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Medientraining

Interview, Statement, Talkshow – so gelingt der Presseauftritt

von Juliane Hielscher

Kürschners Politikkontakte

Quidquid agis,

prudenter agas

et respice finem.

(gesta romanum)

Was auch immer du tust,

tu es klug

und bedenke die Folgen.

Kürschners Politikkontakte

Medientraining von Juliane Hielscher

ISBN 978-3-95879-000-1

ISBN 978-3-95879-004-9 (EPUB)

ISBN 978-3-95879-005-6 (MOBI)

Lektorat: Maren Jessen, Hamburg

Umschlaggestaltung, Layout: Kim Sen-Gupta, Frankfurt/Main

Satz: Schröder Media GbR, Dernbach

Gesamtherstellung: medienhaus Plump, Rheinbreitbach

Titelfoto: iStock.com, Portraitfoto: Hoffotografen

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2016

Anschrift der Redaktion:

Kürschners Politikkontakte

Postfach 1560, 53585 Bad Honnef

E-Mail redaktion@ndv.info

Telefon: 02224 3232

Datenbank www.kuerschner.info

© 2015 by Kürschners Politikkontakte, NDV GmbH & Co KG, Rheinbreitbach Jede Verwertung auch von einzelnen Teilen des Werkes außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne die ausdrückliche Zustimmung des Verlages unzulässig; dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen jeder Art und die Einspeicherung und Weiterverarbeitung in digitalen Systemen.

Inhalt

Titel

Zitat

Impressum

Medientraining, das Buch, die Autorin, das Training

Dieses Buch schreibe ich für alle, …

1. Kapitel Berichten „die Medien“ die Wahrheit über die Wirklichkeit?

2. Kapitel Wer sind eigentlich „die Medien“?

3. Kapitel „Die Medien“ – Freund oder Feind?

4. Kapitel Wie arbeiten „die Medien“?

5. Kapitel Nach welchen Kriterien werden Interviewpartner ausgewählt?

6. Kapitel Muss ich mit dem Journalisten sprechen?

7. Kapitel Kann man Interviews vorbereiten?

8. Kapitel Wie läuft ein Interview ab?

9. Kapitel Wie fragen Journalisten?

10. Kapitel Was sind Kernbotschaften und wie platziere ich sie?

11. Kapitel Wie gehe ich mit Ausdruck und Sprache um?

12. Kapitel Wie spreche ich vor Kamera und Mikrofon?

13. Kapitel Kann mein Körper sprechen?

14. Kapitel Gibt es Rezepte gegen Lampenfieber?

15. Kapitel Was tun gegen Falschberichte?

Internetangebote, Publikationen

Medientraining,

das Buch, die Autorin, das Training

Das Buch

Es wurde von Juliane Hielscher in „einem Rutsch“ geschrieben, klar in 15 Kapitel aufgeteilt, einfach und prägnant formuliert. Die Idee war und ist, mit besonderem Blick auf die Politikkommunikation Grundwissen für den Medienauftritt zu vermitteln, Theorie und Praxis zu erläutern, Tipps und Erfahrungen weiterzugeben. Wer es gelesen hat, nimmt Manches mit.

Das Buch möchte Sie darüber hinaus sensibilisieren, ja geradezu auffordern für sich selbst oder Ihr Team zu überlegen, ein praktisches Medientraining zu absolvieren, um entweder für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein oder aber eigene Erfahrungen zu vertiefen. Die Autorin ist Mitglied des Bundesverbands der Medientrainer Deutschlands und steht für ein professionelles Medientraining sehr gerne zur Verfügung.

Das Training

Hinter dem Wunsch nach öffentlicher Darstellung steht oft die Absicht, das eigene Unternehmen, ein Produkt, eine Meinung unters Volk zu bringen. Doch einen gelungenen Medienauftritt hinzulegen ist gar nicht so einfach. Das sehen Sie selbst täglich in Talkshows, Reportagen und Interviews. Steht der Journalist mit Mikro oder Kamera vor der Tür, oder sind Sie zu einem Studiogespräch eingeladen, kann leider ziemlich viel, ziemlich schnell und ziemlich dramatisch schiefgehen.

– Wie verpacke ich meine Kernbotschaften?

– Was antworte ich auf unerwartete Fragen?

– Spreche ich eigentlich deutlich und verständlich?

– Wohin mit meinen Händen?

– Wie wirke ich locker und souverän?

– Und der wichtigste Punkt: Komme ich glaubwürdig und sympathisch an?

Der öffentliche Auftritt ist für jeden Menschen eine Herausforderung. Es kann Einiges zusammenkommen, was Sie ganz schön aus dem Konzept geraten lässt: der technische Apparat der Medien, selbstbewusste und geschulte Interviewer, Zeitdruck, Lampenfieber. Bei allem gilt: Es ist zwar noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber viele sind durch Übung zum Meister geworden.

Eine gründliche inhaltliche Vorbereitung, Kenntnisse über journalistische Herangehensweise und Trockenübungen mit Statements, Vorträgen und Interviews sind eine wertvolle Hilfe.

Juliane Hielscher bietet Ihnen Professionelle Unterstützung an. Die Autorin ist IHK-zertifizierte Trainerin und systemischer Business Coach nach ECA. Sie profitieren von den Erfahrungen der Autorin aus 25 Jahren journalistischer Tätigkeit mit über 2.000 Livesendungen und hunderten Bühnenveranstaltungen. Nutzen Sie dieses Wissen für sich und Ihr Team.

Weitere Informationen und Links zur Kontaktaufnahme finden Sie unter juliane-hielscher.de oder kuerschners.com

Nun wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre!

Kürschners Politikkontakte

Berlin, Dezember 2015

Dieses Buch schreibe ich für alle,

die sich mit ihrem eigenen Auftritt in den Medien beschäftigen oder ihre Kollegen und Vorgesetzten auf einen solchen vorbereiten.

Medien bieten die Chance, sich selbst, die eigenen Überzeugungen und Ideen und manchmal auch Kompetenzen oder Produkte und Leistungen zu präsentieren. Via Medien erreichen Sie sehr viele Menschen. Sie können diese Gelegenheit nutzen oder vermasseln. Sie erhalten das Wort und könnten dabei Ihr Gesicht verlieren.

Wir alle kommunizieren täglich. Von der Art, wie unsere Gespräche verlaufen, hängt ein großer Teil unseres Gelingens ab – das gilt für Privat- wie Berufsleben gleichermaßen. Wir alle können sprechen, uns unterhalten, argumentieren, streiten. Manchmal fallen dabei Worte, Aussagen oder Bemerkungen, die wir lieber nicht gesagt hätten. Im direkten Gespräch lässt sich vieles wieder geraderücken. In den Medien sieht die Sache schwieriger aus. Gesagt ist gesagt, gedruckt, gesendet, archiviert und der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich. Das ist der eine Grund, weshalb sich inzwischen immer mehr Politiker, CEOs und Verbandsfunktionäre auf Interviews vorbereiten lassen. Aber es gibt noch einen weiteren. Es ist schließlich etwas gänzlich anderes, vor Mitarbeitern, fachlich Gleichgesinnten, Kunden oder Wählern zu sprechen. In dieser Rolle haben Sie vermutlich schon etliche Erfahrungen gesammelt.

