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Schatzkiste der

SimpleThings

Eine Sammlung erlebnisorientierterAktivitäten mit Alltagsmaterial

Jule Hildmann

In Zusammenarbeit mit Claudia Seuffert

Illustrationen von Claudia Herbig


Dieser Titel ist auch als Printausgabe erhältlich

ISBN 978-3-944 708-52-2

Sie finden uns im Internet unter

www.ziel-verlag.de

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Inhalt und Form des vorliegenden Bandes liegen in der Verantwortung des Autors.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-944 708-53-9 (eBook)


Verlag:ZIEL – Zentrum für interdisziplinäres erfahrungsorientiertes Lernen GmbH Zeuggasse 7– 9, 86150 Augsburg, www.ziel-verlag.de 1. Auflage 2017
Grafik und Layoutgestaltung:Friends Media Group GmbH Zeuggasse 7, 86150 Augsburg
Hintergrund- und Randabbildung:Stephen Mulcahey/Shutterstock.com
Gesamtherstellung:Friends Media Group GmbH www.friends-media-group.de


©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

eBook-Herstellung und Auslieferung:

HEROLD Auslieferung Service GmbH

www.herold-va.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

SimpleThings – Wieso, weshalb, warum?

Was macht dieses Buch so wertvoll?

Quellennachweise und Würdigung

Einführung ins Buch

Das Leben kann so einfach sein! Ein Plädoyer für die Einfachheit

SimpleThings – Erlebnispädagogik mit Alltagsmaterial

Gebrauchsanweisung – unbedingt lesen!

Buchkapitel und „Schnellsuchfunktion“

Teil 1: Naturnahe Räume

Teil 2: Städtische Räume

Qualitätsmerkmale für gute Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik ist in erster Linie Pädagogik

Ziel- und Prozessorientierung

Erlebnispädagogische Veranstaltungen sinnvoll aufbauen

Trainerkompetenzen

Sicherheits- und Notfallmanagement

Teil 1: Naturnahe Räume

Park und Wiese

Park und Wiese

Einleitung

Spezielle Lernziele

Sicherheit und Rechtliches

Literaturempfehlung

Wiesenfenster

Der längste Grashalm

Flugsimulator

7 up

Papierthron

Flitzebogen blind

Stocktanz

Kopfüber kopfunter

Lobbyarbeit

Frösche und Schlangen

Wald

Wald

Einleitung

Spezielle Lernziele

Sicherheit und Rechtliches

Literaturempfehlung

Spaziergang in drei Schritten

Wer bin ich?

Frühstück am Baum

Gleich und gleich gesellt sich gern

Puzzlebaum

Blätterrennen

Team-Mobile

Dr. Baum

Knörzchens großer Tag

Mein Ich-Baum

Nacht

Nacht

Einleitung

Spezielle Lernziele

Sicherheit und Rechtliches

Literaturempfehlung

Alle, die …

Beleuchtet

Diamantenraub

Taschenlampenschnitzeljagd

Kerzenlöschen

Stille bei Nacht

Lichtmorsen

Kreaturen der Nacht

Personenraten

Hänsel und Gretel

Teil 2: Städtische Räume

Innenstadt

Innenstadt

Einleitung

Spezielle Lernziele

Sicherheit und Rechtliches

Literaturempfehlung

Lächeln zu verschenken

Müll-Sinfonie/Trash Symphony

Fußgängerbrücke

Allein unter Menschen

Versandhaus

Sozialportrait

Naturkunst in der Stadt – Urban LandArt

Gezielt verirren

Blinde Kuh

Flash Mob

Seminar- und Gruppenräume

Seminar- und Gruppenräume

Einleitung

Spezielle Lernziele

Sicherheit und Rechtliches

Literaturempfehlung

Flucht aus dem Haus des Riesen

Stuhlmikado

Papier, Bleistift, Spitzer

Wechselbahnhof

Stuhlkreisel

Zeitungsmärchen

Lava-Latschen

Katz und Maus

Flip-Chart Flip

Kartendeck

Turnhalle

Turnhalle

Einleitung

Spezielle Lernziele

Sicherheit und Rechtliches

Literaturempfehlung

Schatzkästchen

Abenteuerland

Sprung aus dem Weltraum

Dschungelbrücke

Plötzliche Landung

Schlomp AG – die Bewegungsfabrik

Berufsverkehr

Ritterburgen

Plutoniumübergabe

Gefangenenausbruch

Schnellsuchfunktion

Übersicht der Aktivitäten

Literaturverzeichnis

Die Autorin

Vorwort

Erlebnispädagogik ist vielseitig, lehrreich und macht Spaß! Was will man mehr. Der einzige Nachteil am erlebnispädagogischen Arbeiten ist, dass man für viele der tollen Aktivitäten aufwendiges fachliches Equipment und strenge Qualifikationen braucht: Kanu fahren, klettern, rafting, Wildniscamps … Material und Fortbildungen kosten leider Geld, und das steht eben nicht allen Pädagogen gleichermaßen zur Verfügung.

SimpleThings – wieso, weshalb, warum?

Meine Kollegen und ich arbeiten seit Jahren in der Prozessbegleitung von Einzelpersonen und Teams mit verschiedenen fachsportlichen und anderen Methoden. Nach und nach wurden wir auch für Fortbildungen angefragt und bilden seit 2008 Erlebnispädagogen grundständig aus. Dabei wurde zunehmend deutlich, dass ein großer Bedarf an Ideen und Übungen besteht, die man auch ohne großen Material- und Kostenaufwand durchführen kann. Ca. 2007 entstand im Rahmen meiner Promotion daher das Konzept der SimpleThings – Erlebnispädagogik mit Alltagsmaterial. Inzwischen weitaus gereifter und vielfach erprobt umfasst dieses Buch eine Auswahl erlebnisorientierter Angebote, für die nicht mehr benötigt wird, als leicht zu besorgende Gegenstände des Alltags und das, was die Teilnehmer1 zufällig bei sich haben oder um sich herum finden. Die Vorteile daraus sind einleuchtend:

 Hohe Mobilität und verhältnismäßig schnelle Vorbereitung.

 Geringe Kosten.

 Die Pädagogen/Trainer können mit leichtem Gepäck anreisen.

 Große Flexibilität und Variationsmöglichkeiten.

Ein scheinbarer Nachteil ist, dass Alltagsmaterial weniger abenteuerlich wirkt als ein Berg von Outdoor Equipment. Dieser Eindruck täuscht allerdings. Erstens hängt die Präsentation der Aktivität sowie der Hilfsmittel vom Trainer ab. Ein wenig Geschick in der Moderation und Gruppenleitung, z.B. mit Rahmengeschichten oder einem guten Spannungsaufbau können auch den blanken Fuß- oder Waldboden in ein packendes Szenario verwandeln.

Und zweitens haben wir vielfach beobachtet, wie der adrenalinreiche Wow-Effekt eines Hochseilgartens oder die körperliche Anstrengung einer Mountainbike-Tour ein Erlebnis stark dominieren kann. Dagegen können schlichte und scheinbar unspektakuläre Aufgaben ganz empfindliche und versteckte Themen aufdecken, um die es in Trainings für Schlüsselqualifikationen und Teamentwicklung ja oft geht. Denn einfach (simple) heißt keinesfalls banal! Ideal ist, wenn die Aufgabenstellung und das Material möglichst einfach sind, die Lösungsfindung dagegen eine anspruchsvolle und reizvolle Herausforderung.

Was macht dieses Buch so wertvoll?

Gedruckte und online verfügbare Auflistungen von Übungen gibt es viele. Mehr als genug, wie ich finde. Was dieses Buch dagegen bietet, konzentriert sich wirklich auf das, was wenig kostet und schnell zu beschaffen ist, bzw. idealerweise sogar vor Ort frei zugänglich ist. Zudem führt die Unterteilung in Handlungsräume dazu, dass Sie schnell eine ganze Reihe von Aktivitäten finden können, die sich für die Räumlichkeiten eignen, die Ihnen speziell zur Verfügung stehen. Die Übersicht am Ende des Buches soll dies zusätzlich erleichtern.

Quellennachweise und Würdigung

Die Übungen und Gedanken, die hier zusammen getragen sind, stammen nur zum Teil von mir. Mehrere wertvolle Quellen sind hier ausdrücklich zu nennen und zu würdigen.

Allen voran geht ein großer Dank an Claudia Seuffert vom Centrum für Erlebnispädagogik Volkersberg (CEP), die eine Phase lang an der Entstehung dieses Buches maßgeblich beteiligt war, und z.B. mit dem Kapitel „Nacht“ einen zentralen Beitrag geleistet hat. Auch im Kapitel „Wald“ und an anderen Stellen sind wertvolle Erfahrungen und Ideen von ihr eingeflossen. Die Einteilung der Kapitel in Handlungsräume entstand ebenfalls in Zusammenarbeit mit ihr. Mein ausdrücklicher Dank hierfür.

Unseren langjährigen Kollegen Annekatrin Vogler, Holger Haug, Carsten Waider und Florian Fries vom Centrum für Erlebnispädagogik Volkersberg (CEP) sei ein herzlicher Dank für die wertvolle Teamarbeit und die Bereitschaft zum Ausprobieren und Weiterentwickeln einiger der hier präsentierten Übungen. Aus dem CEP-Lehrtrainerteam stammt auch das Wellenmodel, das in der Einleitung verkürzt vorgestellt wird.

Die restlichen Übungen wurden in SimpleThings-Seminaren und/oder von mir entwickelt, oder stammen aus nicht mehr ganz nachzuvollziehenden Quellen. Soweit sie uns bekannt waren, sind fremde Quellen am Ende einer Übung angegeben. Wie bei den meisten Trainern basiert allerdings vieles in unserem Methodenkoffer auf Erfahrungen, die man als Teilnehmer oder Trainer über die Jahre hinweg irgendwo miterlebt, sich aneignet, und die wir dann nach unseren eigenen Neigungen verändern und weiter entwickeln. Ein Quellennachweis ist also oft schwierig, und wir bitten dafür um Verständnis.

