Read the book: «Genau so geht Biogarten»
KARL PLOBERGER
GENAU SO GEHT
BIO-GARTEN!
2O JAHRE
ERFAHRUNGEN
DES INTELLIGENTEN
FAULEN GÄRTNERS

HAFTUNGSAUSSCHLUSS
Für die Richtigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Haftung übernommen.
Der Autor und der Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Sie übernehmen keinerlei Haftung für eventuelle Schäden, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen.
IMPRESSUM

Copyright © 2020 Cadmos Verlag GmbH, München
Konzeption & Fachredaktion: Ing. Veronika Schubert, www.medienbuero-garten.at
Lektorat: Ing. Barbara P. Meister MA, FachLektor.at
Covergestaltung, grafische Konzept und Satz: Gerlinde Gröll, www.cadmos.de
Bilder am Umschlag: Christoph Böhler (Karl Ploberger), Dusan Zidar/Shutterstock.com (Gummistiefel)
Illustrationen: Ian Millán-Ruiz
Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar.
Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle Rechte vorbehalten.
Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.
ISBN: 978-3-8404-7571-9
eISBN: 978-3-8404-6631-1
SONDEREDITIONEN
Kleine Zeitung
ISBN 978-3-8404-8520-6
DLV / Kraut&Rüben
ISBN 978-3-8404-8521-3
Oberösterreichische Nachrichte n
ISBN 978-3-8404-8522-0

INHALT
Vorwort
Das Jahr 2000
Der neue Gemüsegarten
Wenn Mäuse zu Gartenplanern werden
Garteln kompakt für Gemüsegärtner
Gemüse für den Vitamingarten
Gartenreisen: Great Dixter in England
Gartenfragen zum Gemüsegarten
Das Jahr 2001
Ein „echtes“ Moor
Statt eines langweiligen Pools
So entsteht ein Moor
Moorpflanzen
Der Unterschied zum Moorbeet
Gartenreisen: Egelseemoor in Österreich
Gartenfragen zu Moor, Moorbeet & Co.
Das Jahr 2002
Blumenwiesen-Liebe
Mein Vergleich macht mich sicher
Zwiebelwahnsinn treibt Blüten
Schritt für Schritt zur Blumenwiese
Ein Stück pflegeintensiver Rasen darf sein
Gartenreisen: Woking in England
Gartenfragen rund um Rasen & Blumenwiese
Das Jahr 2003
Der Hof wird zum Winterquartier
Kübelpflanzen sind meine große Leidenschaft
Gut durch den Winter
Kamelien, eine Empfehlung
Blütenrausch mit Azaleen
Den Frühling vortreiben
Gartenreisen: La Réunion in Frankreich
Gartenfragen rund um Kübelpflanzen
Das Jahr 2004
Der Kompost reift
Erde zu Erde – mein wichtigster Platz!
Das Einmaleins des Kompostierens
Mein Kompost-Rezept
So kommt die Rotte in Schwung
Gut Ding braucht Weile
Gartenreisen: Fürken in Deutschland
Gartenfragen rund um den Kompost
Das Jahr 2005
Start mit Säulenobst
Die Welt der schlanken Bäume
Erfahrungen mit Säulensteinobst
Beerenglück, ganz kompakt
Bestens versorgt und gut geschnitten
Gartenreisen: Buchs in der Schweiz
Gartenfragen zu Obstbäumen
Das Jahr 2006
Gehölze als Kulisse
Kleine Geschenke mit großer Wirkung
Riesenblätter in der Staudenrabatte
Besondere Gehölze
Bewachsene Haselnuss
Gartenreisen: Cisterna di Latina in Italien
Gartenfragen rund um Bäume und Sträucher
Das Jahr 2007
Beerenträume werden wahr
Ob Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren
Süße Verführung
Weintrauben im Garten
Blaues Wunder
Gartenreisen: Eskilsby in Schweden
Gartenfragen zu Beeren
Das Jahr 2008
Grüne Träume unter Glas
Ein Gewächshaus musste her!
So soll das Glashaus sein
Gezielte Wasserversorgung
Erfolgsfaktor Sauberkeit
Biologische Schädlingsbekämpfung
Gartenreisen: Wien in Österreich
Gartenfragen rund ums Gewächshaus
Das Jahr 2009
Ein Häuschen im Grünen
Das Waldhaus heißt Gäste willkommen
Zurück zur Kindheit
„Salettl“ von Ramblerrose verschluckt
Lauschige Sitzplätze im Garten
Gartenreisen: Wuppertal in Deutschland
Gartenfragen zum Thema Sitzplätze
Das Jahr 2010
Der gute Ton
Das kleine, feine Tonstudio im Naturgarten
Ist der Tontopf der bessere Topf?
Platz zum Umtopfen
Damals wie heute
Frostfestigkeit lässt sich fördern
Der gute Ton macht’s!
Gartenreisen: Sarrod in Ungarn
Gartenfragen rund um Töpfe
Das Jahr 2011
Ein Meer von Zwiebelblumen
Der Zwiebelwahnsinn hat mich erwischt
Schneeglöckchen in der Blüte teilen
Krokusnester
Narzissen- oder Zierlauchwiese
Traumhafte Prärielilien
Gartenreisen: Oostwold in den Niederlanden
Gartenfragen rund um Blumenzwiebeln
Das Jahr 2012
Das neue Tomatenhaus
Ein Zuhause für die Paradiesäpfel
Paradeiserkultur à la Ploberger
Das ideale Tomatenhaus
Was sind Tomtatoes?
Gartenreisen: Frauenkirchen in Österreich
Gartenfragen zur Kultur von Paradeisern
Das Jahr 2013
Frühbeet mit Spargel
Mein Hochbeet-Eldorado und seine Funktionen
An die Kette, fertig, los!
Spargel im geschützten Hochbeet
Gartenreisen: Tulln in Österreich
Gartenfragen rund ums Hoch- und Frühbeet
Das Jahr 2014
Liebe zu Pelargonien
Eine Reise als Beginn meiner Sammelwut
Gut gepflegt und überwintert
Vorbeugen gegen die Pelargonienwelke
Sukkulente Formen und Duftgeranien
Gartenreisen: Kapprovinz in Südafrika
Gartenfragen rund um Pelargonien & Co.
Das Jahr 2015
Der neue Toskanagarten
Leben ist Veränderung! Ein Garten ist niemals fertig!
Sitzplätze, Kübelpflanzen und italienisches Flair
Wie entstehen Gärten oder neue Gartenteile?
Gartenreisen: Kent County in England
Gartenfragen zum mediterranen Sitzplatz
Das Jahr 2016
Rosenträume werden wahr
Wie im Märchenschloss und voller Duft
Ramblerrosen für intelligente faule Gärtner
Nicht alle wachsen in den Himmel
Rosenschnittregeln von Fergus Garrett
Kein Schnitt bei Ramblerrosen
Gartenreisen: Albrighton in England
Gartenfragen zu Rosen
Das Jahr 2017
Welt der Kräuter
Im Reich der Gewürzpflanzen unterwegs
Kräuterhügel wird zum Minzkogel
Aus aller Welt
Wie Sammelwut entsteht
Kultur im Beet und in Töpfen
Gartenreisen: Umbrien in Italien
Gartenfragen zu Kräutern
Das Jahr 2018
Der Wald verschwindet
Wenn plötzlich der Schatten weicht
Unterpflanzung im Schattenreich
Plötzlich dem Licht ausgesetzt
Gartenreisen: Guildford in England
Gartenfragen rund um Klima und Schatten
Das Jahr 2019
Die neue Terrassenmauer
Eine Mauer, die verbindet
Günstiges Kleinklima für Pflanzen
Herausforderung Hanggarten
Materialauswahl
Gartenreisen: Meran in Südtirol
Gartenfragen rund um Mauern und Hanglagen
Nachwort & Ausblick 2020 und die nächsten Jahre
Wohin geht die Reise?
Fotostrecke: Karl Ploberger ganz privat
Stichwortverzeichnis
VORWORT

