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Die Baby Mission

Die Baby Mission: Copyright © 2020 von Jessa James

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln, elektronisch, digital oder mechanisch, reproduziert oder übertragen werden, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Fotokopieren, Aufzeichnen, Scannen oder durch irgendeine Art von Datenspeicherungs- und Datenabfragesystem ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung des Autors.

Veröffentlich von Jessa James

James, Jessa

Cover design copyright 2020 by Jessa James, Author

Images/Photo Credit: Deposit Photos: gstockstudio

Hinweis des Herausgebers:

Dieses Buch wurde für ein erwachsenes Publikum geschrieben. Das Buch kann explizite sexuelle Inhalte enthalten. Sexuelle Aktivitäten, die in diesem Buch enthalten sind, sind reine Fantasien, die für Erwachsene gedacht sind, und jegliche Aktivitäten oder Risiken, die von fiktiven Personen innerhalb der Geschichte übernommen werden, werden vom Autor oder Herausgeber weder befürwortet noch gefördert.

Inhalt

1. Jett

2. Cady

3. Jett

4. Cady

5. Jett

6. Cady

7. Jett

8. Cady

9. Jett

10. Cady

11. Jett

12. Cady

13. Jett

14. Cady

15. Jett

16. Cady

17. Jett

18. Jett

19. Cady

20. Jett

21. Cady

22. Jett

23. Cady

24. Jett

25. Cady

Epilog

Bücher von Jessaa James

Also by Jessa James (English)

Über die Autorin

1

Jett

„Ich sage euch, Frauen sind alle gleich“, lamentiere ich. „Sie wollen nur, dass man glaubt, dass manche von ihnen anders sind…“

Mason und Alex, meine zwei besten Freunde, schauen nicht einmal zu mir, während wir die Treppe zum Dach erklimmen. Sie haben das alles schon mal gehört, aber sie hören mir trotzdem zu. Sie sind gute Freunde.

Ich bin leicht außer Puste, als wir das sechste Stockwerk erreichen. Ein kleines Grüppchen Frauen kommt die Treppe herunter, wobei ihre High Heels abgehackte Klack-klack-klack Geräusche auf dem Betonboden erzeugen. Eine Sekunde lasse ich mich von den Frauen ablenken, ihrem strahlenden Lächeln und meilenlangen Beinen.

Mir gefällt der Look der Frau, die vorne geht und das Rudel anführt. Es ist eine Blondine in einem pinken Minikleid. Sie stellt eine Sekunde Augenkontakt mit mir her, errötet dann und beißt sich auf die Lippe.

Sie betrachtet mich ebenfalls, mich und Mason und Alex. Drei große, gut aussehende Männer in karierten Hemden und Jeans. Sie versucht vermutlich, zu entscheiden, wer von uns der Schärfste ist.

Alex ist mühelos der Größte von uns. Mit knapp zwei Metern überragt er Mason und mich um einige Zentimeter. Zudem veranlasste es die College Football Scouts dazu, an seine Tür zu klopfen, als er siebzehn war.

Mason verkörpert diesen ganzen düsteren und gefährlichen Look, vor allem mit seiner Nase, die schon ein halbes Dutzend Mal gebrochen wurde. Auf ihn stehen Frauen, die sich zu seiner abgebrühten leg-dich-nicht-mit-mir-an Persona hingezogen fühlen.

Und ich? Ich bin verdammt groß, ich besitze einen guten Körper und ich habe ein tolles Gesicht. Ich bedenke die Frau, die Blickkontakt mit mir herstellt, mit meinem gefährlichsten Lächeln. Sie stolpert leicht und streckt die Hand aus, um nach der Wand zu greifen und sich abzufangen.

Bingo, denke ich. Das fühlt sich echt ziemlich befriedigend an.

Und dann verschwinden sie aus unserem Sichtfeld. Wir erreichen eine schlichte Metalltür und obwohl sie geschlossen ist, kann ich die Party hören, die auf der anderen Seite tobt. Das Wub-dub-dub des Basses kann man sogar durch die Tür hören.

Ich stoße die Tür auf und trete hinaus in die kühle Luft an diesem Spätfrühlingsabend. Die Party findet auf einem Dach statt, auf dem Lichterketten gespannt wurden und unter denen sich über hundert Leute unterhalten und tanzen. Sofort werde ich von lauter, poppiger Musik und großen, bunten Lichtern eingehüllt, die über der ganzen Feier aufblitzen.

„Jett, komm schon“, sagt Mason, der mich am Arm berührt und mit dem Kopf zu einer Bar ruckt, die uns gegenüber aufgebaut ist.

Ich folge Mason, wobei ich mich durch die Menge schlängle. Hier und da fange ich Blicke von Frauen auf, was mich pervers hoffnungsfroh stimmt. Ich möchte ihre Aufmerksamkeit nicht unbedingt jetzt, aber ich werde sie eventuell später wollen. Wenn ich erst einmal ein paar Bierchen gezischt habe, werde ich Emily vielleicht vergessen und mich darauf konzentrieren können, was mein Körper braucht.

Bei dem Gedanken an Emily verziehe ich finster das Gesicht. Emily ist genau mein Typ: blonde Haare, honigbraune Augen und sie hat die zierliche Gestalt einer Tänzerin. Emily ist außerdem eine verdammte Schlampe, die mir das Herz aus der Brust gerissen hat und darauf herumgetrampelt ist.

Das wäre da also auch noch.

Mason entdeckt einen Eimer mit Eis, der bis zum Bersten mit Bierflaschen gefüllt ist, von denen sich jeder von uns dreien eines schnappt. Es ist ein Miller High Life, nichts Überragendes. Ich schnipse den Kronkorken weg, trinke einen Schluck und spüre, wie mir das Bier kühl die Kehle hinabrinnt.

Alex führt uns zu einer freien Stelle an der Wand, wo wir stehen bleiben und die Party beobachten.

„Wofür ist diese Party nochmal?“, erkundigt sich Mason.

„Mein Manager veranstaltet sie“, erwidert Alex achselzuckend. „Irgendetwas von wegen Frühlingsritual.“

„Seid ihr immer noch auf der Jagd nach einem anderen NFL Team?“, frage ich Alex.

„Jepp. Ich bin noch nicht bereit, das Handtuch zu werfen.“

„Das solltest du aber nach diesem fürchterlichen Sturz, den du letztes Jahr hattest“, meint Mason. „Ich hab mir das Spiel angesehen, als dich diese drei Kerle niedergerungen haben.“

Alex verlagert sein Gewicht und seine Körpersprache zeigt deutlich, dass er nicht darüber reden möchte. Ich war früher eine recht große Nummer beim Baseball, also kann ich ansatzweise nachvollziehen, was in ihm vorgeht.

„Hey, hab ich euch erzählt, dass die Leute in meinem Büro diese fake Sammelkarten gemacht haben? Wartet kurz, lasst mich eine rausholen…“, sage ich und ziehe eine Karte aus meinem Portemonnaie. „Sie sollen wie diese Baseballsammelkarten aussehen, aber sie sind für die Sportagenten bei Sampson.“

„Das ist kein übles Foto von dir“, merkt Mason an. Er zieht mir die Karte aus den Fingern, hält sie neben meinen Kopf und kneift die Augen zusammen. „Mit dem Teil könntest du wirklich gute Pussys an Land ziehen, weißt du.“

„Nicht schlecht“, meint auch Alex, der an seinem Bier nippt.

„Emily meinte, dass es ein blödes Foto von mir ist“, erwidere ich, nehme ihm die Karte weg und stecke sie zurück in mein Portemonnaie.

„Oh mein Gott. Tja, wenn Emily es sagt, dann muss es natürlich stimmen!“, entgegnet Mason und rollt mit den Augen. „Ich habe es so satt, ihren Namen zu hören. Sie hat dir aus total dämlichen Gründen den Laufpass gegeben. Also hak das Ganze einfach ab.“

„So einfach ist das nicht“, protestiere ich, aber selbst in meinen Ohren hört es sich kläglich an.

„Es ist einen Monat her, Mann“, sagt Alex und klopft mir auf den Rücken. „Sie vögelt wahrscheinlich schon einen Neuen. Du solltest dir ein Beispiel an ihr nehmen.“

„Ja, ja“, sage ich.

„Im Ernst, hör mit dem Jammern auf und lass es krachen. Sieh dich doch nur auf dieser Party um. Hier sind sexy Frauen, wohin man schaut“, beteuert Mason.

Ich nehme mir eine Minute, um meinen Blick über die Party schweifen zu lassen und muss feststellen, dass Mason recht hat. Auf dieser Party sind ein Haufen Frauen, die miteinander tanzen oder bei einander stehen, um sich zu unterhalten.

„Ich glaube, ich habe gerade entdeckt, bei wem ich heute mein Glück versuchen werde“, verkündet Alex. „Wenn ihr mich entschuldigen würdet…“

Er läuft auf die andere Seite der Party. Allein seine Größe sorgt dafür, dass die Leute ihm Platz machen, während er sich mit den Schultern durch die Menge schiebt.

„Siehst du? So einfach ist das“, erklärt Mason.

„Ich kann jedes Mädel abschleppen, das ich haben will“, sage ich und ziehe eine Augenbraue hoch. „Ich bin Jett James.“

„Ich würde nicht unbedingt sagen jedes Mädel.“

„Ernsthaft?“, frage ich und hebe abermals die Augenbraue. „Wie wäre es damit? Du wählst das Mädel aus. Und ich wette mit dir um Plätze in der ersten Reihe bei den Hawks.“

Mason wirft mir von der Seite einen Blick zu. „Okay, aber du kannst mit dem Mädel, das ich auswähle, nicht einfach nach Hause gehen. Du musst auf ein Date mit ihr gehen.“

„Ein Date? Wirklich?“, frage ich.

„Es ist zu leicht, einfach mit einem Mädel nach Hause zu gehen und sie nie wiederzusehen. Komm schon, das wird dir guttun.“

„Fuck, okay“, stimme ich zu, während ich mir über den Nacken reibe. „Versprich mir nur, dass du jemand Gutes aussuchen wirst.“

Seine Augenbrauen schnellen in die Höhe. „Ich fühle mich gekränkt, dass du überhaupt etwas anderes denkst.“

Ich grunze bloß und nippe an meinem Bier. Mason ist damit beschäftigt, sich umzuschauen.

„Was ist mit ihr, der Blondine in dem roten Minikleid? Sie ist mein Typ“, sage ich.

Mason sieht zu mir, leicht verärgert.

„Du hast gesagt, dass ich wählen darf. Außerdem bin ich schrecklich gelangweilt von den Blondinen, die du immer anschleppst. Sie sind, wie du so schön sagst, alle genau gleich. Klein, dürr und blond.“ Er verzieht das Gesicht. „Du brauchst eine, die ein bisschen anders ist. Betrachte das als deinen Geschmacksneutralisator.“

„Pfff“, mache ich und winke mit der Hand ab. „Du beschwerst dich zu viel.“

„Schh, lass mich schauen.“ Seine Brauen senken sich konzentriert. „Ah. Wie wäre es mit der dort drüben? Die Brünette mit dem roten Sweater und dem Rock.“

Ich schaue in die Richtung, in die er blickt, und nach einer Sekunde entdecke ich sie. Sie sieht regelrecht akademisch aus, aber auf eine attraktive Art. Sie hat lange Haare, genau in der Farbe eines Rabenflügels, und olivfarbene Haut. Eine schwarz umrahmte Sonnenbrille ruht auf ihrem Kopf. Sie trägt einen roten Oversized-Sweater, einen schwarzen Bleistiftrock und ein Paar kirschroter High Heels.

Sie hält auch eine große schwarze Handtasche in der Hand und spielt an ihrem iPhone herum. Plötzlich verzieht sie säuerlich das Gesicht und beginnt etwas auf ihrem Handy zu tippen. So wie ihre Daumen über das Display fliegen, kann ich mir gut vorstellen, dass jetzt jemanden in Schwierigkeiten steckt.

Sie sieht aus, als wäre sie klug, aber sie steht bestimmt nicht auf die Ex-Sportler Masche, die ich am Laufen habe. Was auch in Ordnung ist, da sie wie jemand aussieht, der mir Englisch beibringen möchte, nicht wie jemand, mit dem ich auf ein Date gehen würde.

