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Kerstin Teschnigg
Teufelsjahr
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
EPILOG
DANKE…
Impressum neobooks
Prolog
Teufelsjahr Kerstin Teschnigg 02/2020
Klappentext
Kann ein Ereignis das ganze Leben verändern? Kann eine einzige Nacht alles zerstören? Kann eine Tat eine Liebe auseinander reißen? Auch wenn es noch so unglaublich ist, die Antwort ist Ja.
Alexandra führt ein glückliches Leben. Behütete Kindheit, schöne Jugendjahre, perfekte Ausbildung und eine große Liebe. Doch all das ist nichts mehr wert, wenn ein Mensch es in wenigen Minuten zerstört. Mit einer einzigen abscheulichen Tat. Ohne Rücksicht. Ohne Skrupel. Ohne Reue. Grausam und menschenunwürdig.
Alexandra fällt in ein tiefes Loch und kann sich nicht mehr aus der für sie fatalen physischen und psychischen Lage retten. Nichts und niemand scheint ihr helfen zu können. Nicht einmal ihre große Liebe. Ihr Leben scheint sinnlos geworden zu sein. Alles was ihr so wichtig war, hat keinen Wert mehr, ein Mensch hat ihr alles genommen.
Am Ende des Jahres trifft sie eine Entscheidung. Ein Anfang – Ein Ende.
Happy End – ausgeschlossen. Oder vielleicht doch nicht?
Ich schließe meine Augen. Die Dunkelheit ist kaum erträglich. Der Teufel lacht mir aus der Versenkung zu. Laut. Höhnisch. Es scheint, als würden seine roten Hörner brennen. Mein Plus wird schneller. Ich versuche ruhig zu atmen, so wie ich es in der Therapie gelernt habe. An etwas Schönes denken. Die schlimmen Erinnerungen nicht mehr an mich heran lassen. Es hilft nichts. Es gibt nichts Schönes woran ich denken kann. Nicht im Moment. Mein Herz rast. Der Teufel beginnt meinen Körper zu berühren. Überall. Ich kann mich nicht bewegen, mich nicht wehren. Er lacht noch lauter und keucht in mein Ohr. Ich halte meine Ohren zu und reiße panisch meine Augen auf. Schnell mache ich das Nachtischlicht wieder an. Das sanfte Licht holt mich langsam zurück. Meine Hände zittern. Es ist nicht möglich ruhig zu atmen. Meine Haut beginnt zu jucken. Ganz besonders schlimm ist es an meinen Innenschenkeln. Ich kratze mich unaufhörlich, aber es wird nicht besser. Es ekelt mich. Es ekelt mich vor mir selbst und allem was meinen Körper berührt. Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr.
Kapitel 1
Weihnachten 2009 – 24. Dezember
LEXI
Ich sitze am großen, weihnachtlich dekadent gedeckten Esstisch und starre auf den geschätzt drei Meter hohen Christbaum, der in ausladendem Gold geschmückt ist. Mama hat sich wieder einmal wie gewohnt ins Zeug gelegt. Wochenlang war sie mit den Vorbereitungen für das heurige Weihnachtsfest beschäftigt. Putzen, backen, einkaufen, sie rotierte förmlich. Heute sieht sie zufrieden aus. Mein Vater hält wie jedes Jahr die Rede zur Weihnacht. Es ist so langweilig, dass ich immer wieder versuche mir mein Gähnen nicht anmerken zu lassen. Ich lehne mich zurück und lasse meinen Blick um die Tafel herum schwenken. Papa trägt seine beste Krawatte, wie immer zu Weihnachten. Er erzählt etwas von Familie und Liebe und irgendwelchen Werten. Immer wieder das gleiche Blabla. Von wegen Werte. Er ist sowieso das ganze Jahr geschäftlich unterwegs. Wenn er Mama nicht hätte, die zu Hause alles am Laufen hält, wäre er ganz schön aufgeschmissen. Mama sagt immer, wenn er nicht so viel arbeiten, und das ganze Geld nach Hause bringen würde, täten Bettina und ich ganz schön blöd aus der Wäsche schauen. Dann könnten wir uns unseren kostspieligen Lebensstil nicht leisten. Ich sehe zu meiner großen Schwester Bettina. Sie ist um zwei Jahre älter als ich. Ich seufze nicht hörbar durch. Den kostspieligen Lebensstil hat wohl eher sie als ich. Schon allein das ganze Geld, das sie für ihre Erscheinung ausgibt, ist zum Kopfschütteln. Klamotten, Kosmetik, Frisör. Ja, sie ist eine Erscheinung, das muss ich neidlos eingestehen. Obwohl, neidlos ist gelogen. Sie ist eine schneewittchengleiche Schönheit, mit langen, seidigen - schwarzen Haaren bis zur Hüfte und strahlend grünen Augen. Dazu noch ein porzellanheller Teint, ohne jeglichen Makel. Ich dagegen…Ich schüttle für mich selbst den Kopf. Kastanienbraue Wuschellocken, die irgendwie nie länger als bis zur Schulter werden und unzählige Sommersprossen rund um meine Nase, die mir viel zu stupsig erscheint. Außerdem bin ich um mindestens zehn Zentimeter kleiner als sie und im Vergleich zu ihr komplett flachbrüstig. Ich sehe an mir hinunter. Ja…flachbrüstig. Mein Aussehen ist im Gegensatz zu ihr ein Desaster. Um es weihnachtlich auszudrücken: Sie ist die Elfe, ich der Gnom. Kein Wunder, dass ihr die Jungs reihenweise nachlaufen. Sie braucht nur mit dem Finger zu schnippen und schon tanzen sie alle nach ihrer Pfeife. Zum Glück ist sie die meiste Zeit in Wien wo sie Modedesign studiert. Mama lächelt mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und signalisiert mir meine Schultern nicht so hängen zu lassen, und mich gerade hinzusetzen. Ich richte mich genervt durchatmend auf.
„…und ich freue mich ganz besonders, dass meine Tochter Bettina ihren Freund Tobias mitgebracht hat. Wie schön, dass du heute mit uns dieses Fest der Familie feierst.“
Bettina reckt ihr Kinn selbstbewusst in die Höhe und grinst zufrieden. Tobias Leitner, der neue Freund von Bettina sitzt dagegen etwas wortkarg neben ihr und scheint ein wenig verlegen über Papas ausschweifende Worte zu sein. Ich würde sogar sagen, er ist ein bisschen rot geworden. Etwas genervt verdrehe ich die Augen. Auch wenn ich vor ein paar Wochen achtzehn geworden bin, Papa würde es nie erlauben, er würde durchdrehen wenn ich zu den Feiertagen einen Freund anschleppe. Wobei, ich wüsste gar nicht wen ich mitbringen sollte. Meine Schultern sacken wieder ein bisschen ein.
„Heidi, ich glaube wir können jetzt essen“, lächelt Papa meine Mama an, die ihm warmherzig zunickt und aufsteht.
„Alexandra, hilfst du deiner Mutter bitte, du scheinst ja ohnehin mächtig gelangweilt zu sein.“ Er wirft mir einen ernsten Blick zu.
„Ja Alexandra, hilf doch Mama…“, lästert Bettina und legt ihre Hand auf die ihres geliebten Schnuckelchens. Ich hasse es, Alexandra genannt zu werden und das weiß sie ganz genau. Sie grinst mich schadenfroh an, was ich nur allzu gerne zurückgebe. Ich reiße mich aber zusammen und unterlasse es der weihnachtlichen Ruhe zuliebe, ihr die Zunge heraus zu strecken. Tobias kämpft mit einem Grinsen und sieht weg, als ich zu ihm sehe. Er ist so ein blöder Trottel. Ein ziemlich einfältiger Typ. Zwar gutaussehend, aber erfahrungsgemäß sind alle hübschen Jungs Deppen. Außerdem ist er wie Bettina von Sport und Fitness besessen. Man muss ihn dafür nicht besonders gut kennen, das erkennt man auf den ersten Blick. Groß. Durchtrainiert. Lässig. Cool. Eingekleidet mit den topaktuellen Sportmarken. Er ist einer der Typen die ständig nach der perfekten Braut suchen, und sich dabei auf Äußerlichkeiten beschränkt. Eben solche Mädchen wie meine Schwester. Für mich leicht durchschaubar. Mal sehen, wie lange es dauert, bis er sie satt hat. Obwohl sie viel mehr verdient hätte. Zusätzlich scheint er ziemlich verwöhnt zu sein. Sein Vater ist ein bekannter Zahnarzt in Wien, Geld dürfte also keine Rolle spielen. Er selbst studiert auch Zahnmedizin, auch wenn er meiner Meinung nach mehr Zeit mit irgendwelchen Reisen und bei Sportveranstaltungen verbringt. Für seine fast zweiundzwanzig Jahre wirkt er nicht besonders reif. Ich ignoriere die beiden Turteltäubchen und helfe Mama die Vorspeise zu servieren. Nach dem Essen gibt es Bescherung. Ich komme mir heute mächtig unnötig vor. Mama, Papa, Bettina und Tobias sind die Traumpaare des Abends. Ich sitze allein in einer Ecke und freue mich zwar über den neuen iMac den ich bekommen habe, bin aber trotzdem weiterhin genervt. Darum entschließe ich mich ganz unaufgefordert das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen. Nachdem ich damit fertig bin, sehe ich noch einmal ins Wohnzimmer.
„Ich geh schlafen, ich bin müde.“
Mama sieht auf die Uhr. „Jetzt schon? Es ist doch noch nicht einmal zehn. Setz dich doch noch ein bisschen zu uns…“
„Nein…Gute Nacht.“ Ich setze ein gespieltes Lächeln auf.
In meinem Zimmer kuschle ich mich in meinen warmen Pyjama und drehe den Fernseher auf. Wie jedes Jahr zu Weihnachten läuft der gleiche Blödsinn. Kurz vor Mitternacht reicht es mir dann, ich bin wirklich müde. Auf dem Weg ins Badezimmer denke ich darüber nach, wie ich die nächsten Tage voll geschwollener Familienidylle überstehen soll. Gedankenversunken öffne ich die Badezimmertür und bleibe stocksteif stehen. Tobias knabbert lediglich mit Boxershorts bekleidet an Bettinas Hals, die kichernd ihren Kopf in den Nacken legt.
„Gott…habt ihr kein Zimmer, oder könnt ihr nicht zumindest abschließen?“, beschwere ich mich und drehe mich genervt um.
„Du brauchst dich gar nicht so aufzuregen, du bist doch nur neidisch!“, ruft mir meine Schwester hinterher.
„Ich wüsste nicht worauf“, blöcke ich zurück.
„Dann brauchst du auch gar nicht rot zu werden“, fügt sie noch hinzu.
Ich werfe meine Zimmertür hinter mir zu und schüttle den Kopf. „Warum sollte ich denn rot werden…“, murmle ich in mich hinein.
Ein paar Minuten später höre ich die beiden an meinem Zimmer vorbeikichern. Ja…sehr witzig. Alles sehr witzig. Ich mache mich erneut auf den Weg ins Badezimmer um mir meine Zähne zu putzen. Als ich fertig bin, begegnet mir Tobias schon wieder am Gang. Zumindest hat er sich jetzt ein T-Shirt angezogen. Ich sehe ihn nicht an.
„Gute Nacht Lexi“, sagt er im Vorbeigehen.
„Gute Nacht…“, murmle ich.
Er bleibt ein paar Schritte weiter stehen. „Ach Lexi…“
Ich sehe auf.
„Entschuldige wegen vorhin.“
„Schon gut.“ Ich sehe wieder weg und gehe in mein Zimmer.
31. Dezember 2009
Irgendwie habe ich die letzten Tage überstanden. Ich bin froh, dass Bettina und Tobias heute zurück nach Wien fahren. Dieses ewige Geschmuse geht mir bereits mächtig auf die Nerven. Sie sind irgendwo zu einer Silvesterparty eingeladen. Ich weiß nicht warum, aber die letzte Zeit komme ich mit meiner Schwester nicht besonders gut aus. Von meiner einst besten Freundin ist nicht viel übrig geblieben, sie ist schrecklich egoistisch und oberflächlich geworden. Aber so ist es wohl. Wir haben uns in den letzten Jahren einfach in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Sie in Wien. Ich in Graz. Früher war ich mir sicher, auch in Wien studieren zu wollen, aber jetzt will ich das absolut nicht mehr. Ich werde im nächsten Herbst mit Rechtswissenschaften in Graz anfangen. Papa meint immer es könnte eine äußerst gefürchtete Richterin aus mir werden. Man wird sehen. Ein Schritt nach dem anderen. Ich muss erst einmal anfangen. Keine Ahnung warum, aber ich kann heute schon seit kurz nach fünf Uhr morgens nicht mehr schlafen, obwohl ich hundemüde bin. Ich krabble aus meinem Bett und schlüpfe in meinen Morgenmantel. Im ganzen Haus ist es noch leise. Darum gehe ich ebenso leise nach unten und setze Teewasser auf. Weil es gar so still ist, mache ich das Radio an und sehe aus dem Fenster. Auch heuer gab es wieder keine weißen Weihnachten. Heute soll es sogar ziemlich föhnig werden. Ich werde mich später mit meiner Freundin Klara auf einen Kaffee treffen, darauf freue ich mich schon, ich habe sie die ganzen Feiertage nicht gesehen. Was ich am heutigen Silvesterabend machen werde, weiß ich immer noch nicht. Vielleicht gehe ich mit Klara ein bisschen in die Stadt, mal sehen. Ich gieße den Tee auf, als ich über das Zufallen der Haustüre erschrocken zusammen zucke, und deshalb etwas Wasser verschütte.
„Super…“, murmle ich, und bin froh mich nicht verbrannt zu haben.
„Guten Morgen!“ Tobias steckt äußerst fröhlich und vor allem munter seinen Kopf zur Küchentüre herein, während ich die Wasserpfütze auf der Küchenfläche wegwische. Er ist im Laufdress und zieht seine Mütze vom Kopf und grinst mich an. Seine dunklen Haare sind vermutlich seiner Kopfbedeckung zuschulden ziemlich zerzaust, was ungewohnt ist, denn eigentlich ist er immer top gestylt. Darum versucht er diese auch gleich mit seinen Händen wieder irgendwie in Form zu bringen, was ich mit vermutlich verständnislosem Blick verfolge. Er sollte froh sein, nicht meine Haarstruktur zu besitzen, denn die macht es mir unmöglich jemals gut frisiert auszusehen.
„Guten Morgen“, erwidere ich dann doch als er in die Küche kommt. „Möchtest du auch Tee?“
„Ja gerne.“
Er öffnet seine Laufjacke und setzt sich auf den Hocker bei der Anrichte, während ich noch eine Tasse aus dem Schrank über mir nehme.
„Bist du immer so früh wach?“, fragt er mich, und mustert mich dabei augenscheinlich in meinem Aufzug. Ich ziehe meinen Morgenmantel etwas fester zu.
„Nein, eigentlich nicht. Ich konnte nicht mehr schlafen.“
Er nickt. „Ich auch nicht. Du hättest eine Runde mit mir laufen können, allein ist es nicht so toll, auch wenn ihr es hier wirklich sehr schön habt.“
Ich verdrehe die Augen. „Sehe ich so aus, als würde ich laufen gehen? Ich laufe nur wenn es die Situation erfordert, und momentan sehe ich dazu keine Veranlassung.“
Er zuckt mit den Schultern. „Du siehst doch sportlich aus, also warum nicht?“
Ich schüttle den Kopf und stelle ihm den Tee vor die Nase. „Nein, ich bin nicht sportlich. Was ist denn mit Bettina? Warum nimmst du sie nicht mit?“
Er atmet hörbar aus. „Sie ist nicht so gut gelaunt. Frauenbeschwerden.“
„Gott…“, murmle ich.
Ich bin mir nicht sicher, ob mich das interessiert. Etwas verlegen rühre ich in meiner Tasse.
„Dann solltest du ihr vielleicht eine Tasse Tee mit nach oben nehmen.“
Er zuckt erneut mit den Schultern. „Ja, warum eigentlich nicht. Nett von dir.“
„Ja…nett von mir…“, sage ich etwas höhnisch.
