Read the book: «Geh nie alleine essen! - Neuauflage»

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KEITH FERRAZZI UND TAHL RAZ

GEH NIE ALLEINE ESSEN!

UND ANDERE GEHEIMNISSE RUND UM NETWORKING UND ERFOLG


Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

„Never Eat Alone: And Other Secrets to Success, One Relationship at a Time (Expanded and Updated)“

This translation published by arrangement with Currency, an imprint of Random House, a division of Penguin Random House LLC.

ISBN 978-0-385-34665-8

Copyright der Originalausgabe:

Copyright © 2005, 2014 by Keith Ferrazzi. All rights reserved.

Copyright der deutschen Ausgabe 2020:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Egbert Neumüller, Philipp Seedorf

Gestaltung Cover: Johanna Wack

Satz: Manuel Schäfer

Lektorat: Sebastian Politz

ISBN 978-3-86470-710-0

eISBN 978-3-86470-711-7

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.


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Für Mom und Dad

INHALT

VORWORT

TEIL 1 • DAS MINDSET

1Werden Sie Mitglied im Klub

2Nicht aufrechnen

3Wie lautet Ihre Mission?

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: BILL CLINTON

4Bauen Sie es auf, bevor Sie es brauchen

5Das Genie der Kühnheit

6Die Networking-Nervensäge

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: KATHARINE GRAHAM (1917-2001)

TEIL 2 • DAS SKILL-SET

7Machen Sie Ihre Hausaufgaben

8Namen sammeln

9Das Erwärmen der Kaltakquise

10Der geschickte Umgang mit dem Torwächter

11Geh nie alleine essen

12Teile deine Leidenschaften mit anderen

13Nachhaken oder scheitern

14Werden Sie zum Konferenzkommando

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: SUSAN CAIN

15Connections zu Connectors

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: PAUL REVERE (1734-1818)

16Seinen Kreis erweitern

17Die Kunst des Small Talks

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: BRENÉ BROWN

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: DALE CARNEGIE (1888-1955)

TEIL 3 • MACHEN SIE VERBINDUNGEN ZU VERBÜNDETEN

18Gesundheit, Wohlstand und Kinder

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: ADAM GRANT

19„Social Arbitrage“

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: VERNON JORDAN

20Anpingen – und zwar ständig

21Ankergäste finden und „füttern“

TEIL 4 • CONNECTIONS IM DIGITALEN ZEITALTER

22Die Ränder anzapfen

23Werden Sie Meister des Contents

24Dem Glück auf die Sprünge helfen

TEIL 5 • VERBESSERN UND ZURÜCKGEBEN

25Seien Sie interessant

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: DER DALAI-LAMA

26Bauen Sie Ihre eigene Marke auf

27Verbreiten Sie Ihre Marke

28In die Nähe der Macht gelangen

29Erst aufbauen – die Leute kommen dann schon

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: BENJAMIN FRANKLIN (1706-1790)

30Nicht überheblich werden

31Finden Sie Mentoren, finden Sie Schützlinge – und noch einmal von vorn

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“: ELEANOR ROOSEVELT (1884-1962)

32Balance ist Bullshit

33Willkommen im vernetzten Zeitalter

Vorwort

Eine Stunde von Salt Lake City entfernt, in einer Stadt in Utah namens Eden, gibt es ein atemberaubendes Panorama aus Schnee, Bäumen und Himmel namens Powder Mountain. 2013 hat eine Gruppe bemerkenswerter Leute um die 20 einen Betrag von 40 Millionen Dollar aufgebracht, um das 40 Quadratkilometer große Stück Land zu kaufen. Darauf wollen sie eine ökologische Ferienanlage bauen und ein zweites (oder drittes, viertes oder fünftes) Zuhause für erfolgreiche Entrepreneure schaffen, die die Welt verbessern wollen.

Es ist eine kühne Vision. Die Geschichte, wie diese jungen Erfolgsmenschen es geschafft haben, ist eines der besten Beispiele dafür, wie man die Prinzipien, das Mindset und die praktischen Übungen in diesem Buch zum Leben erweckt.

2008 mühte sich Eliot Bisnow, damals 22 Jahre alt, erfolgreich als Anzeigenverkäufer für das kleine E-Mail-Newsletter-Business seines Vaters ab – so erfolgreich, dass das Unternehmen derart wuchs, dass sie es selbst nicht mehr managen oder weiter vergrößern konnten. Bisnow wusste, er verfügte nicht über das nötige Wissen, aber das Wort „Wirtschaftsstudium“ fiel ihm nicht ein. Schließlich steckte er schon bis zum Hals in Schwierigkeiten, sodass er eher gestern als heute Antworten brauchte.

Er las damals Geh nie alleine essen und das brachte ihn dazu, das Problem aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Was er wirklich brauchte, war Zugang zu einem Netzwerk, das ihm die Art von Mentoring und die Ratschläge bieten konnte, die er brauchte, um dem schnell wachsenden Unternehmen zu helfen. Es war kein Wissensproblem. Es war ein Problem, das mit Menschen zu tun hatte, mit einer Lösung, die auf Menschen beruhte.

Genau wie es das Buch vorschlug, schuf er einen Beziehungs-Aktions-Plan und listete alle seine Möglichkeiten auf – Top-Unternehmer, die ihn vielleicht an ihren Erfolgslektionen teilhaben ließen. Dann schnappte er sich das Telefon, rief aufs Geratewohl Leute an und machte ihnen ein Angebot, das so großzügig war, dass sie nicht widerstehen konnten: ein komplett bezahltes Skiwochenende (Bisnow belastete seine eigene Kreditkarte mit 15.000 Dollar, um das zu ermöglichen), bei dem sie auf Tuchfühlung mit anderen erfolgreichen Unternehmern gehen und vor allem jungen Aufsteigern als Mentoren dienen konnten, die nicht nur nach finanziellem Erfolg strebten, sondern auch auf sozialer Ebene etwas Positives bewirken wollten.

Ein kostenloses Skiwochenende und die Möglichkeit, die Welt zu verbessern? Ich hätte sicher Ja gesagt – ich hätte wahrscheinlich sogar bezahlt, um daran teilzunehmen. Wie sich herausstellte, war ich nicht der Einzige und Bumm! hatte Bisnow ein neues Unternehmen. Im Lauf weniger Jahre sind diese Klausurtagungen zu einem florierenden Event-Unternehmen namens Summit Series geworden, sowohl mit einem profitorientierten als auch einem Non-Profit-Zweig.

Summit Series dreht sich nicht nur darum, jungen Unternehmern und Entrepreneuren auf die Sprünge zu helfen. Es geht darum, eine Community zu schaffen, die wertvollste Form sozialen Kapitals – diejenigen vertraulichen, unterstützenden Beziehungen, die die Zusammenarbeit anspornen und gleichzeitig unser menschliches Bedürfnis nach Verbindung, Zugehörigkeit und Sinn befriedigen. Anders ausgedrückt „eine lebenslange Gemeinschaft von Kollegen, Kontakten, Freunden und Mentoren“.

Was uns das letzte Jahrzehnt an Sozialforschung gelehrt hat, ist, dass die Befriedigung dieser Bedürfnisse im Bereich Beziehungen nicht nur eine schwammige Vorstellung vom „guten Leben“ ist, sondern handfeste Voraussetzung für Kreativität, Innovation, Fortschritt – und, am Ende dieser Kette, Profit.

Nun bezieht Summer Series am Powder Mountain ein dauerhaftes Zuhause, wo langjährige Teilnehmer wie der bekannte Milliardär und Investor Peter Thiel zu denen gehören, die bis zu zwei Millionen Dollar für ein Grundstück bezahlt haben. Dieses Engagement ist nicht nur Beleg für die Langlebigkeit von Summer Series, sondern auch der Ideen, die ein Antrieb für den Erfolg dieses Unterfangens waren.

Bisnows Geschichte ist eine inspirierende Reise durch die Lektionen dieses Buches: vor allem Großzügigkeit in Beziehungen, Wagemut, die Pflege sozialer Kontakte, die Vermischung des Persönlichen mit dem Beruflichen, Verbindung durch gemeinsame Leidenschaften, etwas zurückgeben, Spaß haben.

Auch wenn ich es mir gern auf die Fahnen schriebe, bin ich nicht verantwortlich für die Summit Series. Ich bin nur ein glücklicher Teilhaber dessen, was Bisnow und seine Gruppe geschaffen haben. Aber ich kann mich ehrlicherweise damit brüsten, dass Bisnow selbst gesagt hat, Geh nie alleine essen sei das Handbuch gewesen, das ihm geholfen hat, seine Vision zu formen und umzusetzen. Und er ist einer von Tausenden, von denen ich gehört habe, dass sie nicht nur eine Karriere, sondern ganze Unternehmen auf die Philosophie und die Prinzipien dieses Buches aufgebaut haben.

Im Folgenden die informellen Leitlinien von Summit Series:

1.Begeben Sie sich auf eine Lernsafari: Jeder hat etwas zu lehren. Jeder hat etwas zu lernen. Begeben Sie sich auf eine intellektuelle, spirituelle und kreative Reise.

2.Bauen Sie Freundschaften auf: Bei Summit Series geht es nicht um Networking, es geht darum, lebenslange Freundschaften zu schließen. Die Menschen um Sie herum sind fantastisch. Lernen Sie sie kennen.

3.Erfahren Sie die Gelegenheit gleichzeitigen Handelns: Die unerwarteten Momente sind oft die bedeutungsvollsten. Heißen Sie sie willkommen.

4.Zeigen Sie Liebe: Summit Series dreht sich um den Charakter, nicht um den Lebenslauf. Zeigen Sie den Anfängern Ihre Zuneigung und werden Sie kein Fanboy der großen Tiere.

5.Haben Sie Spaß: Wenn es keinen Spaß macht, zählt es nicht.

Willkommen in der sozialen Ära

Was mir der Erfolg von Bisnow und seiner Community – und der von vielen Tausenden anderen, die mir geschrieben und ihre Erfolgsgeschichten erzählt haben – sagt, ist, dass Geh nie alleine essen sehr viel mehr war als nur meine eigene Geschichte. Was mir wie mein einzigartiger und ehrgeiziger Antrieb vorkam, als armer junger Mann in einer Stahlarbeiterstadt in der Nähe von Pittsburgh Connections zu schuften, wurde tatsächlich von Kräften beeinflusst, die viel mehr umfassten als nur die Leute auf dem örtlichen Golfplatz, wo ich als Caddie so viel lernte.

Die Welt veränderte sich und mich – oder vielleicht hatte ich einfach nur den richtigen genetischen Code, um in diesem neuen Ökosystem aufzublühen. Wie dem auch sei, dieses Buch hat sich zur Anleitung für eine ganze neue Businessära erwiesen.

Im Jahrzehnt darauf habe ich ein Unternehmen aufgebaut, um unseren Klienten während dieses schnellen Wandels durch den Aufbau und den Einsatz besserer Beziehungen zum Erfolg zu verhelfen. Gemeinsam haben wir uns umfassend dafür engagiert, Themen zu studieren und zu verstehen, die lange in anderen Disziplinen beheimatet waren, wie Emotion, Intuition, Verhalten, Vertrauen, Einfluss, Macht, Gegenseitigkeit, Netzwerke und all die Dinge, die sich damit befassen, wie wir uns in Beziehung zu anderen Menschen sehen und wie wir mit ihnen zusammenarbeiten.

Zwei erstaunliche Dinge sind gleichzeitig geschehen:

1.„Networking“, ein Begriff, der einst verschrien war, wurde zur Umgangssprache unserer Zeit, anerkannt als inhärent menschliches Streben – nicht abstoßend oder ausbeutend, sondern den Kräften der Gegenseitigkeit innewohnend, die die menschliche Entwicklung und eine Wirtschaft vorantreiben, die auf Zusammenarbeit beruhen. Die wertvollste Währung ist heute das soziale Kapital, definiert als Informationen, Expertise, Vertrauen und Gesamtwert, der in den Beziehungen besteht, die Sie pflegen, und in den sozialen Netzwerken, denen Sie angehören.

2.Die Wissenschaft hat die Gleichung bestätigt, die sich mir vor zehn Jahren als intuitive Eingebung aufgedrängt hat:

ERFOLG IM LEBEN = (DIE MENSCHEN, DIE SIE TREFFEN) + (WAS SIE GEMEINSAM SCHAFFEN)

Ihr Netzwerk prägt Ihr Schicksal, das ist eine Realität, die von vielen Studien im sich herausbildenden neuen Feld des sozialen Networkings und der sozialen Ansteckungstheorie gestützt wird. Wir werden durch die Menschen definiert, mit denen wir interagieren. Unser Gehalt, unsere Stimmung, wie gesund unser Herz und wie umfangreich unser Bauch ist – all diese Dinge werden dadurch bestimmt, mit wem und wie wir uns zu interagieren entschließen.

Und indem Sie Ihre Beziehungen kontrollieren – was manchmal, wenn man es richtig macht, bedeutet, dass man die Kontrolle aufgibt, wie ich es über die Jahre gelernt habe, besonders, als ich Vater wurde –, übernehmen Sie auch die Kontrolle über Ihre Karriere und über Ihre Zukunft. Die Lektionen in diesem Buch waren noch nie einflussreicher und wichtiger.

Dieser Trend wird sich noch verstärken. Heute ersetzen Kinder ihre Nabelschnur durch das Internet und werden mit der ersten Ausprägung des eigenen Ichs durch das ständige Bewusstsein und die weltweite Interaktion geformt. Während sie, getrieben von den sozialen Medien, aufwachsen, werden sie zu Genies in einigen Bereichen der Beziehungspflege und zu Idioten in anderen Bereichen – und ich gehe davon aus, dass sie die nächsten Jahrzehnte damit zubringen, herauszufinden, welche Bereiche dies sind (gerade rechtzeitig für die nächste umfassende Revolution). Zum Glück für die jungen genauso wie die älteren Leser deckt das Buch nun auch diesen Bereich ab.

Als Geh nicht alleine essen das erste Mal veröffentlicht wurde, genügten ein paar Anspielungen an die Cybernauten, mein Palm Pilot und das „revolutionäre“ Management-Tool für Kontakte namens Plaxo, um das Buch an die Spitze der technologischen und digitalen Beziehungspflege rücken zu lassen. Heute haben die sozialen Medien und mobile Geräte ohne Frage die Art, wie wir Beziehungen pflegen, Einfluss gewinnen und soziales Kapital aufbauen, entscheidend beeinflusst.

Während die Jahre vergingen, haben die Fans meines Buches beharrlich darauf gedrängt, dass es eine Überarbeitung brauchte, wenn es weiter seinen Ruf behalten sollte, die beste Allzweckanleitung für den Aufbau von Beziehungen zu sein.

Bei der Überarbeitung von Geh nie alleine essen habe ich mich bemüht, so viel originalen Inhalt wie möglich zu bewahren, denn ehrlich gesagt funktioniert er immer noch. Ich habe drei neue Kapitel hinzugefügt und den gesamten Text auf den neuesten Stand gebracht, um das Buch deutlicher und stärker auf die digitale Ära auszurichten.

Auch wenn die Technologie sich weiterentwickelt hat, sind die ursprünglichen Mindsets – Großzügigkeit, Authentizität und ein Glauben, dass jeder Großes leisten kann, unabhängig von wirtschaftlichem Hintergrund, Ethnie, Alter oder Geschlecht, solange man anderen stets etwas Wertvolles zu bieten hat – dankenswerterweise immer noch gültig. Der Motor der sozialen Medien wird immer noch von denselben kulturellen Werten angetrieben.

Wie man dieses Buch lesen sollte

Sie werden den größten Nutzen aus diesem Buch ziehen können, wenn Ihr Wunsch, etwas zu lernen, nur von Ihrer Bereitschaft, zu handeln, übertroffen wird.

Wenden Sie die Prinzipien und Taktiken an, sobald Sie sie gelesen haben. Mein operatives Mindset hat folgende Grundlage: Egal wie alt Sie sind oder in welcher Situation Sie sich wiederfinden, Ihr Pfad zu wahrer Größe beginnt in dem Moment, in dem Sie den Mut und die Risikobereitschaft aufbringen, anderen großzügig die Hand zu reichen.

Beziehungspflege und soziale Kompetenz erfordern aktives Lernen. Wenn Sie warten, bis Sie alles gemeistert haben, um sich voll zu engagieren, dann werden Sie Monate oder Jahre verschwenden, falls Sie überhaupt je vom Fleck kommen.

Hier sind nur ein paar Dinge, zu denen Sie dieses Buch befähigen wird:

1. Eine befriedigende, authentische, effektive Netzwerkstrategie zu schaffen, die ein Leben lang besteht.

2. Soziales Kapital aufzubauen und auszurichten, um noch ambitioniertere Ziele zu erreichen.

3. Strategie und glückliche Zufälle zu kombinieren, um ständig in Kontakt mit einem weitläufigen Netzwerk an Menschen zu bleiben.

4. Ihre Beziehungen zu filtern und zu priorisieren, um qualitativen Austausch zu begünstigen, der Ihre Ziele und Werte voranbringt.

5. Eine magnetische persönliche „Marke“ zu entwickeln, die Menschen dazu bringt, Informationen mit Ihnen zu teilen, Ihnen die Türen zu öffnen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

6. Diese Marke für die sozialen Medien zu übersetzen, um einen treuen Online-Stamm aufzubauen.

7. Ihren Wert für Ihr Netzwerk zu steigern – besonders für Ihr Unternehmen oder Ihre Kunden.

8. Innovativen Content zu schaffen, um einen Ruf als Experte aufzubauen und Ihren Online-Einfluss zu vergrößern.

9. „Entdeckt“ zu werden und die besten Chancen geboten zu bekommen.

10. Das Leben zu erschaffen, das Sie sich wünschen, und ein Netzwerk, das Sie begeistert anfeuert.

Mehr als eine halbe Million Leser, von Highschool-Studenten bis zu gefeierten CEOs, haben Großes geleistet, indem sie durch Geh nie alleine essen die Kunst gelernt haben, mit anderen zusammenzuarbeiten. Werden Sie einer von ihnen.

Teil 1

1
Werden Sie Mitglied im Klub

„Beziehungen sind alles. Alles im Universum existiert nur, weil es in Beziehung zu allem anderen steht. Nichts existiert isoliert. Wir müssen aufhören so zu tun, als wären wir Individuen, die es alleine schaffen.“

– Margaret Wheatley

„Wie in aller Welt bin ich eigentlich hierhergekommen?“, fragte ich mich als überwältigter Student an der Harvard Business School (HBS) in meinem ersten Studienjahr immer wieder.

Ich hatte noch nie etwas mit Rechnungswesen oder Finanzwesen zu tun gehabt. Um mich herum sah ich gnadenlos zielstrebige junge Männer und Frauen, die wirtschaftswissenschaftliche Studienabschlüsse hatten. Sie hatten schon in den besten Häusern der Wall Street Zahlen durchgerechnet und Tabellenkalkulationen analysiert. Die meisten stammten aus wohlhabenden Familien, sie hatten Stammbäume und ihre Namen enthielten römische Ziffern. Ich war ganz schön eingeschüchtert.

Wie sollte ein Typ wie ich, der aus einer Arbeiterfamilie stammte, einen geisteswissenschaftlichen Abschluss hatte und ein paar Jahre in einer traditionellen Herstellerfirma gearbeitet hatte, mit den Vollblütern von McKinsey und Goldman Sachs mithalten, die aus meiner Sicht schon in der Wiege Unternehmensdaten berechnet hatten?

Das war ein entscheidender Moment in meiner Karriere und in meinem Leben.

Ich war ein Junge vom Lande, aus dem südwestlichen Pennsylvania, und wuchs in einer kleinen, von harter Arbeit geprägten Stahl- und Kohlestadt namens Youngstown in der Nähe von Latrobe auf. Unsere Wohnlage war so ländlich, dass man von der Veranda unseres bescheidenen Hauses aus keine anderen Häuser sah. Mein Vater arbeitete im örtlichen Stahlwerk und an den Wochenenden half er am Bau. Meine Mutter putzte in einem Städtchen in der Nähe die Wohnungen von Ärzten und Anwälten. Mein Bruder entkam dem Kleinstadtleben durch die Armee; meine Schwester heiratete während der Highschool und zog aus, als ich noch ein Kleinkind war.

Auf der HBS kam die ganze Unsicherheit aus meiner Jugendzeit wieder hoch. Wissen Sie, obwohl wir nicht viel Geld hatten, wollten meine Eltern mir unbedingt die Chancen bieten, die mein Bruder und meine Schwester (aus der ersten Ehe meiner Mutter) nie bekommen hatten. Meine Eltern förderten mich und opferten alles andere, damit ich eine Ausbildung bekam, wie sie sich in unserer Stadt sonst nur die gut situierten Kinder leisten konnten. Die Erinnerungen an jene Tage strömten auf mich ein, als mich meine Mutter immer mit unserem verbeulten, blauen Nova an der Bushaltestelle des privaten Kindergartens abholte, während die anderen Kinder in Limousinen und BMWs Platz nahmen. Ich wurde wegen unseres Autos, wegen meiner Polyesterkleidung und meiner nachgemachten Docksiders gnadenlos gehänselt – und dadurch täglich an meinen Rang in der Hierarchie des Lebens erinnert.

Diese Erfahrung war in vielfacher Hinsicht ein Segen, weil sie meine Willenskraft stärkte und meinen Erfolgsdrang befeuerte. Sie machte mir klar, dass es eine strikte Trennungslinie zwischen den Begüterten und den Habenichtsen gab. Meine Armut machte mich wütend. Ich fühlte mich von dem Netzwerk der anderen ausgeschlossen. Andererseits trieb mich das alles an, mich mehr anzustrengen als alle anderen.

Ich sagte mir, dass harte Arbeit einer der Wege war, auf dem ich gegen jede Wahrscheinlichkeit auf die HBS gekommen war. Da war aber noch etwas anderes, das mich von dem Rest meiner Klasse unterschied und mir einen Vorteil verschaffte. Anscheinend hatte ich lange vor meiner Ankunft in Cambridge schon etwas gelernt, das viele meiner Kommilitonen anscheinend nicht gelernt hatten.

In meiner Jugend arbeitete ich im örtlichen Country Club als Caddie für die Hausbesitzer aus dem wohlhabenden Nachbarstädtchen und ihre Kinder. Ich dachte oft intensiv über die Menschen nach, die Erfolg hatten, und über die Menschen, die keinen Erfolg hatten. Ich machte damals eine Beobachtung, die meine Weltsicht verändern sollte.

Auf den langen Wegen, auf denen ich ihre Taschen trug, beobachtete ich, wie diese Menschen – die berufliche Höhen erreicht hatten, die mein Vater und meine Mutter nicht kannten – sich gegenseitig halfen. Sie vermittelten einander Jobs, sie investierten Zeit und Geld in die Ideen der anderen und sie sorgten dafür, dass ihre Kinder in die besten Schulen kamen, die richtigen Praktikumsplätze und schließlich die besten Jobs erhielten.

Der Beweis stand mir deutlich vor Augen: Erfolg zeugt Erfolg und die Reichen werden tatsächlich immer reicher. Das Netz aus Freunden und Kollegen war der beste Golfschläger, den die Menschen, für die ich arbeitete, in der Tasche hatten. Mir wurde klar, dass Armut nicht nur der Mangel an finanziellen Mitteln war; sie war die Isolation von denjenigen, die einem helfen konnten, mehr aus sich zu machen.

Ich kam zu dem Schluss, dass das Leben in mancherlei, ganz konkreter Hinsicht ein Spiel wie Golf ist und dass die Menschen, die die Regeln gut kennen, dieses Spiel am besten und erfolgreichsten spielen. Die mächtigste Lebensregel von allen besagt, dass die Person, die aus den richtigen Gründen die richtigen Leute kennt und die Macht dieser Beziehungen ausnutzt, Mitglied im „Klub“ werden kann, egal ob sie als Caddie angefangen hat oder nicht.

Diese Erkenntnis zog mehrere wichtige Folgerungen nach sich. Wenn man seine Ziele im Leben erreichen will, ist es gar nicht so wichtig, wie intelligent man ist oder welche angeborenen Begabungen man hat – und was mir am meisten die Augen öffnete: Es ist nicht einmal so wichtig, woher man kommt und womit man angefangen hat. Sicherlich ist das alles wichtig, aber das bringt alles wenig, wenn man nicht eines begriffen hat: Alleine schafft man das nicht. Alleine kommt man überhaupt nicht weit.

Zum Glück brannte ich darauf, etwas aus mir zu machen (und hatte ehrlich gesagt schreckliche Angst, dass ich es zu nichts bringen würde). Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte ich vielleicht genauso wie meine Caddie-Kollegen nur danebengestanden und zugeschaut.

Zum ersten Mal lernte ich die unglaubliche Macht der Beziehungen durch Mrs. Pohland kennen. Caryl Pohlands Mann gehörte das große Holzlager in unserer Stadt. Ihr Sohn Brett war so alt wie ich und wir waren befreundet. Sie gingen in dieselbe Kirche wie wir. Ich glaube, ich wäre damals gern Brett gewesen (toller Sportler, reich, alle Mädchen liefen ihm nach).

Im Golfklub war ich Mrs. Pohlands Caddie. Ich war ironischerweise als Einziger darauf bedacht, ihre Zigaretten zu verstecken. Ich riss mir ein Bein aus, damit sie alle Turniere gewann. Am Morgen vor dem Turnier lief ich den Golf-Parcours ab, um zu sehen, wo die schwierigen Stellen waren, und prüfte, wie schnell man auf den Greens war. Mrs. Pohland sackte einen Sieg nach dem anderen ein. Ich machte meine Arbeit an allen „Ladies’ Days“ so gut, dass sie bei ihren Freundinnen mit mir prahlte. Schon bald forderten auch andere mich an.

