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Der Moment des Einschlags
von Karen Stivali
Aus dem Englischen von Elian Mayes
Impressum
© dead soft verlag, Mettingen
http://www.deadsoft.de
© the author
Titel der Originalausgabe: Moment of Impact
Übersetzung: Elian Mayes
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© theartofphoto – www.stock.adobe.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-411-7
Inhalt:
Für Collin Fitzpatrick ist die Welt außerhalb seiner Studentenbude ein gefährlicher Ort. Denn hinter dieser Tür denken seine Mitstudenten, er sei hetero, genauso wie das seine streng katholische Familie annimmt.
In seinen vier Wänden ist er sicher, zusammen mit seinem sexy Mitbewohner Tanner D’Amico. Der perfekte Ort, um sich zu verstecken und zu verlieben.
Doch während Collin fürchtet, dass ein Coming-out alles zerstören würde, möchte Tanner der Welt draußen gern zeigen, wie sehr er Collin liebt.
Widmung
Dieses Buch ist Karen Booth gewidmet, meiner großartigen Kritikpartnerin,
dafür, dass sie mich und meine Ideen immer unterstützt,
selbst dann, wenn ich sie für verrückt halte.
Kapitel eins
Ich hatte nicht vor, Tanner D’Amicos Schwanz zu sehen. Wirklich nicht. Als ich seinen Schlüssel in der Tür hörte, nahm ich an, er würde mit Wendy hereinkommen. Sie blieb montagabends immer, weil sie dienstags früh Unterricht im Gebäude direkt neben unserer Unterkunft hatte. Daher gab ich jeden Montag vor, bereits zu schlafen, und versuchte, zu überhören, wie die beiden vögelten. Nicht, dass das jemals funktioniert hätte. Je mehr er ihr zuflüsterte, sie sollte leise sein, umso mehr Geräusche machte sie. Was mich vermutlich nicht mal gestört hätte, wenn es mich nicht so eifersüchtig gemacht hätte.
Sobald die Schlüssel im Flur klimperten, schaltete ich die Nachttischlampe aus und legte mich aufs Bett. Da es früher als gewöhnlich war, war ich noch nicht unter der Decke und in meiner Eile landete ich auf dem Bauch, mit Blick auf Tanners Hälfte des Zimmers. Das war nicht der Plan gewesen. Auf meiner Seite, der Wand zugewandt, war die optimale Position – am einfachsten war es, die Augen zu schließen, mich auf etwas Zufälliges zu konzentrieren und zu versuchen, das Gehörte zu vergessen.
Das Licht aus dem Flur erfüllte den Raum für einige Sekunden, dann verblasste er wieder im Halbdunkel. Kein Raum, der auf den Innenhof gerichtet war, war nachts jemals völlig dunkel. Ich hielt meine Augen geschlossen und fragte mich, ob ich mit einem Herumrollen davonkommen würde, ohne zu verraten, dass ich noch wach war.
Tanner ließ das Licht aus. Sein Rucksack plumpste auf den Teppich. Seine Schuhe knallten gegen die Kommode, als er sie wegtrat. Kleidung raschelte und sein Rücken knackte, wie immer, wenn er sein Hemd auszog. Das Geräusch des Reißverschlusses ließ meine Schwanzwurzel kribbeln. Er ließ sich mit genügend Kraft auf sein Bett fallen, damit die Federn aus Protest stöhnten. Ich schloss meine Augen fester und dachte über meine Wirtschaftsprüfung nach. Das war genug, um jede Art von Ständer zu töten. Normalerweise.
Es funktionierte, bis ich merkte, dass ich kein einziges Geräusch von Wendy gehört hatte, und den Fehler machte, die Augen zu öffnen.
Wendy war nirgends in Sicht. Aber er war da. Sein Schwanz. Er zeigte an die Decke wie ein gottverdammter Pfeil. Zuerst dachte ich, es wäre Wunschdenken. In den sieben Monaten, in denen wir zusammenwohnten, hatte ich mehr Fantasien über Tanners Schwanz gehabt, als ich zählen konnte, und viele davon begannen damit, dass er flach auf dem Rücken lag und sein Schwanz gerade in der Luft zeigte. Genau wie jetzt. Mein Puls schoss in die Höhe. Mein Mund wurde trocken. Ich blinzelte etwa ein Dutzend Mal und dachte, wenn ich die Augen nur noch einmal öffnete, wäre das Bild verschwunden, ersetzt durch den unerwünschten Anblick von Wendy auf ihm. Aber dieses Mal war er allein und so sehr ich auch blinzelte, es änderte sich nichts.
Bis er begann, sich zu bewegen.
Heilige Mutter Gottes.
Ich wusste, ich sollte nicht zusehen. Irgendwie fühlte es sich nach einem noch größeren Eindringen in seine Privatsphäre an, nur ihm zuzusehen, als wenn ich ihn und Wendy gehört hätte.
Wirtschaft. Wirtschaft. Wirtschaft. O Gott, er fasst sich an.
Ich hätte nicht schneller hart werden können, wenn seine Hand meinen Schwanz statt seinen eigenen gewichst hätte. Nur wichste er nicht wirklich. Ich hatte mir immer vorgestellt, wie er mit der um seinen Schwanz geschlossenen Faust aussehen würde, aber das war nicht das, was er tat. Seine Hand war offen, seine Fingerspitzen glitten in völliger Stille an der Unterseite auf und ab. Jegliches Blut, das in dem Teil meines Gehirns zurückbleiben sollte, der mir sagte, ich sollte wegschauen, lief direkt in meine Leiste. Mein Magen zog sich zusammen, als ich mich in die Matratze drückte und verzweifelt versuchte, irgendeine Art von Reibung zu spüren.
Tanner bewegte sich, die Bezüge raschelten. Bitte verschwinde nicht unter die Decke. Ich schluckte heftig und hoffte, er könne nicht hören, wie sich der blockgroße Klumpen in meiner Kehle bewegte. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und strich langsam hinunter zur Schulter, über das Schlüsselbein und über die Brust. Währenddessen machte ich eine Bestandsaufnahme und wünschte mir, der Schein der Straßenlaternen würde den Raum ein wenig heller machen. Tanner drehte eine seiner Brustwarzen. Meine eigene kratzte mit jedem Atemzug an meinem T-Shirt. Scheiße! Mein Schwanz ragte nun über den Bund meiner Hose hinaus, sodass sowohl die Bettdecke als auch mein Bauch nass waren. Mich zu bewegen machte mir Angst, aber ich konnte nicht anders. Ich hob und senkte meine Hüften ein winzig kleines Stück und erstickte fast an dem Seufzer, den ich nicht herauslassen konnte.
Als seine Hand wieder bei seinem Schwanz ankam, war meiner bereit, zu explodieren. Jeder Muskel in meinem Unterkörper war angespannt, vorbereitet und bettelte um Erlösung. Komm nicht. Du darfst nicht kommen. Er wird dich hören. Du kannst nicht so leise sein, dass er dich nicht hört.
Nicht hinzusehen schien die beste Idee zu sein. Ich schloss meine Augen. Ganz fest. So fest, dass ich Farben statt Dunkelheit sah. Strudel von Blau und Violett tanzten hinter meinen Augenlidern und ich beobachtete jeden einzelnen in der Hoffnung auf Ablenkung.
Dann stöhnte er. Es war nicht laut oder so. Nur ein kleines Keuchen, wirklich. Nur das erotischste Geräusch, das ich je gehört hatte. Mein Schwanz hörte es auch und pochte in stiller Antwort. Zumindest hoffte ich, dass es still war. Mein Puls hämmerte an so vielen Stellen, dass es mich nicht überrascht hätte, wenn Tanner sich im Bett aufgesetzt und mir gesagt hätte, ich solle verdammt noch mal leise sein. Er schien zu beschäftigt zu sein, um es zu bemerken. In der Sekunde, in der ich meine Augen öffnete, zoomte mein Blick geradewegs zurück zu seinem Schwanz. Er hatte angefangen, ihn zu wichsen. Zwei Finger oder vielleicht drei, die immer noch die Unterseite massierten, sich aber auf den besonderen Punkt direkt unter der Eichel konzentrierten. Als ich mich bewegte, war das derselbe Fleck, der an meiner jetzt nassen Bettdecke hin und her rutschte. Ich hätte alles dafür gegeben, das Gefühl einer feuchten Baumwoll-Polyester-Mischung gegen die Berührung seiner Fingerspitzen einzutauschen.
