Read the book: «Das Casino»
Michael Voss
Das Casino
Ein Ines-Erotikbuch
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel: 1 Riva am Gardasee
Kapitel: 2 Wirklich – keine Ahnung
Kapitel: 3 Hast du Kinder?
Kapitel: 4 Na komm ich zeig es dir.
Kapitel: 5 Der nächste Tag
Kapitel: 6 Versprochen – lieferst du mich ab?
Kapitel: 7 Hast du den Schlüssel?
Kapitel: 8 Mir gefällst du so wie du bist.
Kapitel: 9 Was gibt es Neues?
Kapitel: 10 Sie kannte einen Trick
Kapitel: 11 Ich habe sie nur ertastet.
Kapitel: 12 Was hast du vor?
Kapitel: 13 Ich kenn sie schon…
Kapitel: 14 Ach so ist das!
Kapitel: 15 Da bin ich aber platt
Kapitel: 16 dann beherrsch dich halt
Kapitel: 17 Einfach geil.
Kapitel: 18 Die Florenz Idee.
Kapitel: 19 Wie läuft es mit Barbara?
Kapitel: 20 Bist du hier alleine?
Kapitel: 21 Machst du denn gerne Spielchen?
Kapitel: 22 Ach ja, und so…
Kapitel: 23 Die Sekretärin meint
Kapitel: 24 Es ist für mich ein Hobby.
Impressum neobooks
Prolog
Der exklusive Nightclub der Familie Violamonti in Mailand bietet Lebenslust und Luxus pur. Giovanni ist der Boss des Clans, aber im Hintergrund gibt es eine geheimnisvolle Frau.
„Die Dame in Rot“ zieht die Fäden und spielt mit den Menschen. Sie beherrscht ein gigantisches Imperium. Mal vergibt sie den Siegel-Ring der einen als Familienmitglied ausweißt, mal nimmt sie ihn wieder zurück. Wer sich nicht unterwirft, bekommt den Todeskuss.
Der Baumeister Manfredo, arbeitet für sie ohne zu wissen, dass sie ihn zu manipulieren versucht. Die Dame in Rot schafft eine Verbindung zu einer Frau, die ihn liebt und mal verflucht.
Es gelingt ihm nur sich von dieser Frau zu lösen, indem er sich für den Ausstieg entscheidet. Dieser Vorgang, wird schwieriger, als zuerst gedacht. Florenz soll seine neue Zukunft werden. Ein Stadtpalast zur Renovierung wird ihm angeboten. Wird er es schaffen, das Objekt zu erwerben um dort ein neues Leben zu beginnen? Wird Barbara noch an seiner Seite sein?
Kapitel: 1 Riva am Gardasee
Warum sollte ich woanders sitzen als in meinem Lieblingscafe, direkt an der See-Promenade von Riva am Gardasee? Barbara ist nur mal schnell über die Straße um in ein Geschäft zu gehen. Sie braucht dringend neue Schuhe. Ich sehe ihr nach und bin in meine Gedanken versunken. Heiraten? Vielleicht ist sie die Richtige fürs Leben. Nachdem was wir gemeinsam durchgemacht haben. Endlich in den Hafen der Ehe? Bin ich wirklich schon wieder reif dafür? Eine gescheiterte Ehe hab ich ja bereits hinter mir.
Alles Fragen, auf die ich noch keine Antwort habe.
Eine junge Dame kommt an den Tisch und fragt, ob es noch einen freien Platz gäbe. Das Café ist inzwischen bis auf den letzten Platz besetzt. „Ja klar, nehmen Sie doch Platz.“
„Mein Freund wird aber auch noch kommen, ich hoffe wir stören Sie nicht.“
„Kein Problem, meine Freundin ist gerade Schuhe kaufen, sie wird auch gleich zurück sein.“
Ein Hüne von Mensch kommt auf unseren Tisch zu. Bestimmt gute zwei Meter groß.
„Da ist er ja, mein Schatz“, meint die junge Dame schmunzelnd.
Barbara winkt von der anderen Straßenseite herüber und gibt mir zu verstehen, dass es wohl der falsche Laden war, sie geht noch zu einem anderen um die Ecke.
Wir kommen schnell ins Gespräch, sprechen über die verschiedenen Bootstypen und wie sich die Zeit verändert hat. Er ist Bootsbauer, nutzt die Gelegenheit, seinen neuen Typ hier am Gardasee vorzustellen.