20
JAHRE
DER GARTEN
FÜR INTELLIGENTE FAULE!
Wer hätte es damals gedacht, als mein Buch „Der Garten für intelligente Faule“ erschien, dass es nach so langer Zeit noch immer gedruckt und verkauft wird?
Begonnen hat alles schon viel früher – mit meinen vielen Berichten in Radio und Fernsehen über das biologische Gärtnern. Vor gut 35 Jahren war „bio“ eine Randerscheinung, und oftmals wurde ich belächelt. „Dein Schmierseifenwasser – da waschen sich doch die Blattläuse nur die Haare!“ Diese Zeiten sind längst vorbei, und der Erfolg des Buches „Der Garten für intelligente Faule“, die geniale „Natur-im-Garten-Bewegung“ und viele andere Initiativen, hat das naturgemäße Gärtnern zum Standard und das konventionelle Gärtnern zum Außenseitertum gemacht. Der Slogan „Der Garten für intelligente Faule“ hat dazu vielleicht einen kleinen Beitrag geleistet.
„Mit der Natur und nicht gegen die Natur“ ist die Devise, und das in allen Bereichen – im Garten, auf dem Balkon oder auf der Terrasse. Denn eines hat sich auch in diesen 20 Jahren des „faulen Gartelns“ gewandelt. Das Gärtnern ist einerseits zum Livestyle geworden, andererseits rücken immer mehr Menschen ihre Bemühungen, gesunde Lebensmittel zu bekommen, in den Vordergrund.
Daher sind die Balkon- zu den Gemüsegärten der Städter geworden. Statt Rosen und Pelargonien gedeihen hier nun Kräuter und Gemüse.
Auch wenn es beim Garteln – wie immer und überall im Leben – manchmal Rückschläge gibt, die Freude am Arbeiten mit den Pflanzen, das Ernten und Genießen bleiben ungebrochen. In den 20 Jahren seit meinem ersten Buch habe ich viele Erfahrungen gesammelt, meinen Garten vergrößert, verändert, verbessert und immer wieder Neues ausprobiert. Alle diese Gartenirrtümer, weisen Erkenntnisse, Tipps für die Gelassenheit sind mit 200 Gartenfragen in diesem Buch gesammelt worden. Damit auch die nächsten zwei Jahrzehnte das Garteln genauso viel Spaß macht wie in den vergangenen!
Unsere Erde und wir haben einen nachhaltigen Umgang mit unserer Natur verdient!
| Ihr Biogärtner Karl Ploberger | WWW.BIOGAERTNER.AT |
Das Jahr
2000

DER NEUE
GEMÜSEGARTEN

Familie Ploberger genießt den Garten wann immer sich Gelegenheit dazu bietet.
Fotos © Christoph Böhler
WENN MÄUSE ZU GARTENPLANERN WERDEN
Acht Jahre sind wir schon im neuen Haus, der Garten wird allmählich „dreidimensional“, war doch kein einziger Baum auf dem Grundstück und der Gemüsegarten war noch dort, wo wir ihn von Beginn an haben wollten – direkt neben der Küche. Bei meinen Radiosendungen über Gartengestaltung betonte ich immer wieder, wie wichtig es doch sei, dass der Gemüsegarten ganz nahe der Küche angesiedelt sein sollte. Der Weg zu Schnittlauch und Petersilie darf nicht zu weit sein, sonst gibt’s oft keine frische Würze – vor allem, wenn das Wetter schlecht ist.
Doch unser erster Gemüsegarten in bester Küchenlage musste im Jahr 2000 übersiedelt werden, weil sich der Boden durch den Hausbau wandelte, für Gemüse sich zu viel Staunässe bildete und zudem ein paar Plagegeister auf den Plan traten. Wühlmäuse nämlich fraßen sämtliche Wurzeln, insbesondere Karotten standen auf ihrem Speiseplan. Der neue Gemüsegarten ist mittlerweile 20 Jahre alt und wurde eine Festung. Er besteht aus 100 m2 Beeten, einem Glashaus und ist von einer unterirdischen Betonmauer eingefasst.

Vom Garten in die Küche. Die Ernte fällt bei Plobergers immer reichlich aus.
Fotos © Christoph Böhler

„Oberirdisch fällt die Mauer kaum auf. Ist sie doch exakt geschalt und nur 20 cm hoch. Doch unter der Erde beißen sich meine Wühlmäuse nun die Zähne aus. 90 cm Stahlbeton, teilweise 50 cm stark …!“


# tippfürdiegelassenheit
Tipp für die Gelassenheit
Mulchen für die „wahren intelligenten Faulen“
Es ist DIE Säule des biologischen Gärtnerns und eigentlich nur der Natur abgeschaut. So wie der Laubteppich im Wald den Boden schützt und feucht hält, genauso bedeckt der Biogärtner den Boden mit organischem Material. Zu Beginn war das bei mir bloß Rasenschnitt, später kamen klein geschnittene Brennnesseln und sogar ausgerissenes Unkraut als Bodenbedeckung infrage. Und das alles nur deshalb, weil Regenwurm & Co. etwas futtern wollen und daraus den besten Humus machen.
GARTELN KOMPAKT FÜR GEMÜSEGÄRTNER
Garteln macht Spaß. Ob nun die ganze Familie vollversorgt werden soll oder auch nur die eine oder andere Vitaminlieferung für die Küche vorgesehen ist: Wichtig ist, dass der Garten gut geplant wird.
Ein sonniges Plätzchen, hervorragende, tiefgründig gelockerte Erde – und schon kann’s losgehen. Der Regenwurm ist mein Hausfreund! Kompost, organischer Dünger und noch einige Male Quarzsand machen den Boden über die Jahre zu einem lockeren, wasser- und nährstoffspeichernden Erdreich.
Wer direkt ins Gemüsebeet säen möchte, sollte eine wichtige Regel niemals vergessen: „Wer früh sät, wird spät ernten.“ Denn für die Pflanzen ist nichts schlechter als ein kalter Start ins Leben. Viele Gemüsepflanzen können gar nicht direkt im Freiland angebaut werden, sie müssen vorgezogen werden.
GEMÜSE FÜR DEN VITAMINGARTEN
Bohnen (Phaseolus vulgaris) – Ob Busch- oder Stangenbohnen, hier gilt: Niemals vor Mitte Mai säen, denn die Keimlinge sind extrem kälteempfindlich.
Erbsen (Pisum sativum) – Palerbsen, Markerbsen und Zuckererbsen; sie gedeihen fast überall, weil sie sich (wie die Bohnen) „den Boden selbst düngen“. Alte Äste oder ein niedriger Zaun sind ideale Rankhilfen.
Gurken (Cucumis sativus) – Sosehr ich auf alte Sorten stehe, bei den Gurken nehme ich immer die neuen, rein weiblichen, oftmals veredelte (auf Feigenblattkürbis), denn die wachsen immer und besonders kräftig.
Karotten (Daucus carota ssp. sativus) – Auch hier gibt es viele unterschiedliche Sorten; mein Favorit ist „Fly away“, weil sie keine Karottenfliegen anlocken.
Kartoffeln (Solanum tuberosum) – Sind die Shootingstars. Ich setze sie im Topf oder in der sogenannten Kartoffelpyramide. Da benötigen sie wenig Platz. Besonders interessant sind die farbigen Sorten und die interessanten nicht heimischen Varietäten.
Kohl (Brassica oleracea) – So weit das Auge reicht: Weißkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Sprossenkohl. Alle lieben humose, nährstoffreiche Böden. Besonders bequem: der „Ewige Kohl“. Hier kann man jahrelang Blätter abschneiden.
Kürbis (Cucurbita pepo) – Brauchen viel Platz, sind bei mir immer auf dem oder beim Komposthaufen. Die Topsorte ist der Hokkaido-Kürbis, weil er nicht zu große Früchte mit nussigem Geschmack liefert und mit der Schale verwendet werden kann.
Paprika (Capsicum annuum) – Lieben einen warmen, sonnigen Platz und humose, lockere Erde. Beste Erfolge habe ich erzielt, wenn ich sie in Töpfen kultiviert habe. Im Glashaus war es ihnen immer zu heiß.
Radieschen (Raphanus sativus var. sativus) – Typische Einsteigerpflanze für Hobbygärtner. Aufpassen: Es gibt Frühjahrs- und Sommerradieschen. Wer die falschen sät, erntet nur Blätter.
Rhabarber (Rheum rhabarbarum) – Darf in keinem Garten oder auch auf der Terrasse fehlen. Interessante Erfahrung: In großen alten Waschtrögen mit viel Dünger gepflanzt, gedeiht er prächtig.
Salate (Lactuca sativa) – Das Wichtigste überhaupt: Wählen Sie neben dem Kopfsalat den Feldsalat und vor allem Schnittsalat. Besonders robust sind Rauke oder Rucola. Alle drei Wochen nachsäen – dann endet die Salatproduktion nie.
Spinat (Spinacia oleracea) – Zählt zu den wichtigsten Pflanzen im Biogarten, weil Spinat die ideale Mischkulturpflanze ist. Was übrig bleibt, abschneiden und den Boden damit mulchen.
Tomaten (Lycopersicon esculentum var. esculentum) – Gibt es in vielen Sorten, Größen und Formen; unbedingt unter Glas- oder Foliendach ziehen, sonst kommt es zu Braunfäule. Ich geize immer aus, gebe ins Pflanzloch Kompost, Brennnesselblätter und Hornspäne und dünge mit Brennnesseljauche.
Zucchini (Cucurbita pepo) – Benötigt sehr viele Nährstoffe; am Fuß eines Komposthaufens ist der ideale Platz (obenauf wird die Erde zu sehr ausgelaugt). Wenn zu Beginn Früchte faulen, dann die ersten drei bis vier Fruchtansätze ausbrechen. Die Pflanze muss erst genug Wurzeln für die Fruchtbildung entwickeln.
Zwiebeln (Allium cepa) – Nicht bloß die normale Zwiebel anbauen, sondern auch Lauch/Porree,
Schalotten und natürlich Knoblauch (Allium sativum); alle lieben humosen, lockeren und warmen Boden. Am besten Quarzsand einarbeiten.

