Read the book: «Werde übernatürlich»

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Dr. Joe Dispenza

Werde Übernatürlich

Wie gewöhnliche Menschen das Ungewöhnliche erreichen


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Farbgrafiken

Nachwort

Dank

Aus dem Englischen

von Maria Müller-de Haën

Wichtige Hinweise

Die im Buch veröffentlichten Empfehlungen wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.

An einigen Stellen wurden Pronomen wie »jemand«, »niemand«, »nichts« etc. entgegen der gültigen Orthografie großgeschrieben, um der Betonung, die der Autor ihnen in diesem Zusammenhang zuteil werden lässt, eher gerecht zu werden.

Titel der Originalausgabe:

Becoming Supernatural

How Common People Are Doing the Uncommon.

Copyright © 2017 by Joe Dispenza

Originally published in 2017 by Hay House, Inc. USA

Deutsche Ausgabe:

© 2017 KOHA-Verlag GmbH Burgrain

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Gitta Lingen

Gesamtherstellung: Karin Schnellbach

ISBN 978-3-86728-762-3

Für meinen Bruder John,

der schon immer

ein wahrer Mystiker war

Vorwort

von Gregg Braden

Im Lauf der Menschheitsgeschichte wurde schon immer von ganz gewöhnlichen Menschen erzählt, die durch bestimmte Erfahrungen die Grenzen dessen sprengten, was man für möglich hielt. Da gab es zum Beispiel Li Ching-Yuen, einen 1677 geborenen Kampfkünstler, der 256 Jahre alt wurde, 14 Frauen und über 200 Kinder hatte, bevor er 1933 verstarb. Oder man denke an Spontanheilungen, wie sie vom Institute of Noetic Sciences (IONS) mit 3500 Referenzen aus über 800 Zeitschriften in 20 Sprachen dokumentiert wurden. Offensichtlich sind wir nicht das, was man uns eingeredet hat, und auch mehr, als wir uns in unserer Fantasie je zugestanden haben.

Inzwischen findet die Vorstellung eines erweiterten Potenzials des Menschen auch in der Allgemeinheit Akzeptanz; damit hat sich die Frage »Was ist in unserem Leben möglich?« verlagert hin zu »Wie machen wir das? Wie können wir unser außergewöhnliches Potenzial im Alltag entfalten?«. Die Antwort auf diese Frage bildet die Grundlage dieses Buches »Werde übernatürlich: Wie gewöhnliche Menschen das Ungewöhnliche erreichen«.

Dr. Joe Dispenza, Mediziner, Wissenschaftler und ein moderner Mystiker, bringt Informationen mit einer Vision zusammen, die über die Grenzen einzelner wissenschaftlicher Disziplinen hinausgeht. Er schöpft sein Wissen aus diversen grundsoliden wissenschaftlichen Gebieten wie der Epigenetik, der Molekularbiologie, Neurokardiologie und Quantenphysik. Dr. Joe überschreitet die traditionellen Grenzen zwischen dem wissenschaftlichen Denken und der menschlichen Erfahrung und öffnet dadurch das Tor zu einem kühnen neuen Paradigma selbstverwirklichter innerer Stärke – einer Denk- und Lebensweise, die darauf aufbaut, was wir unserem Gefühl nach in unserem Leben für möglich halten und was wir als wissenschaftliche Tatsache akzeptieren. Damit betreten wir vielversprechendes Neuland im Hinblick darauf, welche Potenziale wir in die Wirklichkeit umsetzen können und was es heißt, ein voll befähigter, voll ermächtigter Mensch zu sein – egal, ob Hausfrau oder -mann, Studierender oder Facharbeiter, Wissenschaftlerin, Ingenieur oder Medizinerin.

Der große Reiz von Dr. Joes Arbeit basiert auf einem bewährten Modell, das große Meister seit Jahrhunderten erfolgreich bei ihren Schülern einsetzen. Die zugrunde liegende Idee ist einfach: Sobald wir erst einmal ein größeres Potenzial direkt erfahren haben, sind wir frei, es im Alltag zuzulassen und zu nutzen. Das Buch, das Sie in der Hand halten, ist der erste Leitfaden seiner Art und macht genau das: Es führt uns Schritt für Schritt auf eine Reise, auf der wir unser höchstes Potenzial entfalten können – sei es auf der körperlichen und gesundheitlichen Ebene, in Beziehungen oder im Hinblick auf den Sinn unseres Lebens; und es lässt uns diese Reise in unserem eigenen Tempo absolvieren.

Ich selbst habe auf den Wänden einer Höhle auf der tibetischen Hochebene gesehen, wie eben dieses Modell von einem der größten Yogameister der Vergangenheit dazu benutzt wurde, seine Schüler von ihren einschränkenden Überzeugungen zu befreien. Dieser Meister hat uns seine Lehre auf den Felswänden der Höhle hinterlassen, die ihm vor acht Jahrhunderten als Zuhause und Schulzimmer gedient hat.

Im Frühling des Jahres 1998 begleitete ich eine Pilgergruppe ins westtibetische Hochland. Unsere Reiseroute führte uns direkt zu der abgelegenen Höhle des Dichters, Mystikers und Yogi Ujetsun Milarepa, der im 11. Jahrhundert lebte und damals einfach unter dem Namen Milarepa bekannt war.

Ich hörte das erste Mal von diesem legendären Yogi, als ich in den 1980er-Jahren bei einem Sikh-Mystiker Yoga lernte. Jahrelang beschäftigte ich mich mit dem Geheimnis um Milarepas Leben: wie er, aus einer privilegierten Familie stammend, sich dafür entschied, seine weltlichen Besitztümer aufzugeben; mit den brutalen und tragischen Umständen, unter denen er seine Familie und Liebsten durch Massengewalt verlor; und wie er sich rächte, danach darunter litt und sich deshalb hoch in die Berge des Himalayas zurückzog, wo er sein außergewöhnliches Potenzial als Yogi entdeckte. Ich wollte den Platz, wo Milarepa die Gesetze der Physik außer Kraft setzte, mit eigenen Augen sehen; damit zeigte er sich und seinen Schülern, dass nur die Grenzen unserer Überzeugungen unserem Leben Grenzen setzen. Am 19. Tag unserer Reise bot sich mir diese Gelegenheit.

Nach der Akklimatisierung an eine Luftfeuchtigkeit im einstelligen Bereich und Höhen von über 4500 Metern über dem Meeresspiegel stand ich genau dort, wo Milarepa vor 800 Jahren vor seinen Schülern gestanden hatte. Mein Gesicht war nur ein paar Zentimeter von der Höhlenwand entfernt; ich starrte auf das ungelöste Rätsel, das die moderne Wissenschaft bislang weder erklären noch nachmachen konnte. Genau hier hatte Milarepa seine Handfläche etwa auf Schulterhöhe auf den Felsen gelegt und die Hand in die Wand gedrückt, als wäre der Fels überhaupt nicht da! Dabei wurde das Gestein unter seiner Handfläche weich und formbar, es gab dem Druck nach. Als sichtbares Zeichen für die Schüler damals hinterließ die Hand des Yogis im Felsen einen perfekten Abdruck, der über die Jahrhunderte hinweg bis heute für die Nachwelt erhalten blieb. Wir leuchteten mit den Taschenlampen die Wände und die Decke der Höhle ab und konnten weitere Handabdrücke erkennen; Milarepa hat dies wohl mehrmals demonstriert.

Ich legte meine Handfläche in den Abdruck und spürte, wie sich meine Finger in den Handabdruck des Yogis schmiegten, und zwar so perfekt, dass jegliche bis dahin noch vorhandenen Zweifel an der Echtheit des Handabdrucks verschwanden. Dieses Gefühl flößte mir Demut ein und war gleichzeitig inspirierend. Sofort wanderten meine Gedanken zu dem Menschen Milarepa. Ich wollte wissen, was mit ihm geschah, als er in den Felsen griff. Was dachte er dabei? Und vielleicht noch wichtiger: Was fühlte er? Wie setzte er sich über die physikalischen »Gesetze« hinweg, die besagen, eine Hand und der Felsen können nicht gleichzeitig denselben Raum einnehmen?

Mein tibetischer Führer schien meine Gedanken lesen zu können und beantwortete meine Fragen, noch bevor ich sie ihm gestellt hatte. »Die Meditation des Geshe [großen Meisters] lehrt, dass er Teil des Felsens und nicht davon getrennt ist. Der Fels kann ihm keine Grenze setzen. Für den Geshe ist diese Höhle ein Ort der Erfahrung, keine Grenze oder Beschränkung. An diesem Ort ist er frei und kann sich bewegen, als würde der Fels gar nicht existieren.«

Die Worte meines Führers ergaben vollkommen Sinn. Als Milarepas Schüler damals sahen, wie ihr Lehrer etwas vollbrachte, das laut traditioneller Überzeugung unmöglich war, standen sie vor demselben Dilemma wie wir heute, wenn wir uns dafür entscheiden, uns von unseren einschränkenden Überzeugungen frei zu machen.

Das Denken von Familien, Freunden und Gesellschaft zur Zeit dieser Schüler stellte sich die Welt mit Grenzen und Beschränkungen vor; dazu gehörte die Überzeugung, eine Höhlenwand stelle für das Fleisch des menschlichen Körpers eine Grenze dar. Als Milarepa seine Hand in den Felsen drückte, zeigte er seinen Schülern dagegen, dass es Ausnahmen von diesen »Gesetzmäßigkeiten« gibt. Die Ironie dabei ist: Beide Sichtweisen der Welt sind vollkommen richtig; jede Sichtweise hängt davon ab, was wir im jeweiligen Augenblick über uns denken.

Als ich meine Hand in den Abdruck legte, den der Yogi vor langer Zeit für seine Schüler hinterlassen hatte, fragte ich mich: Wird unser Leben heute von denselben einschränkenden Überzeugungen begrenzt, die Milarepas Schüler damals erlebten? Und wenn ja, wie können wir uns der Macht bewusst werden, die es uns ermöglicht, unsere einschränkenden Überzeugungen zu transzendieren?

Wie ich festgestellt habe, kommt das, was sich im Leben als wahr herausstellt, auf vielerlei Weise zum Vorschein. Deshalb ist es keineswegs überraschend, dass Dr. Joes wissenschaftlich gestützte Dokumentation seiner Erkenntnisse während seiner Workshops zum selben Schluss kommt wie Milarepa und andere Mystiker im Lauf der vergangenen Jahrhunderte – nämlich dass das Universum so »ist«, wie es ist, unsere Körper so »sind«, wie sie sind, und die Umstände unseres Lebens so »sind«, wie sie sind, aufgrund des Bewusstseins und unseres Denkens über uns in unserer Welt. Die Geschichte von Milarepa habe ich hier erzählt, um dieses anscheinend universelle Prinzip zu veranschaulichen.

Der Schlüssel zur Lehre des Yogis lautet: Erleben wir selbst oder bei jemand anderem etwas, das wir vorher für unmöglich gehalten haben, befreien wir uns von unseren Überzeugungen und können diese Beschränkungen in unserem Leben transzendieren. Genau deshalb hat dieses Buch das Potenzial, Ihr Leben zu verändern. Es zeigt auf, wie Sie Ihren Traum von der Zukunft als gegenwärtige Realität annehmen können, und zwar so, dass Ihr Körper meint, diese Zukunft geschehe »jetzt«. So entdecken Sie, wie Sie eine ganze Flut an emotionalen und physiologischen Prozessen in Gang setzen können, die Ihre neue Realität widerspiegeln. Die Neuronen im Gehirn, die sensorischen Neuriten des Herzens und die Körperchemie arbeiten zusammen, um dieses neue Denken widerzuspiegeln, und die Quantenmöglichkeiten des Lebens werden umorganisiert, um die nicht erwünschten Umstände der Vergangenheit durch die neuen Umstände zu ersetzen, die Sie als Gegenwart akzeptiert haben.

Genau darin liegt die große Stärke und Kraft dieses Buches. In seinem direkten und leicht verständlichen Stil bringt Joe Dispenza in einem einzigen Buch die Entdeckungen der Quantenphysik, die zu einem Paradigmenwechsel führen, und die tiefgründigen Lehren, denen die Eingeweihten und Meister der Vergangenheit ihr ganzes Leben gewidmet haben, zusammen – er zeigt uns, wie wir zu übernatürlichen Wesen werden können.

Gregg Braden »New York Times«-Bestseller-Autor von »Im Einklang mit der göttlichen Matrix«

Einleitung

Einstimmung auf ein Leben als übernatürliches Wesen

Eines ist mir klar: Dieses Buch zu schreiben ist ein Risiko – für mich und meinen guten Ruf. Diverse Leute, auch Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinde, könnten meine Arbeit als »pseudowissenschaftlich« bezeichnen – erst recht, wenn »Werde übernatürlich« auf den Markt kommt. Früher machte ich mir allzu große Sorgen darum, was diese Kritiker von mir und meiner Arbeit halten. Zu Beginn meiner Karriere schrieb ich immer unter Berücksichtigung solcher Skeptiker und versuchte es ihnen recht zu machen, um ihre Billigung zu finden. Auf einer Ebene dachte ich, es wäre wichtig, von dieser Gemeinschaft akzeptiert zu werden.

Doch eines Tages, als ich in London einen Vortrag hielt, trat eine Frau ans Mikrofon und erzählte, wie sie ihre Krankheit überwunden hatte – mit Praktiken, über die ich in anderen Büchern geschrieben hatte. In diesem Moment hatte ich so eine Art Offenbarung: Ich erkannte klar und deutlich, dass diese Skeptiker und Wissenschaftler, die ihre feste Meinung darüber haben, was möglich ist, mich oder meine Arbeit sowieso nicht gut finden werden, ganz egal, was ich mache. Ich hatte eine Menge meiner Lebensenergie verschwendet. Ich verlor das Interesse daran, diese Leute – besonders diejenigen, die sich mit dem Normalen und Natürlichen beschäftigen – vom Potenzial des Menschen zu überzeugen. Meine ganze Leidenschaft galt allem, nur nicht dem »Normalen«; ich wollte mich mit dem Übernatürlichen auseinandersetzen und es studieren. Ich musste meine vergeblichen Versuche, in dieser Gemeinschaft Überzeugungsarbeit zu leisten, aufgeben und meine Energie stattdessen einem ganz anderen Teil der Bevölkerung widmen: jenen Menschen, die an Möglichkeiten glauben und sich das, was ich zu sagen habe, anhören wollen.

Es war eine große Erleichterung, das voll und ganz anzunehmen und jegliche Versuche aufzugeben, in dieser anderen Welt etwas zu bewirken. Ich hörte dieser bezaubernden Dame in London zu, die weder Mönch noch Nonne, weder Akademikerin noch Wissenschaftlerin war, und wusste: Indem sie den Zuhörern ihre Geschichte erzählte, half sie anderen, sich zum Teil selbst in ihr wiederzufinden; diese Menschen im Publikum, die sich die Geschichte ihrer Reise anhörten, würden dadurch vielleicht zu der Überzeugung gebracht, sie könnten das Gleiche erreichen.

Ich stehe an einem Punkt in meinem Leben, wo ich die Meinung der Leute über mich – und ich habe ganz sicher meine Fehler – stehen lassen kann; doch mehr als je zuvor weiß ich auch, dass ich im Leben der Menschen etwas bewirken kann. Das sage ich mit größter Demut und Bescheidenheit. Seit Jahren arbeite ich intensiv daran, komplexe wissenschaftliche Informationen so einfach darzustellen, dass man sie im alltäglichen Leben anwenden kann.

Im Lauf der letzten vier Jahre habe ich zusammen mit meinem Forscher- und Mitarbeiterteam bei der wissenschaftlichen Messung, Aufzeichnung und Analyse dieser biologischen Veränderungen beachtliche Fortschritte erzielt, die der Welt beweisen, dass ganz gewöhnliche Menschen Ungewöhnliches erreichen können. In diesem Buch geht es nicht nur um Heilung und die dafür benötigten Werkzeuge, auch wenn Geschichten von Menschen erzählt werden, die ihre Gesundheit signifikant verbessern konnten und sogar Krankheiten »rückgängig« gemacht haben. Solche Leistungen sind in der Gemeinschaft unserer Studierenden inzwischen ganz normal. Was Ihnen in diesem Buch präsentiert wird, sprengt Konventionen und wird von den meisten Menschen normalerweise weder gesehen noch verstanden. Der Inhalt dieses Buches basiert auf der Weiterentwicklung von Lehren und Praktiken, die unsere Studenten letztendlich in die Lage versetzt haben, tiefer in deren mystische Aspekte einzutauchen. Und natürlich hoffe ich, es möge eine Brücke bauen zwischen der Welt der Wissenschaft und der Welt der Mystik.

Mit diesem Buch möchte ich jenes, was ich bislang für möglich hielt, auf eine neue Ebene heben. Ich wollte der Welt zeigen, dass wir für uns ein besseres Leben kreieren können und dass wir keine linearen Wesen sind, die ein lineares Leben führen, sondern (multi-)dimensionale Wesen mit einem (multi-)dimensionalen Leben. Alles, was auf der anatomischen, chemischen und physiologischen Ebene nötig ist, um zu einem übernatürlichen Wesen zu werden, ist bereits latent in uns vorhanden und wartet nur darauf, geweckt und aktiviert zu werden. Diese Erkenntnis möchte ich den Lesern und Leserinnen vermitteln.

Früher habe ich nur zögerlich über diese Realitätsebene gesprochen, aus Angst, die Zuhörenden könnten darüber aufgrund ihrer persönlichen Überzeugungen unterschiedlicher Meinung sein. Doch ich trage mich schon lange mit dem Wunsch, dieses Buch zu schreiben. Im Lauf der Jahre hatte ich sehr tiefe, bereichernde mystische Erfahrungen, die mich für immer verändert haben. Diese inneren Erlebnisse haben mich unter anderem zu der Person gemacht, die ich heute bin. Ich möchte auch Sie mit der Welt der Dimensionen bekannt machen und einige der Messungen und Studien vorstellen, die wir auf unseren Advanced Workshops in aller Welt durchgeführt haben. Ich begann Daten über die Workshop-Teilnehmer zu sammeln, weil wir Zeuge wurden, wie sich ihre Gesundheit signifikant verbesserte und sie, wie ich wusste, während der Meditation ihre Biologie veränderten – in Echtzeit.

Diese Veränderungen waren nicht bloß Einbildung in den Köpfen dieser Menschen, sondern fanden tatsächlich im Gehirn statt, wie Tausende von Gehirnscans beweisen. Etliche Teilnehmer konnten innerhalb von vier Tagen (so lange dauert ein Advanced Workshop) diese Veränderungen bewirken. Die von mir zusammengestellten wissenschaftlichen Teams zeichneten anhand von quantitativen Elektroenzephalogrammen (EEG) Messungen vor und nach den Workshops auf und führten auch während der Meditationen und Praktiken Echtzeitmessungen durch. Die bewirkten Veränderungen haben mich nicht nur beeindruckt, sondern regelrecht schockiert, so dramatisch waren sie.

Die Gehirne der Studierenden arbeiten nach der Teilnahme an den Advanced Retreats in aller Welt synchroner und kohärenter. Dank dieses besser geordneten Nervensystems sind sie sich über die Zukunft, die sie kreieren können, im Klaren; sie sind in der Lage, diese Intention beizubehalten, unabhängig von äußeren Bedingungen und Umständen. Und wenn ihre Gehirne richtig funktionieren, funktionieren auch sie selbst richtig. Ich werde wissenschaftliche Daten präsentieren, die aufzeigen, wie sehr sich ihre Gehirne in nur wenigen Tagen verbessert haben. Und das heißt, auch Sie können Ihr Gehirn verbessern.

Ende 2013 kam es dann immer wieder zu mysteriösen Vorfällen. Manche der Gehirnscans verblüfften die Forscher und Neurowissenschaftler, die auf den Workshops meine Arbeit studieren wollten. Die gemessene Energie im Gehirn von Teilnehmern bei bestimmten Meditationen war in dieser Höhe noch nie aufgezeichnet worden. Und doch kam es wiederholt zu Werten, die außerhalb der vorgesehenen Maßstäbe lagen und die Diagramme sprengten.

Auf Befragung berichteten diese Teilnehmer, ihre subjektive Erfahrung während der Meditation sei sehr real und mystisch gewesen und dadurch hätte sich entweder ihre Weltsicht sehr gewandelt oder ihre Gesundheit drastisch verbessert. Ich wusste, diese Menschen hatten in diesen Momenten transzendentale Erfahrungen in ihrer inneren Meditationswelt, die realer waren als alles, was sie je in der Außenwelt erlebt hatten. Wir hielten diese subjektiven Erfahrungen auf objektive Weise fest.

Für uns ist das inzwischen zur neuen Normalität geworden. Tatsächlich können wir oft anhand bestimmter, seit Jahren verfolgter Indikatoren prognostizieren, wann diese hohen energetischen Amplituden im Gehirn auftreten werden. Ich möchte in diesem Buch solche interdimensionalen Erfahrungen entmystifizieren und die wissenschaftlichen Zusammenhänge sowie die biologischen und chemischen Prozesse in den Organen, Körpersystemen und Neurotransmittern darlegen, die das möglich machen, in der Hoffnung, Ihnen, den Lesern und Leserinnen, damit eine Art »Landkarte« an die Hand zu geben, um selbst solche Erfahrungen zu kreieren.

Auch bei der Herzfrequenzvariabilität wurden erstaunliche Veränderungen aufgezeichnet, die uns zeigen, dass eine Person ihr Herz öffnet und höhere Emotionen wie Dankbarkeit, Inspiration, Freude, Güte, Wertschätzung und Mitgefühl empfindet, wodurch der Herzschlag mehr Kohärenz – also Rhythmus, Ordnung und Balance – aufweist.

Wie wir wissen, braucht es eine klare Intention (ein kohärentes Gehirn) und eine höhere Emotion (ein kohärentes Herz), um die Biologie eines Menschen so zu verändern, dass er nicht mehr in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft lebt. Dieses Zusammenkommen von Geist und Körper – von Gedanken und Gefühlen – hat anscheinend auch Auswirkungen auf die Materie. So können wir Realität kreieren.

Wenn Sie also wirklich ganz fest und aus vollem Herzen an eine Zukunft glauben, die Sie sich vorstellen, dann sollten wir dafür sorgen, dass dieses Herz ganz offen und aktiviert ist. Wie wäre es also, durch entsprechende Praxis und quantitatives Feedback richtig gut darin zu werden und dies zu einer Fähigkeit zu entwickeln?

Wir gingen eine Partnerschaft mit dem HeartMath Institute (HMI) ein, einer Gruppe von sehr cleveren Forschern aus Boulder Creek, Kalifornien; sie halfen uns bei der Auswertung Tausender von Teilnehmerdaten. Wir möchten den Teilnehmern helfen, die Fähigkeit zu entwickeln, ihre innere Verfassung zu regulieren, unabhängig von den äußeren Bedingungen, und zu erkennen, wann sie Herzkohärenz erzeugen und wann nicht. Anders ausgedrückt: Wir können beim Messen dieser inneren Veränderungen den betreffenden Personen sagen, dass ihre Herzwerte mehr Ausgewogenheit aufweisen und dass sie genauso prima weitermachen sollen. Oder wir können ihnen mitteilen, dass sie keine biologischen Änderungen bewirken; dann geben wir ihnen geeignete Anweisungen und lassen sie diesen Prozess mehrmals üben, um darin besser zu werden. So funktioniert Feedback: Es hilft uns, herauszufinden, wann wir etwas richtig machen und wann nicht.

Verändern wir Gefühle und Gedanken in unserem Innern, können wir auch Veränderungen im Außen erkennen; sehen wir, dass wir es richtig gemacht haben, dann achten wir darauf, was wir getan haben, und machen es wieder so. Dadurch wird eine konstruktive Gewohnheit aufgebaut. Ich bringe anderen Menschen bei, wie sie das erreichen können, und will ihnen damit auch zeigen, wie viel Macht sie haben.

Die Workshop-Teilnehmer wissen, wie sie ihr autonomes Nervensystem beeinflussen können – das System, das sich automatisch um alle Körperfunktionen kümmert und dadurch Gesundheit und Ausgewogenheit gewährleistet, während wir frei entscheiden können, wie wir unser Leben leben wollen. Dieses unterbewusste System erhält unsere Gesundheit und unseren Körper am Leben. Wissen wir erst einmal, wie wir dazu Zugang erhalten können, haben wir nicht nur die Möglichkeit, unsere Gesundheit zu verbessern, sondern können zugleich unerwünschte, uns einschränkende Verhaltensweisen, Überzeugungen und Gewohnheiten in eher produktive umwandeln. Ich stelle in diesem Buch Daten vor, die wir seit Jahren sammeln.

Wenn Herzkohärenz entsteht, erzeugt das Herz ein messbares Magnetfeld, das über den Körper hinausreicht. Auch das bringen wir unseren Studierenden bei. Dieses Magnetfeld ist Energie, diese Energie hat eine Frequenz, und jegliche Frequenz ist Träger von Informationen; das mögen Intentionen bzw. Gedanken sein, die sich auf das Herz eines anderen Menschen, der sich ganz woanders aufhält, auswirken und es in Kohärenz und Balance bringen können. Ich werde nachweisen, dass eine Gruppe von Leuten, die zusammen in einem Raum sitzen, andere Menschen beeinflussen kann, die woanders im selben Raum sitzen, und bei ihnen genau zur selben Zeit Herzkohärenz erzeugt. Dies zeigt deutlich, dass wir über ein unsichtbares Licht- und Informationsfeld miteinander verbunden sind – ein Feld, das uns und andere beeinflusst.

Stellen Sie sich nur vor, welche Veränderungen wir in der Welt bewirken können, wenn wir alle das zur selben Zeit tun! Wir, eine Gemeinschaft von Menschen, die sich leidenschaftlich dafür einsetzen, die Zukunft dieser Erde, die Menschen und andere Lebensformen auf unserem Planeten zum Besseren zu verändern, haben genau das vor. Dazu wurde »Project Coherence« gegründet, ein Projekt, bei dem Tausende von Menschen genau zur selben Zeit am selben Tag gemeinsam daran arbeiten, die Frequenz dieses Planeten und all seiner Bewohner zu erhöhen.

Klingt das unmöglich? Ist es überhaupt nicht! Wie über 23 qualitätsgesicherte Artikel und über 50 Friedenstreffen belegen, können solche Zusammenkünfte die Anzahl von Gewalttaten, Kriegen, kriminellen Delikten und Verkehrsunfällen reduzieren und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum ankurbeln.1 Ich möchte in diesem Buch auf wissenschaftliche Weise demonstrieren, wie auch Sie dazu beitragen können, die Welt zu verändern.

Wir haben während der Workshops auch die Energie im Raum gemessen und konnten beobachten, wie sie sich verändert, wenn eine Gemeinschaft von 550 bis 1500 Menschen gemeinsam ihre Energie erhöhen und Herz- und Gehirnkohärenz erzeugen. Immer wieder kam es zu signifikanten Veränderungen. Das verwendete Messgerät wird zwar nicht von der wissenschaftlichen Gemeinde in den USA, aber sehr wohl von anderen Ländern anerkannt, unter anderem Russland. Jedes Mal sind wir aufs Neue überrascht, wie viel Energie manche Gruppen nachgewiesenermaßen generieren können.

