Read the book: «Fisch und Meeresfrüchte verarbeiten, haltbarmachen und vermarkten»

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Lars Müller

Fisch und
Meeresfrüchte

verarbeiten,

haltbarmachen und

vermarkten

DAS Handbuch für Produzenten,

Händler & Genießer


Leopold Stocker Verlag Graz – Stuttgart

Umschlaggestaltung:

DSR Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/Graz, www.rypka.at

Titelbilder: iStock.com/AlexRaths: oben; Lars Müller: unten.

Bildnachweis: free images: S. 114, 116 re, 152; Wolfgang Hauer: S. 57;

iStock/dulezidar: S. 117. 3. v. o, iStock/masaltof: S. 139

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ISBN 978-3-7020-1864-1

eISBN 978-3-7020-1976-1

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© Copyright by Leopold Stocker Verlag, Graz 2020

Layout und Repro: DSR Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/Graz

INHALT

FRISCHEKRITERIEN bei Süß- und Salzwasserfischen

Die Frische eines Produktes ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal

Allgemeine Frischekriterien bei Fischen

Ausnahmen & artspezifische Besonderheiten

Optik/Haptik

Geruch

Sensorische Besonderheiten der Knorpelfische

Die Krux mit den Kiemen

Warum sind die Kiemen zu entfernen?

Warum bleiben dann bei den meisten Fischen die Kiemen im Fisch?

FRISCHEKRITERIEN bei Meeresfrüchten

Krustentiere (Crustacea)

Hummer, Languste, Krabbe, Garnele, Kaisergranat, Flusskrebs

Weichtiere/Schalentiere (Mollusca)

Auster, Miesmuschel, Schwertmuschel, Kammmuschel (Tiefsee-Scallop, Jakobsmuschel), Venusmuschel

Krake/Oktopus/Pulpo, Kalamar, Sepia, Sepiole

IN UND AUS DEM FROST – Einfrieren, Auftauen & gefrorene Ware

Besonders interessant für Wiederverkäufer

Verbesserte Hygiene beim Befüllen von Beuteln

Sie bieten das Vakuumieren auch für Kunden an?

Lagerzeiten von Fischereierzeugnissen

In der Theke besser frisch

Frost vs. frisch

Krake/Oktopus/Pulpo

FISCHLOGISTIK –Transport & Lagerung

Gängige Transportgebinde von Fischereierzeugnissen

Verpackung im SB-Bereich

Verpackung im Versandhandel

Verpackung von Räucherware

Pappschachtel

Vakuumieren

Spankiste

Die Lagerung von Fischereierzeugnissen

Welche Eis-Form wird wo eingesetzt?

Ausnahme Scherbeneis

Die Bedeutung von Eis für Lagerung und Verkauf

Welche Aufgabe hat Eis dann noch, wenn das Kühlen von der Technik übernommen wird?

Eis in Maßen

Umpacken

Lagerung auf begrenztem Platz

Einfluss der Lagerung auf den Histamingehalt

Besonders reich an Histamin können sein

Lagerung optimieren

Das FiFo-Prinzip – „First in, first out“

FiFo leicht gemacht

WÜRMER IM FISCH – Über den fachgerechten Schutz vor Würmern und Nematoden

Wurmlarven im Salzwasserfisch

Fischbandwurm im Süßwasserfisch

Wenig appetitlich …?

Wie wird das „Inverkehrbringen“ von Würmern und Nematoden möglichst vermieden?

Maßnahmen entlang der Handelskette

Rohwarenproduzenten

Verarbeitendes Gewerbe

Verfahren des Durchfrierens

Verfahren des Salzens

Verfahren des Marinierens

Was tun, wenn der Kunde doch einen Wurm findet?

Vielleicht kann diese Argumentationsfolge helfen?

GIBT ES „DAS“ MESSER? – Werkzeug zur Fischverarbeitung

Auf die Schärfe kommt es an!

Die Filetier- oder Imkergabel

EINE FRAGE DER TECHNIK: Filetiertechniken – differenziert nach Fischart

Schnittverletzungen vermeiden

Rationelle Arbeitsweise

Werkzeug & Hygiene

Maschinelles Filetieren vs. Handarbeit

Oder: Handarbeit ist noch gefragt

Das Filetieren vom Rücken aus

Das Filetieren durch Stechen auf die Wirbelsäule

Filetiermethoden im Vergleich

FISCHHANDWERK Filetieren und Bearbeitung nach Fischart

Renken- oder Felchenfilet

Qualitätshinweis

Vermarktbare Nebenprodukte der Renke

Der „ausgezogene“ Barsch

Ruttenfilet

Nebenprodukte

Wels- oder Wallerfilet

Hechtfilet

Nebenprodukte

Weißfischfilet

Nebenprodukte

Eine Alternative zum Schuppen – der Schuppentaschenschnitt

„Praktisch grätenfrei“

Seeteufelfilet

Nebenprodukte

Lachsfilet

Übersicht der Trimmstufen und ihrer Bearbeitungsinhalte

Der Fleck muss weg

Sonderfall Pazifischer Wildlachs

Die „Global Player“ des Fischhandels und der Küche

„SIND DA GRÄTEN DRIN?“ Gräten im Muskelfleisch

Grätenfreier Fisch oder Teil vom Fisch

Praktisch grätenfrei (pgf) bearbeitet

Zwischenmuskel- oder Fleischgräten

1. Mechanische Anwendung

2. Säurebasierte Anwendung (Garen)

3. Enzymatische Anwendung (Reifen)

Das zweite echte Rippenpaar oder Stehgräten

VOM LOSLASSEN UND ENTSPANNEN – Der Starrezustand im Muskelfleisch

Beispiel aus der Praxis

Stehgräten entfernen

Wichtige Bearbeitungskürzel

Arbeitsempfehlung zum Entfernen der Stehgräten mit der Pinzette oder Zange

Whitefish-Processing

Der V-Schnitt

Der Pin-Bone-Remover

Arbeitsempfehlung zum Entfernen der Stehgräten mit dem Pin-Bone-Remover

ZUSCHNITTE Das Filet vom Filet

Was heißt eigentlich grätenfrei bzw. praktisch grätenfrei?

