumt sich noch einmal zu einem immensen Widerstand gegen die neue Sichtweise auf; er scheint unüberwindlich. Der mögliche Untergang steht einer möglichen Erlösung 1 zu 1 oder besser gesagt 1000 zu 1000 gegenüber. Schließlich können diese Riesen, die die Schwelle von 400 zu 1000 bewachen, vom Menschen besiegt werden, wenn er seiner Intuition absolut vertraut und den wiederholten Attacken von Angst, Zweifel und Unsicherheit entschlossen entgegentritt.
Das Bild vom Nadelöhr im Bibelzitat – „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt“ – beschreibt diese Phase. Das Kamel, die Gimmel, die 3, geht durch das Nadelöhr von 10 x 10, weil ihr Bezug zur 1 stark genug ist. Der „Reiche“ hat seinen Besitz nicht nur im Materiellen, sondern auch in vertrauten Überzeugungen. Er hält fest an dem, worauf sein bisheriges Leben sowohl äußerlich als auch gedanklich basiert, kann nicht genug Vertrauen aufbringen, um in jeder Hinsicht gegen 0 zu gehen. Damit verschließt er sich dem inneren Reichtum, der sich hinter dem Nadelöhr auftut. Es manifestiert sich für ihn die zweite Bedeutung der 100, des Zeichens Kof: Er wird zum „Affen“, der nachäfft, was die Vielen tun und andere ihm vorsagen.
Der „Arme im Geiste“ lässt alle vermeintlichen Sicherheiten los im Vertrauen auf die 1, die er als ganz persönliche intuitive Führung wahrnimmt. Er anerkennt, dass er selbst in direktem Kontakt steht mit einer Ebene, die über das Irdische hinausgeht. Er als 10 begegnet bei wachem Verstand einer anderen 10 in sich selbst. Er nimmt zusätzlich zur alltäglichen äußeren Wirklichkeit eine innere Wirklichkeit wahr; beide ergänzen und bestätigen sich gegenseitig. Sich darauf einzulassen, entspricht der 100 und sie kann sich in der Welt der Dualität als 2 x 100 zu 200 kombinieren. 200 steht für die Erfahrung, dass Begegnungen mit anderen, aber auch das eigene Denken, Sinneseindrücke, das Tun und Sprechen „von oben“ geleitet werden und in der persönlichen Existenz „oben und unten“ zusammenwirken. Diese 10 erfasst bewusst beide Ebenen als real und kann sie zu 20 verbinden. 20 und 200 sind Prinzipien, die in der 2000 ihr Maximum zum Ausdruck bringen.
Das menschliche Bewusstsein (= 10) steuert darauf zu, dieses Maximum als 10 x 10 x 10 = 1000 in der Welt der Dualität (= 2000) zu leben, das ist seine grundsätzliche Veranlagung. Jedes Individuum tut das für sich, auf seine ganz persönliche Art und in seiner eigenen Geschwindigkeit. 2000 markiert im Zeitlichen diese Möglichkeit als Prinzip und hat als Zahl diese qualitative Aussage.
2000 ist damit die zeitliche Markierung für einen Prozess, der in der Dualität seinen Abschluss findet, indem 1000 als Prinzip und 1000 als bewusste Erfahrung einander begegnen. Diese Zahl als qualitative Zeitmarke legt fest, dass der Mensch individuell fähig wird, diesen Prozess für sich abzuschließen und das Prinzip 1000 selbst zu erfahren.
Das Jahr 2000 nach Christi Geburt hat in diesem Sinn eine Bedeutung. Im christlichen Glauben wird Jesus Christus als Sohn Gottes bezeichnet und als menschliche Manifestation des Göttlichen im Irdischen gesehen. Christus lebte als Mensch in Zeit und Raum und war sich dabei seines göttlichen Ursprungs bewusst. In Zahlen ausgedrückt lebte er als bewusste 10 das Prinzip 1000.
Die Schöpfungsgeschichte im Alten Testament sagt, dass der Mensch im Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde. Christus bezeichnet sich selbst als Sohn Gottes und gleichzeitig die Menschen als seine Brüder und Schwestern. Diese Aussagen betonen, dass jeder Mensch einen Aspekt dieses Göttlichen und Absoluten darstellt.
