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Martin Munzel

Praxishandbuch MM-Kontenfindung in SAP® ERP und SAP S/4HANA


Martin Munzel

Praxishandbuch MM-Kontenfindung in SAP® ERP und SAP S/4HANA

ISBN:978-3-96012-808-3 (E-Book)

Lektorat:Anja Achilles

Korrektorat:Die Korrekturstube

Coverdesign:Philip Esch

Coverfoto:© TEEREXZ | ID 159176783 – stock.adobe.com

Satz & Layout:Johann-Christian Hanke

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2019

© Espresso Tutorials GmbH, Gleichen 2019

URL: www.espresso-tutorials.de

Das vorliegende Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind vorbehalten, insbesondere das Recht der Übersetzung, des Vortrags, der Reproduktion und der Vervielfältigung. Espresso Tutorials GmbH, Bahnhofstr. 2, 37130 Gleichen, Deutschland.

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Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelseite

Copyright / Impressum

Vorwort

1 Einführung in die Steuerungselemente der MM-Kontenfindung

1.1 Vorgänge

1.2 Kontomodifikation

1.3 Automatische Buchungen

1.4 Bewertungsmodifikationskonstanten

1.5 Bewertungsklassen

2 Konfiguration der automatischen Buchungen

2.1 Kontierung

2.2 Simulation

2.3 Verwendungsnachweis der Sachkonten

3 Die Vorgänge im Einzelnen

3.1 Der Produktionsprozess

3.2 Der Einkaufsprozess

3.3 Der Verkaufsprozess

3.4 Material Ledger

3.5 Bestandsführung

3.6 Bewertung

3.7 Steuer

3.8 Inflationsbuchhaltung

3.9 Obsolete Vorgangsschlüssel

4 Fazit

A Der Autor

B Disclaimer

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 Ingo Licha:Rechnungsprüfung mit SAP® ERP (MM) – 2., erweiterte Auflage

 Ingo Licha:Bestandsführung und Kontenfindung in SAP® ERP MM

 Ingo Licha:Einkaufsorientierte Bedarfsplanung mit SAP®

 Christoph Theis, Stefan Eifler:Werteflüsse in die SAP®-Ergebnisrechnung (CO-PA)

 Muhamed Karalic:Praxishandbuch Materialstammdaten in SAP® ERP

 Claudia Jost:Lieferantenbeurteilung mit SAP® MM


Vorwort

Die Idee zu diesem Buch entstand während eines Kundenprojektes zur Reorganisation der MM-Bewertungsklassen mit anschließender Kontenplanumstellung. Zu meinen Aufgaben gehörte es unter anderem, die vom Kunden in der MM-Kontenfindung vorgenommenen Einstellungen zu untersuchen und anschließend zu bereinigen. Ich muss offen gestehen, dass ich bis dahin immer einen großen Bogen um die komplizierte MM-Kontenfindung gemacht hatte, weil ich nicht verstanden hatte, was all die kryptischen Vorgangsschlüssel im Detail bedeuten. Nun gab es aber keine Ausreden mehr, ich musste mich den dreistelligen Codes stellen.

Im Laufe des Projektes wunderte ich mich immer mehr, warum es zu der Zeit außer der äußerst spärlichen SAP-Dokumentation keine ausführliche Beschreibung der Vorgangsschlüssel gab. So reifte die Idee, diese Beschreibung ganz einfach selbst zu erstellen – und hiermit liegt sie nun vor.

In diesem Buch erläutere ich zunächst die grundsätzliche Funktionalität der MM-Kontenfindung, um dann auf die Konfiguration derselben einzugehen. Den Hauptbestandteil des Buches macht Kapitel 3 aus, in dem ich die vollständige Liste aller Vorgangsschlüssel nach Prozessen sortiert mit Buchungsbeispielen vorstelle. Das Buch soll vor allem als Nachschlagewerk dienen, weshalb ich die Vorgangsschlüssel zwecks leichteren Auffindens in die Abschnittsüberschriften eingefügt habe.

Dieses Buch richtet sich an Berater und Inhouse-Berater sowie Key-User aus den Bereichen Materialwirtschaft, Finanzbuchhaltung und Controlling, die in ihrem Unternehmen mit der Einführung oder Wartung der MM-Kontenfindung betraut sind. Grundlegende Kenntnisse über SAP im Allgemeinen sowie der genannten Bereiche im Speziellen setze ich voraus, damit Sie mit den Beispielen im Buch arbeiten können.