Foto © Nataly Studio/Shutterstock.com

# meingartenschatz
Mein Gartenschatz
RUCOLA (Eruca sativa)
Nein! Es ist nicht Basilikum. Rucola hat für mich DEN Geschmack des Südens oder, genauer, jenen der Toskana. Kein Salat kommt dort ohne die würzigen Blätter aus – und so ist es auch bei uns.
Blätter: Sehen wie Löwenzahn aus, haben einen scharfen Senfölgeschmack.
Kultur: Einfach; entweder in Reihen aussäen (mit etwas Kompost in der Saatreihe) oder vorgezogene Pflanzen setzen. Wenn Rucola blüht, sind die Blätter zu intensiv im Geschmack und leicht bitter. Dann die Pflanze kräftig zurückschneiden und auf die neuen zarten Blätter warten.
Besonderheit: Einige Pflanzen blühen lassen, dann wandert Rucola durch Selbstaussaat durch den Garten und keimt in Pflasterritzen, in Töpfen von Kübelpflanzen oder am Gartenweg.
Verwendung: Nicht nur für Blattsalate, auch auf Pizzen, als Pesto und vor allem in Kräuteraufstrichen.
# weiseerkenntnis
Weise Erkenntnis
Keine Panik bei Schädlingsinvasion
Ein paar Blattläuse sind Ihre Sorgenkinder? Gehen Sie ein paar Wochen in den Urlaub, und das Problem ist gelöst! Die Natur heilt vieles selbst. Ohrwürmer, Marienkäfer, Vögel und andere Nützlinge sind die eigentlichen Helfer, auf die wir uns verlassen können. Und wird es doch einmal zu viel, setzen Sie auf die biologischen Pflanzenschutzmittel wie Schmierseife, Orangenöl und Mikroorganismen.

Schädlinge sind noch kein Grund zur Panik.
Foto © Christoph Böhler

# gartenirrümer
Gartenirrtümer
Die Mischkultur ist wichtiger als die Fruchtfolge!
Gute Nachbarn – schlechte Nachbarn. So kennt man das. Und es ist auch eine sehr wichtige Grundlage für das korrekte Bepflanzen von Gemüsegärten. Zwiebeln gehören zu den Karotten, weil der Geruch, den die Zwiebel verströmt, die Möhrenfliege vergrault. Umgekehrt irritiert der Geruch der Karotte die Lauchfliege. Mischkultur war im Jahr 2000 noch das Wichtigste für mich, doch ich machte mit der Zeit andere Erfahrungen. Zuerst pflanzte ich exakt nach den Vorgaben zur perfekten Nachbarschaft, doch irgendwann wurde mir das im Sinne des „intelligenten Faulen“ zu viel. Und egal, was ich nebeneinandersetzte, es funktionierte trotzdem, weil ich auf die Fruchtfolge achtete: Wächst in diesem Jahr Kohl auf dem Beet, dann kommt Kohl erst in fünf Jahren wieder hierher. Gleiches gilt für Zwiebelgewächse, die allesamt große Probleme mit Krankheiten und Schädlingen bekommen, wenn man sie zu oft hintereinander auf den denselben Platz setzt. Bestes Beispiel für mich ist die Petersilie. Sie ist absolut unverträglich mit sich selbst.
GARTENREISEN

Karl Ploberger und Fergus Garrett, Headgardener Great Dixter.





Fotos © Karl Ploberger

# therealplogardentour
Mein allererster Garten, den ich in England besuchte, war Great Dixter. Nicht nur die herrlichen Blumenbeete, die üppigen Blumenwiesen, die kleine nostalgische Gärtnerei, sondern auch der geniale Gemüsegarten zogen mich in den Bann. Jahre später durfte ich in diesem Garten mit dem Headgardener Fergus Garrett gärtnern: Gehölze schneiden, Stauden teilen und – obwohl es nicht im Studienprogramm stand – immer wieder einen Blick in den Gemüsegarten werfen. Ein Gemüsegarten wie aus dem Bilderbuch – mit langen Reihen von Kohl, Mangold, Pferdebohnen, Zwiebeln, Lauch und vielem mehr.
DIE SEELE DES GARTENS
Genau das macht für mich dieses Anwesen aus: Es ist mehr als ein herrlicher Garten. Mehr als üppige, überquellende Blumenbeete. Es ist die Tatsache, dass Gärtnern Menschen aus aller Welt verbindet, denn der Vater dieses Gartens, Sir Christopher Lloyd, wollte der Jugend aus der ganzen Welt die Chance geben, hier in diesem Haus gärtnern zu lernen.
Great Dixter House and Gardens
Northiam, Rye TN31 6PH,
Vereinigtes Königreich
Geöffnet von März bis Oktober
(Montag geschlossen)


GARTENFRAGEN
ZUM GEMÜSEGARTEN

Im Biogarten Gemüse ernten denn selbst geerntetes Gemüse aus dem Biogarten schmeckt unvergleichlich gut.
Foto © Marian Weyo/Shutterstock.com