Als Caddie schaffte ich 36 Löcher am Tag, wenn ich so viel Arbeit bekam, und ich behandelte den Obercaddie, als wäre er ein König. In meinem ersten Jahr gewann ich den Preis als bester Caddie und bekam dadurch die Chance, für Arnold Palmer als Caddie zu arbeiten, als er einmal vorbeikam und auf dem Golfplatz seiner Heimatstadt spielte. Arnie hatte selbst als Caddie im Latrobe Country Club angefangen und später gehörte ihm der Klub. Ich sah in ihm ein Vorbild. Er war der lebende Beweis dafür, dass Erfolg im Golf und im Leben nichts mit der Gesellschaftsschicht zu tun hat, aus der man stammt, sondern vielmehr mit Zugangsmöglichkeiten (ja, und in seinem Fall natürlich mit Talent). Manche Menschen bekamen den Zugang durch Geld oder Geburt. Andere waren einfach fantastisch gut in dem, was sie taten – wie Arnold Palmer. Ich wusste, dass mir meine Initiative und mein Antrieb einen Vorteil verschafften. Arnie war der inspirierende Beweis dafür, dass die Vergangenheit nicht das Vorspiel zur Zukunft zu sein braucht.

Jahrelang gehörte ich de facto zur Familie Pohland; ich fuhr mit ihnen in Urlaub und war fast jeden Tag bei ihnen zu Hause. Brett und ich waren unzertrennlich und ich liebte diese Familie wie meine eigene. Mrs. Pohland sorgte dafür, dass ich im Klub jeden kennenlernte, der mir helfen konnte; und wenn ich trödelte, dann sagte sie es mir auch. Ich half ihr auf dem Golfplatz, und da sie meine Mühen und die Sorgfalt, die ich ihr angedeihen ließ, zu schätzen wusste, half sie mir in meinem Leben. Sie lehrte mich eine einfache, aber wichtige Lektion über die Macht der Großzügigkeit. Wenn man anderen hilft, helfen sie einem häufig auch. Das „Gegenseitigkeitsprinzip“ – so nennen die Menschen dieses zeitlose Prinzip im späteren Verlauf ihres Lebens. Ich kannte nur das Wort „mögen“. Wir mochten uns und gaben uns alle Mühe, uns gegenseitig Gutes zu tun.

Dank dieser Zeit und besonders dank dieser Lektion begriff ich im ersten Semester auf der HBS, dass die ganzen hyper-wettbewerbsorientierten und individualistischen Studenten einen großen Fehler machten. Auf allen Gebieten, aber ganz besonders in der Wirtschaft, stellt sich der Erfolg ein, wenn man nicht gegen die Menschen, sondern mit ihnen zusammenarbeitet. Gegen diese Tatsache kommen keine Tabellen, keine Dollars und keine Cents an: Das Geschäftsleben ist ein menschliches Unterfangen, es wird von Menschen betrieben und gesteuert.

Das zweite Semester war noch nicht weit fortgeschritten, da sagte ich schon scherzhaft zu mir selbst: „Wie in aller Welt sind eigentlich die anderen hierhergekommen?“

Ich stellte fest, dass vielen meiner Mitstudenten die Fähigkeiten und Strategien fehlten, die zum Aufbau und zur Erhaltung von Beziehungen gehören. In Amerika und vor allem in der Welt der Wirtschaft, wird man dazu erzogen, den Individualismus à la John Wayne hochzuhalten. Menschen, die anderen bewusst den Hof machen, damit sie an ihrem Leben teilhaben können, gelten als Schleimer, Arschkriecher und schmierige Speichellecker.

Im Laufe der Jahre lernte ich, dass die gewaltige Anzahl der Vorurteile, die das Bild der aktiven Beziehungsaufbauer verdüstern, nur noch von der Anzahl der Falschauffassungen darüber erreicht wird, wie der richtige Aufbau von Beziehungen funktioniert. Was ich auf dem Golfplatz erlebt hatte – dass Freunde ihren Freunden und Familien anderen Familien halfen, die ihnen etwas bedeuteten –, hatte nichts mit Manipulation oder mit Gegenleistungen zu tun. Nur selten wurde darauf geachtet, wer was für wen getan hatte, oder gab es eine Strategie, die man ausheckte, um etwas zurückzubekommen.

Nach und nach betrachtete ich das Zugehen auf Menschen als Möglichkeit, sowohl im Leben anderer Menschen etwas zu bewirken als auch mein eigenes Leben zu erforschen, daraus zu lernen und es zu bereichern; es wurde die bewusste Konstruktion meines Lebensweges. Als ich meine Networking-Bemühungen in diesem Licht betrachtete, gestattete ich mir, sie in allen Bereichen meines beruflichen und privaten Lebens hemmungslos fortzusetzen. Ich empfand das aber nicht als so kalt und unpersönlich, wie ich das Wort „Networking“ verstand. Es war eher so, dass ich „Verbindungen“ herstellte – ich teilte mein Wissen, meine Mittel, Zeit und Energie, Freunde und Kollegen, Einfühlungsvermögen und Mitgefühl in dem stetigen Bemühen, anderen Nutzen zu bieten, wobei ich gleichzeitig meinen eigenen Nutzen steigerte. Wenn man als „Connector“ – als Bindeglied, als soziale Schaltstelle – fungiert, geht es genauso wie beim Geschäft an sich nicht um das Managen von Transaktionen, sondern um das Managen von Beziehungen.

Menschen, die instinktiv ein starkes Beziehungsnetz aufbauen, haben schon immer großartige Unternehmen geschaffen. Wenn man die Geschäftswelt auf das Wesentliche reduziert, geht es nach wie vor darum, dass Menschen anderen Menschen etwas verkaufen. In dem gewaltigen Brimborium, das die Geschäftswelt unaufhörlich um alles Mögliche macht, um Marken, um Technologie, um Design, um Preisüberlegungen und die endlose Suche nach dem ultimativen Wettbewerbsvorteil, geht der Grundgedanke leicht verloren. Aber fragen Sie einen beliebigen gestandenen CEO, Unternehmer oder sonstigen Geschäftsprofi, wie er seinen Erfolg erreicht hat; ich garantiere Ihnen, dass Sie kaum Geschäftsjargon zu hören bekommen. Vor allem werden ihnen diese von denjenigen Menschen erzählen, die ihnen den Weg geebnet haben – falls der Befragte ehrlich und nicht zu sehr von seinem eigenen Erfolg eingenommen ist.

Nachdem ich jahrzehntelang in meinem Leben und in meiner Karriere die Macht der Beziehungen mit Erfolg angewendet habe, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass „Connecting“ zu den wichtigsten Fertigkeiten gehört, die man im Beruf – und im Leben – je lernen wird. Warum? Weil, ehrlich gesagt, Menschen einfach lieber Geschäfte mit jemandem machen, den sie kennen und mögen. Karrieren funktionieren – auf allen erdenklichen Feldern – auf die gleiche Weise. Und wie Bibliotheken füllende Forschungen bewiesen haben, werden selbst unser allgemeines Wohlbefinden und unser Glückgefühl zum großen Teil von der Unterstützung, der Leitung und der Liebe diktiert, die wir von der Gemeinschaft empfangen, die wir uns aufbauen.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich genau herausgefunden hatte, wie man Verbindungen zu anderen knüpft. Aber eines wusste ich mit Gewissheit: Egal ob ich Präsident der Vereinigten Staaten oder Präsident des Elternbeirats werden wollte, auf jeden Fall gab es viele andere Menschen, deren Hilfe ich auf dem Weg dorthin benötigen würde.

Selbsthilfe – eine falsche Bezeichnung

Wie macht man aus einem Bekannten einen Freund? Wie bringt man andere Menschen dazu, dass sie sich emotional für Ihr Fortkommen einsetzen? Warum gibt es Glückspilze, die nach einer Geschäftssitzung genug Verabredungen zum Essen für einen ganzen Monat und ein Dutzend potenzielle neue Mitarbeiter in der Tasche haben, während andere nur Bauchschmerzen haben? Wohin muss man gehen, damit man die Art von Menschen trifft, die das eigene Leben am stärksten beeinflussen können?

Von meiner frühesten Jugend in Latrobe an saugte ich aus allen erdenklichen Quellen Klugheit und Rat auf – von Freunden, aus Büchern, von Nachbarn, Lehrern und meiner Familie. Mein Durst nach mehr war unstillbar. Aber im Berufsleben geht meiner Erfahrung nach nichts über den Einfluss von Mentoren. In allen Stadien meiner Laufbahn suchte ich mir die erfolgreichsten Menschen in meiner Umgebung aus und bat sie um Hilfe und Leitung.

Was ein Mentor wert ist, lernte ich zuerst bei einem Rechtsanwalt namens George Love. Er und der Börsenmakler der Stadt, Walt Saling, nahmen mich unter ihre Fittiche. Ich war von ihren Geschichten über das Leben als Selbstständiger und von ihren klugen Sprüchen voller Know-how gefesselt. Mein Ehrgeiz fiel auf den fruchtbaren Boden von Georges und Walts ausufernden Geschäftseskapaden, und seither hielt ich immer Ausschau nach Menschen, die mir etwas beibringen oder mich inspirieren könnten. Im späteren Verlauf meines Lebens, als ich mit Unternehmenslenkern, Ladenbesitzern, Politikern und Entscheidungsträgern jeglicher Couleur verkehrte, bekam ich langsam ein Gefühl dafür, wie die erfolgreichsten Menschen unseres Landes auf andere zugehen und wie sie diese Menschen dazu einladen, ihnen beim Erreichen ihrer Ziele zu helfen.

Ich lernte, dass echtes Networking darin besteht, nach Möglichkeiten zu suchen, anderen Menschen zu mehr Erfolg zu verhelfen. Man muss sich bemühen, mehr zu geben, als man bekommt. Und ich gelangte zu der Überzeugung, dass es eine Litanei knallharter Prinzipien gibt, die diese weichherzige Philosophie erst ermöglichen.

Diese Prinzipien sollten mir schließlich helfen, Dinge zu erreichen, die ich mir eigentlich nicht zugetraut hatte. Sie sollten mir Chancen bescheren, die einem Menschen meiner Herkunft eigentlich verwehrt waren, und sie sollten mir zu Hilfe kommen, wenn ich gelegentlich wie jeder andere auch Fehler machte. Nie war diese Hilfe so bitter nötig wie bei meinem ersten Job nach der Business School bei Deloitte & Touche Consulting.

An den üblichen Anforderungen gemessen war ich ein fürchterlicher Consultant-Anfänger. Wenn man mich damals vor eine Tabellenkalkulation setzte, bekam ich einen glasigen Blick; und genau das passierte auch, als ich über meinem ersten Projekt saß und zusammen mit ein paar anderen Berufsanfängern in einem fensterlosen, vom Boden bis zur Decke mit Akten angefüllten Raum in irgendeiner Vorstadt über einem Meer von Zahlen brütete. Ich versuchte es; ich versuchte es wirklich. Aber ich konnte es einfach nicht. Meiner Überzeugung nach musste eine derart schlimme Langeweile tödlich sein.

Ich war auf dem besten Weg, gefeuert zu werden oder selbst zu kündigen.

Zum Glück hatte ich damals schon ein paar der Networking-Regeln angewendet, die ich gerade lernte. Wenn ich nach Feierabend nicht unter Schmerzen versuchte, irgendeine vor Zahlen überquellende Tabelle zu analysieren, nahm ich Kontakt zu ehemaligen Kommilitonen, Professoren, früheren Chefs und allen Menschen auf, denen Beziehungen zu Deloitte vielleicht etwas bringen könnten. An den Wochenenden hielt ich auf kleineren Konferenzen im ganzen Land Vorträge zu verschiedenen Themen, die ich in Harvard vor allem unter der Anleitung von Len Schlessinger gelernt hatte (dem ich bis heute meinen Redestil verdanke). Auf diese Weise rührte ich die Werbetrommel für meinen neuen Arbeitgeber. Ich hatte auf allen Organisationsebenen Mentoren, unter anderem den CEO Pat Loconto.

Trotzdem bekam ich nach dem ersten Jahr eine verheerende Beurteilung. Ich bekam schlechte Noten, weil ich die mir übertragenen Aufgaben nicht mit der Begeisterung und Konzentration bearbeitete, die von mir erwartet wurden. Aber die für die Bewertung zuständigen Personen, zu denen ich bereits Beziehungen aufgenommen hatte und denen meine außerbetrieblichen Aktivitäten bekannt waren, hatten eine andere Idee. Gemeinsam erfanden wir eine Stellenbeschreibung zusammen, die es in dem Unternehmen vorher nicht gegeben hatte.

Meine Mentoren gaben mir ein Budget von 150.000 Dollar, mit dem ich genau das tun sollte, was ich ohnehin schon tat: das Geschäft ausbauen, das Unternehmen als Redner repräsentieren und mit der Presse und der Unternehmensszene Kontakte knüpfen, die Deloittes Marktpräsenz stärken würden. Der Glaube, den meine Vorgesetzten in mich gesetzt hatten, zahlte sich aus. Nach einem Jahr war der Bekanntheitsgrad des Unternehmens in dem Geschäftsbereich, in dem ich arbeitete (Umstrukturierungen) vom letzten Platz unter den Consultingfirmen auf einen der Spitzenplätze der Branche gestiegen und daraus resultierte eine Wachstumsrate, die das Unternehmen noch nicht erlebt hatte (obwohl das natürlich nicht alleine mein Werk war). Ich wurde dann zum Marketingdirektor des Unternehmens befördert und war der jüngste Angestellte, der je zum Partner gemacht wurde. Und ich hatte eine tolle Zeit – die Arbeit machte Spaß, sie war aufregend und interessant. Mehr kann man von einem Job nicht verlangen.

Meine Karriere lief auf Hochtouren und irgendwie schien alles ein glücklicher Zufall zu sein. Tatsächlich wusste ich jahrelang nicht, wohin mich die berufliche Laufbahn führen würde – nach Deloitte kam ein buntes Sortiment an Spitzenjobs, das ich mit der Gründung meines eigenen Unternehmens krönte. Erst wenn ich von heute aus zurückblicke, erscheint mir alles absolut logisch.

Nach Deloitte wurde ich bei Starwood Hotels & Resorts der jüngste Marketingdirektor eines Fortune-500-Unternehmens, dann wurde ich CEO eines Videospielunternehmens, das von Knowledge Universe (Michael Milken) gegründet worden war, und schließlich gründete ich Ferrazzi Greenlight, eine Schulungs- und Beratungsgesellschaft für Vertrieb und Marketing, die mit Dutzenden weltberühmten Namen zusammenarbeitet und CEOs in aller Welt berät. Im Zickzackkurs gelangte ich nach oben. Jedes Mal, wenn ich über eine Veränderung nachdachte oder Rat brauchte, wandte ich mich immer an den Freundeskreis, den ich mir geschaffen hatte.

Anfangs versuchte ich, die Aufmerksamkeit von meinen „menschlichen“ Fähigkeiten abzulenken, weil ich befürchtete, sie könnten irgendwie unter den sonstigen, „respektableren“ geschäftlichen Fähigkeiten stehen. Aber als ich älter wurde, kamen alle möglichen Menschen – bekannte CEOs, Politiker, Collegestudenten und meine eigenen Mitarbeiter – zu mir und fragten mich, wie man denn all diese Dinge macht, die ich schon immer gern gemacht hatte. Die Zeitschrift Crain’s führte mich als einen der 40 besten Unternehmensführer unter 40 und auf dem Weltwirtschaftsforum wurde ich als „Global Leader for Tomorrow“ bezeichnet. Senatorin Hillary Clinton bat mich, meine Kontaktfähigkeiten dafür einzusetzen, Geld für ihre bevorzugte gemeinnützige Organisation, Save America’s Treasures, zu beschaffen. Freunde und CEOs von Fortune-500-Unternehmen fragten mich, ob ich ihnen nicht dabei helfen könnte, eher intime Abendgesellschaften für Kunden und potenzielle Kunden in den wichtigsten Regionen des Landes zu organisieren. Ich bekam E-Mails von MBA-Studenten, die unbedingt die sozialen Kompetenzen lernen wollten, die auf der Business School nicht gelehrt wurden. Daraus entwickelten sich formelle Ausbildungskurse, die inzwischen Bestandteil der renommiertesten MBA-Programme Amerikas sind.

Ich lernte daraus, dass andere Menschen aus den „softeren“ Fähigkeiten, mit deren Hilfe ich zum Erfolg gelangt war, Nutzen ziehen konnten.

Selbstverständlich reicht es für den Erfolg nicht aus, sich ein Netz von Beziehungen aufzubauen. Aber der Aufbau einer Karriere und eines Lebens mit der Hilfe und Unterstützung von Freunden, der Familie und von Kollegen hat unglaubliche Vorteile.

1.Es wird nie langweilig. Zeitraubend manchmal; anstrengend vielleicht. Aber fade niemals. Man erfährt immer etwas über sich selbst, über andere Menschen, über das Geschäft und über die Welt und es fühlt sich toll an.

2.Eine beziehungsgesteuerte Karriere ist gut für die Unternehmen, für die man arbeitet, denn alle profitieren von Ihren Fortschritten – die Menschen wollen nämlich wegen des Nutzens, den Sie bieten, mit Ihnen verbunden sein. Sie empfinden ein Gefühl der Befriedigung, wenn sowohl die Kollegen als auch das Unternehmen an Ihrem Fortkommen beteiligt sind.

3.„Connecting“ – die Unterstützung, die Flexibilität und die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die es mit sich bringt – ist besonders in der heutigen neuen Arbeitswelt sinnvoll. Die Loyalität und die Sicherheit, die früher die Organisationen boten, kann man sich heute durch seine eigenen Netzwerke verschaffen. Die lebenslange Zugehörigkeit zu einem Unternehmen ist tot; heutzutage sind wir alle freie Mitarbeiter, die sich ihre eigene Karriere durch verschiedene Jobs und Unternehmen bahnen. Und da heutzutage die Information die wichtigste Währung ist, gehört ein weitreichendes Netzwerk zu den sichersten Möglichkeiten, zu einem führenden Denker auf dem jeweiligen Fachgebiet zu werden und es auch zu bleiben.

Heute habe ich die Kontakte von über 10.000 Menschen in meinem Smartphone, die mit mir sprechen, wenn ich sie anrufe. Sie bieten mir Fachwissen, Arbeit, Hilfe, Ermutigung, Unterstützung und – ja! – sogar Fürsorge und Liebe. Die äußerst erfolgreichen Menschen, die ich kenne, sind insgesamt betrachtet weder besonders begabt noch besonders gebildet oder besonders bezaubernd. Aber sie haben alle einen Kreis von vertrauenswürdigen, begabten und inspirierenden Menschen, auf die sie zurückgreifen können.

Das ist natürlich Arbeit. Man muss dafür eine Menge Schweiß investieren, so wie ich damals als Caddie. Es bedeutet, dass man nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere Menschen denken muss. Wenn Sie sich einmal entschlossen haben, auf andere zuzugehen und um Hilfe zu bitten, damit Sie der Beste werden, was immer Sie auch tun, werden Sie genauso wie ich feststellen, mit welcher Macht das zum Erreichen Ihrer Ziele beitragen kann. Und was genauso wichtig ist: Es führt zu einem erfüllteren, reichhaltigeren Leben, umgeben von einem stetig wachsenden, pulsierenden Netz von Menschen, die sich um Sie kümmern und um die Sie sich kümmern.

Dieses Buch beschreibt die Erfolgsgeheimnisse vieler Menschen, die es weit gebracht haben; diese Geheimnisse werden von Business Schools, Karriereberatern und Therapeuten nur selten erkannt. Wenn Sie sich die Ideen zu eigen machen, die ich in diesem Buch behandle, können auch Sie zum Mittelpunkt eines Kreises von Beziehungen werden, der Ihnen lebenslang zum Erfolg verhelfen wird. Ich bin natürlich ein bisschen fanatisch, was das Knüpfen von Kontakten betrifft. Ich tue die Dinge, die ich Ihnen beibringen werde, mit einem gewissen … sagen wir Überschwang. Aber ich glaube, schon wenn Sie einfach auf andere zugehen und anerkennen, dass niemand es alleine schafft, werden Sie schnell erstaunliche Ergebnisse sehen.

Jeder hat das Zeug zum Connector. Wenn es ein Kind vom Lande aus Pennsylvania in den „Klub“ schafft, schaffen Sie das auch.

Wir sehen uns dort.

2
Nicht aufrechnen

„So etwas wie einen ‚Selfmade‘-Menschen gibt es nicht. Wir setzen uns aus Tausenden von anderen zusammen. Jeder, der uns je etwas Gutes getan oder uns Mut zugesprochen hat, hat sich in die Zusammensetzung unseres Charakters, unserer Gedanken und unseres Erfolgs eingefügt.“

– George Burton Adams

Wenn ich vor College- oder Universitätsstudenten spreche, werde ich immer gefragt: Was sind die Geheimnisse des Erfolgs? Wie sehen die unausgesprochenen Regeln aus, mit denen man groß rauskommt? Am liebsten hätten sie meine Antwort in einem fest verschnürten Päckchen mit einer hübschen Schleife darauf. Warum auch nicht? Ich wollte das in ihrem Alter auch.

„Sie wollen also den großen Exklusivbericht?“, antworte ich dann. „Das ist nur recht und billig. Ich fasse den Schlüssel zum Erfolg in einem Wort zusammen: Großzügigkeit.“

Dann mache ich eine kurze Pause und sehe mir die Gesichter der jungen Menschen an, die mich fragend anschauen. Die Hälfte der Anwesenden meint, ich würde mir einen Scherz erlauben; die andere Hälfte meint, sie hätte lieber ein Bier trinken gehen sollen, anstatt meinen Vortrag zu hören.

Ich fahre fort, indem ich den Studenten erkläre, dass mein Vater Stahlarbeiter in Pennsylvania war und dass er für mich mehr wollte, als er jemals hatte. Er äußerte diesen Wunsch einem Mann gegenüber, dem er bislang noch nie begegnet war, und zwar dem CEO seines Arbeitgebers, Alex McKenna.

Mr. McKenna gefiel der Schneid meines Vaters und er verhalf mir zu einem Stipendium an einer der besten Privatschulen des Landes, in deren Kuratorium er saß.

Elsie Hillman, die Vorsitzende der Republikanischen Partei in Pennsylvania, die ich kennenlernte, nachdem sie in der New York Times gelesen hatte, dass ich mich während meines zweiten Studienjahres in Yale vergebens für das New Haven City Council beworben hatte, lieh mir Geld, gab mir Ratschläge und ermutigte mich, auf eine Business School zu gehen.

Ich sage den Studenten, dass ich damals in ihrem Alter war und dass ich so ziemlich die besten Bildungschancen der Welt bekam – fast ausschließlich dank der Großzügigkeit Dritter.

„Aber“, so fahre ich dann fort, „jetzt kommt der schwierige Teil: Sie müssen mehr als nur bereit sein, Großzügigkeiten anzunehmen: Oft müssen Sie hinausgehen und sie verlangen.“

Sofort sehe ich am Blick der Studenten, dass sie sich darin wiedererkennen. Fast jeder im Raum musste schon einmal jemanden wegen eines Bewerbungsgesprächs, eines Praktikums oder eines kostenlosen Rats um Hilfe bitten. Und die meisten haben das nur widerwillig getan. Aber solange man nicht genauso bereit ist, um Hilfe zu bitten, wie Hilfe zu gewähren, arbeitet man nur auf einer Seite der Gleichung.

Das meine ich mit „Connecting“. Es ist ein stetiger Prozess des Gebens und Nehmens – um Hilfe bitten und Hilfe bieten. Wenn man Menschen miteinander in Kontakt bringt, wenn man seine Zeit und seine Kenntnisse freigebig teilt, wird der Kuchen für alle größer.

In den Ohren derjenigen, die in der Geschäftswelt zu Zynikern geworden sind, mag diese karmisch angehauchte Sichtweise der Dinge naiv klingen. In den heiligen Hallen der amerikanischen Unternehmenswelt wird die Macht der Großzügigkeit zwar weder vollständig gewürdigt noch angewendet, aber ihr Wert in der Welt des Networkings ist erwiesen.

Mir macht es zum Beispiel Spaß, Tipps und Ratschläge für Karrieren zu geben. Das ist fast schon ein Hobby. Ich habe das schon bei Hunderten jungen Menschen gemacht und es befriedigt mich außerordentlich, wenn ich später von ihnen höre, wie sich ihre Karriere entwickelt. Es gibt Momente, da kann ich im Leben eines jungen Menschen viel bewirken. Ich kann eine Tür öffnen, einen Anruf tätigen oder ein Praktikum organisieren – das sind die einfachen Dinge, die Schicksale verändern. Doch allzu oft wird mein Angebot zurückgewiesen.

Der Empfänger sagt zum Beispiel: „Tut mir leid, aber ich kann diesen Gefallen nicht annehmen, weil ich nicht weiß, ob ich ihn je zurückzahlen kann.“ oder: „Ich will niemandem verpflichtet sein, deshalb muss ich passen.“ Manchmal beharren die Menschen sofort und auf der Stelle darauf, den Gefallen irgendwie zu erwidern. Nichts macht mich wütender als eine solche Blindheit dafür, wie so etwas funktioniert. Und das ist auch keine – wie man ja annehmen könnte – Frage der Generation. Ich habe solche Reaktionen schon von Menschen aller Altersklassen und in allen Lebensbereichen erhalten.

Ein Netzwerk funktioniert genau deswegen, weil man gegenseitig anerkennt, dass man einander braucht. Es gibt ein stillschweigendes Einverständnis, dass die Investition von Zeit und Energie in persönliche Beziehungen mit den richtigen Menschen eine Dividende abwirft. Die meisten Angehörigen des „obersten einen Prozents“ gehören deswegen zu dieser Schicht, weil sie diese Dynamik begreifen; sie haben nämlich selbst die Macht ihres Netzwerks aus Kontakten und Freunden benutzt, um dort hinzukommen, wo sie jetzt stehen.

