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Wickel und Kompressen

Inhalt
Vorwort
Zum Gebrauch des Buches
Allgemeines zu Wickeln und Kompressen
Grundlagen
Definition
Wirkung
Wann Wärme – wann Kälte?
Grenzen und Gefahren
Dauer und Zeitpunkt einer Anwendung
Informationen für Fachleute
Wärmeregulation
So werden die Anwendungen zum Erfolgserlebnis
Wickelmaterial
Tücher/Materialien
Schichten der Wickeltücher
Wickelzusätze
Fixationen
Wickel und Kompressen für Wohlbefinden und Gesundheit
Grundlagen
Blitzkompresse
Zitronen-Pfefferminz-Kompresse
Augentrostkompresse
Algenwickel und -kompresse
Weizenkleiekompresse
Handmassage mit anschließender feuchtheißer Kompresse
Heiße Rolle
Fangokompresse
Nasse Socken nach Kneipp
Lendenwickel nach Kneipp
Temperierte Wickel und Kompressen
Grundlagen
Rohwollekissen
Johanniskrautölkompresse
Olivenölkompresse
Bienenwachskompresse und -lappen
Zwiebelkompresse
Salbenkompresse
Wickel und Kompressen in der Aromapflege
Grundlagen
Ölkompressen
Lavendel-Ölkompresse
Rosengeranium-Ölkompresse
Cajeput-Ölkompresse
Thymian-Ölkompresse
Eukalyptus-Ölkompresse
Hydrolatkompressen
Feuchtkalte und feuchtwarme Anwendungen
Kühle Kompresse als Nacken- oder Stirnkompresse
Feuchtheiße Bauch- oder Brustkompresse
Heiße Wickel und Kompressen
Grundlagen
Kartoffelkompresse
Leinsamenkompresse
Feuchtheiße Kompresse und Dampfkompresse
Heublumenkompresse/Heusack
Heublumenextrakt-Gelenkwickel und -Kompresse
Brustkompresse mit Zitrone
Wickel und Kompressen mit Heilpflanzen
Grundlagen
Arnikakompresse und -Pulswickel
Schafgarben-Leberkompresse
Kamillen-Bauchkompresse
Thymian-Brustkompresse
Kalte Wickel und Kompressen
Grundlagen
Quarkkompresse
Lehmkompresse
Wadenwickel
Zitronen-Halskompresse
Wallwurzwickel und -kompresse
Kohlwickel und -kompresse
Bockshornkleekompresse
Solewickel und -kompresse
Hautreizende Wickel und Kompressen
Grundlagen
Meerrettichkompresse
Senfmehlkompresse
Ingwerkompresse
Aus der Praxis für die Praxis
Stärken und regenerieren – Selbstpflege
Sonnengeflecht-Kompresse (Solarplexus)
Salbenkompresse mit Aurum Lavandula comp.®
Hydrolat-Schnellkompresse
Pulswickel
Unterstützen und lindern: für Familie, Frauen und Kinder
Ölkompresse mit Solum uliginosum comp.®
Temperierte Johanniskrautölkompresse
Rohwollekissen mit Kamillenblüten
Wickel und Kompressen während der Schwangerschaft
Quarkkompresse
Essigwasser als Wickelzusatz
Begleiten – Langzeit-, ambulante und Palliativpflege
Temperierte Salbenkompresse mit Oxalis folium, 10-prozentig
Temperierte Bienenwachskompresse
Schulter-Nacken-Fixation einseitig
Anhang
Herstellung eines Bienenwachslappens
Salutogenese in der Wickelarbeit
Muster eines Beobachtunsprotokolls für Fachleute
Bezugsadressen für Wickeltücher und Zusätze
Adressen für Aus- und Weiterbildungen
Literatur
Indikationen und Anwendungen
Wickel und Kompressen bei Kindern (Anwendungsübersicht)
Stichwortverzeichnis
Vorwort
zur dritten, überarbeiteten und erweiterten Auflage
Seit dem ersten Erscheinen im Jahr 2011 hat sich dieses Buch als erfolgreiches Standardwerk und Lehrbuch etabliert. In vielen Lehrbetrieben für professionelles Pflegepersonal, Naturheil- und Massageausbildungen, aber auch im privaten Hausgebrauch für Mütter, Väter und andere Interessierte gilt das Buch als wertvolles Nachschlagewerk. Diese neu überarbeitete und erweiterte Ausgabe mit einem Zusatzkapitel »Aus der Praxis für die Praxis« enthält sowohl Bewährtes wie auch neue Anwendungen, ergänzt durch Auszüge aus Erfahrungsberichten der Absolventinnen der Weiterbildung »Fachfrau/Fachmann Wickel und Kompressen«, Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen wie auch eigene Kreationen.
Ein wichtiges Anliegen ist uns, die Anwendungen immer weiter zu verfeinern, die Handhabung einfacher zu gestalten und für die Praxis schnell und effizient umsetzbar zu machen. Wir haben Zutaten, Materialien und Abläufe erprobt, um die Anleitungen möglichst klar und verständlich zu beschreiben. Dabei ist es uns wichtig, die Vielfalt und die unterschiedlichen Wirkungsweisen der Wickel und Kompressen aufzuzeigen und zu erweitern.
Zu Beginn unserer Beschäftigung mit dem Thema Wickel und Kompressen waren wir als junge Mütter und Pflegefachfrauen auf der Suche nach Möglichkeiten, unsere Kinder im Krankheitsfall sanft, effizient und umfassend zu begleiten. Die nachhaltige Wirkung, die Wickel und Kompressen auf der körperlichen und psychischen Ebene bei unseren Kindern hatten, überzeugte uns als Mütter. Was damals seinen Anfang nahm, wurde im Laufe der Zeit zu einem zentralen Thema im privaten wie auch in unserem Berufsalltag. Mit viel Herzblut und Enthusiasmus wollten wir mehr über Methoden und Einsatzmöglichkeiten dieser Anwendungen erfahren. Über Fachliteratur, diverse Aus- und Weiterbildungen und unzählige Gespräche über eigene Erfahrungen erkannten wir, dass der Bereich Wickel und Kompressen einen weit größeren Wissens- und Erfahrungsschatz darstellt, als wir ursprünglich gedacht hatten. Fasziniert von den vielen positiven Möglichkeiten trugen wir all unsere Erkenntnisse zusammen und beschlossen, unser Wissen und die damit gesammelten Erfahrungen in Kursen und Seminaren sowie in einer umfassenden Weiterbildung spezifisch für Fachpersonen im Gesundheitsund Pflegebereich weiterzugeben. Von 2002 bis 2014 führten wir gemeinsam die Weiterbildung zur Fachfrau bzw. zum Fachmann Wickel und Kompressen durch. Seit 2015 führt Vreni Brumm mit Unterstützung von zwei ausgewiesenen Fachfrauen die Weiterbildung in Eigenregie erfolgreich weiter.
Danke
Wir danken namentlich Susanna Anderegg-Rhyner, Arlette Bologni-Urech und Bärbl Buchmayr sowie den weiteren Kolleginnen des internationalen Fachgremiums (www.wickel.biz) für den wertvollen fachlichen Austausch.
Ein großer Dank geht auch an alle Wickelfachfrauen und Wickelfachmänner, die mit ihren Rückmeldungen und Erfahrungen zur Weiterentwicklung und Anpassung von Anwendungen beigetragen haben, aber ebenso für die Beibehaltung der fachlichen Inhalte sorgen.
Unser Dank geht im Besonderen an Ursula Häne, die es wiederum verstanden hat, mit ihren wunderbaren Bildern das Wesen unserer Arbeit ins rechte Licht zu rücken.
Nicht zuletzt danken wir unseren Familien, die unsere Arbeit immer unterstützt haben.
Madeleine Ducommun-Capponi
Vreni Brumm
Die in diesem Buch beschriebenen Anwendungen wurden von den Autorinnen über Jahre in der Praxis erprobt und angewendet. Sie wurden so beschrieben, dass eine optimale Anwendung gewährleistet sein soll. Die vorgestellten Informationen und Empfehlungen sind nach bestem Wissen und Gewissen geprüft. Dennoch übernehmen die Autorinnen und der Verlag keinerlei Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich direkt oder indirekt aus dem Gebrauch der hier beschriebenen Anwendungen ergeben. Bitte nehmen Sie im Zweifelsfall beziehungsweise bei ernsthaften Beschwerden immer professionelle ärztliche oder naturheilkundliche Hilfe in Anspruch.
Zum Gebrauch des Buches
Im Zentrum dieses Buches steht der Nutzen für unsere Leserinnen und Leser. Alle Bezeichnungen für Berufsgruppen und Personen, die sich mit der Anwendung von Wickeln befassen, stehen grammatisch in der weiblichen Form. Diese Wahl wurde bewusst getroffen, wurde doch das Wissen um Wickel und Kompressen mehrheitlich von Frauen bewahrt und an die nächste Generation weitergegeben. Und auch heute noch sind es überwiegend Frauen, die Wickel und Kompressen anwenden. Natürlich sind Männer damit keinesfalls ausgeschlossen und als Leser wie als Anwender herzlich willkommen.
Das Buch richtet sich zum einen an interessierte Laien und ist andererseits als Fach- und Schulungsbuch für Lernende und Fachleute im Gesundheitsund Pflegebereich gedacht. Um beiden Zielgruppen gleichermaßen gerecht zu werden, wurde inhaltlich eine Auswahl getroffen, die sowohl Laien wie auch Fachpersonen berücksichtigt.
Ein Slogan führt in das jeweilige Thema ein, jede Anwendung wird mit Stichworten charakterisiert, und eine Zusammenfassung zeigt auf, was die Anwendung enthält, bewirkt und durch was sie sich besonders auszeichnet. Nach dieser Einführung folgen Details zu den Anwendungsbereichen, zur Wirkung, zu den Kontraindikationen, zum Material und zur schrittweisen Durchführung. Ergänzend dazu finden Sie Angaben zur Anwendungsdauer, zu eventuellen Wiederholungen und zur Nachbehandlung. Abgerundet werden die Beschreibungen durch gezielte Hinweise und spezifische Informationen für Fachleute. Die Rubrik »Wissenswertes« enthält vor allem Anwendungen mit Zusätzen.
Im Anhang ist eine ausführliche Materialliste mit Bezugshinweisen aufgeführt. Außerdem finden Sie dort eine Auswahl an Adressen, die Ihnen bei Fragen oder der Vertiefung Ihres Wissens und Ihrer Erfahrung hilfreich sein können.
Neu finden sich in einem separaten Kapitel »Aus der Praxis für die Praxis« ab Seite 201 Anwendungen zu den Bereichen Selbstpflege, Familie und Berufspraxis.

