Read the book: «Lieblingsplätze rund um Kiel»
Lieblingsplätze
Rund um Kiel
Karen Lark
Impressum
Für Kalle
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Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Karen Lark:
Jacques Tarnero 10; Seehundstation Friedrichskoog 134; © Sina Ettmer – stock.adobe.com 188
Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.
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1. Auflage 2021
© 2021 – Gmeiner-Verlag GmbH
Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch
Telefon 0 75 75/20 95-0
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Ricarda Dück
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung: Benjamin Arnold/Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © metelsky25 – stock.adobe.com; © SG- design – stock.adobe.com; © GDJ – pixabay.com; © SimpLine – stock.adobe.com; © eyewave – stock.adobe.com; © actionplanet – stock.adobe.com;
© Instantly – stock.adobe.com; © LynxVector – stock.adobe.com; © Katrin Lahmer; © Benjamin Arnold
Kartendesign: © Maps4News.com/HERE
ISBN 978-3-8392-6404-1
Inhalt
Impressum
1 Schalten und Walten
Rendsburg: Museumsstellwerk Rn
2 Viehtrieb
Tetenhusen: Historischer Ochsenweg
3 Gegossen, gewalzt, genossen
Eckenförde: Bonbonkocherei Hermann Hinrichs
4 Ruhestätte der Riesen
Waabs: Großsteingrab Karlsminde
5 Adelsluft schnuppern
Waabs: Gut Ludwigsburg mit Hofcafé
6 Von Wohlstand und Wohlwollen
Damp: St.-Johannis-Armenstift
7 Schmuckstück an der Schlei
Sieseby: Erkundung des Dorfes
8 Auf Schienen über die Schlei
Boren: Lindaunisbrücke
9 Auf den Busch geklopft
Karlsburg: Schloss Carlsburg
10 Zuckersusi zieht
Kappeln: Angelner Dampfeisenbahn
11 Die Jagd nach Silberlingen
Kappeln: Heringszaun in der Schlei
12 Klippklapp, klippklapp
Kappeln: Schleibrücke Kappeln
13 Auf dem Pfad der Pferde
Nieby: Naturschutzgebiet Geltinger Birk
14 Das Ding mit dem Thing
Stoltebüll: Historischer Versammlungsplatz Guly Thing
15 Landmarke aus der Eiszeit
Süderbrarup: Naturschutzgebiet Os
16 Tolk fürs Volk
Tolk: Freizeitpark Tolk-Schau
17 Botanik aus der Bibel
Schleswig: Bibelgarten
18 Am Wasser gebaut
Schleswig: Fischersiedlung Holm
19 Himmlische Himmelskörper
Schleswig: Gottorfer Globus
20 Tempel und Halbgott im Glanze
Schleswig: Kleine Kaskadenanlage
21 Eine Räuberpistole?
Mittelangeln: Pinnes Grab
22 Für das Gute im Galopp
Mittelangeln: Satruper Reiter an der St.-Laurentius-Kirche
23 Mit Zeichnungen zum Zeitzeugen
Oeversee: Arnkiel-Park
24 Das Museum im Dorf
Langballig: Landschaftsmuseum Angeln/Unewatt
25 Nomen est Omen
Flensburg: Margarethenhof
26 Längs und quer
Flensburg: Kaufmannshöfe
27 Von der Förde über den Kanal
Flensburg: McMelson Old English Pub
28 Blick auf die See
Flensburg: Kapitänsviertel in Jürgensby
29 Von Rot- zu Rampenlicht
Flensburg: Oluf-Samson-Gang
30 Betreten erwünscht!
Jardelund: Öffentlicher Garten Unsere Obstwiese
31 Nah am Wasser gebaut
Leck: Lecker Fischerhäuser
32 Köm-Äquator
Hattstedtermarsch: Arlau
33 Alles aus einer Hand
Oster-Ohrstedt: Backensholzer Hof mit Lokal und Hofladen
34 Schlemmen in französischem Ambiente
Husum: Künstlercafé Husum
35 Leben und Überleben
Husum: Ostenfelder Bauernhaus
36 O du fröhliche
Husum: Weihnachtshaus
37 Von Gerichten und Geschichten
Witzwort: Museum und Restaurant Roter Haubarg
38 Warft voller Überraschungen
Oldenswort: Herrenhaus Hoyerswort
39 Weltnaturerbe Wattenmeer
Tönning: Nationalparkzentrum Multimar Wattforum
40 Geschichte(n) auf Gräbern
Lunden: Geschlechterfriedhof
41 Zug um Zug entzückt
Friedrichstadt: Modellbahn-Zauber
42 Das Maß der Zeit
Erfde: Kanzeluhr in der St.-Marien-Magdalenen-Kirche
43 Denkmal für einen Dichter
Wesselburen: Hebbel-Museum
44 Mit Kohlköpfchen
Wesselburen: Museum Kohlosseum
45 Erfassen und begreifen
Büsum: Erlebniszentrum Phänomania
46 Dorf mit Stadtkern
Wöhrden: Historisches Ortszentrum
47 Wahre Größe
Heide: Marktplatz
48 Wirtschaft für alle Bedürfnisse
Heide: Restaurant und Musikkneipe Rosengasse Heide
49 Die Hand zum Schwur erhoben
Arkebek: Fünffingerlinde
50 Zeitsprung
Albersdorf: Steinzeitpark Dithmarschen
51 Ein Mo(nu)ment der Geschichte
Epenwöhrden: Landesdenkmal Dusenddüwelswarf
52 Der Dom der Dithmarscher
Meldorf: St.-Johannis-Kirche
53 »Bimmelimmelimm« – die Nachrichten!
Hohenwestedt: Bronzefigur De Utroper am Rathaus
54 Im heimischen Wald
Heidmühlen: Wildpark Eekholt
55 Schöne Aussichten
Kellinghusen: Luisenberger Turm
56 Von Ton und Scherben
Kellinghusen: Stadtmuseum
57 Militärische Vergangenheit
Hohenlockstedt: Lageruhr
58 Bauch am Bau
Kaaks: Fischbauchbrücke
59 Göttliches Gesöff
Wacken: Wacken-Brauerei
60 Ich glaub, ich steh im Wald
Burg: Waldmuseum
61 Wackerer Kaventsmann
St. Michaelisdonn: Bismarckstein
62 Von Dauer- und Durchgangsgästen
Friedrichskoog: Seehundstation Friedrichskoog
63 Ganz unten angekommen
Neuendorf-Sachsenbande: Tiefste Landstelle Deutschlands
64 Das Wasser muss weg
Stördorf: Schöpfmühle Honigfleth
65 Was dem Menschen wichtig ist
Itzehoe: Kreismuseum Prinzeßhof
66 Im Verborgenen blühen
Krempe: Innenstadt
67 Kaffeekränzchen statt karger Kost
Barmstedt: Galerie-Café Schlossgefängnis
68 Von nun an geht’s bergab
Klein Nordende: Liether Kalkgrube
69 Die süßeste Versuchung
Uetersen: Schokoladenmanufaktur DaJa Chocolate
70 Uetersen blüht
Uetersen: Rosarium Uetersen
71 Platz schaffen
Lübeck: Gänge und Höfe in der Altstadt
72 Kontor und Klassizismus
Lübeck: Museum Behnhaus Drägerhaus
73 Mit Quietschen und Kreischen
Lübeck: Eimerkettenbagger Wels im Museumshafen
74 Vorgedrängelt
Lübeck: Alter Leuchtturm Travemünde
75 Kuschelig und köstlich
Ratekau: Café Tausendschön
76 Abtauchen in eine fremde Welt
Timmendorfer Strand: Aquarium Sea Life
77 Auge in Auge
Grömitz: Zoo Arche Noah
78 Umgeben von Bettenburgen
Fehmarn: Burgruine Glambeck
79 »Castles made of Sand«
Fehmarn: Jimi-Hendrix-Denkmalstein
80 Mit Entdeckerspaß
Fehmarn: Galileo-Wissenswelt
81 Auf See geblieben
Fehmarn: Niobe-Denkmal
82 Kaiserliche Krone aufgesetzt
Plön: Bahnhof
83 Musen und Muffensausen
Plön: Parnaßturm
84 Ganz schön steil
Plön: Twieten der Altstadt
85 Ich glaub, ich bin im Wald
Ruhwinkel: Lindenallee in Schönböken
86 Für alle Bedürfnisse
Bissee: Antik-Hof Bissee
87 Baustil der besonderen Art
Schellhorn: Kapelle Sophienhof
88 Pantoffel-Held
Preetz: Holzschuhmacherei Lorenz Hamann
Karte