Seine Hüften neigten sich und sein Oberschenkel bog sich zur Seite. Scheiße! Er kam näher. Meine Augen klebten an ihm. Sein Nacken wölbte sich, als er den Kopf zurückwarf, sein dunkles Haar legte sich über den bleichen Kissenbezug. Die Rillen seiner gebräunten Bauchmuskeln traten hervor, als sich seine Hand schneller bewegte. Die Geräuschlosigkeit erstaunte mich. Hatte er das schon einmal getan, in völliger Stille, während ich hier lag? Hatte ich es einfach verpasst? Ich hätte jede Nacht zugesehen, wenn ich gewusst hätte, dass es die Möglichkeit gab.
Hitze erfüllte mein Gesicht. Verdammter Voyeur. Er will nicht, dass du zuschaust. Er denkt, du schläfst. Die Scham durchströmte mich, mein Magen drehte sich um. Das hielt mich nicht davon ab, zuzusehen. Diese Finger hoch und runter, hoch und runter, die bei jeder dritten Bewegung über die Eichel strichen. Er sog einen sanften Atemzug ein. Das ist es. O Gott. Er kommt.
Meine Eier zogen so fest nach oben, als würden sie in meinem Körper verschwinden. Ich drückte meine Beine zusammen und versuchte, still zu halten. Ich zitterte vor Verlangen, mich zu bewegen, etwas gegen die unmögliche Härte zu unternehmen, die meine Gedanken verzehrte.
Tanners Hüften ruckten von der Matratze, sein Kopf hob sich vom Kissen und schließlich nahm er seinen Schwanz in die Faust, wurde härter und schneller. Mit drei Schlussbewegungen, die mir wie die wichtigsten Bewegungen erschienen, die ich je erlebt hatte, kam er. Ich sah den ersten Schuss nicht, aber ich hörte, wie er gegen das Poster klatschte, das hinter seinem Bett hing. Fuck. Die nächsten beiden spritzten über seine Brust. Er pumpte weiter, weiße Streifen überzogen ihn. Vier. Fünf. Sechs.
Meine Hüften bewegten sich wie von selbst und rieben meinen Schwanz am Bettlaken. Scheiße! Ich muss aufhören, sonst komme ich. Ich komme und schreie, dann weiß er Bescheid. Ich presste die Bettdecke so fest zusammen, dass meine Hände schmerzten, und versuchte, den Anschein von Kontrolle zu bewahren, aber ich konnte mich immer noch nicht dazu zwingen, von Tanner wegzusehen. Perfekt. Wunderschön. Friedlich. Bewegungslos bis auf das sanfte Auf und Ab seiner Brust. Ich fragte mich, ob er vielleicht eingeschlafen war.
Dann drehte er sich zu mir um und öffnete seine Augen.
Kapitel zwei
Ich erstarrte, was mir angemessen vorkam, da mein Körper von Kopf bis Fuß kalt geworden war. Er kann mich gerade nicht wirklich anschauen. Seine Augen sind wahrscheinlich nicht an die Dunkelheit gewöhnt. Ich wette, nach diesem Orgasmus kann er sich nicht einmal mehr konzentrieren. Mein Herz klopfte so hart und schnell gegen das Bett, dass ich dachte, ich müsste mich übergeben.
Tanner neigte den Kopf und seine Augen blitzten im Licht, das durch das Fenster drang. Er griff nach dem T-Shirt an der Bettkante und wischte sich Brust und Schwanz ab, dann wischte er über das Poster.
Er warf das T-Shirt auf den Boden und stützte sich auf den Ellbogen. »Bist du schon gekommen?«
Hätte sich das Bett öffnen und mich ganz verschlucken können, wäre ich verzückt gewesen. Scheiße, verdammt. Er wusste, dass ich wach war. Er wusste, dass ich ihn beobachtet hatte. Er wusste, dass ich kurz davor war zu kommen, nur weil ich ihn ansah. Die Erniedrigung brannte so sehr in mir, es hätte mich nicht überrascht, wenn der ganze Raum in Flammen aufgegangen wäre. Dann traf mich die Erkenntnis – er hatte nicht aufgehört. Er hatte sich einen runtergeholt, obwohl er wusste, dass er Publikum hatte. Eine Audienz mit einem sehr begeisterten Mitglied. Mir.
Tanner atmete tief ein, atmete langsam aus und starrte mich durch das Halbdunkel weiter an. »Ich weiß, dass du wach bist, Collin. Ich hab gesehen, wie du das Bett gevögelt hast. Es ist okay.«
Okay? Welcher Teil davon ist für ihn okay? Der Teil, in dem ich spontan verbrenne, oder der Teil, in dem ich vor Scham sterbe und in einem extra hohen Sarg begraben werden muss, weil ich meine Erektion nicht zum Abklingen bringen kann, egal wie viele Balkendiagramme mir in den Sinn kommen? Ich öffnete meinen Mund, aber es kamen keine Worte heraus. Ich drückte meine Stirn in das Kissen, in der Hoffnung, irgendwie aufzuwachen und festzustellen, dass das alles ein seltsamer Traum gewesen war, ausgelöst durch zu viel Pizza zu später Stunde und nicht genug Sex zu jeder Zeit.
Tanners Bett quietschte und seine Füße kamen auf dem Boden auf. »Mann. Du musst etwas sagen. Allmählich verlier ich die Nerven.«
Allmählich? Es gab kein Wort, um zu beschreiben, wie sehr ich gerade die Nerven verlor. »Es tut mir leid.«
»Was tut dir leid?« Er klang nicht wütend oder verärgert, nur neugierig.
Mein Kiefer schmerzte, weil ich ihn so fest zusammendrückte. »Es tut mir alles leid. Ich hätte irgendein Geräusch von mir geben sollen, damit du weißt, dass ich wach bin, oder den Raum verlassen oder so.«
Tanner fuhr sich mit der Hand durch die Haare, wischte es aus seiner Stirn. Es fiel dorthin zurück, sobald er losließ. Hat er gerade geschmunzelt?
»Ich wusste, dass du wach bist.«
Meine Augen wurden groß. »Wie das?«
»Zum einen ist es gerade mal halb elf. Du gehst niemals vor Mitternacht schlafen, nicht mal an den Tagen, an denen Wendy hierbleibt. Und wo wir gerade dabei sind: Ich weiß, dass du auch sonst normalerweise nicht schläfst, wenn sie hier ist.«
Scheiße.
»Zum anderen hab ich das Licht in unserem Zimmer brennen sehen, als ich über den Hof gegangen bin. Also hast du es wohl ausgemacht, als du mich gehört hast.«
Verdammt. Hätte ich noch offensichtlicher sein können? Ich schloss meine Augen wieder und wünschte, die Farben würden zurückkommen, sodass ich nichts anderes sehen oder fühlen konnte als meine eigene Dummheit.
»Mir war nur nicht ganz klar, wieso du meiner Seite des Zimmers zugewandt warst. Du hattest dich sonst immer an die Wand gequetscht, wenn du vorgegeben hast zu schlafen, also dachte ich …« Tanner machte eine Pause und strich sich das Haar noch einmal auf dem Gesicht. »Ich weiß nicht. Ich dachte, du willst diesmal vielleicht zusehen. Also hab ich’s drauf angelegt.«
Drauf angelegt? »Wolltest du, dass ich zusehe?«
»Wenn es dich anmachen würde, ja.« Er sah auf den Boden, dann wieder zu mir. »Hat es?«
Meine Hände und Füße kribbelten. »Ja.«
Seine Lippen kräuselten sich zu einem schiefen Lächeln. Er studierte mich eine Sekunde länger, stand auf, überbrückte die knapp zwei Meter, die unsere Betten trennten, und setzte sich auf den Rand meines Bettes. Er war immer noch nackt, sein Körper war straff bemuskelt, aber schlank, sein Schwanz immer noch lang und dick.
