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Michael Kotsch


Die Charismatische Bewegung 2
Praxis - Theologie - Geistesgaben


Reihe AUFKLÄRUNG

Band 65


Michael Kotsch

Die Charismatische Bewegung 2 Praxis - Theologie - Geistesgaben

1. Auflage 2008

© 2013 Lichtzeichen Verlag, Lage

Umschlag: Manuela Bähr-Janzen

Satz: Gerhard Friesen

ISBN: 9783869549576

Bestell Nr. 548957

E-Book Erstellung: LICHTZEICHEN Medien

www.lichtzeichen-medien.com


Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Erlaubnis des Verlegers in irgendeiner Form reproduziert werden.

Inhaltsverzeichnis

1. Charismatische Frömmigkeit

1.1. Charismatische Gottesdienste

1.2. Charismatischer Lobpreis

1.3. Charismatische Seelsorge

1.5. Charismatische Leitungsstruktur und geistlicher Missbrauch

2. Charismatische Charismen / Geistesgaben

2.1. Charismatische Geistestaufe

2.2. Charismatische Zungenrede

2.3. Charismatische Prophetie

2.4. Charismatische Heilungen

3. Charismatische Sonderlehren

3.1. Rhema und Logos

3.2. Die Glaubensbewegung

3.3. Gnostische Offenbarungen für Christen

3.4. Der Christ als Gott und der geistliche Tod Jesu

3.5. Glaube an den Glauben statt Glaube an Gott

3.6. Keine Krankheiten - nur noch Symptome

3.7. Reichtum garantiert

4. Die Charismatische Bewegung - ein Resümee

4.1. Positive Herausforderungen durch charismatische Frömmigkeit

4.2. Probleme charismatischer Frömmigkeit

4.3. Umgang mit Charismatikern in der Gemeinde

Literatur

Vorwort

Keine Gruppe der weltweiten Christenheit wuchs in den letzten Jahrzehnten so schnell wie die Charismatische Bewegung (und Pfingstgemeinden). Ihre Lehre betont die neutestamentlichen Gnadengaben Gottes (Charismata), insbesondere Zungenrede, Prophetie und Heilung. In ihrer Praxis legen Charismatiker Wert auf Emotionen, geistliche Erfahrungen, die Verbundenheit aller Christen und soziales Engagement. Neben zahlreichen positiven Herausforderungen für jeden Christen haben sich unter dem charismatischen Dach auch unbiblische Anschauungen und Praktiken entwickelt. Gesellschaftlich kann die Charismatische Bewegung als postmoderne Erlebnisreligion bezeichnet werden.

In diesem Buch sollen die besonderen theologischen Überzeugungen der Charismatischen Bewegung vorgestellt und eingeordnet werden. Daneben geht es auch um besondere Aspekte charismatischer Glaubenspraxis. Der Teil biblischer Lehren und praktischen Glaubenslebens, der charismatischen und nichtcharismatischen Christen gemeinsam ist wird an dieser Stelle nicht besprochen.

1. Charismatische Frömmigkeit
1.1. Charismatische Gottesdienste

Orte charismatischer Frömmigkeit sind Gebetskreise, Seminare, Kongresse und vor allem Lobpreisgottesdienste. Charismatische Gebetstreffen bieten dem einfachen Gemeindemitglied durch Singen, Beten, Erfahrungsberichte und gegenseitige Seelsorge Erfahrungen mit dem Heiligen Geist zu machen. Auch spektakuläre Geistesgaben (Zungenrede, Prophetie …) sollen in diesem Rahmen eingeübt werden. In charismatischen Seminaren soll nicht so sehr theoretisches Wissen, sondern eher praktische Erfahrungen mit dem Heiligen Geist vermittelt werden. Solche Seminare bieten einen hohen Erlebniswert und fordern nur eine geringe Verbindlichkeit. Häufig werden konkrete Hilfen und pragmatische Methoden vermittelt, um zusätzliche Erfüllungen mit dem Heiligen Geist zu erfahren oder einzelne Gaben einzuüben. Durch überregionale Kongresse wird die theologische und spirituelle Ausrichtung der Bewegung maßgeblich geprägt. Sie sind offene Angebote, ohne tiefere Verpflichtung, durch die öffentlich demonstrierten Geistesgaben haben sie einen hohen Erlebniswert und bieten durch das inszenierte Massenerlebnis eine gute Grundlage zur Identifikation und Selbstbestätigung. In einer überwiegend anonymen Atmosphäre geben sich die Teilnehmer eher ekstatischen und enthusiastischen Gefühlen hin. Charismatische Großkongresse tragen Züge einer Wallfahrt: Von geisterfüllten Rednern erwartet man die Vermittlung einer besonderen Gottesnähe und außergewöhnliche Manifestationen des Heiligen Geistes. Neue Trends und religiöse Ausdrucksformen (Verhaltensweisen, Ausdrücke usw.) werden verstärkt durch Kongresse in die lokalen charismatischen Gruppen vermittelt.1 Die verhältnismäßig junge und stark erlebnisorientierte Charismatische Bewegung bietet vorwiegend Gottesdienste in Alltagssprache, mit einem dynamischen, abwechslungsreich präsentierten Programm und ausgedehntem Musikteil nach jugendlichem Geschmack. Große Bedeutung nimmt in diesen Veranstaltungen das Lob Gottes ein, als Lied, als Chorus, als Sprachengebet oder –gesang, als gesprochener Lobpreis oder als freies Gebet, auch als persönliches Glaubenszeugnis. Konkret soll das Wirken Gottes in der Praktizierung spektakulärer Charismen (Glossolalie, Prophetie, Heilung) erfahren werden. Weder die Predigt noch die Eucharistie (Abendmahl) oder Diakonie stehen im Mittelpunkt des Gottesdienstes, sondern das Wirken des Geistes und das Erleben der Kraft Gottes. Obwohl charismatische Gottesdienste von Lobpreisteams und dominanten Leitern bestimmt werden, haben sie durch die Betonung des gemeinsamen Lobpreises und der Integration gemeindlicher Geistesgaben einen stark demokratischen Zug (allgemeines Priestertum). Wenn auch in der Praxis zumeist nur die Träger spektakulärer Charismen mit der Fähigkeit einer gewissen Selbstinszenierung öffentlich zu Wort kommen. Voraussetzung für die Weitergabe persönlichster geistlicher Erfahrungen und Sehnsüchte, sowie dem körperlichen Ausdruck eigener Gefühle in der Anbetungszeit ist eine gegenseitige Akzeptanz und gegenseitiges Vertrauen. Wobei sich auch in charismatischen Gottesdiensten Stil und Formulierungen der Beiträge standardisieren, und zu neuen spezifisch charismatischen Traditionen führen (tanzen, hüpfen, Hände erheben, Fähnchen schwenken, Zwischenrufe: „Halleluja“, „Gelobt sei Gott“, „Amen“ usw.). Der charismatische Gottesdienst könnte als religiöses Fest bezeichnet werden, in das sich der Besucher mit Leib, Seele und Geist einbringt. Er wird als Ort der Gegenwart Gottes begriffen, als Gegenpol einer materiellen, verstandesmäßig geprägten Realität. Er dient der emotionalen Selbstvergewisserung, der Stillung religiöser Sehnsüchte, dem Ausdruck der im Alltag unterdrückten Gefühle und der geistlichen Aufladung für die Bewältigung der Belastungen des Lebens.2 Katholische Frömmigkeit sieht insbesondere in den Sakramenten (Taufe, Abendmahl, Beichte …) das Wirken Gottes am Gläubigen. Durch die Sakramente wiederum wird der Christ von Gott zu einem frommen Leben befähigt. Reformatorische Theologie sieht das Wirken Gottes vor allem in der Vermittlung des Wortes Gottes. Hier teilt sich Gott dem Christen mit, gibt ihm Anteil an sich selbst und befähigt ihn biblisch zu leben. Zentrum des Glaubens sind die Vergebung der Schuld und die Erkenntnis eines gnädigen Gottes. Charismatische Christen wollen den Heiligen Geist durch Lobpreis Gottes und das gemeinsame Praktizieren der Gnadengaben erfahren. Für den traditionellen Pfingstler ist die mit Zungenreden verbundene Geistestaufe dominierender Zielpunkt des Glaubens. Diese Erfahrung wird selbstvergewissernd im Gottesdienst wiederholt. Die Gegenwart Gottes muss nicht so sehr durch Sakramente oder Bibelbetrachtung erfahren werden, weil das spektakuläre Wirken des Geistes die Zuwendung Gottes eindrücklich zu bestätigen scheint. Auch in der späteren Charismatischen Bewegung treten Bibel, Sakrament und Heiligung hinter das spektakuläre Handeln des Geistes zurück. Grundlage charismatischer Gottesdienste und privater Frömmigkeit sind eigene oder in der Gemeinschaft vermittelte Erfahrungen der Geisteswirkung. Biblische Heilsereignisse, logische Überlegungen oder dogmatische Glaubensinhalte treten in ihrer Bedeutung für den charismatischen Christen hinter der subjektiven Geisteserfahrung zurück.3 Wird die Gewissheit und Faktizität des Glaubens aber vor allem an eigenen, vorzugsweise emotionalen Erfahrungen festgemacht, besteht die Gefahr, bei Ausbleiben dieser Erfahrungen oder gegenläufigen negativen Erfahrungen in eine Glaubenskrise zu geraten. Das Lob Gottes, Charismen und Zeugnisse als Garanten des Geisteswirkens stehen in unmittelbarer Abhängigkeit zu den charismatischen Begabungen einzelner. Zurecht betonten die Reformatoren demgegenüber die Unabhängigkeit des Geistes von der Befähigung oder Würdigkeit des menschlichen Vermittlers oder eigener Erfahrungen. Gottes Realität und Wahrhaftigkeit sind losgelöst von menschlichen Erfahrungen und Gefühlen. Glaubensgrundlage sind hier erfahrungsunabhängige Selbstaussagen Gottes in seinem Wort. Darüber hinaus stellt die Bibel für Christen die wichtigste Inspirationsquelle und Korrekturmöglichkeit für alle spontanen Wirkungen des Geistes dar. Damit das außergewöhnliche Wirken des Geistes nicht der Routine, der Manipulation oder der unbewussten Irreführung verfällt, muss es immer wieder am Wort Gottes, als überzeitlicher Konstante, ausgerichtet werden. Die überproportionale Betonung der Geisteswirkungen führt in der Charismatischen Bewegung immer wieder zur Uminterpretation des Heiligen Geistes als frei verfügbarer spiritual power. Kongresse und Seminare vermitteln den Eindruck, dass der einzelne die Charismen für sich beanspruchen und ausüben kann. Der Geist wird primär als übernatürliche Wirkkraft gesehen. Der Glaube mutiert dann zur Fähigkeit, diese Kraft hervorzubringen. Damit rückt anstelle des, in seinem Geist handelnden Gottes, der geistbegabte Mensch ins Zentrum des Interesses.4 Lob und Anbetung dienen hier weniger der Ausrichtung auf den himmlischen Vater, sondern werden zur Methode oder zum Weg, der Erzeugung spektakulärer Geisteserfahrungen. Erst wird in entsprechenden charismatischen Veranstaltungen der Geist herbeigerufen, dann wird der Raum gegeben, dass sich der Geist in sichtbaren Phänomenen manifestieren kann. An dieser Stelle tritt eine grundlegende biblische Wahrheit in den Hintergrund: Der Heilige Geist ist eine Gabe Gottes und damit für den Menschen unverfügbar. Die Nähe des Geistes erzeugen zu wollen oder ihn für das eigene religiöse Empfinden zu manipulieren widerspricht seiner Funktion als Korrektiv und als Erinnerer an ewige Wahrheiten Gottes.5

Merkmale charismatischer Frömmigkeit im Gottesdienst

1. Gott - der Heilige Geist - wird spürbar, vernehmbar, anschaulich.

2. Statt verstandesmäßiger Vermittlung des Glaubens sollen die Besucher unmittelbar, emotional von Gott angesprochen werden.

3. Das Handeln Gottes soll spektakulär nach innen und außen hin vorgeführt werden.

4. Eine gemeinsame Erfahrung - Geistestaufe, Geistes Erneuerung - verbindet die Gottesdienstbesucher.

5. Die Gemeinschaft bildet den Rahmen für den Empfang und die Anwendung der Gaben.

6. Die erlebte Nähe Gottes bewirkt Lob und Anbetung.

7. Nicht die Bibel oder ein Glaubenssatz stehen im Mittelpunkt, sondern ein persönliches Erlebnis.

8. Jeder beteiligt sich aktiv am Gottesdienst.

9. Gefühle und Körpersprache sollen einbezogen werden: Singen, Klatschen, Beten, Zwischenrufe, Tanz usw.

10. Wichtig sind sichtbare Zeichen des Heiligen Geistes: Geistestaufe, Zungenreden, Prophetie, Befreiung von Besessenheit, Heilung, Visionen usw.

11. Der Empfang des Heiligen Geistes macht sich durch äußere Zeichen bemerkbar: Singen im Geist, Zungenrede, Fallen im Geist, heiliges Lachen usw.