Dafür muss man aber zunächst aufhören, alles aufzurechnen. Man kann kein Netz aus Verbindungen aufbauen, wenn man nicht mit gleichem Eifer Verbindungen zu anderen knüpft. Je mehr Menschen man hilft, desto mehr Hilfe bekommt man selbst und umso mehr Hilfe bekommt man, um anderen zu helfen. Das ist wie mit dem Internet. Je mehr Menschen dazu Zugang haben und je mehr Menschen es benutzen, umso nützlicher wird es. Ich weiß, dass ich eine kleine Armee aus ehemaligen Schützlingen habe, die in allen möglichen Branchen Erfolg haben und mir helfen können, als Mentor für die jungen Menschen zu fungieren, die heute zu mir kommen.

Das ist kein warmherziger Schnickschnack; es ist eine Erkenntnis, die starrköpfige Geschäftsleute lieber ernst nehmen sollten. Einen Wettbewerbsvorteil erlangte man im Industriezeitalter, indem man ständig Prozesse und Systeme weiterentwickelte. Heute gewinnt man ihn, indem man Beziehungen verbessert.

Informationen sind, anders als andere materielle Ressourcen, im Fluss: Sie können jederzeit erscheinen (entdeckt oder kommuniziert werden) oder verschwinden (veralten). Die besten Informationen in dem Moment zu haben, in dem man sie braucht, erfordert Höchstleistungen an Zusammenarbeit, Mitgestaltung und Kommunikation – das Schmieden von Beziehungen und die Netzwerke, die für sie bestimmte Aufgaben übernehmen.

Wir leben in einer Welt, in der wir voneinander abhängig sind. Flache Hierarchien streben bei jeder Gelegenheit Allianzen an. Immer mehr Freiberufler merken, dass sie mit anderen zusammenarbeiten müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Nullsummenspiele, bei denen nur eine Partei gewinnt, bedeuten heute mehr denn je, dass auf lange Sicht beide Parteien verlieren. In der vernetzten Welt ist „Win-win“ eine notwendige Realität. In einem hyper-vernetzten Markt läuft die Kooperation der Konkurrenz den Rang ab.

Das Spiel hat sich gewandelt.

William Whyte skizzierte im Jahre 1956 in seinem Bestseller The Organization Man den Archetyp des amerikanischen Arbeiters: Wir zogen den grauen Anzug an, arbeiteten in einem Großunternehmen und boten unsere Loyalität im Austausch gegen einen sicheren Arbeitsplatz an. Die vertraglich festgelegte Knechtschaft wurde glorifiziert, aber sie ließ kaum Spielraum und bot wenig Chancen. Heute bieten die Arbeitgeber nur noch wenig Loyalität und die Arbeitnehmer gar keine. Unsere Karrieren sind keine Wege mehr, sondern eher Landschaften, die wir durchqueren. Wir sind Freiberufler, Entrepreneure und Intrapreneure – jeder mit seiner eigenen Marke.

Viele Menschen haben sich an die neue Zeit angepasst und dabei den Glauben beibehalten, dass den letzten die Hunde beißen und der gemeinste und fieseste Hund in der Nachbarschaft gewinnt. Aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Früher fand man als Arbeitnehmer Großzügigkeit und Loyalität im Unternehmen, heute müssen wir sie in unserem eigenen Beziehungsnetz finden. Dabei geht es aber nicht mehr um die blinde Loyalität und Großzügigkeit, die wir einst dem Arbeitgeber boten. Loyalität und Großzügigkeit sind heute eher persönlicher Natur und sie richten sich an die Kollegen, das Team, die Freunde und die Kunden.

Wir brauchen einander heute mehr als je zuvor. Und das ist keine Sentimentalität, es ist wissenschaftlicher Fakt.

In den letzten zehn Jahren haben Neurowissenschaftler, Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler Quantensprünge bei unserem Verständnis gemacht, wieso einige ein glückliches, gesundes Leben führen und andere nicht. Es wurde dabei deutlich, dass wir nicht nur mit anderen verbunden sind. Wir sind das Produkt der Menschen und Netzwerke, mit denen wir verbunden sind. Wen Sie kennen bestimmt, wer Sie sind – wie Sie sich fühlen, wie Sie handeln und was sie erreichen.

Das Magazin Wired hat das 2010 in einer Titelstory verpackt: „Das Geheimnis für Gesundheit und Glück? Gesunde und glückliche Freunde … Ein halbes Jahrhundert medizinischer Daten [hat] die Ansteckungskraft sozialer Netzwerke erkannt.“

Traurigerweise stecken viele Menschen den Kopf in den Sand und versuchen immer noch so durchzukommen, als schrieben wir das Jahr 1950. Wir neigen zu einem romantischen Bild von Unabhängigkeit und sehen Autonomie als eine Tugend. Meiner Erfahrung nach ist eine solche Ansicht ein Karrierekiller. Autonomie ist eine Rettungsweste, die aus Sand gemacht ist. Unabhängige Menschen, die nicht in der Lage sind, vernetzt zu denken und zu handeln, mögen zwar für sich genommen sehr produktiv sein, aber sie können weder als gute Führungskräfte noch als gute Teamarbeiter gelten. Über kurz oder lang gerät ihre Karriere ins Stocken und kommt schließlich zum Stillstand.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben. Als ich bei Deloitte war, arbeitete ich an einem Projekt für Kaiser Permanente, die größte Krankenversicherung des Landes. Dabei war ich gezwungen, zwischen den Unternehmenssitzen in San Francisco und Los Angeles hin- und herzupendeln, und am Wochenende flog ich heim nach Chicago.

Ich hatte schon früh die Hoffnung, dass die Consultingbranche für mich das Tor zu einem anderen Bereich sein könnte. Da ich in Los Angeles arbeitete, fragte ich mich, wie ich einen Fuß in die Tür der Unterhaltungsindustrie bekommen könnte. Ich hatte nichts Konkretes vor; ich wusste nur, dass ich mich für diese Branche interessierte und nach Hollywood wollte, und nicht nur, um irgendeinem Agenten die Post zu bringen.

Ray Gallo, mein bester Freund aus dem Bachelorstudium, arbeitete als Anwalt in Los Angeles, also rief ich ihn an und fragte ihn um Rat.

„Hallo Ray, kennst du jemanden in der Unterhaltungsbranche, mit dem ich darüber sprechen könnte, wie ich da hineinkomme? Kennst du irgendjemanden, der mal kurz Zeit hätte, mit mir essen zu gehen?“

„Über gemeinsame Freunde kenne ich jemanden namens David, der auch auf der HBS war. Ruf ihn doch mal an.“

David war ein schlauer Unternehmer, der einige kreative Geschäfte in Hollywood machte. Vor allen Dingen hatte er eine enge Verbindung zu einem gehobenen Manager in einem Filmstudio, der auch mit ihm studiert hatte. Ich hoffte, dass ich beide kennenlernen könnte.

Ich traf mich mit David in einem Straßencafé in Santa Monica. Er trug die in Los Angeles übliche elegante Freizeitkleidung. Ich war in Anzug und Krawatte, was zu dem zugeknöpften Consultant aus dem Mittelwesten passte, der ich damals war.

Nach einigem Hin und Her stellte ich David eine Frage:

„Ich denke darüber nach, irgendwann in die Unterhaltungsbranche zu wechseln. Kennen Sie jemanden, der mir nützliche Ratschläge geben könnte?“ Ich war der gute Freund eines engen Freundes von ihm. Angesichts der Intensität unseres Treffens schien mir das eine harmlose Bitte.

„Ich kenne da schon jemanden“, sagte er. „Sie ist bei Paramount im gehobenen Management.“

„Super, ich würde sie gern kennenlernen“, sagte ich begeistert. „Wäre es möglich, schnell ein Treffen zu arrangieren? Könnten Sie ihr vielleicht eine E-Mail schicken?“

„Kann ich nicht“, sagte er kategorisch. Ich war schockiert und meinem Gesicht sah man das an. „Keith, das ist so: Wahrscheinlich brauche ich von dieser Person irgendwann irgendetwas, irgendeinen persönlichen Gefallen. Ich habe einfach keine Lust, das Kapital, das ich bei dieser Person habe, für Sie oder für jemand anderen einzusetzen. Das muss ich für mich selbst aufsparen. Tut mir leid. Ich hoffe, Sie verstehen das.“

Aber ich verstand es nicht. Ich verstehe es immer noch nicht. Seine Aussage widersprach allem, was ich wusste. Er hielt Beziehungen für etwas Endliches, so wie ein Kuchen, aus dem man nur eine bestimmte Anzahl Stücke schneiden kann. Nimmt man ein Stück weg, bleibt weniger für einen selbst übrig. Ich wusste allerdings, dass Beziehungen eher wie Muskeln sind – je mehr man sie benutzt, desto stärker werden sie.

Wenn ich mir die Zeit nehme, mich mit jemandem zu treffen, will ich versuchen, dieser Person zum Erfolg zu verhelfen. Aber David rechnete auf. Er betrachtete jede Begegnung im Lichte der Ertragsminderung. In seinen Augen beinhaltete eine Beziehung nur eine bestimmte Menge an Goodwill, an Sicherheiten und an nutzbarem Kapital.

Er hatte nicht begriffen, dass die Nutzung des Kapitals das Kapital aufbaut. Dieses große Aha-Erlebnis hat David wohl nie gehabt.

Ich habe diese Lektion von Jack Pidgeon gelernt, dem ehemaligen Schulleiter der Kiski School im südwestlichen Pennsylvania, wo ich zur Schule gegangen bin. Er hatte eine ganze Institution darauf aufgebaut, dass er die Menschen nicht fragte: „Wie können Sie mir helfen?“ Sondern indem er fragte: „Wie kann ich Ihnen helfen?“

Jack kam mir oft zu Hilfe, unter anderem einmal als ich in meinem zweiten College-Jahr war. Ich hatte mich für den Sommer von einer Frau engagieren lassen, die gegen einen jungen Kennedy als Kandidatin für den Kongress antrat. In Boston gegen einen Kennedy zu kandidieren und obendrein noch für den früheren Sitz von Jack Kennedy war in den Augen vieler Menschen ein aussichtsloses Unterfangen. Aber ich war jung, naiv und kampfbereit.

Leider hatten wir kaum Zeit gehabt, die Rüstung anzulegen, da mussten wir schon die weiße Fahne hissen und aufgeben. Einen Monat nach Beginn des Wahlkampfs ging uns das Geld aus. Acht andere College-Studenten und ich wurden aus einem Hotelzimmer, das als Wahlkampfzentrale herhalten musste, mitten in der Nacht von dem Geschäftsführer buchstäblich hinausgeworfen, weil wir ihn zu lange nicht bezahlt hatten.

Wir stopften unsere Reisetaschen in einen gemieteten Lieferwagen und da wir nicht wussten wohin, fuhren wir nach Washington, D.C. In unserer Unschuld dachten wir, wir könnten uns in einen anderen Wahlkampf einklinken. Was waren wir noch grün hinter den Ohren.

Irgendwann in der Nacht rief ich von einem Münzfernsprecher an irgendeiner Raststätte auf dem Weg nach Washington aus Mr. Pidgeon an. Als ich ihm unsere Lage schilderte, kicherte er. Und dann tat er, was er schon für Generationen von Kiski-Absolventen getan hat. Er klappte seine Rolodex-Rollkartei auf und begann zu telefonieren.

Unter anderem rief er Jim Moore an, ebenfalls ehemaliger Kiski-Schüler und früher stellvertretender Wirtschaftsminister der Reagan-Administration. Bis unsere Karawane der verirrten Seelen in Washington ankam, hatten wir alle Übernachtungsplätze und waren auf dem besten Weg zu neuen Ferienjobs. Ich bin ziemlich sicher, dass Mr. Pidgeon seinerzeit für Jim ähnliche Anrufe getätigt hat.

Mr. Pidgeon wusste, was es wert war, Menschen miteinander bekannt zu machen, von Kiski-Schüler zu Kiski-Schüler. Er wusste nicht nur, wie sehr sich das auf das Leben der Einzelnen auswirken würde, sondern, dass sich die Loyalität, die dieses Handeln erzeugte, für die fast bankrotte, kleine, aus fünf Gebäuden bestehende Einrichtung in Südwest-Pennsylvania, die er aufzubauen versuchte, am Ende lohnen würde.

Und so war es auch. Jim und ich sitzen inzwischen im Verwaltungsrat unserer früheren Schule. Und wenn Sie die Schule aus der Zeit kennen würden, als Jack sie übernahm, würden Sie sie heute kaum wiedererkennen; die Skipisten, der Golfplatz, das Kunstzentrum und die technischen Einrichtungen lassen sie aussehen wie ein MIT des Mittleren Westens.

Ich will damit Folgendes sagen: Vertrauen festigt Beziehungen. Darauf werden Institutionen aufgebaut. Vertrauen gewinnt man nicht, indem man Menschen fragt, was sie für einen tun können, sondern – um einen früheren Kennedy zu zitieren – indem man fragt, was man für andere tun kann.

Anders gesagt ist die Währung des echten Networkings nicht Gier, sondern Großzügigkeit.

Wenn ich auf all die Menschen zurückblicke, denen ich unschätzbare Lehren über den Aufbau dauerhafter Beziehungen verdanke – meinen Vater, Elsie, meine Schützlinge und die College-Studenten, mit denen ich spreche, Ray, Mr. Pidgeon, die Menschen, mit denen ich arbeite –, komme ich zu mehreren grundlegenden Erkenntnissen und Beobachtungen:

1.Konjunkturzyklen kommen und gehen; Freunde und vertraute Kollegen bleiben. Es könnte durchaus der Tag kommen, an dem Sie am Nachmittag in das Büro Ihres Chefs gehen und zu hören bekommen: „Tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen, aber …“ Das ist garantiert ein schwerer Tag. Man kommt damit allerdings viel besser zurecht, wenn man nach ein paar Telefonaten in ein anderes Büro treten kann und dort zu hören bekommt: „Auf diesen Tag habe ich schon lange gewartet. Ich gratuliere …“

Sicherer Arbeitsplatz? In schweren Zeiten rettet Sie keine Erfahrung, kein Fleiß und keine Begabung. Wenn man Arbeit, Geld, Rat, Hilfe, Hoffnung oder eine Verkaufsmöglichkeit braucht, findet man sie nur an einem Ort mit unfehlbarer Sicherheit – im ausgedehnten Kreis der Freunde und Kollegen.

2.Man braucht sich keine Gedanken zu machen, wer die Zeche bezahlt. Es bringt nichts, über gewährte und angenommene Gefallen Buch zu führen. Wen interessiert das?

Würde es Sie überraschen, wenn ich Ihnen sagen würde, dass es „Hollywood“-David jetzt gar nicht mehr so gut geht? Er hortete das Beziehungskapital solange, bis er feststellen musste, dass es nichts mehr zu horten gab. In den zehn Jahren nach unserer Begegnung in dem Café in Santa Monica habe ich nichts mehr von ihm gehört und auch niemand, den ich kenne, hat etwas von ihm gehört. Für die Unterhaltungsbranche gilt das Gleiche wie für viele andere Branchen auch: Die Welt ist klein.

Bilanz: Geben ist seliger denn Nehmen. Und rechnen Sie niemals auf. Wenn Ihre Beziehungen von Großzügigkeit geprägt sind, werden Sie auch dafür belohnt.

3.Die Welt der Wirtschaft ist stets im Fluss und es herrscht immer Wettbewerb; der Assistent von gestern ist die Einflussperson von heute. Viele der jungen Menschen, die früher meine Anrufe entgegennahmen, lassen mich heute gern zu sich durchstellen. Vergessen Sie nicht, dass man im Leben besser vorankommt, wenn diejenigen auf einer niedrigeren Stufe der Karriereleiter Ihnen freudig beim Vorwärtskommen helfen und nicht Ihren Sturz herbeiwünschen.

Heutzutage ist jeder seine eigene Marke. Vorbei die Zeit, als der Wert eines Angestellten an seiner Loyalität und seinen Dienstjahren abzulesen war. Unternehmen benutzen Marken, um starke, dauerhafte Kundenbeziehungen aufzubauen. In der fließenden Wirtschaft von heute müssen Sie in Ihrem persönlichen Netzwerk das Gleiche tun.

Ich bin der Meinung, dass Ihre Beziehungen zu anderen Menschen der höchste, glaubwürdigste Ausdruck dessen sind, was Sie sind und was Sie bieten können. Es gibt nichts Besseres. Nichts lässt sich damit vergleichen.

4.Bringen Sie sich ein. Das ist der Wunderdünger für Ihr Netzwerk. Schenken Sie der wachsenden Gemeinde der Freunde Ihre Zeit, Ihr Geld und Ihr Wissen.

5.Wenn ich daran denke, was Jack Pidgeon für mich und unzählige andere getan hat, und wenn ich an das Vermächtnis denke, das er dadurch hinterlässt, gelange ich mehr denn je zu der Überzeugung, dass die großartigste Möglichkeit, meinem ehemaligen Schuldirektor für die Lehren über das Zugehen auf andere Menschen zu danken, in der Weitergabe dieser Lehren besteht. Noch einmal vielen Dank, Mr. Pidgeon.

3
Wie lautet Ihre Mission?

„ ‚Könntest du mir bitte sagen, welchen Weg ich von hier aus nehmen soll?‘

‚Das kommt ganz darauf an, wohin du gehen willst‘, sagte die Katze.

‚Wohin ist mir ziemlich egal‘, sagte Alice.

‚Dann ist es auch egal, welchen Weg du nimmst‘, sagte die Katze.“

– „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll

Wollen Sie CEO oder Senator werden? Wollen Sie an die Spitze Ihres Berufsstands oder an die Spitze des Elternbeirats der Schule Ihres Kindes aufsteigen? Wollen Sie mehr Geld und mehr Freunde haben?

Je genauer Sie wissen, was Sie wollen, umso leichter können Sie eine Strategie dafür entwickeln. Natürlich gehört es zu dieser Strategie, Beziehungen zu Menschen in Ihrem Umkreis aufzubauen, die Ihnen helfen können, dorthin zu kommen, wo Sie hinwollen.

Alle erfolgreichen Menschen, die ich kenne, haben sich mit einem gewissen Eifer Ziele gesetzt. Erfolgreiche Sportler, CEOs, charismatische Führungspersönlichkeiten, erfolgreiche Verkäufer und erfahrene Manager – sie alle wissen, was sie vom Leben wollen, und sie verfolgen dieses Ziel.

Wie mein Vater zu sagen pflegte: Niemand wird durch Zufall Astronaut.

Ich habe schon früh damit angefangen, mir Ziele zu setzen. Als ich in Yale studierte, wollte ich Politiker und Gouverneur von Pennsylvania werden (ich war wirklich so speziell und so naiv). Aber ich lernte auch, dass man ein Ziel umso leichter anstreben kann, je konkreter es ist. Im zweiten Jahr wurde ich Vorsitzender der Yale Political Union (YPU), in der sich schon viele Ehemalige die ersten Sporen für eine politische Laufbahn verdient hatten. Als ich in eine Studentenverbindung eintreten wollte, nahm ich nicht einfach die erstbeste, die sich bot. Ich recherchierte, aus welcher Verbindung die meisten Politiker hervorgegangen waren. Sigma Chi hatte eine reiche Tradition und eine lange Liste Ehemaliger, die beeindruckende politische Führer geworden waren. Allerdings war sie zu dieser Zeit in Yale nicht vertreten. Also gründeten wir einen neuen Ableger.

Schließlich kandidierte ich für den Stadtrat von New Haven. Ich verlor die Wahl, aber im Zuge der Kandidatur lernte ich alle möglichen Menschen kennen, von William F. Buckley über Dick Thornburg, den Gouverneur von Pennsylvania, bis hin zu Bart Giamatti, den Präsidenten der Yale University. Ich besuchte Bart bis zu seinem Tod regelmäßig; er war für mich buchstäblich ein Orakel der Ratschläge und Kontakte. Schon damals wurde mir klar, dass mich etwas so Schlichtes wie ein klar definiertes Ziel von all denen unterschied, die sich einfach durch die Studienzeit treiben ließen und darauf warteten, dass etwas passieren würde. Später wandte ich diese Erkenntnis noch energischer an.

Zum Beispiel hob ich mich unter anderem dadurch bei Deloitte & Touche von den anderen Consultants ab, die frisch von der Uni kamen. Ich wusste, dass ich einen Schwerpunkt brauchte, eine Richtung, in die ich meine Energien lenken konnte. Diesen Schwerpunkt lieferte mir ein Artikel von Michael Hammer, den ich in der Business School gelesen hatte. Hammer war Co-Autor von Business Reengineering. Die Radikalkur für das Unternehmen; seine Ideen eroberten die Unternehmenswelt im Sturm und standen im Begriff, ein neues Segment für Beratungsdienste zu schaffen.

Hier bot sich die Chance, ein Experte für ein relativ neues Wissensund Forschungsgebiet zu werden, das schnell sehr gefragt war. Ich las alle Fallstudien und besuchte alle Vorträge und Vorlesungen, die ich schaffte. Wo Michael Hammer war, da war auch ich. Mit der Zeit betrachtete er mich zum Glück weniger als Stalker, sondern als Schüler und Freund. Dank meines Zugangs zu Michael Hammer und meiner wachsenden Kenntnisse auf seinem Fachgebiet konnte ich eine stärkere Beziehung zwischen meinem Arbeitgeber und einem der einflussreichsten und geachtetsten Köpfe der Wirtschaftswelt organisieren. Daraus, dass Deloitte an vorderster Front der Reengineering-Bewegung stand, resultierten Publicity und Gewinn. Mit diesem Erfolg begann der Aufstieg meiner Karriere, die einst auf wackeligen Füßen gestanden hatte.

In den letzten Jahrzehnten wurden unzählige Bücher über das Setzen von Zielen geschrieben. Und ja, das ist wirklich extrem wichtig. Ich habe meinen eigenen Zielsetzungsprozess mit der Zeit zu einem dreistufigen Verfahren entwickelt. Aber die Hauptsache ist, dass man es sich zur Gewohnheit macht, sich Ziele zu setzen. Wenn Sie das tun, wird das Setzen von Zielen zum festen Bestandteil Ihres Lebens. Wenn nicht, wird es verkümmern und eingehen.

Erster Schritt: Finden Sie Ihre Leidenschaft

Die beste Definition von „Ziel“, die ich je gehört habe, stammt von einer außerordentlich erfolgreichen Vertriebsfrau, die mir auf einer Tagung einmal sagte: „Ein Ziel ist ein Traum mit einer Frist.“ Diese wunderbare Definition betont alle wichtigen Punkte. Bevor Sie anfangen, Ziele aufzuschreiben, sollten Sie wissen, worin Ihr Traum besteht. Andernfalls könnten Sie in eine Richtung steuern, in die Sie eigentlich gar nicht gehen wollten.

Studien haben ergeben, dass deutlich über 50 Prozent der Amerikaner mit ihrer Arbeit unzufrieden sind. Viele dieser Menschen verdienen ganz gut, aber sie verdienen ihr Geld mit etwas, das ihnen keinen Spaß macht. Wie wir uns in solche Situationen bringen, ist nicht schwer zu verstehen. Die Menschen sind von den Entscheidungen hinsichtlich ihrer Arbeit, ihrer Familie, ihrer Geschäfte und ihrer Zukunft überfordert. Anscheinend gibt es zu viele Wahlmöglichkeiten. Am Ende konzentrieren wir uns auf Begabungen, die wir gar nicht haben, und auf Karrieren, die nicht recht passen. Viele von uns reagieren darauf, indem sie einfach auf das springen, was ihnen über den Weg läuft, ohne sich ein paar sehr wichtige Fragen zu stellen.

Haben Sie sich schon einmal hingesetzt und ernsthaft darüber nachgedacht, was Sie wirklich lieben? Worin Sie gut sind? Was Sie im Leben erreichen wollen? Welche Hürden Sie daran hindern? Die meisten Menschen tun das nicht. Sie akzeptieren, was sie tun „sollten“, und nehmen sich nicht die Zeit, herauszufinden, was sie eigentlich tun wollen.

Wir alle haben unsere Vorlieben, Unsicherheiten, Stärken, Schwächen und einzigartigen Fähigkeiten. Wenn wir herausfinden wollen, wo sich unsere Begabungen und unsere Wünsche überschneiden, müssen wir das berücksichtigen. Diese Schnittmenge bezeichne ich als „blaue Flamme“ – wo Leidenschaft und Können zusammentreffen. Wenn die blaue Flamme in einer Person entzündet ist, wird sie zu einer mächtigen Kraft, die einen an den gewünschten Ort bringt.

Ich verstehe die blaue Flamme als Treffpunkt von Mission und Passion, gegründet auf eine realistische Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten. Mit ihrer Hilfe kann man den Lebenszweck bestimmen – sich um ältere Menschen kümmern, Mutter werden, Spitzeningenieur, Schriftsteller oder Musiker werden … Ich glaube, dass jeder Mensch eine Mission in sich trägt, die ihn inspirieren kann.

Joseph Campbell, der Anfang der 1990er-Jahre den Satz „Follow Your Bliss“ [wörtlich etwa „Folge deinem Glück“] prägte, hat an der Columbia University studiert. Er beschloss, dass seine blaue Flamme das Studium der griechischen Mythologie sei.