Übersicht der im Handel angebotenen Filetzuschnitte mit entsprechenden Parallelnamen

Loin, Rückenfilet, He-Loin, First Cut

She-Loin, Bauchfilet, Belly, Second Cut

Doppelfilet, „Lappen“ oder „Butterfly“

GANZFISCH-ZUSCHNITTE – Karbonade, Steak oder Kotelett

Zuschnitt für Rund- und Plattfische

Blutnetze in Karbonaden/Koteletts

Flecken von ganzen RundFischen

Das Schuppen von Fischen

„Blaukochen“

DER FISCH MACHT’S – Ernährungsphysiologische Unterschiede & Qualitätsmerkmale

Fisch ist gesund – jeder auf seine Art

Ernährungsphysiologische Qualitätsstufen beim Fisch anhand einiger Beispiele

1. Salzwasser/Kaltwasser

2. Salzwasser/Warmwasser

3. Süßwasser/Kaltwasser

4. Süßwasser/Warmwasser

Thunfisch-Qualitäten

Hälterung

Alternativen zur Hälterung

Vom „Mooseln“ besonders gefährdete Nutzfischarten

Rotes und gelbes Fischfleisch

Rotes Fischfleisch

Gelbes Fischfleisch

Blutungen im Fischfilet

„Runde“ bzw. nicht ausgenommene Fischereierzeugnisse

Beispiele für nicht ausgenommene Fischereierzeugnisse

Der so genannte „Ganzfisch-Ansatz“

NACHHALTIGKEIT Das Problem mit dem Fischmehl

Einige relevante Zuchtfische, die Fischmehl als Nahrung benötigen

„Du bist, was Du isst“

Biologisch erzeugte Fischereierzeugnisse

Wussten Sie’s?

Zertifizierter Wildfisch

Nachhaltiger Wildfang

Nachhaltige Aquakultur

Zertifizierung

Wildfang oder Zuchtfisch … oder haben wir überhaupt eine Wahl?

„Ist die Ware frisch?“

„Eignet sich die Ware für folgende Zubereitung?“

„Ist die Ware Wildfang oder Zucht?“

Versuchen Sie es dennoch – mit diesen Argumenten

Weitere Argumentationshilfen

Das Gute schwimmt so nah!

Heimischer Fisch – wortwörtlich ein „hidden Champion“?

Empfehlungen für den Einstieg bzw. die Platzierung im Lebensmitteleinzelhandel

EINKAUF, VIELFALT & KOMPETENZ – Drei Faktoren für erfolgreiche Fischvermarktung

Einkauf und Wertschöpfung der Ware

Nebenprodukte der Fischverarbeitung

Die Karkasse

Geeignete Karkassen zur Herstellung von Fischfond

Karkassenfleisch (Schabefleisch)

Die Bauchlappen

Die Fischleber

Kompetenz und Service im Verkauf

Feine Vielfalt

Ein Beispiel

Die Bestellung der Ware beim Lieferanten

Das Frischfischsortiment teilt sich in Konsumware und Exoten

Parallelnamen von bekannten Speisefischen

Übersicht der Parallelnamen oder ausländischen Bezeichnungen von gängigen Fischen und Meeresfrüchten

Ist die Schillerlocke ein Fisch und was für ein Lachs ist der Seelachs?

Brados

Bückling

Goldlocke

Grüner Hering

Kipper

Lachshering

Lachsersatz

Seelachs

Pilchard (Sardina pilchardus)

Seeaal

Schillerlocke

Victoriasee-Barsch

Stock- und Klippfisch

Kleine Begriffskunde für Garnelen

Krabben

Garnelen

Shrimps

Prawns/Kingprawns

Crevetten

Gambas

Camarones

Scampo/Scampi, Langoustine

Sortierung von Garnelen

Für einen schnellen Überblick im Tagesgeschäft ist diese Rechnung hilfreich

Nicht akzeptabel sind Überglasuren!

Qualitätsstufen bei Garnelen

Hummer

Sortierung von amerikanischem Hummer

Lebende Hummer – lieber nicht!

Alternativen zur Lebendhaltung

Muscheln

Kleine Austern-Kunde

Austern-Sortierungen

Umgang mit Austern

Convenience macht auch Miesmuscheln träge

Kammmuschel (Pectinidae)

KURZ UND SCHMERZLOS – Betäubung & Tötung von Fischereierzeugnissen

Betäubung

Töten mit dem Kiemenrundschnitt

Spezifische Tötungsmethoden

In Deutschland sind zur Zeit ausschließlich folgende Verfahren zur Betäubung und Tötung erlaubt

Das Kaltschlachtverfahren

Tötung durch Eiswasser oder in Eis

Das Ike-Jime-Verfahren

Tötungsmethoden im Vergleich

MARINADEN, Garbäder, Reifebäder, Beizen & Laken

Kurz- und Langzeitmarinaden im Vergleich

Säure und Salz – zwei Gegenspieler in der Marinade

Das Garbad oder Kaltmarinaden

Arbeitsempfehlung zum Garbad

Aufguss und Feinmarinade – der feine Unterschied

Aufguss

Anchosen

Das Reifebad

Arbeitsempfehlung zum Reifebad

Welches Salz für welches Erzeugnis?

Welche Korngröße wird verwendet?

Die Salzgare

Eine für die Praxis verlässliche Salzgare erhalten Sie mit folgendem Verfahren:

„DARF’S NOCH MEHR SEIN?“ – Vielfalt & Kompetenz an der Fischtheke

Die Realität sieht – leider – anders aus

Thekenbaugrundsätze

Besonderheiten von Kühltheken

Umluftkühlung

Statische bzw. stille Kühlung

Französische Theke

Aerosolen-Kaltnebel

„Eyecatcher“

Übersicht vertretbarer, relativ günstiger Schaufische bzw. Eyecatcher:

Tipps für die Verkaufstheke

Diese Fischereierzeugnisse benötigen eine Sonderbehandlung:

„IST DER AUCH FRISCH …?“ – Kundengruppen an der Fischtheke

Der Tiefkühlkunde

Der Forellenkunde

Der Doradenkunde

Der Bio-Kunde (eine seltene Spezies)

Abgabe an den Kunden

Verpackung – was am Ende übrigbleibt

GLOSSAR

Über den Fischmeister

FRISCHEKRITERIEN BEI SÜSS- UND SALZWASSERFISCHEN

„Frische beim Fisch? Nicht schon wieder …!“

Geht es in den Medien in irgendeiner Form um Fisch, ist zumindest ein Teil des Beitrags garantiert den Frischekriterien gewidmet.