Auch das unsichtbare Feld der Lebensenergie um den Körper herum haben wir bei Tausenden von Schülern ausgewertet, um herauszufinden, ob sie ihr persönliches Lichtfeld verstärken können. Schließlich sendet alles in unserem materiellen Universum immer Licht und Informationen aus – auch Sie. Wer unter der Last der Stresshormone (beispielsweise Adrenalin) im Überlebensmodus lebt, zieht von diesem unsichtbaren Feld Energie ab und verwandelt sie in chemische Verbindungen – dabei schrumpft das Feld um den Körper der jeweiligen Person. Wir haben ein sehr fortschrittliches Messinstrument entdeckt, mit dem sich die Emission von Photonen (Lichtpartikeln) messen lässt, um herauszufinden, ob jemand das ihn umgebende Lichtfeld ausbaut oder sein Feld schwächt.

Je mehr Licht ausgesandt wird, desto mehr Energie – und damit zugleich Leben – ist vorhanden. Menschen, deren Körper von weniger Licht und Informationen umgeben ist, bestehen mehr aus Materie und senden somit weniger Lebensenergie aus. Wie umfangreiche Forschungen bewiesen haben, kommunizieren die Körperzellen und -systeme nicht nur über chemische, uns wohlbekannte Transaktionen miteinander, sondern auch über ein Feld aus kohärenter Energie (Licht) mit einer Botschaft (Informationen), die wiederum das innere und äußere Zellmilieu dazu bringt, anderen Zellen und biologischen Systemen Anweisungen zu erteilen.2 Wir haben die Menge an Lebensenergie gemessen, die die Körper unserer Studierenden aufgrund der inneren, während der Meditationen vollzogenen Veränderungen ausstrahlen, und ich möchte in diesem Buch aufzeigen, welche Veränderungen sie in maximal vier Tagen bewirkt haben.

Das autonome Nervensystem steuert nicht nur das Herz, sondern auch andere Zentren im Körper, die ich als Energiezentren bezeichne. Jedes dieser Zentren schwingt auf einer bestimmten Frequenz, mit einer bestimmten Absicht bzw. einem bestimmten Bewusstsein; ihm sind bestimmte Drüsen, Hormone und andere chemische Substanzen zugeordnet und es hat sein eigenes kleines Gehirn und damit seinen individuellen, einzigartigen Geist. Man kann diese Zentren beeinflussen, damit sie ausgewogener und integrierter funktionieren. Doch dazu müssen wir zunächst lernen, wie wir unsere Gehirnwellen verändern können, um Zugang zu diesem unterbewussten Betriebssystem zu gewinnen.

Der Schlüssel dabei ist, aus dem Bereich der Beta-Gehirnwellen (in dem das denkende Gehirn ständig analysiert und sich vor allem auf die Außenwelt konzentriert) in den Bereich der Alphawellen zu gehen (was ein Hinweis darauf ist, dass die betreffende Person entspannt mehr Aufmerksamkeit auf ihre Innenwelt lenkt). Durch bewusstes Verlangsamen der Gehirnwellen wird es einfacher, das autonome Nervensystem zu »programmieren«. Kursteilnehmer, die im Lauf der Jahre meine diversen Meditationspraktiken angewendet haben, haben gelernt, ihre Gehirnwellen zu verändern sowie die Art von Fokus zu schärfen, die notwendig ist, um lang genug präsent zu bleiben und messbare Effekte zu erzielen. Wir haben ein Gerät zum Messen dieser Veränderungen entdeckt; auch über diese Forschungen wird in diesem Buch berichtet.

Des Weiteren haben wir mehrere verschiedene biologische Marker gemessen, die mit einer veränderten Genexpression zusammenhängen, also epigenetische Veränderungen bewirken. Wie im Buch erklärt wird, sind wir eben nicht auf Gedeih und Verderb unseren Genen ausgeliefert; die Genexpression kann sehr wohl verändert werden – sobald wir anders denken, handeln und fühlen. Auf unseren Workshops verlassen die Teilnehmer für vier bis fünf Tage ihr gewohntes Leben und verbringen stattdessen Zeit in einer Umgebung, die sie nicht ständig daran erinnert, wer sie zu sein meinen. Dadurch trennen sie sich von ihren Bekannten, von ihrem Besitztum, von den automatischen Verhaltensweisen, die sie im Alltag zur Schau stellen, und den Orten, die sie routinemäßig aufsuchen; sie verändern ihre innere Verfassung durch vier verschiedene Arten von Meditation: Gehen, Sitzen, Stehen und Liegen. Dadurch lernen sie, zu einem anderen Menschen zu werden.

Und genau das geschieht! Wir wissen das, weil unsere Studien signifikante Veränderungen in der Genexpression unserer Studierenden aufzeigen, die uns wiederum signifikante gesundheitliche Verbesserungen rückmelden. Sobald wir anhand messbarer Ergebnisse darlegen können, dass sie allein durch ihre Gedanken Veränderungen an Neurotransmittern, Hormonen, Genen, Proteinen und Enzymen bewirkt haben, können sie ihre Leistung besser begründen und sich zugleich selbst beweisen, dass sie sich wirklich verändern.

In diesem Buch erzähle ich Ihnen von diesen Ideen, führe Sie durch den Prozess; ich erkläre auch, was wissenschaftlich hinter dieser Arbeit steckt und warum wir die Arbeit tun. Sie werden also eine ganze Menge ausführlicher Informationen erhalten. Aber keine Sorge: Manche Schlüsselkonzepte werden in mehreren Kapiteln wiederholt, und zwar absichtlich, um das Gelernte in Erinnerung zu rufen und darauf ein noch umfassenderes Verständnismodell aufzubauen. Manchmal ist das, was ich Ihnen präsentiere, vielleicht eine ziemliche Herausforderung; ich lehre das seit Jahren und weiß deshalb, dass es zuweilen etwas viel sein kann. Ich gehe in Rückblicken immer wieder zur Erinnerung auf Gelerntes ein, damit Sie nicht zurückblättern müssen, um bestimmte Informationen zu suchen; Sie können aber natürlich bei Bedarf noch einmal in den vorherigen Kapiteln nachlesen. Und natürlich bereiten diese ganzen Informationen Sie auf Ihre eigene persönliche Transformation vor. Je besser Sie also geistig diese Konzepte verdauen können, desto leichter wird es für Sie, sich auf die Meditationen am Ende der meisten Kapitel einzulassen und sie als Werkzeug zu nutzen, um eigene Erfahrungen zu sammeln.

Was steckt in diesem Buch?

In Kapitel 1 erzähle ich drei Geschichten, damit Sie verstehen, was es überhaupt bedeutet, übernatürlich zu werden. In der ersten Geschichte geht es um eine Frau namens Anna; sie hatte mehrere schwere gesundheitliche Probleme aufgrund eines Traumas, durch das sie in der Vergangenheit fixiert blieb. Die Stressemotionen triggerten die Genexpression, wobei die entsprechenden Hormone, die daraufhin ausgeschüttet wurden, zu sehr ernsten gesundheitlichen Störungen führten. Das ist eine sehr harte Geschichte. Ich habe sie bewusst mit allen Einzelheiten ins Buch aufgenommen, weil ich etwas aufzeigen will: Egal, wie schlimm die Dinge stehen, Sie haben die Macht, sie zu verändern, so wie diese erstaunliche, wunderbare Frau. Sie praktizierte viele der im Buch vorgestellten Meditationen, um ihre Persönlichkeit zu verändern und sich zu heilen. Für mich ist sie das lebende Beispiel für die Wahrheit.

Doch sie ist nicht die Einzige, die sich Tag für Tag überwunden hat, bis sie zu einem anderen Menschen wurde. Sie ist nur eine von vielen unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die das Gleiche gemacht haben – und wenn sie das können, dann sind Sie ebenfalls dazu fähig.

In zwei weiteren Geschichten berichte ich auch von meinen persönlichen Erfahrungen, die mich sehr tiefgreifend verändert haben. In diesem Buch geht es sowohl um Mystisches als auch um Heilung und das Kreieren neuer Chancen im Leben. Ich möchte Sie mit diesen Geschichten darauf vorbereiten, was möglich ist, wenn wir diese Raum-Zeit-Dimension (die Welt Newtons aus dem Physikunterricht in der Schule) verlassen und unsere Zirbeldrüse aktivieren, um in die Zeit-Raum-Dimension zu gelangen (die Quantenwelt). Viele unserer Studenten hatten ähnliche mystische und interdimensionale Erfahrungen, die für sie ebenso real erschienen wie diese materielle Realität.

In der zweiten Hälfte des Buches geht es darum, wie Physik, Neurowissenschaften, Neuroendokrinologie sowie Genetik an solchen Erfahrungen beteiligt sind; mit diesen Geschichten will ich Ihre Neugierde anstacheln, damit Sie geistig offen werden für das Mögliche. Es gibt ein zukünftiges Ich Ihrer selbst – ein Ich, das bereits im ewigen gegenwärtigen Moment existiert und sich an dieses vertrautere Ich wendet, das gerade dieses Buch liest. Und dieses zukünftige Ich ist liebevoller und höher entwickelt, bewusster, präsenter, gütiger, lebhafter, achtsamer, entschiedener, verbundener, übernatürlicher und unversehrter; es wartet nur darauf, dass Sie Tag für Tag Ihre Energie verändern, sodass sie zu seiner Energie passt und Sie dieses zukünftige Ich finden können – das eigentlich schon im ewigen Jetzt existiert.

In Kapitel 2 geht es um meine Lieblingsthemen; es soll Ihnen verständlich machen, was es heißt, im gegenwärtigen Moment zu sein. Da alle Potenziale in der fünften Dimension bzw. im Quantenfeld (auch »vereinheitlichtes Feld«) im ewigen gegenwärtigen Moment existieren, können Sie nur dann ein neues Leben kreieren, Ihren Körper heilen oder die vorhersehbare Zukunft verändern, wenn Sie über sich hinauswachsen.

Dieser wunderbare Moment – den wir auf Tausenden von Gehirnscans miterleben konnten – ist gekommen, wenn die Person ihre Erinnerungen an sich selbst für etwas Größeres aufgibt. Viele Menschen entscheiden sich den Großteil ihres Lebens unbewusst dafür, regelmäßig die gleichen Tagesabläufe zu durchleben, oder verklären automatisch ihre Vergangenheit und fühlen jeden Tag dasselbe. So programmieren sie ihr Gehirn und ihren Körper auf eine vorhersehbare Zukunft bzw. eine vertraute Vergangenheit und leben nie im gegenwärtigen Moment.

Um an diesen Punkt zu gelangen, ist Üben erforderlich, aber es ist die Mühe immer wert. Um den perfekten gegenwärtigen Moment voll unendlicher Möglichkeiten zu finden, muss man einen Willen einüben, der stärker ist als all die automatisch ablaufenden Programme; ich werde Sie bei jedem Schritt begleiten und anspornen.

Zu Beginn des Kapitels werden ein paar wissenschaftliche Grundprinzipien erklärt, um auf Basis einer gemeinsamen Terminologie Verständnismodelle für das Buch zu entwickeln. Ich werde sie auf ziemlich einfache, leicht verständliche Weise erklären. Themen wie die Gehirnfunktionen (also der Geist), die Nervenzellen und Nervenvernetzungen, die verschiedenen Teile des Nervensystems, chemische Substanzen, Emotionen und Stress, Gehirnwellen, Aufmerksamkeit und Energie sowie ein paar weitere Fragestellungen müssen adressiert werden, damit Sie an den gewünschten Punkt gelangen. Ich muss die Sprache einführen, mit der ich erkläre, warum wir was tun, bevor ich Ihnen die Meditationen im Buch vermitteln kann. Für weitere, tiefer gehende Informationen verweise ich auf meine früheren Bücher (unter anderem »Ein neues Ich« und »Du bist das Placebo«).

Kapitel 3 führt Sie in die Quantenwelt ein – die fünfte Dimension. Es gibt ein unsichtbares Energie- und Informationsfeld, das jenseits dieses dreidimensionalen Reichs der Raum-Zeit existiert – und wir können Zugang dazu gewinnen. Sobald Sie erst einmal im gegenwärtigen Moment und in die jenseits der Sinne existierende fünfte Dimension gelangt sind, sind Sie bereit, die von Ihnen willentlich beabsichtigte Realität zu kreieren. Wenn Sie es schaffen, Ihre ganze Aufmerksamkeit vom Körper, von den Menschen in Ihrem Leben, Ihren Besitztümern, den Orten, die Sie aufsuchen, und sogar der Zeit abzuziehen, werden Sie buchstäblich Ihre Identität vergessen, die sich durch Ihr Leben in einem Körper in dieser Raum-Zeit ausgebildet hat.

In diesem Moment betreten Sie – als reines Bewusstsein – den Bereich des sogenannten Quantenfelds – das jenseits von dieser Raum-Zeit existiert. Diesen nicht-materiellen Ort kann man nicht mit seinen Problemen, seinem Namen, seinen Terminen und Alltagsabläufen, seinen Schmerzen und Emotionen betreten. Sie können dorthin nicht als körperhafter Jemand gelangen, sondern müssen ein No-Body sein, ein körperloser Niemand. Sobald Sie wissen, wie Sie Ihre Aufmerksamkeit vom Bekannten (der materiellen, physischen Welt) auf das Unbekannte (die immaterielle Welt der Möglichkeiten) lenken können, und damit vertraut sind, können Sie Ihre Energie an die Frequenz eines jeglichen Potenzials im Quantenfeld anpassen, das dort bereits existiert. (Achtung, wichtiger Hinweis: Alle potenziellen Zukünfte existieren dort bereits – Sie können also kreieren, was immer Sie möchten!) Wenn Ihre Energie und die Energie des von Ihnen ausgewählten Potenzials im vereinheitlichten Feld schwingungsmäßig übereinstimmen, ziehen Sie diese Erfahrung an. Ich werde Ihnen zeigen, wie das funktioniert.

Zum Abschluss von Kapitel 3 erkläre ich kurz eine von mir entwickelte Meditation, damit Sie die Quantenwelt tatsächlich erfahren können. Alle nachfolgenden Kapitel, in denen es um Lerninhalte geht, schließen mit einer kurzen Beschreibung einer weiteren Meditation.

Wer die Meditation unter meiner Anleitung machen möchte, kann sich unter www.drjoedispenza.de eine entsprechende CD kaufen oder eine MP3-Audioaufzeichnung der Meditationen herunterladen. Natürlich können Sie die Meditationen, die in diesem Buch vorgestellt werden, auch alleine, ohne eine solche Aufzeichnung praktizieren. Dann empfehle ich Ihnen, Musik dazu laufen zu lassen, am besten ohne Gesang; ich finde langsame Musik, die in Trance versetzt, am besten. Nehmen Sie Musik, die Sie vom Denken abhält und keine alten Erinnerungen weckt.

In Kapitel 4 stelle ich eine unserer beliebtesten Meditationen vor: die »Segnung der Energiezentren«. Jedes dieser Zentren wird vom autonomen Nervensystem geregelt. Ich lege auf wissenschaftlicher Basis dar, wie man diese Zentren während der Meditation auf Gesundheit und höchstes Wohlergehen programmiert. Leser und Leserinnen, die bereits meine Meditationen für Einsteiger praktiziert haben, bei denen es darum geht, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Teile des Körpers und den ihn umgebenden Raum zu lenken, sollten wissen, dass dies zur Vorbereitung auf diese Meditation diente; dadurch können sie sich nun fokussieren und ihre Gehirnwellen verändern, um zum »Betriebssystem«, dem autonomen Nervensystem, Zugang zu gewinnen. Von dort aus kann man dem Betriebssystem sozusagen Befehle erteilen, um Heilung und eine gesunde Balance zu ermöglichen, die Energie zu erhöhen und das Leben zu verbessern.

In Kapitel 5 geht es um eine bestimmte Form der Atmung, mit der wir oft die Meditationen beginnen. Dadurch können die Meditierenden ihre Energie verändern; es wird ein elektrischer Strom im Körper erzeugt und ein stärkeres elektromagnetisches Feld um den Körper herum aufgebaut. Wie ich erklären werde, wird die Energie der meisten Menschen im Körper gespeichert, weil sie ihren Körper durch jahrelanges immer gleiches Denken, Handeln und Fühlen darauf konditioniert haben, ihr Geist zu sein, also im Überlebensmodus zu leben, und dadurch bleibt der Großteil der kreativen Energie im Körper stecken. Wir müssen deshalb eine Möglichkeit finden, diese Energie aus dem Körper und wieder zurück ins Gehirn zu ziehen, wo sie einem höheren Zweck als nur dem blanken Überleben dienen kann.

Ich vermittle die Physiologie des Atems, damit Sie sich mit stärkerer Intention daran begeben, sich von Ihrer Vergangenheit zu befreien. Sobald diese Energie wieder im Gehirn freigesetzt ist, lernen Sie, wie Sie Ihren Körper auf einen neuen Geist konditionieren und ihm beibringen können, emotional in dieser zukünftigen Gegenwart anstatt in der vergangenen Gegenwart zu leben, wo wir die meiste Zeit verbringen. Unsere Umwelt schickt Signale an die Gene – das ist wissenschaftlich bewiesen. Emotionen sind die chemischen Endprodukte äußerer Erfahrungen; indem Sie beim Meditieren höhere Emotionen empfinden, steigt also nicht nur das Energieniveau des Körpers, sondern Sie senden auch neuen Genen neue Signale – noch bevor das im Außen geschieht.

Es geht nichts über die ein oder andere gute Geschichte. In Kapitel 6 erzähle ich beispielhafte Geschichten: Die betreffenden Studierenden haben die in den vorigen Kapiteln vorgestellten Meditationen praktiziert. Diese Fallstudien sind lehrreich und helfen, das bislang präsentierte Material besser zu verstehen. So wie Sie selbst, sind auch die meisten dieser Leute ganz gewöhnliche Menschen, die das Ungewöhnliche getan haben. Sie sollen anhand dieser Geschichten einen persönlichen Bezug zu diesen Personen bekommen. Sobald Ihnen der Gedanke kommt »Wenn die das können, kann ich es auch«, glauben Sie mehr an sich selbst. Ich sage unserer Gemeinschaft immer: »Ihr habt ja keine Ahnung, wem ihr in Zukunft alles helfen könnt, wenn ihr euch entscheidet, euch selbst zu beweisen, wie viel Macht ihr wirklich habt!«

In Kapitel 7 geht es um Herzkohärenz. Wenn wir wirklich präsent sind, höhere Emotionen beibehalten können und offen sind für Möglichkeiten, funktioniert das Herz ebenso organisiert und kohärent wie das Gehirn. Das Gehirn denkt, das Herz weiß. Es ist das Zentrum der Einheit und Ganzheit, des Einheitsbewusstseins, wo Gegensätze zusammenkommen; es steht für das Einswerden von Polaritäten. Man kann sich dieses Zentrum als Verbindung zum vereinheitlichten Feld vorstellen. Ist es aktiviert, wechseln wir von Selbstbezogenheit zu Selbstlosigkeit. Wer innere Verfassungen unabhängig von äußeren Bedingungen und Umständen aufrecht-erhalten kann, meistert seine Umgebung. Sein Herz offen zu halten, erfordert Übung; öffnen Sie Ihr Herz, dann schlägt es auch länger.

Kapitel 8 stellt noch eine Praxis vor, die auf den Workshops besonders beliebt ist: Ein Kaleidoskop wird mit sogenannten »Mind Movies« kombiniert; das sind kleine Videos, die die Studierenden über ihre Zukunft machen. Mit dem Kaleidoskop wird ein Trance-zustand erreicht, denn in Trance sind wir empfänglicher für Informationen. Diese Suggestibilität ist die Fähigkeit, Informationen ohne Analyse zu akzeptieren, zu glauben und sich darauf einzulassen. Korrekt angewendet, kann man damit tatsächlich das Unterbewusstsein programmieren.

Anhand eines Kaleidoskops die Gehirnwellen zu verändern – mit offenen statt mit geschlossenen Augen wie bei der Meditation –, dadurch den analytischen Verstand »herunterzudrehen« und die Tür zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein zu öffnen, ist also ein durchaus sinnvoller Ansatz.

Wenn sich daran ein Mind Movie anschließt – mit Szenen oder Bildern, in denen Sie sich selbst bzw. die gewünschte Zukunft darstellen –, programmieren Sie sich auf diese neue Zukunft. Viele unserer Studierenden, die sich die Zeit genommen haben, ihr persönliches Mind Movie zu machen und es dann zusammen mit dem Kaleidoskop anzuschauen, haben sich erstaunliche Möglichkeiten und ein wunderbares neues Leben kreiert. Manche arbeiten inzwischen an ihrem dritten Mind Movie, weil die ersten beiden bereits Wirklichkeit geworden sind!

In Kapitel 9 wird die Geh-Meditation vorgestellt, wobei im Stehen und im Gehen meditiert wird. Für mich ist sie ungemein hilfreich, um buchstäblich in unsere Zukunft zu gehen. Oft gelingt es uns im Sitzen, toll zu meditieren und uns mit etwas zu verbinden, das größer ist als wir, doch sobald wir die Augen öffnen und wieder zu Sinnen kommen, verfallen wir erneut in Unbewusstheit und kehren zu unbewussten Programmen, emotionalen Reaktionen und automatisch ablaufenden Einstellungen zurück. Ich habe diese Meditation entwickelt, weil ich es unserer Gemeinschaft ermöglichen möchte, die Energie ihrer Zukunft zu verkörpern – und zwar sowohl mit offenen als auch mit geschlossenen Augen. Mit zunehmender Übung werden Sie womöglich ganz von Natur aus so denken wie ein wohlhabender Mensch, handeln wie ein Wesen, das keinen Grenzen und Einschränkungen unterliegt, und große Lebensfreude fühlen, weil Sie die entsprechenden Vernetzungen und körperlichen Konditionierungen aufgebaut haben, um zu dieser Person zu werden.

In Kapitel 10 geht er erneut um Fallstudien, diesmal mit Allegorien. Diese faszinierenden Geschichten zeigen Ihnen Zusammenhänge auf, sodass Ihnen Informationen aus einem anderen Blickwinkel nahegebracht werden, und zwar auf Basis der Geschichten von Menschen, die das aus erster Hand erlebt haben. Damit werden Sie hoffentlich inspiriert, noch überzeugter und mit großem Vertrauen diese Arbeit zu machen, um diese Wahrheit selbst zu erleben.

Kapitel 11 soll Sie aufgeschlossen machen für das, was in der interdimensionalen, unsere Sinne übersteigenden Welt möglich ist. In stillen Momenten driftet mein Geist oft ins Mystische ab – eines meiner Lieblingsthemen. Ich liebe diese transzendenten Erfahrungen, die so luzide und real sind, dass ich danach nie einfach wie üblich weitermachen kann, weil ich zu viel weiß. Bei diesen inneren Erlebnissen sind mein Gewahrsein und meine Energie oft stark erhöht; wenn ich dann wieder zu Sinnen komme und damit wieder in meine Persönlichkeit schlüpfe, denke ich oft ganz spontan: »Ich hab das alles ganz falsch verstanden.« »Das alles« bezieht sich darauf, wie die Wirklichkeit wirklich ist, nicht wie sie in meiner konditionierten Wahrnehmung aussieht.

In diesem Kapitel nehme ich Sie mit auf eine Reise aus dieser Raum-Zeit – in der wir uns in einem unendlichen Raum fortbewegen und dadurch Zeit erfahren – in den Bereich des Zeit-Raums – wo die Zeit unendlich ist und Raum (bzw. Räume oder verschiedene Dimensionen) erfahren wird, während wir uns durch diese unendliche Zeit bewegen. Das wird Ihr Verständnis des Wesens der Realität auf den Kopf stellen. Ich kann nur sagen: Wenn Sie dabeibleiben, werden Sie es begreifen. Vielleicht müssen Sie diese Seiten ein paarmal lesen, um den Inhalt wirklich zu verstehen; doch während Sie die Informationen studieren und darüber nachdenken, wird durch eben dieses Denken Ihr Gehirn so vernetzt, dass Sie auf die Erfahrung vorbereitet werden.

Wenn Sie Ihre Anhaftungen an diese materielle Welt erst einmal aufgegeben haben und sich im vereinheitlichten Feld befinden – prall gefüllt mit unendlichen Möglichkeiten –, wird die Energie, die schneller schwingt als Materie, von bestimmten biologischen Systemen in Bilder im Gehirn verwandelt; hier kommt die Zirbeldrüse ins Spiel, das Thema von Kapitel 12.

Man kann sich die Zirbeldrüse – eine winzige Drüse im hinteren Teil des Gehirns – wie eine Antenne vorstellen, die Frequenzen und Informationen in lebendige Bilder überträgt. Durch Aktivierung der Zirbeldrüse können wir ohne die Sinnesorgane eine sinnliche Erfahrung haben. Dieses innere Erleben wird im Geist, bei geschlossenen Augen, realer sein als jegliche jemals erlebte Erfahrung in der Außenwelt. Um sich also ganz und gar in der innerlichen Erfahrung zu verlieren, muss sie so real sein, dass Sie in dieser Erfahrung sind. Dabei verwandelt diese kleine Drüse Melatonin in sehr wirkungsvolle Stoffwechselprodukte, die eine solche Erfahrung ermöglichen. Zunächst befassen wir uns mit den Eigenschaften dieser Drüse, und dann lernen Sie, wie man sie aktiviert.

Kapitel 13 macht Sie mit einer unserer neuesten Unternehmungen bekannt: »Project Coherence«. Als wir beobachteten, wie so viele unserer Studierenden Herzkohärenz zu genau demselben Zeitpunkt an genau demselben Tag während genau derselben Meditation erreichten, wussten wir: Sie beeinflussten sich gegenseitig auf nichtlokaler Ebene (also energetisch, nicht physisch). Die von ihnen in Form höherer Emotionen ausgestrahlte Energie war mit der Intention aufgeladen, jedem im Raum möge das Allerbeste zuteilwerden. Man stelle sich vor: viele Menschen, die alle ihre Energie erhöhen und dieser Energie dann die Intention zuführen, das Leben der anderen möge bereichert, Körper mögen geheilt, Träume und Zukunftsvorstellungen mögen wahr und das Mystische möge zu etwas ganz Alltäglichem werden.

Wir sahen also, wie unsere Studierenden die Herzen anderer Menschen öffnen konnten, und da wussten wir: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, globale Meditationen durchzuführen, um dazu beizutragen, die Welt zu verändern. Tausende von Menschen auf der ganzen Welt haben daran teilgenommen und dadurch geholfen, diesen Planeten und die Menschen zu verändern und zu heilen. Schließlich tun wir diese Arbeit, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, oder nicht?

Ich vermittle Ihnen die wissenschaftlichen Grundlagen darüber, wie das alles funktioniert – und ich rede hier wirklich von Wissenschaft. Es gibt bereits genug qualitätsgesicherte Studien über die Kraft von Friedensprojekten, die beweisen, dass es wirklich funktioniert; anstatt also nur Geschichte zu studieren, warum nicht selbst Geschichte schreiben?

Im abschließenden Kapitel 14 werden ein paar ziemlich wilde Fallstudien vorgestellt; sie berichten von den überwältigenden mystischen Erfahrungen einiger Menschen, die diese Arbeit tun. Erneut erzähle ich diese Geschichten, um Ihnen zu zeigen, dass auch Sie selbst die allermystischsten Abenteuer erleben können, wenn Sie entsprechend daran arbeiten.

