Read the book: «Fake Love»
Fake Love
Nur Freunde!
Jennifer Sucevic

Impressum
Nachdruck, Vervielfältigung und Veröffentlichung - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages!
Im Buch vorkommende Personen und Handlung dieser Geschichte sind frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist zufällig und nicht beabsichtigt.
Copyright © 2020 dieser Ausgabe Obo e-Books Verlag,
alle Rechte vorbehalten.
OBO e-Books
M. Kluger
Fort Chambray
Apartment 20c
Gozo, Mgarr
GSM 2290
Inhalt
1. Reed
2. Emerson
3. Reed
4. Emerson
5. Reed
6. Emerson
7. Reed
8. Emerson
9. Reed
10. Emerson
11. Reed
12. Emerson
13. Emerson
14. Emerson
15. Reed
16. Emerson
17. Reed
18. Emerson
19. Emerson
20. Reed
21. Emerson
22. Emerson
23. Reed
24. Emerson
25. Reed
26. Emerson
27. Reed
28. Emerson
29. Reed
30. Reed
31. Emerson
32. Reed
33. Emerson
34. Reed
35. Emerson
Epilog
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1
Reed
Mit einem Seufzer lasse ich mich auf die Couch fallen und öffne eine Dose mit kaltem Bier. Dann stürze ich die Hälfte davon mit einem durstigen Schluck hinunter.
Verdammt, das war genau das, was ich gerade brauchte.
Weißt du, was genauso gut wäre?
Ja, das weißt du.
Wir sind in der zweiten Septemberwoche, und Coach Richards lässt uns zwei Mal am Tag auf dem Eis trainieren, Gewichte heben und fünf Meilen für zusätzliches Cardiotraining laufen.
Als ob wir das nötig hätten.
Oh … und er fügte dem diesjährigen Programm Yoga hinzu.
Scheißyoga.
Nicht zu glauben, oder?
Lass es mich ganz klar sagen: Ich stehe nicht darauf, meinen Körper zu einer Brezel zu verbiegen und tief aus dem Bauch heraus zu atmen. Sicher, ich verstehe ihn. Er möchte, dass wir an unserer Flexibilität arbeiten. Und ich mache mit, aber das bedeutet nicht, dass es mir gefallen muss.
Coach R ist ein totaler Masochist.
Oder war es Sadist?
Ich kann die beiden nie auseinanderhalten.
Ist auch egal. Was immer er ist, der Mann genießt es, uns den Arsch aufzureißen. Das einzig Lustige daran ist das Stöhnen und Jammern der neu eingestiegenen Erstsemester über unseren harten Trainingsplan.
Willkommen in der Eishockey-Division I, Jungs. Schnallt euch an, es wird eine holprige Fahrt.
Addiere dazu noch fünfzehn Semesterwochenstunden, und es bleibt kaum Zeit für was anderes.
"Reed, Baby, ich habe die ganze Nacht auf deine Rückkehr gewartet."
Eine kurvenreiche Frau setzt sich mir wie ein vom Himmel fallender Engel auf den Schoß, bevor sie ihre Arme um meinen Hals schlingt und mich zu sich heranzieht.
Ich muss mich korrigieren. Dafür ist immer Zeit.
Verdammt, die Hälfte der Zeit ist es das, was mich aufrecht hält. Sex ist großartig, um Stress abzubauen – lass dir von niemandem was anderes erzählen. Ich bin viel entspannter, nachdem ich meine Ladung verschossen habe. Und wenn ich das Glück habe, es zweimal in einer Nacht zu tun, dann ist es, als wäre ich in ein verdammtes Koma gefallen.
Reine Glückseligkeit, Baby.
Zum Glück für uns hat das Eishockeyteam der Red Devils eine genügend Puckbunnies auf dem Campus, die immer bereit sind, für den dringend benötigten Stressabbau zu sorgen. Gott segne jede einzelne dieser Damen. Sie haben keine Ahnung, wie sehr ihr Teamgeist geschätzt wird.
Dennoch gibt es immer wieder Ausnahmen von der Regel.
Und das Mädchen, das derzeit auf meinem Schoß sitzt, ist die Ausnahme von meiner Regel.
Megan schiebt ihre Unterlippe zu einem sexy Schmollmund hervor. "Wie kann es sein, dass wir noch nie was miteinander hatten?"
Die Antwort ist einfach. Ich bemühe mich, sie zu meiden wie eine ansteckende Krankheit.
Megan klimpert mit ihren getuschten Wimpern und neigt ihren Kopf. Ihre Stimme klingt jetzt wie die eines kleinen Mädchens, als sie eine dunkle Locke um den Finger wickelt. "Findest du mich nicht hübsch?"
Hübsch?
Nein, Megan ist hinreißend.
Ihr langes schwarzes Haar glänzt wie ein Krähenflügel und liegt in sanften Wellen um ihre Schultern. Sie hat dunkle Augen, die leicht mandelförmig geformt sind und ihr einen exotischen Touch verleihen. Ihre Haut sieht das ganze Jahr über aus, als wäre sie von der Sonne geküsst. Und als ob das nicht schon reichen würde, um sie zum feuchten Traum eines Kerls zu machen, hat sie quasi schwerkraftlose Titten und einen runden Arsch.
Habe ich mir vorgestellt, sie von hinten zu ficken und ihr ein paar Mal auf den Hintern zu klatschen, bevor ich mein Pulver verschieße?
Darauf kannst du Megans perfekten runden Arsch verwetten. Das Mädchen ist ein wandelnder feuchter Traum.
Und nach dem, was die Jungs im Team so erzählen (weil sie ein Haufen großmäuliger Arschlöcher sind, die gerne prahlen), lutscht sie einen Schwanz wie keine andere. Aber das werde ich wohl nie erleben. Ich halte mich von Megan fern, denn jedes Mal, wenn ich sie anschaue, sehe ich Emerson.
Und sich vorzustellen, dass ich meine beste Freundin nagele, ist definitiv ein No-Go.
Als ich nicht sofort antworte, reibt Megan ihren perfekten Hintern an meinem Schritt. Leider reicht allein der Gedanke an Emerson aus, um wie eine kalte Dusche zu wirken.
Es ist eine verzwickte Situation.
Eine, die Em glücklicherweise nicht kennt. Genau so muss es auch bleiben. Sie darf nicht herausfinden, dass ich scharf auf sie bin. Emerson Shaw ist eine der ersten Freunde, die ich fand, als meine Mutter und ich im Sommer vor dem ersten Jahr an der Highschool nach Lakefield zogen. Und seitdem sind wir fast unzertrennlich.
Ich genieße zwanglose Friends-with-benefits-Beziehungen mit einer Reihe von Mädchen auf dem Campus, aber ich habe nie daran gedacht, mit Em zu schlafen.
Okay, vielleicht habe ich darüber nachgedacht, mit ihr Sex zu haben. Es ist schwer, sich nicht vorzustellen, wie es ist, sie auszuziehen, bei einem Mädchen, das so aussieht wie sie, aber ich habe nie etwas in der Richtung versucht.
Ich habe zu viele Frauen gevögelt, um zu wissen, dass es eine Beziehung verändert. Und ich mag Em viel zu sehr, um das Risiko einzugehen, mit ihr zu schlafen. Sie ist die einzige Person, die immer zu mir gehalten hat. Und seien wir ehrlich, ich kann viel offener ihr gegenüber sein als bei meinen Teamkollegen.
Kannst du dir vorstellen, dass ich diesen Arschlöchern meine Seele offenbare?
Ganz genau. Das würde nie im Leben gut gehen.
Meine Freundschaft mit Emerson gibt mir noch dazu Einblicke in die weibliche Psyche, die ich sonst nie bekommen würde. Es ist wie ein Blick hinter den magischen Vorhang. Ich bin nicht bereit, das wegzuwerfen, vor allem da es genügend Puckbunnies gibt, mit denen ich mich austoben kann.
Und die Moral der Geschichte – eine echte Freundschaft ist viel schwerer zu erhalten als ein paar Abschüsse.
"Reed?" Megan nimmt meine Unterlippe zwischen ihre scharfen Zähne, knabbert sanft daran und lässt dann von mir ab.
Blinzelnd kehre ich gedanklich zurück zu dem Mädchen, das sich auf meinem Schoß herumschlängelt. "Ja?"
Sie legt ihre Hände auf meine Schultern. "Du bist so verkrampft."
Verdammt richtig, das bin ich. Alles, woran ich denken kann, ist Emerson, und das ist falsch.
"Lass uns nach oben gehen." Ihre Zunge gleitet heraus, um ihre Lippen zu befeuchten, dann flüstert sie: "Ich weiß genau, was dagegen hilft."
Wenn ein anderes Mädchen das Angebot machen würde, hätte ich sie bereits die Treppe zu meinem Schlafzimmer hinaufgeschleift. Aber das wird bei Megan nicht passieren. Ich kann mich nicht mit jemandem einlassen, der wie ein Doppelgänger von Emerson ist.
Ich kann es einfach nicht. Vielleicht mache ich technisch gesehen nichts falsch, aber es fühlt sich trotzdem an, als würde ich eine Art Freundschaftsregel brechen. Sie weiß vermutlich nicht, dass ich so über sie denke, aber ich weiß es.
Und das ist alles, was zählt.
Ich schätze, ich muss mir ein anderes Mädchen suchen, mit dem ich mich beschäftigen kann. Vorzugsweise eine flachbrüstige Blondine mit großen blauen Augen, die Em nicht ähnelt. Oder vielleicht eine Rothaarige, um die Dinge etwas abwechslungsreicher zu machen.
Megans Augen leuchten, als ich mein Bier abstelle, meine Hände um ihre Taille lege und sie vorsichtig von meinem Schoß schiebe. "Entschuldige, Schatz. Ich muss noch was für morgen fertig machen." Ich nutze eine kleine Notlüge, um die Abfuhr abzumildern. "Vielleicht ein anderes Mal?"
Ihr Lächeln fällt in sich zusammen. "Sicher, kein Problem."
Bevor sie mich auf eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort festnageln kann, ziehe ich mich eilig aus dem Wohnzimmer zurück und gehe nach oben. Sobald ich in meinem Zimmer Zuflucht gefunden habe, schreibe ich eine Textnachricht an eines meiner Mädchen.
Eine Viertelstunde später kommt meine Ablenkung für diesen Abend durch die Tür.
Weißt du, was mir an Candace am besten gefällt?
Das Mädchen kommt gleich zur Sache. Sie muss keine Zeit mit Small Talk verschwenden und das ist ganz meine Meinung. Ich bin in der Stimmung zu ficken. Nicht darin, über Weltpolitik oder Klimawandel zu diskutieren.
Die Tür hat sich noch nicht einmal geschlossen, und Candace verliert bereits ihre Kleidung. Da sie sich nicht mit einem BH aufgehalten hat, springen ihre Titten heraus, sobald sie ihr Shirt auszieht. Ihre Nippel versteifen sich, als die kühle Luft auf sie trifft.
Es ist ein schöner Anblick.
Aber …
Südlich der Gürtellinie rührt sich nichts. Nicht so wie vorhin, als ich an eine bestimmte Person gedacht habe, die namenlos bleiben soll. Aber ich mache mir keine Sorgen. Ich muss mich nur fokussieren, mich auf die anstehende Aufgabe konzentrieren. Was meinen Schwanz zum Stehen bringen wird.
Ich ziehe mein T-Shirt aus und werfe es auf den Boden, während Candace den Knopf ihrer winzig kleinen Shorts aufschnippt und dann den Reißverschluss öffnet. Ihren Blick auf mich gerichtet, schlängelt sie sich aus ihnen heraus.
Und weißt du was?
Kein Höschen in Sicht.
Nur eine herrlich nackte Pussy.
Das funktioniert für mich.
Nun, zumindest ist es das, was normalerweise für mich funktioniert.
Im Moment jedoch hat die Schlappschwanzkrankheit eingesetzt.
Nachdem Candace sich komplett ausgezogen hat, stolziert sie sexy wie die Hölle zum Bett, wo ich es mir bequem gemacht habe. Ihre Augenlider senken sich, während ein wissendes Lächeln ihre roten, vollen Lippen umspielt. Ich betrachte ihren wunderschönen Körper.
Das Mädchen ist absolut perfekt.
"Du hast mir gefehlt." Sie krabbelt vom Ende des Bettes zu mir hoch, bis ihre Hände auf meiner nackten Brust ruhen. "Ich bin froh, dass du mir eine SMS geschrieben hast."
Das sagt sie jetzt, aber sie wird ihre Meinung ändern, wenn sie mein Ding in die Hände bekommt. Ich warte nämlich immer noch darauf, dass mein Schwanz die Gelegenheit wahrnimmt, aber er rührt sich nicht.
Was zum Teufel stimmt nicht mit mir?
Ich dachte, so etwas passiert nur älteren Menschen. Ich bin viel zu jung für Viagra. Außerdem weiß ich, wie dieser Mist einen fertigmachen kann.
Nein, vielen Dank auch.
Letztes Jahr hat einer der Esel in meinem Team aus Jux und Tollerei ein paar dieser kleinen blauen Pillen in die Hände bekommen und sie einem der Neulinge zugesteckt. Der arme Kerl ist tagelang mit einem Ständer rumgerannt. Und dann musste er auch noch in die Notaufnahme. Als Coach R über die Situation informiert wurde, hat er uns den Arsch aufgerissen und damit gedroht, die gesamte Mannschaft für die Saison auf die Bank zu setzen. Danach hat er uns übers Eis gejagt, bis uns praktisch die Beine abfielen.
Candy zieht ihre lilafarbenen Fingernägel an meiner Brust entlang, drückt mich in die Matratze und beugt sich über meinen Oberkörper. Dann leckt sie eine nasse Spur an meinem Körper hinunter, bis sie zum Bund meiner Sporthose.
Diese Begegnung wird sehr schnell einen Sturzflug hinlegen, wenn ich ihn nicht in Rekordtempo zum Stehen kriege. Da ich nicht weiß, was ich tun soll, drücke ich meine Augenlider fest zusammen, ein Bild von Emerson schießt mir durch den Kopf.
Dunkles Haar, üppige Kurven, strahlendes Lächeln.
Candace kichert, als sie meine Boxershorts über meine harte Länge hinabzieht, als sähe sie ein lang ersehntes Weihnachtsgeschenk. "Da ist ja mein großer Junge!"
Ich stöhne.
Ich bin so am Arsch.
2
Emerson
"Denk dran, dass du heute Abend mitkommen wolltest", sagt Brinley auf dem Weg zu unserer letzten Vorlesung heute.
Oder besser gesagt: Zur letzten Vorlesung dieser Woche.
Thank god it’s friday, Baby!