„Sie ist hübsch“, gebe ich zu. „Aber sie sieht langweilig aus. Schau, ihre Freundinnen versuchen, sie zum Tanzen zu bewegen. Ich wette, sie wird ablehnen.“

Einige Sekunden später hat sie das Flehen ihrer Freundinnen abgewiesen und steht ein weiteres Mal allein da.

„Ich habe ein gutes Gefühl bei ihr“, verkündet Mason. „Sie ist definitiv die Richtige.“

„Komm schon, du musst eine auswählen, die interessanter ist“, protestiere ich. „Wie… irgendeine andere auf dieser Party.“

„Ich dachte, Jett James könnte jede abschleppen?“, entgegnet er mit einem selbstgefälligen Grinsen im Gesicht.

„Sie sieht aus, als hätte sie gerade eine ganze Zitrone verschluckt.“

„Und?“, sagt er. „Du hast gesagt, du würdest Hawks Karten darauf wetten.“

Fuck. „Okay, okay. Ich gehe ja schon.“

Ich werfe ihm einen bösen Blick zu, während ich mich durch die Menge schiebe und zu der Stelle kämpfe, an der sie an der Wand lehnt. Ich bemerke, dass ihr Fuß im Takt mit der Musik auf dem Boden wippt, obwohl sie geradezu angepisst aussieht.

„Entschuldigung“, sage ich und trete vor sie.

Sie sieht zu mir hoch, ihre grauen Augen unsicher. „Ja?“

Ich mag ihre Stimme, ein kehliges, samtenes Schnurren.

„Ich bin nur hergekommen, um dir zu sagen, dass du atemberaubend bist“, sage ich. Ich zucke leicht zusammen, weil die Musik urplötzlich mitten in meinem Satz lauter wird. Meine Worte sind verloren.

Sie schneidet eine Grimasse, was irgendwie witzig aussieht. „Was?“

Ich beuge mich näher zu ihr und erhasche eine Nase voll von ihrem Parfüm. „Ich sagte, du bist atemberaubend.“

Ihr Gesicht verzieht sich innerhalb eines Herzschlags ablehnend. Es entsteht eine Sekunde, in der ich ihre Augen auf mir spüren kann, in der ich merke, dass sie meine Kleider und meine Größe mustert, in der sie irgendetwas abwägt. Sie nimmt auch die Tattoos wahr, die sichtbar sind. Und dann sehe ich Ablehnung auf ihren Zügen, ohne dass sie mich überhaupt kennt.

Im Grunde genommen hat sie aufgrund von irgendwelchen Kriterien, die ich nicht kenne, beschlossen, dass ich ihre Zeit nicht wert bin.

Das fühlt sich nicht gut an.

„Oh, ähh – Danke?“, sagt sie. Ich merke schon, dass sie das Gespräch gleich beenden wird.

Wo ist der berühmte Jett James Charme hin?, wundere ich mich.

„Hey, würdest du mir einen Gefallen tun?“, frage ich, ohne richtig darüber nachzudenken. „Meine Ex Emily ist hier und sie beobachtet mich heimlich. Wäre es okay, wenn ich einfach so tue, als hätten du und ich einen guten Draht zueinander gefunden?“

Ihre Augen sind auf ihr Handydisplay gesunken, aber schnellen jetzt wieder hoch zu meinen. Sie mustert mich eine weitere Sekunde, wobei ihre dunkelgrauen Augen wie ein Sturm wirken, der sich zusammenbraut.

„Ähmmm…“, macht sie, offensichtlich hin und her gerissen zwischen mir und was auch immer auf ihrem Handy ist.

Verdammt, bin ich so uninteressant?

„Klar“, stimmt sie schließlich zu, aber es fühlt sich an, als hätte ich sie gerade erst dazu gebracht, mich anzuschauen. Zeit, umwerfend zu sein, denke ich

Ich grinse sie an und rücke ein Stückchen näher zu ihr. „Du würdest es mir doch sagen, wenn dir diese fake Beziehung Umstände bereiten würde, oder?“

Ich sehe, wie sie leicht an ihrer Lippe knabbert und ihre Stirn in Falten legt. Sie will es eigentlich nicht, aber sie lehnt sich ganz leicht zu mir. Ich fasse das als Zeichen dafür auf, dass mein Lächeln funktioniert hat.

Ich bin drin, denke ich.

„Also, nur ein Wort und du trittst den Rückzug an?“, will sie in unbeschwertem Tonfall wissen.

„Natürlich. Ich hoffe allerdings, dass du das nicht tun wirst. Nur, damit mir diese Schmach erspart bleibt.“ Ich lege meine Hand auf mein Herz, aber kann mich gerade noch davon abhalten, eine flehende Miene aufzusetzen.

Sie scheint das für bare Münze zu nehmen und nickt.

„In Ordnung. Welche ist sie?“, will sie wissen, während sie sich auf der Party umsieht.

Scheiße. Darauf hätte ich vorbereitet sein sollen. Ich lasse meinen Blick über die Menge schweifen auf der Suche nach einer Frau, die vage wie Emily aussieht.

„Ähhh… sie ist dort drüben“, antworte ich und nicke zu einer hübschen, dünnen Blondine am Ausgang. „In dem schwarzen Einteiler.“

„Ah“, sagt sie nickend. „Sie ist hübsch.“

Ich schneide eine Grimasse und sie läuft rot an.

„Sorry“, entschuldigt sie sich. „Ich würde ja fragen, warum ihr kein Paar mehr seid, aber ich will kein Salz in die Wunden streuen.“

„Du kannst es wiedergutmachen, da bin ich mir sicher“, erwidere ich mit einem Lächeln.

Ihr Augenrollen ist besonders episch. Mein Lächeln wird zu einem Grinsen. Ich nehme einen Schluck von meinem Bier, das inzwischen ziemlich abgestanden und warm ist.

Ich werfe einen Blick über meine Schulter, um nachzuschauen, was Mason gerade macht, aber er ist nirgends zu sehen. Drecksack.

Als ich meinen Blick wieder auf sie richte, starrt sie erneut mit düsterer Miene und gekräuselter Stirn auf ihr Handydisplay. Scheiße, sie verliert schon wieder das Interesse. Warum zum Henker musste Mason ausgerechnet sie aussuchen?

Ich brauche eine andere Herangehensweise.

„Hey, was gibt’s auf deinem Handy so Interessantes?“, frage ich.

Sie sieht zu mir auf. „Eine E-Mail von meinem Boss. Ich bin Anwältin und mein Boss drückt sich gerne sehr geschwollen aus. Aber so sehr ich es auch versuche, ich werde aus dieser E-Mail einfach nicht schlau.“

Ich lege meinen Kopf zur Seite. Wie soll ich das angehen? Ich schätze, ich habe es noch nicht mit dem offensiven Vorgehen probiert…

„Darf ich dir eine Frage stellen?“, erkundige ich mich.

„Klar. Schieß los“, sagt sie und schaltet das Display ihres Handys aus. Sie schaut zu mir.

Ich beuge mich zu ihr, senke meine Stimme und mache Gebrauch von der vollen Kraft meiner dunkelblauen Augen. „Hast du einen Freund oder Ehemann?“

Sie errötet, das helle Rosa überzieht ihre hohen Wangenknochen. „Nein.“

„Okay. Wie wäre es dann damit? Du steckst dein Handy zwanzig Minuten weg und erlaubst mir, dich zu unterhalten.“

Das helle Rosa breitet sich auf ihre Wangen aus. „Okay…“, erwidert sie zögernd.

Sie lässt ihr Handy mit einem befriedigenden Klonk in ihre Handtasche fallen. Ich grinse und strecke meine Hand aus.

„Jett James.“

„Cady Ellis“, sagt sie. Ihr Griff ist fest, sogar dominierend.

Ein Bild, wie ich sie im Bett dominiere und sie jede einzelne Sekunde dagegen ankämpft, bis sie meinen Namen schreit, taucht vor meinem inneren Auge auf. Hitze schießt direkt in meinen Schwanz.

In diesem Moment beschließe ich, dass ich sie mag.

„Ist mir ein Vergnügen“, versichere ich ihr. „Wie es aussieht, bist du mit deinem Drink fertig. Wie wäre es, wenn wir rüber zur Bar gehen und dir noch einen besorgen?“

„Oh, ich weiß nicht… ich muss morgen arbeiten…“, wendet sie ein. Aber ich merke, dass sie eigentlich noch einen Drink möchte, eine Ausrede zum Flirten möchte.

„Komm schon. Nur noch ein Drink“, sage ich und reiche ihr meine Hand. Ich zwinkere ihr zu. „Unsere Beziehung braucht ein bisschen Pepp.“

Sie verdreht die Augen, aber erlaubt mir, sie zur Bar zu führen. Ich bestelle puren Whisky für mich und sie bestellt einen Wodka mit etwas Soda und extra Limettenscheiben.

„Und zwei Tequila Shots“, sage ich. „Tu erst gar nicht so, als würdest du keinen wollen. Du bekommst den Shot.“

Ihre Brauen heben sich, aber sie lehnt nicht ab. „Na schön.“

Der Barkeeper gießt die zwei Shots ein und reicht mir die Zitronen. Ich schiebe ihr das Shotglas zu und hebe meines.

„Worauf sollen wir trinken?“, will sie wissen.

„Auf eine gute Nacht“, antworte ich und stoße mein Glas an ihres. Ich kippe den Alkohol meine Kehle hinab, was brennt, aber so gut schmeckt. Die Zitrone nimmt die Schärfe und schmeckt nach dem Tequila süßlich sauer.

„Meine Güte“, sagt sie und erschaudert, während sie in ihr Zitronenstück beißt. „Ich habe seit dem College keinen Tequila mehr getrunken.“

Ich zwinkere ihr zu und stecke das benutzte Zitronenstück in mein Shotglas. „Komm, lass uns zur Dachkante rüber gehen. Ich schaue mir die Stadt gerne aus verschiedenen Perspektiven an, wann immer ich die Möglichkeit dazu bekomme.“

Ich führe den Weg an und sie folgt mir zur Kante, die mit Metallstangen abgegrenzt wurde. Ich schaue über diese hinweg und werde mit einer Aussicht auf eine belebte Straßenecke in Downtown Atlanta aus dem achten Stock belohnt. Obwohl es spät am Abend ist, herrscht noch immer reger Verkehr, wodurch mir ein Meer aus roten Rücklichtern entgegen blinkt.

Cady stoppt neben mir und beugt sich über die Brüstung, um nach unten zu spähen. Ich werfe einen Blick auf ihren Hintern, der gerade zufälligerweise echt verdammt fantastisch aussieht, so wie sich ihr Bleistiftrock an ihn schmiegt.

„Alles ist so klein von hier oben“, seufzt sie.

„Ich denke, da spricht der Tequila aus dir“, sage ich und wackle mit den Augenbrauen.

Sie betrachtet mich flüchtig. „Ja, klar.“

Sie wendet sich von der Aussicht ab und legt ihre Ellbogen auf die oberste Metallstange. Ich ahme ihre Haltung nach und bemerke, dass ich einen halben Kopf größer bin als sie. Das ist ein viel geringerer Größenunterschied als ich es von den Frauen gewohnt bin, mit denen ich normalerweise ausgehe, aber es ist dennoch angenehm.

Sie wirft mir verstohlen einen Blick zu und nippt anschließend an ihrem Drink.

„Was arbeitest du?“, fragt sie.

„Ich bin Sportagent“, antworte ich. „Aber früher war ich professioneller Baseballspieler.“

Ihre Augenbrauen schießen in die Höhe. „Wirklich?“

„Jepp. Ich war drei Jahre lang ein Center Fielder bei den Atlanta Braves.“

„Warum spielst du nicht mehr für sie?“, hakt sie nach und legt den Kopf auf eine Seite.

Ich verziehe das Gesicht. „Meine Rotatorenmanschette ist gerissen. Der Teamarzt hat nur einen Blick auf meine Schulter geworfen und gesagt, dass ich operiert werden müsse. Und das war’s dann mehr oder weniger, zumindest in Hinblick auf meine Karriere.“

„Meine Güte. Das tut mir leid“, sagt sie, während sie meine Schulter beäugt. Erneut kann ich diesen kalkulierenden Blick spüren, ihre stahlgrauen Augen mustern mich, während sie versuchen, irgendeine Berechnung anzustellen.