Kein Teil von uns berührte sich, aber die Wärme strahlte von ihm ab. »Das hat auch mich angemacht. Sehr sogar.«
Er musste zu diesem Zeitpunkt in der Lage gewesen sein, mein Herz zu hören. Ich jedenfalls konnte nichts anderes hören. Es trommelte in meinen Ohren wie der Bass in einem Tanzclub, unmöglich, es zu ignorieren. Konzentrier dich. Das ist lächerlich. Er sagt nicht wirklich, was du hörst. »Ich dachte, du wärst hetero.«
»Bi.« Er kam näher zur Kopfseite des Bettes. »Ich dachte, du wärst hetero.«
»Nicht ganz.« Meine Wangen brannten wieder, zum Teil aus Verlegenheit und zum Teil, weil meine Temperatur alarmierend schnell anstieg, wenn ich ihn so nah bei mir hatte.
Seine dunklen Augen wurden schmal. »Was genau dann? Ich weiß, dass du mit Frauen zusammen warst.«
»Zwei Frauen. Und sagen wir einfach, keine von beiden war die Art von Erfahrung, wegen der jemand nach Hause rennt, um in sein Tagebuch zu schreiben.«
Er gluckste. Das Geräusch vibrierte durch mich hindurch und machte mir noch bewusster, wie steinhart mein Schwanz immer noch war. »Und Jungs?«
»Nein.« Ich antwortete lauter, als ich beabsichtigt hatte. »Ich meine, noch nicht. Ich meine … ich dachte nicht, dass ich das wollte.«
»Oh, okay.« Tanner stemmte seinen Arm auf das Bett, um aufzustehen.
Vermassel das nicht. Nicht jetzt. Nicht, wenn er hier ist. So nah dran. So … Ich zwang mich zur Bewegung, streckte die Hand aus und klammerte mich an seine Schulter. Seine Haut war glatt und warm. Ich drückte meine Finger mit genügend Kraft in sein Fleisch, sodass er zusammenzuckte. Sein Blick huschte zu meinen Augen, wachsam.
Ich schluckte schwer und zwang mich, Augenkontakt zu halten. »Ich dachte nicht, dass ich das wollte, bis ich dich traf.«
Tanners Blick raste zwischen meiner Hand, die immer noch seine Schulter umklammerte, und meinen Augen hin und her, die sich anfühlten, als würden sie sich gleich aus meinem Schädel wölben. Ich konnte nicht blinzeln. Ich konnte nicht atmen. Konnte nicht denken. Tu etwas. Sag etwas.
Dann krachte sein Mund gegen meinen.
Ich küsste gern. Das habe ich immer getan. Auch wenn ich auf keines der Mädchen, mit denen ich zusammen gewesen war, super stand, war das Küssen das Einzige, was mir immer noch Spaß machte. Warme Münder, feuchte Zungen, sich zusammen bewegen. Es fühlte sich gut an. Ich dachte ernsthaft, ich hätte in meinem Leben schon einmal gut geküsst.
Ich hatte mich geirrt. Tanners Mund auf meinem bewies mir für eine verdammte Sekunde, dass das, was ich vorher getan hatte, vielleicht wie Küssen aussah, sich vielleicht wie Küssen anfühlte, aber wie die tiefgekühlte Pizza-Version des Küssens war. Nichts war so wie die echte Sache.
Nicht so wie das hier.
Seine Zunge glitt in meinen Mund, heiß und samtig. Seine Hand umfasste meinen Nacken und zerrte mich aufrecht. Alles löste sich auf. Verschwand. Die ganze Welt war dieser eine Kuss. Ich hätte darin ertrinken und glücklich sterben können.
Tanner zog sich zurück, atmete schwer und lehnte seine Stirn an meine. Der Raum drehte sich wie ein Karussell.
»Geht es dir gut?« Seine Stimme klang tiefer als sonst. Tief und heiser. Ich nickte zitternd und er neigte den Kopf nach hinten, um mich anzusehen.
»Bist du sicher?«
»Ja.« Mein Herz schlug doppelt so schnell, weil er immer noch seine Hände auf mir hatte. Und er war immer noch nackt. Und ich war wahrscheinlich härter als je zuvor in meinem ganzen Leben. Mein Gott.
»Wir können aufhören.«
»Nein.« Das war nicht das, was ich wollte. Ganz und gar nicht. »Ich wollte nur … Ich meine … wir sind Mitbewohner. Was ist, wenn das nicht klappt?«
Tanners Lippen verzogen sich zu einem Grinsen, so sexy, dass sich mein Gehirn in Haferbrei verwandelte. Er rieb mir den Nacken. »Also, ein Kuss und du denkst schon daran, was passiert, wenn wir uns trennen?«
Ich schüttelte den Kopf. »Ich weiß es nicht.«
»Lass uns sehen, wie wir uns nach einem weiteren Kuss fühlen.« Sein Gesicht bewegte sich wie in Zeitlupe auf meines zu. Mir lief das Wasser im Mund zusammen und ich zitterte. Hätte es noch länger gedauert, wäre ich wohl ohnmächtig geworden, verdammt. Er verharrte einen Atemzug von meinen Lippen entfernt und ich konnte nicht länger warten. Ich presste meinen Mund mit genug Kraft gegen seinen, dass er fast das Gleichgewicht verlor.
Ich hatte mir immer vorgestellt, sein dickes, dunkles Haar würde sich rau anfühlen, aber das tat es nicht. Es war wie Seide … Kaninchenfell. Ich fuhr mit den Fingern durch die Strähnen und strich immer wieder darüber. Ich konnte nicht genug bekommen von der Weichheit, vom Duft seines Shampoos – irgendwas mit Kokosnuss-Limone, das mich an den Strand denken ließ.
Je näher er mich zog, desto näher wollte ich ihm kommen. Er hielt meinen Nacken so fest, dass ich ziemlich sicher war, ich würde blaue Flecken haben. Mir war das egal. Es fühlte sich zu gut an, als dass es mich interessierte. Ich hatte mich noch nie von jemandem so gewollt gefühlt. Ich schloss meine Faust um sein Haar und versuchte, mich zu beruhigen. Meine andere Hand zitterte, aber ich musste ihn berühren.
Sie landete auf seiner Brust. Fest. Kräftig. Warme, glatte Haut, die über die Muskeln gespannt war. Ich streifte seine Brustwarze und er stöhnte, tief in seinem Hals. Verdammt sexy. Ich spürte die Vibrationen in meinem Mund und musste daran denken, weiter zu atmen. Es wäre so einfach gewesen, es nicht zu tun. Ihn einfach weiter zu küssen, bis ich ohnmächtig wurde oder starb.
Tanner riss sich wieder los, diesmal atmete er schwer. Seine Stirn blieb an meine gelehnt, sein Atem war warm und schnell auf meinen Lippen. Er zerrte an meinem Hemd, und ich griff hinter mich, riss es von mir und warf es zu Boden.
Ich zitterte, aber es hatte nichts mit Kälte zu tun. Tanner fuhr mir mit der Hand über die Brust. Meine Bauchmuskeln wurden so fest, dass sie sich fast verkrampften. Meine Hüften wölbten sich von selbst auf und die Spitze meines Schwanzes stieß gegen sein Handgelenk. Fast wäre ich sofort gekommen. Nur von diesem kleinen bisschen Kontakt. Er schlang seine Hand um mich und streichelte den ganzen Weg nach unten, langsam und bedächtig, wobei er gerade so viel Druck auf die Wurzel ausübte, dass ich mich konzentrieren konnte. Als ich meine Augen schloss, zwang ich mich, zu atmen. Komm nicht. Noch nicht. All die Male, bei denen ich mir gewünscht hatte, es würde so sein, tobten wie ein Sturm erotischer Bilder durch meinen Kopf. Ein Pornado der Fantasie. Und nicht ein einziges Mal beinhaltete diese Fantasie, dass ich meine Ladung nach einer einzigen Berührung verspritzte.