Aber auch wenn’s nervt – Frische ist zu Recht ein Thema, denn bei einem so hochwertigen und gleichzeitig hoch verderblichen Lebensmittel, wie Fisch und v. a. Meeresfrüchte es sind, kommen wir um die Frischekriterien einfach nicht herum.

Und vielleicht gelingt es mir ja, auch dem erfahrenen Leser zu diesem Thema noch einen Wissenszugewinn zu bieten.


DIE FRISCHE EINES PRODUKTES IST EIN ENTSCHEIDENDES QUALITÄTSMERKMAL

Aussehen, Konsistenz, Geruch, Form und Farbe der Ware werden bewertet und beeinflussen in besonderem Maße den Marktwert und die Kaufentscheidung! Sichere Kenntnisse bei der Beurteilung der Frische sind ein wirtschaftlich entscheidender Faktor für alle Marktbeteiligten.

Die Bewertung der Frische bei Fischereierzeugnissen erfolgt sensorisch. Eine mögliche Bewertungsgrundlage kann hier das so genannte Karlsruher Schema bieten, welches in eine Skala von 1 (sehr schlecht) bis 9 (vorzüglich) unterteilt ist.

Eines der sichersten Frischekriterien ist die „Toten-Starre“ (rigor mortis). So lange sich ein Fisch in diesem starren Zustand befindet, ist er ausnahmslos frisch!

Allgemeine Frischekriterien bei Fischen

Augen sind klar und glänzend, nicht eingefallen.

Haut ist feucht bis stark schleimig und hat eine straffe Konsistenz.

Geruch ist nicht fischig bis artspezifisch.

Kiemen sind rot und nicht schleimig.

Rippen nicht aus Bauchhöhle abstehend.

Wenn die dünne Bauchhaut, welche die Rippen von innen bedeckt, dem Druck der Rippen nicht mehr standhalten kann, biegen sich diese in den Bauchraum. Grund kann eine weiche Fleischkonsistenz sein, die einerseits auf intensive Mast des Fisches oder aber auf eine bereits fortgeschrittene Zersetzung des Fischfleisches hinweist.

WICHTIG!

Die Beurteilung der Frische erfolgt nicht über ein einzelnes sensorisches Merkmal, sondern über die objektive Bewertung aller Kriterien.


Frischer Glanz der Haut


Klares, nicht eingefallenes Auge

AUSNAHMEN & ARTSPEZIFISCHE BESONDERHEITEN

Optik/Haptik

Doraden und Wolfsbarsche bekommen milchig bis graue Augen, wenn sie über längere Zeit mit Eis in Kontakt waren.

Die Haut von Salzwasserfischen ist eher nicht schleimig. Die Ausnahmen bilden Steinbutte, welche bei guter Frische einen grau bis schwärzlichen Schleim aufweisen.

Die Konsistenz der Haut bei frischem Kabeljau, Seezunge oder Steinbeißer ist weich.

Frische Heringe oder Sardinen besitzen einen roten Fleck auf den Kiemendeckeln.

Die Haut vom frischen Petersfisch ist glatt und seine Augen nicht eingefallen. Leider geschieht das Gegenteil recht schnell.

Geruch

Frischer Lachs und Stint riechen leicht nach Salatgurke oder Wassermelone.

Frische Renke und Stint riechen nach Dill.

Der Geruch frischer Äschen erinnert an Thymian.

Der Hecht „hechtelt“ – gemeint ist ein süßlicher Geruch.

Besonders nach Meer riechen Seeteufel, Schellfisch, Steinbeißer oder Wittling. Dies schwankt aber im Jahresverlauf, je nachdem, was die Fische gefressen haben und in welcher Tiefe diese gefangen wurden.


Auge des Wolfsbarschs: trüb und normal


Weiche Haut einer Seezunge


Roter Fleck auf dem Kiemendeckel von Sardinen


Eingefallenes Auge bei einem Petersfisch

Sensorische Besonderheiten der Knorpelfische

Ein manchmal störender Geruch nach Ammoniak ist zu finden bei Knorpelfischen, wie Hai oder Rochen. Diese reichern in ihrem Fleisch Harnstoff an, um bei der Osmose Energie zu sparen. Frische Rochenflügel beispielsweise können bereits innerhalb weniger Stunden äußerst unangenehm riechen!

Auch wenn der überwiegende Teil des Geruchs beim Kochen verfliegt, ist dieses sensorische Merkmal unbedingt erklärungsbedürftig und muss dem Kunden als Tipp vom Profi vermittelt werden.

KUNDENTIPP

Rochenflügel vorbereiten

Um frische Rochenflügel zu konservieren, werden diese kurz blanchiert, anschließend enthäutet und danach (in Ruhe) innerhalb weniger Tage zubereitet.

DIE KRUX MIT DEN KIEMEN

Die Kiemen als Bewertungsgrundlage für den Grad der Frische eines Fisches zu benutzen ist – leider – weit verbreitet und wird auch immer wieder kommuniziert. Kunden welche sich die Kiemen vom Verkäufer/-in zeigen lassen, sind keine Seltenheit. Hierzu ist ein relativ bekannter Spruch passend: „Der Fisch stinkt vom Kopf!“ Dieser Satz gilt nicht nur für manche Chefetage, sondern zu 100 % für den Umgang mit Frischfisch!

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Kiemen sind beim Schlachten zu entfernen! Wird der Fisch dann geschuppt und werden noch die Flossen entfernt, ist dieser küchenfertig.

Warum sind die Kiemen zu entfernen?

Als Atmungsorgan sind die Kiemen im lebenden Zustand stark durchblutet. Beim Schlachten nehmen sie über ihre große Oberfläche gestocktes Blut und etwaige Verunreinigungen leicht auf.

Diese Verunreinigungen und die filigrane Beschaffenheit der Kiemen (Lamellen) zersetzen sich nach dem Tod des Fisches recht schnell. Die dabei entstehenden Keime ziehen so vom Kopf aus über den Fisch hinweg. Ein Zeichen für die Anwesenheit solcher Keime sind schleimige Kiemen!

Solche Fische sind zwar nicht verdorben, doch die Bakterienbelastung im Kopfbereich der Fische hätte durch das Entfernen leicht vermieden werden können.

