Read the book: «Tiny House Deutschland»
Lebe groß in einem kleinen Haus
Rechtslage, Designideen und Tipps zum Bau oder Kauf eines Mini- Haus

Autor: Jörg Janßen- Golz
©Jörg Janßen- Golz 2020
Haftungsausschluss
Die hier aufgeführten Inhalte spiegeln lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und stellen keinerlei Ersatz für eine professionelle Beratung durch einen Fachmann beim Bau oder Kauf eines Tiny House dar. Besonders beim Bau sollte zwingend der Rat eines Architekten, eines Zimmermanns oder eines anderen Fachmannes hinzugezogen werden, um Fehler in der Statik oder Verletzungen des Baurechts in Deutschland zu vermeiden.
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Vorwort
2018 haben wir unseren ersten eigenen Camper ausgebaut. Aus einem alten, rostigen Rettungswagen haben mit unseren eigenen Händen, mit viel Schweiß, ein paar Tropfen Blut und vor allem viel Geduld unseren Traum vom rollenden Zuhause wahr gemacht. Wir haben dafür monatelang geplant, geschraubt, gebohrt lackiert und dekoriert und am Ende stand er fertig vor uns: Unser neues Familienmitglied, das wir liebevoll „Kuddel“ getauft haben. Wir sind stolz, solch ein Projekt gemeinsam auf die Beine gestellt zu haben. Ohne Vorkenntnisse, nur bewaffnet mit ein paar fixen Ideen und der Leidenschaft etwas Besonderes zu erschaffen.