Tanner ging mit seinem Daumen zögernd an meinem Schwanz vorbei und schickte mein Blut geradewegs zurück zum Siedepunkt. »Mein Gott, bist du hart.«
Ich hatte seine Stimme noch nie so dunkel gehört. Tief und heiser. Als ob ich etwas bräuchte, das mich noch mehr erregte, als ich bereits war. Ich versuchte, mir etwas auszudenken, um darauf zu antworten, aber bevor mein Gehirn in Gang kommen konnte, war Tanners Mund wieder auf meinem und Gedanken waren nicht einmal eine Möglichkeit. Zunge. Das war das einzige Wort, an das ich mich erinnern konnte, und selbst dieses Wort verschwamm, als sich seine um meine drehte.
Er zerrte an meiner Hose, und ich half, sie so weit über meine Beine zu schieben, dass ich sie wegtreten konnte. Ich erinnere mich nicht daran, mich hingelegt zu haben, aber ich musste mich hingelegt haben, denn die kühlen Laken knitterten unter meinem Rücken, als mich Tanners Körper gegen das Bett drückte. Die Geräusche schienen gemischt zu sein – pochende Herzen, krächzende Atemzüge, Tanners leises Stöhnen. Bei jeder Bewegung antwortete klebrige Nässe. Irgendwo unter all dem hielt das schwache Quietschen des Bettes den Takt mit uns.
Tanner erhob seinen Schwanz neben meinen und drückte sich in meinen Bauch, als ich mich gegen ihn wölbte. Harte Oberschenkel umklammerten meine Hüften und er rollte uns auf die Seite, immer noch drängend.
»Scheiße, Collin. Du fühlst dich so verdammt gut an.« Sein Mund bewegte sich zu meinem Nacken, als seine Hand zwischen uns glitt und sich um uns beide schlang. Unsere Schwänze rieben aneinander, umgeben von der Wärme seiner Hand. Auf und ab und auf und ab, all die Wärme, die hin und her glitt. Seine Zähne streiften meine Kehle.
Ich wollte ihn berühren. Wollte ihn küssen. Wollte alles tun, aber ich war in den Empfindungen verloren. Mein Atem strömte in riesigen, wortlosen Zügen heraus. Ich legte meinen Kopf gegen das Kissen und kämpfte um Luft oder Kontrolle oder alles, was ich finden konnte, aber da war nichts. Nichts außer Tanners Schwanz, Mund und Hand.
Zu kommen war keine Option – es war ein Zwang. Ein Bedürfnis. Ich versuchte, mich zurückzuhalten, aber der Druck war zu groß. Ich kroch über den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab, wollte nicht einmal zurückblicken und sehnte mich nach Befreiung. Der erste Schuss pulsierte so hart und schnell aus mir heraus, dass ich nicht einmal sicher war, ob es wirklich passiert war, ehe das Gefühl über mir zusammenbrach. Wellen des Vergnügens warfen mich zur Seite und rissen mich um, als der Rest aus mir herausschoss.
Heiße, dicke Salven überzogen meine Brust und liefen mir die Rippen hinunter, während Tanner weiter pumpte. Mein Kopf zuckte beim letzten Ausbruch und ich erhaschte einen ersten Blick auf das Geschehen. Tanners dunkles Haar schwang tief über sein Gesicht. Er schaute zu. Er hatte mich kommen sehen. Er sah zu, wie sich unsere Schwänze zusammen bewegten, während er sie streichelte. Er öffnete seine Hand für eine Sekunde, ließ meinen Schwanz frei gleiten, als er seinen eigenen ergriff, erhöhte die Geschwindigkeit und stieß in seine Faust.
Das Stöhnen, das aus ihm flutete, ließ meine Eier wieder krampfen.
»Scheiße«, flüsterte er und warf mir einen Blick zu, der so voller Lust und Verzweiflung war, dass ich seinen Kopf packte und ihn zu mir zog.
Mein Mund prallte gegen seinen und ich fühlte, wie sein Körper sich anspannte, als der erste Schuss aus ihm herausbrach. Ich küsste ihn hart und schluckte sein Stöhnen hinunter, als er sich über uns ergoss. Die Spannung ließ von ihm ab und er lehnte sich in den Kuss hinein, die Zunge tiefer in meinem Mund, die Spirale wurde langsamer. Er löste sich einmal, zweimal, aber jedes Mal kam er zurück, wie wenn man satt war, aber noch einen Bissen wollte, weil das Essen so verdammt gut war. Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich Nahrung sein. Ich wollte ein gottverdammtes Buffet sein.
Und ich wollte, dass er mich verschlang.
Kapitel drei
Tanner rollte sich auf den Rücken und ich wurde mir dieser Realität bewusst. Scheiße. Was ist gerade passiert? Ohne die Wärme von Tanners Körper, der sich gegen mich presste, konnte ich spüren, wie die kühle Raumluft das Sperma auf meiner Brust trocknete. Mein Sperma. Sein Sperma. Das Gefühl der Glückseligkeit wich etwas, das sich viel mehr wie … Panik anfühlte.
»Scheiße«, sagte Tanner und schob sich auf seinen Ellenbogen. »Gut, dass morgen Waschtag ist. Wir haben dein Bett ziemlich gut hinbekommen.«
Er macht sich Sorgen um meine Laken? Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber mir fehlten die Worte. Zumindest welche, die für mich einen Sinn ergaben. Nichts ergab einen Sinn.
Tanner lehnte sich über mich und packte meine Shorts, wischte über seine und dann über meine Bauchmuskeln. Ich verkrampfte mich, als er mich berührte.
»Geht’s dir gut?«
»Ja.« Ich war mir nicht sicher, ob ich das glaubte, und ich schätzte, ich hatte es auch nicht besonders gut verkauft, denn seine Hand wurde ruhig, bevor er die Shorts auf den Boden warf und sich aufsetzte. »Und dir?«
Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und ließ seinen Rücken knacken. Ich hatte eine Scheißangst, dass er Nein sagen würde. Oder schlimmer noch, nichts sagen, auf seine Seite des Raumes zurückzugehen und so zu tun würde, als wäre das alles gar nicht passiert.
»Eigentlich«, sagte er und mein Herz erstarrte, »bin ich verdammt hungrig. Haben wir etwas zu essen?«
Ernsthaft? Was zu essen? Ich konnte mich immer noch nicht bewegen, aber ich konnte nicken. »Im Kühlschrank ist ein Hühnchen-Parmesan-Sandwich.«
»Wirklich?«
»Ja. Ein Mädel hat eins ohne Käse bestellt, aber sie haben es mit Käse gemacht, also wollte sie es nicht.«
»Was ist der Sinn eines Hähnchen-Parmesan-Sandwiches ohne Käse?«
Tanner kletterte über mich und ging zum Mikrowellen-Kühlschrank in der Ecke unseres Zimmers. Immer noch nackt. Mein Gott. Ich auch. Soll ich mich anziehen? Soll ich darauf warten, dass er sich anzieht? Er zog das Sandwich aus dem Kühlschrank und legte es auf den Schreibtisch.
»Willst du die Hälfte?«
»Nein, danke.«
Die Folie zerknitterte, als er es auspackte. Er nahm einen Bissen und stöhnte. Mein Schwanz nickte zustimmend, als er das Geräusch erkannte. Gott.
»Bist du sicher, dass du die andere Hälfte nicht willst? Das ist verdammt lecker.«
»Ich habe bei der Arbeit gegessen.« Und ich kann im Moment kaum meine eigene Spucke schlucken, geschweige denn etwas essen.
»Du hast so verdammt viel Glück. Im Buchladen gibt es nie etwas zu essen, es sei denn, die Managerin bringt Muffins mit. Und sie backt nicht sehr gut. Ich hätte mich bei Gino’s bewerben sollen, als du es getan hast.«
»Ich glaube, ein paar Leute werden bald gehen. Ich lasse dich wissen, ob sie neue Leute einstellen.« Ein kurzer Gedanke an Tanner, der mich bei Gino’s an die Wand drängte – seine Zunge in meinem Mund, seine Hände, die meine Hose öffneten – raste durch meinen Kopf, und ich zitterte von Kopf bis Fuß. Das würde nie passieren. Das hinderte mich jedoch nicht daran, das Bild noch einmal abzuspielen.