Allgemeines zu Wickeln und Kompressen
Grundlagen
Im Spannungsfeld zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde
Das Wohlbefinden fördern, den Stress abbauen, den Schlaf unterstützen, Schmerzen und gesundheitliche Beschwerden lindern: All dies sind wirkungsvolle Anwendungsmöglichkeiten für Wickel und Kompressen. Dabei gelten diese Maßnahmen als sehr alte und bewährte »Heilmittel«. Bereits in den Schriften des Hippokrates (um 460—370 v. Chr.) sind Anwendungen mit Wasser und Baumwolle oder Öl und Baumwolle zur Linderung von Leiden erwähnt. Damals wie heute werden Wickel und Kompressen sowohl in der Volksheilkunde wie auch als Hausmittel angewendet. Das Wissen beruht auf Erfahrungen, die von Generation zu Generation, in der Regel von Frau zu Frau, weitergegeben wurden. Auch in der Naturheilkunde wurden Wickel und Kompressen seit jeher mit den verschiedensten Zusätzen durch Ärztinnen verabreicht und empfohlen. In der anthroposophischen Medizin sind sie gar ein zentraler Bestandteil vieler Behandlungen. In zahlreichen Therapiezentren, Praxen und Kurhäusern gehören sie heute zu den komplementären Behandlungen. Vor der Entdeckung des Penicillins kamen in den Krankenhäusern Senfwickel als wirksame Therapie bei der Lungenentzündung zum Einsatz.
In der Schulmedizin gehören Wickel und Kompressen heute in einem viel umfassenderen Sinn zu den physikalischen Anwendungen, welche vor allem in der Physiotherapie, immer häufiger aber auch im Pflegebereich genutzt werden. In ausgewiesenen Kliniken, Alters- und Pflegeheimen sowie bei der Betreuung zu Hause (Spitex) werden Wickel und Kompressen mittlerweile als eigenständige Pflegemethode von professionell ausgebildeten Wickelfachfrauen und -männern angewendet.
Wickel und Kompressen dienen nicht nur zur Steigerung des Wohlbefindens und zur Unterstützung der körpereigenen Kräfte sowie zur Linderung von Beschwerden. Sie werden im Rahmen der Gesundheitsförderung auch dazu eingesetzt, sich zu entspannen und dem Alltagsstress zu entziehen. Durch gezielte Anwendungen werden die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt (zum Beispiel bei beginnendem Husten durch Brustkompressen mit Bienenwachslappen). Weiter können Organfunktionen unterstützt werden (etwa die Tätigkeit der Leber durch feuchtheiße Leberkompressen). Wickel und Kompressen können zudem als Begleitung in einem Krankheitsprozess eingesetzt werden (beispielsweise in der professionellen Pflege bei schwerkranken Patienten wie der Palliativpflege). Und schließlich werden Wickel und Kompressen bei gesundheitlichen Störungen wie Erkältungen, Verdauungsbeschwerden oder Muskelverspannungen äußerst vielseitig und erfolgreich angewendet. Das weitaus häufigste Einsatzgebiet von Wickeln und Kompressen ist jedoch die Linderung von Schmerzzuständen, etwa bei rheumatischen Schmerzen und Entzündungen.
Definition
Wickel: Ein Körperteil wie der Fuß, das Bein oder der Arm wird mit einem oder mehreren Tüchern umwickelt. Zur Wirkung gelangen Zusatzstoffe und/oder Temperaturreize (kalt, temperiert, heiß). Das innerste Tuch ist Substanzträger, kann also mit einer Wickellösung getränkt sein.
Kompresse, auch »Auflage« genannt: Auf eine bestimmte Körperpartie (zum Beispiel Bauch oder Brust) wird ein Tuch gelegt. Entsprechend der Auflagestelle erhält die Kompresse ihre spezifische Bezeichnung wie »Bauchkompresse«, »Brustkompresse« und so weiter. Die Kompresse ist Substanzträger, kann also mit einer Wickellösung getränkt sein, oder der Zusatz (zum Beispiel Leinsamen oder Quark) wird darin eingepackt. Ein weiteres Tuch aus Baumwolle schließt die Kompresse ab.
Wickel

Kompresse, auch »Auflage« genannt

Kataplasma, auch »Umschlag« genannt: Angewandt werden Brei- oder Pastenumschläge, zum Beispiel aus Lehm oder Leinsamen.
Wirkung
Die Wirkung von Wickeln, Umschlägen und Kompressen beruht auf einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Im Detail sind viele dieser einzelnen Wirkungsmechanismen wissenschaftlich nicht erklärbar, sie basieren auf Erfahrungswissen. Grundsätzlich können folgende drei Wirkungsfelder unterschieden werden:
Physikalische Wirkung (Temperaturreiz)
Auf einer bestimmten Körperstelle wird eine heiße oder kalte Kompresse aufgelegt. Die Wirkung kann begrenzt sein oder über den ganzen Körper reichen. Die auf der Haut befindlichen Rezeptoren nehmen dabei den Temperaturreiz auf und leiten ihn über die Nervenbahnen weiter. Ausgehend von der Auflagestelle, leiten die Nervenbahnen den Reiz über das Rückenmark zu den inneren Organen. So lindert beispielsweise eine heiße Bauchkompresse die Blähungen, indem die Darmmuskulatur entspannt wird. Informationen zur spezifischen Wirkung der heißen oder der kalten Kompressen sind in den entsprechenden Kapiteln aufgeführt.

Klaus-Christof Schimmel: Lehrbuch der Naturheilverfahren Band 1, Hippokrates Verlag 1990
Psychosoziale Wirkung (Beziehung zwischen Personen und Umfeld)
Wickelempfängerinnen und -anwenderinnen stehen bei jeder Anwendung im Gespräch miteinander. Dies beginnt bei der Auswahl der Maßnahme, reicht über die Zubereitung, die eigentliche Durchführung bis hin zur Möglichkeit des Nachruhens. Eine Anwendung kann auch an sich selbst durchgeführt und so das eigene Wohlbefinden unterstützt werden. Eingepackt sein in einen Wickel gibt Halt und vermittelt das Gefühl, »umhüllt« zu sein. Ist alles im Einklang, kommen Körper, Seele und Geist zur Ruhe.
Phytopharmakologische Wirkung (Zusatz von Wirkstoffen)
Die Wirkstoffe der Wickelzusätze verhalten sich sehr unterschiedlich. Eine Resorption durch die Haut ist sowohl von den fettlöslichen Pflanzenwirkstoffen wie auch den ätherischen Ölen her möglich. Neben der Aufnahme durch die Haut gelangen die Wirkstoffe durch die Nase zum Zwischenhirn. Die Ausscheidung geschieht über die Nieren, die Haut und die Atmung. Die Wirkung der Pflanzen beruht auf einem Zusammenspiel ihrer unterschiedlichsten Inhaltsstoffe. Informationen zu den einzelnen Wirkstoffen sind in den entsprechenden Kapiteln aufgeführt.


Wann Wärme – wann Kälte?
• Wärme unterstützt das Wohlbefinden, reduziert Spannungszustände und dient zur Krampflösung. Bei Entzündungen kann, wenn die Möglichkeit zur Sekretion besteht, ebenfalls Wärme angewendet werden (Bronchitis, Blasenentzündung, Stirn-, Kieferhöhlenentzündung). Als »warm« bis »heiß« werden Temperaturen von 36 bis 45 °C definiert (genauere Abstufungen finden Sie in den entsprechenden Kapiteln, siehe die Definitionen auf Seite 101).
• Temperierte Wärme wird bei chronischen, nichtentzündlichen Schmerzen angewendet, zum Beispiel bei Muskelverspannungen und rheumatischen Beschwerden (28 bis 35°C, siehe Seite 61).
• Kälte dient der Schmerzlinderung bei Sportverletzungen (stumpfe Traumata), Verstauchungen, Quetschungen, Prellungen sowie bei akuten Hals- und Gelenkschmerzen. Zudem wirkt Kälte entzündungshemmend (zum Beispiel bei akuten Gelenk- und Nervenentzündungen). Bei den Kneippanwendungen wird Kälte zur Anregung des Stoffwechsels und zur Wiedererwärmung (reaktive Hyperämie) eingesetzt. Als »kalt« bezeichnet man Temperaturen von 10 bis 22 °C (siehe Seite 151).
Achtung: Das Wärme- und Kälteempfinden ist bei jedem Menschen anders. Deshalb sind die Temperaturangaben nur ungefähre Richtwerte. Die Empfängerin oder der Empfänger bestimmt die ausgewählte Temperatur, nicht das Thermometer! Besteht Unsicherheit, ob eine heiße Anwendung angezeigt ist, sollte stets ein erster Versuch mit einer temperierten gemacht werden.
Grenzen und Gefahren
Bei akuten medizinischen Problemen, wie beispielsweise bei unklaren Bauchschmerzen, Herzbeschwerden oder akuter Venenentzündung (Phlebitis), muss unbedingt Rücksprache mit dem Arzt/der Ärztin oder entsprechenden Fachpersonal gehalten werden. Vorsicht ist darüber hinaus geboten bei:
• Menschen mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit,
• mit Lähmungen, Durchblutungs- und Wahrnehmungsstörungen (Sensibilitätsstörungen),
• Betagten oder geschwächten Personen,
• Menschen mit Demenzerkrankungen,
• Allergikern,
• Personen mit akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
• Kleinkindern und Säuglingen,
• Schwangeren,
• Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung.
Wickel und Kompressen können die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen. So kann es bei unsachgemäßer Anwendung zu Verbrennungen, zur Verschlimmerung der Symptome, zu allergischen Reaktionen oder zur Unterkühlung kommen. Ebenso können Krankheitsbilder verschleppt oder verfälscht werden.
Kinder und betagte Menschen reagieren auf Anwendungen intensiver und sensibler, deshalb sind milde Zusätze in temperierter Form anzuwenden.
Bei Allergikern sind individuelle Verträglichkeiten zu beachten. Zu empfehlen ist, vorher auf der Innenseite des Unterarms einen Verträglichkeitstest mit dem verwendeten Zusatz zu machen.
Bei akuten Gelenkentzündungen dürfen keine warmen beziehungsweise heißen Anwendungen durchgeführt werden. Im Zweifelsfall empfiehlt sich der Handtest: Wird die Auflage der warmen Hand als angenehm empfunden, wendet man eine temperierte Kompresse oder einen temperierten Wickel an. Die Verträglichkeit der Kälte kann mit einem Waschlappen geprüft werden.
Grundsätzlich gilt: Bei Verschlechterung der Symptome oder bei Unwohlsein entfernen Sie den Wickel oder die Kompresse sofort. Dies gilt auch dann, wenn die Anwendung zu kalt oder zu heiß ist. Anwendungen mit Wickeln und Kompressen müssen grundsätzlich immer als angenehm empfunden werden!
Dauer und Zeitpunkt einer Anwendung
Grundsätzlich richtet sich die Dauer einer Anwendung nach dem Empfinden der Empfangenden und dem Zweck der Anwendung. Eine heiße Anwendung mit dem Ziel der allgemeinen Wärmezufuhr wird so lange belassen, wie sie als angenehm empfunden wird. Eine kalte Anwendung mit dem Zweck der lokalen Wärmeableitung bleibt so lange auf der betreffenden Stelle liegen, wie sie als kühlend empfunden wird.
Im Tagesverlauf reagiert der Körper verschieden auf die einwirkenden Wärme- oder Kältereize. Physiologisch ist der Körper von 3.00 bis 15.00 Uhr in der »Aufheizphase«. Kältereize werden intensiver empfunden. Von 15.00 bis 3.00 Uhr ist der Körper in der »Entwärmungsphase«. Dann ist genügend Wärme vorhanden, kalte Anwendungen werden als angenehmer empfunden.1
Informationen für Fachleute
In den klassischen Naturheilverfahren werden Wickel und Kompressen der Wärme-/Thermotherapie und der Wassertherapie nach Kneipp allgemein der Hydrotherapie zugeordnet.
Die Wirkungsweise der Wickel und Kompressen wird grundsätzlich über die Beeinflussung der körpereigenen Regulationsmechanismen und somit einer verstärkten Wirkung der Selbstheilungskräfte erklärt. Der thermische Reiz wirkt nervös-reflektorisch über den kutiviszeralen Reflex der Head’schen Zonen. Geruchsimpulse wirken über die Nase und die Siebbeinplatte auf das limbische System und führen weiter über den Hypothalamus zur Ausschüttung von Hormonen. Ein weiterer positiver Effekt ist die Anregung der biografischen Erinnerung, dies im Speziellen bei an Demenz erkrankten Menschen.
Die Reizwirkung resultiert aus der Konstitution der Empfangenden, der Auswahl der Anwendung, dem Temperaturreiz, der Anwendungsdauer und der gewählten Auflagefläche. Bei postoperativen Anwendungen muss Rücksprache mit dem Arzt/der Ärztin genommen werden. In Spitälern, Heimen, Kliniken und in der häuslichen Pflege (Spitex) empfiehlt es sich, für die Umsetzung betriebsinterne Standards zu erarbeiten.
Aus naturheilkundlicher Sicht betrachtet, wirken Wickel und Kompressen über die Haut entgiftend und zielen darauf ab, eine natürliche Ausscheidung zu verstärken. Durch die Anwendung wird zum anderen ein Impuls auf den ganzen Körper gesetzt (zum Beispiel eine Zwiebelkompresse auf den Fußsohlen). Die Reflexzonen stehen in Verbindung mit dem ganzen Körper. Somit kann eine Zwiebelkompresse, auf die Fußsohlen aufgelegt, einen beginnenden grippalen Infekt durch die Anregung der Selbstheilungskräfte reduzieren oder sogar beenden. Andererseits wirken Wickel und Kompressen ableitend auf die Haut, indem sie die lokale Durchblutung fördern und sich anregend auf die Hautatmung auswirken.2
Wärmeregulation
Unser Körper ist auf eine konstante Temperatur angewiesen. Diese beträgt auf der Haut 32 bis 35 °C und im Körperinnern etwa 37 °C. Dadurch wird die Funktion der Stoffwechselvorgänge gewährleistet. Auf Temperaturschwankungen reagiert der Körper sehr sensibel. Entsprechend ist es von Vorteil, die Körpertemperatur möglichst konstant zu halten. Voraussetzung dazu ist das Gleichgewicht zwischen Wärmeproduktion und -abgabe. Diese Regulation bezieht sich auf komplexe Vorgänge innerhalb des Wärmeregulationszentrums im Hypothalamus, einem Abschnitt des Zwischenhirns.
Körpereigene Messfühler als Warm- und Kaltrezeptoren messen konstant die Hauttemperatur, spezifische Messfühler in den Blutgefäßen und im Rückenmark die Bluttemperatur. Über sie wird ein Istwert registriert. Das übergeordnete Wärmeregulationszentrum ist auf einen Sollwert eingestellt. Dieser entspricht einer Ausgangslage von etwa 32 °C auf der Haut und etwa 37 °C im Körperkern. Zeigen Ist- und Sollwert Abweichungen, gleicht der Körper den Temperaturanstieg mit Wärmeabgabe, den Temperaturabstieg mit Wärmeproduktion aus.
Die Wärmeabgabe geschieht überwiegend über die Haut durch Erweiterung der Blutgefäße und somit durch Abstrahlung der Körperwärme. Die intensivste Wärmeabgabe ist das Schwitzen. Dadurch entsteht Verdunstungskälte, die dem Körper weiter Wärme ableitet.
Die Wärmeproduktion wird durch eine erhöhte Stoffwechselfunktion geregelt. Zum Schutz vor weiterer Wärmeabstrahlung verengen sich die Blutgefäße in der Haut. Die »Gänsehaut« zeigt durch das Aufrichten der Haare eine erhöhte Muskelspannung. Durch Kältezittern — eine erhöhte Muskelarbeit — wird die Wärmebildung erhöht. Nach der Nahrungsaufnahme nimmt die Wärmeproduktion dank der Stoffwechselsteigerung zu. Die Leber trägt durch die chemische Umsetzung von Kohlenhydraten und Eiweiß ebenfalls zur Wärmeproduktion bei.
Bei Fieber verändert sich der Sollwert der körpereigenen Temperatur durch die von Krankheitserregern abgegebenen Krankheitsstoffe (Pyrogene). Somit muss der Körper mehr Wärme produzieren. Dies erreicht er wirkungsvoll durch das Muskelzittern (Schüttelfrost). Weitere Informationen siehe unter Wadenwickel auf Seite 161.
Wickelanwendungen können Temperaturreize setzen, die auf den ganzen Körper einwirken und somit die Wärmeregulation beeinflussen. Eine heiße Bauchkompresse kann dabei die Körperkerntemperatur erhöhen, sodass eine gesteigerte Wärmeabgabe durch Schwitzen erfolgt. Kaltanwendungen in der Wickelarbeit zielen dagegen darauf ab, eine lokale Übererwärmung abzuleiten. Durch eine korrekte Anwendung wird die Körperkerntemperatur nicht beeinflusst. Eine großflächige kurze Kälteanwendung, wie zum Beispiel eine kalte Armwaschung (Kneippanwendung), senkt hingegen die Körperkerntemperatur und führt somit zu einer vermehrten Wärmeproduktion.
So werden die Anwendungen zum Erfolgserlebnis
Damit die Anwendung von Wickeln und Kompressen zu einem guten Ergebnis führt, bedarf es vorweg einiger grundsätzlicher Informationen und Abklärungen. Beachten Sie darüber hinaus, dass Wickel und Kompressen sowohl eine Wirkung auf den Körper als auch auf die Psyche haben. Nehmen Sie sich daher genügend Zeit für eine gute Abklärung, Vorbereitung und Durchführung.
Eine Anwendung sollten Sie unter Betreuung und Beobachtung vornehmen, dies im Besonderen bei Kindern und betagten Menschen. Akut medizinische Geschehen sind dagegen grundsätzlich keine Anwendungsgebiete für Wickel und Kompressen. Lediglich nach medizinischer Abklärung und Absprache können sie unterstützend eingesetzt werden.
Stellen Sie sich vor der Anwendung von Wickeln und Kompressen auf jeden Fall die folgenden Fragen:
• Welches Bedürfnis hat die Person?
• Was ist die Ausgangslage, welche Beschwerden sollen mit welchem Ziel gelindert werden?
• Welche Erfahrungen mit Wickeln sind möglicherweise bereits vorhanden, und wie können sie eventuell genutzt werden?
• Welche Temperatur ist sinnvoll: heiß, temperiert oder kalt?
• Mit welchem Zeitaufwand inklusive Nachruhen ist zu rechnen?
• Welche Zusätze und welches Material stehen zur Verfügung beziehungsweise werden benötigt?
• Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen beachtet werden?
Jede Anwendung dient einem klar umrissenen Zweck, jeder Wickel und jede Kompresse unterliegt einer festen (und bewährten) Rezeptur. Grundsätzlich aber gilt: Die Bedürfnisse und Vorlieben der Empfänger und Empfängerinnen haben erste Priorität.
Die Dosierungen sind der Größe der Auflagestelle und der Person anzupassen. Hier gilt der Grundsatz: »Milde Reize regen an, große Reize hemmen.« Die Einhaltung der beschriebenen Mengen ist besonders bei den ätherischen Ölen wichtig. Im Umgang mit Kindern und älteren Menschen ist zudem erhöhte Vorsicht geboten. In der professionellen Pflege lassen Sie sich die Mischungen der ätherischen Öle von einer speziell ausgebildeten Fachperson zubereiten.
Die verwendeten Wirkstoffe und/oder Zusätze können ihre Wirkungsweise anders entfalten als bei einer Einnahme. Daher sind in diesem Buch bei der Beschreibung der Zutaten jeweils die Wirkstoffe aufgelistet, die überwiegend bei der äußerlichen Anwendung zum Tragen kommen. Alle Zusätze werden — mit einigen Ausnahmen — nur einmal verwendet und danach entsorgt.
Das A und O einer korrekten Anwendung ist die fachgerechte Durchführung und die angepasste Fixation (Befestigung). Muss ein Zusatz eingepackt werden, ist darauf zu achten, dass immer eine Schicht Stoff zwischen dem Zusatz und der Haut liegt.
Übung macht die Meisterin: Je mehr Anwendungen Sie ausprobiert haben, desto sicherer werden Sie sich bei der Umsetzung fühlen. Besuchen Sie bei Interesse deshalb gegebenenfalls auch Kurse und Weiterbildungsangebote (siehe Anhang).