Unsere Urlaube mit dem Camper sind einfach magisch. Wir sind mobil, schlafen gerne etwas länger, lassen uns treiben und leben in den Tag hinein. Dabei sind wir immer mitten in der Natur und genießen unser kleines Stückchen Freiheit. Wir wissen zwar nie so ganz genau wo die Reise hingeht, aber auf eins können wir uns verlassen: Kuddel bietet uns im Urlaub einfach alles, was wir zum Leben brauchen! Ein Dach über dem Kopf, eine kleine Küche, etwas Stauraum für unsere Klamotten, ein Bett und sogar Toilette und Dusche haben wir mit an Bord. Alles auf kleinstem Raum verpackt und dennoch urgemütlich. Was will man mehr? Wie herrlich wäre es doch, wenn wir immer so leben könnten!
Aber wäre es das wirklich? Wie wäre es denn, wenn Kuddel wirklich unser Zuhause wäre, und zwar das einzige Zuhause? Wären wir tatsächlich immer noch so glücklich und zufrieden, wenn unser Leben komplett auf so engem Raum stattfinden würde? Denn seien wir mal ehrlich: Es ist schon ein Unterschied, ob man 14 Tage im Sommer bei schönstem Wetter mit seinem mobilen Heim in den Urlaub fährt oder 365 Tage im Jahr durch alle Jahreszeiten hindurch darin leben muss. Bei dieser Überlegung kamen bei mir immer mehr Fragen auf: Was sind die Vor- und Nachteile so zu wohnen? Wo würde unser kleines Haus auf Rädern dauerhaft stehen? Was für Kosten würden auf uns zukommen und wie verkraftet das unsere Beziehung? So begann ich mich immer mehr für das Thema Kleinwohnformen und im speziellen für das Leben in einem Tiny House zu interessieren und mich damit zu beschäftigen.
Zu meinem Glück ist das Thema Tiny House gerade weltweit in aller Munde. Ursprünglich in den USA entstanden, ist die Welle der Begeisterung für das Wohnen auf kleinem Raum längst über den großen Teich bis zu uns nach Europa geschwappt. Anbieter von Tiny Houses gibt es mittlerweile in ganz Deutschland und es gibt ganze Fernsehshows und unzählige Youtube- Kanäle, die sich rund um das große Leben in einem kleinen Haus beschäftigen. Das Angebot ist mittlerweile so vielfältig, dass es schwerfällt, den Überblick zu behalten.
Genau dort soll dieses Buch anknüpfen. Ich habe das Buch so geschrieben wie wir auch unseren Camper geplant und ausgebaut haben. Mit einer fixen Idee im Kopf und der Leidenschaft etwas Besonders zu schaffen. Als gelernter Tischler, mit mittlerweile zwei ausgebauten Fahrzeugen und einem selbst ausgebauten Haus weiß ich, dass eines bei solch einem Projekt unverzichtbar ist: Ein Plan! Ein Plan, der mir dabei hilft, meinen Traum in die Realität umzusetzen, ohne dass ich dabei etwas außer Acht lasse. Daher habe ich dieses Buch wie einen Leitfaden geschrieben. Für all diejenigen, die das Leben in einem Tiny House mit Leidenschaft planen und umsetzen möchten und dabei alle wichtigen Schritte vor Augen haben wollen.
Der Leser findet in diesem Buch alles Wissenswerte rund um das Tiny House: von Wahl der für ihn passenden Wohnform, über die auftretenden Kosten beim Bau oder Kauf eines solchen Hauses bis hin zu den rechtlichen Bestimmungen, die in Deutschland zu diesem Thema herrschen. Wer sein Tiny House selber bauen will, findet praxisnahe Tipps, nützliche Ideen für die Planung, eine ausführliche Werkzeugliste und Ratschläge von echten Tiny House Besitzern. Ziel des Buches ist es, den Leser auf seiner Reise von der ersten Bleistiftzeichnung bis hin zum fertig gestellten Tiny House zu begleiten und zu unterstützen.
Mir ist beim Schreiben des Buches wieder einmal klar geworden, wie komplex das Thema Hausbau doch ist. Dabei spielt es keine Rolle welche Größe das Haus hat. Doch je länger und tiefer ich in die Materie eingetaucht bin, umso mehr wuchs meine Begeisterung für das Wohnen und Leben in solch einem kleinen Haus. Die Tiny House Welt ist unglaublich facettenreich, kreativ und oft auch ein wenig verrückt. Die Menschen, die sich mit dieser Wohnform beschäftigen nehme ich als weltoffen, abenteuerlustig und wundervoll neugierig wahr und die Gespräche während meiner Recherche haben mir eines klar gemacht: Ein kleines Haus kann das ganz Große in einem Menschen hervorbringen. Wer dieses Buch in die Hand nimmt, hat sich sicherlich schon viele Gedanken zur Umsetzung seines Wohntraumes gemacht. Ich hoffe, wer es gelesen hat, muss das nicht mehr, sondern kann loslegen!
Die ganz Tiny House – Welt ist unheimlich interessant und für das Buch zu recherchieren und es zu schreiben hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe der Leser findet in meinem Ratgeber eine nützliche Hilfe zur Verwirklichung seines Wohntraumes. Ich wünsche gutes Gelingen bei der Umsetzung des Projektes Tiny House, jederzeit gute Fahrt und den Bewohnern viel Freude in den eigenen kleinen vier Wänden.
Einleitung
Die Tiny House Bewegung entwickelt sich gerade weltweit zu einem Phänomen und zu einem Durchbruch in der Immobilienwelt. In einer Welt, in der Lebensraum immer knapper wird, das Baugeld billig zu bekommen ist und die Häuser verschwenderisch groß und umweltbelastend sind, wünschen sich viele Menschen eine Alternative. Und diese Alternative bietet das Tiny House.
Tiny House bedeutet grob übersetzt winziges oder sehr kleines Haus. Was nun groß oder auch klein ist, muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden, denn eine festgelegte Definition für ein Tiny House gibt es nicht. Jedoch in der Regel solche Häuser als Tiny beschrieben, die eine Fläche von 500 Square- Feet (ca. 45 qm) oder weniger aufweisen. In den USA werden mit dem Begriff Tiny House vor allem solche Häuser beschrieben, die auf einem Trailer mit Rädern gebaut und dadurch mobil sind. Sobald diese Räder fehlen, spricht man in Deutschland oft von sogenannten Mini- oder auch Singlehäusern. Tiny Houses gibt es in allen möglichen Grundrissen, Größen und Formen. Dabei bieten sie ihren Bewohnern die gleichen Annehmlichkeiten eines regulären Hauses. Die Häuser verfügen über Schlafzimmer, Küche, Bad und entsprechenden Wohnraum, nur eben in kleinerem Maßstab. Dafür ist dann aber alles ein bisschen mehr durchdacht und auf Effizienz konzipiert.
Bei dem Thema Tiny House handelt es sich mittlerweile nicht mehr nur um einen kurzzeitigen Trend. Vielmehr ist es zu einer sozialen Bewegung von Menschen geworden, die sich dazu entschieden haben, ihren Wohnraum und die somit benötigten Ressourcen zu reduzieren. Besonders in den USA gibt es ein regelrechtes Tiny House Movement, also eine soziale Bewegung von Menschen, die sich diesem minimalistischen Lebensstil verschrieben haben. Dort gibt es ganze Kommunen, Tiny House Parks, Tiny House Hotels, mehrere Fernsehserien für den Bau und die Gestaltung von Tiny Houses sowie unzählige Gruppen in sozialen Netzwerken, Foren, Blogs und Youtube- Kanäle. In Europa befindet sich dieses Movement noch ganz am Anfang, erfreut sich jedoch einer schnell wachsenden Anhängerschaft und regem Interesse.
Immer mehr Menschen wünschen sich eine kostengünstige und effiziente Lösung für den Wunsch nach den eigenen vier Wänden und sind gerne bereit dafür ein großes Platzangebot in ihrem Haus aufzugeben. Vielmehr geht es den Tiny House- Besitzern darum, einen möglichst kleinen öko-logischen Fußabdruck in dieser Welt zu hinterlassen und ihren Lebensstil nachhaltig und zugleich ressourcenschonend zu gestalten. Finanzielle Freiheit, Mobilität und ein simples Leben sind weitere Faktoren dafür, sich für ein Tiny House zu entscheiden.
Die in den USA bereits existierende Popularität des Tiny Houses hängt sicherlich auch von den relativ niedrigen Hindernissen ab, die in Amerika für den Kauf und den Bau eines solchen Hauses überwunden werden müssen. Dort werden Tiny Houses wie Wohnwagen behandelt und können somit quasi überall hingezogen und abgestellt werden. Instagram ist voll mit Fotos von Tiny Houses, die am Rande eines Bergsees, auf abgelegenen Hügeln oder mitten im Wald aufgestellt sind. Ein wahrer Traum für alle Tiny House Besitzer. Das Bau-, Wohn- und Verkehrsrecht unterscheidet sich hier in Deutschland allerdings wesentlich vom amerikanischen und erschwert es somit dem Interessenten seinen Traum vom kleinen Haus auch in die Tat umzusetzen.
Dennoch wächst die Begeisterung auch bei uns in Deutschland und der Siegeszug des Tiny House ist nicht mehr aufzuhalten. Zunehmend mehr Menschen erkennen den Nutzen eines Tiny House. Städte und Gemeinden werden auf diese ressourcenschonende und flexible Wohnform aufmerksam und stellen ungenutzte Grundstücke für Tiny Houses zur Verfügung. In ganz Deutschland entstehen mittlerweile Siedlungen für diese Kleinstwohnform. Somit wird dringend benötigter Wohnraum geschaffen, ohne dass unbezahlbare Summen dafür aufgebracht werden müssen. Der Traum von den eigenen vier Wänden rückt so für mehr Menschen in greifbare Nähe.
In den folgenden Kapiteln beleuchten wir, welche Überlegungen dabei zu beachten sind und wie die Planung und Umsetzung für das große Leben in einem kleinen Haus gelingt.
Die Geschichte des Tiny House
Wenn man mal ganz weit im Buch der Geschichte zurückblättert, sind kleine und mobile Wohnformen bereits im frühen Zeitalter der Pioniere entstanden. Indianer, Nomaden, Inuit und andere umherziehende Zivilisationen waren wahre Meister des minimalistischen Lebensstils. Sie lebten in Zelten, Wigwams, Jurten oder Hütten, die schnell auf- und abgebaut werden konnten. Somit konnten die Bewohner, Familien, Stämme und ganze Gemeinschaften weiterziehen, wenn die Umstände es erforderten.
In der heutigen Zeit nennen viele Anhänger der Tiny House Bewegung das Buch “Walden“ von Henry David Thoreau als Inspiration für ihre eigenen Pläne. Das Buch wurde bereits 1854 veröffentlicht und ist eine Reflektion des einfachen Lebens in natürlicher Umgebung. Der Protagonist Walden lebt dabei mehrere Jahre auf kleinstem Raum in einer Hütte im Wald. Er berichtet dabei sehr eindrucksvoll, wie er die Liebe zur Natur und die Verbundenheit mit seiner Umwelt wiederentdeckt und sich dabei lediglich auf das nötigste im Leben reduziert. Das Buch ist ein echter Klassiker der Tiny House Literatur und zudem sehr unterhaltsam und lesenswert.