„Ist schon in Ordnung. Ich darf etwas tun, das ich liebe, weshalb ich mich nicht wirklich darüber aufregen kann.“ Ich nehme einen Schluck von meinem Whisky und genieße das Brennen, als ich schlucke. „Was arbeitest du nochmal?“

„Ich bin Anwältin. Eine Zivilprozessanwältin, um genau zu sein. Ich arbeite bei Hansen & Felder.“

„Ich fürchte, ich weiß gar nichts über das Gesetz.“

„Wir sind eine der Topkanzleien in der Stadt“, erklärt sie steif.

„Das klingt gewaltig“, necke ich sie. Sie blickt zu mir und kichert.

„Yeah. Es ist nicht gerade romantisch“, gibt sie zu. Ihr Handy beginnt sehr beharrlich in ihrer Tasche zu vibrieren. „Argh, genau das meine ich. Es ist halb elf an einem Freitagabend und ich werde trotzdem noch angerufen.“

„Sag ihnen, dass du früh ins Bett gegangen bist. Du hast dich etwas kränklich gefühlt und wolltest es auskurieren.“ Ich ziehe meine Brauen hoch. „Auf die Art hast du für morgen auch gleich noch eine Ausrede parat.“

Wieder kann ich ihr am Gesicht ablesen, dass sie meinen Vorschlag annehmen möchte, aber ein Teil von ihr zögert.

„Oh, ich weiß nicht…“, meint Cady und kräuselt die Nasse.

„Weißt du, was du tun musst?“, frage ich.

„Ähmmm, tatsächlich früh ins Bett gehen?“

„Nein, ich denke, du musst tanzen.“

„Oh, ich weiß nicht, Jett –“, protestiert sie. Ihre Körpersprache ist auf alle möglichen Arten widersprüchlich.

„Das verheißt nichts Gutes für unsere Beziehung, Cady“, necke ich sie. „Gib dir einen Ruck, nur ein Tanz.“

Sie schneidet eine Grimasse, aber erlaubt mir, ihr das Glas abzunehmen und wegzustellen. Ich nehme ihre Hand in meine, wobei ich bemerke, wie zierlich ihre wirkt, und führe sie zu einem Bereich, wo einige Leute tanzen.

Anfangs ist Cady steif und ihr steht ins Gesicht geschrieben: „Mir fallen zehn Dinge ein, die ich lieber tun würde.“ Sie bewegt sich, als wäre sie aus Holz geschnitzt und berührt mich kaum.

So wird das nichts.

Ich drehe sie sanft um und dirigiere ihren Körper an meinen. Die Musik pulsiert und wir bewegen uns mit ihr. Zunächst langsam, dann wilder, bis sie sich praktisch an mir reibt.

Fuck ja, denke ich. Gott, sie fühlt sich gut an.

Cady überrascht mich, indem sie sich umdreht, ihre Arme um meinen Hals schlingt und mich küsst. Damit erwischt sie mich zuerst eiskalt, aber ihre Lippen sind weich und süß. Einladend.

Die Empfindung schießt direkt in meinen Schwanz und ich bin sogleich verdammt steinhart.

Ich übernehme die Kontrolle über den Kuss, dominiere ihre Lippen und lasse meine Zunge über ihre gleiten. Sie schmeckt verdammt fantastisch, wie frische Minze und Wodka. Ich könnte die ganze Nacht lang von ihren Lippen kosten.

Sie weicht zurück, wobei sie praktisch keucht. „Möchtest du mit zu mir kommen? Ich wohne nicht weit von hier.“

Oh, fuck ja. Das möchte ich wirklich unbedingt.

Doch plötzlich ist Mason in meinem Kopf und verdirbt alles. Es ist zu leicht, einfach mit einem Mädel nach Hause zu gehen und sie nie wiederzusehen.

Ich starre auf sie hinab, ihren Geschmack nach wie vor auf meinen Lippen. Es wäre großartig, ihr Angebot anzunehmen, einfach zu ihrer Bleibe zu gehen und sie bis zum Sonnenaufgang zu vögeln. Aber irgendetwas an ihr hindert mich daran, genau das zu tun.

Fühlt es sich so an, ein Gentleman zu sein?, wundere ich mich.

„Weißt du, es gibt nichts, das ich lieber tun würde, als mit dir nach Hause zu gehen und dich dazu zu bringen, immer wieder meinen Namen zu schreien, bis du heiser bist“, flüstere ich, wobei ich mich nah zu ihr beuge. „Aber ich glaube nicht, dass das gut für unsere Beziehung wäre. Ich kann nicht mit dir nach Hause gehen, wir hatten noch nicht einmal unser erstes Date.“

Sie läuft sofort knallrot an. „Ich… ich… ich sollte gehen…“

Cady kramt ihr Handy aus ihrer Handtasche und wendet sich ab. Mein Arm schnellt nach vorne und ich packe sie, ziehe sie zurück.

„Du gehst nicht ohne meine Nummer“, sage ich. „Versuch es erst gar nicht.“

Ich pflücke ihr das Handy aus der Hand und ignoriere ihren fassungslosen Gesichtsausdruck, mit dem sie mich bedenkt. Es dauert nur wenige Sekunden, meinen Namen und Nummer einzuspeichern und dann rufe ich mich an. Mein Handy beginnt „Swimming Pools“ von Kendrick Lamar abzuspielen und ich zwinkere ihr zu.

„Jetzt hab ich deine Nummer“, stichle ich. Ich gebe ihr das Handy zurück.

„Argh, auf Wiedersehen“, sagt sie und wendet sich abermals ab.

Ich kann der Gelegenheit nicht widerstehen, sie nochmal zu packen und zu mir herum zu wirbeln, meine Hüften an ihre zu pressen und ihren Mund erneut zu erobern. Ihre Fingernägel bohren sich in meine Brust, aber ich kann sehen, dass ihr ein wenig Dominanz gefällt.

Ich gebe sie frei und es juckt mich förmlich in den Fingern, ihr einen Klaps auf den Po zu geben. Ehrlich gesagt, bettelt dieser Bleistiftrock geradezu darum.

„Jetzt kannst du gehen“, sage ich mit einem Grinsen.

Ich wünschte, ich hätte ein Foto von ihrer Miene, der Empörung vermischt mit dem sexuellen Interesse. Die Empörung gewinnt und sie schnaubt, ehe sie auf dem Absatz kehrt macht. Ich beobachte, wie sie, so schnell sie kann, auf ihren hohen High Heels flieht.

Ich lasse meine Knöchel knacken, denn ich glaube, ich hätte einfach mit ihr nach Hause gehen sollen, scheißegal, was Mason gesagt hat.

Während ich mich auf den Weg zum Ausgang mache, verschiebe ich die Beule in meiner Hose und sehe mich um. Mason und Alex sind nirgends zu sehen. Einfach typisch.

Ich steige die Stufen langsam nach unten und denke an Cady. Ihren roten Sweater, ihren Bleistiftrock, ihre High Heels.

Yeah, Frauen sind alle gleich… Aber wenigstens hat eine mein Interesse geweckt.

Ich lächle, während ich die Treppe nach unten laufe.

2

Cady

Ich öffne meine Augen und ächze. Gerade dringt nicht nur sanftes Morgenlicht in mein Zimmer, sondern strahlend heller Sonnenschein. Milo, zum Kampfschmuser mutierter Streuner, schnurrt und reibt sein Kinn an meinen Fingern.

„Fuuuuuuck“, stöhne ich und rolle zur Seite. Milo betrachtet mich mit purer Verurteilung in seinem ihm gebliebenen blauen Auge. Das andere wurde schon lange zugenäht und ist längst verheilt. Er ist ein Siamkatzenmischling und tierisch hochnäsig für jemanden, den ich aus einer Mülltonne vor meinem Haus gerettet habe.

Milo ist es piep egal, dass ich gestern Abend einen trinken war. Er reibt abermals sein Kinn an meiner Hand, miaut mit seiner kratzigen Stimme und fordert Streicheleinheiten ein. Ich streichle über seinen Kopf und er bricht in ein wahres Schnurrkonzert aus und maunzt glücklich.

„Du bist einfach furchtbar“, teile ich Milo mit. Er klettert auf meine Brust, sein Gewicht ist sehr leicht. Obwohl ich ihn bereits seit einem Jahr habe, hat sein Gewicht nie die zehn Pfund Marke überschritten. „Ich weiß dein Theater hier überhaupt nicht zu schätzen.“

Er knetet die Decke auf meiner Brust mit seinen Krallen und springt dann von mir. Er läuft zum Bettende, von wo er erwartungsvoll zu mir zurückblickt. Ich seufze laut über seinen Versuch, mich in die Küche zu locken und ihm sein Dosenfutter zu geben.

„Du hast genug Trockenfutter“, schimpfe ich böse.

Ich rolle mich abermals herum und setze mich auf, wobei ich einen jämmerlichen Laut von mir gebe. In diesem Moment spüre ich jedes einzelne meiner dreiunddreißig Jahre und dann noch ein paar mehr. Ich bin wirklich keine zwanzig mehr und habe den Kater, sowohl im übertragen als auch wortwörtlichen Sinne, um es zu beweisen.

Ich ziehe ein T-Shirt über meinen Slip, der erste Schritt von vielen, um diesen Tag zu beginnen. Ich werfe einen Blick auf mein Handy und stelle fest, dass erst neun Uhr ist. Normalerweise würde ich komplett in Panik ausbrechen, aber ich weiß, dass ich den Tag frei habe.

Nun, vielleicht nicht unbedingt frei, aber ich hatte ohnehin vor, heute von zu Hause aus zu arbeiten. Ich blicke eine Sekunde auf mein E-Mail-Postfach, seufze dann angewidert laut auf und schalte das Display aus. Ein Dutzend neue E-Mails, ein Dutzend Sprachnachrichten und zwei Dutzend SMS warten dort auf mich.

Ich tapse über die nackten Betonböden meines Lofts und werfe einen Blick zu den zwei Reihen bodentiefer Fenster, die für wunderbares Licht sorgen. Abgesehen von meinem Schlafzimmer verfügt das Apartment über ein Büro, ein zweites Schlafzimmer und einen riesigen Küche-Schrägstrich-Wohnzimmer Bereich. Ich habe einen Haufen Geld dafür liegen lassen, aber ich kann mich nicht beklagen. Nicht einmal, wenn zu viel Sonnenlicht hereinströmt.

Ich pinkle mit dem Slip um meine Knöchel, bei offenstehender Tür und vor dem Licht verschlossenen Augen und zwinge mich zum Denken. Mein Gehirn arbeitet jedoch noch nicht richtig, weshalb ich meine Kleider ausziehe und die Dusche aufdrehe. Der Dampf beginnt sich zu sammeln, gefangen zwischen den kühlen, dunklen Fliesen und der Glastür.

Ich lehne meinen Kopf einen Augenblick an das Glas. Ich denke an letzte Nacht und alles strömt schlagartig auf mich ein.

Das Dach. Die Party. Jett.

Gott, ich konnte nicht einmal erhobenen Hauptes gehen. Nicht, ohne dass Jett mich in seine Arme zog, mich küsste und zum Erröten brachte. Er ist so groß, hat beinahe rabenschwarze Haare, die in einem Undercut geschnitten sind. Ein rot kariertes Hemd und Jeans, die gut saßen, und Stiefel. Dunkelblaue Augen, ein Königsblau. Er hatte einen richtigen Bart, worauf ich wirklich stehe.

Oh, und seine Tattoos…

Jeder sichtbare Zentimeter seiner Haut ist tätowiert, von seinem Hals bis zu dem aufgeknöpften V an seinem Kragen bis hinab zu seinen Fingern. Ich beiße auf meine Lippe, während ich in die Dusche schlüpfe. Gott, ich werde über diese Tattoos nachdenken, wenn mir langweilig ist und ich mich einsam fühle, so viel steht fest.

Ich stehe länger unter der Dusche als ich sollte und denke über all die Gründe nach, aus denen ich keinen Mann wie Jett in meinem Leben haben kann. Oh, es gibt so viele Gründe.