Als er erfuhr, dass es dafür keinen passenden Studiengang gibt, machte er sich seinen eigenen Plan. Nach dem Studium wohnte er in einer Hütte in Woodstock im Staat New York und tat fünf Jahre lang nichts anderes, als von neun Uhr morgens bis sechs oder sieben Uhr abends zu lesen. Für Liebhaber griechischer Mythen gibt es eben keine vorgezeichnete Laufbahn. Danach kam Campbell als äußerst gebildeter Mann aus dem Wald heraus, aber er hatte immer noch keine Ahnung, was er mit seinem Leben anfangen wollte. Auf jeden Fall folgte er hartnäckig seiner Liebe zur Mythologie.

Die Menschen, die damals mit ihm zu tun hatten, waren von seinem Wissen und seiner Leidenschaft erstaunt. Schließlich wurde er für eine Vorlesung an das Sarah Lawrence College eingeladen. Eine Vorlesung führte zur anderen und als Lawrence sich 28 Jahre später umsah, war er ein berühmter Autor und Professor für Mythologie; er tat das, was er liebte, und zwar an der gleichen Schule, die ihm als erstes Sprungbrett gedient hatte. „Wenn man sich von seinem persönlichen Glück leiten lässt, begibt man sich auf einen Weg, der schon die ganze Zeit da war und auf einen gewartet hat; und das Leben, das man führen sollte, ist das Leben, das man führt.“

Und wie findet man sein Glück?

Campbell glaubte, dass jeder Mensch in sich das intuitive Wissen trägt, was er oder sie im Leben am meisten will. Wir müssen nur danach suchen.

Ich stimme Dr. Campbell zu. Nach meiner Überzeugung beruhen alle guten Entscheidungen auf guten Informationen. Das ist bei der Bestimmung der Leidenschaft, dem persönlichen Lebensglück und der blauen Flamme nicht anders. Gute Informationen bekommt man aus zwei Quellen. Ein Teil kommt aus Ihrem Inneren und der andere Teil von Ihren Mitmenschen.

1. Der Blick nach innen

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Selbsteinschätzung seiner Ziele und Träume vorzunehmen. Manche Menschen beten. Andere meditieren oder lesen. Manche treiben Sport. Einige ziehen sich längere Zeit in die Einsamkeit zurück.

Das Wichtigste bei der inneren Prüfung ist, dass man sie ohne die Beschränkungen, ohne die Zweifel, Ängste und Erwartungen durchführt, die damit zusammenhängen, was man tun „sollte“. Sie müssen es schaffen, die Hindernisse Zeit, Geld und Verpflichtungen aus dem Weg zu räumen.

Wenn ich in der richtigen geistigen Verfassung bin, fange ich an, eine Liste meiner Träume und Ziele aufzustellen. Manche sind absurd und manche sind überaus pragmatisch. Ich versuche nicht, die Liste zu zensieren oder zu verändern – ich schreibe einfach alles ungefiltert auf. Nach dieser ersten Liste schreibe ich in eine zweite Spalte alles, was mir Spaß und Freude macht: Errungenschaften, Menschen und Dinge, die mich bewegen. Anhaltspunkte dafür findet man in seinen Hobbys, in den Zeitschriften und Büchern, die man liest, und in den Filmen, die einem gefallen. Welche Aktivitäten begeistern Sie so sehr, dass Sie nicht merken, wie die Stunden verfliegen?

Wenn ich fertig bin, verknüpfe ich die beiden Listen miteinander; ich suche nach Schnittpunkten, die auf eine Richtung oder einen Zweck verweisen. Das ist eine einfache Übung, aber sie kann tiefgreifende Ergebnisse bringen.

2. Der Blick nach außen

Als Nächstes fragen Sie die Menschen, die Sie am besten kennen, was sie für Ihre größten Stärken und Schwächen halten. Fragen Sie sie, was sie an Ihnen bewundern und in welchen Bereichen Sie Hilfe gebrauchen könnten.

Die Informationen aus Ihrer Innenschau und aus dem Input, den Sie von anderen bekommen, werden Ihnen schon nach kurzer Zeit sehr konkrete Hinweise darauf geben, was Ihre Mission oder Ihre Richtung sein sollte.

Einige der hartgesottensten CEOs und Unternehmer der Welt sind große Anhänger der blauen Flamme – auch wenn sie das wahrscheinlich nicht so nennen.

James Champy, ein gefeierter Unternehmensberater und Co-Autor von Business Reengineering. Die Radikalkur für das Unternehmen, behauptet, Erfolg sei in allererster Linie eine Sache unserer Träume. In seinem Buch The Arc of Ambition kommt Champy zu dem Schluss, der Erfolg von großen Führungspersönlichkeiten wie Ted Turner, Michael Dell und Jack Welch beruhe weniger auf ihren Fähigkeiten als auf der Tatsache, dass sie eine klar definierte Mission haben, die sie in all ihrem Tun antreibt.

Als Champy Michael Dell fragte, wo er den Ehrgeiz fand, Dell-Computer zu bauen, redete der CEO zuerst über Konjunkturzyklen und Technologie. Dann hielt er inne.

„Wissen Sie, woher dieser Traum wahrscheinlich wirklich kommt?“, fragte er. Dann beschrieb er, wie er durch die Vororte von Houston zur Schule fuhr und die Bürogebäude mit ihren großen Fahnenmasten bewunderte. Dell wollte auch einen Fahnenmast. Er wollte diese Art Präsenz haben. Das war für ihn das Sinnbild für Erfolg und deshalb visierte er die Gründung seines eigenen Unternehmens schon an, bevor er legal einen Drink bestellen durfte. Heute hat er drei Fahnenmasten.

Ambitionen sind wie japanische Kois. Sie wachsen entsprechend der Größe ihrer Umgebung. Unsere Leistungen wachsen mit der Größe unserer Träume und mit dem Grad, zu dem wir uns an unsere Mission halten.

Ziele zu bestimmen, sie auf den neuesten Stand zu bringen und im Auge zu behalten, wie nahe wir ihnen schon gekommen sind, ist meiner Meinung nach weniger wichtig als der emotionale Prozess der Entscheidung, was man eigentlich machen will.

Soll das heißen, dass ein hoffnungsloser Träumer General Electric genauso gut hätte leiten können wie Neutronen-Jack? Selbstverständlich nicht. Die Verwandlung eines Traums in Wirklichkeit erfordert harte Arbeit und Disziplin.

„Welch hat vielleicht etwas dagegen, wenn ich sage: ‚Jack, du bist ein Träumer‘ “, schreibt Champy, „aber er ist eben ein disziplinierter Träumer. Er ist so fähig und intelligent, dass er die Chancen in verschiedenen Branchen wahrnimmt.“

Alle disziplinierten Träumer haben etwas gemeinsam: eine Mission. Die Mission ist häufig riskant, unkonventionell und wahrscheinlich höllisch schwer zu erfüllen. Aber sie ist möglich. Die Form von Disziplin, die einen Traum in eine Mission und eine Mission in Wirklichkeit verwandelt, besteht tatsächlich einfach in dem Verfahren der Zielsetzung.

Zweiter Schritt: Ziele zu Papier bringen

Eine Mission wird nicht „einfach so“ zur Realität. Sie wird wie jedes andere Kunstwerk oder jede Art von Handelstätigkeit aus dem Nichts aufgebaut. Zuerst muss man sie sich vorstellen. Dann muss man die nötigen Fähigkeiten, Werkzeuge und Materialien besorgen. Das benötigt Zeit. Dafür braucht man Überlegung, Entschlossenheit, Durchhaltevermögen und Glauben.

Das Werkzeug, das ich dafür benutze, bezeichne ich als Beziehungs-Aktions-Plan oder BAP.

Dieser Plan besteht aus drei deutlich unterschiedenen Teilen: Der erste Teil ist die Entwicklung der Ziele, die einem die Erfüllung der Mission ermöglichen. Der zweite Teil ist die Verknüpfung dieser Ziele mit den Menschen, Orten und Dingen, die einem bei der Erledigung helfen. Und der dritte Teil sagt einem, wie man am besten an die Menschen herantritt, die einem helfen, diese Ziele zu erreichen. Das bedeutet, dass man ein Medium wählen muss, um diese Connections herzustellen, aber vor allem bedeutet es, man muss eine Möglichkeit finden, mit einer großzügigen Geste die Umsetzung der eigenen Pläne einzuleiten.

Das ist eine auf ein Minimum reduzierte, geradlinige Arbeitsgrundlage, die allerdings mir, meinen Vertriebsleuten und vielen meiner Freunde außerordentlich hilft.

Im ersten Abschnitt schreibe ich auf, was ich heute in drei Jahren erreicht haben will. Dann arbeite ich in Schritten von drei Monaten und von einem Jahr rückwärts und komme so zu mittel- und kurzfristigen Zielen, die mir helfen, meine Mission zu erfüllen. Unter jeden Zeitrahmen schreibe ich ein A-Ziel und ein B-Ziel, die auf sinnvolle Weise dazu beitragen, mein 3-Jahres-Ziel zu erreichen.

Eine gute Freundin von mir namens Jamie liefert ein gutes Beispiel dafür, wie das funktioniert. Jamie versuchte krampfhaft, ihrem Leben eine Richtung zu geben. Sie hatte in Harvard ihren Doktor in Geschichte gemacht und eigentlich gedacht, sie würde Professorin werden. Aber dann war ihr die akademische Welt zu langweilig. Sie zog eine Laufbahn in der Wirtschaft in Erwägung, fand aber die Geschäftswelt nicht lohnenswert. Also lebte Jamie ein paar Monate in Manhattan und dachte darüber nach, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte; dann kam sie darauf, was sie wirklich machen wollte: Sie wollte Kinder unterrichten.

Ich bat sie, es mit meinem BAP zu versuchen. Sie war zuerst skeptisch. „Das mag für MBA-Typen etwas taugen, aber ich bin nicht sicher, ob das für Menschen wie mich funktioniert“, meinte sie. Trotzdem war sie mit einem Versuch einverstanden.

Also machte sie sich daran, das Arbeitsblatt auszufüllen. Ihr A-Ziel war es, in drei Jahren Lehrerin zu sein, ihr B-Ziel, in drei Jahren in einem angesehenen Schulbezirk in einer Gegend zu arbeiten, in der sie gern wohnen würde. Dann füllte sie die kurzfristigen A- und B-Ziele aus.

In 90 Tagen wollte sie auf dem Weg zur staatlich anerkannten Highschool-Lehrerin sein; sie wollte an einem Ausbildungsprogramm teilnehmen, das den Wechsel in das Bildungswesen ermöglicht. Nach einem Jahr wollte sie in Vollzeit unterrichten. Dann stellte sie eine Liste der besten Highschools in Manhattan zusammen, an denen ihr die Arbeit Spaß machen könnte.

Im zweiten Teil des Plans, der in die gleichen Zeitabschnitte aufgeteilt war, musste sie nun für jedes A- und B-Ziel Personen benennen, die sie ihrer Meinung nach der Verwirklichung ihres Ziels ein Stück näherbringen könnten.

Sie fing mit den Recherchen an und fand eine Kontaktperson für ein Programm, das Akademikern den Einstieg in den Lehrerberuf ermöglichte. Außerdem ermittelte sie die Namen der Personen, die an den von ihr ausgewählten besten Highschools für die Einstellung von Lehrpersonal zuständig waren. Und schließlich fand sie die Telefonnummer einer Organisation heraus, die Zertifizierungskurse für Lehrkräfte anbot.

Nach wenigen Wochen war Jamie auf dem besten Weg zu ihrem Ziel. Sie erkannte die symbiotische Beziehung zwischen Zielsetzung und der Kontaktaufnahme zu Menschen, die einem helfen können, diese Ziele zu erreichen. Je weiter sie kam, desto größer wurde ihr Netzwerk, und je größer das Netzwerk wurde, desto näher kam sie ihren 3-Jahres-Zielen.

Jamie ist mittlerweile Highschool-Lehrerin mit Festanstellung an einer der besten Highschools des Landes in Beverly Hills/ Kalifornien, und sie liebt den Job.

Die dritte Stufe hilft letztlich bei der Entscheidung, welche der Strategien, die ich in den folgenden Kapiteln noch darlegen werde, am ehesten Erfolg verspricht. Bei einigen Leuten muss man vermutlich einen Kaltakquise-Anruf durchführen (dazu später mehr). An andere kommt man über Bekannte von Bekannten heran und wieder andere lernt man am besten bei einer Dinnerparty oder einer Konferenz kennen. Ich werde Ihnen noch beibringen, wie man diese und andere Methoden anwendet.

Aber der wichtigere Aspekt der dritten Stufe besteht darin, eine Möglichkeit zu finden, sich gegenüber jeder Person, an die man sich wendet, als großzügig zu erweisen. Ein Thema, das ich in späteren Kapiteln dieses Buches noch ausführlich behandeln werde.

Dieses Verfahren kann fast jeder benutzen, unabhängig von der beruflichen Laufbahn. Wenn man das Arbeitsblatt ausgefüllt hat, hat man eine Mission. Man hat die Namen von Menschen aus Fleisch und Blut, die einem bei dem nächsten Schritt der Mission helfen können. Und man hat eine oder mehrere Möglichkeiten, an sie heranzutreten.

Diese Übung soll zeigen, dass der Aufbau eines Beziehungsnetzes ein Prozess ist, ein System, wenn Sie so wollen. Das ist keine Zauberei und es ist nicht einigen wenigen Auserwählten vorbehalten, die mit der Gabe der Kontaktfähigkeit gesegnet sind. Wenn man Verbindungen zu anderen knüpfen will, muss man nur einen Plan festlegen und diesen umsetzen; dabei ist es ganz egal, ob man Geschichtslehrer für die neunte Klasse werden oder eine eigene Firma gründen will.

Überdies kann man das Arbeitsblatt auf alle Lebensbereiche anwenden: Man kann seinen Freundeskreis erweitern, sich fortbilden, einen Partner fürs Leben finden oder geistige Führung suchen.

Wenn Sie den Plan haben, hängen Sie ihn an einen Ort oder mehrere Orte, wo Sie ihn immer wieder sehen. Teilen Sie Ihre Ziele anderen mit. Das ist nämlich einer der wirkungsvollsten und vermutlich lohnenswertesten Aspekte klar festgelegter Ziele – wenn Sie jedem mitteilen, was Sie wollen, bekommen Sie Zugang zu versteckten Gelegenheiten, die nur darauf warten, genutzt zu werden.

Machen Sie jetzt Ihren persönlichen Plan und lesen Sie erst danach das nächste Kapitel. Ich trage gern eine abgewandelte Form meines Plans in meinem Smartphone mit mir herum, damit ich immer wieder daran erinnert werde, was ich erreichen und an wen ich mich dafür wenden muss. Bis vor ein paar Jahren hatte ich immer eine laminierte Miniversion des Plans in der Brieftasche.

Aber auf jeden Fall müssen Sie Ihre Ziele schriftlich niederlegen. Seien Sie davon überzeugt, Ihre Absichten zu Papier zu bringen. Ein ungeschriebener Wunsch ist nur ein Traum. Geschrieben ist er eine Verpflichtung, ein Ziel.

Nun noch ein paar zusätzliche Kriterien, die Sie beim Ausfüllen Ihres BAP beachten sollten:

•Ihre Ziele müssen spezifisch sein. Vage, umfangreiche Ziele sind als Handlungsgrundlage zu weit gefasst, als dass man danach handeln könnte. Sie müssen konkret und detailliert sein. Sie müssen wissen, welche Schritte Sie unternehmen müssen, um Ihr Ziel zu erreichen; und Sie müssen wissen, woran Sie messen können, ob Sie ein Ziel erreicht haben oder nicht. Ich sage meinen Vertriebsleuten immer, dass eine Zielsetzung wie „Ich werde mein bestes Quartal aller Zeiten abliefern“ nicht reicht. Sollen es 100.000 Dollar oder 500.000 Dollar sein?

•Ihre Ziele müssen glaubhaft sein. Wenn Sie nicht glauben, dass Sie sie erreichen können, erreichen Sie sie auch nicht. Wenn Ihr Ziel darin besteht, den Umsatz Ihres Unternehmens auf fünf Millionen Dollar im Jahr zu erhöhen, und Sie haben im vergangenen Jahr nur eine Million Umsatz erzielt, dann verurteilen Sie sich selbst zum Scheitern. Nehmen Sie sich lieber anderthalb Millionen vor – und geben Sie alles!

•Ihre Ziele müssen eine anspruchsvolle Herausforderung darstellen. Gehen Sie über Ihren Wohlfühlbereich hinaus; setzen Sie Ziele, die Risiken und Unsicherheiten beinhalten. Und wenn Sie ein Ziel erreicht haben, setzen Sie sich das nächste. Einer der besten Verkäufer, den ich je getroffen habe, war ein Bekannter meines Vaters namens Lyle, der an der Haustür Bücher verkaufte. Er setzte sich jährliche Umsatzziele, schrieb sie auf und platzierte sie an möglichst vielen Orten: in seiner Brieftasche, am Kühlschrank, auf dem Schreibtisch. Immer wieder erreichte er das Ziel mehrere Monate zu früh. Dann schrieb er einfach ein neues Ziel. Dieser Mann war niemals zufrieden. Lyle sagte immer, was zählt, ist, sich Ziele zu setzen, nicht, Ziele zu erreichen. Er war vielleicht der einzige Haus-zu-Haus-Buchverkäufer in ganz Pennsylvania – oder überhaupt –, der als reicher Mann starb.

Und dann schreiten Sie zur Tat! Der Plan heißt nicht umsonst Beziehungs-Aktions-Plan. Wenn man sich auf einen Marathonlauf vorbereitet, muss man jeden Tag hinausgehen und joggen. Wenn Sie einen Plan haben, liegt es an Ihnen, Kontakte zu knüpfen. Und zwar jeden Tag!

Dritter Schritt: Der persönliche „Beraterstab“

Wie alles andere, über das ich in diesem Buch schreibe, kann man auch Ziele nicht alleine erreichen. Wenn man einen Plan gemacht hat, braucht man Bestärkung, damit man bei der Stange bleibt. Wie in jedem Unternehmen profitieren selbst die am besten konzipierten Pläne von einer externen Überprüfung.

Es ist gut, wenn man einen verständigen Berater oder zwei oder drei Personen hat, die einen sowohl anfeuern als auch mit Argusaugen überwachen und zur Rechenschaft ziehen. Ich bezeichne diese Gruppe von Menschen als meinen persönlichen Beraterstab. Er kann zum Beispiel aus Familienmitgliedern bestehen, ein Mentor kann dazu gehören, oder ein oder zwei gute Freunde.

Mir hat der Beraterstab einmal sehr geholfen, als ich an einem kritischen Punkt in meiner Karriere angelangt war. Ich hatte gerade Starwood Hotels and Resorts verlassen – die Gesellschaft, zu der so bekannte Marken wie W Hotel und Westin gehören. Ich war hilflos. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich weder Titel noch Arbeit. Ich musste meine Mission neu überdenken.

Von Deloitte war ich zu Starwood gewechselt, um ein unwiderstehliche Angebot anzunehmen: Ich wurde der jüngste Generaldirektor der Marketingabteilung eines Fortune-500-Unternehmens (ein Ziel, das ich mir drei Jahre zuvor gesteckt hatte) und konnte den Marketingansatz einer ganzen Branche neu erfinden.

Aber mein neuer Job lief nicht so ganz nach Plan.

Jürgen Bartels, der Präsident von Starwood, der mich eingestellt hatte, versprach mir, dass er mein Mentor sein und mir den Weg in die Führungsspitze ebnen würde. Meine Ziele für Starwood waren groß und erforderten die Änderung der Denkweise des gesamten Unternehmens.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Marketing in der Hotelbranche eine regionale Angelegenheit gewesen, die häufig den einzelnen Hotels überlassen blieb. Diese Regelung ging jedoch auf Kosten der unternehmensweiten Einheitlichkeit der Marke. Wir hatten nun vor, die Marketingaktivitäten unter einem global orientierten Dach zu konsolidieren. Anstatt jede Weltregion ihre eigene Marketingstrategie fahren zu lassen, wollte ich das Marketing mehr zentralisieren, damit eine deutlichere Botschaft geschaffen werden konnte und wir mit einer einheitlichen Marke eine größere Wirkung auf den Markt erzielen konnten. Schließlich waren ja unsere Hauptkunden – Geschäftsreisende – zunehmend global orientiert und sie erwarteten Konsistenz.

Allerdings verließ Jürgen Bartels das Unternehmen kurz nach meiner Einstellung. Wie alle Bürokratien wehren sich auch Unternehmen tendenziell gegen Veränderungen, vor allem, wenn das Topmanagement nicht hinter den Veränderungen steht. Nach meinem ersten Jahr in dem Unternehmen war klar, dass ich mir unter dem neuen Präsidenten auf keinen Fall die Unterstützung innerhalb des Unternehmens verschaffen konnte, die ich für eine derart radikale Neuorganisation gebraucht hätte.

Der neue Präsident stellte klar, dass er unseren Plan zur Reorganisation der Marketingabteilung nicht fortführen wollte. Die Tage des Plans und damit die meinigen waren gezählt. Ohne das Okay für die gewagten Entscheidungen, die meiner Meinung nach für den Erfolg des Unternehmens und meinen persönlichen Aufstieg nötig waren, konnte ich meine Ziele in dem Unternehmen nicht erreichen, so viel wusste ich.

Ich war geschockt. Ich hörte an jenem Tag früher auf zu arbeiten und joggte eine Meile nach der anderen über die schönen Wege des New Yorker Central Parks. Sportliche Betätigung war für mich schon immer eine Zuflucht und dabei kann ich am besten denken. Aber gut zehn Meilen später stand ich immer noch unter Schock.

Als ich am nächsten Morgen mein Büro betrat, wusste ich, dass meine Zukunft anderswo lag. Die ganzen Annehmlichkeiten, die das Leben als Topmanager mit sich bringt – das große, bequeme Büro, die Mahagonimöbel, der Firmenjet, der hübsche Titel an der Bürotür –, waren nichts wert, wenn ich nicht die Ideen einbringen konnte, die Spaß, Kreativität und Begeisterung bedeuteten. Ich kündigte kurz danach offiziell und wenn ich es nicht getan hätte, weiß ich, dass ich sowieso nicht lange in dem Unternehmen geblieben wäre.

Es war Zeit für mich, ein neues Ziel festzulegen. Sollte ich anderswo eine Stellung als Marketingchef suchen und mich dadurch beweisen, dass ich größere, bessere Marken aufbaute, nach mehr Umsatz (und Gewinn) strebte und zu der Verwandlung eines Unternehmens in eine Markenikone beitrug? Oder sollte ich noch höher greifen? Mein letztes Ziel war eine Position als CEO. Aber dorthin gelangt man selten über das Marketing. Ich hatte zwar einen großen Teil meiner Karriere damit verbracht, die Führungsmannschaft davon zu überzeugen, dass Marketing sämtliche betrieblichen Aktivitäten beeinflussen könnte und sollte, aber ich war trotzdem nicht für alle diese Aktivitäten verantwortlich.

Die ultimative Marketingposition, um eine Marke zu definieren, war der CEO-Posten. Falls ich mich für diese Richtung entscheiden sollte, was musste ich noch lernen, um CEO zu werden? Welche Chancen hatte ich, eine solche Position zu finden? Welche Opfer und Risiken waren damit verbunden?

Ehrlich gesagt war ich mir über diese Fragen damals nicht im Klaren. Nachdem es bei mir jahrelang immer fröhlich aufwärtsgegangen war, fühlte ich mich nach dieser Enttäuschung richtig verloren. Ich musste wieder völlig neu herausfinden, was ich werden wollte.

Und ich hatte Angst. Zum ersten Mal seit Urzeiten hatte ich kein Unternehmen, das ich mit meinem Namen verbinden konnte. Ich hasste die Vorstellung, Menschen kennenzulernen, denen ich nicht klar sagen konnte, was ich beruflich machte.

Im Laufe der nächsten Monate führte ich Hunderte von Gesprächen mit den Menschen, denen ich vertraue. Ich machte einen Kurs in Vipassana-Meditation, wo ich zehn Tage lang jeden Tag zehn Stunden lang schweigend sitzen musste. Für einen Menschen wie mich, der den Mund nicht halten kann, war das eine Tortur. Ich fragte mich, ob die viele Zeit des Nachdenkens nicht vergeudet war und ob ich nicht nach Pennsylvania zurückkehren und ein kleiner Fisch in einem kleinen Teich bleiben sollte.

In dieser Zeit schrieb ich ein 12-seitiges Mission Statement, in dem ich mir unter anderem folgende Fragen stellte: Was sind meine Stärken? Was sind meine Schwächen? Welche Branchen stehen mir offen? Ich notierte die Wagniskapitalgeber, mit denen ich sprechen wollte, die CEOs, die ich kannte, die Leader, die ich um Rat fragen konnte, und die Unternehmen, die ich bewunderte. Ich ließ alle Möglichkeiten offen: Lehrer, Minister, Politiker, CEO. Für jede mögliche Richtung füllte ich einen eigenen BAP aus.

Als ich alles ausformuliert hatte, wandte ich mich an meinen privaten Beraterstab. Ich war nicht qualifiziert, CEO eines Großunternehmens zu werden, aber wenn ich in mich hineinsah, war das genau das, was ich wollte.

Tad Smith, Manager im Verlagswesen und einer meiner besten Freunde und Berater, sagte mir in einem Gespräch, ich müsste den Ehrgeiz ablegen, für ein Fortune-500-Unternehmen arbeiten zu wollen. Wenn ich CEO werden wollte, müsste ich ein Unternehmen finden, mit dem ich wachsen könnte.

Das war genau der Rat, den ich gebraucht hatte. Ich hatte mich zu sehr auf Großunternehmen versteift. Der Dotcom-Crash ließ zwar den Eintritt in die digitale Welt lange nicht mehr so verlockend wie vorher erscheinen, aber es gab immer noch ein paar sehr gute Unternehmen, die ein unternehmerisches Fundament brauchten. Jetzt wusste ich, wo ich suchen musste, und ich verfeinerte meinen BAP.