Abschließend sind noch drei Menschen zu würdigen, die ebenfalls einen maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung und Qualität dieses Buches hatten: Claudia Herbig, die die großartigen Illustrationen gezaubert hat, welche die folgenden Kapitel zieren und die beschriebenen Aktivitäten zu erklären helfen. Heike Hildmann, die die Texte immer wieder einer konstruktiv kritischen Korrektur unterzogen hat, und sie dadurch sprachlich und inhaltlich immens aufgewertet hat. Und Werner Michl, der mir mit warmen, warnenden und beratenden Worten auch für dieses Projekt ein unschätzbarer Mentor war. Euch gilt mein herzlicher Dank!

Viel Freude beim Lesen und praktisch Anwenden!

Jule Hildmann

1 = Lediglich damit es sich leichter lesen lässt, wird in diesem Buch grundsätzlich die männliche Form verwendet. Weibliche Teilnehmerinnen, Trainerinnen und ich selbst sind dabei stets mit eingeschlossen.

Einführung ins Buch

Das Leben kann so einfach sein! Ein Plädoyer für die Einfachheit.

Das Ende der großen Materialschlachten ist eingeläutet! Der Minivan mit Seilkisten und Gurtzeug für erlebnispädagogische Veranstaltungen kann zu Hause bleiben und die Trainer können bequem und umweltfreundlich mit einer überschaubaren Reisetasche und der Bahn anreisen. Eine Anregung dessen, was in dieser Reisetasche – wahlweise auch Roll- oder Moderationskoffer im Baukastenprinzip – enthalten sein könnte, ist in Abb. 1 dargestellt. Solche und ähnliche, einfach zu beschaffende Gegenstände reichen aus, um die hier vorgestellten Übungen zu ermöglichen. Und zumindest einiges davon sollte auch am jeweiligen Handlungsort vorhanden sein, so dass es nicht einmal eingepackt werden muss.


Abb. 1: Solche einfachen Gegenstände – und das, was am jeweiligen Ort verfügbar ist – benötigen wir für die Aktivitäten in diesem Buch. Mehr nicht!

Das Leben kann bzw. sollte auch insofern einfach sein, weil großer (Material)Aufwand tieferen Entwicklungsprozessen sogar im Wege stehen kann. In der Praxis mit verschiedenen Zielgruppen lassen sich action-intensive Sportangebote mit solchen vergleichen, die auf den ersten Blick deutlich weniger reizvoll wirken, wie etwa Achtsamkeitsübungen und Kommunikationsaufgaben mit einfachem Arbeitsmaterial. Die Adrenalinausschüttung und Geschwindigkeit, Lautstärke und Bewegungsintensität bei Abenteuer-Aktivitäten vermag zwar nachhaltige und besonders eindrückliche Erlebnisse schaffen. In erster Linie beziehen sich diese allerdings meist auf körperliche Grenzerfahrungen (z.B. Höhe beim Klettern) und Wow-Effekte. Je minimalistischer – und manchmal, aber nicht immer, ruhiger – eine Aktivität dagegen ist, umso weniger Ablenkungen gibt es für die Teilnehmer, und die Auseinandersetzung mit sich selbst und den anderen Gruppenmitgliedern rückt deutlich in den Vordergrund. Hier entsteht in der Regel viel schneller und zuverlässiger der geschützte Rahmen, in dem tiefer liegende Bedürfnisse, Erlebens- und Deutungsprozesse aufgedeckt und wachstumsorientiert bearbeitet werden können. Welches davon später mehr als „Erlebnis“ erinnert wird, ist zum Teil erstaunlich. Denn nicht selten sind es diese letzteren Momente und Erfahrungen, die von den Teilnehmern als besonders einprägsam und nachhaltig rückgemeldet werden. Dieses Wissen können wir bei der Gestaltung von Programmen gezielt nutzen.

SimpleThings – Erlebnispädagogik mit Alltagsmaterial

Diese aufkommende Erkenntnis war einer der zentralen Motoren, die zur Entwicklung des SimpleThings-Konzepts geführt hat. Der andere war der wachsende Wunsch von Lehrern, Jugendarbeitern und anderen finanziell eher schwachen Anbietern, mit ihren Zielgruppen erlebnispädagogisch zu arbeiten. Solange dafür ein kostspieliger Materialaufwand und umfassende Fachsportqualifikationen erforderlich waren, waren viele Anbieter automatisch von diesem erfolgreichen pädagogischen Ansatz ausgeschlossen. Daher begann die Suche und aktive Entwicklung von Aktivitäten, die erlebnispädagogische Grundprinzipien und Ziele verfolgen, und die man mit einfachsten Mitteln aus dem Hut zaubern kann (vgl. Hildmann, 2015). Als Alltagsmaterial gelten dabei alle Dinge und ggf. Besonderheiten, die an einem vor Ort ohne Weiteres verfügbar sind. Dass dies in einem Schulungsraum anderes umfasst als in einer Fußgängerzone oder im Wald, erklärt sich von selbst und ist durchaus beabsichtigt. Es geht also darum, die vorhandenen Ressourcen zunächst einmal wahrzunehmen und dann kreativ zu nutzen.

Über die Jahre hinweg habe ich dieses Konzept erheblich weiterentwickelt, so dass inzwischen nicht nur Kooperationsaufgaben darunter gefasst sind, sondern alle möglichen Aspekte prozessorientierter Erlebnispädagogik, wie z.B. die Gestaltung fließender Übergänge zwischen einzelnen Übungen, Auswertungsmethoden, die Entwicklung von Metaphern und Rahmengeschichten, ein leicht verständliches Sicherheitskonzept, u.v.A.m. Diese sind z.T. an anderen Stellen veröffentlicht (Hildmann, vorr. 2017), und werden in Fortbildungen und einer Ausbildung am Centrum für Erlebnispädagogik Volkersberg vermittelt.

Gebrauchsanweisung – unbedingt lesen!

Dieses Buch soll ein schnell und einfach zu nutzendes Nachschlagewerk für Trainer und Pädagogen sein, die bereits Sicherheit haben in der Durchführung und Auswertung erlebnispädagogischer Angebote. Die Übungsbeschreibungen selbst sind auf einige zentrale Punkte beschränkt und thematisch wie optisch durchstrukturiert. Genaueres dazu siehe im nächsten Abschnitt. Dies soll das Nachschlagen und Anwenden einzelner Aktivitäten erleichtern.

Gleichzeitig erfordert es vom Leser und Anleiter einiges an Kompetenzen, auf die hier ausdrücklich hingewiesen seien (s. u., Abschnitt Qualitätsmerkmale für gute Erlebnispädagogik). Da das Verständnis von Erlebnispädagogik in der Fach- und Laienwelt sehr vielfältige Ausformungen annimmt, sind zudem einige zentrale Aspekte ausgeführt, die aus meiner Sicht entscheidende Kriterien für „gute“ Erlebnispädagogik sind – im Sinne von verantwortungs- und wirkungsvoll.

Buchkapitel und „Schnellsuchfunktion“

Sicher gäbe es viele sinnvolle Unterteilungen für die Übungen in diesem Buch. In Zusammenarbeit mit Claudia Seuffert entstand letztlich die Entscheidung, sie in Handlungsräume zu untergliedern, die den meisten Trainern und Pädagogen ohne großen organisatorischen Aufwand zur Verfügung stehen. Auf diese Weise können Sie gezielt zu der Räumlichkeit blättern, in der Sie vorhaben sich mit Ihrer Gruppe aufzuhalten, und einzelne Übungen oder ganze Übungssequenzen entnehmen. Die Nacht verstehen wir dabei übrigens ebenfalls als – genialen, da zuverlässigen und kostenfreien – Handlungsraum, nur eben nicht im herkömmlichen Sinne.

Ein paar grundsätzliche Informationen zu den einzelnen Räumen sind hier in der Einleitung zu finden, speziellere Infos und Hinweise sind jeweils am Anfang eines Kapitels aufgeführt.

Viele der Übungen lassen sich allerdings auch – mit zum Teil kleinen Abwandlungen – an anderen Orten durchführen. Die Einteilung in Handlungsräume ist lediglich eine Hilfsfunktion, kein Gesetz. Daher ist am Ende dieses Buches eine tabellarische Übersicht als Schnellsuchfunktion eingefügt, in der die Übungen nach verschiedenen Kriterien sortiert sind.

Teil I: Naturnahe Räume

Natur ist ein dehnbarer Begriff. Ist nur die Wildnis Natur? Oder alle Pflanzen und Tiere? Was ist mit angelegten Landschaften und Gewässern? Und der Mensch, in wie weit sind wir Natur?! Dies sind spannende und wichtige Fragen. Allerdings haben andere darüber bereits ausführlich diskutiert, und unser Hauptziel ist hier weder philosophisch noch wissenschaftlich zu sein, sondern rein praxisorientiert. In diesem Buch bezeichnet „Natur“ daher solche Räume, in denen Pflanzen, Erde, Steine etc. vorhanden sind, als Arbeitsmaterial, als Bewegungsraum und zur Interaktion (hoppla, doch philosophisch). Dazu gehören natürlich Wald, Wiese und Felder genauso wie Bachläufe und andere Gewässer, Feldränder, bis hin zu angelegten Parks, und städtischen Grünflächen. Und genau bei letzteren wird die Abgrenzung zu den anderen Kapiteln mitunter fließend. Hier kann wie gesagt die Schnellsuchfunktion am Ende des Buches einen Überblick bieten, welche Übungen sich für welche Orte eignen. Auch die Nacht wird hier als naturnaher Raum verstanden.

Teil II: Städtische Räume

Unter diesem Thema sind Räume zusammen gefasst, die mehr oder weniger stark von Zivilisation und menschlicher Bebauung beeinflusst sind. So gehören hierhin Seminar- und Gruppenräume, ebenso wie die Turnhalle oder allgemein eine bebaute und belebte Innenstadt.

Qualitätsmerkmale für gute Erlebnispädagogik

Wie einleitend bereits gesagt, ist dieses Buch als einfach zu nutzendes Nachschlagewerk für erfahrene Trainer und Pädagogen gedacht, die bereits Sicherheit haben in der Durchführung und Auswertung erlebnispädagogischer Aktivitäten. Die Erläuterungen zu den hier vorgestellten Übungen sind bewusst knapp und übersichtlich gehalten, um den Leser nicht mit einer Flut von Texten und Hinweisen abzuschrecken. Dies bedeutet allerdings auch, dass viele kleine Aspekte nur angedeutet sind oder gänzlich in den Händen der Anwender liegen.