»Cool.« Er hatte bereits das halbe Sandwich fertig. »Letzte Chance.« Er hielt die andere Hälfte in meine Richtung.
Ich schüttelte den Kopf.
»Dein Verlust.«
Mein Arm begann einzuschlafen, also bewegte ich mich. In der Sekunde, in der ich das tat, fühlte ich die kalte nasse Stelle auf dem Bett. »Äh …«
»Ja, das tut mir leid. Ich habe eine zusätzliche Decke, wenn du willst.«
»Ist schon okay.« Ich setzte mich auf und wusste immer noch nicht, was zum Teufel ich tun oder sagen sollte. Der dunkle Fleck in der Mitte meines Bettes starrte mich an, und Wärme prickelte durch mich hindurch, als ich mich daran erinnerte, wie er dorthin gekommen war. Ich zog die Decken herunter, knüllte sie zu einer Kugel und steckte sie zusammen mit den durchnässten Shorts am Fußende des Bettes in meinen Wäschesack. »Ich muss nur sicherstellen, die Wäsche zu waschen, bevor meine Mutter morgen vorbeikommt.«
»Deine Mutter kommt?«
Mir drehte sich der Magen um bei dem Gedanken. Was, wenn sie es weiß? Was ist, wenn sie das Zimmer betritt und es in der Sekunde weiß, in der sie mich ansieht? Ich durchsuchte meine unterste Schublade nach einem weiteren Paar Shorts. Ich fühlte mich nicht weniger nackt, nachdem ich sie angezogen hatte.
Tanner zerknüllte die Folie und warf sie in den Mülleimer neben dem Kühlschrank. »Du fängst wieder an, mir Angst zu machen. Bist du sicher, dass es dir gut geht?«
»Ich weiß es nicht.« Die Worte verließen meinen Mund, bevor ich sie stoppen konnte, und dann hingen sie da, in der Luft zwischen uns.
»Okay.«
Tanner stand auf, und mein Herz schlug wie wild in meiner Kehle. Er war einen Meter von mir entfernt. Hätte ich einen Schritt nach vorne gemacht und die Hand ausgestreckt, hätte ich ihn berühren können. Ich wollte ihn berühren. Er machte einen Schritt zurück und die Enttäuschung überspülte mich wie eine kalte Welle. Er riss eine Hose von der Lehne seines Schreibtischstuhls und zog sie an, ehe er den Kühlschrank wieder öffnete.
»Willst du was trinken?«
»Snapple?«
Er reichte mir einen Eistee und meine Hand zitterte, als ich sie ihm abnahm. Das Zischen des Deckels ließ mich aufspringen. Beruhig dich. Ich zwang mich, einen Schluck zu nehmen, und konzentrierte mich auf den süßen, würzigen Geschmack. Bis zu diesem ersten Schluck hatte ich nicht bemerkt, wie durstig ich war. Die Flasche war halb leer, als ich mit dem Trinken aufhörte.
Tanner saß auf der Bettkante und pulte am Plastiketikett seiner Colaflasche herum. Er hob sie an seine Lippen, nahm einen Schluck, und – Gott steh mir bei – alles, woran ich denken konnte, war sein Mund. Auf meinem. Auf allem. Mein Schwanz teilte meine Gedanken. Mein Gott. Ich bekam wieder einen Ständer. Weil ich meinem Mitbewohner beim Trinken einer verdammten Limo zusah. Ich setzte mich auf mein Bett. Die Laken fühlten sich an meinen Beinen kühl an, und ich versuchte, mich darauf zu konzentrieren.
»Also, warum kommt deine Mutter vorbei?«
Ich konnte sehen, dass Tanner versuchte, seine Stimme so normal wie möglich klingen zu lassen, aber sie klang anders. Besorgt? Oder vielleicht lag das nur an mir. Vielleicht hatte er schon vergessen, was wir getan hatten.
»Sie bringt meinen Anzug vorbei. Die Erstkommunion meiner Nichte ist dieses Wochenende.«
»Oh. Cool.«
»Du warst noch nie bei der Erstkommunion, oder?«
Tanner schüttelte den Kopf und nahm noch einen Schluck Cola. »Nein. Aber ich nehme an, das ist die Art von Sache, bei der es danach Essen gibt, oder?«
»Gott, ist das alles, woran du jemals denkst?«
Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und sie fielen ihm ins Gesicht zurück. »Nein. Manchmal denke ich an Sex.«
Das Lachen entkam mir schnaubend und wich schnell einem ausgewachsenen Gekicher, als ich merkte, dass auch Tanner lachte. Das Geräusch erfüllte den Raum und hob all die Schwere an, die mich erdrückte, seit Tanner mein Bett verlassen hatte.
Tanner fiel auf seine Matratze zurück, rieb sich an der Seite, aber lachte immer noch. »O Mann.«
Alles, woran ich jetzt denken konnte, war, wie sich seine Hand über seine Bauchmuskeln bewegte.
»Tut mir leid.« Ich war mir nicht sicher, wofür ich mich entschuldigen sollte, aber ich war mir sicher, da müsste etwas sein.
Tanner gab ein Geräusch zwischen Kichern und Stöhnen von sich. »Bist du deshalb ausgeflippt? Die Sache mit dem Katholisch-Sein?«
»Ja.« Darüber hatte ich eigentlich nicht nachgedacht, aber jetzt, da er es erwähnte, war die Antwort offensichtlich. »Ich meine, ich denke, das ist ein Teil davon.«
»Was ist der andere Teil?«
Ich versuchte verzweifelt, aus seiner Stimme zu lesen. Es klang genau wie eben, als er mich gefragt hatte, ob ich gekommen war, nachdem ich ihm beim Wichsen zugesehen hatte. Nicht wütend … neugierig. »Es ist … ich meine … ich weiß nicht. Es hängt irgendwie alles zusammen. Meine Familie ist so was wie das Gegenteil von deiner.«
Tanner kicherte wieder. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass das in vielerlei Hinsicht eine gute Sache ist. Meine Familie ist ziemlich verkorkst. Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, war mein Vater mit einer Tussi zusammen, die etwa in meinem Alter ist. Und meine Mutter lässt einen Guru-Typen ihre Teeblätter lesen oder so einen Scheiß, damit sie entscheiden kann, wie ihr nächster Lebensweg aussehen soll.«
Er deutete bei dem Wort »Lebensweg« Anführungszeichen an und rollte mit den Augen.