Irgendwie weiß ich nicht, was ich mit ihm reden soll, darum mache ich wirklich eine Tasse Tee für meine Schwester. Es scheint ihm auch nicht zu entgehen, dass ich nicht so gesprächig bin, denn er sagt auch nichts mehr. Irgendwo hat Mama doch noch einen Frauenmanteltee. Kramend suche ich in der Schublade danach. Ah, da ist er ja, als ich mich wieder umdrehe, laufe ich direkt in Tobias hinein. Gerade saß er doch noch auf seinem Hocker, ich merke wie ich rot anlaufe. Ein paar Augenblicke ist es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Ich glaube, ich halte sogar die Luft an. Erst dann weiche ich einen Schritt zurück.
„Ich wollte nur meine Tasse in die Spülmaschine stellen“, sagt er dann leise, immer noch maximal eine Handbreite von mir entfernt.
Sehr peinlich berührt nehme ich sie ihm aus der Hand.
„Ich mach das schon.“
Schnell drehe ich mich weg, ich hasse es, wenn man mich so anstarrt, noch dazu im Pyjama, unfrisiert und mit nicht geputzten Zähnen. Dann hänge ich schnell den Teebeutel in die Tasse und drücke sie ihm in die Hand.
„Bitte sehr. Für meine geliebte Schwester.“
Er schüttelt den Kopf. „Was ist nur mit dir und deiner Schwester?“
„Warum? Was soll schon sein?“
„Ihr seid eifersüchtig aufeinander. Sie auf dich und du auf sie“, schmunzelt er.
„Das stimmt doch gar nicht.“ Ich verschränke meine Arme vor der Brust. „Worauf sollte ich denn eifersüchtig sein?“
„Weiß ich nicht, aber du bist das Liebkind deines Vaters und das stinkt ihr mächtig.“
„Ich bin nicht das Liebkind meines Vaters“, verteidige ich mich.
Doch bist du.“
„Du kennst mich doch gar nicht. Los bring den Tee hinauf, sonst wird er kalt wird.“
Ich drehe mich erneut weg von ihm, und stelle die leeren Tassen in die Spülmaschine. Er steht noch einen Moment hinter mir, bevor er sich ebenfalls umdreht um die Küche zu verlassen.
„Obwohl ja, du hast doch recht. Ich bin eifersüchtig. Darauf, dass sie immer alles bekommt was sie will, und darauf dass sie aussieht wie ein Model. Sie ist eine Diva, ganz egal wie sie die Menschen herumkommandiert, alle liegen ihr zu Füßen. Darauf bin ich neidisch.“
Er dreht sich noch einmal um.
„Ehrlich? Darauf bist du neidisch? Du bist doch ebenso hübsch wie sie und der Kommandozwang ist keine nachahmenswerte Eigenschaft.“
Ich werde schon wieder rot. „Ich glaube du leidest an Sauerstoffmangel. Der Tee wird kalt.“
Komischerweise wird er nun ein bisschen rot, oder es immer noch vom Laufen, oder vom heißen Tee. Keine Ahnung. Zumindest verlässt er jetzt die Küche. Ich atme kopfschüttelnd tief durch. Ich bin überhaupt nicht das Liebkind meines Vaters. Im Gegenteil, er ist immer besonders streng zu mir. Ich darf nie so richtig tun was ich will, Bettina durfte immer alles. Sie hatte schon mit knapp sechzehn ihren ersten Freund, den sie auch mit nach Hause bringen durfte. Ich wollte vor zwei Jahren einmal mit einem Jungen abends allein ins Kino gehen, da hat er sich so aufgeregt, dass ich es lieber gleich gelassen habe. Dass der Bursche sich nachträglich als Depp herausgestellt hat, habe ich dann mehr als oft von ihm gehört. Ich habe es jetzt noch in den Ohren.
„Siehst du, wie gut, dass du dich nicht mit ihm getroffen hast. Der wollte dich bestimmt nur um deine Jungfräulichkeit bringen“, hat er mir dann peinlicherweise monatelang gepredigt.
Mit dem Ergebnis, dass ich auch heute immer noch Jungfrau bin. Ob das jetzt gut, oder schlecht ist, weiß ich nicht so genau. Langsam würde ich das Thema auch einmal gerne hinter mich bringen, aber wie es aussieht gestaltet sich das mangels passender Anwärter ziemlich schwierig.
Beim Frühstück ist Bettina immer noch schlecht gelaunt. Der Tee hat also nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Ich muss schmunzeln. Irgendwie vergönne ich es Tobias, dass sie jetzt bestimmt keinen Sex mit ihm haben will. Er hat sich sicher darauf gefreut, es die ganzen Feiertage über mit ihr zu tun. Inzwischen sitzt seine Frisur wieder. Ein paar Stunden noch, dann sind sie auf dem Weg nach Wien und nachdem ich mich jetzt mit Klara treffe, sehe ich sie vielleicht gar nicht mehr. Ich bin richtig froh, als ich aus dem Haus gehe.
Klara war die vergangen Tage im Schiurlaub in Salzburg. Wie jedes Jahr hat sie sich auch heuer wieder in den Schilehrer verliebt. Ich höre ihr geduldig zu. Nachdem wir beschlossen haben, heute Abend noch ein bisschen in die Stadt zu gehen, fahre ich nach Hause. Ich habe Hunger und will mich noch ein bisschen silvestertauglich herrichten. Die letzten Meter steige ich von meinem Fahrrad ab. Tobias lädt gerade die Koffer in sein Auto. Sie sind also noch nicht weg. Ich seufze. Aber bald. Bettina drückt ihm ihren Kosmetikkoffer in die Hand und stolziert zurück ins Haus. Irgendetwas geht ihr mächtig gegen den Strich, das erkenne ich daran wie sie ihre Haare zur Seite wirft. Ich lehne mein Fahrrad an den Zaun. Tobias flucht über den Umstand, dass scheinbar nicht alles so in den Wagen zu passen scheint, wie er es sich vorstellt. Darum räumt er gerade wieder alles aus. Heute ist die Stimmung beim Traumpärchen also nicht auf Wolke sieben.
„Du brauchst keine Hilfe, oder?“, sage ich schadenfroh, als ich an ihm vorbei gehe.
Er greift nach dem Kosmetikkoffer, der sich unglücklicherweise genau in dem Moment öffnet, als Bettina wieder herauskommt. Der ganze Kosmetikram fällt heraus und kugelt vor seinen Füßen herum. Ich kann mir ein Lachen nicht verhalten. Bettina stemmt ihre Hände in die Hüften.
„Du bist so ein Trottel. Ich halte das nicht mehr aus. Wie kann man nur so ungeschickt sein?“ Sie beugt sich hinunter und hält dabei ihre Hand an die Stirn. „Kein Wunder, dass ich unerträgliche Kopfschmerzen habe.“
Tobias sagt nichts, aber er wirkt reichlich genervt, nicht so cool und lässig wie die vergangen Tage. Das kann ich ausnahmsweise sogar verstehen, bei den vielen Vorwürfen die ihm meine Schwester an den Kopf wirft. Ich gehe wieder zurück zu den beiden.
„Geh hinein wenn du Kopfschmerzen hast, ich mach das schon“, sage ich und schiebe sie zur Seite.
Wie nicht anders zu erwarten geht sie schnaufend davon und lässt nur zu gerne ihr „Personal“ für sich arbeiten. Ich gehe in die Hocke und helfe Tobias die Utensilien wieder einzuräumen. Er sammelt gerade die zwischen seinen Beinen gerollten Tampons auf. Ich muss anfangen zu lachen.
„Das ist nicht lustig…“, murmelt er kaum hörbar.
„Doch schon…“, ich lache weiter. „Die verfolgen dich, die Tampons…“
Er schüttelt den Kopf. „Hast du schon vorgeglüht? Du scheinst mir nicht ganz nüchtern zu sein.“
„Nein…hab ich nicht. Die Tampons haben dir doch bestimmt die ganzen Feiertage versaut.“
„Warum?“, er sieht mich fragend an.
„Periode – kein Sex?“, entgegne ich immer noch schmunzelnd.
Er schaut mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Sagt wer?“
Jetzt steht mir bestimmt der Mund offen, ich schließe kurz meine Augen, meine Wangen werden heiß. Warum fange ich denn auch mit so einem Thema an. Es geht mich nichts an, und obendrein interessiert es mich auch nicht.
„Überrascht?“, fragt er mich mit schadenfrohem Blick.
Ich schüttle schnell den Kopf, senke meinen Blick wieder auf die Kosmetiksachen meiner Schwester und räume sie weiter in den Koffer zurück. Er sieht mich immer noch an. Jetzt ist es wirklich peinlich. Ich hatte noch nicht einmal Sex und rede hier großartig davon. Mein Gesicht ist mit Sicherheit dunkelrot. Plötzlich nähert er sich und drückt mir einen Kuss auf die Lippen, so schnell wie ich möchte, kann ich leider nicht aufspringen. Zusätzlich hält er seine Hand an meinen Hinterkopf und drückt mich fester an seinen Mund. Gerade als er ich merke wie er mir seine Zunge hinein schieben will, stoße ich ihn aber dann ziemlich unsanft weg.
„Sag mal spinnst du, oder was?“, schreie ich ihn an, und verpasse ihm zeitgleich eine saftige Ohrfeige.
Ich erhebe mich, er sieht mich mit großen Augen an, schmunzelt zu meiner Verwunderung aber.
„Du bist doch nicht ganz dicht!“, füge ich noch hinzu, inzwischen hat sich seine Wange etwas rötlich eingefärbt.
Wütend stapfe ich durch den Hof zurück ins Haus, vorbei an meinen Eltern und meiner Schwester. Ich koche fast über vor Zorn. Ist denn dieser Typ noch zu retten?
„Lexi?“, ruft mir meine Mutter hinterher.
„Ach lass sie doch Mama, das legt sich wenn sie erst einmal einen Freund hat“, sagt Bettina mit sarkastischem Unterton zu ihr.
Wenn sie wüsste, was ihr Freund gerade gemacht hat, würde sie durchdrehen. Kurz denke ich daran es ihr brühwarm auf die Nase zu binden, da ich aber keine Lust auf eine Szene habe, lasse ich es.
Ich drehe mich wutentbrannt um. „Weißt du was, nimm endlich deinen Vollspast von Freund und hau schon ab!“, keife ich sie an.
Sie sieht mich abfällig an, was ich aber ignoriere und auf mein Zimmer laufe. Zum Glück sind sie eine halbe Stunde später weg und ich hoffe auf kein baldiges Wiedersehen.
Kapitel 2
12. Juli 2010
Ich stehe vor der Auslage eines Unterwäsche Ausstatters in der Herrengasse. Obwohl es heute so richtig schwül ist, habe ich mich von Klara zu einem Einkaufsbummel überreden lassen. Ich genieße noch den letzten Sommer, bevor es mit dem Studium losgeht. Das ist heuer besonders leicht, denn Bettina ist bis Ende August in Italien und macht dort ein Praktikum. Sonst ist sie im Sommer meistens auch ein paar Wochen in Graz. Diesmal eben nicht. Ich bin ganz allein mit meinen Eltern, herrlich. Etwas damit überfordert mein Eis bei der Hitze so zu essen, dass es nicht überall hinuntertropft, bewundere ich eine türkise BH – Slip Kombination aus zarter Spitze an der Schaufensterpuppe. An der Puppe sieht es wahnsinnig gut aus. Irgendwie spiele ich mit dem Gedanken einfach hinein zu gehen und es anzuprobieren, verwerfe den Einfall aber gleich wieder.
„Ist schön, warum probierst du es nicht?“, fragt mich Klara als könne sie meine Gedanken lesen.
Ich schüttle den Kopf. „Nein…ich hab keine Lust, es ist so heiß.“
„Alexandra Hofbauer?“, höre ich plötzlich eine Stimme hinter mir. Die Stimme kenne ich. Ich drehe mich langsam um und schaue vermutlich ziemlich blöd aus der Wäsche.
„Tatsächlich. Alexandra Hofbauer. Unglaublich. Das gibt es ja nicht!“
Ich mustere den jungen Mann der mich bedacht lässig angrinst. Vor mir steht doch tatsächlich Tobias Leitner. Der Ex Freund meiner Schwester. Der Typ, der mir am Silvestertag einfach so einen Kuss aufgedrückt hat, als ob es das Normalste auf der Welt wäre. Ich hatte es schon vergessen, bis jetzt. Mir steigt es komisch heißt auf. Bettina hat Mitte Jänner mit ihm Schluss gemacht. Nachdem er ihr offenbart hat, dass er für ein paar Monate in die USA reist, sah sie keinen Sinn und Zweck mehr eine gemeinsame Zukunft anzustreben. Nach dem Motto, wer nicht macht was sie will, den will sie nicht. Es hat sie nicht besonders mitgenommen. Wie ich schon damals vermutete, war es keine ernstzunehmende Beziehung. Schätzungsweise lag ihr auch nicht besonders viel an ihm und ich war auch froh, dass ich ihn nach dem was da zu Silvester passierte nicht mehr gegenübertreten musste. Natürlich habe ich niemandem davon erzählt. Ich sehe ihn heute zum ersten Mal seit dem besagten Vorfall wieder. Er hat sich ein bisschen verändert, zum ersten ist er relativ sonnengebräunt, was im Sommer aber keine Kunst ist, doch er sieht auch etwas weniger versnobt aus. Seine Haare sind länger und ungewohnt unfrisiert. Irgendwie hat seine Aufmachung etwas von Surferlook. Die Haare, das enge Shirt und die kurzen Shorts, sieht zwar willkürlich gewählt aus, aber ich schätze es ist durchaus so gewollt. Er strahlt mich mit seinem Zahnpastalächeln, das er bestimmt seinem Papa zu verdanken hat, an.
„Hallo, das ist ja ein Zufall, dass ich dich hier treffe“, sagt er immer noch grinsend.
„Hi, ja, so ein Zufall“, entgegne ich etwas überfordert.
Neben ihm steht eine Blondine, die locker bei GNTM mitmachen könnte, ich komme mir in ihrer Gegenwart irgendwie winzig vor.
„Was machst du denn in Graz?“, frage ich ihn darum schnell und weil mir nichts Besseres einfällt.
„Ich besuche eine Freundin“, er sieht zur Blondine die verhalten lächelt.
„Ah. EINE Freundin?“
Er nickt. „Ja. EINE Freundin. Und du? Eis essen?“
„Ja. Eis essen.“
Ich spüre wie mir geschmolzenes Zitroneneis über den Zeigefinger läuft. Schnell versuche ich eine Sauerei zu verhindern, was er schmunzelnd verfolgt. Er zieht seine Augenbrauen hoch und mir fällt wieder ein, wie er mir seine Zunge in den Mund schieben wollte. Mit Sicherheit bin ich jetzt rot angelaufen.
„Ah…also war schön dich zu treffen, aber wir müssen jetzt auch weiter“, sage ich darum schnell um weitere Peinlichkeiten zu vermeiden.
„Das finde ich auch, wirklich schön dich getroffen zu haben.“ Er lächelt immer noch.
Ich sehe schnell zu Klara und verdrehe mit der Aufforderung weiter zu gehen meine Augen, sie sieht mich an, als würde sie nicht kapieren, was ich von ihr will.
„Ach so ja…wir wollten doch noch die Unterwäsche probieren“, stammelt sie dann auf einmal.
Ich atme tief durch…Gott, etwas Blöderes ist ihr wohl nicht mehr eingefallen. Tobias mustert die Schaufensterpuppe und grinst mich an.
„Aha… na dann, viel Spaß.“
„Tschau Tobias“, verabschiede ich mich noch schnell, bevor ich mich peinlich berührt, warum auch immer, umdrehe.
„Tschau…“, murmelt er mir hinterher, während wir schon losgehen.
Klara sieht mich mit großen Augen an. „Das war jetzt aber nicht der Ex von deiner Schwester, oder?“
„Doch. Genau der.“
Ich hab mich noch nicht von dem Schock ihn getroffen zu haben erholt, als ich eine Hand an meiner Schulter spüre.
„Ach Lexi…“
Ich drehe mich um. Was will er denn noch?! Ich befürchte mein Gesichtsausdruck vermittelt ziemlich genau meine Stimmung darüber.
„Ja?“
„Hast du Lust einen Kaffee mit mir zu trinken?“
Ich sehe ihn entgeistert an. Warum sollte ich das tun?
„Ähmmm, ich weiß nicht, ich hab jetzt keine Zeit…“, stottere ich.
„Später, am Nachmittag vielleicht? Jetzt kann ich auch nicht“, antwortet er ungewohnt schnell.
Ich sehe ihn an, bevor ich etwas sage und überlege kurz.