Nord-Ostsee-Kanal
1 Schalten und Walten
Rendsburg: Museumsstellwerk Rn
Wir betreten die Anlage des Museumsstellwerks in Rendsburg durch eine geöffnete Schranke. Sie wird manuell bedient und verfügt über ein Läutewerk. Ein Signal wird jedoch nicht mehr gegeben, denn der Schlagbaum bleibt heutzutage oben und lädt Besucher zu einer Zeitreise ein.
Die Bahnanlage – von deren Art ich früher während Zugfahrten noch einige gesehen habe, die inzwischen jedoch selten geworden sind – stammt aus dem Jahr 1910. Das pittoreske Bauwerk sollte abgerissen werden, nachdem moderne Technik es 1983 überflüssig gemacht hatte. Glücklicherweise kam der historisch interessierte Eisenbahner Siegfried Weichert auf die Idee eines Museumsstellwerks, und so konnte das Häuschen erhalten werden. Mit vielen anderen Eisenbahnern baute er eine Ausstellung auf, die über Spenden finanziert wird. Sie wuchs über die Jahre und erstreckt sich heute auf drei Geschosse.
Vom Arbeitsplatz des Wärters aus, einem Schreibtisch mit stilecht altem Telefon, hat man freie Sicht auf die Gleise. Stellwerke erhöhten einst die Sicherheit des Bahnbetriebs und sorgten für einen schnelleren Zug- und Rangierdienst. Sie wurden um 1900 entwickelt. Der Wärter konnte Weichen und Gleissperren, aber auch die Signale für die Lokführer zentral bedienen. Im Block- und Hebelwerk liegt Hebel neben Hebel – wie konnte der Diensthabende bei dieser großen Auswahl bloß wissen, welchen er für welchen Zweck bedienen musste? Aber Zauberei ist das natürlich nicht gewesen. Die Wärter waren für ihre verantwortungsvolle Arbeit bestens ausgebildet.
Wenn wir das nächste Mal mit der Bahn nach Rendsburg fahren, werden wir Ausschau nach dem kleinen Museumsgebäude halten. Und uns vorstellen, wie der Wärter darin schaltete und waltete, um die Züge sicher auf ihre Schienen zu lenken.
Eine Bahnfahrt von Kiel nach Rendsburg lohnt sich: Die Strecke führt über die Rendsburger Hochbrücke, ein einzigartiges Technikdenkmal, dessen Gesamtlänge siebeneinhalb Kilometer beträgt.