Das Gespräch mit Pressevertretern folgt jedoch eigenen Regeln. Sie wissen vorab nicht genau, was man von Ihnen will. Ob man Ihnen gegenüber skeptisch oder wohlgesonnen eingestellt ist. Und Sie haben relativ wenig Einfluss darauf, in welchem Zusammenhang Sie zitiert werden. Ein Mikrofon unter der Nase, Zeitdruck, provokante Fragen und die Hightech-Atmosphäre eines Fernsehstudios haben schon manch gestandenen Manager ins Stammeln gebracht. Nervosität entsteht immer dann, wenn wir uns auf unbekanntem Terrain unsicher fühlen. Eine wirkungsvolle Maßnahme dagegen ist eine gute Vorbereitung! Wer genau weiß, was er wie sagen will, und sich mit der Arbeitsweise der Presse vertraut gemacht hat, kann dem nächsten Interview selbstbewusst und entspannt entgegensehen.

Dieses Buch können Sie chronologisch von A – Z lesen. Wenn Sie aber an bestimmten Fragen interessiert sind, finden Sie in jedem Kapitel abgeschlossene Informationseinheiten. Auf vertiefende Inhalte zu anderen Fragen wird jeweils gesondert hingewiesen.

Die folgenden Kapitel bieten Ihnen eine Fülle von Erläuterungen und Informationen. Ein echtes Live-Training, ein persönliches Medientraining ersetzen sie jedoch nicht. Theoretisches Wissen und praktische Anleitungen sind zwar die Grundvoraussetzungen, doch messbarer Erfolg kann nur durch eigenes Trainieren garantiert werden. Wie in jeder Kunst fallen auch die Medienmeister nur selten vom Himmel. Medientraining lässt sich anschaulich mit Tanzunterricht vergleichen. Wir alle wissen, wie beeindruckend es aussieht, wenn ein Paar leichtfüßig und elegant über das Parkett gleitet. Vielleicht beherrschen Sie sogar noch aus der Tanzstunde einige Schrittfolgen von Walzer und Bossa Nova. Für einen beneidenswert schwebenden Auftritt auf dem nächsten Bundespresseball reicht das aber vermutlich nicht aus.

Manches von dem, was Sie in diesem Buch finden, mag Ihnen wie Binsenweisheiten vorkommen. Umso besser. Dadurch wird es Ihnen leichter fallen, die theoretischen Tipps in die Praxis umzusetzen. In erster Linie geht es darum, Ihr Bewusstsein zu schärfen, für die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, die Ausdruckswerkzeuge und die unterschiedliche Wirkung die Sie damit erzielen können. Es gibt nicht den einen richtigen Königsweg zum perfekten Auftritt in der Öffentlichkeit. Der Eindruck, den Ihre Medienpräsenz hinterlässt, ist abhängig davon, wie Sie agieren und was Sie auf welche Weise sagen. Wenn wir via Journalisten mit der Welt kommunizieren, wissen wir nicht, wer der Leser, Zuschauer oder Hörer ist. Die Situation dieser Rezipienten ist unbekannt. Von ihren Sorgen, Nöten, Erfahrungen, Gefühlen und Einstellungen werden wir meist nichts erfahren. Nur die Wenigsten schreiben Leserbriefe oder nutzen die Kommentarfunktion, die viele Internetseiten inzwischen anbieten. Meist erhalten wir kein individuelles Feedback. Und selbst wenn, können wir den Eindruck, den wir erweckt haben, im Nachhinein schwerlich ändern.

Deshalb lautet der elementarste Rat, den ich geben kann:

Seien Sie sich stets darüber bewusst, was Sie und wie Sie etwas mit einem Medienvertreter besprechen.

Nur so können Sie die unangenehme Überraschung vermeiden, dass sich die Wahrnehmung der Öffentlichkeit gänzlich von dem Bild unterscheidet, das Sie selbst von sich haben. Unbefangenes Plaudern birgt etliche Gefahren. Mit ein wenig Übung und einem sorgsamen Umgang mit Pressevertretern lassen sich die Risiken allerdings erheblich mindern.

Denn wir alle sind ja gerne auch mal ein wenig einfältig. Unsere Gehirne folgen evolutionär vorgeprägten Mustern. Der Hang zu Vorurteilen gehört dazu. Jemand der groß und attraktiv ist, suggeriert uns leicht, dass er auch kompetent ist. Eine volle und tiefe Stimme verspricht uns eine selbstsichere, vertrauenswürdige Person. Zeit zum Überprüfen dieser Eindrücke nehmen wir uns selten. Der Umstand, dass wir alle zu solchen Einschätzungen neigen, birgt viele Nachteile, aber natürlich auch einen Vorteil. Wenn wir einen guten Eindruck machen, gut rüberkommen, dann gewinnen wir an Glaubwürdigkeit. Ausdrücklich möchte ich betonen, dass es nicht um Manipulation geht! Niemand lässt sich gern etwas vormachen und beim Thema Authentizität reagieren die meisten Menschen sehr sensibel. Deshalb gilt bei allem, was Sie aus diesem Buch für Ihren Medienauftritt lernen: Bleiben Sie immer Sie selbst. Und geizen Sie nicht mit Ihren guten und starken Seiten. Denn Sie wissen ja, was der Volksmund sagt:

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.


1. KAPITEL

Berichten „die Medien“ die Wahrheit über die Wirklichkeit?

Nicht ja, nicht nein, nicht jein!

Für jeden, der verstehen möchte, wie er in der medialen Öffentlichkeit wirkt und wie man selbst die Wirkung maßgeblich beeinflussen kann, sind einige Auskünfte zu dem Stichwort „Neuronale Informationsverarbeitung“ hilfreich. Denn alles was wir durch die Presse erfahren, schnappen wir mit unseren fünf Sinnen auf, gerade so wie im richtigen Leben.

Seit vielen Jahrhunderten schon quälen sich Philosophen aller Herren Länder mit dieser nicht fassbaren Wirklichkeit. Bislang ist ihr niemand auf die Schliche gekommen. Jüngst hat die fortschrittliche Neurobiologie der Wirklichkeit kurzerhand den Garaus beschert. Anhänger des sogenannten Konstruktivismus hatten sich bereits vor Jahrzehnten von der Realität verabschiedet. Ade Wirklichkeit, dich gibt es nicht, hat es nie gegeben und wird es nie geben. Die sich rasant entwickelnden digitalen Medien mit all ihren virtuellen Welten, Gleichzeitigkeiten und viralen Verknüpfungen sind mit Sicherheit kein probates Mittel, um ein letztes Zipfelchen von Wirklichkeit zu retten. Doch dank der Neurobiologie wissen wir vorerst, wie der Hase läuft. Sie bietet Erkenntnisse, die uns eine neue Sicht der Dinge ermöglicht. Natürlich nur so lange, bis uns andere Wissenschaftler plausiblere Erklärungen anbieten. Bis dahin geht das mit der Wirklichkeit so: Jeder Mensch hat seine eigene. Es existiert nichts objektiv Vergleichbares. Wir nehmen die Welt mit unseren Sinnesorganen wahr. Augen, Nase, Ohren, Mund und der Tastsinn stehen dafür zur Verfügung. Schon gibt es so genannte Cyberanzüge, die Körpergefühle simulieren. Auch mit Geruchs- und Bewegungskino wird seit der Jahrtausendwende experimentiert. Vor allem in Asien ist das Interesse an zusätzlichen Sinneseindrücken bei der medialen Informationsvermittlung groß.