„Wenn du wissen willst wie es Bettina geht, fragst du sie besser selbst“, sage ich dann überraschender Weise.
Er verdreht die Augen. „Wir können auch ein Eis essen, wenn dir das lieber ist.“ Belustigt sieht auf meine Tüte, erneut tropft das Eis über meine Hand.
„Ich weiß nicht…“, murmle ich, als Klara mich ein wenig schubst.
Schon wieder blamiert sich mich. Ich habe das Gefühl, er lässt nicht locker, bevor ich nicht zustimme.
„Ja, ok, wenn du unbedingt willst. Wann? Wo?“, seufze ich in etwas genervter Tonlage.
„Um 17.00 Uhr? Weikhard Uhr?“, er grinst mich zufrieden an.
Die Blondine neben ihm zappelt ein bisschen.
„Ja gut, von mir aus.“
„Sehr schön, bis später.“
Er zwinkert mir zu, was sich etwas befremdlich anfühlt. Darum drehe ich mich schnell wieder um und gehe weiter.
„Meine Güte, der ist ja der Hammer!“, schwärmt Klara augenblicklich neben mir.
„Dann geh du doch mit ihm Kaffee trinken, wenn er dir so gut gefällt.“ Ich verdrehe genervt die Augen. „Gibst du mir jetzt bitte einmal ein Taschentuch? Ich bin schon ganz eingesaut von dem Eis…“, meckere ich.
Sie kramt in ihrer Tasche und reicht mir eines, ich versuche mich irgendwie von dem klebrigen Zeug zu entledigen, die Tüte werfe ich in den nächsten Mistkübel. Ich hab auch ihr nie davon erzählt, dass er mir einen Kuss aufgedrückt hat, sonst würde sie jetzt vermutlich überschnappen. Ich allerdings weiß nicht wozu ein Treffen gut sein soll. Er ist der Ex meiner Schwester und absolut nicht mein Typ. Und zu alt ist er außerdem noch. Wobei ich mir sicher bin, dass er mich nur über Bettina ausfragen will. Was sollte er denn schon von mir wollen? Sein Frauengeschmack ist erlesen würde ich sagen, und da ordne ich mich nicht ein. Ich bin eben ein einfaches, normales Mädchen. Schluss.
Kurz nach 17.00 Uhr steige ich aus der Straßenbahn, auch wenn ich den ganzen Nachmittag darüber nachgedacht habe, ob ich das wirklich tun soll. Es ist total unpassend mit dem Ex meiner Schwester Kaffee trinken zu gehen, aber nachdem ich keine Handynummer von ihm habe, konnte ich auch nicht absagen. Ihn zu versetzen fand ich dann auch irgendwie unfair. Es ist ja nur ein Kaffee. Auch wenn die Herrengasse wie gewohnt um diese Zeit gut gefüllt ist, sehe ich ihn gleich. Er steht lässig mit Sonnenbrille da und grinst mir schon wieder mit Zahnpastalächeln entgegen. Das Shirt und die Shorts hat er gegen ein hellgraues Polo und eine dunkelblaue Chino getauscht, dazu lässige Sneakers. Wieder ein bisschen snobig, denke ich mir.
„Hallo“, sagt er, ich bleibe mit Sicherheitsabstand vor ihm stehen. „Ich hab schon gedacht du versetzt mich.“
„Hallo, ja…also ganz ehrlich, ich hab darüber nachgedacht. Um das Ganze abzukürzen, wenn du etwas über Bettina wissen willst…“
Er lässt mich nicht ausreden. „Ich will nichts über Bettina wissen. Hübsches Kleid übrigens.“
„Was willst du denn dann?“, frage ich, ohne auf sein Kompliment einzugehen, auch wenn ich mir, keine Ahnung warum, heute wirklich Mühe mit meinem Outfit gegeben habe. Sogar meine Haare, die ich locker aufgesteckt habe, sehen ziemlich passabel aus.
„Ist es wirklich so schwer verständlich, dass ich einfach nur einen Kaffee mit dir trinken möchte?“
Ich zucke mit den Schultern. „Schon irgendwie.“
Er seufzt. „Jetzt komm schon, wie lange willst du denn noch hier herumstehen.“
Er geht los und ich gehe hinter ihm her, bis er kurz stehen bleibt, damit ich neben ihn aufschließe. Wir gehen in eine Seitengasse der Herrengasse und setzen uns vor einem netten kleinen Lokal an einen Bistrotisch.
„Hier ok?“, fragt er mich, während ich mich schon setze.
„Ja sicher.“
Eine kleine, südländisch anmutende, junge Kellnerin kommt zur Tür heraus und sieht uns abwartend ob unserer Bestellung an.
„Cappuccino?“, Tobias sieht mich fragend an.
Ich nicke und lächle die Kellnerin dabei an. Er bestellt zwei Cappuccino, während sie zurück hinein geht, lehnt er sich lässig auf seinem Stuhl zurück. Die Sonnenbrille stört mich ein bisschen, sie macht es mir schwer, ihn einzuschätzen. Ich kann Menschen nur einschätzen, wenn ich in ihre Augen sehen kann und im Moment passt es mir gar nicht, dass dies nicht möglich ist.
„Wie war es in den USA?“, frage ich schnell, damit es nicht so leise ist.
Diese Frage, zaubert ihm ein Lächeln auf die Lippen. „Ganz toll. Ich bin erst seit ein paar Wochen wieder zurück.“
„Und jetzt ist dir eingefallen, dass du meine Schwester wieder zurück haben willst, nachdem sie deshalb mit dir Schluss gemacht hat, oder wie?“
Er schmunzelt. „Ich will sie zurück haben, weil sie mit mir Schluss gemacht hat?“
Ich nicke. „Ja, vielleicht?“
Er schüttelt den Kopf. „Nein, hatte ich nicht vor.“ Das sagt er recht trocken.
Die Kellnerin unterbricht unsere Konversation und stellt die zwei Kaffee hin. Gut, ich gebe es auf. Etwas unmotiviert klopfe ich auf meine Sessellehne, bevor ich einen Schluck von meinem Kaffee nehme.
„Wo genau warst du in Amerika unterwegs?“
Endlich nimmt er die Sonnenbrille ab, er beugt sich ein Stück nach vor, stützt sein Kinn an der Hand ab und grinst mich an. Seine blauen Augen, mir ist bis jetzt noch nicht aufgefallen dass sie blau sind, funkeln ein bisschen. Es ist ein ungewöhnliches blau, irgendwie speziell. Dann zeigt er mit seinem Zeigefinger an seine Oberlippe.
„Milchschaum“, schmunzelt er.
„Oh…“ Etwas verlegen wische ich über meine Oberlippe, was er immer noch schmunzelnd verfolgt.
„Ich bin viel herumgekommen. Florida, dort wohnt meine Tante, Miami, Los Angeles, Las Vegas“, beantwortet er meine Frage, während ich immer noch damit beschäftigt bin den Milchschaum möglichst galant wegzuwischen.
„Und das geht mit deinem Studium?“
„Irgendwie schon. Im Herbst geht es weiter.“
Ich nicke. „Ich fange im Herbst auch an zu studieren. Rechtswissenschaften.“
Er lächelt. „Das passt irgendwie richtig gut zu dir. Du kannst ganz schön viele Fragen stellen. In Graz?“
Ich nicke erneut. Auch wenn ich bis vor ein paar Minuten noch dachte gleich wieder zu verschwinden, läuft unsere Unterhaltung unerwartet locker. Verwunderlicher Weise ist es ganz lustig mit ihm zu reden, er stellt wirklich keine Fragen über Bettina. Seine Figur ist sportlicher als ich es in Erinnerung hatte, oder ich habe es unter den Winterklamotten nicht bemerkt, oder der am ehesten wahre Grund, es hat mich vermutlich gar nicht interessiert. Seine Oberarme sind ziemlich trainiert, aber so, dass es nicht übertrieben aussieht. Herrje…warum sehe ich ihn überhaupt so genau an? Ich versuche es zu lassen. Die Zeit vergeht schnell und wir sind vom Kaffee zum Sommerspritzer übergegangen. Ich trinke eigentlich kaum Alkohol und hoffe darum nicht zu übermütig zu werden, denn er bestellt bereits die dritte Runde. Er hat wirklich schöne Augen, meine Güte und ich mag seine Haare, wenn sie nicht so glattgeschleckt sind. Er hat ein bisschen etwas von Ashton Kutcher finde ich. Ja genau. Ashton Kutcher. Den mag ich... Also Ashton. Er schlägt seine Beine übereinander und sieht mich an. Wow…auch seine Oberschenkel sind ordentlich, ich nehme an vom Laufen. Halt. Stopp. Nein. Er gefällt mir nicht. Er ist der Ex meiner Schwester. Es wird besser sein, wenn ich jetzt gehe. Ich lehne mich zurück um ihn mit mehr Abstand ansehen zu können. Aber er sieht wirklich süß aus. Ich schließe kurze meine Augen. Nach diesem Getränk werde ich gehen. Definitiv.
„Stimmt etwas nicht?“, fragt er mich an mein Glas anstoßend, als könne er meine Gedanken lesen.
Ich nippe an meinem Sommerspritzer und gehe nicht auf seine Frage ein.
„Du besuchst also eine Freundin in Graz? Ist sie deine Freundin?“
„Nein. Sie ist eine Freundin.“
„Ok. Also eine von mehreren.“
„Nein. Nicht so eine Freundin. Einfach nur eine Bekannte.“
Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Das geht?“
Er nickt. „Das geht.“
„Hast du eine Freundin, also eine die nicht nur eine Freundin ist?“ Gott…was ist das für eine Satzstellung, ich glaube ich bin beschwipst.
„Nein.“
Ich lehne mich wieder zurück und nehme einen großen Schluck von meinem Spritzer. „Warum hast du mich geküsst?“
Jetzt zieht er die Augenbrauen hoch, mit dieser Frage hat er scheinbar nicht gerechnet, ich aber auch nicht, ich dachte zwar darüber nach, aussprechen wollte ich es aber nicht. Scheiß Alkohol.
„Du stellst wirklich viele Fragen Lexi.“
Ich schnaufe durch. Jetzt wo ich schon gefragt habe, will ich auch eine Antwort darauf. „Warum?“
„Ich dachte du brauchst es.“ Das sagt er mit leiser, lasziver Stimme.
Nein mein Lieber, so nicht, ich merke wie ich innerlich zu kochen anfange. Alkohol hin oder her, das ist zu viel. Solche beschissenen Ansangen finde ich echt richtig blöd.
„Du bist so ein…“, ich stehe auf und krame in meiner Tasche nach meinem Geldbeutel. Ich lege einen Zehner auf den Tisch und drehe mich um. Gerade als ich losstapfen will, hält er mich zurück.
„Nimmst du bitte dein Geld wieder, ich lade dich ein.“
„Nein Danke“, pfauche ich.
Sein Gesicht kommt meinem etwas näher, er sieht mich ernst an, aber ich schaue bestimmt noch ein bisschen grimmiger.
„Ich habe das gerade nicht so gemeint, aber…“ Er macht eine kurze Pause „…Ich würde dich sofort wieder küssen.“ Das sagt er leise, seine Augen glänzen wieder.
Ich atme vorsichtig ein, mein Herz klopft auf einmal schneller. Hat er das wirklich gerade gesagt?
„Ich küsse aber keine abgelegten Freunde meiner Schwester“, entgegne ich recht sachlich.
„Ach so?“ Er beißt sich auf die Unterlippe. Sein Gesicht kommt meinem noch etwas näher, irgendetwas sagt mir, ich soll jetzt einen Schritt zurück weichen, was mir aber nicht gelingt. Ich bin wie festgefroren und das, obwohl mir ziemlich heiß ist.
„Setz dich bitte wieder, nimm dein Geld und trink aus“, sagt er, lässt meinen Arm los und nimmt wieder Platz. Verwunderlicher Weise tue ich es ihm gleich.
„Schade eigentlich“, murmelt er und schiebt mir meinen Zehner vor die Nase.
„Was?“ entgegne ich, während ich das Geld wieder einstecke.
„Gehst du mit mir auf den Schlossberg?“, fragt er mich, dann kippt er den Rest von seinem Spritzer hinunter.
Ich sehe auf meine Uhr, ich bin mir nicht sicher, ob das so eine gute Idee ist, auch wenn es mir blöderweise schwer fällt abzulehnen.
„Es wird gleich dunkel und…“
Ich sehe ihn erneut an. Keine Ahnung, ob es am Alkohol liegt, oder was plötzlich mit mir los ist, aber ich habe das Gefühl, er wird immer attraktiver. Seine Hände, die Oberarme und erst der Hals und da schon wieder dieser Blick…Scheiße…
„Ja von mir aus“, antworte ich dann prompt. „Aber bilde dir ja nichts darauf ein.“
„Wie könnte ich das tun, als abgelegter Lover deiner Schwester“, sagt er gespielt ernst.
Ich verdrehe die Augen. Klingt aus seinem Mund eigenartig, ist aber nun einmal die Wahrheit. Während er bezahlt, gehe ich noch schnell zur Toilette. Was mache ich hier eigentlich? Das geht doch nicht? Ich sollte jetzt wirklich besser nach Hause fahren. Womöglich ist das nur seine Revanche dafür, dass Bettina ihn sitzen gelassen hat. Er macht sich doch bestimmt nur lustig über mich. Ich wasche meine Hände und sehe mich im Spiegel an. Aber er gefällt mir. Er gefällt mir sogar richtig gut. So ein Trottel ist er gar nicht, er ist eigentlich ziemlich süß. Ich tupfe ein bisschen Labello auf meine Lippen. Sicherheitshalber. Man weiß ja nie. Als ich wieder hinaus komme, wartet er schon auf mich. Schlossberg also. Na gut. Wir spazieren neben einander her, ich weiß nicht was ich sagen soll, darum schweige ich lieber. Er wie es aussieht auch. Wir schlendern an den pompös geschmückten Kastner und Öhler Auslagen vorbei, als ich auf einmal seine Hand an meiner vorbei streichen spüre. Ganz sanft. Fast ungewollt. Ich tue so, als hätte ich es nicht gemerkt. Er tut es wieder. Mich kaum berührend streicht er mit seinem kleinen Finger an meinem entlang. Kurz schnürt es mir die Luft ab. Wie selbstverständlich nimmt er dann meine Hand und hält sie fest. Mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Ich sehe ihn etwas verlegen kurz an. Er lächelt, was ich erwidere. Ok…er hält also meine Hand, und das ändert sich auch nicht bis wir mit dem Lift oben am Schlossberg sind. Es ist ein schöner, lauer Abend, darum tummeln sich auch noch viele Menschen in der Stadt. Wir gehen ein Stück abseits und setzen uns auf einen Steinvorsprung. Graz ist in ein herrliches Abendrot getaucht und versinkt langsam in ein romantisches Lichtermeer.
„Es ist wirklich schön hier“, stellt er fest.
„Ja, ist es.“
Ich muss damit aufhören ihn anzusehen, aber ich kann nicht. Wie er seine Beine überkreuzt…ich würde gerne wissen wie sich seine Haut anfühlt…
„Woran denkst du?“ Er lächelt mich an und reißt mich aus meinen Gedanken. Ja, wenn du wüsstest woran ich denke…Das kann jetzt nicht mehr vom Alkohol sein, ich versuche mir nichts anmerken zu lassen. Er muss ja nichts sofort merken, dass er mir gefällt.
„Ach nichts…“
Ohne Vorwarnung legt er seinen Arm um meine Schulter und streicht über meinen Oberarm. Sofort überzieht mich eine Gänsehaut. Gut. So fühlen sich also seine Hände auf meiner Haut an.
„Ist dir kalt?“ Er schmunzelt ein bisschen und ich bin mir sicher, er weiß genau, dass mir nicht kalt ist.
„Geht schon…“, murmle ich.
Er zieht mich etwas näher an seine Brust. Es ist ganz komisch. So hab ich mich noch nie gefühlt. Vor ein paar Stunden noch hatte ich mich unter Kontrolle, jetzt weiß ich nicht mehr so genau, was ich hier eigentlich mache. Jetzt sollte ich wirklich gehen.
„Gehen wir zu Fuß hinunter?“, fragt er dann auf einmal.