Um einem hohen Qualitätsanspruch gerecht zu werden, sind im Folgenden einige Aspekte ausgeführt, die hoffentlich jeder Leser als Grundlagen guter erlebnispädagogischer Arbeit kennt. Sie sind erforderlich, um die vorgestellten Übungen ziel- und zielgruppenorientiert, sicher und wachstumsorientiert durchzuführen. Die dahinter stehende Fachliteratur mit Gedankenmodellen, wissenschaftlichen Erkenntnissen, etc. ist im Literaturverzeichnis an Ende des Buches enthalten.

Erlebnispädagogik ist in erster Linie Pädagogik

Das Erlebnis ist in der Erlebnispädagogik der zentrale Lernträger. Klettern, Rafting, und andere Natursportarten können allerdings nur dann als erlebnispädagogische Medien gelten, wenn sie bewusst ausgewählt und durchgeführt werden, um pädagogische Lernziele zu fördern. Einen Hochseilgarten zu besuchen, weil es Spaß macht und eine tolle sportliche Aktivität ist, ist absolut berechtigt und als individuelles oder Gruppenerlebnis auch gut nachvollziehbar. Erlebnispädagogische Arbeit ist es deshalb noch lange nicht! Da Erlebnispädagogik erfolgreich und beliebt ist, wird die Bezeichnung gerne als werbeträchtiges Label verwendet oder gar missbraucht, um auch rein kommerzielle Angebote zu vermarkten. Auf den daraus resultierenden Imageschaden für alle seriösen Anbieter möchten sei an dieser Stelle nur hingewiesen. Sie Sind als Leser zu kritischen Blicken aufgefordert, wenn sie sich – in welcher Funktion auch immer – auf dem erlebnispädagogischen Markt bewegen.

Ziel- und Prozessorientierung

Lernprozesse lassen sich weder garantieren noch berechnen. Individuen – und Gruppen von Individuen noch einmal mehr – lassen sich in ihren Reaktionen auf spezielle Situationen nicht eindeutig vorhersagen. Mit einem wachsenden Erfahrungsschatz und damit geschulter professioneller Intuition bekommt man als Trainer ein zunehmend sicheres Gefühl dafür, geeignete Herausforderungen und Übungen anzubieten, die die Teilnehmer in Richtung ihrer gesetzten Lernziele voran bringen. Wenn wir in Bezug auf diese Lernziele nicht sinnvoll begründen können, weswegen wir eine Aktivität durchführen, dann sollten wir lieber nach einer geeigneten Alternative suchen, um nicht wertvolle Zeit und Energie zu vergeuden.

Gleichzeitig stellt sich in dieser Nicht-fest-Planbarkeit auch die Frage, wer oder was im Programmablauf als Richtungsweiser gelten darf. Und noch einmal kommt die Intuition ins Spiel, diesmal gepaart mit Wahrnehmungsfiltern, die sich gezielt schulen lassen. Die Lernziele und Kernthemen, die im Vorfeld und zu Beginn einer Veranstaltung ermittelt wurden, sind nicht immer jene, die sich im Laufe einer Veranstaltung als die dringendsten herausstellen. Dies hängt meistens mit unaufgedeckten Kommunikationsmustern, verschiedenen Erwartungen oder Bedürfnissen und ähnlich eher Unbewusstem zusammen. Unsere Aufgabe ist es daher, ständig wachsam zu sein und mit sensiblen Antennen nach diesen heimlichen Themen zu horchen, da sie oft die Arbeit an den offiziellen Zielen behindern. Der Schlüssel zur Wirksamkeit ist dabei, möglichst zügig vom oberflächlichen Eindruck in die darunter liegenden Bedürfnisse und Themen einzutauchen und solche stillen Schätze behutsam an die Oberfläche zu bringen.


Die ursprüngliche Zielvereinbarung mit dem Auftraggeber und den Teilnehmern ist dabei jedoch zu berücksichtigen, und ggf. muss eine erneute Auftragsklärung durch eine Gesprächsrunde, Punktbewertung oder auf andere Weise vorgenommen werden. Auch sollten sich die Trainer immer wieder kritisch hinterfragen, wo ihre eigenen Kompetenzen enden und ein offizieller oder geheimer Auftrag besser abgelehnt und ggf. an eine andere Form von Unterstützung (z.B. Teamsupervision, Einzelberatung) verwiesen werden sollte. Diese eigenen Grenzen zu erkennen und zu wahren, ist ein Zeichen von Professionalität.

Prozessorientierung bedeutet also anzuerkennen, dass Veränderung und Wachstum in Einzelpersonen und Gruppen nicht linear und zuverlässig planbar sind. Vielmehr sind sie bedingt vom Zusammenspiel bewusster und unbewusster, äußerer und innerer Einflussfaktoren. Prozessorientiert arbeitende Trainer schulen ihre Wahrnehmung hierauf und haben methodische Alternativen parat, die sie flexibel anwenden können. Als Trainer strukturieren und begleiten wir also die Veranstaltung, lassen uns aber inhaltlich davon leiten, wie die Gruppe sich und ihre Themen entwickelt.

Erlebnispädagogische Veranstaltungen sinnvoll aufbauen

Ganz willkürlich sind die Entwicklungsprozesse von Gruppen natürlich nicht. Je nachdem, ob wir mit einer neu zusammengesetzten oder bereits miteinander vertrauten Gruppe arbeiten, sind typische Phasen und Rhythmen zu erwarten, nach denen die Teilnehmer sich zusammenfinden, ihre Unterschiede aushandeln und ihre Energie zur Erreichung gemeinsamer Ziele kanalisieren. Ein klassisches und oft zitiertes Modell solcher Gruppenphasen ist das von Bruce Tuckman (Tuckman, 1965; Tuckman & Jensen, 2010; 1977) mit den Phasen Forming/Annäherung, Storming/Positionssuche, Norming/Organisation, Performing/ Realisierung und Adjourning/Ablösung (dt. Bezeichnungen von König & König, 2002, 142f.). Die Bedürfnisse der Personen in den jeweiligen Phasen bestimmen verschiedene Faktoren prozessorientierten Arbeitens, wie etwa das Maß, in dem die Leitung eher durch die Trainer oder die Gruppe erfolgt. Unsicherheiten der Teilnehmer am Anfang einer Maßnahme erfordern z.B. eine deutlich höhere Präsenz und Steuerung der Trainer als in einer Phase der Höchstleistung eines eingespielten Teams. Auch der Schwierigkeitsgrad der gestellten Herausforderungen und andere Aspekte werden hierdurch entscheidend mitbestimmt.

Diese typischen strukturellen Merkmale können und sollten bei der Konzeption und Planung einer erlebnispädagogischen Maßnahme berücksichtigt werden, und die Auswahl der Übungen und Aktivitäten entsprechend erfolgen. Das Centrum für Erlebnispädagogik Volkersberg hat dafür das Wellenmodell entwickelt (Abb. 2): In einer Einführungsphase werden Ziele, der Auftrag und ähnliches innerhalb der Gruppe ausgehandelt. In den folgenden Aktionsphasen I und II werden diverse Lernsituationen mit steigendem Anforderungsgrad und Zielorientierung geschaffen. Die gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse werden dann gebündelt und münden in eine Phase des Ausblicks, die abschließende Schritte zur Transferunterstützung und – je nach Gruppenart – zur Gestaltung des Abschieds umfasst. Dieselben Schritte finden sich auf der Mikroebene auch innerhalb der einzelnen Lernszenarien (z.B. einer Kooperationsaufgabe).


Abb. 2: Das Wellenmodell (CEP 2016) zum Aufbau einer erlebnispädagogischen Maßnahme

Dieses Modell kann als grobe Richtlinie nicht für alle, aber doch viele Veranstaltungen dienen. Faktoren der Prozessbegleitung richten sich dabei grundsätzlich nach den typischen Bedürfnissen der Teilnehmer in den jeweiligen Gruppenphasen, müssen allerdings flexibel umgesetzt werden. Auf die Bedeutung der eigenständigen Vor- und Nachbereitung der Trainer für die Qualität der Veranstaltung wird hierin zudem hingewiesen. Weitere Details sind im Skript der Ausbildung nachzulesen (CEP 2016). Entscheidend bei der Anwendung dieses Modells und prozessorientierter Pädagogik allgemein ist, dass nicht einfach Kernaktivitäten (wie Kooperationsaufgaben oder Natursporteinheiten) aneinander gereiht werden. Um die Schätze im oben gezeichneten Bild an die Oberfläche zu holen und zu nutzen, sind Nachfragen, Metaphern, Auswertungs- und Transferunterstützende Maßnahmen von zentraler Bedeutung. Diese und andere Zwischen-den-Zeilen-Methoden zur Prozessbegleitung sind allerdings nicht Inhalt dieses Buches, sondern werden von den Autoren an anderen Stellen behandelt (Hildmann, vorr. 2017; Hildmann in review; Hildmann, 2015; Hildmann & Moseley, 2012; Busch, Hildmann, Steinicke & Trobisch, 2012; Hildmann & Seuffert, 2010).

Trainerkompetenzen

Dass der Trainer eine ganz zentrale Bedeutung im pädagogischen Prozess hat, ist einleuchtend. Wie vielseitig und vielschichtig dieser Einfluss – z.B. eben durch die diversen Anforderungen prozessorientierten Arbeitens – ist, wird allerdings oft zu wenig bedacht.

Stapelweise Fachbücher und -artikel stellen Anforderungsprofile für Erlebnispädagogen vor (König & König, 2002; Paffrath, 2013; Heckmair & Michl, 2004; BE, 2015a/b; Reiners, 1995; 2003; Martin, Cashel, Wagstaff, & Breunig, 2006; Shooter, Sibthorp, & Paisley, 2009; Priest & Gass, 2005). Worüber sich alle einig sind, ist, dass eine Kombination verschiedenartiger Kompetenzen erforderlich ist, um gute Erlebnispädagogik zu leisten. Dazu gehört, dass man neben den konkreten Aktivitäten, die durchgeführt werden sollen, auch allgemeine Methoden der Moderation und Gruppenleitung beherrscht. Weiterhin sind (Er-) Kenntnisse über oben genannte Gruppenprozesse und typische Themen in Gruppen erforderlich, und wie diese wachstumsorientiert begleitet werden können (siehe die Abschnitte Ziel- & Prozessorientierung und Sicherheits- und Notfallmanagement). Die Anwendung dieser Kompetenzen basiert auf einer ethischen Grundhaltung der Trainer, die von einem ressourcenorientierten Menschenbild und einem ganzheitlichen und systemischen Bildungsverständnis geprägt ist.