1
Museumsstellwerk Rendsburg
Am Bahnhof 22
24768 Rendsburg
04331 339215
www.museumsstellwerkrendsburg.de
Rendsburger Hochbrücke
Am Kreishafen
24768 Rendsburg
2 Viehtrieb
Tetenhusen: Historischer Ochsenweg
Von der dänischen Grenze bis nach Hamburg durchquert man Schleswig-Holstein auf der Autobahn A7. Nicht einmal zwei Stunden dauert die Fahrt. Auch in vergangenen Zeiten existierte eine Nord-Süd-Verbindung – allerdings kam man damals deutlich langsamer voran. Von Jütland bis zur Elbe führte einst der Ochsenweg, der bereits in der Bronzezeit entstanden war.
Der Name der Route war früher Programm, denn etwa vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden tatsächlich Ochsen von Norden nach Süden auf dieser Fernstraße getrieben. Die Tiere wurden auf den dänischen Inseln und in Jütland gezüchtet. Verkauft wurden sie ins heutige Mittel- und Süddeutschland, doch dazu mussten sie erst einmal zu den Viehmärkten gebracht werden. Und so brachten die Händler zu besten Zeiten die ungeheure Anzahl von 30.000 bis 50.000 Ochsen nach Wedel an der Elbe – und da haben wir noch keine Ziege, kein Schaf und kein Schwein mitberücksichtigt! Auch wenn der Ochsenweg eine »bequeme« Fernstraße war, muss man sich den Marsch ziemlich beschwerlich vorstellen. Die Treene galt es zu überqueren, die Tiere mussten durch die Eiderniederung. Die Trasse lief zwar entlang des Geestrückens, einer sandigen und damit vergleichsweise trockenen Landschaft, aber je nach Wetter war der Grund auch hier oft schlammig. Als ein besonders schwieriges Teilstück, das noch erhalten ist, erwies sich der ausgedehnte Wald bei Kropp mit seinem tiefen Sandboden. »Du büs Kropper Busch noch ni vörbi«, sagt der Volksmund heute noch. Oder meint er damit, dass Wegelagerer an dieser Stelle den Viehhändlern oft auflauerten?
Schön, dass wir in unseren Zeiten weder Sand noch Räuber fürchten müssen, wenn wir durch Schleswig-Holstein fahren. Und dass wir schneller vorankommen. Wenn auf der A7 nicht gerade Stau ist.
Dem Ochsenweg folgt ein gut ausgebauter Radfernweg. Auf seinen 245 Kilometern passiert man neben wunderschöner Natur auch Städte wie Schleswig und Rendsburg und historische Bauten wie das Danewerk.

2
Ochsenweg
Startpunkt: Feldscheide
24817 Tetenhusen
3 Gegossen, gewalzt, genossen
Eckenförde: Bonbonkocherei Hermann Hinrichs
Damit Bonbons von beiden Seiten dieselbe Form haben, wird der Teig in langen Streifen zwischen zwei Walzen hindurchgezogen. Nun nur noch mit einer Schaufel die Bahnen zusammenschieben, und schon sind die süßen Stücke fertig. Die Walzen kommen dabei immer paarweise zum Einsatz. Bleibt nur die Frage: Warum haben bei dem einzigartigen Paar, das 48 verschiedene Muschelmotive presst, die beiden Teile unterschiedliche Farben?
Alle Leckereien, die in der Bonbonkocherei gefertigt werden, sind von Hand gemacht. Dass die Kunden nach ihrem Besuch in dem kleinen Laden wissen, wie das vonstattengeht, verdanken sie der transparenten Produktion. Hinter Glas demonstrieren die Zuckerkünstler die gesamte Herstellungskette vom Kochen der Zuckermasse über das Kneten und schließlich das Modellieren. Dass man dazu viel Fingerspitzengefühl braucht, das sieht jeder. Heraus kommen Kreationen in mehr als 100 verschiedenen Formen wie die Himbeeren, Muscheln und Sprotten. Sogar die Sorte Frau Merkel wird angeboten, erfunden anlässlich eines Besuchs der Kanzlerin. Ein Schelm, der beim Zitronengeschmack Böses denkt! Verkauft werden all die süßen Sachen nicht nur im Eckernförder Laden, sondern sogar im wahrsten Sinne des Wortes am anderen Ende der Welt: Auch Japaner und Australier können sich die Leckereien im Munde zergehen lassen.
Heute werden Bonbonwalzen nicht mehr hergestellt – die jüngste, die im Einsatz ist, ist über 40 Jahre alt! Mit dem Muschelmotiv gab es nur noch eine, da die Walzen aber nur paarweise funktionieren, war guter Rat teuer. Dass wir doch Muschelbonbons schlecken können, verdanken wir einem begeisterten Kunden, der mit viel außergewöhnlicher Kunstfertigkeit ein Duplikat herstellte. Solche Käufer muss man sich erst mal verdienen – Hermann Hinrichs hat dies mit Bravour getan.
Auch Schokomäuler kommen auf ihre Kosten. Gleich nebenan verkauft Hermann Hinrichs ebenfalls selbst hergestellte Pralinen, Trüffel und vieles mehr aus leckerer Schweizer Schokolade.