Ich unterdrücke ein Stöhnen. Ich werde es Brin gegenüber nicht zugeben, aber ich würde viel lieber zu Hause bleiben. Das Semester hat vor weniger als einem Monat begonnen und es war eine lange Woche. Ich stecke schon jetzt knietief in Hausaufgaben. In einem Moment der Schwäche habe ich Brinley versprochen, dass ich mit ihr zur Alpha-Delta-Phi-Party gehen und ein wenig dringend benötigte Zeit mit meiner besten Freundin verbringen werde. Unsere Stundenpläne sind so verdammt voll, dass wir manchmal wie Schiffe sind, die in der Nacht aneinander vorbeifahren.
Brinley hat Rechtswissenschaften mit Kunst als Nebenfach belegt. Es ist eine seltsame Kombination, aber es funktioniert für sie. Kunst ist ihr kreatives Ventil, während sie Politik und Geschichte studiert. Sie hat bereits den Law School Admission Test gemacht und ist dabei, eine Liste von juristischen Fakultäten zusammenzustellen, bei denen sie sich bewerben will. Dies ist unser viertes und letztes gemeinsames Jahr, und ich bin traurig, dass es zu Ende geht. Wer weiß, wo wir nächstes Jahr landen werden. Mit ziemlicher Sicherheit in verschiedenen Städten.
Ich nicke. Plötzlich legt mir jemand seinen Arm um die Schultern und zieht mich an sich. Ich nehme den sauberen, holzigen Duft wahr, der ganz und gar männlich ist. Reed drückt mir einen Kuss auf die Stirn, wie er es immer tut, wenn wir uns sehen.
"Hey, gut siehst du aus", begrüßt er mich, bevor er Brin zunickt.
"Das Gleiche gilt für dich", antworte ich mit einem Lächeln.
"Wir sprachen gerade über die Alpha-Delta-Phi-Party heute Abend", sagt Brinley. "Ich nehme an, dass du auch da bist?"
"Ich hatte es vor", antwortet Reed, während wir drei über den Campus gehen. "Das wird eine coole Party." Er wirft Brin ein verschmitztes Lächeln zu. "Ich bin sicher, Colton wird auch da sein."
Brinleys Gesichtsausdruck ist vollkommen neutral, als sie ihn kurz von der Seite her ansieht. "Und das sagst du mir, weil…3?"
"Nur so." Ein breites Grinsen gleitet über Reeds Gesicht, dann zuckt er mit den Achseln. "Ich dachte nur, dass es dich interessieren könnte."
Sie schnaubt und blickt konzentriert geradeaus. "Nun, da hast du dich geirrt."
"Das ist zu schade", fährt Reed fort. "Ich glaube, er steht auf dich."
"Er und jeder andere Typ auf diesem Campus", schießt sie mit einem Schnauben zurück.
Das mag eingebildet klingen, aber es stimmt. Brinley ist wunderschön mit langen blonden Haaren, leuchtend grünen Augen und einer kurvenreichen Figur. Die Jungs sind hinter ihr her, seit ich sie im ersten Studienjahr kennengelernt habe. Und sie hat absolut kein Problem damit, sie wie Kaugummistangen zu vernaschen.
Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, dass Brinley wie ein Kerl denkt. Sie interessiert sich nicht für Beziehungen. Und ich habe sie noch nie herumsitzen und wegen eines Mannes weinen sehen. Sie schläft, mit wem sie will, und schaut nicht zurück, wenn sie morgens verschwindet.
Brinley hat zwei Regeln, wenn es um die männliche Spezies geht. Sie schläft mit niemandem mehr als einmal. Zweimal, wenn es wirklich gut ist. Und sie klammert nicht. Wenn das nicht nach der Denkweise eines Mannes klingt, weiß ich nicht, was sonst. Ich kann nicht sagen, dass es bei ihr nicht funktioniert. Sie scheint vollkommen glücklich zu sein. Wie ich konzentriert sie sich auf ihre Zukunft.
Ich vermute, dass Reed recht hat, wenn er sagt, dass sein Freund auf sie steht, aber Brinley weigert sich, Colton zu beachten. Ich bin mir nicht sicher, warum. Er sieht gut aus, auf eine geschniegelte Art und Weise, mit dunklen Haaren und braunen Augen. Obwohl er in der Eishockeymannschaft ist, ist er supernett. Viele der Jungs hier sind Player, doch Colton ist keiner von ihnen.
Reed lacht. "Ist es schwer, so ein massives Ego mit sich herumzutragen?"
Brinley klimpert mit den Wimpern. "Keine Ahnung, sag du es mir."
"Ha! Touché."
Jetzt, nachdem Reed zu uns gestoßen ist, drehen sich viele Köpfe in unsere Richtung. Ich schaue mich um und bemerke all die Blicke, die auf uns gerichtet sind. Es ist irgendwie komisch. Mit Reed an unserer Seite werden wir plötzlich wahrgenommen. Was diese Mädchen nicht verstehen, ist, dass ich keine Konkurrenz bin. Die meisten Leute nehmen an, dass ich eins von Reeds Betthäschen bin. Aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Diese Art von weiblicher Aufmerksamkeit ist nicht ungewöhnlich. Reed war schon immer ein Favorit, wenn es um die Damen geht. Sie werden von ihm angezogen wie Bienen vom Honig.
Und wer kann ihnen verübeln, dass sie interessiert sind?
Reed Philips ist ein Hingucker mit seinen langen, dunkelblonden Haaren, die den Kragen seines Hemdes streifen, und strahlend blaugrünen Augen. Als ob das nicht reichen würde, um bei der weiblichen Bevölkerung für feuchte Höschen zu sorgen, ist er ein einsneunzig großer, reiner Muskelprotz und der Star-Verteidiger der Southern Red Devils.
Seit dem Moment, als Reed im ersten Studienjahr auf dem Campus ankam, ist er hoch im Kurs. Viele Jungs kommen hierher, um Eishockey zu spielen, und können dann dem Druck nicht standhalten. Sie geraten schnell in Vergessenheit. Das war bei Reed nicht der Fall. Wenn überhaupt, dann haben sich sein Talent und seine Berühmtheit nur vervielfacht. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass er im Frühjahr in der NHL spielen wird.
Reed drückt meinen Arm und wechselt das Thema. "Hey, ich dachte, wir wollten uns gestern den neuen Horrorfilm auf Netflix ansehen. Hast du das etwa vergessen?"
Ich blinzle und kehre zurück in die Gegenwart.
Filmnacht … richtig.
"Stella rief kurz vorher an und fragte, ob ich arbeiten könnte. Zoey hat die Grippe oder so etwas, sodass ich sie für ein paar Stunden vertreten musste." Da ich das Geld gut brauchen kann, bin ich immer bereit, eine oder zwei zusätzliche Schichten im Diner zu übernehmen, wo ich als Teilzeit-Kellnerin jobbe. Ich hasse es, meine Eltern um Geld zu bitten, da sie schon für mein Schulgeld und meinen Lebensunterhalt bezahlen.
"Um wie viel wetten wir, dass es die Schnapsgrippe war, an der sie erkrankt ist?" Brinley schnauft.
Ich zucke die Achseln. Alles ist möglich, Zoey feiert gern.
"Vielleicht können wir ihn uns am Wochenende ansehen?", schlage ich vor, während ich im Kopf meinen Terminplan durchgehe.
Horrorfilme zu sehen, ist irgendwie unser Ding. Wir machen das seit der Highschool.
"Klingt nach einem Plan", stimmt er locker zu.
"Bin ich die Einzige, die es komisch findet, dass du mehr Zeit mit ihm verbringst", Brin deutet mit dem Daumen auf Reed, "als mit Tyler?" Sie wartet einen Moment, bevor sie hinzufügt: "Du weißt schon, der Typ, mit dem du tatsächlich zusammen bist?"
Hm, vielleicht?
Reed und ich haben uns immer nahegestanden. Ich bin sicher, dass dies einer der Gründe ist, warum einige meiner Beziehungen zerbrochen sind. Wenn sich ein Mann mit mir verabreden will, muss er akzeptieren, dass Reed und ich Zeit miteinander verbringen.
Viel Zeit.
Hier ist meine Einstellung zu dem Thema: Lebe damit oder verschwinde.
Viele von ihnen entscheiden sich dafür, weiterzuziehen.
Es ist ihr Verlust. Nicht meiner.
Tyler versteht das und hat kein Problem damit.
Ich habe nicht viel Zeit, um eine Beziehung aufzubauen. Ich konzentriere mich darauf, mein Buchhaltungsstudium abzuschließen. Das College war schon immer meine oberste Priorität. Jungen stehen, sehr zu Brins Erstaunen, auf einem weit entfernten, zweiten Rang.
Meine Eltern haben viel geopfert, damit ich eine erstklassige Ausbildung an der Southern University erhalte. Wir waren nie die Art von Familie, die Urlaub macht oder sich einen nagelneuen SUV leistet, so wie es bei einigen meiner Freunde normal war. Meine Mutter ist Lehrerin an der Grundschule und mein Vater arbeitet für die Polizei von Lakefield.
Der Plan ist, mein Studium in diesem Jahr abzuschließen und mir eine Einstiegsposition bei einer großen Buchhaltungsfirma zu sichern, wo ich in der Unternehmensleiter aufsteigen kann. Ich bin die Erste, die zugibt, dass so was nicht sonderlich aufregend oder glamourös klingt, aber ich war schon immer gut mit Zahlen.
Einer der Gründe, warum Tyler im Moment in mein Leben passt, ist, dass er nicht viel Zeit oder Aufmerksamkeit von mir verlangt. Er ist der Präsident seiner Bruderschaft, daher ist sein Terminkalender vollgepackt mit all den Aktivitäten, die das Verbindungsleben mit sich bringt. Er sitzt mir nicht ständig im Nacken und will Zeit mit mir verbringen. Und das gefällt mir.
Ich bin keine Sportstudentin wie Reed oder an einer Verbindung beteiligt wie Tyler, aber ich bin dennoch beschäftigt. Zwischen dem Studium und meinem Teilzeitjob als Kellnerin bei Stella habe ich kaum Zeit für etwas anderes.
Als ich weiterhin schweige, zuckt Reed als Antwort die Achseln. Keiner von uns scheint übermäßig begierig darauf zu sein, diese Frage zu beantworten. Was wahrscheinlich das Beste ist. Die meisten Menschen verstehen unsere Beziehung nicht.
Einschließlich Brinley.
Wie kann man mit jemandem befreundet sein, der so heiß ist?
Ganz einfach. Auch heiße Typen brauchen Freunde. Es ist so was wie eine humanitäre Leistung meinerseits.
Brin sieht uns aus zusammengekniffenen Augen an, ihr Blick ist voller Spekulationen, als sie zwischen uns hin und her sieht. "Nun, ich sage euch, es ist seltsam."
Reed öffnet den Mund, gerade als das Sportzentrum in Sicht kommt. Anstatt zu reagieren, bläst er erleichtert die Luft aus. "Ich würde gern bei euch bleiben, aber ich muss zum Training. Der letzte Mann auf dem Eis muss die Trikots waschen." Er gibt mir einen weiteren Kuss auf die Stirn, bevor er mich loslässt.
Jetzt, da sein warmer Körper nicht mehr an meinen gepresst ist, erfüllt mich ein Gefühl des Verlusts. Aber das schiebe ich beiseite und ignoriere es.
Reed geht ein paar Schritte auf Abstand, bevor er sich umdreht und rückwärts joggt. "Wir sehen uns heute Abend!"
"Ja, bis dann." Ich winke ihm zu.
Er schenkt mir sein Markenzeichen, ein Grinsen, das mir direkt in den Bauch fährt, wo es beim Aufprall explodiert. Ich wehre schnell die Anziehungskraft ab, die in meinem Inneren aufflammen will.
Brinley schüttelt den Kopf und seufzt. Ihr Blick bleibt weiterhin auf Reed gerichtet, während er den Weg zur Eishalle hinunter joggt. "Verdammt, der Typ hat einen tollen Arsch. Es widerspricht jeder Logik, dass ihr beide noch nie nackt und verschwitzt zusammen wart." Bevor ich antworten kann, winkt sie mit der Hand in seine Richtung. "Lass mich das kurz zusammenfassen. Er ist heiß. Du bist heiß. Und die Chemie zwischen euch beiden ist unglaublich. Ich hatte fast einen Mini-Orgasmus, als ihr miteinander geflirtet habt."
Ich breche in Gelächter aus. "O mein Gott, du übertreibst total!"
Flirten! Ich glaube es nicht. Reed und ich flirten nicht. Es ist nichts weiter als freundschaftliches Geplänkel.
"Ich mache keine Witze." Sie fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Mein Höschen ist total durchnässt."
"Brinley! Too much information!"
"Ja, ich weiß. Aber das sind die besten Infos." Sie stupst meine Schulter mit ihrer an, während wir weitergehen. "Ich kann dir alles sagen."
"Nur weil du es kannst, heißt das nicht unbedingt, dass du es auch solltest", erinnere ich sie.
Sie kichert.
Brin mag frech sein, aber ich würde sie um nichts in der Welt ändern.
Genau wie Reed ist sie mein Leben.
3
Reed
Ich hebe das Bier an meine Lippen und schaue mich auf der Alpha-Delta-Phi-Party um. Es ist erst zehn Uhr und schon sind die meisten Studenten, die sich in dem weitläufigen Vorgarten aufhalten, betrunken und nicht mehr bei Sinnen. Drinnen ist es noch schlimmer. Laute Musik, wirklich schlechte Tänzer und ein Meer von grünen und weißen Bechern, den offiziellen Farben der Bruderschaft.
Ich bin seit etwa dreißig Minuten hier und habe Emerson und ihre Freundin Brinley noch nicht gesehen. Ich habe ihr eine Nachricht geschickt, bevor ich losging. Sie antwortete, dass die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen seien.
Vorbereitungen für was?
Emerson gehört nicht zu den Mädchen, die eine Million Stunden damit verbringen, ein Outfit für die Nacht auszusuchen oder sich mit Make-up vollzukleistern. Das ist eine der Eigenschaften, die ich an ihr mag. Sie ist bodenständig. Und sie mag zwar wenig Make-up tragen, aber sie sieht immer gut aus. Was eine seltene Kombination ist. Em hat diese natürliche Schönheit, die mir total gefällt. Es ist erfrischend. Vor allem auf einem College, an dem sich die Mädchen so kleiden, als würden sie in einen Club gehen, anstatt an einem Mittwochmorgen um acht Uhr einen Kurs zu besuchen.
Ich sage es gerade heraus – es gibt nicht viel, was ich an Emerson nicht mag.
Ich muss wirklich aufhören, so zu denken. Das ist nicht hilfreich.
Wie auch?
Die Gedanken vergehen mir, als Jessie Adams, einer meiner Teamkollegen, seinen Ellbogen in meine Rippen rammt. "Verdammt, Philips, ist das nicht deine Freundin da drüben?"
Ich fahre herum und sehe Emerson und Brinley, wie sie sich durch die Menge drängen. Meine Augenbrauen zucken zusammen, als mein Blick über Ems Körper gleitet.
Was zum Teufel hat sie da an?