Erstens, ich habe nicht die Zeit, um mich einer richtigen Beziehung zu widmen. Ich habe einen echten Job und die meisten Männer wissen eine Frau, die so schwer arbeitet wie ich, nicht zu schätzen.

Zweitens, ich möchte mich nicht auf diese Spielchen einlassen, die Hand in Hand mit einer Beziehung mit einem gut aussehenden Kerl gehen. Sie sind so verflucht viel Arbeit.

Und drittens, ich will ein Baby. Nein, ich brauche ein Baby und zwar am besten gleich. Aber nichts von dem Mist und Drama, der mit einem Babydaddy einhergeht.

Ich spritze etwas Shampoo in meine Haare und shampooniere sie ein. Ich weiß, dass ich Karriere-besessen wirke, aber vor sechs Monaten wachte ich mit diesem Drang auf. Babys sahen urplötzlich, aus heiterem Himmel niedlich für mich aus. Ich ertappte mich dabei, wie ich mich länger vor Baby lastigen Schaufenstern herumdrückte und über witzige Babyvideos auf Facebook lachte.

Dann bekam eine enge Freundin von mir ein Baby, ein kleines Mädchen. Es war das erste Mal, das ich ein Baby in den Armen hielt, am Kopf eines Babys roch. Zum ersten Mal begann ich mich selbst als mehr als bloß eine liebevolle Tante zu sehen. Ich fragte mich, ob es wohl möglich wäre, dass ich ein Baby bekomme.

Seitdem habe ich angefangen, absolut überall Babys zu sehen. Nicht nur das, ich suchte sogar einen Gynäkologen und eine Kinderwunschspezialistin auf. Nachdem ich erfuhr, dass ich körperlich in der Lage bin, ein Kind zu bekommen, wurde ich leicht besessen.

Aber kann man mir das zum Vorwurf machen? Wer würde sich nicht die Chance wünschen, ein Kind zu haben, dem man all die Liebe und Sorge angedeihen lassen kann, die man als Kind nicht erhalten hat? Das Pflegefamiliensystem hat bei mir jämmerlich versagt, aber meinem Kind wird das nicht passieren.

Ich spüle meine Haare aus und werde immer ungeduldiger. Ich habe keine Zeit, um mich mit dem zu beschäftigen, was meine Therapeutin meine Vertrauenskrise in mein wahres Ich nennt. Ich verlasse die Dusche, denn mir fällt ein, dass Olive bald vorbeikommen wird.

Milo streicht um meine Füße und miaut was das Zeug hält.

„Ich werde dir kein Dosenfutter geben!“, informiere ich ihn. „Ganz egal, wie süß du bist oder wie viel Lärm du machst.“

Ich beeile mich beim Anziehen und der restlichen Körperpflege, bin aber trotzdem noch dabei, meine feuchten Haare mit einem Handtuch zu trocknen, als es an der Tür klingelt. Ich stürze zur Eingangstür und werfe einen Blick auf die Kamera. Olive lächelt mir entgegen, ihre leuchtend roten Haare sind unverwechselbar. Ich drücke auf den Türöffner und schließe die Tür auf.

Im Anschluss wandere ich zur Kücheninsel, um das Kaffeepulver zu holen, ehe ich zur Küchentheke gehe, um die Kaffeemaschine anzuschalten. Während ich mich mit den Einstellungen beschäftige, platzt Olive herein. Auf meine Bitte hin hat sie sich nicht komplett aufgetakelt, was bedeutet, dass sie Versace vom letzten Jahr und ihre drittbesten Louboutins trägt.

Ich stecke in Jeans und einem Oversized-Crop Top, aber hey. Jedem das seine, richtig?

Ich lächle sie an. Sie kann tragen, was auch immer sie will. Das Mädel ist eins fünfzig groß, wiegt so gut wie nichts und besitzt ein Herz aus purem Gold.

„Hey!“, sagt sie und schwenkt eine pinke Gebäckschachtel. „Rate mal, wer Schokoladencroissants vom Amélie’s mitgebracht hat?“

„Oh, du bist eine Lebensretterin“, versichere ich ihr. „Ich bin so froh, dass wir heute nicht im Büro sein müssen. Ich hab gerade den Kaffee aufgesetzt.“

Olive grinst. Sie ist eine erstklassige Verteidigerin in meiner Kanzlei, wofür sie fürstlich entlohnt wird.

„Kaffee klingt faaan-tastisch“, verkündet sie. „Und er wird wirklich super zu den Croissants passen.“

Ich nehme ihr die Schachtel ab und öffne den Deckel, um das buttrige Aroma zu inhalieren. Ich kann spüren, dass mich Olive beobachtet. Sie wird keine Einzelheiten einfordern, aber so wie sie mit den Fingerspitzen auf der Küchentheke trommelt, ist es eindeutig, dass sie wirklich wissen will, was gestern Nacht passiert ist.

Ich werfe ihr einen Blick zu. Mit ihren feengleichen Zügen, ihrem Übermaß an Sommersprossen und ihren weit auseinander liegenden grünen Augen, ist sie fast schon zu niedlich, um irgendetwas vor ihr geheim zu halten.

„Wie war dein Date mit Roberto?“, frage ich und neige meinen Kopf zur Seite. Milo hüpft auf die Theke und ich scheuche ihn automatisch wieder runter.

Sie bedeutet mir, ihr die Gebäckschachtel zu bringen, und sucht sich eines aus. „Es war okay. Es war erst das dritte Date. Also habe ich noch nichts Neues zu berichten.“

Sie bedenkt mich mit einem bedeutungsvollen Blick und beißt von ihrem Croissant ab.

„Du willst wegen gestern Abend Bescheid wissen?“, seufze ich.

„Oh mein Gott, das möchte ich wirklich, ganz unbedingt“, sagt sie, während sie sich auf einen der Hocker müht, die auf der anderen Seite der Kücheninsel stehen.

Ich ziehe das Gesicht zusammen. „Sein Name war Jett, er war wahnsinnig heiß und er hat mein Sexangebot ausgeschlagen.“

„Er hat was?“, fragt sie empört.

„Es war super peinlich“, erzähle ich mit einem weiteren Seufzen. „Obwohl er sichergestellt hat, meine Nummer zu bekommen…“

„Warte, hat er das getan, bevor oder nachdem er dich abblitzen hat lassen?“

„Ähmmm… danach“, gestehe ich, während ich mich daran mache, zwei Tassen runterzuholen.

„Mädel! Das ist verdammt heiß“, sagt sie. Sie beißt abermals von ihrem Croissant ab und stöhnt zufrieden. „Gott, das ist so gut.“

„Du krümelst dein kleines Schwarzes ganz voll“, merke ich an.

Sie streicht die Krümel von ihrem ärmellosen Chiffon-Jumpsuit und zuckt mit den Achseln. „Also, welche Sorte heiß war er? Beschreib ihn.“

„Mmmh…“ Ich denke darüber nach, während ich die Milch aus dem Kühlschrank hole. Der Kaffee ist durchgelaufen und ich gieße uns zwei dampfende, wunderbar riechende Tassen ein. „Er war wirklich groß. Er hatte kurze, dunkle Haare und ein Hammerlächeln. Und er hatte wahnsinnig viele Tattoos.“

„Meinst du damit, auf dem kompletten Arm?“, fragt sie und nimmt den Kaffee von mir entgegen. „Danke.“

„Beide Arme waren tätowiert, sein Hals war tätowiert… es war verdammt heiß.“

„Nice. Tja, vielleicht ruft er ja wirklich an.“

„Ja klar und vielleicht kommen danach auch die kleinen grünen Männchen in ihrem Raumschiff auf die Erde!“, erwidere ich. „Oooh, warte nur eine Sekunde…“

Ich lasse meinen Kaffee in der Küche stehen und ziehe los, um einen dicken weißen Ordner vom Wohnzimmertisch zu holen. Milo miaut kläglich und Olive bückt sich und krault ihm den Kopf.

Ich starre auf den weißen Ordner und einen beinahe identischen schwarzen und bemühe meine grauen Zellen, sich zu erinnern, welcher voller Samenspender ist und welcher voller Farbpaletten für das zweite Schlafzimmer.

Nach einem kurzen Blick hinter den Umschlag bringe ich ihr den Ordner mit den Farbpaletten und schlage die erste Seite auf, die ich markiert habe. „Du musst mir helfen, eine Farbe für das zukünftige Kinderzimmer auszusuchen.“

Olive zieht den Ordner zu sich, um einen Blick auf die aufgeschlagene Seite zu werfen, und schiebt die Gebäckschachtel zu mir.

„Wir wollen schließlich nicht, dass sie schlecht werden“, murmelt sie, während sie die Seiten durchblättert.

Ich nehme das Croissant und beiße hinein. Ich schließe die Augen. Der Geschmack ist fast so gut wie ein Orgasmus. „Ohhhh.“

„Ich weiß“, sagt Olive, ohne aufzusehen. „Hör zu, ich habe eine verrückte Frage. Kein Urteil oder so was, aber… wissen die Partner in unserer Kanzlei, dass du vorhast, schwanger zu werden?“

Ich presse meine Lippen zusammen. „Nein.“

„Es ist nur so… weißt du, du wirst nicht mehr annähernd so viel arbeiten können. Sarah, du weißt schon, die vom Vertragsrecht? Sie meinte, dass sich ihre Arbeitszeit um die Hälfte reduziert hat.“

Sie sieht nicht von dem Ordner hoch, aber ich spüre, dass das ihr Moment der Wahrheit zu diesem Thema ist.

„Ich habe mich finanziell vorbereitet, falls du darauf anspielst.“ Ich verziehe das Gesicht.

„Nein, nur… ich frage mich, ob sich die Partner nicht irgendwie überrumpelt fühlen werden, wenn eine ihrer besten Prozessanwältinnen plötzlich verkündet, dass sie schwanger ist.“

„Vermutlich. Aber ich werde mir nicht von einem alten weißen Mann sagen lassen, dass es eine schlechte Idee ist, ein Baby zu bekommen, nur weil es schlecht für sein Geschäft ist. Meine Fruchtbarkeit muss sich nicht seinem Zeitplan unterwerfen.“

„Hmm“, macht sie und ihre Stirn legt sich in Falten. „Hey, hattest du schon Glück mit dem Ordner mit den Samenspendern?“

Ich wedle mit der Hand. „Argh, nein. Ich habe ihn auf die, nun… die ganze Liste eingeengt.“

Darüber grinst sie. „So selektiv!“

„Willst du etwas Verrücktes hören?“

„Immer doch.“

„Ich hätte ihn fast gefragt, mein One-Night-Stand zu sein, nur um herauszufinden, ob… du weißt schon… er mir dabei helfen möchte, den Prozess ein wenig zu beschleunigen?“ Ich verziehe das Gesicht, während ich es sage.

Olives Mund formt ein perfektes O. Es dauert eine Sekunde, bevor sie wieder sprechen kann.

„Warte, du wolltest einfach hingehen und… ihn für sein Sperma benutzen?“

„Nun, ja. Dass er heißer als Feuer war, hat da nicht gerade geschadet.“

„Oh mein Gott, wirklich? Das ist absolut genial. Ich hoffe, du hast seine Nummer.“

Ich spüre, wie mir die Hitze in die Wangen steigt. Milo springt erneut auf die Theke und ich nehme ihn in die Arme und streichle sein weiches Fell.

„Tatsächlich habe ich sie.“

Olive betrachtet mich mit nachdenklicher Miene.

„Denkst du darüber nach, ihn zu daten?“, will sie wissen.

„Oh mein Gott, nein. Er wirkt wie ein richtiger Player. Dafür habe ich keine Zeit. Vor allem nicht, wenn ich das Samenspenderding durchziehe…“

Ein freches Lächeln kräuselt ihre Lippen. „Also… warum überspringst du den Teil mit dem Daten nicht einfach und fragst ihn direkt, ob er vögeln will?“

„Du meinst… im Sinne von fortpflanzen?“, frage ich.