„Eine reine Rennmaschine, eher unbequem, aber sehr schnell.“ Er würde sie mir gerne zeigen. Wir kommen auch auf das gestrige Unwetter zu sprechen. Er hätte es nur auf der Autobahn erlebt, sein Bootstrailer sei heftig im Wind geschaukelt. Teilweise konnte er nur in Schrittgeschwindigkeit fahren.
Barbara kommt an den Tisch, ich stelle sie vor und ihr Blick bleibt an Jochen hängen. Ich spüre, wie sie ihre innere Erregung zu verbergen versucht.
Ein Traummann, wow! Sie erzählt gleich, dass sie auch aus dem Norden kommt. Der Freundin wird das Gespräch etwas zu persönlich. Sie meint nur, „Sie kommen wohl aus den neuen Bundesländern.“
Jetzt war eine klare Linie gezogen. Ich kann förmlich Barbaras Gedanken lesen. Um die Situation zu retten, meine ich, „Es wird Zeit aufzubrechen.“
Barbaras Blick, verrät, dass sie jetzt noch eine kleine Ewigkeit hier sitzen könnte. Ich ergreife aber die Gelegenheit und stehe kurzerhand auf. Ich verabschiede mich und wünsche noch einen großen Erfolg bei der anstehen Regatter.
Barbara erhebt sich nur langsam von ihrem Sitz. „Du kannst ja nachkommen, ich gehe schon mal zum Boot.“
„Nein, ich komme auch gleich, bitte warte, vielleicht nimmst du ja die Tasche mit den Schuhen.“
„Aber sicher, gib mir die Tasche.“
„Der junge Mann hat dir aber besonders gut gefallen.“
„Ich gebe zu, so was bekommt man nicht alle Tage zu sehen“, meint Barbara.
Unser Boot wurde bereits von einem Angestellten des Hotels geputzt und war nun startklar. „Nur tanken müssen wir noch, das war so vereinbart.“
„Wir werden uns die Regatter vom See aus ansehen und vielleicht zum Mittagessen irgendwo an einem schönen Strand anlegen.“
„Gute Idee“, meint Barbara. Sie setzt sich noch einen Strohhut auf und dann legen wir ab. Wir tuckern so gemütlich vor uns hin und beobachten die Vorbereitungen für die Wettfahrt. Eine kaum überschaubare Menge toller Boote sind zum Wettkampf angetreten. Durch das Fernglas haben wir einen super Überblick. In einer halben Stunde ist Start, einige können es kaum noch erwarten und kreisen schon um die Startlinie um eine gute Position einzunehmen. Andere wiederum trainieren noch das Handling mit ihrem Boot.
„Wir sollten auch mal mit einem Segelboot eine Ausfahrt machen, hier gibt es wirklich schöne Boote zu mieten.“ Barbara kann sich dafür nicht begeistern. Sie meint: „Da liege ich lieber in der Sonne und genieße das Leben. Mit einem Glas Champus in der Hand.“
„Ich lasse dich jetzt mal ein Stückchen hinterher schwimmen.“
„Viel zu kalt“, meint Barbara. „Das ist nichts für das Kind.“
„Du willst wohl jetzt unbedingt ein Kind?“
„Warum nicht?“
„Aber ich will keinen Kinderstress, wenn es kommt gut, aber wenn es nicht kommt auch gut.“
„Ach, so siehst du dass?“ Barbara erregt sich heftig und schimpft gleich weiter:
„Wo hast Du eigentlich gedacht, dass wir mal wohnen werden? Hier steht eine dringende Frage im Raum. Wie sollen unsere Kinder mal erzogen werden? Italienisch, Deutsch, was glaubst Du denn?“
„Jetzt sprichst Du schon von Kindern. Wie viele willst Du denn?“ Meine ich.
„Auf jeden Fall einen Buben und anschließend noch ein Mädchen.“
„Hast Du schon ein Rezept, wie man das anstellt?“
„Nein dass nicht, ich hörte nur, dass man viel üben soll.“ Nun muss Barbara lachen. Dann unterbrechen wir unsere Diskussion um den Start der Boote zu beobachten. Ein Kanonenschlag, wurde zum Start gezündet. Das Feld rauscht zügig ab, schon bald haben wir sie aus den Augen verloren.
Wir tuckern noch eine Stunde in der Bucht umher. Barbara war das zu langweilig und bat mich umzukehren. Ich gab das Boot beim Vermieter zurück und schlendere nun mit Barbara gemütlich in Richtung unseres Hotels.
„Was machen wir nun eigentlich mit dem angebrochenen Tag?“, frage ich so nebenbei.
„So richtig faulenzen“, meint Barbara.