Warum bleiben dann bei den meisten Fischen die Kiemen im Fisch?

Wie so oft auf dieser Welt: Es geht ums Geld!

Eine Portionsforelle von ca. 350 g hat einen Kiemenanteil von ca. 25 g. Dieses zusätzliche Gewicht ist in Summe der täglich gehandelten Fische für die Produzenten nicht unerheblich. Das Argument vieler Erzeuger und Händler, dass die Kiemen zum Beweis der Frische im Fisch verbleiben sollten, ist nur in Ausnahmefällen wirklich berechtigt. Nämlich dann, wenn diese unmittelbar nach dem Töten vorzeigbar rot glänzend sind.

Meine Erfahrung in der Warenkundeschulung hat mir gezeigt, dass sich diese mangelhafte Überzeugung leider hartnäckig und fachübergreifend hält. So werden bereits in den Ausbildungsbetrieben verschiedener relevanter Berufe, wie beispielsweise der Gastronomie, die Kiemen als ultimatives Frischekennzeichen gelehrt.


Frische rote Kiemen


Schleimige Kiemen

FRISCHEKRITERIEN BEI MEERESFRÜCHTEN

KRUSTENTIERE (CRUSTACEA)

Hummer, Languste, Krabbe, Garnele, Kaisergranat, Flusskrebs

Bei frischen Krustentieren, wie Krebs und Garnele, platzt mit zunehmendem Grad der Alterung, verbunden mit der Lagerung auf Eis, die Spalte zwischen Rückenpanzer und 1. Schwanzsegment auf. Riecht es aus diesem Spalt beim Hin- und Herbewegen dieser beiden Panzer- bzw. Schalensegmente angenehm nach Meer und ist zudem das Fleisch glasig, ist die Ware frisch1.


Glasig schimmernde Panzerspalte


Die Panzerspalte zwischen Rückenpanzer und erstem Schwanzsegment

WEICHTIERE/SCHALENTIERE (MOLLUSCA)

Auster, Miesmuschel, Schwertmuschel, Kammmuschel (Tiefsee-Scallop, Jakobsmuschel), Venusmuschel

Sind die Muschelschalen zerstört oder weit geöffnet und schließen sich bei Berührung nach kurzer Zeit nicht, sind diese auszusortieren. Auch ihr Geruch sollte neutral oder leicht nach Meer riechen2.


KRAKE/OKTOPUS/PULPO, KALAMAR, SEPIA, SEPIOLE

Bei Kopffüßern ist der Geruch nach Ammoniak ein sicheres Indiz für fortgeschrittenen Verderb. Bevor es aber riecht, tritt v. a. bei Sepien und den kleineren Sepiolen eine gelbliche Verfärbung der hellen Haut auf.

Das Ablösen der pigmentierten Oberhaut bei Kalamaren ist ein erstes Signal für nicht mehr einwandfreie Ware.

Oktopus wird mit fortschreitender Lagerung hellgrau, verliert auch seine Haut und riecht ebenfalls zunehmend nach Ammoniak. Die Praxis zeigt aber, dass Kraken lange auf Eis gelagert werden können.


Gelbliche Verfärbung der Haut

Übrigens: Der Großteil der Ware kommt gefroren oder aufgetaut in den Handel.

ACHTUNG!

Ist die Ware aufgetaut, kommt es schneller zum Ablösen der Haut. Dann ist ein neutraler Geruch ausschlaggebend für die Frische.

Praxis-Check Küchenfertiges Zubereiten von Kalamar, Sepia, Krake/Oktopus

Kalamar, Loligo vulgaris, Loligo forbesii

Kopf und Körper trennen, Fischbein (Wirbelsäule) herausziehen und Eingeweide gründlich aus dem Körper entfernen.

Fangarme/Tentakel vom Kopf trennen, Schnabel herausdrücken.

Verwertbar sind Körper, Flossen und Fangarme/Tentakel.

Sepia

Schnabel ausdrücken.

Auswaschen der Bauchhöhle.

Wenn vorhanden, Schulp (Wirbelsäule) herausnehmen.

Krake/Oktopus/Pulpo

Schnabel ausdrücken.

Bei großen Exemplaren die Haut am Kopf leicht einschneiden und den Kopf enthäuten. Die Haut an den Fangarmen kann bleiben Schnabel herausdrücken Schnabel


Schnabel herausdrücken


Schnabel


Kalamar ganz


Kopf und Körper trennen


Eingeweide, Kopf und Tentakel/Fangarme, getrennt vom Körper


Tentakel/Fangarme abtrennen

Fortsetzung von S. 19


Schnabel herausdrücken


Fischbein (Wirbelsäule) herausziehen


Flossen entfernen


Haut abziehen


Flossen enthäuten


Küchenfertig: Körper, Flossen, Fangarme


Saubere Tentakel ohne Schnabel


Abfall: Fischbein, Eingeweide, Kopf, Haut

1 Teubner Küchenlexikon, Shrimps, Hummer & Langusten, S. 42.

2 Mehr zum Umgang mit Muscheln und fachlicher Kundenberatung auf S. 122.

IN UND AUS DEM FROST – EINFRIEREN, AUFTAUEN & GEFRORENE WARE

Für das Einfrieren von Fischen oder Teilen von Fischen empfiehlt sich das Vakuumieren in hochwertigen Vakuumierbeuteln aus dem Fleischereibedarf (diese Beutel bestehen aus einer Mischung aus Polyester und Polyamid).

WICHTIG! Beutelgröße

Achten Sie auf die Verwendung der passenden Beutelgröße!


Hochwertiger Gefrier- und Vakuuminierbeutel


Nuggeteis

Vakuumierbeutel sind vergleichsweise teuer (5–25 Cent/Beutel, Stand 2019) und Beutelabschnitte verursachen überflüssigen Müll.

Um so genannte Luftzieher zu vermeiden – also Beutel, die nach dem Vakuumieren wieder Luft ziehen –, wird bei spitzen Inhalten, wie Karkassen, ein zweiter Beutel darüber verwendet.

Spitze Rippen von einzelnen Fischhälften können mit einem Folien- oder Wachspapierstreifen belegt werden. Legen Sie die Ware zum Einfrieren flach und ohne Abstand zueinander in den Beutel. Das verkürzt das Durchfrieren und das Auftauen erheblich.