3
Bonbonkocherei Hermann Hinrichs
Frau-Clara-Straße 22
24340 Eckernförde
04351 889986
www.bonbonkocherei.de
4 Ruhestätte der Riesen
Waabs: Großsteingrab Karlsminde
Weithin sichtbar erstreckt sich das jungsteinzeitliche Grab in Karlsminde. Wie viele Langbetten ist es von stattlichen Bäumen bewachsen, die zwischen Wiesen und Weizen wie Wegweiser emporragen. Riesen, so glaubte man früher, seien in diesen Hünengräbern zur letzten Ruhe gebettet, denn nur diese hätten diese imposanten Bauten errichten können.
Stattliche 60 Meter misst das Grab. Es ist mit 108 Findlingen eingefasst. Viele von ihnen sind stolze zweieinhalb Meter hoch und wiegen bis zu zweieinhalb Tonnen. Sie belegen eindrucksvoll, warum diese Anlagen auch als Megalith-, also Großsteingräber bezeichnet werden. Nicht alle der Findlinge stammen aus der Nähe, sie mussten teilweise über weite Strecken transportiert werden. Wie die Menschen sie damals bewegten, lässt uns heute staunen. Dennoch waren Riesen dazu nicht nötig, auch wenn die Erbauer nur über einfache Mittel verfügten. Die Felsen wurden wohl auf hölzerne Schlitten geschoben und dann über quer liegende Baumstämme von Menschen oder Ochsen gezogen. Wenn am Ende ein Stamm frei wurde, trug man ihn nach vorne, sodass der Schlitten weiterrollen konnte. Um die Findlinge, die als Deckel für die einzelnen Grabkammern innerhalb des Langbetts dienten, an ihre endgültige Position zu befördern, wurden Rampen aus Erde aufgeschüttet, über die die Steine nach oben gezogen wurden.
Wie andere Gräber überdauerte auch das Langbett von Karlsminde die Zeit nicht unversehrt. Viele der Felsbrocken waren vom Erdboden überdeckt, einige völlig verschwunden, nur vier überhaupt noch zu sehen. Eine Müllkippe war am nordwestlichen Ende entstanden. In der Form, in der die Anlage sich uns heute präsentiert, existiert sie erst seit ihrer Restaurierung zwischen 1976 und 1978. Nun leuchten die Steine weithin in der Sonne und weisen dem Wanderer den Weg zu diesem Denkmal der Vorzeit.
Eine andere Grabform aus der Jungsteinzeit ist das Hünengrab. Ein gutes Beispiel dafür ist der imposante Poppostein.

4
Großsteingrab Karlsminde
Karlsminde
24369 Waabs
Steinkammer Poppostein
Über den Rastplatz
Sieverstedt an der L317
24885 Sieverstedt
5 Adelsluft schnuppern
Waabs: Gut Ludwigsburg mit Hofcafé
Aus erster Hand weiß meine Schwiegermutter von der schweren Arbeit, die früher auf einem großen Gehöft das tägliche Brot darstellte, waren doch ihre Eltern auf Gut Ludwigsburg angestellt gewesen: ihr Vater als Schmied und ihre Mutter als Stubenmädchen. Der Haushalt mit der Familie und den vielen Bediensteten musste versorgt und der bäuerliche Betrieb mit dem Vieh und der Feldwirtschaft unterhalten werden. Meine Schwiegermutter hat mich neugierig gemacht. Nun will ich mir die Stätte, an der ihre Eltern sich vor so langer Zeit kennengelernt haben, mit eigenen Augen ansehen.
Einladend begrüßt mich das alte Torhaus, das im 16. Jahrhundert entstand. Durch seinen Bogen gelange ich auf einen weiträumigen Wirtschaftshof, in dessen Mitte auf einem abgegrenzten Paddock Pferde laufen. Zur Rechten liegen Wirtschaftsgebäude, genauso hübsch anzusehen, wie sie nützlich sind. Ich wende mich nun nach links, denn da steht es, das beeindruckende Herrenhaus. Aus einem doppelten Wassergraben erhebt es sich. Drei Reihen mit je neun Fenstern und darüber ein gewaltiges Dach lassen die Dimensionen im Innern erahnen: Mehr als 20 Zimmer soll es im Haus geben. Haus – was sage ich, ich finde, es hätte die Bezeichnung »Schloss« mehr als verdient!
Doch nicht nur für das von der Architektur begeisterte Auge hat das Gut etwas zu bieten. Im Hofcafé Alte Räucherei genießen wir äußerst schmackhaften Kuchen, bevor wir uns im Hofladen mit Leckereien aus gutseigener Herstellung eindecken.
Auch heute sieht der Erhalt eines solchen Gutes – für den Besucher vielleicht erst auf den zweiten Blick – nach viel Arbeit und Einsatz aus und nach der Notwendigkeit, mit Begeisterung ans Werk zu gehen. Wie schön, dass die Familie Carl das alles auf sich nimmt und dieses Schmuckstück erhält – und Besuchern zugänglich macht!
Mit Führungen kann man unter anderem die berühmte Bunte Kammer besichtigen, die 175 Miniaturmalereien an ihren getäfelten Wänden schmücken.

5
Gut Ludwigsburg
Ludwigsburg 1
24369 Waabs
04358 98818
www.gut-ludwigsburg.de
6 Von Wohlstand und Wohlwollen
Damp: St.-Johannis-Armenstift
Die Mauern der kleinen Häuserzeile zwischen dem Dörfchen Vogelsang-Grünholz und Gut Damp leuchten fröhlich gelb in der Sonne. Mit ihrem Fachwerk, den dunklen Reet- und den roten Schieferdächern bieten die niedrigen Katen einen pittoresken Anblick. Zu dem Ensemble gehört eine kleine Kapelle, über die sich ein frei stehender Glockenstuhl erhebt, gekrönt von einer klassischen Wetterfahne in Form einer Hahnenfigur.
Die Bauten bilden das St.-Johannis-Armenstift, das zum Gut Damp aus dem 15. Jahrhundert gehört. Auf zwei Inseln stehen das Herrenhaus, das Ende des 16. Jahrhunderts errichtet wurde, und die Wirtschaftsgebäude, reetgedeckte Fachwerkscheunen. Die wunderschöne Fassade des Gutshauses birgt neben den Wohnräumen kostbar eingerichtete Prunkgemächer. Eine Orgel von 1699 in der Festhalle mit umlaufender Galerie ist schon etwas Außergewöhnliches. Auch das Torhaus zeugt vom Wohlstand der Familien, in deren Besitz sich das Anwesen im Laufe der Zeiten befunden hat.
Zu diesem trugen viele Menschen bei, die auf dem Hof, im Stall und auf den Feldern hart arbeiteten. Die Verbundenheit des Landadels mit seinem Gesinde und den Angestellten zeigt sich auf Gut Damp in der kleinen Häuserzeile des St.-Johannis-Stifts. Im Jahre 1742 ließen die damaligen Herren, die Familie von Ahlefeldt, die Kapelle und die Katen errichten. In den kleinen Bauten kamen Gutsangehörige unter, die alt geworden waren oder nicht mehr ihrer Tätigkeit nachgehen konnten.
Malerisch präsentiert sich das Stift heute. Von einer edlen Einstellung zeugt es. Und von hoher Achtung vor anderen Menschen, die es nicht so gut getroffen haben, die aber dem Wohl der Familie ein Leben lang gedient haben.
Auf Gut Damp serviert man im Restaurant Kuhhaus, das in einer reetgedeckten Fachwerkscheune untergebracht ist, Fisch aus der Schlei oder Wild aus der Gegend.