Woher weiß er, dass ich jetzt gehen will? Obwohl…es fühlt sich gut an, so dicht neben ihm. Ich nicke und will schon aufstehen, als er mich zurück hält. Er zieht mich direkt in seine Arme, schon wieder ist sein Gesicht ganz nahe an meinem, unsere Nasenspitzen trennen maximal Millimeter. Ich halte die Luft an. Ohne sein Gesicht von mir abzuwenden streicht er sanft über meine Schultern hinunter bis zu meinen Händen und hält sie fest. Gänsehaut 2.0. Ich schließe meine Augen, aber es passiert nichts. Zögerlich öffne ich sie wieder.
„Hast du es dir anders überlegt?“, haucht er fast tonlos.
Er will jetzt aber keine Antwort darauf? Ich finde nicht, dass es der passende Moment ist über so unwichtige Aussagen meinerseits zu diskutieren. Darum schließe ich einfach meine Augen wieder und nähere mich ihm noch ein winzig kleines bisschen. Jaaaa….endlich….Ich spüre seine Lippen an meinen. Gott…Sanft und weich, ganz zart, vielleicht sogar vorsichtig, anders als zu Silvester. Wie in Zeitlupe lege ich meinen Kopf ein bisschen zur Seite. Jetzt bekomme ich erst richtig Herzklopfen und meine Hände fangen an zu schwitzen. Er legt seine Hände um meine Hüften und zieht mich dichter an sich. Ich öffne meinen Mund ein wenig, er verstärkt den Druck seiner Lippen und endlich spüre ich wie seine Zunge den Weg nach meiner sucht. Ehrlich gesagt, bin ich keine so außergewöhnliche Küsserin, vermutlich mangels Übung. Trotzdem ist es unglaublich und wird von Sekunde zu Sekunde intensiver. Kurz löst er sich von mir um mich sofort noch einmal zu küssen. Dann sieht er mich an und streicht über meine Wange. Keine Ahnung, ob ich jetzt etwas sagen sollte, aber nachdem er es nicht tut, lasse ich es auch. Ich lächle ihn einfach an und das erwidert er.
„Sollten wir vielleicht noch irgendwo hin gehen und etwas trinken, oder hast du Hunger?“, fragt er mich dann auf einmal und durchbricht die Stille zwischen uns.
Auch wenn ich lieber mit ihm zusammen sein würde, ich glaube es ist jetzt besser nach Hause zu fahren, für den Moment ist meiner Meinung nach ausreichend viel passiert. Außerdem bin ich ziemlich durcheinander.
„Nein…Ich werde besser nach Hause fahren“, sage ich leise, aber eines muss ich noch tun. Sanft streiche ich mit meinem Zeigefinger über seinen Oberarm bis zu seiner Hand. Er sieht meinem Finger nach, der über seine Haut streicht. Sie fühlt sich glatt und fest an. Bevor ich meine Hand wieder wegnehme greift er schnell danach. Er sieht mich mit glänzenden Augen an und gibt mir noch einen Kuss.
„Gut, wenn du willst, dann gehen wir“, flüstert er nahe an meinem Ohr.
Keine Ahnung wie ich mit den wackeligen Knien hinunter kommen soll. Wieder nimmt er meine Hand, als wir die Treppen hinunter gehen. Wieder ist es still. Ich fühle mich komisch. Komisch gut. Ich würde gerne wissen, was er fühlt. Mein Herz klopft wieder. Hoffentlich habe ich keinen Fehler gemacht. Na ja, er ist er der Ex meiner Schwester, also ganz richtig ist die gegenständliche Situation also bestimmt nicht. Ich bleibe stehen.
„Du verarscht mich aber nicht, oder?“, frage ich frei heraus.
Er sieht mich überrascht an, dann zieht er mich ohne Vorwarnung in seine Arme und küsst mich erneut, ich würde es so beschreiben: Voller Hingabe. Dabei streicht er sanft mit seinen Händen meinen Rücken hinab.
„Fühlt sich das an, als ob ich dich verarsche?“, fragt er und reibt seine Nase an meinem Hals.
Ich kann nichts sagen, ich habe keine Worte, keine Ahnung wo meine Sprache stecken geblieben ist, darum schüttle ich den Kopf.
„Gut. Ich verarsche dich nicht.“
Etwas verlegen blicke ich zu Boden, bevor ich wieder sprechen kann.
„Ok…ich will nämlich nicht verarscht werden. Wie lange bist du überhaupt noch in Graz?“
„Am Donnerstag fahre ich zurück nach Wien.“
Heute ist Montag, ein paar Tage ist er also noch hier. Ich würde mich gerne wieder mit ihm treffen, aber ich bin zu stolz und zu altmodisch um das vorzuschlagen. Wir gehen weiter Richtung Hauptplatz, inzwischen hält er nicht mehr meine Hand, sondern hat seinen Arm um meine Hüfte gelegt. Fühlt sich richtig gut an.
„Ich nehme die nächste Straßenbahn“, sage ich, als wir die Straße überqueren.“
„Gibst du mir kurz dein Handy bitte?“, meint er fast beiläufig.
Ich sehe ihn überrascht an. „Ja, wozu?“
„Glaubst du, ich lasse dich ohne deine Telefonnummer zu haben in die Bim steigen?“
„Oh, ach so…“
Ich ziehe mein Handy aus der Tasche und gebe es ihm. Er tippt seine Nummer ein und speichert sie auch gleich ab, bevor er den Kontakt anruft.
„So, jetzt hast du meine und ich deine.“
Die Straßenbahn fährt ein, ich bin mit einem mal etwas unsicher, ob ich wirklich einsteigen soll. Er drückt mir das Handy wieder in die Hand und anschließend einen Kuss auf den Mund. Die Türe klappt neben mir auf, zwei Leute steigen aus.
„Gute Nacht Lexi.“
Er streicht noch einmal kurz über meine Schulter. Ich steige ein und drehe mich kurz um.
„Gute Nacht.“
Jetzt muss ich lächeln, ich kann gar nicht damit aufhören, obwohl ich nicht einmal weiß, ob er sich jemals wieder melden wird. Aber er hat meine Telefonnummer und ich seine. Ich lasse mich auf eine Bank fallen, als mein Handy summt. Es ist eine Nachricht. Von ihm. Das ging aber schnell. Meine Wangen glühen.
Weißt du worüber ich froh bin?
Nein…? Worüber?
Heute hab ich für den Kuss keine Ohrfeige abkassiert…
Ich muss schmunzeln. Nein, keine Ohrfeige. Ich schließe kurz meine Augen und überlege, ob ich etwas zurück schreiben soll, aber da kommt schon die nächste SMS.
Ich hole dich morgen um 11.00 Uhr bei der Trafik an der Ecke eurer Straße ab. Hoffe du hast Zeit?
Ok…also doch ein weiteres Treffen. Klingt sehr gut…
Hast du etwas Bestimmtes vor?
Nein…nichts Bestimmtes…Da weiter machen, wo wir aufgehört haben…
Ich muss schmunzeln. Sehr gerne Herr Leitner…
Ok…ich werde dort sein…Gute Nacht…Lexi
Gute Nacht und bis Morgen T.
Ich komme mir vor, als würde ich auf Wolken schweben, auch wenn ich mir das Ganze nicht so vorgestellt habe. Das könnte ein Problem werden, aber ich denke schon wieder zu weit. Ich werde ihn einfach morgen treffen und dann sehen wir weiter. Nichts überstürzen. Meine Knie sind immer noch wackelig, ich öffne das Gartentor. Als ich ins Haus gehe, steht meine Mama in der Küchentür.
„Hallo Mama…“
„Wo warst du denn? Bei Klara?“, fragt sie mich und lächelt mich an.
„Nein…ähm…ich war etwas Trinken. In der Stadt.“
Sie schmunzelt. „Etwas trinken? Etwas Ernstes?“
„Mama….“
„Schon gut…Kenn ich ihn?“
Ich atme tief ein. Ja, du kennst ihn, kann ich dir aber nicht sagen. Shit.
„Ähm…nein, glaub nicht…“, murmle ich und hopse schnell die Treppe hinauf. „Gute Nacht Mama.“
„Sieht aus, als ob du nicht darüber sprechen möchtest?“, ruft sie mir nach.
„Heute nicht Mama, es ist alles ok, mach dir keine Sorgen!“
„Wie du willst Lexi, Gute Nacht.“
Ich gehe schnell in mein Zimmer und atme tief durch. Nachdenklich streiche ich über meine Lippen. Wow…Oh Gott…Wow…Ich lasse mich auf mein Bett fallen und muss an seine Augen denken. Ich seufze. Er ist wirklich süß…außerordentlich süß….Bettina wird mich umbringen, wenn sie das erfährt.
14. Juli 2010
Es ist kurz vor Mitternacht und ich schmuse nun schon fast seit einer Stunde mit Tobias im Auto. Er hat ein Stück von unserem Haus entfernt angehalten. Sicherheitsabstand vor meinen Eltern. Die vergangenen beiden Tage waren der Wahnsinn. Unbeschreiblich. Ich habe den ganzen Dienstag mit ihm verbracht, wir waren in der Weingegend unterwegs, das war sehr romantisch und heute waren wir noch einmal in der Stadt und am Abend im Kino. Obwohl ich vom Film nicht wirklich viel mitbekommen habe. Tobias fährt mit seiner rechten Hand unter meine Bluse und streicht meine Rücken hinauf. Ich atme vorsichtig durch. Alle meine Körperhaare richten sich schlagartig auf. Zusätzlich streicht er mit der anderen Hand über meinen Oberschenkel. Draußen regnet es in Strömen, hin und wieder blitzt es, die Scheiben im Auto sind schon ganz angelaufen. Nach dem schwülen Wetter heute war es absehbar, dass ein Gewitter kommen wird. Ich nehme allen Mut zusammen und schiebe meine Hände ebenfalls unter sein Shirt. Das will ich schon seit unserem Kuss am Schlossberg tun. Ihn fühlen. Zuerst fahre ich ein Stück seine Wirbelsäule hoch, dann taste ich nach vorne und berühre seine Brust, die fest und muskulös ist. Seine Haut ist angenehm warm. Es fühlt sich an, als würden kleine Funken unter meinen Fingern auf seiner Haut sprühen. Er küsst zärtlich meinen Hals. Zum ersten Mal denke ich ernsthaft daran mehr zu wollen. Mehr zu zuzulassen. Viel mehr. Das Blut in meiner Halsschlagader pumpt. Ich spüre seinen Atem an meinem Hals. Heiß. Leidenschaftlich. Langsam schiebt er seine Hand ein Stück unter meinen Rock, jetzt pocht es auch noch in meiner Beinschlagader. Ich bemühe mich nicht lauter als nötig nach Luft zu schnappen. Auch wenn ich mehr will, lege ich instinktiv meine Hand auf seine, noch nie war die Hand eines Mannes an dieser Stelle auf meiner nackten Haut. Das macht mich nervös.
„Zu schnell?“, flüstert er nahe an meinem Ohr.
Ich zucke mit den Schultern. Er streicht über meine Wange.
„Ich will schon, aber nicht hier im Auto…“, murmle ich etwas verlegen.
Er lächelt. „Ich auch nicht…schon gar nicht im Auto meiner Mutter.“
„Schade, dass du morgen schon wieder zurück fährst. Wie geht es dann weiter? Vergisst du mich dann?“
Er verdreht die Augen. „Nein, natürlich nicht. Ich komme einfach wieder, oder du kommst nach Wien?“
„Ja, das wäre schön, aber ich glaube meine Eltern werden nicht begeistert sein, nachdem du mit Bettina zusammen warst.“
„Sie müssen es ja nicht gleich erfahren.“
Ich nicke. Das wird wohl für den Anfang das Beste sein.
„Nächste Woche fahren sie übers Wochenende in die Berge. Da wäre ich allein.“
Er führt seine Lippen an meine. „Die lassen dich ganz allein zu Hause?“
„Ja…“, hauche ich.
„Wird eine lange Woche werden…“, seufzt er.
„Naja…so lange du keine Freudinnen besuchst.“
Er zieht die Augenbrauen hoch. „Wärst du denn eifersüchtig?“
Ich nicke verhalten. „Schon.“
Er schmunzelt. „Nein, mach ich nicht.“
„Gut.“
Wir küssen uns noch eine Zeitlang, bevor ich mich losreißen kann. Er lässt mich ein paar Meter vor unserem Haus aussteigen. Ich laufe im Regen über die Straße und sehe ihm noch hinterher. Seufzend schließe ich kurz meine Augen. Ich bin verliebt. Richtig verliebt. Es ist ein ungewohntes Gefühl, aber es ist auch ein unbeschreibliches Gefühl. Unbeschreiblich gut. Ich will es wirklich mit ihm tun, heute denke ich schon den ganzen Tag darüber nach. Nicht nur weil ich bald neunzehn werde, und es jetzt wirklich an der Zeit ist, nein, weil es sich richtig anfühlt. Ich habe Schmetterlinge im Bauch und es kribbelt auf meiner Haut wenn er mich berührt. Ja, es fühlt sich richtig an. Er ist süß und intelligent, zwar immer noch ein bisschen snobig, aber darüber sehe ich hinweg. Mit einem Lächeln im Gesicht schleiche ich mich in mein Zimmer. Mein Herz klopft immer noch. Ja…ich bin verliebt.
Kapitel 3
TOBIAS
Die letzte Woche in Graz…Meine Güte. Lexi ist wirklich ein tolles Mädchen. Sie hat mir gleich gefallen, als ich sie zum ersten Mal sah. Damals, ich war noch mit Bettina zusammen. Ja…Bettina ist ein Vamp. Tolle Figur. Tolle Haare. Sexy. Lexi ist anders. Ich bin versucht zu sagen, dass die süß ist, aber das ist auch nicht das richtige Wort. Sie ist… Ich weiß nicht, ich kann es nicht beschreiben. Sie strahlt etwas aus, dass es mir schwer macht nicht ständig an sie zu denken. Jedenfalls ist sie anders als alle Mädchen die ich kenne. Auch wenn sie hin und wieder ein bisschen störrisch zu sein scheint. Keine Ahnung warum ich sie eigentlich noch nicht flachgelegt habe. Normalerweise stehe ich nicht so auf den ganzen Romantikram. Es ist unnötig. Wozu so lange herumspielen, wenn man auch wesentlich schneller an sein Ziel kommen kann. Vielleicht hält mich der Umstand, dass ich mit ihrer Schwester Sex hatte noch davon ab. In so einer Situation war ich noch nie. Obwohl mir Bettina schon lange egal ist. Sie hatte ihre Qualitäten, doch die Art wie sie mit Menschen umgeht hat mir nicht gefallen. Aber ich werde Alexandra Hofbauer flachlegen. Mit Sicherheit. Am Freitag fahre ich nach Graz und ja, ich freue mich wirklich richtig darauf. Nicht nur wegen dem Flachlegen, nein, auch weil ich sie komischerweise wirklich vermisse. Sie ist lustig und gescheit. Manchmal ist ihre Fragerei zwar ein bisschen anstrengend, aber trotzdem süß. Ich mag ihre Locken und die Sommersprossen rund um ihre Nase herum. Sie hat so etwas Forderndes in ihrem Blick und das Beste daran ist, sie scheint nicht zu wissen wie sie auf mich wirkt. Sie scheint überhaupt nicht zu merken wie sie auf Männer wirkt. Ihre dunklen Augen können manchmal wirklich durchdringend sein. Sie ist unglaublich hübsch, eben besonders. Ich befürchte nur ihr Vater wird mich umbringen. Spätestens wenn ich sie wirklich flachlege. Was passieren wird. Definitiv.
Freitag, 23. Juli 2010
Ich habe das Autoradio laut aufgedreht. Heute ist ein Hammertag. Es ist traumhaft schön und warm. Meine Mutter war zwar verwundert, warum ich schon wieder ihr Auto brauche um nach Graz zu fahren, aber ich denke sie weiß schon, dass es um ein Mädchen geht. Lexis Eltern sind heute früh in die Obersteiermark gefahren. Yes. Sturmfreie Bude. Wir haben gerade noch telefoniert, ich glaube sie freut sich auch richtig. Gut so.
Eineinhalb Stunden später stehe ich vor der Türe der Familie Hofbauer. Es ist ein komisches Gefühl. Hier hab ich schon mit Bettina…Ich schüttle den Kopf. Daran sollte ich jetzt nicht mehr denken. Ja, sie war ein tolles Mädchen, aber etwas Besonderes war sie auch nicht. Sie hat mich ständig herumkommandiert und ich konnte ihr nur wenig Recht machen. Bis auf eine Sache…wieder schüttle ich den Kopf. Nicht mehr daran denken.