Wickelmaterial
Tücher/Materialien
Für den Hausgebrauch und die Berufspraxis können verschiedene Wickeltücher verwendet werden:
• Für Erwachsene eignet sich ein Badetuch von etwa 160 × 40 Zentimeter Größe.
• Baumwoll-, zum Beispiel Moltontuch, oder Wolltuch (etwa 200 × 40 Zentimeter).
• Bei Kindern bis zu 10 Jahren verwendet man ein Wolltuch von zirka 80 × 25 Zentimeter Größe oder ein Frotteehandtuch.
Außerdem braucht man folgende Materialien:
• Frotteehandtuch
• Flanellwindel (zirka 80 × 80 Zentimeter)
• Gazewindel (zirka 60 × 60 Zentimeter)
• Gazewindel klein (zirka 30 × 30 Zentimeter)
• Baumwollwaschlappen
• Küchenhandtücher aus Baumwolle und Leinen oder Halbleinen
• Taschentuch aus Baumwolle
• Rohwolle
• Leggings aus Baumwolle
• Strumpfhose aus Wolle
• Stirnband
• Leinen- und Wollsocken
• Leinentuch für Lendenwickel
• Elastische Binde
• Windeleinlagen aus Viskosevlies
• Haushaltspapier
• Baumwollwatte, roh
• Plastikwärm- beziehungsweise Bettflasche
• Klebestreifen
• Plastikbeutel/Mehrzweckbeutel (etwa 20 × 30 Zentimeter)
Informationen für Fachleute
Für die professionelle Umsetzung in der Institution oder der Praxis:
Großes Badetuch oder Moltontuch (zirka 230 ×45 Zentimeter)
• Netzhosen
• Longuetten
• Watte roh
• Elastischer Schlauchverband
• Fixationen (siehe Seite 30)
Wissenswertes
Die Wickeltücher sollten aus Naturfasern wie Baumwolle, Wolle oder Leinen hergestellt sein:
• Leinen nimmt bis zu 35 Prozent Feuchtigkeit auf und gibt diese schnell der Umgebung ab. Sie wirkt kühlend, ist antistatisch und schmutzabweisend. Der Stoff ist strapazierfähig und langlebig, reißfest und extrem unelastisch. Leinenstoff ist waschbar (Kochwäsche, 95 °C).
• Baumwolle kann bis zu 65 Prozent des Eigengewichts an Wasser aufnehmen. Der nasse Baumwollstoff trocknet sehr langsam. Er gibt die Wärme optimal ab, ist hautfreundlich, aber anfällig für Keimbesiedlung. In feuchtem oder nassem Zustand ist er reißfester als im trockenen. Baumwollstoff ist sehr gut waschbar (Kochwäsche, 95 °C).

• Wolle besteht zu etwa 85 Prozent aus Luft und zeigt ein gutes Wärmehaltevermögen sowie natürliche Thermoregulationseigenschaften. Die Fasern können bis zu 33 Prozent ihres Trockengewichts an Wasser aufnehmen, ohne dass sie sich feucht anfühlen. Wolle leitet zudem die Feuchtigkeit schneller ab als Baumwolle. Sie ist schmutzabweisend und nicht geeignet für häufiges Waschen. Wollstoff ist mit Wollwaschmittel bei 30 °C waschbar, eine Reinigung durch Lüften ist möglich.
Schichten der Wickeltücher
Innentuch
• Material: Baumwolle, Leinen, Windeleinlagen aus Viskosevlies und so weiter.
• Das Innentuch wird direkt auf oder um die entsprechende Körperstelle gelegt.
• Das Tuch wird mit einer Wickellösung, zum Beispiel einem Kräutertee, getränkt. Der Wickelzusatz (zum Beispiel Quark, Leinsamen, Kartoffeln) wird in Form eines Päckchens eingepackt.
Zwischentuch
• Material: Baumwolle, Watte, Rohwolle, Leggings und so weiter.
• Das Zwischentuch wird auf oder um das Innentuch gelegt, dient zur Grobfixation oder nimmt Feuchtigkeit vom Innentuch auf. Weiter dient es als Wärmeisolation, zum Beispiel mit der Rohwolle.
Außentuch
• Material: Baumwolle, Wolle, elastische Binde.
• Das Außentuch dient zur Wärmehaltung und zur Schlussfixation einer Anwendung.