Das ist auf keinen Fall ein Kleid. Es bedeckt kaum ihren Arsch. Wenn sie sich bückt, wird jeder einen Blick auf ihr Höschen werfen können. Und sie sollte besser, verdammt noch mal, ein Höschen tragen.
Ich sollte wegschauen und ein paar tiefe Atemzüge nehmen, aber ich kann nicht. Die Art und Weise, wie ihr Kleid ihre Brüste zur Geltung bringt, lässt meine Kehle knochentrocken werden. Ich habe mir große Mühe gegeben, nicht zu bemerken, wie spektakulär Ems Titten sind, aber in dem Outfit ist das unmöglich.
Wo zum Teufel sind das T-Shirt und die Jeans, die sie normalerweise trägt?
Ich schließe die Augen, nachdem ich einen Blick auf ihre Begleitung erhascht habe. Diese Transformation hat sie Brinley zu verdanken. Ich beiße die Zähne zusammen und zügele meine aufkommende Wut. Sie ist diejenige, die das verbrochen hat.
Versteh mich nicht falsch, ich mag Brin. Sie ist eine gute Freundin von Emerson, aber es gibt Zeiten, in denen Brinley sich hinreißen lässt und Emerson aus ihrer Komfortzone drängt.
Dies ist eindeutig eine dieser Gelegenheiten.
Wenn ich einen Kapuzenpullover tragen würde, ich würde da rüber gehen und ihn Em überstreifen. Aber da es Mitte September und das Wetter eher sommerlich ist, trage ich nur ein Shirt. Ich fahre mit einer Hand über mein Gesicht.
Als ob sie es nötig hätte, dass all diese Arschlöcher sie abchecken.
"Heilige Scheiße, Alter." Alex McAvoy, ein weiterer Teamkollege, gibt mir einen Klaps auf die Schulter und starrt Em an. "Es macht dir doch nichts aus, wenn ich sie anmache, oder? Dieses Mädchen hat alles im Griff!"
Bevor ich ihn in die nächste Woche prügeln kann, beschließt Jessie, sich einzumischen. "Das ist ein Arsch, den ich gerne mal vögeln würde. Vielleicht ein paar Mal."
Die beiden sind solche Schwachköpfe. Sie wissen verdammt gut, dass so über Em zu reden, eine todsichere Methode ist, um mich zu ärgern. Und das breite, dämliche Grinsen auf ihren Gesichtern zeigt, dass ich direkt in ihre Falle getappt bin.
"Ihr könnt euch beide verpissen." Ich blicke nacheinander auf jeden von ihnen. "Wenn einer von euch ihr auch nur ein verdammtes Haar auf dem Kopf krümmt, schlage ich ihm die Kniescheiben ein. Der Gewinn der Frozen-Four-Meisterschaft in diesem Jahr wird nicht mehr als ein Wunschtraum sein, wenn ich mit ihm fertig bin", knurre ich. "Außerdem hat sie einen Freund."
Jessie zuckt mit den Achseln. "Ja, aber das bist nicht du, also wen interessiert das schon?"
Ich balle die Hand, die nicht um meine Bierflasche geschlungen ist, zu einer Faust, und mache einen Schritt auf Jessie zu. Offenbar will er heute Abend die Zähne eingeschlagen bekommen.
Und weißt du was?
Ich wäre mehr als glücklich, ihm bei seiner Suche nach Zahnersatz behilflich zu sein.
"Es sind nicht die Haare auf ihrem Kopf, die ich anfassen möchte", fügt Alex mit einem Augenzwinkern hinzu.
Colton Hayes, unser Torwart, packt mich an den Schultern, bevor ich einen von ihnen in Stücke reißen kann.
"Beruhige dich, Philips. Du weißt, dass sie es lieben, dich wegen Em aufzuziehen. Sie ist die einzige Schwachstelle, die du hast. Alles andere geht dir am Arsch vorbei."
Ich rolle meine Schultern und die Spannung lässt langsam nach.
Colton hat recht. Normalerweise bin ich locker und entspannt. Nichts stört mich. Es sei denn, meine Teamkollegen reden so über Em.
Oder wir verlieren ein Spiel.
Ich hasse das, verdammt noch mal.
Meine Wettkampfserie ist eine Meile breit. Es ist mein innerer Erfolgsdrang, der mich morgens um fünf Uhr aus dem Bett treibt, um ins Gym zu gehen und das erste Training des Tages zu absolvieren, bevor ich zum Unterricht muss. Ich beende den Tag mit ein paar weiteren Stunden auf dem Eis. Wenn ich gegen zehn Uhr die Hausaufgaben mache, die ich vorher nicht geschafft habe, bin ich wie erschlagen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich kaum meine Augen geschlossen habe, wenn der Alarm um fünf Uhr losgeht, und schon bin ich wieder auf, um weiterzumachen.
Eishockey ist mein Leben.
Und ich will verdammt sein, wenn ich nicht alles tue, um in die NHL zu kommen. Nachdem mein Vater abgehauen ist, gab es nur Mom und mich. Eishockey ist teuer. Und die Auswärtsspiele sind mit noch höheren Kosten verbunden. Sie hat viel geopfert, damit ich den Sport, den ich liebe, ausüben kann. Es ist wichtig, dass ich alles gebe.
Das haben Emerson und ich gemeinsam.
Keiner von uns hatte von Haus aus Geld. Wir besuchten eine Highschool mit wohlhabenden Kids, die, sobald sie sechzehn Jahre alt waren, Autos bekamen und sich nicht um Stipendien bemühen mussten, um das College zu besuchen. Ohne ein Sportstipendium wäre ich nicht an der Southern. Und Em arbeitet zwanzig Stunden pro Woche bei Stella, um ihre Eltern zu entlasten. Keinem von uns ist in seinem Leben etwas geschenkt worden. Wir haben für alles gearbeitet. So gern ich auch feiere und rumvögele, meine Prioritäten waren immer Eishockey und Schule.
Und Em.
Mein Blick wandert zu dem Mädchen hinüber, das meine Gedanken in letzter Zeit etwas zu sehr beschäftigt. Ich wünschte, ich könnte diese Anziehungskraft abschütteln. Ich hasse es verdammt noch mal, dass sie so heiß aussieht. Hat sie sich für Tyler so gekleidet? Der Gedanke, dass sie heute Abend ihm nach Hause geht, bringt mich fast um. Ich weiß nicht, wann sich meine Gefühle geändert haben, aber sie haben sich geändert. Ich bin mir nur nicht sicher, was ich dagegen tun soll.
Das stimmt nicht.
Ich werde gar nichts tun. Emerson ist Tylers Freundin. Und sie ist meine beste Freundin. Ich will verdammt sein, wenn ich irgendetwas tue, was unsere Beziehung versaut.
Da ich mich zu sehr im Kreis drehe, leere ich meine Flasche und gehe in die Küche. Ich muss mir noch was holen, bevor ich jemandem den Hals umdrehe.
Und ich muss aufhören, Emerson anzustarren, als ob sie mir gehören würde.
Denn sie gehört mir nicht.
Und das muss ich mir merken.
4
Emerson
Sobald Brinley und ich bei Alpha-Delta-Phi-Party ankommen, gehen wir an die Bar und holen uns ein paar Drinks. Der Typ, der am Fass steht, grinst mich breit an und meint, ich solle immer gleich an der Schlange vorbei zu ihm nach vorn kommen, wenn ich Nachschub brauche.
"Siehst du?" Brinley stößt mir beim Weggehen ihren Ellbogen in die Seite. "Das Kleid ist der Hammer, Süße!"
Ich zupfe am hinteren Saum und versuche, den Stoff über meine Oberschenkel herunterzuziehen. Dies ist Brinleys Kleid, und es ist kürzer, als ich es gewohnt bin. Ich habe das Gefühl, dass mein Hintern herausschaut, was mich ziemlich nervös macht. Ich habe mein Bestes gegeben, um ein Veto gegen das Outfit einzulegen, aber Brinley bestand darauf, dass ich, so sagte sie, mein Aussehen ein wenig aufpeppen sollte heute Abend.
Nun, das habe ich wohl getan.
Ich schaue mich in dem abgedunkelten Raum um. Das Erdgeschoss ist so voll mit Menschen, dass es eine Herausforderung ist, sich zu bewegen. Zum Glück ist Brinley nicht schüchtern. Sie schiebt sich frech durch und macht uns einen Weg frei. Ich weiß bereits jetzt, dass es unmöglich sein wird, Tyler in dieser Menge zu finden. Ich ziehe mein Handy aus meiner Handtasche und schicke ihm eine SMS. Eine Minute vergeht, dann zwei, ohne eine Antwort.
Als Brin und ich uns durch das Esszimmer drängen, sehe ich Reed und hebe meine Hand, um ihm zuzuwinken. Die Bewegung lässt mein Kleid hochrutschen, Luft streift über meine Arschbacken. Ich senke schnell den Arm und ziehe das Kleid wieder nach unten.
Wie peinlich.
Ich kann mich in dem Teil kaum bewegen.
Reed blickt finster drein und drängt sich durch die Menge auf mich zu. Die Leute strecken ihre Hand aus und versuchen, seine Aufmerksamkeit zu erregen, aber er achtet nicht auf sie. Sein Blick ist auf mich gerichtet, und durch den dunklen Ausdruck in seinem Gesicht weiß ich genau, was die ersten Worte aus seinem Mund sein werden.
Ich seufze.
Wenn Reed Philips eines ist, dann vorhersehbar.
Es dauert weniger als eine Minute, bis er bei mir ankommt. Alle gehen ihm aus dem Weg und schaffen so einen Durchgang direkt zu mir.
Es wird nicht lange dauern, bis …
"Was zum Teufel hast du da an?", bellt er.
Wie ich schon sagte, völlig vorhersehbar.
Unbeeindruckt von seinem ruppigen Ton lächelt Brinley. "Gefällt es dir?" Sie greift meine Hand und wirbelt mich einmal herum. "Sieht ihr Arsch nicht toll aus?"
Als sie mir einen kleinen Klaps auf den Hintern gibt, quieke ich überrascht auf und drehe mich wieder um, um Reed anzusehen. Er schweigt, aber sein Gesichtsausdruck ist noch dunkler geworden. Es dauert einen Moment, bis er einen langsamen, tiefen Atemzug ausstößt. Er sieht aus, als ob ihm gleich der Geduldsfaden reißt.
"Em, was du normalerweise trägst, ist völlig in Ordnung." Er deutet mit dem Daumen in Brinleys Richtung. "Du musst dich nicht so anziehen wie sie."
Nicht einmal beleidigt von seinem Kommentar, rollt Brinley nur mit den Augen. "Was immer du sagst, Dad." Sie schlingt ihren Arm um mich, bevor sie Reed anschaut und unschuldig mit den Wimpern klimpert. "Hast du etwa Angst, dass ich dein kleines Mädchen verderben könnte?"
"Genau davor habe ich Angst", schnappt er zurück.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Reed einen Scherz macht. Obwohl sein mürrischer Gesichtsausdruck etwas anderes vermuten lässt.
"In diesem Sinne gehe ich jetzt auf die Tanzfläche und wackle mit meinem Hintern." Brinley zwinkert mir zu. "Sobald du deinen lahmarschigen Kumpel los bist, kannst du ja zu mir kommen."
Dann geht sie und verschwindet, die Hände in der Luft, in der Menge.
"Dieses Mädchen macht nur Ärger."
"Ich weiß", sage ich mit einem Lächeln. Ich möchte seine Stimmung aufhellen. "Das gefällt mir an ihr."
Den Blick auf mich gerichtet, nimmt Reed einen Schluck von seinem Bier.
Sobald im Oktober offiziell die Saison beginnt, wird er keinen Tropfen Alkohol mehr anrühren. Er wird sich auf Eishockey konzentrieren und alles andere beiseiteschieben. Dieses Jahr ist wichtig. Im Frühjahr wird Reed in den NHL Draft einsteigen. Ich bin sowohl aufgeregt als auch nervös, zu erfahren, wo er dann landet.
Seitdem wir Freunde sind, haben Reed und ich immer dieselbe Schule besucht. Zuerst die Kennedy High und danach die Southern University. Ich weiß nicht, was ich tun werde, wenn ich ihn nicht mehr so einfach treffen kann. Es wird keine spontanen Filmnächte mehr geben und auch keine Snacks zwischendurch. Egal, wo ich nach dem College lande, die Chancen stehen gut, dass ich weder Reed noch Brinley in der Nähe haben werde.
Da ich mich nicht mit diesen deprimierenden Gedanken aufhalten will, schiebe ich sie in den Hintergrund und wippe auf den Fersen, während sich eine schwere Stille zwischen uns ausbreitet. Es ist, als ob die Luft um uns herum elektrisch aufgeladen wäre.
Ich räuspere mich, als sich ein unbehagliches Gefühl in meinem Bauch festsetzt. "Hast du Tyler gesehen?" Um diese seltsame Intensität zwischen uns einzudämmen, ziehe ich mein Telefon heraus und schaue kurz auf den leeren Bildschirm.
"Nein." Seine Antwort ist eher ein Grunzen als alles andere.
Reed war nie ein großer Fan von Tyler. Wenn ich es mir recht überlege, war er noch nie ein Fan von irgendeinem meiner Freunde.
Ich vermeide Reeds Blick und betrachte stattdessen den Wahnsinn, der sich um uns herum abspielt. Im Wohnzimmer hat sich eine Horde Tänzer zusammengepfercht, aber ich sehe Brinley nicht in der Menge. Nach ein paar Minuten schaue ich zu Reed hinüber. Er blickt mich immer noch mit dem gleichen verärgerten Ausdruck an. Ich spüre ein innerliches Zittern, als ich das wahrnehme. Ich kann mich nicht erinnern, dass Reed jemals zuvor so eine Empfindung in mir hervorgerufen hat, doch jetzt, mit diesem Blick, der in seinen Augen brodelt …
Irgendetwas fühlt sich falsch an, aber ich kann nicht genau sagen, was es ist. Reed war schon immer mein bester Freund. Ich verbringe gern Zeit mit ihm. Ich fühle mich zu ihm hingezogen. Und doch möchte ich in diesem Moment einfach nur abhauen. Da ich so unsicher bin, wäre es vielleicht am besten, wenn wir vorerst getrennte Wege gehen.
Mit einem Fluchtplan im Hinterkopf schließe ich die Distanz zwischen uns, damit er mich über den lauten, pochenden Takt der Musik hören kann. Sobald ich das tue, erfüllt der Duft seines Aftershave meine Sinne. Es ist ein holziges Aroma, das einzigartig für ihn ist. Ich habe es immer als tröstlich empfunden. Aber jetzt …
Ich räuspere mich, um die unpassenden Gedanken loszuwerden. "Ich werde Tyler suchen." Ich deute in Richtung Wohnzimmer. "Er muss hier irgendwo sein."
In dem Moment, in dem Reed seinen Blick von meinem losreißt, um die Menge zu scannen, entspanne ich mich. Ich kann wieder atmen.
"Ich komme mit."
Das ist definitiv keine gute Idee.