Beispiel: Unter dem Titel Tschiises, mach uns heiss! schrieb des Journalist Michael Meier für die NZZ einen lesenswerten Artikel über die charismatische Szene in der Schweiz:

„Man erkennt sie an ihren Gottesdiensten. Bis die Predigt beginnt, warten sie eine Stunde, nein, sie singen und frohlocken. Junge Erwachsene, viele mit ihren Kindern, preisen, die Arme weit offen und hüfteschwingend, den Herrn. Lobpreisleiter Bene Müller und seine Band reißen mit rockigem Sound die Mühseligen und Beladenen mit … Kein Sonntagabendgottesdienst … ohne Worshiping, ohne Anbetungszeit. Dann erst kommt Prediger Martin Bühlmann. Gut gelaunt und wortreich referiert der Gründer der Basileia über „The Power of Giving“. Seine Predigt … komprimiert er zu Slogans, die auf der Leinwand aufscheinen: „Mit Geben setzt man Fakten der Großzügigkeit.“ … „Tschiises“, betet die Gemeinde, „you are powerful.“ Ohne Basics der englischen Sprache ist man in der evangelikal-charismatischen Subkultur verloren. Die nämlich ist ganz an Amerika orientiert. … Mit Schüttelparties, an denen bis zu 2500 Erweckte in Trance fielen. „Dutzende lagen am Boden, viele zitterten, weinten, lachten, waren betrunken im Geist, schüttelten sich oder schrien“, so beschrieb Bühlmann das Wirken des Toronto-Segens, den er 1994 von Kanada auf den Kontinent geholt hatte. Seit sich aber Wimber von den geistlichen Exzessen distanzierte, ist es auch in Bern ruhiger geworden. … [heute] meint Bühlmann abgeklärt: „Nicht immer ist Hochsommer. Auch der Glaube hat Jahreszeiten, man kann ihn nicht permanent euphorisch leben.“ … Am unbändigsten gebärdet sich die evangelikale Jugendbewegung International Christian Fellowship, ICF genannt. Ihr Leiter Leo Bigger, der jeden Sonntag in der alten Börse gleich vier Rock-Gottesdienste für total 2000 Gläubige hält, will jetzt eine Mehrzweckhalle bauen. … Heilungsfähigkeit gilt in der Szene als Gabe des Heiligen Geistes. Heilungserlebnisse und die Praxis des Handauflegens gehören in Geri Kellers Schleife zu jedem Gottesdienst. Für den Spross einer Heilsarmee-Familie sind solche Spontanheilungen Zeichen der Endzeit. … John Wimber etwa, vor seinem frühen Tod während Jahren herz- und krebskrank, rückte im sogenannten Power Healing den krankmachenden Dämonen auch mit exorzistischen Gebeten zu Leibe. … [charismatische] Volksfrömmigkeit besteht demgegenüber auf einem erfahrbaren und unmittelbaren Gott. Gegen die gefühlskalt verkopfte Lehre der Landeskirchler appelliert sie an das Gemüt und garantiert religiöse Live-Erlebnisse kraft Ekstase, Trance und Ergriffenheit. Das Medium solcher Gottesbegegnung im Kollektiv ist laut Bandleaderin Lilo Keller die Musik. … Im ICF-Gottesdienst von Leo Bigger kommt der Anbetungsteil auf mindestens so viel Dezibel wie eine Party im Zürcher Trendlokal Kaufleuten. Auch der Gottesdienst im Zentrum Buchegg nimmt sich mit seiner Band wie ein Popkonzert aus. Pfarrer Kniesel weiß allerdings, dass es nicht die heißen Rhythmen sind, die den Gläubigen in die Glieder fahren, es ist der Heilige Geist. Damit sich die Geisttrunkenen «frei vor Gott bewegen» lernen, stellt ihnen die Erweckungsindustrie Anbetungsutensilien bereit: bunte Bänder und Tücher, Schellen-Tamburins oder Handtrommeln. … “Are you ready to jump for Jesus?“, schreit der 18-jährige Dany. Da erklimmt Papa Beddingfield die Bühne und erklärt, Stagediving sei sein Lieblingssport. Und schon wirft er seinen jüngsten Spross und dann sich selber in die Menge der johlenden Kids. Jeder darf es ihm gleichtun und sich vertrauensvoll von der Bühne stürzen. Auf Danys Geheiß stemmt jeweils eine Gruppe von zehn Jugendlichen eine Kameradin horizontal in die Höhe. … Kein zweckfreies Gaudi, nein, die Teenies sollen den Sprung in den Glauben sinnenfällig erleben. … [charismatische] Fun- und Erlebnisreligion lebt von Events, Spektakeln und Großkonferenzen. … Die Kehrseite ihrer Erlebnisreligion ist ihre dürftige Theologie, die fehlende Nachdenklichkeit. … [sie] blendet gesellschaftspolitische Themen aus, sie sind ihm zu abstrakt. … Sich auf das Priestertum aller Gläubigen berufend, sind die evangelikalen Leader oft keine Theologen. Dafür umso gewieftere Entertainer. Wenn der stämmige Offsetdrucker Leo Bigger in der alten Börse ächzend und stöhnend seine kreißende Frau nachahmt und per Videoclip den neugeborenen Sohn präsentiert, geht es mehr um Selbstinszenierung als um Verkündigung. … Der geläuterte Basileia-Chef [Martin Bühlmann] versteht sich als Narr in Christo, der im Weinberg des Herrn experimentiert und dafür Kritik einsteckt. Auch er weiß, dass die jungen und wenig strukturierten Bewegungen ohne charismatische Leitfiguren nicht lebensfähig wären. Ob dann die erwecklichen Aufbrüche ihre Gründer überleben, ist eine andere Frage.”6

1.2. Charismatischer Lobpreis

Die Bedeutung des Lobpreises für den charismatischen Gottesdienst wird sowohl durch die reichhaltige charismatische Liedproduktion als auch durch zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema unterstrichen.7 In ihrer Bedeutung steht der Lobpreis- und Anbetungsteil charismatischer Gottesdienste zumindest gleichwertig neben der Wortverkündigung. Im Hinblick auf seine zeitliche Länge steht der Lobpreis sogar weit vor der Predigt. Bis zu einer Stunde werden überwiegend jüngere, meist einstrophige Chorusse gesungen. Geführt durch ihren Anbetungsleiter und ein Musikteam stehen die Besucher auf, erheben oder schwenken ihre Hände. Andere Gottesdienstteilnehmer knien oder tanzen, häufig mit geschlossenen Augen. Eine sehnsüchtige Erwartung der Manifestationen des Geistes verbreitet sich. Kurze, von Musik untermalte Wortbeiträge werden durch gemeinsamen triumphal- erhebenden Gesang oder gemeinsames (Zungen-) Gebet abgelöst. Es wird ermutigt, Gefühlsäußerungen spontan Ausdruck zu verleihen, da sie als Wirkungen des Geistes interpretiert werden. Immer wieder entstehen neue kreative Ausdrucksformen geistlicher Ergriffenheit. Bewusst suchen Charismatiker hier das Gegengewicht zu Gottesdienstformen, die sich vorwiegend an den Verstand richten.8 Die eigene Lobpreispraxis soll in der Charismatischen Bewegung durch biblische Vorbilder und Belege begründet werden. Dazu zählen Jesu Ankündigung, dass „die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit“ anbeten werden (Joh 4,23f) und der Hinweis des Paulus, dass der Heilige Geist im Innern des Gläubigen „Abba, lieber Vater“ ruft (Gal 4,6). Überhaupt genießt die Anbetung Gottes als Vater in charismatischen Kreisen hohe Wertschätzung. In den Liedern und Gebeten dominiert eine intime Gottesvorstellung, des sanftmütigen, sensiblen, vergebenden und verständnisvollen Vaters. Kämpferische oder richtende Charakterzüge Gottes werden zumeist nur im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung des Christen mit Dämonen oder der nichtchristlichen Umwelt erwähnt. Ideale charismatische Anbetung soll nicht überlegt und verstandesmäßig formuliert, sondern unmittelbar durch den Geist bewirkt werden (Röm 8,26).9 Freie Formulierungen und unmittelbare Eindrücke sollen für Authentizität und Geisteswirkung stehen. Durch das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist wird der Mensch selbst zur Wohnung Gottes, heilige Räume oder Liturgien werden überflüssig. Als Idealfall wird die Zungenrede angesehen, weil hier jede menschliche Einflussnahme auf den Lobpreis ausgeschlossen scheint, da der Geist selbst spricht.10

Lobpreis soll therapeutisch gegen Schwermut und Traurigkeit helfen und das Gemeindewachstum unterstützen. Bei der Erwartung körperlicher Heilung durch charismatischen Lobpreis liegt ein fast mechanisches Verständnis des Handelns Gottes vor. In der Seelsorge und in der geistlichen Kampfführung soll Lobpreis dabei helfen den Einfluss dämonischer Mächte zurückzudrängen. Hier wird der Lobpreis seinem eigentlichen Wesen entfremdet, er ist nicht mehr Anrede des Menschen Gott gegenüber.

Da das Neue Testament nur wenig Auskunft über den frühchristlichen Gottesdienst gibt, stützt sich die charismatische Lobpreistheologie vor allem auf alttestamentliche Texte, die den Tempelkult Israels beschreiben (1Chr 23,5; 2Chr 29,25-28). Gott offenbart sich in bzw. durch den Lobpreis seines Volkes (Ps 22,4; 50,23). Lobpreis hilft bei geistlichen Auseinandersetzungen (1Sam 16,23) und im Kampf gegen irdische Gegner (Jos 6,20; Ri 7,16). Geistliche Musik kann Menschen zu Gott führen (Ps 40,1-3) und den Empfang von Prophetie vorbereiten (1Sam 10,5; 2Sam 23,2). So wie im Alten Testament kann auch der charismatische Lobpreis heute durch Tanz (2Sam 6,14-16; Ps 149,3; 150,4) und Klatschen begleitet werden (Ps 47,1). Ausgehend von diesen und zahlreichen anderen Details des alttestamentlichen Tempeldienstes entwickelten charismatische Leiter zahlreiche kreative Formen Lobpreis in der Gemeinde auszuüben und zu begleiten. Vor allem ermöglicht charismatischer Lobpreis den Ausdruck von Emotionen und Körperlichkeit in der Gemeinde. Dadurch begegnet er durchaus sinnvoll einer einseitigen Intellektualisierung des Gottesdienstes. Darüberhinaus fördert ein ausgedehnter Lobpreis eine starke Beteiligung der Gemeinde.

Die überwiegend amerikanische Lobpreisliteratur zeichnet das Bild eines liebevollen, den Menschen zugewandten Gottes. Jesus wird hier gelegentlich zu einem Kumpel, der alle Probleme löst, der stets unmittelbar und direkt in den Alltag eingreift und für alle Kleinigkeiten sorgt. Dass Gott Menschen, auch Christen, ermahnt, straft und richtet findet genauso wenig Erwähnung wie die totale Andersartigkeit und Unverständlichkeit Gottes.11

Charismatischer Lobpreis wird auch nicht nur als zweckfreie Hinwendung zu Gott verstanden, sondern als geistliche Waffe betrachtet. „Die Schwierigkeiten in deinem Leben werden sich lösen, Mächte der Krankheit werden weichen müssen, und die Fesseln, die Satan deinem Leben anlegen will, werden zerbrochen werden. Durch Loben und Danken wirst du das Land einnehmen.”12 Lobpreis kann in diesem Zusammenhang zu einer Methode werden, die die Freiheit Gottes weitgehend unberücksichtigt lässt.

Gebet ist für viele Charismatiker nicht nur die Bitte des Menschen an Gott, sondern ein übernatürliches Geschehen, ein Charisma, Gott und Mensch treten in eine geistgewirkte Zwiesprache ein.13 Tatsächlich spricht Paulus davon, dass der Heilige Geist im Christen die Gewissheit seiner Gotteskindschaft bewirkt (Röm 8,15; Gal 4,6f) und ihn zum Gebet treibt (Röm 8,14f). Über die Bibel hinaus aber gehen charismatische Interpretationen, die den Eindruck erwecken, jeder Christ könne im Gebet Gottes Stimme unmittelbar akustisch hören und in einen direkten Dialog mit Gott eintreten. Oft tritt dadurch die Exklusivität der biblischen Inspiration zurück.14 Ebenfalls nicht biblisch gedeckt ist die in charismatischen Lobpreisseminaren vermittelte Auffassung, Zungenrede und Zungengesang sei eigentlicher Ziel- und Gipfelpunkt der Anbetung. Oft werden die emotionalen Erfahrungen während des charismatischen Lobpreis und Zungenredens als Garantie göttlicher Nähe interpretiert und dabei vergessen, dass religiöse Gefühle ebenso wie Wunder, immer interpretationsbedürftig sind, da sie weder ihre Bedeutung noch ihre Aussagekraft offensichtlich in sich tragen. Schließlich würde auch kaum ein charismatischer Christ dem Buch Mormon zustimmen, nur weil ein Mormone ihm versichert, Gott habe ihm dessen Wahrheit durch eine innere Gewissheit und ein „Brennen in der Brust” mitgeteilt.

Zweifellos ist es eine Stärke charismatischen Lobpreises, dass er die Emotionen des Menschen anspricht und gleichzeitig die Vielfalt des Gotteslobes erweitert. Gleichzeitig besteht bei der außerordentlichen Betonung des Lobpreises die Gefahr der Vereinseitigung. Gerade „verstandesmäßig orientierte Menschen werden dadurch leicht abgestoßen und fühlen sich unter Druck gebracht, im Gottesdienst emotional und körperlich zu agieren.”15 Die ständige Wiederholung der gleichen Anbetungslieder, dazu noch mit ordentlicher Lautstärke steht in der Gefahr bei den Gottesdienstteilnehmern ein frommes Gefühl der Gottesnähe lediglich manipulativ zu erzeugen. Nicht wenige Anbetungsgottesdienste zeigen eine Tendenz zu gewollter Stimmungsmache und Routine.