6
St.-Johannis-Armenstift
St.-Johannis-Stift
24351 Damp
Restaurant Kuhhaus
Gut Damp
24351 Damp
04352 9549036
www.gut-damp.de
7 Schmuckstück an der Schlei
Sieseby: Erkundung des Dorfes
Ein bisschen versteckt liege ich am Südufer der Schlei. An meinem Dorfeingang, wo mein Parkplatz die fahrbaren Untersätze meiner Gäste aufnimmt, kann man noch nichts von meiner Schönheit erahnen. Wenn die Touristen aber meine Hauptstraße entlangschlendern, sind sie alle verzückt ob der malerischen Reetdachhäuschen, die ich zu bieten habe.
Ich bin ein betagtes Dorf, blicke bereits auf mein 750. Jubiläum zurück. Meine Kirche, die aus Feldsteinen errichtet worden ist, stammt aus dem 12. Jahrhundert, und als Weiler wurde ich schon 1267 »amtlich«, nämlich urkundlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert gehörte ich einem Hamburger Kaufmann. Gustav Anton Schäffer hieß der gute Mann. Noch heute erinnere ich Besucher an ihn, habe ich doch einige meiner Häuser mit seinen Initialen verziert, mit den schmiedeeisernen Buchstaben »G.A.S.«. Wie jedoch ein Händler es zu tun pflegt, verkaufte mich Gustav Anton. So kam ich in den Besitz der hochwohlgeborenen Familie zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, in deren Besitz ich mich heute noch größtenteils befinde.
Betagt bin ich wohl, jedoch keineswegs alt geworden. Nicht nur meine hübschen Häuschen mit dem Reetdach und Fachwerk sind herausgeputzt. Auch meine schöne Kirche liegt pittoresk auf einem kleinen Hügel, und mein Friedhof mutet romantisch an mit seinem alten Baumbestand, der die Gräber überschattet, und kann sich einer eindrucksvollen Lindenallee rühmen. In einem eleganten Bogen erstreckt sie sich über stolze 300 Meter. Da verwundert es nicht, dass ich im Jahr 2000 zum ersten Flächendenkmal in Schleswig-Holstein gekürt wurde. Man stelle sich das nur vor: Nun spiele ich mit dem hübschen Quedlinburg und sogar mit dem Hadrianswall in Großbritannien in einer Liga! Verstecken muss ich mich also wirklich nicht!
Wer sich an malerischen Reetdachhäusern noch nicht satt gesehen hat, findet im nahe gelegenen Börentwedt noch weitere Augenweiden.

7
Erkundung von Sieseby
Rund um die Hauptstraße (Dorfstraße)
24351 Thumby
www.ostseefjordschlei.de
Börentwedt
24351 Thumby
8 Auf Schienen über die Schlei
Boren: Lindaunisbrücke
Die Ampel springt auf Rot, und Autos ebenso wie Radfahrer und Fußgänger halten an. Nun heißt es warten, bis der Gegenverkehr auf der Spur vorübergezogen ist. Ein alltägliches Ereignis an vielen Straßen der Welt. Doch wir stehen nicht etwa vor einer Baustelle mit verengter Fahrbahn. Die Entgegenkommenden können neben den üblichen Straßenbenutzern auf Rädern oder Schusters Rappen auch aus der Regionalbahn zwischen Kiel und Flensburg sein. Wir warten nämlich darauf, dass grünes Licht uns den Weg auf die Schleibrücke Lindaunis freigibt.
Die Klappbrücke spannt sich über die 42 Kilometer lange Förde, die Schwansen im Süden und Angeln im Norden voneinander trennt. Seit 1927 ersetzt sie den alten drehbaren Übergang, dessen Durchfahrt für die Schiffe zu eng geworden war. Der Klappmechanismus funktioniert ohne Seile beziehungsweise Ketten, die die Brücke hochziehen. Vielmehr ist hinter der Drehachse ein Gewicht angebracht. Dieses wird zum Öffnen verlagert. Durch die Hebelwirkung muss weniger Energie aufgebracht werden, und der Vorgang geht schneller vonstatten als beim Zugmechanismus.
Die Lindaunisbrücke ist aber nicht nur wegen der gemeinsamen Nutzung durch Straßen- und Schienenverkehr bekannt. Berühmtheit erlangte sie durch die Fernsehserie Der Landarzt. Und im dritten Werner-Film Volles Rooäää!!! spielte sie ebenfalls eine Rolle. Auch im wirklichen Leben kommt die Bahn einmal pro Stunde und stoppt den Straßenverkehr für ein paar Minuten. Und immer um Viertel vor der vollen Stunde sind die Schiffe an der Reihe. Dazu wird der nördliche Teil des Übergangs samt Straße und Schienen hochgeklappt.
Grün! Wir können auf die Brücke. Ein bisschen mulmig wird uns schon, da wir nun auf den Gleisen zwischen dem Stahlfachwerk fahren. Aber wir kommen sicher ans andere Ufer und passieren die Ampel, die jetzt den Gegenverkehr warten lässt.
Auch im Café Lindauhof nahe der Brücke kann man auf den Spuren der Fernsehserie Der Landarzt wandern – das Haus fungierte als Domizil des Arztes.