Die Tiny Häuser auf Rädern wurden in Amerika vor allem durch Jay Shafer bekannt, der Anfang 2000 ein solches Haus entwarf und fortan auf 9 Quadratmetern Grundfläche lebte. Er war der Erste, der die Pläne für sein Haus veröffentlichte und somit der breiten Masse zugänglich machte. Shafer gründete zudem die Small House Society, die im Laufe der Zeit mehrere Bücher und weitere Baupläne zum Tiny House Bau veröffentlichte. Der Verein setzt sich auch heute noch für die Akzeptanz von Kleinwohnformen ein und konnte sogar er-wirken, dass das Tiny House als offizielle Bauform in das amerikanische Baurecht aufgenommen wurde.
Als die weltweite Finanzkrise 2007-2009 tobte und Amerika in eine tiefe Rezession und Immobilienkrise stürzte, erfreute sich das Thema Tiny House immer größerer Beliebtheit. Die Wohnform bietet eine bezahlbare und ökologisch vertretbare Lösung, ideal für Menschen, die in der geplatzten Immobilienblase Haus und Hof verloren hatten. Etwa zur selben Zeit griffen Fernsehsender in den USA das Thema auf und es entstanden Formate wie Tiny House Nation und Tiny House Hunters, die immer mehr Zuschauerzahlen erhielten. In diesen Sendungen werden dem Zuschauer in kurzen und unterhaltsamen Episoden verschiedene Tiny Häuser vorgestellt, vom ersten Spatenstich bis zur Fertig-stellung.
Die heutzutage wohl bekannteste lebende Tiny House- Persönlichkeit ist Bryce Langston aus Neuseeland. In seinem Youtube- Kanal Living Big in a Tiny House trifft er weltweit auf Tiny House Projekte und stellt dabei deren Eigentümer und ihre kreativen und umweltfreundlichen Ideen und Lebensstile vor. Bryce hat auch mich für das Thema Tiny House begeistert und mich maßgeblich dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben.
Es sollte noch einige Jahre dauern, bis die Tiny House Bewegung über den großen Teich nach Europa schwappte. Doch mittlerweile erfreut sich das Thema einer immer größer werdenden Anhängerschaft. Immer mehr Hersteller bieten auf dem europäischen Markt ihre Häuser in toller Qualität an und es sprießen ganze Tiny House Siedlungen auch deutschlandweit aus dem Boden. Sowohl Hersteller solcher Häuser als auch Wohnprojekte werden im weiteren Verlauf dieses Buches vorgestellt.
Verschiedene Kleinwohnformen
Wie im Vorwort erwähnt soll in diesem Buch der Begriff Tiny House weitest-gehend für das Leben auf kleinem Raum stehen. Daher sind die unterschiedlichen Kapitel auch auf andere sogenannte Kleinwohnformen anwendbar. Dennoch haben die verschiedenen Behausungen meist auch wichtige Unterschiede sowie ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile. Auf den folgenden Seiten gehe ich auf die bekanntesten Wohnformen ein.
Das Tiny House

Es ist gar nicht so leicht eine genaue Definition für ein Tiny House zu finden. Nach dem amerikanischen Baugesetz ist ein Tiny House eine Wohnstätte mit bis zu 400 Squarefeet, was rund 37 Quadratmeter bedeutet. Ein Tiny House zeichnet sich dadurch aus, dass es in der Regel auf einem Trailer bzw. Anhänger steht, Räder hat und somit, anders als z.B. ein Kleinsthaus, mobil ist. Die Anhängerkupplung bzw. Deichsel ist mit rund 30 cm relativ nahe am Boden und erlaubt so, anders als z.B. bei einem Bau- oder Zirkuswagen, eine zweistöckige Bauweise.
In Amerika sind die Beschränkungen für einen Trailer anders als in Deutschland. In den USA darf ein Tiny House die Maße von 13,5 Fuß (4,1 Metern) in der Höhe und 8,5 Fuß (2,6 Meter) in der Breite nicht überschreiten. Die Länge kann dabei variieren, da sie nicht fest geregelt ist. Sie liegt in der Regel zwischen 3 und 8 Metern.
Das Verkehrsrecht in Deutschland weicht allerdings vom amerikanischen ab. In Deutschland sind Anhänger bis zu einer Gesamthöhe von 4 Metern und einer Gesamtbreite von 2,55 zulässig. Alles darüber hinaus benötigt eine Sondergenehmigung für den Transport, also einen Sonder- oder Überbreitetransport, der dann von entsprechenden Signalfahrzeugen begleitet werden muss. Das kann Probleme verursachen, falls man mit seinem Tiny House öfter umziehen möchte. In der Länge liegt das Maximum solch eines Gespannes bei rund 7 Metern. Längere Aufbauten sind schwer zu rangieren und kommen nur schlecht durch normale deutsche Straßen.
So ist ein Tiny House also von sich aus in der Grundfläche eingeschränkt. Die Herausforderung ist also, alles Lebensnotwendige wie z.B. Küche, Bad, Wohn- und Schlafraum gut nutzbar in dieser Grundfläche unterzubringen. Zum Glück gibt es mittlerweile gut durchdachte Konzepte, um den kleinen Raum optimal auszunutzen. Immer mehr Firmen in Deutschland bieten vorgefertigte Varianten des Tiny House an. Sie reichen von der einfachen Mini- Ausstattung bis hin zum Luxus- Container und werden entweder mit oder ohne Räder angeboten. Dadurch ergeben sich allerdings auch Besonderheiten und Unterschiede für Standortwahl und Vorgaben.