Obwohl es noch weitere Anforderungen an das Trainerprofil gibt, sei es jedem Leser ans Herz gelegt, sein Kompetenzspektrum kontinuierlich zu reflektieren und zu erweitern. Ein Bereich, der besonders von Anfängern oft hinten angestellt wird, ist der Ausbau solider Kompetenzen im Umgang mit Krisen- und Notfallsituationen.

Sicherheits- & Notfallmanagement

Es kann immer etwas schief gehen, egal wie gut wir ausgebildet und vorbereitet sind. Und sobald wir uns in die Natur bewegen, setzen wir uns von vorne herein einer Vielzahl an Risiken und Unsicherheiten aus. Das nehmen wir zwar in Kauf in der Erlebnispädagogik, in der es gezielt darum geht, Herausforderungen zu schaffen und bekannte, sichere Wege zu verlassen. Gleichzeitig haben wir jedoch auch eine Verantwortung für die psychische und körperliche Unversehrtheit unserer Teilnehmer. Diesen Spagat zu leisten, ist oft nicht einfach, wie die aktuelle Diskussion um Risiko und Wagnis demonstriert (z.B. Siebert, 2003; Gill, 2010; Leberman & Martin, 2003).

Ein ausgereiftes Sicherheits- und Notfallmanagement kann erstens viele Notfall- und Krisensituationen von vorne herein vermeiden, zweitens dafür sorgen, dass im Falle eines Notfalls schnell und kompetent gehandelt wird, und drittens für die Veranstalter und Trainer als wertvoller Schutz im Falle eines Rechtsstreits dienen.

Zu einem solchen Sicherheits- und Notfallmanagement gehören unter anderem:

 Kenntnisse und Kompetenzen in Bezug auf psychische Grenzerfahrungen und einer kompetenten Betreuung von Teilnehmern in Krisensituationen.

 Ein Konzept, wie in Notfällen standardmäßig zu verfahren ist (Interaktion mit dem Veranstalter, Telefonlisten, Koordination der Gruppenbetreuung, etc.).

 Eine systematische Risikoanalyse der geplanten Aktivitäten in Bezug auf Gruppe, Örtlichkeiten, Wetter, etc.

 Eine angemessene Abfrage gesundheitlicher Einschränkungen bei den Teilnehmern.

 Neben einem formellen Erste-Hilfe-Schein auch praktische Handlungskompetenzen. Wer draußen unterwegs ist, sollte zusätzlich Kompetenzen in Erste-Hilfe-Outdoor haben.

 Ein für das jeweilige Programm angemessen ausgestattetes Erste-Hilfe-Set.

 Eine gewissenhafte Aufarbeitung aller Unfälle, Beinahe-Unfälle, und relevanter Vorkommnisse, mit dem Ziel eines stetig ausgereifteren Präventions- und Sicherheitsmanagements.

Wer sich in diesen Bereichen noch nicht sicher fühlt, der ist dringend angehalten, sich entsprechend fortzubilden. In Hinblick auf SimpleThings ist unbedingt zu beachten, dass eine Begrenzung auf die Verwendung von Alltagsmaterialien körperliche und psychische Gefahren keinesfalls ausschließt!

In diesem Zusammenhang sei ebenfalls betont, dass man Übungen nicht einfach aus einem Buch o. Ä. übernehmen und unkritisch anwenden sollte (auch aus diesem nicht)! Stattdessen gilt der dringende Rat, sie entweder vorzutesten oder wirklich so viel Erfahrung mit Gruppen und erlebnispädagogischen Prozessen zu haben, dass man sich sicher fühlt, Abwandlungen und Experimente zu wagen, Gefahrenstellen zu antizipieren, und auch unvorhergesehene Wendungen in Lernsituationen zu einem positiven Lernzuwachs zu leiten.

Viel Erfolg!

Nach diesen wohl gemeinten Warnungen und Hinweisen wünschen wir allen Lesern nun viel Freude und Erfolg mit den in diesem Buch beschriebenen Übungen.

Wer Lust hat, auch selber Übungen zu entwickeln, der kann sich aus Leitfäden für Förster und Naturpädagogen, sowie aus Büchern mit einfachen Spielen (z.B. Hechenberger, Michaelis, & O’Connell, 2007; Frank & Eckers, 2007; Lehner, 2005; Mertens, 2005; Geissler & Butschkow, 2004; Köckenberger, 2004; Baer, 1997) Anregungen holen und oft durch einfache Veränderungen Kooperationsaufgaben und andere erlebnisorientierte Herausforderungen umwandeln lassen. Wie erlebnispädagogische Übungen systematisch und Ziel- bzw. Zielgruppen bezogen entwickelt werden können, ist an anderer Stelle ausführlich beschrieben (Hildmann, vorr. 2017; Hildmann & Moseley, 2012; Hildmann & Seuffert, 2010).

Rückmeldungen und Anregungen zur Verbesserung dieses Konzeptes sowie auch SimpleThings-Ideen oder Übungen, die Sie vielleicht kennen, sind jederzeit herzlich willkommen. Bitte an jule.hildmann@gmx.de.


Teil 1:

Naturnahe Räume


Park und Wiese

Park und Wiese

Einleitung

Parks sind großartige erlebnispädagogische Handlungsräume nahe oder gar inmitten der Stadt. Mit ihren Bäumen, Rasen- und Wiesenflächen, Wegen, Gebüschen und Gewässern sind sie äußerst vielseitig, bieten viele Vorzüge der Natur (Geräuscharmut, Naturmaterialien, etc.), und das alles ohne lange Anfahrtswege. Perfekt für SimpleThings.

Wiesen können als Teil von Parks oder davon unabhängig auftreten, z.B. als Obstwiese, Waldlichtung, Naturwiese, oder einfach unbestelltes Gelände mit Unkraut und Gestrüpp. Der Fokus liegt dabei auf der Vielfalt an Blumen und Gräsern, sowie ein relatives „Freisein“ von größeren Hindernissen wie Bäumen oder Gebäuden.

In diesem Kapitel gibt es für beide Räume etwas, und zudem vieles, was auch drinnen oder anderswo durchgeführt werden kann und im Park einfach ein schönes und wohltuendes Ambiente bekommt. Denn die gesundheitlichen und sozio-emotional positiven Auswirkungen eines Verweilens in der Natur und naturnaher Umgebung sind vielfach belegt (siehe z.B. Muñoz 2009). Im Park können wir davon gratis profitieren und dies als Bonus für den Lernerfolg verbuchen.

Spezielle Lernziele

Das schnelle Entfliehen aus einem städtischen Alltag fördert besonders Lernziele wie zur Ruhe kommen und Abstand gewinnen. Außerdem bietet eine einfache Rasenfläche die Möglichkeit, nahezu alle Übungen aus dem Kapitel Seminar- und Gruppenräume anzuwenden, mit dem erwähnten Gratiseffekt der belebenden Grünfläche und frischen Luft.


Sicherheit und Rechtliches

In Parks ist neben der Parkordnung in erster Linie zu beachten, dass die Rechte anderer Nutzer gewahrt bleiben müssen. So sollten z.B. keine Fahrradwege mit Seilen überspannt werden, oder lebendige Gruppen-diskussionen am Zengarten stattfinden. Das Prinzip ist selbstverständlich und gerät doch manchmal im Trubel des Geschehens aus dem Blick.

Blumenwiesen im klassischen Sinne werden oft landwirtschaftlich genutzt und sollten daher nicht niedergetrampelt werden. Soweit sie nicht Teil von öffentlichen Parkanlagen sind, gehört es auch zum guten Ton, beim Besitzer vorab um Erlaubnis zu bitten. Sollte dieser schwierig ausfindig zu machen sein, können evtl. Forstamt oder Landratsamt weiter helfen.

Literaturempfehlung

Hechenberger, A., Michaelis, B., O’Connell, J.M. (2007). Bewegte Spiele für die Gruppe. Münster: Ökotopia.

Kaderli, M. Et al. (1998). Geländespiele. Spielprojekte für Stadt, Wald und Wiese. (2. Auflage) Luzern: Rex.

Muñoz, S.-A. (2009). Children in the outdoors. A literature review. Forres: Sustainable Development Research Centre.

Robra, A. (2001). Zauberstein und Riesenstab. Abenteuer-Rallyes für Kinder und Jugendliche. Seelze/Velber: Kallmeyer.

Siehe auch die Literaturhinweise in den Kapiteln Wald und Innenstadt.

Wiesenfenster

Kleingruppen bilden sich aus Stöcken ein Fenster auf dem Boden, suchen darin Details und entwicke ln damit eine Fantasiegeschichte.

Altersgruppe

Kinder, Erwachsene.

Gruppengröße

4 bis 12 Personen. Auch mit großen Gruppen durchführbar, dann die Geschichte (s. Schritt 6) mit jeweils maximal 3 Kleingruppen austauschen.

Material

Pro Teilnehmer eine leere Klopapierrolle als Fernrohr.

Raum

Wiese, Park, Wald, Waldrand. Stöcke sollten in der Nähe zu finden sein.

Themen

Natur erfahren, Gemeinsam kreativ sein, Wahrnehmung mit allen Sinnen, Aufmerksamkeitsfokussierung aufs Detail.

Ablauf und Regeln

Die Teilnehmer bilden Kleingruppen von 2 bis 4 Personen.

Jede Kleingruppe sammelt vier Stöcke mit je einem halben Meter Länge.

Anschließend markiert sich die Kleingruppe mit den 4 Stöcken je ein Wiesenfenster, an einer Stelle, die ihnen gefällt.

1 Wahrnehmungsanregung (Der Trainer geht jeweils von Gruppe zu Gruppe): Die Teilnehmer sollen sehend durch das Fernrohr ihr Wiesenfenster erkunden und ihre Beobachtungen mit der Kleingruppe teilen.

2 Wahrnehmungsanregung: Vorsichtig tastend, riechend und hörend das eigene Wiesenfenster erkunden und die Wahrnehmungen miteinander teilen.