Also, sind Sie bereit, zu einem übernatürlichen Wesen zu werden?

Anmerkungen

1. Global Union of Scientists for Peace, »Defusing World Crises: A Scientific Approach«, https://www.gusp.org/defusing-world-crises/scientific-research/.

2. F.A. Popp, W. Nagl, K.H. Li u.a., »Biophoton Emission: New Evidence for Coherence and DNA as Source«, Cell Biophysics, Bd. 6, Nr. 1: S. 33–52 (1984).

Kapitel 1

Die Tür zum Übernatürlichen aufstoßen

Der Frühling ging zu Ende, und das erste Mal spürte man die Ankunft des Sommers. Was im Juni 2007 zunächst wie ein typischer Sonntagnachmittag ausgesehen hatte, sollte für Anna Willems alles andere als ein gewöhnlicher Tag sein.

Die Verandatüren, die vom Wohnzimmer in den Garten führten, standen weit offen, die dünnen weißen Vorhänge tänzelten im Luftzug, und die Gartendüfte wehten herein. Anna saß, in hellem Sonnenlicht gebadet, bequem auf ihrem Sessel. Draußen zwitscherte ein Vogelchor, und Anna hörte in der Ferne das melodiöse Gelächter von Kindern und Geplätscher aus einem der Nachbargärten. Annas zwölfjähriger Sohn lag lesend auf dem Sofa, und sie hörte ihre elfjährige Tochter im Zimmer direkt darüber beim Spielen singen.

Anna, eine Psychotherapeutin, arbeitete zu der Zeit als Managerin und Vorstandsmitglied für eine große psychiatrische Einrichtung in Amsterdam, die jährlich über 10 Millionen Euro Gewinn machte. Oft bildete sie sich an den Wochenenden mit Fachliteratur weiter; also saß sie an diesem Tag in ihrem roten Ledersessel und las einen Zeitschriftenartikel, ohne zu ahnen, dass sich diese für einen Außenstehenden scheinbar so perfekte Welt in wenigen Minuten in einen Albtraum verwandeln würde.

Anna war ein bisschen abgelenkt und konzentrierte sich nicht wirklich auf ihre Lektüre; sie legte ihren Lesestoff beiseite, machte eine Pause und fragte sich auf einmal, wo eigentlich ihr Mann abgeblieben war. Er war frühmorgens, während sie gerade duschte, aus dem Haus gegangen. Ohne ihr zu sagen, wohin er gehen wollte, war er einfach verschwunden. Die Kinder hatten ihr erzählt, ihr Vater habe sich mit einer Umarmung von ihnen verabschiedet. Sie hatte wiederholt versucht, ihn auf seinem Handy zu erreichen, aber er rief nicht zurück. Noch einmal probierte sie es, erreichte ihn jedoch nicht. Irgendetwas fühlte sich wirklich seltsam an.

Um halb vier klingelte es an der Tür. Anna öffnete und sah sich zwei Polizisten gegenüberstehen.

»Sind Sie Frau Willems?«

Anna bejahte, woraufhin die Polizisten um Einlass baten, um mit ihr zu reden. Anna war beunruhigt und ein bisschen verwirrt, ließ die beiden aber ins Haus. Und hier wurde ihr die schlimme Nachricht überbracht: Ihr Mann war am Vormittag von einem der höchsten Gebäude in der Stadtmitte gesprungen und ums Leben gekommen. Anna und ihre beiden Kinder saßen geschockt und fassungslos da.

Annas Atem setzte für einen Moment aus, dann schnappte sie nach Luft und begann unkontrolliert zu zittern. Die Zeit schien stillzustehen. Ihre Kinder waren vor Schreck wie gelähmt; Anna versuchte, ihnen zuliebe ihr Leiden und ihren Stress zu verbergen. Plötzlich verspürte sie im Kopf einen intensiven Schmerz, gleichzeitig hatte sie dumpfes Bauchweh, ihr Nacken war steif, ihre Schultern verspannt, während ihr hektische Gedanken durch den Kopf rasten. Die Stresshormone hatten sie fest im Griff. Anna befand sich im Überlebensmodus.

Wie die Stresshormone die Kontrolle übernehmen

Aus wissenschaftlicher Sicht bedeutet Stress ein Leben im Überlebensmodus. Sobald wir etwas als stressig und irgendwie bedrohlich erleben (Umstände, deren Ausgang wir nicht vorhersehen bzw. kontrollieren können), tritt ein primitives Nervensystem, das sogenannte sympathische Nervensystem bzw. der Sympathikus, in Aktion und der Körper setzt in Reaktion auf den stressauslösenden Faktor bzw. Stressor ungeheure Energie frei. Physiologisch zapft der Körper nun automatisch die notwendigen Ressourcen an, um mit der aktuellen Gefahr fertigzuwerden.

Die Pupillen weiten sich, damit wir besser sehen; das Herz schlägt rascher, auch die Atmung geht schneller, damit wir rennen, kämpfen oder uns verstecken können. Im Blut wird mehr Glukose freigesetzt, um den Zellen mehr Energie zur Verfügung zu stellen, und das Blut wird von den inneren Organen weg und in die Extremitäten gelenkt, damit wir bei Bedarf schnell laufen können. Adrenalin und Cortisol überschwemmen die Muskeln, das Immunsystem wird erst hoch- und dann wieder heruntergefahren, und die Muskeln erhalten einen Energieschub, damit wir entweder flüchten oder den Stressor abwehren können. Das Blut entweicht aus unserem rational denkenden Vorderhirn und wird stattdessen ins Hinterhirn gelenkt; dadurch wird unser kreatives Denken eingeschränkt und wir verlassen uns stattdessen mehr auf unser instinktives, schnelles Reaktionsvermögen.

Auch Annas Gehirn und Körper wurden durch den Stress, den die Nachricht vom Suizid ihres Mannes auslöste, in einen solchen Überlebensmodus katapultiert. Kurzzeitig können alle Organismen mit widrigen Umständen umgehen, indem sie den bedrohlichen Stressfaktor bekämpfen, sich verstecken oder die Flucht antreten. Wir alle sind darauf ausgelegt, mit kurzzeitigen Stressausbrüchen entsprechend fertigzuwerden. Wenn alles vorbei ist, gelangt der Körper normalerweise innerhalb von Stunden erneut ins Gleichgewicht und füllt seine lebenswichtigen Energieressourcen wieder auf. Doch wenn der Stress länger als ein paar Stunden andauert, kann der Körper dieses Gleichgewicht nicht wiederherstellen. Kein natürlicher Organismus ist fähig, über längere Zeit diesen Notfallmodus auszuhalten.

Wegen unseres großen Gehirns können wir Menschen über unsere Probleme nachdenken, Vergangenes im Kopf erneut erleben und sogar schlimmstmögliche Zukunftsszenarien vorwegnehmen, wodurch die Flut der Stresshormone allein durch Gedanken in Gang gesetzt wird. Indem wir über eine allzu vertraute Vergangenheit nachgrübeln oder versuchen, eine nicht vorhersehbare Zukunft zu kontrollieren, können wir unser Gehirn und unseren Körper aus dem normalen physiologischen Gleichgewicht bringen.

Tag für Tag erlebte Anna x-mal diesen Vorfall im Kopf. Etwas Wesentliches war ihr dabei nicht klar: Ihr Körper konnte nicht zwischen dem ursprünglichen Ereignis, das die Stressreaktion auslöste, und der Erinnerung daran unterscheiden, sodass wiederholt die Emotionen hochkamen, die mit dem Ereignis im wirklichen Leben zusammenhingen. Anna produzierte in Gehirn und Körper dieselben chemischen Substanzen, als würde das alles tatsächlich immer wieder passieren. Ihr Gehirn vernetzte den Vorfall dadurch ständig im Gedächtnisspeicher; ihr Körper wurde mindestens hundert Mal am Tag mit den entsprechenden Hormonen überschwemmt und erlebte die damit zusammenhängenden Emotionen immer wieder. Ganz unabsichtlich verankerte sie durch das Erinnern ihr Gehirn und ihren Körper in der Vergangenheit.

Emotionen sind die chemischen Konsequenzen (bzw. das Feedback) früherer Erfahrungen. Unsere Sinne zeichnen eingehende Informationen aus der Außenwelt auf, und Neuronencluster vernetzen sie. Wenn sie zu einem Muster einfrieren, erzeugt das Gehirn eine chemische Substanz – wir nennen das eine Emotion – und schickt sie durch den Körper. Erfahrungen werden besser erinnert, wenn wir uns auch an das dazugehörige Gefühl erinnern können. Je stärker der emotionale Quotient eines beliebigen Ereignisses – sei es nun gut oder schlecht – ist, desto stärker verändert sich unsere innere Chemie. Bemerken wir eine signifikante innerliche Veränderung, achtet das Gehirn darauf, wer oder was diese Veränderung im Außen bewirkt, und macht sozusagen einen Schnappschuss dieser äußeren Erfahrung; das nennen wir eine Erinnerung.

Die Erinnerung an einen Vorfall kann also neurologisch dem Gehirn eingebrannt werden; die Szene wird in unserer grauen Substanz eingefroren, wie wenn die Zeit stillstünde, so wie es auch bei Anna der Fall war. All die Menschen und Objekte zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort, die an einer stressgeladenen Erfahrung beteiligt waren, werden unserer neuronalen Architektur als holografisches Abbild eingraviert. So erzeugen wir Langzeiterinnerungen. Die Erfahrung wird also dem neuronalen Schaltkreis eingeprägt, und die Emotion wird im Körper gespeichert – so wird unsere Vergangenheit zu unserer Biologie. Anders ausgedrückt: Erleben wir etwas Traumatisches, denken wir auf neurologischer Ebene leicht im Schaltkreis dieser Erfahrung und fühlen uns auf chemischer Ebene an die damit zusammenhängenden Emotionen gebunden; unsere gesamte Verfassung bzw. unser Seinszustand – wie wir denken und fühlen – steckt biologisch in der Vergangenheit fest.

Auf Anna stürmten natürlich jede Menge negative Emotionen ein: ungeheure Traurigkeit, Schmerz, Opferrolle, Kummer, Schuld, Scham, Verzweiflung, Wut, Hass, Frust, Groll, Schock, Furcht, Angst, Sorge, Überforderung, Qual, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht, Isolation, fassungsloser Unglaube und Verrat. Und nichts davon löste sich schnell wieder auf. Anna analysierte ihr Leben auf Basis der Emotionen der Vergangenheit, sie litt immer mehr. Da sie nicht über ihre ständigen Gefühle hinausdenken konnte und weil Emotionen eine Aufzeichnung der Vergangenheit sind, dachte sie in der Vergangenheit – und es ging ihr immer schlechter. Als Psychotherapeutin konnte sie rational und intellektuell verstehen, was mit ihr passierte, doch trotz aller Einsichten konnte sie nicht über das Leid hinauswachsen.

Die Menschen, mit denen sie zu tun hatte, fingen an, sie als die Frau zu behandeln, die ihren Mann verloren hatte; das wurde zu ihrer neuen Identität. Den Grund für ihre derzeitige Verfassung sah sie in ihren Erinnerungen und Gefühlen. Fragte sie jemand, warum es ihr so schlecht ging, erzählte sie von dem Selbstmord – und durchlebte den Schmerz, die Angst und das Leid stets von Neuem, aktivierte dabei wiederholt dieselben Verschaltungen im Gehirn, erzeugte immer wieder dieselben Emotionen; damit konditionierte sie Gehirn und Körper mehr und mehr auf die Vergangenheit. Jeden Tag dachte, handelte und fühlte sie so, als wäre die Vergangenheit noch immer lebendig. Unser Denken, Handeln und Fühlen macht unsere Persönlichkeit aus; Annas Persönlichkeit war also komplett auf Basis der Vergangenheit entstanden. Anna erzählte die Geschichte vom Suizid ihres Mannes immer wieder und konnte dadurch das Geschehene nicht hinter sich lassen.

Eine Abwärtsspirale setzt ein

Anna konnte nicht mehr arbeiten und musste sich beurlauben lassen. Wie sie herausfand, hatte ihr Mann, obwohl er ein erfolgreicher Anwalt war, die Familie finanziell ruiniert. Sie musste erhebliche Schulden abzahlen, von denen sie vorher nichts gewusst hatte – und sie hatte nicht einmal genug Geld, um überhaupt damit anfangen zu können. Kein Wunder also, dass sich der emotionale, psychische und mentale Stress dadurch noch vergrößerte.

Annas Gedanken drehten sich im Kreis; unzählige Male stürmten Fragen auf sie ein: »Wie soll ich mich bloß um unsere Kinder kümmern? Wie können wir künftig mit diesem Trauma umgehen und wie wird es sich auf unser Leben auswirken? Warum ist mein Mann weg, ohne sich von mir zu verabschieden? Wie konnte es mir entgehen, dass er so unglücklich war? Habe ich als Ehefrau versagt? Wie konnte er mich mit zwei Kindern im Stich lassen und wie schaffe ich es, sie alleine großzuziehen?«

Dann begann sie zu werten und zu verurteilen: »Er hätte sich nicht umbringen und mich in diesem finanziellen Schlamassel sitzen lassen dürfen. Was für ein Feigling! Wie kann er nur seine Kinder vaterlos zurücklassen! Er hat mir und den Kindern nicht einmal einen Brief geschrieben. Ich hasse ihn, weil er mir nicht einmal eine Nachricht hinterlassen hat. Dieser Blödmann lässt mich einfach allein mit den Kindern zurück. Hatte er überhaupt eine Ahnung, was er uns damit antut?« All diese Gedanken waren emotional stark aufgeladen und beeinflussten ihren Körper.

Neun Monate später, am 21. März 2008, wachte Anna auf und war von der Taille abwärts gelähmt. Nur wenige Stunden später lag sie in einem Krankhausbett, daneben ein Rollstuhl. »Neuritis«, so lautete die Diagnose: eine Entzündung des peripheren Nervensystems. Mehrere Tests ergaben keine strukturellen Ursachen für das Problem; man sagte Anna, es müsse sich um eine Autoimmun-erkrankung handeln. Ihr Immunsystem griff das Nervensystem im unteren Rücken an, zerstörte die Schutzschicht um die Nerven herum und war die Ursache für die Lähmung in beiden Beinen. Sie konnte den Urin nicht mehr halten, hatte Schwierigkeiten, ihren Stuhlgang zu kontrollieren, hatte kein Gefühl mehr in Beinen und Füßen und keine Kontrolle mehr über ihre Bewegungen.

Wenn sich das Kampf-oder-Flucht-System, also das sympathische Nervensystem, einschaltet und wegen des chronischen Stresses eingeschaltet bleibt, nutzt der Körper sämtliche Energiereserven, um mit der beständigen Bedrohung fertigzuwerden, die er im Außen wahrnimmt. Damit ist keine Energie mehr für die innere Umgebung übrig, für Wachstum und Reparaturvorgänge, und das Immunsystem wird beeinträchtigt. Aufgrund des immer wieder auftretenden inneren Konflikts griff Annas Immunsystem ihren Körper an. Sie hatte die emotional im Kopf erlebten Schmerzen und Leiden physisch manifestiert. Anna konnte ihren Körper nicht mehr bewegen, weil sie sich im Leben nicht weiterbewegte – sie steckte in ihrer Vergangenheit fest.

Im Lauf der nächsten sechs Wochen wurde Anna von ihren Ärzten mit Unmengen intravenös verabreichtem Dexamethason und anderen Kortikosteroiden zur Entzündungshemmung behandelt. Aufgrund des zusätzlichen Stresses und der Art dieser Medikamente, die das Immunsystem weiter schwächen, entwickelte sie zudem eine aggressive bakterielle Infektion; dagegen wurden ihr von den Ärzten Unmengen an Antibiotika verabreicht. Nach zwei Monaten wurde Anna aus dem Krankenhaus entlassen und konnte sich nur mithilfe eines Rollators und mit Krücken weiterbewegen. Nach wie vor hatte sie im linken Bein kein Gefühl, und Stehen war sehr schwierig für sie. Sie konnte nicht richtig gehen. Ihren Darm hatte sie wieder ein bisschen besser unter Kontrolle, aber nicht das Harnlassen. Und wie man sich denken kann, führte die neue Situation zu noch mehr Stress. Sie hatte ihren Mann durch Selbstmord verloren, sie konnte nicht viel arbeiten, um für sich und ihre Kinder Geld zu verdienen, sie hatte ernsthafte finanzielle Probleme und hatte über zwei Monate gelähmt in einem Krankenhaus gelegen. Ihre Mutter musste zu ihr ziehen, um ihr zu helfen.

Anna war ein emotionales, mentales und körperliches Wrack, und obwohl sich die besten Ärzte eines angesehenen Krankenhauses um sie kümmerten und sie mit den neuesten Medikamenten behandelten, verbesserte sich ihr Zustand nicht.

2009, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, wurde bei ihr eine klinische Depression diagnostiziert, und sie nahm noch mehr Medikamente ein. Daraufhin begann sie unter Stimmungstiefs zu leiden – von Kummer über Schmerz zu Leiden, von Hoffnungslosigkeit über Frust zu Furcht und zu Hass. Diese Emotionen wirkten sich auf ihr Verhalten aus, sie wurde irgendwie irrational. Zunächst fing sie mit praktisch allen außer ihren Kindern Streit an. Doch bald geriet sie auch in Konflikt mit ihrer jüngsten Tochter.

Die dunkle Nacht der Seele

Inzwischen waren jede Menge anderer körperlicher Probleme dazugekommen, und Annas Reise wurde noch schmerzhafter. An den Schleimhäuten im Mund entwickelten sich große Geschwüre, die sich bis die obere Speiseröhre ausbreiteten; die Ursache dafür war eine weitere Autoimmunerkrankung, ein sogenannter »erosiver Lichen planus«. Dagegen musste sie kortikosteroidhaltige Salben im Mund anwenden und noch mehr Pillen schlucken; durch diese neuen Medikamente wurde die Speichelproduktion gestört. Sie konnte keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen und verlor den Appetit. Anna lebte mit allen drei Arten von Stress: körperlichem, chemischem und emotionalem Stress.

2010 hatte Anna eine gestörte Beziehung zu einem Mann, der sie und ihre Kinder mit Beschimpfungen, Machtspielchen und ständigen Drohungen traumatisierte. Sie verlor ihr ganzes Geld, ihre Arbeit und ihr Sicherheitsgefühl. Nachdem sie ihr Haus verloren hatte, musste sie bei ihrem übergriffigen Freund einziehen, und der Stresspegel stieg noch mehr an. Die Geschwüre breiteten sich auf andere Schleimhäute aus, unter anderem die Vagina, den Anus und weitere Teile der Speiseröhre. Ihr Immunsystem war komplett zusammengebrochen; sie litt nun auch an allen möglichen Hautirritationen, Nahrungsmittelallergien und Gewichtsproblemen. Hin-zu kamen schließlich noch Schluckbeschwerden und Sodbrennen; dagegen wurden ihr noch mehr Medikamente verschrieben.

Im Oktober begann Anna von zu Hause aus als Psychotherapeutin zu arbeiten. Sie konnte nur an drei Tagen die Woche jeweils zwei Sitzungen abhalten, während die Kinder morgens in der Schule waren. Nachmittags war sie so müde und fühlte sich so schlecht, dass sie im Bett liegen blieb, bis die Kinder heimkamen. Sie versuchte, so viel wie möglich für sie da zu sein, hatte aber keine Energie, und es ging ihr nicht gut genug, um das Haus verlassen zu können. Sie sah praktisch niemanden, hatte kein soziales Leben mehr.

Alles im Leben und ihr ganzer Körper erinnerten sie ständig daran, wie schlimm es stand. Sie reagierte auf alles und jedes automatisch. Ihre Gedanken waren chaotisch, sie konnte sich nicht konzentrieren. Sie hatte keine Lebensenergie mehr. Bei körperlicher Anstrengung stieg ihre Herzfrequenz auf über 200 Schläge pro Minute an. Sie war ständig am Schwitzen und am Luftholen und litt regelmäßig unter starken Schmerzen in der Brust.

Anna durchlebte die dunkelste Nacht der Seele. Plötzlich verstand sie, warum ihr Mann sich umgebracht hatte. Sie war sich unsicher, ob sie weitermachen konnte, hegte selbst Suizidgedanken und dachte: »Noch schlimmer kann es nicht werden …«

Doch es wurde noch schlimmer. Im Januar entdeckten Annas Ärzte einen Tumor am Mageneingang und diagnostizierten Speiseröhrenkrebs. Und natürlich stieg der Stresspegel dadurch noch weiter an. Die Ärzte empfahlen eine strenge Chemotherapie. Der emotionale und mentale Stress kam nicht zur Sprache, es wurden nur die körperlichen Symptome behandelt. Doch Annas Stressreaktion lief auf Hochtouren und konnte nicht abgeschaltet werden.

Es ist erstaunlich, wie vielen Menschen etwas dergleichen passiert. Wegen eines Schocks oder Traumas im Leben können sie nie über die damit zusammenhängenden Emotionen hinauswachsen, und ihre Gesundheit und ihr Leben brechen zusammen. Wenn eine Sucht etwas ist, das wir nach unserem Ermessen nicht mehr aufgeben können, sieht es objektiv wohl so aus, als ob Menschen wie Anna süchtig nach genau den Emotionen werden, die sie krank machen. Die Adrenalinausschüttung und der Ansturm weiterer Stresshormone erregen Gehirn und Körper und lassen den Energiepegel ansteigen.1 Mit der Zeit werden sie süchtig nach diesen chemischen Substanzen … und benutzen dann Menschen und Lebensumstände, um ihre emotionale Sucht regelmäßig zu bestärken, nur um weiterhin diese Erregung zu fühlen. Anna benutzte ihre stressigen Lebensumstände, um immer wieder diesen Energieschub zu produzieren, und ohne es zu merken, wurde sie emotional süchtig nach dem Leben, das sie hasste.

Wie wissenschaftliche Forschungen aufzeigen, wird durch derartigen chronischen Langzeitstress der genetische Knopf gedrückt, der Krankheit erzeugt. Anna dachte über ihre Probleme und ihre Vergangenheit nach und schaltete dadurch die Stressreaktion ein; ihre Gedanken machten sie also krank. Da Stresshormone sehr mächtig sind, war sie nach ihren Gedanken, derentwegen es ihr so schlecht ging, süchtig geworden.

Anna stimmte der Chemotherapie zu, aber schon nach der ersten Behandlung brach sie emotional und psychisch zusammen.

Eines Nachmittags – ihre Kinder waren in der Schule – sank sie weinend auf den Boden. Sie war ganz unten angelangt. Und sie dachte, wenn sie so weitermachte, würde sie nicht mehr lange leben und ihre Kinder verwaist zurücklassen.

Sie begann, um Hilfe zu beten. Etwas musste sich verändern, das sagte ihr Herz. Mit größter Aufrichtigkeit und Hingabe bat sie um Führung, Unterstützung und einen Ausweg. Ihr Versprechen: Sollten ihre Gebete erhört werden, wäre sie den Rest ihres Lebens Tag für Tag dankbar und würde anderen helfen, das Gleiche zu tun.

Annas Wendepunkt

Die Entscheidung, sich zu verändern, wurde zu Annas Lebensaufgabe. Als Erstes setzte sie alle Behandlungen und Medikamente für ihre diversen physischen Krankheiten ab; nur die Antidepressiva nahm sie weiterhin ein. Weder der Ärzteschaft noch dem anderen Klinikpersonal teilte sie mit, dass sie nicht mehr zur Behandlung erscheinen würde. Sie ging einfach nicht mehr hin; niemals kam deswegen ein Anruf. Nur ihr Hausarzt zeigte sich besorgt um sie.

An diesem kalten Wintertag im Februar 2011, als Anna weinend und hilflos auf dem Boden lag, fasste sie den festen Entschluss, sich und ihr Leben zu ändern, und die energetische Amplitude dieser Entscheidung war so hoch, dass ihr Körper auf ihren Geist reagierte. Durch diese Entscheidung für den Wandel hatte sie die Kraft, für sich und ihre Kinder ein Haus zu mieten und sich aus der negativen Beziehung zu lösen. Dieser Augenblick definierte sie neu. Sie wusste, sie musste ganz von vorn anfangen.

Ich lernte Anna einen Monat später kennen. Eine der wenigen Freundinnen, die ihr verblieben waren, hatte für sie ein Ticket für einen Freitagabend-Vortrag besorgt und machte ihr ein Angebot: Gefiel ihr der Vortrag, könnte sie den kompletten Zwei-Tages-Workshop besuchen. Anna ließ sich darauf ein. Als ich sie das erste Mal sah, saß sie in einem vollen Konferenzraum links am äußeren Gang; ihre Krücken waren in der Nähe abgestellt.

Wie meistens sprach ich an diesem Abend darüber, wie unsere Gedanken und Gefühle auf unseren Körper und unser Leben Einfluss nehmen und wie Stresshormone Krankheiten verursachen können. Ich erzählte von Neuroplastizität, Psychoneuroimmunologie, Epigenetik, Neuroendokrinologie und auch Quantenphysik. Darauf gehe ich im Buch noch näher ein; an dieser Stelle sei nur gesagt: Neueste Forschungen aus diesen Zweigen der Wissenschaft weisen auf die Macht des Möglichen hin. An diesem Abend dachte Anna ganz inspiriert: »Also wenn ich mir das Leben erschaffen habe, das ich jetzt führe, mit Lähmungen, Depressionen, einem geschwächten Immunsystem, Geschwüren und Krebs, dann kann ich womöglich mit derselben Leidenschaft, mit der ich das alles erschaffen habe, es auch wieder abschaffen.« Auf Basis dieser machtvollen neuen Einsicht beschloss Anna, sich selbst zu heilen.

Unmittelbar nach ihrem ersten Wochenend-Workshop begann sie, zweimal täglich zu meditieren. Sich hinzusetzen und die Meditationen zu praktizieren war anfangs natürlich schwierig. Es galt, viele Zweifel zu überwinden, und an manchen Tagen ging es ihr körperlich und psychisch nicht gut – dennoch meditierte sie. Und da war auch viel Angst. Als ihr Hausarzt sie anrief, weil sie sich nicht mehr behandeln ließ, gab er ihr zu verstehen, sie sei naiv und dumm, es würde alles noch schlimmer werden und sie würde bald sterben. Man stelle sich nur vor: eine Autoritätsperson, die einem so etwas entgegenwirft!

Trotzdem setzte Anna die täglichen Meditationen fort und wuchs allmählich über ihre Ängste hinaus. Oft war sie angesichts der finanziellen Belastungen, der Bedürfnisse ihrer Kinder und aller möglichen körperlichen Einschränkungen völlig erschöpft, aber all das galt nicht als Ausrede dafür, ihre innere Arbeit ausfallen zu lassen. In diesem Jahr besuchte sie sogar vier weitere meiner Workshops.