Mobiles Tiny House
In Deutschland unterscheidet der Gesetzgeber strikt zwischen Fahrzeugen und Häusern. Für beide gelten ganz eigene Gesetze und Auflagen. Sobald ein Tiny House auf Rädern steht, wird es von der Sache her als Wohnwagen behandelt. Somit muss es zwingend für den Straßenverkehr zugelassen sein und alle notwendigen Voraussetzungen dafür erfüllen. Bei einem Wohnwagen ist das noch relativ einfach, da es sich hier um seriengefertigte Modelle handelt. Bei einem Tiny House mit seinen ganzen individuellen Einzelheiten kann eine Straßenzulassung schwieriger zu erhalten sein. Es liegen beim Tiny House oft Einzelanfertigungen vor, z.B. bei Fenstern, der Außenverkleidung oder der Dachform. Das alles muss der TÜV bei der Zulassung berücksichtigen. Sobald eine Zulassung erfolgt, wird das fahrbare Tiny House dann wie ein Wohnwagen angemeldet. Es muss eine Versicherung abgeschlossen werden und es fallen jährliche Steuern dafür an. Zudem muss das fahrbare Tiny House auch zur regelmäßigen technischen Kontrolle.
Alternativ kann das Tiny House auch als ordentlich gesicherte Ladung eingetragen werden. Dazu muss das Haus aber jederzeit ohne Probleme vom Anhänger zu trennen sein. Darüber hinaus muss die Ladung entsprechen gesichert sein, so dass bei einer Vollbremsung keine Gefahr für den umliegenden Straßenverkehr entsteht. Die Besonderheiten zur ordentlichen Ladung werden im späteren Verlauf des Buches noch einmal aufgegriffen und vertieft.

Feststehendes Tiny House
Sobald das Tiny House dauerhaft an einem bestimmten Platz steht, wird es nach dem Deutschen Baurecht als Immobilie angesehen und wie ein ganz normales Wohnhaus behandelt. Man spricht dann in der Regel nicht mehr von einem Tiny House, sondern von einem Kleinsthaus, Minihaus oder Singlehaus. Hier greift zunächst einmal der Bebauungsplan für das Grundstück, auf dem es steht. Dieser ist bei der Stadt anzufragen und legt fest, welche Art von Haus und wo genau es gebaut bzw. abgestellt werden darf. Hier scheitern bereits viele Vorhaben, da das Tiny House oftmals nicht ins allgemeine Bild des Umfeldes passt oder schlicht und einfach zu klein für den Bebauungsplan ist.
Sofern der Bebauungsplan das Tiny House zulässt, müssen verschiedene Vorschriften eingehalten werden. Ein feststehendes Haus muss an das Straßennetz sowie das Abwasser- und Stromnetz angeschlossen sein. Es müssen Rettungswege, Raumhöhen sowie Vorschriften zu Brand- und Schallschutz eingehalten werden. Zudem müssen Grundbesitzabgaben und Steuern gezahlt werden und das Haus muss entsprechend versichert sein, zum Beispiel gegen Feuer und Sturm. Genauere Informationen zum Baurecht werden im entsprechenden Kapitel dieses Buches noch einmal aufgegriffen.

Einfacher hat es derjenige, der sein Tiny House nur zeitweise bewohnen möchte, zum Beispiel auf einem Campingplatz oder in einer Schrebergarten- Siedlung. Man spricht hier von einem sogenannten Freizeitgrundstück, welches nicht für dauerhaftes Bewohnen gedacht ist. Hierbei ist allerdings auf die jeweilige Verordnung des Campingplatz-betreibers oder des Schrebergartenvereins zu achten, denn die haben meist ihre ganz eigenen Regeln in Sachen Hausbau. Einige Campingplätze gestatten auch ein dauerhaftes Wohnen, wenn auch nur unter Einhaltung bestimmter Vorschriften. Es wird wohl bei fast jedem Tiny House auf eine individuelle Prüfung und Genehmigung hinauslaufen. Denn so individuell wie das Haus selbst ist in der Regel auch der Stellplatz dafür.
Das Schöne am Tiny House ist seine Individualität. Bis auf die geringe Größe sind der Fantasie bei Bauweise, Form und Ausstattung kaum Grenzen gesetzt. Glücklicherweise werden Städte und Gemeinden immer offener für diese moderne Art des Wohnens, schließlich lassen sich kleine Bau-flächen mithilfe dieser Kleinsthäuser sehr gut füllen und bleiben nicht ungenutzt. Gerade in größeren Städten ist Wohnraum meist knapp und kostspielig, daher zeigen viele Bauämter und Entscheider zunehmende Kompromissbereitschaft bei der Genehmigung entsprechender Wohn-flächen und schaffen Platz, der vorher ungenutzt war.

Das Containerhaus

Wenn wir von einem Containerhaus sprechen, meinen wir tatsächlich ein Haus, welches aus einem Schiffs- bzw. Frachtcontainer gebaut wurde. Es gibt am Markt nämlich auch Anbieter von Modulhäusern, die gerne das Wort Containerhaus verwenden, da die meist rechteckigen Module wie einzelne Container miteinander kombiniert werden können.
Verfügbare Containergrößen
Frachtcontainer werden auf der ganzen Welt verwendet, um Waren zu transportieren. Daher ist es nötig, dass sie in Standardabmessungen produziert werden, damit sie überall auf der Welt gleich und einfach verwendet werden können. Das ermöglicht effektiven Einsatz während des Transportes und eine schnelle Logistik. Wer schon einmal im Hamburger Hafen war, kennt die schier endlosen Reihen dieser Stahlkolosse.
Die Container werden in Fuß gemessen und weltweit in 5 Größen hergestellt. Es gibt sie in 20, 40, 45, 48 und 52 Fuß. Aus Länge x Breite x Höhe berechnet sich dann die verfügbare Grundfläche in Quadratfuß.
Der Einfachheit halber sind hier die Maße in Metern bzw. Quadratmetern umgerechnet:

Die Größe der einzelnen Container legt dann die Abmessungen für den Bau des Containerhauses fest. Allerdings können einzelne Container miteinander verbunden werden, um dadurch auch größere Häuser zu bauen. Dadurch lassen sich spektakuläre Ergebnisse erzielen, die echte Blickfänge sind. Die einzelnen Container können nebeneinander, übereinander oder auch kreuz und quer zueinander aufgestellt werden. Um die einzelnen Module dann miteinander zu verbinden müssen lediglich Löcher in die entsprechenden Wände oder Decken geschnitten werden. Man sollte sich allerdings darauf einstellen, dass Schweiß-arbeiten zum Bau eines Containerhauses dazu gehören. Zudem muss man beim Herausschneiden von Teilen auch darauf achten, dass die Statik nicht beein-trächtigt wird.