Doch keine der Methoden ist marktfähig. Deshalb gelten die Geruchsmedien größtenteils als unrealistische Spielerei. Trotzdem hat der Medienkonsument auch haptische Eindrücke. Sie können beispielsweise die Druckerschwärze Ihrer Zeitung riechen und auch das Papier in den Händen fühlen. Sie könnten sie sogar essen. Doch selbst wenn sie Ihnen schmecken sollte, erlangen Sie weniger Erkenntnisse über die Welt, als wenn Sie das Gedruckte darin lesen. Zur Vorbereitung des Medientrainings konzentrieren wir uns deshalb auf das Sehen und das Hören.

Das Auge selber sieht keine Bilder. Das Ohr hört keine Töne. Beide sind, wie alle anderen Sinnesorgane auch, nur dafür entwickelt, dass sie Signale aufnehmen können. Im Fall der Medienkommunikation visuelle und akustische Signale. Diese werden in eine Art Code übersetzt und durch neuronale Verbindungen an das Gehirn geschickt. Das ist schon der ganze Job der Sinnesorgane. Die neuronalen Codes sind übrigens neutral und sogar bei allen Sinnesorganen gleich. Das Gehirn arbeitet wie eine Art elektrochemischer Apparat, der die Welt selbst nicht wahrnehmen kann. Aber es kann diese Codes wie eine Sprache verstehen, sie identifizieren, interpretieren und einem Sinnesorgan zuordnen. Aus Millionen von Informationen zimmert es sich dann eine Vorstellung der Wirklichkeit zusammen. Wir glauben dann, dass die Welt tatsächlich objektiv so ist. Aber das ist wohl ein Trugschluss. Denn das wichtigste Hilfsmittel beim Zuordnen und Verstehen der Codes ist unser Gedächtnis. Erst das Gedächtnis stiftet den Sinn, nachdem jedes Signal mit vorherigen Informationen verglichen und verknüpft worden ist. So nehmen wir alle die Wirklichkeit ganz unterschiedlich wahr. Denn in jedem Kopf sind individuelle Kombinationen von Vorerfahrungen abgespeichert. Geschlecht, Alter, Herkunft, Bildung, Gesundheitszustand, körperliche Eigenarten, familiäre Traditionen und alle Erlebnisse eines Menschen beeinflussen jeweils, wie ein Wahrnehmungssignal vom Gehirn verstanden und interpretiert wird. Und davon hängt es ab, welche Gedanken und Gefühle unser Kopf daraus bastelt.

Wahrnehmen und Verstehen ist also ein hochkomplizierter Vorgang. Wir „denken“ uns die Welt demnach eher aus einer Vielzahl von Faktoren zusammen. Ob sie wirklich so ist, wie sie uns erscheint, bleibt weiterhin die Lieblingsfrage der Philosophen. Wenn man all dies berücksichtigt, kann man von den Medienmachern nicht ernsthaft erwarten, dass sie uns die Wahrheit über die Wirklichkeit berichten – selbst wenn sie sich um eine objektiv richtige Berichterstattung bemühen.

Fast alle Journalisten wissen um die Macht der Bilder. Das Verständnis von Informationen hängt nämlich ausgesprochen stark von ihrer Visualisierung ab. Der britische Sozialpsychologe Michael Argyle fand schon im vergangenen Jahrhundert heraus, wie das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Verstehen funktioniert. In einer Studie untersuchte er den Wirkungsgrad von sinnlichen Reizen bei sprechenden Menschen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Wirkung hängt zu ca. 93 % von den nonverbalen Verhaltensweisen ab. Wenn wir einem Menschen zuhören, unterscheidet unser Gehirn nicht zwischen einer realen Begegnung und einer virtuellen. Ein Fernsehinterview wird auf die gleiche Weise verarbeitet wie ein persönliches Gespräch im direkten Kontakt.

Es ist so wichtig, in den Medien gute Gefühle zu erzeugen.

Eine gängige These lautet: Zu ungefähr 55 % ist unser Gehirn mit dem beschäftigt, was wir mit unseren Augen sehen. Gestalt, Körperhaltung, Kleidung, Aussehen, Blick sowie Mimik und Gestik werden erfasst und verarbeitet. Zu etwa 38 % interessiert sich unser Gehirn für die akustischen Signale, die unsere Ohren empfangen. Die Art des Sprechens, die Tonlage, der Tonfall, Tempo und Stimmqualität werden registriert und bewertet. Und dann bleibt beim Zuhören noch ein kleiner Rest von ca. 7 % Aufmerksamkeit übrig, den unser Kopf den Inhalten widmet.

Ob Sie das beruhigend oder erschreckend finden, müssen Sie selbst entscheiden. Jedenfalls bildet das menschliche Gehirn mit ungefähr dieser Gewichtung ein Urteil über den Gesprächspartner. Dabei kann sich unser Gehirn schnell langweilen. Eine monotone Sprechweise oder ein ausdrucksarmes Gesicht wirken einschläfernd. Um bei der Flut von Interviews, die täglich im TV oder im Internet zu sehen sind, nicht unterzugehen, bedarf es also einer gewissen Signalwirkung. Gleiches gilt für jedes Gespräch. Folglich auch für Interviews mit dem Zeitungsreporter, die nicht aufgezeichnet und gesendet werden. Denn auch die Gehirne von Journalisten verarbeiten Wahrnehmungssignale wie oben beschrieben. Die Eindrücke, die Sie verbal und vor allem nonverbal beim Journalisten hinterlassen, werden mit Sicherheit beeinflussen, wie er über Sie berichtet. Denn bei allem Bemühen um Objektivität und Neutralität bleiben Journalisten Menschen, die sich von diesem Mechanismus ihres Oberstübchens nicht befreien können. Wir Menschen tragen alle zu fast 99,9 % den gleichen genetischen Code in uns. Reizaufnahme und Verarbeitung funktionieren deshalb bei uns allen nahezu identisch. Auch die Schlüsse, die unser Gehirn aus den Signalen zieht, ähneln sich. Nur deshalb ist es möglich, dass Menschen einander überhaupt verstehen. Dass wir zu ähnlichen Einschätzungen und Meinungen gelangen.

Nur beim Gewichten, Bewerten und Interpretieren von Signalen arbeitet jedes Gehirn individuell. Denn hier kommen die gesamte Erfahrungswelt eines jeden, die Bildung und auch die jeweilige momentane Verfassung ins Spiel. Hier geht es um Gefühle. Deshalb können wir Kommunikation heute nicht mehr ohne die dazugehörigen Emotionen betrachten. Das gilt insbesondere für Medienkommunikation, weil Bilder und Schlagworte hier einen besonderen Platz einnehmen.