„Hi…du bist ja schon da!“ Lexi, die gerade die Tür geöffnet hat, reißt mich aus meinen Gedanken. Oh Mann, sie sieht bezaubernd aus. Ja, bezaubernd. Auch heute trägt sie wieder ein kurzes Kleid. Sie hat so schöne Beine und eine traumhafte Haut, nur leider konnte ich davon noch nicht so viel erforschen, wie ich das gerne getan hätte. Sie ist ziemlich zurückhaltend, was mir aber irgendwie gefällt, es hat etwas Verwegenes.
„Hi…“, begrüße ich sie auch. Etwas zögerlich gibt sie mir einen Kuss. Der zögerliche Kuss ist mir zu wenig, darum ziehe ich sie schnell in meine Arme.
„Komm erst einmal herein…Die Nachbarn…“, sagt sie und verdreht ihre Augen.
Ich folge ihrer Anweisung und gehe in den Vorraum, während sie die Tür hinter uns schließt. Ich starte einen neuerlichen Versuch, der jetzt auch funktioniert. Es ist wirklich der Wahnsinn sie zu küssen, sie schmeckt unglaublich. Ich bin recht überrascht, dass sie schon jetzt ihre Hände unter mein Shirt schiebt und meinen Rücken hinauf streicht. Heute also gar nicht so schüchtern. Nachdem sie sich von mir gelöst hat, lächelt sie mich an. Mein Vater hätte eine Freude mit ihr. Wunderschöne, strahlend weiße Zähne, die perfekt aneinander gereiht aus ihrem Mund funkeln. Das gefällt auch mir außerordentlich gut. Ich muss sie bei Gelegenheit fragen, ob sie eine Zahnspange getragen hat.
„Schön, dass du gekommen bist. Ich weiß nicht, ob man das sagen darf, aber ich habe dich vermisst“, meint sie lächelnd.
Ihre Wangen färben sich rosig. Ich habe sie auch vermisst. Aber Männer sagen so etwas wirklich nicht. Darum nehme ich sie noch einmal in den Arm.
„Jetzt bin ich ja hier.“
„Möchtest du etwas trinken, oder essen?“, fragt sie mich in der gewohnt höflichen Hofbauer Art.
„Ich dachte wir gehen vielleicht gemeinsam etwas essen? Aber ein Wasser würde ich nehmen.“
„Ja sicher, gerne. Wo willst du denn hingehen?“
Sie geht voraus in die Küche und hebt etwas vom Boden auf, herrje, das Kleid ist ordentlich kurz und das was ich da knieaufwärts, oder besser Po abwärts sehe ist mehr als heiß. Ich glaube sie hat meine Blicke bemerkt, aber was soll ich machen, sie ist wirklich hübsch.
„Sag du wohin, du kennst dich aus“, entgegne ich darum schnell.
„Magst du Sushi?“
Ich nicke.
„Ok, dann weiß ich etwas.“
Während dem Essen hab ich sie dauernd angeschaut. Sie wird denken ich bin ein Volltrottel. Bin ich auch. Egal. Ich denke ständig daran sie zu berühren. Eigentlich bin ich aus dem Alter raus, oder ich hatte einfach zu lange keinen Sex mehr. Das wird sich hoffentlich in den nächsten Stunden ändern. Ich hoffe sie will es immer noch. Vorige Woche hätte ich sie fast so weit gehabt. Inzwischen ist es schon fast dunkel geworden.
„Wenn ich dich jetzt nach Hause bringe…soll ich dann bei dir bleiben, oder wie hast du dir das vorgestellt?“, frage ich recht direkt.
Ich hoffe nicht zu direkt. Mädchen sind da manchmal sehr eigenartig. Sie wollen es, aber sie möchten nicht, dass man sie so direkt darauf anspricht. Sie lächelt und legt ihre Hand auf meinen Oberschenkel.
„Wäre schön wenn du bleibst.“
Ich atme ein. Ok…Sie fährt mit ihrer Hand ein Stück weiter nach oben. Sofort regt sich mein kleiner Freund. Ich amte aus. Ein bisschen Geduld noch. Ein bisschen…Ich erwidere ihr Lächeln und lege meine Hand auf ihre. Sie meint es wäre besser, wenn ich den Wagen in die Garage stelle. Als wir hinein fahren, sieht sie mich mit einem Blick an, der wieder direkt in meinem Unterleib wiederhallt. Ich würde es am liebsten gleich im Auto tun, aber das will sie nicht, hat sie mir vorige Woche schon gesagt. Darum reiße ich mich zusammen. Wir gehen ins Haus. Ich hinter ihr her. Weil ich ihre Rückansicht liebe. Ohne Kleid wird es noch besser sein, da bin ich mir sicher.
„Magst du noch irgendetwas?“, fragt sie mich, während sie abschließt.
Ich schüttle den Kopf. Nur dich. Denn du bist unglaublich heiß. Meine Gedanken fahren schon einmal eine Runde im Sexkarussell.
„Nein Danke, ich muss mal schnell aufs WC.“
Ihr Handy klingelt. Sie sieht aufs Display. „Meine Mama.“
„Oh. Ich hoffe sie kommen nicht schon wieder zurück…“, scherze ich, und hoffe es bleibt ein Scherz.
Sie grinst und hebt ab. Ich signalisiere ihr, dass ich den Weg zur Toilette auch allein finde. Schließlich war ich ja schon hier. Das werde ich heute aber möglichst nicht mehr zur Sprache bringen. Ich glaube, das kommt nicht so gut an. Als ich fertig bin, steht sie an der Treppe. Ich weiß nicht, aber sie sieht ein bisschen nervös aus.
„Alles ok?“, frage ich darum schnell.
Sie nickt und kommt einen Schritt auf mich zu. Dann küsst sie mich zu meiner Verwunderung sehr stürmisch und schiebt mein Shirt ein Stück nach oben. Ok…Gut. Sehr gut.
„Ich könnte mir vorstellen, du hast ein sehr gemütliches Zimmer…“, murmle ich in ihr Ohr.
Sie beißt sich auf die Unterlippe und sagt nichts. Sie ist so umwerfend. Dann dreht sie sich um und wirft mir noch einen Blick zu, ich nehme an, ich soll ihr folgen. Sie geht voraus, ich hinterher. Ich schließe ihre Zimmertür hinter uns. Sie steht vor mir und sieht mich an. Schon wieder durchbohrt mich ihr Blick bis ich es im Unterleib spüre. Das ist ein eigenartiges Gefühl, ich wüsste nicht wann ich mich schon einmal so gefühlt habe. Schnell gehe ich einen Schritt näher und bleibe dicht vor ihr stehen. Ich spüre ihren Atem an meinem Hals, etwas zögerlich legt sie ihre Hände um meine Hüften, bevor sie diese wieder unter mein Shirt schiebt. Ihre Hände sind ein bisschen kalt. Komisch. Es ist meinem Empfinden nach ziemlich warm im Zimmer. Ich streiche über eine Locke, die sich aus ihrem Zopf gelöst hat.
„Kannst du deine Haare aufmachen?“, flüstere ich in ihr Ohr.
Sie lässt mich los und löst den Haargummi, kurz schüttelt sie ihre Mähne durch, ein paar Locken fallen in ihr Gesicht. Jetzt blickt sie mit leicht gesenktem Blick durch diese Strähnen auf meine Brust. Mein Gott, ich bin mir nicht sicher ob sie weiß, was sie damit bei mir auslöst. Ich wandere mit meinen Händen ihren Rücken hoch, und ziehe langsam den Reißverschluss ihres Kleides hinunter. Gleichzeitig beginne ich sie zu küssen. Sanft. Ihre Zunge sucht sich den Weg in meinen Mund, was ich sofort erwidere. Ihr Kleid streiche ich über ihre Schultern, es gleitet zu Boden. Ich öffne meine Augen, ich bin zu neugierig. Am liebsten würde ich einen Schritt zurückgehen um sie vollends ansehen zu können. Doch für dem Moment reicht mir was ich sehe. Es ist besser als erwartet. Ihre helle, seidige Haut ist traumhaft. Die Unterwäsche die sie trägt ist schlicht, aber trotzdem schön. Ich kann mir vorstellen, dass sie in Spitze noch heißer aussieht. Oder noch besser, gleich ohne etwas. Ich denke, das werde ich gleich sehen. Zärtlich streiche ich über ihren Hals. Ich kann nicht anders, ich muss jetzt endlich ihre Brust berühren, zielstrebig streiche ich weiter abwärts und stoppe am Punkt meiner Begierde. Tief einatmend muss ich meine Augen wieder schließen. Dieser Busen…wow…nicht so groß, aber megageil, passt genau in meine Hände. Perfekt. Diese Nacht wird der Wahnsinn werden. Der BH muss weg. Sofort. Während ich den Verschluss ertaste, zieht sie mir mein Shirt über den Kopf. Sie beginnt sanft meine Brust zu küssen, was es mir nicht ganz einfach macht, so routiniert wie ich das möchte den BH zu öffnen. Trotzdem gelingt es mir irgendwie. Ich schiebe meine Hände unter den BH und löse ihn so von ihren Brüsten. Auch das fühlt sich besser an, als ich es erwartet habe. Sogar hammermäßig würde ich sagen. Ihre Brustwarzen richten sich auf. Mhmmmm…Sie schließt ihre Augen, wieder spüre ich ihren Atem an meinem Hals. Sie will es. Gut. Sehr gut. Ich drücke sie sanft bis zum Bettrand, sie legt sich darauf und sieht mich wieder an. Anfassen ist mir zu wenig. Ich küsse zuerst nur ihren Brustansatz, bevor ich mich weiter vorarbeitete. Liebevoll streicht sie durch meine Haare, dann schließt sie ihre Augen wieder. Sie atmet nicht ganz geräuschlos aus. Immer noch mit ihrem wahnsinnig heißen Busen beschäftigt, streiche ich über ihren flachen Bauch bis zum Saum ihres Höschens. Mit ihren sanften Fingerspitzen fährt sie den Bund meiner Jeans entlang, endlich erreicht sie die Region meines Körpers, die schon sehnsüchtig auf ihre Berührung wartet. Sie tastet nach vorne, stoppt dann aber wieder, darum lasse ich einmal kurz von ihr ab und öffne meine Hose, und hoffe sie wird den Wink verstehen. Zögerlich schiebt sie ihre Hände unter die Jeans und streicht über meinen Hintern. Ich vergrabe meine Hände in ihren Haaren und küsse sie wieder. Mach weiter Süße. Plötzlich fällt mir ein wichtiges Detail ein, bevor ich zum Denken nicht mehr fähig bin.
„Nimmst du eigentlich die Pille?“
Sie nimmt ihre Hände von meinem Hinterteil. Ich richte mich ein wenig auf um sie ansehen zu können. Sie blickt auf. Hoffentlich hab ich nichts Falsches gemacht?
„Nein…“, murmelt sie.
„Ok, kein Problem, ich kümmere mich darum.“
Ich will nach hinten in die Potasche meiner Jeans greifen, als sie meine Hand nimmt.
„Ich muss dir etwas sagen…“, flüstert sie etwas verhalten.
„Ja? Was ist denn?“
Ich hoffe sie sagt jetzt nicht, dass sie ihre Tage hat. Bitte nicht. Ich bin zwar da nicht so empfindlich, aber besser wäre es ohne dieses lästige Übel und bis jetzt scheint alles perfekt.
„Ich…ich habe…“, sie stammelt etwas daher, ohne mich dabei anzusehen, fast als wäre es ihr peinlich. Sanft streiche ich über ihre Wange.
„Ganz ruhig Lexi, was ist denn?“, frage ich darum.
„Ich hatte noch nie Sex“, sagt sie leise und sieht wieder weg.
Kurz stockt mir der Atem. Hat sie wirklich gerade gesagt, dass sie noch nie Sex hatte? Ich sammle kurz meine Gedanken, was mit einem Ständer in der Hose nicht ganz einfach ist.
„Du bist noch Jungfrau?“, frage ich darum vorsichtig nach.
Sie nickt. Scheiße.
Alles was sich bei mir da unten gerade noch so vielversprechend aufgebaut hat, fällt in sich zusammen. Du liebe Zeit. Das hätte ich im Traum nicht gedacht. Ja gut, sie ist schüchtern und ein bisschen zurückhaltend, aber Jungfrau?
„Oh, ok“, sage ich, denn ich habe das Gefühl, sie wartet auf eine Reaktion.
Warum hatte sie noch nie Sex? Sie ist fast neunzehn. Wollte denn noch nie ein Typ dieses Mädchen vögeln? Das kann ich nicht verstehen. Ich bin nicht der Richtige um ihr die Jungfräulichkeit zu nehmen. Ich mag offensive Frauen…Ich kann das nicht…Wenn ich das gewusst hätte…Ich habe noch NIE eine Jungfrau…
„Ist das ein Problem für dich?“, fragt sie mich auf einmal frei heraus, und sieht mich jetzt auch wieder an.
Scheiße, natürlich ist das ein Problem, das ändert alles. Herrje…
„Nein, kein Problem…natürlich nicht…“, stammle ich, und versuche zu lächeln.
Sie fängt wieder an über meinen Rücken zu streichen. Ein Kribbeln durchfährt mich. Es ist eine komische Situation. Irgendetwas werde ich jetzt wohl tun müssen, aufhören kann ich momentan auch nicht. Es hat so gut angefangen.
„Was hast du denn schon getan? Ich meine, wie weit bist du bis jetzt gegangen?“
Ihre Wangen röten sich. „Was meinst du?“
„Fummeln, Kuscheln, keine Ahnung…“
Ihre Wangen röten sich noch ein bisschen mehr.
„Also…was du heute gemacht hast“, murmelt sie.
Was ICH heute gemacht habe. Aha. Es wird immer interessanter. Ich glaube sie ist verlegen, ich hoffe sie schämt sich jetzt nicht. Das muss sie nicht. Sie ist ein tolles, intelligentes und wunderschönes Mädchen. Ich schmiege mich wieder fester an sie und drücke mein Gesicht an ihre Wange. Sanft streiche ich über ihren Körper. Überall dort, wo ICH sie heute schon berührt habe. Oh Mann.
„Dich hat noch nie ein Junge so berührt?“, flüstere ich.
Sie schüttelt zaghaft den Kopf.
„Nirgends? Da waren noch nie andere Hände als meine?“
„Nein.“
Ich fasse es nicht. Wieder streiche ich sanft am Saum ihres Höschens entlang.
„Also hier auch nicht?“
„Nein, natürlich nicht…“, haucht sie, aber sie räkelt sich zustimmend.
„Und ich soll das jetzt tun?“
Sie nickt.
„Bist du sicher?“
Wieder nickt sie.
„Aber selbst hast du dich schon berührt? Ich meine…“
Sie unterbricht mich.
„Tobias, bitte…hör jetzt auf mir Fragen zu stellen.“
Ich sehe ein wenig auf. Sie ist ziemlich rot angelaufen. Gut. Sie hat es sich also zumindest schon selbst gemacht. Zum Glück. Das lässt meinen Unterleib wieder erwachen. Der Gedanke daran gefällt mir. Ich schiebe meine Hand vorsichtig unter das Höschen und küsse gleichzeitig ihren Hals. Ihre Haut fühlt sich heiß und glatt an. Rasiert finde ich toll. Mein Zeigefinger sucht sich den Weg ein Stück weiter nach unten. Oh ja…sehr heiß…und feucht. Wow…Ich versuche nicht mehr daran zu denken dass sie eine Jungfrau ist. Ich werde jetzt einfach ein bisschen mit ihr spielen. Ganz vorsichtig fange ich an über ihre Klitoris zu streichen. Ihre Hand wandert wieder an meinen Hintern. Gut Baby. Ich mache weiter. Sie atmet hörbar. Langsam lasse ich meinen Finger in sie gleiten. Fühlt sich eng an. Noch einmal. Wow…Ich gleite wieder heraus und wieder hinein, dann wieder über ihre Klitoris. Ganz vorsichtig, wehtun will ich ihr auf keinen Fall. Sie bäumt sich ein bisschen auf. Scheint der richtige Weg zu sein. Ich muss sie jetzt einfach küssen, sehr fordernd schiebt sie mir ihre Zunge in den Mund. Immer weiter liebkose ich sie, ich löse mich von ihrem Mund und lasse meine Zunge über ihren Hals bis zu ihren Brustwarzen spielen. Ich bin so erregt, dass ich mich kaum noch halten kann, aber wir wollen das Ganze heute nicht übertreiben. Sie hat noch nie und ich will sie nicht überfordern. Darum mache ich einfach weiter, denn es scheint ihr zu gefallen. Plötzlich beginnt sie leise zu stöhnen. Gut. Ich verstärke den Druck meines Fingers ein bisschen. Sie bäumt sich wieder auf.