Foto © Werner Schneider/shutterstock.com

# livegartentipps
Wir haben eine alte Thujenhecke gerodet und wollen nun ein Hochbeet errichten. Dürfen wir das dort aufstellen oder ist in den Wurzeln Gift drinnen?
Das können Sie absolut ohne Sorge machen. Richtig aufbauen – mit Gehölzschnitt, frischem Kompost, abgelagertem Kompost und als oberste Schicht Gartenerde (Hochbeeterde). Dann wird es bald das erste Gemüse geben.
Warum beginnt meine Steckzwiebel oft zu blühen und entwickelt keine Zwiebeln?
Zwiebelpflanzen beginnen im zweiten Jahr zu blühen. Steckzwiebeln dürfen daher niemals kalt gelagert werden, weil sie sonst vermuten, dass der Winter schon vorbei ist und ihr zweites Jahr anbricht. Nur im ersten Jahr investieren sie ihre Kraft in die Zwiebelbildung. Übrigens: Die kleinsten Steckzwiebeln liefern die besten Erträge.
Mein Buchs im Gemüsegarten ist endgültig eingegangen. Wie hieß der Buchsersatz, den Prinz Charles in Highgrove in den Gemüsegarten gepflanzt hat?
Gerade der ganz niedrige Bauerngartenbuchs (Buxus sempervirens ‘Suffruticosa’) wird extrem vom Pilz befallen. Gamander (Teucrium) ist ein idealer Ersatz, kann geschnitten werden oder man lässt ihn blühen – rosarot, ähnlich dem Lavendel.
Wie mache ich es, dass ich im Garten Rosmarin als Hecke kultiviere? Ich habe das auf einigen Abbildungen in britischen Gartenbüchern gesehen.
Das hängt vor allem vom Klima ab. In einigen milden Gegenden wird es vielleicht gehen, aber generell ist Rosmarin nicht ganz winterhart. Das Wichtigste: extrem durchlässiger Boden (Kies, Sand zu gut 60 %), denn meist friert er nicht ab, sondern geht an Staunässe zugrunde.
Meine Karotten keimen wieder einmal nicht. Wie war das mit dem Marmeladeglas-Trick?
Ganz einfach: 2–3 cm Quarzsand in ein Marmeladeglas geben, Karottensamen dazu. Ein wenig Wasser, dann gut schütteln und verschließen und im Zimmer in die Wärme stellen. Nach acht bis zehn Tagen in die Saatrillen leeren. So müsste es klappen.
Ich war dieses Jahr im Februar übereifrig und hab schon Paradeiser/Tomaten angebaut. Jetzt werden die Pflänzchen aber immer länger und länger. Was soll ich machen?
Paradeisersämlinge, die zu lang werden, kann man „schrumpfen“. Die Pflanzen aus der Saatschale nehmen. Die zu langen Stängel um einen Finger wickeln und dann diese zusammengedrehten Triebe in Töpfe unter die Erde setzen. Die Pflanzen bekommen dort sofort Wurzeln und wachsen, wenn sie nun genug Licht haben, kompakt weiter.
Ich habe im letzten Jahr Tomaten aus Samen gezogen, die ich selbst aus den Früchten geerntet habe. Doch nichts außer viel Grünzeug wuchs – keine Früchte. Was habe ich falsch gemacht?
Offenbar war die Saattomate eine sogenannte Hybridsorte. Die Originaltomate ist perfekt, vermehrt man sie aber, dann entstehen Pflanzen der eingekreuzten Vorgänger. Manchmal solche, die nur für den Wuchs zuständig sind und nicht für die Früchte. Vermehren lassen sich nur samenfeste Sorten.
Ich habe dieses Jahr erstmals Salat im Spätherbst in mein Frühbeet gepflanzt. Einige Wochen konnten wir ernten, doch nun habe ich einmal den Schnee weggegraben und die Fenster geöffnet. Alle Blätter sind mit einem grauen pelzigen Überzug versehen. Darf ich sie gewaschen verwenden?
Nein, die sollten sie nicht verwenden. Grauschimmel entsteht immer dann, wenn die Luft zu feucht war. Daher gilt: Wenig gießen, mulchen (damit keine Feuchtigkeit verdunstet) und an schönen Herbsttagen immer gut lüften. Warten Sie aufs Frühjahr, vielleicht treibt der Salat wieder durch.
Sorgen mit Maggikraut. Wie pflege ich mein Liebstöckel? Es will einfach nicht gedeihen.
Liebstöckel (landläufig als Maggikraut oder in Südösterreich als Luschstock bezeichnet) benötigt einen frischen und humusreichen Boden. Das bedeutet: lockere Erde, die nicht austrocknet. Viel Kompost und Hornspäne. Bester Standort ist im Halbschatten. Nicht zu viele Blätter (als Suppenwürze) abschneiden, dann wächst die Pflanze kräftig.
Kann ich mein Hochbeet auch auf der Terrasse aufstellen? Ich besitze leider keinen Garten.
Auf Terrasse und Balkon muss man auf die Statik Rücksicht nehmen. Hier wird sich wahrscheinlich eher ein Tischbeet eignen. Der große Vorteil der Verrottungswärme geht dann freilich verloren. Wichtig ist ein vollsonniger Platz.
Das Jahr
2001

Foto © Christoph Böhler
EIN „ECHTES“
MOOR

In vielen Ländern steht Sonnentau (Drosera sp.) unter Naturschutz.
Foto © Ryzhkov Sergey/Shutterstock.com
STATT EINES LANGWEILIGEN POOLS
Diskussionen über Gartenprojekte gibt es in jeder Familie. Das kenne ich aus vielen Gesprächen. So war es auch bei uns, als es darum ging, ein Schwimmbad zu bauen. Letztlich scheiterte der Plan, weil kein geeigneter Platz gefunden wurde. Heute sind wir glücklich darüber und genießen den nahe gelegenen Attersee viel intensiver. Allerdings entstand im Zuge der Diskussionen der Wunsch, ein neues Wasserelement im Garten zu platzieren. 2001 ward „Moorprojekt“ geboren.
Moore haben mich seit meiner Jugend begeistert. Diese kargen Böden, die dann doch durch geschickte Anpassung der Pflanzen eine ungeheure Vielfalt schaffen: Der Sonnentau mit seinen klebrigen Blättern, der kleine Mücken fängt und sich damit die Nährstoffe für sein Wachstum besorgt, oder die Venusfliegenfalle, die scheinbar wie ein Tier auf Fliegenfang geht und zuschnappt, wenn sich das Insekt in der Falle platziert hat. Das alles wollte ich auch bei mir im Garten haben.
Dazu noch die große Vielfalt an Moorbeetpflanzen wie Orchideen, Preiselbeeren, Stewartien und vielen anderen mehr.
Will man ein richtiges Moor anlegen, dann ist es ein größeres Unterfangen. Im Gegensatz zu einem Moorbeet, wo Flachwurzler wie Rhododendren oder Azaleen wachsen, ist in einem echten Moor der Wasserspeicher das Wichtigste. Und der sollte gut ein bis eineinhalb Meter in die Tiefe reichen.

Foto © Mehaniq/Shutterstock.com

„Pflanzen, die sich wohlfühlen, gedeihen ohne Hilfe und vermehren sich prächtig, wie meine Frauenschuhorchideen. Oder das Torfmoos, das manchmal so stark wächst, dass es meine Insektivoren überwuchert.“
Foto © Magnus Binnerstam/Shutterstock.com

Foto © yakonstant/Shutterstock.com

# tippfürdiegelassenheit
Tipp für die Gelassenheit
Wasser als Beruhigungsoase
Ob das Rauschen der Meereswellen, das Glucksen eines Flusses oder nur das Sprudeln eines kleinen Wasserspeiers am Teichrand: Wasser beruhigt. Es übertönt manchmal störende Geräusche oder lässt sie in den Hintergrund rücken. Nicht nur im Garten, auch auf dem Balkon sind kleine mobile Brunnen eine willkommene Geräuschkulisse.
SO ENTSTEHT EIN MOOR
Zuerst muss eine Grube von wenigstens einem Meter oder mehr ausgegraben werden. Übrigens: Je größer ein Moor ist, desto besser funktioniert es später. Dann kommt eine Teichfolie. Sie sorgt dafür, dass das Wasser wie in einem Teich festgehalten wird. Damit man wenig Moorbeetsubstrat benötigt, stellt man nun große Eimer verkehrt herum auf den Boden der Grube. Alle diese Kübel (ich habe die großen Pflanzcontainer von Bäumen verwendet) müssen mit großen Löchern angebohrt sein, damit sich darin Wasser sammeln kann. Dann wird mit ungedüngtem Moorbeetsubstrat aufgefüllt. Entweder verwendet man dafür grobfasrigen Torf, der oft als Abfall bei Erdenproduzenten anfällt und kompostiert wird, oder man bereitet ein eigenes Moorsubstrat aus Eichen- und Nusslaub. Allerdings dauert das drei bis vier Jahre. Diese Erde wird nun nicht nur auf die Kübel, sondern auch zwischen die Kübel eingefüllt und festgetreten. Später wird das Substrat wie bei einem Docht das Wasser aus den unteren Bereichen des Moores nach oben ziehen und die Pflanzen auch bei längerer Trockenheit mit Wasser versorgen
„Besonders attraktiv sieht das Moor aus, wenn man einen offenen Wasserbereich, eine sogenannte Schlenke, einbaut. Damit lässt sich der Wasserstand kontrollieren und die Gestaltung wird abwechslungsreich.“
MOORPFLANZEN
Gepflanzt werden insektenfressende Pflanzen, Gehölze wie Scheinkamelien (Stewartia sp.) und Orchideen, die nur im sauren Substrat leben können. Zunächst braucht man Geduld, denn diese Pflanzen wachsen alle sehr langsam, aber nach einiger Zeit entsteht bei so einer Moorbeetbepflanzung der Gedanke an einen tropischen Regenwald: wenn die Preiselbeeren und die Cranberries die gesamte Fläche erobern oder das Torfmoos, das Sphagnum, zu wachsen beginnt. Wie im Dschungel beginnt nach einigen Jahren ein üppiges Wachstum, vor allem, wenn man den Fehler begangen hat, ausläufertreibende Farne in das Moor zu setzen. Diese an sich herrlichen Blätter können alles überwuchern, würde man sie nicht permanent reduzieren. Genauso müssen alljährlich im Frühjahr Ahorn-, Birken- und Haselnusssämlinge entfernt werden. Aber das gehört zu so einem speziellen Gartenelement dazu. Stehen allerdings die Orchideen, die Kannenpflanzen und die Scheinkamelien in voller Pracht, ist die Freude über das Projekt auch noch nach fast 20 Jahren groß. Faszinierend ist, dass sich, wie in der Natur, ein ökologisches Gleichgewicht einstellt.