"Oh." Ich schüttle den Kopf, suche verzweifelt nach Distanz. Ich kann ihm nicht den wahren Grund nennen, warum ich wegmuss, also winke ich ab. "Ist schon in Ordnung. Ich gehe allein. Das ist keine große Sache."
Sein Mund verzieht sich zu einer dünnen Linie. "Niemand hat das behauptet. Aber ich komme trotzdem mit." Er legt seine Hand auf meinen Rücken und schiebt mich vorwärts. "Lass uns los."
Seine Berührung schickt einen kleinen Stromstoß über meine Wirbelsäule. Es ist ein seltsames Gefühl.
Reed wird ein Nein als Antwort nicht akzeptieren, also mache ich mir nicht die Mühe, zu widersprechen. Es ist einfacher, nachzugeben. Sobald ich Tyler gefunden habe, können Reed und ich getrennte Wege gehen. Ich zucke zusammen, als diese für mich untypischen Gedanken durch meinen Kopf kreisen. Ich kann nicht glauben, dass ich so denke, aber es herrscht eine seltsame Spannung zwischen uns, die mich nervös macht.
In den nächsten fünfzehn Minuten durchsuchen Reed und ich das Erdgeschoss des weitläufigen Alpha-Delta-Phi-Hauses. Die Menschen stehen in jedem Winkel, drängen sich in jede Ritze, was die Suche noch schwieriger macht. Sie spielen Billard in der Bibliothek, Flip-Cup in der Küche und Bier-Pong im Esszimmer.
Da wir Tyler nicht im Haus finden, schauen wir auf dem Hinterhof nach, in den sich die Party ebenfalls ausgebreitet hat. Die Studenten sitzen in Gartenstühlen um ein Lagerfeuer herum, trinken und lachen. Nach dem ekelhaften Geruch, der in der Luft hängt, zu urteilen, schätze ich, dass nicht nur Zigaretten geraucht werden. Viele Gäste stehen über den ganzen Hof verstreut, aber Tyler ist nicht unter ihnen.
Ich ziehe eine verärgerte Grimasse.
Wenn er seine Pläne in letzter Minute geändert hat, hätte er mir zumindest Bescheid geben können, sodass ich meine Zeit nicht damit vergeude, ihn zu suchen. Es ist nicht das erste Mal, dass Tyler mich versetzt. Normalerweise stört mich das nicht. Ich finde ja, dass wir nicht ständig zusammenhängen müssen.
Wenn ich ehrlich bin, hat mein Ärger über Ty eher mit den seltsamen Emotionen zu tun, die Reed heute Abend in mir auslöst. Was auch immer zwischen uns vor sich geht, es gefällt mir nicht. Und so wie Reed seine Hand gegen meinen Rücken presst, fühlt es sich an, als ob seine Handfläche ein Loch in den Stoff meines Kleides brennen würde. Ich bin mir dessen – und seiner – so bewusst wie nie zuvor. Es beunruhigt mich.
Reeds warmer Atem streicht federleicht über meinen Hals und schickt ein seltsames Schaudern durch meinen Körper.
"Wir haben überall gesucht, lass uns oben nachsehen", knurrt er an meinem Ohr. "Aber ich sage dir eines: Wenn er nicht da ist, vergiss ihn. Von mir aus kann Tyler sich selbst ficken."
"Hm …"
Normalerweise wäre ich genau seiner Meinung. Ich sitze nicht herum und warte auf jemanden. Aber im Moment ist es absolut wichtig, Tyler zu finden.
"Wenn dein Freund nicht auftaucht, wenn er sagt, dass er kommt, dann sollte er vielleicht nicht dein Freund sein."
Ich lecke mir schnell über meine trockenen Lippen.
Als ich nicht antworte, fährt er ungeduldig fort. "Komm schon, dann können wir damit aufhören, unsere Zeit zu verschwenden." Reed stupst mich in den Rücken und ich schaue ihn über meine Schulter hinweg an. Mein Atem stockt mir im Hals, als unsere Blicke sich treffen und ineinander verhaken.
Tyler.
Ich muss mich auf den Kerl konzentrieren, mit dem ich zusammen bin.
Ich reiße meinen Blick von Reed los und starre geradeaus. Schweigend gehen wir durch das Erdgeschoss, aber immer noch gibt es kein Zeichen von Ty. Als Brinley und ich vorhin hierherfuhren, kamen wir auf dem Weg an mehreren Partys vorbei. Ich vermute, dass er bei einer von ihnen Halt gemacht hat.
Es erfordert einige Mühe, uns zur Vorderseite des Hauses durchzudrängen, wo eine geschwungene Treppe zum Obergeschoss führt. Die Leute halten Reed auf dem Weg an, berühren seine Schulter, wollen ihm eine Faust geben, aber er lässt sie links liegen.
Die Partybesucher hängen in kleinen Grüppchen auf dem oberen Flur herum, sodass es fast unmöglich ist, durchzukommen. Wir schauen in die Schlafzimmer und suchen nach Tyler, doch er ist nicht zu sehen. Die letzten beiden Türen am Ende des Flures sind geschlossen. Sobald wir sie erreichen, dreht Reed den Griff der ersten Tür. Da sie nicht verriegelt ist, springt sie auf. Er drückt den Lichtschalter an der Wand.
Ich atme aus, als wir den Raum leer vorfinden. Reed schließt die Tür wieder und deutet mit dem Kopf in Richtung des letzten Zimmers. Mittlerweile geht es mir nicht mehr darum, Ty zu finden. Er ist offensichtlich nicht hier. Und ich habe keine Lust, noch mehr Zeit zu verschwenden. Ich werde nach unten gehen und Brinley suchen.
Irgendwann wird Tyler schon auftauchen.
Oder auch nicht.
Heute Abend sollte es darum gehen, Zeit mit Brin zu verbringen, und nicht um eine Partie Where's Waldo mit Ty.
Bevor ich Reed sagen kann, dass er es lassen soll, öffnet er die Tür und macht das Licht an. Ich blinzele, während sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnen.
Und einfach so gibt der Boden unter meinen Füßen nach.
Tyler liegt mit einem Mädchen, das über seinen Schritt gebeugt ist, in der Mitte des Kingsizebettes. Man muss kein Genie sein, um sehen, was los ist. Und wenn es irgendwelche Zweifel gäbe, wären die lauten Sauggeräusche ein eindeutiges Zeichen.
Ganz zu schweigen von der rhythmischen Kopfbewegung.
Ty merkt nicht gleich, dass er Publikum hat. Seine Augenlider hat er zusammengepresst und seine Finger sind in ihrer langen Mähne aus aschblonden Haaren vergraben.
Ich keuche und schlage mir die Hand vor den Mund.
Das Geräusch lässt ihn wie ein Klappmesser in eine sitzende Position hochschnellen, er reißt die Augen auf. Unsere Blicke treffen aufeinander, als er das Mädchen von seinem Schwanz stößt und seine Erektion schnell in seine Cargo-Shorts steckt.
Die Blondine, die ihm einen geblasen hatte, dreht sich um und mustert uns mit großen Augen. Obwohl sie oben ohne ist, scheint sie total unbekümmert zu sein. Sie schert sich weder um ihre fehlende Kleidung, noch um die Leute, die sich im Flur hinter uns versammelt haben und ihre Hälse recken, um zu sehen, was los ist.
Meinen Blick abzuwenden, scheint mir das Höflichste zu sein, was ich tun könnte, aber ich kann nicht aufhören, sie anzustarren. Es ist wie ein schrecklicher Verkehrsunfall, von dem ich nicht wegschauen kann.
"Hey", lallt sie und schließt die Augen. "Du bist Reed Philips!" Sie leckt ihre geschwollenen Lippen und grinst. Um ihren Mund ist roter Lippenstift verschmiert, der ihr ein clownhaftes Aussehen verleiht. "Willst du einen Blowie?"
Aus Reeds Brust dringt ein Knurren, bevor er explodiert. "Du Scheißkerl!"
Und dann bricht die Hölle los. Ich schreie auf, als Reed sich auf das Bett stürzt. Tylers Augen weiten sich, er rollt von der Matratze und landet unsicher auf den Füßen. Er reißt die Hände hoch, als ob das den Güterzug, der auf ihn zurast, aufhalten könnte.
"Hey, Mann", schreit er, "es ist nicht das, wonach es aussieht!"
In meiner Kehle sprudelt ein Lachen hoch.
Wow, das ist gut. Weil es so aussah, als würde er seinen Schwanz von einer Tussi gelutscht bekommen, die nicht seine Freundin ist.
Bevor ich etwas sagen kann, packt Reed meinen Freund an der Hemdbrust und knallt ihm seine Faust ins Gesicht.
Oder besser gesagt: meinem Ex-Freund.
Ich zucke zusammen, als Tyler grunzt. "Scheiße, Mann! Immer mit der Ruhe! Es war nur ein Blowjob."
Reeds Gesicht verfärbt sich tiefrot vor Wut. Wenn Tyler auch nur einen Funken Verstand besäße, würde er seine Klappe halten. Es ist kaum eine Minute her und schon schwillt sein Auge an. Er wird morgen früh ein höllisches Veilchen haben. Nicht, dass er es nicht verdient hätte, aber ich mag keine Gewalt.
Ty leckt sich die Lippen, als sein Blick von mir zu dem wütenden Reed und dann zu den Leuten, die im Flur stehen, wandert. "Ich wollte nicht, dass das passiert. Es war …"
Bitte sag jetzt nicht, dass es ein Unfall war! So wie, dass dieses Mädchen gestolpert und auf deinen Penis gefallen ist.
Mit ihrem Mund.
"Es war ein Unfall", beendet er lahm.
Jetzt, nachdem der erste Schock abgeklungen ist, explodiere ich: "Das ist Schwachsinn, Ty." Ich deute zu dem halb nackten Mädchen auf dem Bett. O mein Gott, warum zieht sie sich nicht was an? "Das war kein Unfall. Das war Absicht."
Da ich sie in ihrem traurigen Zustand nicht anschauen kann, schnappe ich mir ihr zerknittertes Shirt vom Bett und ziehe es ihr über den Kopf, bevor ich ihr helfe, ihre Arme in die Ärmel zu schieben. Sie hat zwar keinen BH an, aber wenigstens hängen ihre Brüste nicht mehr heraus. Vielleicht sollte es mir egal sein, doch sie ist offensichtlich zu betrunken, um zu begreifen, dass die Leute gaffen, während sie Fotos schießen, die sie am Morgen bereuen wird.
"Wir sind fertig, Ty", murmle ich.
Wie hat sich dieser Abend von einer Nacht voller Möglichkeiten zur totalen Scheiße entwickeln können? Ich reibe mir die Schläfen, um runterzukommen.
"Ach, komm schon, Babe", jammert Tyler. "Es war nur ein Blowjob." Er starrt die Blondine an. "Und kein sehr guter."
"Das ist nicht das, was du vor ein paar Minuten gesagt hast", sagt das Mädchen.
Tyler presst seine Lippen zusammen und ignoriert sie.
Ich schüttle den Kopf. "Tut mir leid, nein."
"Em, bitte …"
"Nein!", schnappe ich, angewidert von ihm, weil er dachte, ich würde ihm so was durchgehen lassen. "Es ist vorbei!"
Er breitet die Arme weit aus, seine Augen verdunkeln sich vor Frust. "Was zum Teufel erwartest du von mir, wenn du mich nicht ranlässt?" Sein Mund verzieht sich zu einem hässlichen, schiefen Strich, als er knurrt: "Ich hätte es besser wissen müssen, als mit einer Jungfrau was anzufangen. Es ist zu viel Arbeit, verdammt!"
Im Raum wird es still.
Vielleicht ist es auch die gesamte Party, die verstummt.
Das einzige Geräusch, das ich wahrnehme, ist das Klopfen meines Herzschlags, der meine Ohren erfüllt. Dann kommt ein würgendes Geräusch tief aus meiner Kehle.
Reed erstarrt, bevor er sich wie in Zeitlupe umdreht und mich ansieht, als wäre mir ein Horn aus dem Kopf gewachsen.
Oder ein Jungfernhäutchen in meiner unteren Region.
Hitze überflutet meine Wangen. Ich bete, dass sich der Boden unter meinen Füßen öffnet und mich einfach verschluckt. Ich kann die Demütigung vor all diesen Leuten nicht ertragen, die mich anstarren, als sei ich ein Freak.
Jeder, der mit 21 Jahren noch Jungfrau ist, muss ein Freak sein, oder? Ich meine, es muss etwas Ernstes sein. Ein Zustand oder eine Missbildung, die derjenige versucht, zu verbergen.
Welche andere Erklärung könnte es sonst geben?
"Em?", flüstert Reed heiser, er durchbricht die Stille, die sich über die Menge gesenkt hat.
Ich öffne den Mund, um alles abzustreiten, aber es kommt nichts raus. Es ist, als ob mich etwas von innen erwürgen würde. Anstatt den Kopf hochzuhalten und stolz zu sein, weil ich eine Jungfrau bin, drehe ich mich um und schiebe mich durch die Leute, die sich im Raum und im Flur versammelt haben.
Die Stimmen um mich herum explodieren.
Lachen ertönt.
Selbst nachdem ich die Haustür hinter mir zugeknallt habe, klingelt es noch in meinen Ohren.
5
Reed
Emerson ist keine Jungfrau.
Es ist einfach nicht möglich.
Das Mädchen ist im letzten Jahr auf dem College und sieht absolut umwerfend aus. Seit der Highschool hatte sie mehrere Freunde. Vielleicht hat sie ihre Jungfräulichkeit nicht wie ich mit sechzehn verloren, aber irgendwann in den letzten Jahren garantiert.
Oder nicht?
Em und ich sind seit sieben Jahren beste Freunde. Ich würde es wissen, wenn sie noch Jungfrau wäre. Sie hätte mir so etwas anvertraut. Oder nicht?
Sie hat nie was gesagt.
Es ist ja nicht so, dass wir herumsitzen und Sexgeschichten austauschen. Eigentlich ist Sex das einzige Thema, über das wir nicht sprechen. Das Letzte, was ich hören möchte, ist, wie andere Jungs sie vögeln, und ich will sie ganz sicher nicht mit meinen Sexkapaden unterhalten.
Ich schüttele den Kopf, um die Gedanken an Em daraus zu vertreiben. Dann atme ich tief ein und verpasse Tyler einen weiteren Schlag. Blut spritzt aus seiner Nase und tropft auf sein rosa Polohemd.
Er ist ein verdammter Idiot, wenn er Emerson so blamiert.
Anstatt hierzubleiben und Tyler in den Arsch zu treten, beschließe ich, Em zu finden. Ich will sicher sein, dass sie okay ist. Tyler wird sich bestimmt nicht um sie kümmern. Er ist zu sehr damit beschäftigt, über seine Nase zu jammern. Em ist ihm scheißegal. Wahrscheinlich war sie das schon immer. Er wollte nur das eine von ihr und ich bin froh, dass er das nicht bekommen hat.