Wir beschlossen einige Läden nach einem Anzug zu durchforsten. Ich wollte einen leichten Sommeranzug. Barbara sollte ein leichtes Kostüm bekommen. Wir wollen in Brixen doch ordentlich erscheinen. Anneliese hatte uns zur gemeinsamen Besprechung wegen des Neubaus gebeten.
„Muss ich bei Anneliese eigentlich Eifersüchtig sein?“ Fragt Barbara.
„Nein, auf keinen Fall, sie ist eine echte Kameradin, du wirst mal froh um sie sein, wenn du Hilfe mit den Kindern brauchst.“
„Du Ekel, Du wirst mich doch nicht alleine mit den Kindern in Brixen sitzen lassen?“
„Aber in Italien hab ich meine Arbeit und meine Brötchengeber. Entschuldigung, mein Handy klingelt.“
„Kannst Du nicht einmal dein Handy im Hotel lassen? Niemals haben wir Ruhe davon.“
Es ist Giovanni, ich bin erstaunt und frage: „Wie geht es Dir altes Haus?“
„Wir wollen nun doch die Villa in San Remo in Angriff nehmen, da dachten wir an Dich, wehr kennt sie besser als Du?“
„Was wollt ihr denn daraus machen? Vielleicht ein Edel-Puff?“
„Aber ich bitte Dich. Es wird eine hoch herrschaftliche Villa, wir haben schon einen Käufer dafür.“
„Das hört sich gut an.“ Meine ich entspannt.
„Wann kannst Du dort sein?“
„Geht es übermorgen?“
„Ja das ginge, gegen elf an der Baustelle.“
„Abgemacht!“ Meint Giovanni.
„Wo geht es jetzt wieder hin?“, fragt Barbara genervt. - „Du willst also mit dem alten Gauner zusammen arbeiten?“ „Warum nicht, ich kenne seine Trix, davon abgesehen, er hat mich nie wirklich betrogen. Alle seine kleinen Gaunereien, hab ich schnell durchschaut. Außerdem kommen wir endlich wieder in die Wohnung, du kennst sie ja kaum noch.“
„Wir werden noch der Zugehfrau Nachricht geben, damit alles sauber ist.“
„Also das heißt wieder mal packen.“ Bei Barbara fällt die Laune in den Keller.
„Ich bin nun mal ein Zigeuner, es treibt mich immer wieder an einen anderen Platz.“
„Ich will aber endlich mal wo bleiben.“, meint Barbara.
„Wenn wir mit der Baustelle in San Remo beginnen, sind wir mindestens für ein Jahr dort.“
„Na, hoffentlich, wird es nicht länger“, entgegnet Barbara gereizt.
„Du kannst dann mit dem Mercedes deine Ausflüge machen und die Gegend kennen lernen. Oder willst Du mal wieder deine Schwester besuchen, dann bring ich dich nach München. Du kannst dann den Wagen mitnehmen und später nach San Remo nachkommen?“
„Die Idee ist nicht schlecht.“ Barbara beginnt zu lachen.
„Wie kommst Du dann weiter?“, fragt Barbara.
„Das wird sich ergeben, notfalls nehme ich einen Leihwagen.“
„Wir müssen unbedingt einen Laptop mitnehmen, damit wir immer erreichbar sind.“ „Das fehlt ja gerade noch, dass du dann am Abend vor diesem blöden Ding sitzt und E-Mail sendest.“
„Warum bist Du denn so böse, sei doch froh, wenn sich etwas tut.“
Als wir in das Hotel kommen, liegt schon Post für uns bereit. „Die zwei Briefe sind für mich“, und schon hat Barbara sie gegrapscht.
„Erwartest Du denn Liebesbriefe?“ Fragt sie mit einem Hintergedanken.
„Nein aber diese zwei sind von Betti und deshalb für mich.“
„Glaubst du etwa, es hat sich für Betti die Welt verändert?“
„Nein, sicher nicht, aber vielleicht hat sie endlich einen richtigen Freund gefunden.“ „Komm lass uns in die Lounge gehen, ich bestell uns noch einen Cognac.“
„Nein, mir lieber einen Gin Tonic. Okay?“
Wir suchen uns eine ruhige Ecke und vertiefen uns in die Post. Ein Steuerbescheid aus München, da hab ich schon lange drauf gewartet. „Sie langen ja ganz schön hin“, grummle ich vor mich hin. „Könntest du dich bitte leise mit deiner Post befassen, ich möchte nämlich lesen.“ „Vielleicht doch besser einen Cognac?“
„Lass mich jetzt endlich in Ruhe.“ Eigentlich bin ich gerade in der Stimmung sie ein wenig zu ärgern. Entschließe mich aber doch besser die Ruhe zu bewahren. Ein dickes Kuvert aus Brixen, unendlich viele Fragebogen und Verwaltungsbögen. Das hab ich nun davon, dass ich unbedingt dort bauen will.