# meingartenschatz
Mein Gartenschatz
SCHLAUCHPFLANZEN (Sarracenia sp.)
Es war das Schaufenster im botanischen Garten beim Tropengewächshaus, das mich schon als Kind begeisterte. Schlauchpflanzen in allen Größen waren und sind hier zu bewundern.
Blätter: Meistens aufrecht, röhrenförmig mit einer flügelförmigen Längsseite; aufgerollte Lippe an der Öffnung des Schlauches.
Kultur: Gedeihen in vollem Sonnenschein; gut abgelagerten Laubkompost mit Quarzsand (kein Kalksand!) und etwas Tongranulat mischen und auf einer Fläche auffüllen, die das Wasser nicht abfließen lässt (Wasserbecken oder eine Senke mit einer Teichfolie).
Besonderheit: Pflanzen wachsen rasch und kräftig und holen sich die Nährstoffe im Wesentlichen von den Insekten, die in den Schlauch kriechen und an der glatten Oberfläche nicht mehr nach oben können.
Verwendung: Zahlreiche Arten und Sorten mit großartigen Farbschattierungen; ideal sind solche Beete am Rand von Moorbeeten (allerdings mit Folie getrennt) oder im Uferbereich von einem Teich.

Foto © Only Fabrizio/Shutterstock.com
DER UNTERSCHIED ZUM MOORBEET
Landläufig werden Rhododendren, Azaleen und Kamelien als Moorbeetpflanzen bezeichnet. Das stimmt allerdings nur bedingt. Gemeint ist damit, dass sie einen Boden benötigen, der wenig Kalk enthält. So gibt es kalkfreie Lehm- und Sandböden, in denen diese Pflanzen hervorragend gedeihen. Keinesfalls darf es in einem Beet mit Rhododendren oder Azaleen eine Staunässe geben. Das vertragen diese Pflanzen ganz und gar nicht. Und noch einen großen Unterschied gibt es zum „echten“ Moor. Leben dort Gewächse, die mit wenig bis gar keinen Nährstoffen im Boden auskommen, so benötigen die Rhododendren und Azaleen viele Nährstoffe. Gedüngt werden sie immer im zeitigen Frühjahr, etwa sechs Wochen vor der Blüte, mit einem Dünger, der kalkfrei ist und etwas Schwefel enthält, um doch noch vorhandene Kalkreste zu neutralisieren.

# weiseerkenntnis
Weise Erkenntnis
Laubkompost ersetzt Torf
Manchmal meint man, es gäbe bei bestimmten Problemen keine Alternative, doch das stimmt nicht immer. Lange Jahre habe ich für meine speziellen Pflanzenkulturen wie Kamelien oder Rhododendren mit schlechtem Gewissen Torf genommen. Nun verwende ich eine neue, torffreie Rhododendronerde, die aus Rindenhumus sowie Eichen- und Nusslaubkompost besteht. Angereichert mit einem Moorbeetdünger ist sie die beste Grundlage für ein kräftiges Wachstum dieser Pflanzen mit der „sauren“ Vorliebe. Wer also große Nussbäume im Garten hat, sollte nicht über das Laub jammern, sondern es extra kompostieren und damit die kleine Moorbeet-Erdfabrik errichten.

# gartenirrümer
Gartenirrtümer
Moore liegen im Schatten
Es ist nicht ganz leicht, den Überblick zu bewahren, denn viele der Moorbeetpflanzen sind eher im Schatten oder Halbschatten zu Hause als in der vollen Sonne. Aber ein echtes Moor mit den Insektivorien, dem Sphagnum und den vielen Moorbeeren ist ein absoluter Sonnenanbeter. Nur dort wachsen diese typischen Pflanzen. Wird es zu schattig, nehmen rasch Farne überhand und verdrängen die Moorpflanzen.
GARTENREISEN

Foto © Sandra Mayr
Foto © Werner Schnetzer

Foto © Sandra Mayr

Foto © Sandra Mayr

Foto © Werner Schnetzer


# therealplogardentour
DAS AUSSERGEWÖHNLICHE LIEGT NAH!
Gartenreisen sind für mich auch Wanderungen durch Naturlandschaften. Ganz in der Nähe von meinem Wohnort gibt es gleich mehrere Moore. Das schönste liegt aber etwas oberhalb des Attersees im Gemeindegebiet von Unterach. Das sogenannte Egelseemoor ist ein relativ kleines, aus der Eiszeit stammendes Niedermoor, in dem viele seltene Pflanzen wachsen. Schon der Weg zu diesem Naturschutzgebiet ist idyllisch und auch für wenig Geübte leicht zu bewältigen. Schwingrasen & Knabenkraut: Am Rande des kleinen dunklen Moorsees findet man einen sogenannten Schwingrasen, der beim Gehen ein ungewöhnliches Gefühl des Schwebens auslöst. In diesem Boden wächst Sonnentau (für den ich die österreichweite Patenschaft übernehmen durfte) sowie zahlreiche Orchideen, darunter das Knabenkraut. Schon im zeitigen Frühjahr, wenn die Schneeschmelze einsetzt, lässt sich mit hohen Stiefeln das Moor erkunden und gut erkennen, dass unter den Wiesen überall das Wasser steht und für das Gedeihen der speziellen Pflanzen sorgt.
Naturschutzgebiet Egelsee
Kurze Wanderung von Unterach am Attersee, beim Seegasthof Stadler in Stockwinkel, 2 km Länge, Höhenunterschied: 140 Meter, Dauer: ca. 1 Stunde Im Sommer Bademöglichkeit


GARTENFRAGEN
ZU MOOR, MOORBEET & CO.

Preiselbeeren im Rottalmoos.
Foto © Duke of W4/WikimediaCommons (CC-BY-SA 4.0)
Schachtelhalm an einem feuchten Waldstandort.
Foto © Alesya Miloslavskaya/Shutterstock.com


# livegartentipps
Ich habe jahrelang bei meinen Rhododendren die Samenstände ausgebrochen. Jetzt ist der Strauch aber gut drei Meter hoch und ich komme nur mit Leiter an die Blüten. Was soll ich tun?
Bei großen Pflanzen muss man nicht mehr ausbrechen, das verkraften die Rhododendren. Bei kleinen Gehölzen kann man durch die Maßnahme die Kraft in die neuen Triebe statt in die Samenbildung leiten. Wichtig ist aber in jedem Fall eine ausreichende Düngung.
Einige Äste meiner Rhododendren sind plötzlich welk geworden, obwohl es weder trocken war noch irgendwelche Schädlinge zu entdecken sind. Muss ich mit dem Absterben des ganzen Strauchs rechnen?
Ursachen können es viele sein, die wahrscheinlichste ist eine Pilzkrankheit. Daher sofort den Ast bis ins gesunde Holz zurückschneiden und das Werkzeug mit hochprozentigem Alkohol reinigen. Diese Phytophthora-Erreger können kurzfristig einen ganzen Strauch vernichten. Sie werden dann besonders aktiv, wenn die Bodenverhältnisse nicht passen – zu staunass und zu hoher Kalkgehalt.
Ich bekämpfe seit Jahren den Dickmaulrüssler mit Nematoden, dennoch sind immer wieder Blätter angebissen. Soll ich es einfach belassen oder muss ich trotz Bekämpfung damit leben?
Bekämpft werden mit den Nematoden die Larven im Boden (im Frühjahr und Herbst). Sie sind die wirklich gefährlichen Schädlinge, denn sie fressen die Wurzeln beim Stammansatz ab und können große Gehölze vernichten. Ausrotten kann man den Käfer nie, denn er fliegt immer wieder zu.
Meine Kamelien haben schöne Blätter, aber noch niemals Blütenknospen angesetzt. Was mache ich falsch?
Wahrscheinlich wird zu wenig gedüngt und der Standort im Sommer ist zu schattig. Halbschattige Plätze sind ideal; in der vollen Sonne gedeihen die Kamelien bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit auch, setzen dann aber zu viele Knospen an. Ab Dezember bei etwa 0–10 °C überwintern.
Ich habe den Fehler gemacht und in meinem kleinen Moor einen Schachtelhalm angepflanzt. Der wuchert nun alles zu. Gibt es da eine Lösung?
Leider nicht wirklich. Der besonders wüchsige Schachtelhalm vermehrt sich durch Ausläufer und kann nur durch konsequentes Ausreißen entfernt werden. Das gilt sowohl für diesen Sumpfschachtelhalm wie auch für den noch lästigeren Ackerschachtelhalm.
Ich hatte einmal an meinen Teichrand eine sogenannte Moorbirke gesetzt. Sie ist anfangs ganz gut gewachsen, aber dann plötzlich eingegangen. Der Rand ist mit Moorbeeterde und Kalkstein bedeckt.
Birken sind ansonsten nicht sehr anspruchsvoll, aber diese Art hat sich an die besonderen Standorte angepasst. Daher hat ihr weder die nährstoffreiche(re) Erde noch das Kalkgestein zugesagt. Moorbirken gehören einfach ins Moor und bleiben dort kompakt und klein.
Kann ich bei meinen Heidelbeeren, die schon viele gelbe Blätter haben, mit Moorbeeterde etwas retten oder muss ich nur kräftig düngen?
Bei beiden Maßnahmen muss man lange warten, bis wieder kräftiges Wachstum einsetzt. Wichtig ist bei der sogenannten Kulturheidelbeere, dass wirklich von Anfang an kalkfreies Substrat (Lauberdekompost oder torffreie Moorbeeterde) und ein spezieller Moorbeetdünger verwendet werden. Besser die Pflanzen ersetzen.
Meine Zimmerazaleen stehen im Sommer auf der Terrasse unter den Kübelpflanzen im Schatten. Doch mit den Jahren werden die Blätter immer gelber und nicht mehr so saftig grün. Was kann die Ursache sein?
Ganz klar: Düngermangel und das falsche Gießwasser. Daher: Sofort umtopfen und regelmäßig mit Rhododendron-Dünger versorgen. Ab September ist Ruhezeit, zu Weihnachten beginnt die Blüte.
Kann ich mit Schwefel den Boden sauer machen?
Ja, das geht. Er ist auch in vielen Moorbeetdüngern enthalten. Aber Vorsicht! Schwefel wird mit Wasser zur Schwefelsäure, die den Kalk neutralisiert, aber auch Wurzeln verbrennen kann.
Darf ich Rhododendren mit Hornspänen düngen? Oder ist da Kalk dabei?
Hornspäne sind genauso wie Schafwollpellets ein perfekter Dünger. Ausreichend verwenden, denn Moorbeetpflanzen (Rhododendren, Azaleen, Heidelbeeren) sind sehr hungrig.
Das Jahr
2002