Von diesem Tag an verfolgte ich mit Anrufen und mit dem Besuch von Tagungen und Vorträgen den Zweck, das richtige Kleinunternehmen zu finden, das meine Heimat werden könnte. Nach drei Monaten hatte ich fünf Stellenangebote.

Ich hatte mich unter anderem an Sandy Climan gewandt, einen bekannten Geschäftsmann aus Hollywood, der früher bei Creative Artists Agency die rechte Hand von Michael Ovitz gewesen war und der inzwischen in Los Angeles eine Venturecapital-Gesellschaft namens Entertainment Media Ventures betrieb. Ich hatte Sandy kennengelernt, als ich noch bei Deloitte war und nach Wegen in die Welt der Unterhaltungsbranche suchte. Sandy machte mich mit den Mitarbeitern eines Unternehmens namens YaYa bekannt, in das seine Firma investiert hatte.

YaYa war ein Marketingunternehmen und ein Pionier auf dem Gebiet der Werbung über Onlinespiele. Das Unternehmen hatte ein gutes Konzept und konnte als Stärke engagierte Mitarbeiter und Gründer verbuchen. Es brauchte allerdings eine größere Vision, damit der Markt aufmerksam wurde, irgendeinen Aufhänger für das bislang noch unbekannte Produkt und jemanden, der all das nutzen konnte, um zu verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Als mir YaYa im November 2000 den Posten als CEO anbot, wusste ich, dass alles stimmte. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Los Angeles, es eröffnete genau den unkonventionellen Weg in die Welt der Unterhaltung, den ich gesucht hatte, und es bot mir die Möglichkeit, meine Marketingerfahrung in den CEO-Job einzubringen.

Wenn Virginia das kann, kannst du das auch

Vor ein paar Monaten erzählte mir ein Freund von einer Frau namens Virginia Feigles, die in der Nähe des Ortes lebte, in dem ich aufgewachsen war. Die Geschichte ihres Triumphs hatte ihn fasziniert. Als ich ihre Geschichte hörte, ging es mir genauso.

Feigles hatte mit 44 Jahren beschlossen, dass sie nicht mehr Friseurin sein wollte. Sie wollte Ingenieurin werden. Von Anfang an gab es Bremser, die hartnäckig behaupteten, das sei unmöglich. Aber deren Negativität goss nur noch mehr Öl in ihr Feuer.

„Ich habe bei dieser ganzen Sache viele Freunde verloren“, so Feigles. „Die Menschen werden neidisch, wenn man sich zu etwas entschließt, von dem niemand gedacht hatte, dass man es tun würde oder könnte. Da muss man sich einfach durchboxen.“

Ihr Abenteuer liest sich wie ein Karriereberatungsbuch, in dem eine kühne Mission und die Bereitschaft, sich an andere Menschen zu wenden, Chancen schaffen, die einem Highschool-Absolventen vorher nicht offenstanden. Sie vermittelt aber auch eine ernüchternde Dosis Realismus: Veränderung ist hart. Man kann Freunde verlieren, auf scheinbar unüberwindliche Hindernisse stoßen und vor der problematischsten Hürde von allen stehen – dem eigenen Selbstzweifel.

Feigles wollte eigentlich schon immer aufs College gehen. Ihre Mutter hatte sie in der Kleinstadt Milton in Pennsylvania alleine aufgezogen, sodass sie kaum Möglichkeiten hatte.

Sie heiratete mit 17 und war ein Jahr danach schwanger. Sie arbeitete im Friseursalon ihres Mannes in Vollzeit und zog ihren einzigen Sohn auf. Zwanzig Jahre vergingen. Nach der zweiten Scheidung überdachte Feigles ihr Leben. Wachstum, so überlegte sie, kommt nur durch Veränderung. Und Veränderung kommt nur durch neue Ziele.

Sie arbeitete als Teilzeitsekretärin in der Handelskammer, aber sie begriff bald, dass das Leben noch mehr zu bieten hatte. „Ich dachte mir nur: ‚Das ist doch dämlich. Warum sitze ich am falschen Ende? Nicht jeder, der einen Doktor in Physik hat, ist gleich Albert Einstein.‘ “

Es stimmt zwar, dass nicht jeder Ingenieur ein Genie ist, aber alle Ingenieure beherrschen die Algebra – was Feigles nicht von sich behaupten konnte. Deshalb klemmte sie sich dahinter und lernte es innerhalb weniger Monate.

Nach einem Sommerkurs am örtlichen College beschloss sie, sich an einer der besten Ingenieurschulen des Landes, der Bucknell University, zu bewerben. Die stellvertretende Fakultätsleiterin Trudy Cunningham beschönigte die Situation keineswegs.

„Als sie herkam, sagte ich ihr, dass sie es schwer haben würde. Sie war erwachsen, hatte ein Leben, eine Wohnung, ein Auto und sie musste mit jungen Leuten konkurrieren, die im Wohnheim wohnten und denen das Essen gekocht wurde.“ Zum Glück war Feigles ihr Leben lang als „Connector“ aktiv gewesen. Sie war Mitglied in mehreren Organisationen, sie gehörte dem Vorstand des YMCA, der Handelskammer von Milton und des Parks and Recreation Committee an. Zeitweise war sie auch Mitglied im Gartenbauverein und in der Milton Business Association. Sie hatte überall Freunde und Ratgeber, die sie unterstützten.

Die anderen Studenten feierten nach den Lehrveranstaltungen Partys und gingen zu Footballspielen. Feigles arbeite abends im Friseursalon und hatte danach noch ein anstrengendes Lernpensum vor sich. Sie kann sich an keinen Tag erinnern, an dem sie nicht daran dachte, aufzugeben.

Sie erinnert sich an die Rückgabe der ersten Physikklausur. Sie war durchgefallen.

„Eine andere Studentin dachte, das wäre der Weltuntergang. Ich sagte ihr, sie solle sich keine Sorgen machen, ich würde mich schon nicht umbringen“, erinnert sie sich mit der Abgeklärtheit derjenigen, die das alles hinter sich haben. Am Ende bekam sie die Note 3.

Viele schlaflose Nächte und einige 3er-Benotungen später fand sich Feigles im Jahre 1999 unter 137 anderen Ingenieurabsolventen wieder. Niemand staunte darüber mehr als die Absolventin selber: „Ich dachte die ganze Zeit: ‚Was habe ich da bloß gemacht?‘ Und dann sagte ich mir immer wieder: ‚Ich habe es geschafft, ich habe es tatsächlich geschafft!‘ “

Nachdem sie ihre Ziele erreicht hatte, wuchs ihr Netzwerk weiter – und zwar nicht nur was Freundschaften und Geschäftskontakte angeht. Inzwischen ist sie nämlich wiederverheiratet – mit ihrem früheren Chef aus der Handelskammer – und hat eine berufliche Laufbahn im Verkehrsministerium von Pennsylvania begonnen. Seit Kurzem ist sie Vorsitzende des Planungsausschusses, für den sie früher als Sekretärin Notizen machte.

Die eigenen Ziele zu erreichen kann schwierig sein. Aber wenn Sie erst einmal Ziele haben, einen realisierbaren Plan, diese zu erreichen, und eine Reihe vertrauenswürdiger Freunde, die Ihnen dabei helfen können, dann können Sie so ziemlich alles schaffen – sogar mit über vierzig noch Ingenieur werden.

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“

Bill Clinton

„Erkenne deine Lebensaufgabe.“

Im Jahre 1968 lernte William Jefferson Clinton, der mit einem Rhodes-Stipendium an der Oxford University studierte, auf einer Party einen Studenten namens Jeffrey Stamps kennen. Clinton zog prompt ein schwarzes Adressbuch aus der Tasche und fragte: „Was machst du hier in Oxford, Jeff?“

„Ich bin mit einem Fulbright-Stipendium in Pembroke“, antwortete Jeff. Clinton notierte „Pembroke“ und fragte Stamps, wo er vorher studiert hatte und was sein jetziges Hauptfach war. „Bill, warum schreibst du dir das auf?“, fragte Stamps.

„Ich gehe in die Politik; ich will Gouverneur von Arkansas werden und notiere mir alle Menschen, die ich kennenlerne“, sagte darauf Clinton.

Diese Geschichte, an die sich Stamps erinnerte, ist ein prägnantes Beispiel dafür, dass Bill Clinton schon damals direkt auf andere Menschen zuging und sie in seine Mission einbezog. Schon damals wusste er, dass er für ein öffentliches Amt kandidieren wollte, und seine Zielstrebigkeit bestärkte ihn in seinen Bemühungen, dies sowohl mit Leidenschaft als auch mit Ernsthaftigkeit zu erreichen. Der 42. Präsident der Vereinigten Staaten hatte sich schon während seines Erststudiums in Georgetown angewöhnt, jeden Abend die Namen aller Menschen, die er an diesem Tag getroffen hatte, auf Karteikarten zu notieren.

Sein politischer Ehrgeiz und seine Fähigkeit, auf andere zuzugehen, gingen während seiner gesamten politischen Laufbahn Hand in Hand. Als er im Jahre 1984 Gouverneur von Arkansas war, besuchte er zum ersten Mal eine Veranstaltung über landesweites Networking und geistige Führung – das Renaissance Weekend in Hilton Head in South Carolina. Clinton hatte die Einladung von seinem Freund Richard Riley bekommen, der damals Gouverneur von South Carolina war. Für einen Menschen wie Clinton, der keine Gelegenheit verstreichen ließ, Freundschaften zu schließen und neue Menschen kennenzulernen, war das Renaissance Weekend wie ein Besuch im Spielzeugladen. Die Washington Post beschrieb Clintons Teilnahme an der Veranstaltung in einem Artikel im Dezember 1992 so:

„Viele Teilnehmer erinnern sich bei dem Gedanken an Clintons Anwesenheit eher an Bilder als an Worte: wie er von einer Diskussion zur nächsten ging, wie er sich einen Platz am Rand des Saals suchte und sich entspannt an die Wand lehnte; dass er jeden zu kennen schien, und zwar nicht nur die Namen der Personen, weil jeder ein Schildchen trug, sondern auch was sie beruflich machten und wofür sie sich interessierten. ‚Er umarmt einen‘, erzählt Max Heller, ehemaliger Bürgermeister von Greenville. ‚Er umarmt einen nicht nur körperlich, sondern mit seinem gesamten Wesen.‘ “

Heller bezieht sich damit auf Clintons einmalige Fähigkeit, mit jedem beliebigen Gesprächspartner fast augenblicklich eine intime Atmosphäre zu erzeugen. Clinton erinnert sich nicht einfach nur an persönliche Details; er benutzt diese Informationen vielmehr, um ein Band mit dem Gesprächspartner zu knüpfen.

Man kann von Clinton zwei Dinge lernen: Erstens, je konkreter man weiß, wohin man im Leben kommen will, desto leichter kann man eine passende Networking-Strategie entwickeln, um dieses Ziel zu erreichen.

Zweitens, seien Sie sensibel und stellen Sie bei Ihren Interaktionen mit anderen Menschen echte Verbindungen her. Normalerweise rechnen wir ja schon damit, dass Menschen, die reich oder mächtig werden, andere von oben herab behandeln. Clinton beweist, wie charmant und beliebt man werden und bleiben kann, wenn man jeden ernst nimmt, den man kennenlernt.

4
Bauen Sie es auf, bevor Sie es brauchen

„Bauen Sie eine kleine Gemeinschaft von Menschen auf, die Sie lieben und von denen Sie geliebt werden.“

– Mitch Albom

Vergessen Sie die Bilder, die wir alle im Kopf haben: verzweifelte arbeitslose Menschen, die jede sichtbare Visitenkarte einstecken, während sie mit Feuereifer Geschäftskongresse und Jobmessen besuchen. Der große Mythos des „Networking“ besagt, dass man sich erst dann an andere Menschen wendet, wenn man zum Beispiel einen Job braucht. Die Menschen, die die meisten Kontakte, Mentoren und Freunde haben, wissen allerdings, dass man auf Menschen zugehen muss, lange bevor man überhaupt etwas braucht.

Nehmen wir einmal George, einen intelligenten jungen Mann in den Zwanzigern, den mir ein gemeinsamer Freund vorstellte. George arbeitete in New York im Werbegeschäft und wollte seine eigene Werbeagentur gründen. Er fragte mich, ob ich einmal mit ihm essen gehen würde, weil er Rat und Ermunterung suchte.

Zehn Minuten nachdem wir uns hingesetzt hatten, wusste ich, dass er auf dem falschen Dampfer war.

„Haben Sie schon versucht, mit potenziellen Kunden in Kontakt zu treten?“, fragte ich ihn.

„Nein“, sagte er, „ich gehe Schritt für Schritt vor. Ich habe vor, mich in meinem jetzigen Unternehmen bis zu dem Punkt hochzuarbeiten, wo ich es mir leisten kann, zu gehen. Dann gründe ich eine Gesellschaft, miete ein Büro und mache mich auf die Suche nach ersten Kunden. Ich will keine Termine mit potenziellen Kunden machen, bevor ich mich als glaubwürdiger Werbefachmann mit eigener Firma präsentieren kann.“

„Sie machen das völlig verkehrt“, sagt ich zu ihm. „Sie verurteilen sich zum Scheitern.“

Ich riet ihm, künftige Kunden schon heute zu suchen. Hatte er sich schon überlegt, auf welche Branche er sich spezialisieren wollte? Hatte er sich gefragt, wo sich die Spitzenleute dieser Branche aufhalten? Wenn er diese Fragen beantwortet hätte, wäre der nächste Schritt gewesen, sich in diesem neuen Kreis von Menschen zu bewegen.

„Das Wichtigste ist, dass man diese Menschen als Freunde und nicht als potenzielle Kunden kennenlernt“, sagte ich. „Mit einem haben Sie allerdings recht: Egal wie freundlich Sie sind, wenn die Menschen, an die Sie herantreten, auf ihrem Gebiet gut sind, engagieren sie Sie nicht vom Fleck weg für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb sollten Sie Ihre Dienste kostenlos anbieten – jedenfalls am Anfang. Sie könnten zum Beispiel ehrenamtlich für eine gemeinnützige Organisation arbeiten, mit der Sie zu tun haben, oder Sie könnten die Werbetrommel zur Geldbeschaffung für eine Schule rühren, in die Ihre Kinder gehen.“

„Aber wird sich mein Arbeitgeber nicht ärgern, wenn ich so viel Energie auf andere Dinge verwende?“, fragte George.

„Bei Ihrem Arbeitgeber gute Arbeit abzuliefern kommt an erster Stelle“, sagte ich ihm. „Es liegt in Ihrer Verantwortung, Zeit für Ihre sonstigen Aktivitäten zu finden. Konzentrieren Sie sich auf eine Branche, die Ihr derzeitiger Arbeitgeber nicht bedient. Denken Sie daran, dass Sie im Nullkommanichts wieder in Ihrem alten Job landen, wenn Sie bis zu dem Tag, an dem Sie beschließen, Ihre eigene Firma zu eröffnen, nicht die nötige Vorarbeit geleistet haben.“

„Ich soll also umsonst für diese Leute arbeiten?“

„Absolut“, sagte ich. „Bis jetzt haben Sie sich noch nicht die Sporen verdient und es ist schwer, da hineinzukommen. Aber irgendwann haben Sie einen wachsenden Kreis von Menschen, die Ihre Arbeit gesehen haben und die an Sie glauben. Man muss sich solche Connections beschaffen, wenn man ein Unternehmen eröffnen, die Stelle wechseln oder eine andere Laufbahn einschlagen will.

Versuchen Sie irgendwann, während Sie noch für Ihre jetzige Firma arbeiten, aus einem Ihrer Kontakte einen echten, zahlenden Kunden zu machen. Wenn Sie einmal einen festen Kunden haben, der Referenzen und Mundpropaganda liefert, haben Sie schon die halbe Miete. Dann – wirklich erst dann – können Sie mit Ihrer Firma reden und fragen, ob Sie nicht auf Teilzeitbasis weiterarbeiten könnten oder, was noch besser ist, sie zu Ihrem zweiten zahlenden Kunden machen könnten. Wenn Sie an diesem Punkt kündigen, haben Sie sich abgesichert. Sie haben dann eine Gruppe von Menschen, die Ihnen beim Übergang in eine neue Karriere helfen.“

Die letzte halbe Stunde unseres gemeinsamen Essens verbrachten wir damit, über Menschen aus seinem jetzigen Bekanntenkreis nachzudenken, die ihm am Anfang helfen könnten. Ich bot ihm den einen oder anderen Namen aus meinem eigenen Netz an und schon wuchs Georges Selbstbewusstsein. Ich bin zuversichtlich, dass seine Versuche, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen, jetzt nicht mehr von Hoffnungslosigkeit verdüstert werden. Er wird jetzt nach Möglichkeiten suchen, anderen zu helfen, und davon kann jeder ein kleines bisschen profitieren.

Die Gedanken, die man sich bei einer Unternehmensgründung machen muss, unterscheiden sich nicht von den Gedanken, die man sich machen muss, wenn man in seinem Unternehmen zum Überflieger werden will – von neuen Jobchancen und der Sicherung des Arbeitsplatzes ganz zu schweigen. Ich weiß, angesichts des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds ist das schwer zu glauben. Auch wenn die Arbeitslosigkeit seit ihrem letzten Höhepunkt 2010 zurückgegangen ist, ist sie immer noch hart, besonders, wenn man noch sehr jung ist oder sich dem Ende des Erwerbslebens nähert. Frischgebackene Absolventen werden feststellen, dass viele Einstiegspositionen von unbezahlten oder gering bezahlten Praktikanten übernommen wurden. Die Arbeitssuchenden von heute müssen schon mehr tun, als Stellenanzeigen zu lesen oder Bewerbungen zu verschicken, um ihre nächste Stelle zu ergattern.

Nur allzu oft verrennen wir uns, weil wir im Endeffekt ineffiziente Dinge tun und uns ausschließlich auf die Arbeit konzentrieren, die uns über Wasser hält. Es geht ja nicht darum, sich gleich morgen ein anderes Umfeld zu suchen – sei es ein neuer Job oder ein neuer Wirtschaftszweig –, sondern beständig das Umfeld und die Gemeinschaft zu schaffen, die man haben will, komme, was wolle.

Die Schaffung einer solchen Gemeinschaft ist allerdings keine kurzfristige Lösung und keine einmalige Aktion, die man nur bei Bedarf durchführt. Der Aufbau einer Beziehung verläuft notwendigerweise in kleinen Schritten. Man kann das Vertrauen und das Engagement eines Menschen nur mit der Zeit und Stück für Stück erwerben.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie Sie genau jetzt anfangen können, die Art von Gemeinschaft zu schaffen, die Ihre Karriere fördert. Sie können erstens mit dem Segen Ihres Arbeitgebers ein Projekt starten, das Sie zum Erwerb neuer Fähigkeiten zwingt und Sie innerhalb Ihres Unternehmens mit neuen Menschen zusammenbringt. Sie können zweitens im Rahmen Ihrer Hobbys und bei sonstigen Organisationen, die Sie interessieren, Führungspositionen übernehmen. Sie können drittens in eine örtliche Organisation ehemaliger Studenten eintreten und Zeit mit den Menschen verbringen, die genau die Jobs haben, die Sie gern hätten. Sie können viertens an ihrer Volkshochschule einen Kurs belegen, der mit Ihrem jetzigen Job oder mit Ihrem gewünschten künftigen Job zu tun hat.

Alle genannten Vorschläge helfen Ihnen, Menschen kennenzulernen. Und nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit laufen Ihnen umso mehr Gelegenheiten über den Weg und Sie bekommen an entscheidenden Punkten Ihrer Karriere mehr Hilfe, je mehr Menschen Sie kennen.

Während meines ersten Jahrs auf der Business School fing ich an, zusammen mit meinem Freund Tad Smith Beraterjobs zu machen. Wir hatten nicht vor, eine dauerhafte Beraterfirma zu gründen, die wir nach dem Studium betreiben wollten. Stattdessen wollten wir unser Wissen und unser Arbeitsethos kleinen Firmen zu Spottpreisen zur Verfügung stellen. Im Gegenzug würden wir etwas über neue Branchen erfahren, praktische Fertigkeiten erwerben, bis zu unserem Abschluss eine Liste von Referenzen und Kontakten haben und dazu noch bares Geld verdienen.

In was für einer Welt leben Sie im Moment? Machen Sie das Beste aus den Beziehungen, die Sie schon haben?

Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Familie, Ihre Freunde und Ihre Kollegen wären Teile eines Gartens. Machen Sie einen Spaziergang durch diesen Beziehungsgarten. Was sehen Sie?

Wenn Sie so sind wie die meisten Menschen, sehen Sie ein winziges, sauber gemähtes Rasenstück, das aus den üblichen Verdächtigen besteht – den 20 oder 30 Menschen, die sich im oberen Bereich Ihres E-Mail-Posteingangs tummeln. Das sind Ihre unmittelbaren Freunde, Mitarbeiter und Geschäftspartner: diejenigen, die einem sofort einfallen.

Ihr tatsächliches Netzwerk ist aber ein wuchernder Dschungel mit unendlich vielen vernachlässigten Plätzchen und Winkeln.

Ihr Verbindungspotenzial ist jetzt in diesem Augenblick weitaus größer, als Sie sich vorstellen können. Überall um Sie herum gibt es vielversprechende Gelegenheiten, Beziehungen zu Menschen, die Sie schon kennen, weiterzuentwickeln; diese kennen Menschen, die Sie nicht kennen, und die wiederum kennen noch mehr Menschen.

Sie können mehrere Dinge tun, um Ihr bereits existierendes Netzwerk zu nutzen. Sind Sie schon den Freunden und Bekannten Ihrer Eltern nachgegangen? Was ist mit Ihren Geschwistern? Mit Ihren Freunden vom College und von der Uni? Was ist mit der Kirche, dem Kegelklub, dem Fitnessstudio? Wie sieht es mit Ihrem Arzt, Ihrem Anwalt, Ihrem Immobilienmakler oder Ihrem Broker aus?

Unter Geschäftsleuten sagt man immer, die besten Kunden sind die jetzigen Kunden. Das heißt, die meisten erfolgreichen Geschäftsanbahnungen resultieren aus dem bereits erfolgten Umsatz. Die größten Erträge kommen nicht aus dem Neugeschäft; sie kommen zu dem etablierten Kundenstamm hinzu. Am einfachsten kommt man an Menschen heran, die zumindest am Rande zu Ihrem Netzwerk gehören.

Die größten Hürden beim Networking tauchen bei der Kaltakquise, beim Kennenlernen und bei allen Aktivitäten auf, die mit der Aktivierung Unbekannter zu tun haben. Aber der erste Schritt hat gar nichts mit Fremden zu tun; Sie sollten als Erstes mit Menschen Kontakt aufnehmen, die Sie schon kennen.

Konzentrieren Sie sich auf Ihr unmittelbares Netzwerk: Freunde von Freunden, Bekannte aus der Schulzeit, die Familie. Ich vermute, Sie haben noch nie Ihre Cousins und Cousinen, Ihre Brüder oder Schwäger gefragt, ob Sie jemanden kennen, mit dem sie Sie bekannt machen könnten, und die Ihnen beim Erreichen Ihrer Ziele helfen könnten.

Jedermann, von Ihrer Verwandtschaft bis hin zum Postboten, ist das Tor zu einer ganz neuen Gruppe von Menschen.

Gehen Sie also nicht erst dann auf andere zu, wenn Sie Ihren Job verloren haben oder auf sich alleine gestellt sind. Sie müssen eine Gemeinschaft von Kollegen und Freunden schaffen, bevor Sie sie brauchen. Die Menschen in Ihrer Umgebung helfen Ihnen mit größerer Wahrscheinlichkeit, wenn sie Sie schon kennen und Sie mögen. Fangen Sie jetzt an zu gärtnern. Sie werden es nicht glauben, welche Schätze Sie hinter Ihrem eigenen Haus finden können.

5
Das Genie der Kühnheit

„Ergreife den Augenblick! Was Du tun kannst oder glaubst zu können, fang nur an! Kühnheit hat Genie, Macht und Zauberkraft.“

– Johann Wolfgang von Goethe

Mein Vater Pete Ferrazzi war Amerikaner in der ersten Generation. Im Zweiten Weltkrieg war er Matrose bei der Handelsmarine gewesen und danach ein ungelernter Stahlarbeiter, dessen Welt aus harter Arbeit und niedrigem Lohn bestand. Er wollte, dass es mir, seinem Sohn, einmal besser geht. In meiner Jugend waren wir unzertrennlich (seine Freunde nannten mich „re-Pete“ [Wortspiel, gleichklingend mit „re-peat“ – „wiederholen/noch einmal“], weil er mich überallhin mitnahm). Er wusste, dass ich ein besseres Leben haben würde, wenn er für mich einen Weg aus der Arbeiterklasse finden würde, aus der wir stammten.

Aber mein Dad kannte die Ausgänge nicht. Er hatte nie ein College besucht. Von Country Clubs und Privatschulen hatte er keine Ahnung. Er kannte nur einen einzigen Mann, der die Macht haben könnte, mir zu helfen: seinen Boss. Genau genommen den Chef des Chefs des Chefs seines Chefs – Alex McKenna, den CEO von Kennametal, in dessen Fabrik mein Vater arbeitete.

Die beiden Männer waren sich nie begegnet. Aber Dad hatte einen klaren Blick dafür, wie die Welt funktioniert. Er hatte selbst von der Fabrikhalle aus die Beobachtung gemacht, dass Wagemut häufig das Einzige war, was zwei gleichermaßen begabte Menschen und ihre Berufsbezeichnungen voneinander unterschied. Also fragte er, ob er McKenna sprechen könne. McKenna war von dieser Anfrage derart verblüfft, dass er einen Termin ausmachte. Nach dem Gespräch war er bereit, mit mir zu sprechen – aber mehr nicht.