Mit S/4HANA hat sich nicht wirklich viel in der MM-Kontenfindung geändert. Im Wesentlichen beschränkt es sich auf eine Modifikation im Material Ledger, die ich an der entsprechenden Stelle erläutere.

Danksagungen

Zwar habe ich dieses Buch während meiner regulären Arbeitszeit geschrieben, sodass meine Familie nicht unter meiner Abwesenheit oder abendlichen Schreibexzessen leiden musste. Es hat sich aber bewährt, mich in jedem Buch bei meiner Frau Renata zu bedanken. Dies tue ich hiermit.

Meine Söhne Philip (13) und Jan (11) haben neulich erklärt, dass sie gern einmal eine Art Zukunftstag bei Espresso Tutorials machen und mir einen Tag lang zusehen möchten, was ich eigentlich so die ganze Zeit tue. Bisher haben sie das immer wieder verschoben, aber ich danke ihnen bereits jetzt für ihr Interesse (auch wenn ich nicht glaube, dass sie es länger als eine Stunde aushalten werden).

Ich widme dieses Buch meiner äußerst geschätzten Kundin Marianne Hennies. Sie hatte die initiale Idee dafür und musste leider zwei Jahre lang darauf warten. Für diese Geduld gebührt ihr ebenfalls besonderer Dank.

Im Text verwenden wir Kästen, um wichtige Informationen besonders hervorzuheben. Jeder Kasten ist zusätzlich mit einem Piktogramm versehen, das diesen genauer klassifiziert:

Hinweis

Hinweise bieten praktische Tipps zum Umgang mit dem jeweiligen Thema.

Beispiel

Beispiele dienen dazu, ein Thema besser zu illustrieren.

Achtung

Warnungen weisen auf mögliche Fehlerquellen oder Stolpersteine im Zusammenhang mit einem Thema hin.

Die Form der Anrede

Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen, verwenden wir im vorliegenden Buch bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen zwar nur die gewohnte männliche Sprachform, meinen aber gleichermaßen die weibliche.

Hinweis zum Urheberrecht

Zum Abschluss des Vorwortes noch ein Hinweis zum Urheberrecht: Sämtliche in diesem Buch abgedruckten Screenshots unterliegen dem Copyright der SAP SE sowie Adobe. Alle Rechte an den Screenshots hält die SAP SE. Der Einfachheit halber haben wir im Rest des Buches darauf verzichtet, dies unter jedem Screenshot gesondert auszuweisen.

1 Einführung in die Steuerungselemente der MM-Kontenfindung

Zu Beginn dieses Buches möchte ich Ihnen zunächst erläutern, was die MM-Kontenfindung überhaupt ist, um Ihnen dann zu zeigen, wie Sie anhand eines gebuchten Materialbelegs herausfinden können, auf welche Weise die gebuchten Konten ermittelt wurden. Darauf aufbauend stelle ich Ihnen die grundlegenden Steuerungselemente der Kontenfindung in SAP MM vor.

Wann immer im SAP-System Materialbewegungen stattfinden – sei es ein Wareneingang, ein Warenausgang oder eine Umlagerung –, werden dabei Materialbelege gebucht. Durch die Integration von Mengen- und Werteflüssen in SAP ERP ziehen die meisten Materialbelege gleichzeitig Belege in der Finanzbuchhaltung und im Controlling nach sich. Bei der MM-Kontenfindung handelt es sich um ein Regelwerk, das Sie im Customizing hinterlegen und anhand dessen die zu buchenden Sachkonten für die FI/CO-Belege ermittelt werden.

Wichtig für Ihr Verständnis dieses Regelwerks ist als Erstes, dass Sie lernen nachzuvollziehen, wie die Sachkonten in einem bereits gebuchten Beleg zustande gekommen sind. Ich zeige Ihnen zunächst exemplarisch, auf welche Weise Sie zu einem bestehenden Materialbeleg herausfinden können, wie das System die zu buchenden Konten in der Finanzbuchhaltung ermittelt. Dazu erläutere ich Schritt für Schritt die wesentlichen Bestandteile im Customizing der MM-Kontenfindung.

In Abbildung 1.1 sehen Sie beispielhaft, wie zu einer Kostenstelle mithilfe der Transaktion MIGO der Warenausgang von 10 Pumpen erfasst wird. Wir verwenden dafür die Bewegungsart 201 (WA [Warenausgang] für Kostenstelle); was eine Bewegungsart ist, erläutere ich im Anschluss.