Päckchen
Der Wickelzusatz, wie zum Beispiel Leinsamen, wird in die Mitte einer Windeleinlage aus Viskosevlies gegeben. Die vier Seiten werden umgelegt, sodass daraus ein Päckchen entsteht. Dieses wird mit einer Schicht zwischen Wickelzusatz und Haut auf die entsprechende Stelle aufgelegt.
Informationen für Fachleute
In der Berufspraxis werden nur zwei Schichten verwendet. Das Innentuch, zum Beispiel die feuchtheiße Kompresse, wird mit einem Moltonstoff in der Größe von etwa 230 × 45 Zentimetern aus Baumwolle oder einem flauschigen Baumwolltuch fixiert. Wollstoffe werden aus hygienischen Gründen nicht empfohlen.
Wickelzusätze
Nahrungsmittel/Gewürze (Auswahl)
• Ingwer
• Kartoffeln
• Kohl
• Meerrettich
• Meersalz
• Olivenöl
• Quark
• Weizenkleie
• Zitronen
• Zwiebeln
Heilpflanzen getrocknet (Auswahl)
• Augentrost
• Heublumen
• Kamille
• Lavendel
• Schafgarbe
• Thymian
Weitere Zusätze (Auswahl)
• Algenpulver
• Ätherische Öle
• Bademilch
• Bienenwachslappen
• Bockshornklee
• Extrakte, zum Beispiel Heublumenextrakt
• Fango
• Fertigmischungen ätherischer Öle
• Fette Öle wie Mandelöl
• Heilpflanzensalben
• Heusack
• Hydrolate
• Lehm
• Leinsamen
• Ölauszüge (Mazerate), zum Beispiel Johanniskrautöl
• Senfmehl
• Tinkturen, zum Beispiel Arnika- oder Wallwurztinktur

Fixationen
Die Fixation (vom lateinischen fixare für »befestigen, festlegen«) beeinflusst wesentlich den Erfolg einer Anwendung! Eine korrekt angepasste Fixation ermöglicht den optimalen Kontakt zwischen Wickelzusatz und der Auflagestelle. Bei heißen Anwendungen ist dadurch die Wärmehaltung gewährleistet.
Fixationen sind entsprechend den Bedürfnissen der jeweiligen Person und der Auflagestelle zu wählen. Die Bewegungsfreiheit sollte erhalten bleiben. Fest, aber nicht zu fest und faltenfrei ist beispielsweise eine optimale Fixation für eine Bauch- oder Lendenkompresse. Sicherheitsnadeln sind nicht zu empfehlen, zum Abschluss einer Halskompresse etwa ist ein Klebeband geeignet.
Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an Beispielen für Fixationen und ihre Anwendungsbereiche.
Brustfixation
• Bienenwachskompresse
• Brustkompresse mit Zitrone
• Feuchtheiße Kompresse
• Ingwerkompresse
• Johanniskrautölkompresse
• Kartoffelkompresse
• Leinsamenkompresse
• Olivenölkompresse
• Ölkompressen mit ätherischen Ölen
• Rohwollekissen
• Salbenkompresse
• Senfmehlkompresse
• Thymian-Brustkompresse
• Weizenkleiekompresse
• Zwiebelkompresse




Schulter-Nacken-Fixation im Sitzen
• Fangokompresse
• Ingwerkompresse
• Johanniskrautölkompresse
• Kartoffelkompresse
• Olivenölkompresse
• Rohwollekompresse
• Weizenkleiekompresse
Schulter-Nacken-Fixation im Liegen
• Feuchtheiße Kompresse
• Heublumenkompresse/Heusack
• Kartoffelkompresse


Halsfixation
• Lehmkompresse
• Quarkkompresse
• Zitronenkompresse
• Zwiebelkompresse



Gelenkfixation
• Arnikawickel
• Bockshornkleekompresse
• Kohlwickel und -kompresse
• Lehmkompresse
• Quarkkompresse
• Solewickel und -kompresse
• Wallwurzwickel und -kompresse
Bauch-/Lendenfixation
• Dampfkompresse
• Feuchtheiße Kompresse
• Johanniskrautölkompresse
• Kamille-Bauchkompresse
• Lenden-Kartoffelkompresse
• Schafgarben-Leberkompresse
Ohrenfixation
• Rohwollekissen
• Zwiebelkompresse
Wadenwickel



1 Wolfgang Brüggemann (Hg.): Kneipp-Therapie. Ein bewährtes Naturheilverfahren, Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 1980
2 Michael Schünemann: Ableiten, ausleiten, entgiften. Konzepte der traditionellen Naturheilkunde, Foitzick Verlag, Augsburg 2006
Wickel und Kompressen für Wohlbefinden und Gesundheit
Grundlagen
Kleiner Aufwand – große Wirkung
Wickel und Kompressen unterstützen das Wohlbefinden. Sie zeichnen sich durch eine Vielfalt an Anwendungsmöglichkeiten aus. So werden sie beispielsweise in der Bäder- und Wellnesskultur äußerst vielseitig angewendet. Grundsätzlich unterstützen sie den Menschen bei der Aufrechterhaltung seiner Gesundheit. Wickel und Kompressen sind zudem bestens geeignet für die Selbstpflege, da sie die Möglichkeit bieten, etwas für sich und den Körper zu tun. Auf diese Weise werden Sie schon mit kleinem Aufwand große Wirkung erzielen.
Unterstützung des Wohlbefindens als wichtiger Bereich der Gesundheitsförderung steht in Verbindung mit der salutogenetischen Haltung. Diese hat zum Ziel, das Wohlbefinden und das Gesund-Sein im Menschen zu unterstützen. Im Anhang finden Sie eine Anleitung für die Wickelarbeit.
Blitzkompresse
Eine Überraschung
Heiß und erfrischend
Die Blitzkompresse ist in Anlehnung an das im asiatischen Raum bekannte Ritual entwickelt worden, nach dem Essen eine heiße Erfrischung mit einem Baumwolltuch zu reichen. Sie wird mit geringem Aufwand zubereitet. Zusätze, wie zum Beispiel Bademilch, ergänzen die Wärmewirkung aufs Beste.
Anwendungsbereiche
• Unterstützung des Wohlbefindens
• Gesundheitsförderung
• Erfrischung bei Müdigkeit
• Entspannung bei Stress
Wirkung
• Entspannend und wohltuend
• Lokal durchblutungsfördernd
• Durchwärmend
• Je nach Zusatz erfrischend, belebend, anregend oder beruhigend
Kontraindikationen
• Entzündungen oder Verletzungen im Bereich der Auflagestelle
• Unverträglichkeit von verwendeten Zusätzen
• Schleudertrauma
Material
• Pro Person 1 Waschlappen, flauschig, aus Baumwolle
• Zirka 50 Milliliter heißes Wasser
• Messbecher
• Zusätze (siehe unter »Geeignete Zusätze«)
• Becher oder Schale
• Nach Bedarf Klemme zum Verteilen der heißen Waschlappen
• Nach Bedarf Frotteetuch/Waschlappen
• Neutrales Pflegeöl zur Nachbehandlung
Durchführung
Bereiten Sie entsprechend der Anzahl Personen die Waschlappen vor. Rollen Sie diese fest auf, und legen Sie sie in einen Becher oder in eine Schale. Unmittelbar vor der Anwendung bereiten Sie die Lösung mit heißem Wasser zu. Begießen Sie die Waschlappen langsam und gleichmäßig. Lassen Sie die Flüssigkeit im Waschlappen kurz durchziehen, und verteilen Sie die Lappen anschließend. Die Empfänger prüfen die Wärme, und legen die Kompresse auf die gewünschte Stelle (zum Beispiel Nacken) auf. Nach Bedarf kann die Blitzkompresse mit einem Frotteetuch abgedeckt und warm gehalten werden.
Geeignete Zusätze
• Bademilch
• Zitrone zur Erfrischung
• Lavendel zur allgemeinen Entspannung
• Rose zur Entspannung und Harmonisierung
• Edeltanne zur Erkältungsvorbeugung
• Rosmarin zur allgemeinen Durchwärmung (nicht geeignet während der Schwangerschaft)
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Kompresse bleibt so lange auf der Haut, wie sie als angenehm empfunden wird. Der kurze Wärmereiz kann mehrmals am Tag wiederholt werden.
Nachbehandlung
Nach Bedarf tragen Sie ein neutrales Pflegeöl auf und schützen die Körperstelle vor Kälteeinwirkung.
Hinweise
Waschlappen vorwärmen.
Informationen für Fachleute
• Die Blitzkompresse ist eine sehr einfach und schnell zubereitete Anwendung, die gerade auf Pflegestationen für eine angenehme Überraschung sorgen kann: Die Empfänger und Empfängerinnen sind erstaunt über die – je nach Zusatz – erfrischende, belebende, anregende oder beruhigende Wirkung und genießen sie sehr.
• Im Sommer eignet sie sich hervorragend auch als Kaltanwendung, zum Beispiel mit Zitrone.
Zitronen-Pfefferminz-Kompresse
Eine Blitzerfrischung für jede Gelegenheit
Feuchtkalte Anwendung
Die Zitronen-Pfefferminz-Kompresse gehört zu den schnell zubereiteten Anwendungen. Der erfrischende Duft des Pfefferminzblattes unterstützt die kühle Wirkung der Zitronenscheibe bestens. Zitronen aus dem Kühlschrank sind noch intensivere Kältespender. Die Zitronen-Pfefferminz-Kompresse ist eine Schnellanwendung zur Kühlung und Konzentrationsförderung.
Anwendungsbereiche
• Allgemeines Wohlbefinden
• Lokale Kühlung
• Konzentrationsförderung
• Unspezifische Kopfschmerzen
• Beginnende Migräne
Wirkung
• Belebend
• Erfrischende und klärende Kopfnote
• Kühlend
Kontraindikationen
• Hautveränderungen, Hauterkrankungen im Bereich der Auflagestelle
• Allergie auf Pfefferminz (Menthol) oder Zitronensäure
• Stirn- und Kieferhöhlenentzündung
Material
• Zitrone aus biologischem Anbau
• Messer
• 1 frisches Pfefferminzblatt (Mentha piperita oder andere Pfefferminzsorten)
• Windeleinlage aus Viskosevlies oder Baumwoll- beziehungsweise Leinenstoff
• Brett als Unterlage
Durchführung
Schneiden Sie die Zitrone in ½ bis 1 Zentimeter dünne Scheiben. Legen Sie das Pfefferminzblatt mitten auf das Vlies, und geben Sie darauf eine Zitronenscheibe. Falten Sie nun ein Päckchen, und legen Sie dies mit der Seite des Pfefferminzblatts direkt auf die Haut, zum Beispiel auf die Stirn oder den Nacken (Halswirbelsäule). Möchten Sie einen intensiveren Kältereiz und eine mildere Wirkung der Zitronensäure, so verwenden Sie ein mit Wasser befeuchtetes Leinentuch zum Einpacken der Zitronenscheibe.

Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Anwendung kann so lange belassen werden, wie sie als angenehm empfunden wird. Nach einiger Zeit kann die Zitronensäure zu Hautreizungen führen. Bei guter Verträglichkeit und großem Kältebedürfnis kann die Anwendung mehrmals am Tag wiederholt werden.
Nachbehandlung
Bei guter Hautverträglichkeit ist keine Nachbehandlung erforderlich.
Hinweise
• Vorsicht bei Kleinkindern wegen des möglichen Augenkontakts mit Zitronensäure.
• Die Zitronensäure kann hautreizend wirken!
• Die ätherischen Öle der Pfefferminze (Menthol) erfrischen und kühlen zusätzlich.
Informationen für Fachleute
Naturheilkundlich wirkt eine kühle Kompresse auf der Halswirbelsäule ableitend auf die »Fülle« im Kopfbereich.
Augentrostkompresse
Das Kraut, das den Augen Trost spendet
Mild temperierte Anwendung
Die Augentrostkompresse eignet sich gut als Wellnessanwendung, zum Beispiel nach einem anstrengenden Tag vor dem Computer oder als Vorbereitung auf einen Theaterabend. Sie ist schnell zubereitet und verschafft den Augen eine kurze, aber effektive Entspannung.
Anwendungsbereiche
• Ermüdungserscheinungen der Augen
• Verklebte Augen
• Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
Wirkung
• Entzündungshemmend
• Schmerzlindernd
• Stärkend
Kontraindikationen
• Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
• Grüner Star
• Vorsicht bei Augenerkrankungen
Material
• Augentrostkraut
• Kochendes Wasser
• Haushaltspapier
• Teesieb
• Watterondellen oder Baumwolltupfer
Durchführung
Nehmen Sie 1 Teelöffel Augentrostkraut, und überbrühen Sie dieses mit 1 Liter kochend heißem Wasser. Lassen Sie den Tee 5 bis 8 Minuten zugedeckt ziehen. Sieben Sie diesen mit dem Haushaltspapier und einem zusätzlichen Teesieb gut ab. Lassen Sie den Tee abkühlen, bis er lauwarm ist, und wringen Sie dann die Watterondellen oder die Baumwolltupfer darin aus. Nun legen Sie diese auf das betroffene Auge oder auf beide. Nach Bedarf decken Sie die Rondellen oder Tupfer mit einem temperierten Tuch ab. Wechseln Sie die Rondellen oder Tupfer aus, sobald sie als nicht mehr angenehm empfunden werden.

Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Anwendung darf mehrmals täglich wiederholt werden.
Nachbehandlung
Es ist keine spezielle Nachbehandlung erforderlich.
Hinweise
• Durch die Wärmeeinwirkung kann es infolge der Entspannung des Augenmuskels zu einer kurzfristigen Sehstörung kommen. Soll die Anwendung zusätzlich zur Entspannung dienen, decken Sie die Augen mit einem warmen Tuch ab. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Augen nicht der Zugluft ausgesetzt sind. Bei grellem Sonnenlicht setzen Sie eine Brille auf. Bei akuten Augenentzündungen sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden.
• Als Alternative zum Augentrostkraut können Sie auch ein Fertigprodukt verwenden. Fragen Sie in Ihrer Drogerie oder Apotheke.
Informationen für Fachleute
Aus hygienischen Gründen empfiehlt sich in der Berufspraxis die Verwendung von Fertigprodukten, zum Beispiel Euphrasia-Augentropfen oder Rosenhydrolat.
Wissenswertes
• Es gibt ungefähr fünfzehn verschiedene Arten des Augentrosts (Euphrasia rostkoviana Hayne = Euphrasia officinalis). Die bekanntesten sind der Wiesen- und Bergaugentrost. Der Wiesenaugentrost ist eine zierliche, einjährige Pflanze. Die Stängel sind flaumig behaart, und die Blätter sitzen gegenständig. Die Blüten sind weiß und haben eine kurze Oberlippe mit blauen bis violetten Längsstreifen und eine dreizipfelige Unterlippe, an deren Grund sich ein gelber Fleck befindet.3
• Relevante Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Aucubin, Iridoidglykoside.
• Als Augenheilmittel wird der Augentrost bereits im Mittelalter beschrieben und gerühmt. Homöopathisch wird er vor allem als Augentropfen eingesetzt.
Algenwickel und -kompresse
Algen, der »Ginseng des Wassers«, strafft und pflegt
Feuchte Kälte
Anwendungen mit Algenpulver werden im Wellnessbereich und in der Thalassotherapie (Anwendungen mit Meerwasser) verabreicht. Ihre Wirkung liegt in der Anregung des Stoffwechsels und bei der Pflege der Haut. Besonders Frauen schätzen die straffende Wirkung bei Cellulitis. In Verbindung mit Meersalz kommt die hautpflegende Wirkung verstärkt zum Tragen.
Anwendungsbereiche
• Zum allgemeinen Wohlbefinden
• Hautpflege
• Cellulitis
Wirkung
• Hautstraffend
• Lymphflussanregend
• Pflegend
• Regt die Ausscheidung von Gewebeflüssigkeit an und fördert dadurch den Abtransport von Giftstoffen
Kontraindikationen
Unverträglichkeit der Inhaltsstoffe
Material
• Algenpulver
• Meersalz
• Becken
• Baumwolltuch oder Windeleinlage aus Viskosevlies
• Baumwolltuch
• Wasser
Durchführung
Bereiten Sie nach Packungsbeilage mit dem Algenpulver, Salz und kaltem Wasser einen Brei zu. Diesen streichen Sie dünn auf das Viskosevlies oder das Baumwolltuch. Legen Sie die Kompresse auf die betreffende Stelle, und fixieren Sie sie mit einem weiteren Baumwolltuch.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Wiederholen Sie die Anwendung kurmäßig einmal am Tag über fünf Tage.
Nachbehandlung
Dank der hautpflegenden Wirkung erübrigt sich eine Nachbehandlung.
Informationen für Fachleute
Algenanwendungen gehören in den Bereich der gesundheitsfördernden Anwendungen und dienen vor allem dem Wohlbefinden. Daher werden sie überwiegend im privaten oder im Kur- und/oder Wellnessbereich angewendet.
Wissenswertes
• Anwendungen mit Algen gehören zum Standardprogramm in der Thalassotherapie und finden sich im Angebot vieler Hotels mit einer Wellness- und Schönheitsanlage (Spa-Bereich).
• Dank des hohen Gehalts an Vitalstoffen wirken die Algenanwendungen sehr belebend. In Verbindung mit dem Meerwasser, das reich an Jod, Kalium und Magnesium ist und zusätzlich Spuren von Mangan, Zink und Chrom enthält, wirken diese Anwendungen auch auf den Zellstoffwechsel.
Weizenkleiekompresse
Überraschend speziell
Feuchtwarme bis heiße Anwendung
Die Weizenkleiekompresse ist mild-wärmend und sehr angenehm. Die Kompresse zeichnet sich aus durch eine spezifische, lang anhaltende Wärme. Zusätze können den Wärmereiz unterstützen. Für Kinder und Betagte ist die milde Wärme ohne Zusätze geeignet. In der Zubereitung als Brust- oder kleine Schulter-Nacken-Kompresse ist sie ein entspannender Genuss.
Anwendungsbereiche
• Zur Entspannung
• Steigerung des Wohlbefindens
• Muskelverspannung im Schulter- und Nackenbereich
• Erkältung, Husten, Bronchitis
• Hautpflege bei trockener, rissiger Haut
Wirkung
• Entspannend
• Beruhigend
• Lokal und reflektorisch durchblutungsfördernd
• Entspannend, schmerzlindernd auf die Muskulatur
• Allgemein mild krampflösend
• Hautpflegend
• Entsprechend dem Zusatz von ätherischen Ölen anregend, belebend, entspannend
Kontraindikationen
• Unverträglichkeit der verwendeten Zusätze
• Kontraindikationen der heißen Wickel und Kompressen beachten!
Material
• Weizenkleie aus biologischem Anbau
• Schale
• Esslöffel
• Heißes Wasser
• Windeleinlage aus Viskosevlies, Haushaltspapier
• Baumwolltuch als Zwischentuch, zum Beispiel kleine Gazewindel
• Nach Bedarf Zusätze, zum Beispiel ätherische Öle
• Fixationsmaterial
• Neutrales Öl oder Johanniskrautöl zur Nachbehandlung
Durchführung
Geben Sie 2 gehäufte Esslöffel Weizenkleie in eine Schale, und übergießen Sie die Kleie mit sehr wenig kochendem Wasser. Durchmischen Sie den Brei, bis die Feuchtigkeit von der Kleie aufgenommen wird. Verteilen Sie die Masse gleichmäßig zirka 1 Zentimeter dick auf das vorbereitete Vlies. Falten Sie ein Päckchen. Nach der Wärmeprüfung legen Sie die Kompresse sorgfältig auf die gewünschte Körperstelle, decken diese mit dem vorgewärmten Zwischentuch ab und fixieren das Ganze mit dem entsprechenden Material.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Anwendung kann so lange belassen werden, wie sie als angenehm warm empfunden wird. Sie kann einmal am Tag durchgeführt und nach Bedarf über mehrere Tage wiederholt werden.
Nachbehandlung
• Tragen Sie zur Unterstützung ein neutrales Pflegeöl oder Johanniskrautöl auf.
• Planen Sie Zeit zum Nachruhen mit ein.
Hinweise
• Je trockener die Kompresse ist, desto besser ist die Wärmeverträglichkeit.
• Durch Zusätze wie Bademilch kann die Wirkung unterstützt werden.
Informationen für Fachleute
• Weizenkleie ist in vielen Nahrungsmitteln als innerliche Verdauungsunterstützung vorhanden.
• Ein milder Wärmereiz, kombinierbar mit Wirkstoffen der ätherischen Öle, ist eine wohltuende Anwendung in der Aromapflege.
• In der palliativen Pflege ist die Kompresse, eingepackt in einen Einwegwaschlappen, gut einsetzbar.
Wissenswertes
• Weizen gehört zur Pflanzenfamilie der Süßgräser (Poaceae) der Gattung Triticum L. und ist das weltweit am zweithäufigsten angebaute Getreide. Die Kleie besteht aus den Keimlingen und den fast mehlfreien Randschichten des Weizenkorns. Weizenkleie fällt bei der Herstellung von hellem Weizenmehl an, indem die Rückstände aus Schalen (Samenschalen, Fruchtschalen) gesondert aufgefangen werden.
• Relevante Inhaltsstoffe: Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor, Eisen, Zink, Schleimstoffe, Cumarinsäure.
• Naturheilkundlich gesehen, ist Weizen eine sonnenorientierte Pflanze. Sie speichert das Sonnenlicht und kann diese Wärmekraft über die Kompresse wieder abgeben.
• »Weizen« leitet sich vom althochdeutschen (h)weizi für »der Weiße« ab, was sich auf die Farbe von weißem Mehl und die helle Farbe der Weizenfrucht bezieht. Weizenkleie wurde früher überwiegend als Futtermittel verwendet.
Handmassage mit anschließender feuchtheißer Kompresse
Ein Gefühl des Angenommen- und Aufgehobenseins
Feuchtheiße Anwendung
Die Handmassage mit anschließender feuchtheißer Kompresse eignet sich sehr gut als Einstieg, um mit einer Person Kontakt aufzunehmen, sich für sie Zeit zu nehmen, sich ihr zu widmen. Ebenso kann sie abends zum Abschalten, um zur Ruhe zu kommen oder morgens zum Wachwerden angewendet werden; dies je nach Bedürfnis und Zutaten für die Massage oder die feuchtheiße Kompresse. Sie eignet sich zudem sehr gut bei Kindern und Betagten. Hier wird anstelle der feuchtheißen Kompresse ein warmer Handschuh für den Abschluss verwendet.
Der Duft des Öls und die Wärme der Kompresse vermitteln das Gefühl des Angenommen- und Aufgehobenseins.
Anwendungsbereiche
• Entspannung
• Schlafstörungen
• Unruhe
• Angst
• Schwächezustände
• Nervöses Herzklopfen
Wirkung (je nach Zutaten)
• Entspannend
• Anregend
• Stimulierend
• Beruhigend
• Herzstärkend
Kontraindikationen
• Akute Gelenkentzündungen
• Allergien gegenüber den verwendeten Zusätzen
• Geruch der Zusätze ist unangenehm
• Hautirritationen
Material
• Massageöl Ihrer Wahl
• Großer Frotteewaschlappen, Frotteehandtuch
• Gummihandschuhe
• Becken
• Heißes Wasser
Durchführung
Legen Sie das Frotteehandtuch auf den Schoß der Empfängerin oder des Empfängers. Wickeln Sie die eine Hand ins Frotteetuch ein. Nehmen Sie einen gehäuften Teelöffel Massageöl Ihrer Wahl, und massieren Sie zuerst die eine Hand. Dann decken Sie die massierte Hand ins Frotteetuch und wiederholen mit der anderen Hand das Vorgehen. Lassen Sie sich Zeit hierfür. Nach Beendigung der Massage wickeln Sie beide Hände in das Frotteetuch. Nun bereiten Sie die feuchtheiße Kompresse zu (Zubereitung siehe Seite 113). Wickeln Sie jetzt die Hände mit dem heißen Waschlappen gut ein, und umhüllen Sie diese mit dem Frotteehandtuch. Lassen Sie die Empfängerin oder den Empfänger die Wärme genießen.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Anwendung kann einmal täglich wiederholt werden.
Nachbehandlung
Eine spezielle Nachbehandlung ist nicht erforderlich.
Hinweise
• Wie bei jeder Wickelanwendung wird auch hier mit den Personen abgeklärt, welche Zusätze (in diesem Fall Massageöl) verwendet werden und welches das Ziel der Anwendung ist. Diese Anwendung kann jederzeit und überall angeboten werden; lediglich Zeit und die nötige Ruhe benötigen Sie.
• Kaufen Sie ein qualitativ hochwertiges Massageöl, zum Beispiel Weleda Lavendel-Entspannungsöl oder Weleda Wildrosen-Pflegeöl.
• Für die feuchtheiße Kompresse können Sie auch das jeweilige Hydrolat verwenden (siehe Seite 94), oder Sie bereiten mit der betreffenden Pflanze einen Heilkräutertee zu (Teezubereitung siehe Seite 131).
Informationen für Fachleute
Die Handmassage mit anschließender feuchtheißer Kompresse eignet sich sehr gut für demente, verwirrte oder unruhige Patienten. Hier ist es angezeigt, statt der feuchtheißen Kompresse die Hände anschließend in einen warmen, großen Handschuh zu legen. Ebenfalls bewährt hat sich diese Anwendung während eines Patientengesprächs.
Heiße Rolle
Wärme gegen Verspannung
Feuchtheiße Anwendung
Die heiße Rolle kann überall zubereitet werden, denn heißes Wasser und Frotteetücher stehen meistens zur Verfügung. Sie eignet sich gut bei allen Arten von Verspannungen und zur Selbstpflege bei Verdauungsbeschwerden. Die heiße Rolle ist eine Form der Wärmeanwendung mit gleichzeitiger Massagewirkung.
Anwendungsbereiche
• Zur Entspannung
• Muskelverspannungen im Schulter- und Wirbelsäulenbereich
• Vorbereitung auf die Massage
• Rheumatische, nichtentzündliche Beschwerden
• Verdauungsbeschwerden
Wirkung
• Muskelentspannend
• Krampflösend
• Durchblutungsfördernd
• Erwärmend
• Verdauungsfördernd
Kontraindikationen
• Akut entzündliche Nervenreizungen
• Gürtelrose
• Akute Rückenschmerzen unklarer Ursache
• Akute Magen-Darm-Beschwerden
• Akutes Abdomen
Material
• 1 Baumwolltuch, zum Beispiel Waffeltuch
• 1 bis 2 Frotteetücher
• ½ bis 1 Liter heißes Wasser
• 1 Messbecher
• Neutrales Pflege- oder Massageöl