„Yeah, warum nicht? Du könntest es ihm sagen oder auch nicht.“ Sie macht eine Pause. „Es ist nur ein Vorschlag.“

Ich rolle mit den Augen. Milo windet sich, um sich aus meinen Armen zu befreien, weshalb ich ihn auf den Boden setze. „Ich würde dem Vater meines Babys erzählen müssen, dass ich versuche, schwanger zu werden. Das ist das einzig Anständige, Olive.“

Sie zuckt mit den Achseln. „Wenn du meinst.“

„Ich müsste es tun, denke ich. Also für mich. Aber… wie spricht man das überhaupt an? ‚Hey, Mr. Sexy Mann, ist es okay, wenn wir nicht verhüten? Ich versuche, schwanger zu werden‘.“

Olive gackert. „Ich würde einfach zusehen, dass er leicht beschwipst ist und dann all meine Karten auf den Tisch legen. Es würde wahrscheinlich helfen, wenn du dich sexy anziehst…“

„Aah, ich weiß nicht. Er wird vermutlich nur das Wort Baby hören und die Beine in die Hand nehmen.“

Olive blickt spekulativ drein. „Zeigst du mir ein Foto von ihm?“

Ich schüttle den Kopf. „Ich habe keines.“

„Kennst du seinen Namen?“

„Ja, Jett James.“

„Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Hmmm…“ Sie zückt ihr Handy und tippt etwas, scrollt einige Seiten durch. „Warte… ist er das?“

Sie hält mir das Handydisplay vor die Nase und Jett ist in Hochauflösung darauf zu sehen.

„Jepp, das ist er“, bestätige ich.

„Mann! Er ist verflucht heiß! Und er war ein Baseballspieler. Deswegen kam mir sein Name so bekannt vor. Oooh, ich wette, er hat großartige Gene!“

Ich seufze. „Olive…“

„Im Ernst, ist er größer als du? Hier steht, er ist einen Meter neunzig groß.“

„Nun, ja… viel größer…“

Sie setzt sich aufrecht hin, als wäre eine Entscheidung gefällt worden.

„Okay, gib mir dein Handy.“

Ich betrachte sie misstrauisch. „Wofür?“

„Du wirst auf jeden Fall ein Date mit diesem Kerl ausmachen. Wenn sonst nichts dabei herauskommt, kannst du ihn wenigsten vögeln und dann nie wiedersehen.“

„Oh, ich weiß nicht…“

„Ernsthaft? Handy, jetzt“, verlangt sie.

Ich gebe ein verzweifeltes Geräusch von mir, dann gehe ich in mein Schlafzimmer, um mein Handy zu holen. Als ich es in die Hand nehme, wartet dort bereits eine Nachricht von Jett auf mich.

Ich denke, wir sollten bald mal miteinander ausgehen. Für unsere Beziehung ;)

Gefolgt von einem, PS du sahst in diesem Rock gestern Abend verdammt umwerfend aus.

Ich erröte so heftig, dass ich mir sicher bin, dass meine Wangen flammendrot sind. Ich trage mein Handy in die Küche.

„Er hat mir geschrieben“, sage ich und reiche Olive das Handy.

Sie liest seine Nachrichten und stößt einen freudigen Jubelruf aus. „Ja! Du wirst auf jeden Fall mit ihm ausgehen, einhundert Prozent.“

Nach einer Sekunde des Nachdenkens textet sie ihm nur zwei Worte.

Heute Abend?

Ich will sie schlagen, weil sie ohne meine Zustimmung auf Senden gedrückt hat, aber es tauchen bereits drei kleine Punkte auf, die anzeigen, dass er zurückschreibt.

„Ich kann nicht fassen, dass du das gemacht hast“, beschwere ich mich.

„Gern geschehen“, erwidert Olive, eindeutig stolz auf sich.

Als er antwortet, fahre ich fast aus meiner Haut.

Nicht heute. Aber übermorgen habe ich Zeit. Irgendwann nach 20Uhr. Passt dir das, Prinzessin?

Ich reiße Olive mein Handy aus der Hand und kaue auf meiner Lippe. Er gibt mir bereits Kosenamen? Ich kann mich nicht entscheiden, ob das heiß ist oder einfach übertrieben.

„Im Ernst? Dieser super scharfe Typ garantiert dir, dass er dort auftauchen und dir sein Geschenk geben wird. Sag einfach Ja!“, brüllt sie mich förmlich an. Als ich einige Sekunden später noch immer nicht zu einer Entscheidung gelangt bin, schnappt sie mein Handy.

Ich werde da sein, Daddy. 😘

„Oh mein Gott, ehrlich?“, quieke ich. „Oh fuck. Ich kann nicht fassen, dass du das abgeschickt hast!“

„Was kann schlimmstenfalls schon passieren?“, sagt Olive. „Du willst doch sowieso allein ein Baby großziehen. Außerdem wirft das eine sehr wichtige Frage auf.“

„Tut es das?“, frage ich alles andere als belustigt.

„Ja. Was wirst du anziehen? Irgendetwas, das sagt, Ich habe Klasse, aber auch, bitte fick mich.“

„Oh, Grundgütiger –“, protestiere ich, doch Oliver will nichts davon hören. Sie ist viel zu beschäftigt damit, mich zu meinem Kleiderschrank zu zerren.

Ich schätze, ich gehe wirklich auf ein Date mit Jett James und das bald.

3

Jett

Ich wache früh auf, kurz bevor die Sonne aufgeht. Es spielt keine Rolle, ob es regnet, schneit, schneeregnet oder hagelt. Es spielt keine Rolle, wie lange ich am Abend weg war. Wenn ich nicht gerade im Krankenhaus liege, dann nehme ich mir Zeit für mein Workout.

Ich schlage die schwarze Bettdecke zurück und strecke mich, splitterfasernackt. Emily mochte es nicht, dass ich nackt schlafe. Aber nachdem Emily mich vor über einem Monat verlassen hatte, probierte ich es erneut aus. Es fühlt sich so gut an, einfach nur meine Haut und die Decke, keine Kleider, die diese Glückseligkeit stören.

Ich stehe auf und gehe in das En Suite Badezimmer, wobei ich mir nicht die Mühe mache, irgendwelche Lichter anzuschalten. Im Bad beginnt bereits das erste Licht von oben herein zu sickern. Irgendein gewiefter Architekt hat im ganzen Haus Oberlichter eingeplant. Das Bad verfügt über bloße Zedernbalken an der Decke und schlichte weiße Wände, was ein widerkehrendes Thema im ganzen Haus ist. Das ganze Teil wurde von jemanden mit mehr Geschmack und Freizeit eingerichtet, als ich sie habe, und ist wirklich minimalistisch.

Vor dem riesigen Spiegel putze ich meine Zähne und inspiziere mich. Mein Bart wird ein bisschen zu lang. Also werde ich ihn vielleicht heute oder morgen kürzen. Ich halte inne, als mein Blick auf das Doppelwaschbecken fällt.

Es ist nicht ihr Waschbecken, bläue ich mir ein. Es gehört derjenigen, die irgendwann ihren Platz einnehmen wird.

Ich beeile mich, irgendwelche Trainingsklamotten auszusuchen und gehe dann nach unten in den Keller. Ich werde mein Workout mit Cardiotraining beenden, aber jetzt ist es erstmal Zeit, in meinem Heimstudio ein wenig Eisen zu stemmen. Ich schalte die Lichter an und drücke auf einen Knopf an der Wand, um die Musik anzuschalten. Rapmusik dröhnt aus den eingebauten Lautsprechern, laut und schnell.

Perfekt.

Ich schlendere zwischen den Maschinen hindurch, während ich mich zu entscheiden versuche, wo ich anfangen soll. Ich lasse es langsam angehen, indem ich meine Brustmuskeln trainiere und anschließend meine Trapezmuskeln.

Nach meiner ersten Runde an Wiederholungen, denke ich erneut an Emily. Ich verspüre eine Menge gemischter Gefühle ihr sowie dem Ende unserer Beziehung gegenüber. So viele, dass ich mir damals ein langes Wochenende frei nahm und allein campen ging in dem Versuch, mir einiger Dinge klar zu werden.

Ich campte in der Natur und lag unter den Sternen, während ich versuchte, zu ergründen, was genau schiefgelaufen war.

Erstens war Emily vermutlich wütend über meine Weigerung, sie einziehen zu lassen. Tatsächlich hatte ich so einige Dinge aufgeschoben, die eine Langzeitverpflichtung signalisierten: gemeinsam einen Hund anschaffen, Urlaubspläne schmieden, die weit in die Zukunft reichten, selbst eine Familienmitgliedschaft für das Fitnessstudio, in das wir beide gingen, war zu viel für mich.

Zugegeben, sie wurde nie wirklich sauer, wenn ich Zukunftspläne einfach mit einem Achselzucken abtat. Ihr Mund wurde zwar zu einem schmalen Strich und ihre Augen verengten sich, aber es war nichts, das mich direkt betroffen hätte. So gelang es mir auch, ihr zorniges Verhalten drei Jahre lang zu ignorieren: indem ich taub und töricht war.

Wenn ich also irgendetwas von meiner gescheiterten Beziehung lernen wollte, musste ich herausfinden, was ich wollte. Und ich musste mich dem verpflichten. Das war im Großen und Ganzen das, was ich von dieser Beziehung gelernt hatte.

Zweitens nehme ich an, dass Mason recht hatte, als er mich beschuldigte, immer wieder den gleichen Typ Frau zu wählen. Zierliche Blondinen, die Yogamatten herumtragen, sind meine Zielgruppe. Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, gefällt mir an ihnen, dass sie im Allgemeinen unterwürfig sind und mich intellektuell nicht allzu sehr herausfordern.

Im Grunde genommen ist mein Typ das genaue Gegenteil von Cady, dem Mädchen, das ich neulich abends kennenlernte. Ich stelle sie mir vor, ihre dunklen Haare und grauen Augen, größer als die Frauen, auf die ich normalerweise abfahre. Sie hatte Brüste und Hüften und einen richtigen Hintern, nicht nur einen flachen Yogapo.

Und ihre Persönlichkeit ist so anders als die aller Frauen, die ich bisher gedatet habe. Sie ist sarkastisch und gewitzt und sie hat einen wichtigen Job in einer Kanzlei. Sie kann auf ihren eigenen Füßen stehen, im Gegensatz zu Emily.

Für Emily sprachen viele Dinge, aber sie arbeitete auch in einem Coffee Shop und konnte nicht ohne Mitbewohner leben.

Als ich die Maschinen wechsle und wirklich ins Schwitzen gerate, beginnen meine Gedanken zu wandern. Zuerst denke ich an die Arbeit. Ich habe Bryce noch immer nicht unter Vertrag genommen und später heute habe ich noch ein Meeting im Büro.

Dann denke ich an Mason und Alex, meine zwei besten Freunde. Ich habe gute Arbeitskollegen, aber ich bin wirklich wählerisch, mit wem ich meine Freizeit verbringe. Mason reagiert allergisch auf Beziehungen und hat jede Nacht eine neue Frau. Ich kann nicht glauben, dass er tatsächlich so unverfroren war, mich zu beschuldigen, nur One-Night-Stands zu haben.

Und Alex… Alex scheint bei Frauen gut anzukommen, aber der Mistkerl ist so heimlichtuerisch. Er könnte meine Mom, meine Schwester und meine Oma vögeln und niemand würde es wissen. Aber was auch immer er treibt, er ist ein verlässlicher Kerl. Er taucht immer auf, wenn er sagt, dass er das tun wird, selbst wenn es sich dabei um die Totenwache meines Großvaters handelt.

Auf dem College hatte ich mehr Freunde, aber sie sind alle langsam in der Versenkung verschwunden, fanden Partnerinnen und heirateten… und waren irgendwann weg. Mason und Alex sind die Einzigen, die noch neben mir stehen.

Leider ist das momentan so ziemlich das Einzige, worüber ich mir den Kopf zerbrechen muss. Ich trainiere, ich mache meinen Job und verbringe Zeit mit meinen Freunden. Mein Leben ist irgendwie leer, wenn ich ehrlich mit mir selbst bin. Mittlerweile bin ich fünfunddreißig und hätte gedacht, dass ich inzwischen verheiratet wäre, vielleicht eine Familie gegründet hätte.

Tatsächlich war das die Sache, die mich an Emilys Weggang wirklich schockierte. Ich erinnere mich daran, wie sie die Dokumente fand, die ich für eine geplante Reise brauchte. Ich hatte allein nach Macchu Picchu reisen wollen.