»Okay«, sagte ich. »Auf eine andere Art abgefuckt. Trotzdem glaube ich nicht, dass einer von beiden dich für … irgendwas verleugnen wird.«
Tanner stützte sich auf den Ellbogen und seine Augen blitzten auf, als er mich vom anderen Ende des Raumes aus beobachtete. »Und du glaubst, deine würde das tun?«
»Innerhalb eines Herzschlags.«
»Wofür?«
Sich aufzusetzen fühlte sich wie eine monumentale Anstrengung an. Ich legte meine Ellbogen auf die Knie, rieb mir die Stirn mit beiden Händen und versuchte, mir eine Erklärung zu überlegen. »Du weißt doch von meinen Brüdern, oder?«
»Ich weiß, dass der eine Kinder hat und der andere Priester wird, stimmt’s?«
»Stimmt. Weißt du, warum?«
»Nein. Nun, jetzt, wo du es erwähnst, denke ich, dass der eine im Priesteramt vielleicht schwul sein könnte.«
Mir klappte der Mund auf. Der Gedanke war mir nie gekommen. Nicht ein einziges Mal. Ist er das? Ich schüttelte den Kopf. Nicht das, worüber ich jetzt nachdenken sollte. »Ich weiß nicht … Ich kann nicht mal … Okay, lass mich von vorne anfangen. Als ich zwölf war, erwischte meine Mom Quinn dabei, wie er sich einen runterholte. Er war fünfzehn. Wir waren alle einkaufen und er … nutzte es aus, das Haus für sich allein zu haben. Er hat uns wohl nicht nach Hause kommen hören.«
»Huch. Ich nehme an, deine Mutter ist ausgeflippt?«
»Sie hat nicht geschrien oder gebrüllt. Sie stand da, zwang ihn, seine Kleider anzuziehen, lud uns alle wieder ins Auto und fuhr ihn zur Kirche, damit er zur Beichte gehen konnte.«
»Warte, ich bin nicht katholisch, aber ich dachte, man soll nur Scheiße beichten, die einem leidtut und die man nicht noch einmal tun will.«
»Ja, nun, in den Augen meiner Mutter war das nichts, was er je wieder tun sollte.«
Tanner schnaubte. »Das ist nicht realistisch.«
»Ja, nun, ich weiß nicht, was zum Teufel der Priester zu Quinn gesagt hat. Er wollte nie darüber reden. An jenem Abend vor dem Abendessen setzte sie uns alle drei an den Küchentisch und sagte, dieses Verhalten würde sie in ihrem Haus nicht dulden. Am nächsten Tag wechselte sie jede Türklinke in jedem Raum des Hauses aus, sodass keine von ihnen mehr abschließbar war.«
»Scheiße.«
»Quinn muss sich das, was sie oder der Priester gesagt haben, sehr zu Herzen genommen haben. Oder es war ihm so peinlich, dass er nicht einmal mehr klar denken konnte. Ich weiß es nicht. Was auch immer passiert ist, danach war er anders. Meine Mutter war es auch. Sie schaute ihn nicht einmal mehr an, bis zu dem Tag, an dem er verkündete, dass er in das Priesterseminar eintreten wollte. Dann war es, als könnte er in ihren Augen nichts mehr falsch machen.«
»Nichts für ungut, aber das ist irgendwie Scheiße. Ich meine, wenn es das ist, was er wirklich tun will, ist das großartig, aber wenn seine Gründe auf diesem einen Ereignis beruhen …«
»Richtig. Dann ist es total abgefuckt. Jedenfalls hatte Sean eine etwas andere Reaktion. Er hatte ein paar Monate später eine Freundin und schwängerte sie. Heiratete sie. Jetzt haben sie drei Kinder.«
»Und er ist wie viel älter als du?«
»Nur drei Jahre. Er ist letzten Monat dreiundzwanzig geworden. Er war sechzehn, als er heiratete.«
Tanner zupfte an einem losen Faden an seiner Bettdecke. »Scheiße! Das ist doch verrückt. Wie alt ist Quinn?«
»Vierundzwanzig. Meine Mom bekam ihn und Sean mit weniger als einem Jahr Abstand. Danach hatte sie zwei Fehlgeburten, ehe sie mich bekam. Der Arzt sagte ihr, sie dürfte nicht mehr schwanger werden, aber sie wurde wieder schwanger, hatte eine weitere Fehlgeburt, die so schlimm war, dass sie eine Hysterektomie brauchte. Sonst wäre ich wahrscheinlich eines von fünfzehn Kindern«.
Tanner stieß geräuschvoll den Atem aus. »Erinnere mich daran, nicht darüber zu meckern, ein Einzelkind zu sein.«
Ich lächelte. »Ich werde dich daran erinnern.«
»Was ist mit deinem Dad? Er hat sich in nichts von all dem eingemischt?«
»Mein Dad war nicht oft da, als ich klein war. Er hat viel gearbeitet. Er starb, als ich zehn war.«
»Gott, das tut mir leid. Das war mir nicht klar.«
Ich zuckte die Achseln. »Ich spreche nicht darüber. Die Wahrheit ist, dass ich mich kaum an ihn erinnere. Meine Mutter war immer präsenter. Sobald er weg war, hatte sie das Sagen – sie ist nicht die Art von Person, mit der sich viele Leute streiten.«
»So scheint es.« Tanner hielt inne und ich fragte mich, ob er meine Familie für völlig verrückt hielt. »Okay. Also ein Bruder hat sich für das Zölibat entschieden, der andere für die verrückt-junge Ehe … Was ist mit dir? Du scheinst bisher nichts so Dramatisches getan zu haben.«
»Ich hab mich für eine andere Interpretation von ›nicht unter meinem Dach‹ entschieden.«
»Wie meinst das?«
»Es gab einen großen Schuppen auf der Rückseite unseres Grundstücks und ich habe meine Mutter überzeugt, mich eine Garage daraus machen zu lassen, damit ich alte Autos reparieren konnte. Sie sagte, es sei eine tolle Möglichkeit für mich, Geld für das College zu verdienen. Und das war es auch. Ich kaufte diese Schrottautos und arbeitete an ihnen, bis ich sie verkaufen konnte. In meinem letzten Schuljahr hat mich die Hälfte der Lehrer an der Schule für den Ölwechsel und den Austausch der Schalldämpfer bezahlt.«
»Ich wusste, dass du gut mit Autos umgehen kannst. Deins ist wie das verdammte Batmobil. Was hat das mit irgendwas zu tun?«
»Ich habe mir nicht im Haus einen runtergeholt …«
»Im Schuppen?«
Ich fühlte, wie Hitze über mein Gesicht kroch. Ich hatte das noch nie jemandem erzählt. »Die Autos.«
»Kein Scheiß. Die Autos anderer Leute?«
»Ja. Bis ich mein eigenes bekam.«
Tanners Augen wurden rund, als er mich anstarrte, dann brach er in Gelächter aus.
Na toll. Ich klinge wie der größte Trottel der Welt. Warum habe ich es ihm gesagt?
»Tut mir leid.« Er würgte die Worte heraus. »Ich kann einfach nicht aufhören, zu denken, dass das Batmobil in Wirklichkeit das Bate-mobil ist.«
Batemobil? Mastur-bate. Oh. Okay. Ich schätze, das ist irgendwie lustig. »Ja, nun, erwarte nicht, dass ich das in absehbarer Zeit als Nummernschild bekomme.«
Wir lachten beide und es fühlte sich gut an.
Tanner rieb sich die Augen und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. »Ich war nie so der Typ für Autos. Nicht viele New Yorker haben eins. Aber ich habe jetzt eine ganz neue Wertschätzung für die Automobilindustrie.«
»Ach ja?«
»Äh, ja. Der Gedanke daran, wie du es dir in all den Autos besorgt hast? Das ist verdammt heiß.«
Meine Wangen kribbelten. »Gefällt dir der Gedanke?«
»Was kann man daran nicht mögen?«
Ich zuckte mit den Schultern.
»Ich habe ein wenig Angst, dass ich jedes Mal einen Ständer bekomme, wenn in den Nachrichten ein Autodiebstahl bekannt gegeben wird.« Tanner grinste und leerte den Rest seiner Cola. Mein Schwanz und ich schauten zu und beneideten die Flasche. Er stellte sie auf seinen Schreibtisch. »Was ist mit dir?«
Etwas in seiner Stimme ließ den Felsbrocken in meiner Kehle wieder auftauchen. »Was meinst du?«
»Denkst du gerne auf diese Weise an mich? Wenn nicht, passt das schon. Wenn das eine einmalige Sache war, werde ich darüber hinwegkommen.«
Mein Mund war so trocken, ich war nicht sicher, ob ich sprechen konnte. »Du würdest darüber hinwegkommen?«
»Wenn es das ist, was du brauchst, ja. Mann, du bist mein Mitbewohner. Du bist mein Freund. Ich würde …«
»Das habe ich nicht gemeint. Ich meinte … es würde erfordern, darüber hinwegzukommen?«
»Nun ja, ja. Ich bin bi, aber ich vögele nicht einfach alles, was einen Puls hat.«
Das schien zu stimmen. Ich wusste, dass er mit Wendy liiert war, egal wie ihre wöchentliche Vereinbarung aussah, und ich hatte in den letzten Jahren, als wir im selben Stockwerk wohnten, gesehen, wie er mit verschiedenen Mädchen ausging. Ich wusste nicht einmal, ob er jemals mit einem Mann zusammen gewesen war. Wir hatten nie über solche Dinge gesprochen. Bis jetzt.