„Was machst du denn?“, haucht sie, ihre Stimme klingt sehr erregt, was mir wiederum einen Stich versetzt.
„Lass mich einfach machen…“, murmle ich in ihr Ohr.
Und ich mache weiter. Ich spüre, sie ist gleich soweit. Ich eigentlich auch, aber ich unterdrücke für den Moment einmal meine Wünsche. Wundert mich, dass ich das überhaupt kann. Sie bäumt sich noch einmal auf. Ja…Sie krallt ihre Hände in meinen Hintern, schnell drücke ich meine Lippen auf ihre. Ich spüre förmlich das Blut in ihrer Vagina kochen, sie stöhnt begehrlich, während ich sie immer noch küsse in meinen Mund. OH MEIN GOTT. Das habe ich wohl richtig gut gemacht. Langsam lässt der Druck ihrer Hände auf meinem Hintern nach. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich fühle wie ihr Puls da unten pumpt, darum lasse ich meinen Finger noch ein bisschen dort. Dann streiche ich langsam ihren Körper hinauf und küsse noch einmal ihren Hals.
„Wow…Lexi…“, hauche ich in ihr Ohr.
„Entschuldige…ich konnte nicht mehr…was machst du denn?“, flüstert sie und hält ihre Hände vors Gesicht.
Ich nehme ihre Hand wieder weg und grinse sie an. Es gibt nichts, was ihr peinlich sein müsste. Im Gegenteil. „Das war doch gut, oder?“
„Ja sicher…“, sie schließt fast beschämt ihre Augen.
„Du musst nicht schüchtern sein, ich finde das ziemlich aufregend.“
„Aber was ist jetzt mit dir, ich wollte doch…“
Ich lege meinen Finger auf ihren Mund. Der war gerade noch wo anders.
„Schon gut…nicht alles auf einmal“, beruhige ich sie, lege meine Arme um sie und drücke sie an mich. Sie ist toll. Wirklich außergewöhnlich. Sie ist eine Jungfrau. Shit.
Als ich aufwache bin ich ein bisschen orientierungslos. Ich sehe vorsichtig zur Seite. Lexis Hand liegt auf meiner nackten Brust. Ihre Locken glänzen in der Sonne die durch einen Spalt im Vorhang ins Zimmer scheint. Sie sieht so unschuldig aus. Sofort regt sich mein Unterleib. Scheiße, sie ist unschuldig. Noch nie bin ich neben einem Mädchen wach geworden, ohne dass ich mit ihr Sex hatte. Na ja, es war zumindest ein Anfang, der mir scheinbar ganz gut gelungen ist. Ich bin froh, dass ich gestern Abend noch geduscht habe, sonst hätte ich kein Auge zutun können neben ihr. Es waren nur ein wenige Handgriffe nötig, und ein paar Gedanken daran was ich zuvor mit ihr getan habe. Natürlich weiß sie nicht, dass ich es mir selbst gemacht habe, ich glaube sie wäre sonst eingeschnappt. Sie war sowieso ein bisschen verwundert, warum ich nicht mit ihr schlafen wollte, aber wie gesagt, nicht alles auf einmal. Ihre Hand auf meiner Brust fühlt sich gut an. Keine Ahnung was ich jetzt machen soll. Ich hab schon zu viel gemacht. Wenn sie bis jetzt noch nie Sex hatte, und vermutlich auf den Richtigen gewartet hat, hab ich es schon übertrieben. Ich bin nicht der Richtige. Sie ist ein schlaues Mädchen und ich bin ein Typ der nur eine nach der anderen flachlegen will. Das hat sie nicht verdient. Sie ist eine fucking Jungfrau. Verdammte Scheiße. Ich kann das nicht. Plötzlich fühlt sich ihre Hand auf meiner Brust unglaublich schwer an. Es ist, als würde sie sich durch meine Haut brennen. Ich drehe mich ein bisschen zur Seite. Sie atmet durch. Langsam öffnen sich ihre Augen. Gott, sie ist so schön. Sie sieht mich mit ihren dunklen Augen durch ihre flackernden Wimpern an. Sie lächelt. Ich kann das nicht. Scheiße. Sie streicht über meine Wange und nähert sich meinen Lippen, dann küsst sie mich. Ich erwidere es. Sinnlich. Heiß. Es geht schon wieder los. NEIN. ICH KANN DAS NICHT. FUCK. Ich schnappe nach Luft.
„Guten Morgen“, haucht sie.
„Guten Morgen.“
„Toll…“, murmelt sie.
„Was ist toll?“, frage ich nach. Keine Ahnung, aber ich fühle mich wirklich unbehaglich.
„Das du hier neben mir liegst.“
Schon wieder dieser Blick. Sie durchbohrt mich förmlich.
„Ja…“ Mehr fällt mir nicht ein.
Sie rutscht näher an mich und fängt an mich zu streicheln, was sich so schön anfühlt. Mist. So geht das nicht.
„Gestern war wirklich…“ Ihre Wangen röten sich. „Aber jetzt würde ich wirklich gerne mit dir…“
Ich unterbreche sie. „Wir haben jede Menge Zeit Lexi…“
„Ich will aber nicht mehr warten.“
Sie beginnt zärtlich meinen Hals zu küssen, als mein Handy klingelt. Danke lieber Gott. Ich löse mich von ihr. Sie sieht mir etwas ungläubig nach, als ich aus dem Bett springe und das Handy aus meiner Jeans ziehe. Es ist mein Vater.
„Da muss ich kurz rangehen“, sage ich ernst und gehe aus dem Zimmer.
Würde ich zwar normalerweise in so einer Situation nie machen, aber heute ist es die Rettung. Ich verlasse das Zimmer und gehe auf den Gang. Mein Vater sucht das Wasserballtor, ich habe auch keine Ahnung wo es ist. Als ich auflege, habe ich ein ganz schlechtes Gefühl. Ich kann nicht mit ihr schlafen. Es geht einfach nicht. Sie sollte es mit jemandem tun, der die Angelegenheit mit mehr Ernsthaftigkeit angeht als ich. Außerdem war sowieso alles ein Fehler. Ihre Eltern werden mich umbringen, jetzt schon, und wenn ich mit ihr schlafe, werden sie mich vorher noch ausgiebig foltern. Zurecht. Ich weiß gar nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Beschämt schaue ich auf die Zimmertüre, hinter der ich mit ihrer Schwester gevögelt habe. Ich bin so ein dummes Arschloch. Lexi schaut im Nachthemd mit verwuschelten Haaren aus ihrem Zimmer. Ich unterdrücke ein seufzen. Sogar so sieht sie atemberaubend aus.
„Alles ok?“, fragt sie mich.
Ich kratzte mich an der Stirn. „Ja…also eigentlich Nein. Ich muss zurück nach Wien.“
Sie sieht mich überrascht an. „Was? Echt? Warum denn?“
Ja warum denn? Keine Ahnung. Weil ich ein Depp bin. Weil ich keine Jungfrauen ficke. Schon gar nicht eine so Zauberhafte wie du es bist.
„Ähm…ja mein Vater braucht mich…“ Ich habe keinen Schimmer was ich sagen soll. Wie soll ich bitte aus dem Schlamassel wieder raus kommen?
„Wann denn?“, fragt sie enttäuscht.
„Jetzt.“
Sie zuckt mit den Schultern und sagt nichts. Ein kurzer Stich durchfährt mich, wenn ich sie so ansehe. Mein Gott. Was soll ich ihr denn sagen? Jetzt tut sie mir leid, oder ich tue mir leid. Mist. Schnell gehe ich zu ihr und nehme sie in den Arm. Ein letztes Mal noch. Ich drücke sie fest und stecke meine Nase in ihre Locken. Sie riecht so gut. Seufzend schließe ich meine Augen. Das war es. Tut mir leid Lexi, aber für dich ist es besser so. Du wirst mich bald wieder vergessen haben.
„Wann sehen wir uns denn wieder?“, murmelt sie in meine nackte Schulter.
Wieder ein Stich. Wir sehen uns nicht mehr wieder. Es ist besser so.
„Ich ruf dich an“, flüstere ich.
Keine Ahnung warum ich das jetzt gesagt habe, denn ich werde sie NICHT mehr anrufen, aber ich schaffe es nicht, ihr das ins Gesicht zu sagen.
„Ok…“, murmelt sie, immer noch enttäuscht, das spüre ich.
Einmal muss ich sie noch küssen, dann packe ich schnell meine Sachen zusammen. Bevor ich das Haus verlasse, sieht sie mich wieder so an. Es tut mir leid, was ich angefangen habe. Normalerweise würde ich einfach abhauen und es wäre mir egal, aber heute schäme ich mich. Ich schäme mich wirklich in Grund und Boden. Das hat sie nicht verdient und trotzdem ist es so noch am besten. Zu ihrem Besten.
„Tschau Lexi“, sage ich und streiche ein letztes Mal durch ihre Locken und gebe ihr einen flüchtigen Kuss.
„Ich hoffe bis bald.“ Sie lächelt mich liebevoll an.
Ich nicke zögerlich. Ich muss raus hier. Sofort.
1 Woche später
Ich stehe seit einer gefühlten Ewigkeit unter der Dusche nachdem ich heute zum vierten Mal diese Woche einen Halbmarathon gelaufen bin. Meine Zehnen fühlen sich schon ganz taub an. Ich glaube sie werden bald blau sein. Kurz drehe ich noch das kalte Wasser auf, bevor ich heraus steige. Ich fühle mich beschissen, beim Laufen kann ich wenigstens meine Wut über mich selbst ein wenig abreagieren. Meinen Entschluss Lexi nicht mehr anzurufen, habe ich durchgezogen. Es ist grauenhaft. Schlimmer als ich dachte. Ich war mir sicher das Ganze nach ein paar Tagen locker wegzustecken. Bis jetzt war das auch noch nie ein Problem. Kurz nachdem ich vorigen Samstag bei ihr aus dem Haus gegangen bin, habe ich noch eine SMS von ihr bekommen. „Ich werde immer daran denken müssen was du mit mir angestellt hast bis wir uns wieder sehen…und ich würde mich gerne revanchieren…Lexi“. Ich muss auch ständig daran denken, weil ich ein blödes Schwein bin. Ich habe nicht auf die Nachricht reagiert. Meinen Kopf schüttelnd sehe ich mein Spiegelbild an, und hasse mich heute selbst noch ein bisschen mehr als gestern. Ich zucke zusammen, als es an der Badezimmertüre klopft.
„Wir essen in zehn Minuten“, sagt meine Mutter durch die geschlossene Türe.
Ich öffne sie einen Spalt.
„Mama ich hab keinen Hunger.“
„Du hattest auch gestern und vorgestern und den Tag davor keinen Hunger. Was ist denn los mit dir?“
„Nichts.“
„Dann isst du jetzt mit uns.“ Ihr Ton wird strenger.
Ich wickle das Badetuch um meine Hüften und gehe an ihr vorbei.
„Ich hab Bauchschmerzen. Ich leg mich hin.“
„Bauchschmerzen? Ich dachte du gehst heute mit deinen Freunden weg?“
Ich schüttle den Kopf. Auch das interessiert mich absolut nicht. Ich will nicht weggehen und mich auch mit niemand unterhalten, und schon gar nicht will ich ausgefragt werden. Meine Mutter seufzt und kehrt mir den Rücken zu. Zum Glück. Ich gehe in mein Zimmer und lege mich aufs Bett. Gestern hat Lexi mich dann einmal versucht anzurufen. Ehrlich gesagt, hat es mich gewundert, dass es so lange gedauert hat. Natürlich hab ich nicht abgenommen. Daraufhin hat sie mir eine SMS geschickt. Ich lese sie erneut durch.
Ich ärgere mich darüber, dass ich so blöd war zu denken, du könntest wirklich ernsthaftes Interesse an mir haben. Was ich dir jetzt schreibe, hätte ich dir gerne persönlich gesagt, aber leider hast du nicht den Mut mit mir zu sprechen. DU BIST EIN ARSCHLOCH! Du hättest mir auch einfach sagen können, dass du mich verarscht hast. Ach und noch etwas, du bist außerdem ein Scheißfeigling.
Auch auf diese Nachricht habe ich nicht reagiert. Ja ich bin ein Scheißfeigling. Ich schließe meine Augen. Schon wieder klopft es. Warum können mich nicht einfach alle zufriedenlassen? Meine Mutter kommt mit einer Tasse ins Zimmer und stellt diese am Nachttisch neben mir ab.
„Ich hab dir Tee gemacht. Gegen die Bauchschmerzen.“
„Danke“, murmle ich.
Sie sieht mich an, dann setzt sie sich auf die Bettkante und streicht mir durch die nassen Haare. Das fühlt sich an, als wäre ich wieder fünf Jahre alt.
„Ich weiß allerdings nicht, ob dieser Tee gegen deine Art von Bauchschmerzen hilft.“
Ich seufze.
„Was ist los Tobias?“
„Mama bitte…“
„Irgendetwas ist da in Graz passiert, das spüre ich.“
„Du kannst mir nicht helfen, da muss ich jetzt allein durch.“
„Komm schon, raus damit, vielleicht geht es dir dann besser.“
„Das bezweifle ich. Ich hab etwas ganz Blödes getan.“
„Du hast aber nichts angestellt?“, fragt sie sehr ernst.
„Doch, irgendwie schon.“ Ich drehe mich schnell auf den Bauch und drücke mein Gesicht ins Kissen.
„Gott Tobias! Hast du ein Kind angebaut, oder was mit Drogen am Hut? Los ich will es jetzt sofort wissen, sonst hole ich deinen Vater dazu!“, sagt sie sehr ernst und eindringlich.
Meine Güte, nicht auch das noch, es ist schon Schmach genug für mich mit ihr darüber zu reden. Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt und meine Mutter fragt mich aus wie ein Baby.
„Nein, nein.“ Ich drehe mich wieder langsam zu ihr. „Ich hab ein Mädchen kennen gelernt, also eigentlich kannte ich sie schon. Es war alles ganz toll, bis…Ich hab sie sitzen gelassen.“ Ich atme durch. „Das hätte ich nicht tun dürfen, aber ich hätte erst gar nichts mit ihr anfangen sollen. Es war alles ein Fehler.“
Sie hört mir aufmerksam zu. „Ok, ich verstehe gar nichts. Nur eines ist mir klar, dir ist die Angelegenheit ernster als ich es von dir gewohnt bin.“
Ich nicke seufzend.
„Warum rufst du sie nicht einfach an und sprichst mit ihr?“
„Mama…Sie ist die Schwester von Bettina.“
Sie sieht mich mit großen Augen an. „Von Bettina Hofbauer?“
„Ja.“
„Oh.“
„Genau. Ohhhhhhh.“ Das Oh ziehe ich ganz besonders lang.
„Man kann sich nicht aussuchen in wen man sich verliebt und mit Bettina, das ist doch schon Monate her.“
„Trotzdem. Ich weiß nicht, ob ich so sein kann, wie es für sie gut ist. Sie ist ein ganz außergewöhnliches Mädchen, intelligent, schön und…“
„Und du bist ordentlich in sie verliebt mein Sohn“, unterbricht sie mich.
„Ja und sie ist…“ Ich schließe meine Augen, ich kann mich nicht erinnern, wann ich jemals so ein Gespräch mit meiner Mutter geführt habe.
„Was denn?“, fragt sie mich gespannt.
„Jungfrau.“
Sie lacht ein bisschen, wird dann aber gleich wieder ernst. „Wie alt ist sie denn?“
„Keine Sorge, fast Neunzehn.“
„Das ist in der Tat außergewöhnlich.“
Ich nicke.
„Wann hast du denn deine Meinung geändert?“
„Was meinst du denn?“, frage ich sie.