„Betti will ihren Anteil am Objekt in Bar ausgezahlt haben.“, kommt es von Barbara.
„Ich dachte, wir wollen schweigen“, erwidere ich.
„Entschuldige, aber ich musste es sagen.“
„Will sie sich besaufen, oder was will sie damit anfangen?“
„Sie will sich eine Wohnung kaufen. Sie zieht mit einer Freundin zusammen, da die Mieten in Berlin so hoch sind, will sie lieber kaufen, statt mieten.“
„Das ist das erste Mal, dass ich sie verstehen kann. Wie geht es ihr denn sonst? Schreibst sie was von Arbeit, die sie vielleicht gefunden hat?“
„Ja sie arbeitet am Schauspielhaus, ist dort mit der Deco beschäftigt.“
„Sie wird doch nicht erwachsen werden. Lauter so ernste Sachen, dass kennt man ja eigentlich gar nicht von ihr.“
„Ja, es geschehen noch Dinge, die kann man kaum glauben. Wie willst du das regeln, ich meine das Ding mit dem Objekt?“
„Zuerst muss ich mal nachrechnen, wie viel sie bekommt.“ „Wir müssen es schätzen lassen. Verkaufen wirst du es nicht können, da müsste schon ein ganz toller Hecht vorbei kommen, mit einer ganz großen Feder am Hut.“ „Ich will es eigentlich nicht verkaufen, aber wenn es mir alleine gehört, dann bin ich frei in meiner Entscheidung. Im Moment ist es ja gut Vermietet.“
„Wie hoch schätzt du denn den Wert ein?“
„Irgendwann, waren es mal fünfzigtausend.“
„Reichsmark oder schon echtes Geld?“ Ich frotzle so dahin. Aber es gefällt ihr nicht. Sie ist sehr ernst. „Bitte verstehe, es ist mir nicht nach scherzen.“, meint sie.
„Wir werden das mit deinem Anwalt besprechen, du kannst dass selbstverständlich auch alleine machen.“
„Nein, ich will schon, dass du dabei bist. Dein Anwalt in München wird sowieso der richtige sein. Er kennt sich gut aus und ist recht geschickt, wie er durch die Verhandlungen mit der Filmproduktion bewiesen hat.“
„Du kannst dich ja mit ihm mal zusammensetzen wenn du in München bist. Was schreibt denn Betti noch so?“
„Sie hat sich wohl endgültig entschlossen mit ihrer Freundin beisammen zu bleiben. Von den Männern hat sie die Nase gestrichen voll, betont sie.“
„Aber sie war doch so glücklich mit...“
„Nein, da irrst du. Sie hat deinen Freund nur ausgenützt, sie wollte einfach nur umsorgt sein.“
„Ich versteh das schon, sie ist eben auf der Suche.“
„Aber so ist es doch immer, plötzlich findest du Plätze schön, die du vorher nicht beachtet hast.“
„Also ich mach das nun so, ich werde morgen deinen Wagen nehmen und fahre erstmal nach München, spreche mit dem Anwalt und fahre anschließend weiter nach Berlin zu Betti.
„Gut, dann nehme ich übermorgen den Zug nach San Remo. Wir sehen uns dann demnächst dort, oder nicht?“
„Doch ich komme gerne, ich kenne es ja kaum. Auch das Wetter wird dort viel besser sein.“ „Aber eine Bitte habe ich, du bringst deine Schwester nicht mit.“ „Ich verspreche es.“ Wir beschließen den Abend in einem sehr gemütlichen Restaurant zu verbringen, so mit Kerzenlicht und leiser Musik.
Schon um sechs des nächsten Morgens, spüre ich wie unruhig Barbara ist. Sie steht immer wieder auf und meint dann ganz plötzlich, ich fahre jetzt. Sie geht in das Bad und macht sich frisch und wir bestellen das Frühstück auf unser Zimmer.
Irgendwie sind wir uns die letzten Tage auf den Geist gegangen, vielleicht wurde mir auch alles zu eng. Erklären kann ich es eigentlich nicht, aber ich bin schon recht froh, mal wieder alleine zu sein.