3 Bewegungen aller Art im Wiesenfenster suchen und benennen.

4 10 „Dingen“ (Pflanzen, Tiere, etc.) im Fenster einen phantasievollen Namen geben.

5 Gemeinsam in der Kleingruppe eine (Helden-)Geschichte erfinden, in der die 10 Dinge vorkommen.

6 Präsentation der Geschichte für die anderen Kleingruppen.

Vorbereitung

Benutzung der Wiese klären und kurz vorher sichten.

Sicherheit

Teilnehmer-Gesundheitscheck (Pollen-/Gräserallergie und Umgang damit). Auf Zecken sowie auf Schutzmöglichkeiten davor und Umgang damit hinweisen.

Varianten

 Wahrnehmungsanregungen variieren, z.B. mit dem Rohr hin horchen.

 Die Dramaturgie der Geschichte vorgeben, z.B. ein Märchen erfinden, eine Tragödie, eine Liebesgeschichte, eine Fabel, eine spirituelle Weisheit, etc.

Auswertung

 Würdigung der erfundenen Geschichten.

 Was habe ich in der Wahrnehmung als besonders beeindruckend erlebt?

 Was hat die Geschichte mit uns/unserem Thema zu tun?

 Wie schenke ich den „kleinen Dingen im Leben“ Beachtung?


Der längste Grashalm

In diesem einfachen Wettkampf(spiel) versucht jeder, den längsten Grashalm der Welt zu finden.

Altersgruppe

Kinder, Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

2 bis beliebig viele Personen.

Material

–

Raum

Wiese, Park, Waldrand, Bachufer, etc.

Themen

Bewusste Wahrnehmung der Natur, Achtsamkeit, Wahrnehmung schärfen, in Kontakt kommen, Warm-up, miteinander ins Gespräch kommen.

Ablauf und Regeln

Auf ein Kommando schwärmen alle aus und suchen sich einen Grashalm aus, von dem sie meinen, dass es der längste ist.

 Jeder darf nur einen Grashalm ausreißen!

 Wenn alle zurück sind, wird verglichen, indem sich die Teilnehmer in Reihenfolge der Länge ihrer Grashalme im Halbkreis aufstellen sollen.

 Dem Sieger wird gratuliert. Als Preis bekommt er einen „Grashalmstrauß“ (natürlich aus den Gräsern der anderen Teilnehmer.

Vorbereitung

Keine.

Sicherheit

Gelände auf Gefahrenquellen (Verkehr, Gewässer, Abhänge, etc.) überprüfen, Handlungsradius entsprechend abgrenzen.

Varianten

Der kleinste Stein.

Das längste Schilf (am Wasser).

Den längsten und den kürzesten Grashalm finden.

Auswertung

 Was hat dich erstaunt?

 Was hast du während deiner Suche noch entdeckt?

 In welcher Situation warst du schon mal der Größte?

 In Kleingruppen mit den Grashalmen Bilder legen oder Antworten auf Impulsfragen geben.


Flugsimulator

Flugzeuge im Blindflug müssen von ihren Lotsen möglichst schnell und sicher zum Flughafen gelenkt werden.

Altersgruppe

Kinder, Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

8 bis 16 Personen.

Material

Papier (z.B. Moderationskarten), Schals/ Tücher/Augenbinden, Seile o. Kreide, vier dicke Stifte in verschiedenen Farben (z.B. rot, gelb, grün, blau).

Raum

Park, freie Fläche, drinnen oder draußen. Platzbedarf ca. 10x10m.

Themen

Effektive Kommunikation organisieren, Störfaktoren in der Kommunikation, Strategien abstimmen.

Ablauf und Regeln

Die Flugsicherung muss wegen dichten Nebels die Flugzeuge über Funk zum Boden steuern. Jede Fluggesellschaft versucht ihr Flugzeug am schnellsten am Boden zu haben.

 Kleingruppen bilden und Fluggesellschaften (= Farben) zuteilen, z.B. gelb = Lufthansa, blau = Asia Airlines, rot = Air Canada, grün = New Zealand Wings.

 Nur die Flugzeuge/blinden Piloten befinden sich in der Einflugschneise. Die Fluglotsen müssen außerhalb der Markierungen bleiben.

 Die Piloten fliegen während der gesamten Zeit im Blindflug (= Augenbinden auf).

 Die Flugzeuge dürfen nur über Koordinaten ihrer eigenen Fluggesellschaft (s. Farbe) vorrücken.

 Flugzeuge, die die letzte Koordinate erreichen, sind gelandet und dürfen aussteigen (= die Augenbinde abnehmen).

 Kollisionen sind von allen Beteiligten zu vermeiden. Flugsicherheit geht vor!

 Die Flugzeuge befinden sich noch X Minuten in der Warteschleife (= Beratungszeit), danach beginnt der Landeanflug.

Vorbereitung

 Mit Seilen oder Kreide wird die Einflugschneise (= rechteckiges Spielfeld) markieren.

 Die Moderationskarten (= Koordinaten) werden farblich und/oder mit Zahlen gekennzeichnet und in Reihen auf der Flugschneise ausgelegt (siehe Abb.). Die Farbwege sollen sich dabei etwa gleichmäßig kreuzen.

Sicherheit

 Auf ebenen Untergrund achten, etwaige Stolperfallen wegräumen.

 Freiwilligkeit bei der Bestimmung der (blinden) Piloten beachten.

 Die sehenden Fluglotsen greifen im Bedarfsfall ein, z.B. wenn ein irrgeleitetes Flugzeug (= blinder Teilnehmer) ein Hindernis ansteuert.

Varianten

 Jede Fluggesellschaft hat zwei oder drei Flugzeuge, die möglichst schnell und sicher gelandet werden sollen.

 Piloten sehen die Einflugschneise vor der Übung nicht, d.h. werden blind in den Raum geführt. Dies erschwert die Übung.

 Mit Zeitvorgabe. Wem der Treibstoff (= Zeit) ausgeht, muss in der Einflugschneise notlanden. („Dank Einsatzbereitschaft und Kompetenz der Piloten sind alle Passagiere unverletzt“).

 Zur Vereinfachung Landebahn verkürzen.

Auswertung

 Einflugschneise zur Skalierung verwenden.

 Wo brauche ich/brauchen wir manchmal Lotsen, weil ich irgendwie blind bin?

 Welchen Hafen steuere ich an in nächster Zeit? Was oder wer kann mir helfen, dieses Ziel zu erreichen?

Idee

Teilnehmer eines SimpleThings-Seminars, 2011 an der Landjugendakademie Altenkirchen.


7 up

Im Sekundentakt werden Gegenstände in die Luft geworfen. Die Gruppe muss sich schnell und gut absprechen, damit nichts auf den Boden fällt.

Altersgruppe

Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

5 bis 15 Personen.

Material

Sieben Gegenstände, die man fangen kann ohne sich zu verletzen. Je skurriler die Gegenstände sind, desto lustiger wird die Übung. Es geht aber auch mit sieben gleichen Gegenständen, wie z.B. Tennisbällen.

Raum

Rasenfläche, Parkplatz, Seminarraum, Schulhof, Turnhalle, etc. Ausreichend freie Fläche, damit die Gruppe im Kreis stehen kann und jeder noch mindestens einen großen Schritt nach hinten Platz hat.

Themen

Schnell Absprachen erzielen, gut aufeinander eingespielt sein, Hand in Hand arbeiten, unter Zeitdruck Qualität erzeugen.

Ablauf und Regeln

Ziel ist es, alle sieben Gegenstände zu fangen, ohne dass einer auf den Boden fällt.

 Ein Trainer hat die sieben Gegenstände bei sich und wirft im Sekundentakt einen nach dem anderen möglichst gleichmäßig in die Luft. Je nach Lernziel kann dies nach einer Beratungszeit oder unmittelbar nach der einleitenden Erklärung geschehen, um Zeitdruck zu erzeugen und Absprachen zu verkürzen.

 Der Trainer zählt dabei laut mit: 1, 2, 3, …, 7!

 Bei jeder neuen Zahl müssen alle vorherigen Gegenstände ebenso wieder in die Luft geworfen werden. Es wird also mit jeder Zahl und Sekunde ein Flugobjekt mehr.

 Die Teilnehmer versuchen die Gegenstände zu fangen, und sie kontrolliert wieder hoch zu werfen.

 Wenn ein Gegenstand herunter fällt, werden alle Flugobjekte eingesammelt. Das Team darf sich absprechen, falls es möchte, und es geht von vorne los.

 Ein Gegenstand darf nicht zwei Mal hintereinander von der gleichen Person gefangen werden.

Vorbereitung

Material bereitstellen, Platz frei räumen.

Flugobjekte zum werfen könnten sein: Stofftier, Rolle Toilettenpapier, Hundespielzeug, Ball, Handschuh, Luftballon mit Gewicht drin, Päckchen Pasta, Kulturbeutel, verknotetes Handtuch usw…

Sicherheit

Möbelstücke, Rucksäcke, und ähnliches sollten weit genug aus dem Weg geräumt werden, damit niemand darüber stolpern oder sich daran stoßen kann.

Varianten

 Bei Gruppen mit mehr als sieben Teilnehmern gilt zusätzlich, dass jeder Mitspieler mindestens einen Gegenstand gefangen (und ggf. geworfen) haben muss.

 Als Gegenstände nur Wasserbomben nehmen – plus reichlich Vorrat haben. Dies ist natürlich nur wetterbedingt geeignet, dann aber ein Mordsspaß mit erhöhtem Ernstcharakter.

 Nicht ein Trainer, sondern ein Teilnehmer wirft die Gegenstände. Dies lässt sich gut kombinieren mit:

 Das Ziel ist, eine möglichst niedrige Gesamtzeit zu erzielen. D.h. die Gegenstände werden nicht mehr im Sekundentakt geworfen, sondern möglichst schnell hintereinander. Hierfür sollte „werfen“ verstanden werden als „in der Luft sein, ohne von jemand berührt zu werden“. Dies eröffnet völlig neue und kreative Lösungswege, z.B. einen sehr engen Kreis aus Akteuren, die sich die Gegenstände gegenseitig in die Hände fallen lassen. Der Trainer sollte dabei möglichst nur Zeitstopper und -ansager sein.