Konzentrieren Sie sich beim nächsten Nachrichtenschauen im Fernsehen auf Ihre Empfindungen. Sie „mögen“ bestimmte Moderatoren, andere „mögen“ Sie nicht. Ihnen „gefallen“ einige Gesichter oder Stimmen. Sie „finden“ einen Politiker glaubwürdig oder eben nicht. Sie haben „Lust“ weiterzuschauen oder Sie können jemanden „nicht aushalten“.

Das alles sind Ausdrücke von emotionalen Reaktionen – produziert von Ihrem Gehirn. Der tatsächliche Wahrheitsgehalt einer Aussage und die Vertrauenswürdigkeit eines Sprechers sind damit weder bewiesen noch widerlegt. Es handelt sich lediglich um Bewertungen, die sich in Form von Gefühlen äußern. Wir alle nehmen diese Bewertungen ständig vor. Natürlich werden auch wir selbst regelmäßig auf diese Weise emotional beurteilt. Der Zeitungsreporter kann sich davon während seines Interviews mit Ihnen genauso wenig freimachen wie Sie.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, in den Medien gute Gefühle zu erzeugen. „Gut“ meint hier ausdrücklich nicht das Vortäuschen falscher positiver Tatsachen. „Gut“ im Sinne eines „guten Eindrucks“ bezieht sich auf Eigenschaften wie Glaubwürdigkeit, Sympathie und Kompetenz. Wer es schafft, der Medienöffentlichkeit diese Facetten von sich zu zeigen, wird positiv wahrgenommen und genießt öffentliche Akzeptanz.

Forschungsergebnisse der angewandten positiven Psychologie zeigen übrigens, dass der Effekt eines negativen Auftritts oder einer einzigen negativen Zeitungsmeldung dermaßen stark ist, dass mehrere positive Meldungen nötig sind, um beim Zuschauer oder Leser wieder eine ausgeglichene Bewertung herzustellen. Andersherum geht es viel schneller. Evolutionsbedingt ist das menschliche Gehirn eher bereit, Negatives zu glauben, trotz einer positiven Vorerfahrung. Dieses eingefleischte Misstrauen hat unseren Vorfahren in unzivilisierten Zeiten das Überleben garantiert. Heute ist diese übergroße Vorsicht glücklicherweise nicht mehr in jeder Situation erforderlich. Aber unser Reaktionsmuster hinkt der Entwicklung der Welt ein wenig hinterher. Ein Grund mehr, sich angemessen zu verhalten, im richtigen Leben wie in der medialen Öffentlichkeit. Und ein Grund, sich mit den Kapiteln 12 und 13 über Stimme und Körpersprache zu befassen.

→ KAPITEL 12, Seite 99

→ KAPITEL 13, Seite 105

2. KAPITEL

Wer sind eigentlich „die Medien“?

Gute Frage! Schwierige Antwort!

Deutschlands Medienlandschaft ist einzigartig, vielfältig und abwechslungsreich. Sie bietet jede Menge Möglichkeiten, selbst irgendwo in den Medien aufzutauchen – aber damit auch jede Menge Gelegenheiten, sich um Kopf und Kragen zu reden.

Damit einmal klar ist, worüber wir sprechen: Schätzungsweise 70.000 Journalisten arbeiten hierzulande. Sie schreiben für ungefähr 330 Tageszeitungen mit rund 1.600 lokalen Ausgaben und 20 Wochenzeitungen. Zum Markt gehören außerdem mindestens 1.500 Zeitschriften und – man staune – ca. 3.800 Fachzeitschriften. In Deutschland buhlen an die 530 Radiostationen um die Gunst der Hörer, an die 400 Fernsehprogramme lassen sich von unseren Fernbedienungen aus anwählen. Und überall werden spannende Geschichten mit interessanten Persönlichkeiten gesucht. Denn davon lebt die Branche.

Zur Medienvielfalt gehören auch die großen und kleinen Nachrichtenagenturen und Informationsdienste überall auf der Welt, die ihre Inhalte in Wort, Bild, Ton und Video für die unterschiedlichsten Nutzungsarten anbieten. Die Deutsche Presseagentur dpa, reuter, der Evangelische Pressedienst epd und SID, der Sportinformationsdienst sind unverzichtbare Quellen der Redaktionen, nur um einige zu nennen.

„Die Medien“ sind niemand.

Komplett unübersichtlich wird es schließlich im Internet. Ungezählt und nicht zählbar die zusätzlichen Webseiten der klassischen Medien, Internetzeitungen, Internetradiokanäle, Internet-TV-Sender, die on demand, also bei Bedarf, abrufbar sind, Info-Portale und Publikationswege wie Twitter und all die Blogs, die in und aus der Mode kommen. Diese neuen digitalen Plattformen bieten dem Journalismus auch neue Möglichkeiten. Auf audiovisuelle Informationseinheiten trifft man überall im Netz. Dabei nimmt die Interaktion mit den „Usern“, den Mediennutzern, zu. Über Kommentarfunktionen können journalistische Beiträge nicht nur kommentiert, sondern auch bewertet, ergänzt, hinterfragt werden. Auf diese Weise ergeben sich zuweilen ganz neue Informationswellen. Diese sind allseits und jederzeit abrufbar und auf ewig gespeichert. Durch Verweise, Empfehlungen und intelligente Verknüpfungen finden im neuen Mediennetz viele Nachrichten von allein zum Empfänger. Dadurch ändert sich auch automatisch unser Verhalten als Medienkonsumenten. Wir müssen uns nicht länger gezielt auf die Suche nach Informationen begeben. Sie umschwirren uns nahezu permanent. Nutzer erliegen dadurch schnell der Versuchung, ausschließlich das leicht zugängliche Angebot für wichtig zu erachten. Auch die Quellen von Informationen und damit die journalistische Qualität werden häufig kritiklos akzeptiert. Die Trennlinie zwischen medienvermittelter Kommunikation und dem unmittelbaren persönlichen Informationsaustausch ist seit Beginn des Web 2.0 nahezu aufgehoben. Einseitige Massenkommunikation von Presse zu Pressekunden wird durch die interaktive Kommunikation ergänzt und oft ersetzt.

Wer sind also „die Medien“? Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. „Die Medien“ sind niemand. Dahinter stecken Menschen, Journalisten, Redakteure, Autoren, Moderatoren, Reporter und viele mehr. Es gibt unzählige Berufsgruppen, die für „die Medien“ arbeiten. Im besten Fall kann man behaupten „die Medien“ sind der Sammelbegriff für alle diese publizistisch arbeitenden Menschen. Dazu gehören auch Verleger, Drucker, Fotografen, Kameraleute, Techniker aller Art und viele mehr. Und sie alle denken, arbeiten und empfinden so unterschiedlich, wie es nun mal in der Natur eines jeden Einzelnen liegt.

Wer also mit „den Medien“ Kontakt hat, trifft folglich in erster Linie auf einen individuellen Menschen, dessen Arbeit von eigenen Meinungen und persönlicher Erfahrung geprägt ist. Sich dieser Tatsache bewusst zu werden, hilft dabei, ohne falsche Erwartungen und ohne Vorurteile in Kontakt mit „den Medien“ zu treten.