Foto © Christoph Böhler
BLUMENWIESENLIEBE
MEIN VERGLEICH MACHT MICH SICHER
Blumenwiesen anzulegen gehört zu den schwierigsten und vor allem mühsamsten Arbeiten in einem Garten, denn die Pflanzen, die eine besonders schöne Blumenwiese ausmachen, mögen keine nährstoffreichen Böden. Meine zwei Blumenwiesen haben eine unterschiedliche Geschichte, die für beide im Jahr 2002 beginnt. Die sogenannte „vordere“ Wiese habe ich exakt nach Lehrbuch angelegt und den gesamten Humus entfernt. Bei der „hinteren“ Wiese ließ ich die ursprüngliche Bauernwiese durchwachsen. Bleiben wir bei der vorbildlich geplanten Wiese. Dort entfernte ich den Humus, aber – das war der Fehler – arbeitete keinen Sand ein. So war der sehr schwere, aber nun humusarme Lehmboden nicht wirklich geeignet, um den Wiesenkräutern die notwendige Basis für ein kräftiges Wachstum zu geben. Noch dazu griff ich beim Saatgut nach einem Standardprodukt, das zu viele Grassamen enthielt.
Zahlreiche einjährige Blumen gingen auf, machten aus der Wiese ein blaues Paradies aus Wegwarten, aber das war es dann auch schon. So kam in den Jahren danach das mühsame Ergänzen durch vielerlei Saatgut und vorgezogene Pflanzen. Schließlich entschloss ich mich, das – doch noch immer zu kräftigem Graswachstum neigende – Wiesenstück mit Blumenzwiebeln zu ergänzen. Narzissen der Sorte ‘Thalia’ und Zierlauch der Sorte ‘Globemaster’ machten aus dem Stück Garten ein Paradies.

© Batakua van D/Shutterstock.com
Die Narzissensorte ‘Thalia’.
Foto © Bildagentur Zoonar GmbH/Shutterstock.com

In einer natürlichen Blumenwiese blühen zwischen Gräsern mehrjährige Blütenpflanzen.
Foto © Manfred Ruckszio/Shutterstock.com

Allium giganteum ‘Globemaster’ in voller Blüte.
Foto © guentermanaus/Shutterstock.com

# tippfürdiegelassenheit
Tipp für die Gelassenheit
Heu wird zu Kompost
Im ersten Moment erschreckt man, wenn man die hochgewachsene Blumenwiese mäht: Wohin mit dem Schnittgut? Ob mit Sense oder Motorsense, die Menge bleibt beinahe gleich und schrumpft nach dem Abtrocknen deutlich. Dann kommt das Heu bei mir (mangels Haustieren) auf den Kompost. Der wird damit schön abgedeckt und vor der zu dieser Zeit meist sommerlichen Hitze vor dem Austrocknen geschützt. Innerhalb weniger Wochen reduziert sich das Schnittgut auf eine wenige Zentimeter dicke Schicht und bildet mit all den anderen organischen Stoffen eine hervorragende Basis für einen guten Humus.
ZWIEBELWAHNSINN TREIBT BLÜTEN
So wird die Wiese mit Blumenzwiebeln bestückt: In kleinen, quadratisch ausgestochenen Rasenziegeln setzt man je zehn Narzissen und drei Zierlauche. Am besten etwa 100 Mal!
Die Mühe lohnt sich. Zuerst erstrahlt über mehrere Wochen die Wiese in einem sanften „Narzissenweiß“, dann folgen gemeinsam mit Margeriten oder anderen Wiesenblumen die Zierlauche. Die Blütenwelt der Wiesenblumen ändert sich jährlich. Einmal sind es die Skabiosen, die dominieren, dann wieder die Glockenblumen.

Foto © Karl Ploberger
„Zweimal im Jahr mähen und immer das Schnittgut entfernen, magert den Boden nach und nach ab. Doch selbst nach zwanzig Jahren kann der Graswuchs immer noch stark sein. Mit dem schmarotzenden Klappertopf (Rhinanthus minor) lässt sich das Gras so schwächen, dass verstärkt Blütenkräuter durchkommen und den Traum einer richtigen Blumenwiese wahr werden lassen.“
SCHRITT FÜR SCHRITT ZUR BLUMENWIESE
Blumenwiesen sind gerade in den letzten Jahren zum großen Thema geworden. Insekten- und vor allem der Bienenschutz motivieren viele Gartenbesitzer, aber auch öffentliche Institutionen, anstelle einer pflegeaufwendigen Rasenfläche eine blühende Alternative anzulegen.
Geht man absolut richtig vor, heißt es zunächst die Erde abzumagern. Das kann durch das Aufbringen von großen Mengen an Kies und Sand erfolgen. Etwa 15 bis zu 20 cm sind nötig, um den mageren Boden aufzubauen. Davor sollte die Fläche gut durchgefräst und damit durchlässig gemacht werden. Die erste Partie Sand wird mit dem Mutterboden eingefräst, im oberen Bereich sollte aber am besten reiner Quarzsand sein, der nur mit einer ganz geringen Menge an Lehm vermengt wird. Und dann heißt es das richtige Saatgut zu wählen. Hier sind Fachbetriebe zu empfehlen, die einen Saatgutmix zusammenstellen, der für die Licht- und Feuchtigkeitsverhältnisse des Grundstücks passend ist.

# meingartenschatz
Mein Gartenschatz
MARGERITE (Leucanthemum vulgare)
Die Wucherblume, wie die Wiesen-Margerite auch genannt wird, „wächst wie Unkraut“! Kaum eine andere Pflanze spiegelt in meinem Garten so sehr die wiedererwachte Liebe zur Natur wider wie die Margerite.
Blüte: Weiße Korbblüten mit gelber Mitte, Juni bis Anfang Oktober, Bienen- und Schmetterlingspflanze
Blätter: Grundständige Blattrosette, daraus wachsen 50 cm bis 1 m hohe Stiele.
Kultur: Auf mageren Böden; kommt nur ein einziges Mal Stickstoff auf die Fläche, ist es mit der Blütenpracht für einige Zeit vorbei!
Besonderheit: Nach dem Mähen auf der Fläche gut abtrocknen lassen, dann sät sich die Pflanze schneller aus.
Verwendung: War es früher im Hausgarten undenkbar, Wiesenmargeriten im Rasen stehen zu lassen, so gehören heute die blühenden weißen Inseln im Frühsommer dazu.