Anna wandte sich nach innen und veränderte ihre unbewussten Gedanken, automatischen Gewohnheiten und ihre rückwärtsgewandte emotionale Verfassung, die in ihrem Gehirn fest vernetzt waren und ihren Körper emotional konditionierten. Sie war nun engagierter dabei, an eine neue Zukunft anstatt an ihre immer gleiche vertraute Vergangenheit zu glauben. Mit den Meditationen, bei denen sie eine klare Intention mit einer höheren Emotion zusammenbrachte, veränderte sie ihren Seinszustand und lebte auf biologischer Ebene nicht mehr in derselben Vergangenheit, sondern in einer neuen Zukunft.

Tag für Tag weigerte sich Anna beim Meditieren, als dieselbe Person aufzustehen, als die sie sich hingesetzt hatte; sie beschloss, die Meditation erst zu beenden, wenn sie das Leben voll und ganz liebte. Aus der Perspektive eines Materialisten, der die Realität über die Sinne definiert, hatte Anna natürlich keinerlei guten Grund, das Leben zu lieben: Sie war schließlich eine depressive, verwitwete, alleinerziehende Mutter mit Schulden und ohne echte Arbeit; sie hatte Krebs, litt unter Lähmungserscheinungen und Geschwüren der Schleimhäute, und ihre Lebenssituation sah alles andere als rosig aus – ohne Lebensgefährten und ohne die notwendige Energie, sich um ihre Kinder zu kümmern. Doch beim Meditieren lernte Anna, ihrem Körper emotional beizubringen, wie sich ihre neue Zukunft anfühlen würde, und zwar vor der tatsächlichen Erfahrung. Ihr Körper, als unbewusster Geist, konnte nicht zwischen dem realen Ereignis und der emotional angenommenen Vorstellung unterscheiden. Wie sie aus der Epigenetik wusste, konnten die höheren Emotionen der Liebe, Freude, Dankbarkeit und Inspiration, des Mitgefühls und der Freiheit neuen Genen signalisieren, gesunde Proteine zu produzieren und damit die Körperstruktur und -funktionen zu beeinflussen. Ihr war klar: Konnten die Stresshormone in ihrem Körper die ungesunden Gene aktivieren, dann konnte sie durch vollständige Annahme höherer Emotionen mit einer Leidenschaft, die stärker war als die Stressemotionen, neue Gene aktivieren – und dadurch ihren Gesundheitszustand verändern.

Ein Jahr lang änderte sich gesundheitlich nicht viel, aber Anna machte weiter und praktizierte alle Meditationen, die ich entwickelt hatte. Sie hatte mehrere Jahre dazu gebraucht, ihren aktuellen Gesundheitszustand zu erschaffen, es würde demnach ebenfalls eine Weile dauern, etwas Neues zu kreieren. Sie blieb also dabei und versuchte, sich ihre unbewussten Gedanken, Verhaltensweisen und Emotionen so bewusst zu machen, dass ihrem Gewahrsein nichts von dem entging, was sie nicht erleben wollte. Nach Ablauf dieses ersten Jahres fiel Anna auf, dass sie sich psychisch und emotional besser fühlte. Sie gab ihr gewohntes Ich auf und erfand stattdessen ein ganz neues Ich.

Aus den Workshops wusste Anna, dass sie ihr autonomes Nervensystem wieder ins Gleichgewicht bringen musste, denn es regelt alle automatischen Abläufe, die vom Gehirn nicht bewusst wahrgenommen werden: Verdauung, Nährstoffaufnahme, Blutzuckerspiegel, Körpertemperatur, Hormonausschüttung, Herzschlag etc. Regelmäßig ihre innere Verfassung zu verändern war die einzige Möglichkeit, Zugang zum unterbewussten Betriebssystem zu gewinnen und das autonome Nervensystem zu beeinflussen.

Anna begann zunächst jede Meditation mit der Segnung der Energiezentren (siehe Kapitel 4); diese Zentren im Körper unterliegen der Kontrolle des autonomen Nervensystems. Wie ich bereits in der Einleitung erwähnt habe, verfügt jedes Zentrum über seine spezifische Energie bzw. Frequenz (die bestimmte Informationen aussendet bzw. ihr eigenes Bewusstsein hat); ihm sind bestimmte Drüsen und Hormone zugeordnet; es hat seine eigene Chemie, sein eigenes Minigehirn und damit auch seinen eigenen Geist. Jedes Zentrum wird von dem unterbewussten Gehirn beeinflusst, das seinen Sitz unter dem bewussten, denkenden Gehirn hat. Anna lernte, ihre Gehirnwellen so zu verändern, dass sie Zugang zum Betriebssystem des autonomen Nervensystems hatte (welches im Mittelhirn sitzt) und die einzelnen Zentren umprogrammieren konnte, damit sie harmonischer arbeiteten. Tagtäglich verweilte sie mit Fokus und Leidenschaft aufmerksam bei den einzelnen Körperbereichen und auch im Raum um die einzelnen Zentren herum und sandte ihnen Segenswünsche für mehr Gesundheit und Wohlbefinden. Sie programmierte ihr autonomes Nervensystem auf mehr Ausgewogenheit, und langsam, aber sicher wirkte sich das auf ihre Gesundheit aus.

Anna erlernte zudem eine bestimmte Atemtechnik, mit deren Hilfe wir bei unserer Arbeit die ganze emotionale Energie freisetzen, die im Körper gespeichert und festgehalten wird, wenn wir immer das Gleiche denken und fühlen. Durch diese wiederkehrenden Gedanken hatte Anna auch beständig dieselben Gefühle erzeugt, daraufhin die vertrauten Emotionen verspürt und erst recht die gleichen Gedanken gedacht. Wie sie lernte, waren die Emotionen der Vergangenheit zwar in ihrem Körper gespeichert, aber sie konnte dank dieser Atemtechnik diese gespeicherte Energie freisetzen und sich dadurch von ihrer Vergangenheit befreien. Diese Atemübung praktizierte sie täglich mit einer Intensität, die stärker war als ihre Sucht nach den Emotionen der Vergangenheit, und es ging immer besser. Nachdem sie gelernt hatte, diese im Körper gespeicherte Energie wieder in Bewegung zu bringen, lernte sie, die im Herzen zentrierten Emotionen ihrer Zukunft anzunehmen, noch bevor diese Zukunft Wirklichkeit wurde, und damit ihren Körper auf einen neuen Geist zu konditionieren.

Aus der Epigenetik, über die ich in unseren Workshops und Vorträgen spreche, wusste Anna, dass Gene von sich aus eigentlich keine Krankheiten erzeugen, sondern von der Umwelt entsprechende Signale empfangen, die Krankheit auszulösen. Anna war klar: Weil ihre Emotionen die chemischen Konsequenzen ihrer Vergangenheit waren, auf deren Basis sie Tag für Tag lebte, sandte sie damit genau den Genen Anweisungen, die für ihre schlechte Gesundheit verantwortlich waren. Schaffte sie es stattdessen, die (erwünschten) Emotionen ihrer Zukunft zu verinnerlichen bzw. zu »verkörpern«, noch bevor sie die Erfahrung wirklich machte, konnte sie die Genexpression verändern und ihren Körper biologisch auf ihre neue Zukunft ausrichten.

In einer weiteren Meditation lenkte Anna ihre Aufmerksamkeit auf die Brustmitte, also das Herzzentrum, und aktivierte anhand dieser höheren Emotionen das autonome Nervensystem, um sogenannte Herzkohärenz zu erzeugen und über längere Zeit beizubehalten; dieser sehr effiziente Herzschlag wird später detaillierter erklärt. Kamen Gefühle wie Groll, Ungeduld, Frust, Wut und Hass hoch, lösten diese Zustände, wie sie gelernt hatte, die Stressreaktion aus, woraufhin der Herzschlag in Unordnung geriet und inkohärent wurde. Anna hatte auf meinen Workshops außerdem gelernt, dass sie diese neuen Emotionen tiefer und vollständiger fühlen konnte, sobald sie diesen neuen herzzentrierten Zustand aufrechterhalten konnte, so wie sie sich ja auch daran gewöhnt hatte, all die negativen Emotionen zu fühlen. Wut, Angst, Depressionen und Groll durch Freude, Liebe, Dankbarkeit und Freiheit zu ersetzen, erforderte natürlich ein bisschen Mühe, aber Anna gab nicht auf, denn sie wusste, diese höheren Emotionen würden über tausend verschiedene chemische Substanzen freisetzen, die ihren Körper reparieren und gesund machen würden …, und sie machte sich an die Arbeit.

Dann praktizierte Anna die von mir entwickelte Geh-Meditation als ihr neues Ich. Anstatt sich mit geschlossenen Augen hinzusetzen und zu meditieren, stellte sie sich zu Beginn mit geschlossenen Augen hin, ging in den meditativen Zustand, der, wie sie wusste, ihren Seinszustand veränderte, öffnete nach wie vor in dieser meditativen Verfassung die Augen und ging als ihr zukünftiges Ich umher. Dadurch brachte sie ihrem Körper regelmäßig eine neue Art gewohnheitsmäßigen Denkens, Handelns und Fühlens bei. Was sie da kreierte, würde schon bald zu ihrer neuen Persönlichkeit werden. Nie wieder wollte sie in Unbewusstheit und in ihr altes Ich zurückfallen.

Wie Anna sehen konnte, hatten sich ihre Denkmuster durch all diese Arbeit verändert. Sie aktivierte nicht mehr die immer selben Verschaltungen im Gehirn auf dieselbe Weise; deshalb vernetzten sie sich nicht mehr und begannen sich zurückzubilden, woraufhin Anna nicht mehr so wie früher dachte. Zum ersten Mal seit Jahren empfand sie Dankbarkeit und Lebensfreude. Jeden Tag überwand sie beim Meditieren den einen oder anderen Aspekt ihres Körpers und Geistes. Anna wurde ruhiger und war längst nicht mehr so süchtig nach den vom Stress ausgelösten Emotionen. Sie konnte sogar wieder Liebe verspüren. Und sie ging weiter, machte weiter mit dem Überwinden, Tag für Tag, auf dem Weg, ein anderer Mensch zu werden.

Anna ergreift die Möglichkeit beim Schopf

Im Mai 2012 besuchte Anna einen meiner Vier-Tages-Workshops nördlich von New York. Am dritten Tag gab sie sich schließlich während der letzten von vier Meditationen wirklich voll und ganz hin und ließ los. Zum ersten Mal, seit sie meditierte, fand sie sich schwebend in einem unendlichen schwarzen Raum, war sich bewusst, dass sie sich bewusst wahrnahm. Sie hatte die Erinnerung an die Person, die sie war, hinter sich gelassen und wurde zu reinem Bewusstsein, komplett frei von ihrem Körper, ihrem Bezug zur materiellen Welt und zur linearen Zeit. Sie fühlte sich so frei, dass sie sich nicht mehr um ihren gesundheitlichen Zustand kümmerte, so grenzenlos, dass sie sich nicht länger mit ihrer gegenwärtigen Identität identifizieren konnte, so erhaben, dass sie keine Verbindung mehr zu ihrer Vergangenheit hatte.

In diesem Zustand hatte Anna keine Probleme; sie hatte ihre Schmerzen hinter sich gelassen, war zum ersten Mal wirklich frei. Sie war nicht ihr Name, ihr Geschlecht, ihre Krankheit, ihre Kultur oder ihr Beruf – sie war jenseits von Raum und Zeit. Sie hatte sich mit dem sogenannten Quantenfeld verbunden, einem Informationsfeld, in dem alle Möglichkeiten existieren. Plötzlich erblickte sie sich in einer ganz neuen Zukunft, in der sie mit einem Mikrofon auf einer riesigen Bühne stand und einem großen Publikum die Geschichte ihrer Heilung erzählte. Sie visualisierte sich diese Szene nicht in der Fantasie. Nein, es war, als würden Informationen heruntergeladen, als würde sie einen Blick auf sich selbst als völlig andere Frau in einer neuen Realität erhaschen. Ihre innere Welt erschien ihr viel realer als ihre äußere Welt, und sie machte eine komplett sinnliche Erfahrung ohne die Sinne.

Als Anna während der Meditation die Erfahrung dieses neuen Lebens machte, füllte sich ihr Körper mit Freude und Licht, sie verspürte ganz tief drinnen eine große Erleichterung. Sie wusste, sie war größer, viel größer als ihr physischer Körper. Sie spürte so viel intensive Freude und enorme Dankbarkeit, dass sie in Lachen ausbrach. Und in diesem Moment wusste sie auch, dass alles gut werden würde. Das Vertrauen, die Freude, Liebe und Dankbarkeit, die sie entwickelte, machten das Meditieren sehr viel leichter und sie tauchte viel tiefer ein.

Anna gab ihre Vergangenheit auf, und diese neue Energie machte sie auf der Herzebene immer offener. Sie betrachtete ihre Meditationen nun nicht mehr als etwas, was sie tagtäglich tun musste, sondern freute sich darauf. Diese Arbeit zu tun, wurde zu ihrer Lebensweise, ihrer Gewohnheit. Sie gewann ihre Energie und ihre Gesundheit zurück, nahm keine Antidepressiva mehr ein. Sie dachte in völlig anderen Denkmustern, zugleich änderten sich ihre Gefühle. Sie war in einem neuen Seinszustand, wodurch sie sich auch ganz anders verhielt. In diesem Jahr besserten sich ihre Gesundheit und ihr Leben immens.

Im Jahr darauf besuchte sie noch ein paar Workshops. Sie blieb der Arbeit verbunden und konnte zu mehr Menschen in der Gemeinschaft Beziehungen aufbauen, erhielt immer mehr Unterstützung auf ihrer Reise zurück zur Gesundheit. Wie für viele unsere Studierenden war es manchmal schwierig für sie, nicht wieder ein paar Schritte in die alten Programmierungen und Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster zurückzumachen, wenn sie nach einem Workshop nach Hause kam. Aber sie meditierte weiterhin täglich.

Im September unterzog sich Anna einer sehr gründlichen ärztlichen Untersuchung mit allen möglichen Tests. Ein Jahr und neun Monate nach ihrer Krebsdiagnose und sechs Jahre nach dem Suizid ihres Mannes war der Krebs völlig geheilt, der Tumor in der Speiseröhre war verschwunden. Die Bluttests wiesen keine Krebsmarker mehr auf. Die Schleimhäute in der Speiseröhre, der Vagina und dem Anus waren vollständig ausgeheilt. Ein paar kleinere Probleme gab es noch: Die Mundschleimhaut blieb leicht gerötet, wies aber keine Geschwüre mehr auf, und die Speichelproduktion war nach wie vor lahmgelegt.

Anna war ein neuer Mensch geworden – ein gesunder Mensch. Die Krankheit existierte in der alten Persönlichkeit. Durch ein neues Denken, Handeln und Fühlen erfand Anna ein neues Ich. Sie wurde sozusagen in gewissem Sinne im selben Leben wiedergeboren.

Im Dezember 2013 kam Anna gemeinsam mit der Freundin, die sie zu dieser Arbeit gebracht hatte, zu einer Veranstaltung in Barcelona und hörte, wie ich den Teilnehmern die Geschichte einer bemerkenswerten Heilung erzählte, die einem anderen Mitglied unserer Gemeinschaft widerfahren war. Da beschloss sie, es wäre an der Zeit, mir ihre Geschichte zu erzählen. Sie notierte alles und gab meiner persönlichen Assistentin den Aufschrieb. Wie viele Briefe, die ich von Studenten bekomme, begann er mit den Worten: »Du wirst es nicht glauben …« Ich las ihren Brief und bat sie am nächsten Tag, auf die Bühne zu kommen und dem Publikum ihre Geschichte zu erzählen. Und da stand sie: Eineinhalb Jahre nach der Vision während der Meditation in New York (von der ich nichts wusste) stand sie auf einer Bühne und berichtete den Zuhörenden von der Reise ihrer Selbstheilung.

Nach der Veranstaltung in Barcelona war Anna erst recht inspiriert, ihren Mund zu heilen. Etwa sechs Monate später hielt ich in London einen Vortrag, den sie ebenfalls besuchte. Dabei ging ich näher auf die Epigenetik ein. Plötzlich ging Anna ein Licht auf: »Ich habe mich von all diesen gesundheitlichen Problemen geheilt, sogar vom Krebs«, dachte sie. »Da sollte ich doch eigentlich in der Lage sein, dem Gen für meinen Mund ein Signal mit der Anweisung zu schicken, mehr Speichel zu produzieren.«

Während eines weiteren Workshops im Jahr 2014 spürte Anna plötzlich, wie sich Speichel in ihrem Mund bildete. Seitdem sind ihre Schleimhäute und die Speichelproduktion völlig normal; die Geschwüre kamen nie wieder.

Heute ist Anna ein gesunder, vitaler, glücklicher, stabiler Mensch mit einem sehr scharfen, klaren Geist und Verstand. Spirituell hat sie sich so sehr weiterentwickelt, dass sie sich sehr tief auf die Meditationen einlassen kann und inzwischen viele mystische Erfahrungen hatte. Sie führt ein Leben voller kreativem Schöpfertum, Liebe und Freude. Sie hat sich bei mir zur Unternehmenstrainerin ausbilden lassen und gibt in Firmen und Organisation regelmäßig Kurse über unsere Arbeit. 2016 gründete sie eine erfolgreiche psychiatrische Einrichtung und beschäftigt dort mehr als zwanzig Therapeuten und andere Experten. Sie ist finanziell unabhängig und verdient genug Geld, um ein reiches Leben zu führen. Sie reist um die ganze Welt, besucht schöne Orte und trifft sehr inspirierende Menschen. Sie hat einen sehr liebevollen, fröhlichen Partner, neue Freunde und neue Beziehungen zu Menschen, die sie und ihre Kinder mit Respekt behandeln.

Nach den gesundheitlichen Problemen der Vergangenheit befragt, sagt Anna, diese Herausforderungen seien das Beste gewesen, was ihr jemals passiert sei. Überlegen Sie einmal: Was, wenn das Schlimmste, das Ihnen jemals widerfahren ist, sich als das Beste erweist, was Ihnen jemals passiert ist? Oft erzählt Anna mir, wie sehr sie ihr jetziges Leben liebt, und ich antworte ihr dann immer: »Natürlich liebst du es, schließlich hast du dir dein Leben Tag für Tag erschaffen, weil du erst von den Meditationen aufgestanden bist, wenn du in dieses Leben verliebt warst. Jetzt liebst du es tatsächlich.«

Im Lauf ihrer Transformation wurde Anna wirklich zu einem übernatürlichen Wesen. Sie überwand ihre Identität, die mit ihrer Vergangenheit verbunden war, und erschuf sich buchstäblich eine neue, gesunde Zukunft – ihre Biologie reagierte auf einen neuen Geist. Anna ist jetzt das lebende Beispiel der Wahrheit und der Möglichkeiten. Und wenn Anna sich selbst heilen konnte, dann können Sie das ebenfalls!

Jetzt wird’s mystisch

Das Heilen aller möglichen physischen Beschwerden und Krankheiten ist vielleicht ein sehr beeindruckender, aber nicht der einzige Nutzen dieser Arbeit. In diesem Buch geht es auch um das Mystische, und deshalb möchte ich Ihnen einen Bereich der Realität erschließen, der genauso transformativ ist wie Heilen, aber auf einer tieferen, ganz anderen Ebene wirkt. Übernatürlich zu werden, kann auch mit einem höheren Selbstgewahrsein einhergehen: der Erkenntnis, wer Sie in dieser Welt sind – und in anderen Welten. Ich möchte dazu gerne ein paar Geschichten aus meinem eigenen Leben erzählen und damit veranschaulichen, was ich genau meine und was auch für Sie möglich ist.

An einem regnerischen Winterabend an der amerikanischen Nordwestküste des Pazifiks saß ich nach einem sehr langen Tag auf meiner Couch und lauschte den Windböen, die durch das Geäst der hohen Tannen draußen vor dem Fenstern strichen. Meine Kinder waren schon im Bett und schliefen tief; endlich hatte ich einen Augenblick für mich. Ich machte es mir bequem und überlegte, was ich am nächsten Tag alles zu erledigen hatte. Als ich mit dieser Liste im Kopf fertig war, war ich so erschöpft, dass ich nicht mehr denken konnte, und saß einfach still ein paar Minuten lang mit leerem Geist da. Während ich auf die tanzenden Schatten des Kaminfeuers an den Wänden schaute, wurde ich in einen Trancezustand versetzt. Mein Körper war müde, aber mein Geist war klar. Ich hatte aufgehört, zu denken und zu analysieren, starrte einfach in den Raum, war im gegenwärtigen Moment.

Mein Körper entspannte sich immer mehr; langsam und ganz bewusst ließ ich ihn einschlafen, hielt jedoch gleichzeitig meinen Geist bei wachem Bewusstsein. Ich fokussierte meine Aufmerksamkeit nicht auf irgendein Objekt im Zimmer, sondern behielt einen offenen Fokus bei. Dieses Spiel spielte ich oft mit mir selbst. Es gefiel mir, denn ab und zu, wenn alles zusammenkam, machte ich dabei tiefe transzendente Erfahrungen. Es ging sozusagen eine Art Tür zwischen Wachzustand, Schlaf und normalem Träumen auf, durch die ich schlüpfte und einen sehr luziden, mystischen Moment erlebte. Ich rief mir in Erinnerung, nichts zu erwarten, sondern einfach offen zu bleiben.

Nichts zu übereilen, nicht frustriert zu werden und nicht zu versuchen, etwas herbeizuführen oder zu bewirken, erfordert viel Geduld; es geht darum, langsam in diese andere Welt hinüberzugleiten.

An diesem Tag hatte ich einen Artikel über die Zirbeldrüse vollendet. Monatelang hatte ich die magischen Melatonin-Derivate erforscht, die dieses kleine alchemistische Zentrum in petto hat, und war überglücklich, die Welt der Wissenschaft mit der spirituellen Welt verknüpfen zu können. Seit Wochen dachte ich nur noch über die Aufgabe der Stoffwechselprodukte der Zirbeldrüse und ihre Rolle als mögliche Verbindung zu den mystischen Erfahrungen nach, die Eingeweihte in den meisten alten Kulturen auslösen konnten, beispielsweise die Visionen der indianischen Schamanen, die Samadhi-Erfahrung der Hindus und weitere ähnliche Rituale, die auf geänderten Bewusstseinszuständen beruhen. Manche Vorstellungen und Konzepte, die mir seit Jahren Kopfzerbrechen bereiteten, ergaben auf einmal einen Sinn, und ich fühlte mich dank dieser meiner Entdeckungen vollständiger. Ich dachte, ich wäre dem Verständnis der Brücke zu höheren Dimensionen von Raum und Zeit einen Schritt näher gekommen.

Alles, was ich gelernt hatte, verstärkte mein Gewahrsein der Möglichkeiten, die den Menschen offenstehen. Aber meine Neugierde war noch nicht befriedigt, ich wollte mehr lernen und war neugierig genug, mein Gewahrsein an die Stelle in meinem Kopf zu verlagern, wo sich die Zirbeldrüse befindet. Ganz nebenbei sagte ich in Gedanken zu der Drüse: »Wo bist du denn eigentlich?«

Ich verweilte mit meiner Aufmerksamkeit in dem Raum, den die Zirbeldrüse in meinem Kopf einnimmt, und ließ mich in die Schwärze treiben; plötzlich tauchte aus dem Nichts ein lebendiges Bild der Zirbeldrüse in meinem Kopf auf: ein dreidimensionaler runder Knubbel mit einer Öffnung, die wie in einem Krampf aufgerissen war und eine milchig-weiße Substanz absonderte. Dieses holografische Abbild war so intensiv, dass ich ganz geschockt war, aber ich war zu entspannt, um davon aufgeweckt zu werden oder darauf zu reagieren, also gab ich mich einfach hin und beobachtete. Es war so real, und ich wusste einfach: Was ich da vor mir sah, war meine eigene, winzige Zirbeldrüse.

Im nächsten Augenblick erschien direkt vor mir eine riesige Uhr; es war eine dieser altmodischen Taschenuhren mit Kette, und die Vision war unglaublich lebendig. Sobald ich meine Aufmerksamkeit auf die Uhr richtete, empfing ich sehr klare Informationen. Plötzlich wusste ich: Die Welt funktioniert nicht in der linearen Zeit, die, wie ich glaubte, aus einer festgelegten, klar umrissenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bestand; vielmehr passiert alles in einem ewigen gegenwärtigen Moment. Und in dieser unendlichen Zeit existieren unendliche Räume, Dimensionen bzw. mögliche Realitäten, die erfahren werden können.

Gehen wir davon aus, dass es nur einen einzigen ewigen Moment des Geschehens gibt, dann ist auch die Annahme sinnvoll, dass wir in dieser jetzigen Inkarnation keine Vergangenheit und schon gar keine vergangenen Leben haben. Und doch konnte ich jede Vergangenheit und jede Zukunft sehen. Es war wie beim Anschauen eines altmodischen Films mit unendlich vielen Einzelbildsequenzen: Sie stellten nicht einzelne Augenblicke dar, sondern Fenster zu unbegrenzten Möglichkeiten, die als Gerüst existierten und auf immer und ewig in alle Richtungen weiterliefen – ganz ähnlich, wie wenn man in zwei sich gegenüberstehende Spiegel blickt und sich darin unendliche Räume bzw. Dimensionen in beide Richtungen spiegeln.

Zum besseren Verständnis können Sie sich vorstellen, dass sich diese unendlichen Dimensionen vor und hinter Ihnen, ober- und unterhalb, rechts und links von Ihnen erstrecken. Und jede einzelne dieser unendlichen Möglichkeiten existierte bereits. Ich wusste: Würde ich meine Aufmerksamkeit auf eine beliebige dieser Möglichkeiten richten, würde ich diese Realität wirklich erleben.

Und ich erkannte auch: Ich war von nichts getrennt. Ich war eins mit allem und jedem, mit jedem Ort und jeder Zeit. Ich kann das nur als das allervertrauteste unvertraute Gefühl beschreiben, das ich jemals im Leben empfand.

Bald verstand ich, was mir da gezeigt wurde: Die Zirbeldrüse dient als »Dimensions-Uhr«, die wir auf jede Zeit einstellen können, sobald sie erst einmal aktiviert ist. Als ich sah, wie sich die Zeiger der Uhr vor- oder rückwärts bewegten, verstand ich, dass in einem bestimmten Raum eine Realität bzw. Dimension erfahren werden kann, wie wenn man eine Zeitmaschine auf die Reise in eine bestimmte Zeit schickt. Diese unglaubliche Vision zeigte mir, dass die Zirbeldrüse wie eine kosmische Antenne die Fähigkeit besitzt, sich auf Informationen jenseits unserer physischen Sinne einzustellen und uns mit anderen Realitäten zu verbinden, die bereits im ewigen Moment existieren. Die Informationen, die ich empfing, schienen unendlich zu sein; die Größe und das Ausmaß dieser Erfahrung kann mit Worten nicht beschrieben werden.