Wenn Unternehmer, Politiker, Verbandsvorsitzende, Akademiker, Experten unterschiedlichster Fachgebiete, aber auch normale durchschnittliche Menschen Kontakt mit „den Medien“ bekommen, ist ihr Ansprechpartner zumeist ein ausgebildeter Journalist oder eine Journalistin. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in den folgenden Kapiteln das generische Maskulinum verwendet. Kolleginnen aller Medienbereiche mögen sich von dieser Formulierung achtungsvoll eingeschlossen fühlen.

3. KAPITEL

„Die Medien“ – Freund oder Feind?

Keines von beidem!

Die Aufgabe von Journalisten ist es zu berichten. Und das möglichst informativ und neutral. Kritisches Nachfragen ist ihnen eine selbstverständliche Pflicht. Ebenso wie einen Sachverhalt aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Wie sonst wäre eine weitgehend objektive und ausgewogene Darstellung denkbar?

In Demokratien sollen die Medien das Volk informieren und durch Kritik und Diskussion zur allgemeinen Meinungsbildung beitragen. Häufig wird deshalb auch von der 4. Macht oder der 4. Gewalt im Staat gesprochen. Im Pressekodex verpflichten sich Journalisten, alle gesellschaftlichen Prozesse mit wachsamen Augen kritisch zu beobachten. Als Mediennutzer, also als Zeitungsleser oder Fernsehzuschauer, finden wir gerade diese Betrachtungsweise angemessen.

Wenn wir allerdings mit demselben kritischen Blick gesehen werden und sich dieser in der Berichterstattung widerspiegelt, reagieren wir möglicherweise empört und fühlen uns falsch beschrieben. Dabei empfinden wir uns genau genommen „als Opfer“ der gleichen journalistischen Arbeitsweise, die wir in anderen Fällen ausdrücklich erwarten. Ein prominentes „Opfer“ ist beispielsweise der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg. Stets hatte er sich erfolgreich medienwirksam inszeniert, bis er sich nach der Entdeckung des erschummelten Doktortitels aus dem Amt geschrieben fühlte.

Bei jedem Medienkontakt ist es hilfreich, diesen Mechanismus zu bedenken. Nur weil Sie einen guten Draht zu einem Journalisten haben, dürfen Sie nicht erwarten, dass er ausschließlich in Ihrem Sinne berichtet. Denn damit hätte er seinen Arbeitsauftrag nicht professionell erledigt.

Journalisten sind eben auch Dealer.

Journalisten sind eben auch Dealer. Sie geben ihren Kunden das, wonach diese suchen. Und das sind nicht ausschließlich objektive Informationen. Gewünscht sind genauso Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele, Berichte von dramatischen Lebensumständen und Sensationen jeglicher Art. Gewünscht sind dabei auch negative oder traurige Meldungen. Wer jeden Abend in den Nachrichten von einem sicher gelandeten Flugzeug hört, würde sehr bald nicht mehr einschalten. Dem Absturz mit Verletzten und Toten wird dagegen erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Wir Menschen haben offenbar ein tiefsitzendes Interesse an Leid. Ob aus Mitgefühl oder Sensationslust – wer will das beurteilen. Dennoch wird oft auf die Medien geschimpft. Ständig wühlten Journalisten im Dreck und beförderten Negatives ans Licht, so der gängige Vorwurf. Dabei wird gern übersehen, dass es nicht die Journalisten sind, die existierende Missstände zu verantworten haben.

In den Planungsredaktionen wählen die Verantwortlichen Themen aus, bewerten sie und ordnen sie in den Nachrichtentag ein. Manchmal werden hier auch Themen „gemacht“. Lange bevor die Medien beispielsweise über Mobbing berichtet haben, gab es zwar mit Sicherheit schon Probleme am Arbeitsplatz. Aber der Faktor einer psychischen Erkrankung durch Mobbing gelangte erst durch die Berichterstattung ins öffentliche Bewusstsein.

Doch aus welcher Quelle auch immer eine Geschichte kommt, bevor sie publiziert wird, klopfen die Journalisten sie auf verschiedene Gesichtspunkte hin ab und prüfen die Fakten. Der Berichtsgegenstand sollte möglichst wie folgt sein:

– aktuell,

– von allgemeinem Interesse,

– nachvollziehbar,

– Missstände aufzeigend,

– auf Verbesserungen hinweisend,

– menschlich,

– lehrreich,

– unterhaltsam.

Stärken stärken, Schwächen schwächen.

Dies sind die wichtigsten Faktoren, die dazu führen, die Aufmerksamkeit der Medien für ein Thema oder eine Person zu wecken. Ist dies gelungen, garantiert ein erster Schritt in die Öffentlichkeit natürlich nicht automatisch, dass der Auftritt oder das Interview von der breiten Masse auch positiv aufgenommen wird. Es gilt etliche Stolperfallen zu umgehen. Schon individuelle Besonderheiten einer Person können ein Grund dafür sein, dass diese einen negativen Eindruck hinterlässt. Viele Menschen sind bei ersten Medienkontakten verunsichert. Der Eine stottert, der Nächste tritt extra forsch auf. Und die meisten stellen in dieser ungewohnten Situation plötzlich fest, dass sie ganz anders reagieren als im Alltag.

Der erste Eindruck ist prägend. Das gilt nicht nur für die Wirkung bei den Mediennutzern, sondern gleichermaßen auch für das Verhältnis zum Journalisten. Deshalb ist es so wichtig, gleich beim ersten Kontakt möglichst viel von dem zu zeigen, was man zu bieten hat. Erkenntnisse aus Psychologie und Verhaltensforschung helfen bei der Selbsteinschätzung und beim Umgang mit solchen Erstunsicherheiten.

Das Motto dazu im Medientraining lautet:

Stärken stärken und Schwächen schwächen.

Es gibt Menschen, die wünschen sich mediale Aufmerksamkeit. Andere haben Angst davor. Zwei klassische Beispiele zu jeder der beiden Varianten folgen auf den nächsten Seiten:

Ich will in „die Medien“

A: Unternehmer XY hat ein neues, wirklich ungewöhnliches Produkt. Leider verkauft es sich nicht gut. XY wünscht sich, dass die Medien über das Produkt berichten. Deshalb wendet er sich eigeninitiativ an die Presse.

Vorsicht: Journalisten lassen sich nicht gern als Marketinginstrument missbrauchen! Im schlimmsten Fall wird nach einer Recherche (wenn es denn überhaupt dazu kommt) nicht über das neue Produkt berichtet, sondern über die mangelhafte Ausstattung der Sozialräume der Mitarbeiter.

B: Ein Verein sammelt Spenden für sozial schwache Kinder im Nachbarstadtteil. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter wünschen sich dafür mediale Aufmerksamkeit, weil die Not der Betroffenen wirklich groß ist und mehr Menschen davon wissen sollten, um ebenfalls zu helfen.

Vorsicht: Ja, die engagierten Menschen haben recht. Doch jeder dritte Deutsche ist ehrenamtlich tätig. Die Medien wählen sehr genau nach Relevanz aus. Das dauerhafte Anklopfen an die Redaktionstüren kostet viel Arbeit und kann frustrierend enden. Die Energie wäre möglicherweise in der eigentlichen Nachbarschaftshilfe besser eingesetzt. Wer glaubt, dass die eigene Arbeit zwingend auf mediale Aufmerksamkeit angewiesen ist und diese aktiv sucht, sollte sich dafür einen Profi leisten. Eine PR-Abteilung, einen Kommunikationsexperten, eine Agentur. Für kleinere Unternehmen oder Betriebe gilt: Medienkommunikation ist Chefsache. Ohne den Segen von Oben sollte nicht jeder Mitarbeiter selbst formulierte Informationen an die Presse leiten.