Nach dem Frühstück, lässt Barbara den Pagen kommen, er bringt die Koffer zum Wagen. Eine Stunde später bummle ich alleine über den Marktplatz. Hier treffe ich den Bürgermeister und wir beschließen ein Café aufzusuchen.
Wir bestellen einen Capuccino mit Cognac. „Ich habe Probleme mit den Grünen im Amt.“, meint er plötzlich. – „Der Bau wird zu groß, sagen sie.“
„Dann machen wir den Anbau einfach um ein Etage niedriger, dass kommt allen entgegen. Dadurch wird das Projekt auch leichter und billiger.“ Erkläre ich ihm.
„Gute Idee, ich hätte schon viel früher mit dir reden sollen. Morgen ist Sitzung, du kommst doch?“
„Dann werde ich meine Reise verschieben müssen, aber das ist nicht einfach.
Giovanni hat alle an einen Tisch bestellt, verschieben, nein völlig unmöglich.“ Diesmal muss der Bürgermeister sich nach meinen Plänen richten und sie alleine erklären.
Das Telefon läutet. „Ja, da hab ich richtig Glück gehabt, dass ich gleich durchkomme.“ Anneliese ist am Telefon.
„Komm, mach mir nichts vor, ich weiß doch, dass du mich einfach vergessen hast. Weißt du, ich kenne dich jetzt schon so lange, dass ich bereits fühle, wenn bei dir etwas nicht stimmt. Habe ich Recht?“
„Ja, du hast ja Recht, Barbara und ich sind uns auf den Wecker gegangen.“
„Du wirst es niemals länger wie sechs Wochen mit einer Frau aushalten. Deshalb verstehen wir uns ja so gut. Wie du weißt geht es mir mit meinem Mann genauso, nur wir haben eine Abmachung, er muss dann auf den Berg.“
„Hab ich leider im Moment keinen hier. Erzähl was gibt es neues?“
„Du musst unbedingt kommen, es ist schon so weit, wir machen gerade das Fundament.“
„Wow, so wie es aussieht, komme ich erst, wenn der Rohbau steht. Ich muss morgen unbedingt nach San Remo, sie wollen die Villa nun doch umbauen.“
„Da gratuliere ich dir aber, auf dieses Projekt hast du dich doch so gefreut.“
„Ich gebe ja zu, dass ich schon enttäuscht war, als es damals abgesagt wurde. Es wird jetzt eine Luxusvilla mit vier Wohnungen, die verkauft werden sollen.
„Wieviel Kommission wirst du bekommen?“
„Ich werde es dir mal bei einer guten Flasche Wein verraten.“
„Ich werde dich beim Wort nehmen.“, meint Anneliese.
„Ich vertraue Dir, da du ja weißt auf was es mir ankommt. Wie habt ihr das mit dem Grundwasser geregelt? Es hat sich doch im Garten als Problem herausgestellt.“
„Wir machen eine Dränage. Zuerst hatten wir vor ein Biotop anzulegen, aber der Baumeister hatte mit den zu erwartenden Mücken bedenken.“
„Habt ihr gut gemacht, dass ihr dass gelassen habt.“
„Was treibst du heute Abend? Ich nähe an meinem Abendkleid, du weißt ja wir haben bald unseren Hochzeitstag.“
„Wann?“
„In vier Wochen.“
„Sag mal, welches Datum?“ „Der dreiundzwanzigste.“ Ich schreibe mir das sofort auf, aber sage natürlich nichts. „Ihr seid ja schon ewig zusammen.“
„Das müsstest du eigentlich genau wissen.“
Kapitel: 2 Wirklich – keine Ahnung
„Wirklich?“
„Stell dich nicht so an, sag bloß du hast es vergessen?“ Ich gebe vor es noch genau zu wissen, aber ich habe keine Ahnung, von was sie spricht.
Sofort krame ich mein Notizbuch heraus, um das Datum zu sichern. Da werde ich mir was einfallen lassen. Vielleicht werde ich sie einfach besuchen und überraschen. Sie ist schon eine ganz Liebe. Ich muss noch eine Weile über sie nachdenken. Beginne inzwischen mit dem Kofferpacken. Ich lasse mir von der Küche einen Brotzeitteller nach oben schicken. Ich bekomme noch die Nachricht, dass mein Zug um neun Uhr dreißig geht.
Der Zug ist bereits eine gute Stunde unterwegs, als ich mich entscheide in den Speisewagen zu gehen um einen Imbiss einzunehmen. Es ist ziemlich voll, es scheinen alle Geschäftsleute zu sein, die zu einem Kongress fahren.