„Wann ist dir bewusst geworden, dass du sie besser nicht stehen lassen hättest sollen?“
„Ziemlich schnell.“
Sie streicht erneut durch meine Haare. „Wenn du wirklich in sie verliebt bist, dann würde ich vorschlagen, nimm mein Auto, fahr los und versuche zu retten was noch zu retten ist.“
„Ich bin aber ein Scheißfeigling.“
„Sagt sie?“
„Ja und sie hat recht.“
Mama schmunzelt. „Beweise ihr das Gegenteil.“
Ich zucke mit den Schultern, sie steht auf, bleibt aber noch einmal stehen. „Du meinst es ernst? Ich meine wenn sie noch Jungfrau ist, dann solltest du es wirklich ernst meinen.“
„Ja verdammte Scheiße.“
Sie zieht ihre Augenbrauen hoch.
„Entschuldigung. Ja, ich meine es ernst.“
Sie lächelt wieder. „Du machst das schon.“
Ich konnte auch die vergangene Nacht wieder kaum schlafen, vor allem weil ich über Mamas Worte nachgedacht habe. Ich werde Lexi beweisen, dass ich kein Feigling bin. Keine Ahnung was alle an der Liebe so schön finden, ich finde es bislang nur schmerzhaft. Nichts läuft in den letzten Tagen so wie ich es gewohnt bin. Das muss jetzt aufhören. Darum sitze ich kurz nach sieben Uhr morgens bereits im Wagen auf der Autobahn Richtung Graz, und das an einem Samstagmorgen. Da komme ich normalerweise gerade einmal nach Hause. Was ich tun werde um mich bei Lexi zu entschuldigen weiß ich allerdings noch immer nicht so genau. Ich kann wohl schlecht einfach hingehen und an ihre Haustüre klopfen. Ihr Vater wird mir den Hals umdrehen. Wenn es um Lexi geht, ist er nicht zum Spaßen aufgelegt. Das habe ich die wenigen Tage die ich mit Bettina dort war gemerkt. Sie ist sein Mädchen. Jetzt verstehe ich das noch ein bisschen besser als damals, obwohl ich sie schon vor einem halben Jahr ziemlich mochte. Nein, ich mochte sie nicht, ehrlich gesagt war ich schon in sie verliebt, als ich sie zum ersten Mal sah. Ist so. Was soll ich machen. Kurz bevor ich Graz erreiche, bleibe ich noch einmal stehen und trinke einen Kaffee. Ich ziehe mein Handy aus der Tasche und versuche sie anzurufen. Natürlich hebt sie nicht ab. Ich seufze. Auch wenn es wahrscheinlich nichts bringt, tippe ich schnell eine Nachricht.
Ja ich bin ein Scheißfeigling und ein Arschloch, aber bitte gib mir eine Chance mit dir zu sprechen. BITTE. Es tut mir leid. Tobias.
Diese Nachricht zu schreiben, fühlt sich ein bisschen an, als würde man mir meine Eier abschneiden, aber ich fürchte, das habe ich verdient. Aber auch darauf reagiert sie nicht.
„Ja…du bist eben ein schlaues Mädchen…“, murmle ich für mich selbst. Dann steige ich wieder in den Wagen und fahre wenig später ihre Wohnstraße entlang. Ich bleibe so vor dem Haus stehen, dass ich auf das Haus sehen kann, aber nicht weiter auffallen werde, da hier immer Autos parken, weil hier eine Bushaltestelle ist. Es ist kurz nach zehn Uhr. Ich warte und warte und überlege was ich tun könnte, aber da ich ein Scheißfeigling bin, traue ich mich nicht einfach so anzuläuten. Nach zweiundfünfzig Minuten fährt plötzlich ihre Mutter an mir vorbei und biegt in die Einfahrt des Hauses ein. Ich versinke fast hinter dem Steuer. Hinter ihr schließt sich wieder das automatische Tor. Ich atme durch. Feigling. Ich krame im Handschuhfach nach einem Stück Traubenzucker, normalerweise hat meine Mutter immer einen da drinnen, heute finde ich nur einen Kaugummi. Gerade als ich wieder aufsehe, schiebt Lexi ihr Fahrrad hinaus auf den Gehweg. Mein Herz beginnt zu klopfen und rutscht mir fast in die Hose. Sie ist so schön…Sie steigt auf und tritt los. Kurz überlege ich, atme durch und springe dann aus dem Auto.
„Lexi!“, rufe ich ihr hinterher.
Sie dreht sich kurz um, bremst abrupt ab, was ordentlich quietscht und sieht mich an. Ich bin schon fast bei ihr. Besonders glücklich mich zu sehen scheint sie nicht zu sein, aber etwas anderes habe ich auch nicht erwartet.
„Hau ab!“, sagt sie nicht besonders leise, aber ziemlich bestimmt. Ich bleibe stehen.
„Bitte, gib mir fünf Minuten.“
Sie schüttelt den Kopf. „Ich gebe dir nicht einmal fünf Sekunden.“
Dann steigt sie wieder auf und tritt los. Ich dachte sie wäre nicht sportlich, aber heute sieht das anders aus. Ich gebe es auf ihr hinterher zu laufen. Mit dem Tempo das sie vorlegt komme ich ihr nie nach. Darum laufe ich zurück zum Auto und fahre ihr nach. An der Kreuzung habe ich sie eingeholt, denn sie musste an der roten Ampel halten. Ich lasse die Scheibe hinunter.
„Bitte Lexi. Es tut mir leid. Ich möchte es dir erklären.“
Mehr kann ich nicht sagen, denn es wird grün und sie strampelt weiter. Da sie eine ziemliche Harakiri Fahrt an den Tag legt um mich offensichtlich abzuhängen, lasse ich die Verfolgungsjagd, ich möchte nicht, dass ihr deshalb noch etwas passiert. Ich beschließe wieder zurück an meinen Übersichtsplatz vor dem Haus der Hofbauers zu fahren. Dort warte ich ziemlich lange. Sogar sehr lange. Es ist schon später Nachmittag und außerdem recht warm, bis sie wieder auftaucht. Ich bin verschwitzt und stinke vermutlich, aber das kann ich jetzt nicht ändern. Schnell springe ich wieder aus dem Auto und laufe ihr entgegen. Sie steigt vom Fahrrad ab, schiebt es aber zielstrebig weiter.
„Sag mal spinnst du? Du sollst abhauen! Hör auf mich zu stalken!“, pfaucht sie sehr energisch.
„Ich gehe erst, wenn du mir zugehört hast“, entgegne ich fest entschlossen ihr jetzt alles zu erklären.
„Ich wüsste nicht, was wir noch zu bereden hätten.“
„Jede Menge, bleib bitte stehen“, flehe ich, als wir schon fast am Gartentor angekommen sind.
Sie bleibt wirklich stehen und sieht mich an, dieser Blick…Es sticht wieder in meinem Herzen.
„Hau ab Tobias. Ganz schnell und für immer.“ Ihre Stimme ist leise und ein bisschen zittrig.
Dann dreht sie sich weg und geht durch das Gartentor das sie mit Schwung hinter sich zuwirft. Mist…Ich habe sie wirklich ordentlich beleidigt.
„Ich gehe nicht“, rufe ich ihr nach.
„Du kannst ja gerne an die Türe klingeln wenn du den Mut dazu aufbringst“, sagt sie etwas höhnisch, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Ich stehe wie versteinert da. Könnte ich machen, wenn ich nicht zu feige dazu wäre. Sie verschwindet im Haus. Seufzend drehe ich mich um und gehe zurück zum Auto. Ich stopfe mir noch einen Kaugummi in den Mund, ich habe das Gefühl sonst an Unterzuckerung zu sterben. Nervös klopfe ich auf meinen Oberschenkel. Nachdenken Tobias. Du musst nachdenken. Ich hatte viele Mädchen. Manche länger, manche nur für ein paar Stunden, manche sogar noch kürzer. Von einigen wusste ich nicht einmal den Namen, von vielen habe ich ihn vergessen. Hin und wieder hab ich versucht, so etwas wie eine Beziehung zu führen. Meist mit mäßigem Erfolg. Nachdem es mit Bettina aus war, habe ich oft an Lexi gedacht, sogar während ich in den USA war. Mit ihr hätte es anders sein können. Nein, es war schon anders, weil ich in sie verliebt bin. Scheißverliebt. Ich bekomme wieder Bauchschmerzen. Ja ich bin ein Scheißfeigling, aber ich werde das überwinden müssen. Oder auch nicht. Etwas mit einem Mädchen wie sie eines ist anzufangen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Ich weiß nicht, ob ich das kann.
Kapitel 4
LEXI
Ich spüre wie sich Tränen in mir aufbauen. Es wäre schön, wenn ich sagen könnte die kämen nur von meiner Wut auf diesen Trottel, aber es viel mehr als Wut. Es sind schreckliche Schmerzen die ist seit einer Woche ertragen muss. Ich will ihn nicht mehr sehen und nie wieder ein Wort von ihm hören, damit das endlich aufhört. Irgendwie hat mich mein Unterbewusstsein gewarnt, aber ich hab nicht darauf gehört, ich hab ihn Dinge machen lassen…Scheiße, ich hasse mich dafür. Ironischerweise war mir sofort klar, dass er sich nicht mehr melden wird als er letzten Samstag das Haus verließ, aber ich versuchte auch dieses Gefühl zu ignorieren. Doch jetzt steht er einfach so ganz lässig vor unserem Haus. NEIN! Irgendwelches Entschuldigungsgeplänkel kann er sich sparen. Ich werfe die Haustür schwungvoller hinter mir zu als ich es wollte. Mein Vater, der gerade durch die Terrassentür hereinkommt sieht mich kopfschüttelnd an. Er hasst es wenn Türen zugeknallt werden.
„Hi…“, sage ich schnell, und laufe die Treppe hinauf.
„Wir grillen nachher“, ruft er mir nach.
„Ok…ich geh nur schnell duschen“, sage ich ohne mich umzudrehen.
Ich möchte nicht, dass er die Tränen in meinen Augen sieht. Nachdem er und Mama letztes Wochenende nach Hause kamen, konnte ich nur schwer verbergen wie schlecht es mir geht. Irgendwie hab ich es aber geschafft, dass sie nichts gemerkt haben. Ich laufe in mein Zimmer und schaue aus dem Fenster.
„Hau ab…“, murmle ich für mich selbst.
Tatsächlich steigt er ein und lässt den Motor an. Ich seufze. Schnell schließe ich meine Augen. Ich werde wegen ihm nicht mehr weinen. Schluss damit! Er fährt weg. Ich halte die Luft an. Auch wenn es gut so ist, fühle ich mich nicht unbedingt besser. Es sticht in meinem Bauch. Schnell gehe ich ins Bad und lasse lange das Wasser auf meine Haut prasseln. Wenn ich meine Augen schließe, muss ich sofort daran denken, wie er mich berührt hat. Keine Ahnung, wann es aufhört, dass es mir dabei alle Haare am Körper aufrichtet. Ich trockne mich ab, kurz bevor ich sowieso fertig bin, höre ich Mama rufen.
„Mama? Hast du mich gerufen?“, frage ich hinunter.
„Ja, kommst du dann? Wir wollen essen.“
„Bin gleich soweit“, antworte ich.
Ich schlüpfe schnell in ein Shirt und Shorts und hopse die Treppe hinunter. Mama drückt mir eine Salatschüssel in die Hand.
„Nimm die bitte gleich mit.“
„Ok“, sage ich und gehe weiter.
Als ich schon fast in der Türe nach draußen stehe, bremse ich schlagartig ein. Ich kann gerade noch verhindern, dass mir die Schüssel auskommt. Mein Vater sieht mich mit einem Bier in der Hand sehr ernst mit hochgezogenen Augenbrauen an. Vor ihm steht in Mamas bester Vase ein großer Strauß mit rosa Rosen. Tobias springt vom Sessel auf, bleibt aber wie auch ich, wie versteinert stehen.
„Komm nur heraus“, sagt Papa ruhig, aber nicht zufrieden.
Mama kommt auch und nimmt mir die Schüssel aus der Hand, während sie vorbei geht.
„Du hast Besuch“, ergänzt er und nimmt einen Schluck aus seiner Bierflasche. „Setzt dich ruhig wieder hin Tobias“, fügt er noch hinzu. „Willst du nicht doch ein Bier?“
Der sinkt wie in Zeitlupe auf den Sessel. „Nein Danke.“
Ich spiele mit dem Gedanken mich umzudrehen und mich in meinem Zimmer zu verschanzen. Papa signalisiert mit seinem Zeigefinger erneut, dass ich hinaus kommen soll. Ich gehe die paar Schritte nach draußen.
„Hinsetzen“, fordert er mich noch einmal auf, was ich dann auch mache.
Er kratzt sich am Kinn und sieht zuerst zu mir und dann zu Tobias.
„So, kannst du mir das bitte noch einmal erklären, ich verstehe es nicht ganz…“ Er sieht wieder zu mir. „Tobias sagt, er ist wegen dir hier.“
Ich zucke mit den Schultern. Er sieht wieder zu Tobias.
„Was ist da genau passiert zwischen euch?“
Tobias atmet sichtlich nervös ein.
„Nichts“, antworte ich sehr schnell, sehr trocken und verschränke meine Arme vor der Brust.
Papa verdreht die Augen.
„Ich habe mich in Ihre Tochter verliebt“, sprudelt es auf einmal aus ihm heraus.
Scheiße, was redet er denn da? Von wegen verliebt. Papa schmunzelt, aber genervt würde ich sagen. Ich befürchte er wird gleich auf den Tisch hauen.
„Aha. Verliebt. Zuerst in die Eine und dann in die Andere, oder wie?“
„Ja… Nein…, also ich kann das erklären…“, stammelt Tobias.
„Ich bin aber nicht in dich verliebt“, unterbreche ich ihn. „Du brauchst nichts zu erklären.“
Mama, die bis jetzt wortlos zugesehen hat, meldet sich zu Wort.
„Tobias hat dir so schöne Blumen mitgebracht.“ Sie lächelt ihn an. „Ich habe das Gefühl, ihr solltet das vielleicht allein klären.“
Dabei sieht sie meinen Vater sehr ernst an. Der schüttelt den Kopf.
„Nein Heidi, ich befürchte Tobias ist nicht ganz dicht…“
Mama unterbricht Papa. „Schluss jetzt Andreas. Los Lexi, geht in die Küche.“
Ich will noch sagen, dass es unnötig ist, aber Tobias steht schon auf und sieht mich fast flehend an. Er ist ganz blass und seine Schultern hängen ungewohnt. Geschieht im Recht. Er hat es nicht anders verdient. Ich bleibe etwas bockig sitzen. In mich verliebt. So ein Unsinn.
„Lexi…“, sagt meine Mutter melodiös.
„Na gut….“, schnaufe ich und gehe voraus in die Küche, Tobias schleicht hinter mir her. Ich drehe mich um und lasse ihn erst gar nicht zu Wort kommen.
„Du bist ein Arschloch und ein Feigling, trotzdem, vergiss es, reden wir nicht mehr darüber, es war ein Anflug sommerlich romantischer Gefühle. Lassen wir es gut sein. Bitte nimm deine Rosen und geh wieder.“
Ich klopfe energisch mit meinem Zeigefinger auf die Küchenplatte, was er augenscheinlich verfolgt.
„Was für ein Anflug?“, sagt er, und grinst dabei zu meiner Verwunderung ein wenig.
„Es ist doch nichts passiert. Vergessen wir es.“
Er kommt einen Schritt auf mich zu. „Es ist ziemlich viel passiert.“ Nervös kratzt er sich an der Stirn. „Ich habe Angst bekommen.“
„Ach was?!“, sage ich höhnisch. „Vor mir?“
„Nein. Es ist…“ Er stockt kurz. „Es ist weil ich nicht einfach so ganz locker mit dir schlafen kann.“
„Was?“ Ich ziehe meine Augenbrauen hoch. „Ich bin mir sicher du könntest das sehr wohl.“
„Ja…schon aber… es geht nicht weil…“
Ich unterbreche ihn wieder. „Weil ich flachbrüstig und unerfahren bin? Weil EINE Freundin irgendwelche besonderen Spielchen mit dir treibt, die ich mangels Erfahrung nicht drauf habe?“
„Hör auf Lexi.“ Er sieht zu Boden. „Weil ich dachte, ich kann dir nie gerecht werden, ich wollte dir nicht etwas nehmen, worauf du so lange gut aufgepasst hast.“
„Sprichst du gerade von meiner Jungfräulichkeit?“, sage ich leise.
Er nickt. Ich lache.
„Ich meine das ernst, ich dachte es wäre besser, ich mache mich ganz schnell aus dem Staub.“
Ich verschränke meine Arme. Es klingt, als würde er ernst meinen was er da sagt. Verstehen tue ich es aber nicht wirklich.