„Du hattest nicht vor, mir davon zu erzählen?“, fragt sie und schleudert mir die Dokumente entgegen, während ich auf dem Sofa liege. Zu diesem Zeitpunkt sind wir bereits fast drei Jahre zusammen, lang genug, dass ich ihre Wut erkennen kann.

„Ohh… ich meine, bis dahin, na ja, sind es noch drei Monate“, erwidere ich und setze mich auf.

„Was soll das bitteschön heißen?“, explodiert sie. Jetzt ist sie wirklich auf hundertachtzig und ihr blonder Pferdeschwanz schwingt bei jeder Bewegung mit. „Im Ernst, wie konntest du mir nichts davon erzählen? Oder… warte, hast du schon eine andere Frau, mit der du dorthin gehst? Oh mein Gott, betrügst du mich??“

„Whoa, whoa. Erstens, nein. Zweitens, wann sollte ich dazu die Zeit haben?“, sage ich abwehrend. „Ich will damit nur sagen, dass… du weißt schon, es liegt in der Zukunft. Wer weiß schon, was bis dahin alles passieren wird?“

Sie richtet ihren wütenden Blick und einen Finger auf mich.

„Fragst du dich etwa, was in drei Monaten mit unserer Beziehung sein wird?“

„Nein…“, entgegne ich schuldbewusst. Sie starrt mich eine Sekunde an und ich beginne mich zu fragen, ob sie meine verdammten Gedanken lesen kann oder nicht. Denn ich sagte zwar Nein, aber was ich meinte war… vielleicht.

„Weißt du was? Damit ist das Maß voll. Während du heute in der Arbeit bist, werde ich meine Sachen hier rausholen. Mach dir gar nicht erst die Mühe, irgendetwas zu sagen, denn ich will es nicht hören.“

„Warte, Emily –“

Sie trampelt die Stufen hoch und ich höre schwach einen Knall. Das war dann wohl die Tür zum Schlafzimmer.

Fuck.

Die Sache ist die, ich ging an diesem Tag zur Arbeit. Ich nahm einfach an, dass sie tun würde, was sie in so einem Fall normalerweise tat: eine Shoppingtour und ein Workout machen. Dann wäre alles wieder in Ordnung. Ich schickte ihr von der Arbeit Blumen, was ich für eine nette Geste hielt.

Doch als ich nach Hause kam, fand ich es in einem völlig chaotischen Zustand vor, ihre Schlüssel auf der Küchentheke und eine Nachricht.

Ruf mich NIE wieder an.

Ich zucke zusammen, während ich Kendrick Lamar lausche und dann den Rap ausschalte. Schließlich gehe ich nach oben, wobei ich auf dem Weg meinen iPod mitnehme. Ich laufe nach draußen und beginne mit meiner Joggingrunde, gemeinsam mit all den anderen reichen Leuten, die früh morgens in der Buckhead Nachbarschaft joggen gehen. Ich lasse den Rap wieder laufen und höre Drake zu, der davon rappt, wie berühmt er doch ist.

Ich weiß, dass die Beziehung mit Emily wegen mir zerbrochen ist. Das wurde mir mittlerweile klargemacht, hauptsächlich während langer Nächte, in denen ich mich bei meinen Freunden über die ganze Sache ausließ. Alex und Mason hören zu, aber sie scheuen sich auch nicht davor, Fragen zu beantworten.

Also bin ich jetzt hier, ein frisch gebackener… okay, vielleicht nicht ganz so frisch gebackener, Single auf der Jagd. An dem Abend neulich war ich ziemlich verzaubert von Cady… trotz der Tatsache, dass sie überhaupt nicht mein Typ ist. Blond, zierlich, zugänglich… keines dieser Worte trifft auf Cady zu.

Vielleicht ist das etwas Gutes, denke ich. Vielleicht brauche ich jemanden, der so gar nicht meinem Typ entspricht.

Ich versuche mir vorzustellen, wie ich Cady date, ihre Hand halte. Sie heirate, ihr Gesicht hinter dem weißen Schleier auftauchen sehe. Cady im Krankenhaus, wo sie unser Baby auf die Welt bringt.

Ich kann es nicht so recht sehen, aber andererseits konnte ich es noch nie sehen, mit niemandem. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich in diesem Alter noch immer allein bin. Vielleicht muss ich mir einfach eine aussuchen, die mir meine Zeit und Energie wert ist, und mich ihr verpflichten.

Ich beschleunige meine Schritte und sprinte, bis ich keine Gedanken mehr fassen kann.

4

Cady

Ich schaffe es bis zum Parkhaus bei der Arbeit und parke auf meinem reservierten Platz, bevor ich die Fassung verliere. Ich schalte den Motor aus, als die heißen, salzigen Tränen über meine Wangen zu strömen beginnen.

Das Ziel ist natürlich gar nicht zu weinen… aber wenn ich es schon tun muss, dann ist das der perfekte Ort dafür. Allein in meinem Auto, im Dämmerlicht des Parkhauses bin ich sicher. Ich lehne mich nach vorne und lege meinen Kopf auf meine Arme, die auf dem Lenkrad meines Mercedes ruhen. Während ich weine, tropfen meine Tränen auf meinen Schoß und durchnässen mein weißes Seidenkleid.

Ich weine, weil ich gerade von einem Termin bei Dr. Altman zurückkomme, die meine Endokrinologin aka mein Fruchtbarkeitsguru ist. Leider spielt es keine Rolle, wie nett sie ist, denn es gibt einfach keine guten Worte, um meine Situation zu beschreiben. Ich sah, dass sich Dr. Altmans Mund bewegte, doch das Einzige, was ich hörte war: „DIR LÄUFT DIE ZEIT DAVON, CADY!!!“

Im Grunde lässt sich meine Situation damit zusammenfassen, dass meine Ovarialfollikel mit der Zeit immer weniger geworden sind. Aufgrund einiger Bilder meiner Eierstöcke und insbesondere dieser Follikel ist Dr. Altman der Meinung, dass mir noch drei fruchtbare Jahre bleiben.

Während ich dort in dem Hartplastikstuhl in ihrem schwedisch angehauchten Büro saß, rechnete ich nach. Selbst, wenn ich irgendwie noch heute schwanger werden sollte, würde mich das ein Jahr lang außer Gefecht setzen, in dem ich nicht einmal daran denken könnte, erneut schwanger zu werden. In meinem Kopf hatte ich schon diese perfekte Familie geplant mit drei Kindern, die alle zwei Jahre Altersabstand hatten.

Ich habe sogar schon ihre Namen: für Mädchen, für Jungen.

Ich nickte mit dem Kopf, während die Ärztin mich zu beruhigen versuchte, aber ich wusste, was sie wirklich sagte.

Mir war die Zeit davongelaufen.

All die Jahre auf dem College und das Jurastudium. All die späten Abende, in denen ich mich bemühte, mich als Partnerin im ersten (oder zweiten oder dritten) Jahr zu beweisen. All die Zeiten, in denen ich mir einen noch größeren Vorrat an Verhütungsmitteln zugelegt habe, weil es ein Desaster gewesen wäre, schwanger zu werden…

All diese Zeiten strömten auf mich ein, während ich aus Dr. Altmans Büro lief. Sie drückte meinen Ellbogen und sagte zum letzten Mal, dass alles gut werden würde. Ich ertappte mich bei der Frage, wie oft sie das wohl zu ihren Patientinnen sagt, während ich das Foyer durchquerte.

Ich stieg in meinen weißen Mercedes, schützte meine Augen mit einer Sonnenbrille vor der hellen Sonne und zuckte leicht zusammen, weil der Sitz so heiß war. Ich wusste, dass ich unter Schock stand. Es dauerte nur eine Weile, bis er mich einholte. Um genau zu sein, zwanzig Minuten.

Und jetzt sitze ich hier und suche in meinem Handschuhfach nach dem Taschentuchpäckchen, das ich dort aufbewahre. Ich finde es, ziehe ein Taschentuch heraus und wische all den Rotz und Tränen mit dem dünnen Papiertuch weg.

Was genau soll ich jetzt mit dieser Information anfangen?

Es ist nicht so, als könnte ich ein paar Jahre in der Zeit zurückreisen oder gar die Uhr zurückdrehen. Das ist keine Option.

Das Einzige, das ich nach diesen Neuigkeiten tun kann, ist mich zu beeilen und schwanger zu werden. Streich das, mich beeilen und einen gefestigten Kerl mit tollen Genen finden, der heiraten und Kinder bekommen möchte und dann schwanger werden.

Ich sinke zurück in meinen Sitz und heule jetzt so richtig los. Es ist die Sorte Weinen, bei der ich einen Schluckauf bekomme und versuche, gleichzeitig zu atmen und zu weinen und jämmerlich darin versage.

Jemand klopft ans Fenster, ein leises Klonk-Klonk Geräusch. Ich schwöre, ich zucke dermaßen zusammen, dass ich fast aus meinem Sitz springe, und mein Herz hämmert wie wild. Hektisch wische ich mir eine Sekunde übers Gesicht, bevor ich eine Stimme höre, die leicht vom Fenster verzerrt wird.

„Ich bin’s, Olive“, sagt sie. „Geht’s dir gut?“

Ich lasse sämtliche Luft auf einmal entweichen und blinzle ihr entgegen. Sie erwidert meinen Blick besorgt.

„Was machst du hier draußen?“, will sie wissen und gestikuliert zu dem dunklen Parkhaus.

Ich greife zur Seite und drücke auf den Knopf, um die Türen zu entriegeln und bedeute ihr, einzusteigen. Sie rennt um den Wagen auf die andere Seite, wobei ihre Manolo Blahniks über den Asphalt klappern. Sie steigt ein, ihre langen roten Haare fließen perfekt über ein hautenges florales Etuikleid.

Neben ihr fühle ich mich wie ein erbärmliches Häufchen Elend, was mir erneut die Tränen in die Augen treibt.

„Oh, oh mein Gott!“, ruft Olive und macht Anstalten, mich zu umarmen. „Komm her.“

Ich erlaube es ihr und beuge mich unbeholfen über meine Mittelkonsole. Ich bemühe mich, keine meiner Tränen auf ihr überraschend weiches Kleid zu vergießen, indem ich mein Gesicht leicht von ihr abwende, als sie mich umarmt. Allerdings lasse ich es auch nicht ausarten. Kein Schluchzen und kein Schluckauf.

Sowie meine Tränen versiegen, löse ich mich von ihr, bereit, das bisschen zusammenzukratzen, das von meiner Würde noch übrig ist. Olive findet die Taschentücher und reicht mir eines und ich gebe mein Bestes, mein Gesicht zu trocknen. Bis zu diesem Augenblick hatte ich nicht einmal an mein Makeup gedacht, aber ich bin mir sicher, dass mein Mascara und Eyeliner schrecklich aussehen.

„Geht’s dir gut?“, fragt Olive, die ihre Hand auf mein Schulterblatt legt. Sie drückt leicht, womit sie mich an Dr. Altman erinnert. Ist das die allgemein gültige Reaktion auf eine weinende Frau oder so was?

Ich räuspere mich. „Mir geht’s gut. Es ist nur… ich bin gerade von der Fruchtbarkeitsärztin zurückgekommen.“

„Oh mein Gott. Bist du… unfruchtbar??“ Olives Gesicht wirkt ganz besorgt und sie flüstert das Wort unfruchtbar nur.

„Nein, nicht unbedingt“, sage ich kopfschüttelnd. „Sie hat mir nur einen unverrückbaren Zeitrahmen genannt. Wenn ich ein Baby will, muss ich jetzt anfangen.“

„Na ja… ist das nicht der Sinn davon, zu einem Fertilitätsexperten zu gehen?“ Olive runzelt die Stirn. „Ich dachte, du wärst bereit, anzufangen!“

„Es ist nur… ich denke, ich war bereit, damit anzufangen… zum Beispiel Farbpaletten für das Kinderzimmer auszusuchen oder ein Buch über Babynamen zu kaufen. Aber ich war noch nicht so ganz bereit, mich wirklich schwängern zu lassen. Aber jetzt habe ich kaum eine andere Wahl. Meine dämlichen Ovarialfollikel wollen sich nichts anderes sagen lassen.“

Ich schniefe und gestikuliere zu dem Taschentuchpäckchen. Sie reicht es mir stirnrunzelnd.