8
Schleibrücke Lindaunis
Lindaunisbrücke
24392 Boren
Café Lindauhof
Landarzthaus
Lindauhof 4
24392 Boren
04641 3710
www.lindauhof.de
9 Auf den Busch geklopft
Karlsburg: Schloss Carlsburg
Vornehmlich im Osten Schleswig-Holsteins wimmelt es von schönen Gutshöfen und prächtigen Herrenhäusern. Längst nicht alle sind weithin bekannt. Häufig steht ein Torhaus demonstrativ an der Straße, aber oft liegen die Güter versteckt. Im wahrsten Sinne des Wortes muss man manchmal hinter den nächsten Busch gucken, um eine dieser Schönheiten zu entdecken.
So erging es uns, als wir eines Tages von Winnemark in Richtung Karby fuhren. Kurz hinter dem Abzweiger zum Fähranleger Sundsacker wies ein Schild den Weg zum Dörfchen Karlsburg. Nichts Besonderes, hätte nicht eine ominöse Ansammlung von Bäumen im Hintergrund meine Aufmerksamkeit erregt. Aus den Augenwinkeln sah sie verdächtig nach einer Allee aus. Tatsächlich waren wir auf eines dieser verborgenen Kleinode gestoßen, an denen man oft ahnungslos vorbeifährt: Am Ende der Allee stand das Schloss Carlsburg aus dem frühen 18. Jahrhundert. Seit 1826 trägt es seinen heutigen Namen, genannt nach Prinz Carl von Hessen-Kassel, der das Gut 1785 erwarb.
Wie die meisten Herrenhäuser ist es der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das ist schade, aber wir können es verstehen. Wer möchte schon, dass alle naselang Leute auf dem eigenen Rasen herumstiefeln, die womöglich noch durch die Fenster gucken oder sich auf die Terrasse setzen. Umso schöner ist es für uns, wenn wir einen der hübschen Bauten von außen betrachten können, ohne die Privatsphäre der Bewohner zu verletzen.
Schloss Carlsburg bietet die Gelegenheit dafür. Von der Straße aus können wir den Anblick des Prachtbaus genießen, ohne jemanden zu stören. Allerhöchstens steht unser Auto nicht weit genug am Rand, wenn ein landwirtschaftliches Großgerät Vorbeifahrt verlangt. Dem wird schnell abgeholfen, und nun haben wir Muße, uns an dem hübschen Schlösschen sattzusehen.
Vom Fähranleger Sundsacker in etwa einem Kilometer Entfernung hat man einen Blick auf Deutschlands kleinste Stadt Arnis. Die Fähre setzt Radfahrer, Fußgänger und Autos über die Schlei.

9
Schloss Carlsburg
Karlsburg
24398 Winnemark
Fähranleger Sundsacker
Sundsacker
24398 Winnemark
10 Zuckersusi zieht
Kappeln: Angelner Dampfeisenbahn
Darf ich mich vorstellen? »Zuckersusi« werde ich genannt, und ich bin auf dem besten Weg, eine alte Dame zu werden. Im Jahr 1959 wurde ich geboren – Verzeihung, fertiggestellt, sollte ich korrekterweise sagen. Ein Leichtgewicht bin ich nicht, ich bringe stolze 30 Tonnen auf die Waage. Aber das muss man schon, denn eine Lokomotive soll ja was bewegen!
Und genau das mache ich auch heute noch. Ich gehöre mit anderen Loks zur Angelner Dampfeisenbahn, und meine Arbeit besteht darin, die Museumswagen durch die schöne Landschaft Angelns zu ziehen. Durch Felder führt meine Strecke, durch Wiesen, vorbei an kleinen Wäldern, immer den Schienen abseits der Straßen nach. Unser Startbahnhof ist Kappeln. Direkt an der Schlei lassen wir die Fahrgäste einsteigen. Sie nehmen Platz in einem der historischen Waggons und genießen eine gemächliche Reise, bei der man genüsslich die Umgebung betrachten kann, ohne dass einem wegen hoher Geschwindigkeit etwas entgeht.
Unmittelbar bevor die Passagiere schließlich in Süderbrarup aussteigen, wird gestoppt: Die Weichen müssen von Hand umgestellt werden. Dann rolle ich in den Bahnhof ein und darf an einem echten Gleis der Deutschen Bahn halten. Das Stationsgebäude aus dem Jahr 1904 ist selbst eine Sehenswürdigkeit; liebevoll wurde es restauriert. Nach einem Aufenthalt von einer Stunde, währenddessen man Süderbrarup mit dem sagenumwobenen Thorsberger Moor erkunden kann, tuckere ich schließlich zurück nach Kappeln.
Ich bewege und die Fahrgäste sind bewegt von Natur und nostalgischem Erlebnis gleichermaßen. Natürlich sind meine Kolleginnen, die mit Dampf betriebenen Loks, die beliebtere Attraktion. Ich als Diesellok bin weniger hübsch und längst nicht so spektakulär. Meine Arbeit mache ich jedoch genauso gern – vielleicht fahren Sie ja auch einmal mit?
In Wagersrott steht gleich neben dem Bahnhof ein historischer Holländerhof, das Dorfmuseum. In der Fernsehserie Der Landarzt bildete er die Kulisse für das Heim des Kräuterdoktors Hinnerksen.