„Das ist dir ja bravurös gelungen. Warum bist du jetzt zurückgekommen?“
„Es hat ein bisschen gedauert, bis ich gemerkt habe, dass das nicht so einfach geht. Ich bin wirklich in dich verliebt Lexi.“
Wieder sieht er zu Boden.
„Und du kannst mich dabei nicht einmal ansehen?“
Er sieht auf. „Du bist gar nicht flachbrüstig…“
Ich verdrehe die Augen.
„Ich bin in dich verliebt Alexandra“, wiederholt er.
„Ehrlich?“, frage ich leise. „Das hat dich jetzt aber ganz schön viel Überwindung gekostet. Ist ziemlich anstrengend immer so cool und lässig zu sein.“
Er nickt. „Ich habe meine Eier vor der Türe abgelegt.“
„Oh…“, murmle ich kaum hörbar.
Er sieht mich fragend an. Ich seufze.
„Was machen wir denn jetzt?“, ich sehe in seine schönen Augen, die müde aussehen.
Er lächelt. Dann kommt er auf mich zu.
„Darf ich dich bitte umarmen?“
„Meine Güte Tobias, bitte sammle deine Eier wieder auf.“
Er lacht ein bisschen, umarmt mich dann aber fest.
„Tut mir leid, ich stinke, ich sitze schon den ganzen Tag im Wagen…“
„Angstschweiß ist aber auch eine schlimme Sache“, grinse ich.
„Es tut mir wirklich leid, können wir vielleicht dort weiter machen wo wir aufgehört haben?“
Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Ich weiß nicht, ob ich genau dort weiter machen kann“, dann grinse ich aber. „Mein Papa wird dich sicher gleich rausschmeißen.“
„Das ist mir jetzt egal.“ Er drückt seine Lippen auf meine und küsst mich. Ja, es fühlt sich sofort wieder so an, wie ich es in Erinnerung hatte. Nein, sogar besser. Etwas zögerlich erwidere ich es.
Er löst sich vorsichtig von mir. Blass ist er noch immer. „Du hast vorhin gesagt du bist nicht in mich verliebt…“
„Was hätte ich denn sagen sollen, und was wenn du es dir in ein paar Stunden wieder anders überlegst?“
Er streicht über meine Wange. „Nein, ich überlege es mir nicht mehr anders.“
„Ich weiß nicht, ob es gut ist, dir zu offenbaren wie ich für dich empfinde.“ Ich sehe ihm sehr tief in die Augen.
„Dann verlasse ich mich darauf was ich spüre wenn du in meiner Nähe bist, irgendwann wirst du es mir schon sagen“, seufzt er.
Natürlich bin ich in ihn verliebt, so verliebt war ich noch nie. Genau darum hab ich ihn Dinge machen lassen, von denen ich zuvor nur geträumt habe. Ich werde ihm das jetzt trotzdem nicht sagen, ganz so schnell kann ich nicht vergessen, dass er sich einfach aus dem Staub gemacht hat.
„Also können wir es noch einmal versuchen?“, murmelt er irgendwann in mein Ohr, schiebt seine Hände unter mein Shirt und streicht meinen Rücken hoch.
„Ja, versuchen wir es“, hauche ich, als wir beide zusammenzucken.
„So, jetzt ist aber genug, Hände weg von meiner Tochter!“, schimpft mein Papa, aber als ich aufsehe, zwinkert er mir zu. Ich glaube zwar nicht ganz zufrieden, aber ich schätze Mama hat ihn inzwischen ein bisschen bearbeitet. Dann werden wir es eben noch einmal versuchen.
„Kannst du mir etwas versprechen?“, frage ich ihn leise.
Er nickt. „Ich denke schon.“
„Egal was passiert, bitte lüg mich nie wieder an. Sag nicht du rufst mich an, wenn du dich nicht melden wirst und auch sonst, lüg mich nicht an.“ Das sage ich sehr ernst und ich meine es auch so.
„Ich lüge dich nicht an. Versprochen.“
Ich nicke. „Gut. Nichts ist schlimmer als belogen zu werden.“
Er greift nach meiner Hand und sieht mir tief in die Augen. Ich glaube, das hat er verstanden.
29. August 2010
Ich bin seit zwei Tagen in Wien. Tobias wollte unbedingt, dass ich seine Familie kennen lerne. Zuvor war ich noch bei Bettina und hab ihr alles erzählt. Sie ist seit ein paar Tagen zurück aus Italien. Ich wollte nicht, dass sie es von irgendwem erfährt. Ganz glücklich war sie zwar nicht zu erfahren, dass ich jetzt mit Tobias zusammen bin, aber das war mir klar. Doch sie ist mir auch nicht böse. Der zweite Anlauf mit ihm gestaltet sich also durchwegs zufriedenstellend. Ich lasse ihn aber immer noch spüren, dass er mich ganz schön verletzt hat. Darum besitze ich auch noch weiterhin meine Jungfräulichkeit. Ich war schon ganz knapp davor, damals als wir allein bei mir zu Hause waren, bevor er abgehauen ist. Jetzt musste ich die letzten Wochen wieder vertrauen zu ihm aufbauen und komischerweise hat er erst gar nicht versucht mich dazu zu bringen. Er besuchte mich ganz oft in Graz, Papa hat sich inzwischen auch ein bisschen beruhigt. Die vergangene Nacht habe ich das erste Mal wieder gemeinsam in einem Zimmer mit ihm verbracht. In seinem Zimmer. Es war schön. Sehr schön sogar. Da ist auch ein bisschen etwas passiert, wenn ich daran denke, wird mir heiß. Endlich konnte ich ihn so berühren, wie ich es mir schon oft vorgestellt habe und ich glaube, nein ich bin mir sicher, es hat ihm gefallen. Ich mag seine Eltern, seine Mama Elke ist total nett, aber auch sein Vater Bernd ist ein toller Mann. Er hat auch noch eine Schwester, Elisa, sie ist um ein paar Jahre älter als er und studiert Medizin in Berlin. Ich habe sie noch nicht kennen gelernt. Sie ist gerade mit ihrem Freund in Spanien auf Urlaub. Heute waren wir ein bisschen unterwegs und ich habe ein paar seiner Freunde kennen gelernt. Wir schlendern Hand in Hand nach Hause, es ist schon nach Mitternacht und ich fühle mich ein bisschen beschwipst, ich habe ein paar Cocktails getrunken.
„Deine Freunde sind nett.“
Er nickt wortlos und zieht mich näher an sich. Ich atme tief ein, er riecht heute so verführerisch, mein Herz klopft aufgeregt. Seufzend atme ich aus.
„Alles ok?“, er sieht mich fragend an.
Ich bleibe stehen, ohne seine Hand loszulassen. „Ich bin ganz schrecklich in dich verliebt, ganz ganz ganz unglaublich verliebt. So und jetzt vergiss es wieder, bevor du noch einmal Angst bekommst und wieder davon läufst.“
Er zieht mich wieder an sich. „Ich habe keine Angst mehr und ich laufe auch nicht mehr weg.“
Gut. Ich hoffe es bleibt dabei. Wir spazieren weiter, als wir durch den Vorgarten gehen, hören wir noch Stimmen von der Veranda. Seine Eltern sitzen mit einer Flasche Wein im Garten. Bernd besteht darauf, dass wir uns dazu setzen. Ich trinke aber keinen Wein mehr, sondern nippe nur an meinem Wasser und sehe dabei ständig zu Tobias. Ja, ich bin verliebt. Irgendwann stehe ich auf.
„Ich gehe schon mal ins Bad.“ Gute Nacht.“
Tobias steht auch auf. Ich lächle ihm zu.
„Bleib doch noch sitzen, ich finde allein den Weg.“
Er sieht mich etwas überrascht an, setzt sich dann aber noch einmal hin. Ich brauche ein paar Minuten für mich. Zum Nachdenken. Als ich aus dem Bad komme, ist er noch nicht da, aber ich höre ihn unten mit seiner Mutter reden. Er wird also sicher gleich kommen. Ich schlüpfe unter die Decke und mache das Licht aus. Ich höre ihn am Gang, dann kommt er ins Zimmer.
„Schläfst du schon?“, fragt er mich leise.
„Nein…“, hauche ich.
„Ok, ich gehe noch schnell meine Zähne putzen, bin gleich bei dir.“
Ich kuschle mich in sein Kissen und warte auf ihn, was nicht sehr lange dauert. Er checkt noch irgendetwas am Handy, dann schlüpft er unter die Decke. Die Rollos sind nicht geschlossen, der Vollmond scheint ziemlich hell durch das geöffnete Fenster, darum ist es auch nicht dunkel im Zimmer. Zögerlich streicht er über meine Haut.
„Du hast nichts an“, stellt er fast ungläubig fest.
„Nein…“
„Ok…“
Er schmiegt sich fest an mich und streichelt mich weiter. Dann beginnt er mich zu küssen, zuerst am Mund, dann den Hals. Ich greife nach seiner Hand und führe sie an meine Brust. Er streicht darüber.
„Soweit waren wir schon einmal…“, murmelt er und sieht mich dabei an.
„Wir waren sogar schon weiter…“, entgegne ich.
Er küsst mich weiter, jetzt auch hinunter über meine Brust und meinen Bauch, zärtlich streicht er mit seiner Hand meinen Innenschenkel hinauf. Ich gleite mit meiner Hand über seinen Rücken und schiebe sie unter seine Shorts. Er hat so einen tollen knackigen Hintern, das macht mich wahnsinnig. Seine Hand wandert noch ein Stück weiter aufwärts. Er beginnt mich zu liebkosen, ganz sanft und vorsichtig. Sofort zieht sich mein Unterleib zustimmend zusammen. Ich ziehe sein Gesicht an meines. Er macht weiter. Das himmlische Gefühl baut sich immer weiter auf, doch dann hört er auf. Er presst sich ein bisschen auf mich, er trägt immer noch seine Short, ich spüre seine Erektion. Ich atme hörbar aus. Auch wenn ich immer noch ein bisschen Respekt habe, oder Schiss, ich weiß nicht, ich will es. Jetzt. Vorsichtig schiebe ich die Shorts über seinen Hintern hinunter. Ich hoffe er versteht was ich will. Haut an Haut. Wow…Er küsst meinen Hals, dann streicht er meine Haare zurück.
„Bist du sicher?“
Ich fahre mit meiner Hand nach unten. „Ja.“
Dann greife ich nach einem Kondom, dass ich unter den Kopfpolster gelegt habe, diesmal habe ich vorgesorgt. Er nimmt es in die Hand und küsst mich wieder.
„Wirklich ganz sicher?“, fragt er noch einmal.
„Ganz sicher, bist du dir denn auch sicher?“, frage ich vorsichtig nach.
„Gott ja, ich kann es kaum erwarten.“
Er streift das Kondom über, ich bin ganz froh, dass es nicht so hell im Zimmer ist, ich bin so aufgeregt. Wieder küsst er mich, immer noch ganz vorsichtig und zärtlich. Sein Finger versinkt wieder in mir und gleitet ein und aus. Sanft. Mein Herz klopft schneller. Er macht das so gut, dass mir leicht schwindelig wird. Ganz sicher bin ich mir nicht was er vorhat, aber er wird schon wissen was er tut. Dann schiebt er behutsam meine Beine ein Stück auseinander. Ich schnappe vor Aufregung nach Luft.
„Ich werde ganz vorsichtig sein“, flüstert er in mein Ohr.
Ich nicke und schließe meine Augen, doch dann öffne ich sie noch einmal. „Ich hab keine Ahnung was ich machen soll, dass es auch für dich gut ist?“
Er lächelt. „Es ist jetzt schon besser, als ich es mir vorgestellt habe. Hör auf zu denken.“
Sanft drückt er seine Lippen wieder auf meine, er greift nach meinen Händen und hält sie fest, ich versuche nicht zu denken. Langsam dringt er in mich ein. Ich halte die Luft an. Oh…das ist…keine Ahnung…Aua…es tut weh. Ich hab damit gerechnet dass es wehtut, aber so? Das mit dem Finger finde ich wesentlich besser. Er lässt meine Hände los und legt sie auf meine Oberschenkel. Auch wenn ich nichts gesagt habe, dürfte er gemerkt haben, dass es sich nicht so gut für mich anfühlt und ich leicht verkrampft bin.
„Lass locker, ich will dir nicht wehtun. Du bist ganz verkrampft. Ist es so schlimm?“, fragt er besorgt.
Ich atme durch. Ja schon. Es tut weh. Jetzt hab ich so lange darauf gewartet und jetzt das. Ich kneife meine Augen zusammen. Wenn ich ihm das sage, wird er enttäuscht von mir sein. Er kommt näher an mein Gesicht.
„Lexi…sagst du bitte etwas? Soll ich weiter machen?“
„Ja, mach weiter“, hauche ich.
Ich will es wirklich, darum versuche ich mich zu entspannen. Er beginnt wieder mich zu streicheln, intensiv und begehrlich. Er weiß genau was mir gefällt. Keine Spur mehr von verkrampft bei mir, ich bin schnell ziemlich erregt. Das scheint ihm nicht zu entgehen, er startet einen neuerlichen Anlauf. Sanft dringt er wieder in mich ein, diesmal hört aber nicht mehr auf und ich versuche auch nicht mehr die Luft anzuhalten, sondern ich ziehe meine Beine ein bisschen an. Nach ein paar Augenblicken tut es dann auch nicht mehr so weh, es fängt an mir zu gefallen. Es ist ein seltsam neues Gefühl, aber gut. Er atmet lauter, das macht mich heiß, ich streiche durch seine Haare und über seinen Rücken. Ich folge meinem Instinkt und beginne ihm mein Becken entgegenzuschieben. Er stöhnt auf, als ich das tue. Scheint also das Richtige zu sein und mir gefällt es auch. Kurz macht er noch weiter dann hört er auf. Ich bin irritiert, hoffentlich habe ich nichts falsch gemacht, gerade jetzt wird es für mich richtig gut.
„Was ist?“, frage ich vorsichtig.
„Gott…“, schnauft er und drückt seine Stirn an meine. „Du bist so eng, das ist Wahnsinn, ich halte das nicht mehr lange aus.“
Ich muss grinsen. „Das ist doch gut, oder?“
„Ja, zu gut, aber ich möchte dass es auch für dich gut ist…“
Er lässt mich nichts mehr darauf sagen und küsst mich intensiv, dann knabbert er an meinen Brustwarzen. Oh ja es ist gut. Sogar sehr gut. Wieder gleitet sein Finger in mich, ich bin so scharf, das ich mir vorkomme als würde ich gleich aus meiner Hülle platzen. Er kreist über meine Klitoris, dabei fange ich an zu stöhnen. Ich bin kurz davor. Das scheint ihm nicht zu entgehen. Sofort dringt er wieder in mich ein, fordernd und sinnlich, wieder folge ich seinem Rhythmus. Ich halte die Luft an, aber jetzt weil ich komme und es keine Möglichkeit mehr gibt es zurück zu halten. Sein Stöhnen wird noch lustvoller, er packt meine Hände und drückt sich fest auf mich. Mein Puls rast, ich atme tief ein und aus. Ich habe das Gefühl, mein Herz wird gleich aus meiner Brust springen. Kurz bleibt er so auf mir liegen, dann zieht er sich vorsichtig zurück und lässt sich auf den Rücken fallen.
„Komm zu mir…“, haucht er erschöpft.
Ich kuschle mich an ihn, er legt seinen Arm um mich und küsst meine Stirn. Minutenlang ist es still. Sein Herz klopft mindestens so stark wie meines. Ich denke, dass ist ein gutes Zeichen.
„Hat es wehgetan?“, fragt er dann auf einmal und dreht sich zu mir.
Ich nicke zögerlich, ich möchte ihn nicht anlügen. „Zuerst schon.“
„Und jetzt?“
Ich überlege kurz was da unten bei mir gerade los ist, auf jeden Fall bin ich überwältig von dem Gefühl Sex gehabt zu haben. Mit ihm.
„Fühlt sich ein bisschen wund an glaub ich.“
„Oh…ok. Ich hoffe ich war nicht zu wild?“
Ich streiche über seine Wange. „Nein, ganz und gar nicht. Es war wunderbar.“
Er lächelt zufrieden. „Für mich auch, du bist außerordentlich Lexi.“
Jetzt bin ich also keine Jungfrau mehr. Ich bin eine richtige Frau. Es fühlt sich gut an. Richtig gut.
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