Wie ich gleichzeitig mein vergangenes und mein zukünftiges Ich erlebte

Die Zeiger der Uhr bewegten sich rückwärts in eine vergangene Zeit und erweckten eine Dimension in Raum und Zeit zum Leben. Plötzlich befand ich mich in einer für mich relevanten Realität – doch erstaunlicherweise passierte dieser vergangene Moment im gegenwärtigen Moment, als ich auf dem Sofa im Wohnzimmer saß. Als Nächstes wurde mir bewusst, dass ich mich in jener spezifischen Zeit in einem physischen Raum befand. Ich beobachtete mich als kleines Kind – während ich gleichzeitig als Erwachsener auf der Couch saß. Diese kindliche Version meiner selbst war ungefähr sieben Jahre alt und hatte hohes Fieber. Ich erinnerte mich, wie gerne ich in diesem Alter Fieber hatte, denn dann konnte ich ganz tief in mich hineingehen und hatte diese abstrakten Träume und Visionen, die oft mit dem durch erhöhte Körpertemperaturen ausgelösten Delirium einhergehen. Ich lag also in meinem Zimmer im Bett, die Bettdecke bis zur Nase hochgezogen, und meine Mutter hatte gerade das Zimmer verlassen. Ich war froh, allein zu sein.

Sobald sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, tat ich aus einem inneren, automatischen Impuls heraus genau das, was ich als Erwachsener in meinem Wohnzimmer gemacht hatte: Ich entspannte mich körperlich immer mehr, verharrte irgendwo zwischen Schlafen und Wachsein und verweilte präsent in Erwartung dessen, was in mir emporsteigen würde. Bis zu diesem Moment hatte ich in meinem gegenwärtigen Leben diese Kindheitserfahrung komplett vergessen, doch als ich sie nun erneut durchlebte, sah ich mich mitten in einem luziden, bewussten Traum und verstand potenzielle Realitäten als so etwas wie Felder auf einem Schachbrett.

Ich beobachtete mich als kleinen Jungen und war tief bewegt von seinem Versuch, das zu verstehen. Ich fragte mich, wie er in diesem Alter solche komplizierten Konzepte begreifen konnte. Während ich ihn beobachtete, verliebte ich mich in diesen kleinen Kerl – und sobald ich mich auf diese Emotion einließ, fühlte ich mich gleichzeitig mit diesem Zeitpunkt und dem Moment in meiner gegenwärtigen Zeit im Bundesstaat Washington verbunden. Ich wusste in meinem Innersten, dass das, was ich damals machte, und das, was ich jetzt gerade tat, gleichzeitig passierte und dass beide Augenblicke stark miteinander in Verbindung standen. In diesem Bruchteil einer Sekunde zog die Liebe, die ich – als mein derzeitiges Ich – für diesen kleinen Jungen empfand, ihn in die Zukunft, die ich jetzt lebte.

Dann wurde alles noch seltsamer. Die Szene verblasste, und die Uhr tauchte wieder auf. Ich wurde mir bewusst, dass die Uhrzeiger auch nach vorne wandern konnten. Staunend und furchtlos sah ich zu, wie sich die Uhrzeiger in Richtung Zukunft bewegten.

Im nächsten Moment stand ich in der kalten Nacht barfuß in meinem Hinterhof in Washington. Die genaue Uhrzeit festzulegen ist schwierig; es war dieselbe Nacht, die ich in meinem Wohnzimmer verbrachte, aber dieses Ich da draußen war das Ich aus der Zukunft jenes Jetzt. Wieder fehlen mir die Worte; ich kann diese Erfahrung nur so erklären: Die zukünftige Persönlichkeit namens Joe Dispenza hatte sich enorm verändert. Ich hatte mich enorm weiterentwickelt, und ich fühlte mich unglaublich – ja, euphorisch.

Ich hatte ein so starkes Gewahrsein – oder sollte ich sagen: als diese Person bin ich so bewusst; damit meine ich überbewusst, als wären alle meine Sinne um 100 Prozent geschärft. Ich sah, berührte und fühlte, roch, schmeckte und hörte alles verstärkt. Meine Sinne waren so geschärft, dass ich alles um mich herum sehr bewusst und aufmerksam wahrnahm, um diesen Augenblick voll und ganz zu erfahren. Durch dieses so dramatisch gesteigerte Gewahrsein erhöhten sich sowohl mein Bewusstsein als auch meine Energie gleichermaßen. Ich war voll von dieser intensiven Energie und war mir all dessen, was ich mit den Sinnen aufnahm, viel bewusster.

Ich kann dieses Gefühl nur als beständige, unerschütterliche, hoch organisierte Energie beschreiben; es hatte nichts mit den chemisch ausgelösten Emotionen zu tun, die wir als Menschen normalerweise fühlen. In diesem Moment konnte ich diese normalen menschlichen Emotionen gar nicht spüren; ich hatte mich über sie hinausentwickelt. Doch ich verspürte Liebe, allerdings eine höhere Form von Liebe, keine chemisch-emotionale, sondern eine elektrische Liebe. Ich hatte das Gefühl, in Flammen zu stehen, leidenschaftlich in das Leben verliebt zu sein. Es war eine unglaublich reine Freude.

Mitten im Winter lief ich barfuß und ohne Jacke in meinem Hinterhof herum, doch ich nahm dieses Gefühl der Kälte so bewusst wahr, dass es mir intensive Freude bereitete. Ich wertete die Eiseskälte des Erdbodens unter meinen Füßen nicht; ich liebte es, mit den Füßen das gefrorene Gras auf dem Boden zu berühren, und fühlte mich sehr stark mit dem Gefühl und dem Gras verbunden. Mir war klar: Durch die typischen Gedanken und Urteile über Kälte und Frieren würde ich Polarität erzeugen und empfinden und die Energie, die ich erlebte, aufspalten. Durch das Bewerten würde ich das Gefühl der Ganzheit verlieren. Das unglaubliche Gefühl der Energie in meinem Körper war so viel größer als die äußeren Umweltbedingungen (die Kälte). Dadurch konnte ich die Kälte ganz mühelos mit großer Begeisterung annehmen. Das war einfach das Leben! Und es war ein solches Vergnügen und eine solche Freude, dass ich mir wünschte, dieser Augenblick würde nie enden und ewig währen.

Diese höhere Version meiner selbst ging mit Stärke und innerem Wissen umher. Ich fühlte mich sehr stark und ruhig, gleichzeitig voll überströmender Lebensfreude und Liebe zum Leben. Ich lief durch meinen Garten und spazierte absichtlich auf den herumliegenden, riesigen Basaltsäulen, die übereinandergestapelt waren wie riesige Treppenstufen, auf denen man um die Feuerstelle herumsitzen konnte. Ich liebte es, barfuß auf diesen Riesensteinen zu gehen, und hatte wahre Ehrfurcht vor ihrer großartigen Pracht. Auf meinem Weg kam ich an einen Brunnen, den ich gebaut hatte, und lächelte in Erinnerung daran, wie mein Bruder und ich dieses Wunderwerk erschaffen hatten.

Plötzlich sah ich eine winzige Frau in einem strahlend weißen Gewand; sie war höchstens 60 Zentimeter groß und stand etwas hinter dem Brunnen, zusammen mit einer anderen, normal großen Frau, die ähnlich gekleidet war und ebenso viel Licht ausstrahlte. Diese zweite Frau beobachtete das Ganze aus dem Hintergrund; sie schien die Beschützerin der winzigen Frau zu sein.

Als ich die kleine Frau anschaute, wandte sie sich zu mir und schaute mir in die Augen. Ich verspürte noch mehr Liebe, sie schien mir diese Liebesenergie zuzusenden. Selbst als diese hoch entwickelte Version meiner selbst hatte ich niemals zuvor so etwas empfunden. Die Gefühle der Ganzheit und Liebe verstärkten sich exponentiell, und ich dachte: »Wow, kann Liebe sogar noch stärker sein als die, die ich gerade erst empfunden habe?« Es hatte überhaupt nichts mit romantischer Liebe zu tun; es war eher so eine beschwingte, elektrisierende Energie, die in mir zum Leben erwachte. Die Frau bestätigte mir, dass in mir tatsächlich noch mehr Liebe vorhanden war. Ich wusste auch, dass sie höher entwickelt war als ich. Als ich dieses elektrisierende Gefühl verspürte, schickte es mir die Botschaft, zum Küchenfenster zu schauen, und sofort erinnerte ich mich, warum ich dort war.

Ich drehte mich um und schaute zur Küche, wo mein derzeitiges Ich ein paar Stunden, bevor ich mich auf die Couch setzte und mich entspannte, mit dem Geschirrspülen beschäftigt war. Ich, der ich im Hinterhof stand, lächelte. Ich liebte ihn so sehr. Ich sah seine Aufrichtigkeit, seine Kämpfe, seine Leidenschaft. Ich sah seine Liebe; ich sah, dass er wie immer ständig im Kopf versuchte, Konzepte sinnvoll zusammenzuführen. Und ich warf unter anderem auch einen Blick in seine Zukunft. Wie ein guter Vater oder eine gute Mutter war ich stolz auf ihn und voller Bewunderung für die Person, die er in diesem Moment war. Während ich ihn beobachtete und spürte, wie diese intensive Energie in mir anwuchs, hörte er plötzlich mit dem Geschirrspülen auf, schaute aus dem Fenster und ließ den Blick in den Hinterhof wandern.

Ich, als mein zukünftiges Ich, konnte mich an diesen Moment als mein gegenwärtiges Ich erinnern und wusste auch noch, dass ich tatsächlich innegehalten und nach draußen geschaut hatte, weil in mir spontan ein Gefühl der Liebe aufstieg und ich spürte, dass ich von draußen beobachtet wurde bzw. dass da jemand war. Wie ich auch erinnerte, hatte ich mich vorgelehnt, damit mich die Küchenlampe von oben nicht so im Fenster blendete, und spähte minutenlang in die Dunkelheit, bevor ich mich erneut dem Geschirr im Spülbecken zuwandte. Mein zukünftiges Ich machte mit meinem gegenwärtigen Ich das Gleiche, was die schöne, strahlende Frau nur wenige Augenblicke vorher für mich getan hatte. Jetzt verstand ich, warum sie hier war.

Und wie beim Betrachten des Kindes in der vorherigen Szene verband mich die Liebe meines zukünftigen Ichs zu meinem gegenwärtigen Ich erneut mit meinem zukünftigen Ich. Da war mein zukünftiges Ich und rief mein gegenwärtiges Ich in diese Zukunft, und dieses Band wurde durch die Liebe ermöglicht. Die höher entwickelte Version meiner selbst wusste so viel. Das Paradoxe daran ist: Das alles bin ich, der gleichzeitig lebt. Es gibt in Wirklichkeit unendlich viele meiner Ichs – nicht nur dieses eine in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Im Reich des Unendlichen gibt es noch viel mehr potenzielle Ichs, und es gibt nicht nur eine Unendlichkeit, sondern viele Unendlichkeiten. Und all das geschieht im ewigen Jetzt.

Als ich in die uns vertraute physische Realität auf der Couch zurückkehrte, die – verglichen mit der Welt der anderen Dimensionen, in der ich mich gerade aufgehalten hatte – ziemlich blass wirkte, war mein erster Gedanke: »Wow, wie begrenzt doch meine Sicht der Realität ist!« Die reiche innere Erfahrung verlieh mir große Klarheit und ließ mich erkennen, dass meine Überzeugungen – also was ich über das Leben, Gott, mich selbst, Zeit und Raum und die möglichen Erfahrungen in diesem Reich des Unendlichen zu wissen meinte – sehr beschränkt waren, und bis zu diesem Moment war mir das nicht einmal klar gewesen. Ich war wie ein kleines Kind, welches das Ausmaß dessen, was wir Realität nennen, kaum begreifen kann. Und zum ersten Mal in meinem Leben verstand ich, was der Ausdruck »das Unbekannte« bedeutet, und es jagte mir weder Angst noch Furcht ein. Und ich wusste, ich würde nie wieder derselbe sein.

Sie können sicherlich nachvollziehen, dass einem die Familie und die Freunde eine durcheinandergeratene Gehirnchemie unterstellen könnten, wenn man ihnen ein solches Ereignis erklären will. Ich zögerte, mit irgendjemandem darüber zu sprechen, denn mir fehlten die passenden beschreibenden Worte, und ich wollte dadurch auch nicht womöglich wie durch einen Fluch eine erneute Erfahrung verhindern. Monatelang war ich damit beschäftigt, den Prozess, der eventuell zu dieser Erfahrung geführt hatte, immer wieder durchzugehen. Auch das Konzept der Zeit faszinierte mich; ich konnte gar nicht aufhören, darüber nachzudenken. Abgesehen von dem Paradigmenwechsel im Hinblick auf den ewigen Moment in der Zeit fand ich noch etwas anderes heraus: Wie ich nach diesem transzendentalen Erlebnis jener Nacht feststellte, waren gerade einmal zehn Minuten vergangen, bis ich in die dreidimensionale Welt zurückkehrte. Ich hatte gerade zwei ausgedehnte Ereignisse durchlebt – was eigentlich viel länger hätte dauern sollen. Diese Zeitdilatation schürte mein Interesse zusätzlich, und so wollte ich noch mehr Energie darauf verwenden, herauszufinden, was mir da passiert war. Ich hoffte auf eine Wiederholung des Erlebten, sobald ich das Ganze besser verstehen würde.

Noch Tage nach dieser wichtigen Nacht war das Zentrum in meiner Brust elektrisch so aufgeladen wie in dem Moment, als die schöne winzige Frau etwas in mir aktivierte. Immer wieder dachte ich: »Wie kann dieses Gefühl nach wie vor in mir vorhanden sein, wenn nicht tatsächlich etwas Reales passiert ist?« Indem ich meine Aufmerksamkeit auf dieses Zentrum richtete, dehnte sich das Gefühl aus. Verständlicherweise war ich in dieser Zeit nicht besonders an sozialen Kontakten interessiert, denn die Menschen und Umstände der Außenwelt lenkten mich von diesem besonderen Gefühl im Innern ab, sodass es weniger wurde. Mit der Zeit verschwand es ganz, aber ich dachte ständig darüber nach, dass es immer noch mehr Liebe zu erleben gibt und dass die Energie, die ich in diesen Dimensionen an- und aufgenommen hatte, nach wie vor in mir lebendig war. Ich wollte sie erneut aktivieren, wusste aber nicht wie.

Lange Zeit versuchte ich immer wieder, diese Erfahrung zu wiederholen, doch nichts geschah. Wie ich inzwischen erkannt habe, ist die Erwartung des gleichen Ergebnisses, zusammen mit dem frustrierenden Versuch, es herbeizuzwingen, die schlimmste Kombination überhaupt, wenn man eine weitere mystische Erfahrung (oder sonst etwas) kreieren möchte. Ich verlor mich in meiner persönlichen Analyse, versuchte herauszufinden, wie das passiert war und wie ich es erneut erleben könnte. Ich beschloss, es mit ein paar neuen Ansätzen zu probieren, und entschied mich, den Versuch nicht abends zu unternehmen, sondern frühmorgens aufzuwachen und zu meditieren. Zwischen ein und vier Uhr morgens ist der Melatoninspiegel am höchsten, und die mystischen chemischen Stoffwechselprodukte des Melatonins sind genau die Substanzen, die eine luzide Erfahrung erzeugen. Deshalb wollte ich die innere Arbeit nun jeden Morgen um vier Uhr praktizieren.

Bevor ich erzähle, was als Nächstes passierte, möchte ich vorausschicken, dass das eine ungewöhnlich schwierige Zeit in meinem Leben war. Ich fragte mich, ob es für mich die Mühe wert war, weiterhin zu lehren, und musste eine Entscheidung treffen. Nachdem im Jahr 2004 der Dokumentarfilm »What the Bleep Do We Know!?« herausgekommen war, war mein Leben ziemlich chaotisch geworden, und ich überlegte, ob es nicht besser für mich wäre, mich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und ein einfacheres Leben zu führen. Einfach zu verschwinden, schien so viel leichter zu sein.

Eine vergangene Inkarnation im gegenwärtigen Moment erleben

Eines Morgens, so etwa eineinhalb Stunden, nachdem ich im Sitzen mit dem Meditieren begonnen hatte, lehnte ich mich zurück, legte ein paar Kissen unter die Knie, damit ich nicht gar zu schnell einschlief, und verweilte in dem Zustand zwischen Wachsein und Schlaf. Beim Hinlegen richtete ich meine Aufmerksamkeit einfach auf die Stelle im Kopf, wo die Zirbeldrüse sitzt. Doch dieses Mal versuchte ich nichts herbeizuzwingen, sondern ließ los und sagte mir: Was auch immer … Das war anscheinend das Zauberwort. Ich weiß jetzt, was das bedeutet. Ich gab mich hin, ging aus dem Weg, ließ jegliche Erwartung an ein bestimmtes Ergebnis los und öffnete mich einfach den Möglichkeiten.

Und schon im nächsten Moment erlebte ich mich als untersetzten Mann irgendwo auf der Welt, wo es sehr heiß war, anscheinend dort, wo heute Griechenland oder die Türkei liegen. Das Gelände war felsig, der Boden ausgedörrt, und ich erblickte Steingebäude wie jene aus der Zeit der Griechen und Römer und dazwischen viele kleine Stoffzelte in leuchtenden Farben. Ich trug ein einteiliges Gewand aus Sackleinen, von den Schultern bis zur Mitte der Oberschenkel. Um die Taille war ein dickes Seil wie ein Gürtel geschlungen. Ich trug bis zu den Unterschenkeln hochgeschnürte Sandalen. Mein Haar war dick und lockig, mein Körper fühlte sich stark an. Ich hatte breite Schultern und muskulöse Arme und Beine. Ich war Philosoph und seit Langem ein Schüler einer charismatischen Bewegung.

Ich war gleichzeitig das Ich in dieser Erfahrung und mein gegenwärtiges Ich, das sich selbst zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort beobachtete. Meine Sinne waren geschärft, ich nahm alles vollkommen bewusst wahr. Ich roch den vertrauten Moschusgeruch meines Körpers, schmeckte das Salz meines Schweißes, der mir vom Gesicht tropfte. Ich liebte den Geschmack. Ich fühlte mich in der Körperlichkeit und Stärke meines Körpers geerdet, nahm den starken Schmerz in meiner rechten Schulter wahr, ohne meine ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten. Ich sah den strahlend blauen Himmel und die satten Farben der grünen Bäume und der Berge wie in einem Technicolor-Film. In der Ferne hörte ich Möwen kreischen und wusste, dass ich mich in der Nähe eines großen Gewässers befand.

Ich war auf einer Art Pilgerreise mit einer Mission, reiste im Land umher und lehrte die Philosophie, die ich mein ganzes Leben lang studiert und gelebt hatte. Mein Lehrer war ein großer Meister, dem ich tiefe Liebe entgegenbrachte für die Fürsorge, Geduld und Weisheit, die er mir seit so vielen Jahren schenkte. Jetzt sollte ich initiiert werden und eine Botschaft überbringen, die die Köpfe und Herzen der Menschen in dieser Kultur verändern sollte. Wie ich wusste, lief die zu verbreitende Botschaft den Überzeugungen jener Zeit zuwider; die Regierung und die religiösen Orden würden sich gegen mich stellen.

Die Hauptbotschaft der von mir vertretenen Philosophie würde die Menschen davon befreien, irgendetwas anderem oder jemand anderem im Außen verpflichtet zu sein. Sie würde die Menschen dazu inspirieren, anhand von Prinzipien zu leben, die ihr Leben bereicherten und ihm einen Sinn gaben. Ich engagierte mich leidenschaftlich für diesen Idealismus und arbeitete täglich daran, ein Leben in Übereinstimmung mit diesen Doktrinen zu führen. Natürlich würde die Botschaft auch implizieren, dass Religion oder die Abhängigkeit von Regierungen überflüssig wären, und die Menschen wären frei von persönlichem Schmerz und Leid.

Am Anfang der Szene hatte ich gerade eine Ansprache in einem relativ dicht bevölkerten Dorf beendet. Die Versammlung war dabei, sich aufzulösen, als sich plötzlich mehrere Männer eilig den Weg durch die Menschenmenge bahnten und mich verhafteten. Sie ergriffen mich, noch bevor ich überhaupt einen Fluchtversuch unternehmen konnte. Sie hatten ihr Vorgehen gut geplant. Hätten sie sich in Bewegung gesetzt, während ich noch zu den Leuten sprach, hätte ich sie entdeckt. Das Timing war perfekt.

Ich ergab mich ohne Widerstand, und sie brachten mich in eine Gefängniszelle; dort ließen sie mich allein. Da saß ich, eingesperrt in einem kleinen Steinkerker mit schmalen Fensterschlitzen, und wusste, welches Schicksal mich erwartete. Nichts, was ich hätte tun können, konnte mich auf das vorbereiten, was geschehen würde. Innerhalb von zwei Tagen brachte man mich in die Stadtmitte, wo sich Hunderte von Leuten versammelt hatten – viele davon hatten mir erst vor ein paar Tagen zugehört. Doch jetzt warteten sie begierig darauf, meinen Prozess und die bevorstehende Folterung mitzuerleben.

Ich wurde bis auf ein kleines Stück Lendentuch ausgezogen und dann auf eine große, horizontale Steinplatte geschnallt, an deren Ecken sich große Rillen befanden, durch die Seile gezogen waren. Diese Seile waren an den Enden mit Metallmanschetten versehen, an denen meine Handgelenke und Fußknöchel befestigt wurden. Und dann ging es los. Ein Mann zu meiner Linken kurbelte an einem Hebel, der die Steinplatte langsam von einer horizontalen Position nach vorne in eine senkrechtere Position brachte. Als sich der Steinblock nach oben bewegte, zogen die Seile meine Gliedmaßen in alle vier Richtungen.

Die wahren Schmerzen begannen, als ich mich etwa in einem 45-Grad-Winkel befand. Jemand, anscheinend ein Richter, schrie mich an und fragte mich, ob ich weiterhin meine Philosophie lehren würde. Ich schaute nicht hoch und gab keine Antwort. Da befahl er dem Mann, den Hebel weiterzudrehen. Irgendwann hörte ich Geräusche und Knacken, ein Hinweis darauf, dass bestimmte Wirbel sich verschoben hatten. Ich, als Beobachter dieser Szene, sah meinen Gesichtsausdruck, als die Schmerzen immer schlimmer wurden. Ich blickte sozusagen in einen Spiegel und sah mich selbst – ich selbst lag da auf der Platte, dessen war ich mir voll bewusst.

Die Metallmanschetten um meine Hand- und Fußgelenke zerrten an der Haut, und das scharfe Metall verursachte einen brennenden Schmerz. Ich blutete. Eine meiner Schultern war ausgekugelt, und ich keuchte und stöhnte vor Schmerz. Mein Körper zuckte und bebte, als ich meine Muskeln beugte und anspannte, um zu verhindern, dass meine Gliedmaßen abgerissen wurden. Loslassen wäre unerträglich. Plötzlich brüllte mich der Richter wieder an und fragte mich, ob ich weiterhin meine Lehre verbreiten würde.

Ich dachte: »Ich werde einfach einwilligen, meine Lehre nicht mehr zu verbreiten, und wenn sie mich dann aus dieser öffentlichen Folterung entlassen, fange ich eben wieder an.« Mein logischer Verstand hielt das für die richtige Antwort. Es würde den Richter besänftigen, den Schmerzen ein Ende bereiten (und mich vor dem Tod retten), und ich wäre dadurch in der Lage, meiner Mission weiterhin nachzugehen. Langsam und schweigend schüttelte ich den Kopf.

Nun bedrängte mich der Richter, dieses Nein auch auszusprechen, aber ich machte den Mund nicht auf. Schnell gab er dem Folterknecht an meiner linken Seite ein Zeichen, die Kurbel noch mehr anzuziehen. Ich sah auf den Mann hinunter, wie er die Zahnräder weiterdrehte, mit der klaren Absicht, mich zu verletzen. Ich sah sein Gesicht, und wir blickten einander in die Augen. Ich als Beobachter erkannte auf der Stelle, dass diese Person auch in meinem gegenwärtigen Leben als Joe Dispenza eine Rolle spielte – dieselbe Person, aber in einem anderen Körper. Während ich Zeuge dieser Szene wurde, machte es »Klick!«, und ich erkannte, dass dieser Folterknecht in meiner derzeitigen Inkarnation nach wie vor andere Menschen folterte, unter anderem mich; ich verstand, welche Rolle diese Person in meinem Leben einnahm. Dieses Wissen fühlte sich auf seltsame Weise vertraut an – alles ergab vollkommen Sinn.

Die Platte drehte sich nach oben, mein unterer Rücken knackte, mein Körper verlor die Kontrolle. In diesem Moment wurde ich gebrochen. Ich weinte vor Schmerzen, und eine tiefe Traurigkeit überschwemmte mein ganzes Wesen. Als der schwere Stein gelöst wurde, fiel ich zurück. Mich überkam ein unkontrollierbares Zittern; ich sprach kein Wort. Sie zerrten mich zurück in die kleine Gefängniszelle, wo ich mich in der Ecke zusammenrollte. Drei Tage lang konnte ich die Bilder meiner Folterung nicht aus dem Kopf bekommen.

Ich war so gedemütigt, dass ich nie wieder in der Öffentlichkeit reden konnte. Schon der Gedanke daran, meine Mission wieder aufzunehmen, ließ meinen Körper instinktiv so stark reagieren, dass ich nicht einmal mehr daran dachte.

Eines Nachts ließen sie mich frei. Den Kopf schamvoll gesenkt und ohne dass es jemand merkte, verschwand ich. Nie wieder konnte ich jemandem in die Augen schauen. Ich hatte das Gefühl, ich hätte auf meiner Mission versagt und sie verraten. Den Rest meines Lebens verbrachte ich in einer Höhle am Meer und ernährte mich vom Fischfang.

Ich wurde Zeuge der großen Not dieses armen Mannes und wie er die Wahl traf, sich vor der Welt zu verstecken. Das war eine Botschaft für mich; sie lautete: Ich konnte in meinem gegenwärtigen Leben nicht einfach wieder verschwinden und mich vor der Welt verstecken; meine Seele wollte mir zeigen, dass ich mit meiner Arbeit weitermachen musste. Ich musste mich darum bemühen, für eine Botschaft einzustehen und nie wieder aufgrund irgendwelcher Widrigkeiten einen Rückzieher zu machen. Und wie ich auch erkannte, hatte ich gar nicht versagt – ich hatte mein Bestes gegeben. Ich wusste, dieser junge Philosoph lebte nach wie vor im ewigen gegenwärtigen Moment als eine Unzahl potenzieller Ichs, und indem ich keine Angst mehr hatte, für die Wahrheit zu leben, anstatt für sie zu sterben, konnte ich meine – und seine – Zukunft verändern.

Wir alle haben unzählige potenzielle Inkarnationen, die im ewigen gegenwärtigen Moment existieren und alle nur darauf warten, entdeckt zu werden. Wenn das Mysterium des Selbst offenbart wird, können wir aufwachen und verstehen, dass wir keine linearen Wesen mit einem linearen Leben sind, sondern dimensionale Wesen, die dimensionale Leben leben. Das Schöne an den unendlichen Möglichkeiten, die auf uns warten, ist: Wir können diese Zukünfte nur verändern, indem wir uns im gegenwärtigen unendlichen Moment verändern.

Anmerkungen

1. R.M. Sapolsky, Why Zebras Don’t Get Ulcers (New York: Times Books, 2004). (Dt.: Warum Zebras keine Migräne kriegen: Wie Stress den Menschen krank macht.) Auch »Ramtha’s School of Enlightenment« (RSE) lehrt das Konzept der emotionalen Sucht; siehe JZK Publishing, ein Geschäftsbereich von JZK, Inc., dem Verlag von RSE, unter http://jzkpublishing.com oder http://www.ramtha.com.