Umbau eines Containers
Die Container sind in der Regel komplett geschlossen und verschweißt, bis auf die beiden Flügeltüren an der Stirnseite. Um aus solch einem Metallklotz ein bewohnbares Haus zu bauen, müssen Türen und Fenster ausgeschnitten werden. Oft werden die Flügeltüren ausgebaut und gegen moderne (Schiebe-) Türen ersetzt. An der anderen Stirnseite werden meist große, bodentiefe Fensterelemente eingebaut, um mehr Licht in den Container zu lassen.
Um den Container bewohnbar zu machen, muss eine Dämmung angebracht werden, da das Metall die Außentemperatur (egal ob heiß oder kalt) stark leitet und es sonst entweder sehr kalt oder sehr warm im Haus werden kann. Da die Container von außen besonders rustikal und interessant aussehen, entscheiden sich viele der Besitzer für eine entsprechende Innendämmung um den Look zu erhalten. Dadurch steht dann allerdings auch weniger Platz für den Innenausbau zur Verfügung. Für die Außen-fassade wird als Alternative auch gerne langlebiges Holz verwendet.
Vorteile von Containern als Tiny House
– Relativ günstige Anschaffungskosten
– Robust und durch die Lackierung wetterfest
– Einfacher Transport durch Standardmaße
– Ausbau vergleichsweise schnell umzusetzen
– Ökologisch, da nur wenig zusätzliches Baumaterial nötig ist
– Benötigen nur ein einfaches Punkt- oder Streifenfundament
Nachteile von Containern als Tiny House
– In Deutschland schwer, eine Baugenehmigung zu erhalten aufgrund fehlender Raumhöhe, Statik oder Bebauungsplan der umliegenden Nachbarschaft
– Isolierung aufwendig und evtl. kostspielig
– Herkunft und Transportinhalt oft nicht klar, der Container und die Lackierung können chemisch belastet sein
– Einfacher Grundriss, daher kann die Einrichtung problematisch sein
– Niedrige Deckenhöhe kann zu Unbehagen führen
Genau wie beim stationären Tiny House ist auch ein Containerhaus genehmigungspflichtig und unterliegt dem Baurecht. Es ist daher vor dem Kauf unbedingt beim Bauamt zu erfragen, ob das Containerhaus überhaupt auf das gewünschte Grundstück gebaut werden darf.
Bezugsquellen
Wer sich für den Kauf oder Bau eines Containerhauses interessiert, findet weitere nützliche Informationen auf der Webseite pocketcontainer.de. Hier werden Blogbeiträge und Bilderstrecken angeboten, Baupläne zum Download bereitgestellt und Hinweise zur Baugenehmigung gegeben.
Wer auf eigene Faust einen Container suchen und finden möchte, kann sich direkt an Reedereien, Speditionen, Logistikunternehmen oder große Baufirmen wenden. In deren Betriebe werden die Container bereits für Baustellenbüros, Unterkünfte, Lager- und Verwaltungsräume verwendet. Mit etwas Glück werden diese auch irgendwann ausgemustert und man kann vielleicht ein Schnäppchen inklusive Dämmung abgreifen. Es gibt auch die Möglichkeit im Ausland nach Containern zu suchen, da diese in der Regel günstiger sind als in Deutschland. Man sollte allerdings unbedingt vor dem Kauf die Qualität der Container überprüfen und auch erfragen, was in dem Container transportiert wurde. Schließlich kann im Laufe eines Containerlebens alles Mögliche darin gelagert worden sein, von Gummistiefeln bis hin zu radioaktivem Abfall. Daher sollte darauf geachtet werden, dass der Container über eine CSC- Plakette verfügt. Auf dieser Plakette wird auf einer Skala von A-D angegeben, wie die Qualität des Containers ist. A steht für eine sehr gute Qualität, D steht für schlechte Qualität.
Kosten für einen Container
Der Preis für einen Container- Rohling hängt stark vom Alter und Zustand sowie der Qualitätsstufe ab. Ein komplett nackter Container ist aber bereits ab 3.000 Euro zu finden. Dazu kommen in der Regel noch Kosten für den Transport, die individuell mit dem Verkäufer zu klären sind. Die Aufstellung eines Containers erfolgt per Schwerlastkran, der ebenfalls kostenpflichtig ist. Für einen bereits fertigen und ausgebauten Container variieren die Preise stark pro Hersteller, beginnen aber in der Regel ab 15.000 Euro. Im weiteren Verlauf dieses Buches haben wir eine Kostenaufstellung für den kompletten Ausbau eines Schiffscontainers aufgeführt.