Inzwischen nähern wir uns bereits Mailand. Vom Schaffner, erfahre ich, dass heute alles Verspätung hat, da in manchen Bahnhöfen gestreikt wird. Wenn es ganz schlimm kommt, nehme ich für den Rest der Reise einen Leihwagen.
Ich mach mich nicht verrückt, notfalls lasse ich mir von Giovanni einen Chauffeur schicken.
Mein Handy läutet, Barbara ist dran. Sie ist in München.
„Alles klar? Schönes Wetter?“ Sie meint, ich fehle ihr. Es wäre ohne mich in München nicht so schön.
„Jetzt gehst du in den Osterwaldgarten und gönnst dir was Gutes. Setz dich in die Sonne und trinke ein Weißbier auf mich. Ist die Wohnung in Ordnung?“
„Wie gewohnt. Sie ist schön aufgeräumt und gewienert.“
„Wenn du nach Berlin fährst, nimm bitte die zwei Umzugskartons mit, damit ich sie los bin.“
„Was soll den Betti damit?“
„Bitte sieh noch in die Garage, ob mit dem SL alles okay ist?“
„Vielleicht nehme ich ihn ja, stelle dafür den anderen hinein.“
„Untersteh dich, rühre ihn ja nicht an.“
„Mal sehen?“, kommt es etwas schnippisch zurück. „Bussi.“ Sie wird doch nicht wirklich auf die Idee kommen und den SL rausholen. Ich vergrabe mich wieder in meine Zeitung. Da kommt ein Getränkewagen vorbei und bietet diesmal auch Cognac und ähnliche Getränke an.
Da klingelt schon wieder das Handy. „Ich bin es noch mal. Ich war jetzt in der Garage, also drinnen steht er ja noch, aber er ist schrecklich verstaubt, soll ich nicht besser in die Waschstraße fahren?“
„Du lässt ihn stehen.“ Ich werde etwas laut, der Nachbar, sieht mich über den Brillenrand prüfend an.
Lächelt und meint, „immer diese Töchter. Sie hätten den Schlüssel mitnehmen sollen.“ Da fällt mir ein, ich habe ihn ja bei mir, sie kann ja gar nicht fahren, sie will mich nur ärgern.
„Du Biest, sei geküsst. Bis auf bald.“ Als sie auflegt, lacht sie noch.
Wieder das Handy, mein Nachtbar lächelt. „Ich bin es noch mal.“
„Was gibt es Liebling?“, frage ich.
„Ich bin gerade an unserem Kleiderschrank, Soll ich für dich ein paar Hemden mitnehmen?“
„Wenn du noch Platz hast. Muss aber nicht sein, ich hab hier genug.“
„Jetzt hab ich gerade unser gemeinsames Tuch in der Hand. Ich werde mir jetzt die Augen verbinden und mich auf das Bett legen. Möchtest du zuhören?“
„Barbara! Ich sitze im Zug.“
„Da wirst du wohl etwas unruhig werden?“
„Na warte, aber trotzdem viel Spaß.“ Ich lege auf.
„Na, hat sie den Wagen rausgeholt?“, fragt mein Nachbar.
„Nein, sie hat etwas anderes zum Spielen gefunden.“
„Ist sie noch sehr jung?“
„Wie ein Kind, könnte man meinen.“ Ich muss lachen. Eigentlich gefällt es mir, wie sie versucht den Kontakt zu halten. Erneut läutet es.
„Was ist denn nun wieder?“
„Anneliese, ach entschuldige. Was kann ich für dich tun.“
„Wir sind gerade an der Böschung, willst du eine Stufe oder ein sanft abfallendes Gelände, mit einem kleinen angedeuteten Hügel.“
„Keine Stufe bitte.“
„Du musst unbedingt in Kürze auftauchen, sonst gibt es die ersten Fehler.“
„Du machst das schon richtig. Es soll ja auch zu deinem Grundstück passen. Entscheide einfach, wie du es machen würdest, ich verlasse mich auf dich.“
„Servus, bis bald.“ Kaum hab ich aufgelegt, wieder das Handy.
Nicole, das ist die junge Dame, die sich um meine Wohnung kümmert. „Wie lieb dass du anrufst.“
Sie will wissen, was in den Kühlschrank muss?
„Du weißt doch, immer das gleiche.“
„Noch einen Wunsch bezüglich des Weines?“
„Wie immer. Kommst du mit Freundin, oder solo?“
„Solo!“
„Du brauchst wohl Ruhe?“
„So sieht es aus.“ Ich schalte das Handy ab. Erneut kommt der Wagen mit der Brotzeit vorbei und ich mache eine Reservierung für den Speisewagen. Nach einer viertel Stunde wird meine Nummer aufgerufen.