Verdammt, ich würde ihn am liebsten wieder schlagen.
Ein letztes Mal, nur für mich.
"Scheiße, Alter", jammert Tyler. Seine Stimme klingt nasal, er hält sich mit beiden Händen die Nase zu. Trotzdem tropft Blut auf den Boden. "Das war total unnötig."
"Stimmt!", knurre ich. "Ich würde gern mehr Schaden anrichten, aber du bist es nicht wert."
Ich schüttle meine Hand aus und blicke die Leute an, die sich in den Raum drängen. Sie machen Fotos mit ihren Handys. Morgen früh werden die Bilder überall auf Instagram und Snapchat zu sehen sein.
Ich bin froh, dass Em abgehauen ist und nicht da ist, um das mitzubekommen.
"Also, was den Blowie betrifft", lallt die betrunkene Blondine, die immer noch auf dem Bett sitzt.
Ich ignoriere sie, mache einen bedrohlichen Schritt auf Tyler zu und steche ihm einen Finger in die Brust. Er versteift sich, aber er weicht nicht zurück.
"Halte dich verdammt noch mal von Emerson fern. Sie will nichts mehr mit dir zu tun haben."
Trotz des Bluts, das ihm vom Gesicht tropft, sagt er spöttisch: "Das ist genau das, was du wolltest, oder, Philips? Wie lange hast du darauf gewartet, an ihr Höschen zu kommen? Ich schätze, jetzt hast du deine Chance, nicht wahr?"
Ich schubse ihn einen Schritt zurück. "Verpiss dich!"
"Wie auch immer."
Ich gebe ihm einen letzten Stoß, bevor ich den Raum verlasse und mich durch den engen Gang und die Treppe hinunter schiebe. Die Nachricht, dass eine Schlägerei ausgebrochen ist, hat sich auf der Party wie ein Lauffeuer verbreitet. Alle streben wie eine Rinderherde in den ersten Stock, um einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen.
Sobald ich den Treppenabsatz erreicht habe, bleibe ich stehen und suche die Menge nach Emersons dunklem Schopf ab. Panik erfüllt mich, als ich sie nicht finde. Ich hätte ihr sofort hinterherlaufen sollen, anstatt Tyler eine zu verpassen.
"Verdammt noch mal!" Ich fahre mir mit einer Hand durch die Haare und schaue zur Haustür. Wie ich Em kenne – und das tue ich – wird sie so viel Abstand wie möglich zwischen sich und diese Party bringen wollen. Das kann ich ihr nicht mal verübeln. Ich wünschte nur, sie wäre nicht ohne mich gegangen. Sie sollte an einem Freitagabend um elf Uhr nicht allein herumlaufen. Die Southern ist ein ziemlich sicherer Campus, aber trotzdem passiert hin und wieder was.
Sobald ich auf den Bürgersteig trete, scanne ich die Straße und atme tief durch, als ich ihre vertraute Gestalt in Richtung ihres Wohnheims gehen sehe.
Gott sei Dank!
Ich brauche weniger als eine Minute, um sie einzuholen. Sogar in der Dunkelheit sehe ich, dass ihr Gesicht erhitzt ist und ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammengezogen sind. Es sind keine Tränen in Sicht, was eine Erleichterung ist. Wenn ich eines nicht ausstehen kann, dann sind es Tränen. Sie geben mir das Gefühl, so hilflos wie ein neugeborenes Baby zu sein. Total nutzlos und unsicher, wie ich die Situation verbessern kann.
Ihre schwarzen High Heels baumeln von einer Hand, sie ignoriert mich, während ich neben ihr gehe und mein Tempo verlangsame. Jetzt, wo ich sie gefunden habe, herrscht in meinem Kopf vollkommene Leere. Was zum Teufel soll ich sagen?
Ein unbehagliches Schweigen breitet sich zwischen uns aus, ich räuspere mich, um es zu beenden. "Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nachts nicht allein herumlaufen sollst?" Ich mache eine Pause, bevor ich hinzufüge: "Das ist gefährlich."
Emerson schnaubt, bleibt aber nicht stehen. Wenn überhaupt, dann beschleunigt sie ihr Tempo, als wolle sie mich abschütteln, was nicht passieren wird. Em ist fast einen Fuß kleiner als ich und hat nicht annähernd so eine große Schrittlänge. Ich könnte sie noch im Schlaf überholen.
Der Klang ihres Atems erfüllt meine Ohren, bis ich nichts anderes mehr wahrnehme.
Ich zerbreche mir den Kopf, wie ich in das ganze Jungfrauengespräch einsteigen kann, aber mir fällt nichts ein. Wir sind beste Freunde. Em und ich können über fast alles reden. Also dürfte es nicht schwierig sein, über dieses Thema zu sprechen. Und doch zögere ich.
Es geht mich vielleicht nichts an, aber ich muss es wissen.
"Ist es wahr?" Ich halte inne, ihr Atem stockt. Es ist nur ein kleines Geräusch, aber in der Stille, die um uns herum herrscht, fühlt es sich ohrenbetäubend laut an. "Ist es wahr, was Tyler gesagt hat?"
6
Emerson
Emerson
Ich verziehe das Gesicht und zucke mit den Schultern.
Die einzige Person, die nicht herausfinden sollte, dass ich noch Jungfrau bin, kennt nun – dank Tylers großer Klappe – mein Geheimnis. Töte mich jetzt und erlöse mich von meinem Elend, bevor es noch schlimmer wird. Lieber reiße ich mir die Fingernägel aus, als dieses Gespräch mit Reed zu führen.
Wenn ich mich weigere, zu antworten, versteht er vielleicht den Wink und lässt das Thema fallen.
Reeds Stimme wird leiser, und obwohl ich geradeaus starre, fühlt es sich an, als würde mich sein Blick verbrennen. "Warum hast du mir das nie gesagt?"
Im Ernst?
Was hätte ich sagen sollen? Hey, du wirst es nicht glauben, aber … Oder … Weißt du, wie es ist, wenn der P. in die V. kommt? Nun …
Mach mal halblang.
Ich bleibe stehen und drehe mich zu ihm um. Meine Hände eng an meinen Seiten zu Fäusten geballt. Es gibt eigentlich keinen Grund, auf Reed wütend zu sein, aber ich bin trotzdem sauer auf ihn.
Ist es zu viel verlangt, dass er mich allein lässt, damit ich meine Wunden lecken kann?
Habe ich nicht schon genug Demütigungen für eine Nacht erlitten, ohne auch noch Erklärungen abgeben zu müssen?
Und das vor Reed, der wahrscheinlich die Hälfte der Mädchen an der Southern flachgelegt hat.
Das ist im Moment einfach ein bisschen zu viel für mich.
Ich darf gar nicht daran denken, dass ich zu Hause bleiben und mir bei Netflix etwas hätte ansehen können. Stattdessen ließ ich mich von Brinley überreden, zu einer der größten Partys des Jahres zu gehen.
Reed wippt auf seinen Fußballen vor und zurück, während ich ihn anstarre. Wir sind weit genug von der Greek Street entfernt, auf der sich die Häuser der Bruderschaften und der Studentenverbindungen befinden, sodass die Geräusche der Partys kaum noch zu hören sind. Selbst in der Dunkelheit durchdringt sein Blick meinen, auf der Suche nach Antworten, die ich nicht geben möchte.
"Was soll ich sagen?", murmele ich.
"Die Wahrheit."
Ich stöhne und schaue weg. "Warum ist das wichtig?"
Der Zustand meiner Jungfräulichkeit hat nichts mit Reed zu tun. Es geht ihn nichts an. Genauso wie sein Sexualleben mich nichts angeht.
Glaubt er wirklich, dass ich den Klatsch, der über ihn verbreitet wird, nicht mitbekomme?
Natürlich bekomme ich das alles mit.
Aber renne ich gleich zu ihm und stelle unbequeme Fragen?
Zum Teufel, nein. Es wäre großartig, wenn er sich ebenfalls zurückhalten würde.
Anstatt sich zurückzuziehen, ergreift Reed meine Hand. Seine ist so viel größer, dass sie meine förmlich verschluckt. "Das ist es nun mal."
Auch wenn das keine Antwort ist, sage ich die Wahrheit. "Ja. Okay? Ich habe noch nie Sex gehabt." Hitze versengt meine Wangen.
Jetzt ist meine Demütigung komplett. Jemand sollte mir den Weg zum nächsten Loch zeigen, damit ich hineinkriechen und sterben kann.
"Ich bin eine einundzwanzigjährige Jungfrau!", füge ich streitlustig hinzu, und atme tief ein. "Bist du jetzt glücklich?"
Er drückt meine Finger, bis mein Blick zu seinem zurückkehrt. "Es gibt keinen Grund, sich zu schämen."
"Ha!" Ich bin sicher, dass alle Idioten, die das im Alpha-Delta-Phi-Haus miterlebt haben, anderer Meinung sind. Wenn ich mich an das Lachen erinnere, das mich die Treppen hinab verfolgte, bekomme ich eine Gänsehaut.
"Ich hasse es, dass Tyler dir wehgetan hat", murmelt er.
Die Sanftheit, die seine Stimme erfüllt, ist mein Verderben, und ich muss die Tränen wegblinzeln, die in meinen Augen aufsteigen wollen.
Reed zieht mich zu sich, bis er seine Arme um meinen Körper legen kann. Ich lasse mich in seine Umarmung sinken, schmiege meine Wange an seine kräftige, breite Brust. Er legt sein Kinn auf meinen Kopf. Vom Größenunterschied her passen wir perfekt zusammen. Das stetige Klopfen seines Herzens besänftigt die chaotischen Emotionen, die in mir brodeln.
Wir haben schon hunderte Male so gestanden, seine schiere Kraft beruhigt mich immer wieder, ich fühle mich bei ihm sicher und geborgen, verliere jedes Zeitgefühl, während wir uns mitten auf dem Bürgersteig umarmen.
Irgendwann bricht Reed das Schweigen und räuspert sich. "Also … du bist noch Jungfrau, hm?"
Die Spannung, die mich erfüllt hatte, schwindet, als ich ein Lachen ausstoße, dann reiße ich mich widerwillig von ihm los und trete einen Schritt zurück. Es gibt Zeiten, in denen sich Reed zu gut anfühlt. Manchmal, wenn er seine Arme um mich legt, fühlt es sich zu richtig an. Dies ist so ein Moment.
"So sieht es aus", murmle ich und schiebe eine verirrte Haarsträhne hinter mein Ohr.
Er neigt leicht den Kopf, ein neckisches Lächeln umspielt seine Lippen. "Darf ich dich Virgin nennen?"
"Nicht, wenn du mit mir befreundet bleiben willst", schieße ich zurück.
Das humorvolle Funkeln verblasst in seinen Augen so schnell, wie es zum Leben erwacht ist. "Komm her."
Ich stolpere, als er mich wieder an sich zieht und seine Lippen auf meinen Scheitel drückt. Die vertraute Geste wirkt wie Balsam auf meine schmerzhaft aufgewühlten Emotionen.
"Wir werden immer Freunde sein." Er zieht sich zurück, bis er meinem Blick begegnen kann. "Das weißt du doch, oder?"
Ich zucke mit den Achseln. Nach dem, was gerade passiert ist, bin ich nicht sicher, was ich weiß. Habe ich jemals vermutet, dass Tyler mich so verletzen würde, wie er es getan hat?
Nein.
"Hey." Er hebt seine Hand, legt sie an meine Wange. "Ich meine es ernst, Em. Du und ich, wir bleiben ein Leben lang zusammen. Egal, was passiert." Unsere Augen sind geschlossen, als er seine Stirn an meine drückt. "Falls es dir hilft, ich habe Tyler eine blutige Nase verpasst."
Ein zittriger Seufzer kommt über meine Lippen. Ich wünschte, es wäre so einfach. Leider ändert eine blutige Nase nichts daran, dass Ty mich verletzt hat. Und es ändert sicher nichts an den Folgen der Bombe, die er hat platzen lassen.
"Warum hat er das getan?", flüstere ich und presse meine Augen zu, als könne ich so der Realität entgehen.
"Weil er ein Schwachkopf ist, der dich nie verdient hat." Reed schafft genug Platz zwischen uns, damit er seine Finger unter mein Kinn schieben und es nach oben heben kann, bis ich keine andere Wahl habe, als ihm in die Augen zu sehen. "Ich bin froh, dass dein erstes Mal nicht mit ihm war."
Ich stöhne und wende meinen Blick ab, als eine neue Welle der Scham über mich hereinbricht.
"Tu das nicht", knurrt er.
Überrascht von dem rauen Tonfall huscht mein Blick zu ihm zurück.
"Du brauchst dich nicht zu schämen", fährt er fort. "Hast du mich verstanden?"
Sexuelle Spannung liegt in der Luft, und mein Bauch fühlt sich hohl an, genau wie heute Abend. So sehr ich auch versuche, die Anziehungskraft zu unterdrücken und so zu tun, als ob sie nicht diese Macht über mich hätte, ich schaffe es nicht.
Ich nicke, während meine Zunge herausschnellt, um meine Lippen zu befeuchten. Sein Blick sinkt, folgt der Bewegung und ich schlucke, als Hitze in seinen Augen aufflackert.
Reed stöhnt. Der tiefe Ton vibriert in seiner Brust, als ob er vom Meeresgrund hochgeholt worden wäre. Er senkt sein Gesicht, bis es ganz dicht an meinem ist. Meine Augen schließen sich, als seine Lippen sanft über meine streichen. Alles logische und rationale Denken schaltet sich ab. Der Griff meiner Finger lockert sich und meine High Heels fallen zu Boden. Sie schlagen klappernd auf dem Zement auf, während ich meine Arme um seinen Hals lege.
Allzu leicht verliere ich mich in dem Gefühl seiner Lippen. Er bewegt sich langsam, entzündet mit seinen Küssen ein Feuer in meinem Bauch. Irgendwie hat Reed es geschafft, das Unmögliche zu erreichen. Tyler und der Shitstorm, den er vor weniger als zwanzig Minuten losgetreten hat, sind vergessen.
Reeds Arme spannen sich um mich und ziehen mich näher an sich heran, bis ich eng an seinen Körper gepresst bin. Alle seine harten Linien an meinen weichen Kurven.
Er bewegt sich, neigt den Kopf, teilt seine Lippen, ich tue das Gleiche. Seine Zunge gleitet in meinen Mund und streicht über meine. Ich stöhne leise, als eine Welle der Empfindungen über mich schwappt und mein Körper vor Verlangen kribbelt.
Hat Reed eine Ahnung, wie wehrlos mich dieser Kuss macht?
Gerade als ich denke, dass er ihn vertiefen will, zieht er sich zurück. Mein Verstand schlägt Purzelbäume, als die Neuronen in meinem Gehirn wieder anfangen zu arbeiten.
Ist das wirklich passiert?
Oder war es ein Hirngespinst meiner Fantasie?