Kapitel 2

Der gegenwärtige Moment

Möchten Sie in Ihrem Leben Übernatürliches erfahren: Ihren Körper heilen, neue Chancen kreieren, die früher unvorstellbar für Sie waren, und transzendente, mystische Erfahrungen machen? Dann müssen Sie zunächst das Konzept des gegenwärtigen Moments verstehen: das ewige Jetzt.

Heutzutage ist oft davon die Rede, präsent bzw. im Jetzt zu sein. Die meisten Leute verstehen die grundsätzliche Bedeutung dieser Aussage (nämlich nicht über die Zukunft nachzudenken und nicht in der Vergangenheit zu leben). Ich möchte Ihnen jedoch ein komplett anderes Verständnis dieses Konzepts präsentieren. Dazu müssen Sie die physische Welt – auch Ihren Körper, Ihre Identität und Ihre Umwelt – und sogar die Zeit hinter sich lassen und darüber hinausgehen. Dort verwandeln Sie Möglichkeiten in Realität.

Schließlich ist es doch so: Solange Sie die Person, die Sie Ihrer Meinung nach sind, und Ihre konditionierte Überzeugung von der Funktionsweise der Welt nicht hinter sich lassen, können Sie weder ein neues Leben noch ein neues Schicksal erschaffen. Sie müssen also ganz konkret sich selbst aus dem Weg gehen, Ihre erinnerte Identität transzendieren und etwas anderes, etwas Mystisches die Führung übernehmen lassen, was größer ist als Sie. In diesem Kapitel werde ich erklären, wie das geht.

Zunächst wollen wir uns anschauen, wie das Gehirn funktioniert. Wenn Nervengewebe im Gehirn oder Körper aktiviert wird, entsteht Geist. Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist Geist also das Gehirn in Aktion. Sie haben beispielsweise einen bestimmten Geist beim Autofahren und einen weiteren, wenn Sie sich duschen, und wieder einen anderen, wenn Sie ein Lied singen oder Musik hören. Bei all diesen komplexen Funktionen nutzen Sie eine bestimmte geistige Ebene, denn all das haben Sie wahrscheinlich schon Tausende Male gemacht; deshalb schaltet sich Ihr Gehirn auf eine ganz bestimmte Weise ein, sooft Sie das tun.

Wenn Ihr Gehirn in Aktion ist, beispielsweise beim Autofahren, schalten Sie in Wirklichkeit eine ganz bestimmte Sequenz, ein Muster oder eine Kombination aus neuronalen Netzen ein. Diese neuronalen Netze sind einfach Neuronencluster, die gemeinschaftlich zusammenarbeiten – so wie ein automatisches Softwareprogramm oder ein Makrobefehl –, weil sie genau das schon so oft gemacht haben. Anders ausgedrückt: Die Neuronen, die zusammen »feuern«, das heißt aktiviert werden, um die jeweilige Aufgabe zu erledigen, »verdrahten« bzw. vernetzen sich immer stärker.1 Durch die bewusste Entscheidung, Auto zu fahren, wählen Sie sozusagen automatisch diese Neuronen im Gehirn aus und aktivieren sie, um eine bestimmte mentale Ebene zu kreieren.

Das Gehirn ist zum größten Teil ein Produkt der Vergangenheit. Es wurde zu einer lebenden Aufzeichnung von allem gestaltet und geformt, was Sie bis zu diesem Zeitpunkt in Ihrem Leben gelernt und erfahren haben. Neurowissenschaftlich betrachtet ist Lernen das Zusammenbringen von Neuronen im Gehirn, wodurch sich Tausende von synaptischen Verbindungen bilden, die sich wiederum zu komplexen, dreidimensionalen neuronalen Netzen zusammentun. Ihr Gehirn erhält durch Lernen sozusagen ein Upgrade. Achten Sie aufmerksam auf Wissen bzw. Informationen, die für Sie einen Sinn ergeben, so hinterlässt die Interaktion mit der Außenwelt biologische Prägungen im Gehirn. Erleben wir etwas Neues, schreiben die Sinne diese Geschichte neurologisch ins Gehirn, und daraufhin tun sich weitere Neuronen zusammen und verstärken die Verbindungen. Dadurch erhält das Gehirn noch ein Upgrade; es wird auf den neuesten Stand gebracht.

Erfahrungen verstärken nicht nur die Schaltkreise im Gehirn, sondern erzeugen auch Emotionen. Wir können uns Emotionen als die chemischen Rückstände vergangener Erfahrungen vorstellen bzw. als chemisches Feedback. Je höher der emotionale Quotient eines Ereignisses im Leben ist, desto langlebiger ist der Eindruck, der sich dem Gehirn einprägt; so entstehen Langzeiterinnerungen. Durch Lernen werden also neue Verbindungen im Gehirn aufgebaut, durch Erinnern werden diese Verbindungen gepflegt. Je öfter Sie einen Gedanken, eine Entscheidung, ein Verhalten, eine Erfahrung oder eine Emotion wiederholen, desto öfter werden diese Neuronen aktiviert und miteinander vernetzt und desto langlebiger ist ihre Verbindung.

Wie Sie aus Annas Geschichte im vorigen Kapitel gelernt haben, beruhen die meisten Erfahrungen auf der Interaktion mit der Außenwelt. Die Sinne verbinden uns mit der Außenwelt und zeichnen neurologisch die Geschichte im Gehirn auf; erleben wir nun etwas höchst Emotionales – sei es etwas Schlechtes oder etwas Gutes –, wird dieser Moment dem Gehirn neurologisch als Erinnerung eingeprägt. Wenn eine Erfahrung also unser normales chemisches Empfinden verändert und unsere Aufmerksamkeit verstärkt auf die Ursache für diese Veränderung lenkt, assoziieren wir eine bestimmte Person bzw. eine Sache damit, wo unser Körper zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. So entstehen Erinnerungen in Interaktion mit der Außenwelt. Wir können also sagen: Der einzige Ort, an dem die Vergangenheit wirklich existiert, ist das Gehirn – und der Körper.

So wird die Vergangenheit zur Zukunft

Jetzt wollen wir uns näher anschauen, was im Körper auf der biochemischen Ebene beim Denken oder beim Empfinden einer Emotion passiert. Wenn man etwas denkt (oder sich an etwas erinnert), wird im Gehirn eine biochemische Reaktion ausgelöst, woraufhin das Gehirn bestimmte chemische Signale aussendet. So werden immaterielle Gedanken buchstäblich zu Materie – sie werden zu chemischen Botenstoffen. Durch diese chemischen Signale fühlt der Körper genau das, was man gerade gedacht hat. Sobald wir ein bestimmtes Gefühl bemerken, erzeugen wir weitere Gedanken, die diesem Gefühl entsprechen, und setzen weitere chemische Substanzen im Gehirn frei, damit wir das fühlen, was wir denken.

Hegen Sie beispielsweise einen ängstlichen Gedanken, kommen Angstgefühle in Ihnen hoch. Sobald Sie Angst verspüren, nimmt diese Emotion Einfluss auf Ihr Denken, und Sie denken weitere ängstliche Gedanken, die wiederum zur Ausschüttung weiterer chemischer Botenstoffe in Gehirn und Körper führen, woraufhin Sie noch mehr Angst verspüren. Und schon sind Sie in einer Endlosschleife gefangen, in der Ihre Gedanken Gefühle und Ihre Gefühle Gedanken erzeugen. Wenn Gedanken die Sprache des Gehirns und Gefühle die Sprache des Körpers sind und der Kreislauf des Denkens und Fühlens zu Ihrem Seinszustand bzw. Ihrer Befindlichkeit wird, dann »befinden« Sie sich komplett in der Vergangenheit.

Indem im Gehirn immer wieder dieselben Schaltkreise aktiviert und vernetzt werden, weil Sie immer wieder das Gleiche denken, werden sie zu festen Mustern verdrahtet. So wird das Gehirn zu einem Produkt Ihrer vergangenen Gedanken, und mit der Zeit wird es immer einfacher, automatisch dasselbe zu denken. Gleichzeitig fühlen Sie immer wieder dieselben Emotionen, denn wie gerade erklärt, sind Emotionen die Sprache des Körpers und die chemischen Überreste vergangener Erfahrungen – und konditionieren Ihren Körper dadurch auf die Vergangenheit.

Was heißt das für Sie im Alltag? Angesichts der Tatsache, dass Gefühle und Emotionen die chemischen Endprodukte vergangener Ereignisse und Vorfälle sind, beginnen Sie den Tag in der Vergangenheit, sobald Sie morgens aufwachen und nach dem vertrauten Gefühl namens Ich suchen. Indem Sie über Ihre Probleme nachdenken, erzeugen diese Probleme – die mit den Erinnerungen an vergangene Erfahrungen mit allen möglichen Leuten oder Dingen zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu tun haben – vertraute Gefühle wie Unglücklichsein, Vergeblichkeit, Trauer, Schmerz, Kummer, Angst, Sorge, Frust, mangelnder Selbstwert oder Schuld. Wenn diese Emotionen Ihr Denken lenken und Sie nicht über Ihre Gefühle hinausdenken können, denken Sie auch in der Vergangenheit. Und da diese vertrauten Emotionen Einfluss auf Ihre Entscheidungen an diesem Tag nehmen, auf Ihr Verhalten oder die von Ihnen kreierten Erfahrungen, erscheinen Sie ziemlich berechenbar und vorhersehbar – und Ihr Leben bleibt gleich.

Weiter geht’s mit unserem Beispiel: Sie wachen also auf, schalten den Wecker aus, liegen im Bett, schauen Ihre Benachrichtigungen auf Facebook, Instagram, WhatsApp, Twitter an, Ihre SMS und E-Mails und dann die Nachrichten. (Jetzt erinnern Sie sich wirklich daran, wer Sie sind, denn Sie bestärken Ihre Persönlichkeit und verbinden sich mit Ihrer vergangenen-gegenwärtigen persönlichen Realität.) Dann gehen Sie zur Toilette und ins Bad, Sie putzen sich die Zähne, duschen, ziehen sich an und begeben sich in die Küche. Vielleicht schauen Sie jetzt noch mal Nachrichten oder gucken erneut in Ihre Mailbox. Es ist dieselbe Routine wie jeden Tag.

Dann fahren Sie zur Arbeit, auf derselben Strecke wie immer; dort haben Sie mit denselben Kollegen zu tun wie am Vortag. Sie verbringen den Tag damit, ungefähr die gleichen Aufgaben zu erledigen wie gestern. Vielleicht reagieren Sie sogar auf die gleichen Herausforderungen bei der Arbeit mit den gleichen Emotionen. Nach der Arbeit fahren Sie heim, halten vielleicht am Laden an, um schnell was Gutes zu essen einzukaufen, das Gleiche wie immer. Sie kochen sich zum Abendessen das Gleiche wie immer, sehen die gleichen Fernsehsendungen zur gleichen Uhrzeit wie immer, auf demselben Platz, auf dem Sie immer im Wohnzimmer sitzen. Danach machen Sie sich bettfertig wie immer: Zähneputzen (mit der rechten Hand, angefangen oben rechts im Mund), kriechen auf derselben Seite ins Bett, lesen vielleicht noch ein bisschen und schlafen dann ein.

Abläufe, die ständig wiederholt werden, entwickeln sich zu einer Gewohnheit. Eine Gewohnheit besteht aus wiederkehrenden, automatisch ablaufenden, unbewussten Gedanken, Verhaltensweisen und Emotionen, die durch häufiges Wiederholen angenommen wird. Im Grunde ist der Körper dann auf Autopilot und lässt eine Reihe von Programmen ablaufen; mit der Zeit wird der Körper dann zum Geist. Sie haben diese Routinen so oft ausgeführt, dass der Körper automatisch manches besser erledigen kann als Ihr Gehirn bzw. der bewusste Geist. Sie schalten einfach auf Autopilot und werden unbewusst, und das heißt: Am nächsten Morgen wachen Sie auf und tun mehr oder weniger das Gleiche. In einem sehr realen Sinn zieht Sie Ihr Körper in dieselbe vorhersehbare Zukunft, basierend auf dem, was Sie in der immer selben, vertrauten Vergangenheit wiederholt gemacht haben. Sie denken das Gleiche und treffen die gleichen Entscheidungen, die zu den gleichen Verhaltensweisen führen, welche die gleichen Erfahrungen erzeugen, und die produzieren wiederum die gleichen Emotionen. So entstehen mit der Zeit im Gehirn fest verdrahtete neuronale Netze, und damit haben Sie den Körper emotional darauf konditioniert, in der Vergangenheit zu leben – und diese Vergangenheit wird zu Ihrer Zukunft.

Bei einem Blick auf den zeitlichen Tagesablauf – angefangen beim Aufwachen am Morgen und weiter bis zum Schlafengehen am Abend – könnten Sie den gestrigen oder heutigen Ablauf (Ihre Vergangenheit) an die Stelle des Plans für morgen (die Zukunft) stellen, denn das, was Sie heute gemacht haben, ist im Wesentlichen das Gleiche wie das, was Sie morgen tun … und übermorgen und überübermorgen … Seien wir ehrlich: Solange Sie dieselben Routinen beibehalten wie gestern, wird Ihr Morgen logischerweise ziemlich genauso aussehen wie Ihr Gestern. Ihre Zukunft ist eine Wiederholung Ihrer Vergangenheit. Denn Ihr Gestern erschafft Ihr Morgen.

Die vertikalen Linien in Abbildung 2.1 stehen für den immer gleichen Gedanken, der uns dieselbe Entscheidung treffen lässt, wodurch ein automatisches Verhalten in Gang gesetzt wird, das zu einer bereits bekannten Erfahrung führt, die wiederum ein vertrautes Gefühl bzw. eine vertraute Emotion erzeugt. Wird dieser Ablauf ständig wiederholt, verschmelzen die einzelnen Schritte allmählich zu einem automatisch ablaufenden Programm. So überlassen wir unseren freien Willen einem Programm.

Der Pfeil steht für eine unbekannte Erfahrung, die irgendwo dazwischen gemacht wird, während Sie auf dem Weg zur Arbeit wieder einmal im Verkehr feststecken, obwohl Sie noch schnell bei der Reinigung vorbeifahren wollten.

Man könnte sagen, Geist und Körper sind im Bekannten – derselben vorhersehbaren Zukunft, die auf Ihrem Verhalten in derselben vertrauten Vergangenheit basiert –, und in dieser bekannten, gewissen Zukunft ist kein Platz für das Unbekannte. Würde in diesem Moment etwas Neues, Unbekanntes passieren und Ihren vorhersehbaren Zeitplan ändern, wären Sie wahrscheinlich verärgert über diese Störung Ihrer Routine, würden es wohl als lästig, problematisch und schlichtweg unbequem betrachten; vielleicht sagen Sie dann: »Kannst du morgen noch mal kommen? Jetzt passt’s gerade nicht.«


Abbildung 2.1

Gewohnheiten sind sich durch Wiederholung entwickelnde, automatisch ablaufende unbewusste Gedanken, Verhaltensweisen und Emotionen. Man hat etwas so oft gemacht, dass der Körper darauf programmiert ist, zum Geist zu werden. Mit der Zeit wird man dadurch in eine vorhersehbare Zukunft gezogen, die auf der Vergangenheit aufbaut. Falls Sie also nicht im gegenwärtigen Moment sind, befinden Sie sich wahrscheinlich in einem Programm.

Tatsache ist: In einem vorhersehbaren Leben ist kein Platz für das Unbekannte. Doch das Unbekannte funktioniert nicht vorhersehbar. Das Unbekannte ist unvertraut, ungewiss – aber es ist auch aufregend, denn es passiert auf eine Weise, mit der wir nicht rechnen und die wir nicht vorherbestimmen können.

Ich frage Sie also: Wie viel Platz ist in Ihrer Alltagsroutine, Ihrem vorhersehbaren Leben für das Unbekannte? Sofern Sie im Bekannten bleiben – das heißt tagtäglich die gleichen Abläufe befolgen, das Gleiche denken, die gleiche Wahl treffen, dieselben einprogrammierten Gewohnheiten an den Tag legen, die immer wieder gleichen Erfahrungen erzeugen, die sich denselben neuronalen Netzen in den immer selben Mustern einprägen, um so dasselbe vertraute Gefühl namens Ich zu bestätigen –, gehen Sie immer wieder in dieselbe Geisteshaltung. Mit der Zeit wird Ihr Gehirn automatisch darauf programmiert, all diese Abläufe beim nächsten Mal noch müheloser auszuführen, und dann wieder – und so geht es immer weiter.

Die Einzelschritte verschmelzen dabei zu einem einzigen Schritt, und daraufhin nimmt ein vertrauter Gedanke an eine Erfahrung oder an jemanden oder an etwas an einem bestimmten Ort in einer bestimmten Zeit automatisch das mit der Erfahrung einhergehende Gefühl vorweg. Solange Sie das Gefühl einer Erfahrung vorhersehen können, befinden Sie sich nach wie vor im Bekannten. Der Gedanke an eine Besprechung mit denselben Leuten, mit denen Sie seit Jahren zusammenarbeiten, kann beispielsweise in Ihnen die Emotion hervorrufen, wie sich dieses zukünftige Ereignis anfühlen wird. Und da Sie dieses Gefühl vorhersehen können – weil Sie in der Vergangenheit genug Erfahrungen damit hatten und es Ihnen dadurch bekannt ist –, werden Sie wahrscheinlich mehr desselben erzeugen. Und natürlich haben Sie recht damit, aber nur, weil Sie dieselbe Person sind. Umgekehrt ist es genauso: Wenn Sie in einem automatisch ablaufenden Programm stecken und das Gefühl einer Erfahrung im Leben nicht vorhersagen können, werden Sie sich höchstwahrscheinlich nur zögerlich darauf einlassen.

Um ein umfassendes Bild der Vorgänge zu erhalten, die ablaufen, solange wir immer im selben Seinszustand leben, müssen wir uns einen weiteren Aspekt des Denkens und Fühlens anschauen. Diese Schleife aus Denken und Fühlen erzeugt auch ein messbares elektromagnetisches Feld um den physischen Körper herum. Unser Körper sendet immer Licht bzw. Energie oder Frequenzen aus, die Träger einer bestimmten Botschaft, Information oder Intention sind (mit »Licht« meine ich übrigens nicht nur das sichtbare Licht, sondern alle Lichtspektren – unter anderem Röntgenstrahlen, Mobilfunkwellen und Mikrowellen). Auch lebenswichtige Informationen, die auf verschiedenen Frequenzen übertragen werden, können wir so empfangen. Wir senden und empfangen also ständig elektromagnetische Energie.

Das funktioniert so: Beim Denken erzeugen die im Gehirn »feuernden« bzw. aktivierten neuronalen Netze elektrische Ladungen. Wenn diese Gedanken auch eine chemische Reaktion auslösen, die zu einem Gefühl bzw. einer Emotionen führt, und auch wenn ein vertrautes Gefühl oder eine vertraute Emotion Gedanken bewirkt, verursachen diese Gefühle magnetische Ladungen; sie kommen mit den Gedanken zusammen, die die elektrischen Ladungen schaffen, und dadurch wird entsprechend der jeweiligen Befindlichkeit bzw. des jeweiligen Seinszustandes ein bestimmtes elektromagnetisches Feld kreiert.2

Wir können uns Emotionen als Energie in Bewegung vorstellen. Die Energie eines Menschen, der eine starke Emotion verspürt und in ein Zimmer tritt, ist (abgesehen von der Körpersprache) oft sehr spür- und greifbar. Wir alle haben schon einmal die Energie eines ärgerlichen oder sehr frustrierten Menschen zu spüren bekommen; sie war zu spüren, weil diese Person ein starkes energetisches Signal mit einer bestimmten Information ausgesandt hat. Dasselbe gilt für Männer oder Frauen mit einer starken sexuellen Anziehungskraft, für leidende Menschen oder für jemanden mit einer ruhigen, liebevollen Energie: All diese Energien können wir spüren und fühlen. Erwartungsgemäß haben unterschiedliche Emotionen unterschiedliche Frequenzen. Kreative, höhere Emotionen wie Liebe, Freude und Dankbarkeit schwingen viel höher als Stressemotionen wie Angst und Wut, denn sie sind Träger einer anderen bewussten Intention und Energie [siehe Abbildung 2.2 die verschiedene Frequenzen und die damit verbundenen emotionalen Verfassungen veranschaulicht]. Darauf wird später noch genauer eingegangen.

Erschaffen wir also Tag für Tag immer wieder die Vergangenheit, denken die gleichen Gedanken und fühlen dieselben Emotionen, dann senden wir auch immer wieder das gleiche elektromagnetische Feld aus – das heißt dieselbe Energie mit derselben Botschaft. Auf der energetischen und Informationsebene bleibt also der Informationsgehalt unserer gleichbleibenden Energie der Vergangenheit gleich und erzeugt damit auch dieselbe Zukunft. Unsere Energie entspricht damit mehr oder weniger unserer Vergangenheit. Wir können unser Leben nur verwandeln, indem wir unsere Energie verändern, also das elektromagnetische Feld, das wir ständig ausstrahlen. Anders ausgedrückt: Um unseren Seinszustand zu transformieren, müssen wir unser Denken und Fühlen verändern.


Abbildung 2.2

Emotionen sind Energie in Bewegung. Alle Energie ist Schwingung, und jede Schwingung ist Träger von Informationen. Auf Basis unserer persönlichen Gedanken und Gefühle senden und empfangen wir ständig Informationen.

Weil Ihre Energie dorthin fließt, wo auch Ihre Aufmerksamkeit ist (ein Schlüsselkonzept, von dem in diesem Kapitel noch die Rede sein wird), gehen Aufmerksamkeit und Energie in die Vergangenheit, sobald Ihre Aufmerksamkeit einer vertrauten Emotion gilt. Auch wenn diese vertrauten Emotionen mit der Erinnerung an ein vergangenes Geschehnis zu haben, an der eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Objekt an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit involviert ist, werden Aufmerksamkeit und Energie in die Vergangenheit gelenkt; Sie ziehen dadurch Ihre Energie vom gegenwärtigen Moment ab und in die Vergangenheit hinein.


Abbildung 2.3

Wird Energie dorthin gelenkt, wo auch die Aufmerksamkeit hingeht, bedeutet das: Sobald wir uns auf vertraute Gefühle und Erinnerungen fokussieren, ziehen wir unsere Energie in die Vergangenheit und aus dem gegenwärtigen Moment ab. Ebenso gilt: Solange unsere Aufmerksamkeit ständig auf all den Leuten liegt, die wir treffen, den Orten, die wir aufsuchen, den Dingen, die wir zu bestimmten Zeiten in der vertrauten Realität erledigen müssen …, ziehen wir unsere Energie aus dem gegenwärtigen Moment ab und hinein in die vorhersehbare Zukunft.

Und umgekehrt ist es ebenso: Denken Sie ständig an all die Leute, denen Sie begegnen, an die zu erledigenden Dinge und an die Orte, an denen Sie zu einer bestimmten Zeit im Lauf Ihres Alltags sein müssen, ziehen Sie Ihre Aufmerksamkeit in eine bereits bekannte, vorhersehbare Zukunft. Das wird in Abbildung 2.3 veranschaulicht.

Ihre gesamte Energie ist jetzt mit diesen bekannten Erfahrungen dieser bestimmten Zeitachse vermischt und erzeugt noch mehr von den gleichen Erfahrungen; Ihr Körper folgt dem Geist zu denselben Geschehnissen in Ihrer immer gleichen Realität. Ihre Energie wird aus dem gegenwärtigen Moment heraus und hinein in die Vergangenheit und in die Zukunft gelenkt. Für das Kreieren einer unbekannten Erfahrung auf einer neuen Zeitachse bleibt so nur sehr wenig Energie übrig.

In Abbildung 2.3 ist auch zu sehen, wie die Schwingung der von Ihnen abgestrahlten elektromagnetischen Energie zu all dem passt, was Sie bereits kennen. Sie beginnen also den Tag, denken daran, zur Toilette zu gehen, und schon sind Sie auf dem Weg dorthin. Dann denken Sie ans Duschen, und schon stehen Sie in der Dusche und stellen die Wassertemperatur ein. Dann kommt Ihnen die Kaffeemaschine in den Sinn, und Sie projizieren Ihre Aufmerksamkeit und Energie auf das Gerät: Sie gehen automatisch in die Küche, um sich Ihre morgendliche Tasse Kaffee zuzubereiten; wieder folgt Ihr Körper also Ihrem Geist. Haben Sie das erst einmal 22 Jahre lang gemacht, gleitet Ihr Körper ganz mühelos dahin, folgt immer dem Geist – in diesem Fall allerdings folgt er dem Geist in das Bekannte, denn dorthin ist Ihre Aufmerksamkeit – und damit Ihre Energie – gerichtet.

Jetzt möchte ich Sie etwas fragen: Könnte es jemals möglich sein, dass Ihr Körper Ihrem Geist in das Reich des Unbekannten folgt? Falls ja, müssten Sie Ihre Aufmerksamkeit woandershin lenken, nicht wahr? Und dadurch würde sich auch Ihre Energie verändern, und Sie müssten Ihr Denken und Fühlen lange genug transformieren, damit etwas Neues passieren kann. Das mag unglaublich klingen, ist aber tatsächlich möglich. Und es ist ja auch durchaus logisch: So wie der Körper dem Geist zu jeder bekannten Erfahrung im Leben (beispielsweise der Kaffeemaschine jeden Morgen) folgt, würde er dem Geist in das Unbekannte – eine neue Erfahrung in der Zukunft – folgen können, sofern die Aufmerksamkeit und Energie auf das Unbekannte gelenkt wird.

Geist und Körper auf eine neue Zukunft vorbereiten

Sind Sie mit meiner Arbeit vertraut? Dann wissen Sie ja, wie sehr mir das Konzept des mentalen Probelaufs, also des »Übens im Kopf«, gefällt. Es fasziniert mich, wie wir allein durch die Kraft der Gedanken das Gehirn und auch den Körper verwandeln können. Überlegen Sie einmal: Während Sie sich auf ein bestimmtes Bild im Kopf fokussieren und sehr präsent bei einer Abfolge von wiederholten Gedanken und Gefühlen sind, können Gehirn und Körper nicht zwischen Geschehnissen in der Außen- und in der Innenwelt unterscheiden. Lassen Sie sich voll und ganz und mit Ihrer gesamten Aufmerksamkeit ein, erscheint die innere Welt Ihrer Vorstellungskraft wie eine äußere Erfahrung – und Ihre Biologie wird sich entsprechend verändern. Das heißt: Ohne die Erfahrung tatsächlich gemacht zu haben, können Sie Ihr Gehirn und Ihren Körper so aussehen lassen, als wäre eine physische Erfahrung bereits eingetreten. Sie werden nicht nur biologisch zu dem, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten und was Sie wiederholt im Kopf proben und einüben, sondern legen dadurch auch Ihre Zukunft fest.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Harvard-Studie mit Freiwilligen, die nie zuvor Klavier gespielt hatten. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe übte fünf Tage lang zwei Stunden täglich eine einfache Fünf-Finger-Übung. Auch die andere Gruppe machte diese Fingerübungen, aber nur im Kopf: Die Probanden stellten sich vor, sie säßen vor einem Klavier und übten, rührten dabei aber keinen Finger. Wie Gehirnscans vor und nach dem Experiment zeigten, hatten beide Gruppen sehr viele neue neuronale Schaltkreise und neue neurologische Programmierungen in dem Gehirnareal ausgebildet, das für die Fingerbewegungen zuständig ist – doch eine Gruppe hatte das nur durch Gedankenkraft geschafft.3

Überlegen Sie einmal: Die Gehirne der Probanden, die im Kopf geübt hatten, schauten aus, als ob sie diese Erfahrung bereits hinter sich hätten! Dabei hatten sie nie auch nur einen Finger gerührt. Würde man sie nach diesem fünftägigen mentalen Probelauf vor ein Klavier setzen, könnten viele von ihnen die im Kopf absolvierte Fingerübung ziemlich gut spielen, obwohl sie nie zuvor auf den Tasten geklimpert hatten. Sie stellten sich diese Tätigkeit täglich im Kopf vor und richteten dadurch die neurologische Hardware ein, mit der sie sich auf die Erfahrung vorbereiteten. Immer wieder aktivierten und vernetzten sie diese Verschaltungen im Gehirn durch Aufmerksamkeit und Intention, und mit der Zeit wurde die Hardware zu einem automatisch ablaufenden Softwareprogramm im Gehirn, und das nächste Mal ging es einfacher. Nach fünftägigem mentalem Üben würden sie ihr Verhalten mühelos auf ihre bewusste Intention ausrichten, wenn sie tatsächlich spielten, denn sie hatten ihr Gehirn im Voraus auf die Erfahrung vorbereitet. So mächtig kann der trainierte Geist sein.