Durchführung
Die Tücher der Reihe nach einmal zusammenlegen. Dann eines nach dem anderen zu einem festen Trichter rollen. Das Baumwolltuch als innerste Schicht dient als Wärmekern. Nun wird (je nach Anzahl Tücher) ½ bis 1 Liter heißes Wasser langsam in die Mitte des Trichters gegossen. Sollte die Rolle zu heiß sein, kann sie zu Beginn der Anwendung zusätzlich in ein Frotteetuch eingewickelt werden. Rollen Sie die heiße Rolle nun mit sanften Massagebewegungen über die gewünschte Stelle. Ist die Wärme abgeklungen, wickeln Sie das oberste Frotteetuch ab und fahren mit dem nächsten Wärmekern weiter. Führen Sie diese Bewegungen so lange durch, bis die Rolle nicht mehr heiß ist. Decken Sie anschließend den behandelten Bereich warm zu.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Anwendung wird einmal täglich durchgeführt und kann bei Bedarf über mehrere Tage wiederholt werden.
Nachbehandlung
Der Effekt kann durch eine anschließende Massage mit einem Massageöl Ihrer Wahl noch erhöht werden.
Hinweise
• Die heiße Rolle können Sie auch als Schnellanwendung mit nur einem Frotteetuch zur Kurzentspannung einsetzen.
• Vorsicht: Heiß!
Informationen für Fachleute
Zur Erhöhung der Wirkung kann die heiße Rolle statt mit Wasser mit Heublumenextrakt zubereitet werden (siehe Gelenkwickel mit Heublumenextrakt, Seite 123).
Fangokompresse
Bekanntes neu entdecken und selbst anwenden
Heiß und trocken
Verschiedene Physiotherapiepraxen wenden große Fangopackungen an. Spezielle Apparaturen wie Rührgeräte und Wärmeöfen ermöglichen dort die Durchführung von professionellen Fangoanwendungen. Für den privaten Gebrauch ist im Fachhandel als Alternative ein Fangopulver erhältlich. Kleine Kompressen lassen sich so für lokale Wärmeanwendungen zubereiten. Wird eine größere Auflagefläche (zum Beispiel Rücken) gewünscht, empfiehlt sich die Durchführung in einer Physiotherapiepraxis. Kinder und Betagte sind von diesen heißen Anwendungen ausgeschlossen.
Anwendungsbereiche
• Entspannung
• Gesundheitsförderung
• Rheumatische Erkrankungen mit chronischen Schmerzen
• Neuralgien
Wirkung
• Entspannend
• Durchblutungsfördernd, tief, intensiv, lokal/reflektorisch auf innere Organe
• Senkung der Muskelspannung
• Krampflösend
• Schmerzlindernd
Kontraindikationen
• Akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen
• Akute Entzündungen des Bewegungsapparats
• Unklare Rückenschmerzen
• Kontraindikationen von heißen Wickeln und Kompressen beachten!
Material
• 2 Wärm- beziehungsweise Bettflaschen
• Fangopulver (zum Beispiel Boller Jura Fango)
• Heißes Wasser
• Löffel
• Schüssel
• Windeleinlage aus Viskosevlies
• Baumwolltuch zum Abdecken
• Plastiksack
• Fixationsmaterial
• Neutrales Pflege- oder Johanniskrautöl zur Nachbehandlung
Durchführung
Wärmen Sie vorweg alle Wickeltücher mit der Wärmflasche vor. Geben Sie für eine kleine Gelenkkompresse ungefähr 4 gehäufte Esslöffel Fangopulver in eine Schüssel. Gießen Sie 2 Esslöffel kochendes Wasser dazu. Streichen Sie die Fangomasse 1 Zentimeter dick auf, das Vlies auf, und legen Sie alles zu einem Päckchen zusammen. Erwärmen Sie dieses zwischen einem Plastikbeutel und den beiden Wärmflaschen. Entfernen Sie nach dem Erwärmen den Beutel. Legen Sie nun die Kompresse nach der Wärmeprüfung auf die entsprechende Stelle, decken Sie diese mit einem vorgewärmten Baumwolltuch ab, und fixieren Sie alles mit dem entsprechenden Material.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Kompresse bleibt so lange, wie sie als angenehm empfunden wird. Die Anwendung kann einmal pro Tag durchgeführt und nach Bedarf über mehrere Tage wiederholt werden.
Nachbehandlung
Tragen Sie nach der Anwendung ein neutrales Pflege- oder Johanniskrautöl auf. Planen Sie genügend Zeit zum Nachruhen mit ein. Ein Rohwollekissen, aufgelegt auf die entsprechende Stelle, unterstützt die Wirkung nachhaltig.
Informationen für Fachleute
• Fango aktiviert das intakte Lymphsystem. Erfolgreich wird er therapeutisch bei chronischen rheumatischen Erkrankungen, aber auch bei Hautproblemen angewendet. Diese optimale Wirkung steht im Zusammenhang mit den besonderen Eigenschaften von Fango, welche durch sklerosierende Prozesse entstanden sind.4
• Anwendungsgebiete: PCP (primär chronische Polyarthritis), Morbus Bechterew, Folgezustände nach Sportverletzungen oder operativen Eingriffen des Bewegungsapparats, chronische Schmerzen, vegetative Erschöpfungszustände, Ekzem, Psoriasis und Neurodermitis.
Wissenswertes
• Fango (vom italienischen fango für »Schlammbad«) ist ein Mineralschlamm aus heißen Quellen vulkanischen Ursprungs. Er wird kalt, körperwarm oder heiß verwendet zu Bädern, Packungen und äußeren Anwendungen. Fangoanwendungen gehören zur Peloidtherapie, einem Bestandteil der Bädertherapie.
• In Bad Boll (Baden-Württemberg) wird Boller Jura Fango abgebaut. Er ist in den Schichten des schwarzen Jurafangos, in einer fossilen Zusammensetzung, mit organischen und anorganischen Substanzen vorhanden. Für die Selbstanwendung stellt Boller Jura Fango gebrauchsfertige Fangokompressen in Stoffsäcken verschiedener Größen oder Fangopulver her.
• Posidonienschiefer hat eine dunkle Farbe und wird auch als »Ölschiefer« bezeichnet. Der pulverisierte Schiefer kann viel Wasser aufnehmen und binden. Durch gute thermische Eigenschaften besitzt er eine hohe Wärmespeicherung und kühlt langsam ab. Die ölhaltige Schiefergrundsubstanz bildet eine Isolierschicht zwischen Haut und Fango, dadurch sind hohe Temperaturen verträglich.
• Abano-Fango stammt aus der Nähe von Venedig. Der Ort ist berühmt wegen seiner Therme mit Schwefel und radioaktiven Kochsalzquellen. Thermalfango ist eine Mischung aus natürlicher Tonerde, Mineralwasser und Mikroorganismen.
Nasse Socken nach Kneipp
Wohltuend-kühlend und schlaffördernd
Feuchte Kälte
Die nassen Socken beziehungsweise Strümpfe lindern im Sommer die Beschwerden bei müden, schweren Beinen. Vor dem Einschlafen angezogen, wirken sie beruhigend und unterstützen wirkungsvoll den Schlaf. Sie sind eine wohltuende kalte Anwendung für den Alltag.
Anwendungsbereiche
• Unterstützung des Wohlbefindens
• Müde, schwere Beine bei Venenbeschwerden
• Nervöse Unruhe bei Kindern und Erwachsenen
• Beginnende Migräne
• Ableitung bei Überhitzung
• Einschlafhilfe
Wirkung
• Allgemein ableitend und entstauend
• Venenstärkend
• Beruhigend
• Schlaffördernd
Kontraindikationen
• Frieren und Frösteln
• Kalte Füße
• Harnwegsinfekt
Material
• 1 Paar Leinensocken
• 1 Paar Wollsocken
• Kaltes Wasser
• Eventuell Zusätze



Durchführung
Planen Sie genügend Zeit ein, und suchen Sie einen ruhigen, bequemen Ort. Tauchen Sie dann die Leinensocken ins kalte Wasser, und wringen Sie sie anschließend sehr gut aus. Ziehen Sie diese an beiden Beinen über die warmen Füße an. Drehen Sie die Leinensocken, damit sie fest auf der Haut anliegen. Ziehen Sie die Wollsocken darüber. Achten Sie darauf, dass die Leinen- von den Wollsocken vollständig überdeckt sind. Sorgen Sie für eine bequeme Lagerung der Beine.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die »nassen Socken« bleiben so lange, wie sie als angenehm kühl empfunden werden. Sie können die Anwendung nach Bedarf wiederholen, sobald sich die Füße wieder warm anfühlen.
Nachbehandlung
Eine spezielle Nachbehandlung ist nicht erforderlich. Sorgen Sie - wenn nötig, durch Bewegen – dafür, dass Ihre Füße wieder warm werden.
Hinweise
• Voraussetzung für die kalte Anwendung ist ein Wärmegefühl im ganzen Körper bis hin zu den Zehenspitzen.
• Die Strümpfe sollten bis unter die Knie reichen. Als schlaffördernde Anwendung ziehen Sie sie unmittelbar vor dem Einschlafen an. Bei venösen Beschwerden entfernen Sie diese, bevor sie sich erwärmen; ansonsten erweitern sich die Venen, und die Beschwerden verstärken sich.
• Zur Unterstützung der schlaffördernden Wirkung kann ein Badezusatz oder ein Heilpflanzentee verwendet werden (siehe den Abschnitt »Grundlagen« auf Seite 131).
Informationen für Fachleute
• Die »nassen Socken« können als Basenstrümpfe mit dem entsprechenden Salz zur Entgiftung eingesetzt werden.
• Bleiben die Socken zum Einschlafen, wirken sie nach der wärmeentziehenden Phase wärmebildend. Über den Parasympathikus zeigt sich eine entspannende, beruhigende und schlafunterstützende Wirkung. Lokal wirken nasse Socken wärmend und gefäßerweiternd. Zudem können Beschwerden bei Lymphödemen an Armen oder Beinen mit nassen Socken gelindert werden.
Lendenwickel nach Kneipp
Wärmend, wohltuend und gesundheitsfördernd
Feuchte Kälte
Der kalte Lendenwickel gehört zu den klassischen Kneippanwendungen und hat eine überaus wohltuende Wirkung. Er bedeckt den Körper unterhalb vom Rippenbogen bis über die Lenden. Die zu Beginn empfundene Kälte wird in Kürze vom Körper zu einer angenehmen Wärme umgewandelt. Besonders während der Fastenkur ist der Lendenwickel sehr beliebt. Darüber hinaus verhilft er zu einem guten Schlaf - ein Versuch lohnt sich!
Anwendungsbereiche
• Unterstützung der Gesundheit
• Fastenkuren
• Einschlafschwierigkeiten
• Chronische Verstopfung
Wirkung
• Entspannend
• Ganzheitlich stoffwechselanregend, entschlackend
• Verdauungsfördernd, entkrampfend auf die Verdauungsorgane
• Schlaffördernd
Kontraindikationen
• Frösteln
• Harnwegsinfekt
• Menstruation
• Unklare Bauchbeschwerden
Material
• 1 Wolltuch (45 × 190 Zentimeter)
• 1 Leinentuch (40 × 190 Zentimeter)
• 1 Baumwolltuch (50 × 190 Zentimeter)
• Kaltes Wasser
• Eventuell Wärm- beziehungsweise Bettflasche
• Variante: das Baumwoll- und das Wolltuch durch Moltonstoff ersetzen
• Waschlappen zur Nachbehandlung
Durchführung
Platzieren Sie die Tücher so auf der Liege, dass sie vom Rippenbogen bis zu den Lenden reichen. Wärmen Sie das Wolltuch mit der Wärmflasche vor. Durchtränken Sie das Leinentuch mit kaltem Wasser, und wringen Sie es sehr gut aus. Wickeln Sie das Leinentuch schnell, straff und faltenlos um die Lenden. Darüber fixieren Sie wieder sehr straff das Baumwoll- und das Wolltuch oder alternativ das Moltontuch. Decken Sie die Person mit einer warmen Decke zu. Legen Sie nach Bedarf eine Wärmflasche an die Füße.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Nach zirka 5 Minuten sollte sich das Leinentuch nicht mehr kalt anfühlen. Belassen Sie den Wickel je nach Befinden etwa 45 bis 60 Minuten. Kann sich das Leinentuch nach 10 Minuten nicht erwärmen, und wird der Wickel als unangenehm empfunden, entfernen Sie ihn, und sorgen Sie für genügend Wärmezufuhr mit einem heißen Tee. Die Anwendung wird einmal am Tag und – währendeiner Fastenkur – täglich wiederholt.
Nachbehandlung
Waschen Sie die Auflagestelle mit lauwarmem Wasser ab, und decken Sie die Person zum Nachruhen zu.
Hinweise
• Voraussetzung für die Anwendung eines Lendenwickels ist die Fähigkeit, sich selbst wieder erwärmen zu können sowie über ein intaktes Wärmegefühl im ganzen Körper zu verfügen.
• Die beste Zeit für die Durchführung ist frühmorgens im warmen Bett.
Informationen für Fachleute
• Der kalte Lendenwickel gehört zu den wärmeproduzierenden und -stauenden Anwendungen. Durch den intensiven Kältereiz wird der Körper über den Wärmeregulationsmechanismus zur Wärmeproduktion angeregt. Dies geschieht über eine intensive Steigerung des Stoffwechsels, im Besonderen des Leberstoffwechsels.
• Aus naturheilkundlicher Sicht ist die günstigste Anwendungszeit zwischen 5.00 und 7.00 Uhr (»Organuhr«-Zeit: Verdauung und Darm).
• Kalte Kneippanwendungen werden zur Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte und bei vegetativen Beschwerden wirkungsvoll eingesetzt.