Auch besteht allzu häufig die Illusion, ein kreativ ausgedrückter Lobpreis garantiere für echte geistliche Motivation oder schütze vor Traditionalismus. Das ist jedoch ein Irrtum. Immer häufiger wird charismatischer Lobpreis lediglich zu einer neuen Liturgie, die die Erwartungen der daran gewöhnten Teilnehmer befriedigt. Nicht unproblematisch ist darüberhinaus die stilistische und inhaltliche Einseitigkeit charismatischer Lobpreislieder. Zumeist handelt es sich dabei um sehr kurze, einfach formulierte Anbetungstexte mit eingängig meditativer Melodie. Häufig liegen den Liedern biblische Texte zugrunde (Ps 22,4.23; 97,9; 145-150; Offb 4,11). Gott wird als König, Herrscher, Sieger und Herr aller Herren angebetet. Gottes Anmut, Schönheit, Macht und Liebe werden hervorgehoben. Andererseits fehlen bei charismatischem Lobpreis fast vollkommen Gottes Heilstaten, die Erlösung von Sünde, Gottes Zorn und alle Hinweise auf die alltäglichen menschlichen Probleme. „Dadurch entsteht in charismatischen Versammlungen häufig der Eindruck einer Scheinwirklichkeit. Es wird eine heile Welt vorgetäuscht, in der man sich über die Probleme des Lebens hinwegjubiliert.16 Die Illusion wird genährt, dass es ein Leben ohne Alltagssorgen geben könnte. Die Freude an Gott schlägt um in die Sucht, Gott genießen zu wollen.17 So kann ein unguter geistlicher Triumphalismus entstehen, der den Besucher charismatischer Veranstaltungen den Schein einer geistlichen Parallelgesellschaft vermittelt, in der Gottes Herrlichkeit schon jetzt ganz greifbar und genießbar ist. Das Werkstattheft Lobpreis verspricht in diesem Zusammenhang: „Gebet und Lobpreis sind zwei Flügel, durch die unsere Seele in den Himmel fliegt. … Lobpreis erfüllt ein Leben mit der Atmosphäre des Himmels.”18 Das wirkt zumindest einseitig, wenn nicht wirklichkeitsfern. Zumeist konzentriert sich der Lobpreis auf die gottesdienstliche Gegenwart der Singenden und vernachlässigt dabei das Wirken Gottes in Vergangenheit und Zukunft.19 Dieser Lebensoptimismus und die Gegenwartsbezogenheit des charismatischen Lobpreises sind ein getreues Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft und liefert mit der Ausblendung der Klage die religiöse Legitimation eines „Everything is OK, everything must be in control, everything is manageable!”20 Die biblische Perspektive des Christseins aber umfasst auch Klage, Unverständnis und Trauer, sowie den Blick in Vergangenheit und Zukunft.

1.3. Charismatische Seelsorge

Seelsorge ist ein häufiges Thema auf charismatischen Kongressen. Diese Veranstaltungen sollen den Besucher zur geistlichen Seelsorge befähigen. Gleichzeitig über Laien hier gegenseitige Seelsorge. Verschiedene charismatische Seelsorgezentren bieten Ausbildung und Betreuung. Digitalisierte Vorträge und Seminare verbreiten die Gedanken charismatischer Seelsorge (u.a. von Christoph Hässelbarth, Maria Prean, Christa Weber). Im größeren Maßstab prägt die Deutsche Gesellschaft für Christliche Psychologie (IGNIS, lat. Feuer) seit 1986 mit ihren Seminaren und Schulungen die Konzepte charismatischer Seelsorge in Deutschland (Friedemann Alsdorf, Wolf-Dieter Hartmann, Werner May, Dr. Axel Schwall).21 Dazu gehören Zungengebet, Prophetie, Wort der Erkenntnis, Vision, Traum, Ruhen im Geist, Lachen im Geist, Segnungen und Salbungen. Die 1989 entstandene De’Ignis- Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik (Egenhausen und Altensteig, Schwarzwald) bietet unter der Leitung von Rainer Oberbillig und Dr. Rolf Senst auch eine stationäre Behandlung an.22 Von der Geistlichen Gemeinde- Erneuerung in der Evangelischen Kirche (GGE) wurde unter der Leitung von Christoph von Abendroth im Stift Obernkirchen eine Tagungsstätte für Seelsorge- Seminare eingerichtet (1994-2008).

Hinter der typisch charismatischen Seelsorge steht zumeist ein stark dualistisches Weltbild: Der Mensch befindet sich auf dem weltweiten Kampfplatz zwischen Gott und seinen Engeln auf der einen und dem Teufel mit seinem Gefolge auf der anderen Seite. Verantwortlich für den Zustand eines Menschen ist der Einfluss, den göttliche bzw. dämonische Mächte auf ihn ausüben. Sünde und Krankheit gehen auf die geistlichen Abhängigkeiten eines Menschen zurück. Da der Heilige Geist auf übernatürliche Weise hilft, braucht der charismatische Seelsorger keine ausführlichen Gespräche, in denen Problemursachen aufgedeckt und beseitigt werden sollen.

1.3.1. Innere Heilung

Zur spezifisch charismatischen Seelsorge gehört das Angebot der inneren Heilung. Das Konzept geht auf Agnes Sanfords Heilung der Erinnerung zurück. Darin verbindet sie psychoanalytische Elemente C.G.Jungs mit dem Gebet um Heilung. Seele und Gefühle sollen von Bindungen befreit werden, die durch Erfahrungen in der Vergangenheit hervorgerufen wurden. Im Einklang mit der Psychoanalyse wird davon ausgegangen, dass diese Erfahrungen im Unterbewusstsein für Gefühls- und Verhaltensstörungen, für schmerzliche Erinnerungen und schädliche Denkmuster verantwortlich sind. Die innere Heilung umfasst drei Phasen: 1. Bewusstmachung der Erinnerung einschließlich aller dazugehörigen Gefühle, 2. Heilungsgebet, 3. Ablegen alter Verhaltens- und Denkmuster, sowie Einüben neuer Gewohnheiten. In der ersten Phase sollen Literatur und Vorträge zur Selbsterkenntnis innerer Verletzungen beitragen. John Wimber unterscheidet drei Formen innerer Verletzungen: 1. Verletzungen durch den unheilen Zustand der Welt, 2. Verletzungen durch Mitmenschen, 3. selbstverschuldete Wunden. Mit dem sich anschließenden Heilungsgebet soll die Gegenwart Jesu Christi im Heiligen Geist bewirkt werden. Der Hilfesuchende soll sich in die Situation versetzen, in der das traumatische Erlebnis stattfand. Unterstützt von seinem Seelsorger soll sich der Betroffene nun bildlich vorstellen, dass Jesus anstelle der damals beteiligten Menschen positiv reagiert und damit den Ausgangspunkt der psychischen Probleme verändert. Z.B. stellt sich der Betroffene Jesus vor, der Kinder auf seinen Schoß nimmt, damit er die Erfahrung der Ablehnung während der Kindheit überwindet. Es soll sozusagen die negative Erfahrung der Vergangenheit durch eine positive ersetzt werden. Van Dam: „Wir bitten den Herrn, der uns vom Lebensanfang gekannt und geliebt hat, in die Vergangenheit des Verwundeten zurückzugehen, um dort Gottes heilende Liebe einströmen zu lassen.”23 Der Mensch soll sich selber loslassen und auch gefühlsmäßig in Gott ruhen. Nur dann sei er in der Lage Hass, Groll, Bitterkeit usw. zuzugeben und denen zu vergeben, die diese Verletzungen mitverursacht haben. Währenddessen signalisiert der Seelsorger durch Handauflegung oder Umarmung menschliche und körperliche Nähe. In der dritten Phase soll der Hilfesuchende in der Begleitung des Seelsorgers alte Denk- und Verhaltensweisen überwinden und neue einüben.

Im Hintergrund dieser inneren Heilung sehen charismatische Seelsorger das Wirken des Heiligen Geistes. Mit Bibelversen wie Joh 16,13: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten” (vgl. Röm 8,27) wird begründet, dass der Heilige Geist die Wahrheit über verborgene, verdrängte oder verzerrte Probleme im Inneren des Menschen offenbart. Der im Heiligen Geist anwesende Jesus Christus soll nun die Verletzungen der Vergangenheit heilen. „Wir bitten ihn, das kleine Kind bzw. den Jugendlichen zu heilen, der diese Erfahrung durchlebte - jene Dinge … durch die er in diesem Wachstumsstadium steckenblieb.”24 Die so geheilte Erinnerung soll dazu beitragen, auch die daraus resultierenden Emotionen und Verhaltensweisen zu verändern. Anstelle der destruktiven Gefühle bewirkt der Heilige Geist in ihm Liebe, Frieden und Freude.

Zu Recht betont das Konzept der inneren Heilung die Bedeutung der Vergangenheit für den Zustand jedes Menschen. Schlechte Erfahrungen, falsche Erwartungen oder mangelnde Vergebungsbereitschaft verhärten und belasten den Hilfesuchenden. Durch den Seelsorger kann der Heilige Geist hier ein sinnvolles Umdenken bewirken. Nicht ganz unproblematisch ist die einseitige Konzentration auf Gott als liebendes, vergebendes Gegenüber. Gottes strafende Seite oder die Schuld des Patienten gerät dabei leicht in Vergessenheit. Auch die Gleichsetzung von innerer Heilung und Vergebung entspricht nicht der Realität. Wird dem Verursacher psychischer Probleme vergeben, ist noch keinesfalls gesichert, dass dann auch die gefühlten Verletzungen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen verändert werden. Bedacht werden sollte auch die recht unkritische Übernahme psychoanalytischer Konzepte des Unterbewusstseins und der Heilung durch Rückerinnerung. Vor einer übermäßigen Suche nach Ursachen für die gegenwärtige Lebenslage in der Vergangenheit wird in der Bibel gelegentlich gewarnt (Lk 9,62; Phil 3,13). Allzuleicht kann hier eigenes Versagen Personen aus der Vergangenheit zugeschoben werden, um von eigenen Schwächen abzusehen. Auch gerät die biblische Orientierung an der geistlich zu erstrebenden Zukunft in den Hintergrund. Die biblischen Autoren hingegen heben dieses aktive Streben des Christen nach Veränderung deutlich hervor (Mk 9,47; Röm 12,1f; 1Kor 6,9-11). Die hier geforderte Veränderung aber ist unabhängig von innerer Heilung und beruht in der grundsätzlichen Erneuerung des Menschen in seiner Begegnung mit Gott (Röm 6,4; 2Kor 5,17). Die Methodisierung und Instrumentalisierung der unverfügbaren Wirkung des Heiligen Geistes ist ebenfalls problematisch. Dem Geist Gottes wird kaum Möglichkeit eingeräumt, vergangene Verletzungen nicht aufzudecken oder nicht positiv zu neutralisieren. Andere mögliche Ursprünge falschen Verhaltens und schmerzhafter Erfahrungen bleiben weitgehend unberücksichtigt. Unzulässig methodengläubig wird gelegentlich empfohlen, das Wirken des Geistes durch Lobpreis und Zungenrede zu beschleunigen. Die starke Betonung des Heiligen Geistes in der Arbeit des Seelsorgers kann diesen dazu verführen, die verstandesmäßige Analyse der Problemlage zu vernachlässigen. Bei dem Patienten kann die Hervorhebung der Wirkung des Heiligen Geistes durch den Seelsorger dazu führen, diesen als quasi göttliche, unhinterfragbare Instanz zu betrachten und zu übersehen, dass jede Seelsorge auch menschliche Aspekte beinhaltet.25

1.3.2. Dienst der Befreiung

Charismatische Theologen rechnen nicht nur mit der Realität des Bösen, für sie sind dämonische Einflüsse im Alltag ein weitverbreitetes Phänomen. Die Vertreibung unsauberer Geister gehört für sie zum Routineprogramm. Sünde, psychische Erkrankungen oder unheilbare körperliche Leiden könnten in charismatischer Sicht auf dämonischen Einfluss hinweisen. Der Befreiungsdienst besteht darin, den bösen Geist direkt anzusprechen, um ihn identifizieren zu können und ihm dann im Namen Jesu zu befehlen zu verschwinden. Dazu sei prinzipiell jeder Christ in der Lage. Zum Befreiungsdienst kann auch die Beichte des Betroffenen gehören und sein aktives Mitwirken durch die Anrufung Jesu, das Einatmen des Heiligen Geistes oder das Aushusten des bösen Geistes.26 Um sich vor geistlichen und physischen Angriffen der Geister besser schützen zu können wird empfohlen, Befreiungsdienste im Team vorzunehmen. In schweren Fällen muss die Dämonenaustreibung wiederholt und der Betroffene dauerhaft von seiner Gemeinde betreut werden. Zweifellos kennt das Neue Testament Dämonen, Besessenheit (Mt 4,24; 8,16), dämonisch verursachte Krankheit (Mt 9,33; 17,18) und Aktivitäten des Teufels (Mt 4,1; Jak 4,7; 1Petr 5,8). Beim Befreiungsdienst aber wird die Bedeutung dämonischer Kräfte ungerechtfertigt hervorgehoben. Im Mittelpunkt steht nicht so sehr die grundsätzliche Überwindung des Bösen durch Jesus Christus, sondern die noch andauernde Auseinandersetzung des Christen mit Dämonen. Esoterisch- dualistisch wird die Erde zum Schauplatz alltäglicher Kämpfe zwischen Gott und Teufel, in die der Gläubige eingreifen kann. Der Christ wird zum Spielball des Teufels. Alle Krankheiten, Verfehlungen oder Auseinandersetzungen können auf den Einfluss von Dämonen zurückgehen. Für die seelsorgerliche Praxis folgt daraus, dass alle Menschen dämonisch belastet sind und ständig Befreiungsdienst benötigen. Im Gegensatz dazu sollen die Dämonenaustreibungen Jesu vor allem seine Messianität unterstreichen (Joh 2,23; 3,2; 7,31). Einen Routineauftrag zur Dämonenaustreibung bekommen die Jünger nicht, auch wenn vereinzelt durch die Apostel Menschen von dämonischen Bindungen befreit wurden (Mk 16,17; Apg 5,16; 16,16f). Im Dienst der frühchristlichen Gemeinde spielten Dämonenaustreibungen nur eine untergeordnete Rolle. Im Umfeld der Apostel ist die dämonische Belastung eines Menschen zumeist offensichtlich. Nie werden diese aufgefordert, sich mit den Geistern zu unterhalten. Es findet sich kein klarer Hinweis, dass auch Christen besessen sein können (Mt 12,43ff; Röm 8,38f; 1Kor 3,16). Sünde, Krankheit und äußeres Leiden werden im Allgemeinen nicht auf dämonischen Einfluss zurückgeführt. In solchen Fällen werden Reue, Sündenbekenntnis und Lebensveränderung gefordert (1Kor 6,11; Röm 12,2; 1Joh 1,9), nicht aber die Suche nach dämonischen Belastungen.