Hier eine kleine Auswahl von Herstellern von Containerhäusern:
Big Box Berlin ist ein Full- Service Anbieter, der seine Kunden von der Entwicklungsphase (Konstruktion, Brandschutz, Baugenehmigung) bis hin zur Aufstellung betreut. Die Häuser kommen komplett mit Dusche und WC und können auch mit Sonderausstattungen und Wunschlackierung erworben werden.
Your Boxx ist ein Anbieter aus NRW, genauer gesagt aus Kerpen. Dort befindet sich sogar eine Werksausstellung für fertig ausgebaute Seecontainerhäuser. Auf der Seite findet man Wissenswertes rund um das Thema Baugenehmigung, Transport, Energieeffizienz, Statik, Bauweise, Kosten und Qualitätsanspruch der Your-Boxx Minihäuser.
Sisu Containers sind zwei Freunde und Handwerker, die im Wendland interessante Containerprojekte in Handarbeit erstellen. Das außergewöhnliche Design überzeugt und sorgt für echte Blickfänge. Vor allem die wunderschönen Außenfassaden haben uns begeistert.
Das Erdhaus

Das wohl bekannteste Erdhaus der Welt ist das Haus von Bilbo Beutlin, dem Hobbit aus dem Film „Herr der Ringe“. Mit seiner runden Tür, den runden Fenstern und dem schönen Bewuchs hat das Erdhaus einen unglaublich charmanten und gemütlichen Charakter. Diese Art zu wohnen gibt es bereits seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt. Schon die Ureinwohner Amerikas bauten ihre Unterkünfte in die Erde, da sie so besser vor Wind und Wetter schützen als ein Zelt oder Tipi.
Ein Erdhaus zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass zur Herstellung oder Bedeckung von Wänden und Decken eine dicke Schicht Erde verwendet wird. Die darunterliegende Stützkonstruktion wurde in früheren Tagen entweder aus Stein in Form eines Gewölbes gemauert oder mit einem Ständerwerk aus Holz gebaut. Heutzutage wird häufig Stahlbeton verwendet, der entsprechend in Form gegossen werden kann. Dadurch entstehen die typischen Rundungen an der Decke und an den Wänden. Das Erdhaus muss dabei nicht zwingend in die Erde gebaut werden, sondern kann auch auf einer offenen Fläche aufgestellt und anschließend mit Erde überschüttet werden. Die Erde dient zum einen als Schutz des Hauses gegen Wind und Wetter. Zum anderen hat die Erde gute isolierende Eigenschaften, so dass dem Erdhaus ein angenehmes Raumklima nachgesagt wird. Im Sommer kühlt die Erde das Haus und schützt vor zu großer Hitze, im Winter speichert es hingegen die Wärme, die nur langsam von innen nach außen dringt.
Vorteile eines Erdhauses
Gute Energieeffizienz
Ein Erdhaus verfügt aufgrund der dicken Erdschicht über eine sehr gute Isolierung. Die Erde wirkt dabei wie eine warme Decke und sorgt dafür, dass die Wärme von Innen nur langsam nach außen entweichen kann. Dadurch muss im Schnitt weniger geheizt werden als bei einem herkömmlichen Haus. Die Körperwärme der Bewohner sowie die Abwärme beim Kochen oder Duschen werden ebenfalls dauerhaft gespeichert und reichen teilweise schon aus, um ein angenehmes Raumklima zu erzeugen. Das spart Energie und Kosten. Dadurch verursacht ein mittelgroßes Erdhaus im Schnitt nur rund 300 Euro Heizkosten im Jahr. Zusätzlich kann auch mit einem kleinen Holzofen geheizt werden, um die Kosten noch weiter zu senken. Im Sommer hingegen erwärmt sich das Haus nur sehr langsam und ist daher deutlich kühler. Dadurch lassen sich jährlich zwischen 40 und 50 % des gesamten Energiebedarfs eines herkömmlichen Hauses einsparen. Dies ist ein ausschlaggebender Faktor für alle, die sich dem Klimaschutz verschrieben haben und sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen wollen.
Dachbepflanzung
Die dicke Erdschicht ermöglicht es, das Dach mit Zier- oder Nutzpflanzen zu bepflanzen. Die Bepflanzung sorgt zum einen für Festigkeit. Die aufgeschüttete Erde kann nicht einfach vom Regen fortgespült werden. Zum anderen speichert die Pflanzendecke die Feuchtigkeit und gibt diese dann langsam an die Pflanzen ab.
Schutz vor Unwetter
Die tiefliegende Struktur eines Erdhauses bietet einen sehr guten Schutz vor der Witterung, vor allem bei heftigen Stürmen. Anders als bei einem herkömmlichen Haus sind die Seitenwände oder das Dach bei Sturm deutlich weniger anfällig für Schäden. Die runde Form sorgt dafür, dass der Wind wenig Angriffsmöglichkeiten hat und eher um das Haus herumführt. Somit werden die Materialien auch weniger in Mitleidenschaft gezogen verleiht dem Erdhaus seine Langlebigkeit.
Nachteile eines Erdhauses
Fehlendes Tageslicht
Erdhäuser sind meist an drei der vier Seiten geschlossen und in der Regel weist nur die Südseite Fenster auf. So kann schnell das Gefühl einer „Höhle“ entstehen. Hier muss mit ausgeklügelten Lichtinstallationen, Dachfenstern oder Solar- Röhren gearbeitet werden, damit ein angenehmes Wohnklima entsteht.
Runde Wände
Die typische Form eines Erdhauses ist eher kuppel- oder gewölbeförmig. Das führt dazu, dass die Innenwände in der Regel nicht senkrecht, sondern gekrümmt sind. Dadurch können sich Probleme bei der Anbringung von Möbeln oder Bildern ergeben. Es ist notwendig schon bei der Planung auch auf die Errichtung von geraden Flächen im Haus zu achten.
Schimmelgefahr
Durch die dicke Erdschicht werden Wärme und Feuchtigkeit länger gespeichert. Die Luftfeuchtigkeit ist also deutlich höher als bei einem herkömmlichen Haus. Das kann bei mangelhafter Lüftung im schlechtesten Fall zu Schimmelbildung führen. Ein konsequenter Lüftungs- Plan oder automatisierte Lüftungslösungen können Abhilfe schaffen.
Baugenehmigung
Ein Erdhaus ist in Deutschland noch relativ wenig verbreitet. Daher kennen sich Städte und Gemeinden meist nicht mit dieser Art zu wohnen aus. Das könnte zu Schwierigkeiten bei der Ausstellung einer Baugenehmigung führen. Ein klärendes Gespräch mit der örtlichen Behörde kann hier schnell für Klarheit sorgen.
Kosten für ein Erdhaus
Die Kosten für ein Erdhaus hängen natürlich von Art und Größe des Hauses ab. Es wird zwischen bodentiefen und Erdhügel- Häusern unterschieden. Ein Haus in den Boden zu bauen ist dabei aufwendiger als erst das Haus zu bauen und dann mit Erde zu überschütten. Da zudem der Bau für die runden Wände und Decken im Spritzgussverfahren spezielle Kenntnisse und Baumaterialien verlangt, ist ein Erdhaus in der Regel 10% teurer als ein herkömmliches Haus. Diese zusätzlichen Kosten rechnen sich jedoch im Laufe der nächsten Jahre schnell über die gesparten Energiekosten wieder auf.
Der Zirkus- bzw. Bauwagen
Spätestens seit der Fernsehserie „Löwenzahn“ mit Peter Lustig verbindet man das Leben in einem Bau- oder Zirkuswagen mit Romantik, Freiheit und einem individuellen Lebensstil. Für all diejenigen, die Peter nicht mehr aus ihrer Kinderzeit kennen, hier ein Bild von seinem selbstausgebauten Bauwagen, in dem er inmitten eines Schrebergartens gewohnt hat.