Abbildung 1.1: Beispiel für eine Warenausgangsbuchung

Wenn Sie den Beleg gebucht haben, können Sie ihn sich anschließend anzeigen lassen und im Reiter Beleginfo in die Rechnungswesenbelege (RW-Belege) springen (siehe Abbildung 1.2).


Abbildung 1.2: Materialbeleganzeige

Daraufhin öffnet sich ein Pop-up mit einer Übersicht über alle Rechnungswesenbelege, die zu diesem Materialbeleg gebucht wurden (siehe Abbildung 1.3).


Abbildung 1.3: Übersicht Rechnungswesenbelege

Wenn Sie aus dieser Liste den Buchhaltungsbeleg auswählen, können Sie überprüfen, welche Sachkonten zur Buchung des Warenausgangs herangezogen wurden (siehe Abbildung 1.4).


Abbildung 1.4: Anzeige Buchhaltungsbeleg

Nun stellt sich die Frage, wie diese Buchung zustande gekommen ist und warum genau diese Konten herangezogen wurden. Das Schlüsselelement der MM-Kontenfindung hierfür heißt Vorgang.

1.1 Vorgänge

Um herauszufinden, welcher Vorgang der MM-Kontenfindung in einem Buchhaltungsbeleg verwendet wurde, passen Sie zunächst einmal über den Button das Layout zur Beleganzeige an und blenden das Feld Vorgang ein.

Feld »Vorgang« in der Beleganzeige

Es gibt zum Buchhaltungsbeleg zwei Felder mit der Bezeichnung »Vorgang«. Lassen Sie sich im Zweifel beide anzeigen.

In Abbildung 1.5 sehen Sie nun die zusätzlich eingeblendete Spalte für den Vorgang (Vor). Der Vorgang ist ein zentrales Element der MM-Kontenfindung und bestimmt den Buchungssachverhalt. Je nach logischem Sachverhalt (z.B. Wareneingang zur Bestellung, Warenausgang zum Fertigungsauftrag, Verbrauch zur Kostenstelle etc.) können Sie anhand des Vorgangs festlegen, welche Konten dabei zur Buchung herangezogen werden sollen. Im vorliegenden Beispiel wurden die Vorgänge BSX (Bestandsbuchung) und GBB (Gegenbuchung zur Bestandsbuchung) verwendet.


Abbildung 1.5: Beleganzeige mit eingeblendetem Vorgang

Diese Vorgänge der MM-Kontenfindung werden in Vorgangsschlüssel aus je drei Buchstaben »übersetzt«. Sie stellen das Bindeglied zwischen den Bewegungsarten und den zu ermittelnden Konten dar. Die Bewegungsart steuert u.a. diverse Sachverhalte, die allerdings nur für die Logistik von Relevanz sind, wie etwa die Ermittlung des Lagerortes, die Mengen- und Wertrelevanz, die Statistikrelevanz u.v.a.m. Aus Sicht der Finanzbuchhaltung ist die sogenannte Kontomodifikation bedeutsam; über sie erfolgt die Zuordnung der Bewegungsarten zu den Vorgangsschlüsseln, um die zu buchenden Sachkonten zu ermitteln.

1.2 Kontomodifikation

Jede Materialbewegung wird in den Logistikmodulen MM, SD, QM, PS, PM und SD mit einem dreistelligen Bewegungsartencode klassifiziert. Im Beispiel haben wir die Bewegungsart 201 verwendet (vgl. Abbildung 1.1). Um zu überprüfen, mit welchem Vorgang diese verknüpft ist, gehen Sie im Customizing zum Menüpunkt Materialwirtschaft • Bestandsführung und Inventur • Bewegungsarten • Bewegungsarten kopieren, ändern (Transaktion OMJJ). Wenn Sie hier eine Bewegungsart auswählen und zum Unterpunkt Kontomodifikation verzweigen, sehen Sie die in Abbildung 1.6 dargestellte Übersicht.


Abbildung 1.6: Zuordnung der Bewegungsarten zum Vorgangsschlüssel

Die Übersicht zeigt diverse Szenarien, wie die Bewegungsart 201 eingesetzt werden kann. Für die Ermittlung des Vorgangsschlüssels ist es von Bedeutung, ob die Buchung in Bezug zu einem Sonderbestand (Spalte S), mit oder ohne Wertfortschreibung (Spalte Wertfort) bzw. mit oder ohne Mengenfortschreibung (Spalte MngFort) erfolgen soll.

Sonderbestände betreffen logistische Fälle, in denen Material

 bei Geschäftspartnern lagert (Kundenkonsignation, Lieferantenbeistellbestand),

 speziell reserviert ist (Kundeneinzelbestand, Projektbestand) oder

 zwar im eigenen Werk vorhanden ist, aber einem Geschäftspartner gehört (Lieferantenkonsignation, Pipeline-Material).