3 Maja Dal Cero: Unsere Heilpflanzen, Ott Verlag, Bern 2009
4 Gemäß Florian Junge und Reinhold Schön, Boller Jura Fango, Bad Boll.
Temperierte Wickel und Kompressen
Grundlagen
Sanfte Wärme, breite Wirkung, schnelle Zubereitung
Temperierte Wickel und Kompressen sind sehr beliebt und oft mit kleinem Aufwand, aber großer Wirkung umsetzbar. Sie umfassen ein breites Anwendungsspektrum. Unter temperierten Anwendungen versteht man eine milde, passive Wärmezufuhr ohne Temperaturreiz (etwa 28 bis 35 °C). Dadurch kann man sie auch bei empfindlichen und gefährdeten Personengruppen sowie Kindern und älteren Menschen sehr gut einsetzen. Die temperierten Wickel und Kompressen kommen überall da zur Anwendung, wo Hitze oder intensive Wärmeeinwirkung kontraindiziert sind.
Anwendungsbereiche
Das Anwendungsspektrum bewegt sich von beginnenden Ohrenschmerzen bis hin zu Husten und chronischen Gelenkserkrankungen. Je nach Beschwerden oder Indikation wird ein unterschiedlicher Zusatz ausgewählt. Zum Beispiel wird bei Ohrenschmerzen als Sofortmaßnahme eine Zwiebelkompresse verabreicht, und bei chronischen Gelenkschmerzen ist eine temperierte Ölkompresse mit Johanniskrautöl angezeigt.
Wirkung
Die Wirkung der temperierten Anwendungen entsteht durch die verwendeten Substanzen wie zum Beispiel Bienenwachs, Zwiebeln oder ätherische Öle. Diese Substanzen entfalten ihre Wirkung in temperierter Form am wirkungsvollsten. Die fettlöslichen Inhaltsstoffe können so durch die Wärmewirkung über die Haut aufgenommen werden. Jeder Zusatz verfügt über eine spezifische Wirkungsweise, was ein ausreichendes Wissen über die Wirkung und Gefahren der verwendeten Zutaten und eine große Sorgfalt bei der Dosierung und in Hinblick auf die Häufigkeit der Anwendung erfordert. Temperierte Anwendungen können über Stunden belassen werden, da die Hauttemperatur ein Kaltwerden verhindert. Um eine effiziente Wirkung zu erzielen, bedarf es in der Regel mehrerer Wiederholungen.
Kontraindikationen
• Abneigung gegen einen Zusatz
• Allergien gegen Inhaltsstoffe
• Akut entzündliche Prozesse bei rheumatischen Erkrankungen
Gefahren
• Die Anwendung wird zeitlich zu lange belassen.
• Der verwendete Wirkstoff ist zu wenig erforscht.
• Vor allem ätherische Öle und Zwiebeln können hautreizend wirken.
• Bei Erwärmung in der Mikrowelle können Qualität und Wirkung der Zutaten leiden, die Auswirkung der Mikrowellen auf viele Zutaten ist zu wenig erforscht.
• Die psychische Wirkung diverser Zutaten (zum Beispiel ätherischer Öle) darf nicht unterschätzt werden.
Hinweise
Sobald sich die Beschwerden verschlimmern oder die Wirkung als unangenehm empfunden wird, den Wickel oder die Kompresse entfernen
Informationen für Fachleute
• Die temperierten Anwendungen sind einfach anwendbar und effizient in der Wirkung.
• Die temperierte Ölkompresse gehört zu den häufigsten Anwendungen in der Pflege (mehr darüber im Kapitel »Wickel und Kompressen in der Aromapflege«, Seite 83). Gerade bei Menschen mit Sensibilitätsstörungen und Paresen, Diabetes oder Demenz bieten die temperierten Wickel und Kompressen ein großes Wirkungsfeld.
• Es ist sinnvoll, für die jeweilige Institution verbindliche Standards im Umgang mit Zusätzen (vor allem bei ätherischen Ölen) zu erarbeiten.
Rohwollekissen
Sanfte tiefe Wärme
Temperierte Wärme
Rohwolle und die Wickel und Kompressen bilden ein unzertrennliches Paar. Vor allem bei den temperierten Anwendungen darf die Rohwolle nicht fehlen. Sie kann in Kombination oder allein eingesetzt werden. Sie unterstützt und vertieft die Wärmehaltung zum Beispiel nach einer Anwendung, einer Massage oder einer Einreibung. Sie wird präventiv bei Neigung zu Blasenoder Mittelohrentzündung eingesetzt. Gerade Kinder und betagte Menschen schätzen die sanfte tiefe Wärme der Rohwolle. Sportler schützt sie, auf die Brust gelegt, beim Laufen an kalten Wintertagen vor Erkältungen.
Anwendungsbereiche
• Überall dort, wo Wärme gebraucht wird
• Zur Unterstützung und Nachbehandlung der temperierten Wickel und Kompressen
• Prophylaktisch bei Atemwegserkrankungen und Muskelverspannungen
• Chronische Gelenkserkrankungen
• Zum Einschlafen als Schmusekissen

Wirkung
• Sanfte, tiefe Durchwärmung
• Schmerzlindernd
• Aktiviert die Selbstheilungskräfte
• Mild durchblutungsfördernd
Kontraindikationen
• Abneigung gegen Wolle (Geruch)
• Allergien auf Lanolin
Material
• Rohwolle
• Baumwolltuch, Gaze, TubeGaze (Schlauchgaze), Seidenstoff zum Einpacken, Klebstreifen
Durchführung
Die Rohwolle wird auf die Größe der zu behandelnden Stelle zurechtgeschnitten, aufgelegt und fixiert. Wer eine Abneigung gegen Wolle hat, packt sie in einen anderen Stoff ein. Hierzu verwenden Sie einen Bezug aus Baumwolle, Gaze, Rebgaze oder Seide. Verwenden Sie nun das Rohwollekissen als eigenständige Anwendung oder zur Unterstützung einer temperierten Kompresse oder eines Wickels.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Das Rohwollekissen darf über mehrere Stunden belassen werden. Man kann die Anwendung über mehrere Tage wiederholen.
Nachbehandlung
Eine spezielle Nachbehandlung ist nicht erforderlich.
Informationen für Fachleute
Aus hygienischen Gründen oder bei Unverträglichkeit der Wolle kann Baumwollwatte roh, eingepackt in eine Longuette, verwendet werden.
Wissenswertes
• Rohwolle – auch »Wickelwolle« genannt – ist gekardete Fettwolle. Sie besteht aus einer Mischung von 50 bis 60 Prozent Fettwolle und 40 bis 50 Prozent gewaschener Wolle. Dadurch behält sie viel vom natürlichen Wollwachs (Lanolin), das in den Talgdrüsen der Schafe gebildet wird. Durch das Karden werden alle Fasern in die gleiche Richtung gekämmt. Es entsteht eine luftige, weiche Rohwolle. Diese hat eine hohe Isolierfähigkeit. Dadurch wärmt sich die Haut auf, was eine Temperatursteigerung von bis zu 6 °C bewirken kann.
• Durch den sanften Hautkontakt regt die Rohwolle mit ihren unzähligen Faserenden das kapillare Kreislaufsystem an. Zusätzlich bewirkt die Wärmeisolation eine Temperaturerhöhung der Haut. Es kommt zu einer gesteigerten Durchblutung (Hyperämie), wodurch einerseits das Eindringen von Abwehrzellen in die betroffene Region gesteigert und andererseits eine muskuläre Entspannung hervorgerufen wird.
• Reflektorisch wirkt die Erwärmung auf die inneren Organe, was zu einer Linderung von verspannungsbedingten Schmerzen führt.
• Die Rohwolle unterstützt die körpereigene Abwehr.
• Eigenschaften der Wolle: Durch das Wollwachs ist die Wolle imprägniert. Sie ist schmutzabweisend, wasserabstoßend und zeichnet sich durch eine minimale Keimbesiedlung aus. Sie ist nicht entflammbar und nimmt keine Fremdgerüche auf. Sie kann durch ihre Oberflächenstruktur bis zu 35 Prozent Wasserdampf aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen.
• Vorteile gegenüber der Wärmflasche: keine Verbrühungsgefahr, einfache Anwendung, gute Wärmeleistung, kein Wärmeverlust, kein Hitzestau – und sie kann überallhin mitgenommen werden.
Johanniskrautölkompresse
Licht für die Seele, Balsam für die Nerven, Entspannung für den Körper
Temperierte Anwendung
Das Johanniskraut als Teedroge oder Mazerat beziehungsweise Ölauszug gehört in jede Hausapotheke. Die temperierte Johanniskrautölkompresse ist eine der meistverwendeten Anwendungen zu Hause wie im Pflegealltag. Gerade in der Arbeit mit Kindern, aber auch in der Langzeitpflege finden wir hier ein breites Verwendungsspektrum. Das Öl kann als Ölkompresse oder zur Hautpflege eingesetzt werden.
Anwendungsbereiche
• Muskelverspannungen, Verspannungsschmerzen
• Nervenschmerzen, Neuralgien
• Ischialgie
• Trigeminusneuralgie
• Gürtelrose, zur Nachbehandlung
• Zur Narbenpflege
• Husten und Bronchitis
Wirkung
• Schmerzlindernd
• Entzündungshemmend
• Wundheilungsfördernd
• Durchblutungsfördernd
• Krampflösend
Kontraindikationen
• Allergische Reaktionen auf die Inhaltsstoffe
• Akut entzündliche Prozesse bei rheumatischen Erkrankungen
Material
• Johanniskrautöl
• Baumwolltuch, Longuetten oder Gazewindel
• Esslöffel
• Plastikbeutel
• Wärm- beziehungsweise Bettflasche
• Warme Unterlage, zum Beispiel Holzbrett
• Rohwolle/Baumwollwatte roh
• Fixationsmaterial je nach Auflagestelle
Durchführung
1 Esslöffel Johanniskrautöl auf ein Baumwolltuch verteilen. Das Tuch flach in den Plastikbeutel legen. Die Kompresse zwischen einer Wärmflasche und einem Holzbrett erwärmen. Die erwärmte Ölkompresse aus dem Plastikbeutel nehmen und auf ein Stück Rohwolle legen. Mit der Innenseite des Unterarms die Temperatur prüfen. Wird die Temperatur als angenehm empfunden, legen Sie die Kompresse auf die gewünschte Körperstelle und fixieren sie mit einer speziellen Fixation oder der Kleidung.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Kompresse darf mehrere Stunden belassen werden. Die Kompresse kann ein- bis zweimal wiederverwendet werden. Legen Sie sie nach dem Gebrauch in den Plastikbeutel zurück. Dieser wird mit Namen und Datum beschriftet und kühl gelagert.
Nachbehandlung
Die behandelte Stelle sollte warm gehalten werden.
Hinweise
• Johanniskrautöl kann die Haut lichtempfindlicher machen. Daher darf die behandelte Hautpartie nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden.
• Das Öl eignet sich zur Vorbeugung von Wundliegen und kommt bei Schürfungen und Hautreizungen zum Einsatz. Bei Husten und Bronchitis kann die Ölkompresse als milde, temperierte Form bei Kindern und betagten Menschen angewendet werden.