Mein Platz ist an einem zweier Tisch. Der Ober meint, „es macht ihnen doch nichts aus, wenn noch eine weitere Person hinzu kommt?“
„Sicher nicht.“
Auf den Tisch bewegt sich eine junge Dame zu.
„Darf ich?“ fragt sie höflich. Ich springe auf und rücke ihren Stuhl zurecht. „Vielen Dank.“ Sie sieht atemberaubend aus. Der Ober steht am Tisch und fragt nach der Bestellung.
„Sie bitte zuerst.“ Sie bestellt sich einen Roten und ein Glas Wasser und dann die Spaghetti.
„Ich nehme auch den Roten und Wasser, aber bitte die Lasagne.“
„Kommt sofort.“ Wir sehen beide aus dem Fenster. Plötzlich meint sie, „Sie müssen Künstler sein, sie haben so schmale Hände.“ Sie hat einen süßen Mund und ihr Augenaufschlag ist überwältigend.
Das Essen wird serviert. Wir stoßen mit dem Rotwein an. „Angelina“, meint sie. Ich bin ganz aus der Fassung, „Manfredo“, erwidere ich.
„Wissen sie, ich bin Modell, habe einen Auftrag und bin ziemlich nervös.“
„Dann trinken wir jetzt auf die innere Ruhe“, schlage ich ihr vor.
„Die kann ich wirklich gebrauchen. Es geht um einen sehr großen Auftrag, wenn alles klappt, gehe ich nach Amerika.“
„Das wäre aber schade, wenn Europa so eine nette Persönlichkeit verlieren würde.“ „Es ist die Chance meines Lebens“, meint Angelina. „Also, dann lassen sie uns darauf anstoßen, dass sie Erfolg haben werden. Wo findet denn die Entscheidung statt?“
„In San Remo!“
„In diesem Ort werden sie Erfolgreich sein!“, erkläre ich.
Am Bahnhof winkt bereits Nicole heftig mit den Armen um auf sich aufmerksam zu machen. Ich sehe mich noch mal um, um vielleicht irgendwo Angelina zu entdecken.
Nicole will wissen, warum ich mich immer wieder umsehe. „Suchst du jemand?“
„Nein, ich dachte ich hätte da einen Bekannten gesehen. Übrigens vielen Dank, dass du mich abholst. Aber ich hätte auch ein Taxi nehmen können.“
„Aber das macht doch nichts. Wir müssen noch schnell frisches Brot kaufen, das hab ich vergessen zu besorgen.“
Ich trete auf meine Terrasse und genieße den Ausblick. Also diese Entscheidung, damals war sicher die richtige. Ich öffne eine Flasche und setze mich hinaus, genieße den lauen Abend. Richte mir noch eine kleine Brotzeit, schade, dass Nicole nicht bleiben konnte.
Das Telefon läutet. Es ist Barbara, „Warum hast du einfach abgeschaltet? Es ist dir wirklich was entgangen.“
„Kann ich mir vorstellen.“
„Ich habe unser Tuch immer noch um.“
„Um die Augen?“
„Nein um den Hals.“
„Da bin ich aber froh.“
„Ich habe mich daran gemacht und in den Kisten gestöbert, ich werde einen großen Teil einfach entsorgen.“
„Finde ich eine kluge Entscheidung“, meine ich.
„Was soll ich denn mit den Geräten machen?“ „Musst du wissen. Ich will dich da nicht beeinflussen. Die Pläne solltest du vielleicht besser aufheben, die wirst du noch brauchen. Auch alte Fotos, vom Gebäude, solltest du noch aufbewahren.“
„Wenn du meinst, tue ich alles was wir noch brauchen können in eine Kiste.“
„Bitte stelle sie aber in die Besenkammer, bevor sie von der Putzfrau besichtigt wird.“ Wir bereden noch den nächsten Tag und wünschen uns eine gute Nacht.
Am nächsten Morgen, scheint die Sonne über San Remo, es ist ein wolkenloser Himmel.
Im Büro ist bereits hektisches Treiben. Als ich eintrete, kommt Giovanni auf mich mit einem lauten „Hallo“ zu. Wir begrüßen uns wie alte Freunde. Der alte Ärger, ist wie weggeblasen.