Wertfortschreibung bedeutet, dass ein bestandsgeführtes Material einen Wert hat. Dies wird in der Regel der Fall sein. Manchmal, wie z.B. bei Schüttgut oder Material mit sehr geringem Wert, kann es aber auch sinnvoll sein, ein Material ohne Wert zu führen.

Analog dazu ist die Mengenfortschreibung im System optional, d.h., es kann bestimmte Materialien geben, für die keine Menge im System hinterlegt sein soll.

Für jede mögliche Kombination aus Sonderbestand, Wertfortschreibung und Mengenfortschreibung ist in der Tabelle in Abbildung 1.6 über die Spalte VSchl vorgegeben, anhand welches Vorgangsschlüssels die Kontenfindung erfolgen soll. In unserem Beispiel hatten wir keinen Sonderbestand, und das Material war sowohl mengen- als auch wertgeführt. Die relevanten Zeilen sind also die in Abbildung 1.7 dargestellten.


Abbildung 1.7: Kontomodifikation für das Beispiel

Es bleiben demnach nur zwei Zeilen mit Zuordnungen zur Kontomodifikation übrig – aber warum sind es zwei Zeilen, und welche ist die richtige? Und warum ist der Vorgangsschlüssel BSX aus dem Buchhaltungsbeleg hier nicht aufgelistet?

Die letztgenannte Frage ist leicht zu beantworten: Im System sind bestimmte Vorgangsschlüssel – dazu gehört auch BSX – fest voreingestellt und können nicht geändert werden. So wird die Bestandsbuchung für alle Materialbuchungen generell über den Schlüssel BSX abgebildet und ist somit gänzlich unabhängig von der Bewegungsart.

Dass an dieser Stelle zwei Vorgangsschlüssel hinterlegt sind, liegt darin begründet, dass bei Wareneingangsbuchungen mitunter Preisdifferenzen entstehen können (wo überall, wird Ihnen noch ausführlicher in Kapitel 3 begegnen). Diese werden immer über den Vorgangsschlüssel PRD behandelt. Da in unserem Beispiel aber keine Preisdifferenzen angefallen sind, ist die für unsere Buchung relevante Zeile die erste in Abbildung 1.7 mit dem Vorgangsschlüssel GBB. Somit haben wir nachvollzogen, woher dieser Vorgangsschlüssel im Buchhaltungsbeleg kam: Er wurde anhand der Bewegungsart ermittelt.

So bleibt noch die Frage, welchen Zweck die Spalte KontoModif (Kontomodifikation) erfüllt. Die Kontomodifikation dient dazu, die Vorgangsschlüssel weiter zu untergliedern. Dies ist nur für manche Vorgangsschlüssel möglich – für die Preisdifferenzen (Vorgangsschlüssel PRD) ist eine weitere Detaillierung optional; für die Bestandsgegenbuchungen (Vorgangsschlüssel GBB) müssen Sie hingegen noch zusätzliche Unterscheidungen treffen, um z.B. nach Verbrauchsbuchungen, Verschrottung oder Inventurdifferenzen zu unterscheiden.

Wir können also schon einmal Folgendes festhalten:

 Bewegungsarten sind – abhängig von Sonderbeständen sowie der Mengen- und Wertführung – Vorgangsschlüsseln zugeordnet.

 Kontomodifikationen dienen dazu, Vorgangsschlüssel weiter zu differenzieren.

 Manche Vorgangsschlüssel wie BSX sind fest vom System vorgegeben und werden unabhängig von der Bewegungsart ermittelt.

1.3 Automatische Buchungen

Im Customizing-Menüpunkt Automatische Buchungen verknüpfen Sie schließlich Vorgangsschlüssel und Kontomodifikationen mit Sachkonten.

Dazu gehen Sie im Customizing über den Menüpfad Materialwirtschaft • Bewertung und Kontierung • Kontenfindung • Kontenfindung ohne Assistent • Automatische Buchungen einstellen (Transaktion OBYC). Sie müssen dann auf den Button Kontierung klicken, um zur Übersicht der Vorgangsschlüssel zu gelangen, wie sie in Abbildung 1.8 dargestellt ist.


Abbildung 1.8: Automatische Buchungen einstellen

Wir wollen nun nachvollziehen, wie die Kontenfindung in unserem Beispiel zustande gekommen ist, und drücken daher auf den Vorgang GBB. Daraufhin erscheint ein Pop-up, das uns zur Eingabe eines Kontenplans auffordert (siehe Abbildung 1.9).