Auswertung

 Wann funktioniert Zusammenarbeit am besten? (aufeinander achten, für den anderen denken, …)

 Wie gut ist die Gruppe darin, schnelle Absprachen zu treffen? Wie wirkt sich Zeitdruck auf die Stimmung und den Handlungserfolg aus?

 Was lässt sich aus dieser Erfahrung lernen?

Idee

Karl Rohnke. Vermutlich in einem seiner Bücher aus der Steinzeit der Kooperationsspiele zu finden. Siehe Literaturliste am Ende des Buches.

Weiterentwicklung: Jule Hildmann.


Papierthron

Aus nichts anderem als Toilettenpapier wird eine Konstruktion gebaut, die stabil genug ist, dass eine Person darin oder darauf sitzen kann.

Altersgruppe

Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

3 bis beliebig viele Personen.

Gut geeignet für Großgruppen.

Material

Mindestens 8 Rollen Toilettenpapier pro Kleingruppe. Gerne mehr!

Raum

Beliebig draußen oder drinnen. Im Freien sollte es trocken und nicht zu windig sein. Platzbedarf: ca. 10 m2 für jede Kleingruppe zum Arbeiten. Diese Arbeitsbereiche dürfen gerne auf dem Gelände verstreut sein, so dass die Gruppen sich während der Arbeitsphase nicht gegenseitig sehen.

Themen

Kooperation, logisches Denken, Hand in Hand arbeiten.

Ablauf und Regeln

Rahmengeschichte: Das Oberhaupt eines fernen Volkes kommt zu Besuch. Um ihn zu ehren, soll ein Thron für ihn gebaut werden. Da sein Volk sehr naturnah ist, dürfen nur die Blätter dieser bei ihm heimischen Pflanze (= Toilettenpapierrollen) verwendet werden.

 Das Toilettenpapier darf beliebig eingesetzt und verarbeitet werden.

 Keine weiteren Hilfsmittel sind erlaubt.

 Diese Konstruktion darf zwischen zwei Stühle gebaut, von Teilnehmern gehalten werden, o. Ä., je nach Wunsch der Gruppe.

Vorbereitung

Ab 6 Teilnehmer Unterteilung in Kleingruppen.

Sicherheit

Die Thronbesteiger sollen ihre Ergebnisse vorsichtig testen und sich nicht hinein werfen und ggf. auf den Boden fallen. Gesunder Menschenverstand.

Varianten

 Bei Großgruppen: Designwettbewerb für moderne Sitzmöbel. Ergebnisse werden in einer Ausstellung präsentiert.

 Jede Kleingruppe darf sich ein zusätzliches Hilfsmittel von maximal Faustgröße (damit nicht einfach ein Stuhl, Stock, etc. genommen wird) suchen und einsetzen.

Auswertung

 Würdigung kreativer Ideen.

 Was war in Bezug auf Strategien, Kommunikation, Zusammenarbeit, etc. hilfreich, was nicht?

 Erkenntnisse über Materialeigenschaften; Steigerung der Stabilität durch flechten, verknoten, usw.; Parallelen suchen zu Architektur, Natur, Ingenieurswesen.


Flitzebogen blind

Kleingruppen bauen zunächst Pfeil und Bogen, und versuchen danach einen blinden Teilnehmer darin anzuweisen, auf ein Zielfeld zu schießen.

Altersgruppe

Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

3 bis 20 Personen.

Material

Reißfeste Schnur, ein o. mehrere (Schnitz)Messer, Büsche o. Bäume mit geeigneten Ästen (z.B. Haselnuss), die abgeschnitten werden dürfen! Seile o. Ä. zur Markierung der Abschusslinie und des Zielfeldes.

Raum

Park, (Laub)Wald mit reichlichem Angebot an frischen Ästen.

Themen

Klare Kommunikation, Verantwortliches Handeln, Kreativität und Problemlösung, Physik.

Ablauf und Regeln

 Die Kleingruppen schwärmen aus und suchen sich zwei Äste, die sie für Pfeil und Bogen für geeignet halten. Diese werden abgeschnitten und nach Bedarf Kerben, Muster, etc. hinein geschnitzt.

 Mit der Schnur wird einer der Äste zu einem Bogen gespannt. Die Kleingruppen können dies selbst ausprobieren oder unter Anweisung der Trainer tun.

 Währenddessen wird eine Abschusslinie markiert, sowie im Schussbereich ein Zielfeld, das die Schützen dann zu treffen versuchen.

 Den Schussbereich darf (zunächst) niemand betreten.

 Ein Teilnehmer pro Kleingruppe wird zum Schützen ernannt. Er/sie erhält eine Augenbinde. Nur diese blinden Schützen dürfen Pfeil und Bogen anfassen. Die sehenden Kollegen dürfen sie allerdings (verbal) lenken.

 Alle Schützen schießen gleichzeitig oder nacheinander, und erst dann, und nach einem verabredeten Signal der Trainer (z.B. Trillerpfeife) betreten alle Kleingruppen das Schussfeld und sammeln ihre Pfeile ein.

Vorbereitung

Einweisung oder Voreinheit zum sicheren Umgang mit Schnitzmessern.

Sicherheit

 Die Sicherheitsregeln müssen ganz klar erklärt und umgesetzt werden. Eine Visualisierung der Regeln (aufschreiben, Symbole, o. Ä.) empfiehlt sich.

 Entweder Voreinheit zu sicherem Schnitzen, oder nur die Trainer benutzen das Schnitzmesser, und schneiden Kerben o. Ä. auf Anfrage der Kleingruppen.

 Ggf. bleiben die Pfeilspitzen stumpf und dürfen nicht extra angespitzt werden.

 Probeschießen ist nur im markierten Bereich, und nur in die vorgegebene Richtung erlaubt!

 Niemand betritt den Sperrbereich ohne ein verabredetes Signal (z.B. Trillerpfeife) der Trainer.

 Ggf. extra Wächter einführen, die das Schussfeld überwachen.

 Bei größeren Gruppen ggf. zusätzliche Sicherheitswächter einsetzen.

Varianten

 Äste sind bereits frisch geschnitten und liegen bereit.

 Eine inhaltliche Einheit über Bau und Handhabung von Pfeil und Bogen wird vorgeschoben.

 Einbau in eine Rahmengeschichte oder größere thematische Einheit zu Indianern, Robin Hood, diversen Physikthemen, etc.

Auswertung

Was war besonders spannend und weshalb? Wie gut wurden die Regeln eingehalten? Umgang mit Gefahr und Verantwortung, Berechnung der Flugbahnen etc.

Idee

Michael Varelmann, Anette Ulland, Martin Kotzarek, 2012 im SimpleThings-Seminar an der Landjugendakademie Altenkirchen.


Stocktanz

Die Teilnehmer werfen sich gegenseitig Stöcke so kontrolliert und achtsam zu, dass sie vom Partner gefangen werden können.

Altersgruppe

Kinder ab acht Jahre, Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

2 bis beliebig.

Material

Stöcke.

Raum

Park, Wald, überall soweit Stöcke verfügbar sind.

Themen

Nonverbale Kommunikation, Hand in Hand arbeiten, einen gemeinsamen Rhythmus und Handlungsfluss oder „Flow“ finden, Achtsamkeit, Geschicklichkeit.

Ablauf und Regeln

Die Teilnehmer stellen sich einige Meter voneinander entfernt auf.

Zunächst wird in Paaren gearbeitet. Es sollte reichlich Abstand zum nächsten Paar bestehen.

Die Partner werfen sich ihre Stöcke gleichzeitig gegenseitig zu und versuchen sie zu fangen.

Dazu gibt es mehrere Variationen, die in der Schwierigkeit ansteigen:

 Stöcke senkrecht halten und werfen, so dass sie in dieser Position durch die Luft fliegen und gefangen werden können.

 Stöcke so werfen, dass sie bis zum Partner genau eine halbe Drehung machen, der Partner also das Ende fängt, das vorher der Werfende in der Hand hielt.

 Mit der rechten Hand werfen, mit der linken auffangen.

 Usw.

Vorbereitung

Jeder Teilnehmer sucht sich einen armlangen Stock.

Sicherheit

 Im Wald: Vorsicht bei unebenem Waldboden, dass niemand stolpert und stürzt.

 Die Teilnehmer müssen ausreichend Verantwortungs- und Risikobewusstsein haben, um derart mit Stöcken zu hantieren.

Varianten

Weitere Steigerungsmöglichkeiten, sobald eine Variante gut (d.h. zielsicher) klappt:

 Statt in Paaren zu dritt in einer Flechtbewegung oder in größeren Kreisen reihum werfen.

 Die Teilnehmer stehen nicht, sondern bewegen sich im Raum umher, während sie die Stöcke einander zuwerfen.

Auswertung

Wie hat sich eure Aufmerksamkeit im Laufe der Übung verändert? Wie euer Verhalten? Woran liegt das?

Was sind die zentralen Punkte bei dieser Übung, damit sie funktioniert?

Wie lässt sich das auf eure sonstige Zusammenarbeit übertragen?

Idee

Jochem X.


Kopfüber kopfunter

Eine Person wird von den anderen einmal kopfüber um die eigene Achse gedreht.

Altersgruppe

ugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

8 bis 15 Personen.

Material

–

Raum

eliebig, drinnen oder draußen.

Themen

Getragen sein von den anderen, Vertrauen, Verantwortung übernehmen, klare Absprachen treffen und sich daran halten.

Ablauf und Regeln

Eine Person wird nach hinten kopfüber einmal um die eigene Achse gedreht, bis sie wieder aufrecht steht.

 Dazu stellt sich eine Person in die Mitte der Gruppe, spannt den Körper an und macht sich komplett steif. Die Beine sind gerade und Füße zusammen.

 Die Arme werden vor der Brust verschränkt, d.h. linke Hand auf rechte Schulter und umgedreht.

 Es wird abgesprochen, welche Teilnehmer welche Hebe- und Stützposition einnehmen (s.u.), und jeder nimmt seine Position ein. Je mehr Teilnehmer beteiligt sind und mit anpacken, umso besser.

 Auf ein Kommando lehnt sich die Person nach hinten, wo sie sofort von Händen berührt wird. Diese übernehmen mit zunehmender Schräglage eine Hebefunktion, bis die Füße der Person in der Luft schweben und sie waagrecht auf dem Rücken und auf/in den Armen der anderen liegt.