Ich will auf keinen Fall in „die Medien“

A: Unternehmer XY hat ein Problem: Sein verantwortlicher Techniker, der die Wartungsarbeiten an der Abwasseranlage vernachlässigt hat, fällt als Alkoholiker auf. Das Gesundheitsamt hat eine Verseuchung des Firmengeländes festgestellt. Als ein Journalist anruft, lässt sich der Unternehmer verleugnen.

Vorsicht: Eine schnelle offene Kommunikation auch über Mängel und das sofortige Versprechen, diese zu beheben (was dann natürlich auch umgehend geschehen sollte), wird von Medien und der Öffentlichkeit schneller verziehen als Verleugnung, Geheimnistuerei und Salamitaktik. Mit so einem Verhalten würde sich XY ein weiteres, vermutlich sogar gravierenderes Problem einhandeln.

B: In dem Verein, der Spenden für die sozial schwachen Kinder im Nachbarstadtteil sammelt, sind kleinere Geldbeträge verschwunden. In der Buchhaltung ist nicht nachvollziehbar, was passiert ist. Auf Nachfrage eines Journalisten reagiert die Vereinsvorsitzende ungehalten. Schließlich verbringt sie ihr halbes Leben ehrenamtlich im Einsatz für Dritte und hat sich nichts zuschulden kommen lassen.

Vorsicht: Die Vereinsvorsitzende ist dennoch verantwortlich für das, was mit den Geldern geschieht. Wenn Journalisten in so einem Fall keine oder nur ungenügende Auskünfte erhalten, wittern sie schnell Veruntreuung oder Amtsmissbrauch. Und darüber berichten sie auch. Selbst wenn sich dies später widerlegen lässt, wird bei vielen Menschen, die von diesem Fall gelesen oder gehört haben, ein schlechter Nachgeschmack haften bleiben. Heide Simonis und UNICEF haben in einem ähnlichen Fall für Schlagzeilen gesorgt.

Wer in der Krise untertaucht, geht am Ende selbst unter.

Beste Voraussetzung für ein partnerschaftliches faires Verhältnis auf Augenhöhe ist Vertrauen. Das gilt auch für Kontakte zu Medienvertretern. Deshalb kann es sich durchaus lohnen, zunächst selber zu recherchieren, wer von der Lokal- oder Fachpresse für die eigenen Themen zuständig ist. Den Aufbau von professionellen Kontakten sollten Sie einem dafür ausgebildeten Pressereferenten überlassen. Aber zu wissen, wer die Akteure sind, und mit ihnen unabhängig von einer Anfrage aktiv das Gespräch zu suchen, kann eine gute Basis für ein gelungenes Interview zu einem späteren Zeitpunkt sein. Journalisten sind an solchen Gesprächen durchaus interessiert. Schließlich lebt ihr Handwerk von Hintergrundwissen, einem persönlichen Informationsnetzwerk und einer gut gefüllten Kontaktdatei mit Ansprechpartnern und Telefonnummern.

4. KAPITEL

Wie arbeiten „die Medien“?

Knallhart!

Aufgabe von Journalisten ist es, der Öffentlichkeit, also jedermann, Informationen zugänglich zu machen. Berichtet wird über das gesamte Spektrum, das unsere Welt zu bieten hat. Weltpolitik oder Kaninchenzüchterverein, Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung, Sport, Kultur, Wirtschaft, Gesundheit – alles, was Menschen beschäftigt und ihr Leben mittel- oder unmittelbar betrifft.

Geprägt ist die Berichterstattung dabei stets von der elementaren Erkenntnis: Nichts interessiert den Menschen so sehr wie der Mensch, mit all seinen Facetten, Handlungsspielräumen, seelischen Verstrickungen, Gedanken, Erfahrungen, Meinungen und Missetaten.

„Hat er jetzt oder hat er nicht?“ Wie oft stellen wir uns diese Frage? Unsere menschliche Neugier will befriedigt werden.

Saß im Februar 2010 neben der damaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, ein ehemaliger Spitzenpolitiker, als sie alkoholisiert über eine rote Ampel fuhr?

Hatte der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, die Verleumdungskampagne gegen seinen Konkurrenten Björn Engholm 1987 initiiert?

Woher hatte Bayern Münchens Ex-Präsident Uli Hoeneß das viele Geld für die fatalen Spekulationen, deren Erträge er fleißig am Fiskus vorbei gesammelt hat?

Das alles sind Fragen, an denen die Öffentlichkeit brennend interessiert ist. Berufliche Fragen an die Protagonisten stehen häufig im Schatten des Interesses an der jeweiligen Person. Peoplemagazine jeglicher Art leben ausschließlich davon. Aber nicht allein die oft kritisierten Boulevardmedien sind solchen menschlichen Geschichten auf der Spur. Selbst angesehene Tageszeitungen oder Fernsehnachrichten machen aus dem Privatleben Prominenter zunehmend und gerne Schlagzeilen.

Um das Leben und die Arbeit von Medienleuten ranken sich etliche Mythen. Der Beruf eines Journalisten ist (meistens) interessant und kann Spaß machen. Richtig schillernd ist er allerdings nicht.

Die meisten Medienvertreter arbeiten hart und vor allem die stetig wachsende Zahl an Freiberuflern muss sich mit geringen Honoraren zufriedengeben. Reich werden nur einige wenige Ausnahmetalente. Allen gemeinsam – und wichtig zu wissen – ist, dass sie unter ständigem Konkurrenzdruck stehen.

Schafft es die eigene Geschichte auf Seite 1 oder überhaupt ins Blatt? Bekomme ich das Interview mit dem Bundesminister oder spricht er mit einer Kollegin aus einer anderen Redaktion? Schneide ich bei der Blatt- oder Sendekritik in den Augen des Chefredakteurs gut ab? Kann mein Bericht zu einer besseren Quote oder zur Auflagensteigerung beitragen?

All diese Fragen begleiten die Medienmacher durch ihren beruflichen Alltag. Aber in erster Linie arbeiten Journalisten für ihre „Kunden“. Sie transportieren ihre Informationen via Medium zu den Konsumenten, also zu uns allen. Der Beruf des Journalisten hat somit durchaus auch einen Dienstleistungscharakter.

Wenn Sie mit einem Medienvertreter sprechen, gibt es stets zwei Empfänger Ihrer Aussagen. Zunächst der Journalist, der Sie befragt. Aber dahinter warten als Empfänger all jene Menschen, für die auch der Reporter arbeitet. In gewisser Weise haben Sie und Ihr Interviewer das gleiche Interesse: Sie beide möchten vom Endkunden, den Hörern, Lesern oder Zuschauern, erhört und verstanden werden. Ihre Aussagen sollen für interessant befunden werden und sich aus der Flut der Medienberichte herausheben. Deshalb sind Medienvertreter häufig auf der Suche nach dem Besonderen und nach der sogenannten „Exklusivinformation“. Diesen Umstand können Sie sich zunutze machen, indem Sie außergewöhnlich oder spannende Dinge von sich geben. Das erhöht zumindest die Chance, dass Sie wahrgenommen werden. Nach welchen Kriterien Interviewpartner ausgewählt werden, erfahren Sie in Kapitel 5.