Es ergab sich, dass McKenna mich mochte – zum Teil wegen der Art, wie er auf mich aufmerksam gemacht wurde. Er gehörte dem Kuratorium einer privaten Grundschule in unserer Gegend namens Valley School of Ligonier an, wohin alle wohlhabenden Familien ihre Kinder hinschickten. Sie hatte den Ruf, eine der besten Schulen des Landes zu sein. Nachdem er ein paar Fäden gezogen hatte, verschaffte uns Mr. McKenna einen Termin bei Peter Messer, dem Rektor der Schule.

An dem Tag, an dem ich mich einem Stipendium an der Valley School einschrieb, wurde, betrat ich eine neue Welt, die mich auf einen ganz neuen Kurs brachte, und zwar genau wie mein Vater gehofft hatte. Ich bekam eine der besten Ausbildungen, die man in Amerika bekommen kann, erst an der Valley School, dann an der Kiski School, an der Yale University und schließlich an der HBS. Das wäre nie passiert, wenn sich mein Vater nicht gedacht hätte, dass Fragen nichts kostet.

Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, war diese Ausbildung das Wichtigste in meinem Leben. Außerdem hat die Lektion, die ich aus dem Handeln meines Vaters gelernt habe, alles beeinflusst, was ich seither getan habe.

Wenn es darum ging, die Bedürfnisse seiner Familie zu erfüllen, war meinem Vater einfach überhaupt nichts peinlich. Ich erinnere mich, dass wir einmal mit dem Auto nach Hause unterwegs waren und Dad im Sperrmüll vor einem Haus ein kaputtes Big-Wheel-Dreirad erspähte. Er hielt an, nahm es und klopfte an die Tür des Hauses, vor dem das weggeworfene Spielzeug darauf gewartet hatte, abgeholt zu werden.

„Ich habe in Ihrem Müll dieses Big Wheel gesehen“, sagte er zu der Besitzerin. „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich es mitnehme? Ich glaube, ich kann es reparieren. Ich fände es wunderbar, wenn ich meinem Sohn so etwas schenken könnte.“

Was für ein Mut! Können Sie sich diesen stolzen Arbeiter vorstellen, wie er diese Frau anspricht und im Prinzip zugibt, so arm zu sein, dass er gern ihren Müll haben möchte?

Aber das ist ja noch nicht alles. Stellen Sie sich vor, wie sich diese Frau gefühlt hat, weil sie die Gelegenheit bekam, jemandem ein solches Geschenk zu machen. Das hat ihr auf jeden Fall den Tag versüßt.

„Selbstverständlich“, sagte sie überschwänglich. Sie erklärte, dass ihre Kinder schon groß waren und das Spielzeug seit Jahren nicht mehr benutzt worden war.

„Sie können gern auch noch das Fahrrad haben. Zum Wegwerfen war es mir einfach zu schade …“

Dann fuhren wir weiter. Ich hatte ein „neues“ Big Wheel, auf dem ich fahren konnte, und ein Fahrrad, in das ich hineinwachsen konnte. Sie hatte ein Lächeln und ein Herzklopfen, das nur Güte hervorbringt. Und Dad lehrte mich, dass Kühnheit etwas mit Genie und sogar mit Freundlichkeit zu tun hat.

Jedes Mal, wenn ich mir selbst Grenzen setze, was ich schaffen kann und was nicht, oder wenn sich Angst in mein Denken einschleicht, erinnere ich mich an das Big-Wheel-Dreirad. Ich erinnere mich selbst daran, dass Menschen mit geringer Risikotoleranz, deren Verhalten von Furcht geleitet wird, kaum einen Hang zum Erfolg haben.

Die Erinnerungen aus jener Zeit sind haften geblieben. Mein Vater brachte mir bei, dass das Schlimmste, was jemand sagen kann, höchsten ein „Nein“ ist. Wenn einem jemand nicht seine Zeit oder seine Hilfe gibt, ist das sein Pech.

Mir hat in meinem Leben nichts so viele Gelegenheiten gebracht wie die Bereitschaft, zu fragen, egal in welcher Situation. Als ich einmal als namenloser Besucher auf dem Weltwirtschaftsforum in der Schweiz in den Bus zum Hotel stieg, sah ich Phil Knight, den Gründer von Nike. Knight war für mich so etwas wie ein Rockstar, weil er so außerordentlich erfolgreich mit der Gründung und dem Aufbau von Nike war und weil er im Laufe der Zeit so viele Marketing-Innovationen eingeführt hatte. Ob ich nervös war? Darauf können Sie Gift nehmen. Aber ich ergriff die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, beim Schopf und machte mich auf den Weg zum Platz neben ihm. Später wurde er der erste Bluechip-Kunde von YaYa. Ich mache so etwas ständig, egal in welcher Situation.

Manchmal klappt das nicht. Die Liste der Menschen, mit denen ich mich anfreunden wollte und die an meinen Annäherungsversuchen nicht interessiert waren, ist genauso lang. Beim Networking hält der Wagemut die gleichen Fallstricke und Ängste bereit wie beim Dating – und darin bin ich nicht annähernd so gut wie im Knüpfen geschäftlicher Bekanntschaften.

Es ist verlockend, sich an die Menschen zu halten, die man schon kennt. Aber im Gegensatz zu gewissen Formen des Datings ist der Networker nicht auf der Suche nach einem einzigen erfolgreichen Bund. Wenn man einen bereichernden Kreis vertrauter Beziehungen schaffen will, muss man die ganze Zeit draußen sein und sich unter die Menschen mischen. Wenn ich jemanden anrufe oder treffe, den ich nicht kenne, habe ich bis heute Angst vor der Zurückweisung. Dann rufe ich mir das Big Wheel ins Gedächtnis, das mein Vater für mich besorgte, und mache trotzdem weiter.

Für die meisten von uns ist Networking kein bisschen instinktiv oder natürlich, auch wenn es selbstverständlich Menschen gibt, die dank ihres angeborenen Selbstvertrauens und dank ihrer sozialen Kompetenz leicht Anschluss finden.

Daneben gibt es noch uns, die anderen.

In der Anfangszeit bei YaYa machte ich mir Sorgen um das Überleben des Unternehmens. Zum ersten Mal in meiner beruflichen Laufbahn musste ich mich an viele mir unbekannte Menschen wenden; ich repräsentierte ein unbekanntes Unternehmen und pries ein Produkt an, das sich am Markt noch nicht bewährt hatte. Ich wollte nicht einfach Manager bei BMW oder bei Mastercard anrufen und ihnen meine Ware aufschwatzen. Aber wissen Sie was? Da die Alternative hieß, einen Teil der Belegschaft zu entlassen oder in den Augen des Vorstands und der Investoren zu versagen, fiel es mir nicht mehr schwer, auf BMW zuzugehen.

Die Kühnheit, mit Menschen zu sprechen, die mich nicht kennen, lässt sich häufig einfach dadurch mobilisieren, dass ich die Angst vor der Peinlichkeit gegen die Angst vor dem Scheitern und seinen Folgen abwäge. Bei meinem Vater war es so, dass er entweder fragte oder seine Familie nichts bekam. Ich musste entweder fragen oder ich hatte keinen Erfolg. Diese Angst überwindet immer meine Furcht, abgewiesen zu werden oder in peinliche Situationen zu geraten.

Letztendlich muss sich jeder selbst fragen, wie das Scheitern aussieht. Das passiert uns schließlich allen einmal und deshalb müssen wir das aus dem Weg räumen. Es geht nicht um die Wahl zwischen Erfolg und Misserfolg. Es geht darum, sich für das Risiko zu entscheiden und nach Größe zu streben – oder nichts zu riskieren und sich der Mittelmäßigkeit sicher zu sein.

Bei vielen Menschen ist die Angst vor der Begegnung mit anderen Menschen mit der Angst verbunden, vor Publikum zu sprechen (einer Angst, die regelmäßig die Todesangst als größte Angst übertrifft). Einige der größten Redner der Welt gestehen, dass sie solche Ängste empfinden. Mark Twain hat einmal gesagt: „Es gibt zwei Arten von Rednern: die, die nervös sind, und die, die lügen.“

Man bewältigt diese Angst am besten, wenn man zuerst anerkennt, dass sie völlig normal ist. Sie sind damit nicht alleine. Als Zweites muss man anerkennen, dass die Überwindung dieser Angst über den Erfolg entscheidet. Und drittens muss man sich vornehmen, sich zu bessern.

Ich sage Ihnen jetzt ein paar Dinge, die Sie sofort tun können, damit das wirklich besser wird und Sie sich daran gewöhnen, in gesellschaftlichen Situationen mutiger zu sein:

• Finden Sie ein Rollenmodell

Wir neigen dazu, Menschen zu suchen, die uns ähneln – schüchterne Menschen tun sich gern mit schüchternen Menschen zusammen und extrovertierte Menschen tun sich gern mit extrovertierten Menschen zusammen –, weil sie unser eigenes Verhalten unbewusst bestätigen. Aber jedermann kennt jemanden in seinem Freundes- und Bekanntenkreis, der anscheinend ohne Angst oder mit wenig Angst auf andere Menschen zugeht. Wenn Sie sich nicht trauen, den großen Sprung zu wagen und von sich aus fremde Menschen anzusprechen, lassen Sie sich von solchen Menschen helfen und den Weg zeigen. Nehmen Sie sie nach Möglichkeit zu gesellschaftlichen Anlässen mit und beobachten Sie ihre Verhaltensweisen. Achten Sie auf ihre Handlungen. Mit der Zeit übernehmen Sie einen Teil ihrer Methoden und langsam bauen Sie den Mut auf, selbst auf andere zuzugehen.

• Lernen Sie, zu sprechen

Viele Unternehmen haben auf die zahllosen Menschen, die erkannt haben, dass sie bessere Redner werden müssen, reagiert. Diesen Bildungsorganisationen ist klar, dass Sie nicht vorhaben, vor einer Zuhörerschaft von tausend Menschen zu sprechen (jedenfalls nicht am Anfang). Die meisten Menschen, die bei solchen Unternehmen Hilfe suchen, wollen mehr Selbstvertrauen gewinnen und Methoden lernen, mit denen sie ihre Schüchternheit überwinden können. Diese Unternehmen bieten nicht ein oder zwei Allheilmittel an. Sie bieten vielmehr die Möglichkeit an, in einem nicht einschüchternden Umfeld zu üben, und zwar unter Anleitung eines Lehrers, der einen auch antreiben kann. Es gibt Hunderte von Trainern und Schulen, die sich dieser Ausbildung widmen. Zu den bekanntesten gehört der Toastmasters Club. Ganz sicher gibt es eine Abteilung in Ihrer Nähe. Diese gut geführte Organisation hat schon Millionen von Menschen geholfen, ihre Redefähigkeit zu verbessern und ihre Ängste zu überwinden.

• Machen Sie mit

Man fühlt sich am wohlsten, wenn man etwas tut, an dem man sich mit anderen freuen kann, die die Begeisterung mit einem teilen. Man kann jedes Hobby gemeinsam mit anderen betreiben: Briefmarken sammeln, Singen, Sport, Literatur. Für alle diese Interessen gibt es Vereine. Machen Sie mit, werden Sie aktives Mitglied. Wenn Sie sich der Aufgabe gewachsen fühlen, werden Sie einer der Leiter dieser Gruppe. Dieser letzte Schritt ist entscheidend. Um Führungsaufgaben zu übernehmen, braucht man Übung – also üben Sie! Dabei ergeben sich immer neue Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen und auf andere zuzugehen.

• Machen Sie eine Therapie

Ich weiß, ich weiß, Sie werden jetzt denken: „Der will mich in eine Therapie schicken, damit ich besser zu Menschen sprechen kann?“ Lassen Sie mich das bitte erklären. Erstens halte ich es schon für sehr wichtig, dass man den Wunsch hat, besser zu werden, als man momentan ist. Zweitens haben viele sehr erfolgreiche Menschen, die ich kenne, irgendwann in ihrem Leben eine Therapie gemacht. Ich behaupte nicht, dass eine Therapie Ihren Umgang mit Menschen verbessert, aber vielleicht hilft sie Ihnen, mit Ihren Ängsten und sozialen Befürchtungen produktiver umzugehen. Zahlreiche Studien, die von dem National Institute of Mental Health finanziert wurden, belegen eine hohe Erfolgsquote von Therapien zur Behandlung der Ursachen von Schüchternheit.

• Einfach machen

Setzen Sie sich das Ziel, jede Woche einen neuen Menschen kennenzulernen. Dabei ist es ganz egal, wo Sie wen kennenlernen. Stellen Sie sich im Bus jemandem vor. Setzen Sie sich an der Theke neben jemanden und sagen Sie Hallo. Sprechen Sie am Wasserspender einen Kollegen an, mit dem Sie noch nie gesprochen haben. Sie werden merken, dass das umso leichter geht, je mehr Übung Sie darin haben. Und das Beste ist, dass Sie sich dabei mit dem Gedanken der Abweisung anfreunden. Von diesem Standpunkt aus wird sogar das Scheitern zu einem Schritt nach vorn. Nehmen Sie das als Lerneffekt. Der Dramatiker Samuel Beckett hat einmal geschrieben: „Scheitere. Versuch es wieder. Scheitere erneut. Scheitere besser.“

Furcht macht schwach. Wenn Sie erst einmal begriffen haben, dass Zurückhaltung keine Vorteile bringt, wird jede Situation und jede Person – egal wie unerreichbar sie scheinen mag – zu einer Erfolgschance.

Lady Tatkraft

Was die Verbesserung der Redefähigkeit angeht, gibt es niemand Besseren als DeAnne Rosenberg. Sie ist seit 32 Jahren Karriereberaterin und Inhaberin der Managementberatung DeAnne Rosenberg Inc.; sie ist „Lady Tatkraft“, und das aus gutem Grund.

Im Jahre 1969 las sie im Wall Street Journal einen Artikel, in dem auf das Fehlen einer weiblichen Stimme in der American Management Association (A.M.A.) hingewiesen wurde. Rosenberg erinnert sich: „Damals wurde der Präsident der A.M.A. interviewt und mit den Worten zitiert: ‚Wir haben keine Frau gefunden, die in der Öffentlichkeit selbstbewusst über Management sprechen kann.‘ “

Sie schnitt den Artikel aus und teilte der A.M.A. in einem Brief mit, sie brauche nicht mehr zu suchen. Nach zwei Wochen hatte sie immer noch keine Antwort.

„So ging das einfach nicht“, regt sie sich auf. „Ich schrieb noch einen Brief, direkt an den Präsidenten, und sagte darin mehr oder weniger, er solle Taten folgen lassen oder den Mund halten.“

Nach zwei Tagen rief sie der Verbandspräsident an und sagte ihr, sie hätten sie für einen Vortrag eingeplant. DeAnne wurde die erste Frau, die für die A.M.A. sprach.

Sie hat sich die Lektion aus diesen schicksalhaften Ereignissen gemerkt: Das Erfolgsrezept ist ein Mischmasch aus Selbstsicherheit, sturer Hartnäckigkeit und Unverfrorenheit respektive Wagemut. DeAnne lernte, dass wagemutige Begegnungen das Fundament erfolgreicher Karrieren sind. In den vielen Jahren, in denen sie anderen Menschen beigebracht hat, ihre Ängste zu überwinden, hat sie ein bewährtes „Drehbuch“ zusammengestellt, das jeder benutzen kann, wenn er jemandem zum ersten Mal begegnet.

Ich fand dieses Skript hilfreich. Ich glaube, dass es auch vielen Lesern helfen kann und stelle es Ihnen hier dankbar vor:

1.Beschreiben Sie die Situation. „Legen Sie direkt los und sagen Sie, wie Sie die Sache bei Tageslicht betrachtet sehen, ohne dabei zu hetzen oder zu dramatisieren“, so Rosenberg. Sie machte der A.M.A. klar, dass es a) falsch war, keine weiblichen Redner zu haben, und dass es b) ein Schritt in die richtige Richtung wäre, sie zu engagieren. Es ist logisch, dass man zuerst wissen muss, wo man steht, bevor man überzeugend sprechen kann – das heißt, bevor man leidenschaftlich und auf der Basis persönlicher Erfahrung sprechen kann.

2.Teilen Sie Ihre Gefühle mit. Wir spielen die Auswirkung von Emotionen in unseren alltäglichen Kontakten, insbesondere im Berufsleben, herunter. Man sagt uns, Verletzlichkeit sei schlecht und wir sollten unsere Gefühle sorgsam verbergen. Aber wenn wir uns daran gewöhnen, im Gespräch mit anderen zu sagen „Ich habe das Gefühl, dass …“, gewinnen unsere Begegnungen Tiefe und Ernsthaftigkeit. Mit Ihren Gefühlen zeigen Sie Ihren Zuhörern, dass Sie sie respektieren und sie Ihnen wichtig sind.

3.Sagen Sie, was Sache ist. Dies ist der Moment der Wahrheit, in dem Sie mit voller Deutlichkeit sagen, was Sie wollen. Wenn Sie Ihren Hals riskieren, sollten Sie wenigstens wissen, wofür. Die Wahrheit ist der schnellste Weg zur Lösung, aber bleiben Sie realistisch. Ich wusste, dass Phil Knight von Nike auf ein fünfminütiges Gespräch in einem Bus in Davos hin nichts kaufen würde, aber ich sicherte mir seine E-Mail-Adresse und sagte ihm, dass ich wieder auf ihn zukommen würde. Und das tat ich dann auch.

4.Formulieren Sie eine Frage mit offener Antwort. Wenn Sie eine Frage so formulieren, dass man sie nicht mit Ja oder Nein beantworten kann, wirkt sie weniger bedrohlich. Was halten Sie davon? Wie können wir dieses Problem lösen? Das Thema ist angesprochen, die Gefühle sind geäußert und die Wünsche formuliert. Mit einem offenen Vorschlag oder einer offenen Frage laden Sie den anderen dazu ein, mit Ihnen an einer Lösung zu arbeiten. Ich verlangte von Phil keinen bestimmten Termin, an dem wir miteinander essen gehen würden. Ich ließ diese Frage offen, um unsere erste Begegnung nicht mit Verpflichtungen unnötig zu belasten.

6
Die Networking-Nervensäge

„Ehrgeiz kann kriechen oder fliegen.“

– Edmund Burke

Da steht ein Mann oder eine Frau, den Martini in der einen Hand, die Visitenkarten in der anderen, und die auswendig gelernte Werbemasche stets bei der Hand. Er oder sie ist ein Meister im Einschleimen und bei jeder Veranstaltung mit gehetztem Blick auf der Suche nach einem noch dickeren Fisch, den man an Land ziehen kann. Er oder sie ist der unaufrichtige, skrupellos ehrgeizige und jeden überschwänglich begrüßende Typ, der Sie nicht werden wollen.

Vielen Menschen drängt sich bei dem Wort „Networking“ das Bild einer solchen Nervensäge auf. Aber meiner Meinung nach entgehen dieser Sorte von hyperaktiven Kontaktknüpfern und Visitenkartenzählern die Feinheiten des authentischen Kontakts. Ihre Masche funktioniert nicht, weil sie keine Ahnung haben, wie man bedeutsame Beziehungen knüpft.

Ich musste das auf die harte Tour lernen.

Wenn Sie mich als jungen Mann gekannt hätten, hätten Sie mich vielleicht nicht gemocht. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich mich selbst mochte. Ich beging alle klassischen Fehler der Jugend und der Unsicherheit. Es ging mir meistens um mich. Mir stand der unersättliche Ehrgeiz ins Gesicht geschrieben. Ich befreundete mich mit Höherstehenden und ignorierte meinesgleichen. Allzu oft zeigen die Menschen ihren Untergebenen ein bestimmtes Gesicht, ihrem Chef ein anderes und ihren Freunden wieder ein anderes.

Als ich bei Deloitte für das Marketing verantwortlich wurde, waren mir plötzlich viele Leute unterstellt. Ich hatte Großes vor – Dinge, die in der Beraterszene auf dem Gebiet des Marketings noch nie gemacht worden waren. Und jetzt hatte ich endlich eine Mannschaft, mit der ich dies umsetzen konnte. Aber anstatt meine Mitarbeiter als Partner zu sehen, die ich umwerben musste, damit meine und ihre langfristigen Ziele erreicht wurden, sah ich sie als ausführende Organe für meine Aufgaben.

Bedenkt man dazu noch meine relative Jugend (ich war 20 Jahre jünger als alle anderen Topmanager), wird einem klar, wieso der Widerstand meines Teams uns alle ausbremste. Aufgaben, die meiner Meinung nach innerhalb von Stunden hätten erledigt sein können, dauerten mehrere Tage. Ich wusste, dass ich etwas tun musste, und wandte mich deshalb an die Management-Trainerin Nancy Badore, die schon als Coach für hochrangige CEOs arbeitete, als es den Begriff „Coaching“ dafür noch gar nicht gab.

Als wir uns zum ersten Mal in meinem Büro trafen, hatten wir kaum die ersten Höflichkeiten ausgetauscht, als ich mit der Frage herausplatzte: „Was muss ich tun, um eine gute Führungskraft zu werden?“

Sie sah sich eine Weile wortlos in meinem Büro um. Als sie schließlich etwas sagte, traf es mich bis ins Mark: „Keith, sehen Sie sich einmal die ganzen Bilder an der Wand an. Sie reden davon, eine tolle Führungskraft zu werden, und in Ihrem ganzen Büro gibt es kein einziges Bild, auf dem Sie nicht zu sehen sind: Sie mit anderen berühmten Menschen, Sie an berühmten Orten, Sie als Gewinner von Preisen. Hier hängt kein einziges Bild von Ihrem Team oder irgendetwas, das auf die Leistungen Ihres Teams hindeutet oder das jemandem wie mir sagen würde, dass Ihnen diese Menschen so wichtig sind wie Sie selbst. Ist Ihnen klar, dass die Leistungen Ihres Teams und alles, was es Ihretwegen tut – nicht was es für Sie tut –, Sie als guten Leader ausweisen?“

Diese Frage machte mich sprachlos. Sie hatte absolut recht. Hatte ich gezeigt, dass ich echtes Interesse an dem Leben hatte, das meine Mitarbeiter außerhalb der Arbeit führten? Warum hatte ich mich nicht bemüht, sie an der Führung zu beteiligen? Mit meinen Vorgesetzten hatte ich das vom ersten Tag an getan. Damals begriff ich, dass mein langfristiger Erfolg von allen Menschen in meiner Umgebung abhing; davon, dass ich genauso für sie arbeitete, wie sie für mich arbeiteten!

Die Politiker haben das viel besser begriffen als die meisten Führungskräfte: Wir wählen diejenigen Menschen, die wir mögen und respektieren. Großartige Unternehmen werden von CEOs aufgebaut, die Zuneigung und Bewunderung erwecken. In der heutigen Welt erreichen die bösen Jungs als letzte das Ziel.

Von dem befreundeten Buchautor Tim Sanders habe ich gelernt, dass das Zeitalter der Gemeinheiten im Geschäftsleben aus zwei Gründen vorüber ist. Erstens leben wir in einem neuen „Überfluss der geschäftlichen Wahlmöglichkeiten“, und zwar sowohl im Hinblick auf Produkte als auch im Hinblick auf berufliche Laufbahnen. Wahlmöglichkeiten sind für schwierige Kollegen und Vorgesetzte das Todesurteil. „In einer Zeit, in der mehr von uns mehr Möglichkeiten denn je haben, gibt es keinen Grund mehr, sich mit einem Produkt oder einer Dienstleistung abzufinden, die nicht halten, was sie versprechen, mit einem Unternehmen, das man nicht mag oder mit einem Chef, den man nicht respektiert“, schreibt Sanders. Der zweite Grund ist das, was er den „neuen Telegrafen“ nennt. „Ein übles Produkt, ein schädliches Unternehmen oder eine miese Person können die traurige Realität kaum noch verheimlichen. Die Menschen vertreten heute nachdrücklich ihre Meinung, sind gut informiert und mit allen Möglichkeiten des Internets gewappnet.

Unterm Strich bedeutet dies, dass man Menschen, die man nicht mag, leichter entgehen kann als je zuvor. Wenn Ihnen die Interessen anderer nichts bedeuten, finden die Menschen das heute eher früher als später heraus. Unsere Kultur verlangt heutzutage mehr von uns. Sie verlangt, dass wir einander respektvoll behandeln. Sie verlangt, dass wir bei jeder Beziehung den gegenseitigen Nutzen beachten müssen.

Wenn man auf ein Leben und auf eine Karriere zurückblickt, in deren Verlauf man anderen Menschen begegnet ist, will man ein Netz aus Freundschaften sehen, in das man sich fallen lassen kann – und nicht einen Scherbenhaufen gescheiterter Beziehungen. Hier nun ein paar Regeln, die ich aus eigener Erfahrung empfehlen kann und die verhindern, dass Sie jemals zur Networking-Nervensäge werden:

1. Nicht schleimen

Haben Sie etwas zu sagen und sagen Sie es mit Leidenschaft! Achten Sie darauf, dass Sie etwas zu bieten haben, wenn Sie etwas sagen, und bieten Sie es ernsthaft an. Die meisten Menschen überlegen sich nicht, dass es besser ist, mit weniger Menschen mehr Zeit zu verbringen; dass es besser ist, sich eine Stunde zusammenzusetzen und ein oder zwei bedeutsame Gespräche zu führen, als ständig nach etwas Besserem Ausschau zu halten und den Respekt der meisten Menschen zu verlieren, denen man begegnet. Ich bekomme dauernd E-Mails, in denen es heißt: „Lieber Keith, wie ich höre, sind Sie ein guter Networker. Ich auch. Treffen wir uns doch für eine Viertelstunde auf eine Tasse Kaffee.“ „Warum?“, frage ich mich da. Wieso in aller Welt erwarten die Menschen, dass ich auf eine solche Anfrage antworte? Sprechen sie mich emotional an? Sagen sie, dass sie mir helfen können? Haben sie irgendeine ansatzweise Gemeinsamkeit zwischen uns gesucht? Tut mir leid, aber Networking ist kein Geheimbund mit einem verklausulierten Händedruck, der schon von selbst einen Wert besitzt. Der Wert muss schon von uns kommen.