Die Abmessungen können stark variieren, es gibt Bauwagen, die 4 Meter lang sind bis hin zu den etwas massiveren Zirkuswagen, die gut und gerne mal 8-9 Meter lang sind. In der Breite messen die Wagen zwischen
2,5 und 3 Metern. Da diese Wagen in der Regel auf einer höher gelegenen Deichsel bzw. einem Trailer stehen, ergibt sich so bereits eine gewisse Wagenhöhe. Anders als beim Tiny House sind dadurch zweistöckige Aufbauten eher ungewöhnlich.
Früher wurden solche Zirkuswagen noch von Tieren gezogen, mittlerweile erfolgt der Transport mithilfe von starken Zugmaschinen wie Pickups, LKWs oder Traktoren. Der Trailer bietet die Grundfläche, auf dem in der Regel ein Ständerwerk aus Holz befestigt wird. Darauf setzt man dann die runden Dachbalken für das Bogendach, die dem Wagen sein schönes Aussehen verleihen.
Anders als in der damaligen Zeit sind die heutigen Zirkuswagen mit moderner Technik ausgestattet, die es ermöglichen, bequem und ganzjährig darin zu wohnen. Der Vorteil eines höheren Trailers ist hierbei, dass auch unter dem Wagen Möglichkeiten für Aufbewahrung und Stauraum angebracht werden können, ohne das schöne Allgemeinbild des Wagens zu zerstören.

Bezugsquellen
Auf Portalen wie Ebay oder Ebay Kleinanzeigen findet man mittlerweile eine Vielzahl solchen Schindelwagen. Suchbegriffe wie Zirkuswagen, Zigeunerwagen, Holzwagen, Bauwagen oder Schindelwagen führen hier sicherlich zu ausreichenden Treffern bei der Suche. Ein weiteres Portal, um einen Wagen zu finden ist Schausteller.de. Hier findet man neben den Terminen für Volksfeste und Jahrmärkte auch einen Bereich für Kleinanzeigen. Dort bieten die Schausteller ihre Fahrzeuge an.
Neu gebaute Zirkuswagen findet man auch auf der Webseite Zirkuswagenbau.info. , Zirkuswagen.com oder Wohlwagen.de. Dort werden Komplettsysteme inklusive Ofen, Dusche, Heizung, Terrasse, Dämmung und antiken Möbeln angeboten. Preise sind meist auf Anfrage verfügbar und variieren je nach Umfang und Einrichtung des jeweiligen Modells.
Kosten eines Zirkus-/ bzw. Schindelwagens
Wer einen Zirkuswagen auf dem Gebrauchtmarkt anstatt neu bei einem Händler kauft, kann Geld sparen. Für einen Wagen um 6 Meter Länge muss man mit einem Kaufpreis zwischen 4.000 und 6.000 Euro rechnen. Das hängt natürlich auch vom Alter, dem Zustand und der Ausstattung des Wagens ab. Für einen neuen Wagen, der individuell und neu angefertigt wird, muss mit Kosten ab 15.000 Euro gerechnet werden. Die Grenze nach oben ist offen. Je größer die Fahrzeuge werden, umso höher der Kaufpreis. Für ein vollausgestattetes Modell mit Dusche, Heizung, Möblierung sowie Solaranlage entstehen Kosten zwischen 40.000 und 60.000 Euro.

Rechtliches zum Schindelwagen
Egal ob man solch einen Wagen gebraucht oder neu kauft, er benötigt eine Straßenzulassung. Bei einem Gebrauchtkauf sollte darauf geachtet werden, ob diese auch vorliegt. Sofern der Wagen dauerhaft mobil bleibt, ist es grundsätzlich gestattet ihn außerhalb von Ortschaften zu parken. Dabei dürfen aber weder Sitzgelegenheiten (Stühle und Bänke), noch eine Kochstelle oder Toilette zusätzlich aufgestellt werden. All das wird dann nämlich wieder genehmigungspflichtig. Ausnahmen gibt es natürlich z.B. beim Zirkus oder fahrenden Volk, hier werden die Wagen in der Regel von der Stadt geduldet, solange niemand gestört oder belästigt wird. Eine Genehmigung für dauerhaftes Abstellen gibt es jedoch meist nicht.
Ähnlich wie bei einem Tiny House besteht die Möglichkeit, sich mit Campingplätzen oder anderen Grundstückseigentümern zu einigen. Zunächst sollte das Gespräch mit dem Campingplatzbetreiber gesucht werden, ob die Anmeldung als Erstwohnsitz auch erlaubt ist. Auf allen anderen Grundstücken gilt in der Regel: Dauerhafter Wohnsitz = Einhaltung des Baurechts. Der Weg zum örtlichen Bauamt ist hier unbedingt zu empfehlen, um zu klären, ob ein Bauantrag gestellt werden muss.