Ähnliche Studien über Muskeltraining führten zu vergleichbaren Ergebnissen. In einer bahnbrechenden Studie der Cleveland Clinic stellten sich zehn Probanden zwischen 20 und 35 Jahren zwölf Wochen lang bei fünf Trainingseinheiten pro Woche vor, sie würden einen ihrer Bizepse beugen. Alle zwei Wochen wurden die elektrische Gehirnaktivität der Probanden während des Trainings sowie ihre Muskelkraft gemessen. Nach Abschluss der Studie hatten die Probanden die Kraft ihres Bizeps um 13,5 Prozent erhöht, obwohl sie die Muskeln in Wirklichkeit gar nicht genutzt hatten. Dieser Muskelzugewinn blieb bis drei Monate nach Abschluss des Trainings erhalten.4

In jüngerer Zeit wurden im Rahmen einer Studie von Forschern der Universität von Texas in San Antonio, der Cleveland Clinic und des Kessler Foundation Research Centers in West Orange, New Jersey, Probanden gebeten, sich zwölf Wochen lang an fünf Tagen die Woche für 15 Minuten lebhaft vorzustellen, wie sie die Beugemuskeln am Ellbogen kontrahierten und dabei die Muskeln dazu drängten, sich so kraftvoll und hart wie nur möglich anzuspannen – also ihre starke mentale Energie mit einer festen Absicht zu verbinden. Eine Gruppe sollte dabei im Kopf in einer Szene visualisieren, wie sie selbst die Übung praktizierten, und zwar in Bildern von sich als dritter Person (als würden sie sich in einem Film sehen). Eine zweite Gruppe sollte in der ersten Person imaginieren und sich vorstellen, ihre Körper, wie sie in Echtzeit waren, würden trainieren; dadurch wurde das Ganze unmittelbarer und realistischer. Eine dritte Gruppe, die Kontrollgruppe, übte gar nicht. Während bei der Gruppe, die mit Bildern in der dritten Person praktizierte, sowie der Kontrollgruppe keine signifikanten Veränderungen zu erkennen waren, konnte die Gruppe, die in der ersten Person imaginierte, ihre Muskelkraft um 10,8 Prozent steigern.5

Ein weiteres Forscherteam der Ohio University ging noch weiter: Die Handgelenke von 29 Freiwilligen wurden einen Monat lang eingegipst, sodass sie nicht bewegt werden konnten, auch nicht unabsichtlich. Die Hälfte der Gruppe praktizierte an fünf Tagen die Woche 11 Minuten lang mit mentalen Bildern und stellte sich vor, sie würde die völlig unbeweglichen Handgelenkmuskeln beugen. Die zweite Hälfte, die Kontrollgruppe, machte gar nichts. Nach Ablauf des Monats wurde der Gips abgenommen; die Muskeln der Gruppenmitglieder, die imaginiert hatten, waren doppelt so stark wie die der Kontrollgruppe.6

Alle drei Muskelstudien zeigen, wie durch das mentale Üben nicht nur das Gehirn, sondern auch der Körper allein durch Gedankenkraft verändert werden kann. Anders ausgedrückt: Durch mentales Praktizieren sowie bewusstes und regelmäßiges Überprüfen der betreffenden Aktivität schauten die Körper der Probanden aus, als wären sie tatsächlich physisch aktiv gewesen – obwohl das nie der Fall war. Noch realer wurde die Erfahrung, sobald die emotionale Komponente dazukam, die Probanden sich also nicht nur ein mentales Bild vorstellten, sondern dabei die Übung im Kopf auch so hart wie möglich »trainierten«; damit wurden noch deutlichere Ergebnisse erzielt.

Bei der Studie mit den Klavierspielern sahen die Gehirne der Probanden aus, als ob die im Kopf vorgestellte Erfahrung bereits eingetreten wäre, weil sie ihr Gehirn auf diese Zukunft vorbereitet hatten. Auch bei den Muskeltraining-Studien veränderte sich der Körper der Studienteilnehmer, als hätten sie diese Realität bereits erfahren – einfach durch das mentale Training, nur mit Gedankenkraft.

Sie sehen also: Indem Sie morgens aufwachen und an die Leute denken, die Sie treffen, die Orte, zu denen Sie gehen, und die Dinge, die Sie laut Ihrem vollen Terminkalender erledigen müssen (also einen mentalen Probelauf praktizieren), und darüber hinaus eine intensive Emotion wie Leiden oder Unglücklichsein oder Frust verspüren – ähnlich wie die Probanden, die ihre Ellbogenmuskeln geistig dazu drängten, sich zu beugen, ohne sie wirklich zu bewegen –, konditionieren Sie Ihr Gehirn und Ihren Körper darauf, so auszuschauen, als wäre diese Zukunft bereits eingetreten.

Erfahrung bereichert das Gehirn und erzeugt eine Emotion, die dem Körper Signale schickt. Wenn man beständig eine innere Erfahrung kreiert, die genauso real wie eine äußere Erfahrung ist, verändern sich Gehirn und Körper allmählich – wie das auch bei jeder realen Erfahrung der Fall wäre.

Denken Sie beim Aufwachen an den vor Ihnen liegenden Tag, sieht das auf neurologischer, biologischer, chemischer und sogar genetischer Ebene (darauf gehe ich im nächsten Abschnitt ein) aus, als ob dieser Tag bereits geschehen wäre. Und genau das ist auch der Fall. Sobald Sie den Tag mit all seinen Aktivitäten tatsächlich angehen, wie in den beschriebenen Experimenten, verhält sich Ihr Körper von Natur aus automatisch so, wie es Ihren bewussten oder auch unbewussten Absichten entspricht. Machen Sie seit Jahren ständig das Gleiche, lassen sich die betreffenden Verschaltungen – ebenso wie alle anderen biologischen Abläufe – immer müheloser aktivieren, weil Sie nicht nur Ihre Biologie mental tagtäglich darauf vorbereiten, sondern auch regelmäßig die gleichen physischen Verhaltensweisen an den Tag legen, um diese Erfahrungen noch mehr in Gehirn und Körper zu verstärken. Dadurch fällt es immer leichter, ins Unbewusstsein zu verfallen, weil Sie auf der geistigen und körperlichen Ebene dauernd dieselben Gewohnheiten bestärken … und sich daran gewöhnen, sich gewohnheitsmäßig zu verhalten.

Die Gene verändern

Früher war man der Meinung, die Gene erzeugten Krankheiten und wir seien auf Gedeih und Verderb unserer DNA ausgeliefert. Starben viele Mitglieder einer Familie an Herzversagen, dann, so vermutete man, würden auch die Angehörigen höchstwahrscheinlich Herzprobleme bekommen. Doch inzwischen hat die Wissenschaft der Epigenetik aufgezeigt, dass es keineswegs die Gene sind, die Krankheit erzeugen, sondern die Umwelt, die unsere Gene darauf programmiert, Krankheiten auszulösen – und zwar nicht nur die Umwelt außerhalb des Körpers (beispielsweise Zigarettenrauch oder Pestizide), sondern auch die Umwelt im Körper: das äußere Zellmilieu.

Was meine ich mit der Umwelt im Körper? Wie bereits gesagt, sind Emotionen chemisches Feedback, die Endprodukte von im Außen gemachten Erfahrungen. Reagieren wir auf eine äußere Situation, die eine Emotion erzeugt, kann die daraus entstehende Chemie im Körper den Genen signalisieren, sich entweder einzuschalten (hochzuregulieren bzw. die Genexpression zu verstärken) oder abzuschalten (herunterzuregulieren bzw. die Genexpression abzuschwächen). Das Gen selbst verändert sich physisch nicht – die Genexpression bzw. der Genausdruck verändert sich, und das ist das Entscheidende, weil sich das auf unsere Gesundheit und unser Leben auswirkt. Obwohl also jemand eine genetische Veranlagung für eine bestimmte Krankheit hat, wird die Person diese Krankheit nicht unbedingt entwickeln und bleibt gesund, solange ihre Gene weiterhin Gesundheit und nicht die Krankheit »ausdrücken«.

Wir können uns den Körper als fein gestimmtes, Protein-produzierendes Instrument vorstellen. Jede einzelne Zelle (außer den roten Blutkörperchen) erzeugt Proteine, die für die physische Struktur und die physiologischen Funktionen des Körpers zuständig sind. Muskelzellen produzieren beispielsweise bestimmte Proteine, Aktin und Myosin, und Hautzellen produzieren die Proteine Kollagen und Elastin. Immunzellen stellen Antikörper her, Schilddrüsenzellen Thyroxin und Knochenmarkszellen Hämoglobin, manche Augenzellen Keratin und die Bauchspeicheldrüsenzellen Enzyme wie Protease, Lipase und Amylase. Es gibt nicht ein Organ bzw. System im Körper, das nicht von Proteinen abhängig ist bzw. Proteine produziert. Sie sind lebenswichtiger Bestandteil unseres Immunsystems, der Verdauung, der Zellreparatur und der Knochen- und Muskelstruktur. Worum auch immer es geht – Proteine sind daran beteiligt. Die Proteinexpression bzw. der Proteinausdruck ist demnach auf sehr reale Weise Ausdruck des Lebens und steht für körperliche Gesundheit.

Damit eine Zelle Protein herstellen kann, muss eine Genexpression stattfinden. Das ist die Aufgabe der Gene: die Proteinproduktion zu ermöglichen. Erreicht das Signal aus dem äußeren Zellmilieu die Zellmembran, wird die chemische Substanz von einem äußeren Rezeptor angenommen und gelangt zur DNA in der Zelle. Dann produziert ein Gen ein neues Protein, das dem Signal entspricht. Verändern sich die aus dem äußeren Zellmilieu kommenden Informationen nicht, stellt das Gen immer wieder das gleiche Protein her, und der Körper bleibt gleich. Mit der Zeit findet eine Herunterregulierung des Gens statt; entweder wird die gesunde Proteinexpression eingestellt oder es verschleißt, ähnlich wie wenn man eine Kopie von einer Kopie von einer Kopie macht, und es werden andere Proteine exprimiert.

Unterschiedliche Reize regulieren die Gene hoch oder herunter. Wir aktivieren erfahrungsabhängige Gene, beispielsweise wenn wir etwas Neues machen oder neue Informationen aufnehmen und lernen. Diese Gene sind dafür verantwortlich, Stammzellen zur Differenzierung anzuweisen, sodass sie sich in die gerade vom Körper benötigten Zelltypen verwandeln, um beschädigte Zellen zu ersetzen. Bei großem Stress bzw. großer Erregung oder veränderten Bewusstseinszuständen wie Träumen aktivieren wir verhaltensabhängige Gene; sie sind sozusagen der Dreh- und Angelpunkt der Körper-Geist-Verbindung, denn sie verknüpfen Gedanken und Körper, sodass wir unsere körperliche Gesundheit durch bestimmte Verhaltensweisen (beispielsweise Meditation, Gebet oder soziale Rituale) beeinflussen können. Verändern sich Gene auf diese Weise – was manchmal in Minutenschnelle vor sich geht –, können diese veränderten Gene an die nächste Generation weitergegeben werden.

Durch andere Emotionen kann man also die Genexpression verändern (die einen ein-, andere abschalten), da der DNA neue chemische Signale geschickt werden, woraufhin die Gene angewiesen werden, andere Proteine zu produzieren – hoch- oder herunterzuregulieren –, um alle möglichen Bausteine zu erzeugen, welche die Struktur und Funktion des Körpers verändern können. War das Immunsystem beispielsweise zu lange den Stressemotionen ausgesetzt, sodass Gene aktiviert waren, die Entzündungen und Krankheiten hervorrufen, ist es möglich, neue Gene einzuschalten, die für Wachstum und Reparatur zuständig sind, und die alten, für die Krankheit verantwortlichen Gene abzuschalten. Gleichzeitig befolgen diese epigenetisch veränderten Gene neue Anweisungen, erzeugen neue Proteine und programmieren den Körper auf Wachstum, Reparatur und Heilung. So können Sie Ihren Körper erfolgreich auf einen neuen Geist konditionieren.

Wie zu Beginn des Kapitels gesagt, bedeutet das: Leben Sie tagaus, tagein mit denselben Emotionen, glaubt Ihr Körper, er sei denselben Umweltbedingungen ausgesetzt; diese Gefühle beeinflussen Sie und bringen Sie dazu, immer wieder dieselben Entscheidungen zu treffen, dieselben Gewohnheiten an den Tag zu legen, die wiederum zu den gleichen Erfahrungen führen, wodurch dieselben Emotionen immer wieder produziert werden. Infolge dieser automatisch ablaufenden, einprogrammierten Gewohnheiten sind Ihre Zellen ständig derselben chemischen Umgebung ausgesetzt (der Umwelt außerhalb des Körpers sowie dem äußeren Zellmilieu im Körper). Diese chemischen Stoffe senden immer wieder denselben Genen die gleichen Signale – und Sie sind festgefahren, denn wenn Sie gleichbleiben, bleibt auch Ihre Genexpression gleich. Jetzt steuern Sie auf Ihr genetisches Schicksal zu, denn aus der Umwelt werden keine neuen Informationen empfangen.

Doch was passiert, wenn sich Ihre Lebensumstände zum Besseren verändern? Sollte das nicht auch das chemische äußere Milieu Ihrer Zellen verändern?

Ja genau, das passiert, aber nicht immer. Weil Sie Ihren Körper jahrelang auf diesen Kreislauf aus Denken und Fühlen, Fühlen und Denken konditioniert haben, haben Sie auch, ohne es zu realisieren, Ihren Körper darauf konditioniert, nach diesen Emotionen süchtig zu sein. Einfach das äußere Umfeld zu verändern, beispielsweise durch einen neuen Job, überwindet die Sucht nicht unbedingt, so wie ein Drogensüchtiger seine Sucht ja auch nicht einfach dadurch loswird, dass er in der Lotterie gewinnt oder nach Hawaii zieht. Hat die Erfahrung erst einmal ihre Neuartigkeit verloren, kehren die meisten Menschen früher oder später aufgrund der Gedanken- und Gefühlsschleife wieder zu ihrer emotionalen Ausgangsverfassung zurück und der Körper meint, es sei dieselbe alte Erfahrung, die dieselben alten Emotionen erzeugt hat.

Waren Sie also mit Ihrer alten Arbeit unglücklich und haben eine neue Stelle gefunden, dann sind Sie vielleicht ein paar Wochen, womöglich sogar ein paar Monate lang glücklich. Doch indem Sie Ihren Körper jahrelang so konditioniert haben, dass er danach süchtig ist, sich unglücklich zu fühlen, werden Sie irgendwann zu dieser alten Emotion zurückkehren, weil Ihr Körper nach seiner chemisch-emotionalen »Droge« giert. Ihr äußeres Umfeld mag sich verändert haben, doch Ihr Körper wird immer eher seiner inneren Chemie als seinen äußeren Bedingungen glauben, und so bleibt er emotional in seinem alten Seinszustand eingesperrt, ist nach wie vor nach den alten Emotionen süchtig. Und das heißt nichts anderes, als dass Sie immer noch in der Vergangenheit leben. Weil sich die innere Chemie nicht verändert hat, können Sie auch keine veränderte Genexpression bewirken, um neue Proteine zu produzieren und die Struktur und Funktion Ihres Körpers zu verbessern; deshalb ändert sich auch weder Ihre Gesundheit noch Ihr Leben. Daher sage ich immer, Sie müssen über Ihre Gefühle hinausdenken, um wirkliche, dauerhafte Veränderungen zu bewirken.

Im Winter 2016 untersuchten mein Team und ich auf dem Advanced Workshop in Tacoma, Washington, die Auswirkungen höherer Emotionen auf die Immunfunktion. Am Beginn des Workshops und zum Abschluss vier Tage später nahmen wir Speichelproben von 117 Probanden und maßen den Gehalt an Immunglobin-A (IgA), einem Proteinmarker, der Hinweise auf die Stärke des Immunsystems gibt.

IgA ist eine unglaublich wirkungsvolle chemische Substanz und eines der wichtigsten Proteine für eine gesunde Immunfunktion und die Immunabwehr; es kämpft ständig gegen eine ganze Flut von Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Organismen, die ins innere Milieu des Körpers eindringen oder sich bereits eingenistet haben. IgA ist effektiver als jede Grippespritze oder sämtliche Booster für das Immunsystem. Ist es aktiviert, dient es als wichtigstes inneres Abwehrsystem des menschlichen Körpers. Steigt der Stresspegel (und damit der Spiegel der Stresshormone wie Cortisol), sinkt der IgA-Spiegel, und das schwächt die Genexpression des Immunsystems für die Produktion dieses Proteins.

Während unseres viertägigen Workshops baten wir die Studien-teilnehmer, dreimal täglich für 9–10 Minuten in einen Zustand höherer Emotionen wie Liebe, Freude, Inspiration oder Dankbarkeit zu wechseln. Wir fragten uns: Ist es durch höhere Emotionen möglich, das Immunsystem zu stärken? Oder anders gesagt: Können unsere Studierenden die Gene für IgA einfach durch das Wechseln in andere emotionale Verfassungen hochregulieren?

Die Ergebnisse waren verblüffend. Die durchschnittlichen IgA-Werte schossen um 49,5 Prozent in die Höhe. Der normale IgA-Wert liegt bei 37–87 Milligramm pro Deziliter (mg/dl); am Ende des Workshops wurden bei manchen Probanden 100 mg/dl gemessen.7 Unsere Probanden wiesen bedeutende, messbare epigenetische Veränderungen auf, und das ohne signifikante äußere Erfahrungen. Durch das Erlangen höherer emotionaler Zustände, nur für ein paar Tage, glaubte ihr Körper, er befände sich in einer neuen Umgebung, und so konnten sie neuen Genen neue Signale senden und ihre Genexpression verändern (in diesem Fall die Proteinexpression des Immunsystems, siehe Abbildung 2.4).


Abbildung 2.4

Mit dem Verweilen in höheren emotionalen Zuständen und dem Ändern der Energie können wir tatsächlich neue Gene hochregulieren, die neue gesunde Proteine produzieren, um die innere Immunabwehr zu stärken. Reduzieren wir die Überlebensemotionen, brauchen wir unser äußeres Abwehrsystem nicht mehr so sehr, und dadurch regulieren wir die Gene herunter, die für die Produktion von Stresshormonen zuständig sind (SIgA in der obigen Abbildung steht für Immunglobulin A im Speichel; Cortisol steht für Stresshormone. Beides wurde im Speichel gemessen).

Das heißt: Sie brauchen vielleicht weder eine Apotheke noch eine exogene Substanz, um sich selbst zu heilen; Sie verfügen über die innere Macht, innerhalb von wenigen Tagen die IgA-produzierenden Gene hochzuregulieren. Etwas so Einfaches wie das Wechseln in eine höhere emotionale Befindlichkeit wie Freude, Liebe, Inspiration oder Dankbarkeit für 5–10 Minuten am Tag kann signifikante epigenetische Veränderungen auf gesundheitlicher und körperlicher Ebene bewirken.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit

Wir lenken grundsätzlich unsere Energie dorthin, wo unsere Aufmerksamkeit weilt. Solange Sie also beim Aufwachen am Morgen sofort Ihre Aufmerksamkeit und Energie auf all die Leute richten, die Sie an diesem Tag treffen, und die Orte, zu denen Sie gehen müssen, auf Ihre Besitztümer und das, was Sie in der dreidimensionalen Welt zu erledigen haben, zerstreut sich Ihre kreative Energie und fließt von Ihnen weg hin zu all dem in der Außenwelt, was um Ihre Aufmerksamkeit buhlt: das Handy, das Notebook, das Bankkonto, das Haus, die Arbeit, die Kollegen, der Partner oder die Partnerin, die Kinder, die Feinde, die Haustiere, der Gesundheitszustand usw. Das wird in Abbildung 2.5 veranschaulicht. Ganz offensichtlich richten die meisten Menschen ihre Aufmerksamkeit und Energie auf die äußere, materielle Welt. Da stellt sich die Frage: Wie viel Energie bleibt da noch für die Innenwelt der Gedanken und Gefühle übrig, um eine neue Realität zu erschaffen?

Bedenken Sie: Jeder dieser Menschen und jedes der Dinge, dem Sie so viel Aufmerksamkeit widmen, ist etwas Bekanntes in Ihrem Leben, denn Sie haben damit Erfahrungen gemacht. Wie bereits erwähnt, verfügt Ihr Gehirn für jedes einzelne dieser Dinge über ein neurologisches Netzwerk. Sie sind in Ihrem Gehirn abgebildet; Sie erleben sie und nehmen sie aus Ihrer Vergangenheit wahr. Je mehr Erfahrungen Sie damit machen, desto automatisierter laufen diese neuronalen Verschaltungen ab und desto stärker werden sie, denn durch das wiederkehrende Erleben dieser verschiedenen Erfahrungen werden immer mehr Schaltkreise aufgebaut und weiterentwickelt. Genau das machen Erfahrungen: Sie bereichern das Gehirn.


Abbildung 2.5

Jeder Person, jedem Objekt, jedem Ding, jedem Ort und jeder Situation in unserer vertrauten physischen Realität ist im Gehirn ein neurologisches Netzwerk zugeordnet, und all das ist jeweils mit einer emotionalen Komponente verbunden, denn wir haben mit alldem Erfahrungen gemacht. So wird unsere Energie an unsere vergangene-gegenwärtige Realität gebunden. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, fließt Ihre Energie von Ihnen weg und es bleibt nur wenig Energie für Ihre Innenwelt aus Gedanken und Gefühlen übrig, um etwas Neues in Ihrem Leben zu kreieren.

Die vergrößerten Ausschnitte der Abbildung, wo sich die beiden Ovale überschneiden, stehen dafür, wie wir anhand verschiedener Elemente in unserer Außenwelt unsere emotionale Sucht bestärken. Sie könnten zum Beispiel Ihre Freunde dazu benutzen, Ihre Sucht nach Leiden oder mit Ihren Feinden Ihre Sucht nach Hass immer wieder zu bestärken. Da stellt sich die Frage: Wie viel von Ihrer kreativen Energie könnten Sie dann überhaupt noch dafür nutzen, sich ein neues Schicksal zu gestalten?

Sie haben also ein neurologisches Netzwerk für Ihren Chef, eines für Geld, eines für Ihren Lebensgefährten, eines für Ihre Kinder, eines für Ihre finanzielle Situation, eines für Ihr Haus und jeweils eines für all Ihre physisch-materiellen Besitztümer, denn mit all diesen Menschen bzw. Dingen haben Sie zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten Erfahrungen gesammelt.

Verteilt sich Ihre Aufmerksamkeit und damit auch Ihre Energie auf all diese Objekte, Menschen und Probleme in der Außenwelt, bleibt keine Energie übrig, die Sie auf Ihre Innenwelt aus Gedanken und Gefühlen richten und mit der Sie etwas Neuen kreieren könnten. Warum? Weil Ihr Denken und Fühlen buchstäblich Ihre persönliche Realität erschafft. Denken und fühlen Sie entsprechend all dem, was Sie kennen, dann bestätigen und bestärken Sie immer wieder dasselbe Leben. Man könnte sagen, Ihre Persönlichkeit kreiert nicht mehr Ihre persönliche Realität, sondern umgekehrt: Ihre persönliche Realität kreiert Ihre Persönlichkeit. Ihre Außenwelt kontrolliert Ihre Gedanken und Gefühle. Auf biologischer Ebene entspricht Ihre Innenwelt aus Gedanken und Gefühlen Ihrer Außenwelt, der vergangenen-gegenwärtigen Realität bestehend aus Menschen und Objekten zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten. Sie sorgen beständig dafür, dass Ihr Leben gleichbleibt, weil Ihre Aufmerksamkeit (Gedanken) und Ihre Energie (Gefühle) gleichbleiben.

Durch Ihr Denken und Fühlen senden Sie eine elektromagnetische Signatur aus, die alle Bereiche Ihres Lebens beeinflusst; bei gleichbleibendem Denken und Fühlen senden Sie immer wieder dieselbe elektromagnetische Energie aus – und Ihr Leben verändert sich nie. Ihre Energie entspricht sozusagen all dem, was Ihre vergangene-gegenwärtige Realität ausmacht – Sie kreieren immer wieder Ihre Vergangenheit.

Das ist allerdings nicht die einzige Beschränkung. Wird die gesamte Aufmerksamkeit und Energie in die Außenwelt gesteckt und reagiert man auf die immer gleichen Bedingungen immer gleich – in einem chronischen Stresszustand, wodurch das Gehirn ständig erregt ist –, gerät die Innenwelt ins Ungleichgewicht und das Gehirn arbeitet weniger effizient. Dadurch wird auch unsere Schöpferkraft beeinträchtigt, und wir werden zum Opfer unserer Lebensumstände, anstatt Schöpfer unseres Lebens zu sein.

Ein Leben auf Basis der Stresshormone

Jetzt wollen wir uns genauer anschauen, wie wir irgendwann süchtig nach unseren negativen Emotionen werden – genauer gesagt, nach den sogenannten Stresshormonen. Sobald wir auf eine eventuell bedrohliche Bedingung in der Außenwelt reagieren, sei diese Bedrohung nun real oder eingebildet, setzt der Körper Stresshormone frei und mobilisiert dadurch enorme Energie, um auf die Bedrohung reagieren zu können. Wenn das passiert, gerät der Körper aus dem Gleichgewicht – und genau das ist Stress. Eigentlich ist das eine ganz natürliche und gesunde Reaktion, denn in der Vorzeit wurde dieser chemische Cocktail aus Adrenalin, Cortisol und ähnlichen Hormonen freigesetzt, sobald aus der äußeren Umwelt irgendeine Gefahr drohte, der Mensch beispielsweise von einem Raubtier gejagt wurde und sich entscheiden musste, entweder zu kämpfen, wegzulaufen oder sich zu verstecken.