Besonders interessant für Wiederverkäufer

Eine ansprechende Optik der Frostware erzielen Sie mit unterschiedlichen Legerichtungen.

VERBESSERTE HYGIENE BEIM BEFÜLLEN VON BEUTELN

Schlagen Sie den Beutelrand vor der Befüllung um und benützen Sie zur Befüllung Schieber aus Kunststoff oder Edelstahl. Diese können für gängige Beutelgrößen angefertigt oder im Fachhandel bezogen werden. Ein Hineingreifen mit der Hand ist dann nicht mehr nötig.

Die Tüten werden mit dem Einfrierdatum, dem Namen des Erzeugnisses und der Produktanzahl versehen.

Sie bieten das Vakuumieren auch für Kunden an?

Berücksichtigen Sie alle damit verbundenen Kosten und kalkulieren Sie diese ggf. als Kostenaufschlag mit ein.


Befüllen von Vakuumtüten mittels Schieber

KUNDENTIPP

Schonendes Einfrieren

Als Alternative zum Vakuumiergerät kann das Gefriergut mehrlagig und straff in Klarsichtfolie eingewickelt werden.

Kleinere Fischteile oder Meeresfrüchte können im Gefrierbeutel, möglichst mit wenig Luft, sicher verpackt werden.

Ganze und v. a. große Fische können auch glaciert werden. Dafür wird der Fisch oder das Filet ohne Verpackung angefroren und kurz in Eiswasser (kaltes Wasser + Eis) getaucht. Dieser Vorgang kann wiederholt werden, bis sich eine Eisschicht um das Gefriergut gebildet hat.

Zum Schutz der Glasur kann das Gefriergut in Alufolie gewickelt werden.

LAGERZEITEN VON FISCHEREIERZEUGNISSEN


Fischereierzeugnis Lagertemperatur Lagerzeit
Fisch, mager, gefroren, vakuumiert –18 °C 7–9 Monate
Fisch, mittelfett, gefroren, vakuumiert –18 °C 5–7 Monate
Fisch, fett, gefroren, vakuumiert –18 °C 3–5 Monate

Lagerzeiten im Tiefkühlbereich für unterschiedlich fette Fische

Trotz des Vakuumierens sind die Lagerzeiten also begrenzt.

In der Praxis wird dem Gefriergut oft nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet. Nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“ überlagert die Ware im Tiefkühlbereich. Zu lange eingefrorene Ware verliert an Feuchtigkeit und Geschmack und bekommt teilweise eine strohige Konsistenz.

Hauptproblem bei der Überlagerung von Gefriergut ist aber die Oxidation von Fetten: Der Abbauprozess von Fetten wird durch das Einfrieren nicht gestoppt.

Intensives Marinieren oder Räuchern kann unter Umständen den Geschmack überdecken, sollte aber nicht die Lösung sein!

Sind Fette einmal oxidiert (ranzig), so verhält es sich wie beim unzureichend gehälterten Fisch – der negative Geschmack bleibt.

Fazit: Ein sichtbares Gefrierprotokoll muss von allen Beteiligten beachtet werden!

BEISPIEL

Doppel-Matjesfilet

Obwohl Salzwasserfisch im Tiefkühlbereich 2–3 Monate länger haltbar ist als Süßwasserfisch, so möchte ich an dieser Stelle den echten holländischen Matjes als Beispiel nennen.

Zu Beginn der Fangsaison (Mai, Juni) ist die Rohware Hering ein fetter Fisch (Fettgehalt mind. 12 % im verzehrbaren Anteil). Dieser wird, wie es die Gesetzgebung verlangt, nach der Reifung eingefroren. Der Fettabbau wird dabei aber nicht gestoppt und so kann Matjes, besonders am Jahresende, erheblich ranzig schmecken.

Meine Empfehlung: Ab Januar bis Juni (bis Verkaufsstart des Neufang) kein Doppel-Matjesfilet anbieten!

Betrachtet man den Anteil an Tiefkühlware (TK-Ware) beim Absatz von Fischprodukten, so lag dieser in den letzten Jahren bei ca. 25 %3.

Die Angebotsformen von TK-Fischereierzeugnissen für den Endverbraucher reichen vom ganzen Fisch mit Kopf bis hin zum fertigen Convenience-Filet mit Auflage (Schlemmerfilet). Der Preis ist wesentlich günstiger, der Zeitpunkt der Zubereitung ist weitestgehend frei wählbar und die Qualität mancher Produkte ist teilweise besser als die manch frischer Ware.

So ist z. B. ein komplettes Auftauen von Fischfilets (oder Portionen davon) für die Zubereitung im Backofen nicht unbedingt nötig. Das Auftauwasser enthält Geschmacksstoffe, welche bei der Zubereitung, beispielsweise in Pergamentpapier oder Alufolie, aufgefangen werden. Auch für das Braten in der Pfanne genügt es, TK-Ware nur ober flächlich aufzutauen.

In der Theke besser frisch

In der Frischfischtheke sollte möglichst wenig bereits gefrorene Ware präsentiert werden. Wird aufgetaute Ware angeboten, wird diese vorher langsam in der Kühlung aufgetaut.

WICHTIG! Vorher auftauen lassen

Bitte nie in der Verkaufstheke auftauen lassen!


Garnele mit Glasur

Beim Anblick von fast gefrorenen Garnelen oder Kalamartuben stellt sich so mancher Kunde zu Recht die Frage: „Warum hole ich das dann nicht direkt im TK-Bereich!?“

Grundsätzlich muss aufgetaute Ware mit dem Hinweis „aufgetaut“ oder „refreshed“ gekennzeichnet sein. Muss ein Fischereierzeugnis aus Gründen des Gesundheitsschutzes jedoch zuvor gefroren werden, so entfällt die Kennzeichnungspflicht. Bekanntestes Beispiel ist der Matjes.


Matjesdoppelfilet

Matjes nimmt leicht Gerüche von Zwiebeln oder Ähnlichem an. Für den Verkauf werden die gefrorenen Doppelmatjesfilets daher bedarfsgerecht aufgetaut.

FROST VS. FRISCH

Bei manchen Fischereierzeugnissen lässt sich das vorherige Einfrieren nicht vermeiden – in besonderen Fällen wirkt es sich sogar positiv auf die Qualität der Ware aus.