Abbildung 1.9: Eingabe des Kontenplans

Demnach ist also die Zuordnung von Sachkonten zu Vorgangsschlüsseln vom Kontenplan abhängig. Somit sind Eintragungen, die Sie zu den automatischen Buchungen vornehmen, für alle Buchungskreise gültig, die dem entsprechenden Kontenplan zugeordnet sind.

Mehrere Kontenpläne

Falls Sie mehrere Kontenpläne in Ihrem System nutzen, folgt daraus, dass Sie die MM-Kontenfindung mehrfach pflegen müssen. Dies ist ein beträchtlicher Mehraufwand – sofern es noch nicht zu spät ist, sollten Sie unbedingt dafür sorgen, nur einen einzigen Kontenplan zu verwenden!

Nachdem wir den Kontenplan ausgewählt haben, gelangen wir zu dem in Abbildung 1.10 gezeigten Bildschirm und stellen fest, dass die Zuordnung der Sachkonten zum Vorgangsschlüssel von vier Einflussgrößen abhängig ist:

 der Bewertungsmodifikationskonstante (Spalte Bewertungsmodif),

 der Kontomodifikation (Spalte All. Modifik...),

 der Bewertungsklasse sowie

 der Unterscheidung in Soll- und Haben-Buchungen.


Abbildung 1.10: Sachkonten zuordnen

1.4 Bewertungsmodifikationskonstanten

Die Kontomodifikation haben Sie schon kennengelernt; sie dient dazu, den Vorgangsschlüssel weiter zu detaillieren. Was aber verbirgt sich hinter dem ähnlich klingenden, jedoch extrem sperrigen Begriff der Bewertungsmodifikationskonstante?

Wie bereits erwähnt, ist die Kontenfindung vom Kontenplan abhängig – und wenn alle Ihre Buchungskreise denselben Kontenplan nutzen, dann ist Ihre MM-Kontenfindung in Ihrem System global gültig. Nun kann es immer vorkommen, dass Sie in einem oder mehreren Buchungskreisen eine abweichende Kontenfindung hinterlegen müssen, weil es z.B. in bestimmten Ländern entsprechende gesetzliche Anforderungen gibt. In diesem Fall hilft Ihnen die Bewertungsmodifikationskonstante, denn sie erlaubt Ihnen, Bewertungskreise zu gruppieren und je Gruppe ggf. eine abweichende Kontenfindung zu hinterlegen. Um dieses Konzept nutzen zu können, müssen Sie zunächst im Customizing unter Materialwirtschaft • Bewertung und Kontierung • Kontenfindung • Kontenfindung ohne Assistent • Bewertungssteuerung festlegen (Transaktion OMWM) die Bewertungsmodifikationskonstante aktiv setzen (siehe Abbildung 1.11).


Abbildung 1.11: Bewertungssteuerung

Als Nächstes ordnen Sie Ihren Bewertungskreisen unter Materialwirtschaft • Bewertung und Kontierung • Kontenfindung • Kontenfindung ohne Assistent • Bewertungskreise gruppieren (Transaktion OMWD) Bewertungsmodifikationskonstanten zu (siehe Abbildung 1.12). Sie können hier beliebig viele Konstanten verwenden – jeder Bewertungskreis kann seine eigene bekommen, oder Sie fassen mehrere Bewertungskreise zusammen.


Abbildung 1.12: Bewertungskreise gruppieren

Was war noch einmal ein Bewertungskreis? Dieser kann entweder ein Buchungskreis oder ein Werk sein, abhängig davon, wie Sie Ihre Bewertungssteuerung festgelegt haben. Die Einstellung dazu nehmen Sie im Customizing über Unternehmensstruktur • Definition • Logistik Allgemein • Bewertungsebene festlegen (Transaktion OX14) vor (siehe Abbildung 1.13). Die Wahl der Bewertungsebene ist dann relevant, wenn mindestens einer Ihrer Buchungskreise mit mehr als einem Werk verknüpft ist. Sie bewirken mit dieser Einstellung, dass Materialien, die in mehreren Werken vorgehalten werden, entweder je Buchungskreis in allen Werken mit demselben Wert geführt (Bewertungsebene »Buchungskreis«) oder je Werk unterschiedlich bewertet werden (Bewertungsebene »Werk«). Ihre Bewertungskreise entsprechen dann entweder Ihren Werken oder Ihren Buchungskreisen, je nachdem, auf welcher Ebene Sie bewerten.