Im Überlebensmodus werden wir automatisch zu »Materialisten«, definieren also die Realität über die Sinne: was wir sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken. Außerdem schränken wir unseren Fokus ein und lenken unsere gesamte Aufmerksamkeit auf die Materie – auf unseren Körper, der in einem bestimmten Raum und einer bestimmten Zeit existiert. Durch die Stresshormone werden wir dazu gebracht, uns voll und ganz auf die Außenwelt zu konzentrieren, denn dort lauert die Gefahr. In der Frühzeit der Menschheit war eine solche Reaktion natürlich eine gute Sache; sie konnte angepasst werden und hielt den Einzelnen am Leben. Sobald die Aufmerksamkeit auf die Ursache gelenkt und die Gefahr vorüber war, sank der Stresshormonpegel, und der Mensch war wieder in Balance.

Heute ist das nicht mehr der Fall. Kaum erhalten wir einen Anruf oder eine E-Mail vom Chef oder einem Familienmitglied, was eine starke emotionale Reaktion wie Ärger, Frust, Furcht, Angst, Trauer, Schuld, Leiden oder Scham in uns auslöst, schalten wir das primitive Kampf-oder-Flucht-Nervensystem ein und reagieren, als ob ein Raubtier hinter uns her wäre. Diese chemische Reaktion bleibt automatisch eingeschaltet, weil die äußere Bedrohung scheinbar nie aufhört. Die meisten Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit in diesem hoch erregten Zustand; er ist chronisch geworden, als griffe das Raubtier da draußen in der Wildnis nicht nur ab und zu Zähne fletschend an, sondern lebte in derselben Höhle wie wir – beispielsweise die Kollegin, die direkt neben uns arbeitet und eine richtige »Giftspritze« ist.

Eine solche chronische Stressreaktion lässt sich nicht mehr anpassen, sie ist fehlangepasst. Im Überlebensmodus werden diese Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol dauernd durch den Körper gepumpt, und wir bleiben in Alarmbereitschaft, anstatt wieder in Balance zu kommen. Wird dieses Ungleichgewicht über längere Zeit aufrechterhalten, wie das bei Anna (siehe Kapitel 1) der Fall war, steuern wir auf Krankheit zu, denn durch Langzeitstress wird die gesunde Genexpression herunterreguliert. Der Körper wird so auf diesen chemischen Ansturm konditioniert, dass er süchtig danach wird und ein starkes Verlangen danach hat. In diesem Modus ist das Gehirn überwach und übererregt in dem Versuch, unsere Überlebenschancen durch das Vorhersehen, Kontrollieren und Erzwingen dessen, was passiert bzw. passieren soll, zu erhöhen. Und je mehr wir das tun, desto stärker wird die Sucht und desto mehr meinen wir, unser Körper zu sein, der mit seiner Identität und der Umwelt verbunden ist und in der linearen Zeit lebt, denn darauf richten wir unsere gesamte Aufmerksamkeit.

Sobald das Gehirn derartig angeregt sowie der Überlebensmodus eingeschaltet ist und wir mit unserer Aufmerksamkeit von der Arbeit zu den Nachrichten, von der Exfrau über die Freunde zu den E-Mails, Facebook- und Twitter-Nachrichten wandern, werden diese verschiedenen neurologischen Netze (siehe Abbildung 2.5) sehr schnell aktiviert. Auf die Dauer wird durch diesen gewohnheitsmäßig engen Fokus und das Hin- und Herspringen der Aufmerksamkeit das Gehirn gleichsam in Einzelteile aufgespalten und funktioniert nicht mehr ausgewogen. Dadurch wird das Gehirn darauf trainiert, in einem ungeordneten, inkohärenten Muster und damit sehr ineffizient zu arbeiten. Wie bei einem Gewittersturm in den Wolken feuern verschiedene neuronale Netze ungeordnet, und das Gehirn arbeitet nicht mehr synchron. Der Effekt ist ähnlich wie bei Trommlern, die alle gleichzeitig auf ihre Trommel schlagen, aber nicht rhythmisch zusammenkommen.

Auf Kohärenz und Inkohärenz werden wir noch ausführlich eingehen; an dieser Stelle sei nur gesagt: Geht Ihr Gehirn in Inkohärenz, sind auch Sie inkohärent. Arbeitet Ihr Gehirn nicht optimal, funktionieren auch Sie nicht optimal.

Zu jeder Person, jedem Ding und jedem Ort, mit denen Sie im Leben in der Außenwelt Erfahrungen gemacht haben und die damit für Sie etwas Bekanntes sind, haben Sie auch eine entsprechende emotionale Verbindung, denn Emotionen, die ja Energie in Bewegung sind, sind die chemischen Rückstände von Erfahrungen. Leben Sie die meiste Zeit mit diesen süchtig machenden Stresshormonen, dann benutzen Sie womöglich Ihren Chef, um Ihre Sucht nach Wertung und Beurteilung, und die Kollegen, um Ihre Sucht nach Konkurrenzkampf zu bestärken. Mit den Freunden wird vielleicht die Sucht nach Leiden, mit den Feinden die Sucht nach Hass, mit den Eltern die Sucht nach Schuld, mit Facebook die Sucht nach Unsicherheit, mit den Nachrichten die Sucht nach Wut, mit dem Expartner die Sucht nach Groll und mit Ihrer Beziehung zu Geld die Sucht nach Mangel bestärkt.

Ihre Emotionen – das heißt Ihre Energie – sind also mit all den Menschen, Orten und Dingen vermischt – ja sogar daran gebunden –, mit denen Sie in Ihrer bekannten, vertrauten Realität Erfahrungen machen. Und das bedeutet: Es ist keine Energie mehr da, eine neue Stelle, eine neue Beziehung, eine neue finanzielle Situation, ein neues Leben oder sogar einen neu gesundeten Körper zu kreieren. Man kann es auch anders ausdrücken: Es bleibt keine Energie mehr für Ihre innere Welt der Gedanken und Gefühle übrig, solange die Frequenzen und Informationen, die Sie in Ihr Energiefeld abgeben (welches sich signifikant auf Ihr Leben auswirkt), von Ihrem Denken und Fühlen bestimmt werden und Ihre ganze Aufmerksamkeit (und damit Ihre gesamte Energie) an die Außenwelt gebunden bleibt, also an Menschen, Dinge, Orte und die Zeit. Je stärker die Emotionen, nach denen Sie süchtig sind, desto mehr Energie werden Sie in die betreffende Person, das Objekt, den Ort oder die Umstände in der Außenwelt stecken – und damit geben Sie den Großteil Ihrer schöpferischen Energie ab, und Ihr Fühlen und Denken entspricht all dem, was Ihnen bekannt ist. Mit einer solchen Sucht nach der Außenwelt ist es schwierig, Neues zu denken bzw. zu fühlen. Und möglicherweise werden Sie süchtig nach all den Menschen und Dingen in Ihrem Leben, die Ihr Problem hauptsächlich bzw. überhaupt erst verursacht haben. So geben Sie Ihre Kraft ab und gehen schlecht mit Ihrer Energie um. Die in Abbildung 2.5 aufgeführten Beispiele veranschaulichen, wie wir mit allem in unserer Außenwelt energetische Bindungen eingehen.

Jetzt wollen wir einen Blick auf Abbildung 2.6 werfen. Die beiden Atome auf der linken Seite des Diagramms sind über ein unsichtbares Energiefeld miteinander verbunden und teilen Informationen; diese Energie erzeugt eine Bindung zwischen ihnen. Auf der rechten Seite des Diagramms sind zwei Menschen zu sehen, die eine gemeinsame Erfahrung machen, nämlich Groll empfinden; auch sie sind über ein unsichtbares Energiefeld aneinander gebunden, stehen dadurch energetisch miteinander in Verbindung. In Wirklichkeit teilen sie dieselbe Energie und damit dieselben Informationen.

Um zwei Atome voneinander zu trennen, ist Energie erforderlich. Ebenso müssen Sie beim Meditieren Energie und Mühe aufwenden, um die Bindung Ihrer Aufmerksamkeit und Energie an immer dieselben Menschen, Orte und Dinge in der äußeren, physischen Welt aufzulösen. Da stellt sich die Frage: Wie viel schöpferische Energie ist in Schuld, Hass, Groll, Angst und im Gefühl des Mangels gebunden? All diese Energie könnten Sie verwenden, um sich ein neues Schicksal zu erschaffen.

Dazu müssen Sie all diesen äußeren Dingen Ihre Aufmerksamkeit entziehen und so über sie hinausgehen. Deshalb nutzen wir Meditation zum Verändern unserer inneren Verfassung; durch Meditieren können wir uns von unseren Verbindungen mit allem und jedem, überall und jederzeit lange genug frei machen, um uns auf die Reise nach innen zu begeben.

Sobald Sie Ihren emotionalen Körper überwunden und Ihre Aufmerksamkeit von all dem Bekannten in der Außenwelt abgezogen haben, können Sie Ihre Energie zu sich zurückholen.


Abbildung 2.6

Es ist wie bei zwei Atomen, die zu einem Molekül verbunden sind und damit Energie und Informationen miteinander teilen: Wenn zwei Menschen die gleichen Emotionen und dieselbe Energie miteinander teilen, die gleichen Gedanken und Informationen kommunizieren, entsteht auch zwischen ihnen eine Bindung. In beiden Fällen wird durch ein unsichtbares Energiefeld eine Bindung kreiert. Um zwei Atome voneinander zu trennen, ist Energie erforderlich; ebenso sind Energie und Gewahrsein vonnöten, um unsere Aufmerksamkeit von den Menschen und Lebensumständen abzuziehen, an die wir so viel kreative Energie abgegeben haben.

Dann können Sie die Fesseln sprengen, die Sie bislang an Ihre vergangene-gegenwärtige Realität (die immer dieselbe ist) binden. Sie »müssen« den Übergang von einer Person mit einem Körper hin zu einem Niemand ohne Körper vollziehen – und das heißt Ihre Aufmerksamkeit von Ihrem Körper, Ihren Schmerzen und Ihrem Hunger abziehen und sich von einem Jemand in einen Niemand verwandeln (also sich nicht mehr auf Ihre Identität als Partner, Elternteil oder Mitarbeiter fokussieren); Sie müssen Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf etwas lenken, sondern auf das Nichts (das heißt Ihre Hand, Ihre E-Mails und die Tasse Kaffee vergessen), nicht mehr an einem bestimmten Ort sein, sondern nirgendwo (nicht mehr an den Stuhl denken, auf dem Sie beim Meditieren sitzen, oder daran, wo Sie im Lauf des Tages noch sein werden), nicht mehr in der linearen Zeit, sondern in keiner Zeit sein (ohne ablenkende Erinnerungen oder Gedanken an die Zukunft).

Ich will damit nicht sagen, Ihr Smartphone oder Ihr Notebook oder Ihr Auto oder Ihr Bankkonto seien etwas Schlechtes; solange Sie allerdings gar zu sehr an diese Dinge verhaftet sind und Ihre Aufmerksamkeit so stark daran gefesselt ist, dass Sie an nichts anderes mehr denken (wegen der starken damit assoziierten Emotionen), nehmen diese Besitztümer Sie in Besitz. Und dann können Sie nichts Neues mehr erschaffen. Das können Sie nur, wenn Sie lernen, sämtliche aufgeteilte Energie zu sich zurückzuholen und die Überlebensemotionen zu überwinden, nach denen Sie süchtig sind und die Ihre gesamte Energie in Ihrer vergangenen-gegenwärtigen Realität festhalten. Sobald Sie Ihre Aufmerksamkeit von all diesen äußeren Dingen abziehen, werden Ihre energetischen und emotionalen Fesseln gelockert und Sie können genug Energie freisetzen, die Sie zum Erschaffen einer neuen Zukunft nutzen können. Dazu müssen Sie sich bewusst machen, worauf Sie unbewusst Ihre Aufmerksamkeit gerichtet haben, und wie beim Trennen zweier Atome ist Energie notwendig, um diese Fesseln bewusst zu sprengen.

Während der Workshops kommen ständig Leute zu mir und erzählen, ihr Computerlaufwerk sei abgestürzt, ihr Auto sei gestohlen worden, sie hätten ihre Arbeit verloren und kein Geld mehr. Und wissen Sie, was ich sage, wenn sie mir erzählen, sie hätten Dinge oder Menschen in ihrem Leben verloren? »Super, jetzt hast du ganz viel Energie, um dir ein neues Schicksal zu gestalten!« Und übrigens: Wenn Sie diese Arbeit gut bewältigen und es Ihnen gelingt, Ihre Energie zu sich zurückzuholen, fühlt sich das anfangs höchstwahrscheinlich unangenehm oder sogar ein bisschen chaotisch an. Stellen Sie sich darauf ein; bestimmte Bereiche Ihres Lebens fallen womöglich auseinander. Aber keine Sorge: Das soll so sein, denn Sie lösen die energetischen Bande zwischen sich und Ihrer immer gleichen vergangenen Realität auf. Alles, was schwingungsmäßig nicht mehr zu Ihrer Zukunft passt, fällt weg. Lassen Sie es zu! Versuchen Sie nicht, Ihr altes Leben erneut zusammenzusetzen; dafür sind Sie viel zu sehr mit dem neuen Schicksal beschäftigt, das Sie für sich herbeirufen.

Hier ist ein tolles Beispiel dafür: Ein Freund von mir, Vizepräsident einer Universität, kam drei Wochen, nachdem er mit dem Meditieren angefangen hatte, zu einer Vorstandssitzung. Er war das Rückgrat dieser Universität und bei den Studierenden und Fakultätsmitgliedern sehr beliebt. Er ging also in das Sitzungszimmer, setzte sich hin – und wurde gefeuert! Am Telefon sagte er zu mir: »Also, ich weiß nicht, ob dieser Meditationsprozess wirklich funktioniert. Der Vorstand hat mich gerade rausgeschmissen. Eigentlich sollte durch diese Arbeit doch was Tolles passieren, oder nicht?«

»Hör zu«, sagte ich, »klammere dich nicht an diese Überlebensemotionen, denn dann bist du in deiner Vergangenheit. Finde stattdessen immer wieder den gegenwärtigen Moment und kreiere von diesem Punkt aus!«

Innerhalb von zwei Wochen verliebte er sich in eine Frau und heiratete sie. Außerdem erhielt er schon bald das Angebot, als Vizepräsident für eine viel größere und bessere Universität zu arbeiten – was er dankbar annahm.

Ein Jahr später rief er mich wieder an und erzählte, das College, das ihn damals gefeuert hatte, habe ihn gebeten, zurückzukommen und Präsident zu werden.

Wir wissen also nie, was das Universum für uns noch auf Lager hat, wenn unsere alte Realität geht und die neue Realität sich zu entfalten beginnt. Nur eines kann ich Ihnen versichern: Das Unbekannte hat mich nie im Stich gelassen.

Die eigene Energie zurückholen

Um die Verbindung zur Außenwelt zu kappen, müssen Sie lernen, Ihre Gehirnwellen zu verändern. Deshalb wollen wir an dieser Stelle kurz auf die Gehirnwellenfrequenzen eingehen. Die meiste Zeit, die Sie wach und bewusst verbringen, befinden Sie sich im Betawellenbereich. Betawellen werden in niedere, mittlere und hohe Betawellen unterteilt. Niederfrequente Betawellen beziehen sich auf einen entspannten Zustand, in dem Sie aus der Außenwelt keine Bedrohungen wahrnehmen, aber sich Ihres Körpers in Raum und Zeit nach wie vor bewusst sind, beispielsweise beim Lesen, einem freundlichen, aufmerksamen Gespräch mit Ihrer Tochter oder wenn Sie sich einen Vortrag anhören. Im mittleren Betabereich sind Sie etwas wacher, beispielsweise wenn Sie eine Gruppe von Menschen kennenlernen und sich die einzelnen Namen merken sollen. Sie sind wachsamer, aber nicht übermäßig gestresst oder vollkommen aus der Balance. Mittelfrequentes Beta ist so eine Art guter Stress. Im hochfrequenten Betabereich ist der Pegel der Stresshormone hoch – die Überlebensemotionen treten bei Ihnen auf den Plan, beispielsweise Wut, Alarmbereitschaft, Aufregung, Leiden, Kummer, Angst, Frust oder auch Depressionen. Hochfrequente Betawellen sind bis zu dreimal so hoch wie niederfrequente und doppelt so hoch wie mittelfrequente Betawellen.

Wir verbringen im Wachzustand zwar die meiste Zeit im Betawellenbereich, wechseln aber im Lauf des Tages auch hin und wieder in das Alphawellen-Frequenzspektrum, und zwar, wenn wir entspannt, ruhig, kreativ oder auch intuitiv sind, also nicht mehr denken oder analysieren, sondern tagträumen oder uns in der Fantasie etwas vorstellen, ähnlich wie in Trance. Betawellen deuten darauf hin, dass die Aufmerksamkeit größtenteils auf der Außenwelt liegt, bei Alphawellen fokussieren wir verstärkt auf die Innenwelt.

Im Thetabereich gelangen wir in diesen Dämmerzustand, in dem das Gehirn zwar noch wach ist, der Körper aber in den Schlaf hinübergleitet. Diese Frequenz wird mit tiefen Meditationszuständen assoziiert. Deltawellen treten normalerweise während des regenerierenden Tiefschlafs auf. Mein Forschungsteam und ich haben allerdings in den letzten vier Jahren bei manchen Studierenden sehr tiefe Deltazustände während der Meditation aufgezeichnet. Dabei schläft der Körper fest, die Meditierenden träumen nicht, aber wie die Gehirnscans demonstrieren, verarbeitet das Gehirn Energie mit sehr hohen Amplituden. Solche Personen berichten von tiefen mystischen Erfahrungen des Einsseins und der Verbundenheit mit allem und jedem im Universum. Abbildung 2.7 zeigt einen Vergleich der unterschiedlichen Gehirnwellenzustände.

Gehirnwellen im Gammafrequenzbereich deuten auf einen Zustand hin, den ich Überbewusstsein nenne. Diese hochfrequente Energie tritt auf, wenn das Gehirn aufgrund eines inneren Ereignisses erregt wird (beispielsweise häufig beim Meditieren mit geschlossenen Augen, wenn sich die betreffende Person nach innen wendet) und nicht wegen etwas außerhalb des Körpers Geschehenden. Darauf gehen wir in nachfolgenden Kapiteln näher ein.


Abbildung 2.7

Vergleich unterschiedlicher Gehirnwellen

Aus dem hochfrequenten (oder auch mittleren) Beta- in den Alpha- und dann in den Thetawellenbereich zu wechseln ist für viele Meditierende eine der größten Herausforderungen; allerdings ist dies unabdingbar, denn durch das Herunterschalten in diese anderen Frequenzen ziehen sie die Aufmerksamkeit von der Außenwelt mit all ihren Ablenkungen ab, über die sie unter Stress gewohnheitsmäßig so viel nachdenken. Und da sie dann nicht mehr analysieren oder Strategien entwerfen in dem Versuch, sich basierend auf ihren angstvollen Erinnerungen an die Vergangenheit auf den schlimmstmöglichen Fall in ihrer Zukunft vorzubereiten, haben sie die Chance, präsent – nur im Jetzt – zu leben.

Wäre es nicht wunderbar, während der Meditation die Verbindung zu all den Elementen der Außenwelt zu trennen, um über Ihren Körper, Ihre Ängste, Ihre Termine hinauszugehen und die vertraute Vergangenheit sowie die vorhersehbare Zukunft zu vergessen? Sollte Ihnen das gelingen, vergessen Sie dabei sogar die Zeit. Genau das passiert, wenn Sie Ihr automatisches Denken, Ihre Emotionen und Ihre Gewohnheiten in der Meditation überwinden: Sie gehen über Ihren Körper, Ihre Umwelt und die Zeit hinaus. Sie schwächen die energetischen Bindungen an Ihre vergangene-gegenwärtige Realität und befinden sich im gegenwärtigen Moment. Nur in diesem gegenwärtigen Moment können Sie Ihre Energie zurückholen. Das kostet einige Anstrengung (durch entsprechendes Üben wird es jedoch einfacher), denn die meiste Zeit wird Ihr Leben von den Stresshormonen bestimmt.

Lassen Sie uns nun anschauen, was passiert, wenn Sie beim Meditieren nicht im gegenwärtigen Moment sind, damit Sie wissen, wie Sie gegebenenfalls damit umgehen können. Das ist wichtig, denn ohne über Ihren Stress, Ihre Probleme und Ihre Schmerzen hinauszugehen, wird es Ihnen nicht möglich sein, eine neue Zukunft ohne all diese Dinge zu erschaffen.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Meditieren, und Ihre Gedanken wandern ab. Das ist Ihr gewohnheitsmäßiges Denken, denn seit Jahren denken Sie immer das Gleiche, fokussieren Ihre Aufmerksamkeit immer auf dieselben Menschen und Dinge, zur gleichen Zeit und am selben Ort. Tag für Tag haben Sie automatisch dieselben vertrauten Gefühle übernommen, einfach um dieselbe Persönlichkeit zu bestärken, die mit Ihrer immer gleichen persönlichen Realität verbunden ist – dadurch haben Sie Ihren Körper andauernd auf die Vergangenheit konditioniert. Der einzige Unterschied besteht im Moment darin, dass Sie die Augen geschlossen haben, weil Sie zu meditieren versuchen.

Während Sie also mit geschlossenen Augen dasitzen, sehen Sie Ihre Chefin nicht auf der physischen Ebene, aber Ihr Körper möchte diese Wut spüren, denn sooft Sie sie während des Tages im Wachzustand sehen – 50-mal am Tag, an fünf Tagen die Woche –, steigen in Ihnen gewohnheitsmäßig Gefühle der Bitterkeit oder Aggressionen empor. Schickt sie Ihnen E-Mails (mindestens zehn am Tag), läuft es ähnlich: Sie haben unbewusst dieselbe emotionale Reaktion, Ihr Körper braucht sie also, um Ihre Sucht nach Wut zu bestärken; daran hat er sich gewöhnt. Er möchte die Emotionen fühlen, nach denen er inzwischen süchtig ist, und so wie ein Drogenabhängiger nach dem »Stoff« giert, verlangt der Körper nach den so vertrauten chemischen Substanzen. Er möchte die vertraute Wut auf Ihre Chefin spüren, die Sie wegen der verweigerten Beförderung empfinden, oder Ihr Urteil über Ihren Kollegen, der von Ihnen immer verlangt, dass Sie ihn vertreten. Dann wandern Ihre Gedanken zu anderen Kollegen, über die Sie sich ärgern, und zu noch mehr Gründen, um wütend auf Ihre Chefin zu sein. Da sitzen Sie und versuchen zu meditieren, aber Ihr Körper setzt alles daran, Sie davon abzuhalten, denn er möchte weiterhin seinen chemischen »Drogencocktail«, die vertrauten Emotionen spüren, die Sie normalerweise im Wachzustand mit offenen Augen fühlen.

Sobald Sie merken, was da passiert – nämlich, dass Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese Emotion richten –, werden Sie sich bewusst, dass Sie Ihre Energie in die Vergangenheit stecken (denn Emotionen sind Aufzeichnungen der Vergangenheit); Sie halten inne und kehren zum gegenwärtigen Moment zurück, ziehen Ihre Aufmerksamkeit und Energie aus der Vergangenheit ab.

Nach einer Weile sind Sie wieder frustriert, wütend oder verärgert und erkennen, was Sie da machen. Sie rufen sich in Erinnerung, dass Ihr Körper versucht, diese Emotionen zu spüren, um seine Sucht nach diesen chemischen Stoffen zu bestärken, und dass diese Emotionen Ihr Gehirn in den hochfrequenten Betawellenbereich treiben – und Sie halten inne. Sooft Sie innehalten, Ihren Körper beruhigen und zum gegenwärtigen Moment zurückkehren, teilen Sie Ihrem Körper mit, dass er nicht mehr der Geist ist – Sie sind der Geist!

Doch dann gehen Ihnen Gedanken über die Leute durch den Kopf, die Sie treffen müssen, über Orte, zu denen Sie gehen müssen, Dinge auf Ihrer heutigen To-do-Liste. Sie fragen sich, ob Ihre Chefin wohl diese eine E-Mail schon beantwortet hat; außerdem fällt Ihnen ein, dass Sie Ihre Schwester noch nicht zurückgerufen haben. Darüber hinaus wird heute doch der Müll abgeholt, Sie müssen also daran denken, die Mülltonne rauszustellen. Plötzlich wird Ihnen bewusst, wie Sie durch Vorwegnehmen dieser Zukunftsszenarien Ihre Aufmerksamkeit und Energie in dieselbe bekannte Realität investieren. Sie halten also inne, kehren zum gegenwärtigen Moment zurück, ziehen Ihre Energie aus dieser vorhersehbaren, bekannten Zukunft ab und machen dem Unbekannten Platz in Ihrem Leben.

Wie ein Blick auf Abbildung 2.8 zeigt, wandert Ihre Energie (durch Pfeile veranschaulicht), sobald Sie in diesem perfekten gegenwärtigen Moment voll unendlicher Möglichkeiten sind, nicht mehr von Ihnen weg und in die Vergangenheit oder Zukunft, wie das in Abbildung 2.3 dargestellt ist. Jetzt ziehen Sie Ihre Energie aus dieser vertrauten Vergangenheit und der vorhersehbaren Zukunft ab. Sie aktivieren und vernetzen nicht mehr die immer gleichen Schaltkreise auf dieselbe Weise, und da Sie auch nicht mehr die gleichen Emotionen fühlen, regulieren Sie auch nicht mehr dieselben Gene auf dieselbe Weise und senden ihnen nicht mehr die gleichen Signale. Durch kontinuierliches Praktizieren holen Sie ständig diese ganze Energie zurück, indem Sie die energetischen Bindungen an Ihre vergangene-gegenwärtige Realität auflösen; das geschieht, weil Sie Ihre Aufmerksamkeit und Energie von der Außenwelt auf die Innenwelt lenken und um Ihren Körper ein elektromagnetisches Feld aufbauen. Jetzt steht Ihnen freie Energie zur Verfügung, und die können Sie dazu nutzen, etwas Neues zu kreieren.

Und wen wundert’s – irgendwann geht Ihre Aufmerksamkeit wieder auf Wanderschaft. Sie bleiben beim Meditieren sitzen, und Ihr Körper wird immer ärgerlicher und ungeduldiger, weil er etwas tun will. Schließlich haben Sie ihn tagtäglich darauf programmiert, dauernd derselben Routine zu folgen. Er will nicht mehr meditieren, will die Augen aufmachen und jemanden sehen, etwas im Fernsehen hören oder mit jemandem telefonieren. Er möchte sich lieber das Frühstück schmecken lassen, als hier rumzusitzen und nichts zu tun, möchte den Kaffeeduft riechen, so wie jeden Morgen. Und würde liebend gerne etwas fühlen, beispielsweise eine heiße Dusche, bevor er mit seinem Tagewerk beginnt.

Der Körper möchte die physische Realität mit seinen Sinnen erfahren, um eine Emotion übernehmen zu können, doch unser Ziel besteht darin, eine Realität aus einer Welt jenseits Ihrer Sinne zu erschaffen, die nicht von Ihrem Körper als Geist definiert wird, sondern von Ihnen als Geist.

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609 p. 133 illustrations
ISBN:
9783867287623
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