„Meine Güte, ich bin ein Jahr älter als du. Vielleicht sollte ich meine Follikel auch mal überprüfen lassen“, meint sie. „Ich habe noch nie wirklich darüber nachgedacht, keine Kinder bekommen zu können.“

Ich blinzle sie an. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht mit meinem Babyfieber anstecken.“

Sie lächelt und tut meine Sorgen mit einem Wink ihrer Hand ab.

„Das ist keine große Sache. Wir reden hier über dich, oder nicht?“

Ich atme zittrig aus und lehne mich auf meinem Sitz zurück.

„Ja. Ich schätze mal… ich weiß nicht. Ich schätze, ich werde es jetzt wirklich durchziehen und mich künstlich befruchten lassen müssen.“

„Oder du könntest einfach einen One-Night-Stand wagen und auf das Beste hoffen“, spekuliert Olive. „Oooohhh, oder! Du könntest jemanden bitten, dein Babydaddy zu sein. Du weißt schon, einen Haufen rechtlicher Verträge aufsetzen, die ihn jeglicher Verantwortung entbinden.“

„Ja, aber dann müsste ich erstmal jemanden suchen und ihn dann tatsächlich fragen. Ich bin nicht wirklich scharf darauf, haufenweise Kerle kennenzulernen“, wende ich ein.

„Ähm, du hast morgen Abend ein Date mit einem super gut aussehenden Mann, du Dussel. Einfacher als das wird es nicht. Frag ihn einfach!“

Ich bedenke Olive mit dem angewidertensten Blick, den ich aufbringen kann. „Ja, klar. Ich werde Jett einfach bitten, mein Samenspender zu sein. Ich bin mir sicher, das wird er lieben.“

„Warum nicht? Was hast du schon zu verlieren?“

„Ähmmm meine Würde zum Beispiel.“

Sie macht ein Ppppffff-Geräusch, das wie ein Furz klingt. „Tu es. Deine Ovarialfollikel sagen, du solltest es tun. Sieh mal, hör auf so ein Gesicht zu machen, hör auf, zu reagieren, und denk einfach mal eine Sekunde darüber nach. Warst nicht sogar du diejenige, die meinte, dass er vermutlich nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung ist?“

Ich halte inne und verknote meine Finger im Schoß. Sie hat recht, das habe ich gesagt. „Nun, ja.“

„Also… frag ihn einfach! Finde heraus, was er davon hält. Und wenn es sonst nichts ist, so ist es wenigstens eine gute Übung für den Moment, wenn du den Mann fragst, der dann wirklich der biologische Vater deines Babys wird.“

Ich atme aus. „Ich weiß nicht.“

Olive wirft einen Blick auf ihre schmale goldene Armbanduhr. „In Ordnung. Ich muss jetzt zum Gericht und auf dich wartet zweifellos eine Wagenladung Arbeit. Denk einfach darüber nach, okay?“

„Okay. Hey, danke, dass du gewusst hast, dass ich hier drinnen gerade eine Panikattacke habe.“

Sie lacht, der Laut ähnelt ein bisschen einem schreienden Esel. Ich lächle sie an.

„Ich wusste nicht, dass du eine Panikattacke hattest. Ich dachte nur, dass du vielleicht ein Tampon im Auto hast.“

Ich grinse. „Das habe ich! Schau im Handschuhfach nach.“

Sie öffnet das Handschuhfach und wühlt darin herum, bis sie Erfolg hat. Sie schwenkt mehrere glänzende blaue Verpackungen.

„Hab sie! Danke.“

„Ich muss wirklich los“, sagt sie und öffnet die Tür. „Denk darüber nach, was ich gesagt habe! Jett James würde einen exzellenten Babydaddy abgeben.“

Ich versuche, etwas zu erwidern, aber sie schließt schnell die Tür und klackert von dannen. Ich bleibe noch eine Weile im Auto und grüble.

5

Jett

Ich rutsche auf der abgesessenen Eichenbank herum, auf der ich sitze, und blicke aus dem Fenster auf die Straße. Ich schiebe den schweren Vorhang zur Seite, damit ich eine bessere Sicht habe, aber es bringt nichts. Eine ältere Frau nähert sich der Bar und zieht die Tür auf.

Ich lehne mich mit einem Seufzen zurück. Ich kann es mir eingestehen, ich bin nervös, weil ich darauf warte, dass Cady auftaucht.

Hier drinnen besteht die Deko nur aus Brokat und Samt, das Licht ist gedämpft. Es ist eine Aufreißer-Bar, das kann man an den viktorianischen Möbeln und den Getränkepreisen erkennen.

Ich nippe an dem Old Fashioned, den ich bisher getrunken habe, und trinke die letzten verwässerten Tropfen. Ich werfe einen Blick auf meine Uhr, aber es ist noch nicht einmal unsere vereinbarte Zeit.

Warum habe ich nur beschlossen, so früh hierher zu kommen?, frage ich mich zum dritten Mal.

Aber ich weiß warum. Warum mache ich überhaupt etwas? Weil ich ein geiler Mistkerl bin, das ist der Grund.

Ich blicke aus dem Fenster und dieses Mal sehe ich Cady. Ich pfeife leise.

Mein lieber Schieber.

Das erste Mal, als ich sie sah, war sie fein herausgeputzt, vermutlich für die Arbeit. Heute trägt sie jedoch ein unglaubliches rotes Etuikleid, das ihre Arme freilässt. Ich lasse meinen Blick über ihre Figur wandern, insbesondere über die verdammten meilenlangen Beine, die sie zur Schau stellt.

Sie sieht mich nicht, als sie draußen stoppt. Ich gönne mir einen Moment, in dem ich ihre patrizischen Züge mustere, ihre geschwungene Nase, vollen Lippen und hohen Wangenknochen. Sie streicht mit einer Hand über ihre Haare, die ordentlich nach hinten frisiert sind.

Sie ist wirklich verdammt hübsch. In weiser Voraussicht verrücke ich meinen Schwanz, der in meiner Jeans liegt, denn er wird schon bald strammstehen wollen.

Cady streicht jetzt mit ihren Händen ihr Kleid hinunter und glättet es. Ich sehe, wie sie tief Luft holt und dann zieht sie die Eingangstür auf. Ich drehe mich leicht, damit sie nicht bemerkt, dass ich sie durch das Fenster beobachtet habe.

„Hey“, sage ich, als sie mich entdeckt. Ich stehe auf. „Du hast es geschafft.“

Sie errötet und stellt sich neben mich. „Das habe ich.“

„Wie wäre es mit einer Umarmung? Es ist wichtig, das Berührungen Teil unserer Beziehung bleiben“, witzle ich.

Ein zartes Rosa überzieht ihre Wangen, aber sie breitet ihre Arme für meine Umarmung aus und drückt ihren Körper an meinen. Sie ist so viel kleiner als ich, fast schon zierlich in meinen Armen. Dieser Gedanke bringt mich zum nächsten Gedanken, wie sie wohl unter mir oder auf mir aussehen würde, während sie meinen Namen stöhnt.

Mein Schwanz ist nun vollkommen aufmerksam. Ich lasse sie los und trete schnell zurück.

„Hier, setz dich. Wir haben eine Kellnerin…“, erzähle ich ihr und scheuche sie mit einer Hand in ihrem Kreuz zu meinem kleinen Ecktisch. Ich sehe mich um und gebe der Kellnerin ein Zeichen.

Die modische junge Frau, die uns bedient, kommt her. Sie hat blonde Ringellocken, ein schwarzes Lederkleid an und einige recht interessante Tattoos.

Wenn ich nicht so sehr mit dem Versuch beschäftigt wäre, Cady zu vögeln, würde ich auf jeden Fall mit ihr reden.

„Möchten Sie eine Karte?“, fragt sie Cady.

Ich sehe, wie Cady die Kellnerin mustert, aber ich kann keine ihrer Reaktionen entziffern. Was verbirgt sie?, frage ich mich.

„Ich nehme einen Wodka mit Soda und extra Limetten“, sagt Cady.

„Ich nehme noch einen Old Fashioned“, sage ich mit einem Lächeln.

Als die Kellnerin zur Bar läuft, sehe ich wieder diesen Ausdruck auf Cadys Gesicht. Den gleichen kalkulierenden Ausdruck wie zuvor, nur geht es dieses Mal um die Interaktion zwischen der Kellnerin und mir von gerade eben. Ich weiß nicht, was sie denkt, aber ich möchte lieber kein Risiko eingehen.

Ich brauche ein paar Fragen, um uns beide abzulenken.

„Okay. Die schnellen Fakten über mich“, verkünde ich. Ihr dunkelgrauer Blick liegt jetzt auf mir und zwar so eindringlich, dass er fast schon brennt.

„Oh?“, sagt sie und zieht eine Braue hoch.

„Ja. Ich wurde in Asheville, North Carolina geboren. Meine Eltern sind ein Bauunternehmer und eine Lehrerin. Ich habe einen Bruder, der zwei Jahre jünger ist.“ Ich mache eine kurze Pause. „Ich bin fünfunddreißig Jahre alt und ich glaube, ich habe dir schon gesagt, was mein Job ist.“

„Ja, das hast du“, bestätigt sie und lehnt sich auf der Bank zurück. Sie schiebt eine Locke rabenschwarzer Haare hinter ihr Ohr. Ich denke mir im Stillen, dass sie wie ein Model aussieht mit ihrem roten Lippenstift und nach hinten geglätteten Haaren.

„Nenn mir deine schnellen Fakten“, schlage ich vor. „Du weißt schon, damit sich unsere ‚Beziehung‘ weiterentwickeln kann.“

Sie lächelt über meinen Gebrauch der Gänsefüßchen.

„Klingt fair. Ich wurde in Santa Fe geboren. Ich…“, sagt sie, dann stockt sie. „Ich wuchs im Pflegefamiliensystem auf, wurde von einer Familie zur nächsten weitergereicht. Ich bin dreiunddreißig und ich habe dir auch schon gesagt, welchen Beruf ich habe.“

„Anwältin, stimmt’s?“, hake ich nach.

„Mmmhm. Eine Zivilprozessanwältin“, bestätigt sie.

Ich bemerke, dass sie mir, als sie das Gewicht verlagert, einen Blick auf ihr Dekolleté gewährt. Ich bin allerdings niemand, der sich über so etwas beschwert. Die Kellnerin bringt die Drinks und ich schaue sie nicht einmal an.

Für den kürzesten Augenblick sehe ich Cadys zufriedenes Lächeln. Bingo, denke ich. Also gefällt es dir, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, hm?

Ich verberge mein Grinsen hinter meinem Drink. Sie trinkt einen Schluck von ihrem und hinterlässt einen perfekten roten Lippenstiftabdruck am Glasrand.

„Hast du irgendetwas von deiner Ex gehört?“, will sie wissen.

Meine Ex? Ich denke zurück an jenen Abend und da fällt mir ein, was ich ihr erzählte. Ich log bezüglich Emilys Anwesenheit dort, aber ich bezweifle, dass das Cady wirklich kümmert.

„Kein Wort. Du hast mir wirklich einen Gefallen getan“, sage ich und rücke ein Stückchen näher zu ihr. Ich berühre jetzt fast ihren Arm. Der nächste Schritt besteht darin, meinen Arm beiläufig um ihre Schulter zu legen.

Bald.

„Das werde ich mir merken müssen“, entgegnet sie und strahlt mich an. „Für spätere Erpressungen.“

Ich grinse. „Definitiv. Tu dir keinen Zwang an, erpresse dir von mir alles, was du willst. Ich gehöre ganz dir.“

„Ist das so?“, sagt sie, wobei sie hübsch errötet.

„Oh yeah. Ich bin ein wirklich guter Kerl zum… du weißt schon. Kennen“, entgegne ich mit einem Zwinkern.

„Ich verstehe. Wenn ich also die Kellnerin und den Barkeeper fragen würde, wie viele Frauen du schon hierher gebracht hast…“

Erwischt. Also hat sie bemerkt, was für eine Bar das hier ist.

„In diesem Fall berufe ich mich auf das Recht zu schweigen“, sage ich und hebe meine rechte Hand.