Ich ziehe einen zittrigen Atemzug ein. Dann noch einen. Ich öffne die Augen, mein Blick trifft auf Reed, der mich aufmerksam beobachtet. Die Hitze, die in seinen Augen brodelt, lässt etwas in mir explodieren.
Er drückt seine Stirn gegen meine, sein warmer Atem streicht über meine Lippen.
Ich zerbreche mir den Kopf, was ich sagen kann, aber mein Kopf bleibt leer, mir fällt nichts ein.
"Wir sollten gehen", murmelt er und bricht das Schweigen, als ob er meine Welt nicht mit einem einzigen Kuss erschüttert hätte.
Eine Million Fragen rasen an die Oberfläche, aber ich gebe keiner von ihnen eine Stimme. Stattdessen nicke ich und ziehe mich zurück. Die Nachtluft strömt über all die Stellen, an denen Reed mich eben noch mit seinem Körper gewärmt hat. Das Gefühl des Verlustes ist verheerend. Ich hebe meine Finger und streiche über meine Lippen. Ich kann mir nicht erklären, was gerade passiert ist.
Ich bücke mich und nehme die High Heels. Mein Wohnhaus ist nur ein paar Blocks entfernt. Ich möchte fragen, warum er mich geküsst hat, aber ich schweige. Es war wahrscheinlich nichts. Eine Art Trostpflaster. Reed hat schon immer körperliche Nähe als normal betrachtet. So ist er nun einmal. Das Letzte, was ich tun will, ist, daraus jetzt eine große Sache zu machen. Ich will nicht wie eine dumme Jungfrau aussehen, es war schließlich nur ein Kuss zwischen Freunden, eine symbolische Geste der Freundlichkeit.
"Kann ich eine blöde Frage stellen", sagt er und unterbricht das chaotische Gewirbel meiner Gedanken.
"Es gibt keine blöden Fragen", antworte ich und plappere Frau Jones, eine meiner Lieblingslehrerinnen aus der Grundschule, nach. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das Motto am Ende des Schuljahres bereut hat. Es gab zu viele idiotische Jungs in dieser dritten Klasse. Und sie stellten eine Menge Fragen.
"Wieso bist du noch Jungfrau?"
"Ich korrigiere mich", sage ich. "Es gibt dumme Fragen."
"Was?" Er schaut mich schief an. "Es ist ja nicht so, dass du keine Freunde gehabt hättest. Daher ist das eine legitime Frage."
Er hat recht, ich war schon mit einigen Jungs aus. Aber ich ließ keinen von ihnen nah genug an mich heran, um eine intime Beziehung aufzubauen.
In der Highschool konzentrierte ich mich auf meine Noten und auf die Vorbereitungskurse für das College, die auf meinem Zeugnis gut aussehen würden. Ich wusste, dass ich nicht wie Reed ein Stipendium bekommen würde. Also habe ich als Babysitter gearbeitet, um Geld zu verdienen, und erhielt schließlich ein Teilstipendium sowie eine dringend benötigte finanzielle Unterstützung.
Bedauere ich es, mein soziales Leben auf Eis zu legen, damit ich meine akademischen Ziele verfolgen kann?
Nicht wirklich. Ich wäre nicht an der Southern, wenn ich mir nicht in der Highschool den Arsch aufgerissen hätte.
Das haben Reed und ich gemeinsam. Während ich mich auf meine Noten konzentrierte, war er damit beschäftigt, sich voll und ganz dem Eishockey zu widmen. Nicht, dass er ein Faulpelz wäre, wenn es um die Schule geht. Er hat diese schwer zu fassende Kombination aus Hirn und Muskeln. Während ich mir Stipendien sichern musste, um den Weg für meine Zukunft zu ebnen, wurde Reed zu einem Eishockey-Phänomen, um seine Träume zu verwirklichen.
In dieser Hinsicht haben wir beide unsere Ziele erreicht.
"Em?"
Ich merke erst, dass ich mich in meinen Gedanken verloren habe, als er meinen Namen sagt.
Ich zucke mit den Schultern. "Ich denke, es gab schon immer wichtigere Dinge, auf die man sich konzentrieren kann."
Hätte ich jemals gedacht, dass es so weit kommen würde und ich in meinem letzten Collegejahr noch Jungfrau sein würde?
Natürlich nicht. Ich ging davon aus, dass ich irgendwann einen Mann treffen würde, der mir etwas bedeutet, und dass es auf natürliche Weise geschehen würde. Aber das ist nicht der Fall gewesen.
Von all den Jungs, mit denen ich mich verabredet habe, habe ich mit keinem auch nur annähernd die Art von Beziehung geführt, die ich mit Reed habe. Er ist mein bester Freund. Derjenige, an den ich mich wende, wenn ich ein Problem habe oder Neuigkeiten, die ich jemandem mitteilen möchte. Ich kann ihm alles sagen. Fast alles. Solange ich nicht jemanden finde, der ihm ähnlich ist, bin ich nicht sicher, ob ich jemals meine Unschuld verliere. Ohne es zu merken, habe ich Reed als Maßstab für alle Jungs, mit denen ich zusammen war, benutzt. Und sie haben ihm nicht das Wasser reichen können.
Tyler eingeschlossen. Was er heute Abend getan hat, war schmerzhaft, aber ich bin nicht untröstlich über den Verlust.
"Es ist nur …" Er hält kurz inne, "überraschend." Sein Blick fällt auf meinen.
"Ja, ich verstehe. Dein Verstand ist völlig überfordert."
Wenn wir über ein anderes Thema diskutieren würden, wäre seine schockierte Reaktion urkomisch. Aber ich kann nicht darüber lachen oder es beiseiteschieben. Es fühlt sich zu persönlich an.
"Ich hätte nie gedacht …", murmelt er, mehr zu sich selbst als zu mir.
Die Vorstellung, in meinem Alter noch Jungfrau zu sein, ist für ihn sicher unfassbar. Reed hatte seit dem zweiten Jahr an der Highschool Sex. Und er war nicht mal derjenige, der mir diese monumentale Neuigkeit mitgeteilt hat. Es war Cari Smith, das Mädchen, mit dem er geschlafen hat.
Unfähig, sich zu beherrschen, suchte Cari mich am nächsten Morgen vor der ersten Stunde auf, damit sie mir alle schmutzigen Details mitteilen konnte. Bevor Reed ins Spiel kam, waren Cari und ich cool miteinander. Wir waren nicht besten Freundinnen oder so etwas, aber wir waren auch keine Feinde. Das änderte sich, sobald Reed begann, sie zu beachten. Plötzlich war ich eine Konkurrentin, die ausgeschaltet werden musste.
Ich bin sicher, dass sie dachte, ihre neu gewonnene Intimität mit Reed würde ihre Beziehung zu ihm festigen.
Aber das war nicht der Fall. Er hat sie einen Monat später abserviert, weil sie zu viel seiner Zeit beanspruchte. Wie ich war auch Reed zu sehr auf seine Zukunft konzentriert, um zuzulassen, dass ihm etwas in die Quere kam.
Ich war nicht traurig, als sie ging.
Tschüss, Schlampe.
Seitdem gab es viele Frauen in seinem Leben und seinem Schlafzimmer. Aber keine blieb lange. Ein paar Tage. Ein paar Wochen. Vielleicht einen Monat. Sobald sie besitzergreifend wurden und anfingen, sich eine gemeinsame Zukunft vorzustellen, hat Reed sie an die Luft gesetzt.
Wenn es um Sex geht, sind Reed und ich meilenweit voneinander entfernt. Die Erkenntnis bewirkt, dass ich mich dumm und naiv fühle. Ich möchte nicht, dass diese neu gewonnenen Informationen Reeds Meinung von mir verändern. Die ganze Situation ist schon peinlich genug, ohne dass er mich anders behandelt.
"Das ist keine große Sache", murmele ich. "Ich will nicht darüber reden."
"Em, ich …"
"Kein Wort mehr!", schnappe ich. Sieht er nicht, dass ich mich total gedemütigt fühle? Ich atme tief ein, bevor ich die Luft es langsam wieder rauslasse. "Ich möchte einfach alles vergessen, was heute Abend passiert ist."
Reed steckt seine Hände in die Taschen seiner Shorts, während wir weitergehen. "Alles?"
"Alles." Die heutige Nacht war ein Albtraum. Einer, aus dem ich nicht mehr zu erwachen scheine.
"Okay." Er zuckt mit den Schultern. "Betrachte es als vergessen."
Erleichterung durchströmt mich, als das fünfstöckige Wohnhaus, in dem ich lebe, in Sichtweite kommt. Unsere Schritte verlangsamen sich, als wir den Weg erreichen, der zum Haupteingang führt.
Reed wendet sich mir zu. "Soll ich noch mit hochkommen?"
Gott, nein.
Unter normalen Umständen wäre das keine Frage. Es ist noch relativ früh. In Nächten wie dieser gehen wir in meine Wohnung, bestellen eine Pizza oder was vom Chinesen und suchen uns einen Film aus, den wir anschauen. In manchen Nächten, wenn es spät wurde, schlief Reed auf der Couch.
Aber heute will ich nur allein sein.
Er schaut mich suchend an, als ob er in all meinen innersten Gedanken und Gefühlen, die unter der Oberfläche lauern, herumstochert. Wenn jemand dazu in der Lage ist, dann er.
"Bist du sicher?" Sein Ton wird weicher, während er den Kopf neigt. "Ich weiß, dass du immer noch verärgert bist."
Ich bin verärgert, aber aus irgendeinem Grund macht seine Anwesenheit die Sache nur noch schlimmer. Normalerweise ist Reed die einzige Person, die alles besser macht.
"Ja." Ich zwinge ein schwaches Lächeln auf meine Lippen. "Ich bin müde. Ich glaube, ich werde mich hinlegen." Wenn ich Glück habe, wache ich morgen auf, und es war alles nur ein böser Traum.
Ein unsicherer Ausdruck huscht über sein Gesicht und ich bereite mich innerlich auf eine Auseinandersetzung vor. Es überrascht mich, als er nachgibt. "In Ordnung, ich gehe."
Bevor ich mich umdrehe, streckt er seine Hand aus, legt sie um mein Handgelenk und zieht mich in seine Arme. Vorfreude erfüllt mich, als ich auf das warte, was er als Nächstes tun wird. Wir haben nicht über den Kuss gesprochen oder auch nur zugegeben, dass es passiert ist, trotzdem ist das alles, woran ich denken kann.
Als seine Lippen über meine Stirn streichen, durchströmt mich ein seltsamer Cocktail aus Enttäuschung und Erleichterung. Mein Herz schlägt langsamer und meine Muskeln entspannen sich. Trotz der Verwirrung, die durch mich pulsiert, sinke ich gegen ihn.
Wie ist es möglich, dass, wenn ich mich so an Reed lehne, es sich anfühlt, als ob alles in Ordnung wäre?
"Ich rufe dich morgen an", flüstert er in mein Ohr.
Ich nicke, ziehe einen tiefen Atemzug ein, bevor ich mich zwinge, zurückzutreten. Sobald ich das tue, kehren all die Schmerzen und die Peinlichkeit wieder zurück und verschlingen mich fast.
Mit einem Winken laufe ich den Weg hinauf. Nachdem ich den Code für das Gebäude auf der Schalttafel eingegeben habe, schlüpfe ich durch die Tür in die hell erleuchtete Lobby. Ich gehe in den Aufzug, drücke den Knopf für den dritten Stock und schaue zurück auf die Stelle, an der Reed eben noch war. Jetzt, nachdem ich sicher im Haus bin, erwarte ich, dass der Platz leer ist.
Ich erschrecke ein wenig, als ich Reed genau dort auf dem Bürgersteig sehe, wo ich ihn zurückgelassen habe. Unsere Blicke treffen sich. Erst als sich die Aufzugtüren schließen, wird unsere Verbindung unterbrochen. Seltsam aufgeregt lehne ich mich an die Wand und presse meine Augenlider fest zusammen.
Egal, was ich heute Abend erwartet hatte, als ich in Brinleys Kleid geschlüpft bin, das war es nicht.
Bei Weitem nicht.
7
Reed
Erschöpft von einem zweistündigen Training schleppe ich mich in die Umkleidekabine. Als ich heute Morgen total verschlafenen in die Arena ging, hatte die Sonne kaum über den Horizont geschaut.
Wir haben noch ein paar Wochen Zeit, bevor die Saison im Oktober beginnt. Ob du es glaubst oder nicht, die Vorsaison ist anstrengender als die Saison selbst. Denn in der Vorsaison wird die eigentliche Arbeit erledigt. Coach R ist wie ein Drill-Sergeant auf dem Eis. Er hat keine Skrupel, uns sechs Tage in der Woche in den Hintern zu treten, um uns fit zu machen. Wir haben immerhin das Glück, sonntags freizubekommen.
Wenn einem die Art und Weise, wie er sein Programm durchzieht, nicht gefällt, wird er demjenigen den Weg zur Tür zeigen. Mit seinem Stiefel Größe elf. Die Red Devils haben einen Kader von sechzig Spielern, es gibt also mehr als genug Talente, die nur auf die Chance warten, eine freie Stelle zu besetzen, wenn irgendein armer Bastard ausscheidet.
Es mag zwar viel Gemecker geben, aber wenn Trainer R. da ist, halten die meisten die Klappe.
Ich war heute Morgen wahrscheinlich der Einzige, der die vom Trainer verhängte Strafe gut fand. Die meisten Jungs waren noch verkatert von der Nacht zuvor. Jessie Adams übergab sich in einen Mülleimer der bei den Bänken stand. Gott sei Dank war er dabei nicht auf dem Eis, sonst wäre er nicht der Einzige gewesen, der kotzen musste.
Die Schreie und Pfiffe des Trainers heute Morgen waren das Einzige, was mich von Gedanken an Emerson abgelenkt hat.
Und von diesem Kuss …
Scheiße.
Ich gebe zu, dass es dumm von mir war. Ich hätte der Versuchung nicht nachgeben dürfen. Sobald ich auf den Geschmack gekommen war, hatte ich verloren. Ich musste mehr haben. Aber es war nicht annähernd genug. Als ich wieder klar denken konnte, beendete ich den Kuss. Jetzt, nachdem ich ihre vollen Lippen gespürt habe, bin ich nicht sicher, ob es einen Weg zurück gibt.
Es war eine weise Entscheidung von ihr, mich nicht in ihre Wohnung zu lassen. Nachdem ich Em gestern Abend abgesetzt hatte, ging ich nach Hause. Ich hatte überlegt, ob ich nicht zur Party zurückkehren und mich ein zweites Mal mit diesem betrügerischen Sack voller Scheiße anlegen sollte, aber ich tat es dann doch nicht. Stattdessen ging ich früh ins Bett und versuchte, nicht an Emerson zu denken.
Ich lasse meinen Schläger in die Ablage fallen und gehe zur Bank, bevor ich mein Trainingstrikot ausziehe. Meine Schulter- und Ellbogenpolster nehme ich als Nächstes ab. Mit einem Ächzen sinke ich auf die Bank und schnüre meine Schlittschuhe auf. Die Umkleidekabine füllt sich mit lauten Stimmen.