In der seelsorgerlichen Praxis fehlen in den beschriebenen Fällen häufig die eindeutigen Zeichen dämonischer Besessenheit. Liegt diese nicht vor, kann sie natürlich auch nicht beseitigt werden, sodass der weiter unter seiner Krankheit, Armut usw. Leidende nun in der Gewissheit lebt, von einem bösen Geist besessen zu sein, da dessen mutmaßliche Wirkung immer noch nicht verschwunden ist. Falsche Dämonenaustreibungen führen nicht selten zu gefährlichen menschlichen Bindungen. Der vermeintlich Befreite vertraut dem Dämonenaustreiber vollständig, meint er doch dieser verfüge über außerordentliche geistliche Fähigkeiten. Die Fixierung auf mögliche dämonische Hintergründe kann auch dazu führen ganz reale medizinische, psychische oder logische Ursachen unberücksichtigt zu lassen und dadurch eine mögliche Besserung zu verhindern. Manchmal kann die eingehende Beschäftigung mit dem Teufel auch eine Faszination auslösen, die zu einer echten geistlichen Abhängigkeit führt oder zumindest den Blick für die Größe Gottes mindert. Gelegentlich wird auch die ungesunde Angst gesteigert, im Alltag lauere hinter jeder Ecke ein Dämon, der den Gläubigen anfallen wolle.27

1.3.3. Mittel charismatischer Seelsorge

Die charismatische Seelsorgespezialistin Leanne Payne hebt insbesondere die Bedeutung des Gebets hervor. Durch den von Zungenrede begleiteten Lobpreis soll eine innige Gemeinschaft zwischen Seelsorger und Gott hergestellt werden. In der darauf folgenden Gebetsstille hören alle Beteiligten auf das Reden Gottes durch Bilder und Eindrücke. Weiteres Gebet könne dann auch spontan verwandelnde Kräfte freisetzten. Diese Instrumentalisierung vergißt die Zusage Jesu, ständig in der Nähe seiner Jünger zu sein (Mt 18,20; 28,20) und rückt das Gebet in die Nähe einer mechanischen Methode. Das Gebet als ganzheitliche Aussprache Gott gegenüber tritt hier zurück, ebenso die freie Entscheidung Gottes zu antworten oder zu schweigen.

Charismatische Seelsorger tendieren dazu, ihre Ratschläge in Form göttlicher Zusagen zu geben. Ihre Aussagen verstehen sie als Wort der Erkenntnis (1Kor 12,8; 14,1-4). Die während des Hörens auf innere Stimmen (hörendes Gebet) empfangenen Eindrücke über die Situation des Hilfesuchenden werden diesem als göttliche Mitteilung weitergegeben, gelegentlich sogar in der Propheten- Form: „So spricht der Herr …” Förderlich für derartige Eindrücke soll das Zungenreden sein. Natürlich besteht hier die Gefahr, Ratsuchende unter Druck zu setzten, weil sie den Eindruck haben, mit Gott selbst konfrontiert zu sein. Hören sie nicht auf den Rat des Seelsorgers, wiederstreben sie Gott.

Charismatische Seelsorge bedient sich ferner der Träume und Visionen. Diese können zufällig empfangen oder auch bewusst konstruiert werden, um die negativen Bilder aus der Kindheit durch positive zu ersetzen.28 Solche positiven Bilder sind die Vaterliebe Gottes, Vergebung, totale Annahme, Gesundheit usw. Das hörende Gebet soll helfen, das passende Bild von Gott zu erhalten. Nach einer Phase des Lobpreises hören die Beteiligten innerlich auf eine mögliche Antwort Gottes. Heilende Bilder könnten außerdem durch Meditation über Bibeltexte oder in Träumen auftauchen. Diese Suche nach inneren Bildern hat eine große Ähnlichkeit mit der buddhistisch- esoterischen Praxis der Traumreisen in der bewusst erzeugte geistige Bilder zur inneren Entspannung eingesetzt werden. Berichte von Träumen und Visionen finden sich sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Besonders gehäuft spricht Gott während der Geburtsgeschichte Jesu zu den Menschen. Ein Engel mahnt Joseph im Traum seine schwangere Verlobte Maria nicht zu verstoßen (Mt 1,20ff). Die Weisen werden im Traum gewarnt nicht zu Herodes zurückzukehren (Mt 2,12). Joseph wird durch einen Traum aufgefordert nach Ägypten zu fliehen (Mt 2,13; 2,19f). Petrus wird durch eine Vision auf die Begegnung mit Kornelius vorbereitet (Apg 10). Paulus wird in einer Vision motiviert, seine Missionsarbeit in Mazedonien fortzuführen (Apg 16,9f). Der größte Teil der Offenbarung beruht auf einer Vision des Johannes, dem Gott Einzelheiten seines zukünftigen Handelns mitteilt. Im Gegensatz zu charismatischen Visionen zeichnen sich die biblischen allerdings durch relativ große Eindeutigkeit aus. Auch treten sie nur auf Initiative Gottes, nicht aber im Rahmen menschlicher Methoden auf. Die Empfänger können recht schnell zwischen ihren eigenen Träumen und Gedanken auf der einen und dem Reden Gottes auf der anderen Seite unterscheiden. Besonders im Alten Testament wird immer wieder vor falschen Propheten gewarnt, die mit ihren als göttlich ausgegebenen Träumen das Volk verführen (Jer 23,25ff; 29,8ff). Dabei setzen auch sie geistige Bilder und Allegorien ein, um Israel zu manipulieren. In der charismatischen Seelsorge wird gewöhnlich nur unzureichend zwischen menschlichen und göttlichen Visionen und Träumen unterschieden. Darüberhinaus wird zu wenig die Deutungsbedürftigkeit solcher Bilder und damit ihre Subjektivität beachtet.

Durch Kathryn Kuhlmann, Kim Collins und John Wimber fand das Ruhen im Geist Eingang in die charismatische Seelsorge. Zumeist werden die vorbereiteten Teilnehmer einer charismatischen Veranstaltung angeblasen oder am Kopf berührt. Daraufhin fallen sie hinten über und werden von bereitstehenden Helfern auf den Boden gelegt. In diesem Zustand körperlichen Entspannung erleben sie, eigenen Aussagen zufolge, ein neues Offensein für Gott, eine neue Intensität des Glaubens als Vertrauen zu Jesus, eine wachsende Freude zum Gebet oder zum Bibellesen, die Heilung seelischer Wunden, Berufungen und Wegweisungen für die Lebensplanung oder Sündenerkenntnis, die zur Buße führt. Charismatiker interpretieren diese Erfahrung als Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5,22) und als Vorwegnahme des himmlischen Friedens. Allerdings wird das Ruhen im Geist nicht selten missverstanden als höhere Glaubensstufe oder als Flucht aus dem anstrengenden Alltag. Dieses auch in außerchristlichen Großveranstaltungen zu beobachtende Phänomen ist besonders anfällig für Manipulation und Massensuggestion.29 Der biblische Bezug fehlt beim Ruhen im Geist vollkommen, obwohl es natürlich situationsunabhängige Aussagen über das Ruhen in Christus gibt (Mt 11,29; 2Kor 2,13; 1Petr 4,14), die mit diesem Phänomen aber nicht vergleichbar sind. Am ehesten könnte man ein solches Ruhen im Geist als autogenes Training mit christlichem Anstrich bezeichnen.

Durch charismatische Kongresse wurde auch das Lachen im Geist als Mittel der Seelsorge bekannt. Menschen brechen beglückt von der Erfahrung der Vergebung, Befreiung oder Heilung in unkontrolliertes Lachen aus.30 Das Lachen im Geist gibt Charismatikern die Möglichkeit, sich im vertrauten Rahmen Gleichgesinnter einfach emotional fallenzulassen, alle Hemmungen zu vernachlässigen. Ähnlich wie in anderen esoterischen Praktiken (Urschrei- Therapie, freie Sexualität) soll die Möglichkeit gegeben werden, jenseits persönlicher und gesellschaftlicher Schranken Gefühle exzessiv ausdrücken zu können. Psychologisch mag das sinnvoll sein, biblisch begründen lässt sich diese Praxis nicht. Auch lässt sich kein positiver Nachweis führen, dass dies heilige Lachen tatsächlich auf Gottes Initiative zurückgeht. Manche Charismatiker wollen darin eine Frucht des Geistes (Gal 5,22) sehen oder eine Vorwegnahme der endzeitlichen Freude.

Charismatische Seelsorge bedient sich ferner des Segnens, körperlich vermittelt durch Handauflegung oder Salbung. Nach dem Alten Testament ist das Segnen nicht nur in Israel, sondern auch in den angerenzenden Ländern ein weit verbreitetes Phänomen. Gott erweist sich Israel als der einzige und wahre Ursprung allen Segens. Dieser kann sich in hohem Lebensalter, zahlreicher Nachkommenschaft, Landbesitz, Reichtum und bleibendem Andenken niederschlagen. Auch im Neuen Testament gibt es neben dem geistlichen einen handfesten, materiellen Segen den Gott seinen Kindern zusagt (Lk 18,28ff). Alle Sorgen um die Dinge des Alltags sollen nicht einfach vergessen, sondern Gott abgegeben werden, der dem Gläubigen gibt, was er benötigt (Mt 6,25-32; 7,7-11; Jak 1,17). Allerdings erschöpft sich Gottes Segen nicht in dieser materiellen Versorgung (Mk 13,11; Eph 1,3ff). Vor allem aber gibt es keinen Automatismus. Über Wohlergehen, Gesundheit, Reichtum usw. verfügen nicht alle Gläubigen, gleichzeitig fragen sich diese: Warum geht es den Gottlosen so gut?” (Ps 73,2f; 16f). Charismatische Segenshandlungen erwecken gelegentlich den Eindruck das menschlich Gewünschte herbeizwingen zu wollen, ohne zu berücksichtigen, dass Gott seinen Kindern auch Leid, Krankheit und Armut zumutet (Mt 5,1-12; 6,19ff; Joh 15,20; 2Kor 11,16-28). Darüberhinaus ist der charismatische Segen häufig zu individualistisch und übersieht das globale und heilsgeschichtliche Segnen Gottes über Völker und Zeiten hinweg (1Mo 1,28; 8,21ff; 12,1-3; 2Sam 7,11-13; Jes 55,3; Apg 3,26). Gottes Segen umfasst ganze Generationen (5Mo 7,9), die Frommen und die weniger Frommen (Mt 5,45; Lk 6,35). Segnen war in biblischem Zusammenhang mehr als eine Bitte um Alltägliches. Häufig fand eine Segnung an wichtigen politische, persönlichen oder geistlichen Wegscheiden statt (1Mo 12,1f; 27; 49; 4Mo 6,22ff; 5Mo 30; Jos 8,33f; Lk 1,42).31

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass charismatische Seelsorge insbesondere das übernatürliche Wirken Gottes im Blick hat. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Einerseits berücksichtigt es das übernatürliche Eingreifen Gottes in den Problemen des Ratsuchenden. Andererseits werden hier häufig die menschlichen Möglichkeiten (Gesprächsführung, psychologische Analyse, praktische Hilfe usw.) und die direkte Anwendung des Wortes Gottes vernachlässigt. Bei der besonderen Betonung der Emotionen (Eindrücke, hörendes Gebet, Bilder, Segnung usw.) wird häufig deren notwendige Kontrolle und Korrektur zu wenig berücksichtigt. Bleibt die versprochene übernatürliche Hilfe in der erhofften Form aus, erzeugt diese Art charismatischer Seelsorge neue praktische und geistliche Probleme (Enttäuschung, Vorwürfe an Gott, Suchen nach nicht vorhandenen Dämonen usw.). Geistliche Befreiungskämpfe vernachlässigen immer wieder die menschliche Verantwortung des Ratsuchenden (Sünde, falsche Denk- und Verhaltensweisen) und die Vergebung der Schuld durch Jesus Christus, die immer im Zentrum der Seelsorge stehen sollte. Der Einfluss übernatürlicher Mächte wird in der charismatischen Seelsorge deutlich überbewertet.

1.4. Power Evangelism: Geistliche Kampfführung und Jesusmärsche Relativ unbestritten ist unter Christen die Überzeugung, dass Gott auch heute noch Wunder wirkt. Unterschiedlich bewertet wird zumeist der Stellenwert dieser Zeichen und der Weg auf dem sie erreicht werden. Die Einen halten das Eingreifen Gottes für möglich, sind aber auch bereit, den normalen Verlauf von Krankheiten oder anderen Leiden zu akzeptieren. Darüber hinaus ist ihr Vertrauen auf Gott nicht unmittelbar von erlebten Wundern abhängig. Die Anderen meinen, Wunder und Zeichen gehörten zum Alltag christlichen Lebens. Sie sehen im spektakulären Eingreifen Gottes einen notwendigen Beleg für die Wahrheit des christlichen Glaubens. Durch erlernbare geistliche Strategien könnte der Christ Dämonen vertreiben, Orte freibeten und Krankheiten beseitigen, sofern er nur genügend Glauben aufbringe.

Wundersuchende Christen stehen allerdings in der Gefahr, ganz gewöhnliche Ereignisse zu vergeistigen und damit zum Wunder zu erklären. Es sind durchaus auch Fälle bekannt geworden, wo versucht wurde, das erwartete Wunder durch den Einsatz unlauterer Mittel selbst zu erzeugen oder zumindest zu beschleunigen. Außerdem sollte immer damit gerechnet werden, dass übernatürliche Phänomene auch durch dämonische Einflüsse verursacht werden können (Mt 24,24; Apg 8,9; Offb 13,14). Wunder müssen gedeutet werden, weil an dem Zeichen selbst normalerweise nicht ersichtlich ist aus welcher Kraft es geschehen ist und was es vermitteln soll. Sogar die Wunder Jesu wurden in seiner Zeit von Zuschauern auf die Wirksamkeit von Dämonen zurückgeführt (Mt 12,24f). Generell sollten Zeichen hinter eindeutigen geistlichen Inhalten zurücktreten (vgl. Mt 20ff; 21,23ff; Lk 10,19f; Joh 5,16; 6,26), da sie zumeist nur zeitlich beschränkt sind und sich lediglich auf das äußerlich Sichtbare beziehen. Über den Wahrheitsgehalt einer geistlichen Aussage sagt das, diese begleitende Wunder nichts.