Krake/Oktopus/Pulpo

Das Zerstören des Zellgewebes durch den Prozess des Einfrierens macht sein Fleisch mürbe (weich). Beim „traditionellen“ Fang geschieht dies übrigens durch das Schlagen der Krake gegen Steine.

Ob ein Krake gefroren war, ist ohne Blick in die GMO-Unterlagen (Verbraucherordner) an den Tentakeln zu erkennen: Sind diese aufgerollt, ist er aufgetaut. Hängen sie schlaff nach unten, ist der Krake frisch.


Frischer Krake/Pulpo


Aufgetauter Krake/Pulpo

KUNDENTIPP

Vorkochen von Oktopus

Unabhängig davon, ob ein Oktopus bereits einmal gefroren war, muss er vor der eigentlichen Zubereitung für ca. 20 Minuten je 500 g in siedendem Wasser gegart werden.

Ob der Oktopus weich genug ist, wird durch Einstechen an der dicksten Stelle zwischen Kopf und Tentakeln geprüft. Ist die Konsistenz zart genug, nimmt man ihn aus dem Topf und lässt den Pulpo auskühlen. Das Wasser, welches nun rot gefärbt ist, kann gut als Flüssigkeitsersatz in Gerichten, wie Risotto, verwendet werden.

Andere Kopffüßer oder Teile von ihnen, wie Kalamar, Sepia, Moschuskrake, Tintenfischzöpfe und Tuben, müssen vor der Zubereitung nicht gekocht werden. Werden diese Erzeugnisse aufgetaut zubereitet, sind die Garzeiten sehr kurz.

Tintenfischringe oder -filets werden übrigens auch in Salzlake gehandelt und sind damit ebenfalls küchenfertig.

Sind Fischereierzeugnis in ihrer Beschaffenheit oder aufgrund ihres Transportweges ohnehin leicht verderblich, kann die Wahl für das gefrorene Erzeugnis vorteilhaft sein. Dies gilt vor allem für Hummer, Languste, Langoustine/Kaisergranat, Krebsscheren, Garnele, Sardellen, Sepiole.

Übersicht gängiger Auftauware

Schwarzes Heilbuttfilet

Pangasiusfilet

Tilapiafilet

Garnelen, ganz, oder Garnelenschwänze

Langgusten- und Hummerschwänze, Hummerfleisch

Oktopus/Pulpo/Krake

Kalamare/Kalamaretti

Kalamartuben, -ringe oder -filets

Kamm- und Jakobsmuschelfleisch

Sepiole

3 Fisch-Informationszentrum, Stand 2017

FISCHLOGISTIK – TRANSPORT & LAGERUNG

GÄNGIGE TRANSPORTGEBINDE VON FISCHEREIERZEUGNISSEN

Sollen frischer Fisch, Teile von frischen Fischen oder Meeresfrüchte transportiert oder gelagert werden, haben sich auf Wiederverkäuferebene Transportkisten mit Ablauflöchern bewehrt. Die Ware liegt in den „Fischkisten“ in oder unter Eis, ein Deckel ist nicht unbedingt nötig.

Wird aus Gründen der Transportsicherheit die Kiste mit einem Deckel versehen und fest verschlossen, sollte ein Verbrauchsdatum oder Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) aufgedruckt werden.


Fischkiste Kunststoff


Fischkiste Styropor

BEACHTEN SIE

Deckel haben eine isolierende Wirkung und verhindern das Eindringen der meist kühleren Gebläseluft des Kühlaggregates. Entfernen Sie bei frischen Fischereierzeugnissen, die sich in einer stationären Kühlung, wie in einer Kühlzelle oder einem Kühlschrank befinden, die Deckel!

Bei Räucherware hingegen sollten die Transportbehälter geschlossen bleiben, um die Ware vor Austrocknung zu schützen.

Eine typische Fischtransportkiste ist aus Styropor, aus Einwegkunststoff oder aus robustem Mehrweg-Kunststoff.

Letztere werden mittels Pfandsystem wiederverwendet und sind damit als Transportkiste zu bevorzugen.

Vorteil: Die Styropor- und Mehrweg-Kisten verfügen über Löcher am Boden der Kiste, aus dem Schmelz-, Kondens- und Gewebewasser ablaufen kann.

WICHTIG! Grundsatz der Lagerung

Dadurch wird ein wichtiger Grundsatz beim Lagern von Fischereierzeugnissen erfüllt: Die Ware darf nie im Wasser liegen!

Wird dieser Grundsatz beim Transport bzw. der Lagerung beachtet, so kann die Haltbarkeit der Ware verlängert werden.

Allgemein kann durch Sorgfalt und das Einhalten von gewissen Lagergrundsätzen (siehe S. 13 ff.) die Frische von Fischereierzeugnissen länger gewährleistet werden.

Alle an der so genannten Kühlkette beteiligten Personen müssen sich dessen bewusst sein!

VERPACKUNG IM SB-BEREICH

Im Selbstbedienungsbereich haben sich für einige Fischereierzeugnisse in den letzten Jahren u. a. versiegelte Kunststoffschalen mit Saugvlies als Verpackung etabliert. In den Kunstoffschalen befindet sich eine so genannte Schutzatmosphere (MAP-Modified Atmosphere Packaging), welche das Keimwachstum und bedingt die Verfärbung (Oxidation) der Erzeugnisse bremst. Das Saugvlies in den Kunstoffschalen kann jedoch nur im begrenzten Maß Flüssigkeit aufnehmen. Gegen Ende des Verbrauchsdatums kann somit eine gewisse Menge an Flüssigkeit ständig im Kontakt mit dem Erzeugnis sein, was die Qualität negativ beeinflusst.

VERPACKUNG IM VERSANDHANDEL

Der Versandhandel von kühlpflichtigen Fischereiprodukten verläuft für Frischfisch oder Teile von frischem Fisch in geschlossenen Isolierboxen/Styroporbehältern mit Cool Packs. Hier ist der Inverkehrbringer (Absender) für die vorgeschriebene Kühltemperatur während des Versands verantwortlich.

VERPACKUNG VON RÄUCHERWARE

Pappschachtel

Zu den vernünftigsten und zugleich umweltbewusstesten Transportgebinden bei Räucherware gehört die Pappschachtel. Räucherware gilt es grundsätzlich vor Austrocknung zu schützen. Dafür kann die Ware in Pergament oder Wachspapier eingeschlagen werden.