 Dann wird ruhig und in kontrollierten Schritten (s.u.) die weitere Drehung vollzogen. Die Teilnehmer können zwischendurch ihre Positionen wechseln, sobald eine Position oder Funktion durch die Drehung nicht mehr erforderlich ist.

 Empfindet die gedrehte Person Unbehagen, darf und sollte sie dies äußern und angemessen darauf reagiert werden (z.B. zusätzliche Teilnehmer als Stützen einbauen).

 Ist die Drehung vollzogen und die Person nun waagrecht auf dem Bauch (in der Luft), werden ihre Füße langsam abgesetzt und der Oberkörper aufgerichtet, bis sie wieder von alleine steht.

 Dann dürfen alle einmal verschnaufen, bevor die nächste Person an die Reihe kommt.

 Stütz-/Hebepositionen und Abfolge der Drehung:Mind. zwei am Rücken und jeweils zwei, die am Gesäß und an den Beinen anheben, sobald sich die Person nach hinten lehnt.Möglichst eine am Kopf zur Stabilisation.Zwei, die unter die Schultern greifen, sobald die Person kopfüber gedreht wird.Zwei, die die Person im kopfüber-Moment stabilisieren und dann – beim vornüber absenken – die Beine in Empfang nehmen.Zwei, die den Bauch abfedern und heben.Zwei für den Oberkörper.Soweit weitere Teilnehmer vorhanden sind, werden diese außen herum positioniert und „spotten“, d.h. stehen in Schrittstellung und mit ausgestreckten Händen (Volleyballstellung) dicht an der Person bereit, um einen etwaigen Sturz abzufedern.


Vorbereitung

Evtl. Vorübungen zu Körperspannung, Körperkontakt, Vertrauen.

Sicherheit

 Die Teilnehmer müssen wirklich konzentriert sein, sich ihrer Verantwortung bewusst sein, und bereit (kognitiv und von der Körperkraft her in der Lage) sein, diese wahrzunehmen.

 Jeder Trainer sollte dies unbedingt zunächst selbst ausprobiert haben, bevor er es mit anderen durchführt.

Varianten

Rahmengeschichte: Neu entwickelte Raumanzüge müssen auf ihre Tauglichkeit in der Schwerelosigkeit getestet werden.

Auswertung

 Wann hattest du ein gutes, wann ein mulmiges Gefühl? Was hat dir geholfen, dich sicher zu fühlen?

 Wie war das Hand-in-Hand arbeiten? In wie weit fühlt sich das genauso oder anders an als euer sonstiges Miteinander?

 Welche 10 Dinge haben in der Zusammenarbeit bereits sehr gut funktioniert?

Welcher Aspekt könnte noch verbessert werden?

Lobbyarbeit

Die Teilnehmer übernehmen die Rollen verschiedener Interessensgruppen, die über die Verwendung eines Naturraumes verhandeln.

Altersgruppe

Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

4 bis beliebig viele Personen.

Material

Requisiten nach Belieben, um Interessensgruppen zu symbolisieren (s.u.).

Raum

Beliebig in der Natur oder einem naturnahen Raum, z.B. Park. Eignet sich besonders für Orte mit einem Naturdenkmal.

Themen

Eigene Ziele und Prioritäten reflektieren, Meinungen anderen gegenüber vertreten, Meinungen anderer anhören und aushalten, Umgang mit Interessenskonflikten, Kompromisse und Synergien aushandeln.

Ablauf und Regeln

Die Stadt hat das Gebiet, auf dem die Gruppe sich befindet, zur Bebauung freigegeben.

Nun gibt es verschiedene Interessensgruppen, die über die Nutzung und ggf. Veränderung des Gebietet verhandeln.

 Es werden (z.B. durch Verteilen symbolischer Utensilien wie Warnwesten, Fahrradhelm, etc.) verschiedene Rollen verteilt: z.B. Bund Naturschutz, Fahrradfahrer, Eltern, Senioren, Biologielehrer, Erlebnispädagogen, Politiker, sowie Gruppen mit passenden kommerziellen Interessen (je nach Gebiet).

 Jeweils zwei Teilnehmer stellen gemeinsam eine Interessensgruppe dar.

 Diese Paare überlegen sich, welche Wünsche und Argumente sie für die Nutzung des ausgeschriebenen Bereiches haben (z.B. Erholung, Naturschutz, Profit, Bildung) und wie sie diese am besten gegenüber den anderen vertreten können.

 In Minikonferenzen treffen jeweils zwei Interessensgruppen, also vier Teilnehmer, aufeinander und diskutieren über die Zukunft des ausgeschriebenen Gebiets.

 Nach ca. fünf Minuten gibt es eine kurze Pause, bevor neue Interessenskonstellationen aufeinander treffen.

 Je nach Anzahl der Teilnehmer und Interessensgruppen werden zwei bis drei Runden von Minikonferenzen durchgeführt.

 In einer abschließenden Plenumsrunde, dem „Stadtrat“, dürfen die Paare kurz ihre ursprünglichen und ggf. aktuellen Nutzungsanträge zusammenfassen. Dabei wird besonders auf Synergieeffekte und gemeinsame Nutzungskonzepte geachtet. Es erfolgt eine Abstimmung oder Vertagung des Beschlusses.

Vorbereitung

Requisiten für verschiedene Rollen beschaffen.

Sicherheit

Keine besonderen Maßnahmen erforderlich.

Varianten

 Die Übung findet komplett im Plenum statt. Die Interessenspaare besprechen ihre Wünsche und Argumente, und tragen diese in einer zwei minütigen Rede oder Präsentation im „Stadtrat“ vor. Anschließend kann offen diskutiert oder in Einzelgesprächen nach Allianzen gesucht werden, bevor ein Beschluss mittels Abstimmung angestrebt wird.

Auswertung

 Haben bzw. wie haben die Minikonferenzen eure Meinungen, Wünsche und Prioritäten verändert?

 Welche Verhandlungs- und Gesprächsstrategien habt ihr verwendet, und welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

 Welche grundlegenden Einsichten über den Umgang mit Interessenskonflikten könnt ihr – (a) allgemein und (b) für eure Gruppe – ableiten?


Frösche und Schlangen

Schnelles Fangenspiel, das zur Zusammenfassung und Wissensabfrage eines Themenblocks eingesetzt werden kann.

Altersgruppe

Kinder, Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

4 bis beliebig viele Personen.

Ab 20 Teilnehmer sollten es mehrere Trainer sein, um den Überblick zu behalten.

Material

Spielfeldmarkierungen, Fragen.

Raum

Rasenfläche, Fußballfeld, Parkplatz oder sonstige freie Fläche, Turnhalle, breiter Gang, breiter Feld-/Waldweg. Platzbedarf: Ebene Fläche, ca. 20 m lang und 10 m breit, Mittellinie und Seitenlinien (mittels Seil, Blätter, Kreide, Stock, Bäume, Weg, etc.)

Platz zum Rennen, Fangen und Auslaufen.

Themen

Auswertung einer Aktion, miteinander in Kontakt treten, Bewegung, spielerisches Abfragen von Wissen.

Ablauf und Regeln

 Zwei Gruppen stehen sich im Abstand von 1,5 bis 2 m in zwei Reihen gegenüber: Schlagen und Frösche.

 Ein paar Meter hinter ihnen sind parallel zur Personenreihe Außenlinien markiert. Es gibt also vier parallele Linien: zwei in der Mitte mit den Schlangen auf der einen und den Fröschen auf der anderen, die sich ansehen. Und nach hinten die Außenlinien.

 Der Spielleiter macht Aussagen, die teils richtig, teils falsch sind.

 Ist eine Aussage richtig, so fangen die Schlangen die Frösche (wie im richtigen Schlangen-Frösche-Leben auch). Ist sie falsch, fangen die Frösche die Schlangen.

 Wer vor der jeweiligen Außenlinie gefangen wird, wechselt zur anderen Tiergruppe. Die Übung endet, wenn die gesamte Art eines Tieres gefangen wurde oder wenn eine bestimmte Anzahl von Fragen gestellt wurde.

 Als Abschluss der Übung kann der Trainer eine doppeldeutige Frage stellen, so dass die Antwort richtig oder falsch sein kann und Frösche und Schlangen sich mit großem Gelächter beide fangen, z.B. „Frösche und Schlangen bewegen sich gerne“.

Vorbereitung

Spielfeld markieren: zwei Mittellinien und zwei Außenlinien

Markierung mit Seilen, Steinen als Eckpunkte, etc.

Sicherheit

 Der Auslauf der Teilnehmer muss ermöglicht werden (keine Abgründe oder Mauern).

 Stolperfallen wie Stöcke, Steine, etc. sind zu entfernen.

 Vorsicht bei rutschigem Gras oder Laub.

Varianten

 Je nach Zielgruppe und Thema anderen Übungsnamen verwenden, z.B. Frösche und Störche. Fuchs und Hase, David und Goliath, etc. Wortpaare wählen, mit denen die Teilnehmer sich eher identifizieren oder die zum momentanen Thema gut passen.

 Fragen stellen, die Wissen abfragen, das vorab behandelt wurde. Fragen stellen, die auf ein kommendes Thema vorbereiten, den Einstieg schaffen.

 Den Spielleiter durch die Person ersetzen, die zuerst gefangen wurde.

 Jeden Teilnehmer eine Frage stellen lassen (z.B. ähnlich einer Morgenrunde).

Auswertung

 In welcher Rolle hast du dich wohler gefühlt? (Frosch, Schlange, Fangen, Gefangen werden, Fragen stellen, …)

 Wie zufrieden warst du mit dir?

 Welche Metaphern oder Vergleiche fallen dir zu deinem eigenen Leben ein?

Eine Übung, die als Warm up oder Reflexionsmethode verwendet wird und dann eher keine

separate Reflektion mehr braucht.