→ KAPITEL 5, Seite 37

Bei der Vielfalt der Medien existieren für Journalisten recht unterschiedliche Berufsprofile und je nach Auftrag und Redaktion wählen sie passende Gesprächspartner aus. Es gibt reine Nachrichtenjournalisten, Allrounder, Experten für spezielle Fachgebiete. Einige erklären komplizierte Wirtschaftszusammenhänge oder schreiben tolle Portraits, andere filmen die Tierwelt und wieder andere führen Interviews. Der Beruf des Journalisten hat viele Gesichter.

Heute gibt es vier verschiedene Möglichkeiten für Journalisten zu publizieren, zu veröffentlichen:

– Printmedien (Zeitungen und Zeitschriften),

– Hörfunk (Radiostationen),

– Fernsehen (öffentlich-rechtliches, privates und Pay-TV),

– Internet (Onlineseiten, Internet-Radio + TV, Bloggs etc.).

Medienvertreter suchen nach Wahrheit, nach kritischen Knackpunkten, nach Ungereimtheiten.

Hinter den Meldungen der Nachrichtenagenturen wie dpa, epd oder Reuters und der vielen Fachmediendienste stehen ebenfalls Journalisten. Allerdings haben sie eher eine Mittlerfunktion. Sie sammeln und bündeln Informationen, die zum Teil als Recherchegrundlage für weitere Presseberichte dienen. Manchmal werden die Texte auch unter Angabe der Quelle komplett übernommen. Hauptinformations- und damit auch Hauptkommunikationskanal ist heute das Internet. Das Interview, also die Befragung von Menschen, ist dabei ein zentrales Mittel um Informationen zu beschaffen. Der Betroffene mag das Interview für eine geeignete Plattform halten, auf der er sich und sein Anliegen der Öffentlichkeit vorteilhaft präsentieren kann. Das ist aber keinesfalls die Intention eines Journalisten. Medienvertreter wollen keine Bühne bieten. Sie suchen nach Wahrheit, nach kritischen Knackpunkten, nach Ungereimtheiten. Journalistische Fragen im Interview dienen dazu, der betreffenden Person persönliche Dinge, Standpunkte und Fakten zu entlocken, die sie von sich aus unter Umständen nicht erzählt hätte. Häufig konfrontiert der Journalist diese Person mit Tatsachen oder Argumenten, zu denen diese dann Stellung beziehen soll.

Beim Befragen kann der Journalist je nach Berichtsgegenstand und Person sehr unterschiedliche Rollen einnehmen. Mal ist er ein interessierter, eher schweigsamer Zuhörer, mal ein involvierter, kundiger und engagierter Gesprächspartner. Und manchmal tut er sich durch lästiges Nachfragen hervor. Je hartnäckiger ein Journalist dabei ist, desto gründlicher übt er seinen Beruf aus. Sie sollten das niemals persönlich nehmen, sondern eher als Qualitätsmerkmal anerkennen.

Das englische Wort Interview wird sowohl mit Zusammenkunft als auch mit Unterredung übersetzt. Das journalistische Frage-und-Antwortspiel hat seinen Ursprung in den USA. Die amerikanische Presse begann mit dem Abdrucken von persönlichen Gesprächen, um es „menscheln“ zu lassen. Denn schon Anfang des letzten Jahrhunderts bemerkten pfiffige Medienmacher, dass sich trockene Informationen allein nur schlecht verkaufen lassen. Diese Erkenntnis ist heute so aktuell wie damals. Die Medien sind also immer abhängig von guten Kontakten zwischen Menschen. Auf der einen Seite die Journalisten, auf der anderen die interessanten Gesprächspartner aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und manchmal spielen auch noch geheime Informanten eine Rolle.

Wie jede Landschaft, so bedarf auch die Medienlandschaft einer gewissen Pflege. Dazu gehören ein paar Spielregeln für den Umgang miteinander. Im Allgemeinen halten sich Journalisten an diese informelle Regelung. Tun sie es nicht, ist ihr Ruf schnell dahin und der Zugang zu ertragreichen Quellen bleibt künftig versperrt.

Wenn ein Gespräch „unter eins“ geführt wird, ist gemeint, dass die Aussagen voll zitierfähig sind. In diesem Fall lohnt es sich, überlegt zu formulieren. Das Gespräch „unter zwei“ ist ein Informantengespräch. Niemand wird namentlich zitiert. Details werden sprachlich verpackt. Selbst in den Abendnachrichten hören Sie manchmal „… heißt es aus Vorstandskreisen“ oder „… so ein Parteikollege.“ Sehr umsichtig müssen Journalisten mit Einzelheiten aus Gesprächen „unter drei“ umgehen. Hier handelt es sich um reine Hintergrundinformationen, die ausdrücklich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, sondern dem Journalisten tiefere Einsichten in komplexe Themen bieten sollen.

In Berlin aber auch in den Landeshauptstädten gibt es etliche solcher Hintergrundkreise, wo vertrauensvoll „unter drei“ gesprochen wird. Politiker nehmen gern an solchen Treffen teil. Meist nur, um einen sympathischen Eindruck zu hinterlassen und die Medienvertreter für sich einzunehmen. Auch Journalisten besuchen diese Zirkel, wann immer es geht. Die Einladung zu so einem Treffen kommt einem Ritterschlag gleich. Journalisten sind schließlich Menschen, und damit nicht frei von Eitelkeit.

Wichtig für Sie ist vor allem, dass Klarheit über den Grad der Vertraulichkeit Ihrer Informationen herrscht. Am liebsten möchten Journalisten „unter eins“ mit Ihnen sprechen. Denn dann dürfen alle Ihre Aussagen verwendet werden.

Jeder Veröffentlichung eines Interviews oder Teilen davon muss zwingend ein direkter Kontakt mit dem Journalisten vorangegangen sein. Dabei kann es sich um ein persönliches Gespräch handeln oder um eine schriftliche bzw. telefonische Absprache. Anderenfalls müsste ein Zitat mit einer Formulierung wie „hat kürzlich bestätigt“ oder „hat bei der Preisverleihung von … bekanntgegeben“ versehen werden.

Wie intensiv der Kontakt mit dem Pressevertreter ist, hängt von recht unterschiedlichen Faktoren ab. Wie wichtig ist der Redaktion das Interview? Wann soll es veröffentlicht werden? Welche Länge soll es haben? Und ist überhaupt Platz in Ihrem Terminkalender? Manchmal telefonieren Journalist und Gesprächspartner nur, manchmal treffen sie sich mehrfach, manchmal besucht der Journalist den Interviewpartner zu Hause oder am Arbeitsplatz und manche Menschen werden sogar in die Redaktion eingeladen. Was der Journalist anschließend mit Ihren Aussagen macht, muss zum Zeitpunkt des Gespräches noch gar nicht feststehen. Ausgenommen natürlich Live-Interviews im Fernsehen oder Radio. Denn da gilt: gesendet wie gesprochen.