• Sie können das Johanniskrautöl zur privaten Anwendung auch selbst herstellen. Dazu geben Sie die Pflanzenteile (Blüten, Blätter und Stiele) in ein weißes Glas und übergießen dies mit einem guten biologischen Olivenöl. Stellen Sie das Glas an einen sonnigen Ort, und lassen Sie den Inhalt 4 Wochen ziehen. Dann in ein dunkles Glas absieben und an einem kühlen Ort aufbewahren.
• Johanniskraut hat eine nachgewiesene Wirkung auf der seelischen und körperlichen Ebene. Mit seiner Verbindung zum Licht, zu Wärme und Sommer wirkt es seelisch aufhellend. Auch im gesundheitsfördernden Bereich kann diese Anwendung zu einer allgemeinen Entspannung führen.
Informationen für Fachleute
• Die Johanniskrautölkompresse wird einfach und schnell zubereitet und ist wirkungsvoll auf der körperlichen und seelischen Ebene.
• Das Johanniskraut ist eine der meisterforschten Pflanzen. Das Öl wirkt ausgezeichnet bei Schmerzen und wird zur Nachbehandlung bei stumpfen Traumen und Neurodermitis angewendet.
Wissenswertes
• Johanniskraut ist ein Hartheugewächs und gehört zur Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae). Die Staude wird etwa 25 bis 90 Zentimeter groß. Die Blätter sind gegenständig und elliptisch-eiförmig, durchscheinend punktiert und besonders am Rand mit feinen schwarzen Drüsenpunkten besetzt. Die goldgelben Blüten haben fünf elliptische Kronblätter, welche beim Zerdrücken ein dunkelrotes Sekret austreten lassen. Es gibt verschiedene Johanniskrautarten. Das rote Sekret, die durchscheinenden Punkte auf den Blättern und der zweikantige Stängel sind die wichtigsten Erkennungsmerkmale für das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum L.). Das Johanniskraut scheint sich als Pflanze ganz nach der Sommersonnwende auszurichten (eben zu Johanni, dem 24. Juni). Die ersten Blüten öffnen sich meist um diesen Tag herum.5
• Relevante Inhaltsstoffe: Hypericin, Hyperforin, Flavonoide und Gerbstoffe.
• Als Wund- und Heilmittel, aber auch als Allerheilmittel gegen böse Geister war das Johanniskraut schon im Altertum bekannt. Paracelsus gab ihm den Namen »Arnika der Nerven« und schrieb: »Ich will euch berichten, dass die Löcher, die in den Blättern sind, bedeuten, dass dieses Kraut eine Hilfe ist für alle innerlichen und äußerlichen Öffnungen der Haut.« Seit der Entdeckung der antidepressiven Wirkung im Jahr 1985 gilt Johanniskraut als eines der wichtigsten Arzneimittel zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen.
Olivenölkompresse
Die Wärme des Südens, eingefangen im Öl
Temperierte Anwendung
Anwendungen mit Olivenöl kommen überall da zum Einsatz, wo Wärme gewünscht wird. Dank der sehr guten Verträglichkeit können die Olivenölkompressen bei Kleinkindern und betagten Menschen problemlos angewendet werden.
Anwendungsbereiche
• Gelenk- und Muskelverspannungen
• Husten, Bronchitis
• Chronisch rheumatische Beschwerden
Wirkung
• Schmerzlindernd
• Pflegend
• Hautregenerierend
Kontraindikationen
Abneigung gegen den Geruch
Material
• Olivenöl (kaltgepresst, Bio-Qualität)
• Esslöffel
• Baumwolltuch, Longuetten, Gazewindel oder Taschentuch
• Plastikbeutel
• Wärm- beziehungsweise Bettflasche
• Warme Unterlage, zum Beispiel Holzbrett
• Rohwolle/Baumwollwatte roh
• Fixationsmaterial je nach Auflagestelle
Durchführung
1 Esslöffel Olivenöl auf dem Baumwolltuch verteilen. Das Tuch flach in den Plastikbeutel legen. Die Kompresse zwischen einer Wärmflasche und einem Holzbrett erwärmen. Die erwärmte Ölkompresse aus dem Plastikbeutel nehmen und auf ein Stück Rohwolle legen. Mit der Innenseite des Unterarms die Temperatur prüfen. Wird die Temperatur als angenehm empfunden, legen Sie die Kompresse auf die gewünschte Körperstelle, fixieren Sie sie mit einer speziellen Fixation oder der Kleidung.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
Die Kompresse darf mehrere Stunden belassen werden. Dieselbe Kompresse kann ein- bis zweimal wiederverwendet werden. Legen Sie sie dazu nach dem Gebrauch in den Plastikbeutel zurück, beschriften Sie diesen mit Name und Datum, und lagern Sie ihn kühl.
Nachbehandlung
Die behandelte Stelle sollte warm gehalten werden.
Hinweise
• Verwenden Sie nur qualitativ gutes, kaltgepresstes Olivenöl aus biologischem Anbau.
• Zur Unterstützung der Wirkung kann das Öl je nach Zweck der Anwendung mit einem ätherischen Öl gemischt werden (siehe »Grundlagen«, Seite 83).
Informationen für Fachleute
• Die Olivenölkompresse kann einfach und schnell zubereitet werden.
• Die Ölsäure als wichtigste Fettsäure und die phenolischen Verbindungen machen das Olivenöl zu einem idealen Hautschutz, dies im Besonderen bei rissiger, trockener und juckender Haut. Das im Öl enthaltene Vitamin E fördert die Elastizität der Haut.
• Als Leberkompresse zur Unterstützung der Lebertätigkeit kann sie kurmäßig über 1 bis 3 Wochen angewendet werden.
Wissenswertes
Der Olivenbaum gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. Er wird noch vielerorts als Lebensbaum verehrt. Das Olivenöl wurde in der antiken Heilkunde zur Körper- und Krankenpflege verwendet. Es war und ist heute noch die Grundlage für die Herstellung von Salben und Pasten. Bereits Hildegard von Bingen (1098–1179) lobte das Öl zur Behandlung von Kopf- und Lendenschmerzen.
Bienenwachskompresse und -lappen
Sehr mild und tief wirksam
Temperierte Anwendung
Die Bienenwachskompresse gehört zu den äußerst milden und sehr wirksamen Anwendungen. Der angenehme Duft wird sehr geschätzt. Als Brustkompresse eingesetzt, lindert sie den Reizhusten und löst den zähen Schleim. Die Bienenwachskompresse mit ihrer spezifischen und lang andauernden Wärmeabgabe kann bei guter Verträglichkeit über Nacht angewendet werden. Sie eignet sich für gesunde Säuglinge ab sechs Monaten. Führen Sie die erste Anwendung unter Beobachtung tagsüber durch.
Anwendungsbereiche
• Husten/Bronchitis
• Beginnende Erkältung, Reizhusten, schmerzhaft und trocken
• Zur Stärkung der Atemwege und zur Vorbeugung von Erkältung
• Muskelverspannungen
Wirkung
• Mild und tief wärmend
• Durchblutungsfördernd
• Schleimlösend und schleimverflüssigend
• Hustenreizlindernd, beruhigend
• Stärkend auf die Atemwege
Kontraindikationen
Auf Hautveränderungen oder Hauterkrankungen im Bereich der Auflagestelle keine Kompresse auflegen.
Material
• Bienenwachslappen in Backtrennpapier (siehe Anhang; Größe entsprechend der Person: Erwachsene zirka 12 × 15 Zentimeter, für Kleinkinder den Bienenwachslappen halbieren oder vierteln)
• Wärm- beziehungsweise Bettflasche
• Heißes Wasser
• Warme Unterlage, zum Beispiel Holzbrett
• Rohwolle/Baumwollwatte roh, Fixationsmaterial



Durchführung
Schneiden Sie den Bienenwachslappen in die entsprechende Größe. Legen Sie ihn in der Hülle des Backtrennpapiers zwischen die mit heißem Wasser gefüllte Wärmflasche und die warme Unterlage. Der Bienenwachslappen wird weich, er darf aber nicht schmelzen. Prüfen Sie die Wärme, bei Säuglingen auf der eigenen Brust, und warten Sie, bis die Temperatur angenehm verträglich ist. Legen Sie den Bienenwachslappen auf die gewünschte Körperstelle, decken Sie ihn mit dem Rohwollekissen ab, und fixieren Sie die Kompresse mit dem entsprechenden Material.
Anwendungsdauer/Wiederholungen
• Die erstmalige Anwendung empfiehlt sich tagsüber 30 Minuten lang. Sie kann einmal täglich durchgeführt und nach Bedarf über mehrere Tage wiederholt werden.
• Bei guter Verträglichkeit kann die Bienenwachskompresse auch über Nacht angewendet werden.
• Der Bienenwachslappen kann bei derselben Person mehrmals verwendet werden, bis er nicht mehr nach Bienenwachs riecht.
• Erneuern Sie ihn nach einer Erkältungsphase.
Nachbehandlung
Die Auflagestelle warm halten und mit einem Rohwollekissen abdecken.
Hinweise
• Bei starker Allergie auf Bienenstiche empfiehlt sich zuvor eine Verträglichkeitsprüfung und eine gute Beobachtung während der ersten Anwendung.
• Vorsicht: Eine Bienenwachskompresse, im Nachgang zu einer Einreibung mit Erkältungssalbe aufgelegt, kann zu Hautreizungen führen. Bei Kindern können zudem vorübergehend Hitzebläschen auftreten.
Informationen für Fachleute
• Die Bienenwachskompresse ist eine milde, gut verträgliche Wärmeanwendung und kann bei betagten Menschen sehr gut eingesetzt werden.
• Als Brustkompresse zur Erkältungsvorbeugung unterstützt sie die Durchblutung. Dieselbe Kompresse darf immer nur bei derselben Person angewendet werden, da das Wachs von der Haut Stoffwechselprodukte aufnimmt.
• Bei der Erwärmung nimmt das Bienenwachs viel Wärme auf und gibt diese wieder langsam ab. Die Kompresse nimmt die Temperatur der Haut an und kühlt, im Gegensatz zu Stoffen wie Wasser, nicht weiter ab. Dies ermöglicht eine über Stunden anhaltende, milde und gleichmäßige Wärme. Der sanft angenehme Duft unterstützt zudem auf der seelischen Ebene die beruhigende Wirkung.
• Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind Muskelverspannungen und chronische nichtentzündliche rheumatische Beschwerden und Schmerzen.
Wissenswertes
• Das Stoffwechselprodukt der Bienen wird in den Wachsdrüsen der Arbeitsbienen gebildet. Das Wachs (Cera flava) ist in flüssigem Zustand und verfestigt sich nach dem Austritt beim Kontakt mit der Luft. Es schützt den Bienenkörper gegen Feuchtigkeit und dient zum Bau der sechseckigen Waben. Die Wachsdrüsen produzieren nur bei reichlich natürlicher Ernährung. Bei niedrigen Temperaturen (unter 15 °C) oder bei Regenwetter sondern die Bienen sehr wenig oder kein Wachs ab. Ein Bienenstock liefert pro Saison 0,8 bis 1,2 Kilogramm Wachs. Durch Einsetzen eines Baurahmens in den Bienenstock wird die Wachsproduktion angeregt. Neugebaute Waben sind weiß, durch Ausdünstungen und Beimengung von Propolis und Pollen färben sie sich hellgelb bis braun.
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