10
Angelner Dampfeisenbahn
Von Kappeln nach Süderbrarup
Bahnhofsweg 9
24376 Kappeln
04642 9251653
www.angelner-dampfeisenbahn.de
Holländerhof Bartel
Hinnerksens Hof
Holländerhof
24392 Wagersrott
04641 2292
11 Die Jagd nach Silberlingen
Kappeln: Heringszaun in der Schlei
Bei einem Besuch in Kappeln passieren wir zu Fuß die Schleibrücke und gönnen uns einen Blick von der kleinen Aussichtsplattform in Richtung Norden. Da sehen wir aus der Förde Pfähle ragen, die im Groben ein »W« ins Wasser malen. Das hat wohl mit Fischerei zu tun, denken wir uns.
Und ob es damit zu tun hat! Die Pfahlbauten, auf die wir schauen, bilden den Kappelner Heringszaun. Mit ihm werden Heringe gefangen, die zum Laichen in die Schlei kommen: »Silberlinge«, wie die Fische wegen ihrer im Wasser glänzenden Flanken genannt werden. Zur Mündung hin öffnet sich die Anlage trichterförmig. Die Fische schwimmen hinein und folgen den zunehmend enger stehenden Zäunen bis zum schmalen Ende, wo sie in Fangnetze geraten, aus denen sie nicht mehr entkommen. Seit dem 15. Jahrhundert existiert der Zaun an dieser Stelle. Früher gab es in der Schlei fast 40 solcher Bauten, jetzt ist das Kappelner Exemplar das letzte erhaltene seiner Art, und zwar nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern in ganz Deutschland und sogar Europa.
In den 1970er-Jahren übergab Herzog Peter zu Schleswig-Holstein die Eigentumsrechte am Heringszaun an die Stadt Kappeln. Er wurde unter Denkmalschutz gestellt und das Material einer Erneuerung unterzogen. Dazu wurden 2.000 Pfähle bis zu viereinhalb Meter in den Schleigrund gerammt und anschließend das Flechtwerk zwischen ihnen angebracht. In jedem Jahr muss die Anlage ausgebessert werden, weil Strömung und Eis sie beschädigen. Im Januar 2017 wurde sie von Sturmtief Axel schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Von der Brücke aus betrachtet, mag der historisch bedeutende Heringszaun unscheinbar anmuten. Doch wenn man um seine Einzigartigkeit weiß, dann wirkt das »W« wie ein Wahrzeichen Kappelns.
Jedes Jahr am Himmelfahrtswochenende veranstaltet die Stadt die Heringstage. Neben vielen Veranstaltungen wird auch das Heringskönigspaar gekrönt.

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Heringszaun in der Schlei
Nördlich der Schleibrücke Kappeln
Eckernförder Straße
24376 Kappeln
Kappelner Heringstage
Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH
Nordstraße 1
24376 Kappeln
0 46 42 92 16 27
www.wtk-kappeln.de
www.heringstage-kappeln.de
12 Klippklapp, klippklapp
Kappeln: Schleibrücke Kappeln
Immer um Viertel vor der vollen Stunde öffne ich mich, um die wartenden Wasserfahrzeuge durchzulassen. In Kappeln ermögliche ich die friedliche Ko-Existenz von Schiffs- und Straßenverkehr. Ich, die Schleibrücke in Kappeln, bin die dritte meiner Art.
Zuerst arbeitete an meiner statt eine Pontonüberquerung. Sie war nicht einmal stabil genug, damit der Zug sie mit Lokomotive und einem Wagen gleichzeitig passieren konnte. Man stelle sich das nur vor, die Lok musste abgekoppelt werden, und Pferde erledigten ihre Arbeit. Die Querung kostete damals noch etwas, und der alte Steg wurde immer wieder durch Eis oder ungeschickte Kapitäne beschädigt. 1927 reichte den Menschen dieser Zustand, und meine direkte Vorgängerin wurde errichtet, eine Drehbrücke. Ich könnte mich ja in ihre Art verlieben, so elegant, wie sie sich öffnet. Die Dame war zudem deutlich tragfähiger als das Pontongebilde. Zwei Züge zugleich samt Lok und Waggons konnten sie befahren.
Ich wurde schließlich 2002 erbaut, weil auch diese Konstruktion dem Verkehr nicht mehr gerecht wurde. Mit der Eisenbahn muss ich mich allerdings nicht mehr abgeben, die übernimmt meine Schwester weiter im Westen in Lindaunis. Grotesk ist, dass man an meiner Stelle erst über einen Tunnel nachdachte. Wie hätte Kappeln ohne Brücke ausgesehen! Zum Glück war diese Variante zu teuer. Auch eine Hochkonstruktion kam nicht infrage, denn dafür hätte man eine viel längere Auffahrt anlegen müssen und ein Zugang von so weit oben direkt in die Stadt wäre unmöglich gewesen.
Als Lösung wurde ich ersonnen, eine zweiflügelige Doppelklappbrücke mit vier Spuren, über die der Verkehr – der sich jedes Mal staut, wenn ich geöffnet werde – schnell abfließen kann. Im Sommer beginnt meine Schicht früher als in den Wintermonaten und dauert länger. Dann geht es »klipp« – auf – und nach 15 Minuten »klapp« – wieder zu.
Vom Wasser aus kann man mich bei einer Fahrt nach Schleswig mit dem Ausflugsschiff MS Stadt Kappeln erleben.