1.4.1. Geistliche Kampfführung und Jesusmärsche

Ausgehend von neutestamentlichen Aussagen, die den geistlichen Kampf des Christen mit militärischen Begriffen beschreiben (2Kor 10,3-6; Eph 6,10-17), wurde in der Charismatischen Bewegung eine besondere Art geistlicher Kampfführung entwickelt. Demnach steht der Christ in einer geistlichen Auseinandersetzung kosmischen Ausmaßes. Dämonische Mächte hindern das Wachstum der Christen und die Bekehrung der Ungläubigen.

Die Vorstellung einer militärischen Auseinandersetzung prägt die Sprache der Geistlichen Kampfführung. Da ist die Rede vom „Kampf an der Front“, von „Jesus in der Offensive“ oder von „Grundsätzen zur Einnahme einer Stadt“. Christen werden als „Teil von Gottes Gebetsarmee“ bezeichnet, die an der „himmlischen Invasion“ teilnehmen. Jesus wird hier zum „Kommandeur unserer Armee“, der seine „Präzisionswaffen“ (Gebet) zur Verfügung stellt. Mit dem Wort Gottes soll „zugeschlagen“ werden, bis der Feind „sich nicht mehr erholen und nicht mehr aufstehen kann”. Der Feind muss „rücksichtslos geschlagen werden“. Predigt, Krankenheilungen und Befreiungsdienste werden dabei zu „Gewehren“ und „Handgranaten“.32 Besonders beliebt ist auch die allegorische Übertragung der Schlachten Israels auf die Situation der gegenwärtigen Gemeinde. „Wir setzen unsere Füße auf die Erde in einem Ort und beanspruchen dieses Territorium für das Reich Gottes …”33 „Wir kämpfen ähnlich wie das Volk Israel bei der Einnahme des Gelobten Landes … Wie beim Volk Israel das Land Kanaan … von den Riesen (d.h. von dämonisch degenerierten Menschen) besetzt war, müssen wir dem Feind … unser Erbe abgewinnen …”34 Glücklicherweise bleibt es auf materieller Ebene zumeist bei diesen martialischen Aussprüchen. Tatsächlich fühlen sich viele Charismatiker aber als Kämpfer in einer kosmischen Auseinandersetzung, in der sich hinter einer Krankheit, einer Entlassung, einem Ehestreit oder mangelndem Gemeindewachstum ein Dämon oder der Teufel selbst verbirgt, den es massiv zu bekämpfen gilt. Dass die hier herangezogenen Bibelstellen fest umrissene historische Ereignisse aus der Geschichte Israels beschreiben wird einfach ausgeblendet. So wird die buchstäbliche Inbesitznahme Kanaans zu einer vergeistlichten Einnahme einer geographischen Region. Mit neutestamentlicher Theologie decken sich diese Vorstellungen und die benutzte Terminologie kaum. So wird die Tätigkeit des Christen häufiger mit der eines Sportlers (1Kor 9, 24-27; 1Tim 1,18; 6, 12; 2Tim 4,7) oder der eines Landwirts (Mt 13,1ff; 20,1ff; Mk 12,1ff) als mit militärischen Bildern beschrieben. Zum anderen beschreiben die neutestamentlichen Vergleiche mit militärischem Verhalten eher eine Verteidigungsschlacht als einen offensiven Angriff (Jak 4,7; 1Petr 5,8). Es geht eher darum die geistlichen Angriffe des Teufels zurück zu schlagen, als ihn anzugreifen. Deshalb steht auch die Beschreibung der geistlichen Verteidigungswaffen im Vordergrund (Eph 6,12-17). Darüberhinaus betonen die neutestamentlichen Autoren, dass der Christ im geistlichem Kampf leidet und nicht triumphiert (2Kor 6,1-10; 11,16-33; 12, 9f), dass er sich für das Evangelium des Friedens (Eph 6,15) einsetzt und keinen Vernichtungskampf gegen dämonische Mächte anzettelt. Hier findet eine entscheidende Akzentverschiebung statt, indem der letztendliche Sieg Jesu über alle gottfeindlichen Mächte statt im Himmelreich Gottes, schon hier und jetzt verwirklicht werden soll.

Im geistlichen Kampfgetümmel wird gelegentlich der Unterschied zwischen dem Handeln der Gemeinde und dem Handeln Gottes vergessen. Besonders geistbegabte Charismatiker erwecken den Eindruck, als könnten sie an Gottes Stelle Satan und Dämonen besiegen. Dahinter steht jedoch eine unbiblische Machtanmaßung. In der Auseinandersetzung mit übernatürlichen Mächten sollen Gläubige sich an Gott halten, sich unter seinen Schutz stellen, beten, dass sie von Angriffen des Teufels verschont bleiben (Mt 6,13; 2Thess 3,3) und sich gegen gedankliche Angriffe des Bösen schützen, indem sie sich ihres Heils, des Evangeliums, der Wahrheit vergewissern (Eph 6,10-20). Immer wieder berufen sich charismatische Christen in diesem Zusammenhang auf die den Gläubigen verheißene Mitherrschaft im Reich Gottes (Mk 10,40; 1Kor 6,2f; Offb 2,26). Diese prophetischen Äußerungen aber beziehen sich nicht auf die gegenwärtige Situation der Gemeinde. In Konkurrenz zur Verbreitung des Evangeliums Gottes tritt in der geistlichen Kampfführung die eigene Vollmacht. Insbesondere sei eine Elite von Geistträgern dazu befähigt, geistliche Schlachten zu schlagen.35 Margies ermutigt: Wir haben „das Mittel der Kampfführung, mit dem wir den geistlichen Bombenhagel, der systematisch und ununterbrochen aus der Atmosphäre auf einzelne Personen, Kulturen, Nationen und Gruppen herniedergeht, abfangen, auflösen und unwirksam machen.”36 John Wimber meint, durch stellvertretende Buße, die Sünden der USA gegenüber Japan getilgt zu haben.37 Deutsche Charismatiker wollen durch sogenannte Versöhnungswege eine geistliche Aussöhnung zwischen Deutschland und seinen osteuropäischen Nachbarn vorantreiben. Ein individuelles Sündenbekenntnis, eine persönliche Einsicht und Buße der Betroffenen sei an dieser Stelle nicht mehr nötig. Eine solche Sündenvergebung, die am Evangelium Jesu vorbeigeht, findet sich im Neuen Testament allerdings nicht. In Ermangelung neutestamentlicher Belege stützen sich charismatische Geisteskämpfer vor allem auf alttestamentliche Beschreibungen der Kämpfe Israels. „Wir können diese Berichts nicht nur als alte Geschichten verstehen, wir müssen sie im Licht unserer Auseinandersetzung mit der alten Schlange und Satan … sehen … Unsererseits bedarf es nur eines gewissen Maßes an Willigkeit, diese Parallelen zu erkennen …”38 Hier entscheidet nicht mehr der offensichtliche Literalsinn über die Auslegung eines Bibeltextes, sondern das eigene magische Weltbild bzw. die eigene Erfahrung. Für die aus dem Zusammenhang gerissenen Deutungen berufen sich charismatische Geisteskämpfer auf die Führung durch den Heiligen Geist. Einzelne alttestamentliche Schlachtenbeschreibungen werden zu einem vergeistigten Strategiepapier verbunden, mit dessen Hilfe dämonische Belastungen von Menschen, Städten, Institutionen und ganzen Ländern beseitigt werden können. Dabei sollen prophetische Eindrücke, Zungenrede und geistliches Binden helfen.

Eine wohlbekannte Anwendung der geistlichen Kampfführung sind die Jesusmärsche. Mit Lobpreis, Zungenrede und Bindung geistlicher Mächte der Korruption, Prostitution usw. werden ganze Landstriche von vorgeblich okkulten Einflüssen befreit und für Gott eingenommen. „Eine 80köpfige Gruppe traf sich und ging gemeinsam auf den in der Mitte von Buenos Aires gelegenen Plaza de Mayo und kämpfte dort fünf Stunden lang einen erbitterten Kampf gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs … Als sie den Marktplatz verließen, hatte die Gruppe den Eindruck, dass sie einen Sieg errungen hatte.”39 An die Stelle der Predigt als Mittel geistlicher Auseinandersetzung tritt hier der Wunsch eines direkten Eingriffs in die übernatürliche Welt. Dahinter steht die Vorstellung eines umfassenden geistlichen Kampfes zwischen Gut und Böse, in den geistbegabte Christen entscheidend eingreifen können. „Dadurch erhält das irdische Leben einen eigenartig unwirklichen Schimmer. Deshalb spielt auch das Sprachengebet für das Konzept der geistlichen Kampfführung eine so große Rolle: Seine Vertreter meinen, dass in ihm das Denken aufhört und der Heilige Geist unmittelbar zu wirken beginnt. Entsprechend fordert Berthold Becker bei der geistlichen Kampfführung eine absolute Loslösung vom Ich.”40 Abgesehen von der Anmaßung göttlicher Macht liegt ein Problem der geistlichen Kampfführung in der Uminterpretation des biblischen Weltbildes. Zwischen Gott und die Welt schiebt sich die Sphäre der Dämonen und Geister, gegen die der geistliche Christ anzutreten hat.41 Man könnte auch von einer Wiederverzauberung der Welt reden, die ähnlich wie in esoterischen Kreisen betrieben wird, nur das hier Sprachenrede und Lobpreis eingesetzt werden, um Geistern Paroli zu bieten dort aber magische Sprüche, Amulette oder Meditationen. Eine solche geistliche Kampfführung sucht der Gläubige bei Jesus und den frühen Christen allerdings vergeblich. Nicht nur, dass hier dämonologischen Spekulationen Vorschub geleistet wird, die die neutestamentliche Aussagen zum Bösen weit übersteigen, auch besteht die begründete Gefahr, dass die Verkündigung von Buße und Vergebung vernachlässigt wird.

1.4.2. Dämonenaustreibung und Besessenheit

Der charismatische Buchautor Charles Kraft gründet seine Ausführungen auf die Betreuung von rund 200 dämonisierten Menschen. Seinen Angaben zufolge können alle Menschen, auch gläubige Christen, unter den Einfluss von Dämonen kommen.42 Diese nähmen den Menschen nicht immer gänzlich in Besitz, sondern übten auf ihn einen Einfluss aus, den Kraft auf einer Skala von eins bis zehn misst.43 Oftmals wüßten die Betroffenen von ihrer dämonischen Belastung nichts. Allerdings könnten äußere Symptome wie regelmäßige Schläfrigkeit oder Kopf- und Rückenschmerzen auf die Anwesenheit von Dämonen hindeuten.44 Manche Dämonen meldeten sich auf Anfrage, andere schwiegen trotz Drohungen des Seelsorgers. Dämonisierungen können durch die willentliche Einladung eines Geistes, aber auch durch Vererbung oder Flüche auftreten, meint Kraft. 45 „Man sollte einen Generationsgeist vermuten, wenn man bei dem Hilfesuchenden und in vergangenen Generationen der Familie desjenigen Probleme wie Alkoholismus, Depression, … Furchtsamkeit, Krebs, Diabetes oder beinahe jedes andere emotionale oder körperliche Problem … erkennt“46 Flüche wie „Ich hasse …!“, „Du wirst es nie zu etwas bringen!“ oder ich wünschte, … wäre tot!“ können nach Kraft dazu führen, dass die angesprochene Person dämonisiert wird. Auch die Beschäftigung mit Esoterik, Freimaurerei und Scientology, „sogar viele der harmlos erscheinenden Aktivitäten (z.B. mit der Gesundheit und der Umwelt verbundene) [bringen] die Teilnehmer in die große Gefahr, dämonisiert zu werden.”47 Im Allgemeinen fallen die Dämonen nicht sonderlich auf. Sie verstärken lediglich psychische Probleme, die aus der Vergangenheit des Betreffenden stammen. Probleme mit der Sexualität, mit Zorn, Neid, Konkurrenzdenken, Arbeit, Familie, Lernen usw. können nach Kraft auf dämonischen Einfluss hinweisen.48 Auch Müdigkeit beim Bibellesen oder im Gottesdienst, negative Gedanken im Gespräch mit anderen Christen oder Zweifel an geistlichen Wahrheiten sind für Kraft Hinweise auf die Aktivität von Dämonen.49 Wer keine angenehmen und positiven Gedanken über das Leben und über sich selbst hat oder wessen Selbstachtung niedrig ist, stünde vermutlich unter dämonischem Einfluss.50 Okkulte Bindungen werden, so Kraft, geschwächt, wenn man die emotionalen Probleme des Menschen bekämpft, die den Dämonen als Nahrung dienen.51 Manchmal soll auch ein laut ausgesprochener Befehl den Einfluss von Dämonen bannen. „Wenn ich also in einem Streit gefangen bin oder auf dem Weg zu einem wichtigen Termin in dichtem Verkehr aufgehalten werde, wenn ich das Gefühl habe betrogen, zu werden wenn ich frustriert bin, wenn ich etwas vergeblich suche … all das sind Signale für mich, bösen Geistern zu befehlen, sich aus meinen Angelegenheiten rauszuhalten.”52