Nun, da das Training vorbei ist, leben alle wieder auf.
Was für ein Haufen Schlappschwänze.
Da ich nicht daran interessiert bin, diesen Typen zuzuhören, wie sie sich das Maul zerreißen, blende ich alles um mich herum aus. Jetzt, mit Ende des Trainings, schiebt sich Emerson in den Vordergrund meiner Gedanken. Ich bin immer noch verwirrt über die Tatsache, dass sie eine Jungfrau ist. Wenn Em die Information nicht selbst bestätigt hätte, hätte ich es nie geglaubt.
Nicht in einer Million Jahren.
"Hey, Philips, ist es wahr?"
Ich schaue auf. Jessie, dessen Farbe allmählich wiederkehrt, lehnt sich lässig an seinen Spind. Er hat sich nicht die Mühe gemacht, seine Polster auszuziehen. Ein Grinsen liegt auf seinem Gesicht. Das allein zeigt mir schon, dass mir dieses Gespräch nicht gefallen wird.
Als ich nichts sage, fährt er fort. "Ist die süße kleine Emerson noch Jungfrau?"
Mein Kiefer verkrampft sich, ein paar andere Jungs drehen sich um und starren in unsere Richtung, ihre Mimik zeigt, wie neugierig sie sind. Gestern Abend habe ich die Chance verpasst, Tyler richtig zu verprügeln, aber es sieht so aus, als könnte ich meine Wut an dieser Dumpfbacke auslassen.
Ich stehe auf. Auch ohne meine Schlittschuhe bin ich immer noch größer als er. "Halt dein verdammtes Maul, Adams." Ich steche mit einem Finger in seine Richtung und belle: "Bevor ich es dir stopfe!"
Jessie zuckt mit den Achseln, sein Grinsen verwandelt sich in ein verschmitztes Lächeln. Es wäre ein Vergnügen, es ihm vom Gesicht zu schlagen. "Beruhige dich, Mann. Du brauchst dir nicht gleich in die Hose zu machen. Ich frage nur, ob das, was ich gehört habe, wahr ist." Er wackelt mit den Augenbrauen. "Denn, wenn das so ist, möchte ich als erster meine Dienste anbieten. Ich wäre mehr als glücklich, diese überreife Kirsche zu knacken."
Ein Knurren vibriert in meiner Brust, als eine Handvoll Jungs mit dem, was sie mit Emerson machen wollen, einstimmen.
"Ich würde diese jungfräuliche Muschi die ganze Nacht lang ficken!", ruft jemand.
In der Umkleidekabine erklingt schroffes Gelächter, bis ich kurz davor bin, die Beherrschung zu verlieren.
"Wieso hast du den heißen Arsch noch nicht abgecheckt, Philips? Das Mädchen hat einen verdammt süßen Körper." Alex McAvoy kreist mit den Hüften und stöhnt, als würde er gleich kommen. Ich bin sicher, so klingt er im Badezimmer, wenn er sich einen rubbelt.
Nicht, dass ich das wissen will.
Oder du es wissen willst.
Ein paar der Jungs werfen Bälle aus wattiertem Klebeband nach ihm, und er schlägt sie mit einem Lachen weg.
"Das war’s", murmele ich. Es ist mir egal, ob ich jeden in der Mannschaft verprügeln muss. Niemand spricht so über Emerson und kommt damit durch. Em war schon immer tabu, was diese Schwachköpfe betraf.
Eine schwere Hand fällt auf meine Schulter und drückt mich zurück auf die Metallbank. Colton ist nicht nur unser Starttorwart, er ist auch Kapitän, wie ich. "Entspann dich. Du weißt, dass sie dir nur auf den Sack gehen wollen. Niemand wird sie anfassen." Er blickt in die Runde und brüllt: "Jetzt haltet die Klappe, bevor ich zulasse, dass Philips euch in eure dummen Ärsche tritt."
Sobald sich die Mannschaft beruhigt hat, setzt sich Colton auf die Bank gegenüber von mir.
Er kommt ohne Umschweife auf den Punkt. "Was willst du in dieser Situation unternehmen?"
Ich runzele die Stirn und ziehe meine Schienbeinschützer aus. "Von welcher Situation sprichst du?" Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass ich weiß, worauf er anspielt.
Colton schaut mich ungeduldig an, bevor er mit seinem Daumen zu den Idioten deutet, die ich als meine Freunde betrachte. Die meisten sind nackt, um zur Dusche zu gehen. "Was auch immer geschieht, ist Emersons Privatsache. Aber du weißt verdammt gut, dass es Typen geben wird, die ihr nur nachstellen, weil sie eine Jungfrau ist. Dank ihres idiotischen Freundes hat sie jetzt eine riesige Zielscheibe auf dem Rücken." Seine dunklen Augen bohren sich in meine. "Das wirst du nicht zulassen, oder?" Er macht eine weitere Pause. "Du willst doch nicht zusehen, wie irgendein Arschloch sie benutzt, um hinterher damit zu prahlen?"
Scheiße!
Ich streife mir meine schweißnassen Haare aus dem Gesicht, als seine Worte zu mir durchdringen. So sehr ich auch hasse, es zuzugeben, aber Colton hat recht.
Wieso habe ich das nicht schon vorher gesehen?
Ihre Enthüllung hatte mich so umgehauen, dass ich nicht daran dachte, wie sie das für einen Typen, dem es nur darum geht, eine Jungfrau zu bumsen, interessant machen würde.
Der Gedanke, dass ein Arschloch das tut, macht mich krank.
Ich darf das nicht zulassen.
Colton steht auf und zieht den Rest seiner Schutzkleidung aus. "Überlege dir gut, was du tun wirst, Mann. Es ist offensichtlich, dass du Gefühle für sie hast."
Verdammt richtig, ich mag Em. Sie ist meine beste Freundin. Sicher, manchmal mögen diese Gefühle die Grenze überschreiten, aber es sind immer noch freundschaftliche Gefühle. Ich möchte keine feste Freundin haben und ich bin ganz bestimmt nicht darauf aus, unsere Beziehung zu versauen.
Ich tue also das Einzige, was ich tun kann. Ich widerspreche.
"Nein." Ich schüttle den Kopf. "Du kapierst das nicht. Em und ich sind nur Freunde. Das weißt du doch." Ich versuche, zu schlucken, aber mein Mund ist zu trocken. Um meine Hände zu beschäftigen, hole ich eine Flasche Wasser aus meinem Spind und trinke sie in einem Zug aus. Aber es hilft nicht, meine ausgetrocknete Kehle zu befeuchten.
Colton zieht die Augenbrauen zusammen und studiert mich, bevor er sein Brustpolster abschnallt. "Weiß ich das?"
"Ja." Ich schaue weg. Colton hat schon immer Leute gut einschätzen können. Meistens ist das von Vorteil. Aber im Moment?
Nicht so sehr.
Als er nichts weiter sagt, stoße ich einen erleichterten Atemzug aus und gehe schnell zu den Duschen, bevor er weitere unerwünschte Bemerkungen von sich geben kann.
8
Emerson
Es klopft kurz an meiner Tür, bevor sie aufgestoßen wird und Brinley ihren Kopf in mein Zimmer steckt. Als sie sieht, dass ich schon wach bin, kommt sie zum Bett und lässt sich auf mich fallen.
Ich grunze, als ihr Arsch auf meine Hüfte knallt.
Ihr dickes blondes Haar steht ihr wirr vom Kopf ab. Sie sieht aus, als hätte sie ihre Finger in eine Steckdose gesteckt.
"Wohin bist du gestern Abend verschwunden?", fragt sie mit einem lauten Gähnen und streckt sich. "Ich habe ein paarmal versucht, dich auf dem Handy zu erreichen, aber du bist nicht rangegangen."
Ich stöhne. Ich hatte überhaupt nicht daran gedacht, Brinley anzurufen oder ihr eine SMS zu schicken, als ich die Party verließ.
"Ich habe mir Sorgen um dich gemacht", fügt sie hinzu und sticht mir den Finger in die Schulter. "Es wird nicht umsonst das Kumpel-System genannt." Sie macht eine Pause. "Und du hast mich im Stich gelassen, Kumpel."
Das schlechte Gewissen überrollt mich. "Es tut mir leid, Brin. Ich hätte dir Bescheid sagen sollen." Ich fahre mit der Hand durch mein Haar und versuche, es zu glätten. Ich habe das Gefühl, dass es ähnlich wie Brinleys überall hochsteht. "Die letzte Nacht wurde zu einem totalen Desaster."
Ihre Augen leuchten auf vor Interesse. "Wirklich? Was ist passiert?"
Ich seufze. "Zunächst einmal fand ich Tyler in einem Schlafzimmer, wo ein Mädchen gerade an seinem ..."
"Nein!", schreit sie und schneidet mir das Wort ab. Brins Augen sehen aus, als würden sie gleich aus den Augenhöhlen fallen. "Du hast ihn tatsächlich auf frischer Tat ertappt?"
"Leider." Das Saugen und Wippen des Mädchens über Tylers Schritt ist etwas, das ich nicht so schnell vergessen werde.
Brinley zieht ihre Unterlippe zwischen die Zähne und schaut mich an. "Mist. Das macht das, was ich dir zu sagen habe, noch schlimmer."
"Was?", flüstere ich. Dann halte ich es nicht länger aus: "Sag es mir einfach!" Meine Welt ist bereits total auf den Kopf gestellt worden. Wie viel schlimmer kann es werden?
Brinley dreht sich um, bevor sie sich die Haare aus den Augen streift. "Ich will nicht, dass du dich aufregst, aber ..."
Dafür ist es zu spät.
"Ich habe gestern Abend auf der Party einige Leute darüber reden hören, dass du noch Jungfrau bist." Sie wirft ihre Hände in einer Geste der Kapitulation hoch. "Ich schwöre beim Leben meiner Oma, Em, dass ich nie ein Wort darüber verloren habe. Diese Info war in mir so sicher wie in einem Safe. Ich habe nie was gesagt."
Luft strömt aus meinen Lungen und ich bin erleichtert, dass es nichts Neues zu meiner Liste mit Problemen hinzuzufügen gibt. "Das war Tyler. Er ist derjenige, der mich geoutet hat. Offensichtlich ist meine sexuelle Unerfahrenheit der Grund dafür, dass er sich mit einem anderen Mädchen vergnügt hat."
"Was für ein Arschloch." Wut zeichnet sich auf ihrem hübschen Gesicht ab. "Geht es dir gut?"
"Ja." Ich zucke mit den Achseln und wiederhole mein neues Mantra. "Es ist nicht das Ende der Welt. Ich werde es überleben."
"Es tut mir leid, Em", sagt sie leise, die Stimme voller Empathie, als sie ihre Hand auf meine Schulter legt und sie drückt. "Das war total beschissen von Ty." Sie macht eine kurze Pause. "Gott sei Dank warst du nicht mit ihm im Bett. Das wäre so eine Verschwendung gewesen."
Ich überlasse es Brin, den Silberstreif an einem ansonsten mit Mist gefüllten Horizont zu sehen.
Im Moment wünsche ich mir, dass ich meine Jungfräulichkeit längst verloren hätte. Dann wäre ich nicht in dieser Zwickmühle.
Brittney Spears' Baby, Hit Me One More Time füllt den Raum. Mein Klingelton für Reed. Er hasst dieses Lied, und normalerweise reicht allein das aus, um ein Lächeln auf meine Lippen zu zaubern. In der Highschool habe ich diesen Song auf einer seiner Playlists gefunden. Was wäre ich für eine Freundin, wenn ich das nicht ausnutzen würde? Jedes Mal, wenn es ihm gelingt, mein Handy in die Hände zu bekommen, ändert er den Klingelton in etwas Männlicheres.
Hardrock mit einem tief pumpenden Bass. Ein Gitarrensolo.
Es spielt keine Rolle, wie oft er den Ton löscht, ich ändere ihn gleich wieder zurück.
Als ich nicht sofort nach meinem Telefon auf dem Nachttisch greife, hebt Brinley die Augenbrauen. "Willst du nicht rangehen?"
Ich schüttle den Kopf.
Ich habe den Überblick verloren, wie oft Reed heute Morgen versucht hat, anzurufen. Nach allem, was gestern Abend passiert ist, brauche ich ein wenig Abstand. Obwohl mir Tylers große Verkündung im Kopf herumspukt, kann ich nicht aufhören, daran zu denken wie Reed mich geküsst hat.
Ich möchte es unbedingt Brinley erzählen, aber trotzdem behalte ich es für mich. Was bringt es, darüber zu reden? Es ist nicht so, als würde es etwas bedeuten. Es war ein Kuss unter Freunden. Ein Trost für einen beschissenen Abend.
"Wow", murmelt sie. "Die Situation ist viel schlimmer, als ich vermutet habe, wenn du nicht mit Reed sprechen willst."
Ganz genau.
Mein Leben ist implodiert, und ich kann mich nicht an die eine Person wenden, bei der ich normalerweise Trost suchen würde. Was alles nur noch schlimmer macht.
"Ich werde später mit ihm sprechen", murmle ich.
"Weiß er, was mit Tyler passiert ist?"
"Ja." Ich seufze. Die blutigen Details noch in lebhaften Farben in meinem Kopf. "Reed und ich waren zusammen, als wir ihn gefunden haben." Ich halte inne, bevor ich zugebe: "Reed hat Ty geschlagen. Zweimal."
"Gut." Brin sieht durch diese Information ein wenig beschwichtigt aus. "Ich wünschte nur, ich hätte es selbst sehen können."
Jetzt, wo sie auf dem Laufenden ist, schweigen wir beide.
"Du wirst Ty nicht zurücknehmen, nach dem, was er getan hat, oder?", fragt sie.
Glaubt Brin ernsthaft, dass ich nach dem, was ich gesehen habe, bei ihm bleiben würde?
Zum Teufel, nein.
Es gibt viele Typen auf diesem Campus, die meinen, dass sie einen Freifahrtschein für schlechtes Benehmen haben. Leider gibt es auch mehr als genug Tussis, die bereit sind, einem nichtsnutzigen, betrügerischen Arschloch so was durchgehen zu lassen.
Ich gehöre nicht zu diesen Mädchen.
Mein Gesichtsausdruck wird grimmig. "Ich habe ihm gesagt, dass es mit uns vorbei ist. Ich glaube nicht, dass ich ihn jemals anschauen kann, ohne das Mädchen über seinen Schritt gebeugt zu sehen." Eine Welle des Ekels rollt durch mich hindurch.
"Widerlich." Sie zieht die Nase kraus, als hätte sie gerade etwas Übles gerochen. "Das ist kein Bild, das ich in meinem Kopf haben möchte."
"Ich auch nicht, aber dafür ist es zu spät."
"Wenn ich ehrlich bin, habe ich nie gedacht, dass ihr beide zusammenpasst."
Das hatte ich schon immer vermutet. "Warum?"