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Schleibrücke Kappeln
Eckernförder Straße (Ende)
24376 Kappeln
MS Stadt Kappeln
Anlegestelle: Am Hafen
24376 Kappeln
04642 6184
Bordtelefon: 0172 4502796
www.schlei-ausflugsfahrten.de
13 Auf dem Pfad der Pferde
Nieby: Naturschutzgebiet Geltinger Birk
Einen wunderschönen Tag im Spätsommer haben wir uns ausgesucht, um einen besonderen Ausflug zu unternehmen: zu den Wildpferden Schleswig-Holsteins. Im Nordosten des Landes auf einer Halbinsel in der Ostsee sind Koniks, eine Rasse aus Polen, 2002 ausgewildert worden.
Sie leben auf der Geltinger Birk, dem größten Naturschutzgebiet des Bundeslandes. Seit 1986 wird eine kontrollierte Wiedervernässung betrieben, um die über 700 Hektar große Halbinsel von intensiver Bewirtschaftung zu einer naturnahen Landschaft zurückzuführen. Von dem einstmals prächtigen Gehöft, auf dem intensiv Landwirtschaft betrieben wurde, sind nur noch wenige Gebäude erhalten, an denen der Zahn der Zeit bereits kräftig genagt hat. Das Trafohäuschen, das den Bauernhof mit Strom versorgte, ist zur Heimat von Fledermäusen und Schleiereulen geworden. Viele andere Vögel, aber auch Insekten und Amphibien haben ebenfalls auf der Birk ein Zuhause gefunden. Kormorane, Säbelschnäbler und Löffelenten brüten an den wieder entstandenen Nooren und Salzwiesen. Rotbauchunke, Laubfrosch und Kreuzkröte wurden angesiedelt. Um den Lebensraum zu erhalten, den sie benötigen, beweiden die Wildpferde zusammen mit Galloway-Rindern die Halbinsel. Sie verhindern, dass Gebüsch und Wald sich ausbreiten, und sorgen dadurch für eine abwechslungsreiche Naturlandschaft. Besucher sind willkommen auf den weitläufigen Wanderwegen, um die Flora und Fauna in aller Ruhe zu genießen. So wie wir das an diesem schönen Tag tun.
Einen Blick auf die Koniks haben wir auf unserem Spaziergang dann doch nicht erhaschen können. Als erfolglos sehen wir unseren Ausflug auf der Birk trotzdem nicht an. Die badenden Rinder, die unzähligen Vögel, die Libellen und die Kröten, die wir beobachten konnten, sind nicht nur ein Trost. Sie zu sehen hat sich mindestens genauso gelohnt!
Erfolgreicher bei der Suche nach den Koniks waren wir auf einer der Wildpferdführungen, die vom Förderverein der Integrierten Station Geltinger Birk (ISGB) organisiert werden.

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Geltinger Birk
Goldhöftberg
24395 Nieby
www.geltinger-birk.de
Anmeldung Wildpferdführungen
(Juli–Oktober)
Touristikverein Ferienland Ostsee
Nordstraße 1a
24395 Gelting
04643 777
www.tinyurl.com/koniks
14 Das Ding mit dem Thing
Stoltebüll: Historischer Versammlungsplatz Guly Thing
Wo sich die Schulstraße von Süden aus Oersberg und der Kirchenweg von Norden aus Gulde treffen, liegt ein bemerkenswerter Ort. Durch die bewaldete Endmoränenschlucht der Splintbroau erklimmen wir den Arltberg, den »Adlerberg«. Oben befindet sich ein prähistorischer Urnenfriedhof. Wir sind jedoch nicht deshalb hergekommen, denn von den Gräbern sieht man nichts mehr. Hergelockt hat uns vielmehr das Guly Thing, ein germanischer Thingplatz, der nach alten Schriften und Zeichnungen rekonstruiert und von der Gemeinde Stoltebüll auf dem Arltberg wieder errichtet wurde.
Auf einem Thingplatz hielten in frühen Zeiten Sippen und Stämme regelmäßig ihre Versammlungen ab. Ein Thing diente der Regelung der Angelegenheiten des Dorfes, aber auch der Rechtsprechung. Zwölf gewählte Geschworene berieten sich unter dem Vorsitz des Sippenältesten. Dazu nahmen sie in einer Einfriedung aus Steinen oder Pfählen Platz. An solchen Orten herrschte der »Thing-Friede«, es durfte nicht mit Waffen, nur mit Worten gefochten werden. Alle wehrfähigen Männer des Dorfes wohnten im Stehen der Versammlung bei. Thingplätze befanden sich an augenfälligen Standorten, oft auf Anhöhen wie dem Arltberg oder unter einem Baum, woran noch die vielen bekannten Gerichtslinden in Deutschland erinnern.
Beim Abstieg entlang der Splintbroau denken wir über den Wortschatz nach, der sich im Deutschen aus der alten Zeit erhalten hat. »Thing« entspricht unserem »Ding« im Sinne von »Sache«, »Gerichtssache«. Daraus leiten sich zahlreiche Begriffe ab, wie uns erst jetzt bewusst wird. So macht man einen Täter dingfest. Unter bestimmten Bedingungen kann etwas unabdingbar sein oder jemand verdingt sich zu einer Aufgabe. Erstaunlich, dass wir bei derart vielen banal erscheinenden Dingen eigentlich Juristendeutsch sprechen!
Kurz unterhalb der Anhöhe am Ufer der Splintbroau liegt ein Grillplatz, der zu einem Picknick mit Barbecue einlädt. Eine Schutzhütte mit Tischen und Bänken befindet sich in der Nähe.

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Guly Thing
Thingplatz Gulde
Kirchenweg
24409 Stoltebüll
04642 2949
www.guly-thing.de
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