Nach einem seelsorgerlichen Gespräch empfiehlt Kraft die Dämonen herauszufordern, indem man dem Klienten längere Zeit direkt in die Augen schaut, indem man Lobpreis betreibt oder den Dämon durch geweihtes Salböl bzw. geweihtes Wasser verunsichert.53 Dämonen können auch direkt angesprochen werden, meint Kraft: „Meistens versuche ich, den Dämon dadurch herauszufordern, indem ich die Namen von emotionalen oder geistlichen Problemen verwende, von denen ich den Verdacht habe, dass sie von Dämonen verstärkt sind. Typischerweise sage ich etwas wie: Geist des / der …, ich fordere dich im Namen Jesu heraus. Ich befehle dir, dich kenntlich zu machen.“54 Auf die sich anschließende Fragen antworten manche Dämonen durch den Mund des Klienten, andere verzerren seine Stimme, sprechen eine Fremdsprache oder schweigen sich aus.55 Gelegentlich findet die Kommunikation mit den Dämonen auch nur über innerliche Gefühle oder im Hören auf innere Stimmen statt. Kraft hält das Gespräch mit dem Dämon im Hinblick auf das weitere Vorgehen für hilfreich. Zum einen verrät der Geist wann er damit begann, den Klienten an sich zu binden, dann informiert er über die Aktivitäten anderer Dämonen im betreffenden Klienten oder gibt an, mit welcher Strategie er sein Opfer traktiert.56 Durch die Preisgabe dieser Daten wird der Dämon geschwächt, meint Kraft. Außerdem kann der Seelsorger den Dämon später konkret ansprechen und durch die genaue Bezeichnung seiner Tätigkeit, seines Ranges und des Beginns seiner Aktivitäten besser austreiben.57 Nachdem ein Dämon Kraft seine Vorgehensweise verraten hatte, soll dieser erschreckt ausgerufen haben: „Ooooh, jetzt bin ich in Schwierigkeiten!“58 Darüber hinaus sollen die Dämonen im Gespräch an den Tod und die Auferstehung Jesu erinnert werden, was sie zusätzlich schwächt.59 Einzelne Dämonen sind für besondere Sünden (z.B. Zorn, Hass, Furcht, Sorge, Kritik, Zweifel, Spott), psychische Probleme (z.B. Depression, Nervosität, Selbstablehnung, Masturbation, Völlerei, Koffein) oder Weltanschauungen (z.B. Intellektualismus, Zeugen Jehovas, Horoskop, Islam) zuständig, meint Kraft.60 Diese sollten auch als Dämon der Depression, Dämon des Islam usw. angesprochen werden. Häufig finden sich in seinen Klienten mehrere Dämonen. Kraft empfiehlt, sich im Gespräch immer an den Ranghöchsten zu richten.61 „Was bei mir am besten funktioniert, um die Angelegenheit zu besiegeln, ist, Jesus zu bitten, dass er die Engel eine Kiste oder einen Sack über die … Dämonen senken lässt und sie darin einschließt, so dass sie alle zusammen sind und keiner von ihnen entkommen kann.“ 62 Nach einer Sitzung von zwei bis elf Stunden, in der die Dämonen identifiziert und miteinander zusammengebunden werden, befiehlt der Seelsorger den unreinen Geistern zu verschwinden.63 Diese Prozedur kann durch den Einsatz von Engeln unterstützt werden. Zumeist sind die Dämonen eingeschüchtert und kommen dem Befehl nach. Sie verlassen den Menschen durch eine seiner Körperöffnungen (Mund, Nase, Anus, Vagina), schreibt Kraft.64 Das kann sich durch Gähnen, Aufstoßen oder Blähungen äußern. Mancher fühlt sich nach dieser Prozedur glücklich und befreit, ein anderer bedrückt und unsicher.65 Jetzt gelte es, den Klienten mit positiven Segnungen aufzufüllen und die Dämonen an einer Rückkehr zu hindern. Mit den alten Gewohnheiten und Gedanken könnten auch die Dämonen zurückkehren, deshalb müsse Schuld vergeben, der Alltag umorganisiert, neue Gewohnheiten eingeübt und die Beziehung zu Gott gestärkt werden. Dämonisierte Bereiche des Lebensraums sollten befreit werden, wobei geweihtes Öl, gesegnetes Salz, Kreuze, Zungenreden usw. helfen können.66 Oftmals dauere es dann noch lange, bis der emotionale und geistliche Müll, den die Besessenheit hinterlassen hat zu beseitigen.67 „Wenn man zunächst die Dämonen behandelt, denken die Leute oft, dass nun die ganze oder die meiste Arbeit getan sei. Von Dämonen befreit worden zu sein, fühlt sich so toll an und sieht so gut aus, dass es leicht ist, die Notwendigkeit für Innere Heilung zu verdrängen. Die Dämonen können verschwunden sein, aber der wichtigste Teil der Heilung hat nicht stattgefunden …“68 Dazu gehören die Aufarbeitung von Gefühlen der Wertlosigkeit und Selbstablehnung, die aus der Kindheit stammen sollen.

Gelegentlich sollten Menschen sich im Rahmen einer tiefenpsychologischen Sitzung in den Mutterleib hineinversetzen, empfiehlt Kraft. Wenn sie schon als Embryonen dämonisiert wurden, könnten sich die Klienten plötzlich wieder an die geistlichen Ursachen ihres Leidens erinnern.69 Die am häufigsten Dämonen zugeschriebenen und durch geistliche Kampfführung ausgetriebenen Erkrankungen, werden in der Allgemeinmedizin zumeist psychosomatischen Ursachen zugeschrieben.70

Zwischen diesen, überwiegend auf Erfahrungen beruhenden Empfehlungen und biblischen Aussagen zum Umgang mit Dämonen besteht eine gewisse Spannung. Ohne Zweifel wissen die biblischen Autoren um die Realität von Dämonen (Mt 10,1; 12,43f; Lk 22,3-6; 8,28-31). Sie verstehen darunter übernatürliche Wesen, die gegen Gott arbeiten, Menschen in Abhängigkeit bringen und ihnen schaden wollen. Von dämonisierten Christen lesen wir im Neuen Testament nichts, höchstens von ihrer geistlichen Auseinandersetzung mit dem Bösen (Mt 6,13; Lk 22,31f; Eph 6,10ff; Kol 1,13), der durch Gedanken und Umstände Christen anzugreifen versucht. Dass Dämonen vererbt werden, dass sie sich automatisch mit einem Fluch oder einer negativen Aussage in einem Menschen festsetzen, wird in der Bibel nicht erwähnt. Die ausgedehnte Hierarchie und Namengebung der Dämonen sucht man in der Bibel ebenfalls vergeblich. Eigenschaften wie Neid und Stolz sind werden als sündige Eigenschaften bezeichnet, mit denen sich viele Menschen auseinanderzusetzen haben (Eph 2,1ff; 4,17ff; Jak 1,13ff; 4,1ff), auf einen dämonischen Ursprung dieser Eigenschaften deutet nichts. Für die mehrfach von Kraft empfohlene meditative Rückerinnerung an die eigene Zeugung, Geburt und frühe Kindheit zur Auffindung und Aufarbeitung dämonischer Belastungen, findet sich in biblischen Schriften kein Hinweis. Während der zahlreichen in den Evangelien beschriebenen Exorzismen unterhält sich Jesus nur einmal relativ kurz mit den Dämonen (Lk 8,26ff). Von einer Schwächungsstrategie ist dort wenig zu lesen, auch greift der Sohn Gottes in seiner anschließenden Dämonenaustreibung auf keine der von dem Geist erhaltenen Informationen zurück. In der neutestamentlichen Gemeinde findet sich kein Hinweis darauf, dass Seelsorger sich in längeren Gesprächen an Dämonen wandten.

Überhaupt erinnert der von Kraft geschilderte Umgang mit Dämonen eher der esoterisch, schamanistischen Praxis. Hier nimmt der sachkundige Schamane Kontakt mit der Geisterwelt auf und erfährt die dämonischen Hintergründe körperlicher und seelischer Leiden. Anschließend werden den verantwortlichen Geistern Opfer angeboten oder sie sollen durch Gebete und Rituale zur Aufgabe gebracht werden. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch alle alltäglichen Schwierigkeiten auf den Einfluss missgünstiger Geister zurückgeführt.

Bei der hier dargestellten Therapie bestehen verschiedene Gefahren: A. Notwendige medizinische Behandlungen werden unterlassen, weil man sich auf einen vermeintlich dämonischen Hintergrund konzentriert. B. Tiefgehende Angst und Verunsicherung kann dadurch ausgelöst werden, dass alltägliche Charaktereigenschaften und geistlicher Zweifel auf dämonischen Einfluss zurückgeführt werden. C. Regelrechte Verzweiflung kann entstehen, wenn persönliche Probleme, für die Dämonen verantwortlich sein sollen, nicht dauerhaft verschwinden. Der Betreffende wird neben seinen seelischen oder körperlichen Schwierigkeiten noch durch die Vorstellung belastet, ein Dämon wohne in seinem Inneren. D. Durch die Konzentration auf die vorgebliche Aktivität der Dämonen können im Alltag unnötige Ängste geweckt und der Blick auf Gott verstellt werden. E. Es besteht die Gefahr, dass die wahrgenommene Verantwortung für eigenes Handeln zurücktritt, weil Dämonen die Schuld an eigenem Versagen zugesprochen wird. F. Labile Persönlichkeiten können durch die intensive Beschäftigung mit Dämonen eine radikale Verschlechterung ihres Wohlbefindens oder gar den Ausbruch einer psychischen Erkrankung erleben. G. Durch die Konzentration auf eigene übernatürliche Erfahrungen tritt die Bibel als Leitschnur des Glaubens zurück. H. Falsch gehandhabte Konfrontation mit übernatürlichen Mächten, kann statt zu einer Befreiung zu einer Bindung an dieselben führen. I. Die Verwendung von Formeln, Symbolen und heiligen Gegenständen fördert beim Hilfesuchenden magisches Denken. Der Vorstellung wird Vorschub geleistet, in der sichtbaren materiellen Welt verberge sich eine unsichtbare geistliche und man könne diese übernatürlichen Mächte mit innerweltlichen Methoden beherrschen. J. Lange, suggestive Seelsorgegespräche, durch die Erinnerungen an mutmaßliche dämonische Belastungen durch frühere Generationen oder in der frühen Kindheit gesucht werden, können dazu führen, dass betreffende Erinnerungen erst jetzt erzeugt werden und den Klienten unnötig belasten. K. Die Konzentration auf behauptete dämonische Hintergründe entwerten die innerweltlichen Ursachen falschen Verhaltens und erschweren deren Verarbeitung. L. Die hier geschilderten Befreiungspraktiken stehen in der Gefahr, christlichen Glauben unsachgemäß mit schamanistischen und okkulten Vorstellungen zu vermischen. M. Die Dämonisierung fremder Weltanschauungen erschwert die sachliche und intellektuelle Auseinandersetzung mit deren Anhängern.

Biblische Dämonenaustreibung geschieht vor allem durch Gebet, Fasten und gelegentlich mittels Befehl im Namen Jesu (Mk 3,13ff; 9,29; Lk 9,1ff; Apg 16,16ff). Menschen können auch frei werden, wenn sie ihr Leben Jesus Christus anvertrauen.

1.5. Charismatische Leitungsstruktur und geistlicher Missbrauch
1.5.1. Geistlicher Missbrauch

Geistlicher Missbrauch ist gewöhnlich der Missbrauch eines Amtes für vorgeblich geistliche Ziele oder für einen eigenen Vorteil. Ken Blue präzisiert: „Geistlicher Missbrauch liegt dann vor, wenn eine Leiterpersönlichkeit, die geistliche Autorität über einen hat, diese Autorität benutzt, um Druck oder Zwang auszuüben, und damit dem ihm Untergebenen geistliche Wunden zuführt. … Menschen, die ihr geistliches Amt missbrauchen … sind für gewöhnlich derart narzisstisch oder darauf fixiert, etwas Großes für Gott tun zu wollen, dass sie es nicht einmal merken, wie weh sie ihren Opfern tun.“71 Menschen sollen dazu gebracht werden, alle Aussagen und Verhaltensweisen ihrer Leiter fraglos zu akzeptieren, ebenso deren Autorität über das eigene Leben. Sicherlich gibt es diesen Amtsmissbrauch in jeder religiösen Vereinigung. Allerdings tendieren charismatische Leiter besonders leicht dazu, ihre Nachfolger zu manipulieren, weil ihnen in ihrem Umfeld eine außergewöhnlich gewichtige Stellung eingeräumt wird und weil sie sich in ganz besonderer Nähe zu Gott wähnen. Immer wieder deklarieren charismatische Leiter ihre eigenen Aussagen als göttliche Mitteilungen und machen den Segen Gottes vom Gehorsam ihrer Anhänger abhängig. Eine besondere Gefahr liegt in diesem Zusammenhang beim sogenannten Discipleship / Shepherding Movement (Jüngerschafts- und Hirtenbewegung). In durchaus positiver Motivation wird hier die strikte Unterordnung des Christen unter seinen geistlichen Leiter gefordert, der ihm detaillierte Vorgaben für jeden seiner Lebensbereiche macht. Die Gefahr, dass in einem solchen System keine Abhängigkeit gegenüber Gott sondern gegenüber dem geistlichen Führer entsteht ist groß. Der Geführte kann immer weniger erkennen, welche der Forderungen wirklich von Gott und welche lediglich von dem geistlichen Leiter stammen.

Das System unhinterfragbarer Unterordnung wird unterstützt durch die Ablehnung intellektueller Fragen und jeder Kritik. Rückfragen an leitende Personen oder deren Lehre wird als ungeistlich oder gar dämonisch betrachtet. Somit muss der Fehler bei dem Gemeindeglied liegen, das Bedenken äußert. Wer in der Gruppe verbleiben will, muss den Forderungen der Leiter entsprechend verändern. Letztlich mündet dieses System in einer Abhängigkeit gegenüber den menschlichen Repräsentanten Gottes.