Das Hausboot

Hausboote gibt es schon seit Jahrhunderten und sind nicht nur in Asien eine beliebte Wohnform. Wer schon einmal durch die schönen Grachten von Amsterdam spaziert ist, kennt den Charme einer Wohnung auf dem Wasser. Das Hausboot erfreut sich in der heutigen Zeit wieder wachsender Beliebtheit. Schließlich vermittelt kaum eine andere Wohnform so sehr das Gefühl von Freiheit als das Leben auf dem Wasser. Schon Huckelberry Finn hatte ein Hausboot, auf dem er und sein Freund Tom Sawyer auf dem Mississippi ihre Abenteuer bestritten.
Floating Home vs Hausboot
Zunächst muss zwischen dem Begriff Hausboot und Floating Home unterschieden werden. Ein Hausboot besitzt die Möglichkeit, den Standort zu wechseln. Es verfügt über einen Motor und ein steuerbares Ruder. Solch ein motorbetriebenes Hausboot gilt sogar als Sportboot, solange es eine Länge von 24 Metern nicht überschreitet. Sobald ein Hausboot mehr als 15 Meter Länge aufweist, muss es in ein meist kostenpflichtiges Schiffs-register eingetragen werden. Daher bietet es sich für ein Hausboot an, sich für einen Schiffstyp zu entscheiden, welche diese Größe nicht überschreitet.
Tipp: Wer über solch ein mobiles Hausboot verfügt, sollte von Anfang an ein Logbuch bei allen Reisen führen. Dadurch verringert man das Risiko, dass das Hausboot irgendwann von den Behörden als bauliche Anlage angesehen wird.

Als Floating Home werden Hausboote bezeichnet, die fest an einem Liegeplatz liegen. In den meisten Fällen schwimmt das Boot dann auf Pontons, auf denen eine feste Betonplatte angebracht ist. Darauf wird dann das Haus gebaut. Alternativ kann man auch Boote oder Schiffe verwenden, bei denen der Antrieb entfernt wurde. Wenn das Haus dann später an einen anderen Liegeplatz bewegt werden soll, muss es von einem anderen Schiff dorthin gezogen werden.
Anders als bei einem normalen Haus muss bei einem Hausboot keine Grundsteuer entrichtet werden, schließlich gibt es auf dem Wasser keinen Grund und Boden. Doch wer auf dem Wasser leben möchte und nicht über einen eigenen See verfügen kann, ist auf einen Liegeplatz angewiesen. Man kann nicht einfach mitten auf dem Wasser Anker werfen, da man dadurch den Wasserweg blockieren würde. Daher ist es auf einem öffentlichen Gewässer nur erlaubt, am Ufer anzulanden um zu übernachten. Und dazu benötigt man einen meist offiziellen Liegeplatz.
Ein fester Liegeplatz für ein Floating Home fällt dann allerdings unter die Vorschriften aus dem Wasserbau der jeweiligen Stadt bzw. Gemeinde. Solche Plätze sind noch relativ selten, heiß begehrt und je nach Lage auch ziemlich kostspielig. Fällt das Hausboot allerdings in die Kategorie Sportboot ist es deutlich einfacher einen normalen Liegeplatz zu nutzen.
Die Kosten für solche Liegeplätze sind dann meist Verhandlungssache. Zum Beispiel kostet ein Liegeplatz im Binnenhafen von Emden zwischen 150 und 300 Euro pro Monat.
Wer dauerhaft auf dem Hausboot an einer Stelle wohnen will, muss sich an die zuständige Behörde wenden, um die Vorschriften zu erfahren. Wenn es sich nicht um ein Bundesgewässer handelt, reicht meist der Weg zum örtlichen Wasser- und Schiffartsamt. Dort erfährt man dann Einzelheiten zum Genehmigungsverfahren. Denn auch an Ufern gibt es manchmal Bebauungspläne, die eingehalten werden müssen. Zudem ist zu prüfen, ob das Hausboot als erster Wohnsitz angemeldet werden kann, was leider nicht in jeder Stadt möglich ist.
Die Stadt Hamburg hat einen Genehmigungsleitfaden für Hausboote veröffentlicht, der hier zu finden ist: Genehmigungsleitfaden der Stadt Hamburg. Der Leitfaden enthält viele nützliche Tipps und ist daher sicherlich auch für Hausboot- Interessenten geeignet, die nicht aus Hamburg kommen.
Betriebskosten
Neben den Anschaffungskosten für das Hausboot und den Kosten für den Liegeplatz fallen die üblichen Kosten für Strom, Wasser, Abwasser und Müllabfuhr an. Da das Hausboot in der Regel viel Fläche bietet, kann für die Stromversorgung oft auf die Hilfe von Solaranlagen zurückgegriffen werden. Zudem wird auch eine Bootsversicherung nötig sein.
Sofern das Boot mobil bleibt und von Zeit zu Zeit bewegt wird, müssen Treibstoffkosten einkalkuliert werden. Ähnlich wie andere Fahrzeuge muss auch ein Boot regelmäßig zur technischen Überprüfung, quasi zum TÜV. Bei Booten mit Motor alle drei Jahre, bei Booten ohne Motor alle sechs Jahre. Dazu muss das Boot in der Regel in eine Werft, da auch der Rumpf auf Schäden oder Lecks überprüft werden muss. Allein der Transport in die Werft kann teuer werden, die technische Prüfung selbst verursacht natürlich weitere Kosten.

Wasser und Abwasser
Sofern der Liegeplatz keine Möglichkeit bietet, das Boot an die Kanalisation anzuschließen, wird eine passende Sanitäranlage benötigt. Schließlich kann man seinen Unrat nicht einfach in das Gewässer leiten. Die Lösung kann zum Beispiel aus einer Trenn- Toilette mit Kompost und einem entsprechenden Tank für das Abwasser bestehen. Für das Spülwasser bietet es sich an, das Wasser direkt aus dem Gewässer zu pumpen, um keinFrischwasser zu verbrauchen. Eine entsprechende Ansaugpumpe muss also verbaut werden.
Bezugsquellen
Wer sich für ein Hausboot interessiert kann sich auf unterschiedlichen Portalen wie Boot24.com, Bestboats24 oder de.boats.com umsehen. Auch auf Ebay Kleinanzeigen findet man zahlreiche Angebote. Gerade die Suche auf den niederländischen Homepages lohnt sich, da hier das Angebot größer und die Preise günstiger als in Deutschland sind.

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