Abbildung 1.13: Bewertungsebene festlegen

1.5 Bewertungsklassen

Kommen wir zurück zur Kontenfindung, die je Vorgang von der Bewertungsmodifikationskonstante, der Kontomodifikation und der Bewertungsklasse abhängig ist. Die ersten beiden Begriffe sind nun geklärt; bleibt noch zu erläutern, was sich hinter der Bewertungsklasse verbirgt.

Eine Bewertungsklasse dient der Gliederung der Materialien im Bestand beispielsweise in Rohstoffe, Handelsware oder Fertigprodukte. Neben dieser Einordnung, die der Gesetzgeber in der Regel verlangt, können Sie hier nach Bedarf weitere Unterscheidungen hinterlegen. So können Sie beispielsweise Ihre Hilfs- und Betriebsstoffe in Ersatzteile, Arbeitskleidung und Verbrauchsstoffe unterteilen.

Schauen wir einmal nach, welcher Bewertungsklasse das Material P-100 zugeordnet ist, das wir in unserer Beispielbuchung verbraucht haben. Dazu lassen wir uns mithilfe der Transaktion MM03 den zugehörigen Materialstamm im Werk 1000 anzeigen (dem Werk, in dem wir die Verbrauchsbuchung erzeugt haben). Dort verzweigen wir in die Sicht Buchhaltung 1 und finden die Bewertungsklasse im Bereich Aktuelle Bewertung (siehe Abbildung 1.14).


Abbildung 1.14: Bewertungsklasse im Materialstamm

Das Material ist also der Bewertungsklasse 7920 zugeordnet. Indem wir die Eingabehilfe F4 für dieses Feld öffnen, erfahren wir, dass die Bewertungsklasse für Fertigerzeugnisse vorgesehen ist. Den Begriff »Fertigerzeugnis« finden wir auch ganz oben in der Bildschirmüberschrift: »Material P-100 anzeigen (Fertigerzeugnis)«. An dieser Stelle ist das jedoch kein Hinweis auf die Bewertungsklasse, sondern auf die Materialart.

Bewertungsklassen vs. Materialarten

Bewertungsklasse und Materialart haben oft gleiche oder ähnliche Ausprägungen, dienen aber unterschiedlichen Zwecken. Über die Materialart steuert das System, welche Sichten im Materialstamm zugelassen sind; die Bewertungsklasse steuert hingegen die Kontenfindung.

Um an dieser Stelle Anwendungsfehler zu verhindern (z.B. ein Material der Materialart »Rohstoff« mit der Bewertungsklasse »Fertigprodukt« zu versehen), können Sie im System festlegen, welche Bewertungsklassen mit welchen Materialarten verknüpft werden dürfen. Um diese Einstellung vorzunehmen, wählen Sie im Customizing den Menüpfad Materialwirtschaft • Bewertung und Kontierung • Kontenfindung • Kontenfindung ohne Assistent • Bewertungsklassen festlegen (Transaktion OMSK). Hier führen Sie die folgenden drei Schritte durch:

1. Definieren Sie zunächst Kontoklassenreferenzen (KRef, siehe Abbildung 1.15). Diese dienen der Gruppierung von Bewertungsklassen. Sie müssen lediglich einen vierstelligen Schlüssel und eine Bezeichnung hinterlegen. Für Fertigprodukte wie das Material P-100 aus unserem Beispiel wurde hier u.a. die Referenz 0009 (Referenz für Fertigartikel) angelegt.


Abbildung 1.15: Kontoklassenreferenzen

2. Im nächsten Schritt verknüpfen Sie Ihre Bewertungsklassen mit den Kontoklassenreferenzen, um die erwähnte Gruppierung vorzunehmen. In Abbildung 1.16 sehen Sie, dass die Bewertungsklasse 7920, die dem verwendeten Material P-100 zugeordnet ist, mit der Kontoklassenreferenz 0009 verknüpft wurde.


Abbildung 1.16: Zuordnung der Bewertungsklassen zu Kontoklassenreferenzen

3. Schließlich ordnen Sie jeder Materialart eine Kontoklassenreferenz zu (siehe Abbildung 1.17). Für die hier verwendete Materialart FERT (Fertigerzeugnis) wurde die Kontoklassenreferenz 0009 eingetragen. Damit haben Sie festgelegt, welche Bewertungsklassen je Materialart verwendet werden dürfen – für Fertigprodukte z.B. die Bewertungsklasse 7920.