Johnson und VanVonderen nennen verschiedene Faktoren, die Geistlichen Missbrauch begünstigen:

1. „Das erste Merkmal eines religiösen Systems, das geistlichen Missbrauch betreibt, ist die sogenannte Machtstellung. Die Leiter verwenden eine Menge Zeit darauf, ihre eigene Autorität zu festigen und diese andere spüren zu lassen.“72 „In Systemen, in denen geistlicher Missbrauch betrieben wird, wird Macht gefördert und Autorität ist genau festgelegt. Darum beschäftigen sich diese Systeme mit dem Verhalten ihrer Mitglieder. Gehorsam und Unterwürfigkeit sind zwei wichtige, häufig verwendete Wörter.“73 Verhält sich ein Gemeindeglied nicht wie der Leiter bzw. die Gruppennorm es vorsieht, wird schnell davon gesprochen, dass Gott seinen Geist zurückgezogen hat, dass bestimmte geistliche Segnungen nicht fließen können, weil Hingabe oder Glaube fehlen oder, dass die Betroffenen in der Gefahr stehen, aus der Gnade zu fallen.

2. Unausgesprochene Regeln werden als bekannt und selbstverständlich vorausgesetzt. Aus diesem Grund müssen sie weder begründet noch verteidigt werden. Wer ihnen nicht entspricht wird von der Gruppe und von seinem eigenen Inneren gedrängt, sich zum Wohl der Gemeinschaft wieder einzuordnen.

3. Wer in charismatischen Gemeinden an anerkannten Leitern oder an allgemeinverbindlichen Überzeugungen zweifelt (z.B. „Ist diese Prophetie von Gott?“, „Ist die Person wirklich von einem Dämon besessen?“; „Will Gott, dass der Prophet in Luxus lebt?“, „Warum bin ich nicht gesund?“) wird häufig isoliert, unter Druck gesetzt oder in seiner Geistlichkeit in Frage gestellt.

4. „Das vierte Merkmal eines Systems, das geistlichen Missbrauch begeht, ist ein unausgewogener Ansatz, die Wahrheit des christlichen Lebens in die Praxis des Alltags umzusetzen. … Wahrheit definiert sich nur auf der Basis von Gefühlen und Erfahrungen; ihnen wird mehr Gewicht beigemessen als dem, was die Bibel lehrt. In einem solchen System können die Leute Wahrheiten erst erkennen oder verstehen … wenn der Leiter sie durch eine geistliche Offenbarung vom Herrn erhält und sie dann an die Menschen weitergibt. In solchen Systemen ist es wichtiger, dem Wort des Leiters entsprechend zu handeln, der ein Wort für Sie hat, als nach dem zu handeln, was Sie aus der Bibel oder im Laufe Ihres Lebens als Christ erkannt haben.“74

5. Personen, die geistlichen Missbrauch betreiben dringen zumeist darauf, Probleme nicht außerhalb der eigenen Gruppe zu debattieren. Da die böse Außenwelt die Regeln und Verhaltensweisen der Gemeinde weder akzeptiere noch verstehe, könnte sie auch nicht beurteilen, ob tatsächlich Fehler gemacht worden seien. Gelegentlich werden die abweichenden Vorstellungen Außenstehender sogar als Strategie des Teufels bezeichnet, der die Wahrheit des Leiters bekämpfen wolle. Mit diesem Vorgehen versuchen Leiter die berechtigten Bedenken ihrer Mitglieder zu zerstreuen. Alle Aussagen, die konträr zum Verhalten des geistlichen Missbrauch ausübenden Menschen stehen, werden durch Unwissenheit oder dämonischen Einfluss erklärt. Da der Anhänger der Gruppe weder unwissend noch dämonisiert sein will, ist er eher bereit, den Aussagen der leitenden Person zu vertrauen.75 Beispiel: Eine Person leidet fortgesetzt unter starken Kopfschmerzen. Der Pastor führt sie auf dämonische Ursprünge zurück. Beginnt der Betroffene an dieser Diagnose zu zweifeln, wird seine Unsicherheit auf mangelnde Einsicht in das eigene Glaubenssystem oder auf okkulte Ursachen zurückgeführt.

6. Ein weiteres Merkmal für ein System, das geistlichen Missbrauch begeht, ist die Förderung, ja sogar Forderung falscher Loyalitätsgefühle, die sich nicht auf Gott, sondern auf die eigene Organisation bzw. auf deren Leiter beziehen. „Dies wird häufig durch den Aufbau eines Systems erreicht, in dem mangelnde Loyalität oder Uneinsichtigkeit mit dem Führenden gleichgesetzt wird mit Ungehorsam Gott gegenüber. Einen Leiter in Frage zu stellen ist, als würde man Gott in Frage stellen.“76 Wahrheiten, die von außerhalb der Gruppe stammen werden ignoriert oder lächerlich gemacht. Dadurch will der Leitende eine ernsthafte Auseinandersetzung mit abweichenden Auffassungen verhindern, die das eigene System gefährden könnten.

7. Reicht diese Art der Disziplinierung nicht aus, kann das Mitglied öffentlich gedemütigt werden um ein der Gruppe angepasstes Verhalten zu erreichen. Der Druck Gleichgesinnter soll den Wiederstand des Betreffenden brechen. Oftmals wird Kritik an Leitenden auch als Problem des Kritisierenden umgedeutet. Der Arme habe etwas nicht ganz verstanden oder handle lediglich aus eigensüchtigen bzw. ungeistlichen Gründen. Gelegentlich wird dann sogar damit gedroht, dass Gott den Kritiker strafen werde, wenn dieser seine Vorwürfe nicht unverzüglich zurücknähme.77

8. „In einem System, das geistlichen Missbrauch betreibt, sind die Menschen der Meinung, dass sie auf sich allein gestellt kaum oder gar nicht in der Lage sind, Gottes Wort zu verstehen. … die Bibel ist für sie … ein Buch, das uns Techniken an die Hand gibt, wie wir uns richtig verhalten sollen, damit Gott uns segnen kann.“78 Zu diesem Zweck wird die in christlichen Kreisen hoch geschätzte Bibel häufig zitiert, ohne allerdings die eigene Prüfung der Zuhörer anzuregen, da diese vorgeblich über zu wenig theologisches Wissen oder zu wenig Geistesfülle verfügen. Der ursprüngliche, historische Zusammenhang der Bibelstelle wird dabei zumeist ignoriert, um diese besser in das eigene Denksystem einzubauen. Manchmal begründen Leitende ihre Ansicht auch einfach mit einer göttlichen Offenbarung, der fraglos zu glauben sei.

9. Leiter, die geistlichen Missbrauch betreiben berufen sich gerne auf ihre vorgeblich von Gott erhaltene Stellung als Pastor, Prophet oder Apostel. In dieser Stellung meinen sie den Beurteilungsmaßstäben normaler Menschen entzogen zu sein. Weder lässt sich ihr Verhalten an dem anderer Personen vergleichen, noch könnten ihre Aussagen von irgendeiner irdischen Instanz in Frage gestellt werden.79

10. Leiter, die geistlichen Missbrauch betreiben heben zumeist ihre eigene Stellung überproportional hervor. Sie stellen ihre Titel und ihre Leistungen besonders heraus. Sie werben auffällig damit, wie viele Menschen sie bekehrt, geheilt, befreit haben, in welch innigem Kontakt sie zu Gott stehen, wie Erfolgreich sie sind usw. Dadurch soll ihre Autorität gestärkt werden, sodass inhaltliche Ungereimtheiten weniger auffallen. Sie bauen darauf, dass niemand die Ausführungen eines Professors, Propheten oder Apostels in Frage stellt. Um das eigene Image zu heben wird das eigene Auftreten zumeist durch Kleidung, Musik, Ankündigungen speziell arrangiert und inszeniert.80

11. In einem System, das geistlichen Missbrauch betreibt, wird Menschen für ihre Anpassung und ihren Gehorsam eine außergewöhnliche Belohnung versprochen. Wer fraglos denkt und lebt wie der Leitende es fordert, wird besondere Erfahrungen mit Gott machen, er wird immer gesund und wohlhaben sein, Wunder und die persönliche Begegnung mit Gott gehören zu seinem Alltag. Das Nichterleben dieser Verheißungen wird zumeist mit mangelnder Ernsthaftigkeit oder mangelnder Überzeugung erklärt. Eine noch stärkere Befolgung der Anweisungen des Leiters würde zu einem sicheren Erfolg führen.

1.5.2. Reden in der Autorität Gottes

Zahlreiche charismatische Leiter wählen für ihre Predigten ähnliche Formulierungen wie biblische Propheten. Sie erwecken den Eindruck, als ob Gott sie regelmäßig zu einer persönlichen Unterredung empfange. In Ihren Predigten und Publikationen zitieren sie Aussagen, die Gott ihnen gegenüber geäußert haben soll: „Gott sprach zu mir …“ oder „Gott: Mein liebes Kind ich sage dir …“ Der größte Teil von Colin Urquharts Buch Mein Lieber Sohn. Eine persönliche Offenbarung über Jesus Christus ist beispielsweise in dieser Form abgefasst. „Leider glauben nicht alle meine Kinder, dass ich sie heilen will. Einige behaupten sogar, ich möchte, dass sie krank sind … Wieder andere glauben, ich benutze Krankheiten dazu, meine Kinder zu läutern und zu erziehen. Was für ein Vater wäre ich denn dann? … Halte unbeirrbar daran fest, dass ich meine Kinder heilen will.“81 „Kind, ich gebe heute meinen Jüngern dieselbe Vollmacht, denn es ist dasselbe Evangelium, das sie verkündigen. Alle, die in meinem Namen gesandt werden, erhalten den Auftrag, das Reich Gottes im Wort und in der Kraft zu verkündigen. … Es macht mich traurig, mein Kind, einige sagen zu hören, sie seien damit zufrieden, das Evangelium ohne Zeichen und Wunder zu predigen.“82

„Mein Geist ist auf dir, so wie er auf ihm [Jesus] war, um dich fähig zu machen, das zu tun was ich sage. … Ich möchte, dass du verstehst mein Kind: Auch an dir soll man sehen, dass du … in großer Kraft die Vollmacht ausübst, die ich dir gegeben habe. … Stehe gegen die Mächte der Finsternis auf, die über dein Land herrschen wollen. Erlaube ihnen nicht, dass sie ihren Willen bekommen. … Du bist Teil einer Armee von Gläubigen, die gemeinsam dafür sorgen sollen, dass ihr Land aus der Gewalt des Feindes befreit wird.“83 Hier spricht sich nicht mehr Urquart sondern Gott für die, selbst in der Charismatischen Bewegung, höchst umstrittenen Thesen genereller Heilung, von Power Evangelism und Geistlicher Kampfführung aus.

Auf diese Weise nehmen Pastoren für ihre Aussagen göttliche Autorität in Anspruch. Dadurch setzten sie ihre Leser und Zuhörer unter Druck, da diese eigentlich verpflichtet sind alles fest zu glauben, was von diesen Autoren vorgetragen wird, da es letztlich von Gott selbst stammen soll. Schnell münden diese Reden im Namen Gottes in Machtmissbrauch. Immer wieder werden eigene Meinungen und Auslegungen als Reden Gottes deklariert, um sie so unangreifbar zu machen. Jede kritische Rückfrage oder anderslautende Meinung wird damit zum direkten Angriff gegen Gott, der allein den Redner autorisiert.

Bei näherer Nachfrage ergibt sich recht schnell, dass diese charismatischen Redner Gottes Stimme ebenso wenig akustisch wahrnehmbar gehört haben wie die meisten ihrer Zuhörer. Innere Ahnungen, persönliche Gewissheiten und feste Überzeugungen werden als Reden Gottes interpretiert. Durch diese Vorgehensweise werden eigene Thesen nicht nur der gemeindlichen Prüfung entzogen, gleichzeitig wird die biblische Prophetie entwertet, da sie nur noch auf einer Ebene neben zahlreichen heute erhältlichen Offenbarungen steht. Gleichermaßen erheben beide den gleichen Anspruch, von Gott eingegeben zu sein. Wird die Erfahrung gemacht, dass der charismatische Autor sich irrt, obwohl er Gott gehört hat, ist man sich auch der biblischen Schreiber nicht mehr so sicher.

1.5.3. Umgang mit Kritik

Zahlreiche charismatische Leiter sehen sich und ihren Dienst jenseits jeder Kritik. Ihre Autorität geht direkt auf Gott zurück und ist somit unhinterfragbar. Wer anderer Auffassung ist, muss sich nach diesem Denkmodell auch im Gegensatz zu Gott selbst befinden. Kritik an seinen Überzeugungen und seiner Prophetie lässt der charismatische Evangelist Francis Frangipane nicht zu. Felsenfest ist er von der Wahrheit seiner Ideen überzeugt. Wer es wagt hier Kritik zu üben, sogar wenn sie zutreffend ist, muss folglich von Dämonen besessen sein. „Im Rahmen seiner Anstrengungen, den nächsten Schritt Gottes zu behindern bzw. ganz aufzuhalten, hat Satan eine Armee kritiksüchtiger Dämonen auf die Gemeinde gehetzt. … In der Verkleidung der Unterscheidungsfähigkeit wird sich dieser Geist in unsere Meinung über andere Menschen einschleichen, was zur Folge hat, dass wir kritisch werden und andere richten. … Der Dämon der Kritiksucht wird einzelne dazu anstacheln, Tage, ja sogar Wochen damit zu verbringen, alte Fehler oder Sünden ihres Leiters oder ihrer Gemeinde auszugraben. … Dass jemand die Unvollkommenheit seines Pastors … entdeckt, ist gewiss kein Zeichen geistlicher Reife. … Fast alle die darin verwickelt sind, wenden ihren Blick von Jesus ab und konzentrieren sich auf Sachfragen …”84 In einem ganzen Kapitel das Frangipane der Kritik an der Kritik widmet findet sich kein Hinweis auf möglicherweise gerechtfertigte Kritik, die Notwendigkeit auch Sachfragen oder theologische Überzeugungen zu rechtfertigen. Stattdessen werden ständig wieder die verheerenden Gefahren der Kritik heraufbeschworen. Da Kritik wie auch der Kritiker zweifelsfrei vom Satan bestimmt sind, fordert Frangipane dazu auf, die Gemeinschaft solcher Menschen zu meiden und hält es für überflüssig sich den inhaltlichen Fragen der Kritik zu stellen. Kritikern unterstellt er prinzipiell eine schlechte Motivation und unlautere Methoden: „Um das teuflische Wesen seiner Aktivitäten zu vertuschen, hüllt der Kritikgeist sine Krittelei oft in ein religiöses Mäntelchen. … In seinem Bestreben, eine Vergewaltigung der Heiligen Schrift wieder geradezubiegen, bedient er sich Methoden, die selbst wiederum eine Vergewaltigung der Schrift darstellen.”85 Wie häufig bei selbstbewussten Propheten unterstellt Frangipane kritischen Christen Neid am Erfolg der Anderen: „Je stärker unsere Eifersucht wird, desto mehr beutet der Dämon unsere Gedanken aus, bis absolut kein gutes Haar mehr an dem betreffenden Menschen oder der betreffenden Gemeinde übrig bleibt.”86 Insbesondere frühere Insider, die ehemals vertretene Lehren, Praktiken oder Prophetien korrigierten, hält er für besonders gefährliche und vom Teufel verführte Menschen: „Traurigerweise sind es oft die Leiter, die von ihrer lebendigen, ersten Liebe abfallen und zu unerbittlichen Verfolgern derer werden, die im Heiligen Geist wandeln.”87 Der Gedankengang ist deutlich. Frangipane stellt die Kritiker seiner Theologie und Prophetie auf eine Stufe mit den verbissenen Verfolgern und Mördern der ersten Christen.