„Hast du schon was für den Abend vor?“
„Nein, ich bin Solo.“
„Dann musst du mitkommen. Wir werden heute Abend entscheiden, wer uns in Amerika vertreten wird.“
„Was vertreten?“, frage ich vorsichtig.
„Wir haben uns eine Parfum Firma zugelegt.“
„Wieso denn dass?“
„Es ist ein wichtiges und neues Standbein für uns.“
Pünktlich um elf beginnt Giovanni mit seiner Ansprache, erklärt, warum nun die Villa doch umgebaut wird. Danach teilen wir uns in Einzelgruppen auf um ins Detail zu gehen. Zu Mittag wird eine Kleinigkeit gereicht, um die Arbeit nicht zu unterbrechen. Gegen fünf, mahnt Giovanni zum Ende zu kommen, morgen ist auch noch ein Tag.
Er kommt zu mir und gibt mir eine Karte mit der Einladung für den Abend. Zurück im Appartement lege ich mich zuerst mal in die Wanne um zu entspannen.
Einen weißen Sommeranzug, das ist Pflicht in San Remo am Abend, also bürste ich ihn noch mal kurz aus. Ich betrachte mich mit prüfendem Blick im Spiegel, ob ich nun wirklich so gehen kann.
Okay passt, war meine Entscheidung. Ich rufe mir ein Taxi und fahre in den Palazzo der Familie von Giovanni. Seine Söhne sind auch schon da und begrüßen mich zurückhaltend. Sie haben den alten Streit noch nicht vergessen. Schließlich zogen sie damals den Kürzeren und wurden von ihrem Vater getadelt.
Wir haben noch etwas Zeit, diese vertreiben wir uns, indem wir uns einen Drink holen und im Haus auf und ab gehen. Giovanni bittet alle in den Saal zur Repräsentation seiner neuen Kollektion. Zwei Butler öffnen die großen Flügel des Portals. Er hat sich wirklich was einfallen lassen. Diverse Herren der Presse sind ebenfalls anwesend und von der Präsentation begeistert.
Als Giovanni den Raum betritt wird geklatscht. Mit Lichteffekten wird nicht gespart. Dann ertönt ein Gong. Ein Laserstrahler wird auf ein Parfumflakon gerichtet. Er beginnt mit seiner Laudatio. Nicht länger wie eine viertel Stunde nimmt er sich dafür. Dann stellt er die neuen Botschafterinnen vor. Eine für den Europavertrieb, eine andere nur für Amerika und eine für den Rest der Welt.
Eine Dame ist schöner wie die andere. Moment Mal, das ist doch Angelina. Aber für welches Gebiet ist sie denn nun zuständig? Wir werden in einen weiteren Saal gebeten. Hier ist eine lange Tafel gerichtet an der wohl gespeist wird. Ich gehe langsam um die Tafel und suche meinen Namen.
Jemand klopft mir auf die Schulter, „Wir kennen uns doch!“ Es ist Angelina.
Wir sitzen uns am Tisch gegenüber.
„Lassen sie uns auf den Abend anstoßen.“
„Gehen sie nach Amerika?“
„Noch kann ich wählen, aber eigentlich hab ich mich schon für Amerika entschieden.“
„Eine tolle Karriere erwartet sie dort. Ab Heute geht es nur noch aufwärts. Aber kämpfen werden sie müssen.“
„Das weiß ich, aber ich habe einen langen Atem. So eine Chance bekommt man nicht alle Tage. Was machen sie eigentlich hier?“
„Ich renoviere eine Villa für Giovanni.“
„Aha der Baumeister. Geht es um dieses Gebäude oder gibt es noch ein anderes?“
„Es gibt noch ein anderes, aber ganz in der Nähe. Sind sie im Hotel oder sind sie in einem der Gästezimmer im Haus untergebracht?“
„Wir sind hier im Haus. Haben sie schon die Söhne kennen gelernt?“, frage ich.
„Ja, es wurden mir beide vorgestellt. Einer wird unser Chef sein, aber ich weiß noch nicht welcher. Ab morgen wird nur noch gearbeitet, wir werden auf das neue Produkt eingeschult.“ Völlig unerwartet steht Giovanni an meiner Seite. „Na mein Junge, wie geht es, gefällt dir der Abend. Du hast ein hübsches Gegenüber. Schon einmal hast du eine hübsche junge Frau in unserem Betrieb gebracht.“
„Giovanni, wenn hab ich denn bei dir untergebracht?“
„Ich dachte Angelina käme durch dich.“
„Nein, Giovanni, wir haben uns nur gestern im Zug kennen gelernt.“