Abbildung 1.17: Verknüpfung der Kontoklassenreferenzen mit den Materialarten

Sie haben nun anhand eines Beispiels die wesentlichen Einflussgrößen der Kontenfindung in SAP MM kennengelernt.

2 Konfiguration der automatischen Buchungen

In diesem Kapitel befassen wir uns näher mit dem Herzstück der MM-Kontenfindung: den automatischen Buchungen. Ich erläutere Ihnen, wie Sie sie einstellen und was Sie dabei beachten sollten.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Konfiguration der automatischen Buchungen aufzurufen: Zum einen, wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben, über den Customizing-Menüpfad Materialwirtschaft • Bewertung und Kontierung • Kontenfindung. Hier finden Sie den Menüpunkt Kontenfindungsassistent, der Sie durch alle zur Konfiguration der Kontenfindung notwendigen Schritte führt.

In diesem Kapitel möchte ich mich ausschließlich der Kontenfindung ohne diese Unterstützung zuwenden, daher wählen wir die zweite Option zur Konfiguration: den Aufruf über Kontenfindung ohne Assistent • Automatische Buchungen einstellen (Transaktion OBYC). Für den Fall, dass die Kontenfindung in Ihrem System einen Fehler aufweist (in der Regel eine fehlende Zuordnung), öffnet sich möglicherweise ein Pop-up ähnlich Abbildung 2.1, das Sie darauf hinweist. Diese Meldung muss nicht unbedingt ein Problem darstellen, da sie auch einen Kontenplan betreffen kann, den Sie gar nicht verwenden, oder auf eine Zuordnung, die Sie im System absichtlich nicht zulassen wollen. Drücken Sie auf Abbrechen, um diese Meldung auszublenden.


Abbildung 2.1: Fehlermeldung beim Einstieg in die automatischen Buchungen

Sie gelangen zur Übersicht der automatischen Kontenfindung (siehe Abbildung 2.2), in der Sie auswählen, ob Sie einzelne Kontierungen einstellen, die Einstellungen simulieren oder sich einen Überblick über die je Buchungskreis verwendeten Sachkonten verschaffen wollen.


Abbildung 2.2: Einstieg in die automatische Kontenfindung in MM

2.1 Kontierung

Über den Button Kontierung gelangen Sie zur Übersicht über die einzelnen Vorgänge, die Sie bereits in Abbildung 1.8 gesehen haben. In der Spalte Kontenfindung können Sie anhand des Häkchens erkennen, ob für den entsprechenden Vorgang bereits eine Kontenfindung festgelegt ist oder nicht.

Schauen wir uns nun die Einstellungen für den Vorgang GBB im Detail an, indem wir auf diesen doppelklicken. Falls Sie die Transaktion gerade neu aufgerufen haben, fordert das System Sie als Erstes auf, den Kontenplan auszuwählen, für den Sie die Einstellungen vornehmen wollen.

Kontenplanwechsel

Möchten Sie in einen anderen Kontenplan wechseln, so ist dies in der Vorgangsübersicht über den Menüpfad Bearbeiten • Kontenplanwechsel möglich.

In Abbildung 2.3 sehen Sie, dass Sie die Kontenfindung in Abhängigkeit von verschiedenen Parametern einstellen können – in diesem Beispiel mit Bezug zur Bewertungsmodifikationskonstante, Kontomodifikation, Bewertungsklasse sowie zu der Tatsache, ob es sich um eine Soll- oder Haben-Buchung handelt.


Abbildung 2.3: Detailsicht für den Vorgang GBB

2.1.1 Regeln

Indem Sie auf den Button Regeln drücken, können Sie vorgeben, welche Abhängigkeiten Sie für die Kontenfindung wünschen (siehe Abbildung 2.4).


Abbildung 2.4: Regeln für automatische Buchungen

Wenn Sie beispielsweise keine Bewertungsmodifikationskonstanten einsetzen, weil alle Ihre Bewertungskreise dieselbe Kontenfindungslogik verwenden sollen, dann können Sie in dieser Einstellung den entsprechenden Haken entfernen. Die Spalte für diesen Parameter verschwindet daraufhin in der Kontenzuordnung.

Ändern der Kontenfindungsregeln

Wenn Sie bereits Kontenzuordnungen gepflegt haben und dann eine der Abhängigkeiten in den Regeln deaktivieren, werden alle zuvor erstellten Kontenzuordnungen gelöscht!