»Darf ich dich was fragen?«
»Schieß los.«
Das Bild, wie er Sperma aus seinem Schwanz pumpte, traf mich wie eine Tonne Ziegelsteine. Mein Schwanz war das Bein meiner Shorts hinuntergekrochen und drückte sich an meinen Oberschenkel, sodass eine weitere sehr feuchte Stelle zurückblieb. Ich wusste nicht, wie ich das, was ich fragen wollte, formulieren sollte.
»Warst du schon mal mit Jungs zusammen?«
»Ja.«
»Im Plural?«
»Zwei.«
Der Gedanke machte mich an und machte mich gleichermaßen eifersüchtig, aber ich konnte nicht einmal erkennen, worauf ich eifersüchtig war – auf die Tatsache, dass er das schon einmal getan hatte, oder auf die Tatsache, dass es mit jemand anderem als mir gewesen war?
»Hier?«
»Nein. Niemand an der Uni. Letzten Sommer, als ich in diesem Restaurant auf Fire Island gearbeitet habe, gab es noch einen anderen Kellner. Er war ein paar Jahre älter als ich und ich schätze, er hat gesehen, was ich mir nicht einzugestehen getraut hatte. Eines Abends haben wir abgeschlossen. Niemand sonst war mehr da. In der einen Minute haben wir die Salatsoßen im Eingangsbereich bedeckt und in der nächsten Minute hat er mich mit meinem Schwanz in der Hand geküsst.«
Das Gefühl kehrte zurück. Ein Schmerz, tief in meinem Magen, der sich drehte und brannte. Was er beschrieb, unterschied sich nicht viel von dem, was ich mir vorgestellt hatte, als Tanner erwähnt hatte, dass er einen Job zusammen mit mir bei Gino’s bekommen könnte. Nur dass er und ein anderer Kerl dabei waren. Ein älterer Typ, der wahrscheinlich viel mehr Erfahrung hatte.
»Offensichtlich hat es dir gefallen.«
»Ja. Und es hat mir eine Scheißangst gemacht. Also verstehe ich es, weißt du? Wenn du dir nicht sicher bist oder du wegen der Sache gerade durchdrehst, verstehe ich das.«
»Wer war der zweite Typ?«
Tanner steckte sich die Hand ins Haar und kratzte sich am Hinterkopf. Ich wollte seine Haare wieder unter meinen Fingern spüren.
»Ich bin zurück zu meiner Mutter in die Stadt gefahren, für eine Woche zwischen dem Ende des Sommerjobs und dem Zeitpunkt, an dem ich hier einziehen sollte. Da war dieser Typ in ihrem Wohnhaus. Er war in unserem Alter. Er war auch in der Zwischenzeit zu Hause und eines Abends hab ich ihn abgeschleppt.«
Abgeschleppt? Was soll das überhaupt bedeuten? Ich fühlte mich wie ein Idiot, es nicht zu wissen. Mein Blut rauschte wieder so schnell in meinen Ohren, dass ich mich nicht konzentrieren konnte. Ich hatte Fragen. So viele Fragen, die alle durcheinanderwirbelten.
»Wie kommt es, dass du nie etwas gesagt hast?«
»Wie ich schon sagte, ich dachte, du bist hetero.«
»Du hättest es mir trotzdem sagen können.«
»Du hättest es mir auch sagen können.«
Touché. Meine Finger liefen am Rand meines Kissenbezugs entlang und spielten mit dem Saum, während ich den Mut verlor, das zu sagen, was in einer Endlosschleife in meinem Gehirn spielte. »Tanner?«
»Ja?«
»Ich bin schwul.«
Kapitel vier
Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass zwei Worte so viel bedeuten könnten wie diese beiden. Hitze und Kälte fluteten meinen Körper zur selben Zeit. Sicher, ich hatte es für möglich gehalten, dass ich schwul war. Mehr als möglich. Aber irgendwie, obwohl ich es schon wusste, hätte ich in einer Million Jahren nie daran gedacht, es jemals jemand anderem zu erzählen. Es laut auszusprechen, zu jemand anderem, zu Tanner, meinem Mitbewohner, von dem ich seit unserem ersten Treffen nicht zu fantasieren versuchte, haute mich um.
»Ich bin froh.« Tanners Stimme erschreckte mich.
»Was?«
Er setzte sich auf und zuckte mit den Schultern. »Ich bin froh, dass du schwul bist. Ich bin froh, dass du es mir gesagt hast.«
Von all den Reaktionen, die ich hätte bekommen können, nachdem ich verkündet hatte, schwul zu sein, musste das eine der besten Möglichkeiten sein. Scheiße! Hatte ich mich gerade geoutet? Ich schnappte mir meine Snapple und nahm einen großen Schluck. Ich brauchte etwas Normales, etwas Vertrautes, auf das ich mich konzentrieren konnte, damit ich der Panik, die ich fühlte, nicht nachgab. Das Seltsame war, so sehr es mich erschreckte, darüber nachzudenken, was ich gerade gesagt hatte, was wir gerade getan hatten, so sehr erschreckte es mich auch, dass ein anderer Teil von mir ruhiger war, als ich es je in meinem Leben gewesen zu sein glaube. Als ob ich in einen riesigen Sturm geraten wäre, aber ein kleiner Teil von mir war in dem Auge des Sturms, in dem alles ruhig war. Ich nahm einen weiteren tiefen Schluck und konzentrierte mich auf die Art und Weise, wie sich die kalte Flüssigkeit spiralförmig in meiner Kehle bewegte.
Mein Wortschatz war auf fast nichts reduziert, aber ich schaffte ein »Danke«.
Tanner lächelte. »Der heutige Abend wäre verdammt unangenehm geworden, wenn du nicht schwul wärst.«
»Ja, ich denke schon.«
»Scheiße, ist das kalt.« Tanner schob sich herum, bis er unter der Decke lag. »Bist du sicher, dass du keine Decke willst?«
»Ich bin sicher.« Ich leerte den Rest meines Getränks und warf die Flasche in die Recyclingtonne. Als ich zu Tanner zurückblickte, schaute er mich direkt an.
»Du könntest hier schlafen.«
Hat er mich gerade gebeten, in seinem Bett zu schlafen? Bei ihm? Mein Herz vergaß, einen bestimmten Rhythmus einzuhalten und schlug Ping-Pong in meiner Brust. Tanner rutschte ein Stückchen zur Seite und sein Blick huschte hinunter zum Bett. Er sah ein wenig nervös aus und ich fühlte mich dadurch wohler.
Meine Füße spürten nicht einmal den Boden, als ich die wenigen Schritte auf ihn zukam und mich setzte, halb in der Erwartung, er würde sagen, er habe seine Meinung geändert oder etwas anderes gemeint. Aber er hielt nur die Decke hoch, damit ich mich zu ihm darunter legen konnte. Als ich mich gegen sein Kissen lehnte, konnte ich die Gedanken, die in meinem Gehirn herumwirbelten, nicht eindämmen. Ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr mit einer anderen Person im selben Bett gewesen, und selbst dann waren es nur ein paar Mal gewesen. Die einzige Zeit, zu der ich mit einem Mann zusammen gewesen war, war, als mein Bruder Sean und ich uns ein Bett teilen mussten, wenn wir jeden Sommer eine Woche lang im Haus unserer Großmutter wohnten. Und das war seit Jahren nicht mehr passiert.
»Bist du müde?« Tanners Stimme war sanft und leise, fast ein Flüstern, als hätte er Angst, mich zu wecken, wenn ich schon eingenickt wäre.