Jesus Christus verkörpert erstmals die 1000 in der Welt der Dualität und setzt damit einen bedeutenden Impuls. Mit seiner Geburt beginnt die konkrete Umsetzung des abstrakten Prinzips 1000. Er ist der 1. Mensch, der 1000 bewusst lebt. Seine Geburt markiert den Beginn für die konkrete Umsetzung des Prinzips 1000 durch die Menschheit. Die Geburt Christi setzt den Impuls dafür und dieser Impuls ist so wesentlich, dass er die irdische Zeitrechnung bestimmt.
Wer anerkennt, dass sich im Irdischen das Absolute direkt zum Ausdruck bringt und dass Zahlen eine qualitative Aussage machen, für den ist nachvollziehbar, dass diese Art der Zeitrechnung etwas zu sagen hat.
Die christliche Zeitrechnung findet inzwischen auf der ganzen Welt im internationalen Miteinander Anwendung und stellt auf diese Weise für alle Menschen einen Bezug zu Jesus Christus und seiner Geburt her. Eine grundsätzliche Verbindung jedes Menschen zu ihm und dem von ihm gesetzten Impuls bestätigen die großen Weltreligionen, denn direkt oder indirekt haben auch sie Bezug zu Jesus Christus:
Das Judentum lehnt ihn als den erwarteten Messias ab, weil er die Erlösung Israels aus dem Unheil im irdischen Sinn nicht erfüllt. Dadurch kommt es zur Spaltung zwischen Juden und Christen. Der Islam kennt „Jesus, Sohn der Maria“ als wichtigen Propheten und nennt ihn „Gottes Wort der Wahrheit“. Im Hinduismus weist die göttliche Gestalt Krishna deutliche Parallelen zu Christus auf.
Durch Jesus Christus erfährt die Menschheit, dass sie aus Söhnen und Töchtern Gottes besteht. Seine Aussage „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ gilt daher auch für seine Brüder und Schwestern, als die er die Menschen bezeichnet; jeder Mensch ist nicht im Irdischen zu Hause, sondern im Absoluten.
Christi Geburt hat eine Bewusstseinsentwicklung in Gang gesetzt, die auf eine Wiederkunft des Messias hinausläuft. Christus kündigt seine Wiederkunft in der Johannes-Offenbarung wiederholt an und betont: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“
Das Alte Wissen sagt von den Heiligen Schriften, dass sie beschreiben, was zeitlos im Menschen lebt. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass das darin Geschilderte nicht etwas ist, das sich außerhalb befindet, weit weg, sowohl räumlich wie zeitlich, sondern ganz nah. Es lebt im Menschen und er selbst ist dieses Geschehen.
Jeder einzelne, der diese Sichtweise akzeptiert und für sich annimmt, kann auch den Gedanken der Wiederkunft in sich selbst annehmen und zulassen. Er ist fähig sich darauf einzustellen, dass die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins eine Art Wiederkunft der von Jesus Christus gelebten 1000 zum Ziel hat. Der mit Christi Geburt gesetzte Impuls zur 1000 läuft darauf hinaus, sich in jedem einzelnen Menschen umzusetzen und bewusst erfahrbar zu machen.
Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Wiederkunft Christi im Menschen selbst angelegt und vorgesehen ist. Die Lebensgeschichte des Gottessohnes im Neuen Testament beschreibt somit einen Prozess im einzelnen menschlichen Bewusstsein, das diese Wiederkunft in sich erlebt. Die Phasen im Leben Christi, von der Geburt über die Kreuzigung bis zur Auferstehung, sind symbolische Bilder für eine Erfahrung, die das einzelne Bewusstsein in ganz individueller Ausprägung macht.
Nicht zufällig ist die globale Zeitrechnung daher am Zeitpunkt der Geburt Christi festgemacht. Sie und die darauf basierende Zeitrechnung gelten für alle Menschen und sind ausgelegt auf die Wiederkunft der 1000. Gemäß der Johannes-Offenbarung ist diese Wiederkunft am Ende der Welt zu erwarten, am Ende der Welt der 400.
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