Vakuumieren

Das Vakuumieren ist auch eine gute Möglichkeit, um Räucherware frisch zu halten. Ein Grundsatz für das Vakuumieren ist, neben einer hygienischen Arbeitsweise, das zuvor sorgfältige Auskühlen frisch geräucherter Ofenware. Hintergrund ist die Prophylaxe gegen das äußerst gefährliche Bakterium Clostridium Botulinum.

Spankiste

Diese traditionelle Verpackung für Räuchersprotten sieht man leider immer seltener. Die Sprotten dürfen in der Verkaufstheke auch direkt in der Spankiste präsentiert werden.


Geräuchertes Heilbuttmittelstück in einer Pappschachtel mit Wachspapier

Allgemein herrscht rund um das Thema Verpackung eine wachsende Dynamik am Markt. Viele Anbieter von Umverpackungen möchten Lösungen anbieten und auch entwickeln, die dem Aufruf der Verbraucher nach weniger Verpackungsmüll gerecht werden.

DIE LAGERUNG VON FISCHEREIERZEUGNISSEN

Der Transport und die Lagerung von Fisch und Meeresfrüchten vermischen sich in der Praxis und gehen in der Regel ineinander über, denn der Transport kann genauso als kurzzeitige Lagerung gesehen werden. Es ist also unerheblich, ob es sich um eine mobile oder stationäre Lagerhaltung handelt.


Fischereierzeugnis Lagertemperatur Lagerzeit
Fisch, frisch Krusten-, Schalen- und Weichtiere, frisch 0–2 °C abhängig von Frischekriterien, Lagerhaltung, allgemeiner Sorgfalt (z. B. Kiemen entfernen, Staunässe vermeiden)
Weichtiere, lebend 2–7 °C Abpackdatum + 1 Woche
Krustentiere, lebend 5–10 °C abhängig nach Art, siehe allgemeingütiges Merkblatt Hummerhälterung (siehe S. 121)
Fisch, geräuchert, offen 4–7 °C ca. 10 Tage, vor Austrocknung schützen
Fisch, geräuchert, vakuumverpackt 4–7 °C ca. 21 Tage
Fisch, roh, mariniert 0–2 °C 2–3 Tage
Fisch, zubereitet 4–5 °C 2–3 Tage
Krustentiere, gekocht 0–2 °C siehe MHD bzw. 2–3 Tage

Lagertemperaturen und Lagerzeiten verschiedener Fischereierzeugnisse

WELCHE EIS-FORM WIRD WO EINGESETZT?

Je nach Fabrikat der Maschine kann Eis in unterschiedlichen Formen hergestellt werden. In der Praxis ist Flockeneis, Nuggeteis, Cubeeis, Brucheis und Scherbeneis im Einsatz.

Für Frischfisch und Meeresfrüchte ist Eis mit einer geringeren Oberflächentemperatur ideal, denn dadurch wird Gefrierbrand auf der Oberfläche vermieden.

Bis auf Scherbeneis erfüllen die oben genannten Eis-Formen mit einer Oberflächentemperatur von nur –0,5 °C diese Anforderung. Sie haben eine lang anhaltende Kälteleistung und verklumpen nur geringfügig.


Ausnahme Scherbeneis

Werden Fisch und Meeresfrüchte transportiert und ist eine höhere Umgebungstemperatur zu erwarten, kommt Scherbeneis zum Einsatz. Die Oberflächentemperatur liegt bei ca. –7 °C und die Kälteleistung ist damit höher.

Scherbeneis bildet außerdem eine relativ glatte Oberfläche, die in den Transportkisten keine Druckstellen auf der Ware hinterlässt.

Neben der Anforderung an die Eis-Form ist die Wasserhärte am Einsatzort eine weitere wichtige Entscheidungshilfe bei der Wahl des Eisbereiters.

Eine Scherbeneismaschine beispielsweise benötigt keine fest installierte Wasserenthärtungsanlage – selbst wenn Kalk im Trinkwasser ein Problem für technische Geräte ist.

Maschinen zur Herstellung anderer Eisformen benötigen diese Anlage aber zwingend!

Praxis-Check

Hygiene und Sorgfalt bei der Eisherstellung

Das Reinigen der Eismaschine muss fest im Reinigungsplan stehen und auch wirklich durchgeführt werden.

Je nach Betriebsstunden und Bauart müssen Bauteile wie der Auswurfschacht, der Vorratsbehälter, die Schnecke und die Verdampferwanne gereinigt und desinfiziert werden, um Ablagerungen und kältetolerante Bakterien zu entfernen. Moderne Eismaschinen haben für gewisse Bauteile bereits eine Selbstreinigungsfunktion.

Der Kostenfaktor zur Herstellung von Eis ist nicht zu vernachlässigen!

Alle beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen Eis entsprechend wirtschaftlich verwenden und einen sorgsamen Umgang mit der Maschine pflegen.

DIE BEDEUTUNG VON EIS FÜR LAGERUNG UND VERKAUF

Die Bedeutung von Eis als Kühlmittel zur Lagerung war vor dem Einzug von Kühlaggregaten enorm groß. Salzwasserfisch wurde von den Küsten bis weit in das Landesinnere, auf mäßig ausgebauter Infrastruktur, transportiert. Die Transportdauer war länger und die Kühlleistung von Eis zeitlich begrenzt. Manche Erzeugnisse hatten durch den relativ langen Weg bis zum Verbraucher bereits einen gewissen „Stich“ und haben intensiver nach Fisch gerochen. Dieser Geruch sollte in gewissem Maße durch das Säuern mit Genusssäuren neutralisiert werden.

WICHTIG! 3-S-Regel

„Säubern, Säuern, Salzen“

Die Bekannte 3-S-Regel hat ihren Ursprung aus eben dieser Zeit.

Die Frische von Fisch und Meeresfrüchten ist durch eine meist lückenlose Kühlkette heutzutage entschieden besser. Kühlgeräte gehören zum gewerblichen Standard.

Welche Aufgabe hat Eis dann noch, wenn das Kühlen von der Technik übernommen wird?