Keine Chance. So wie mein Körper summte, war ich nicht sicher, ob ich je wieder schlafen würde. »Nö. Und du?«
»Nicht wirklich.«
Ist er nähergekommen oder dreht er sich nur um? Ich rutschte herum, um ihm mehr Platz zu geben, falls ich zu viel Platz beanspruchte. Dann spürte ich es. Sein Schwanz stieß gegen meine Hüfte. Er ist hart. Schon wieder. Für mich? Meinem Schwanz gefiel das gut genug, er trieb mich auf die Seite, sodass wir uns Auge in Auge gegenüberlagen, Schwanz an Schwanz. Tanners Atem roch nach Cola. Seine Seite des Raumes war heller als meine. Ich konnte seine Gesichtszüge deutlicher sehen – seine Augen waren dunkel wie die Nacht, seine Lippen gingen gerade so weit auseinander, dass ich mir vorstellen konnte, meine Zunge zwischen sie zu schieben. Ich hatte nie bemerkt, wie dick seine Wimpern waren, oder zumindest hatte ich nie darüber nachgedacht. Aber da sein Gesicht so nah war, sahen sie wie dunkle Flügel aus, als sich seine Augenlider schlossen, sein Körper näher kam … und dann war sein Mund auf meinem.
So intensiv wie die anderen Küsse gewesen waren, war dieser irgendwie mehr. Langsamer, weniger hektisch, tiefer. Seine Zunge erforschte meinen Mund mit langen, trägen Zügen, als hätten wir alle Zeit der Welt und nichts zu tun oder zu denken, außer zu küssen. Tanners Lippen waren süß, aber seine Zunge war vage scharf. Er schmeckte verdammt unglaublich. Seine Hand legte sich wieder in meinen Nacken und ich seufzte so tief in meiner Kehle, dass ich fühlte, wie es bis in meine Brust hinein vibrierte.
Tanners Schwanz schmiegte sich gegen meinen Bauch und ich versuchte, ihm näher zu sein. Das war nicht irgendein erhitzter spontaner Akt der Leidenschaft. Das war … das war … echt. Seine Hüften bewegten sich und ich drückte mich gegen ihn. Gott, er fühlte sich gut an – harter Schwanz, schlanker Körper, warme Zunge. Mein Gehirn drehte sich in der Mischung der Empfindungen.
Sein Mund glitt von meinen Lippen zu meinem Hals. »Es ist in Ordnung, mich zu berühren, weißt du.«
Ich kämpfte mit dem Schlucken. Berühr ihn. »Okay.«
Es war nicht mehr kalt, aber ich zitterte. Sein Atem wärmte meinen Hals. Seidige Haare fegten über mein Kinn, als er sich zu meinem Schlüsselbein bewegte, seine Zähne streiften meine Haut. Meine Hand zitterte, als ich sie an seine Taille führte. Er sog einen Atemzug ein, als sich seine Muskeln unter meinen Fingern zusammenzogen. Ich wertete das als positives Zeichen und schob meine Hand zwischen uns. Seine Shorts waren aus weicher Baumwolle, wie ein T-Shirt, und ich konnte jeden Grat, jede Kontur seiner Erektion spüren, als ich sie durch den dünnen Stoff tastete.
Tanner zischte in der Sekunde, als ich zu streicheln begann. Das Wissen, dass ich ihn dazu gebracht hatte, dieses Geräusch auszustoßen, machte mich mehr an, als ich es für möglich gehalten hätte. Komm. Nicht. Ich wusste nicht, worauf ich mich konzentrieren sollte. Ich wollte das, was ich tat, nicht vermasseln, aber wenn ich zu sehr an seinen Schwanz dachte, würde ich explodieren. Wenn ich an meinen Schwanz dachte, vergiss es. Dann schlang sich seine Hand um mich und ich konnte überhaupt nicht denken. Scheiße!
Er streichelte mich ein paar Mal langsam durch die Hose hindurch, ehe seine Hand hineinrutschte. Ich wimmerte, als ich seine Haut an meiner fühlte. Als Reaktion darauf dehnte sich sein Schwanz aus. Ich schätzte, er mochte Geräusche. Ich konnte mich nicht daran erinnern, etwas Sexuelles getan und dabei so viel Lärm gemacht zu haben. Normalerweise war Stille unerlässlich, Teil der Abmachung, damit Eltern oder Mitbewohner nichts hören konnten. Heute Abend nicht.
Tanner ließ mich los und zerrte an meinen Shorts. Sobald ich anfing, sie herunterzuziehen, rollte er sich auf den Rücken und zog seine eigene aus, trat sie unter der Decke weg, bevor er sich auf mich zu rollte. Als ich ihn diesmal berührte, spürte ich ihn. Glatte, heiße Haut glitt unter meinen Fingern hindurch, als ich an seiner Länge auf und ab fuhr. Er war nicht beschnitten, so wie ich, und ich war dankbar. Ich hatte gehört, wie beschnittene Typen darüber sprachen, wie weh es tat, sich ohne Gleitmittel einen runterzuholen. Und ich hatte so schon das Gefühl, nicht zu wissen, was zum Teufel ich da tat, zumindest DAS kam mir bekannt vor.
Meine Handfläche wurde glitschig, als das Geräusch der Bewegung den Raum erfüllte. Gab es ein erotischeres Geräusch? Mir fiel keines ein. Ich wusste gar nicht mehr, wie toll es sich anfühlte, ihn in der Hand zu halten. Ich zog seine Haut straff, streichelte leicht über seine Eier und wurde mit einem tiefen Stöhnen belohnt, als seine Hüften begannen, in meine Faust zu pumpen.
»Scheiße, ja.«
Als ich hörte, wie erstickt und angespannt seine Stimme war, wurde ich noch härter. Seine Atemzüge wurden schneller, heftige Schübe, die mich wissen ließen, dass er näher kam. Nichts auf der Welt schien wichtiger zu sein, als ihn zum Kommen zu bewegen. Ich wollte es. Ich wollte wissen, dass ich es geschafft hatte. Ich stieß gegen seinen Kopf, fand seine Lippen mit meinen und küsste ihn hart. Dieses Mal wimmerte er. Das Geräusch schoss durch mich hindurch, als wäre es elektrisch, und schickte mir Gänsehaut über meinen ganzen Körper.
Ich fühlte mich mutig und schob ihn auf seinen Rücken. Bei den Mädchen war ich immer so sanft, bewegte mich mit so viel Sorgfalt, wollte sie nicht verletzen oder ihnen Angst einjagen. Mit Tanner? Er hatte fast genau meine Größe und war wahrscheinlich etwas stärker. Ich hatte keine Angst davor, zu grob zu sein – ich hatte vor gar nichts Angst. Ich wollte ihn einfach nur weiter anfassen. Seinen Schwanz zu streicheln fühlte sich unglaublich an. Wie das Streicheln meines eigenen, aber anders. Faszinierend.
Als ich seine Reaktion bemerkte, variierte ich meinen Griff und meine Geschwindigkeit. Er stöhnte in meinen Mund und seine Zunge konnte den Rhythmus unseres Kusses nicht mehr halten. Ich zog meinen Kopf weg, wollte zuschauen, wollte sehen, dass dies tatsächlich geschah. Tanner muss dasselbe gebraucht haben, denn sein Kopf hob von seinem Kissen ab, als er die Decken aus dem Weg schob.
Der Anblick seines Schwanzes, der in meine Faust stieß, brachte mich beinahe über die Klippe. Jede weitere Bewegung brachte meinen Schwanz zum Pochen. Perlen von Lusttropfen liefen meine Länge hinunter.
»Scheiße, Collin. So gut. Hör nicht auf.«
Aufhören? Ich hätte nicht aufhören können, wenn mein Leben davon abgehangen hätte.
Tanner stöhnte und wölbte sich zurück, sein Kopf drückte fest ins Kissen. Sein Schwanz wurde noch dicker und ich spürte, wie der Puls durch ihn nach oben wanderte. Mein Gott. Sein Sperma spritzte auf seine Brust und seine Bauchmuskeln und beschmierte meine Hand. Ich verlangsamte meine Bewegungen und wollte nicht aufhören, bevor er bereit war. Er packte mein Handgelenk, um mich wissen zu lassen, dass er genug hatte.
Widerwillig ließ ich los, mein Körper summte immer noch vor Aufregung. Tanner griff unter die Decke und zog seine Shorts hervor. Er wischte damit über seine Brust, ehe er sie mir reichte. Ich säuberte meine Hand, erstaunt darüber, wie viel er verschossen hatte, wenn man bedachte, dass es sein dritter Orgasmus in wahrscheinlich weniger als zwei Stunden war.
The free sample has ended.