Den Ausführungen Frangipanes zufolge ist es also unstatthaft, sogar dämonisch die von ihm verbreiteten Lehren und Praktiken zu bemängeln, die eingehende Kritik seiner Kritiker hingegen ist Teil der von ihm propagierten geistlichen Kampfführung. Zweifellos zutreffend ist Frangipanes Beobachtung, dass auch in der christlichen Gemeinde sachlich gerechtfertigte Kritik mit menschlich persönlichen Motiven gemischt auftritt. Statt das Kind mit dem Bade auszuschütten, wäre es allerdings hilfreicher, aufzuzeigen wie die des Öfteren im Neuen Testament geforderte Prüfung und Kritik (Mt 18,15; 1Kor 14,29; Gal 2,11ff) sinnvoll zu praktizieren ist. Anderenfalls klingen die Warnungen Frangipanes vor der Kritik wie der geistlich verbrämte Selbstschutz einer verletzten Persönlichkeit.

Mit der Kritik an unbiblischen und nicht erfüllten Prophezeiungen konfrontiert greifen auch andere Prediger gerne zu Drohungen, indem sie davor warnen den Gesalbten des Herrn anzutasten oder indem sie direkt den Zorn Gottes auf ihre Kritiker beschwören. Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, dass es sich bei diesen Propheten tatsächlich um Gesalbte Gottes handelt. Der Gesalbte (Messias) im Neuen Testament jedoch ist Jesus Christus. Die Warnungen des Alten Testaments, sich nicht am Gesalbten zu vergreifen beziehen sich auf die von Gott eingesetzten Könige Israels (1Sam 24,9-15).

Benny Hinn warnt seine Kritiker davor, ihn anzutasten, anderenfalls würden ihre Kinder sterben. Kenneth Hagin will von Jesus selbst die Zusage bekommen haben, dass christliche Verkündiger, die ihn als Propheten ablehnten, auf der Kanzel tot umfallen würden.88 Das zu erwartende Massensterben seiner zahlreichen Kritiker hat bisher allerdings noch nicht eingesetzt. In einer internationalen Fernsehübertragung rechnet Paul Crouch auf eine nicht sehr christliche Art mit seinen Kritikern ab. Sie seien „eine verdorbene Synedriums- Meute … verdammt und auf dem Weg zur Hölle … keine Vergebung für sie … Zur Hölle mit euch … Gott wird euch abknallen, wenn ich es nicht tue.”89

Ähnlich äußert sich John Kilpatrick, Leiter der Assembly of God in Brownsville 1997. Während eines Gottesdienstes verfluchte er den ihn kritisierenden Hank Hanegraaff und prophezeit ihm den Tod durch den Heiligen Geist innerhalb von 90 Tagen. Glücklicher Weise traf auch diese Prophezeiung nicht ein. Diesmal entschuldigte Kilpatrick sich schriftlich für seine Entgleisung.90

Zahlreiche, sich selbst als geistliche Vorbilder und Helden inszenierende Propheten, handeln im Umgang mit ihren ernsthaften Kritikern keineswegs christlich, obwohl diese nur allzuoft berechtigt auf theologisch falsche oder sich offensichtlich nicht erfüllende Offenbarungen hinweisen. Anstatt Irrtümer und Fehler zuzugeben drohen einige der selbsternannten Propheten unverhohlen ihren Kritikern. So wünscht sich beispielsweise Benny Hinn öffentlich im US amerikanischen Fernsehen, dass er mit einem „Heilig- Geist- Maschinengewehr die Köpfe seiner stinkenden Kritiker wegblasen könnte.”91 Andernorts sagte er über all diejenigen, die seinen Prophetien skeptisch gegenübertreten: „Ich denke, sie sind verdammt und auf dem Weg zur Hölle. Ich glaube nicht, dass es für sie eine Erlösung gibt.”92 Während eines Gottesdienstes in Anaheim (Kalifornien) droht er: „Der Tag kommt, wenn diejenigen, die uns attackieren, tot umfallen werden. … Tastet nicht Gottes Gesalbten an; es ist tödlich. … Wehe euch, die Gottes Gesalbten antasten. Ihr werdet dafür bezahlen.”93 Wenig später prophezeit er im Fernsehen: „Ihr habt mich angegriffen, eure Kinder werden dafür bezahlen.”94

Auch Reinhard Bonnke setzt sich nicht etwa mit den Argumenten seiner Kritiker auseinander. Statt dessen empfiehlt er etwas weniger gewalttätig als Hinn: „Wenn Du zu denen gehörst, die kritisieren und Zweifel ausstreuen, an dem, was Gott durch diese Aktion tun will [gemeint ist die Verbreitung seiner Broschüre ‘Vom Minus zum Plus’ und der damit verbundenen Verheißung einer Erweckung in Deutschland], dann bitte ich Dich, tue Buße und fang an sie im Gebet und auch finanziell zu unterstützen.”95 Nicht ganz so freundlich meint Bonnke an anderer Stelle: „Meine Kritiker können mir den Buckel herunterrutschen.”96 und „Mich interessieren die Kommentare der Pharisäer überhaupt nicht, überhaupt nicht, überhaupt nicht!”97

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1 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 191-197

2 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 198-203

3 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 203-206

4 Vgl. Reinhard Hempelmann: Das Wirken des Geistes in trinitätstheologischer Perspektive, in: Heiliger Geist, Erfahrung und Gefühl, S. 16-21

5 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S.206-209

6 Michael Meier: Tschiises, mach uns heiss!, NZZ Folio 06/01 - Thema: Die Protestanten, Http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/e5f2fbd4-18af-4ec9-9674-9dfdb0dd5618.aspx

7 Vgl. Merlin Carothers: Lobpreis schafft Veränderung, 3.Aufl, Schorndorf 1981; Michael J.Coleman / Ed Lindquist: Mit Lobpreis und Anbetung dienen, Wuppertal 1991; Judson Cornwall: Mit Lobpreis leben, Hamburg 1981; Don Grossett: Siegeskraft im Lobgesang, 9.Aufl., Erzhausen 1994; Jack W.Hayford: Betet den König an, Biel 1993; weitere Angaben Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S.210, Fußnote 88

8 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 209-212

9 Vgl. Bittlinger: Der frühchristliche Gottesdienst, S. 15

10 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 215-224

11 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 215-221

12 Schönemann: Loben und Danken öffnet dem Segen die Tür, S. 7

13 Vgl. Christenson: Komm Heiliger Geist, S. 299

14 Vgl. Cornwall: Mit Lobpreis leben, S. S. 14, 81, 110, 116, 124, 128, 132

15 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 223

16 Vgl. Aumann: Das Liedgut der Charismatischen Erneuerung, S. 13

17 Vgl. Kendrick: Anbetung, S. 61

18 Aschoff: Werkstattheft Lobpreis, S. 36f

19 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 242f

20 Adams: Music That Makes Sense, S. 4, vgl. S. 7

21 Vgl. www.ignis.de

22 Vgl. www.deignis.de

23 Willem C.van Dam: Seelsorge in der Kraft des Geistes, 4. Aufl. Metzingen 1990, S. 66

24 Seamands: Heilung der Erinnerung, S. 63

25 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 271-278

26 Vgl. Graham Dow: Werkstatthaft Befreiungsdienst, hrsg. Vom Arbeitskreis für Geistliche Gemeinde- Erneuerung in der Evangelischen Kirche, Hamburg 1992, S. 35f

27 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 279-285

28 Vgl. Leanne Payne: Heilende Gegenwart, S. 118ff

29 Vgl. Christoph Abendroth: Ruhen im Geist und Lachen im Geist. Beobachtung und Deutung, in: Klärungen, Wege Positionen, hrsg. Vom Arbeitskreis für Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche, 2.Aufl. Hamburg 1995, S. 39-43

30 Vgl. Abendroth: Ruhen im Geist und Lachen im Geist, S. 42

31 Vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 286 - 303

32 Zu den Zitaten vgl. Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 379f

33 Sjöberg: Berufen zum Sieg, S. 30, mit Bezug auf Jos 1; 5Mo 6,10; 11,23f

34 Henkel / Margies: Der Aufstand der Beter, S. 58f

35 Vgl. Wagner: Das offensive Gebet, S. 44f

36 Henkel / Margies: Der Aufstand der Beter, S. 101

37 Vgl. Wagner: Das offensive Gebet, S. 107

38 Henkel / Margies: Der Aufstand der Beter, S. 92

39 Wagner: Das offensive Gebet, S. 25

40 Zimmerling: Die charismatischen Bewegungen, S. 387

41 Vgl. Hempelmann: Marsch für Jesus, S. 305f

42 Vgl. Charles H. Kraft: Frei von dunklen Schatten. Grundlagen für den Befreiungsdienst in der Seelsorge, Koinonia Verlag, Buchs 1995, S. 31f, 34f, 61f

43 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 36f, 127-131

44 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 52, 178f

45 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 66-74, 105f, 184f

46 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 72

47 Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 68

48 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 69, 106f

49 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 104f

50 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 62f, 88f

51 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 43, 88

52 Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 113

53 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 181ff

54 Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 182

55 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 57

56 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 142f

57 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 153ff, 161-165

58 Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 158

59 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 163

60 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 119ff

61 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 183f

62 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 186

63 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 174f, 187

64 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 190f

65 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 190

66 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 194f, 229

67 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 37f, 123, 137f

68 Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 135

69 Vgl. Kraft: Frei von dunklen Schatten, S. 146-149, 178

70 Vgl. Josef Rattner: Grundlagen ganzheitlicher Heilung. Einführung in die Psychosomatik, Klein Königsförde 2000

71 Ken Blue: Geistlichen Missbrauch heilen, Brunnen Verlag, Basel 1997, S. 8f

72 David Johnson / Jeff VanVonderen: Geistlicher Missbrauch. Die zerstörende Kraft der frommen Gewalt, Projektion J, Wiesbaden 1996, S. 75

73 Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 77

74 Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 83f

75 Vgl. Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 89-92

76 Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 93

77 Vgl. Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 94f

78 Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 100f

79 Vgl. Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 135ff

80 Vgl. Johnson / VanVonderen: Geistlicher Missbrauch, S. 157ff

81 Colin Urquhart: Mein Lieber Sohn. Eine persönliche Offenbarung über Jesus Christus, Verlag Gottfried Bernhard, Solingen 1993, S. 76f

82 Urquhart: Mein Lieber Sohn, S. 98f

83 Urquhart: Mein Lieber Sohn, S. 252f

84 Francis Frangipane: Das Haus des Herrn, Solingen 1993, S.133ff

85 Frangipane: Das Haus des Herrn, S.136

86 Frangipane: Das Haus des Herrn, S.139

87 Frangipane: Das Haus des Herrn, S.139

88 Vgl. Dave Hunt: Die okkulte Invasion, Bielefeld 1999, S.490

89 Praise a Thon, TBN, 2.4.1991, zitiert nach: Dave Hunt: Die okkulte Invasion, Bielefeld 1999, S.491

90 Videoaufnahme des Gottesdienstes vom 6.4.1997, zitiert nach: Dave Hunt: Die okkulte Invasion, Bielefeld 1999, S.491

91 Benny Hinn: Praise a Throne, Trinity Broadcasting Network 8.11.1990 / Jens Nordlohne: Wunderheiler. Die Saat des Predigers. Der amerikanische TV- Evangelist Benny Hinn sucht Europa heim - mit Wunder- Kreuzzügen, Focus 32/1993, S.93

92 Jürgen Neidhard: Dritte Welle. Toronto Segen, Matten, Tonstudio Elpiso, U.Bösinger 4.3.1995

93 Benny Hinn: Miracle Invasion Rally, Anaheim / California: Convention Center, 22.11.1991

94 Benny Hinn, Presentation at World Charismatic Conference, Anaheim / California: CRI, Melodyland Christian Center, 7.8.1992

95 Christen in Aktion pro Solingen, An die Freunde von Jesus live, CIA 21.6.1995, S.1

96 Matthias Hamalega: Unbiblisch, idea- Spektrum Nr. 37/87; S.22

97 Christus für alle Nationen, Ray McCauly, Seminar 1: Der Heilige Geist, Frankfurt 7.7.1989

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Age restriction:
18+
Release date on Litres:
26 May 2021
Volume:
301 p. 2 illustrations
ISBN:
9783869549576
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