2. Nehmen Sie Gerüchte nicht für bare Münze

Selbstverständlich tut man sich mit Gerüchten leichter. Die meisten Menschen saugen solche Informationen begierig auf. Aber langfristig bringt das nichts. Irgendwann versiegen die Informationen, weil immer mehr Menschen begreifen, dass man Ihnen nicht trauen kann.

3. Kommen Sie nicht mit leeren Händen zur Party

Wer sind die Stars der heutigen digitalen Welt? Die Schreiber, Blogger und Online-Gurus, die am besten darin sind, einer Community von Gleichgesinnten Informationen zu bieten, kreativen Content, nützliche Links oder einfach nur Mitgefühl. Viele tun das kostenlos und werden dafür häufig durch eine treue Gefolgschaft von Menschen belohnt, die ihrerseits genauso viel geben wie sie nehmen. Das ist ein Kreislauf. Beim Connecting, egal ob online oder offline, ist man nur so gut wie das, was man hergibt.

4. Behandeln Sie Personen, die unter Ihnen stehen, nicht schlecht

Einige von ihnen werden früher oder später zu „Oberen“. In der Berufs- und Geschäftswelt ist die Nahrungskette vergänglich. Man muss die Menschen auf der Leiter über sich und unter sich respektvoll behandeln. Der legendäre Hollywood-Superagent Michael Ovitz galt als meisterhafter Networker. Vanity Fair brachte 2002 ein vernichtendes Porträt von ihm, in dem Dutzende anonymer und weniger anonymer Quellen ihn unter Beschuss nahmen – Ausdruck einer glänzenden Karriere, die irgendwie fürchterlich schiefgelaufen ist. Die Menschen fragten sich, was passiert war. Ovitz kann hervorragend mit Menschen umgehen, aber er hat seine Fähigkeiten nicht aufrichtig eingesetzt. Menschen, die er nicht mehr brauchte, behandelte er gleichgültig oder noch schlimmer. Ehemalige Freunde sagten, man konnte ihm nicht trauen und dass seine Beziehungen stets einseitig waren. Es überrascht nicht, dass sich diese Menschen seinen Fall nicht nur genossen, sondern wohl auch dazu beigetragen haben.

5. Seien Sie transparent

„Ich bin, wie ich bin“, sagte die Comicfigur Popeye immer. Im Informationszeitalter wird Offenheit – im Hinblick auf Ihre Absichten, auf die Informationen, die Sie bieten oder auf Ihre Bewunderung – zu einer zunehmend wertvollen und gesuchten Eigenschaft. Die Menschen reagieren mit Vertrauen, wenn sie wissen, dass Sie anständig mit ihnen umgehen. Wenn ich bei einer Veranstaltung jemandem begegne, den ich unbedingt einmal treffen wollte, verberge ich meine Begeisterung nicht. „Ich freue mich, dass ich Sie endlich einmal kennenlerne. Aus der Ferne bewundere ich Ihre Arbeit schon sehr lange und ich habe mir immer gedacht, wie schön es wäre, wenn wir uns einmal persönlich begegnen würden.“ Es mag angehen, dass man an der Bar den Schüchternen spielt, aber nicht, wenn man eine tiefere, bedeutsame Verbindung aufbauen will.

6. Seien Sie nicht zu effizient

Nichts wirkt unaufrichtiger als eine Massen-E-Mail mit einer langen Liste von Empfängern. Beim Kontakt zu anderen geht es nicht um Zahlen. Ziel ist es, echte Verbindungen zu Menschen aufzubauen, auf die man zählen kann.

Es ist mir peinlich, wie ich diese Lektion gelernt habe. Ich hatte immer gehört, es sei eine gute Sache, Weihnachts- und Neujahrsgrüße zu versenden. Als ich das Studium in Yale abschloss, gewöhnte ich mir daher an, allen Menschen in meiner Kontaktdatenbank Weihnachtskarten zu schicken. Als ich bei Deloitte anfing, umfasste die Liste Tausende von Menschen und ich stellte eine Teilzeitkraft ein, die die Karten adressierte und sogar unterschrieb. Sie können sich wohl denken, was passierte. Die Sache erschien mir gut, bis ein Mitbewohner aus der Collegezeit spöttisch bemerkte, wie sehr er sich freue, dass er in diesem Jahr gleich drei Karten bekommen hatte … jede mit einer anderen Unterschrift. Es geht nicht um Masse, sondern um echte Verbindungen.

Wenn Sie sich mit der Kontaktaufnahme keine Freunde machen, sollten Sie sich am besten damit abfinden, dass Sie es dann mit Menschen zu tun haben, denen es egal ist, was mit Ihnen passiert. Abneigung erstickt die Kontaktbemühungen, bevor man recht begonnen hat. Zuneigung hingegen kann zu der mächtigsten konstruktiven Kraft werden, mit der man geschäftliche Dinge erledigt.

PORTRÄTS GROSSER „CONNECTORS“

Katharine Graham (1917-2001)

„Kultivieren Sie das Vertrauen in jeden.“

Eine Tragödie machte Katharine Graham über Nacht von der Ehefrau zur Verlagsleiterin. Sie übernahm im Jahre 1963 nach dem Tode ihres Mannes Philip Graham die Washington Post. Ihre schüchterne, ruhige Art schien für die Anforderungen, die eine der bedeutendsten Zeitungen des Landes stellte, ungeeignet. Aber Mrs. Graham belehrte alle eines Besseren. Sie trug zum Aufbau einer der besten Zeitungen und eines der erfolgreichsten Unternehmen Amerikas bei. In ihrer Zeit veröffentlichte die Post die Pentagon-Papiere, konfrontierte Richard Nixon frontal mit Watergate und beherrschte die Washingtoner Politik- und Medienszene mit ihrem eigenen unnachahmlichen Stil.

Dieser Stil ist Grahams dauerhaftestes Vermächtnis. Sie leitete die Post voller Mitgefühl, Freundlichkeit und Ernsthaftigkeit und wurde so zu einer mächtigen Figur. Grahams Einfluss verlieh ihr die Fähigkeit, andere Menschen – von den höchsten Rängen der Gesellschaft bis zu den niedrigsten – zu einem Gefühl der Würde und des Respekts zu befähigen.

Richard Cohen, Redakteur der Washington Post, schrieb wenige Tage nach Grahams Beerdigung:

„Vor ein paar Jahren kehrte ich an einem brütend heißen Julisonntag vom Strand nach Washington zurück und fuhr mit dem Taxi zu dem Parkplatz gegenüber der Washington Post, wo ich mein Auto abgestellt hatte. Auf dem Parkplatz der Post war ein Zelt aufgestellt worden. Der Anlass war ein Fest für die Menschen, deren Namen man nie erfährt – die nicht als Verfasser genannt werden, die nicht im Fernsehen auftreten, die Anzeigen annehmen oder die Zeitung ausliefern oder einfach das Gebäude reinigen. Ich sah, wie sich Katharine Graham in der Hitze in Richtung Party schleppte.

Sie war damals schon alt und das Gehen fiel ihr schwer. Sie bahnte sich mühsam den Weg auf die Bühne hinauf. Sie hatte eine Farm in Virginia, ein Haus in Georgetown, eine Wohnung in New York und – was an diesem furchtbar heißen Tag am interessantesten war – ein Anwesen am Wasser in Martha’s Vineyard. Und doch war sie hier – was ich unglaublich fand – und machte das, was in anderen Unternehmen zum Lächeln abgestellte Vizepräsidenten machen.“

Wenn man Katharine Grahams Leben analysiert, taucht unweigerlich ein bestimmtes Thema auf: Obwohl sie ihr Leben lang keine finanziellen Sorgen hatte und ihr gesellschaftlicher Status sie fast zu einer Art Königin machte, befreundete sie sich mit jedermann und nicht nur mit jenen, die ihrer Zeitung von Nutzen sein oder ihre Stellung innerhalb einflussreicher Kreise verbessern konnten.

In den meisten Berichten über ihre Beerdigung wurden berühmte Namen wie Henry Kissinger, Bill Clinton, Bill Gates, Warren Buffett und Tom Brokaw erwähnt. Man braucht sich allerdings kaum anzustrengen, um eine ausgedehnte Liste „unberühmter“ Besucher aufzustellen. Hier eine Auswahl:

•Irvin Kalugdan, Sonderschullehrer aus Fairfax County, der mit einer Spende der Washington Post über 350 Dollar mit seinen Schülern ein Breakdance-Team zusammenstellte.

•Rosalind Styles vom Frederick Douglass Early Childhood and Family Support Center, für das Graham Geld beschafft hatte.

•Henrietta Barbier aus Bethesda, eine Rentnerin, die früher im diplomatischen Dienst gearbeitet hatte, gehörte einer wöchentlichen Bridgerunde von rund 60 Frauen im Chevy Chase Women’s Club an. Sie sagte, Graham habe nie einen Abend versäumt: „Sie spielte glänzend, sie nahm Unterricht und sie nahm das ernst.“

Das alles enthüllt eine tiefe Wahrheit über den Kontakt zu anderen Menschen: Diejenigen, die am besten darin sind, betreiben kein Networking, sondern schließen Freundschaften. Dass sie Bewunderer finden und Vertrauen gewinnen, beruht gerade darauf, dass sich ihre Freundschaftsangebote auf alle erstrecken. Der immer größere Einflusskreis ist ein unbeabsichtigtes Ergebnis, kein kalkuliertes Ziel.

Mehr als irgendetwas anderes wirft Grahams Verhältnis zu dem ehemaligen Außenminister Henry Kissinger ein Licht auf ihr Gespür für Freundschaft um der Freundschaft willen im Gegensatz zu Freundschaft mit Hintergedanken.

Oberflächlich betrachtet schienen die beiden die unähnlichsten Freunde zu sein: Schließlich waren die entscheidenden Momente in Grahams Laufbahn heftige Schläge für Kissingers Karriere. Im Jahre 1971 entschied sich Graham für die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere, vertraulicher Dokumente über die Beteiligung der Vereinigten Staaten am Vietnamkrieg. Ein Jahr später begann die Post auf Grahams Betreiben mit den Watergate-Ermittlungen. Beides brachte die Nixon-Administration, zu der Kissinger gehörte, in große Verlegenheit.

Und doch war es Kissinger, der auf Grahams Beerdigung die erste Trauerrede hielt. Er und Graham waren oft miteinander ins Kino gegangen.

Wie bildete Graham eine solche Allianz, eine solche Freundschaft? Wie knüpfte sie Verbindungen zu jedermann vom anonymen Lehrer bis hin zu den Berühmten und Mächtigen dieser Welt? Indem sie ihre Grenzen kannte und das Vertrauen in andere kultivierte; indem sie diskret war; durch die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten; indem sie den anderen wissen ließ, dass sie das Beste für ihn wollte.

In einem CNN-Interview bemerkte Kissinger: „Unser Verhältnis war insofern seltsam, als ihre Zeitung sehr oft das Gegenteil meiner Ansichten vertrat, aber sie versuchte nie, unsere Freundschaft zugunsten ihrer Zeitung auszunutzen. Sie bat mich nie um spezielle Interviews oder etwas in dieser Art.“

Teil 2

7
Machen Sie Ihre Hausaufgaben

„Einer spektakulären Leistung geht immer eine spektakuläre Vorbereitung voraus.“

– Robert H. Schuller

Man sollte es nicht dem Zufall überlassen, wen man kennenlernt, wie man die Menschen kennenlernt und was sie nach der Begegnung von einem halten. Winston Churchill würde uns sagen, dass Vorbereitung vielleicht nicht gerade der Schlüssel zur Genialität ist, aber auf jeden Fall der Schlüssel dazu, sich wie ein Genie anzuhören.

Bevor ich Menschen treffe, denen ich mich vorstellen will, erkundige ich mich, wer sie sind und was sie tun. Ich finde heraus, was ihnen wichtig ist: Hobbys, Probleme, Ziele – innerhalb und außerhalb des Berufs. Vor dem Treffen stelle ich – oder mein Assistent – normalerweise auf einer Seite einen Überblick über die Person zusammen, mit der ich mich bald treffe. Für die Aufnahme von Informationen gibt es nur ein Kriterium: Ich will wissen, wie diese Person als Mensch ist, was ihr wichtig ist und auf welche Leistungen sie am meisten stolz ist.

Natürlich sollten Sie auch wissen, was momentan in dem Unternehmen der Person passiert, zu der sie eine Beziehung aufbauen wollen. War das Quartal gut oder schlecht? Hat das Unternehmen ein neues Produkt? Glauben Sie mir, alle Menschen interessieren sich im Allgemeinen und vor allem anderen für das, was sie tun. Wenn Sie gut genug informiert sind, um in ihre Welt einzutreten und mit ihnen zu sprechen wie jemand, der sich auskennt, werden Sie spüren, dass die anderen das zu schätzen wissen. William James hat einmal geschrieben: „Das tiefgehendste Prinzip der menschlichen Natur ist der Hunger nach Anerkennung.“

Heutzutage sind solche Recherchen leicht zu bewerkstelligen – und trotzdem würden Sie sich wundern, wie wenig Menschen sich die Zeit dafür nehmen. Hier ein paar Tipps, nicht so sehr, wo man suchen muss, sondern wie:

•Google. Jemanden zu treffen, ohne ihn vorher gegoogelt zu haben, ist inakzeptabel. Abgesehen davon, Ihnen relevante Informationen zu liefern, bietet eine schnelle Suche noch etwas weniger Offensichtliches – ein Gefühl dafür, wie aktiv jemand online ist und wie viel Informationen er online mit anderen teilt.

•LinkedIn. Werfen Sie einen Blick darauf, wie gut jemand vernetzt ist und welchen Gruppen er sich angeschlossen hat. Lesen Sie aufmerksam seine Arbeitshistorie und den Lebenslauf. Der Lebenslauf wird oft zeigen, worauf er beruflich am meisten stolz ist und vielleicht, auf welche Ziele er hinarbeitet. Sehen Sie sich auch seine letzten Aktivitäten auf der Website an.

•Twitter. Sehen Sie nach, ob er einen Account hat und wie er ihn nutzt. Suchen Sie auch nach Ihrem Unternehmens-Account und nutzen Sie search.twitter.com, um zu sehen, ob es irgendwelche aktuellen Unterhaltungen gibt.

•Publikationen der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens. Normalerweise wird das Meiste davon auf der Website des Unternehmens verfügbar sein, die Sie zuerst aufsuchen sollten. Aber es kann nicht schaden, anzurufen und zu erklären, dass Sie einen Termin haben und ein paar Hintergrundinformationen haben möchten.

•Jahresberichte. Sie vermitteln einen guten Eindruck davon, wo das Unternehmen hinsteuert, welche Herausforderungen und Chancen vor ihm liegen.

Sie haben sicher bemerkt, dass ich Facebook nicht aufgeführt habe, obwohl es vielleicht eine potenzielle Schatzkiste voller sehr persönlicher Informationen ist. Bei der Vorbereitung sollten Sie natürlich mal einen Blick darauf werfen. Aber bedenken Sie, dass unsere sorgfältig gepflegten Facebook-Persönlichkeiten oft unsere leidenschaftlichsten oder dringlichsten Angelegenheiten vernachlässigen.

Ironischerweise wurden zwar die Dinge, die wir „sharen“, immer detaillierter – ich muss zugeben, dass ich einmal ein Foto von mir geshart habe, auf dem ich oben ohne an einem Flughafen meine Zähne putze –, aber gleichzeitig hat sich unsere Bereitschaft, unsere persönlichen Herausforderungen – die Dinge, die wirklich wichtig sind – öffentlich mitzuteilen, eigentlich nicht sehr verändert.

Wenn man sich anschickt, jemanden kennenzulernen, muss man unweigerlich auch die Probleme und Bedürfnisse der Person verstehen. Dabei gibt es immer noch keinen Ersatz dafür, Fragen zu stellen und aufmerksam zuzuhören. Beruflich gesehen kann die Herausforderung die Produktlinie sein. Aber wenn Sie mit der Person sprechen, finden Sie vielleicht auch heraus, dass ihre Kinder Praktikumsstellen suchen, sie selbst gesundheitliche Probleme hat oder einfach nur ihr Golfspiel verbessern will.

Der Punkt ist, sobald Sie Ihr Möglichstes getan haben, um sich vorzubereiten, müssen Sie immer noch über diese merkwürdige Sammlung von Datenpunkten hinausgehen, die unsere öffentliche Identität darstellen, und zu einer Person als Individuum durchdringen. Werden Sie zu einem Teil der Dinge, welche die Person am meisten interessiert, und Sie haben einen Zugang zu ihrem Leben gefunden.

Ich habe einmal an einer Diskussion am runden Tisch im Rahmen der Global Conference des Milken Institute teilgenommen, einem jährlich in Los Angeles stattfindenden dreitägigen Kongress, bei dem die besten Köpfe und CEOs der Welt zusammenkommen und über globale Probleme sprechen. Es gab 15 Teilnehmer und alle leiteten Unternehmen, die weit größer sind als meins.

In vielen Situationen hätte ich wohl kaum mit ihnen persönlich zu tun bekommen, aber da ich an der Organisation der Konferenz beteiligt war (immer ein Vorteil), wurde ich eingeladen, teilzunehmen.

Bei der Planung wurde der knappe Zeitplan von CEOs berücksichtigt. Vor der eigentlichen Veranstaltung gab es ein kurzes Beisammensein, damit die Teilnehmer einander kennenlernen konnten. Dann folgte eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Marketings im Licht der Herausforderungen, vor denen die großen Marken stehen. Danach gab es ein kurzes Essen.

Das heißt, es blieben nur drei Stunden, in denen ich die Chance hatte, das Fundament für eine oder zwei Beziehungen zu legen.

Der Zeitplan einer erfolgreichen Konferenz ist immer so gestaltet, dass die Teilnehmer das meiste aus ihrer Zeit machen können. Mein persönliches Ziel bei solchen Konferenzen ist die optimale Nutzung der kurzen Zeiträume, in denen ich die Chance habe, mich interessanten Menschen zu nähern, die ich noch nie getroffen habe.

Ich finde, dass Essen die Unterhaltung auf einmalige Weise erleichtert. Normalerweise sind die Menschen beim Essen bereit und sogar begierig, sich zu amüsieren. Mahlzeiten auf Kongressen sind allerdings problematisch. Das sind eilige, hektische Angelegenheiten, die einen angenehmen, aber unaufdringlichen Small Talk erfordern. Man weiß nie im Voraus, wo man sitzt. Und wenn man einander fremd ist, kommt man für gewöhnlich nur mit den Leuten direkt links oder rechts von einem ins Gespräch.

Und während der Podiumsdiskussion konzentrieren sich die Menschen auf ihre eigenen Präsentationen.

Blieb also nur noch das lockere Beisammensein. Ich halte mich bei solchen Gelegenheiten gern in der Nähe der Bar auf. Irgendwann holt sich schließlich jeder ein Getränk. Außerdem hatte ich im Laufe des Tages ausgekundschaftet, in welchen Räumen die Menschen Hof halten würden, die ich kennenlernen wollte, und ich hatte es so eingerichtet, dass ich dort war, wenn sie hinein- oder hinausgingen. Das klingt etwas nach Manipulation, aber eigentlich geht es nur darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Das Problem in solchen Situationen besteht wie bei allen Unterhaltungen darin, über die Banalitäten der höflichen Plauderei hinauszukommen. In den vorangegangenen Monaten hatte ich den leitenden Organisator der Veranstaltung kennengelernt und aus gelegentlichen Gesprächen wusste ich ungefähr, wer kommen würde – keine privilegierten Informationen, aber für meine Vorbereitungen sehr nützlich. Mein Büro stellte Kurzbiografien der VIPs für den Fall zusammen, dass ich ihnen begegnen oder neben ihnen sitzen würde. Zu den ein oder zwei Personen, die ich besonders gern kennenlernen wollte, stellte mein Assistent auf einer Seite ein paar Informationen zusammen.

Das gehört alles zu dem, was ich als „die Hausaufgaben machen“ bezeichne. Aber das alleine reicht nicht. Am besten findet man eine Gemeinsamkeit, die tiefer und umfangreicher ist als die Dinge, die bei einer glücklichen Begegnung zur Sprache kommen. Wenn man mit Wissen über die Leidenschaften, Bedürfnisse und Interessen einer Person gerüstet ist, kann man mehr tun, als nur Kontakt aufnehmen; dann hat man nämlich die Chance, eine echte Verbindung zu knüpfen und Eindruck zu machen.

Der meisterhafte Politiker Winston Churchill plante Begegnungen in der Öffentlichkeit auf die gleiche Art. Churchill gilt heute als genialer Redner und als Meister der Schlagfertigkeit – ein fantastischer Dinner-Gast, der die ungeteilte Aufmerksamkeit aller auf sich zog. Weniger bekannt, aber von Churchill in seinen Schriften offengelegt, ist, wie viel Blut, Schweiß und Tränen in die Vorbereitung einer einzigen Sentenz oder eines schlauen Witzes geflossen sind. Churchill wusste, welche Macht es einem verleiht, wenn man sein Publikum kennt und weiß, wie man bei ihm eine Reaktion hervorruft.

Und wie erging es mir wohl?

Ich stellte fest, einer der CEOs, John Pepper, hatte ebenfalls in Yale studiert. Ich hatte ihn schon während meines Grundstudiums bewundert und ihn auf dem Campus sprechen hören. Der ehemalige CEO von Procter & Gamble engagierte sich jetzt für die Menschenrechte und dafür, dass die Geschichte der Underground Railroad in einem Museum bewahrt wurde, das er in Cincinnati gründete. Pepper war für seine Führungsstärke und für die Marketing-Innovationen bekannt, die er bei Procter & Gamble eingeführt hatte. Und auch jetzt, nach seinem Rücktritt, übte er im Vorstand von P & G sowie in den Vorständen mehrerer anderer Unternehmen großen Einfluss aus.

Da er in Yale studiert hatte, wusste ich, dass auf der Website der Yale University eine Biografie zu finden sein musste. Ich zapfte mein Ehemaligen-Netzwerk an, um weitere Informationen zu erhalten und stieß auf eine Goldgrube an alten College-Beziehungen und Interessen. Es stellte sich heraus, dass wir in Yale beide auf dem Berkeley College gewesen waren. Daher musste er Robin Winks gekannt haben, einen aufrichtig bewunderten und respektierten Professor, für den ich im College gearbeitet hatte. Als ich unsere vielen gemeinsamen Erfahrungen zur Sprache gebracht hatte, war das Eis gebrochen.

Bis zum Ende unseres Gesprächs gab mir John kluge Ratschläge und Kontakte für mein junges Unternehmen (damals YaYa). Er schlug vor, in den nächsten Jahren in Kontakt zu bleiben. Ich hoffte, dass sich unsere Wege mit der Zeit noch viele Male kreuzen würden, und so kam es dann auch. Als Professor Winks – Robin – eine Woche später verstarb, schwelgten wir gemeinsam in Erinnerungen an ihn. Ein paar Monate später lernte ich einen erfolgreichen Geschäftsmann aus Cincinnati kennen, der von dem Museum für die Underground Railroad schwärmte; zum Zweck des Fundraisings musste ich ihn unbedingt mit John Pepper in Kontakt bringen. Im vergangenen Jahr habe ich John zwei oder drei potenzielle Spender vorgestellt.

Mit der anderen CEO, die ich kennenlernen wollte, hatte ich keine Beziehungen oder Organisationen gemeinsam. Glücklicherweise ergab eine Google-Suche allerdings, dass sie im Jahr zuvor beim New York City Marathon mitgelaufen war. Ich wusste aus erster Hand, wie viel Engagement und Opfer es erfordert, um Tag für Tag zu laufen und einen vollständigen Marathon zu absolvieren. Ich hatte es versucht – und versagt. Ich hatte einmal angefangen, auf einen Marathon zu trainieren, der im selben Jahr stattfinden sollte, aber zu meiner Enttäuschung machten meine Knie nicht mit. Übrigens bin ich immer noch auf der Suche nach einem guten Rat, wie ich eines Tages doch noch einen Marathonlauf machen kann.

Als ich auf die CEO stieß, sagte ich: „Wissen Sie, ich weiß nicht, wie man das schafft. Ich habe immer gedacht, ich wäre gut in Form, aber das Marathontraining brachte mich um. Ich musste aufhören.“

Natürlich war sie überrascht. „Woher in aller Welt wissen Sie, dass ich einen Marathon gelaufen bin?“, fragte sie gut gelaunt. Man muss bedenken, dass das noch zu einer Zeit war, als nicht jeder sein Trainingstagebuch, seine Pläne für kommende Läufe und seine Zieleinlauffotos überall online postete.

Ich scheue mich nie, meine Recherchen zu erwähnen. „Ich gebe mir immer besondere Mühe, mich über die Menschen zu erkundigen, die ich kennenlernen möchte.“ Da fühlt sich jeder unweigerlich geschmeichelt. Würde es Ihnen etwa nicht so gehen? Die andere Person weiß dann sofort, dass sie keine anstrengende halbe Stunde mit einem Fremden ertragen muss, sondern dass sie mit jemandem eine Verbindung knüpfen kann, mit dem sie ein Interesse gemeinsam hat, mit jemandem, der sich bemüht hat, sie besser kennenzulernen.