Allgemeine Modifikation

Beachten Sie, dass Sie diese Regeln je Vorgang festlegen. SAP hat das Regelwerk der Kontenfindung so programmiert, dass die allgemeine Modifikation beispielsweise für den Vorgang GBB Pflicht, für PRD optional und für andere Vorgänge wie DIF gar nicht verfügbar ist. Ebenso lässt sich die Abhängigkeit von der Bewertungsmodifikationskonstante nur für bestimmte Vorgänge einblenden und für den Rest nicht.

Teilaktivierung der Bewertungsmodifikationskonstante

Ein Unternehmen arbeitet mit einem globalen Kontenplan, d.h., alle Bewertungskreise verwenden dieselbe Kontenfindung. Für ein Werk in China, wo eine besondere Gesetzgebung herrscht, ist es jedoch notwendig, das Konto für den Wareneingang zu Fertigungsaufträgen abweichend von den anderen Bewertungskreisen zu hinterlegen.

Das Unternehmen aktiviert folglich die Abhängigkeit von der Bewertungsmodifikationskonstante für den Vorgang GBB (unter den der Wareneingang für Fertigungsaufträge fällt), um die Konten für das chinesische Werk anders als die übrigen Bewertungskreise zu hinterlegen. Für alle anderen Vorgänge hingegen deaktiviert dieses Unternehmen die Abhängigkeit von der Bewertungsmodifikationskonstante.

2.1.2 Buchungsschlüssel

Ausgehend von der Detailsicht für einen Vorgang, wie sie in Abbildung 2.3 dargestellt ist, können Sie außerdem vorgeben, mit welchen Buchungsschlüsseln Buchungen zu diesem Vorgang erfolgen sollen, indem Sie auf den Button Buchungsschlüssel drücken. Sie sehen dann einen Detailbildschirm gemäß Abbildung 2.5. Buchungsschlüssel werden in der Finanzbuchhaltung definiert und geben u.a. vor, welche Sachkontenfelder beim Buchen verwendet werden dürfen.


Abbildung 2.5: Einstellungen der Buchungsschlüssel

2.2 Simulation

Mithilfe der Simulation können Sie die eingestellten automatischen Buchungen testen, ohne die dazugehörigen logistischen Prozesse durchlaufen zu müssen. Anhand des Beispiels aus Kapitel 1 zeige ich Ihnen, wie Sie mit dieser Funktion die dort gefundenen Konten nachvollziehen. Geben Sie zunächst, wie in Abbildung 2.6 dargestellt, das Werk, das Material und die Bewegungsart ein. Da die Bewegungsart 201 weitere Optionen anbietet (Warenausgang für Kostenstelle, Kostenstelle aus Konsignation und Pipeline für Kostenstelle), doppelklicken Sie auf die zu simulierende – in diesem Fall Warenausgang (WA) für Kostenstelle.


Abbildung 2.6: Simulation, erster Schritt

Drücken Sie dann auf Kontierungen, um eine Übersicht darüber zu bekommen, welche Konten für die gewählte Kombination vom System ermittelt werden. Sie erhalten eine Darstellung der Sachkonten für alle möglichen Kombinationen aus Bewertungsmodifikationskonstante, Kontenmodifikation und Bewertungsklasse (siehe Abbildung 2.7).


Abbildung 2.7: Simulation von Kontierungen

Eine weitere wichtige Funktion der Simulation rufen Sie über den Button Bildaufbau prüfen auf. Diese überprüft, ob es für die gewählte Bewegungsart und die ermittelten Konten Bildauswahl-Konflikte zwischen der Bewegungsart und der Feldstatusgruppe des Sachkontos gibt. Die Bildauswahl steuert, welche Felder (wie z.B. Kostenstelle, Personalnummer, Auftrag) überhaupt angezeigt werden und welche davon Pflichtfelder sein sollen. In Abbildung 2.8 sehen Sie z.B. neben der Ziffer , dass in der Feldauswahl der Bewegungsart 201 die Kostenstelle ein Pflichtfeld ist (erkennbar am Pluszeichen), während sie in der Feldstatusgruppe des Sachkontos ausgeblendet ist (denn in der zugehörigen Spalte Kto steht ein Minuszeichen). Beim Versuch, einen entsprechenden Warenausgang zu buchen, würde das System eine Fehlermeldung ausgeben. Die graue Raute (z.B. in der Zeile Zuordnungsnummer) bedeutet, dass das Feld angezeigt wird, aber kein Pflichtfeld ist.


Abbildung 2.8: Feldauswahlabgleich zwischen Bewegungsart und Sachkonto

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0+
Release date on Litres:
26 May 2021
Volume:
156 p. 128 illustrations
ISBN:
9783960128083
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