Ansonsten kann ein Journalist, alle Informationen, die er während der Recherche sammelt, theoretisch auch als reine Hintergrundinformationen benutzen und Ausschnitte daraus in eigenen Worten wiedergeben. Meist werden aber die prägnantesten Aussagen zitiert. Das gilt für einen Fernseh- oder Radiobericht genauso wie für einen Zeitungstext. Auf den Zusammenhang, in dem Ihr Zitat erscheint, haben Sie wenig Einfluss. Genauso wenig wie auf die Auswahl und Länge Ihrer Ausführungen.

In etlichen Zeitungen und Magazinen erscheinen darüber hinaus immer noch klassische Interviews. Also der Abdruck von langen Frage und Antwortstrecken ohne zusätzliche Kommentare oder Beschreibungen. Personen von besonderem Interesse wird gelegentlich sogar ein ganzseitiges Portrait gewidmet. Dort finden sich neben Zitaten ausführliche Darstellungen des Charakters sowie des Werdegangs und Wirkens. Hierbei muss der Zeitungsjournalist alles umschreiben, z. B. „eine rauchige Stimme“. Einen Teil solcher Beschreibungen kann ein Radioreporter einsparen. Denn die rauchige Stimme hören die Zuhörer schließlich in den Interviewteilen selbst.

Auch im Radioprogramm finden sich Portraits, längere Interviewstrecken oder einzelne Zitate, die in einer Reportage verpackt werden. Hierbei spielt die Ausdruckskraft der Stimme und ihre Wirkung eine erhebliche Rolle. Mehr darüber erfahren Sie in Kapitel 12.

→ KAPITEL 12, Seite 99

Radio ist ein schnelles Medium. Es kann schon mal vorkommen, dass ein Redakteur bei Ihnen anruft und anfragt, ob er Sie in einer Stunde per Telefon in die Live-Sendung schalten darf. Dann muss man zügig entscheiden und gut vorbereitet sein. Wie Sie Ihre wichtigsten Informationen, sogenannte Kernbotschaften, gezielt und sicher vortragen können, damit beschäftigt sich das Kapitel 10.

→ KAPITEL 10, Seite 80

Deshalb sind Körpersprache, Mimik und Gestik, ja sogar die Kleidung so wichtig.

Das Fernsehen bietet ebenfalls verschiedene Möglichkeiten um Interviews zu platzieren. Live in der Talk-Show, als Schaltgespräch in den Nachrichten, aufgezeichnet und dann in Teilen in einen Film geschnitten. Und in ganz aktuellen, dringenden Fällen nutzen Journalisten, ebenfalls die Alternative eines Telefoninterviews. Dann ist vielleicht nur ein Foto des Gesprächspartners zu sehen oder eine Karte des Ortes, an dem er sich befindet. Das gilt allerdings meist für Kollegen, z. B. für Reporter, die aus einem Krisengebiet berichten, von dem es noch keine Bilder gibt. In allen anderen Fällen möchten die Fernsehjournalisten dem Publikum ihre Gesprächspartner natürlich zeigen. Es heißt ja Fernsehen, d. h. Sie sind zu sehen. Deshalb sind Körpersprache, Mimik und Gestik, ja sogar die Kleidung für einen Auftritt im Fernsehen so wichtig. Um all das dreht sich Kapitel 13. Denn die Zuschauer konzentrieren sich nur zu einem Bruchteil auf den Inhalt, den Moderatoren und Befragte von sich geben. Die Wahrnehmung und damit auch die Bewertung von Aussagen und Personen ist ein komplexer Vorgang, den Sie beeinflussen können.

→ KAPITEL 13, Seite 105

Tendenziell werden immer weniger Zeitungen gelesen. Die Verlagsauflagen sind rückläufig. Fernsehen und Radio liegen noch im Trend. Die großen Sender haben eine erhebliche Verbreitungskraft. Populäre Sendungen bündeln durchaus die Aufmerksamkeit von mehreren Millionen Zuschauern auf einen Schlag. Aus diesem Grund träumen so viele Menschen davon, im Fernsehen aufzutauchen und sind bereit, dafür absurde Sachen zu tun. Früher hieß es „bad news are good news“, weil schlechte Nachrichten zumindest eine Garantie dafür waren, dass man überhaupt öffentlich wahrgenommen wurde. Das hat sich geändert. Durch das riesige Presseangebot ist es heute nicht mehr ganz so außergewöhnlich, dass ein Mensch in die Medien gelangt. Durch die unbegrenzten Speichermöglichkeiten der digitalen Medien bleiben bad news allerdings bad news und werden immer wieder als Makel abrufbereit sein.

Die Medienlandschaft, die Arbeitsweisen von Journalisten und damit auch unsere Gewohnheiten als Konsumenten verändern sich weiter. Schon in wenigen Jahren werden alle technischen Medien über ein zentrales internetfähiges Gerät steuer- und abrufbar sein. Das Internet boomt seit langem und ein Ende ist nicht in Sicht. Immer mehr Seiten werden angeboten. Auch traditionelle Medien weiten ihre Online-Angebote aus. Gute Beispiele dafür sind Spiegel-Online, Bild.de oder die Mediatheken der Fernsehanstalten. Vor allem die junge Generation befriedigt ihr Informationsbedürfnis „on demand“, das heißt, sie informieren sich kurz und knapp bei Bedarf. Das Warten auf das Rascheln der Morgenzeitung im Briefkasten und die Abendgestaltung, die sich an den Sendezeiten der Fernsehnachrichten orientiert, gehören mehr und mehr der Vergangenheit an.

Dabei kämpfen alle Medien mit den gleichen Problemen: Der Fülle der Informationen, der Vielfalt des Angebots und der damit einhergehend schwindenden Konzentration von Lesern, Zuhörern, Zuschauern oder Usern.

Zeit und Tempo bestimmen die Arbeit von Journalisten. Alle wetteifern um die Gunst ihrer Leser, Zuschauer, Hörer. Alle möchten Neuigkeiten als Erste bekannt geben. Alle streben nach der Exklusivstory. Dafür wird viel Aufwand betrieben und eine Menge Geld ausgegeben. Journalisten arbeiten unter Hochdruck. Natürlich gibt es auch immer noch die gut recherchierte ausführliche Hintergrundreportage. Doch die Chance, damit den Wettlauf um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu gewinnen, ist gering. Mit pointierten Schlagzeilen und aufregenden Aufmachern buhlen die unterschiedlichen Medien deshalb um die Gunst ihrer Konsumenten. Das ist auch der Grund, weshalb es Skandale, Indiskretionen und kleinere oder größere Verfehlungen so leicht haben, auf Seite 1 zu landen. Denn auch in den Medien gilt das Wirtschaftsprinzip von Angebot und Nachfrage.

Im aktuellen Nachrichtengeschäft wird täglich neu die Themenlage geprüft, finden Recherche und Interviews statt, Artikel werden geschrieben und gehen abends in den Druck, Filme werden produziert und am gleichen Abend gesendet. Daneben gibt es noch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten der Veröffentlichung. Aber grundsätzlich gilt: Schneller und eindrucksvoller = besser.

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0+
Release date on Litres:
22 December 2023
Volume:
140 p. 1 illustration
ISBN:
9783958790049
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