Foto © Nella/Shutterstock.com
Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus).
Foto © simona pavan/Shutterstock.com

# weiseerkenntnis
Weise Erkenntnis
Klappertopf killt das Gras
Es war tatsächlich eine Gartenreise nach England, die mich auf diese an sich bekannte, aber weniger wegen ihrer „inneren Werte“ geschätzte Pflanze aufmerksam machte. Der Klappertopf (Rhinanthus, vor allem R. alectorolophus), bei Bauern verpönt, gilt als sogenannter Halbschmarotzer und entwickelt nur ein sehr schwaches Wurzelwerk. Damit hängt er sich aber an die Wurzeln der Gräser und anderer Pflanzen an und reduziert deren Wuchskraft so sehr, bis sie beinahe eingehen. Vor allem Wasser entzieht der Klappertopf den Wirtspflanzen, denn Fotosynthese betreibt er selbst. Dadurch wird in einer Blumenwiese das Graswachstum deutlich gebremst und die herrlichen Kräuter-Blumen-Wiesen entstehen. Bei Bauern, bei denen es um die Grasmenge geht, ist er freilich nicht beliebt.

# gartenirrümer
Gartenirrtümer
Blumenwiese im Handumdrehen
„Ich lasse einfach das Rasenmähen sein, dann wird daraus eine Blumenwiese.“ Diesen Satz höre ich oft und kann nur sagen: Denkste! Denn genau dort, wo der Rasen einmal gewachsen ist, wird kaum eine Kräuterwiese entstehen. Es sei denn, die Fläche wurde nie gedüngt und ist weniger ein Rasen als eine Ansammlung von Wildkräutern. Ansonsten heißt es: Zurück zum Anfang und den Boden abmagern.
EIN STÜCK PFLEGEINTENSIVER RASEN DARF SEIN
Bei aller Vorliebe für Blumenwiesen gehört in einen gestalteten Garten meist auch eine Rasenfläche. Der sogenannte „Englische Rasen“ kann bei einer Witterung mit hohen Sommertemperaturen nicht erzielt werden. Ein ganz kleines Stück aber, das mit Wasser versorgt wird, lässt sich zum britischen Stück Grün verwandeln. Dort wächst (ohne jegliche Chemie) dann dichter Rasen und verdrängt jegliches Unkraut. Denn das ist das eigentliche Geheimnis für einen schönen Rasen: qualitativ hochwertiges und sehr teures Saatgut zu kaufen, das bei ausreichender organischer Düngung eine dichte Matte bildet. Versorgt werden solche Rasenflächen mindestens drei Mal pro Jahr mit Dünger: im zeitigen Frühjahr, im Juni und im September/Oktober. Niemals sollte zu kurz, also auf Stufe IV (das sind etwa 4–5 cm), gemäht werden. Nur dann haben die Gräser die größte Kraft, um die gesamte Fläche dicht zu bewachsen.
GARTENREISEN

Fotos © Karl Ploberger





# therealplogardentour
Die berühmte englische Gartenkultur treibt die Royal Horticultural Society (RHS), die Königliche Gartenbaugesellschaft, stets zu neuer Blüte. Den besten Beweis für ihren grünen Daumen liefern die Engländer in Wisley Garden, einem riesigen Schaugarten unweit von London. Seit 30 Jahren bin ich Jahr für Jahr auf diesem fast 100 Hektar großen Gelände und entdecke immer Neues.
PILGERSTÄTTE ALLER KÖNIGLICHEN GÄRTNER
Wichtiger sind aber die vielen Schaubereiche der Anlage: Ob Rosengarten oder Staudenborder, ob Kamelien oder Rhododendren, Alpinum-Häuser oder die großartigen neuen Tropengewächshäuser – sie lassen genauso wenig Wünsche offen wie die endlosen Obstversuchsgärten, die Gemüseschaugärten oder die alljährlich wechselnden Pflanzversuche. Die Gartenfans kommen aber auch, um in Wisley die größte Gartenliteratursammlung der Welt zu besuchen oder in naher Zukunft das größte europäische „Centre for Horticultural Science and Learning“, das 2021 eröffnet wird.
Wisley Gardens, Woking, Surrey GU23 6QB
Täglich geöffnet: Mo bis Fr 10–18 Uhr
Sa, So und Feiertag 9–18 Uhr
Für RHS-Mitglieder gratis Eintritt


GARTENFRAGEN RUND UM RASEN & BLUMENWIESE

Die Magerwiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) ist eine mehrjährige, krautige Pflanze.
Wildblumenwiese mit Klatschmohn, Lichtnelken und Kornblumen.
Foto © Roman Malanchuk/Shutterstock.com

Foto © Valsheb/Shutterstock.com

# livegartentipps
Meine neu ausgesäte Blumenwiese war im ersten Jahr ein Traum. Blüten über Blüten ein ganzes Gartenjahr lang. Dieses Jahr ist aber nichts mehr da. Was ist passiert?
Sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit eine Blütenmischung gesät, die fast zur Gänze aus einjährigen Pflanzen besteht. Das ist an sich für nährstoffreiche Böden eine gute Alternative, allerdings muss man jährlich neu einsäen, zu Beginn gut wässern und Schnecken fernhalten.
Mein Rasen ist voller Moos! Eine Frage, die Sie wahrscheinlich schon öfter gehört haben – aber dennoch: Was tun?
Moos kommt immer dann im Rasen vor, wenn es zu wenig Sonnenlicht gibt, der Boden zu nährstoffarm ist und es zu Staunässe kommt.
Also entweder düngen und lockern, oder – weil zu schattig – ein schönes Schattenbeet mit Farnen & Co. anlegen.
Seit einigen Jahren wird unsere Gegend von einer Mai- und/oder Junikäferinvasion heimgesucht. Wir konnten den Rasen wegrollen, es gab keine Wurzeln mehr. Kann ich giftfrei vorbeugen?
Sehr schwierig, aber: Gegner Nummer eins ist der Maulwurf (auch kein immer gern gesehener Gast, so nützlich er ist). Dann tief vertikutieren, das vernichtet einige der Engerlinge, und kleine Rasenflächen mit Nematoden gegen Dickmaulrüssler behandeln (sind für Maikäferlarven nicht zugelassen, aber eine extra Zulassung für den „zusätzlichen Schädling“ würde zu viel Geld kosten, daher ist dies ein inoffizieller Tipp).
Kann ich meinen Rasen zur Blumenwiese machen, wenn ich ihn ganz kurz mähe, vertikutiere und dann Blumenwiesensamen ausstreue?
Ja, das ist eine oft vorgeschlagene Variante, aber sie wird nur zum Teil Erfolg bringen, denn das Erdreich ist meist zu nährstoffreich. Ist der Rasen aber ein Magerrasen gewesen, dann könnte es klappen.
Ich habe gesehen, dass manche Ökogärtner die Blumenwiese bis in den September stehen lassen und erst dann mähen. Ist das sinnvoll? Und was bringt es?
Solche Ein-Mahd-Wiesen sind immer dann sinnvoll, wenn es sich um sehr magere und trockene Standorte handelt. Die Kräuter säen sich bereitwillig in der Hitze des Sommers aus und keimen im Herbst. Niemals zu tief mähen. Am besten mit der Sense, das Schnittgut vor Ort abtrocknen lassen und mehrmals wenden.
Warum ist manches Rasensaatgut so billig und anderes wieder so teuer? Nur Nepp?
Nein, das ist der tatsächliche Qualitätsunterschied. Manche Gräser treiben rasch Blüten und bilden viele Samen – das sind die billigen Rasensorten. Andere setzen sehr wenig Samen an und sind zudem noch mit vielen unterschiedlichen Sorten gemischt. Das macht die Qualität aus.
Warum sollte ich organisch düngen und nicht wie bisher mit Blaukorn? Ich war eigentlich zufrieden, musste allerdings alle vier Wochen düngen.
Genau das ist das Problem! Mineralische Dünger werden rasch ausgewaschen und reduzieren das Bodenleben, daher muss ständig nachgedüngt werden. Organische Dünger dagegen „arbeiten“ mit dem Bodenleben zusammen und versorgen den Rasen wie auch alle anderen Pflanzen langfristig mit Nährstoffen. Dennoch dreimal pro Jahr düngen!
Sind Sie für oder gegen die Rasenroboter?
Schwierige Frage! Ich bin zwar der „faule Gärtner“, aber auch gegen die automatische Bewässerung, weil ich meine Pflanzen „besuchen“ will. Trotzdem ist automatisches Wässern und Mähen praktisch. Ob es tatsächlich viele tierische Opfer gibt, konnte ich bisher nicht verifizieren. Zweifellos sterben viel mehr Igel im Straßenverkehr. Aber Handmäher sind sicher ökologischer.
Wie oft gießen Sie den Rasen?
Im Prinzip gar nicht, denn ich habe einen Kräuterrasen. Aber wenn, dann alle drei, vier Tage intensiv (ca. 20–30 l/m2) und dann wieder Pause. Damit wurzeln die Gräser tief und sind hitzefest. Hängt aber stark vom Boden und den Temperaturen ab.
In Ihrer Blumenwiese waren so herrliche Rasenpfade ausgemäht. Wie kommt man zu denen?
Das ist ganz einfach! Hier wird vom Frühjahr an immer gemäht, so entstehen diese Wege, mit denen man die Blumenwiese hautnah erleben kann.
Das Jahr
2003