„Ja, in diesem Laden fange ich die Art von Tinder Date Schwingungen auf. Als würde ich mich hier nicht hinsetzen wollen, außer ich habe Unterwäsche an, nur um sicher zu sein“, scherzt sie.

„Also hast du ein Höschen an?“, erkundige ich mich mit einem wölfischen Grinsen. Ich kann einfach nicht anders, als sie zu necken. Sie bringt das mehr in mir hervor, als es bei mir üblich ist.

Sie wirkt peinlich berührt. „Vielleicht.“

Ich strecke beiläufig meine Arme und schiebe dann einen um ihre Schultern und rücke eine Spur näher zu ihr. Ihr praller Busen und runde Hüfte berühren meinen Arm und Bein. Sie sieht mit diesen großen grauen Augen zu mir hoch. Ihre perfekten vollen roten Lippen sind die reine Versuchung.

Bald.

„Lass mich raten“, sage ich. „Ein Paar Boyshorts aus Spitze? Oder… nein, ich weiß, worauf du stehst. Einen mega winzigen schwarzen Tanga.“

Sie läuft bis zu den Haarwurzeln rot an.

„Eine Dame spricht in der Öffentlichkeit nicht über ihre Unterwäsche.“

Ich beuge mich näher zu ihrem Ohr und flüstere: „Ich werde es sowieso früher oder später herausfinden. Oder nicht?“

Ich wünschte, ich könnte in diesem Moment ein Foto von ihrem Gesicht machen. Die Kombination aus völligem Schock und unterdrückter Lust steht ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.

Es bricht mir fast das Herz, als sie sich abwendet und ihren Drink hinunterkippt. Aber ich bin einen Schritt weiter in meiner Mission, herauszufinden, was sie scharf macht. Ich denke, sie mag ein wenig Dirty Talk, was mich sogar noch härter werden lässt.

Ich entspanne mich, lasse meinen Arm auf ihren Schultern liegen und wechsle das Thema. Wir reden über meine Tattoos und ein bisschen über unsere Jobs.

Sie scheint erleichtert, aber ich bemerke auch, dass die Spannung ihren Körper nicht ganz verlässt. Wir unterhalten uns ein wenig, bestellen weitere Drinks. Ich necke sie und sie errötet.

Es gefällt mir, dass ich sie immer und immer wieder erröten lassen kann. Das weckt in mir die Frage, wie ihr Gesicht aussieht, wenn sie zum Orgasmus kommt. Ich würde darauf wetten, dass sie das fantastischste O-Gesicht macht.

Ich beabsichtige mit eigenen Augen in Erfahrung zu bringen, wie das aussieht, heute Nacht.

Ich bin etwas davon abgelenkt, ihren Körper zu betrachten, während wir miteinander plaudern. Ihre Beine sind glatt und wohlgeformt, jeder Zentimeter, den sie zeigt, ist perfekt. Normalerweise suche ich mir eher kleine Frauen, doch Cadys lange Beine veranlassen mich dazu, über all die Stellungen nachzudenken, in die ich sie positionieren möchte.

Würde sie mich wie einen Hengst reiten oder wäre es ihr lieber, wenn ich sie von hinten ficke?

Und lass mich erst gar nicht von ihren Titten anfangen. Sie hat einen üppigeren Vorbau als die meisten Frauen, mit denen ich ausgehe, und ich stelle mir vor, dass ihre nackten Brüste absolut, unfassbar fantastisch sind.

„Es tut mir leid, was hast du gefragt? Ich war damit beschäftigt, dich anzustarren“, erkläre ich achselzuckend.

Cady schießt die Röte in die Wangen. „Ich fragte, ob es in deiner Familie irgendwelche Herzkrankheiten gibt. Oder Erbkrankheiten.“

Ich streiche mir mit der Hand über Mund und Bart, während ich nachdenke. Gibt es welche?

„Ich glaube nicht, nein. Was hat es mit den medizinischen Fragen auf sich?“

Sie antwortet jedoch nicht auf meine Frage, sondern lässt einfach die nächste Frage folgen.

„Ähm. Bist du… äh, gesund?“, fragt sie. Ihr Gesicht ist jetzt knallrot. „Ich meine, wurdest du in letzter Zeit auf Geschlechtskrankheiten getestet?“

Das ist die erste Frage von allen, die sie bisher gestellt hat, die mir ein merkwürdiges Gefühl gibt. Ich bedenke sie mit einem misstrauischen Blick.

„Warum?“, frage ich unverblümt.

Sie legt ihre Hand in einer beruhigenden Geste auf meinen Bizeps.

„Sag es mir einfach. Eine Frau hat das Recht zu wissen, mit wem sie… vielleicht… Sachen macht, oder etwa nicht?“

Meine Brauen wölben sich. „Ich wurde im letzten Monat getestet und mir wurde beste Gesundheit bescheinigt.“

Ihr Gesicht brennt weiterhin rot. Sie beißt einen Augenblick auf ihre Lippe.

„Okay. Ähmmm… ich möchte dich etwas fragen“, beginnt sie, wobei die Worte hastig über ihre Lippen sprudeln. Ich öffne meinen Mund, um etwas zu sagen, doch sie stoppt mich. „Nein, lass mich ausreden. Ich verstehe, falls es zu viel ist, aber… ich versuche, schwanger zu werden.“

„Whoa… was?“, sage ich überrumpelt. „Du… was?“

„Ich versuche, dich zu bitten, mein… du weißt schon… mein Samenspender zu sein. Nur, dass ich möchte…“ Sie muss sich unterbrechen und ihr Gesicht eine Sekunde in ihren Händen vergraben. „Das ist viel schwerer, als es das sein sollte.“

„Fragst du mich etwa… fragst du mich, ob ich dich schwängern werde?“, will ich wissen. Die Worte klingen extrem merkwürdig, als sie meinen Mund verlassen.

„Ja!“, sagt sie, ihre Worte kommen immer noch viel zu schnell über ihre Lippen. „Ich kann die ganze Fruchtbarkeitsklinik-Sache überspringen, wenn ich jemanden finde… jemanden, den ich ausreichend mag.“

Ich ziehe meinen Arm, der bis dahin auf ihren Schultern geruht hat, weg und reibe mir über den Nacken. Was soll ich darauf bitteschön antworten?

„Ich weiß nicht…“, bringe ich schließlich hervor. „Ich… ich weiß es einfach nicht.“

„Hör zu“, fleht sie und legt ihre Hand auf meinen Schenkel. „Du weißt, dass ich Anwältin bin. Du magst deine Freiheit? Ich werde einen Vertrag aufsetzen, der sicherstellt, dass das auch so bleibt. Ich werde dafür sorgen, dass der Vertrag wasserdicht ist.“

Sie sieht, dass ich den Blick abwende, und wird ein wenig verzweifelt.

„Jett, bitte sieh mich an.“ Ich schaue zu ihr und sie lächelt. „Hi. Sorry. Ich bin nur… du bist so verflucht heiß und du bist gesund. Du hast offensichtlich großartige Gene. Und ich kann mir nur ausmalen, dass unser… unser Sex dem… vorzuziehen wäre, was auch immer an kaltem, klinischem Zeug die Samenbank zu bieten hat. Im Grunde genommen bitte ich dich…“, sagt sie und wird abermals rot. „Ich Grunde genommen bitte ich dich, ungeschützten Sex mit mir zu haben.“

„Es ist nur… eine Menge zu verdauen“, erwidere ich unbehaglich.

Einerseits fleht sie mich im Ernst an, bitte, bitte in ihr zu kommen. Andererseits weiß ich verdammt nochmal nicht, was ich davon halten soll, ein Kind zu haben. Selbst, wenn ich nicht dafür verantwortlich wäre, ihm irgendetwas von meinem Geld oder Zeit zu schenken, würde ich… was? Einfach in dem Wissen herumlaufen, dass es dort draußen ist?

„Ich weiß, dass es eine große Bitte ist. Ein wirklich, wirklich großer Gefallen. Ich verstehe, wenn du darüber nachdenken musst.“

Ich betrachte sie einen langen Moment. Sie ist so verführerisch in diesem kleinen roten Kleid und mit ihren überschlagenen Beinen. Ich möchte sie erleben, ihre vollen Lippen um meinen Schwanz spüren, sie um meinen Schwanz zucken fühlen. Ich will sie so rot wie eine Rose während ihres Orgasmus werden sehen, will den Sturm sehen, der dabei durch ihre großen grauen Augen fegt.

Meine wilde Seite wispert tu es einfach. Aber meine vernünftige Seite sagt bitte BITTE denk darüber nach.

„Kann ich darüber nachdenken?“, frage ich schließlich.

Sie atmet geräuschvoll aus, erleichtert. „Natürlich! Denk darüber nach, besprich es mit einem Anwalt… was auch immer du tun musst.“

Cady bewegt sich leicht und öffnet dann ihre Handtasche. Sie wirft einen Hunderter auf den Tisch. Anscheinend bezahlt sie heute Abend für die Drinks.

Ich habe mich noch nie zuvor wie ein Prostituierter gefühlt, aber diese Situation kommt dem grenzwertig nahe. Mir fehlen noch immer die Worte.

„Ich bin nur… ich bin irgendwie…“, sage ich und fuchtle mit einer Hand.

„Du musst dich nicht erklären. Nur… nimm dir all die Zeit, die du brauchst. Du hast meine Nummer“, erwidert sie.

Sie beugt sich zu mir und legt eine Hand auf meinen Brustmuskel. Sie küsst mich sanft auf die Wange. Ich stöhne und fange ihre Lippen mit meinen, unfähig, mich zurückzuhalten, nachdem ich den ganzen verdammten Tag von ihr fantasiert habe.

Der Kuss ist süß und sanft, zuerst nur ein Streichen der Lippen. Ihre Lippen sind weicher als alles, das ich mir vorstellen kann. Ich vertiefe den Kuss, lasse meine Zunge gegen ihre Zähne schnellen. Sie macht ein leises Geräusch, das teils Begehren, teils animalische Lust ist.

Ich schwöre, dieser Laut lässt mich innerhalb von Sekunden steinhart werden.

Sie öffnet sich für mich und meine Zunge gleitet in ihren Mund. Meine Fresse, sie schmeckt süßer als verdammte Bonbons.

Ich spüre, wie sie gegen meine Brust drückt, und lasse sie widerwillig los. Wir verharren noch eine Sekunde so, blicken nur in die Augen des jeweils anderen und versuchen, zu lesen, was auch immer darin zu sehen ist.

Dann beißt sie auf ihre Lippe und streicht mit ihren Fingern über meine Lippen. „Ich fürchte, ich habe dich mit rotem Lippenstift beschmiert.“

„Ich werde ihn wie ein Ehrenabzeichen tragen“, scherze ich.

Cady lächelt und rutscht von der Bank, dann steht sie auf.

„Ich werde auf deinen Anruf warten“, sagt sie. „Gute Nacht.“

„Nacht“, erwidere ich.

Ich sehe zu, wie sie aus der Bar läuft und dann beobachte ich sie durch das Fenster. Sie macht eine ziemlich gute Figur in der dunklen Straße, eine elegante Dame in Rot.

Ich lehne mich mit einem Seufzen zurück. Was zum Henker ist da gerade passiert?

Ich habe selbst schon eine Menge Vorschläge unterbreitet. Zum Teufel, ich bin sogar ein paar Mal um Sex gebeten worden.

Aber noch nie in meinem fünfunddreißigjährigen Leben wurde ich gebeten, jemanden zu schwängern. Das ist, ich schwöre es, absolut und vollkommen einzigartig.

Ich stehe auf und gehe einige Minuten nach Cady, während mein Gehirn auf Hochtouren arbeitet.

Ja, da ist Cady. Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl bei ihr. Die Lust an sich könnte schon eine Belohnung sein, ehrlich gesagt.

Aber worum bittet sie? Dass ich ein Leben zeuge? Das ist verflucht ernster Scheiß.

Ich muss eine Menge nachdenken über Cady und ihren Vorschlag.

The free sample has ended.

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0+
Release date on Litres:
07 November 2025
Volume:
241 p. 2 illustrations
ISBN:
9783969876602
Publishers:
Copyright Holder::
Bookwire
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