Zum einen gewährleistet Eis den Abtransport von Mikroorganismen, Keimen und Verunreinigungen durch das entstehende Schmelzwasser. Das Eis in der Lagerhaltung benetzt die Oberfläche. Entstehendes Schmelzwasser transportiert Keime und kleinere Verunreinigungen ab. Damit es abfließen kann, ist der Einsatz von Lochkisten oder Abtropfeinsätzen die Grundvoraussetzung für das richtige Lagern von Fisch und Meeresfrüchten!

Soll Fisch außerdem schnell heruntergekühlt werden, ist Eis mit die beste Wahl. In der Industrie erfolgt dies über so genannte Blast-Chiller.

Eis als reines Kühlmittel ist also nur noch bei der Abgabe der Ware an den Kunden nötig und kann ihm als Serviceleistung kommuniziert werden.

Eis in Maßen

Aus praktischer Erfahrung sollten frische Fischereierzeugnisse mindestens zwei Mal täglich in der Kühlung nachvereist werden. Dieses erneute Einbetten in Eis sollte mit Sorgfalt und Verstand geschehen.

Das Motto „Viel hilft viel“ führt bei Abtropfeinsätzen schnell zu Staunässe, wenn der Raum zwischen Kiste und Abtropfeinsatz mit Schmelzwasser gefüllt ist. Vermeiden Sie übermäßiges Auffüllen mit Eis bei gestapelten Fischkisten.

Fehlender Abstand zwischen den Kisten presst die enthaltene Ware zusammen! Das Ergebnis: Lagerschaden.

Frische, stark schleimende Fische, wie Karpfen oder Saibling, können die ersten 48 Stunden ohne Eis gekühlt werden und anschließend mit einer Folie vor Eis geschützt werden.


Skizze einer Lochkiste

UMPACKEN

Müssen Fischkisten aus hygienischen Gründen oder zur Vorbeugung gegen Bruchsicherheit (bei Styrophorkisten) umgepackt werden, empfiehlt sich der Einsatz von Kunststoffbehältern mit Abtropfeinsatz.


Behälter eines Fischkühlschranks mit Abtropfeinsätzen

LAGERUNG AUF BEGRENZTEM PLATZ

Ist das Platzangebot begrenzt, beispielsweise in einem Kühlschrank, kann in transparenten Kunstoffbehältern ohne Umwälzen/Umstapeln der Inhalt der Behälter gesichtet werden.


Transparenter Behälter mit Tropfeinsatz

EINFLUSS DER LAGERUNG AUF DEN HISTAMINGEHALT

Histamin ist ein Stoffwechselprodukt, das von Bakterien aus der Aminosäure Histidin gebildet wird. In Deutschland leidet ca. 1 % der Bevölkerung an einer Histamin-Intoleranz.4

Besonders bei Verarbeitungs- und Reifeprozessen in Lebensmitteln kommt dieses Abbauprodukt konzentriert vor. Vermeiden kann man die Bildung von Histamin nicht. Eine strikte Kühlkette verhindert aber die exponentielle Anreicherung.

Besonders reich an Histamin können sein:

Fischkonserven

Erzeugnisse aus Gar- und Reifebädern (z. B. Matjes)

Thunfisch

Boniten und Makrelen

Schwertfisch

Praxis-Check

Lagerung von Thunfisch

Wird ein frischer Thunfisch-Loin oder ein Filet über 5 °C gelagert, verdoppelt sich der Histamingehalt ca. alle 20 Minuten! Dies ist die ungefähre Zeitspanne, welche Bakterien zur Zellteilung benötigen.

LAGERUNG OPTIMIEREN

Immer wieder sehe ich in der Praxis, wie Lagerzeiten von Fischereierzeugnissen durch mangelnde Sorgfalt verkürzt werden. Teilweise muss Ware aufgrund von falscher Lagerung sogar entsorgt werden!

Seien Sie sich bewusst: Der wirtschaftliche Erfolg beginnt im Kühlhaus oder Kühlschrank.

Das FiFo-Prinzip – „First in, first out“

Der einfache Grundsatz des FiFo-Prinzips ist in der gesamten Lebensmittelwirtschaft gültig.

Es besagt schlicht, dass das, was als Erstes in den Bestand an verderblicher Ware hineinkommt (Wareneingang), als Erstes wieder hinausgehen soll (Warenausgang).

Ein Prinzip, das in fast jedem Haushalts-Kühlschrank selbstverständlich angewandt wird.

FiFo leicht gemacht

Eine einfache Möglichkeit zur Umsetzung des FiFo-Prinzips in der Praxis ist eine Farbmarkierung. So könnten zum Beispiel drei Farben für drei Anliefer- oder Produktionstage eingeführt werden.

Montag = Grün

Mittwoch = Blau

Freitag = Schwarz

Markiert wird mit Wachsstift an den Kisten oder durch Farbkarten in der Kiste.

In der Gastronomie oder dem Lebensmitteleinzelhandel können kleinere Handelsmengen auch durch ein immer gleiches Unterbringen/Stapeln in Regalen je Arbeitstag erfolgen.


Fischkisten mit schwarzer Wachsstiftmarkierung

Im Grunde recht banal oder?

Und trotzdem: In der Praxis geht es selbst bei kleineren Mengen teilweise im wahrsten Sinn des Wortes „drunter und drüber“!

Gestalten Sie also Ihre Lagerhaltung so übersichtlich und einfach wie möglich. Sie sparen Zeit und bares Geld (allein schon wegen der kürzeren Öffnungszeit der Kühlung).

Praxis-Check

Lagerung – auf einen Blick

Staunässe verhindern.

Mit Maß und Sorgfalt vereisen.

Rotfleischige Ware mit Folie vor Ausfärbung schützen.

Anschnitte ganzer Fische komplett mit Eis bedecken.

Deckel von Transportgebinden bei Fisch und Meeresfrüchten entfernen; Ausnahme bei Räucherware.

Möglichst keine Lagerung unter dem Kühlaggregat (tropfendes Kondensat)

Lebende Krustentiere und Muscheln nie direkt auf Eis lagern! Zugluft vermeiden und Temperatur beachten (2 bis –7 °C).

Blutende Ware, wie Sardinen und Makrelen, zuunterst lagern.

Stark schleimende Ware, wie Saiblinge oder Karpfen, zuunterst lagern; mit Folie vor Eis schützen

4 aerzteblatt.de, Zugriff am 19. 02. 2019.

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0+
Volume:
277 p. 230 illustrations
ISBN:
9783702019761
Copyright Holder::
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