Foto © Christoph Böhler
DER HOF WIRD ZUM WINTERQUARTIER

Sternjasmin (Trachelospermum)
Foto © Torgonskaya Tatiana/Shutterstock.com
KÜBELPFLANZEN SIND MEINE GROSSE LEIDENSCHAFT
Der Traum vom Süden! Orangen, Zitronen, Oliven, aber auch Hanfpalmen oder die herrlichen Blüten der Kamelien. Wann immer ich im Urlaub in mediterrane Gärten kam, erwachte die Sehnsucht, diese Pflanzen auch bei mir zu ziehen.
Vor allem der duftende Sternjasmin (Trachelospermum jasminoides) hatte es mir bei meinen Reisen nach Venedig angetan. „Wenn der dort wächst, dann muss er doch wohl auch bei uns mit sehr wenig Überwinterungstemperatur überleben“, dachte ich mir.
Die ersten Jahre wanderte der immer größer werdende Stock noch gemeinsam mit den vielen anderen Pflanzen in den Keller. Bei knapp zwölf Grad und einer künstlichen Beleuchtung mit einer speziellen (grausigen) rosa-violettfarbigen Pflanzenleuchte stand er dort. Es ging ihm so lala. Die Pflanze überlebte zwar, hatte in den ersten Wochen im Frühjahr immer Mühe, wieder so schön zu werden, wie er beim Einräumen war.
So kam es 2003 zum Projekt „Hof überdachen und einigermaßen wetter- und winterfest machen“. Hier waren ideale Überwinterungsvoraussetzungen für einige der robusten Kübelpflanzen, die seither prächtig gedeihen. Allen voran geht es dem Sternjasmin (Trachelospermum jasminoides) ausgezeichnet, der nun schon seit dieser Zeit in ein und demselben Topf steht und jedes Jahr nur ein wenig Bodenaktivator und Dünger bekommt.

Foto © Christoph Böhler

Kamelien (Camellia japonica) blühen während der kalten Jahreszeit im Wintergarten.
Foto © Ole Schöner/Shutterstock.com

# weiseerkenntnis
Weise Erkenntnis
Kamelien sind Mimosen
Wenn hier von Mimosen die Rede ist, dann freilich nur bildlich. Aber die Kamelien (meist Camellia japonica) sind extrem anspruchsvoll, was Temperatur und Gießen betrifft. Den Sommer über halten sie praktisch alles aus, doch kaum zieht der Winter ins Land, darf es nicht zu warm sein, sonst werfen sie Blütenknospen und sogar Blätter ab. Wird dann auch noch das Gießen vergessen, ist es um die Pflanze fast schon geschehen. Gerade der Wurzelballen der Kamelien nimmt, wenn er einmal ausgetrocknet ist, kaum Wasser auf. In diesem Fall ist es besser, den Topf für einige Stunden in einen Eimer Regenwasser zu stellen, um die Erde wieder gut zu durchfeuchten.
GUT DURCH DEN WINTER
Der herrlich duftende, immergrüne Japanische Liguster (Ligustrum japonicum), der in vielen Gegenden frosthart ist, aber in manchen Regionen Österreichs wie im Salzkammergut wahrscheinlich nicht 100%ig überlebt, und der Klebsame (Pittosporum tobira) können in einem kühlen Überwinterungsraum gesichert überwintern. Der Klebsame ist wie der Japanische Liguster extrem robust, wird während der Wintermonate kaum gegossen und beginnt ab April im Freien mit kräftigem Wachstum. Jahr für Jahr können solche Pflanzen im Frühjahr und bei Platzmangel auch schon im Herbst kräftig zurückgeschnitten werden. Wichtig ist allerdings die Temperatur, speziell in einem absolut sonnenlosen Überwinterungsraum, der z. B. zwischen Haus und Garage liegt und nur durch ein einfaches Glasdach überdacht wird. Geheizt muss erst bei drohendem Dauerfrost werden.

Japanischer Liguster (Ligustrum japonicum)
Foto © Konstantinos Livadas/Shutterstock.com
KAMELIEN, EINE EMPFEHLUNG
Sie sind Vorfrühlingsblüher und haben es am liebsten kühl, sehr kühl. Temperaturen um die null Grad sorgen dafür, dass die „Japanischen Rosen“ (Camellia japonica) erst im Frühjahr im Garten blühen und nicht versteckt schon früher im Überwinterungsraum. Man kann sie Anfang März ausräumen, dann heißt es allerdings, die Pflanzen mit Vlies zu schützen, wenn Frost droht. Doch selbst wenn die eine oder andere aufgeblühte Blüte abgefroren ist, die Knospen überstehen die Kälte problemlos – bis minus 3 und 4 °C. Tiefer sollten die Werte nicht sinken, denn dann kann es für die gesamte Pflanze gefährlich werden, da sie vom Überwinterungsraum noch ein wenig verwöhnt ist.

# meingartenschatz
Mein Gartenschatz
HANFPALME (Trachycarpus fortunei)
Die Hanfpalme ist in den letzten Jahren zum großen Star unter den Exotikgärtnern geworden. Ich überwintere alle Palmen, die im Topf stehen, bei 0 °C im Hof bzw. im Gewächshaus.
Blätter: Mittelhohe Fächerpalme; Blattkrone aus 50 und mehr grünen Fächern
Kultur: Gegen starke Fröste mit Vlies schützen: So einpacken, dass kein direkter Kontakt zum Laub besteht, denn dort ist die Temperatur am niedrigsten und diese Blätter werden sonst durch die Kälte vernichtet.
Besonderheit: Für kurze Zeit übersteht die Hanfpalme ohne Schutz bis minus 15 °C. Mit entsprechendem Winterschutz kann sie im Weinbauklima im Freien bleiben.
Verwendung: Kübelpflanzen oder mit Winterschutz ausgepflanzt

Foto © Manfred Ruckszio/Shutterstock.com
© Foto: Totokzww/Shutterstock.com
„Einige Azaleen bleiben im Überwinterungshof und stehen dort als blühender Frühjahrsgruß im Hauseingang. Allerdings immer mit der Sorge, dass ein Frost die Pflanzen erwischen könnte. Meine Azaleen sind daher meist ‘Wanderpflanzen’. Einmal raus, einmal rein. Aber ihre ungetrübte Blütenpracht ist der Lohn für diese Mühe.“

# tippfürdiegelassenheit
Tipp für die Gelassenheit
Überwintern im Norden
Mit Überwintern „im Norden“ sind nicht nördliche Länder gemeint, sondern Überwinterungsräume, die sich an der Nordseite des Hauses befinden. Eigentlich müsste man richtigerweise sagen: an der sonnenabgewandten Seite, denn auch große immergrüne Bäume können ausreichend Sonnenschutz geben. Warum aber ohne Sonne? Sosehr die Sonne in normalen Gewächshäusern und Wintergärten für Gratiswärme sorgt, macht sie manchmal Probleme, weil es viel zu warm wird und die Pflanzen entweder zu früh austreiben oder von Schädlingen und Krankheiten befallen werden. Besonders gefährlich sind zu sonnige Wintergärten für Kamelien. Steigen die Temperaturen auf über 20 °C, muss sofort gelüftet werden, da andernfalls die Pflanzen absterben oder der Wärmeschub zumindest für die Blüten das Aus bedeuten.
BLÜTENRAUSCH MIT AZALEEN
Auch Zimmerazaleen stehen im Sommer im Topf im Halbschatten (neben den Kamelien) und werden dort mit Wasser und Dünger versorgt. Bis Mitte August. Dann beginnt wie für die Kamelien die Ruhezeit und ab November werden alle Pflanzen eingeräumt. Ganz langsam erscheinen im Winterquartier die Knospen, ehe die Pflanzen rund um die Weihnachtszeit, vor allem aber dann im Januar und Februar, herrlich zu blühen beginnen. In dieser Zeit dürfen die Azaleen für einige Tage ins Wohnhaus bzw. in eine Veranda, wo es nicht zu warm ist und die Pflanzen in ganzer Pracht voll erblühen.
The free sample has ended.