"Ich weiß nicht." Sie zuckt mit den Schultern. "Ihr seid einfach so verschieden. Er lebt gern im Moment und ist total auf seine blöde Studentenverbindung fixiert. Du machst dir Sorgen um deine Noten und um deine Zukunft nach dem Examen." Sie macht eine Pause, bevor sie hinzufügt: "Außerdem schien es dir nie so wichtig zu sein, Zeit mit ihm zu verbringen. Du machst lieber was Reed als mit deinem Freund."
Sie hat recht.
Tyler und ich haben unterschiedliche Ansichten. Aber das war schon immer Teil seines Charmes. Er nimmt das Leben nicht so ernst. Er hat Spaß und ist leicht zu händeln. Und er hat nie hohe Anforderungen an unsere Beziehung gestellt.
Nicht, dass es noch eine Rolle spielt, aber ich frage mich, ob er mich die ganze Zeit verarscht hat. Ich schätze, wenn du dir den Schwanz von anderen Tussis lutschen lässt, brauchst du keine Freundin, die das für dich tut. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass er nichts gesagt hat, als ich unsere körperliche Beziehung langsam angehen wollte.
"Es tut mir leid, dass ich gestern Abend nicht für dich da war", sagt Brin.
Ich wiegele ihre Entschuldigung ab. "Mach dir keine Sorgen. Ich hätte nicht gehen sollen, ohne dir Bescheid zu geben."
Auf einmal wird Brin munter. "Hey, ich weiß genau, was dir helfen wird, dich besser zu fühlen."
Den Rest des Wochenendes im Schlafanzug verbringen? Ein Saufgelage mit Gossip Girl und einer extragroßen Peperonipizza? Eine Gallone Eiscreme inhalieren?
Das könnte funktionieren.
"Ich habe gehört, es gibt da eine Riesenparty ..."
Ist Brin nicht mehr bei Sinnen?
"Auf keinen Fall!" Ich schüttle den Kopf und deute mit einem Finger auf das Bett, auf dem wir beide sitzen. "Ich werde diese Wohnung nicht verlassen. Meine Pläne sehen vor, mich so lange zu verkriechen, bis alles vorbei ist."
"Bist du nicht zur Schicht um neun Uhr eingeplant?"
Ich stöhne und blicke auf die Uhr auf dem Nachttisch. "Das hätte ich fast vergessen!" Ich werfe die Decke ab, springe vom Bett und renne zum Schrank. Dort ziehe ich meine rosa Kellnerinnen-Uniform heraus, die in Stella's Diner zur Standardausrüstung gehört.
Stella, die Besitzerin, denkt, es würde den Kellnerinnen Spaß machen, Fünfziger-Jahre-Retro-Uniformen zu tragen. Ich bin kein großer Fan davon, aber die Kunden scheinen es zu mögen. Wir bekommen immer eine Menge Komplimente.
Abgesehen vom Outfit liebe ich die Arbeit im Diner. Stella gab mir eine Chance und stellte mich im ersten Jahr ein, seither bediene ich dort. Die Trinkgelder sind gut, aber es sind die Menschen da, die ich liebe. Stella und ihr Mann Hank sind für mich wie eine Familie geworden. Es gibt nichts, was ich nicht für sie tun würde.
"Du könntest dich krank melden", bietet Brin von ihrem bequemen Platz auf meinem Bett aus an, während sie mir zusieht, wie ich mich in mein Kleid hangele und die Vorderseite zuknöpfe.
So verlockend die Idee angesichts meiner derzeitigen Lage auch ist, ich schüttle den Kopf. "Das kann ich Stella nicht antun. Vielleicht hilft es mir ja, eine Weile rauszukommen und nicht über das, was passiert ist, nachzudenken. Ich bin sicher, dass im Restaurant viel los sein wird."
Sie lächelt und zeigt mit dem Finger in meine Richtung. "Du hast absolut recht, es wird dir guttun, aus der Wohnung rauszukommen."
"Vergiss es." Ich nehme meine Haare zu einem einfachen Pferdeschwanz hoch. "Ich gehe nicht auf die Party. Vielleicht werde ich, nachdem sich dieses Jungfrauengerücht gelegt hat, darüber nachdenken, mein Gesicht auf dem Campus wieder zu zeigen."
Sie winkt ab. "Es waren nur ein paar Leute auf der Party, die darüber getratscht haben. Ich bin sicher, dass es schon vergessen ist."
"Ich hoffe es", murmle ich und schlüpfe in meine rosa Converse-Schuhe. Ich habe kaum Zeit zum Verschnaufen, bevor ich mir meine Handtasche von der Kommode schnappe und zur Tür hinausstürme.
Ich kann nur hoffen, dass meine Schicht im Diner weniger ereignisreich ist als die Party gestern Abend.
9
Reed
Ich schaue frustriert auf mein Handy, als mein Anruf direkt zur Mailbox geht. Warum geht Emerson nicht an ihr verdammtes Telefon? Ich habe mittlerweile etliche Nachrichten hinterlassen und keinen Pieps als Antwort bekommen.
Das gefällt mir nicht. Kein bisschen.
Meidet sie mich?
Emerson ignoriert meine Anrufe sonst nie.
Wenn sie glaubt, ich belasse es dabei, dann liegt sie falsch. Sie sollte mich besser kennen. Nun, da ich mit dem Training fertig bin, kann ich zu ihr gehen.
Meine Gedanken kreisen wieder um das, was Colton in der Umkleidekabine gesagt hat. So ungern ich es zugebe, aber er hat recht damit, dass die Jungs jetzt, wo sie wissen, dass sie Jungfrau ist, hinter ihr her sein werden. Es wird eine Herausforderung sein.
Wir brauchen einen Plan.
Ich habe mir schon eine Vorgehensweise ausgedacht. Sie muss nur noch zustimmen.
Gerade als ich auf den Schlüssel zu meinem Truck drücke, wird mir klar, dass Emerson wahrscheinlich die Frühschicht bei Stella hat. Das muss der Grund sein, warum sie nicht an ihr Telefon geht.
Em geht mir nicht aus dem Weg, sie ist beschäftigt.
Ich weiß nicht einmal, warum ich zu diesem Schluss gekommen bin.
In Ordnung, doch, das weiß ich.
Es ist der Kuss. Ich habe keine Ahnung, was sie dabei gefühlt hat. Vielleicht hätte ich mich mit ihr zusammensetzen und darüber reden sollen, aber ich habe den Moment verstreichen lassen.
Sobald ich mich hinter das Lenkrad des Trucks gesetzt und den Motor gestartet habe, fahre ich vom leeren Parkplatz in der Nähe der Sportarena weg. Stella's Diner befindet sich etwa eine Meile vom Campus entfernt an der Hauptstraße, was bedeutet, dass es ein gemischtes Publikum von Leuten, die in der Stadt leben, sowie eine Reihe von Studenten aus dem College, anzieht.
Das Diner ist ein Retro-Fünfzigerjahre-Nostalgie-Laden. Der Boden besteht aus schwarz-weiß karierten Fliesen und die Decke ist mit silber glänzendem Blech verkleidet. Gerahmte Fotografien alter Hollywood-Stars schmücken die Wände. Die Bänke sind mit leuchtend rotem Leder bezogen, die Tische haben glänzend weiße Linoleumoberflächen.
Ich liebe es, dort zu sein. Hank macht das beste Salisbury-Steak mit Kartoffelpüree, das ich je gegessen habe. Der Typ ist ein kulinarischer Zauberkünstler. Ich würde es jeden Abend nach dem Training verschlingen, wenn ich könnte. Obwohl es zweifelhaft ist, dass meine Arterien mir dafür danken würden.
Ein weiterer Vorteil ist, dass ich Emerson in ihrer engen rosa Kellnerinnen-Uniform sehe, die jede ihrer Kurven betont. Ja, ich sollte nicht hinsehen, aber ich bin ein Kerl. Ich kann nicht umhin, zu bemerken, wie heiß sie ist.
Sobald ich durch die Glastür trete, entdecke ich Em bei ein paar Leuten, die etwa in unserem Alter sind. Jede Wette, dass sie auf die Southern gehen. Em lächelt, während sie ihre Bestellungen aufnimmt. Meine Augen werden schmal, als ich sehe, wie sie mit ihr flirten, jeder von ihnen schreit regelrecht nach ihrer Aufmerksamkeit.
Normalerweise würde mich das nicht stören. Es gehört zu ihrem Job, freundlich zu sein. Aber aus irgendeinem Grund nervt es mich heute Morgen. Sobald sie ihre Bestellung auf dem Notizblock notiert hat, gehe ich zum Tisch und greife nach ihrer Hand.
Ihre Augen weiten sich, als sie mich sieht. "Reed! Was machst du hier?"
"Wir müssen reden." Ohne auf eine Antwort zu warten, ziehe ich sie zur Kasse, zu Stella. Die ältere Frau strahlt. Ich komme schon so lange ins Diner, wie Emerson dort arbeitet. Stella liebt mich. Außerdem schadet es nicht, dass ich ein paar Sachen im Restaurant repariert habe. Mein Vater verließ uns, als ich etwa zehn Jahre alt war, und meine Mutter heiratete nie wieder. Ich habe bereits früh gelernt, wie man undichte Rohre flickt und Trockenbauwände setzt. Es ist erstaunlich, was man im Internet alles lernen kann. Gib mir YouTube und ich könnte mit verbundenen Augen durch die Schweizer Alpen fliegen.
"Reed, was für eine nette Überraschung", grüßt Stella. "Möchtest du, dass Hank dir etwas zum Frühstück macht? Wir haben eine neue Spezialität in die Speisekarte aufgenommen – wir nennen sie den Red Devil Grand Slam. Er wird mit drei Eiern, Schinken, Speck, zwei Pfannkuchen und einer Beilage Rösti-Ecken serviert. Dafür muss man einen großen Appetit mitbringen." Sie zwinkert mir zu. "Das ist nichts für schwache Nerven."
Oder für jemandem, der ein Herzleiden hat.
Mir knurrt der Magen, wenn ich an das Essen denke. Ich könnte all das ohne Probleme zum Frühstück verputzen. "Das hört sich gut an." Ich denke darüber nach und schaue Emerson an, deren Stirnrunzeln sich vertieft hat. Dann erinnere ich mich, was mich dazu bewogen hat, überhaupt vorbeizuschauen.
Leider war es nicht das Frühstück. Hätte ich klar gedacht, hätte ich einen der Proteinriegel, die ich immer im Handschuhfach liegen habe, gegessen. Nach dem zweistündigen Training fühle ich mich, als würde mein Magen seine eigene Schleimhaut essen.
"Nein, alles gut. Darf ich mir Em für eine Minute ausleihen? Es wird nicht lange dauern."
Emersons Kinnlade fällt herab, als ich sie übergehe und direkt ihre Chefin frage.
Du hättest an dein verdammtes Telefon gehen sollen, Mädchen.
Stella schaut sich prüfend im Restaurant um. "Aber sicher, mein Junge. Ich werde für Em einspringen, während sie eine kurze Pause macht." Stella streckt ihre Hand mit den fuchsiafarben gelackten Nägeln aus. "Hast du die Bestellung aufgenommen?"
Emerson brummt vor sich hin, als sie das oberste Blatt von ihrem Notizblock abreißt und es ihr gibt, bevor sie sich in dem überfüllten Diner umsieht. "Bist du sicher, dass ich eine Pause machen soll? Wir hatten den ganzen Morgen reichlich zu tun."
Stella wiegelt Ems Bedenken ab und scheucht uns zur Rückseite des Restaurants.
Das brauche ich mir nicht zweimal sagen zu lassen, daher schließe ich meine Finger um Emersons Hand und schleife sie in das Hinterzimmer, wo das Personal seine Pausen macht und die persönlichen Sachen aufbewahrt. Sobald wir über die Schwelle treten, reißt Em ihre Hand los und verschränkt die Arme vor der Brust.
Ich kann nicht umhin, zu bemerken, wie die Bewegung ihre Titten zusammendrückt, sodass sie noch runder und weicher aussehen als sonst. Ich schaue weg, bevor sie mich dabei erwischt, wie ich sie abchecke.
"Ich bin mitten in meiner Schicht, Reed. Was immer du zu besprechen hast, hätte bis später warten können."
Ich öffne den Mund, um ihr von dem Plan zu erzählen, den ich ausgeheckt habe, als sie mich abrupt unterbricht.
"Wenn es was mit letzter Nacht zu tun hat, will ich nicht darüber reden." Ihr dicker Pferdeschwanz schwingt hin und her, als sie den Kopf schüttelt. "Niemals."
"Es geht nicht um letzte Nacht", lüge ich.
"Okay." Ihre Schultern fallen herab und ein Seufzen entweicht ihren Lippen. "Gut."
Als sie mich erwartungsvoll anstarrt, murmle ich: "Vielleicht hat es ein bisschen was mit der letzten Nacht zu tun."
"Reed …"
Ich halte meine Hände hoch, Handflächen nach außen. "Hör mich einfach an, okay? Das ist alles, worum ich dich bitte, und dann werden wir die Sache nie wieder diskutieren."
Das ist eine weitere Lüge.
Sie presst ihre Lippen aufeinander, aber sie unterbricht mich nicht, was ein ermutigendes Zeichen ist. Emerson mag klein sein, doch sie ist gerade heraus. Ich habe das auf die harte Tour gelernt. Abgesehen von Mom ist Em die einzige Person, bei der ich nicht in Ungnade fallen möchte. Bei jedem anderen wäre mir das scheißegal. Aber Em ist nicht irgendwer. Ich hasse es, wenn sie sauer auf mich ist. Es geht mir unter die Haut wie ein Ausschlag. Das kommt nicht sehr oft vor, aber es gab schon einige Male, bei denen wir aneinandergerasselt sind.
Ist es mir peinlich, zuzugeben, dass ich wie ein billiges Kartenhaus zusammenklappe, wenn es um Emerson geht?
Nein. Ganz und gar nicht.
Macht mich das zu einer Pussy?
Wahrscheinlich, aber damit kann ich leben.
Ich räuspere mich. "Ich dachte, dass wir miteinander ausgehen sollten."
Jetzt, nachdem ich die Bombe abgeworfen habe, entspanne ich mich und warte auf ihre Reaktion.
Es dauert nicht lange.
"Ausgehen?" Sie zieht die Nase kraus, als ob sie nicht versteht, was das bedeutet. "Wie ... ein Date?"
Ein erleichtertes Lächeln legt sich auf meine Lippen, als ich nicke. "Ja! Das ist genau das, was wir tun sollten. Wir werden ein Paar sein."
Sie mustert mich, bis ich unter der Unerbittlichkeit ihres Blicks unruhig werde. Sie lacht. Mein Gesichtsausdruck schwankt, als sich ihr Lachen in lautes Gelächter verwandelt und sie sich praktisch schüttelt vor Lachen.
Das war nicht die Antwort, die ich von ihr erwartet hatte.
Überhaupt nicht.
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