Wald

Wald

Einleitung

Wälder sind insofern genial für erlebnispädagogisches Arbeiten, weil sie in Deutschland nie weit weg sind und mit einfachen Mitteln das Gefühl von Wildnis bieten können, das in der Forschung über Erlebnispädagogik als entscheidender Faktor für den Lernzuwachs der Teilnehmer betont wird (Hattie et al., 1997; Ewert & Sibthorp, 2014). Denn die Natur bietet dem Menschen seit Beginn unserer Zeit Herausforderungen. Früher waren diese entscheidend für das Überleben, z.B. Schutz vor Kälte und Unwettern zu finden, Feuer zu machen oder Nahrung zu beschaffen. Die Anfänge der Erlebnispädagogik haben stark auf diese ursprünglichen Herausforderungen zurückgegriffen. Selbst heute gibt es noch Überlebens- und Wildnistrainings, aber die meisten erlebnispädagogischen Outdoorkurse haben nicht mehr viel damit zu tun. Die Wachstums- und Lernchancen in der Natur, und eben auch schon im heimischen Wald, sind allerdings immer noch grenzenlos. Allein sich in der Natur aufzuhalten – inklusive städtischer Grünflächen übrigens – hat bereits gesundheitsund wachstumsfördernde Wirkung (Muñoz 2009, Becker 2014; Mygind 2007; O’Brien & Murray 2005), derer wir uns – sozusagen als Bonuseffekt – erfreuen können.

Neben der Begegnung mit der Natur als urtümlichem Bewährungsfeld und den vielschichtigen Metaphern, die uns der Wald zur Reflexion über das Leben und alltägliche wie kosmischen Zusammenhänge bietet, sind in diesem Kapitel auch Aktivitäten beschrieben, bei denen – in Abgrenzung zu Park und Wiese – vornehmlich Bäume, Blätter und Waldboden als Arbeitsmaterial genutzt werden.

Josepf Cornell (Cornell, 2006) entwickelte ein inzwischen weit verbreitetes und bewährtes Modell für die Naturpädagogik mit vier Phasen: (1) Begeisterung wecken, (2) konzentriert wahrnehmen, (3) unmittelbare Erfahrung, und (4) andere teilhaben lassen. Anhand dieser können selbst nicht für die Natur Begeisterte schrittweise in einen Sog der Faszination und bewussten Wahrnehmung hin zu unmittelbaren und tiefgreifenden Naturerlebnissen geführt werden. Eine Verbindung mit erlebnispädagogischen Lernzielen erfolgt nahezu automatisch. Die Auswahl der hier vorgestellten Übungen deckt alle vier Phasen ab.

Spezielle Lernziele

Wie bereits angeklungen, können im Wald die ursprünglichen Herausforderung des alltäglichen Lebens wie Nahrungsbeschaffung, kochen, ein Lager bauen, schlafen oder Hygiene genutzt werden, und zwar vornehmlich zur Förderung von Selbstständigkeit, Selbstvertrauen, Problemlösekompetenz, Kooperation und Umgang mit eigenen Grenzen. Die stille Betrachtung der Natur bietet Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit persönlichen Themen wie z.B. dem eigenen Lebensweg, Entscheidungs- und Sinnfragen oder der Suche nach inneren und äußeren Ressourcen. Auch LandArt-Aktivitäten (d.h. Kunst in und mit der Natur bzw. Naturmaterialien) haben Potenzial für vielfältige Lernziele. Für Literaturanregungen zum Thema LandArt siehe Bestle-Körfer und Stollenwerk (2010), sowie Eckmann et al. (2003), Goldsworthy (1995), Günthler et al. (2001), Güthler und Lacher (2007), Jagenlauf und Michl (1997), Kahtke (2014), Mertz und Kleinhanß (1999a und b) und Pouyet (2008) im Literaturverzeichnis am Ende dieses Buches.


Sicherheit und Rechtliches

Die meisten Wälder in Deutschland sind der Öffentlichkeit frei zugänglich, und wir alle haben das gleiche Recht, uns darin zu bewegen und zu erholen. Dennoch gibt es Regeln und Vorschriften, die aus Rücksicht und zu unserer eigenen Sicherheit einzuhalten sind.

 Soweit möglich, sollte das Waldstück, in dem Sie sich mit ihren Teilnehmern aufhalten wollen, vorab einmal begangen und dahingehend geprüft werden, ob von der Bodenbeschaffenheit (Löcher, über die man stolpern könnte, Abhänge, etc.), der Vegetation (giftige Pflanzen, Dornen, tief hängende oder spitze Äste, Wurzeln, etc.) oder aus anderen Gründen (Hinweise auf Schutzräume für Tiere, Waldarbeiten, etc.) Gefahren bestehen, die Schutzmaßnahmen oder Planänderungen erfordern.

 Aktivitäten, bei denen wir still im Wald sitzen oder liegen, sollten mit Warnwesten durchgeführt werden, besonders, wenn sie in die Dämmerung und Dunkelheit hinein gehen. Auch sollte unbedingt vorher Kontakt mit dem zuständigen Förster bzw. Jagdpächter aufgenommen werden. Zum einen, um Schon- und Brutzeiten zu respektieren, zum anderen aber auch zur eigenen Sicherheit.

 Solide Outdoor-Erste-Hilfe Kompetenzen und ein entsprechender Notfallplan gehören zu einem guten Sicherheitsmanagement bei erlebnispädagogischen Veranstaltungen im Wald.

 Zur Trainerausrüstung für solche Maßnahmen gehören unter anderem ein outdoortaugliches Erste-Hilfe Set, ein aufgeladenes Handy (mit eingespeicherten Notrufnummern), Trillerpfeife, je nach Witterung Wärmequellen wie Decke und/oder Tee, eine Stirnlampe oder andere Lichtquelle, ggf. Karte und Kompass und bei Bedarf Warnwesten.

 Sicherheit bezieht sich nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere Umwelt. Daher sollte vorab ermittelt werden, ob für das Gelände besondere rechtliche Vorgaben gelten (Naturschutzgebiet, Fledermausschutz, Jagdvorgaben, etc.). Soweit dies der Fall ist, sind entsprechende Genehmigungen einzuholen (bei Förster, Gemeinde, Naturschutzbehörde, Veterinäramt, etc.) und ist sich mit dem zuständigen Besitzer oder Pächter des Geländes in Verbindung zu setzen.

 Wer eine ungekennzeichnete Feuerstelle einrichten möchte, braucht dafür vielerorts eine Erlaubnis (z.B. vom Landratsamt, der oberen bzw. unteren Naturschutzbehörde, und dem Grundstückseigentümer oder Pächter) und muss entsprechende Vorgaben einhalten. Im Wald ist mit Fackeln, Zigaretten und sonstigen Feuerquellen wegen Waldbrandgefahr besondere Vorsicht geboten und bei entsprechenden Warnstufen komplett darauf zu verzichten.

Literaturempfehlung

Berthold, M. & Ziegenspeck, J. W. (2002). Der Wald als erlebnispädagogischer Lernort für Kinder. Lüneburg: Verlag Edition Erlebnispädagogik.

Bestle-Körfer, R., Geißelbrecht-Taferner, L., et al. (2012). Naturspiele-Hits. Münster: Ökotopia.

Cornell, J. (2006). Mit Cornell die Natur erleben. Der Sammelband. Naturerfahrungsspiele für Kinder und Jugendliche. Mühlheim: Verlag an der Ruhr.

Güthler, A. & Lacher, K. (2007). Naturwerkstatt Landart – Ideen für kleine und große Naturkünstler. (4. Auflage) Baden, München: AT Verlag.

Hemming, A. & Heinlein, K. (2015). Sternstunden im Wald: Den Wald von Frühling bis Winter mit Kindern fantasievoll erleben und erkunden. (4. Auflage) Münster: Ökotopia.

Saudhof, K. & Stumpf, B. (2009). Mit Kindern in den Wald. Wald-Erlebnis-Handbuch. Planung, Organisation und Gestaltung. (14. Auflage) Münster: Ökotopia Verlag.

Spaziergang in drei Schritten

Beim Laufen werden drei Impulse an die Gruppe gegeben, um die bewusste Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit der Umgebung/Natur anzuregen.

Altersgruppe

Kinder, Jugendliche, Erwachsene.

Gruppengröße

2 bis 30 Personen.

Material

Keines.

Raum

Waldweg, Pfad, o. ä. Diese Übung ist gut geeignet für den Weg zum Veranstaltungsort hin.

Themen

Einstieg, Ankommen, warm werden mit der Umgebung/Natur, erstes Kennenlernen, Wahrnehmungsübung, Gedankenaustausch, Selbsterfahrung.

Ablauf und Regeln

Die Teilnehmer werden zu einem kleinen Spaziergang eingeladen. Für jeweils etwa ein Drittel der Strecke erhalten sie einen Impuls. Nach jedem Wegdrittel findet eine kurze Austauschrunde statt, bevor für den nächsten Wegabschnitt ein neuer Impuls gegeben wird:

1 Schweigend gehen und die Farben und Farbspiele auf sich wirken lassen. Austauschrunde: Welche Farbe ist mir besonders aufgefallen/ins Auge gestochen/ fand ich besonders schön?

2 Schweigend gehen und nach Geräuschen und evtl. deren Geschichten lauschen. Austauschrunde: Welches Geräusch hat mich am meisten bewegt/war mir am vertrautesten? Welche „Geschichten“ hast du gehört?

3 Mit einem Partner beim Laufen über die Frage sprechen: Was bedeutet Natur für mich? Austauschrunde: Einen Gedanken vom Partner, der mir besonders im Gedächtnis ist/ bei mir etwas ausgelöst hat, mit der Gruppe teilen.

Vorbereitung

Geeignete Wegstrecke und zwei Haltepunkten unterwegs auswählen. Sollte der Weg Gefahrenstellen aufweisen, müssen in der Vorbereitung oder Anmoderation entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, z.B. eine gute Beschilderung oder Unterstützung durch weitere Trainer.

Sicherheit

 Die Teilnehmer müssen wetterentsprechend gekleidet sein und festes Schuhwerk tragen.

 Soweit möglich, den Treffpunkt klar absprechen.

 Gesundheitliche Einschränkungen der Teilnehmer abfragen.

Varianten

 Als Themeneinstieg eine Textstelle einbinden, z.B. im spirituellen Kontext für den ersten Wegabschnitt die Bibelstelle Gen1,11f: „Dann sprach Gott: Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit Samen darin. So geschah es. Das Land brachte junges Grün hervor, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen mit ihrem Samen darin. Gott sah, dass es gut war“. Auswertungsfrage: Was hast du Gutes gesehen?

 Zu zweien gehen und dabei austauschen über die Frage: Was bewegt dich in der Natur?

Auswertung

Die Auswertung findet in den Austauschpausen während des Spaziergangs statt.

Idee

Roger Greenaway, Claudia Seuffert.


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