Zufällig hatte ich am Tag davor in „Barry’s Boot Camp“ trainiert, einem knallharten, aber sehr anregenden Trainingsprogramm, das in West Hollywood, unweit der Konferenz, stattfand. Ich sagte: „Wenn Sie einmal ein erstaunliches und wirklich besonderes Training haben wollen, gehen Sie doch einmal ins Boot Camp.“ Im Gegenzug erhielt ich einige willkommene Ratschläge für die Ausweitung meines Lauftrainings. Später probierte sie mit mir das Boot Camp aus und es gefiel ihr sehr gut.

Bis heute reden wir bei jeder Begegnung über Barry’s Boot Camp und ich erzähle ihr von meinen Fortschritten auf dem Weg zum Marathon. Ich habe übrigens festgestellt, dass alle Menschen, die ich zu meinem Boot Camp Training bekehrt habe, bei Besuchen in L.A. vielleicht keine Zeit haben mögen, sich mit anderen zum Essen zu treffen, aber trotzdem einen außergeschäftlichen Umweg machen – und wir dann gemeinsam ein Hardcore-Training absolvieren.

Erneut besteht Ihr Ziel in einem solchen Umfeld darin, eine eigentlich bald wieder vergessene Begegnung in eine blühende Freundschaft zu verwandeln. In meinem System gibt es durchaus Arbeitserleichterungen, aber dies ist keine davon. Ich wäre an diese Menschen nicht herangekommen, wenn ich nicht meine Hausaufgaben gemacht hätte.

8
Namen sammeln

Wenn Sie sich erst einmal die Zeit genommen haben, herauszufinden, worin Ihre Mission besteht und wohin Sie gelangen wollen, besteht der nächste Schritt darin, Menschen zu identifizieren, die Ihnen dabei helfen können.

Es ist unabdingbar, dass man die Informationen, die die Kontakte gedeihen lassen, erfolgreich organisiert und verwaltet. Wenn man über die Menschen Buch führt, die man kennt, und über diejenigen, die man kennenlernen will, und wenn man die ganze Arbeit erledigt, die man für die Entwicklung intensiver Beziehungen braucht, kann das schnell eine wahre Informationsflut verursachen. Wie schafft man das dennoch?

Jemandem nachzuspüren ist heute keine Herausforderung mehr – so gut wie alles, was wir tun, wird getrackt. Selbst wenn wir die Informationen gar nicht wollen, so will sie doch irgendwer da draußen haben. Clay Shirky brachte es 2008 auf den Punkt und es stimmt immer noch: „Das Problem ist nicht die Informationsschwemme, sondern das Versagen der Filter.“ Unsere Herausforderung besteht heute darin, herauszufinden welche Kontakte aus der Masse, die wir gesammelt haben, wirklich zählen. Die Menschen, die soziale Plattformen aufbauen, wissen das und werden immer besser darin, Ihnen zu helfen, das Hintergrundrauschen herauszufiltern. Aber ihre Algorithmen werden niemals so genau wie Sie selbst wissen, was Ihnen wirklich wichtig ist.

Man braucht nicht einmal die neueste Technologie, um das alles zu verarbeiten. Was man braucht, sind Konzentration und Zielstrebigkeit. Um in Ihrem ausufernden Sozialleben die wichtigsten Prioritäten im Blick zu behalten, sind Tinte und Papier vollkommen ausreichend. Ich bin ein Listenfreak, und Sie sollten auch einer werden.

Meine Erfahrungen bei YaYa sind ein gutes Beispiel dafür, dass Listen zur Erreichung Ihrer Ziele beitragen. An meinem letzten Arbeitstag bei Starwood tätigte ich mehr als 40 Telefonanrufe. Unter anderem rief ich Sandy Climan an. Das Interessante an diesem und Dutzenden anderer Anrufe jenes Tages ist die Tatsache, dass mich viele dieser Menschen zwar noch nicht kannten, aber ich sie schon seit Jahren auf einer meiner vielen Listen stehen hatte.

Sandy stellte mich schließlich bei YaYa ein. Es schadete natürlich nicht, dass Knowledge Universe zu den Investoren gehörte, die Anteile an YaYa besaßen, und dass dahinter der berühmte Finanzier Michael Milken stand, der schließlich einer meiner Mentoren wurde. Wir trafen uns, weil wir ein gemeinsames Interesse an einer Non-Profit-Veranstaltung hatten.

Im November 2000 ernannte mich der Vorstand von YaYa zum CEO und setzte mir zwei Ziele: ein tragfähiges Geschäftsmodell zu etablieren und entweder einen Großinvestor zu finden oder das Unternehmen an einen gut betuchten strategischen Käufer zu verkaufen. YaYa hatte damals die nötige Technologie, mithilfe von Onlinespielen Kunden anzuziehen und zu schulen, aber das Unternehmen hatte noch keine Kunden – und keine Einnahmen.

Als Erstes setzte ich mich hin und stellte einen BAP mit 90-Tage-Zielen, Jahreszielen und 3-Jahres-Zielen auf. Für jedes Ziel musste ich mit verschiedenen Teilen meines Netzwerks Verbindung aufnehmen und die Beziehungen weiterentwickeln.

Innerhalb von 90 Tagen musste ich im Vorstand glaubwürdig werden, das Vertrauen der Mitarbeiter gewinnen und dem Unternehmen eine klare Richtung vorgeben.

Nach einem Jahr wollte ich genügend Bluechip-Kunden haben, damit wir uns der Gewinnzone näherten und das Unternehmen für eine potenzielle Übernahme interessant wurde. Vor allen Dingen musste ich der Außenwelt beweisen, dass YaYa etwas produzierte, das sein Geld wert war. Das Wort „Advergaming“ gab es damals noch gar nicht und das Konzept galt noch nicht als funktionsfähiges Segment des Anzeigenmarktes. Die interaktiven Anzeigen waren hoffnungslos ineffektiv und Banneranzeigen auf Internetseiten wurden inzwischen als Branchenscherz betrachtet. Wir mussten uns davon abheben.

Nach drei Jahren wollte ich ein Geschäftsmodell implementiert haben, das auch ohne mich funktionieren, meinen Investoren Liquidität bescheren und dem Unternehmen das Image eines Vorreiters auf dem Feld des Onlinemarketings sichern konnte.

Damit es möglich wurde, diese Ziele zu erreichen, notierte ich die wichtigsten Player der Online- und der Spiele-Industrie, von CEOs und Journalisten bis zu Programmierern und Wissenschaftlern. Ich setzte mir das Ziel, sie alle innerhalb eines Jahres kennenzulernen.

Um Begeisterung für unser Produkt zu wecken, machte ich eine Liste von Personen, die ich als „Influencer“ bezeichnete: die Early Adopter, Journalisten und Branchenanalysten, die zur Ausbreitung der ersten Begeisterung für ein Produkt oder eine Dienstleistung beitragen. Als Nächstes stellte ich eine Liste potenzieller Kunden, potenzieller Käufer und von Menschen zusammen, die irgendwann daran interessiert sein könnten, uns zu finanzieren (achten Sie bei der Bildung eigener Kategorien darauf, dass alle Kategorien Ihren Zielen entsprechen).

Wenn Sie solche Listen erstellen, müssen Sie unbedingt die tatsächlichen Entscheidungsträger notieren und nicht nur das Unternehmen. Entscheidend ist, dass man eine schnell greifbare und konkrete Liste mit Namen hat.

Konzentrieren Sie sich am Anfang auf Menschen, die schon zu Ihrem Netzwerk gehören. Ich wette, Sie haben keine Ahnung, wie groß und ausgedehnt es in Wirklichkeit ist. Wie schon im letzten Kapitel angedeutet, nehmen Sie sich die Zeit, folgende Personengruppen aufzuschreiben:

•Verwandte

•Freunde von Verwandten

•Alle Verwandten und Bekannten Ihres Ehepartners

•Derzeitige Kollegen

•Mitglieder von beruflichen und sozialen Organisationen

•Aktuelle und frühere Kunden

•Die Eltern der Freunde Ihrer Kinder

•Frühere und heutige Nachbarn

•Menschen, mit denen Sie zur Schule gegangen sind

•Menschen, mit denen Sie früher zusammengearbeitet haben

•Menschen in Ihrer Glaubensgemeinschaft

•Frühere Lehrer und Arbeitgeber

•Menschen, mit denen Sie privat zu tun haben

•Menschen, die Ihnen Dienstleistungen erbringen

•Andere Online-Connections in den sozialen Medien oder anderen Gemeinschaften

Als Nächstes gebe ich die gesammelten Namen in eine Datenbank ein. Lassen Sie mich anmerken, dass LinkedIn einem mittlerweile erlaubt, die eigenen Kontakte zu sammeln, ob sie Mitglieder bei Linked-In sind oder nicht. Dann können Sie ihre Konversationen mit ihnen auf allen wichtigen Plattformen nachverfolgen. Sehr nützlich.

Dann erstelle ich Kontaktblätter nach Region, in die ich die Namen der Menschen aufnehme, die ich schon kenne, und derjenigen, die ich kennenlernen möchte. Eine Vielzahl von Hilfsmitteln zum Sammeln von Kontakten macht es einfacher, Ihre Listen zu sortieren. Wenn ich in einer bestimmten Stadt bin, versuche ich, so viele Menschen wie möglich anzurufen.

Diese Listen habe ich immer dabei. Sie dienen dazu, meine Pläne abzustimmen, wenn ich zwischen zwei Meetings in einem Taxi sitze. So habe ich etwas Greifbares, das mich ermuntert, Kontakt aufzunehmen. Wenn Papier nichts für Sie ist, können Sie dasselbe mit einer beliebigen Anzahl mobiler Apps tun. Manche Ihrer Listen werden auf dem Aktionsplan basieren, andere dienen eher der allgemeinen Kontaktpflege. Die Organisation der Listen kann fließend sein. Ich habe Listen, die nach geografischer Lage gegliedert sind, nach Branchen, nach Freizeitaktivitäten (zum Beispiel andere Läufer oder Menschen, die gern ausgehen), ob die Person ein Bekannter ist oder ein Freund, und nach anderen Kriterien.

Wenn man die Liste um neue Namen ergänzen will, braucht man nur an den richtigen Stellen zu suchen. Als ich bei YaYa anfing, las ich alle Fachblätter, die mit Anzeigen und Spielen zu tun haben. Wenn ich dabei auf jemanden stieß, der in eine meiner Kategorien passte, setzte ich ihn auf die Liste und versuchte herauszufinden, wie ich mit ihm in Kontakt treten konnte.

Menschen, an die Sie herantreten können, finden Sie überall.

Eine großartige Informationsquelle für die Zusammenstellung von Listen sind – auch wenn es absurd klingen mag – die Listen anderer Menschen. Zeitungen und Zeitschriften bringen andauernd derartige Ranglisten.

Ich hatte beispielsweise schon seit Jahren immer die „40 Under 40“-Liste von Crain’s herausgerissen und aufgehoben, bevor ich selbst in diese Liste aufgenommen wurde. Ich schneide Listen der besten CEOs, der meistbewunderten Marketingexperten und der fortschrittlichsten Unternehmer aus – diese Listen werden in lokalen und landesweiten Publikationen veröffentlicht und in allen Branchen gibt es etwas Vergleichbares.

Sie wollen natürlich nicht nur wissen, wer die Player auf Ihrem Feld sind, sondern Sie wollen irgendwann selbst einer dieser Player sein. Die Menschen, die in Crain’s „40 Under 40“ aufgenommen werden, sind nicht unbedingt die 40 besten Geschäftsleute. Aber vielleicht sind sie die 40 mit den meisten Kontakten. Und wahrscheinlich haben alle irgendwann schon einmal miteinander zu Mittag gegessen. Wenn man diese Menschen und die Menschen kennenlernt, die sie kennen (einschließlich der Crain’s-Redakteure, die für „40 Under 40“ zuständig sind), ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass man beim nächsten Mal in die Liste aufgenommen wird.

Wenn Sie also Namen auf Ihre Listen schreiben, sollten Sie sich keine Sorgen machen, ob Sie sofort einen Kontakt zu diesen herstellen können oder nicht. Mit der Kartierung der Landkarte fangen Sie an.

Das Internet ermöglicht einem unglaublich detaillierte Suchen in Millionen an Kontakten – aber man muss immer noch wissen, wie man sie eingrenzt. Die Medien bieten dabei einen Filter. Daneben ist LinkedIn noch sehr nützlich. Ein junger Freund von mir beschwerte sich, dass die Website ihm nicht bei seiner Jobsuche geholfen habe. Er fand das Getue darum sei ein einziger Hype. Also fragte ich ihn, wie er die Website nutzte. „Oh, ich habe Dutzende Lebensläufe als Reaktion auf Stellenanzeigen verschickt und zu einigen Recruitern Kontakt aufgenommen. Aber es hat sich nichts daraus ergeben.“

Mein Freund hat das wahrhaft Geniale an LinkedIn übersehen: Die Möglichkeit, nicht nur sein eigenes Netzwerk umfassend zu kartografieren, sondern auch die Netzwerke von gesamten Branchen. Man muss dabei langfristig denken. Durchsuchen Sie die mehr als 200 Millionen User mithilfe eines beliebigen Keywords. Jedes Profil, das Sie sich ansehen, zeigt „Personen mit Ähnlichkeiten zu [Kontakt]“ und eine praktische Darstellung des Netzwerks dieser Person, die man nach Unternehmen, Region und so weiter ordnen kann. Und die Seite sagt einem sofort, ob man gemeinsame Kontakte mit einer beliebigen Person teilt.

Das ist der Heilige Gral des Networkings! Wenn Sie in letzter Zeit keine Zeit hatten, sich mit Menschen auf LinkedIn zu verbinden, dann sollten Sie diese Woche zwei Stunden im Kalender reservieren, um personalisierte Einladungen an so viele Menschen in ihrem Netzwerk wie möglich zu verschicken. Sie wären überrascht, wie viele neue Unterhaltungen sich durch ein paar simple LinkedIn-Anfragen ergeben.

Und dann gibt es noch eine Kategorie, die Sie vielleicht auch einführen wollen und die ich als „ehrgeizige Kontakte“ bezeichne. Das sind extrem hochrangige Personen, die nichts mit meinen derzeitigen Geschäften zu tun haben, aber die, nun ja, die einfach nur interessant oder erfolgreich oder beides sind. Das können Staatschefs, Medienmoguln, Schauspieler oder sonstige Menschen sein, von denen andere mit Wertschätzung sprechen. Ich setze diese Menschen auch auf eine Liste.

Wenn Sie jetzt mein Adressbuch sehen könnten, würde ich Ihnen die Kontaktinformationen für Richard Branson zeigen, den Vorsitzenden des Virgin-Imperiums. Ich kenne Richard Branson nicht … noch nicht. Aber ich will ihn kennenlernen. Wenn Sie ein bisschen scrollen, finden Sie Howard Stringer, den CEO von Sony Corp. of America. Er stand früher auf meiner Ehrgeiz-Liste. Mittlerweile kenne ich Howard.

Manche Menschen belächeln das, aber der Erfolg spricht für sich.

Vergessen Sie nicht: Wenn Sie organisiert und konzentriert sind und fleißig Namen sammeln, ist niemand unerreichbar.

Irgendwann gingen meine drei Jahre bei YaYa zu Ende. Im Jahre 2002 berichtete Forbes über unseren außerordentlichen Erfolg als Start-up-Unternehmen, das mit einem vollkommen neuen Konzept aus dem Nichts gekommen war. Das Konzept des „Advergaming“ wurde zu einer Art digitaler Währung auf dem Markt und der Begriff wird heute von CEOs und Journalisten gleichermaßen benutzt. Gerade gestern hörte ich zufällig, wie ein CEO, der nicht wusste, dass wir dieses Wort erfunden hatten, begeistert von einem innovativen Instrument namens „Advergaming“ sprach, das den Umsatz und die Anerkennung seines Produkts messbar gesteigert habe. YaYa wurde schließlich wie geplant an eine Aktiengesellschaft verkauft. Dadurch bekamen die Investoren das gewünschte digitale Kapital und YaYa bekam das Betriebskapital, das es benötigte. Dabei ist ganz klar, dass YaYa ohne meinen Listenstapel nicht einmal das erste Betriebsjahr überstanden hätte.

9
Das Erwärmen der Kaltakquise

Kaltakquise macht aus den kompetentesten Persönlichkeiten chaotische Neurotiker. Ich kenne Menschen, die bekommen schon bei dem Gedanken Krämpfe, dass sie eine unbekannte Person anrufen sollen.

Wie schafft man also einen Kaltakquise-Anruf?

Erstens geht es nur um die Einstellung. Um Ihre Einstellung. Man ist nie vollständig darauf vorbereitet, neue Menschen kennenzulernen; den perfekten Moment gibt es nicht. Ihre Ängste werden nie ganz zerstreut werden, denn es ist wenig verlockend, eine Abfuhr zu riskieren. Es gibt Hunderte von Gründen, den Moment zu verschieben. Der Trick ist, einfach ins kalte Wasser zu springen. Denken Sie daran, wenn Sie nicht glauben, dass Ihnen der Anruf das Gewünschte bringt, dann bekommen Sie es wahrscheinlich wirklich nicht. Um es mit den Worten von Caddyshack zu sagen: „Seien Sie der Ball.“ Wenn Sie gewinnen wollen, müssen Sie sich vorstellen, dass Sie gewinnen.

Sie müssen das Kennenlernen neuer Menschen als Herausforderung und als Chance betrachten. Der Gedanke daran sollte Ihren Wettbewerbseifer entzünden und das Mauerblümchen in uns allen zum Schweigen bringen, das vor sozialen Abenteuern zurückschreckt.

Zweitens sind Kaltakquise-Anrufe etwas für Idioten. So etwas mache ich nicht – niemals.

Ich habe Strategien entwickelt, dank deren jeder meiner Anrufe eine Warmakquise ist.

Dafür gebe ich Ihnen ein Beispiel. Jeff Arnold, der Gründer von WebMD, ist ein Freund von mir. Er hatte vor Jahren die Rechte und Patente auf eine Technologie erworben, mit der man digitalen Content auf Einweg-Mini-DVDs brennen kann. Heute ist das natürlich völlig veraltet, aber damals war es eine interessante neue Form, digitalen Content unter die Leute zu bringen.

Im Gespräch mit Jeff und seinem Partner Thomas Tull erfuhr ich, dass sie gerade mit einer Kinogesellschaft einen Vertrag geschlossen hatten, wonach ihre DVDs zusammen mit Getränken in den Kinos verkauft werden sollten. Jeff und Thomas dachten sich, dass ein Unternehmen wie Sony Electronics aufgrund der demografischen Zusammensetzung des Kinopublikums aus diesem neuen Vertriebskanal Nutzen ziehen könnte. Sie wussten allerdings nicht, wen sie bei Sony kontaktieren sollten, und fragten mich, ob ich eine Idee hätte.

Ich war Sir Howard Stringer, dem CEO von Sony, schon mehrmals begegnet, also rief ich sein Büro an. Aber anstatt nur abzuwarten, bis Howard sich bei mir meldete, wollte ich noch andere Wege finden. Mir fiel damals kein Angehöriger meines Kontaktnetzwerks ein, der mich mit dem richtigen Entscheidungsträger bei Sony zusammenbringen konnte. Als auf meine Anrufe und E-Mails niemand reagierte, suchte ich bei den Werbeagenturen, die für Sony arbeiteten, und ich fand heraus, dass Brand Buzz, eine Werbeagentur unter dem Dach des Anzeigen-Riesen Young & Rubicam, Sony zu seinen Topkunden zählte.

Darüber hinaus ist John Partilla, damals CEO von Brand Buzz, ist ein enger Freund von mir.

Also rief ich ihn an. „Hey John, zwei Dinge. Erstens möchte ich, dass du einen Kumpel von mir namens Jeff Arnold kennenlernst. Er ist brillant und kreativ und du solltest ihn kennen. Er ist der Mann, der WebMD gegründet hat, und jetzt hat er ein Unternehmen namens Convex Group gegründet, das in Zukunft vielleicht eure Dienste gebrauchen kann. Und zweitens bringt Convex eine unglaubliche Technologie heraus, mit der man digitalen Content auf neuen Wegen vertreiben kann. Ich glaube, Sony würde es gefallen, wenn es davon wüsste.“

Durch diese Art der Kontaktaufnahme bot ich John gewissermaßen zwei Chancen: Er konnte zum einen durch Jeff jemand Wichtigen und Interessanten, vielleicht für neue Geschäfte, kennenlernen. Zum anderen erhielt er die Chance, vor dem bereits bestehenden Geschäftspartner Sony gut dazustehen, indem er neue Geschäftsmöglichkeiten vermittelte.

John stellte mit Freuden eine Verbindung her. Er kannte den perfekten Ansprechpartner bei Sony, nämlich Serge Del Grosso, den neuen Leiter der Abteilung Media & Internet Strategies. Ich bat John, meinem Anruf eine kurze E-Mail vorauszuschicken, in der er mich vorstellte. Ich bat ihn außerdem, eine Kopie an mich zu schicken, sodass ich mich bei der nachfolgenden Korrespondenz mit Serge immer auf John berufen und damit unserem Treffen eine gewisse Dringlichkeit geben konnte. Also warteten John und ich beide auf ein Treffen mit Serge.

Wie so oft in geschäftlichen Dingen war das alleine noch nicht genug. Serge war beschäftigt und auch nach mehreren E-Mails hörte ich weder von ihm noch von seiner Sekretärin etwas. Das ist nichts Ungewöhnliches. Es kommt häufig vor, dass sich jemand nicht bei einem meldet. Dann muss man sein Ego beiseiteschieben und beharrlich weiter anrufen oder schreiben. Und wenn der Kontakt dann irgendwann zustande kommt, sabotieren Sie Ihre Bemühungen nicht durch Bemerkungen, wie sehr Sie sich geärgert haben, dass sich die betreffende Person nicht so schnell bei Ihnen gerührt hat wie Sie das gewünscht hätten. Genauso wenig sollten Sie sich für Ihre Hartnäckigkeit entschuldigen. Benehmen Sie sich einfach so, als hätten Sie die Person gleich beim ersten Anruf erreicht. Machen Sie es für alle Beteiligten angenehm.

Um solche Termine zu machen, braucht man Zeit. Es ist an Ihnen, die Initiative zu ergreifen. Manchmal müssen Sie dabei aggressiv vorgehen. Nach ein paar Wochen ohne Antwort rief ich einfach bei Sony an und bekam Serges Durchwahl. Wenn ich jemanden direkt anrufe, mit dem ich noch nie gesprochen habe, versuche ich, zu einer unüblichen Zeit anzurufen. Jemand, der viel beschäftigt ist, geht morgens um acht oder abends um halb sieben eher ans Telefon als sonst. Außerdem sind die Menschen dann wahrscheinlich weniger gestresst, weil sie nicht mitten im normalen Arbeitstag stecken.

Ich rief am frühen Morgen an, erreichte aber nur Serges Mailbox. Ich hinterließ eine Nachricht: „Ich möchte noch einmal betonen, wie sehr ich mich darauf freue, Sie kennenzulernen. John hat noch nie so schmeichelhaft von einem Geschäftspartner gesprochen. Bis jetzt habe ich von Ihrer Sekretärin noch nichts gehört, aber ich bin sicher, das klappt. Bis bald.“ Die Interaktion sollte zu keinem Zeitpunkt getrübt werden. Es gehört zu diesem Tanz, ein optimistisches Gefühl und sanften Druck um den Termin herum aufzubauen.

Da ich danach immer noch nichts von Serges Büro hörte, wählte ich Serges Durchwahl nach der üblichen Arbeitszeit, etwa um sechs Uhr abends. Diesmal ging er selbst ans Telefon und ich legte los.

„Hallo Serge. Hier spricht Keith Ferrazzi. John hat schon öfter in den höchsten Tönen von Ihnen gesprochen und jetzt habe ich endlich einen Vorwand, Sie einmal anzurufen. Ich rufe im Auftrag meines Freundes Jeff Arnold, des Gründers von WebMD an. Er hat eine neue, sehr wirkungsvolle Möglichkeit, digitalen Content zu verbreiten. Angesichts der neuen Produkte, die Sie dieses Quartal rausbringen, könnte das die perfekte Partnerschaft sein. Ich bin nächste Woche in New York. Wir könnten uns doch einmal treffen. Aber wenn es bei dieser Gelegenheit nicht passt, mache ich einen Termin frei, wann immer es Ihnen passt.“

In 15 Sekunden wendete ich meine vier Regeln für die Warmakquise an: 1) Ich machte mich glaubwürdig, indem ich eine bekannte Person oder Institution erwähnte – in diesem Fall John, Jeff und WebMD. 2) Ich bot einen Nutzen an: Jeffs neues Produkt könnte Serge beim Verkauf seiner neuen Produkte helfen. 3) Ich vermittelte eine gewisse Dringlichkeit und Entgegenkommen, indem ich bereit war, jederzeit alles Mögliche zu tun, um die andere Person zu deren Bedingungen zu treffen. 4) Ich war bereit, einen Kompromiss einzugehen, der mindestens ein weiteres Gespräch beinhalten würde.

Das Ergebnis? Eine Woche später saß ich in Serges Büro. Zwar ließen seine Budgets keine kurzfristige Einführung des Produkts zu, aber er verstand, wie wirkungsvoll er mit diesem Medium sein Publikum erreichen konnte. Im Nachhinein, wer weiß? Vielleicht hatte er die künftige technologische Entwicklung besser im Blick. Gute Entscheidung, Serge!

Hier nun ein paar meiner Regeln in ausführlicherer Fassung:

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Volume:
471 p. 3 illustrations
ISBN:
9783864707117
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